A OieAftenr ** c5" den Landtreis Vorlaund, Anzeiger für verbunden mit der Schwerter Vritung C Apirrer Pilung Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mark 50 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Wöchentlich eine Gratisbeilage„Familienfreund.“ A#sertionsgebühr für die sechsspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg. gußerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Reklamen 30 Pfg. Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Nl 8ed Dortmund, Schwerte und Aplerbeck, Donnerstag, 17. Juni 1886. 19. an Herrn Generalkonsul v. lung beantwortet habe, mit der Sie Nachricht Scherzer in Genua gerichtet hat, welcher seit geben von der Katastrophe, die Sie zur Re= den österreichisch=ungarischen Vertragsverhandgentschaft Bayerns berufen hat, erhalten Ich lungen mit China mit Sir Robert Hart freundsoeben durch Ihr Telegramm die Mitteilung schaftliche Beziehungen unterhält. Das Schreiben einer noch größeren Katastrophe, die der vorigen lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: ein entsetzliches Ende gemacht, um Ew. Königl.] Peking, 10. April 1886. Wir hier in Hoheit Regentschaft, über ein anderes Mitglied] China sind nicht wennig überrascht, aus euroIhres Königl. Hauses hinweg, Ihrer hohen Berufung eine neue Verpflichtung aufzuerlegen. Für Ew. Königl. Hoheit Mitteilung Meinen treuesten Dank darbringend, spreche Ich Ihnen Meine tiefinnigste Teilnahme bei diesen in so vielen Hinsichten erschütternden Ereignissen aus, von deren Aufrichtigkeit Sie bei Unserer so langen Freundschaft gewiß überzeugt sind. Wilhelm.“ Beileidstelegramme sind auch eingegangen von tmachungen zu gunsten seines ältesten Sohnes Ludwig ver= gemeines Wehklagen durchdrang die Luft beim artungen am Gehirn und seinen Häuten ergeben. Amtliche Bekanntmachlugen. zichten sollte. König Ludwig II. ist noch nicht Abgang des Trauerzuges. Von der Münchener Dieselben sind teils auf abnorme Entwickelung, ganz 40 Jahre alt geworden. Er ist als Sohn Vorstadt Sendling ab wurde der Zug von einer teils auf chronische Entzündungs=Vorgänge älteren Sesctug König Maximilians II und der Königin Marie, Abtelung des ersten schweren Reiterregimentes und jüngeren Datums zurückzuführen. de wird vierburch nur Kenntnis der Seteiligten Tochter des Prinzen Wiühelm von Preußen, am eskortiert. Montag nacht halb 2 Uhr langte un jühgrer. des Polizeis=Regiements vom 31. Otoder 1854(u.= Bl. 25. August 1845 in Nymphenburg geboren. der Zug sill im Münchener Residenzschloß an.] Die chinesischen Eisenbahnen. Am 10. März 1864 bestieg er den Thron.] Die in Feldafing weilende Kaiserin von In neuerer Zeit ist in englischen und deutSeairt Dorimnund am 9. Jul kr. um oig übr ver„Das Unglüick des jungen Königs, dem keine Oestereich hate einen prachwolen Kranz nachschen Zeitungen mehrfach, und zwar ziemlich bevitags voen Hutante otpdrt begiunen, buthove, energsche Ratgeber zur Seite standen, war es, Schloß Berg gesandt. stimmr die Rede davon gewesen, daß die Slscheite uie die Spige—. daß er in seinen für alles Ideale empfänglichen An sensationellen Gerüchten hat es selbzwer=schinesische Rezierung sich erntlich mit der HerDortmund, den 1. Juni 1886. Geist sich eine Welt zu schaffen suchte, die irdi. ständlich nicht gefehlt. So hieß es, die Gebirgs= stellung von Eisenbahnen beschäftige, und es Der Landrat: v. Rynsch; schen Verhältnissen nicht entsprach. Damit bevölkerung habe am Sonntag abend den König hatten sich sogar Agenten von englischen und Ludwig von Banern: wurde er von allen thatsächlichen Verhältnissen gewaltsam befreien wollen. Alles sei bereit ge= deutschen Geschäftshäusern auf den Weg nach Ssouie enc# ,agzagen und in eine lage bersest, de au wuesen, Kanmede Helzlöße hüte dos Sitgalsden Reich der Mite genacht un Anertbietungen Die bayersae 4ragoote Vo., Suey, Vvtg,(seinen Geist und sein Gemüt von unhelvollen geben solen, aber in der letzten Stunde sei das für den Bau der Bahnen, die Lieferung von dren Abschlus orteunden: Die 8. Volzebdrel, Holgen sein mußte. Der Irsium benächige ünglüick geschehen. Weitere Nachrichten, Ober= Schienen u. s. w. zu unterbreiten. Ja, die tion in München erläßt folgende Bekanntmachung; sich seiner Sele, und im Parkse von Schloßl stalmeister Graf Holnstein habe sich erschossen englischen Blätter sprachen sich schon, wie das Nachdem Se. Maj. der König seit seiner An=Berg hat das herzergreifende Finale dieses Le= und die Königin=Mutter sei plötzlich verstorben, ihre Art ist, recht erbittert und neidisch darüber kunft in Schloß Berg den ärztlichen Ratschlägen bens stattgefunden. Seit lange, seit dem Atten= sind grundlos. aus, daß deutsche Firmen den englischen Fabrium S.#, stat auf Kaiser Wilhelm, ist das deutsche Volk] Die Leiche des Königs Luowig ist unter den kanten bei einem Unternehmen den Vorrang rudg Heig; oertcinet, wagte berstge uu Souy nicht in dieser Weserschüttert. Die unsterbliche entsprechenden Feierlichkeiten von Schloß Berglstreiig genacht häten, welches der europäschen tag abend orgen 7 Uhr in Heoleitung des ver Seie des Königs weilt in einer bessern Welt, nach München übergeführt, dort seziert und in Eisen=Industrie so gewalige Vorteile in Ausicht medizinalrates von Gudden einen Spaziergang sanft ruhe seine Asche. der Schloßkapelle aufgebahrt worden. Die Bei= stellte. Unter diesen Umständen ist ein Schreiben im Park, von dem der König und Gudden] Namens des neuen(geisteskranken) Königs setzung wird am Samstag wahrscheinlich er= von ungewöhnlichem Interesse, welches der Gelängere Zeit nicht zurückgekehrt sind. Nach Otto I. übernimmt der Regent Prinz Luitpold folgen. neralinspektor der chinesischen Seezölle, Sir Parkes d des Seeufers durch Proklamation die Regierung. Alle Beamte Kaiser Wilhelm sandte an den Prinz=Regenten Robert Hart, dermalen wohl die einflußreichste Peschuuung die Poteug, Hlaben in Amt. De Leiche des verstorberen Lutpoh, silgendes Telgrann: sfrende Persnichteit in Chua, soeben in bieser worde Se. Miaseit mit Guoden in Se. oe Köngs kommt so bald wie möglich nach, Mün=„Roch ehe ich Ev. Königl. Hohei Mitei=[Angelegenheit an Herrn Generaltonsal v. funden. Se. Majestät gaben ebenso wie Gudden chen, wo alles ruhig. Von allen Türmen anfangs noch schwache Lebenszeichen, doch waren Trauerläuten. Die Gotteshäuser sind überfüllt. die vorgenommenen Wiederbelebungsversuche ver- Der König war Sonntag ganz wohl, erzählte geblich. Um 12 Uhr nachte wurde der Todsaßz, biesegn zur Rücksendung der Wärter. Dann Sr. Majestät konstatiert. Das Gleiche war erfolgte im Anfall von Paroxysmus der Sprung bei Gudden der Fall! Das ist also der Ab= ins Wasser. Die Leiche wird in der Münchener schluß der Katastrophe im Leben des Königs Schloßkapelle ausgestellt. Ludwig. Ein dritter war bei dem Unfall nicht Die Katastrophe in Schloß Berg hat abends also zu sagen, oh es sichl gegen 7 Uhr stattgefunden. Um diese Zeit ist dugegen, wer vermag uuse du. spen, v. i. 1, die mit Wasser gefülte Uhr in der Tasche des um ein Unglück oder um einen bei dem gestör Königs stehen geblieben. Der König war am ten Geist des Königs erklärlichen Selbstmord Sonntag ganz ruhig, speiste um 6 Uhr und handelt? Wahrscheinlich hat wohl Gudden den ging dann mit Dr. von Gudden spazieren, mit König retten wollen und ist dabei selbst ums dem er sich in harmlosester Weise etwas erzählte. Seltsam ist es, daß der Er ließ sich schließlich auf einer Bank am SeeLontg, desn Zestand man boch mehr als de Wärter, weilche gfolgt waren, sorzuschicken. den Hiuig von Sachsen, den Shug von Wartennügend kannte, allein mit Dr. Gudden prome, Das geschah. Bald darauf warf der König berg, dem Großßerzog von Baden und vielen nierte... a(Plöslich seinen Rock ab und sprang ins Wasser, anderen Fürstlichkeiten. Die Enscheibung in München, und die Ab. Dr. Gaoden eite bintezgzigund hielt ihn eit, Was die At der Katcstopheanberift, glaubt setzung des Königs ist, wie es heißt, dadurch be= und es kam im Wasser zwischen beiden zu hef.] Wus on urt bic Kulnr.,„ anbetrifft, gle schleunigt, daß der König in seinem Irrsinn eine tigem Kampfe. Guddens Körper ist durch Kratz= man jetzt festgestellt zu haben, daß der König in ganze Reihe Todesurteile, auch über sämtliche wunden verletzt, auch ist der Grund des Sees weitem Sprunge ins Wasser gegangen ist. Er Minister, ausgefertigt und seinen jeweiligen Günst.= sarg zerstampft. Schließlich sind beide ins tiefe mußte dabei ein Gebüsch vorher durchbrechen, in kngen zur Aussähung übertragen hate. Am) Wosser zue Eehigkund in VBeteag gebracht, aber den die Zweige start geluickt siud. Der Arzt uach Hohenschnangan, um Regentschaft Kenntnis zu geben. Die Herren! Am Pfingstmontag schwuren alle Truppen in dem Dr. Gudden unterlag, und der König wurden aber von der Bevölkerung, welche dieses dem König Otto und dem Reichsverweser ging dann in das tiefere Wasser, wo er ertrank. Vorgehen als Hochverrat ansah, insultiert und vom Prinzen Luitpold den Eid der Treue. Die Züge des Toten sind ruhig und ernst. Dr. Eintritt in das Schloß, das von Gendarmen] Das Gutachten der ärztlichen Kommission Gudden hinterläßt eine Witwe und eine große besetzt war, abgehalten. Zuletzt kam die Feuer, über den verstorbenen König lautete auf unheil Zagl, angeblich 13, Kinder. Der Unglückliche wehr aus Füsen und nahn de ganze Kommision bare Verrückthelt, gu. 2. Neuesten hatte vor Eintzit dur ärtlichen Behandlung des gefangen. Bei der Aufregung der Bevölkerung Ein Leitartikel der Münchener Neuesen shaue vor Eintritt der ärztlichen Behandlung des bestand Gefahr für das Leben der Mitglieder. Nachrichten bespricht in Ausdrücken tiefster Trauer Königs garantiert, daß derselbe seinen AnordnunDrei Stunden später bewirkte der Bezirksamtmann das furchtbare Geschick eines so glänzend ver- gen folgen werde. Man hatte aber augenscheinlich die Entlassung, nachdem die Proklamation des anlagten Monarchen, der aus der Erhabenheit doch die bei dem König noch vorhandene WilleusPrinzen Luitpold eingetroffen war. Dann machte) idealster Anschauung in die furchtbarste Krankheit traft und Ueberlegung unterschäßt. sich die Kommision am Donnerstag früh aber= gestürzt sei. Gerade die Katastrophe beweise,“s), Zeichenfzier des Gönigs wich der der mals auf den Weg zug Schlost, arhielt aber wie nötig die Einsezung der Regenschof,er, gergabrignt sewpartet. Das Vefnden der Königain wieder keinen Einritt. Das Mitglied der Kom= wesin sei, wenn überhaupt anhängliche gpsze, aphprtig pegfert. Dag Mpinisteriam wird wahrmission, Graf Holnstein, wurde verhaftet, auf ehrung und bayerische Königstreue noch Zweifer Mutter ist besser. Duv Mimnistertum wurr.., Befehl des Königs am nächsten Tage aber still= an dem Regierungswechsel hegen konnten. Der scheinlich dem Regenten seine Entlassung anbieten, schweigend wieder freigelassen. Inzwischen war Artikel schließt: Vor der Majestät des Todes das Gesuch wird aber nicht angenommen. das ganze Schloß mit Gendarmerie umgeben, die verstummt jeder kleine Gedanke. In reinen Abgeordnetenhause dürfte es in der eben eröffn niemand aus= oder einließ, der sich nicht genau Himmelshöhen wohnt geläutert Ludwigs un= Session heftige Angriffe der katholischen Partei legitimierte. Es war nämlich das Gerücht ver= sterblicher Geist. Die herzergreifende Tragik gegen das Ministerium geben. Das Sekundogebreitet, eine hochgestellte Persönlichkeit wolle den dieses herben Geschickes wird in aller Welt nitur.Vermögen von 10 Millionen geht in den Nach diesen Mitteilungen, die allerdings der König auf österreichisches Gebiet bringen, Schloß schmerzliche Trauer für Bayern und sein Fürsten= Besitz des Regenten über. Die Sektion der Feder eines geborenen Engländers entstammen, Schwanstein liegt hart an der Grenze, und ihn haus erwecken. königlichen Leiche ergab zweifellos die Geistesge= erscheint es also noch etwas verfrüht, wenn damit dem Einfluß der Regentschaft entziehen. Um halb 4 Uhr am Montag früh traf störtheit des Königs. g### unsere deutsche Eisen=Industrie aus dem Bau Die furchtbare Tragik des Ereignisses, muß unter Führung des Ministers Erailsheim aus Das Begräbnis Dr. Guooene suu uuf der Bahnen in Ching schon jetzt sich goldene auf das Tiefste erschüttern. Der zweite Fürst München eine Kommission in Schloß Berg zur Staatskosten erfolgen, seiner Witwe ist ein Bei= Berge verspricht. Das ist Schade, aber es im Reiche, der als erster freudig die Hand bot Konstatierung des Todes ein. Nachdem vier leidsschreiben des Regenten zugegangen. ist nun einmal so. Warten wir noch ein wenig. zur Wiedererrichtung des Reiches, ein Mann Geistliche, an der Spitze der Stiftsdekan Türk Die Thatsachen, welche den Beweis für die von großen Geistesgaben und seltener Einsicht, von München, eingetroffen waren, erfolgte die Geistesgestörtheit des Königs liefern, werden mußte dem Irrsinn verfallen und in dieser Weise Einsegnung der Leiche des Königs, sodann die voraussichtlich öffentlich bekannt gegeben. enden! Wir stehen erschüttert demgegenüber. Verbringung auf den Totenwagen, gezogen von Die„Neuesten Nachrichten" teilen den BeEs gibt da keine Worte, der Eindruck ist zu 4 schwarzbehängten Pferden, diese geführt von fund der am Dienstag vorgenommenen Sektion mächtig. Durch den Tod des Königs ist der Lakaien, begleitet von Vorreitern mit Lichtern der 9./6, des Hönigs Ludwia II. mit. DieRegmnt Latpold Binig von Bayen, fale asiund gfsaigt von drei Wahzen. Vetranen undsder Leche des Könge Ladvig II. mit. Die nicht, was aber wohl nicht ganz wahrscheinlich, Kriegervereinsmitglieder gaben das Geleite; all=selbe hat hochgradige Veränderungen bezw. En päischen Zeitungen zu erfahren, daß die chinesische Regierung im Begriff stehe, Eisenbahnen zu bauen, und nicht minder amüsiert über das plötzliche und ernste Auftreten von verschiedenen Syndikaten, bereit, allen Anforderungen in pekuniärer Hinsicht und Leistungsfähigkeit zu genügen, welche China zur kontraktlichen Ausführung irgend eines Unternehmens an sie stellen sollte. Obwohl wir sehr froh wären, wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten möchten, so haben wir doch hier an Ort und Stelle nicht die geringste Kenntnis davon, daß irgend ein solcher Schritt auch nur ernstlich in Betracht gezogen, noch viel weniger beschlossen worden wäre. Allerdings sind wir heute in China der Eisenbahn=Aera um zehn Jahre näher, als vor zehn Jahren, und es wird in den offiziellen Kreisen Chinas gegenwärtig weit mehr über Eisenbahnen gesprochen, als zur Zeit Ihrer Anwesenheit in Peking: aber niemand ist im stande, zu sagen, ob in einem, in zehn oder in zwanzig Jahren damit wirklich der Anfang gemacht werden wird; der eine Zeitpunkt ist gerade so wahrscheinlich wie der andere. Der junge Kaiser wird mutmaßlich in ein paar Jahren für majorenn erklärt werden und seine Uebernahme der Leitung der Regierungsgeschäfte kann möglicherweise von großen Veränderungen begleitet sein, aber das muß eben erst abgewartet werden. Im gegenwärtigen Augenblick bietet China EisenbahnIngenieuren nicht die geringste Aussicht, und ich habe noch keinen Auftrag erhalten, solche zu verschaffen. Viele wurden mir bereits empfohlen, und viele haben sich direkt an mich wegen einer Anstellung beim Eisenbahnbau gewendet. Aber wie die Sachen stehen, konnte ich nichts Anderes thun, als den Empfang solcher Briefe und Anerbieten bestätigen. Mit den herzlichsten Grüßen Ihr sehr ergebener Robert Hart. Nach diesen Mitteilungen, die allerdings der Deutsches Reich. Aus den Parlamenten. Berlin, 11. Juni. Das Herrenhaus beriet in seiner heutigen Sitzung nach Grledigung einiger Rechnungssachen den Nachtragsetat, bei welcher Gelegenheit Fürst Raoziwill und Herr von Zoltowski gegen die zur Bekämpfung der polnischen Propaganda geplanten Regierungsmaßregeln protestierten, Dr. v. Goßler die 3 M Notwendigkeit jener Maßregeln von neuem durck thatsächliches Material schlagend nachwies und das Haus dem Antrage seiner Kommission entsprechend den Nachtragsetat unverändert genehmigte. Darauf nahm das Haus auch den Gesetzentwurf, betreffend die Beseitigung der schwebenden Schuld, unverändert an, welcher zuvor den Ausführungen des Grafen zur Lippe gegenüber von dem Finanzminister Dr Scholz lebhaft befürwortet worden war; endlich wurde die Vorlage, betreffend den Verkehr auf Kunststraßen, nach dem Antrage des Grafen Udo von Wernigerode angenommen, welcher das Gesetz auf die Provinz Posen beschränkt. Nächste Sitzung unbestimmt. Aus dem Leben des Kaisers ist besonders erwähnenswerth die Enthüllung des Denkmals Friedrich Wilhelms IV., welches vor der Nationalgallerie errichtet ist. Große Volksmengen waren in Bewegung, doch ist kein Uuglücksfall gemeldet worden. Der Kaiser war recht frisch und sprach zu den Umstehenden: „Die heutige Feier ist gemischt von Freude und Trauer. Sie ist freudig, weil es mir endlich gelungen ist, Meinem königlichen Bruder dieses Denkmal der. Dankbarkeit und Verehrung zu setzen. Traurig, weil sie Mich und uns alle an den großen Verlust mahnt, den wir durch seinen Heimgang erlitten. Er schied von uns in der Blüte seiner Jahre nach schwerem Leid, und nicht war es ihm beschieden, die reichen Früchte zu ernten, zu denen er den Samen gestreut.“ Diese Feier fand am Donnerstag vor Pfingsten statt, bald nach Pfingsten erfolgt die Abreise des Kaisers nach Ems. Der Kaiser empfing am Dienstag vormittag verschiedene höhere Offiziere und arbeitete mit dem Chef der Admiralität und dem Generalleutnant von Albedyll. Der Kaiser hält sich infolge der Trauerbotschaft aus München sehr zurückgezogen; die übliche Hoftrauer ist angeordnet. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist Dienstag nachmittag aus Friedrichsruhe zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Die„Nordd. Allg. Ztg. wendet sich heftig gegen eine Behauptung Wiener Blätter, als habe Fürst Bismarck bei dem Regierungswechsel in Bayern seine Hand im Spiele gehabt. Das sei in keiner Weise der Fall. Die nächste Reichstagssitzung wird bestimmt am 30. Juni stattfinden. Die Tagesordnung (wahrscheinlich zweite Beratung der Brantweinsteuervorlage) versendet der Reichstagspräsident nach der Feststellung des Berichtes über das Branntweinsteuergesetz in der Reichstagskommission. Bischof Roos hat auf wiederholten Wunsch des Papstes die Wahl zum Erzbischof von Freiburg angenommen. Die erste bayrische Kammer hat ihre Arbeiten über die Regentschaftsvorlagen in geheimer Sitzung begonnen. Es ist der Plan, im Jahre 1888 in Berlin eine deutsche Industrie=Ausstellung zu veranstalten, bereits bis in den Magistrat und die Kreise der Regierung gelangt. Bekanntlich wollen die Franzosen im Jahre 1889 in Paris eine Weltindustrie=Ausstellung haben, die zugleich eine Verherrlichung der französischen Revolution von 1789 sein soll. Da schon aus diesem Grunde mehrere monarchische Staaten sich der Beschickung derselben enthalten werden und zudem für Deutsche wegen des französischen Spionagegesetzes das Reisen in Frankreich fast zu einer Unmöglichkeit geworden ist, muß eine deutsche Ausstellung im Jahre vorher wohl ganz angemessen erscheinen, damit auch der deutsche Gewerbefleiß sich zeigen könne. Die Unkosten einer solchen Ausstellung werden aber nicht unbedeutende sein, die Stadt Berlin soll 2 Millionen hergeben, das Reich 3 Millionen, für das Risiko würde dann wahrscheinlich der Staat Preußen noch aufkommen müssen. Der Ausstellungsplatz soll der Treptower Park im Osten von Berlin sein. Bei dem Konkurrenzkampf, welcher zwischen den einzelnen Völkern um die Exportgebiete stattfindet, dürften die immerhin beträchtlichen Opfer doch wohl gebracht werden müssen. Die Zeitungen brachten vor kurzem Mitteilungen über die im Jahre 1884 in Preußen vorgekommenen Brände. Es wurden im ganzen 8119 Gemeinden von 16,773 Schadenbränden, welche 19,699 Besitzungen ergriffen, betroffen. Auf die Städte entfielen 7984, die Landgemeinden 10,578 und die Gutsbezirke 1137 dieser Besitzungen. Der Gesamtschaden belief sich auf 60,851,000 Mark, über 4 Millionen weniger als im Jahre 1883. Die größere Hälfte des Schadens kommt auf Mobilien. Oesterreich. Die Pesther Unruhen gelten hier als beendet, nachdem am Donnerstag abend durch das große Kesseltreiben von Militär und Polizei 2000 Personen umzingelt und über 700 Strolche verhaftet worden sind. In Prag trafen Pfingsten unter Führung des Reichstagsabgeordneten Gräve(Pole) 244 Slaven aus dem deutschen Reiche zum Besuch des tschechischen Nationaltheaters ein. Es fand große Begrüßung und Verbrüderung statt, später aber gab es Lärm, so daß jdie Polizei einschreiten mußte. Dasselbe wiederholte sich abends im Theater. Frankreich. Wie sich voraussehen ließ, hat die französische Deputiertenkammer den Kommissionsantrag auf Ausweisung aller Prinzen aus Frankreich abgelehnt, dagegen den Regierungsantrag mit 315 gegen 232 Stimmen angenommen. Ducch denelben werden der Graf von Paris und Prinz Jerome Napoleon mit ihren ältesten Söhnen aus Frankreich ausgewiesen, und der Regierung wird die Befugnis erteilt, auch die übrigen Prinzen durch Verordnung auszuweisen. Auf unerlaubte Rückkehr stehen Strafen von 2—5 Jahren Gefängnis, ferner darf von den in Frankreich bleibenden Prinzen weder jemand wählen noch jemard gewählt werden. Großbritannien. Das Parlament lehnte die Vorlage Gladstones über Irland ab, die Regierung hat die Auflösung des Parlaments von der Königin erbeten und bewilligt erhalten. So wird denn demnächst das Land darüber befragt werden, wie es sich zur Politik der Regierung stellt. Wahrscheinlich fällt die Wahl gegen Gladstone aus und muß dann der Rücktritt desselben erfolgen. Die blutigen Schlägereien zwischen Parnelliten und Orangisten in Irland, namentlich in Belfast, scheinen zu Ende zu sein. Samstag fand in Belfast das Leichenbegängnis der bei den Krawallen getöteten 9 Personen in vollkommener Ordnung statt. Es waren starke militärische Maßnahmen getroffen. In Sligo fanden Samstag ernste Unruhen statt. Durch eine unbedeutende Beschädigung des bischöflichen Palais erbittert, griffen die Katholiken die Häuser der angesehensten Protestanten an, schlugen die Fenster ein und zündeten ein Haus an. Da die Polizei außer, stande war, den Tumult zu unterdrücken, säuberte Militär mit dem Bajonett die Straßen. Nachdem ist die Ruhe nicht wieder gestört. Die Worte des Stadthauptmannes von Moskau sind in letzterer Zeit allerlei schwächungen begegnet, die jedenfalls der Verlegenheit der russischen Regierung entspringen. Nichtsdestoweniger sind sie gesprochen und bleiben gesprochen und jedenfalls auch mit vorherigem Wissen des Kaisers und seiner Staatsmänner, denn auf der Krim waren ja ernste Beratungen vorhergegangen. Es sind diese Worte die Erhebung der Fahne zur Sammlung des Volkes für ein neues, groß angelegtes Unternehmen. Ortent. Es hat sich Neues nicht zugetragen. Die Staaten stehen jedoch sämtlich auf halbem Kriegsfuß. Entrollt sich die orientalische Frage, so sind sie bereit, übereinander oder gemeinsam über den Sultan herzufallen, je nachdem die Begierden und Interessen sie treiben. Mit Griechenland scheint der Sultan nun wieder wirklichen Frieden zu haben. Des eigentlichen Friedens kann er sich jedoch nicht freuen, denn die Rede des Stadthaupts von Moskau über Aufpflanzung des christlichen Kreuzes auf der Sophienkirche in Konstantiopel ist ein deutliches Zeichen, das nicht bloß allen Russen, sondern allen griechisch=katholischen Christen voranleuchtet und eine Art von Kreuzzug hervorrufen kann. Gefährlich ist es auch für die Türken, daß es nicht hieß: russisches Kreuz, sondern christliches Kreuz, das bedeutet, Rußland ist einverstanden, wenn hier eine christliche Macht herrscht, es verzichtet auf die Erwerbung Konstantinopels für sich selbst, entwaffnet also die christlichen Mächte, welche Rußlands Eroberungen hindern wollen. Wie nun der Türke einerseits durch die christlichen Mächte gedrängt ist, so ist er es auf der andern Seite durch den Mahdi. Die Anhänger des verstorbenen Mahdi haben auch in Arabien sich auszubreiten begonnen, sind jedoch bisher von den Türken unterdrückt worden. Sie erkennen den Sultan als Chalisen(eine Art von Papstkönig der Muhamedaner) nicht an, sind darum sehr gefährliche Gegner desselben, da er aus der Macht der ganzen muhamedanischen Welt seine Stärke zieht. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 16. Juni. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich heute mittag an der hiesigen Markthalle. Daselbst hielt ein mit Getreide beladener Wagen, von welchem der Führer sich auf kurze Zeit entfernt hatte. Diese Gelegenheit nahmen einige kleine Kinder wahr, um den Wagen zum Gegenstand ihres Spiels zu machen. Plötzlich löste sich jedoch die Bremse des Wagens und setzte letzteren in Bewegung. Das 3jährige Söhnchen des Schneidermeisters Herrn Purscher hierselbst geriet dabei so unglücklich unter die Räder des Wagens, daß ihm die selben mitten über den Leib gingen und den alsbaldigen Tod herbeiführten. Schwerte, 16. Juni. Das Söhnchen des Schuhmachermeisters Herrn Nötting auf der Westenstraße geriet dieser Tage in einen im Gange befindlichen Wagen und erhielt dadurch eine Quetschung der rechten Hand. Schwerte, 16. Juni. Von der Strafkammer zu Hagen wurden die Berufungen der Arbeiter A. W. aus Schwerte, vom hiesigen Königl. Schöffengericht wegen Unterschlagung von Kleidungsstücken mit 4 Monaten Gefängnis, und W. D. wegen Bedrohung mit der Begehung eines Verbrechens mit 1 Woche Gefängnis bestraft, verworfen, da auch heute die Schuld derselben thatsächlich festgestellt wurde. Westhofen, 16. Juni. Am 15. August d. I. werden es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Thelemann hierselbst in den Lehrerdienst eintrat. Von diesen 25 Jahren hat Herr Thelemann allein 24 Jahre in treuer Pflichterfüllung seines Dienstes in hiesiger Gemeinde gewirkt. Wie wir Phren, soll das Jubiläum festlich begangen werden. Berchum, 16. Juni. Die Behörden gehen mit dem Plane um, die hiesige Gemeinde von dem Standesamtsbezirk Ergste, zu welchem sie bisher gehörte, abzutrennen und einen eigenen Bezirk aus derselben zu bilden. Die Eingesessenen würden eine derartige Einrichtung umsomehr mit Freuden begrüßen, als ihnen durch die Verlegung des Amtsbüreaus zum Hofe des Ehrenamtmanns der Weg zum Standesamt etwas verlängert ist. Wir wollen im Interesse der Bewohner Berchums wünschen, daß der Plan möglichst bald zur Ausführung komme. r Hennen, 16. Juni. Der Geselle des Schneidermeisters Steineck jun. hierselbst wurde am Sonntag morgen auf seinem Schlafzimmer erhängt aufgefunden. Derselbe hatte noch bis Samstag abend 8 Uhr fleißig gearbeitet, war nachher nach seinem Schlafzimmer gegangen, jedoch nicht im Bette gewesen; er muß also höchstwahrscheinlich die That schon des Abends ausgeführt haben. Ein besonderer Grund zu dieser unseligen That ist nicht bekannt. Die Leiche ist in dem hiesigen Spritzenhause untergebracht. Rheinen, 16. Juni. Die hiesige Schule ist wegen Auftretens des Scharlachs in der Familie des Lehrers, sowie auch in andern Familien des Dorfes bis auf weiteres geschlossen worden. Hoffentlich wird die Krankheit nur gelinde auftreten und keinen ernsten Charakter annehmen. Bis jetzt sind die einzelnen Fälle noch normal verlaufen. Aplerbeck, 16. Juni. Am Freitag morgen gegen 7 Uhr wurde ein etwa 9 Jahre altes Mädchens des Bergmanns Asthoff von hier, welches in Begleituug dreier andrer Mädchen nach Aplerbeck zur Schule ging, im Asseler Wege don einem jungen Burschen, der aus einem hier belegenen Roggenfelde sprang, angegriffen und eine Strecke weit in den Roggen hineingeschleppt. Es gelang dem Mädchen aber nach energischer Gegenwehr, trotz der Bedrohung mit einem Messer, sich loszureißen und zu entfliehen. Der Mensch hatte noch die Frechheit, das Mädchen bis in die Nähe der nächsten Häuser zu verfolgen. Hier ist er von einigen Frauen, welche die andern atemlos dort angekommenen Kinder benachrichtigt hatten, gesehen worden. — 16. Juni. Am 1. Pfingsttage, abends gegen 11 Uhr, ist der Bergmann Renker aus der Erlenbach bei Schüren auf dem Wege vom Wirt Luttmann daselbst nach seiner Wohnung von dem Bergmann Böckenholt anscheinend ohne Veranlassung derartig mißhandelt worden, daß R. noch jetzt in Lebensge fahr schweben soll. Böckenholt, ein sonst rubiger und anständiger Mensch, soll sich bei den Mißhandlungen einer Eisenstange bedient und dem Renker damit eine schwere Kopfverletzung beigebracht, sowie zwei Rippen zerschlagen haben. Die Thatsache ist um so auffallender, als beide Personen befreundet waren. Dortmund, 16. Juni. Bei dem Gewitter am vorigen Donnerstag schlug der Blitz in ein 1½ Stock hohes Hinterhaus, in welchem die Firma Gebr. Diekmann hierselbst, Mohrstraße, ein Lager von Oelen errichtet hat. Im Nu stand das Haus in Flammen, welche, durch das Oel getränkt, rasch um sich griffen. Sofort herbeigeeilten Leuten gelang es, aus dem unteren Geschosse verschiedene Fässer Petroleum herauszuholen und so dem wütenden Elemente zu ent reißen. Die vor dem Hinterhause stehenden beiden 4 stöckigen Häuser des Herrn Lehmkühler schwebten in großer Gefahr, mit in Brand zu geraten. Dank der sofort zur Stelle geeilten Feuerwehrleute, welcher dem Feuer vom Dache der beiden Vorhäuser, sowie von verschiedenen anderen Richtungen aus zu Leibe gingen, ist ein weiteres Umsichgreifen vermieden. Das Lagerhaus ist vollständig abgebrannt. — In Dortmund wurden einige angehende Jünger Merkurs verhaftet, die sich nächtlicherweile den Scherz gemacht hatten, Rolljalousien und Fenster zu zertrümmern. Brackel, 16. Juni. Das am Donnerstag hier vorüberziehende Gewitter schlug in das Haus des Schneidermeisters Reineke hierselbst, ohne jedoch zu zünden, zertrümmerte mehrere Fensterscheiben und zersplitterte einen dicht am Hause stehenden großen Nußbaum. Kastrop, 16. Juli. Zu dem hiesigen Rennen ist von der Regierung ein Staatspreis im Betrage von Mark 550 bewilligt worden. Datteln, 16. Juni. Aus der Nähe von Datteln fuhr der Landwirt St., auf seinem Karren sitzend, nach Kastrop, als dem Gefähr halbwegs ein Velozipedist begegnete. Dadurch scheute das Pferd und rannte seitwärts. Der Besitzer sprang schnell entschlossen von dem Karren, um das Pferd zu bändigen, kam aber leider dabei zu Fall, und fuhr ihm das Rad des mit jungen Schweinen beladenen Gefährtes über die Brust, infolgedessen der Mann bald darauf in den Armen seines Schwiegervaters, der mit zur Kirmes fahren wollte, seinen Geist aufgab. Der Gemeinde Annen ist die Ehre widerfahren, von dem westfälischen Provinzial=Verein der evang. Gustav=Adolf=Stiftung für dieses Jahr zum Festorte gewählt zu werden, und die Vertretung der evangelischen Gemeinde hat einmütig beschlossen, die Festversammlung herzlich willkommen zu heißen und zu Festtagen den 29. und 30. Juni zu bestimmen. Die Stadt hagen nimmt eine Anleihe von Mk. 200,000 auf zur Ausführung einer städtischen Wasserleitung, Gasanstalt und zur Anlage eines Schlacht= und Viehhofes. — In der Stadt Hagen soll von zahlreichen Mitgliedern aller Stände des Regierungsbezirks Arnsberg eine Heilanstalt für mittellose Augenkranke ins Leben gerufen werden; die Heilung soll unentgeltlich oder gegen sehr geringes Honorar erfolgen. Die Warnung, sich während eines Gewitters nicht unter einzeln stehende Bäume zu stellen, kann nicht genug wiederholt werden. Am Donnerstag mittag gegen 12 Uhr zog über Letmathe ein schweres Gewitter. Der längst ersehnte Regen, anfangs mit Hagel untermischt, rauschte in Strömen vom Himmel, und gar bald folgte Blitz auf Blitz und Schlag auf Schlag. Ein Schüler der dortigen katholischen Schule, Sohn des Steinbrechers Hesse vom Schälk, befand sich auf dem Heimwege und wurde, Schutz unter einem Baume suchend, vom Blitz erschlagen und sofort getötet. Außerdem hat der Blitz noch in ein Haus eingeschlagen. Glücklicherweise war es ein kalter Schlag, und ist nur das Dach an verschiedenen Stellen beschädigt worden. Auch in dem benachbarten Hohenlimburg schlug der Blitz in ein Haus, jedoch, ohne zu zünden. — Am Mittwoch abend machte sich eine kleine Gesellschaft in Letmathe das Vergnügen einer Wasserfahrt auf der Lenne. Plötzlich fiel der Fabrikarbeiter H. Schwarz in das Wasser und verschwand sofort in der Tiefe, so daß an eine Rettung nicht zu denken war. Die Leiche ist noch nicht aufgefunden worden. — In Letmathe ertrank bei einer Bootfahrt ein Fabrikarbeiter. Bei dem Gewitter am Donnerstag schlug der Blitz in die Lebersche Schmiedewerkstätte zu Genna und fuhr unter einem Werktisch durch. Ein in der Schmiede anwesender Junge wurde von dem Schlage betäubt, kam jedoch nach einigen Augenblicken wieder zu sich. Die beiden Gehilfen und der Lehrling kamen mit dem Schrecken davon. Am Freitag morgen wurde im Teiche des Nachrodter Hüttenwerks eine männliche Leiche aufgefunden und in derselben die Person des Oekonomen Diedr. Schulte aus Obstfeld rekognosziert. Sch. welcher in ganz guten Verhältnissen lebte, war ein ordentlicher, gesunder und kräftiger Mann in den vierziger Jahren, bereits Witwer und Vater von 7 noch unmündigen Kindern. Am Donnerstag abend soll derselbe einigen von der Fabrik kommenden Arbeitern begegnet sein. Die Obduktion soll ergeben haben, daß Sch. ermordet und dann in den Teich geworfen worden ist. Der Vollziehungsbeamte S. in Iserlohn, welcher vor kurzem verschwand und über dessen Verbleib niemand Auskunft zu geben vermochte, ist am Telegrafenberge erhängt gefunden worden. Man beschuldigte ihn größerer Unterschlagungen, ob mit Recht, wird wohl die eingeleitete Untersuchung ergeben. In Soest stürzte der Bäckermeister Mattenklodt jr. von dort aus der Bodenluke und war auch sofort tot. Bei dem Sturze wurde das Genick verletzt, was den sofortigen Tod des noch jungen und rüstigen Mannes herbeiführte. Die Nachricht von diesem erschütternden plötzlichen Unglück verbreitete sich rasch in der Stadt und erweckte die allgemeinste Teilnahme. In hamm a. d. S. ist am Mittwoch abend in der Pulvermühle eine Pulverpresse explodiert. Von den dabei verletzten Arbeitern sind bereits drei gestorben. Ein scheußlicher Mord hält die Gemüter in Dülmen in Spannung. Der Postfuhrknecht W., welcher noch am Samstag abend 11 Uhr die Paketpost zum letzten Eisenbahnzuge gefahren hatte, wurde Sonntag früh im Mühlengraben als Leiche gefunden. Der ganze Körper war mit Wunden, teils von wuchtigen Schlägen, teils von Revolverschüssen herrührend, bedeckt; insbesondere fand sich am Hinterkopf eine bedeutende Schlagwunde, welche die Hirnschale zerschmettert hatte. Gründe und Einzelheiten des Verbrechens sind völlig unaufgeklärt. Mehrere Verdächtige wurden bereits verhaftet. — Zu dem am Sonntag vergangener Woche in Dülmen verübten grausigen Morde wird dem „W. Merk.“ berichtet:„Als der That dringend verdächtig wurde ein aus Schlesien gebürtiger, in einer dortigen Fabrik beschäftigter Weber eingezogen. Auch die Frau des Ermordeten ist in Haft genommen, dagegen sind die verhaftete Tochter derselben, sowie ein hiesiger junger Zimmermann, welche zuerst als verdächtig in Untersuchung kamen, wieder auf freien Fuß gesetzt. Der ermordete Weingarten war ein harmloser Mann, der seines freundlichen Benehmens wegen gern gesehen wurde. Auf dem Werke„Eisen=Industrie“ zu Oberhausen ist am Freitag außer mehreren Beamten 80 Arbeitern gekündigt worden, und weitere Entlassungen sollen für die allernächste Zeit noch bevorstehen. Ein auswärtiger Geistlicher fühlte sich in der Stolkgasse in Köln plötzlich unwohl und ging in den nächsten Spezereiladen, um sich etwas auszuruhen. Kaum hatte er sich dort auf einen Stuhl gesetzt, als er seinen Geist aufgab. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Oesterreichische 1854er(Fl. 250 Lose. Die nächste Ziehung findet am 1. Juli statt. Gegen den Kursnerlust von ca. Mk. 80 pro Stück bei der Auslosung übernimmt das Bankhaus Carl Neuburger, Berlin, Französische Straße 13, die Versicherung für eine Prämie von Mk. 2,20 pro Stück. Wügsug u. Statt jeder besonderen Anzeige. Emilie Sethe Gerhard Marliani Verlobte. Schiverte, Köln, Pfingsten 1886. Jahresfest der märkischen Missionsgesellschaft am 24. Juni in Hagen vormittags 10½ Uhr: General=Versammlung im Potel Glitz 1. Jahresbericht. 2. Hoffnung und Befürchtungen, welche aus der Kolonialbewegung für die rhein. Missions= Gesellschaft erwachsen. Insp Dr. Schreiber. 3. Uebernahme der Herero=Mission auf das Konto der märkischen Missions=Gesellschaft Pfarrer Deutelmoser, Gelsenkirchen. Nachmittags 3 Uhr Festgottesdienst, nachher freie Versammlung im Weidenbusch. Der Vorstand. Gefunden! Am 2. Juni 1886 ist auf dem hiesigen Wochenmarkte in der Nähe des C. Duisbergschen Hauses ein schwarzer Regenschirm gefunden worden. Der Verlierer des obenbezeichneten Gegenstandes wird hierdurch aufgefordert, sich zur Geltendmachung setner Rechte innerhalb 3 Monaten bei der unterzeichneten Behörde zu melden. Nach Ablauf dieser Frist wird mit dem Funde gemäß§§ 6 u. f. des Reglements über die polizeiliche Behandlung der Fundsachen vom 21. April 1882 verfahren. Schwerte, 11. Juni 1886. Die Polizeiverwaltung. Wilh. Allmeroth, Dortmun d, Westenhellweg 94, empfiehlt sein neuerbautes photographisches Atelier. Zahnarzt K. Witzel, Dortmund, Silberstr. 24, für Zahn- und Kieferkrankheiten, schwierige Operationen in der Narkose, Zahnfüllen u Zahnersatz. Sprechstunden von 8—12 u. 3—5 Sonntags nur von 8—12. Auswärtige Patienten bitte vorher sich gefl. anzumelden F. Nasse, Zahntechniker, Dortmund, jetzt Friedhof 12, gegenüber der Stadtwage, empfiehlt sich zu allen zahnärztlichen Arbeiten und Operationen. O. Gruss in Dortmund, 126 Westenhellweg 126, Bandagist und Fabrikant künstl. Glieder und orthopädischer Maschinen, empfiehlt sich Bruchleidenden, sowie Personen, die an Rückgrats- und Bein-Verkrümmungen, schiefer Haltung, rundem Rücken, Klumpfüssen, Hängebauch und Unterlelbsschwächen leiden, sowie Amputierten zum Anpossen und Massnehmen der Bandagen, Apparate und Korsetts, sowohl für normalbewachsene als auch fur verwachsene Personen; für letztere so, daß bei Tragung derselben geringe körperliche Gebrechen verdeckt bleiben. Im persönlichen Verkehr während eines langjährigen Aufenthaltes in den mechanischen Werkstätten in Berlin, Wien, Paris 2c. bin ich von den ersten Autoritäten auf chirurgischem Gebiete mit Anfertigung der mannigfaltigsten und kompliziertesten Apparate betraut worden, odaß es mir möglich ist, allen Anforderungen zu genügen. Das interessanteste Blatt der Gegenwart ist unbestritten URS LUNG Wechenschrift für Polltik, Litteratur, Kunst und Wissenschaft. DAS ECHO bringt allwöchentlich in unterhaltender Form Berichte über alle politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgänge, welche sich in Deutschland und im Auslande abspielen. DAS ECHO ist kein Parteiblatt, sondern es lässt die interessantesten Stimmen aller Parteien zu Worte kommen. DAS ECHO widmet ausserdem dem Leben der hohen Kreise eingehende Aufmerksamkeit. DAS ECHO bringt in jeder Nummer ein bis zwei abgeschlossene Novelletten, Erzählungen etc. aus der Feder bewährter, zeitgenössischer Schriftsteller. DAS ECHO betrachtet es insbesondere auch als seine Aufgabe dem Leben und Treiben der Deutschen Im Auslande die liebevollste Aufmerksamkeit zusuwenden. DAS ECHO bistet somit jedem Gebildeten gleichviel welchen Standes oder Berufs eine hochinteressante, fast unentbehrliche Lektüre. DAS ECHO will sich in jedem guten deutschen Hause einbürgern, deshalb ist auch sein Abonnementspreis ein niedriger: Vierteljährlich 2 M. 50 Pf. durch Post oder Buchhandel,— in Oesterreich- Ungarn bei gleichem Bezug fl. 1,70 einschl. Stempel.— Anseigen im Echo 40 Pf. die Zeile. PROBENUMMERN versendet gratis and franko * J. H. Schorer Verlag des Echo, Berlin 8.W. in Berchum. Die Sahresseler des Kreis=Vereins der evang. Gustav=Adolf=Stiftung in der Synode Iserlohn soll, so Gott will, am nächsten Sonntag, 20. d. M., nachmittags 3 Uhr, in Berchum stattfinden. Im Festgottesdienst predigt Herr Pastor Thümmel von Remscheid. In der Nachversammlung werden Ansprachen halten: die Herren Pastoren Leußen von Altena, Beyer von Dülmen, Crone von Böhle, Von Schwerte ist die Beteiligung noch ermöglicht durch Benutzung des Zuges 28 bis Westhofen. Zur regen Teilnahme ladet freundlichst ein Schwerte, den 16. Juni 1886. Der Vorstand. Mein am Brückenthor belegenes Handels=Nachrichten. Schwerte, 16. Juni 1886. 100 Kg.—200 Pfd. Megen... Saatroggen.. Roggen Gerste Haser Kartoffeln Erbsen Heu Stroh Brot 5 Kilo Butter per Pfd. Eier 9—10 Stück ter 2ter 4 344 5.— — 85—80 Dortmund, 12. Juni 1886. E 7„ IX#141 No. 17, in welchem seit mehr als 30 Jahren mit bestem Erfolge Geschäfte(seit 7 Jahren Kolonialwaren= Geschäft) betrieben sind, ist zum 1. August d. J. zu vermieten. Dasselbe bietet seiner vorzüglichen Lage wegen bestimmte Aussicht auf Erfolg. H. Blumenfeld. Nur echt mit dieser Schutzmarke. 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Ruhr. Stottern u. Stammeln wird gründlich beseitigt. Auskunft wird bereitwilligst und kostenfrei in der Exped. d. Zig. erteilt. Wer Schlagfluß fürchtet oder bereits davon betroffen wurde oder an Kongestionen, Schwindel, Lähmungen, Schlaflosigkeit, resp. an krankhaften Nervenzuständen leidet, wolle die Broschüre„Ueber Schlagfluß, Vorbeugung und Heilung, 3. Aufl, vom Verfasser ehem. Landw. Bataillonsarzt Bom. Weissmann in Vllshofen, Baiern, kostenlos und franko beziehen. Standesamt Schwerte. Anmeldungen pro Monat Mai 1886. Geburten: Ein Sohn: Wwe. Bahnarb. Georg Dettmer. Briefträger Heinrich Weber. Fabrikarbeiter Carl Heierhoff. Bergmann Heinr. Eckey. Anstreichermeister Carl Dudt. Heizer Heinr Stüttgen. Bergm. Heinr. Sprave. Bremser a. D. Johann Wilhelm Buschfeld Schuhmacher Gustav Schmalz. Hilfswagenmeister Carl Brehr. Schneider Heinr. Heese. Fabrikarb. Hermann Klockenkämper. Schuhm. Gottfried Wiesinger. Fabr karb. Friedrich Balkartat. Tagel. Friedrich Bäcker. Fuhrmann Gustav Pelzing. Tagel. Friedrich Heese.— Eine Tochter: Fabrikarb. Friedrich Lamberts. Fabrikarb. August Rinsche. Kaufm. Hermann Duhme jun. Postbote Theodor Geile. Fabrikarb. Gottfried Heierhoff. Schaffner Georg Kehres. Schlosser Carl Steinem. Tagel. Werner Herwig. Knecht Johann Meier. Gärtner Friedrich Henter. Fabrikarb. Heinrich Liesenhoff. Arbeiter Matthias Heß. Fabrikarb. Heinrich Kramer. Metzgermeister Rob. Schneider. Fabrikarb. Friedr. Bernhard Kleffmann. Eheschließungen: Hüttenbeamter Hermann Weber zu Schwerte mit Karoline Friederike Josephine Kleine, ohne Geschäft, zu Herne. Fabrikarbeiter Franz Kratz zu Schwerte mit Maria Katharina Pötter, ohne beschäft, zu Dortmund. Fabrikarb. Heinrich Friedrich Wilhelm Brune zu Schwerte mit Näherin Friederike Emilie Julie Heese daselbst. Sterbefälle: Carl Gustav Kramer, 2 J. 4 M. Mina Griese, 1 J. 4 M. 21 T. Anna Lamberts, ½ Stunde. Wwe. Tagel. Kaspar Heinrich Röhr, Mina geb. Haum, 73 J. Tagel. Christian Lips, 75 J. 1 M. 14 T. Ehefrau Bremser Carl Isenbeck(gen. Sternwirth), Charlotte geb. Schröer, 40 J. 4 M. 28 T. Maria Susanne Helene Thiem, 2 J. 3 T. Auguste Wilhelmine Henriette Westkämper, 9 J. 5 M. 27 T, Stations=Vorsteher a. D. Emil von Eberstein, 61 J. 11 M. 17 T. Emma Steinem, 4 T. Emma Anna Lina Bocks, 9 M. 2 T. Ehefrau Bergm. Heinrich Eckey, Wilhelmine geb. Lindemann, 26 J. 7 M. 25 T. Schreiner Heinrich Hagemann, 88 J. 8 M. 14 T. Fabrikarb. August Stressig, 47 J. 11 M. 3 T. Wilhelm Gillkötter, 1 J. Eberhard Schockenhoff, 4 J. 2 M. 29 T. Anna Striewe, 14 J. 6 M. 26 T. Wilhelm Finke, 1 J. 7 M. 8 T. Pauline Louise Lappe, 5 M. 22 T. Ernst Graumann, 2 J. 8 M. 21 T. Carl Gillkötter, 1 J. 6 M. 4 T.— Eine Totgeburt: Bergmann Hermann Beihoff 1 T. Standesamt Aplerbeck. Anmeldungen vom 16 bis 29 Mai 1886. Geburten: Ein Sohn: Fabrikarb. W. Kalthöfer, Aplerbeck. Bergm L. Schmidtmann, Aplerbeck. Fabrikarb. W. Ortmann, Berghofen Bergm. W. Röhr, Holzwickede. Bergm. I. Nolte, Aplerbeckermark. Bergm. F. Ruschenbaum, Hengsen. Schreiner C. Schürhoff, Schüren Hilfsbremser F. Mührmann, Holzwickede. Schmied D. Herdickerhoff, Aplerbeck. Stationsaspirant F. Habich, Lüdenscheid. Bäcker H. Setzer, Aplerbeck.— Eine Tochter: Bergm. F. Potthoff, Schüren. Fabrikard. H. Wöhrmann, Aplerbeck. Bergm. H Nickel, Sölde. Bergm. F Reckermann, Hengsen. Bergm. M. Haumann, Aplerbeck. Bergm. H. Heller, Aplerbeckermark. Bahnarb. D. Klostermann, Holzwickede. Bergm. C. Kreiling, Aplerbeck. Wirt H. Geißler, Schüren. Berginv F. Flunkert, Opherdicke. Bergm. C. Bünger, Sölderholz. Wwe. C. Krafthöfer, Holzwickede. Bergm. F. Becker, Aplerbeckermark. Maschinist A. Hosbach, Aplerdeck. Lokomotivführer Kreigenfeld, Holzwickede. Fabrikarb. A. Schlauch, Schüren. Maschinensteiger W. Rendelsmann, Sölde.— 1 uneheliche Geburt. Aufgebote: Anna Maria Keller und Hilfsbremser J. Filschhaut, Sölderholz und Aplerbeckermark. Friedke Elshoff und Bergm. C. Volkenrath, Aplerbeck. Wwe. Fahrhauer A. Topp und Bergm. F. Kersting, Sölde. Anna Austermann und Bahnard. H. Spangenberg, Crefeld und Holzwickede. Eheschließungen: Sattlermstr. F. Bangert und Ida Stamm gen Surmann, Aplerdeck. Bergm. H. Horlohe und Karoline Trautmann, Schüren und Sölde. Bergm. H. Wiethaus und Emilie Klöpper, Aplerbeck und Asseln. Schuhm. E. Fritzsche und Emma König, Schüren Bergm. L. Fuhr und Emma Wibbing, Aplerbeckermark. Bergm. F. Becker und Auguste Märten, Aplerbeckermark. Schmied W. Fricke und Helene John, Sölde und Hörde. Hilfsbremser H. Hollmann und Wwe Schreiner W Krüger, Holzwickede. Rangierer H. Becker und Lisette Horstkorte, Holzwickede und Sölde. Bergm. W. Kähler und Maria Dreier, Berghofen. Bergm. F. Lösecke und Lisette Köster, Schüren und Sölde. Bergm. F. Doert und Friedke Kampmann, Sölde und Asseln. Bergm. H. Keller und Emilie Dodt, Berghofermark. Bergm. F. Diedrichs und Henriette Schildmann, Schüren. Sterbefälle: Wilhelmine Brabender, Schüren, 29 T. Ehefrau Weichensteller A. Reckwitz, Holzwickede, 36 J. 3 M. 5 T. Wwe. F. Lenecke, Berghofen, 60 J. 10 M. 28 T. J. Keil, Aplerdeck, 11 M. 26 T. C. Hardt, Aplerbeckermark, 2 J. 3 M. Ehefrau Schneider I. Krüger, Aplerbeck, 56 J. 3 M. 13 T. Ida Gerken, Berghofen, 2 M. Bertha Wortmann, Hengsen, 1 J. 1 M. 21 T. Ida Klann, Schüren, 6 M. 27 T. G Schulte, Aplerbeckermark, 2 J. 8 M. 23 T. Wwe. Bergm. W. Brauckhoff, Holzwickede, 62 J. 7 M. W. Schütter, Aplerdeck, 1 J. 5 M. Sohn von F. Mührmann, Holzwickede, 30 St. Ehefrau Lademstr. H. Kranefeld, Sölderholz, 44 J. 4 M. 20 T. W. Brauckmann, Holzwickede, 5 M. 20 T. Berginv. H. Wibbing, Aplerbeck, 70 J. 9 M. 3 T. H. Paust, Sölde, 6 M. 20 T. Ehefrau Invalide M. Reilwes, Berghofen, 56 J. Wilhelmine Obermann, Sölde, 1 J. 18 T. Fabrikinv. H. Kirchhoff, Berghofen, 42 J. 7 M. 1 Mark 25 Pfg. kostet das Abonnement auf den „Munsterischen Anzeiger bei allen Postanstalten und in der Expedition für die Monate Juli, August und September. Das Abonnement ist seit Neujahr ¼jährlich. S. Nachtrag I zum Postzeitungskatalog 1886.(Nr. des Postzeitungskataloges 3577.) Der Anzeiger erscheint wöchentlich in 7—8 Nummern großen Formats; Ende vorigen Jahres wurde der Umfang des Anzeigers ohne Preiserhöhung um den 4. Teil vergrößert. Jeder Freitagsnummer wird gratis das Sonntagsblatt zur Unterhaltung und Belehrung(8 Seiten 40) beigegeben. Die politischen, vermischten und lokalen Nachrichten bringt der Anzeiger in eingehender Uebersicht. 2mal wöchentlich erscheinende Leitartikel orientieren über interessante Tagesfragen. Dem Feuilleton wird besondere Sorgfalt zugewendet.— Wichtigere Ereignisse werden als Telegramme gebracht. Zum Versand des Anzeigers nach auswärts werden die Mittagszüge benutzt. Die Mehrzahl der auswärtigen Abonnenten ersieht daher aus dem frühzeitig am Nachmittage eintreffenden Blatte alle bis gegen 11 Uhr vormittags der Redaktion bekannt gewordenen Tagesneuigkeiten.— Der Anzeiger trifft z. B. ein in Greven 1257, in Rheine 129, in Emden 529, in Ibbenbüren 27, in Hamm 129, in Rheda 24!, in Dortmund 257, in Schwerte 231, in Kinderhaus 1244, in Burgsteinfurt 134, in Gronau 230, in Koesfeld 245, in Westbevern 1240, in Osnabrück 143, in Drensteinfurt 312, in Dülmen 47, in Warendorf 520, in Quakenbrück 420. Inserate finden bei einer Auflage von 7750 Exemplaren die weiteste und zweckmäßigste Verbreitung hoch= niedster rigst. K 2144 Weizen, schwerer mittel leicht Roggen, gut...[14 50/14— mittel „ gering Hafer, gut.. „ mittel „ gering Gerste, schwere. mittel leicht Kartoffeln.. Stroh(Richt=) Heu.... Butter, 1 Kilo Eier, 60 Stück Neuß, 15. Juni 1886. Gras=Verkauf. 3 Morgen ausgezeichneten Futterbau, zwischen Ruhren belegen, sind im ganzen oder parzellenweise billig unter der Hand zu kaufen von Schulte-Großenbräuker, Villigst. Neu! Gebirgsluft. Neu! 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Die heutige Getreidebörse verlief flau, und ist lustlose Stimmung noch immer vorherrschend Preise, fast unverändert, wie folgt: Weizen, westf., 17—17,50 M. do. fremder 17,75—20 M.; Roggen, westf., 14,50—15 M; do. fremder 14,25— 16 M.; Hafer 14,25 bis 16 K., Weizenvorschuß 23—25 K. Roggenvorschuß 20,75—22 M. Alles per 100 Kilo frachtfrei hier. W. Ruthemeyer& Söhne. Egeln, Prov. Sachsen, 11. Juni 1886. Während von allen Seiten über durch Wolkenbruch und Hagelschlag zerstörte Saaten berichtet wird können wir von hier melden, daß wir vom Unwetter glücklich verschont geblieben sind, und unsere Saaten ganz brillant stehen. Bis jetzt haben wir daher eine sehr schöne Ernte zu erwarten. Chevoliergerste im Preise weichend, während Landgerste sich behauptet. Heutige Notierungen: K 147—157 „ 130—140 " 140—155 „ 145—155 „ 152—158 „ 150—154 140—146 135—140 Chevaliergerste Landgerste Hafer..... Erbsen Landweizen Glatter engl. Weizen Rauchweizen Roggen à Ztr. M. 20 ab hier, 9½ Pfd. Postkolli franko dort M. 3 gegen Nachnahme empfiehlt " Julius Werner, * Neumünster in Holstein. Rhein- u. hardt-Weine, weiß von 40, rot von 60 Pf p. Li. od. Fl. an, b. z. d' feinsten Bordeaur 115 Pf. p' Fl. an unter 30 Lt. od. Fl. p. Nachn., Ia. Champ. M. 2,10, alles naturreine vorzügl. Qualitäten. Haenlein, Weinbergbes., Heppenbeim a. B. Trauben=Brustsyrup, in Flakons à 50 Pfg., 90 Pfg. und 1½ M. zu haben bei Aug. Nasse und Schulze Vellinghausen, Aplerdeck, Carl Müller, L. Skowronsky, Fröndenberg Carl Braus, Schwerte. Kote Kreuz=Tose, à 1 Mark, find in der Exped. zu haben. Ziehung unabänderlich 27. Juni anfangend. Ein ordentliches Sienstmäbchen auf den 1. August nach Hagen gesucht. Von wem, sagt die Exp. d. Bl. Unserm Freunde Gust. Rüching zu seinem Donnerstag, 17. d. Mis., stattfindenden Geburtstagsfeste ein dreifach donnnerndes, nie verhallendes, durch Höchsten schallendes Lebehoch! Jungens lott den Maut nit sinkenLott us leiwer en Fättken Baier drinken, Wenn ein Fättken noch nit batt, Schlo vi den Krahn in anner Fatt. Mehrere Freunde. Alles per 1000 Kilo. Viehmärkte. Dortmund, 15. Juni. Zum gestrigen bezw. heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 307 Stück Großvieh, 94 Schweine, 67 Kälber, 54 Schafe. Per 100 Pfd. Schlachtgewicht wurde gezahlt: für Ochsen 62 444, für Stiere 44—46 K, für Kühe 1. Qual. 54 bis 57 K, 2. Qual. 48—54 M. für Schweine 1 Qual. 44—48 K, 2. Qual 40—44 K, für Kälber per Pfd. Schlachtgewicht 1. Qual. 50 bis 55 4, 2. Qual. 45—50 4. Schafe desgl. 55 4. Arolser Viehmarkt am 4. und 5. August 1886. Wechsel= und Geld=Kurse. von der Heydt=Kersten und Söhne. Elberfeld, 15. Juni 1886. Kurse in Reichsmk. Priefe. Geld. am Amsterdam London Paris k.S. 168,90 168.30 2M. 167.75 k.S. 203.90 203.40 202.80 80,75 80,35 2M. k.S. 2M. Antw. u. Brüssel k. S. 80,85 2M. Basel u. Zürich k.S. 2M. Ital. Hauptbankpl. k.S. Geldsorten. 80,10 80.45 80,05 80.45 78.365 80.40 k. 16,10 G. 4,00 0. 90.906. der Arbeiterllassen ungewöhnlich groß ist 1 Petersbura untergeardnet. Mas das 4 Gras=Verkauf in der Oelkampswiese am Ostenthor Montag, den 21. Juni, nachmittags 6 Uhr, nummerweise, meistbietend an Ort und Stelle. Hohenschwert. Der 2. diesjährige große Grasverkauf für Herrn Schwarzelühr findet am Dienstag, den 22. Juni, nachmittags 4 Uhr, statt. Sammelplatz auf dem Hofe. Anfang in der Kühlwiese. C. Jonas. Gras=Verkauf Bürenbruch. Am Mittwoch, 23. Juni. nachmittags 5 Uhr, lasse ich in der Wahne das Gras nummerweise, meistbietend an Ort und Stelle verkaufen. Bürenbruch,[16. Juni 1886. Carl Krämer. Gras=Verkaus. Donnerstag, 17. Juni Kr., nachmittags 4 Uhr, soll das Gras den Flößwiesen des Guts Ergster Kirmes. Am Sonntag, 20. d. Mts., findet bei mir von nachmittags 2 Uhr ab Flei=Kenzert und abends B BALL statt, wozu freundlichst einladet Wwe. Kage=Beckmann. Ergster Kirmes. Sonntag, den 20. Juni, Konzert der Hasselschen Kapelle aus — unter persönlicher Leitung des Herrn Kapellmeisters A. Hassel. Abends: Ball. Eroste, im Juni 1886. Fr. Bierhoff. Ergster Kirmes. Am 20. und 21. d. Mts. findet bei mir großes Vokal= und Instrumental=Konzert statt, ausgeführt von der Konzert=Gefellschaft Steinbüchek und Gebr. Schwarz aus Köln. Hiezu ladet freundlichst ein Aug. Hengstenberg. schützt sich jeder Landwirt, welcher die von mir eingeführten so vorzüglichen in Ruhr nummerweise, meistbietend verkauft werden. Villigst. Freiherrlich von Elverfeldtsche Rentei. Gras=Verkauf. Samstag. 19. Juni kr., nachmittags 6 Uhr, soll das Gras in den Flurpöten bei Lichtendorf nummerweise, meistbietend verkauft werden. Villigst. Freiherrlich von Elverfeldtsche Rentei. Die fälligen Gartenpächte (Strickshof) sind innerhalb 14 Tagen zu entrichten, widrigenfalls gerichtliche Beitreibung erfolgt. E. Pferdekämper. Gegen Faltermunger Engl. Riesen-Futterrüben anbaut. Diese Futterrüben, die ertragreichsten aller bisher bekannten, bedürfen nach der Aussaat keinerlei Bearbeitung mehr. Sie haben ausgewachsen 1—3 Fuß im Umfange und sind 5—10, ja bis 15 Pfd. schwer. Erste Aussaat im April, zweite von Anfang Juni bis in den ersten Tagen des August. Letztere auf solche Felder, auf denen schon eine Vorfrucht abgeerntet wurde. In 14 Wochen sind die Rüben ausgewachsen, die zuletzt gebauten werden, da sie ihre Dauerhaftigkeit und Nährwert bis zum hohen Frühjahr behalten, zum Winterbedarf aufgehoben. Das Pfund Samen, größte Sorte, von den zuverlässigsten Züchtern Großbritanniens bezogene Originalsaat, kostet 6 M., Mittelsorte 4 M. Unter ½ Pfund wird nicht abgegeben. Kulturanweisung füge jedem Auftrage gratis bei Ernst Lange, Nipperwiese, Bez. Stellin. Frankierte Aufträge werden umgehend per Nachnahme expediert. Nur ein Versuch, geehrte Gausstau! Bestätigt, daß das weltberühmte Hodureksche Morté,in mittels einer Bestaubungs=Spritze das beste Vertilgungsmitte! gegen alle Insekten(Wanzen, Schwaben, Flöhe, Russen, Fliegen, Ameisen) sicherster Schutz gegen Mottenfraß ist. Pack à 10, 20, 50 Pf., desgl. Küchen=Schnellputz und Glanzstärke, in Schwerte: O. Greve und in allen Kolonial= und Seifengeschäften. nan 88 Empfehle den geehrten Bewohnern von Westhofen, Schwerte und Umgegend mein reichhaltiges „Die Pächte von den Pastorat=Gärten auf der Liethe sind innerhalb 14 Tagen an den Unterzeichneten zu zahlen, widrigenfalls dieselben eingeklagt werden. Weishaupt, Ostenstraße. SchweineVersicherungsVerein Hennen. Laut Beschluß des Vorstandes werden für jedes Schwein, welches vom 15. Novbr. 1885 bis 15. Novbr. 1886 versichert ist, 50 pfg. Nachzahlung erhoben. Der Zahlungstermin hierzu ist am Sonntag, 20. Juni ke, nachmittags von 4—6 Uhr, in der Wirtschaft Schwerter hier. Die Säumigen werden au ihre Kosten gemahnt. Hennen, den 12. Juni 1886. Der Rendant: C. Jonas. Schöner ISabellen-Henget mit neuem Geschirr und Wagen, sowohl für Geschäftsleute wie auch sonst zu gebrauchen, steht zu verkaufen. Wo, sagt die Exped. d. Bl. Lager in fertigen Grabmonumenten. * 3 * * 3 3 3 3 Dieselben werden auch nach Zeichnung angefertigt. 9 3 3 * Westhofen, den 10. Juni 1886. * H. Nevelin Steinhauermeister. 28 nan 630000000000008880500 01. Hauptgew 060,000 K W. Ausstellungs= Lotterie Weimar 1886 in 3 Klassen. Wichtig für deutsche Damen! Die Gesellschaft für Berlin W., Leipziger Straße 114, lehrt unter Garantie jeder Dame in einigen leichten Lektionen das Zuschneiden nach Maß jedes Kleidungsstückes, welches von Damen oder Kindern getragen wird, so daß es in vollendeter Weise sitzt. Keine Vorkenntnisse im Zuschneiden oder Kleidermachen sind erforderlich. Jede Dame empfängt ihren Unterricht besonders, da nicht ganze Klassen von Schülerinnen zusammen unterrichtet werden. Hierdurch werden die Damen in den Stand gesetzt, zu der ihnen am passendsten erscheinenden Zeit zwischen 9½ Uhr vormittags bis 6 Uhr abends wochentäglich zu kommen und zu gehen. Diplomierte Lehrerinnen können von der Gesellschaft auf Wunsch in Privathäuser gesandt werden, um daselbst Damen in unserem System auszubilden — ebenso aufs Land oder nach Provinzialstädten, in denen noch keine Agenturen errichtet sind, in denen aber mehrere Damen eine Klasse bilden wollen. Auch stellen wir unseren sämtlichen Schülerinnen Zeugnisse der Reife aus, sobald sie sich das Pensum vollständig angeeignet haben. Ein Zirkular mit voller Beschreibung wird franko und gratis an jede Adresse versandt. 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Mein Herz, auch diese Welt im Leide Trägt noch manch' köstliches Geschmeide. Zurück aus der Ruh' in die fleißige Stadt, Zurück in das laute Getriebe, Mein Herz, und schlägst du dich müde und matt, So stärkt dich die ewige Liebe, Sie gibt schon im irdischen Gartenplan Dir manches Röslein, nimm's dankbar an. Sie schenkt dir dereinst, auf den himmlischen Auen Nach der Mühe die Ruh', nach dem Glauben das Schauen.„ Emil Quandt. Unter den Kannibalen auf Borneo Wohin reist man gegenwärtig noch nicht? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zur Erholung reisen zarte Frauen um die Erde mit Kind und Kegel. Damen gehen in unwirtbare Gegenden und ersteigen die höchsten Berge Korrespondenten von Weltblättern machen Forschungsreisen in Amerika, Asien, Afrika und Australien. Wohin reist man nicht? Als noch wenig von zivilisierten Touristen besuchtes Land empfiehlt sich ein Gebiet, auf welchem Karl Bock im Jahre 1878 Streifzüge zu wissenschaftlichen Zwecken im Auftrage der holländischen Regierung unternommen hat: Das südöstliche Borneo mit seinen Menschenfressern. Der Reisende hat seine Erlebnisse in einem größeren Werke zusammengestellt unter dem Titel:„Unter den Kannibalen auf Borneo.“— Man kann nicht sagen, daß diese Leute bereits allgemein bekannt sind. Im zoologischen Garten waren noch keine ausgestellt. Die Landstrecken, welche Herr Bock durchzogen hat, stehen mehr oder weniger unter der Herrschaft des Sultans von Kutei. Mit den besten Empfehlungen seiner Regierung an diesen Regenten deshalb versehen, traf der Reisende Ende Juli in Tongarung, der Residenz des Sultans, ein. Der Ort hat nicht mehr als 5000 Einwohner, und zeichnet sich wie alle jene Plätze, durch die nur denkbarste Unsauberkeit aus. Die Häuser sind meist auf Pfählen erbaut, welche teils in dem Flusse Mahakam, teils in dem Schlamme des Ufers stehen. Der„Palast“ des Sultans macht auf nichts weniger als äußere Eleganz Anspruch, aber die Hauptsache war für Herrn Bock die Bewohner desselben. Er erbat sich also gleich nach seiner Ankunft eine Audienz bei dem Sultan, welche ihm auch„huldvollst“ bewilligt ward. Dem Verfasser wurde der zuvorkommendste Empfang zu teil, und als der Sultan den Zweck seiner Reise erfuhr, äußerte er die Absicht, ihn begleiten zu wollen, da er für sein Leben fürchte, wenn er es wage, allein in das Land der Dyaks, der Urbewohner der Insel, zu dringen. Damit konnte Herr Bock zufrieden sein und nicht zum geringen Teil dürfte er das Gelingen seines Unternehmens diesem später auch ausgeführten Vorsatze des Sultans sowie dessen Unterstützung überhaupt zu danken haben. Die Staatsreligion in Kutei ist die Muhamedanische, welche freilich hier und da mit heidnischen Gebräuchen gemischt ist. Der Sultan selbst ist ein wohlgebildeter Mann von etwa 40 Jahren. Seine Liebhaberei besteht in Sammlungen aller Art. Eine besondere Freude hat er an kostbaren Edelsteinen und um diese zu erlangen, steht er in beständigem Verkehr mit Kaufleuten und anderen Personen. Sein Einkommen bezieht er aus drei Quellen: erstens aus einer Steuer von 10 Prozent auf alle ein= und ausgeführte Artikel, zweitens aus dem Salz= und Opium Monopol und drittens aus dem Ertrage der in der Nähe gelegenen Kohlenbergwerke Pelarung und Buta Pangal. Neben diesem amtlichen Ein: kommen betreibt der Sultan aber noch kleine Nebengeschäfte. Er verleiht nämlich Geld. Dabei sieht er ebenso auf Sicherheit, als auf gute Zinsen; denn unter 24 Prozent kann bei ihm niemand eine Anleihe machen. Seine Gesamteinnahmen betragen im Monot etwa 50,000 bis 60,000 holländische Gulden. Dabei ist er ein weiser Herrscher und hat es verstanden, sein Land von der niedrigsten Kulturstufe bis zu einer gewissen Zivilisation zu bringen. Unter allerlei Festlichk iten, wobei die Hahnenkämpfe eine Hauptrolle spielen, verbrachte Herr Bock etwa 14 Tage in der Hauptstadt Kutei. Da der Sultan den Aufbruch jedoch von einem zum anderen Tage verschob, entschloß sich Herr Bock, seinen ersten Ausflug allein zu unternehmen. Er reiste ja immerhin unter dem persönlichen Schutze des Herrschers von Kutei, da ihm dieser nicht allein sein bestes Boot zur Verfügung stellte, sondern auch zwanzig Mann zur Begleitung mitgab. Ferner erhielt er vom Sultan einen schönen Mandau(Degen), den seine Hoheit gewöhnlich selbst trug, zum Geschenk. So ausgerüstet, verließ er am 10. August Tongarung, den Mahakkamfluß stromauswärts rudernd Der Weg ging zuerst durch unbewohnte Strecken. Dichter Urwald umsäumte die Ufer des Flusses so dicht,„daß ein Affe von einem Ende der Insel zum andern gelangen kann, ohne den Boden zu b rühren.“ Am 21 August erreichte man das eigentliche Dyakgebiet und am nächsten Vormittag die Hauptstadt des mächtigsten Stammes, Long Wai. Wenn auch überall mit Mißtrauen ausgenommen, so hatte man doch bisher von der Gewohnheit der Tyaks, die Schädel ihrer Mitmenschen als willkom mene Trophäe zu betrachten, noch keinen Beweis erhalten. Hier zum erstenmale eiblickte der Reisende auf einer Stange den verwitterten Kopf eines Menschen: ein immerhin beredtes Zeichen für die wenig erfreulichen Eventualitäten, die ihm hier bevorstehen konnten. An und für sich freilich sind die Dyaks durchaus nicht blutdürstig. Bei gewissen Ereignissen halten sie es aber für unumgänglich notwendig, aus die Jagd nach Schädeln auszugehen. Wird ein Geburtsfest angesehener Personen, eine Hochzeit oder dergleichen in einem Stamme gefeiert, so überfällt er seine Nachbaren und je mehr Schädel erbeutet werden, um so glückverbeißender lächelt dem oder den Gefeierten die Zukunft. Mit der Zahl der einge brachten Schädel steigert sich auch die Liebe der Gattin zu ihrem Gemahl und kein junger Dyak darf eher ein Weib nehmen, oder den Man au tragen, als bis er eine gewisse Anzahl Köpfe seinen Feinden abgeschnitten hat. Bei besonderen Feierlichkeiten lieben es die Kannibalen von Borneo, ihre erschlagenen Feinde zu verspeisen, und gelten dabei das Gehirn, die inneren Handflächen und das Knie als Leckerbissen. Dieser scheußlichen Sitte buldigen die Tyaks von Long Wai allerdings nicht, dagegen ist sie bei den Trink Tyaks, welchen wir später einen Besuch machen werden, gang und gebe. Der Sultan von Kutei untersagt zwar die Schädeljagden überhaupt in seinem Gebiete, aber die Sitte des Landes macht dieses Verbot eben übertreten. Für den Aufenthalt in Long Wai war längere Zeit in Aussicht genommen, und als Schützling des Landesherrn blieb Herr Bock einmal nicht nur unbehelligt, sondern es gelang ihm auch, die Gebräuche und Gewohnheiten dieser Wilden eingehend zu studieren, sogar die sonst jedem Fremden unzugänglichen Grabstätten der Häuptlinge des Stammes zu besuchen. Bei den zahlreichen Jagdausflügen hatte der Forscher ferner Gelegenheit, seine Sammlungen auf zoologtschem und botanischem Gebiete zu erweitern. In Long Wai kamen dem Verfasser auch Vertreter des Stammes der Orang=Poomans, der Waldmenschen im wahrsten Sinne des Wortes, zu Gesicht. Nach vielen, erst vergeblichen Bemühungen zeigten sich dieselben bereit, ihn in ihr Jagdgebiet zu führen, wohin ein Nichteingeweihter den Pfad nimmer zu entdecken vermag. In fast undurchdringlicher Wildnis fristen sie hier, den Tieren des Waldes ähnlich, ihr Leben. Keine Kleidung, kein Obdach schützt sie vor dem Unbill des Wetters. Der Wald ist ihre Wohnung, und wenn die Männer auch ab und zu nach Long Wai kommen, so haben die Frauen doch nie etwas anderes gesehen, als ihre Schlupfwinkel. Im Gegensatz zu den Dyaks sind diese Waldmenschen aber weder Schädeljäger, noch finden sie Gefallen an dem Genuß von Menschenfleisch. Die erbittertsten Feinde der Dyaks von Long Wai sind die Bewohner von Long=Wahon, welches etwa 30 Meilen nördlich an dem Fluße Telen gelegen ist. Ein Besuch dieses Ortes wurde aufgegeben, da die Dyaks von ihren nördlichen Nachbaren gar zu schreckliche Geschichten erzählten und deshalb niemand zur Begleitung zu bewegen war. Nach dem, was der Verfasser aber später von ihnen gehört und gesehen hat, ist er der Meirung, daß sie nicht besser und nicht schlechter sein mögen, als die übrigen von ihrer Race Merkwürdig ist, daß die Tyaks es Fremden gegenüber sorglichst vermeiden, von ihren Erlebnissen auf den Schädeljasden zu sprechen. Etwa fünf Wochen verweilte Herr Bock, die Freuden und Leiden der Wilden teilend, in ihrer Mitte und trat am 26 August die Rückreise nach Tongarung an, welches er am 3. Oktober wohlbehalten erreichte. Hier wurde am 28. Oktober unter den mannichfaltigsten Festlichkeiten der Geburtstag des Sultans gefeiert. Nach Schluß verselben erklärte der Sultan mit Bestimmtheit,=den Forscher auf seinen weiteren Reisen begleiten zu wollen, da er jedoch mit seinen Vorbereitungen nicht zu Ende kommen konnte, begab sich Herr Bock am 21. November wiederum allein auf den Weg. In Kotta=Bangun, etwa 50 Meilen nördlich von Tongarung, holte ihn der Sultan ein. Der Landesheri führte außer einer bedeutenden Streitmacht auch sechs seiner Frauen mit sich. Da es ihm in Kotta=Bangun gefiel, that er seinen Entschluß kund, einige Zeit hier zu verweilen, er wollte dem Reisenden aber bald folgen und das that er In Muara Pahou, 60 Meilen westlich von KottaBangun, traf der Verfasser eine Abteilung der so sehr gefürchteten Trink=Dyaks an. Hier wurde Bock über die oben erwähnten„Leckerbissen“, des näheren von einer Priesterin dieses Stammes unterrichtet. Auch den grausamen Häuptling der TrinkTyaks hatte Herr Bock das Vergnügen, kennen zu lernen. Dieser erzählte ihm, daß Menschenfleisch nicht ihre gewöhnliche Nahrung sei, sondern nur bei besonderen Gelegenheiten, dann aber mit großer Passion genossen werde Derartige Gelegenheiten sollen aber recht oft vorkommen. Uebrigens genügt das wilde und wenig Vertrauen erweckende Aussehen des Häuptlings der Trink=Dyaks vollkommen, um etwaige Zweifel über den schlechten Ruf, in welchem dieser Stamm steht, zu beseitigen. Zum Andenken erhielt Herr Bock von den Kannibalen zwei in PisangBlätter eingewickelte Menschenschädel. Mit MuaraPahou verließ man das Stromgebiet des MahakkamFlusses und gelangte in das des Barito. Ueber Long Putei, Loetontoer, Boentoek u. s. w. ging die Reise bei allerlei Unterbrechungen und Zwischenfällen stromabwärts, oft freilich von mannigfachen Gefahren begleitet. So fehlte z B einmal nicht viel, daß der Verfasser sowohl wie der Sultan durch Obst, welches die Eingebornen ihnen in allzufreundlicher Weise angeboten, vergiftet worden wären. Am 31 Dezember erfolgte, nachdem man 700 englische Meilen in dem unwirtlichen Lande zurückgelegt hatte, die Ankunft in Bandjermasin, einer europäischen Hafenstadt, unweit der Mündung des Flusses Barito in das Meer. Nachdem Herr Bock seine durch die Strapazen der Reise angegriffene Gesundheit hier wieder gekräftigt hatte, brach er am 26. Januar 1880 nach dem Amontai=Distrikt auf. Derselbe ist an dem Nagara, einem östlichen Nebenflusse des Barito, gelegen. Nagara und Amontai, das nächste Dorf stromaufwärts, mit ihren Umgebungen bilden die bei weitem bevölkertsten Teile von Borneo. Die Bewohner sind sehr geschäftig und betreiben sowohl Landwirtschaft wie mehrere Industriezweige. Von Amontai gelangt man in südöstlicher Richtung über Barabei nach Mindai. Wenige Meilen weiter im Gebirge lebt eine Rasse Dyaks, die unter dem Namen „Orang Bukkit"(Bergmänner) bekannt ist. Das Merkwürdigste bei diesem Stamme ist, daß die Schäbeljagd nicht zu seinen Gebräuchen gehört, er steht damit als einzige Ausnahme unter den Dyaks da. In dem Gebiete der Orang Bukkits befindet sich eine warme Schwefelquelle, welche von den Eingeborenen ihrer Heilkraft wegen sehr geschätzt wird. Zum Baden sowohl wie zum„Brunnen“ benutzt man das Wasser derselben. Dieser„Badeort“ Borneos steht hinter denen Europas allerdings etwas zurück. Kurhaus, Promenaden, Musik und glänzende Toiletten gibt es nicht, dafür hat er den Vorzug der Billigkeit, und wenn in dieser Hinsicht unsere Bäder jenem etwas nacheifern wollten, so könnte das durchaus nichts schaden. Unter naturgeschichtlichen Forschungen aller Art verweilte Herr Bock in diesen Landstrichen etwa vier Wochen und kehrte dann nach Bandjermasin zurück, von wo er am 3. März die Heimreise nach Curopa antrot.. 6t u9 in einfaker 2. Der Verfasser beschreibt uns in einfacher, aber anschaulicher Sprache, ohne vom Leser gelehrte Fachkenntnisse zu verlangen, das Geschaute. Die Natur des Landes, die Bewohner und ihre Sitten hat er eingehend studiert. So sagt er von dem Charakter der Dyaks u. a. folgendes:„Was die Sittlichkeit betrifft, so bin ich geneigt, den Dyaks eine hohe Stufe der Zivilisation zuzugestehen. Man mag die Frage aufwerfen: Wie kann einem Kopfjäger Sittlichkeit zugeschrieben werden? Ich werde deshalb zunächst auf ihre guten Eigenschaften eingehen. Das göttliche Gebot:„Du sollst nicht stehlen, wird von den Dyaks streng befolgt: Raub und Diebstahl ist bei ihnen gänzlich unbekannt. Niemals berührten sie auch nur den geringsten Gegenstand, der mir gehörte, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Sie sind auch gewissenhaft. Wenn sie meine Fragen nicht befriedigend beantworten konnten, so mochten sie überhaupt nichts erwidern, verlangte ich aber nicht immer die volle Wahrheit, so war doch wenigstens das, was ich erfuhr, glaubwürdig. Ich wünschte, ich könnte dasselbe von den Malayen und Bugis sagen, welche, vom gekrönten Haupte bis hinab zum Niedrigsten, als weri weptrrang brumtt unn me mich aber für irrsinnig erklärt, das überlede ich nicht.“ Doch ist das nunmehr auch durch die stattgehabte Sektion der Königlichen Leiche als thatsächlich feste gestellt. Es sollen sich hochgradige Krankheitserscheinungen am Schädel und Gehirn und seinen Häuten gezeigt haben, die teils auf nicht ganz normale Bildung, teils auf ältere und neuere Entzündungen zurückzuführen seien. Der„Frankf. Ztg." schreibt man: den Worten:„Ganz gut, es ist alles in Ordnung.“ Am Samstag abend hatte sich Dr. v. Gudden in den Zimmern, welche der König im Schlosse bewohnte, und in denen die nötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen waren, in längerer Unterredung von einem ruhigen Verhalten des Monarchen überzeugen können. Dr. v. Gudden wurde noch während des Sonntags wiederholt gewarnt, im Umgang mit dem König ja recht vorsichtig zu sein. Am Sontag vormittag hatte allein im Parte vefand, wiro folgenvermaßen Mittags war der König mit Gudden auch schon im Park spazieren gegangen, ein Gendarm voran, ein Wächter nachfolgend. Der König bemerkte dies, und als bei dem nachmittägigen Spaziergange derselbe Apparat aufgeboten werden sollte, bemerkte er:„Ich bin ja so ruhig; schicken Sie doch den Wärter fort!“ Unglückseligerweise gab Gudden diesem Wunsche nach, selbstverständlich nicht ahnend, Wnteswesen, burun.. treffenden Auftrag ein Wort verlauten zu lassen und keinem Sterblichen das Gemälde oder plastische Werk zu zeigen. War die Arbeit vollendet und an Ort und Stelle aufgestellt, so erschien, selbstverständlich während der Nacht, der König mutterseelenallein zur Besichtigung. Gefiel ihm das Werk nicht, so wurde es unbarmherzig heruntergerissen und entfernt. Der Künstler erhielt dann gewöhnlich den Auftrag zu einer neuen, Gras=Vertauf in der Nü. AHm Ergster Kirmes. d. Mts., Am Sonntag, 20 Auhet hei mie ban 9.4— Wichtig für deutsche Damen! Lügner verrufen sind. Sklaverei besteht nicht unter den Dyaks, mit der einzigen Ausnahme des Stammes Bahon Trink, wo nicht nur Sklaverei getrieben, sondern die Sklaven auch gefoltert und getötet werden Obgleich jeder Stamm Schädeljagden auf Kosten seines Nachbarn unternimmt, so leben doch die Mitglieder jeder Gemeinde unter einander in Eintracht und das Wort ihres Häuptlings gilt ihnen als Gesetz. Dyaks erweisen ihren Weibern große Achtung, lieben zärtlich ihre Kinder und unterziehen sich der Pflege derselben. Während die kräftigen Leute ihrer täglichen Arbeit nachgehen, bleiben die älteren Männer und Frauen zu Hause und beaussichtigen das aufwachsende Geschlecht. Der Mann fragt stets seine Frau um ihre Meinung und umgekehrt thut die Frau nichts ohne die Zustimmung des Mannes. Die zusammengehörenden Glieder einer Familie oder eines Stammes hegen die innigste Zuneigung unter einander. Wenn ein Dyak zu Hause erkrankt, so nehmen die Frauen ihn in Pflege. Auf meiner Reise durch den Wald, über die Wasserscheide zwischen Muara Anan und Muara Benangan, wurde ein Dyak plötzlich von einem heftigen Fieber befallen und mußte zurückbleiben; aber vier von seinem Stamme blieben freiwillig bei ihm und erbauten sogleich am Wasser eine kleine Hütte für den Kranken.....“ Nach Karl Bocks Beschreibung wären somit diese Kannibalen noch nicht die schlimmsten Menschen, und das bekannte parodistische Lied vom deistischen Humanitätsschwindel ist demgemäß zu korrigieren, welches lautet: „Wir glauben all an einen Gott Christ, Jude, Türke, Hottentott Der Menschenfresser, er allein Soll gänzlich ausgeschlossen sein. Weil Menschenliebe da nicht ist, Wo einer noch den andern frißt.“ Wie der Kaiser von China zu einer Frau kommt. Als im 17. Jahrhundert China von den Tartaren erobert wurde, bestand das Heer aus eigentlichen Tartaren, Mongolen und aufständischen Chinesen. Die Eroberer stürzten das bisherige Herrscherhaus, die Minydynastie, und errichteten eine Herrschaft aus ihrer Mitte, die MandschuDynastie. Der diesem Herrscherhause entstammende Herrscher muß nun seine Gemahlin oder Gemahlinnen aus den Nachkommen jenes Eroberungsheeres wählen, die noch jetzt in besonderen Registern geführt werden und in 8 Banner der Tartaren, der Mongolen und Chinesen eingeteilt sind. Jetzt ist wieder eine solche Frauenwahl im Gange. Die in Betracht kommenden Familienväter müssen ihre Töchter, welche in einem Alter von 12 bis 16 Jahren stehen, zu diesem Zwecke in Peking präsentieren. Auf einem langen Zug von Karren werden die jungen Damen vorgeführt. Jeder Präfekt einer Abteilung muß die Mädchen seines Bezirks vorstellen, die der Kaiser mit der Kaiserin Mutter und dem ganzen Hofstadt erwartet. Der Präfekt erscheint und wirft sich vor dem Kaiser nieder und verharrt in dieser Stellung bis zu seiner Entlassung. Auf Holztäfelchen sind Namen, Stand und Rang der Mädchen geschrieben. Der Kaiser nimmt ein Holztäfelchen in die Hand, ruft einen Namen aus, die Aufgerufene erscheint, bleibt jedoch vor dem Kaiser stehen, der sie in Augenschein nimmt und sich mit ihr unterhält. Gefällt das Mädchen dem Kaiser nicht, so wirft er das Holztäfelchen in einen Korb, findet sie Gnade vor seinen Augen, so wird das Täfelchen mit einem roten Strich versehen. Zwischen den Ausgezeichneten findet eine engere Wahl statt, während die übrigen entlassen sind. Die zur engeren Wahl in Aussicht genommenen Mädchen müssen so lange in Peking bleiben, bis der Kaiser seine endgültige Wahl getroffen hat. Aus diesen Begünstigten wählt der Kaiser auch noch seine Nebenfrauen, ja er kann aus denselben auch für die Söhne von Prinzen Gemahlinnen aus. wählen. Nach wirklich geschehener Vermählung findet alle 3 Jahre in derselben Weise eine neue Musterung statt, um Nebenfrauen für den Kaiser zu gewinnen. Nur unheilbare Krankheit oder ein natürlicher Fehler kann den Vater von der Pflicht entbinden, seine Tochter zur Verfügung zu stellen. Wird ein Mädchen krank gemeldet, so muß die Wahrheit durch den obersten Beamten der Provinz festgestellt werden. Viele Väter schützen nämlich Krankheit, namentlich Taubheit vor, weil sie nicht wünschen, ihre Töchter in den kaiserlichen Pallast eintreten zu sehen, selbst nicht als Kaiserin, weil damit aller persönlicher Verkehr mit dem Elternhause ein Ende hat. Die den 3 mal 8 Bannern angehörenden Mädchen unterscheiden sich von den übrigen Chinesinnen durch kleine Abweichungen in der Tracht, insbesondere jedoch dadurch, daß die in China verbreitete Verstümmelung der Füße bei ihnen verboten ist. In der letzten Zeit sind übrigens auch nicht mehr alle den Bannern angehörenden Mädchen aufgeboten worden, sondern hat eine Beschränkung auf einzelne Rangklassen stattgefunden, wahrscheinlich um das Wahlversahren zu erleichtern. Haus= und Landwirtschaftliches. Für den Garten. Stangenbohnen kann man um 14 Tage früher reif haben, wenn man die Ranken, sobald sie einige Höhe erreichten, seitwärts zieht, was man durch Schnüre zwischen den Stangen leicht bewirken kann; die so gezogenen Bohnen sollen auch höhere Erträge liefern, als wenn man dieselben nach oben hin ranken läßt. Kartoffern sollen um ein Drittel mehr Ertrag liefern, auch die Kartoffelkrankheit vermieden werden, wenn man frühzeitig sämtliche Blütenknospen am Kraut mit den Nägeln abzwickt und dies Verfahren nach drei Wochen wiederholt. Für die Küche. Petersiliensuppe. Man siede Wasser und schlage ein Ei hinein, thue Salz dazu, quirle es durcheinander und gieße auch ein wenig Rahm dazu. Hierauf schneide man Semmel in eine Schüssel, streue gehackte Petersilie darauf und lasse es sieden. Das letztere gießt man schließlich dazu. Hopfensalat. Der Salat wird von allen Blättchen, die daran sind, gereinigt und so weit der Stengel hart ist abgeschnitten. Hierauf werden die Stengel nicht zu weich gesotten, weil sie sonst ihren Geschmack verlieren. Während des Kochens müssen sie gesalzen werden. Sobald sie weich sind, läßt man sie auf einem Brette erkalten, bringt sie in eine Schüssel und gießt guten Essig und Tafelöl darüber, vergesse aber auch des Pfeffers nicht. Altes Brot über Nacht in ein feuchtes Tuch eingeschlagen und dann eine Stunde in einen heißen Backofen geschoben, wird fast wie frischgebackenes. Schinken vor Fliegen zu bewahren rührt man Holzessig mit spanischem Pfeffer untereinander und bestreicht damit die Fleischseite des Schinkens. Das Gerinnen der Milch verhindert man durch Zuthun eines Stückchen Zucker(natürlich kann man mit Zucker versetzte Milch nicht buttern). Vermischtes. * Von einem merkwürdigen Blitzschlag wird aus Dingelstedt berichtet. Derselbe schlug in das Wohnzimmer der Posthalterei, wo zwei junge Mädchen mit der Speisung eines Kindes beschäftigt waren. Die Tochter des Hauses stürzte bewußtlos nieder, das Kindermädchen war an den Beinen gelähmt; der Säugling auf deren Schoß war unversehrt geblieben. Die Gardinen gerieten in Brand. Der Blitz hatte beim Eintritt den Schornstein zerspalten, war auf eine Drahtleitung und mehrere Klingelzüge übergesprungen, dann in die Stube getreten, dort sprang er von einem Wandnagel ab auf den Theekessel, den die Tochter in der Hand hielt und von da zum Fenster hinaus in einen Baum. * Adelina Pattis Hochzeit ist nunmehr auf den 10. Juni verschoben worden. Auch soll das Fest nicht, wie ursprünglich, in aller Stille gefeiert werden, sondern es sind bereits 150 Einladungen ergangen, da Craig-y-Nos, das reizende Landgut der Diva in Wales, im Juni zum Schauplatze einer ganzen Serie von großartigen Festlichkeiten gemacht werden soll. Die Intimen von Adelina Patti, von denen einige Dreißig sogar die Tour über den Ozean zu machen haben, werden im Schlosse selbst einlogiert werden. Die anderen müssen mit einem Absteigequartier in London vorlieb nehmen; für diese Kategorie von Gästen sind tägliche Extrazüge bestellt. Die bräutliche Diva, so schreibt ein Pariser Blatt, ist,(sie ist nämlich 1843 geboren) schöner als je, überwacht mit hausmütterlichem Eifer alle Vorbereitungen und freut sich wie ein Ki.o auf dieses Fest. * Auf dem Gastwirtstage in Görlitz wurde von 400 Gastwirten beschlossen, auf den Speisekarten künftig die französischen Bezeichnungen zu verbannen und geeignete deutsche Namen zu setzen. * In Berlin ist ein Mitglied der Spandauer Uhrmacherfamilie Naundorf, die vom Sohne des hingerichteten Ludwig XVI. von Frankreich abzustammen behauptete, gestorben. Die Sache war natürlich eitel Schwindel oder Einbildung und beruhte auf einer zufälligen großen Aehnlichkeit des alten Naundorf mit den Bourbons. Der Sohn Ludwig XVI. ist schon im zarten Alter, infolge der erlittenen Mißhandlungen, gestorben. * Aus dem Bericht, welchen der Magistrat in Krossen über die bekannte Sturmkatastrophe an die Regierung erstattet hat, ist ersichtlich, daß der von Privatpersonen erlittene Schaden sich auf über 600000 M. beläuft. Der Schaden, der an den in dem Eigentum der Stadtgemeinde stehenden Gebäuden und Anlagen entstanden ist, wird annähernd auf 200000 Mark veranschlagt. * Die Zuckerfabrik in Duderstadt ist bei dem dort stattgefundenen Unwetter hart getroffen, indem das in die Fabrik gedrungene Wasser 4000 Zentner Zucker aufgelöst hat. Am 2. ds. sind zwei weibliche Leichen in der Nähe Duderstadts aufgefunden. Beide Unglückliche haben in den Fluten am 1. Juni den Tot gefunden, sind dorthin geschwemmt und wurden dicht beisammen liegend aufgefunden. Es werden übrigens noch mehrere Personen vermißt. * Ein Postwagen in Zürich ist am Freitag Vormittag von einem Amerikaner um 7000 Franks erleichtert worden. Der Dieb ist arretiert, sein Genosse aber mit dem Geld entflohen, doch erkannt. Man vermutet, das beide Männer einer internationalen Bande angehören * Johann Most in New.York ist kürzlich ein Vorschlag gemacht worden, der ihn nicht wenig überrascht haben wird. Ein spekulativer Direktor eines Museums auf Coney=Island, dem berühmten Seebade Eldorado, in der Nähe von New=York, hat ihm allen Ernstes das Anerbieten gemacht, ihn während der Dauer der Saison in der Mitte seines Etablissements — in einem eisernen Käfig öffentlich auszustellen und ihm dafür dreihundert Dollars, d. i. eintausendzweihundert Mark pro Woche während der ganzen Dauer des Engagements zugesichert. Dieser famose Impresario versichert seinem teuern Pensionär nebenbei noch, daß er während der Schaustellung nicht zu sehr vom Publikum belästigt, und ausgezeichnet verpflegt werden solle. Daneben empfiehlt er ihm, für den Fall der Annahme seines glänzenden Engagements, Haare und Bart nicht mehr abzuschneiden, damit er ein recht wildes, revolutionäres Aussehen bekomme. Da der Anarchisten=Häuptling diesen brillanten Engagements=Vorschlag bislang unerwidert ließ, richtete der hartnäckige Direktor an Most einen zweiten Brief, worin er ihm ankündigte, daß er ihn im Falle Ablehnung seines Anerbietens in Wachs gießen lassen werde und ihn dann dennoch, an der Seite des Piraten Hicks, des Mörders Nemo und anderer krimineller Celebritäten, ausstellen werde. Dagegen kann nun Most nichts machen, weil die Gesetze des Landes eine solche Schaustellung nicht verbieten. * Die Berliner Jubiläumskunstausstellung war am 1. Feiertage von ca. 20000, am zweiten von ca. 16000 Personen besucht. * Aus Wallington in Neu=Seeland erhält das Reutersche Bureau die nachstehende Depesche: Im Distrikt Tarawara hat ein von Erderschütterungen begleiteter schrecklicher vulkanischer Ausbruch stattgefunden. Es wird großer Lebensverlust unter den Eingeborenen gemeldet, auch einige Europäer sind dabei umgekommen. * Zwischen Naro und Campobello, in der italienischen Provinz Gingenti, ist eine Schwefelmine eingestürzt und sind dadurch 80 Arbeiter verschüttet. Bis auf 8 sind aber alle gerettet worden. * Als Mittel gegen die Folgen des Bisses toller Hunde, mit dem die günstigsten Erfolge erzielt sind, wird ein Schwitzbad empfohlen. Wiener Blätter melden, daß dasselbe außerordentliche Erfolge zu verzeichnen hat. * Die neuvermählte„Frau Präsidentin“ Cleveland, geb. Miß Folsom, hat mit 17 Jahren bei einer Schönheitenkonkurrenz in Buffalo den ersten Preis „Lieblichkeit“, nämlich ein prachtvolles BrillantenKollier, erhalten. * In Hannover vegann am Dienstag der sechste Deutsche Lehrertag. Dreihundert Personen sind eingetroffen.„m., Manster Eour * In Frankfurt a. M. ist der Bankier Ebuaro Wohlfahrt am 9. ds. Mts. nach Veruntreuung von 1000 Stück ägyptischer Obligationen im Werte von 365,000 u flüchtig geworden.