AKOPETAGETT Samslag, 5. November 1932 Nummer 74 Beilage zum Allender Kreisblait zugleich Neuenrader Zeitung Das Kolonnenpferd. Skizze von Wilhelm Winkel. November 1918! Das deutsche Heer strömt auf zahllosen Straßen und Wegen nach Osten. Tag und Seorrpeng„arscg die Truppen. Sechs Stunden Ruhe, sechs In diesem Takte wird die gewaltigste Kriegsmaschine der Welt * A m S c h l u ß d e s K o r p s m a r s c h i e r t e i n e A b t e i l u n g s c h w e r e r Artillerie: Erst die Batterien, dann die Kolonnen. Am Ende der letzten Kolonne humpelt ein kranker Gaul, von einem Kleinen, gedrungenen Fahrer geführt, der ebenfalls lahmt. Manchmal bleibt das Pferd störrisch stehen, macht Miene, sich auf den Boden zu werfen. Dann zockt der Soldat wohl an der Trense und sagt:„Liese! Los!— Der Schangel soll uns doch in'n letzten Momang nich noch kriejen!“ Und der Gaul, als verstände er die Menschensprache, klappert mit wippendem Kopf und schlackernden Ohren weiter. Gegen Abend aber, als die Sonne eben zur Rüste geht, ist es vorbei. Liese legt sich auf der Straße nieder. Mit Mühe gelingt es dem Soldaten, sie soweit zur Seite zu zerren, daß der Weg frei bleibt. Seine Versuche, das Tier wieder hochzubringen, haben jedoch keinen Erfolg. Die Truppe zieht inzwischen weiter, und der Soldat bleibt mit dem Pferde allein. Nach einiger Zeit kommt der Wachtmeister der Kolonne in vollem Galopp zurück.„Was ist Schmidt?“ Der berichtet, er habe das Tier nicht mehr weiter bringen können.„So müssen wir ihn dotschießen!“ lautet die Antwort. Und da ihn Franz bei diesen Worten ziemlich verwundert ansieht, fährt er kort:„Oder meinen Sie nicht?“.„„ ag i. 1 Franz Schmidt zuckt die Achseln.„Ick weeß ja ooch nich. — Hauptsache is ja der Kohldampf. Seit Wochen keen Haber! — Ick jloobe, wenn der Jaul'n bißken jeruht hat, kann'r wiöder loofen;,.,, Gt Tall.s Margen 6 v. uia.. Der Wachtmeister steht ratlos. Morgen fruh wird die erste französische Division auf dieser Straße marschieren. Weshalb sagt der dumme Kerl von Schmidt nicht:„Ja, wir müssen ihn totschießen!“ Mag er sehn, wie er fertig wird! „Also, Sie meinen, wenn Sie ihn ein Stündchen liegen lassen, geht es wieder?“ „Det jloob ick“, erwidert Schmidt. „Dann bleiben Sie also bei dem Tier und kommen dann mit ihm nach! Wir marschieren noch zwei Stunden bis Villaincourt. Wenn Sie merken, daß der Gaul nicht wieder auf die Beine kommt, schießen Sie ihn tot!“ „Jawol, Herr Wachtmeister!“lu 65at, der Wacht. „Aber warten Sie damit nicht zu lange!“ fügte der Wachtmeister hinzu.„Sonst schnappt Sie der Schangel hier am Ende noch.“— Wo die Sonne versinkt, da ist der Himmel blutrot. Das Pferd hat sich in den Straßengraben gewühlt. Der Soldat kniet neben ihm, streichelt ihm von Zeit zu Zeit mit kosender Hand den Nacken, befühlt die Ohren des Tieres.„ sittelt eraurig den Kopf De Ohren sind janz kalt. Se schafft't Depot Nr. 26 518 etize von Ernst Edler von der Planitz Der junge Bankbeamte, tadellos rasiert und frisiert, stand heute zum ersten Male am offenen Schalter und bediente die Kundschaft. Es war für ihn ein feierlicher Augenbli als ihm in der anwies. Er selbst, sagte der ergraute Mann, werd läufig noch zur Stelle sein, bis der jüngere sich eingearbeitet habe. Und dann entriegelte der Bankdiener die schwere Tür nach der Straße, und die ersten Kunden strömten in die Halle. Wahrhaftig, die Sache ging besser, als er sich gedacht hatte. Die Uhr über dem Portal schlug halb zwölf. Von dort her kam eben eine kleine, alte Frau geschlichen und strebte in schnurgerader Linie auf seinen Schalter zu. Sie war sauber, aber altmodisch gekleidet, so wie sich etwa vor dem Kriege reiche Damen angezogen haben mochten. Alles Seide. Echte Spitzen. Ein ungewöhnlicher Kapotthut und lang nachschleppendes Kleid. Als die alte Dame den neuen Kassierer am Schalter erblickte, stutzte sie einen Augenblick. Dann aber trat sie rasch heran und sagte leise mit ängstlich verhaltener Stimme:„Ich habe das Konto Nr. 26 518 und möchte fragen, ob vielleicht Zinsen aufgelaufen sind.... Eu1, Krane Kuti. Der junge Mann, durch die ungewohnte Frage stutzig gemacht, warf einen fragenden Blick zu dem hinter ihm am Schreibtisch sitzenden älteren Kollegen. Dieser winkte mit den Augen. Und dann tuschelten die beiden eine Weile, ehe sich der jüngere wieder zum Schalter wandte und sagte:„Ich bedaure sehr, gnädige Frau, aber neue Zinsen sind augenblicklich keine verbucht.“ Die Kundin zuckte mit keiner Wimper, wandte sich und schlich zur Ausgangstür. In der Mittagspause erfuhr der junge Mann die Tragödie. Die alte Dame, eine verwitwete Gräfin Bomar, war vor dem Weltkriege eine der reichsten Kunden der„Deutschen Kreditbank" gewesen. Am Königsplatz, heute Platz der Republik, hatte sie ein großes Haus geführt. Was zur vornehmen Welt gehörte, verkehrte bei ihr. Dann kam der Krieg. Die Hungerblockade. Revolution. Inflation. Und, als der Milliardenunsinn aufhörte, sah sich die Dame am Königsplatz als Bettlerin. Es war wie im Zaubertheater.„Hier, meine Dame, habe ich ein Vermögen. Eins, zwei, drei. Verschwunden!“— Und aus dem weiten Königsplatz wurde die enge Petrigasse. Wohl lagerte für die alte Dame noch ein großes Paket Staatspapiere(„Alles mündelsicher, gnädige Frau“, so war ihr gesagt worden, als sie vor dem Kriege kaufte) im Depot. Aber es waren österreichische Konsols. Und das Papier hatte keinen Kurs mehr.„Oder doch? Warten Sie mal bitte einen Augenblick! Richtig, hier: ein achtel Prozent.“ * ährt oar Die Dame hatte damals den alten Kassierer verständnislos angestarrt, und der Direktor sagte ihm:„Liegen lassen! Die Gräfin unterhielt vor dem Kriege ein Guthaben von zwei und einer viertel Million Mark hier. Vielleicht steigt der Dreck doch noch.“ Ju. Kaslins, ham funsen berichtst: Das war es, was der alte Kassierer dem jungen berichtete. Nach vier Wochen erschien die alte Dame von neuem. Sie kam jeden Dritten des Monats. Man konnte den Abreiß= kalender nach ihr einrichten. Und als sie eines Tages wieder fragte, griff der junge Beamte, halb abgewandt, in seine Westentasche, legte drei Mark fünfzig auf das Zahlbrett und schob dieses der Gräfin zu. Wortlos nahm die Greisin den Taler und den Fünfziger, steckte das Geld umständlich in ihre kleine Handtasche und wandte sich ohne Gruß dem Ausgange zu. Der Beamte sah ihr nach. Dann schielte er nach dem älteren Kollegen. Der hatte nichts bemerkt. „Wie kannst Du nur!“ ging es dem jüngeren Manne durch den Kopf. Aber er hatte beim Friseur Eile gehabt und das Wechselgeld in die Tasche gesteckt. Und dazu war es Sonnabend. Die Banken schlossen heute früher. Und er wollte doch nach dem Harz. Sein Köfferchen war schon auf dem Bahnhof. Thale, Hexentanzplatz, Roßtrappe. Das Wochenende ließ sich so ohne Ueberstürzung ausnutzen.—— An der Ecke der Behren= und Charlottenstraße vor einer Konditorei stauten sich die Menschen. Ein Chauffeur suchtelte mit den Armen in der Luft herum. Ein Schupo machte Notizen, und auf der Erde... „Ich kenne die Verunglückte. Es ist eine Gräfin Bomar", sagte der junge Bankbeamte, der sich durchgedrängt hatte. Der Schupo notierte eifrig.„Ich werde die alte Dame nach dem Krankenhaus bringen.“ Man bettete die Bewußtkose auf den weichen Sitz des Autos. Der Chauffeur gab Gas. Zug und Harz waren längst dahin, als der junge Mann vor dem Krankenhaus wieder ins Auto stieg:„Petrigasse!“— Der Motor schnurrte. Die Menschen flogen vorbei. „Richtig. Hier! Hausnummer 27. Wohnt hier die Gräfin Bomar?“ „Sie meenen die olle hochmütige Schrulle in ihrem Seidenen? Na, da jehen Se man die Treppe ruff und dann links bei die Schuppinl“... E,, Waste Als der junge Mann an der Ture klopfte— eine Klingel fand er nicht—, öffnete eine ältere, sauber gekleidete Frau, die zurückprallte, als sie die Aktenmappe erblickte.„Ist denn schon wieder eine Steuer...?“ „Seien Sie mal ganz beruhigt, beste Frau Schupp! Ie komme nur wegen der Gräfin Bomar.“ „Maria und Joseph! Nun ist ihr doch was passiert. Seit Stunden warte und warte ich. Und wollte schon zur Polizei.“ „Die alte Dame liegt im Krankenhaus. Nur ein Nervenschock. Ich werde sie morgen selbst herbringen. Mein Name ist Wimmer." „Ach, Herr Doktor! Wenn Sie wüßten, was für Sorgen ich mit meiner Gnädigen habe! Ich sage Ihnen, wie ein Kind ist sie, seitdem wir weg sind vom Königsplatz. Ich war undzwanzig Jahre bei ihr Zose. Dann heiratete ich. Dann fiel mein Mann im Felde. Und ich saß da ohne Pension und hatte nichts. Nur das bißchen Nähen. Eines Abends klingelt es. Und wer steht da? Maria und Josef, die gnädige Frau Gräfin. Ach, Frau Gräfin, sage ich. So spät noch! Und wie haben Frau Gräfin nur hergefunden? Sie kennen doch unser Viertel gar nicht. Was ist denn passiert?-....1 M# „Anna, ich muß dableiben. Ich habe kein Bett. Sogar den Frisiermantel und den Hektor haben sie weggenommen. Die ganze Wohnung steht leer. Ich wußte gar nicht, daß die Franzosen in Berlin sind und plündern...“ Ach du Grundgütiger! denke ich. Sie hat den Verstand verloren. Lieber Herr, sie hat ihn wirklich verloren. Wie ein Kind sitzt sie herum und spielt mit meiner Katze und nennt sie Hektor. Und jeden Monat geht sie nach der Bank. Und wenn diese wieder zahlt, geht es uns besser...“ Als der junge Mann am Montagfrüh die Schalterhalle betrat, rief ihm schon von weitem der alte Kassierer entgegen: „Wissen Sie schon, Herr Kollege? Oesterreichische Konsols 14½!“ „Depot Nr. 26 518“, antwortete der Angeredete mit eigentümlicher Erregung. „Ja, und dann sollen Sie um zwei Uhr beim Abteilungsvorsteher antreten. Ich glaube, Sie kommen zur Hauptkasse.“ „Ich?— Wie käme ich dazu?“ „Was weiß ich? Aber der Fahrenholz von drüben sagte mir eben, der Alte wäre gestern abend noch spät in der Petrigasse gewesen. Er hat es sich nicht nehmen lassen, der alten Dame selbst die Nachricht zu bringen.“ „Aber, was geht mich die Petrigasse an?“—„Meine Herren“, sagte der alte Bankdirektor und blickte der Reihe nach die um den runden Tisch versammelten Grauköpfe an.„Ich schlage den Wimmer als zweiten Kassierer bei der Hauptkasse vor. Ein junger Mann, der aus seiner Tasche alte Frauen stillschweigend unterstützt, wird nie sein Geld mit jungen Weibern und ähnlichem Geschmeiß verplempern. Und dann... Na, Sie wissen ja, was ich sagen will...“ dann Kunze gen sppj. go, Obren sind, sanz kalt. Se. nich.: Nach einer Weile seurzt er tief auf und fähr.„.. fort:„Schade!— Hatte mir da so uff jefreut, wenn se mir'n Jemüsewagen nacht't Markt jezogen hätte. Hab den Jaul doch Er starrt vor sich hin. Eine bleierne Müdigkeit befällt ihn. Er wickelt sich in seinen Mantel, streckt sich ins feuchte Gras und läßt die Augen im Nebeldunkel des Abends umhergleiten, das sich immer mehr tiefschwarz färbt. Und plötzlich steht ein heller Maitag vor seiner Seele. Franz sitzt auf der Liese, das Handpferd am Zügel, und fährt bei Gorlice Munition. Ueber ihm krachen die Schrapnells. Ha, wie die Nüstern seines Pferdes sich blähen! Wie sein Atem keucht!— Und dann bei Brest)„Aaus Helmbrecht patie nur noch ei Litowst. Als die Kolonne bei der Munitionsabgabe in rasendes unsäglich liebreiche Erinnerung an seine erste Jugendzeit. Schrapnellfeuer geriet und er sich in seiner Verwirrung unter Oft saß er in Gedanken und sann ihr nach wie einem WunschLieses Hals flüchtete.— Und in Serbien! Da mußte die, Liese bi) gu'z einer verschollenen Welt. Da sah er sich stets daheim Ohne ein Wort zu erwidern, eilt Franz Schmidt davon. Nach einer Weile sieht er sich noch einmal nach dem toten Tiere um und brummt:„Ja Liese! Nu is det nischt mit det Jemüsefahren.“ Traurig schreitet er die Straße nach Osten, wo die Sonne eben aufgeht. * Da ist Deine Liebe... Skizze von Franz Schrönghamer=Heimdal. Klaus Helmbrecht yatte nur noch eine dunkle, aber Lieses Hals flüchtete.— Und in Serbien: zegrigeßte, Die, Ziese hu0 aus einer verschollenen Welt. Da sah er sich stets daheim wochentang die schweren Frgigygc#ezen Schlamm auf dem Helmbrechthof in der getäfelten Stube auf dem schleifen. Abgenagert war sie bis zum Skelett. Und in Frgen; Schoße einer Mutter, deren mildes Auge lächelnd auf ihm Feich hatte das Tier dann Räude gehabt, Als es aus den. ruhte sah den Vater von der Feldarbeit her durch die Tür Vieroeigzgretzäezrtüicktanz begann das Hundeleben vor Bepaßg, treten, der ihm wie segneno oie Hand an Nacht, für hgagt wurde, Munition gefahren. und dabei Wuschelkopf legte und dabei auch die Frau lie Hafer jeden Tag! Beim Pferdeputzen knabberten Da yygr es stets als hielte die Zeit den Aten 200 Gramm Hafer jeden Tag! Beim Pferdeputzen. die Tiere die Strohbedachung der Häuser an. Und als die Soldaten die modrigen Strohbündel aus den Dächern zogen, fielen die Pferde in grimmigem Heißhunger darüber her. Nachher gab's Kolik, daß es zum Erbarmen war.— Und dann kam noch einmal eine gute Zeit. Vor der Offensive von 1918 war das. Die Tiere bekamen satt zu fressen. Das zottige, stumpfe Fell wurde blank. Der Schritt leicht, das Wiehern lustig und froh. Hei, war das eine Freude beim Marsch an die Marne gewesen!— Und dann kam das Elend, das nun ruhie, sah den Vater von der Feldarbeit he ud die Hand auf den blonden und dabei auch, die Frau liebkosend umsing. Da lour es stein, als hielte die Zeit den Atem an. Das Tiatack der alten Schwarzwälderuhr an der Wand tönte wie aus Ewigkeiten ohne Anfang und Ende, und der Glaskrug auf dem Fensterbrett daneben glänzte in einem siebenfarbigen Sonnenleuchten so wundersam, als wollte der Himmel eine Krone des Glückes in diese Heimstube zaubern. Und dann kam das andere, für das der Knabe Klaus Helmbrecht noch kein Begreifen hatte: Ein Brief aus dem Felde mit einem Eisenkreuz und anderen Siebensachen, die einem Helden unnütz sind, der in fremder Erde ruht. Ueber vererbte Bauernblut in ihm drängte mit Urgewalt die Fäuste zum Griff ums Pflughorn; und eben zu der Zeit, als Hanno Helmbrecht, der Oheim, die Hand nach dem Hof ausstreckte, um ihn seinem Ansitz einzuverleiben, kam Klaus aus der Studienstadt zurück und erklärte:„Ich habe das Herrverden satt bis über die Ohren. Ich muß eine Scholle unter den Füßen, eine Harke in Händen und Sturm und Sonne zu häupten haben, sonst ersticke ich. Heute übernehme ich den sof. Gib mir die alte Wanduhr und den Glaskrug für die heimstube zurück, auch Roß und Rind, ich will es fortan selber schaffen..., e.g 87. Sihtam Milfahrte akDer Oheim biß sich auf die Lippen, willfahrte aber willig dem heischenden Drange des Hoferben. Da stand ein junger Hartkopf, der ihm jede Berechnung zuschanden machte, ein Helmbrecht vom Scheitel bis zur Sohle. „Klaus, ich hatte es Dir gut gemeint mit dem Herrwerden, darfst mir's glauben. Aber wenn Du lieber ein seinem Ende zuneigte! Rückzug! Hunger! Doppelte Arbeit; jurz betteten sie auch die Mutter in die Erbgruft der Helmdenn jeder Weg mußte zweimal zurückgelegt werden, weil die brechts droben bei der Bergkirche. Gram hatte ein Herz Fahrzeuge unzureichend bespannt waren. Und nun, hundert Kilometer vor der deutschen Grenze, macht Liese schlapp. Was soll werden? Franz Schmidt richtet sich fröstelnd auf, streicht mit der Hand über die Flanke des keuchenden Tieres. Soll er es von seinem Jammer erlösen? Er öffnet die Ledertasche, in der sich die Armeepistole befindet, schließt sie aber gleich wieder. Weshalb hat er ein solches Grauen davor, die Liese totzuschießen? — Er legt sich zurück und denkt darüber nach. Dabei sinkt er in unruhigen Schlaf. Als er schließlich frostzitternd aufwacht, meint er, nur eine Viertelstunde geschlafen zu haben. Ein brechts droben bei der Bergkirche. Gram hatte ein He gebrochen, aber nicht eine Liebe, die der erwachende Jungling ils Leitstern über seinem Leben wußte, wenn auch der zum Vormund bestellte Oheim Hanno Helmbrecht diesem Leben eine vorbedachte und eigenwillige Richtung zu geben wußte. Der schob den Knaben von der Väterscholle und gab ihn in eine Anstalt, ihm ein künftiges Herreuleben als Pastor, Rechtsanwalt oder Landrat verheißend.„Die Helmorechts sind hell im Kopf“, war des Oheims Wort den Nachbarn gegenüber.„Warum soll nicht einer mal ein Herr werden? Die Kosten trägt der Hof, und wenn's nicht reicht, meint er, nur eine Viertelstunde geschlasen zu habergrocen zahl ich. selber dazu. Aber ein Herr muß her, damit die Pelt fahler Schein im Osten belehrt ihn eines Besseren. Erschrogen weiß, daß wir Helmbrechts nicht auf der Wassersuppe oaherspringt Franz Schmidt auf. Dem Gaul geht's noch immer geschwommen sind.“„.— schlecht. Die Ohren sind eiskalt.—„Wenn nur eine Feld=“ Heimlich aber dachte der Vormund: Mag der Junge ein küche vorüberkäme, daß ich ein wenig Kaffee haben könnte!“ Herr werden, wie er will, auch wenn ich draufzahlen muß. denkt der Soldat. Aber die Straße ist völlig einsam. Nach Umso besser dann. Klaus dankt mir den Herrn, und ich habe einiger Zeit steigt ihm der Gedanke auf, daß dies auffällig sei. den Hof auf eine Art, die mich überall ins Ansehen setzt. Sind die Deutschen schon vorbei und folgen die Franzosen?] Wenn der Junge in die Ferien kam, die er bei seinem Franz Schmidt wird ein wenig beklommen. Er versucht, das Oheim Hanno Helmbrecht verbrachte, schlich er sich zuweilen Pferd hochzuzerren. Umsonst! Immer wieder sinkt es zu= in die Heimstube des verlassenen Väterhofes, den der Oheim sammen. Wieder greift der Soldat nach der Pistole. Wieder on seinem Ansitz aus bewirtschaftete. Aber statt des Wunschläßt er sie in der Tasche und denkt:„Vier Jahr hab ick den bildes, das ein Erinnern an die erste Kinderzeit vorzauberte. Jaul nu jehabt!— Un nu soll ick'n dotschießen?“— and Klaus nur ödes Schweigen und kaltes Grauen darin. Plötzlich— es ist inzwischen hell geworden!—fährt er Von Schauern geschüttelt, wandelte er dann den Weg zur Feitems neben ihm.„J49— Ja, ic sol „Hinten kommt der Schangel. Sie wollen wohl noch in dann weiter Gefangenschaft?“ Franz Schmidt wird blutrot.„Lassen Sie ein Hügel lag, wer weiß wo... den Gaul liegen! Los! Los“ ruft der Offizier.„„„ Mit wachsenden Jahren war über den „Der Schangel soll de Liese ooch nich haben“, knurrt Begreifen all des Schweren gekommen, das ihm vom Franz. Der Leutnant murmelt:„Dämlicher mit dem Finger nach Westen. Franz reißt die Auge Wahrhaftig: Langsam kommt eine Schwadron feindlicher der Zukunft, die ihm einmal als Saat und Ernte aufoehen nicht misriegen wird greift er i. die Fgsche zieht die Nistale micht mittriegen wiro, greist er in die Tasche, zieht die Pistole heraus und jagt dem Tier zwei Kugeln in den Kopf. Ein paarmal zuckt es, dann ist alles aus. „Sind Sie verrückt geworden?“ schreit der Leutnant.„Es ist Waffenstillstand! Sie richten mit Ihrer Kuallerei noch das gröbte Anbei ens Bauer sein willst, habe ich auch nichts dawider. Du bist nun volljährig und kannst selbst bestimmen. Dein Erbe habe ich Dir ungeschmälert erhalten, und von der Welt draußen hast Du nun auch eine Abnungg,., zurach asachs mit Nach„Das dank ich Dir, Oheim“, sprach Iraus mil Nuchdruck,„denn nun weiß ich erst, wie gut das ist: Bauer sein, frei sein, Licht, Luft, Scholle, Sonne und Arbeit, die Er nahm den Hannes Hochgemut als Knecht zu den Rossen und die Tina Kraushaar, beide Spielgenossen aus der ersten Knabenzeit, als Dirn zu den Kühen und für die Küchel Zwei, drei Jahre werkte er mit ihnen wie ein Wilder. Nur an den Sonntagnachmittagen gönnte er sich Ruhe. Da saß er auf der Herdbank mit einem alten, lieben Buche, und die Tina hielt auf dem alten Mutterplatz mit einer Strickerei ihre stille Rast. Die Wanduhr tickte wie zu Knabenzeiten, und der Glaskrug auf dem Fensterbrett daneben hatte sein Siebenfarbenwunder wie voreinst. Und wenn Klaus in das milde, magdliche Auge der stillgeschäftigen Tina sah, dann wußte er sich von dem unsäglich liebreichen Mutterwesen umwoben wie einst als Kind, so sehr war das Wunschbild seiner Erinnerung wieder Wirklichkeit geworden. In solcher Weihestunde mag es geschehen, daß sich Hände wortlos, wie selbstverständlich zusammentun zu einem Bund, den kein Krieg und kein Gram zerbrechen mag. Denn was so sich findet, kommt aus Ewigem und geht in Ewiges. Das ist das Bleibende. Als ein Jahr darauf die Tina, geborene Kraushaar, ihrem Klaus einen jungen Helmbrecht in die alte Väterwiege legte, da heftete dieser wie zum ewigen Gedächtnis einen Spruch, allen künftigen Hoferben sichtbar, unter die alte Wanduhr: „Wo dir Gottes Sonne zuerst schien und dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, Wo das erste Menschenaug' sich liebend über deine Wiege neigte, Wo deine Mutter dich zuerst mit Freude auf dem Schoß trug und dein Vater dir die Lehren der Weisheit ins immer esen d us Seshonten lch n. wieder durchgerungen hatten zu Licht sich dennoch Mit dem Studium nahm Klaus Helmbrecht es ernst, aber je weiter er darin kam, desto fühlbarer ward ihm ein Mangel bewußt: Sein Kopf ward wirr und überladen von Wissenskram, Herz und Hand aber blieben leer. Das altEin neues Hermann Löns=Denkmal. Der Löns=Gedenkstein, den der Hanauer Verein der Aquarien= und Terrarien= Freunde zur Erinnerung an den unvergeßlichen Heidedichter setzte. Der hohe Sockel, der von einem Porträt=Relief von Hermann Löns geschmückt wird, trägt eine Gruppe: Die Jagdgöttin Diana und ein Wanderpaar mit Mandoline. Figuren. die das Schaffen des Dichters versinnbildlichen. Herz grub: Daist deine Liebe, Daist dein Vaterland.“ Schulkinder halten den Schnellzug auf. Die Verwaltung der englischen Nordostbahn hat kürzlich eine Verfügung erlassen, die in ihrer Geschichte einzig dasteht Wegen drei kleiner Schulmädchen muß einer der schnellsten Züge Englands auf einer winzigen Station halten. Die drei Mädchen sollten dem Wunsch ihrer Eltern zufolge ein Lyzeum in Doncaster besuchen. Das schien aber unmöglich zu sein, de der einzige Zug, der vormittags auf dem Bahnhof des kleinen Dorfes Balne hielt, erst dann in Doncaster eintraf, wenn die Schule schon beendet war. An eine Beförderung mit dem Kraftwagen konnten die Eltern aus wirtschaftlichen Gründen nicht denken. Dagegen flog jeden Morgen, eine Stunde vor Schulbeginn, der Londoner Schnellzug durch Balne. Ein Bekannter meinte einmal im Scherz zum Vater des einen Kindes Bahnverwaltung. Und das Wunder geschoh. Die Direktion brachte Verständnis für die unangenehme Lage der Kinder au und ordnete an, daß der Schnellzug in Balne hielt, um die drei Mädchen aufzunehmen. Glossen und Splitter. Von Fr. Paulig=Bahia Blanca. Wer mit Einbildung vorbestraft ist, wird aus der engen afzelle, in der sein Geist und sein Gemüt brüten, schwerlich Straf rafzelle, in der sein Geist und sein den Schritt in die Weite wirklichen Wissens wagen. * Der Verstand ist ein alter erfahrener Herr, aber ein junges, oft unkluges Mädchen. und seine Kameraden. Ein Erlebnis von Heinrich Capell mann=Cornellmünster. Ich traf sie Ende September 1918, kurz nach dem Zusammenbruch der bulgarisch=deutschen Front, auf einer der schtechten mazedonischen Straßen, die von Uesküb nach Norden führen: Zwölf kriegsgefangene Russen, die wahrscheinlich als letzte ihre Arbeitsstätte in Uesküb verlassen hatten und nun, wie ich, wieder Anschluß an unsere in Richtung der Donau zurückgehenden Truppen suchten. Zwischen ihnen trippelten swei kleine, aber ausdauernde mazedonische Esel, die zu beiden Seiten ihrer hölzernen Tragsättel mit großen, vollgepackten Säcken behängt waren. Da ich, als letzter eines Kommandos, zurückgeblieben war und nun allein den Marsch nach der etwa dreihundert Kilometer entfernten Donau versuchen mußte, beschloß ich trotz anfänglicher Bedenken, mich diesen einträchtig und wie friedliche Apostel dahinziehenden Braunkitteln anzuschließen. Allerdings weniger ihrer Geseuschaft als vielmehr der prall gefüllten Säcke willen; denn ich war ohne jeden Mundvorrat, und sie kamen wahrscheinlich aus dem aufgegebenen Lebensmittelmagazin von Uesküb, wo bisher Kriegsgefangene als Arbeiter beschäftigt worden waren. Ich sprach sie also an. Anfangs erschraken sie, mißtrauisch, über mein Ansinnen Als ich aber dann ihrem Anführer, den sie Dimitrieff nannten und der leidlich Deutsch. sprach, die Vorteile eines gemeinsamen Marsches auseinandersetzte, waren sie gern einverstanden. Ganz gewiß, mein Dabeisein konnte ihnen von großem Nutzen werden, wenn sie über ihr Woher und die Herkunft ihrer Vorräte Rechnung geben mußten; zudem waren sie waffenlos, und ich trug eine gute Armeepistole am Koppel: Jawohl, dobro, dobro; es war wirklich gut, wenn ich bei ihnen blieb! Ich zog also mit ihnen, und wir hielten gute Kameradschaft. Sie gaben mir gern und reichlich von ihren Vorräten an Zwieback, Speck, Büchsenfleisch und Kaffee, und ich half ihnen dafür mit meinen Wege= und Kartenkenntnissen und später noch mit meinem ganzen Vorrat von Fußsalbe und Verbandszeug. So wäre unser Marsch ganz gut und friedlich verlaufen, wenn nicht ihre Fußausrüstung gar so mangelhaft gewesen wäre; ihr Schuhwerk war nämlich so schlecht, daß es schon nach den ersten Tagesmärschen über die steinichten Gebirgsstraßen in die Brüche ging, und als wir uns dem ersten Ziel unserer Reise, der kleinen serbischen Stadt Raska näherten, trugen schon die meisten meiner Apostel, wie ich sie setwas kurzerhand getauft hatte, nur noch klägliche Reste ihres Fußzeugs auf dem Rücken, dafür Lumpen und Sackleinen an den Füßen. Insbesondere hatte Dimitrieff unter dem Mangel seiner Marschausrüstung sehr zu leiden. Trotzdem ich nicht ohne Erfolg bemüht war, mit Salbe und Verbänden seinen wunden Füßen Linderung zu verschaffen, fluchte und stöhnte er zuletzt doch den ganzen Tag, und endlich, als wir uns, zum letzten Male vor unserer Ankunft in Raska, auf einer einsamen Gebirgshöhe zur Nachtruhe niederließen, erklärte er mir, daß ihm für den Weitermarsch nur noch meine Stiefel helfen könnten; ich sollte sie ihm deshalb wenigstens für die nächsten Tage leihen. Aber trotz all meiner bisherigen Hilfsbereitschaft mußte ich ihm dieses Ansinnen abschlagen; denn mein Marschziel lag noch sehr weit, und unter ungünstigen Umständen konnte von dem Besitz eines guten Paars Stiefel mein Leben abhängen. Aber er blieb hartnäckig bei seiner Forderung, obwohl ich sie immer wieder entschieden ablehnte; bis er endlich, ich möchte fast sagen plötzlich, schwieg. An dem Abend saßen wir wortkarg beisammen; ich fühlte deutlich, daß etwas wie Verstimmung, ja Feindseligkeit zwischen uns stand, aber ich eröstete mich in meiner kritischen Lage damit, daß wir ja morgen nach Raska kommen wurden, wo ich nicht bloß Hilfe für meine fußkranken Apostel, sondern auch deutsche Kameraden zu finden hoffte, mit denen ich dann meinen Marsch fortseten konnte.. siel I, Ticht, sch. mußt. 4n Aber diese letzte Nacht gefiel mir nicht, ich mußie auf der Hut sein und nahm mir vor, unter allen Umständen wach zu bleiben. Als Dimitrieff sich inmitten seiner schweigenden Kameraden zum Schlafe hinstreckte, ging ich etwas abseits und suchte mir einen Platz, wo ich mich mit dem Rücken gegen einen Felsblock lehnen konnte. Es mochte Mitternacht sein, und ich kämpfte schon, todmüde von dem anstrengenden Tagesmarsch, schwer gegen den aufsteigenden Schlaf, als ich zu bemerken glaubte, daß sich drüben, aus den Reihen meiner Apostel, einer erhob. Die Erregung machte mich schnell wach; richtig, tappend und tastend, mit seinem schweren Marschstock vorsichtig den Boden prufend, bewegte sich jemand auf mich zu. Lautlos und äußerlich unbewegt griff ich nach meiner Pistole; der Näherkommende hatte ja wohl kaum die Absicht, mich nach einem Ueberfall noch mit nach Raska zu nehmen. Der Schatten kam näher; ich erhob mich geräuschlos, stand unbeweglich, die Pistole schußfertig in der Hand. Da, neue Erregung; ein zweiter erhob sich jetzt. Meine Lage wurde kritisch. Auch der zweite tappte sich auf mich zu, langsam, ganz langsam, bis er wohl seinen Vordermann gesehen haben mußte. Und da geschah etwas ganz Unerwartetes: Ich hörte einen kräftigen Fluch und erkannte die Stimme Dimitrieffs. Und dann balgende Fäuste, Schläge, Geschimpfe! Die anderen Apostel erwachten; da wurde es still; die beiden Schatten zogen sich lautlos zurück. Ich versuchte, mir den Spuk zu deuten: Ah, braver Dimitrieff, ich habe dir Unrecht getan, als ich dich für undankbar hielt!„ A Am anderen Tage feierte ich in masra mit Dimitrieff in einer Schenke Abschied. Aus enghalsigen Fläschchen tranken wir Slibowitz, scharfen, serbischen Zwetschenbranntwein. Dimitrieff trank drei, vier, erst die seinen, dann noch die meinen, auf meine Kosten natürlich, der Brave! fragte ich ihn auch nach dem nächtlichen Spuk und wie die Sache eigentlich gewesen. Erschrocken sab er mich an, aber dann schien ihn mein Lächeln wieder au heruhigen; schwer hielen seine groben Fäuste auf den Tisch:„Germanski— Du gut!— Ich— schlechter Kerl!— Aber Ajasoff, der Dummlopf— weißt Du, der Esel— der wollt' sie haben zuerst—“ „Ajasoff?— Dummkopf?— Zuerst?“— Hat sich doch vill zu große Fuß—“ uu uer G — es warr voch meine Stitzeinummarr!“ Menschen im Leuchtturm eiize von S. W. Leininger Sie war dort draußen auf dem Felsriff geboren, und der Leuchtturm bildete ihre ganze Welt. Man sah von ihm aus im Osten die niedere Kuste wie einen Dunstreif liegen, und sonst war nur Meer. M I, un 6. So kannte Meta Tollens nichts anderes als den Leuchtturm und ihre Mutter. Sie erinnerte sich wohl undeutlich daran, daß einst längere Zeit ein Mann hier draußen gelebt hatte. Sie fragte einmal ihre Mutter, und diese sagte:„Das war Dein Vater. Dem mag es hier draußen zu einsam gewesen sein. Nun ja, da verschwand er eben eines Tages und ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Die Leute drüben an Land hatten viel Mitleid mit Dir und mir, weil ich nicht fort wollte und weil wir sonst nichts zu leben hatten, und so ließen sie uns eben bier.“, 8.# Lamtle in. S u6 5. Die Geschichte war dem sino damals im Kopf herum gegangen. So fragte Meta Tolleus:„Mutter, was ist das: Einsam?“ Die Mutter fand nicht gleich die richtigen Worte: „Einsam, ja weißt Du das ist, wenn nicht genug Leute da sind, mit denen man sich etwas erzählen kann. Wenn man vielleicht einmal ein anderes Gesicht sehen möchte als immer das von seiner Frau. Einsam, ja einsam ist eben, wenn man niemand hat, mit dem man seinen Grog trinken kann. Wenigstens verstand Dein Vater so etwas unter Einsamsein.“ Meta Tollens begriff das nicht. Wenn das die Einsamkeit war, die ihrem Vater unerträglich geschienen hatte! Sie kannte das nicht anders. Sie wollte es auch gar nicht anders haben, und wenn die beiden Männer, die alle vier Wochen mit dem Motorboot Proviant zum Leuchtturm brachten, wieder abfuhren, war sie immer froh darum. Von Langeweile hatte die Mutter einmal gesprochen. Auch die sollte den Vater vertrieben haben. Aber wie konnte man sich nur hier langweilen? Da gab es doch soviel zu tun: Die Lampen putzen und die Spiegelscheiben, den Turm in Ordnung zu halten und aus den Büchern zu lernen, die ihr die Mutter mit dem Motorboot kommen ließ. Und im Frühjahr und Herbst wußte man vor Arbeit weder aus noch ein, wenn die Zugvögel ins Licht flogen, und zu Hunderten sich die Köpfe einrannten. Langeweile? Nein. Es mußte schon das den Vater fortgetrieben Gepse anderes gewesen sein, So war Meta Tollens dort draußen auf ihrem Leuchtturm fünfundzwenzig Jahic alt geworden, die Mutter an die sechzig, und keine dachte, daß es einmal anders werden sollte auf ihrem Riff. Nur die Alte machte sich wohl dann und wann Gedanken, was sein würde, wenn sie starb und Meta allein blieb. Aber gleich hatte sie Angst vor den Folgerungen, die sie aus solchem Nachdenken hätte ziehen müssen: Die Meta braucht einen Mann. Sie fürchtete sich davor, daß der Frieden ihrer Einsamkeit hier draußen einmal gestört werden könnte durch einen Dritten, und so wollte sie nicht an die Zukunft denken. Dann kam aber die Nacht, die alles änderte. Es stürmte draußen, und der Leuchtturm zitterte. Da war es den Frauen, als horten sie das Krachen splitternden Holzes, und dann klang ein Ruf hinüber, den der Sturm fast erstickte. Da öffneten sie mühsam die schwere Tür, die ihnen von den anreitenden Brechern fast ins Gesicht geschlagen wurde, und ein paar Schritte vor ihnen hielt sich ein Mann mühsam an den glatten Felsen seht.„ elrein Li. Frahhe ruant Sie halfen ihm in den Turm hinein, die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer und legten ihn in den abgenutzten Lehnstuhl, in dem sie nachts abwechselnd Wache hielten. Der Mann war erschöpft und durchnäßt, und während sie sich um ihn bemühten, ihm die blutende Kopfwunde verbanden, erzählte er: Von weither käme er, und weil er keine Arbeit gehabt hätte, so sei er eben auf den Einfall gekommen, in einem kleinen Segelboot um die Welt zu fahren und sich sein Brot zu verdienen. Nun hatte ihm der Sturm, der ihn gegen den Feisen wart, das Letzte genammen. Meta Tollens hörte ihm zu. Sie hatte sich auf einen Stuhl gesetzt, die Ellbogen auf die Knie und das Kinn in die Fäuste gestützt, und stierte ihn an wie ein seltenes Tier. Wie war er doch anders als die Männer vom Motorboot mit ihren großen Bärten und ihrem plumpen Körper! Und warum fuhr es ihr nur so durch den Leib, als er jetzt den Blick hob und sie ein wenig dankbar anlächelte? Warum sah ihn die Mutter so en Drei Wochen später gab sich Meta Tollens selbst unwpillkürlich die Antwort auf ihre Fragen. Die Mutter sprach davon, daß morgen das Motorboot kommen würde, und dann müßte der Fremde, Gerd Holger, fort. Da sagte das Mädchen: „Warum nur? Mutter, ich hab' mich ja so an ihn gewöhnt, und jetzt mein' ich, er könnte hier bleiben für immer. Was soll er denn sonst tun?"„„ Ein hartes Wort lag der Alten auf der Zunge. Doch dann sagte sie ruhig:„Kind, wir waren doch zufrieden zu zweit. Was brauchen wir noch einen Dritten? Laß ihn morgen fortgehen, und Du hast ihn bald vergessen.“ Der Mann kam dazwischen, und sie sprachen nicht mehr davon. In der Nacht aber hörte die Alte die Tür gehen. Sie hatte die Wache, und die Tochter sollte schlafen. Die Mutter stand auf und sah in das Treppenhaus hinunter. Da war die Meta, und die aufgelösten Haare hingen ihr auf die Brust, die sich rasch hob und senkte. In den Mund der Alten gruben sich tiefe, harte Winkel, als sie fragte:„Woher kommst Du?“ Sie wußte die Antwort der Tochter im voraus. Beide sagten nichts mehr. Die Mutter schloß die Tür. Sie spürte, daß es nun zu spät war, um die Einsamkeit zu retten. Und dann schalt sie sich eine schlechte Mutter, weil sie sich dagegen hatte wehren wollen, daß die Meta Gesellschaft hatte, wenn der Tod zum Leuchtturm herüber kam. So blieb Gerd Holger. Nun waren sie zu dritt im Turm, und sie wußten, daß bald ein vierter kommen würde. Sie wollten sich und ihr Leben darauf einrichten, und doch gelang es ihnen nicht. Denn der Mann stand zwischen den Frauen. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte die Meta der Mutter gehört, nur der Mutter allein Und nun forderte der Mann sie als Eigentum. In fünfundzwanzig Jahren waren die beiden Frauen zu einem Wesen geworden mit den gleichen Gedanken, den gleichen Regungen Nun brachte der Mann neue Anregungen in dieses Leben hinein, zerriß das Alte. Aber er wußte den primitiven Naturen nichts Gleichwertiges zu geben für das, was er zerstörte. Denn er sah die Kluft, die ihn, den Mann aus der Großstadt, von den Frauen trennte, jetzt erst mit offenen Augen, weil ihn zuerst der Reiz des Ungewöhnlichen geblendet hatte. So kam die Zeit, da sie einander nichts mehr zu sagen wußten. Er fühlte, wie er selbst als trennende Schranke zwischen den Frauen stand. Er fühlte, daß sie nicht mehr miteinander sprachen, weil sie sich in seiner Gegenwart scheuten, Gedanken zu tauschen, die ihm vielleicht dumm und plump erbat Ener Majesiät um die Erkanduis, bekreten## Gcrr „Menk“ „Fräulein Beatrix von Comptz.“ „Und was bekam Er zur Antwort?“ „Soll warten!“ Ein Krückstock stieß taktmäßig auf den Boden, Sporesangen, und ein Pallasch klirrte. Sonft war es still und dunkm Park von Saussouci. Der große König hing schwer am Arm des kleinen Leutnants. Er schwieg, und sein Atem pfiff. „Er ist jung, Beversdorf. Er kann warten. Sein König hat auch warten müssen. Muß jetzt noch warten. Jede Nacht, wenn der Frühling sich meldet, wartet Sein König auf den Morgen. Ach—“. der Greis ließ sich auf eine Bank fallen. „Setz Er sich zu mir. Näher... es ist kühl.“ Ein alter, einsamer Mann mit einer knisternden Stimme. Ein Mensch, der sich selbst überlebte, der kein Mensch mehr ist, der kein Herz mehr hat, in dem Alles starb, nur das Eine nicht: Seine Pflicht, sein Preußen. Das denkt Beversdorf. „Ich bin alt“, sagte der König, und es ist, als spräche er zu sich selbst.„Fast leer ist mein Stundenglas die Lebensräder sind abgeschliffen. Alle starben— alle. Nur ich nicht, denn ich bin Preußen.“ Er schwieg. Der König gab sich einen Ruck, die kleine, zusammengesunkene Gestalt straffte sich. „War... Preußen, war ich. Ich werde sterben, wie alle starben, aber Preußen soll leben!“ Er faßte den kleinen Leutnant am Bandelier.„Preußen soll leben, Beversdorf. Ich war es, Ihr sollt es sein. Heirat' Er... Er ist jung, nur Alte können warten heirat“ Er!“ Fast klingt es wie ein Befehl. Brüsk erhob sich der König. Grußlos ging er davon. Der Kies knirschte unter seinen Füßen.„Preußen soll leben, Beversdorf!“ Dann hatte ihn die Nacht geschluckt. scheinen mochten. Er suchte Arbeit im Turm und merkte dann, daß er dadurch nur den seit Jahrzehnten uhrenmäßig ablaufenden Tag der beiden Frauen storte. Er faßte all diese Erkenntnisse in wenige Worte zusammen. Die Mutter fand den Zettel eines Morge: an die Tür geheftet:„Lebt wohl! Ich gehe, weil ich überflüssig geworden bin.“ Das leichte Boot, das sonst im Turm unter der Treppe gelegen hatte, war fort. Die Frauen sagten nicht viel dazu. Die Meta weinte: Er war doch ein guter Kerl.“ Die Alte streifte die etwas schwerfällig gewordene Gestalt der Tochter mit einem Blick: „Ja, es ist doch gut, daß Du später einmal nicht allein sein prt? K O. Sie wugte, oas Kind wurde anders sein als bieser Frembe. Flußansiedler Hosom. Skizze von Albert Kreiß=Münster. Als der kleine Mann mit dem Vollbart, der Flußansiedler Hosom, aus der Bauerschaft Fuesbom verschwunden war, dachten die Eingesessenen sofort an die er ganz unverhohlen gezeigt hatte, nachdem Hofbesitzer Röngemann seine Kiefernheide an den Golftlutk, gegpogzertg, Es war in dem Sommer, als Röngemanns Toaza: werta in ihrem Boot auf dem Fluß fuhr und Apfelsinen an die Städter, die beinahe Tag für Tag die Ufer bevölkerten, zu beicheidenen Preisen verkaufte. In jenem Sommer verursachte Hosom durch sein Verhalten Aerger und Bestürzung. Es war Hofbesitzer Röngemann gewesen, der ihn immer verteidigt hatte. Erntete Hosom nicht große Meugen Riesenmais und Haselnüsse auf seinem Uferhang?„Macht ihm einmal seine Stufenwirtschaft nach! Aber ihr wißt ja nichts mit dem Tonboden unter eurem Sande anzufangen.g, g, Ja, aber konnte Hosom davon leben? Saß er nich viele Stunden da mit seinem Vollbart wie ein Staubgefäße und tat überhaupt nichts? Studien? Ach, laßt ihn lausen mit seinem Tonboden! g.9911 Ohne an. Da ging er über die Heide wie ein Erogeist. Ohne Weg und Steg pflegte er zu gehen, gerade quer über den Golfplatz kam er. Da bemühten sich die Spieler um einen kleinen, weißen Ball und schwangen eiserne Stöcke. „Ach du lieber Himmel!“ sprach Hosom vor sich hin. „Wie bitter“ 8# vim M „Es riecht hier schon nac von, meine ich.“ „Wie? Nach Bock, sagten Sie?“ „Bock, ja. Der wilde Brahm hier, der viele Ginster.“ „Aber nach Bock?“ „Ja, zu. ich will Sie nicht Und Hosom ging nach den Flußwiesen, wo damals die vielen, blanken Tümpel standen. Der Fluß stieg und sank, er riß immer Ufererde in großen Stücken weg und spulte Hohlräume unter die Pappeln und Eichen, die sich immer mehr nach dem Flußbett neigten. Deshalb hatte Hosom Pfähle zurecht gemacht. In aller Stille schützte er die Ufer und schnitt Weidengerten mit seinem krummen Messer für die Bollwerke. Da stand er nun und war tätig. Bei dem Schlehdorn blitzte etwas auf, schlug um sich, schnellte hoch und fiel auf den Drahtzaun. Ein Fisch, den das Hochwasser der letzten Nacht zurückgelassen hatte. Hosom griff ihn. Er stieß einen fingerlangen Dorn in das Rückgrat. Der Fisch war schwer, eine gute Beute für Beria. Ja, Berta. In ihrer herrlichen Frische stand Berta in der Küche. Hosom warf den Fisch hin. Sie habe kein Geld, sagte Berta. — Nein, es sei auch Röngemanns Fisch, murmelte Hosom.— „Willst Du eine Schale Milch, Hosom? Nein, wieder nein, ach, Du lebst wohl nur von Pflanzen und Wasser, ha— ha.“ „Was ich sagen wollte. Es ist mir zuwider, daß Du mit dem Boot und den Apfelsinen fährst, Berta“, murrte Hosom und sah das Mädchen seltsan, starr an. Berta wich erschrocken zurück.„Ich bitte Dich, Hosom, sei nicht böse!“— Der Mann lächelte. Ein warmes Licht stieg in seine Augen. Dann wollte Berta an dem Abend sich einen Besuch erlauben.— In dem Sommer, von dem die Rede ist, hatte Hosom seine Hütte im Uferhang ganz gelb angestrichen und alle Leisten mit einer zarten, blauen Farbe versehen. Lispelnd spülte der Fluß in der Abendstille, als Berta ihr Booi anlegte und die Apfelsinen sorgsam zudeckte, damit Hosom sie nicht sah. Durch den Stufengarten ging Berta hinauf und fand die Tür der Hütte offen. Hosom war nicht da. In dem Vorraum sauste ein Wasserkessel über schwellenden Holzkohlen auf dem Herd aus Ziegelsteinen. In dem zweiten Raum standen um einen großen Tisch in der Mitte die sonderbaren Stühle, die Hosom selbst aus Kiefernholz geschnitzt und mit Käfern und Schlangen in den Lehnen verziert hatte. Berta breitete eine rote Decke, die sie mit hellblauer Seide bestickt hatte, über den Tisch aus. Dann sah sie sich um. Das andere Flußufer stand in den Scheiben des einzigen Fensters, die Wiesen und der schwarze Saum des Kiefernwaldes mit seinen roten Stämmen. Ein Häher schrie. Eine Amsel begann ihr Lied. Der Abend verglomm, und Berta saß mit einem süßen, heimlichen Gefühl da. Sie hörte einen schlürfenden und gluckenden Laut, der aus der Tiefe heraufkam. Dann war es wieder still. Ein Poltern auf dem Hüttendach trieb Berta hinaus. Da war Hosom und leerte Körbe voller Moos auf das Hüttendach.„Eine neue Sache, Berta“, sagte er. „Ach, Hosom, Du hast es aber fein in Deiner Hütte. Es „So, meinst Du es. Ich dachte es mir, Berta, aber davon wird nichts. Nein, tu es aus Deinem Kopf, Berta. Ich bin ein Paßgänger“, brummte Hosom und schob das Mädchen in die Hütte. Er goß das Wasser aus dem Kessel in einen Krug, er brachte Honig in einer Schale, Honig und zerhackte Nüsse. Er lächelte warm.„Hörst Du die Bienen sausen, Berta? Ja, ich habe immer etwas Neues. Das Moos auf dem Dach habe ich mir erst heute ausgedacht.“—„So, das Moos. Und ich soll mir das andere aus dem Kopf tun", sagte das Mädchen still und rührte das Getränk und die Speise nicht an.„Es ist schön bei Dir, Hosom. Guten Abend! Dann lief Berta hinunter und suchte ihr Boot. Blas stiegen auf, wo das Boot gewesen war, und die Apfelsinen leuchteten aus dem Flußbett durch das Wasser. Berta schrie und floh. Hosom sah ihre wehenden Kleider und ihr ote sich dann an seinen Tisch. Die Nacht kam. Der Fluß lispelte, und die Pappeln rauschten. Hosom ächzte vor Als Vater Röngemann in der Frühe des Tages nach dem Anwesen des Flußsiedlers kam, lag ein Schreiden guf dem Tisch. „Ich habe das Boot versenkt", stand da mit steilen, großen Buchstaben geschrieben. Auf eine heimtückische, leise Weise. mit Hinterlist und mit einem Bohrer habe er das Boot zum Kentern gebracht, hieß es da. Gute Gründe habe er dafur gehabt, aber die Bauerschaft verstehe sie nun einmal nicht. Und Röngemanus Tochter Berta sei hiermit das ganze Anwesen übereignet. Nichts weiter. Kein Lebewoyt.„Barze, in der Siad. Hosom wurde einmal an einem Markitag gesehen und dann nicht wieder. Seit manchen Jahren pflegt Feria nun seine Anpflanzungen und erntet Riesegrnges und Haselnüsse. Sie hält die Hütte verschlossen. Der Fun# steigt. fällt und spült. Fremde Bäumchen sind auf dem Uferhang „Ja, das ist der Flußz, der bringe uns oft etwas her“, sor und was ist denn in der Hätted=— Richts, gar nichts“ sagt Berta und wendet sich jäh ab. Fußhoch ist das Moos auf dem Hüttendach gewachsen. Zwischen den Haien. Skizze von B. Schroeder=Wiborg. Groß und doch winzig in verlassener Abendweite gleite: ein Menschenwerk wie greifbar gewordene Einsamkeit auf dem unheimlich ruhigen Wasser des Ozeans. Die Sonne sink! schnell, fällt förmlich ins Meer. Stumm stehen sämtliche Fahrgäste an der Reling. Aufsprühend gleiten Silbervögel niedrig über das Wasser, um plötzlich als phosphorisch glänzende Spritzer zu verschwinden: fliegende Fische fallen in ihr Element zurück. Kurz zuvor glimmende Wolkenknospen öffnen jäh ihre phantastische Blüte den spukhaft hinter dem Horizont aufhuschenden Strahlen des versunkenen Taggestirns. Glühende Gesichter entrückter Menschen starren mit offenem Mund. Noch gewaltigeres Aufleben der fortwährend sich ändernden Farben im verlorenen Licht steigern, durch verklärende WasserSchönheit. Dann— b gecder vrilt ziebende Unruße das Sturmsucht violt in den Tauen. Schon um Mitternacht pfeift sie teuftisch aus den breiten Schlünden der Windhutzen. Das Schiff stampft. Die See rollt und bergt das wallende Wasser zu haushoch überkippenden Wellen, unter deren Donner die Bordplanken beben. Schwarze Giganten brüllen, jagen über das kämpfende Schiff: Wolken; Feuer! Die Alarmglocke klingt schaurig. Stöße entzündeten in den Laderäumen leicht brennbare Stoffe. Eine furchtbare Explosion bellt wie eine schwache Hundestimme in den Himmel und Wasser aufreißenden Orkan, der heulend die Flamme zur taghellen Riesenfackel reizt. Leckgesprungen gurgelt ber sich bäumende Dampfer wie ein verwundeter Wal und fährt erlöschend senkrecht hinunter. In wieder düsterer Nacht keucht ein schluckender Matrose, der weit vom Schiff geschleudert nicht mit dem Strudel hinuntergerissen wurde und nun an einen Balken geklammert als schwindelnder Dreh in die haltlose Finsternis tanzt. Hinterweltlicher Frühdämmer west am Morgen über das in seltsamen Tönen sichtige Wasser. Bleich hängt der Matrose auf friedlicher werdenden Wellen am Balken. Als die Sonne senkrecht über ihm steht, arbeitet er sich einem undeutlichen Punkt auf dem Wasser entgegen. Ein Gerät von dem versunkenen Schiff? Nein, der Kopf einat Menschen mit einem Schwimmgürtel.„Haie!“ Krämpfe verkrallen den Matrosen mit seinem Balken. Noch ein Schrei des anderen. Blutrot hebt sich der Rettungsgürtel gegen den blauen Himmel und— wird mit hinuntergerissen. Neu sich weitende Stille höhnt gegen die immer gleichmäßig lachende Sonne. Die ständige Gefahr, Wissen um die tötende Tiefe unter, jähes Begreifen der mitleidlosen Unendlichkeit über ihm, lähmt des Verlorenen Leben. Um den Haien nichts anzubieten, liegt er wie ein Brett am Balken. Plötzlich ist ein bootlanger Fischkoloß neben ihm. Sein Blut stockt wie unter einem Eisguß. Klatsch! Die Schwanzflosse des Haies schlägt eine Wassersäule hoch und— die Rückenflosse weitab das Wasser und verliert sich bald. Ist die Regungslosigkeit des Matrosen dem Räuber unheimlich die biegungbig segieil des Mallosen vorgekommen?„ Abends sind seine augen vlau umringt. In der Nacht wird seine Zunge trocken. Am Morgen wühlen Hungerwie Stacheldrähte in seinem eingefallenrr Leib. nackten Schabet, tigt der Du schmerzen oie Stacheldrähte in seinem eingefallenen Mittags brennt die Sonne S#asen auf demn Parole Leuthen. Historische Skizze von Kurt A. St. Jentkiewicz. „Das sind die Nächte, in denen der König nicht schlafen kann“, hatte der Oberst Lestoque gesagt.„Passen Sie auf, Beversdorf, wenn Sie die Ronde gehen.“ Und der kleine Leutnant von Beversdorf vom Regimen! Gens d'armes paßte auf. „Parole?“—„Leuthen!“ B 6 ee Starr wie ein Steinbild stand der Posten vor dem verwaisten Stadtschloß. Beversdorf grüßte und ging weiter. Es klirrte, wenn der Pallasch auf die Potsdamer Katzenköpfe stieß, und die großen, silbernen Sporen sangen ein sehnsuchtsvolles Lied von Reiten, Kämpfen und Siegen... Parole: Leuthen! In jener Schlacht fiel der Vater. Den Sieg hatte er noch erlebt, ehe der Wundbrand eintrat. Der König hatte der Mutter geschrieben, derselbe König, der heute ein alter, mürrischer Mann ist und nächtens durch den weiten Park von Sanssonci stapft, schmerzgeplagt, krumm und schwer auf den Stock gestützt, aber noch stark genug, die Wachen zu kontrollieren und die Offiziere von der Ronde zu erschrecken. Auch star genug, um mit der dünnen, zitterigen Handschrift hart und unerbittlich sein„Soll warten!“ unter das Heiratsgesuch des kleinen Leutnants von Beversdorf zu setzen.... Ausgerichtet wie Soldaten standen die Büsche an der breiten Mittelpromenade und dazwischen schimmerte weiß der Marmor anmutiger Gruppen. Der Leutnant sah sie nicht Seine Augen waren starr in das blaue Halbdunkel gerichtet das die Nacht erfüllte. Er war im Dienst; er ging die Ronde Aber denken konnte er und mit den Zähnen knirschen. „Soll warten!“ hatte der König geschrieben. Der alte, müde, versteinerte Mann, der so einsam geworden ist, daß ihm alles Menschliche fremd wurde. Und Beatrix...? Teufel—, nuch ven Frühjahrs manövern würde er befördert werden; dann wollte mar heiraten. Groß=Krampen brauchte einen Herrn. Da teilten sich die Haselnußbüsche, eir, silhergestister Sterr gleiste auf einer schmalen Brust, die roten Aufschlage keuchreren Leutnant von Beversdorf vom Reziment Gens Parmel auf der Ronde!“ Mit gespreizten Beinen, den Pallasch an der Körper herangezogen, den betreßten Hut von sich gestreckt, stan! der Leutnant vor der kleinen Greisengestalt. „Parole?“ fragte eine dünne Stimme. Leutben, Euer Wosehthyt:, Zamalg g. An Geuzenstns „Er war ein Junge... Hamals. Aber ein Bevelsdol war auch dabei. Sein Vater?“ „Zu Besehl, Euer Matestätt“.# um 8u. „Komm er her. So...“, der Konig schvo seinen dünnen Arm in den des jungen Offiziers. Er atmete schwer.„Sein Vater siel. so,— aber jetzt hat ein Beversdorf, etpo# bon mir haben wollen. Er was davon?“ veittags orennt die Sonne ro igern, Nache uherggge.S#re Hals und Schulter. In der folgenden Nacht überwältig### den Gequälten. Er trinkt Salzwasser und erbricht es wieder. Ein fern aufkommendes Licht zieht andere nach: die Breitseite eines Dampfers. Er ruft, kreischt, schnappt über. Die Lichter schrumpfen wieder, vergehen. Er lacht. ihn kreiseln. Er hält mit beiden Händen seinen Hinterkopf zusammen, den ein zweites, harthämmerndes sprengen droht. Er will sein Taschentuch nehmen, und wütet, weil er keine Hose, keine Tasche hat. Die Sonneubrandblasen blähen sich. Dem Matrosen schwinden die Sinne. Alles dreht sich. Der Himmel ist unter ihm. Er fällt— fällt in die Arme seiner verstorbenen Mutter, die ihn tief in ein weiches drückt. Das glaubt er noch und dann— nichts mehr. Und das ist schöner als sein ganzes Leben. Bald aber hüpft ein schwerer Ambos auf seiner kalten Brust herum. Spuckreiz erlöst ihn von großen Mengen Salzwasser. Luft stromt in seine Lunge. Er erwacht mit einem Gefühl grenzenloser Länge an Bord eines fremden Dampfers. Im Lichte des Scheinwerfers und vor den Augen satzung eines ausgesetzten Rettungsbootes war er ehnmächtig geworden, hatte den Balken fahren lassen und war versunken. Ein sofort nachspringender Matrose tauchte dann nach bedenklich langer Pause wieder mit ihm auf. Und wierigen Wiederbelebungsversuchen konnte der Schiffsarzt seine endgültige Rettung feststellen.. g aber di. Jetzt heitert es wie eine glückhafte Erinnerr,# furchige Stirn des alten Matrosen. Sein gurungegeorues Leben liegt auf ganz neuen Planken. Unterseeisches Fernsehen. Einen ungewöhnlich interessanten Apparat, der das Fernsehen unter dem Meeresspiegel auf größere Entfernungen ermöglichen soll, hat unlängst der deutschamerikanische Ingenieur Dr. Hans Hartmann gebaut. Er ermöglicht es, die Vorgänge in der Meerestiese von einer Kabine eines Schiffes aus in aller Ruhe zu beobachten und sogar zu filmen. Der Apparat besteht aus einer Stahlkugel, in der sich die Vorrichtungen für das Fernsehen und für die kinomatographischen Aufnahmen befinden. Ein über der Kugel angebrachter zylinderförmiger Behälter trägt die erforderlichen Beleuchtungsanlagen. Das zu robachtende Gebiet wird von hier aus mittels einer Anzahl kleiner, aber kräftiger Scheinwerfer erhellt, und nach Einstellung des Apparats von oben aus projiziert dieser alles in seinem Blickfelde Befindliche auf einen in der Beobachtungskabine angebrachten Schirm. Besonders interessante Gegenstände und Vorgänge können kinematographisch festgehalten werden. Der neue Apparat gibt ganz neue, heute noch unübersehbare