* BEI, KLUUNFRMDETAS Samslag, dem 26. Mal 1932 Nummmer 29 Beilage zum Altender Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Methusalem. Eine Wassergeschichte von Kurt Bock. Zwischen Beeskow und dem Briesener Forst kannte ihn eder Kietzer und Heger. Den Fischern hatte er manch ein setz gehümpelt vollgescheucht,„indem er sein Faltbogt mit wilden Flachschlägen des Doppelpaddels in die Schilfdschungel der Spreeufer trieb und so die Beute aus den Schlammverstecken jagte,— manchen Förster hatte er eingebootet zur Entenjagd, zu morgenfrischen Fahrten an die Wildtränken oder zu nächtigen Streifen in der Zeit der orgelnden Hirscherunft.„„„„ Twime Viamägtt i. „Jeder Sommer sah ihn wochenlang negerhaft in der Waldeinsamkeit der Schwarzberge oder an den toten Spreearmen bei Neubrück zelten, arg stromerlich vertäute er sich an Dorfbrücken, um allerlei Lebensmittel einzuhandeln, gelegentlich auch landete er zur Begeisterung des ollen Alisch an dessen Kneipe bei der Spree=Oder=Schleuse, um innerhalb einiger weniger, mörderlicher Stunden die ausgepichtesten Gurgeln des Nestes unter die Ofenbank zu schmettern. Solche Anwandlungen störten leider manchmal, wenn sie nämlich bei den friedfertigen Kegelnachmittagen des Lehrers, des Stromwärtels, des Schleusenmeisters und einiger Förster zutage kraten. Oder gar bei den sittig=gemütlichen Tänzen, die der Schützenverein wiederholt veranstaltete. So gern gesehen er hier auch war— gab es doch reichlich Töchter und mütterliche Pläneschmiedinnen—, so sehr alle Mann nebst Anhang seine fröhliche Erzählergabe und seine bunten Lautenlieder schätzten, dennoch harrte jede Runde ständig in Sorge des gewittrigen Augenblicks, in dem Heine Rogals den ollen Alisch am Schlafittchen zu packen kriegte und ihn wohlig angrinste: „Was soll mir dies Finkennäppchen, Maxe? Schleif mir den Stiebel kran!“ Dann rückten die Mannen zuhauf, denn die Geschichten wurden bald deftig, und die Weiblein zupften von achtern an den Schniepeln, sintemalen der Umtrunk tobte. Und die Magedin kicherten ringsum. Die Muschkanten, ja die wurden vor lauter Lagen reinweg musikalisch, jeder nach eigenen Moten. Der Schwarzheider Hegemeister hat es oft gesehen und gundaus erzählt, daß Heine nach solchen tolldreisten Nächten nicht waldwärts paddele, sondern schwimme, mit dem Boot am Belegtau im Schlepp. Und tags darauf sei er besonders puppenlustig. So war der Heine, echt, kerlig. Es war einmal... Denn ihn hats ordentlich gehascht. Wer würde ihm heute noch diese herrlich anrüchige Vergangenheit anmerken, sähe er ihn, wie er behäbig die Kieswege seines Landhaushartens harkt oder seine sechs Sprößlinge geruhsam verwamst uund nach dem genüßlich ein Böwlchen ansetzt. Aber aus frischmuntren Quappen werden ja auch faulkette Poggen. Die Schuld trägt allerureigentlichst jener schweinsdicke Wels, den die Beeskower Kietzer am Wergensee fingen,— einer muß ja der Sündenbock sein. Heine hatte getreulich mit dem Paddel geholfen und wacker das Netz mit aufs Land geholt, weil es die Fischer nicht bewältigten. Selbigen Abends hatte er den Glücksfang gebührend mitgefeiert und ein Mordstrumm des prächtig mundenden Dickhäuters gesellig vertilgt. Und dabei war erde gen Kerachel ien den de Duien eien 34, und der flossnem Perri=Heil und zwischen bannig Lögenhaftem ward Heine auch die Mär vom Methusalem berichtet,— nein, beileibe keine Mär,— mit allen fürchterlichen Schipper=Eiden beschworen sie ihm die Wahrhaftigkeit der Geschichten vom Hechte Methusalem, der im Wergensee zwischen Wehr und Schleuse seit langem räubere und, wer weiß woher, zugewandert sei. Lang wie ein Mannsarm war er beobachtet im Kampfe mit einer Wildente, bis er sie ersäufte; oft hatte er Netze ßerfetzt und vor kurzem sogar einer saufenden Kuh das Maul bös verrissen. Angelschnüre waren vor seinem Getobe dutzendweis’ glatt zerknallt, und die Wehrbrüstung, hinter der er sich eines Tages gefangen sah, übersprang er in gewaltigem Schwunge. Das war nun ein Bursche nach Heines Herzen. Schon am nächsten Morgen sahen ihn die Fischer eine Angelrute richten mit Sehnenschnur und langgedrahtetem Haken mit verlockendem Köderfisch. Das erste Mal erblickte Heine den Räuber, wie der in Wurfweite ein Entlein aus dem Schoof eines Bauern schnappte. Da wurde die Jagdwut grimmig. Zum zweiten sah er ihn aus einer versandeten Spreeopfütze ruckhaft durch das Kraut über Land schnellen,— und kam zu spät. Da brannte ihm das rote Feuer vor den Augen. Und zum dritten: ja, das läßt sich nur erraten,— zählt hat Heine es nie. Im frühsten Morgendämmer hat er den Schwarzheider Hegemeister aus dem Bett gebrüllt, der fand ihn vor seiner Tür liegend; das Wasser troff ihm aus den verschlammten Kleidern. die Beine waren scheußlich zerschunden, und in den linken Arm hatte sich der Methusalem mit dem ganzen so Zwehrhaften Rachen tief verbissen und schlug noch gewaltig um sich. Aber Heine hielt ihn stählern an sich gepreßt. Sofort stach der Heger den Fisch ab, da klappten beide zusammen. Mühsam nur ließen sich die Kiefer des Raubfisches lösen, ceines Blut spritzte aus dem zerfetzten Muskelfleisch. So band der Forstmann den Arm ab und weckte seine Frauensleute. Tochter und Magd, die das Kämpferpaar versorgten, während der Briesener Arzt telephonisch herbeigerufen wurde. Mittags fand der Heger denn auch am Ausfluß eines Spreearmes die Walstatt: das Schilf war meterweit zerwühlt, das Faltboot deutlich erkennbar, gewaltsam durch das eichte Gewässer und schließlich auf einen spitzigen Ast gezerrt worden, das die derbe Haut des Bootes drei Hand breit aufschlitzte, wodurch das Boot versackte. Die Angelrute log im Schierlinggestrupp, der Drayt erwies sich als zerbissen. Sicherlich also hatte Heine sich auf den Methusalem gestürzt, als er einsehen mußte, daß die Angel nicht ausreichte, den Satan. der übrigens das seltene Gewicht von 28 Pfund besaß und nur noch als Entenfutter taugte, zu bändigen und aufs Land zu schaffen. Alles Mordwerkzeug ersoff ja mit dem Boot. Der Arm war arg bös zerfleischt, nur die sorglichste Pflege rettete ihn. Erst nach Wochen wich das Fieber, das den Körper des Wunden verheerte. Wie stark aber die Erinnerung an jene Morgenstunde ihn innerlich gepackt hielt,— wie tobsüchtig demnach der Berserkerkampf in Wahrheit gewesen—, das zeigte mehr denn all die blutigen Spuren die völlige Wandlung in Heines Leben und Wesen. Wohl kalfaterte er sein liebes Boot wieder auf Schick, a, er baute es gleich zum Zweier aus, damit des Hegers Hella stets bei ihm sei. Aber nie mehr rührte Heine eine Angelrute an, nie mehr zeltete er indianisch an verlorenen Flußwinkeln, nie mehr langte er nach Alischs Stiebel. Obwohl Hella ihm von Herzen gern einen oder den andren solchen Ausbruch vergönnt hätte, wenn er nur ein Stück seines alten Lachens mit hereingebracht hätte. Das jedoch meldete sich erst wieder, als Hella ihm, zur ias enege iu Vorschause, de diken Zoilinge ggxehre, de unter den milden Kosenamen Schorle und Morle zum hrecken Beeskows auswuchlen. Venee gegen Velieer von Grete Massé Adrian liebte Felice und sagte es ihr. Auch Felice liebte Adrian, aber sie fand Gefallen daran, es ihm nicht zu sagen. Wenigstens nicht gleich. Es war so spannend, Adrian glauben zu lassen, Felice wolle ihn nicht. Es würde eine große Szene geben und Felice— es ist bedauerlich, das sagen zu müssen— Felice liebte ein wenig Komödienspiel und feine Verstellung. Es gab jedoch keine große Szene, denn Adrian wurde bei Felicens Abweisung derartig blaß, daß sie erschrak und rasch genug Komödie und Verstellung unterlassen wollte. Aber Adrian war enteilt, bevor sie noch das erste Wort ihres Widerrufs hatte hervorbringen können. Sie starrte auf die Türe. hinter der er verschwunden. Felice weinte zuerst um den Entflohenen. Dann entschloß sie sich zum Trotz. Sie wußte: er wirkte an ihr pikant, verwirrend, modern. Also trug Felice Trotz. Zugleich mit einem neuen geblümten Frühjahrskleidchen mit kurzen Flügelärmelchen. Drei Wochen, nachdem Felice seine Werbung nicht erhört, bekam Adrian es satt, sich in seiner Wohnung wie ein Eremit, unsichtbar für jedermann, zu vergraben. Er ging aus. Doch mied er alle Orte, an denen er sonst mit Felice zusammengetroffen. Einmal geriet er in ein Vorstadttheater. Es wurde ein Stück gespielt, das lustig sein sollte, aber langweilig war. Doch spielte darin ein Mädchen eine kleine Rolle, die auffallend Feliee glich. drian betrachtete sie lange. Er ließ sich von der Programmverkäuferin ein Opernglas geben und betrachtete das Mädchen noch kritischer. Auch durch das Opernglas sah es Felice ähnlich. Adrian dachte angestrengt nach. Es war fast schmerzhaft, dieses Nachdenken. Nach Schluß der Vorstellung wartete Adrian mit Blumen und Konfekt auf das Mädchen, dem Felice ähnlich sah. Als es kam, drückte er der Schönen Pralinen und Blumen in die Hand und sagte:„Sie sind mein Fall!“ Dann lud er Wanda Schütz zu einer Flasche Wein in eine nahe gelegene Weinstube. Dort begann Adrians mühselige, aber erfolgreiche Erziehung der Vorstadtschauspielerin zu Felicens Doppelgängerin. Als diese Erziehung vollendet war, mied er nicht mehr jene Orte, wo er mit Felice zusammen treffen konnte, sondern suchte sie auf— gemeinsam mit seiner Partnerin. „Ihr seid also wieder versöhnt, Adrian und Du?“, sagte Felicens Kusine, Frau von Rittner, als sie sich im Frisiersalon neben Felicens Kabine Dauerwellen machen ließ. „Wieso versöhnt?“, wunderte sich Felice. „Nun, wir sahen Euch doch gestern tanzen in der Halali=Bar. Allerdings machten wir uns nicht bemerkbar, denn junges Glück soll man nicht stören!“ „Himmel, sie redet irre“, dachte Felice.„Sollte die Hitze des Dauerwellenapparates ihr geschadet haben?“ Aber die Leute, die Felice und Adrian zusammen gesehen haben wollten, mehrten sich. Felice glaubte schließlich an eine Verschwörung in dem Sinne, daß alle Menschen sich verabredet hätten, ihr von Adrians und ihrer erneuten Verbundenheit zu sprechen. „Wenn Du es nicht bist, die man mit Adrian sieht“, sagte schließlich ein Freund,„so hast du eine Doppelgängerin!“ Diese Worte ärgerten Felice sofort. Denn welche Frau haßt es nicht, doppelt sein zu sollen und legt Wert darauf, einzig zu sein?— Immerhin hatte Felice keine Ruhe, bis sie die Doppelgängerin gesehen.—— Merkwürdig! Adrian in einem Flirt mit einer anderen Partnerin zu wissen, hätte Felice mit einem gewissen Gleichmut ertragen. Wenn er sich mit einer Agnes, einer Renate, einer Anne=Liese oder einer Ingeborg gezeigt, sie hätte es vielleicht erduldet. Ihn aber mit einer Frau zu sehen, die ihr glich wie ihr Spiegelbild: das eigene kühne Blond noch einmal zu sehen, frisiert nach Felicens Geschmack, die gleiche Haltung, die gleiche Art, den Kopf zu tragen, die gleichen kleinen, liebenswürdigen Ungezogenheiten, die man Felice verzieh, weil sie eben Felice war— das machte das Mädchen erzittern. Adrian lachen zu hören, Worte wechseln, verliebte Blicke tauschen zu sehen mit einer Felice, erschien ihr nicht nur der Gipfel der Verruchtheit, sondern auch die zerschmetterndste Demütigung, die sie hätte treffen können. Ach, es war raffiniert, Felice auszuspielen gegen Felice! Jetzt war es Felice, die sich wie eine Eremitin einsam in ihrer Wohnung vergrub und angestrengt nachsann. Es war fast schmerzhaft, dieses Nachdenken. Es machte ihr Gesicht länger und fürchterlich finster. Es stand ihr lange nicht so gut wie der kleine Trotz, den sie kokett zusammen mit dem neuen Kleidchen getragen.—— —— Es war in der Garderobe des Vorstadttheaters, in der Felice der anderen Felice gegenüber saß. Die echte Felice zögerte, mit ihrem Anliegen heraus zu kommen. Die falsche Felice puderte sich Nase und Kinn und äugte verstohlen seitwärts nach der verstörten Besucherin. „Adrian?“, fragte schließlich die falsche Feliee, als die echte Felice noch immer nach Worten suchte. „Ja, Adrian!!“, rief die echte Felice erlöst, da die Gegnerin einen Schritt auf das Ziel zu gemacht hatte. „Wenn also Adrian, dann ist ja alles ganz einfach“, meinte die falsche Felice. „Was meinen Sie mit.einfach“?“, fragte die echte Feliee natv. Die falsche Felice näherte ihr Gesicht dem Spiegel, zog mit dem Stift den Bogen der linken Augenbraue nach und schwieg. Der echten Feliee wurde es schwül. Sie öffnete ihre Handtasche, um nach dem bemalten vorzellanenen Fläschchen mit Kölnisch Wasser zu suchen. Dabei geriet ihr ihr Scheckbuch in die Hand. Sie zog es hervor und erkannte an dem Blitzblick der falschen Felice, daß für Wanda Schütz„einfach“ ein selbst auszufüllender Blankoscheck war. Mit einem Lächeln, das nicht mehr das Lächeln Felicens, sondern das eigene Lächeln war, schrieb die Vorstadtschauspielerin eine vierstellige Zahl zierlich in das Formular. „Adrian erwartet mich jeden Abend nach der Vorstellung vor dem Theater mit seinem Auto“, sagte jenes Wesen, das nach Erblicken des Scheckbuches, schnell wie Sternschnuppenfall, alles von sich abgeworfen, womit sie die echte Felice kopiert.„Bleiben Sie! Sehen Sie sich die Vorstellung an! Auch im Vorort spielt man nicht übel Theater. Und nach Schluß der Vorstellung gehen Sie anstatt meiner zu Adrians Autol“ Felice lächelte nervös und ein wenig gequält. Wanda Schütz aber knipste gleichmütig den Strumpfhalter in ihren Seidenstrumpf.—— —— So fuhr also Adrian mit der echten, statt mit der falschen Felice durch die Nacht. Die Nacht tat alles, um so zu sein, wie eine Nacht sein soll, in der erzürnte Liebende sich versöhnen. Sie gab alles her. Funkelnden Mond, Sterne und sanften Vorsommerhauch, Der Vorsommerhauch bewegte leise das kurze Schleierchen, das Felice an ihrem schrägen Hütchen trug. Es reichte nur über die Nase und ließ den Mund frei, so daß Gelegenheit genug war, ihn küssen zu können. Aber Adrian ließ den ganzen Weg diese Gelegenheit ungenutzt. Felice dachte entzückt: also geküßt hat er die Wanda Schütz nicht. Auch gesprächig war er nur, wenn man ihn mit ihr sah und er sich beobachtet wußte. Beim Alleinsein interessierte sie ihn nicht mehr als eine Mauer oder ein leeres Blatt Papier. Aber als der Wagen hielt, neigte sich Adrian blitzschnell und küßte die Lippen unter dem Schleier. „Wem gilt dieser Kuß?“, fragte Felice.„Wanda Schütz oder— Felice?“, „Sieh selbst“, sagte Adrian, lachte und half ihr beim Aussteigen... Und sie sah mit Staunen: Adrian hatte Felice gefahren vor Felicens Haus. Auch Adrian liebte also ein bißchen Komödiantenspiel und feine Verstellung. Der blonde Skizze von G. W. Deininger. Es war Abend, und ein Dutzend junger Leute f., auf den Bänken vor der Meilinger Hütte. Alle hatten Gipfelwanderungen hinter sich und freuten sich ihrer Tagesleistung. Und nun wollten sie hier im geselligen Kreise vergnügt sein, weil jeder hierher gekommen war, um einmal alles andere zu vergessen Die Mädchen waren am lustigsten. Sie schüttelten lachend ihre Mähnen und ließen sich auch durch den einen nicht beirren, der wohl kein richtiger Spaßverderber war, doch auch nicht recht in diesen Kreis zu passen schien. Er beantwortete jeden Scherz mit einem etwas verlorenen Lächeln, das deutlich sagte: „Ich weiß nicht, was Du eben gesagt hast, weiß nicht, ob es witzig war. Aber ich lache, weil es Dir Vergnügen macht.“ Auf einen aber hatten die Mädchen es besonders abgesehen. Mit lausbübischer Offenheit und Freude gab er zu verstehen, daß er ein Weiberfeind sei, und darum hackten sie jetzt auf ihm herum. Er wehrte sich, und so schien auch die Geschichte, die er jetzt erzählte, in der Hauptsache den Zweck zu haben, den Mädchen für einige Zeit den Mund zu schließen:„Ruhe! Parzival, der reine Tor, will uns ein Abenteuer berichten.“ „Ach“, hub er dabei an und machte dabei ein melancholisches Gesicht,„meine Fahrt vom vorigen Jahr war zu schön. Quer durch Korsika und mutterseelenallein. In St. Florent fing's an, und dann ging's in die Berge hinein. Ich schlief in Nestern, die seit Jahren keinen Fremden mehr gesehen hatten, und die Mädchen mit ihren schwarzen Röcken machten große Augen. Ich kümmerte mich nicht viel um sie. Aber schwache Stunden hat jeder Mensch. Da kam ich eines Abends in ein Dorf, und das Wirtsmädel war ein schwarzer Teufel. Das ließ die Augen kullern und... und.. Na, ich bin überzeugt, es sorgte nur mir zu Liebe dafür, daß in das Abendessen ein sünfter Gang eingeschoben wurde. Wer weiß, was geworden wäre, hätte nicht plötzlich der Lehrer, der mit am Tische aß, gesagt:„Wissen Sie übrigens, mein Herr, daß gestern eine blonde Dame, sicher eine Landsmännin von Ihnen, ein wunderschönes Weib, hier durchgekommen ist? Nein? Sie war ganz allein und ist früh weitergewandert. Sie wollte dort drüben über die Scharte ins Valdoniello hinüber.“ Er erzählte noch mehr. Er war so begeistert, daß ich plötzlich nicht mehr an das Wirtsmädel mit den brennenden Augen dachte, sondern nur an die Blonde. Und so war ich am nächsten Tag schon in aller Frühe wieder auf den Beinen. Ich suchte die Blonde. Ich kam ins Valdionello, hörte auch dort von ihr:„Sie ist weiter gezogen. Ueber den Col nach Evisa. Blond wie reifer Weizen.“ Doch in Evisa war sie auch nicht mehr:„Sie wollte nach Vico.“ Ich ließ das Mädel enttäuscht sitzen, das in Evisa auf ein freundliches Wort und vielleicht noch auf ein wenig mehr von mir wartete, und lief im Gewaltmarsch nach Vico. „Ja“, hieß es dort, ein blondes Mädchen war hier. Es ist nach Ajaccio weitergewandert.“ Ich lief nach Ajaccio. Fragte überall nach denz Mädchen, war wie besessen von dem blonden Spuk. Ueberall wollten sie es gesehen haben, und dann war es plötzlich verschwunden. Niemand wußte mehr etwas von ihm. Der ganze Spuk schien zerflattert zu sein. Zerflattert, nachdem ich dem Phantom glücklich nachgelaufen und hier in die Stadt gekommen war, wo ein Dampfer lag, der mich fortführte von der Insel der schwarzäugigen Mädchen. Aber ich war ihm dankbar, diesem Spuk. Er hatte mich vor den schwarzen Mädeln bewahrt, und das blonde konnte mir nun auch nicht mehr gefährlich werden. Glück muß der Mensch haben!“ Die Mädchen hätten vielleicht dem Unhöflichen die Haare ausgerupft, würde nicht plötzlich der Stille mit dem verlorenen Lächeln plötzlich den Mund aufgetan haben:„Der blonde Spuk, so meinen Sie, hat Sie vor Unheil bewahrt, und Sie zweifeln, ob es ihn überhaupt gegeben hat. Sie bekamen ihn auf jeden Fall nicht zu sehen. Bei mir war es heute anders.“ Er dämpfte die Stimme, und seine Augen weiteten sich ein wenig, daß die anderen den Atem anhielten.„Ich habe ihn heute gesehen, den blonden Spull“ Niemand fragte ihn:„Wo?“ Aber ein Dutzend Augen rief noch deutlicher:„Erzähle!“ Er sprach leise:„Früher war ich nicht allein in den Bergen. Da hatte ich einen Wanderkameraden, einen echten, guten Kameraden, ein blondes Mädel. Das war fröhlich und vergnügt zur rechten Stunde. Das wußte aber auch, wann die Andacht einer Feierstunde auf erkämpftem Gipfel Schweigen forderte. Und darum mochte ich es doppelt gern. Wir wanderten zwei Sommer mit einander, und dann kam plötzlich das Ende. Es war drüben am Gfallner. Wir wollten die Nordwand nehmen und hatten uns angeseilt. Ich stieg voraus. Die Griffe waren schlecht im brüchigen Gestein. Wir mußten unsere ganze Aufmerksamkeit ihnen zuwenden, und so überraschte uns Steinschlag. Ich stand durch einen Vorsprung über mir etwas geschützt. Das Mädchen wurde getroffen.“ Er schwieg einen Augenblick und starrte vor sich hin. „Ja“, sagte er dann,„und als es unten in der Hütte auf der Pritsche lag, da strich ich ihm die blonden Haare über die Augen. Denn die zerfetzte Stirn vertrug sich nicht mit dem Frieden des schönen Gesichtes. Seitdem mußte ich allein wandern. Ich wußte kein Mädchen, das wie mein toter Kamerad gewesen wäre. Heute wollte ich auf den Lagriner. Es ist der gleiche Stein wie der Gfallner, und es heißt, man solle ihn unter keinen Umständen allein oder ohne Führer begehen. Ich kümmerte mich nicht darum. So stieg ich auf und kam an das Querband kurz vor dem Gipfelkamin. Ich nahm die Kletterschuhe aus dem Rucksack, und... und plötzlich sah ich meinen Wanderkameraden, das blonde Mädchen. Es stand vor mir auf dem schmalen Band und sah mich an. Die Haare hingen ihm in die Stirn, wie es sie im Leben nie getragen hatte. Und dann hob es die Hand und strich die Locken zurück, und ich sah die Wunde, die der Stein geschlagen hatte. Angst stand auf dem Gesicht, das sonst so ruhig gewesen war, selbst noch im Tode. Da sprang ich auf und machte vier, fünf Schritte auf mein Mädel zu. Doch plötzlich war der blonde Spuk zerstoben. Hinter mir aber prasselte Steinschlag den Kamin herab, zeksetzte meinen Rucksack, warf ihn die Wand hinunter, wie er es mit mir getan hätte, würde der stumme Angstschrei des blonden Spuks mich nicht gerettet haben.“ Kleine Geschichten vor großen Männern. Von Hans Bethge. Leonardo da Vinei. Leonardo brauchte für den Christus seines Abendmahlbildes ein passendes Modell, suchte lange umsonst danach und fand es endlich in der Gestalt eines schönen jugendlichen Menschen namens Pietro Bandinelli. Dieser Jüngling hatte ein so reines, makelloses, von idealer Gesinnung verklärtes Antlitz, daß Leonardo ihn bat, ihm für den Christus zu sitzen. Bandinelli tat dem Meister den Gefallen. Nach einigen Jahren brauchte Leonardo ein Modell für den Judas Ischariot. Wieder suchte er lange und fand schließlich in einer entlegenen Gasse einen elenden Bettler von widerlichem, lasterhaftem Aussehen, den er aufforderte, ihm zu folgen, damit er ihm gegen Bezahlung Modell stehen könne. Der Mann folgte dem Meister. Leonardo merkte aber bald voll Unruhe, daß ihm aus den Zügen seines Modells ein Stück Vergangenheit entgegenschlug— und plötzlich kam ihm schaudernd zum Bewußtsein, daß das Gesicht dieses elenden Bettlers vor ihm das einst so strahlend reine Antlitz des schönen Pietro Bandinelli war. Einige Jahre der Ausschweifungen hatten ihn bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Eine Christusgestalt und eine Judasgestalt in der gleichen Person: es grauste Leonardo, und der Pinsel entglitt seinen Händen. Seidlitz. Seydlitz, der bekannte Reitergeneral Friedrichs des Großen, war schon als Kornett mit seinem Pferd wie verwachsen. Er äußerte einmal als Adjutant des Königs, daß jeder Reiter ein Feigling sei, der sich mit seinem Pferd gefangennehmen ließe. Friedrich der Große hörte das kecke Wort etwas skeptisch mit an und nahm sich vor, dem jungen Kornett gelegentlich eine Lehre zu erteilen. Als der König einmal die Festung Glogau besichtigte, befand sich Kornett Seydlitz wieder in seiner nächsten Umgebung. Friedrich ritt mit seinem gesamten Stabe über die derbrücke— mitten auf der Brücke machte er plötzlich halt, ließ auf beiden Seiten die Tore schließen und sagte zu dem Kornett:„Seydlitz, Sie sind mein Gefangener.“ Dieser stutzte und richtete sich im Sattel auf.„Noch nicht!“ rief er lachend, gab dem Pferd die Sporen und sprang mit mächtigem Satz über das Geländer der Brücke in die Oder. Der Sprung gelang, Roß und Reiter erreichten wohlbehalten das üfer. Der König war verblüfft über diese Tollkühnheit und ernannte Seydlitz sofort zum RittmeisterBismarck. Ein englischer Diplomat wartete in Versailles im Vorzimmer Bismarcks. Graf Arnim befand sich bei Bismarck, die Konferenz dauerte eine Weile. Endlich kam Arnim heraus und gesellte sich für einen Augenblick zu dem Engländer „Wissen Sie“, sagte er erregt,„es ist toll, was für Manieren manche Menschen haben. Bismarck ist ein Raucher von so rücksichtsloser Art, daß es in seinem Zimmer absolut nicht auszuhalten ist. Er pafft wie eine Lokomotive, ist ganz in Wolken eingehüllt, und er erlaubt sich, ein Kraut so fürchterlicher Art zu rauchen, daß man Erstickungsanfälle bekommt. Ich habe ihn gebeten, das Fenster öffnen zu dürfen. Sie kommen in ein Zimmer, das jetzt wenigstens einigermaßen gelüftet und erträglich ist. Good=bye!“— Der Engländer de zu Bismarck hineingebeten, und dieser sagte zornig: „Wissen Sie, es ist toll, was für Manieren manche Leute haben. Soeben war Arnim bei mir, der Mensch ist auf eine Weise parfümiert, daß es absolut nicht auszuhalten ist. Ganze Wolken von Parfüm gehen von ihm aus. Ich war gezwungen, das Fenster zu öffnen, um wenigstens einigermaßen erträgliche Atmosphäre herzustellen.“ Menzel. Zu Menzels sechzigstem Geburtstag wurde ein feierliches Abendessen in einem Berliner Hotel veranstaltet. Die Spitzen der Behörden, Abgeordnete aller Kunstvereine waren erschienen, der Kaiser hatte einen Vertreter geschickt. Er hatte außerdem angeordnet, daß die kleine Exzellenz in einer Hofkutsche zum Abendessen und später vom Hotel nach Hause gefahren werden sollte. Alles war zu der festlichen Veranstaltung versammelt, nur Menzel erschien nicht. Schließlich machte sich eine Kommission auf den Weg, um den Jubilar zu holen. Wie erstaunt waren die Herren, als sie den Meister vor seinem Hause antrafen, den Zylinder ins Genick geschoben, wie er dabei war, mit höchstem Interesse die vor ihm stehende Hofkutsche samt den zwei feurigen Rappen zu zeichnen. Einer der Herren erlaubte sich einen leisen Vorwurf. daß Menzel die vielen Freunde auf sich warten lasse.„Du lieber Himmel“, sagte Menzel,„Menschen, die ein Abendessen herunterschlingen und langweilige Festreden halten, kann ich so oft genießen, wie ich will, aber ein Paar so wundervoller Pferde in dieser köstlichen Beleuchtung auf dem nassen, funkelnden Asphalt— wann sehe ich das wieder?“ * : 4 Burg Pillenel Geschichtlicher Ueberblick! Von Ferd. Schmidt, Archivar der Burg Altena 1. Glück und Ende der Grafen von Altena .. Einst klirrte hier des Grafen Schwert und Sporn; einst tönte lustig hier zur Jagd das Horn; einst rauschte hier der Edeldamen Troß; einst wiehert' hier das stolze Sachsenroß. Weithin gebot des tapferen Herrschers Arm und seinem Wink gehorcht der Diener Schwarm „Der Name eines Ortes oder eines Geschlechts ist dessen älteste Urkunde'. Dieses Wort trifft auf unsere Burg im vollsten Sinne zu.„Al— te— na’, d. h. all zu nah den Grafen von Arnsberg bauten nach der Sage zwei edle Römer aus dem Stamme der Orsini zur Zeit des Kaisers Otto 3., in Wirklichkeit die rheinischen Grafen von Berg(Altenberg), zu Beginn des 12. Zasammerfe u Volfsegge, einem zwischen dem Zusammenflusse von Lenne und Nette steil aus der Ebene aufragenden, 80 Meter hohen Grauwackefelsen, die feste Burg zum Schutze ihrer südwestfälischen Besitzungen, die ihnen durch Heirat aus der reichen Erbschaft der alten Grafen von Werl oder von Westfalen angefallen waren. Die Grafen von Arnsberg] waren unmittelbare männliche Nachkommen des alten Werlischen Grafenhauses und erhoben Besitzansprüche auf das Land an der Lenne. Die Nachricht der uralten Gründungssage, daß sie mit Gewalt dem Bau der Burg zu wehren suchten, hat in den Kämpfen, die sie um 1115 gegen die Erzbischöfe von Köln, die Lehnsherren der bergischen Grafen, führten, ihren geschichtlichen Kern. Bei der Gründung des Klosters Kappenberg im Jahre 1122 wird Graf Adolph von Altena als erster dieses Namens genannt; er ist ein und dieselbe Person mit dem Grafen Adolph 3. von Berg und vereinigte die rheinischen und westfälischen Besitzungen seines Hauses in seiner Hand. Daß er aber den Namen der der Grafen Arnold und Friedrich, in dieser Würde., Durch diese engste Verbindung mit dem Kölner Erzstuhle erhielten Macht und Ansehen des Altenaer Grajenhauses wieder einen bedeutenden Aufschwung: Brüder und Verwandte waren ständig in der Umgebung des Erzbischofs und machten dessen politische Wandlungen— Erzbischof Adolph wird nicht mit Unrecht als der Totengräber des deutschen Königtums bezeichnet— in dem Kampfe zwischen dem Welfen Otto III. und dem Staufer Philipp von Schwaben auch dann noch getreulich mit, als der Papst den Erzbischof abgesetzt hatte und dessen Anhänger als„Feinde der kölner Kirche' mit dem Bannstrahl belegte. In dieser Zeit der Jahrhundertwende fällt eine merkwürdige Urkunde des Staatsarchivs in Bremen, die gleichzeitig die einzige ist, welche, von einem Grafen von Altena persönlich ausgestellt und besiegelt, auf uns gekommen ist. In ihr bekunden Arnold, von Gottes Gnade Graf zu Altena, und sein Sohn Eberhard', daß sie auf Bitten des kölner Bürgers Hermann von Munbernesloch zu gunsten der Stadt Bremen auf einen Mann verzichten, wegen dessen sie mit ihr in Fehde standen. und gewähren überdies den Bremern friedliches Geleit durch ihr ganzes Land. Der Urkunde ist das Reitersiegel des Grafen Arnold angehängt; es stellt den Grafen im langen, gegürteten Panzerhemde, nach links galoppierend, dar; er trägt auf dem Haupte eine Eisenhaube mit Nasenstange; die Rechte hält das gezückte Schwert, mit der Linken führt er den großen, gebogenen Schild, auf dem in einer Umrahmung eine Rose erscheint. Graf Arnold von Altena nennt sich also hier„von Gottes Gnade', wie es damals nur den Inhabern landesherrlicher Befugnisse zustand; wir hören ihn von„seinem ganzen Lande“ sprechen, in welchem er das Geleitrecht, ein landesherrliches Regal, ausübte. Danach war also schon damals die Landeshoheit unserer Grafen so vollkommen ausgebildet, wie es so früh nur in wenigen deutschen Gebieten der Fall war. Erzhischof Philipp von Heinsberg erwarb von dem eines„Grafen, von Altena' führte, beweist uns, daß er g.„SSröhischgk, Philipp von Heineherg exwarb von dem wenigstens zeitweise schon auf der neuerbauten Burg rasen Frieorich von Altena die Isenvurg bei Hatsenigstens zenlweise schon auf der nieuerbäuten Burg über der Lenne wohnte und von hier aus die ihm erblich überkommenen Grafenrechte über die Besitzungen und Untertanen im südlichen Westfalen ausübte. So blieb es noch ein weiteres Menschenalter hindurch. Eine Trennung der rheinischen und westfälischen Besitzungen des bergischen Grafenhauses trat erst um 1160 ein. Graf Adolph IV. von Berg, der etwa 1165 starb, hatte schon bei Lebzeiten die westsälischen Besitzungen an Lenne und Ruhr seinem ältesten Sohne Eberhard, der sich seit 1160„Graf von Altena' nannte, übertragen, während der jüngere Sohn namens Engelbert als Graf von Berg den rheinischen Besitz an Sieg und Wupper erbte. Ein enger Zusammenhang der beiden verwandten Häuser blieb aber nach wie vor bestehen: die beiden Grafen von Altena und Berg finden wir fast ständig zusammen im Gefolge ihres Lehnsherren, des Erzbischofes von Köln, und das Kloster Altenberg, das ihre gemeinsamen Vorfahren aus ihrem ersten Stammsitze geschaffen hatten, blieb noch in der folgenden Generation die gemeinschaftliche Grabstätte für den rheinischen und westfälischen Zweig des bergischen Grajenhauses. Graf Eberhard nahm als erster dauernd seinen Wohnsitz auf der Burg Altena, von der er seit 1160 ständig den Namen führte. Der Güterbesitz, den er von hier aus verwaltete, lag über ein Gebiet verstreut, das sich nach Osten bis in die Gegend von Soest und Balve, nach Süden bis Attendorn, nach Westen noch jenseits Gummersbach und Mülheim an der Ruhr, im Norden bis über die Lippe hinaus erstreckte. Ein stattlicher Lehnbesitz, dessen Träger ihm zur Heeresfolge und zum Hofdienst verpflichtet waren, erhöhte seine Macht und sein Ansehen bei dem Kölner Erzbischof und dem Kaiser; auf den Romzügen, die damals Kaiser Friedrich Barbarossa unternahm, weilten die Grafen von Altena und Berg im Gefolge der Kölner Erzbischöfe Rainald von Dassel und Philipp von Heinsberg als deren treueste und mächtigste Lehnsleute. Graf Eberhard ist nach der Ueberlieferung am 23. Januar 1180 als Laienbruder im Kloster Altenberg gestorben, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte und in der Gruft seiner Ahnen bestattet liegt. Seine Besitzungen hatte Graf Eberhard schon bei Lebzeiten an seine beiden Söhne Arnold und Friedrich übertragen, von denen ersterer 1167 an dem Römerzuge Barbarossas im Gefolge des Erzbischofs Rainald von Dassel teilnahm, dem der Kaiser vornehmlich seinen glänzenden Sieg über die Römer zuschrieb. In den folgenden Jahren weilte er viel bei Rainalds Nachfolger Philipp von Heinsberg. In des letzteren Auftrage führte 1174—77 der jüngere der Altenaer Brüder, Graf Friedrich den Oberbefehl über die kölnischen Truppen, die dem Kaiser gegen den Papst und die Lombarden halfen, und focht in der unglücklichen Schlacht von Legnano mit. Bei dem Einzuge des Kaisers in Venedig 1177 begleitete Graf Friedrich von Altena seinen Lehnsherrn, den Erzbischof, an der Spitze von 400 Kriegsleuten. Unterdessen mußte in der Heimat sich der ältere der Brüder gegen Heinrich den Löwen wehren, welcher die Grafen von Altena in ihrem Land mit Raub und Brand heimsuchen ließ. An der Bezwingung des Welfen nahmen beiden Grafen wiederum tatkräftigen Anteil im Gefolge des Kölner Erzbischofs, und als dieser 1180 aus des Welfen Besitz die Herzogtümer Westfalen und Engern erhalten hatte, sparte er nicht mit Gunstbeweisen gegen die beiden Grafen. Dieses treue Lehnsverhältnis zum Erzstift Köln war für unsere Grafen bei ihrem Aufstieg zu Ansehen und Macht von größter Bedeutung und bahnte ihren Brüdern und Verwandten selbst den Weg zur erzbischöflichen Würde. Schon des Grafen Eberhard Oheim Bruno von Berg war 1131 Erzbischof von Köln geworden; zwanzig Jahre später bestieg Friedrich von Berg. Eberhards Bruder den Kölner Erzstuhl. Dessen jüngster Bruder Bruno wurde 1191 zum Nachfolger Philipps von Heinsberg gewählt, und ihm folgte zwei Jahre später Adolph von Altena, des Grafen Eberbards Sohn und Brutingen und von dem Grafen Arnold von Altena die Burg Nienbrügge bei Hamm für je 200 Mark. Beide Burgen wurden natürlich den Grafen als Lehen wieder überlassen. Wir sehen daran, daß unter den Brüdern bereits eine gewisse Teilung des väterlichen Besitzes eingetreten war. Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts diente die Burg Altena beiden Brüdern zum regelmäßigen Wohnsitz, wie schon der Geschlechtsname dartut. Aber für die Verwaltung ihrer an Ruhr und Lippe gelegenen zahlreichen Güter waren auch hier feste Stützpunkte nötig; darum hielten sich die beiden Grafen auch wohl schon zeitweise auf der Isenburg und der Burg Nienbrügge auf; zu dieser letzteren trat Ende des 12. Jahrhunderts noch die durch Kauf erworbene Burg Mark bei Hamm. Aber die Burg Altena galt doch beiden nach wie vor als der Stammsitz des Geschlechts und regelmäßiger Verbleib, wo die Fäden der Verwaltung des reichen Besitzes zusammenliefen. Dieser gemeinsame Wohnsitz wie der gemeinsame Geschlechtsname und vor allem ein tief wurzelnder Familiensinn, der die beiden gräflichen Brüder sowohl unter einander wie mit ihrem geistlichen Bruder Adolph verband, ließen nach außen hin ihre Kraft selbst durch die Aufteilung des elterlichen Besitzes nicht zersplittert erscheinen. Diese Zeit der Grafen Arnold und Friedrich von Altena(etwa 1170 bis 1200) war die Glanzzeit unserer Burg. Wir können uns die erste Anlage derselben nicht einfach genug denken: Torhaus und, Wehrmauer auf dem unteren, Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude auf dem oberen Hofe werden damals die ganze Burg ausgemacht haben. Mit dieser einfachen Anlage konnte sich Graf Eberhard von Berg, als er 1160 auf Altena seinen dauernden Wohnsitz nahm, nicht begnügen; einem der angesehensten und mächtigsten Geschlechter des Landes angehörend, mit dem Kaiser und hohen Fürstlichkeiten in ständigem Verkehr. selbst ein Bruder des kölnischen Erzbischofs Bruno, hat er auf seinen vielen Kriegszügen und sonstigen Reisen die Wohnlichkeit und Ueppigkeit des Südens gesehen und seinen Stammsitz so eingerichtet, daß er nicht nur seinem gräflichen Haushalt genügte, sondern auch den Ansprüchen hoher fürstlicher Besuche gerecht wurde. Wir dürfen uns die Lebensweise des hohen Adels der damaligen Zeit durchaus nicht zu einfach vorstellen. Es war die Zeit des Minnesangs und der ritterlichen Kampfspiele, eine Zeit, in der, wie niemals später wieder, sich tiefe Frömmigkeit mit fast schrankenloser Lebensfreude paarte. Zu keiner späteren Zeit hat der deutsche Adel wieder so glänzende Feste veranstaltet, wie um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts. Daß Graf Eberhard von Altena bei seinen reichen Mitteln und dem hohen Ansehen, das er beim Kaiser und bei seinem erzbischöflichen Lehnsherrn genoß, inbezug auf ritterlichen Aufwand und zeitgemäße Lebensweise hinter keinem seiner Standesgenossen zurückstand, dürfen wir getrost annehmen, und so wird er denn auch seinen neuen Stammsitz mit allem, was jene Zeit an Pracht und Bequemlichkeit bot, ausgerüstet haben. Vielleicht hat er schon den zweiten Pallas auf dem oberen Burghofe erbaut; vielleicht stammt dieser aber ebenso wie der zweite Bergfried aus der Zeit seiner beiden Söhne Arnold und Friedrich, die ja bis gegen 1200 zusammen auf der Burg Altena lebten und getrennte Haushaltung führten. So wurde unsere Burg zur Ganerben= oder Geschlechterburg, und neue Bauten waren erforderlich. Mit diesen Bauten wird die Gesamtanlage der Burg in der Weise vervollständigt sein, wie wir sie aus späterer Zeit kennen: zwei Wehrtürme, zwei Wohngebäude, zwei Brunnen, nebst den erforderlichen Wirtschaftsräumen, Stallungen usw., dagegen nur eine Kapelle zum gemeinschaftlichen Gottesdienst für beide Familien und die Dienstmannschaft. Die Glanzzeit unserer Burg unter den Grafen Arnold und Friedrich von Altena währte nur etwa dreißig Jahre, aber welch farbenprächtiges, buntbewegtes ritterliches Leben mag sich damals oft innerhalb der! Mauern unserer Burg abgespielt haben! Freilich, kein Lied, kein zeitgenössischer Bericht meldet davon, aber dennoch können wir uns ein Bild von dem Leben und Treiben auf Burg Altena im letzten Viertel des 12. Jahrbunderts machen. Da die jungen Grafen Arnold und Friedrich sich fast ständig in der Umgebung ihrer geistlichen Lehnsherren, der Erzbischöfe von Köln, befanden, wenn wir sie oft mit diesen in Soest erblicken, dürfen wir annehmen, daß ein Rainald von Dassel, ein Philipp von Heinsberg wohl auch einmal auf der Reise von Köln nach Soeft seinen Weg über Altena genommen und mit dem glänzenden Gefolge an geistlichen und weltlichen Großen, das uns in den Zeugenreihen der Urkunden immer wieder begegnet, auf dem hochragenden Stammsitz seiner getreusten und mächtigsten Lehnsleute verweilt hat. Als dann vollends der Bruder unserer beiden Grafen, Adolph, der seine Kindheit auf unserer Burg und im lieblichen Tale der Lenne verlebt hatte, selbst den Stuhl des hl. Maternus bestieg, da werden die fürstlichen Besuche auf dessen elterlicher Stammburg noch häufiger geworden sein; manch prächtiges Fest werden die Mauern unserer Burg damals geschaut heben. Aber auch das tägliche Leben auf der Burg war nichts weniger als eintönig oder lanweilig. Wie verschiedener Art waren schon die Bewohner! Außer den gräflichen Familien und deren Kindern wohnten dauernd auf der Burg eine Anzahl Burgmannen. Das waren Leute ritterlichen Standes, die von dem Burgherrn aus seinen besten Lehnsleuten ausgewählt und mit einem aus einer Geldrente oder Grundstücken bestehenden Burglehen begabt waren, um seine Burg zu sichern und im Fall der Not verteidigen zu helfen, dann aber auch mit ihm über Land zu reiten, seine Gütec und Gerechtigkeiten zu besichtigen, zu handhaben und zu wahren. Von den Altenaer Burgmännern, deren Zahl etwa zwölf betragen haben wird, sind uns schon aus dem 12. Jahrhundert mehrere dem Namen und Geschlecht nach bekannt. Ja, es läßt sich schon eine gewisse Erbfolge in den Burglehen feststellen, sodaß fast zweihundert Jahre später Graf Dietrich von der Mark den Ritter Ludolph von Altena bezeichnen honnte als einen alten Erb=Burgmann zu Altena'. Freilich bot die Burg nicht genügend Raum, um allen Burgmannen auch für friedliche Zeiten ausreichende Wohngelegenheit gewähren zu können; einige von ihnen wohnten am Fuße des Berges oder doch sonst ganz in der Nähe der Burg;; so waren die sog.„Mückenburg' am südlichen Fuße des Schloßberges und die „Susenburg' am Westabhange desselben wohl auch damals und später Wohnsitze gräflicher Burgmannen gewesen sein, die nur in unruhigen Zeiten auf die Burg selbst in eine notdürftige Unterkunft zogen. Außer diesen rittermäßigen Burgmannen bestand das Personal der Burg noch aus Turmwärtern. Wächtern und Pförtnern, die alle bei Antritt ihres Dienstes dem Burgherrn Eid und Hulde leisten mußten. Wir müssen für jeden der beiden Türme einen besonderen Turmwärter annehmen; sie hatten ihre Wohnung in den obersten Geschossen der beiden Bergfriede. Von hier aus konnten sie Tag und Nacht die ganze Umgegend im Auge behalten und sobald sie etwas Verdächtiges bemerkten, die Besatzung warnen. Die Wächter hatten bei Nacht das ganze Burginnere und die Umgebung der Burg zu begehen oder waren auf besonderen Posten aufgestellt, um das Heranschleichen von Feinden und verdächtigem Gesindel zu verhüten. Pförtner müssen wir auch für die beiden Haupttore zur Vorburg und zum soberen Burghofe je einen annehmen. Sie pflegten auf oder neben dem Tore, das sie zu beaufsichtigen hatten, zu wohnen. Dieses wurde bei Tag= und Nachtzeit verschlossen gehalten. Wer Einlaß in die Burg begehrte, hatte sich dem Pförtner von jenseits der Zugbrücke durch Hornruf oder ein sonstiges Zeichen bemerkbar zu machen. Zum Haushalt des Grafen gehörte außerdem ein zahlreiches Gesinde, zu dem wir außer der eigentlichen Dienerschaft wohl noch Koch, Kammerdiener, Stallknecht und Hufschmied, ferner Mägde und Wartefrauen für die Frauen und Kinder zählen dürfen. Auch der Burgkaplan kann dem gräflichen Haushalt zugezählt werden, denn außer den geistlichen Obliegenheiten war es seine Aufgabe, dem Burgherren die einzehenden Briefe vorzulesen, die Antworten, die ihm diktiert oder aufgetragen wurden, zu schreiben und den gräflichen Kindern die Anfangsgründe des Wissens beizubringen. Fortsetzung folgt. und Maiengrün Von Franz Predeek. Eine Fahrt durch das frühlingsschöne Sauerland ist wie das Lesen einer schönen Erzählung. Wie eine von Meisterhand geschriebene Erzählung umso, spannender wird, je länger man darin liest, umso mehr steigert sich auch das Erlebnis einer Sauerlandfahrt im Frühling in dem Maße, wie man eindringt in die Geschehnisse der Schönheit und Wunder dieses Berglandes. Und wie man nicht gern ein Buch, das man lieb gewonnen, aus der Hand legt, bevor man es durchgelesen, so wird es auch den Wanderer danach verlangen, das schöne Erleben auszukosten bis zur Neige seiner Zeit und seines Beutels. Und der Verfasser des schönen Buches, Gott der Schöpfer, bürgt schon dafür, daß das Werk gut sei. Die kleine Leseprobe, die wir heute dem schönen Buche Sauerland entnehmen wollen, möge unter den vielverheißenden Zeichen von Blütenschnee und Maiengrün stehen.„ 4. Wenn der holdselige Junker Lenz sich anschickt, die Stufen unseres tausendfältigen Berglandes von den breiteren Niederungen der Kölner oder der Münsterischen Bucht aus zu besteigen, so sendet er als Vorboten nicht die mystischen Krokuskinder oder die königliche Magnolie zu uns ins Land; wohl aber übersät er unsere Wiesen, ämpe und Hänge mit Myriaden von Gänseblümchen, Löwenzahn und Wiesenschaumkraut. Das ist dann der zarte, duftige Untergrund, auf dem sich das erhebende Erlebnis der Obstbaumblüte abspielt. Wer sich satt gesehen an der Fülle weißen Blühens in anderen gesegneten Gefilden, steige auch einmal in die verkuschelten Bergfalten unseres Sauerlandes und überwandere die zugendschönen Bergfluren dieses im ganzen Nordwesten Deutschlands unbestritten reizvollsten Berglandes. Kein sauerländisches Gehöft, das nicht eingehüllt ist in den heiligen Schleier weißen Blühens; kein Dorf, das nicht den Zauberkranz blühender Obstbäume um sich gewunden. O, diese verheißungsvolle Zeit ist heilig; dreimal heilig, weil uns hier winters in den Bergen dreimal lange das Grauen von Nacht und Nebel bedrückt. Heuer aber steht das Sauerland in Blütenschnee und Maiengrün! Noch ein anderes Geschehen vollzieht sich in unsern Bergen, fast still und unbemerkt, ohne Prachten noch Prunken: das ist das unbeschreibbar schöne Erwachen unserer Bergwälder. Unser gebirgiges Sauerland ist auch heute noch gut zur Hälfte überhängt mit Laub= und Nadelwäldern, die teils tupfenartig, hier mild und sanft, dort steil und schroff, das Bergland übersprenkeln; die aber auch, wie beim Arnsberger und Balver Walde, vor allem aber in den weitgespannten, fast unergründlichen Walddomen des Rothaargebirges bis hinunter zu den ausgedehnten Forsten des Berleburger Ländchens wie mit molligen Pelzen das steinerne Gefüge unserer Bergwelten überkleiden. Schön und erlebenswert ist es, dem Erwachen der Wälder in der breit gelagerten Ebene zuzuschauen; wie der Reihe nach Weide, Buche, Linde und Esche treiben und grünen. Ganz zu schweigen von dem zauberzarten Schimmer, den die Farbfamilie Grün über die Nadelwälder gebreitet. Ein ganz besonderes Erlebnis wird es dann, das süße Ineinander der Lärche und Birke zu beobachten. Wo aber steigert sich das wundervolle Frühlingsgeschehen zu schönerem Erleben als in unseren sauerländischen Bergwäldern, wo wir doch die über die Berge gehängten Waldmäntel wie aus der Vogelschau sehen, faltig wie das samtne Gewand schöner Frauen, das sacht von ihren Schultern gleitet! Nein, neben dem herbstlich farbenen Verglühen unserer Bergwälder gibt es kein heiligeres und erhabeneres Geschehen in unserer Bergnatur als das sanfte Erwachen unserer Waldbäume aus starrem Winterschlaf. Kennt ihr die Wiegestätten unserer Flüsse? Jener, die in der größten Eisenschmiede der Welt, rheinischwestfälisches Industriegebiet geheißen, landläufig in Schlamm und Schmutz träge dahingleiten, die aber in unseren reinen Bergen quick fließende Silberadern sind wie Holle, Helle, Henne, Hönne, Neger und Namenlose? Kennt ihr das hoch emporgehaltene Geburtsland der weltgenannten Ruhr und ihrer Zwillingsschwester, der Lenne, der Lieblingstochter des Urvaters Asten? Wie sie, beide voller Mut und Reiselust, sich trotz der Warnungen ihres Erzeugers trennen, beide ihre besondere Spur in das Gefüge der Berge graben, beide Gespielen und Gespielinnen aus dem Reigen der sie umgebenden Berge zu sich locken; wie beide endlich, in herbem Weh und harterArbeit vor Rädern aus Eisen und Stein zurücksehnend nach dem lieblichen Bette ihrer Unschuldstage, sich am Fuße der stolzen Wittekindsburg wie zur Versöhnung nach langer Trennung die Hände reichen? Die Gefilde, in denen die Eder entspringt, suchen an Lieblichkeit in Deutschland ihresgleichen. Gleich Kindergärten, unschuldumgebenen, sind die Wiegestätten der Ruhr und Lenne, Orke und Nuhne, Odeborn, Aaar und Selenge. Aber, man kann nicht allüberall in unseren Bergen umherstreifen und verkünden, daß hier diesem Berge, dort jenem ein kräftiger Sproß oder eine liebliche Tochter geboren. Da ist es schon besser, zu Tauffest und Wiegenfeier in selbeigener Person sich zu den stillen Gärten quellenden Lebens herauf zu bemühen. Es wird ich hundertfach lohnen. Wie verwunschene Schatzkästchen am Wege muten nun die sauerländischen Gehöfte an im Schmuck von Blütenschnee und Maiengrün. Kaum, daß man das wohlgeformte, füllige, mit graublauem Schiefer gedeckte Dach noch erspähen kann im Gewirr der Blütenzweige. Fest gefügt aus schwerem Eichengebälk, das wirkungsvoll in Schwarz von dem weißgekälkten Wandwerk sich abhebt, duckt sich das sauerländische Bauernhaus an den Grund, auf dem es wurzelt und wächst. Ein lebendiger, schollenverwachsener Organismus inmitten der umrahmenden Landschaft! Es hat noch seinen einfachen und doch so anheimelnden Bauerngarten, in dem das stille Blühen duftet und die Landblumenkinder so freundlich dem Eintretenden entgegenwinken: die Akelei und Osterblume, Rittersporn und Feuerlilie, rotglutender Mahn und die verwunschene Stockrose. Da schwelt es umher in duftenden Wolken von Reseden= und Pfefferminzhauch Rosenund Nelkentraum. Eine ländliche Symphonie von Geräuschen und Klängen, Hühnergegacker und Bienengesumm, von Wagengerassel und Hammerschlag, von Lämmergeblök und Pferdewiehern begleitet tagein, tagaus das ländliche Geschehen und gehört als unentbehrlicher Bestandteil zur Arbeit des Tages wie zum Frieden des Abends. Wie das Gehöft, so das Dorf. Das schöne sauerländische Dorf zu besuchen, dort trauten Abendfrieden zu trinken, weitab vom nervenzerreibenden Getümmel der Großstadt, dort Einkehr zu halten nach beseligendem Wandern über Berg und Tal und zu rasten in guter Gaststätte für die erquickende Nacht: das sind Wonneseligkeiten, die nur der kennt, der unser schönes Sauerland für vier bis acht Tage mal richtig unter die Wandersohlen nimmt. An winkenden Eingangspforten ist unser Bergland nicht arm; von den vier Hauptrichtungen der Windrose aus steigt man gleich bequem und schnell in die Wunderwelten unserer Berge. Nach Norden und Westen öffuen die Täler der Ruhr und Lenne das Sauerland. nach Nordosten das Tal der Alme; nach Osten zu die Diemel und endlich nach Süden die vielgewundene Sieg. Durch all diese Wasserrinnen zieht sich der Eisenschienen gewundene Spur, und das flinke Dampfroß trägt den wandersüchtigen Besucher schnell und sicher durch herrlichste Gebirgswelten an das Ziel seiner Wünsche. Frisch auf: