SESEP SS Hundertfünfzig Gulden. Haydn=Süizze von Hans Gäfgen. Der junge Haydn war in bittere Not geraten. Aus dem Kapellhause hatte man ihn seiner gebrochenen Stimme wegen verstoßen; die Eltern wohnten weit in der Ferne, und in Wien half ihm keiner. Da trat er, indes der Magen knurrte, eines Nachmittags in den Stephansdom, sank nieder und betete aus inbrünstigem Herzen zum lieben Gott, er möge ihn erhören und ihm helfen. Das ewige Licht blühte wie eine purpurne Tulpe, und der Knabe war ganz allein in dem mächtigen Raume, durch den nur der Flügelschlag einer verflogenen Schwalbe leise kam. Und da nach einer Weile der kleine Joseph ruhiger und gefaßter in den Tag hinaustrat, flog auch die Schwalbe mit jubelndem Ruf in die Sonne hinaus, in die Wiener Stadt hinein, in der das gemächliche und doch anmutige Leben des achtzehnten Jahrhunderts wogte. Der Knabe ging langsamen Schrittes und achtete zuerst gar nicht darauf, daß der Vogel wiedergekehrt war und nun ganz dicht über ihm seine Kreise zog. Dann aber bemerkte es Joseph, von früh an gewohnt, auf die Laute und das Wesen der Natur zu lauschen und sie in ihrem oft seltsamen Tun zu verstehen, und er beschrieb, fast im Traum, mit der Hand die Stewarorg ehen„. Novelle von Ernst Römer Das Mittelmeer war an jenem Tage so blau, wie es sich gehört, und wir waren so nüchtern, wie es sich ebenfalls gehört. Nun lassen diese nebeneinander gestellten Tatsachen gewisse Umgruppierungen durchaus zu: das Mittelmeer kann zum Beispiel sehr nüchtern und die Mannschaft eines Frachtdampfers sehr blau sein. Sicher. In der Regel jedoch ist es umgekehrt, und es war auch wie gesagt an jenem Tage so, auf den es hier ankommt. Der Kapitän hieß Heinrich Puttfarken und war aus Mecklenburg, der Erste Maschinist hatte ein Magenleiden und trank Kognak nur aus gesundheitlichen Gründen, der Koch setzte im Hafen stets eine weiße Mütze auf und ließ auf See immer die Erbsen anbrennen..... Nein, auf unserem Dampfer war aues, wie es sein sollte. Bis sich eben an besagtem Tage ein von keinem Menschen vorhergesehener Vorfall ereignete, der dazu angetan war, in die maritime Beschaulichkeit unseres abseitigen Daseins die Brandfackel des Unfriedens zu schleudern. Zunächst trug der entscheidende Tag alle Merkmale eines auf zweckdienliche Arbeit gerichteten männlichen Gemeingleichen Schlingen und Kreise, mit denen die Schwalbe den wesens, als das sich ein mit fünfundzwanzig Köpfen besetzter sonnenhellen Tag freundlich durchrankte... Frachtdampfer darstellt, der seit vierundzwanzig Stunden auf Gibraltar geschoben, ob sich ein Mädchen auf sein Schiff geschmuggelt hatte. Und dieses unerfahrene Geschöpf hatte sich an Bord geschmuggelt. Da gab es gar nichts anderes. Er konnte sich auf seine Mannschaft verlassen. Er hatte seine Leute in der Hand. Und so trug denn Kapitän Puttfarken gemäß Paragraph Person weiblichen Geschlechts u mutlich sizilianischer Herkunft. Dieselbe hatte sich nächtlicherweile kurz vor Inseegehen in fahrlässiger Absicht im Schiff verstaut und wird die Frauensperson aus sittlichen Gründen zur Bedienung in der Kajüte verwendet, da der Kajütssteward wegen Krankheit in Catania geblieben ist.“ ienhellen Tag freundlich durchrankte.„. Frachtdampfer darstellt, der se Unvermerkt gelangte der Knabe in die Vorstadt und blieb See ist und seinem Bestimmungshafen zustreot. en, als der Vogel in ein Nest schlüpfte, das wie eine halb Käppen Puttfarken trug seinen zunehmenden Leib auf seph schwieg verlegen und bedrückt. so Er wohnt, hab' ich gefragt?“ wiederholte Anton stehen, als der Vogel geoffnete Hand unter dem Bild eines goldenen Krebses hing. Schon im Lichte glänzte das Hauswappen, so daß Joseph, darüber nachsinnend, ob es wohl echtes Dukatengold sei, was er da schaue, eine Weile gebannt stand und erst aufschrak, als eine Männerstimme von oben rief:„Was steht Er da und hält Mailaffen feil? Hat Er nichts zu tun?“ Erschrocken wollte Haydn davon laufen, aber da war der Vogel wieder, die Schwalbe aus dem Stephansdom, und umkreiste ihn mit lautem Ruf, so daß auch der Mann am Fenster aufmerksam wurde und nun mit freundlicherer Stimme meinte:„Scheint kein schlechter Kerl zu sein, da Ihn das Getier gern hat. Komm' Er herein, und sag Er, wer Er ist!“ So kam Haydn zum Marktrichter Anton Buchholz, wohnhaft beim goldenen Krebsen in der Ungargasse, und zu seiner Frau Eva, die gerade beim Nachmittagskaffee saßen, allein, denn Kinder hatten sie nicht. Schüchtern saß der Bub am Tisch und erzählte stockend von seinem Leben, den Eltern, der Heimat. „Ach, da steht ja ein Spinett!“ rief der Knabe plötzlich. „Kann Er spielen?“ fragte der Herr Marktrichter. „Ein bisserl schon“, meinte Haydn. Und dann spielte er ein kleines Menuett, und der wohlachtbare Herr Marktrichter Buchholz und seine Ehefrau führten im Hause„Zum goldenen Krebsen“ ein sittsames Tänzchen auf. Dann und wann sprach die Standuhr mit leise klingender Stimme dazwischen, aber sonst hörte man nur die Musir und das gravitätische Schreiten der beiden Tanzenden. „Er muß wiederkommen, ganz bald“, sagte der Herr Marktrichter, indes er mit dem großmächtigen Schnupftuch die Tropfen von der Stirn tupfte,„wo wohnt Er eigentlich?“ 0 Buchholz. „Bis heute beim Herrn Spangler, aber er hat mich fortgezagt, weil...“... 8.— M.2strich „Weil, weil...?“ sagte ungeouloig der Herr Marktrichter. „Weil sein Weiberl mich a bisserl zu lieb gehabt hat.“ Da machte der Herr Marktrichter große Augen und erkannte erst, daß der Haydn kein Büberl mehr war, sondern ein junger Mann; darum hatte man ihn ja auch aus dem Kapellhause verstoßen.„So, so“, murmelte Buchholz. „Ja, ja, Busserl hat sie mir gegeben, als der Hirr Spangler in die Stube trat, und das hat ihn verdrossen.“ „Ich will Ihm was sagen“, fuhr der Herr Marktric fort,„hier sind hundertfünfzig Gulden; ich will sie Ihm leil ohne Profit, weil Er ein guter Kerl ist. Wenn Er's zu icht hat, mag Er sie mir wiedergeben. Er wird's zu was mir nicht bauge.“ Joseph,„so viel Geld hat mein Vater noch nie zusammen gehabt. Da wär' ich ja mit einem Schlage ein reicher Mann. Da könnt' ich nir ein Stüberl mieten und ein Spinett drinnen... Ja, ist's denn auch wahr? Träum' ich nit?“ Und dann wohnte Haydn im Michaeler Hause aun Kohlmarkt, droben, ganz droben, wo die Schwalben nisteten, und seine Nachbarn waren Kammerheizer, Lakaien und Köche der vornehmen Herrschaften, die drunten residierten, der Fürstin Maria Octavia, Witwe des Fürsten Joseph Anton Esterhazy, und des gefeierten Dichters Mestasio. Und wenn am Abend Joseph am Spinett saß und an seiner ersten Messe komponierte, lauschten die Tafeldecker, Türhüter und die Bedienten der Fürstin erstaunt an der Kammertür den seltsamen, geheimnisvollen Weisen. Die Leute, welche die Messe, die später im Stift Göttweig bald zwanzigmal aufgeführt wurde, hörten, wunderten sich, wie nogelleicht die Töne schwangen. Das kam gewiß daher, weil draußen die Schwalben auf und niederflogen, während drinnen der junge Meister die Noten schrieb. Später schwand das Werk aus seinem Gedächtnis, und es vergingen fünfzig Jahre, bis es wieder aufgefunden und dem inzwischen beruhmt Gewordenen überbracht wurde. Da ist er ans Spinett gegangen, hat die Feder zur Hand genommen und die Messe durch Hinzufügung von Blasinstrumenten geziert und geschmückt, wie ein Vater wohl einen Sohn auszeichnet, der nach einem Menschenalter heimkehrt. Im Stephansdom hat sie der Meister aufführen lassen. Vorne in der ersten Reihe waren zwei Plätze frei. Auf diese fuhrte Joseph Haydn, indes die Furstlichkeiten in den Logen und alle anderen Anwesenden erstaunt zusahen, ein steinaltes Männchen und eine nicht wenig jüngere Frau: den gewesenen Marktrichter Anton Buchholz aus dem„Goldenen Krebsen“ in der Ungargasse und sein Weib Eva. Und im Testament Haydns lesen wir unter den Legaten: „Der Jungfrau Anna Buchholzin 100 Fl., weil mir ihr GroßVatter in meiner Jugend und äußersten Noth 150 Fl. ohne Interessen geliehen, welche ich aber schon vor 50 Jahren begohlt dahe: Die gute Tat. Ein kleines Zeitbild von Herbert Grote. Ein vielbesuchtes Gasthaus im belebtesten Teil der Großstadt. Die Drehtür ist in ständiger Bewegung, und drinnen lappern Teller, Löffel, Messer und Gabeln— ein liebliches uzert, das alle Vorübergehenden lockt. Die einen gehen ein, folgen der Lockung, die anderen eilen resigniert weiter, dritten schimpfen, weil sie kein Geld haben, um dieser Gee des irdischen Daseins teilhaftig werden zu können. Zwei neue Gäste treten ein. Der eine ist ein gemütlich hender Mann in den Fünfzigern, nicht schlecht genährt, ehne besondere Eleganz gekleidet, sicher ein der Brücke hin und her, der Rudergänger steuerte seinen Kurs und bohrte sich gelegentlich in der Nase, an Deck verteilte der Bootsmann an uns Farbtöpfe und Pinsel, und droben beschien eine wärmende Sonne unser gerechtes Tun. Gut. In diesen sachlich orientierten Gewerbebetrieb, in dieses Hohelied der Arbeit hinein dröhnt nun von der Brücke herab die Stimme unseres allseitig verehrten Schiffsführers: „Wie kommt die Deern an Bord?!“., 16 f. Deern, das ist zu hochdeutsch Mädchen, nicht wahr? Und einem Seemann ist ja das Mädchen sowohl plattdeutsch wie hochdeutsch geläufig. Es ist ihm an Land sogar sehr gelaufig. Aber wir waren auf See, bitte sehr! Abermals donnert es über unsere unschuloigen Häupter hin:„Wie kommt die Deern an Bord!?“— Und zwischen jedem Wort eine wuchtig drohende Pause. Wir ließen besturzt unsere Pinsel in die Farbpötte fallen— was als sehr unseemannisch gilt— und machten, noch immer hockend, eine Kehrtwendung. Und sahen. Und vernahmen. Es war klar: Da stand ein Mädchen. Unser Dampfer steuerte seinen richtigen Kurs durchs Mittelmeer; unten in der Maschine hämmerten die Kolbenstöße; im Hemraum klapperten die Kohlenschaufeln; von der Kombüse her roch es nach samstäglichem Sauerkraut mit speck. Die Sonne schien. Aber da stand ein Mädchen. Auf dem Vordeck zwischen Ladeluk und Back stand es, in der Nähe des Niedergangs zum Mannschaftsraum, und blinzelte mit der vorgehaltenen Hand zur Brücke hinauf. Während die andere Hand die Bluse zusammenhielt. Vorn. So unterm Kinn etwa. Wir starrten die Erscheinung an. Die dunkeläugige. Die jugendlich=rundliche. Die schwarzhaarige. Die etwas ramponierte. Aus der Fülle dieses Haares löste sich jetzt die einzige Haarnadel und siel an Deck. Auf unser eisernes Deck. Kling! tat es. Vom hohen Kommandostand schrie unser allseits geliebter Kapitän mit der Stentorstimme und zum drittenmal: „Gottsdonnerja: wie kommt die Deern an Bord!!“ Aber es war nicht zu ermitteln, wie und wo das Mädchen an Bord gelangt sein konnte. Außerdem sprach es sizilianisch, Käppen Puttfarken jedoch nur deutsch und mecklenburgsch. Immerhin mußte er zu dem Fall Stellung nehmen, denn ein ordentlicher Schiffsführer muß zu jedem Fall Stellung nehmen können. Zu jedem. Ob sich ein Bera vor die Straße von sichtlich bewußten Tatsache, daß der Fall erledigt. Wir behielten schönes is die Gibraltarstra Damit schien der Fo Wetter, steuerten munter aus vir Gibraltarstraße zu und waren guten Muts. Dem unerfahrenen Geschöpf sizilianischer Herkunft wurde die Lazarettkammer im Kajütsbereich zur Wohnung angewiesen. Das geschah eben anstandshalber. Und war— wie die Wohnungsverhältnisse auf einem kleinen Frachtdampfer Sollte das Madchen etwa in den Mannschaft quartiert werden, wie es sonst bei der Unterbringung blinder Passagiere zu sein pflegt? Obwohl das jeder von uns hätte einsehen müssen, erfuhr verständige Maßnahme im Matrosen= und Heizerlogis jene scharfe Kritik.„Ehrenhalber?“ höhnte man,„der Käppen meint woll vorzugshalber!“ Jemand behauptete, sie sei direk avanciert, und nannte sie„die Stewardeß ehrenhalber“. In den sich auf diese Weise entspinnenden Debatten, bei denen die Gegensätze im Bordleben unverhüllt zutage traten, in solchem Aufschwall jugendlich unverbrauchter Gemüter verhielt sich stets nur einer teilnahmslos: Hannes. Hannes stammte aus Hammelwarden an der Weser und trug alle Kennzeichen seiner durchgezüchteten Rasse. Er war schollensicher, von schlichtem Geist und sehr ausgeglichener Gemütsart. Wenn man ihn also fragte:„Was sagst Du denn dazu, Hannes?“, dann schob er seine langen Beine unter den Tisch, fuhr sich mit dem Handrucken links und rechts um die Nase und antwortete:„Ick? Ick segg gornix.“ Das war richtig. Er sagte gar nichts. Und verharrte in dieser Passivität mit einer selbst für seinen Volksschlag so erstaunlichen Konsequenz, daß man bereits anfing, ihn argwöhnisch zu betrachten. * Unterdessen ging das unerfahrene junge Mädchen, das allgemein Mary genannt wurde— aus einer unergründlichen, doch tatsächlich verankerten Vorliebe der Seeleute für diesen Vornamen— ging Mary also ihren dienenden Pflichten so gut nach, wie es nach Maßgabe ihrer sizilianischen verkunft und den besonderen Umstanden dieses Falles zu erwarten war. 16 8, Marys Pflichtenkreis umschloß, wie gesagt, die Wartung der Kapitänskajüte und der anliegenden Gemächer, sie half auch wohl gelegentlich, soweit ihr durch den südlichen Kulturkreis bedingtes Arbeitstempo die Erledigung jenes täglichen Pensums es zuließ, dem Koch beim Kartoffelschälen. Mary lebte dahin. Einerseits in der Einfalt ihres achtzehnjährigen Herzens und der zweifachen Isolierung, die ihr durch die Fürsorge unseres Kapitäns und ihrer uns unverständlichen Sprache auferlegt war. Andererseits in der ihr offensich inmitten eines aus fünfundzwanzig Männern gebildeten Gemeinwesens bewegte. Zu erwähnen wäre noch, daß um jene Zeit gewisse änderungen im Habitus einzelner Besatzungsmitglieder bemerkbar wurden. So überraschte uns zum Beispiel ein Heizer, der eben von Wache gekommen war, mit der Nachricht, daß man morgens den Ersten Maschinisten mit umgeschnallter Bartbinde im Maschinenraum gesehen hätte. Das war immerhin ungewöhnlich; es ließ angesichts seiner chronischen Magenbeschwerden zum mindesten auf eine spontane Auffrischung seiner Lebensgeister schließen. In dem auf Grund jener Mitteilung sich bildenden Konzilium der Matrosen und Heizer wurden jetzt noch mehr und ganz ähnliche Beobachtungen registriert: Der Zweite Steuermann erschien jeden zweiten Tag rasiert auf der Brücke; der Maschinistenassistent kämmte sein Haar zurück wie ein Gigolo; der Bootsmann priemte seit Tagen schon mit auffallender Zurückhaltung; und der Koch trug weiße Schürzen wie im Hafen und wusch sich mit Toilettenseise. Bei Erörterung dieser letzteren Tatsache wurde uns huschartig inne, daß jenes feminine Waschmittel von jemandem in unserer unmittelbaren Nähe angewendet worden sein mußte. Wir rochen es deutlich. Da blickte alles auf Hannes. Er war nach seiner stillen Art abseits gestanden und damit beschäftigt, seine Fingernägel mit dem Taschenmesser zu säubern. „Was ist los, Hannes?“ schrien wir im Chor,„willst Du Dich landfein machen? Ist bei Dir schon Hamburg in Sicht? Seit wann wäscht man sich denn auf See mit Weiberseife? Nun rede doch einen Ton!“ Hannes strich sein Messer an der Hose ab und steckte es in die Tasche. Hannes sagte eben nie etwas. * Das Weltmeer ist groß. Es bedeckt nahezu drei Viertei unserer Erdoberfläche. Und für die Menschen, die beruflich auf ihm zu tun haben, ist auf die Dauer kein Ereignis erschütternd genug, um nachteilig zu wirken. Keines. Es wird alles verdaut. So war es auch bei uns. Auch wir hatten den Fall Mary verdaut. Alle. Bis wir schließlich— Bis wir vor den englischen Kanal gekommen waren. Kapitän Puttfarken hatte an seine Steuerleute die Anweisung gegeben, ihn sofort wecken zu lassen, wenn das französische Leuchtfeuer in Sicht käme. Es kam in Sicht. Der wachhabende Offizier pfiff von der Brücke nach dem Läufer. Das war Hannes. Hannes bekam den Auftrag, den Kapitän zu wecken. Hannes ging in die Kajüte, klopfte an des Kapitäns Kammer, wie sich das gehört, und weckte. Deu Kapitän ging auf die Brücke. Und Hannes— Also an Steuerbordseite der Kajüte lag der Schlafraum des Kapitäns. Und an Steuerbordseite lag das Lazarett. Und in diesem wohnte bekanntlich Mary. Und der Kapitän wan auf der Brücke, nicht wahr? Und Hannes— Also nach kurzer Zeit kommt Kapitän Puttfarken wieder herunter, weil er seinen Mantel anziehen will. Und sehr balt darauf fliegt die Kajütstür auf, und Hannes fliegt heraus Und Mary fliegt heraus. Am anderen Tag fand sich im Schiffstagebuch von Kajütsbereich entfernt habe. Und Mary vorn im Kabelgatt. Bis Hamburg. Dort wurde italienischen Konsulat in die Arme geführt. . Und was tat Hannes? Er sagte gar nichts. C. chwieg Und nun frage ich: Glauben Sie, daß sich Hannes richtig verhalten hat? Bürger, dem es noch nicht schlecht geht. Der andere ein verschüchterter Junge von zehn Jahren, der mit seinem schäbigen Anzug, den zerrissenen Schuhen und Strümpfen sicher nicht in diese Umgebung paßt. Er empfindet das wohl selbst, denn er zieht den Kopf scheu in die Schultern und folgt dem gemütlichen Herrn nur mit sichtbarem Widerstreben. Der Geschäftsführer eräugt sofort das ungleiche Paar, kommt mit höflich=erstauntem Gesicht näher. Der gemütliche Herr versteht sofort die stumme Frage, sagt leise:„Ich möchte für mich und den Jungen einen Tisch etwas abseits vom Trubel haben. Wissen Sie, der Bengel gehört einem Arbeitslosen aus dem Hinterhaus bei mir, und ich kann diesen Jammer nicht länger mit ansehen. Der Junge soll sich heute endlich einmal richtig satt essen.“... am Natürlich ist der Geschäftsfüyrer von soviel Menschenfreundlichkeit— besonders da sie seinem Unternehmen zugute kommen soll— ganz entzückt. Eine halbe Minute später sitzt der gemütliche Herr mit seinem Schutzbefohlenen an einem etwas versteckten Tischchen, der Junge macht große, erstaunte und erwartungsvolle Augen, und der Geschäftsführer geruht, selbst die Speisekarte zu bringen. Er lächelt dabei dem Kleinen aufmunternd und leutselig zu:„#6. Hgute sol es einmal ja, ich habe ganz vergessen, daß Du vielleicht seit ein paar Tagen schon kein Fleisch mehr gehabt hast. Seit drei Wochen, sagst Du? Armer Kerl! Na, dann nehmen wir für Dich ein ordentliches Sahnenschnitzel mit Pilzen. Das soll schmecken! Für mich übrigens auch, Herr Geschäftsführer.“ Die Pastete kommt. Der Junge haut ein wie ein Scheunendrescher. Natürlich sind schon Gäste genug auf die beiden aufmerksam geworden. Dafür hat der Geschäftsfül gesorgt. Und nun sehen sie interessiert zu, wie der Gemütliche und sein Schutzbefohlener es sich schmecken lassen:„Ein guter Kerl, was? Daß er den armen Jungen einmal ordentlich att werden läbt.,.. gI, Wb. uuin Si. A.— Grinss Baurtile Unheimlich übrigens die wengen, die der Junge vertilgen kann. Das Sahneschnitzel schmilzt vor ihm dahin wie Schnee in der Märzsonne. Und der Gemütliche ist auch kein schlechter Esser. Er läßt eine zweite Portion kommen, und dann streicht er sich wohlgefällig das Bäuchlein. Sein Gesicht glänzt vor Menschenfreundlichkeit und vor Freude über die gute Tat, die er vollbringt,.. A. 5st Her Smültliche Her Kat 8. Endlich sino beide satt. Der gemutiche Herr hat den Wunsch, das gute Mahl mit einer vorzüglichen Zigarre zu beenden:„Was haben Sie denn an Rauchbarem?“ Die Zigarrenkisten kommen. Er untersucht alle. Man sieht ihm den Kenner an. Er findet nicht das, was er haben möchte: rauche nur Vorstenlanden. Na, ich sehe schon, das Beste ich gehe drüben in den Laden und hole mir ein paar. Ok bringen Sie mir inzwischen einen Mokka! Junge, Du bleibst schön hier, und sehen, ob ich Euch noch irgendwie helfen kann. Also, in zwei Minuten bin ich wieder hier.“ Ein wenig verlegen, wie es nun einmal die Art verschämter Wohltäter ist, geht der gemütliche Herr, von hundert Blicken verfolgt, aus dem Lokal. Merkwürdigerweise wird aus den angekündigten zwei Minuten eine halbe Stunde. Der gemütliche Herr kommt nicht wieder. Schließlich schickt der Geschäftsführer einen Kellner ins Zigarrengeschäft hinüber. Der Mann kommt atemlos zurück: „Ja, der Herr war drüben, hat ein paar Zigarren gekauft und ist vor einer halben Stunde fortgegangen.“ Der Geschäftsführer faßt sich an den Hals. Denn die Rechnung des gemütlichen Herrn macht 27 Mark und 40 Pfennig aus. Finster sieht der Geschäftsführer den Jungen an. Der heult:„Ich will weg!“—„Du bleibst hier, bis die schupo kommt!“ Die Schupo erfaßt mit geübtem Blick die Lage sofort: Sag''mal, Junge, wohnt der Herr, mit dem Du gekommen bist, wirklich bei Euch im Vorderhaus?“—„Nein. Ich kenn“ ihn gar nicht. Ich hab' draußen vor einem Schlachterladen gestanden, und da ist er auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich wohl Hunger hätte und etwas Feines zu essen haben wollte, und dann hat er mich gleich mitgenommen und...“—„Na, sehen Sie“, sagt der Schupo,„der Junge kann gar nichts dafür. Dieser Gauner hat ihn eben auf der straße aufgelesen, und da können wir nichts machen.“ Natürlich steht das halbe Lokal um den Jungen, den schupo und den Geschäftsführer herum. Der Bengel heult jämmerlich.„Lassen Sie ihn doch laufen!“ mahnt ein alter Herr.„Hier, Junge, hast Du fünfzig Pfennig, damit Du Dir morgen etwas zu essen kaufen kannst, ohne einem Zechpreller in die Hände zu fallen, und vielleicht geben die anderen Herrschaften auch etwas.“ Außer dem Geschäftsführer ist alles zufrieden.— Am Abend sitzen einander in einer Wohnung im Norden zwei Bekannte gegenüber: Der Zechpreller und der hungrige Junge. Sagt der Kleine:„Papa, jetzt mag ich aber bald keine Pasteten mehr essen. Das nächste Mal, wenn wir in ein Wirtshaus gehen, bestellst Du mir etwas anderes.“— Schön“, ist der gemütliche Herr einverstanden, und dann zählt er die Tageseinnahme: Achtzehn Mark und 35 Pfennig. Man muß damit zufrieden sein. Der verfolgte Andreas. Geschichte aus dem Walde von Gustav Renker. Das ist eine Geschichte, die man mit einem weinenden und einem lachenden Auge lesen muß, falls sich diese allgemeine Redensart wirklich ausführen laßt. Ich kann es nicht, und auch Andreas Staudacher konnte es nicht. Denn fürs erste konnte er nicht lesen und fürs zweite konnte er weder lachen noch weinen. Zumindest hat ihn nie jemand bei einer dieser beiden Beschäftigungen gesehen. Man sah ihn überhaupt selten. Er war Holzknecht, und diese Art nan Menschen gehört nicht in das Bild einer Stadt oder eines Dorfes. Das war gut für Andreas, denn in der Vielheil einer menschlichen Siedlung hätte er es nicht ausgehalten und wäre längst ins Irrenhaus gewandert. Andreas Staudacher hatte im Kriege einen Kopfschuß erwischt. Und als er nach Narkose und Operation wieder aufwachte, war an ihm nichts verändert. Er war der geblieben, der er gewesen war und wurde es wieder: Holzknecht im Dreitagewald, der den Namen von seiner ungeheuren Ausdehnung hatte. Drei Tage durch den großen Wald und in seiner Mitte stand die Jagdhütte. In dieser durfte der Holzknecht Andreas nicht schlafen. Das ist nun einmal im Leben so eingerichtet, daß Jagdherren und Förster es nicht gerne haben, wenn Holzknechte in ihren Betten ruhen. Aber unter dem Dach der Hütte war ein kleines Gelaß, in diesem schlief Andreas Staudacher. Wie eben Menschen der weltfernsten Einsamkeit schlafen: eine Lage kleiner, dichtbenadelter Fichtenäste ist weicher als Daunenpfühl, wenn man müde ist, ein grobhaariger Kotzen deckt den Körper, und das Kissen ist auch ein Bündel Fichtenäste.„„ 6. Andreas Staudacher scheute die menschenwimmelnoe Taltiefe. Denn er fürchtete sich. Jawohl, Andreas, der das ganze Jahr einsam im wilden Wald lebte, hatte Angst. Nicht vor Gespenstern, sondern vor Menschen. Das war ihm von dem Kopfschuß geblieben: ein beengendes, bedrückendes Gefühl, verfolgt zu werden. 8. H 12d kal.. 64 Wanderer gingen durch den Wald und voren dem stillen, ernsten Holzknecht einen guten Morgen. Und eine Viertelstunde nach den Fremden kam der Förster, der einzige Mensch dem Andreas sein Herz ausschütten konnte und der zum Gluck so klug war, den Mann nicht auszulachen, sondern ihm ernsthaft seinen Irrtum beweisen wollte.— Die Leute, die da vorbeigegangen sind— meine Schmalzbüchse haben sie stehlen wollen. Nicht zu glauben, wie schlecht die Menschen sind!“ „Aber Andreas, was sollten die Städter mit deiner alten schmierigen Schmalzbüchse? Die haben feinere Zungen.“ „'s ist, wie ich sag: Der eine, ein großer Blonder, i## ganz verdächtig auf die Seite gegangen, wo ich mein Zeug liegen hab'. Hätte ich nicht scharf hingelugt, so hätt' er die Büchse gegrapst.“ Daran war nichts zu ändern, der Andreas ließ es sich nicht ausreden. Und was das Schlimmste war: in der grenzenlosen Einsamkeit seines Waldlebens grübelte er über alles nach, was ihm begegnete, zerquälte seinen armen Kopf mit tausend Fragen. Warum ist der Stadtherr so bodenlos schlecht, daß er einem armen Holzer die Schmalzbüchse nehmen will? „Du solltest über Sonntag ins Dorf unter Leute“, meinte der Förster. „Ja, daß mich der Hilscher Max totsticht!“ „Der Hilscher dich totstechen?“ „Ich hab' ihn einmal einen Schafskopf genannt, seitdem denkt er an Rache.“ Und dann wieder, nach einigen Tagen:„Herr Förster, jetzt halt' ich's bald nicht mehr aus. Jetzt kommen sie schon aus dem Dorf herauf zu mir, um mich zu tratzen. Die ganze Nacht keine Ruh'! Wenn ich eingeschlafen bin, kleitern #e au der Hüttenwand empor und zupfen mich an den Haaren.“ „Wer denn, Andreas wer?“ „Die Burschen vom Dorf, die mögen mich nicht, Steine werfen Sie auf das Hüttendach, und auslachen tun sie mich.“ „Ist ein Unsinn, Andreas. Die werden doch nicht den Die Teufelsschlucht etize vor Heinz s. Kumpff= Zeuthen Wetten?— Ihr wollt den alten John Brand mit'ner Wette reinlegen?— Dürfte nicht gelingen, Gentlemen. Seit 50 Jahren nicht mehr gewettet. Habe mir damals geschworen, eas ene ie dis hei. Aschsierade Kascel „Ist eh wahr“, meinte der Andreas, und als er zur Nachtruhe ging, warf er die alten, verdorrten Aeste hinaus und bettete sich weich auf herbduftendem, frisch bereitetem Lager. „Wie gut man schlafen könnte“, seufzte er,„wenn nicht die Burschen wären, die miserabligen Burschen.“ Da waren sie schon wieder. Andreas meinte, ihr Gelicher und Geflüster zu hören, vernahm Prasseln von kleinen Steinen auf das Dach und fühlte durch die Dunkelheit Hände nahen, die ihn am Haar zupfen wollten. Er fuhr auf, schrie in den Wald hinaus, warf wütend seine Hacke aus der Bodenluke in die Finsternis. Nichts rührte sich, nur ein Kauz schrie und auf der nahen Lichtung schreckte ein Bock vor der Menschenstimme. Kalsch 2 Voe aisaen eie alsche— hac eicn Binh mit Ihnen?— Na, meinetwegen. Ich werde erzählen, ist vielleicht'ne Lehre für die, die nicht alle werden. Drüben in Mexiko war's, in San Luis Potoni, tief in der Sierra de Madre drin, scheußliche Gegend, nichts als Steine und Sonne, man vergißt, daß es auf der Welt noch was andres gibt. Hatten damals im Bruch gearbeitet, eine Straße hingelegt. Heute noch, wenn Ihr drüber fahrt, denkt Ihr, es ist’ne Strandavenue. Und’ne Drahtseilbahn hatten wir gebaut, für Lasttransport, wir mußten lachen, wenn sie so genannk wurde. Was war es denn?— Zwei Seile, eins zum Tragen, eins zum Ziehen, ein paar Rollen und die Wagen d’ran, funf Zentner faßten sie, nicht mehr, nicht weniger, lächerliche Kasten, kaum größer als einer, in den man heute hregs legte sich wieder Fichtenäste, lag lange die Briefe, wirft. Ein Wunder, daß die Wagen an den Seilen bnd u. Zetzt wax still seine V#., jetz konnte“" hangen blieben und die Steine schön uber die Schlucht brachten, borch, asfeg„var es still gew.zren,######pnzeger 160 Meter über der Sohle. Teufelsschlucht hieß sie, und das hatte sie verdient, das Schauerlichste, was Ihr Euch vorund horcher. Iro„war es still geworden, schlafen. Er wollte sich etwas zurechtrugken— da geschay das Unerklärliche: nun hielt ihn wirklich jemand am Haar fest. Er wollte sich losreißen, da zog jemand an den Aesten, auf denen er lag.— Ganz still hielt sich der Andreas Staudacher und wagte kaum zu atmen. Nach langer Zeit versuchte er von neuem, den Kopf zu bewegen, und wieder riß ihn eine unsichtbare Kraft an den Haaren nieder, daß ihm die Kopfhaut schmerzte. Was war das? Andreas begann sich zu fürchten, diesmal wirklich zu fürchten. Er hätte jetzt seine tombackene Sackuhr und das Messer mit dem Hirschhorngriff ohne jedes Bedenken dafür gegeben, wenn die Dorfburschen in der Nähe gewesen wären, um ihn zu tratzen. Aber sie waren nicht da, waren nie dagewesen. Das empfand er in diesen Augenblicken, da ihn tatsächlich ein geheimnisvolles Etwas an den Haaren zupfte und festhielt. Er lag die ganze, lange Nacht, ohne sich zu rühren, hinter ihm kauerte das Gespenst und hielt seine Haare fest. Vielleicht wären andere Menschen in dieser Lage verrückt geworden. Andreas, der sich verfolgt, immer verfolgt wähnte, wachte durch diese Nacht, schweißtriefend und Stoßgebete murmelnd, in eine gesunde Wirklichkeit hinüber. Als der Tag durch die Bodenluke leuchtete, guckte sich Andreas vorsichtig um, versuchte den Kopf zu heben, der noch immer festgehalten wurde. Kein Mensch war außer ihm in dem Raum. Und als der erste Sonnenstrahl durch die Dachfugen flimmerte, faßte sich Andreas ein Herz und griff nach rückwärts. Die Hand stieß in die Fichtenäste. Und der größte derselben hatte eine wunde Stelle, aus der Harz troff— an diesem Harzflecken war der Kopf des Andreas festgeklebt gewesen. Hatte sich der Mann bewegt, dann war auch der Ast in die Höhe gezogen worden, so daß Andreas geglaubt hatte, das Lager werde ihm unter dem Körper fortgezogen. Er löste mit großer Mühe das Haar vom Harz. Aber da er ein bedachtsamer Mann war, warf er den Ast nicht kurzerhand fort, sondern besah ihn gründlich. Da war der grauzelbe Harzpatzen, in ihm etliche ausgerissene Haare vom Schädel des Andreas. Und wegen dieses Dinges hatte er sich die ganze Nacht gefürchtet. Auf wie vielen anderen Harzflecken war er noch gelegen, auf Lächerlichkeiten, und hatte gedacht, daß es das Schicksal sei, das ihn festhalte. Am nachsten Sonntag saß Andreas im Dorfwirtshaus unter den Burschen, trank sein Bier und war still, wortkarg wie stets. Aber immerhin: er saß hier. Und der Hilscher Max saß neben ihm und dachte gar nicht ans Totstechen, sondern freute sich. Erzählte von sich und seinem Leben: „Ja, mein Lieber, schwer hat man's, schwer. Ich hab' grad jetzt eine böse Geschichte, einen Grenzstreit, der mich keine Nacht schlafen läßt.“ „Wird ein Harzfleck sein, nur ein Harzfleck“, sagte Andreas ruhig und lächelte. Der Hilscher sah ihn erstaunt von der Seite an und dachte daran, daß der arme Holzknecht seit jenem Kopfschuß spinne. Aber Andreas Staudacher war nie so hell bei Verstand gewesen wie heut. Macht der Gewohnheit. Anekdote von Kurd Jens Schnatz. Es erregte kein besonderes Aufsehen, daß bei einem glanzvollen Maskenfest in den Tuilerien vier kroatische Husaren aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in dem Gewühl der Vermummten auftauchten. Selbst daß sich dieses Kleeblatt in der Körpergröße zum Verwechseln ähnelte, weckte in der allstellen könnt, unten eng wie'n Sarg, oben breit wie’ne Krippe, in der statt Heu Felsblöcke liegen, der kleinste davon macht Pflaumenmus aus Kittys angenehmem Ausschank hier! Von den Gipfeln toste das Wasser, ich sage Euch, das donnerte durch die Schlucht, der schlimmste Passat vom Kap Horn war ein Gesäusel dagegen für unsere Ohren, und es waren alles Jungens, die den Passat kannten und das Kap Horn und alle verdammten Dinge zwischen Greenwich und Yokohama. Ich als Jüngster, ein Greenhorn, hatte's nicht leicht. Was soll ich erzählen, wie sie mich zwiebelten, wie abends mein Strohsack von Termiten wimmelte und morgens meine Stiefel mit Pech ausgeschmiert waren. Und wenn sie auch Kameradschaft hielten auf ihre Art, es wurmte mich doch mächtig, nicht mehr als’ne halbe Unze zu wiegen; ich wartete bloß darauf, es ihnen mal zu zeigen. Also, die Bahn war gebaut, und am Abend vor unserm Abzug wurde gefeiert. Gentlemen, die Zeit war rauh und die Gegend trostlos. aber der Whisky! Dieser hier ist ein Gesundheitstee gegen das Feuer. das wir damals in uns hineingossen. Nach zwei Gläsern hörte ich die Engel im Himmel und nach vieren sämtliche Teufel in der Hölle und meinte nun, den alten Boys auf die Schulter klopfen zu können. Ich redete, daß sie Bauchschmerzen kriegten und sich heimlich überlegten, was ich erst viel später erfuhr, mich gehörig reinzulegen. Zu dem Zweck fingen sie, wie üblich, an zu wetten. Was Ihr Euch denken könnt, war bereits ausgewettet worden. Ein Pik=As zwischen den Fingern herausgeschossen oder im Dunklen’ne brennende Zigarette aus dem Mundwinkel, das zog längst nicht mehr. Deshalb schlug einer ne ganz neue Wette vor: Keiner von uns würde es wagen, in einem Lasttragkorb über die Teufelsschlucht zu fahren. Er setzte drei Pfund dagegen.— Gentlemen, Sie staunen, so ein paar Silberlinge für dieses Risiko, aber was bedeuteten für uns drei Pfund und was ein gebrochener Hals? Um es kurz zu machen, die Wettanmeldungen stiegen wie das Wasser des Guayalejos in der Regenzeit, und wer die Wette am Ende austragen sollte, werdet Ihr leicht erraten: meiner Mutter einziger Sohn, ich! um Nach einer durchzechten Nacht, die alle vorangegangenen Beträchtliches übertraf, standen wir am andern Morgen tiefblau beim letzten Bahnstützpunkt vor der Schlucht, um auf die Plattform zu klettern, über welche die Kasten wegglitten. Die andern, krumm vor Lachen, hatten schon gemerkt, daß mein Gesicht'n bißchen nebelig geworden war, und glaubten, den Spaß bis hier oben hin weit genug getrieben zu haben. Keine Ahnung hatten sie, wie todernst ich die Sache nahm. Um sechs Uhr setzte der Betrieb ein. Nie im Leben vergesse ich den Augenblick, in dem das Zugseil über das Tragseil losrollte, mit einem fatalen Schürfen, und ebensowenig den, wo im Gewirr der Bäume links von uns der erste Kasten auftauchte und langsam herankroch und alle mich gespannt anstarrten. Sie warteten auf ein vernünftiges Wort von mir, damit wir endlich wieder runterkonnten zum Frühtrunk, aber ich hatte bloß den einzigen klaren Gedanken: du mußt da rein! du mußt es ihnen zeigen!— Tja, und dann hing der verflixte Kasten vor mir. Mit den Händen konnte ich seinen Rand packen. Die Stimmung war stockig geworden. Niemand, sprach— tja, Gentlemen, und dann hing ich Idiot auf einmal an dem Kasten, grad, als er von der Plattform herunter wieder ins Leere glitt. Die Kerls schrien und versuchten, mich zurückzuziehen. Zu spät, der Kasten rollte, war nicht aufzuhalten, und in meiner Aufregung hatte ich den richtigen Augenblick, in dem es möglich war, in den Wagen hineinzuklettern, glucklich verpaßt. Bis mir das klar wurde, war ich mindestens um fünfzig Meter schon weitergeglitten, bergan, auf die Schlucht zu, die 160 Meter zum Auffangen bereit hielt, und dann schnellte ich mit einem so heftigen Ruck gegen die Seile oben an wie'n eiserner Lukas auf dem Jahrmarkt, wenn unten'n Bierbrauer drauf haut. Um ein Haar wäre ich gleich abgesackt. Vielleicht wäre es besser gewesen. Ich flog zurück, daß die Gelenke knackten, halb ohnmächtig vor Schreck, denn der Korb war geladen! Angefüllt bis zum Rand mit Sand und Felsstücken. Ich Idiot hatte ja ganz vergessen, daß der Wagen von gestern übrig geblieben war. Durch die Turnübung schwangen die Seile'rauf und runter wie die von kleinen Mädchen, wenn sie Springen üben. Der Wagen legte sich nach meiner Seite stark über. Staub und Steine fegten mir ins Gesicht. Langsam machte ich schlapp. Mit den bleiernen Füßen angelte ich in der Luft herum. Je mehr ich versuchte, wenigstens mit dem Oberbau in den Korb zu kommen, um so mehr neigte er sich zur Seite wie ein alter Schraubendampfer auf der letzten Versicherungsfahrt. Und immer weiter glitt das, unaufhaltsam, schlürfend, ein Seil über das andere, der Schlucht zu. Hinunterzusehen wagte ich gar nicht. An’nem wackeligen Draht 160 Meter über seinem sauber aufgeworfenen Grab zu hängen, daß ist eine ekelhafte Art von Todesstrafe. Gräßliche Erinnerung, Gentlemen, ich muß tatsächlich noch einen Schluck... zu gütig, Colonel, so war's nicht gemeint. Jetzt kam das Schlimmste: Etwa dreiviertel Wegs über die Schlucht hörte die Bewegung plötzlich auf. Das Schürfen verstummte, jaja, war nicht mehr da. Ich hatte mich so schön dran gewöhnt. Diese jähe Stille machte mich fast taub. Es dauerte geraume Zeit, bis ich begriff: Der Korbstand still! Was folgt, ist schnell erzählt. Heute noch wird es mir schwer, über die entsetzlichen Minuten zu sprechen. Zum Wohl! Kitty, meinen Mantel!— Ob es’ne Betriebsstörung war oder was sonst, zum Nachdenken blieb keine Zeit. Angstschweiß ist’ne undelikate Angelegenheit. Daß es auch'ne lebensgefährliche sein kann, erfuhr ich damals. Die Finger wurden glitschig. Sie rutschten. Ich fühlte: Keine Minute länger konnte ich mich hängend halten! Ich mußte nochmals versuchen; in den Korb reinzukommen. Mit letzter Kraft ruckte ich mich hoch, kam tatsächlich mit der Brust bis zum Korbrand... Aber die Muskeln waren zu ausgeleiert. Die rechte Hand glitt ab. Die Finger gehorchten nicht mehr. Krampfhaft hielt ich mich mit der linken, warf die Beine hoch. Das war das Ende! Der Korb kippte, drehte sich wie ’ne Rohrtrommel. Eine Lawine, fünf Zentner Felsgestein, prasselte auf mich. Ich fühlte noch die Haut aufplatzen, das warme Blut. Blitzschnell ging alles. Es war vorbei. Ich stürztg. Danke für Ihre Großzügigkeit, Gentlemen, jetzt geh' ich. Mrs. Brand wartet nicht gern. Sie wundern sich, daß ich heil vor Ihnen stehe, ohne zerschmetterte Glieder? Ja, Sie müssen wissen, ich hatte übernatürliches Glück damals vor 50 Jahren. Ich hatte das unfaßbare Glück, bloß aus meinem Feldbett auf den Boden zu stürzen. Es war alles nur ein Traum. Ich wachte mit einem furchtbaren Durst auf. Es war ein Mordsrausch gewesen. Gute Nacht, Gentlemen! zutauchen. Aber zu beiden Seiten standen sie schon Spalier, und aus der Tiefe schallte ihm ein begeistertes„Es lebe der Kaiser!“ entgegen..,.. Manlt.— En Sahrs „Ich bin ein kroatischer Husar“, wollte er den Schreiern zurufen. Seine Stimme hätte ihn jedoch Lügen gestraft. Er war erkannt. Enttäuscht und erbost verließ er das Palais. Während er mit kurzen Schritten in seinem Arbeitszimmer auf und ab ging, grübelte er darüber nach, wie seine Entdeckung möglich gewesen sein konnte. Freunde?... Ein hellsichtiges Frauenauge?... Oder sollte Achille sich verplappert haben?— Der Kammerdiener hatte seinen Herrn überall vergebens gesucht. Nach seiner Rückkehr mußte er sofort vor Napoleon gemeinen Ausgelassenheit keine Vermutungen, zumal sich das erscheinen. Der Kaiser empfing ihn mit einem durchdringenden Quartett fast nie zusammen zeigte. Sie schienen sich im Gegen Blick. Aber Achille hielt ihn aus.„Majestät, ich kam zu spät“, teil zu meiden. Unbeachtet gab der eine Kroute einem Gladiatoren, der ihn um anderthalb Köpfe überragte, einen Wink, und die beiden suchten eine Saalecke auf, in der sich gerade niemand aufhielt, weil die rauschende Musik die Paare über das spiegelglatte Parkett wirbeln ließ. Der kleine Husar klopfte dem großen römischen Fechter auf die breite Schulter, daß die Gestalt wie elektrisiert sich straffte. Im Flüsterton kamen aus dem Bartgestrüpp des rauhen Kriegers die Worte:„Das hast Du fein ausgedacht, Achille! Heute wird mich bestimmt niemand erkennen.“ „Das glaube ich ebenfalls, Majestät, und ich will es nicht hoffen“, antwortete der Gladiator. „Nicht so steif dastehen, Achille, und keine Verbeugungen machen, sonst verrätst Du mich noch! Du hast doch niemandem das Geheimnis der vier Husaren ausgeplaudert?" Der Kroate drohte dem Römer mit dem Zeigesinger. „Außer mir kennt es kein Mensch, Majestät.“ „Auch meine Doppelgänger nicht?“ „Sie stammen jeder aus einem anderen Regiment, Majestät.“ den sie ging. Er ließ sich in den Sessel neben jenem gleinnegehabt hatte. Der Schauplatz hatte sich so gut wie gar nicht verändert — aber ein neuer Spieler war aufgetreten, jener tadellos gekleidete junge Herr im Klubsessel wenige Meter vor mir. Er schlug mit dem Handschuh in die Luft, wie nach einer Fliege. Jäh schrocken. fuhr, nein, sprang er auf, verdutzt, wogift erDie Treppe herab kam die schwarzgeklei#.: Dame und schritt auf ihn zu. Jetzt trug sie keinen Schleier, ihr noch ganz jungmädchenhaftes Gesicht war von einer durchIhnen dennP Sie müssen doch einsehen, daß ich dier nich bleiben kann.“ Dann trat sie vor einen Wandspiegel und richtete ihren reizenden kleinen Hut. Der erlösende Schuß. Skizze von Hans=Eberhard v. Besser. Baron Puttlitz starrte nachdenklich in die Flammen des Kamines, die seltsames Leben in den hohen, dunklen Raum des alten Herrenhauses brachten. Schwer hing die Regennacht über dem sturmbewegten Park. Es prasselte gegen die Scheiben, trommelte auf Giebel und Simse. Eine üble Nacht. Wie schwer hatten es die Braven, die für Preußen kämpften, den Korsen bezwingen wollten. Krieg in nächster Nähe und— und— Elisa. Wenn man nur nicht kam! Was sollte mit dem Mädchen werden, Elisa, seinem einzigen Kinde? Der Mann sank in sich zusammen, Gram senkte sich mit tiefen Falten in seine sein geschnittenen Züge. Nun war sie achtzehn Jahre alt, und seit sechs Jahren lag sie gelähmt in ihrem Zimmer. Kein Medikus, kein Schäfer# kein Kräuterweiblein, keine Kur, nichts half. Die Glieder versagten den Dienst. Warum strafte man ihn so, ihn und sein unglückliches Kind? Was hatte er getan? Dumpfe Schläge dröhnten in die Gedankene des Schloßherrn. Er fuhr hoch. Da wieder, Stimmengewirr vor der Haustür. Puttlitz eilte mit zitternden Knien hinaus. Man kam! Französische Soldaten? Der alte Diener hatte schon geöffnet, Puttlitz sah beim flackernden Schein einer Kerze Bauern aus dem Dorfe. Sie trugen eine Bahre herein. Ein Offizier lag darauf, ein Preuße, die Haare blutverklebt, die Augen geschlossen. „Wir fanden ihn am Dorfrand, aber kein Pferd dabei. Es ist ein Reiteroffizier, Dragonerleutnant, Herr Baron.“ Sie redeten aufgeregt und abgerissen durcheinander. Puttlitz hob beschwichtigend die Hand.„Es ist gut. Ihr tatet recht, ihn hierher zu bringen. Ich werde für ihn sorgen. Doch Mund halten, Leute! Ihr wißt, es ist Krieg.“ Die Leute drückten sich eilig. Nur einer blieb und faßte gemeinsam mit dem alten Diener die Bahre an. Puttlitz deutete die gewundene Treppe hinauf, der Diener nickte verstehend. „Das letzte Zimmer, ganz hinten, Karl!“ Man bettete den Leutnant sorgsam, der Schloßherr stand gedankenvoll daneben. Er hetrachtete das junge, kühn geschnittene Gesicht, zweifellos ein Meldereiter. Wie kam ein Preuße sonst in die französische Linie?„Wir werden ihn wieder zurecht bringen“, meinte der alte Diener,„ich werde nach Wasser gehen, habe schon manchem geholfen.“ Baron Puttlitz lächelte trübe. Er dachte an Elisa. Sie lag am anderen Ende des Korridors. Sie schlief, die arme Kleine. Der alte Karl konnte die Nacht bei dem Verwundeten zubringen. Man mußte den Offizier abgeschossen haben. Ein Wunder, daß man ihn nicht gefaßt. Morgen konnte man weiter sehen und versuchen, einen Arzt zur Hilfeleistung für den Verwundeten heranzubekommen. Man ließ den Leumant allein. Leise schritt man den Flur hinab. Der Kerzenschein huschte an den Wänden entlang, Draußen wütete die Sturmnacht, und in den Wipfeln braust orgelhaft ein wildherziges Lied. Als sich der letzte Lichtschimmer in der offen gebliebenen Tür verloren hatte, schlug der Offizier die Augen auf. Langsam tastete er sich zum Bewußtsein zurück. Er richtete sich mühsam auf. Alles drehte sich um ihn. Der Schädel brummte. Dunkelheit ringsum. Die Erinnerung fand zu ihm. Er fühlte um sich, fiebernd, erregt. Die Meldung, die Meldung! Verfluchter Kurassier, der ihm den Gaul unter den Beinen weggeschossen, als er aus dem Walde herauskam! Man hatte ihn fangen wollen, ihm nachgesetzt, gefeuert. Aber er war gelaufen; das bißchen Streifschuß hatte ihn nicht gehindert. Doch was nun? Er lag in einem Bett. Gab es denn in der verfluchten Bude kein Licht? Was dröhnte denn dauernd gegen die Scheiben, Gefecht und— die Meldung, ja, er mußte die Meldung an den Russen bringen, er, der Leutnant von Below, den man eigens für den Ritt ausgesucht.„Was tut Er, wenn der Feind ihn erwischt? Was macht Er mit der Meldung?“ „Ich fresse sie auf, Exzellenz!“ Haha, das war eine Antwort für den alten Marschall Blücher gewesen. Die Prankhatte er ihm entgegengestreckt und nun, die Meldung, die Meldung. Below riß den Rock auf, da war der kleine Lederbeutel, da war sie noch. Und der Schädel schien ein Feuerball. war er denn bloß, in welchem verdammten Gewahrsam, finster wie ein Keller? Doch halt! Der Offizier starrte lauernd in das Dunkel. Fieber schüttelte ihn. Leiser Lichtschein glitzerte. Schlich da nicht jemand? Der Leutnant riß sich zusammen. Gedanken jagten ihm durchs schmerzende Hirn. Man hatte ihn gefunden. Man sprudelte er, noch atemlos, heraus. „Wozu?“ wollte Napoleon wissen. „Um die Entdeckung zu verhüten. Majestät standen nämlich eine ganze Weile an der Säule...“ „Was war schon besonderes dabei?“ fiel ihm der Korse in die Rede.....24..— M.Kurag „Majestät durften die rechte Hano nicht in den Waffenroa stecken. Denn dann wußte jeder gleich: Napoleon Empereur.“ Keine fremde Frau. Eine Pantomime von Werner Leist. Ich erzähle Ihnen eine kleine Szene, die ich unlängst belauscht habe,— denken Sie sich hinzu, was Ihnen beliebt.— pa b Ich saß— es war Morgen, richtiger: es ging bereits gegen Mittag— in der Halle irgendeines Hotels irgendeiner großen Stadt, saß in einem Klubsessel, hinter meiner Zeitung. Wenn ich sie etwas sinken ließ, konnte ich die Eingangstür, sichtigen, zerbrechlichen Schönheit; auf ihren Lippen zerrann ahnte, daß er eine Meldung hatte. Irgend ein käuflicher Schuft ein dünnes, hoffnungsloses Lächeln, die Augenlider hielt sie wollte sich einen Judaslohn verdienen. Napoleon besaß Gow. gesenkt. Was die beiden sprachen, konnte ich der Entfernung Der Lichtschein glitt näher und näher— ein schleichender wegen nicht verstehen. Sie saßen, zwischen sich den niedrigen Schritt. Der Offizier riß seine Pistole heraus. Die Meldung, Tisch mit der Messingplatte, und sprachen, oder vielmehr: sie die Meldung! Mit einem Sprung war er aus dem Bett, auf war es, die sprach. Er blickte zu Boden. das man ihn gelegt. Er wankte, doch er taumelte vorwärts. Eine verlassene Geliebte? Warten Sie ab. Das Licht floh. Haha, er wollte den Halunken stellen, und Sie legte ihre Hand auf die seine, er zog sie langsam wenn es ihn das Leben kostete. Er wankte mit keuchendem zurück. Sie führte ihr Taschentuch flüchtig tupfend über das Atem hinterdrein. Kälte und Hitze jagten ihm über den Leib. Gesicht. Nun sprach er. Sie antwortete. Er schüttelte, noch Er hob die Waffe. Ein Schuß schmetterte, ein Krachen, ein immer zu Boden blickend, kaum merklich den Kopf. Sie sprach gellender, das ganze Haus schier erschütternder Schrei! schneller, eindringlicher, leicht vorgeneigt. Er hob die Hand, Im Nu war Baron Puttlitz oben, die Kerze in der Hand, in einer merkwürdig zagen Geste der Abwehr. Während sie. Doch sein Atem versagte fast. Auf der Schwelle zu ihrem ihn von unten herauf ansehend, zu sprechen fortfuhr, wurde Zimmer stand Elisa. Lose fiel das Nachtgewand an ihr nieder, sein Mund schlaff, sein Kinn sank auf seine Brust. Wieder Sie lächelte, angstvoll und unirdisch. Sie ging, sie kam auf ihn griff sie nach seiner Hand; er duldete es. Dann— er atmete zu: nicht mehr gelähmt! Sie öffnete die Arme, und Puttlitz hörbar, es klang wie ein Aechzen— erhoben sie sich, gingen zog sie zitternd an sich. An der Wand aber lehnte Below. Er zur Treppe, gingen hina... Ahnen Sie bereits, was sich nun vollzog? Sie lächeln? Auch ich lächelte in jener Minute. Aber warten Sie ab. Ich sah, durch die Glastür, ein Auto vorfahren, hörte ein krächzendes Hupensignal, der Boy riß die Tür auf, es rschien die schmalhüftige junge Dame von vorhin, die geFamoser Gedanke war das, Achille! Aber wir wollen uns das Bureau und den größten Teil des Raumes überblicken. wieder trennen, damit sogar mein Bruder Jerôme meine Anwesenheit nicht erfährt. Das dort drüben, der Ritter mit dem roten Helmbusch, das scheint er zu sein. Viel Spaß, Achille!“ Napoleon gab seinem Kammerdiener die Hand, und sie gingen nach verschiedenen Richtungen auseinander. Der Kammerdiener machte sich an einen der anderen Husaren heran, um die Spur der Unterredung zu verwischen, was ihm nicht schwer fiel, da sich die Uniformen bis auf den letzten Knopf glichen. Napoleon schlenderte frohgelaunt und planlos durch die Menge, die sich nach jedem Tanz auf den Gängen, zwischen den Tischen und über die Treppen drängte. Es gab ihm eine diebische Freude, einmal nicht der Kaiser, sondern ein vermummter Mensch unter Menschen zu sein. Sein scharfes Auge erkannte auch unter der Verkleidung manchen seiner Generale, Minister und sonstigen Würdenträger. Gern hätte er dem oder jenem ein Scherzwort zugerufen, aber er fürchtete, seine Bekannten dadurch auf sich aufmerksam zu machen. An die Säule einer Loge gelehnt, ließ er den Blick wie einen sonnentrunkenen Schmetterling über die Fülle der bunten Gestalten tanzen, die sich im Takt der Musik fanden und sich trennten.„Sieh einer diesen Schwerenöter an! ist doch der Murat!“ lachte er einmal in sich hinein, als er seinen Reiterführer sich als Pierrot belustigen sah. Wie er noch immer Umschau hielt, bemerkte er, daß einige Köpfe unverwandt nach seiner Loge gerichtet waren. Er drehte sich um, weil er glaubte, der Gegenstand des Interesses könnte hinter ihm zu suchen sein. Niemand war hinter ihm. Er wollte eilig durch die Tischreihen verschwinden. Man machte ihm untertänig Platz, weibliche Masken knicksten. Er versuchte, über Meine Lektüre fesselte mich nicht sonderlich— lieber Himmel, das werden Sie verstehen; aber auch meine Umgebung war in keiner Weise beachtenswert: an der Hoteltür stand ein Boy mit stumpfem Kindergesicht in kleidsamer blauer Uniform mit Goldknöpfen; der Chef de réception am Bureau zupfte an seinem schwarzen Schnurrbart, sofern er sich nicht umwandte, um diskret zu husten, worauf er mir jedesmal einen mißbilligenden Blick zuwarf— ich war der einzige Gast in der Halle und saß mußig, und das pflegt andern peinlich zu ein, wie Sie wissen.„### B. Su. auf M. Dann begann es. Der Boy riß die Tur auf, eine schwarzgekleidete, verschleierte Dame trat ein und ging zum Büro, gleichzeitig kam, lautlos und geschmeidig, eine junge schmalhüftige Frau in hellgrauem Reisekostüm die Treppe herab. Beider Begegnung stockte für den Bruchteil einer Sekunde. Die Ankommende ging zum Büro, mit glattem Lächeln begrüßte sie der Chef de réception, ein irgendwie aufgetauchter Boy nahm ihr das schwarze Lackköfferchen ab, sie erledigte die Formalität der Anmeldung und wurde zum Lift geleitet, ohne daß sie sich nach der anderen umwandte die sich mittlerweile gesetzt hatte, an einen der niedrigen Tische, auf dessen runde Messingplatte sie mit der behandschuhten Linken in gespielter oder echter Nervosität trommelte. Schmollendes Warten auf einen jungen Gatten oder Geliebten? Aha, da war er bereits. Mitte der Zwanzig, blond ein wenig verlebt, gut rasiertes Durchschnittsgesicht, von tadelloser Kleidung und Haltung. Ich spürte, wie er mich im Vorübergehen ansah. Sie blickte erst auf, als er unmittelbar vor ihr stand, sie sprachen, er hob leise die Augenbrauen, sie warf den Kopf seine Lippen wurden schmal, sie zuckte die Achseln und schmeidige, im helgrauen, Peise Hietnistz, sie sprach Freppelizz ihn gepflegz, daß die Melzugg noch in der Preigheprage worden auf den Jungen ein, er sturzte dienstveflissen zur Treppe, va den alten Wiener ins russische Hauptquartier gerrt.„b#den — da drohnten, gedämpft, doch schreahaft deutlich, in kurzer war. Der Baron legte begluckt die Arme um die beiden jungen Abfolge, zwei Schüsse.. G6s. Hr., Stuken auf„ Menschen. Der Be untertänig Platz, weibliche Masken knicksten. Er versuchte, über sie sprachen, er hob leise die Augenbrauen, sie.# die Trevve dinunter zu gelangen, um in die wogende#lut ein Arunk, seine Eipben wutben iummtun, u..—4 die Achseln und zu: nichk 25 sie glenegns un sich. starrte ins Leere, dann brach er lautlos in die Knie.—— Erst nach Wochen, als der Leutnant von Below von schwerem Nervenfieber genesen, auf der Veranda des Schlosses aß, gepflegt und umhegt von Elisa, erfuhr er, was für ein Wunder sich zugetragen, was sein im Fieberwahn auf eine Katze abgegebener Schuß vollbracht. Er erfuhr auch, daß Elise Boy nahm in fliegenver Hast orei Stufen auf einmal, der Chef de réception stolperte ihm mit flatternden Rockschößen nach, im oberen Stockwerk begann ein Gelaufe, ein erschrecktes Geruf und Gekreisch, ein undeutliches, wirres Hin und Her. Die geschmeidige, junge Dame saß derweil und puderte sich, wobei sie in ein niedliches Silberspiegelchen schaute. Am Treppenabsatz erschien der Chef, nicht bleich, sondern dunkelrot, hinter ihm ein heftig gestikulierender Kellner, ein schluchzendes Zimmermädchen. Er stotterte, er war seiner Stimme nicht Herr:„Gnädige Frau—!“ Er wischte mit dem Handrücken über die Stirn, im verstörten Näherkommen: „Ihr Herr Gemahl—— Etwas Entsetzliches!“ Dann hatte er sich gefaßt, den Rest flüsterte er. Ich hatte meine Zeitung sinken lassen, äußerst gespannt. „Oh“, sagte meine junge Dame halblaut,„oh.“ Dann schüttelte sie sich angewidert.„Kann ich telephonieren?“ Der Chef wies auf den sonst sicherlich nicht für Hotelgäste bestimmten Apparat des Büros. Sie nannte eine Nummer, wiederholte sie, der Chef stand hinter ihr, als wolle er sie auffangen. Sie sprach mit lieblich zwitschernder Vogelstimme: „Bibi? Ja? Ja, ich. Denk' dir nur, Eugene hat sich erschossen. Wie gräßlich, wie gräßlich peinlich! Wie? Ja, hier im Hotel, mit einer fremden Frau, nein, mit keiner fremden, ich erzähl' dir nachher. Wie? Du mußt mir helfen. Ja? Ich war schon auf dem Wege zu dir. Nein. Nein. Hotel Exzelsior. Nein, sofort, mich abholen. Nimm ein Auto. Ich warie hier. Ja. 3/9.„„ I, Sicherrigende GacheSie legte den Hörer in die nievertiicenor Gabel. „Schaffen Sie mein Gepäck berunter, aber schnell. Was in Lob des Autofahrens. Es geht ein Ruck durch sämtliche Organe, Wenn sich der Wagen in Bewegung setzt. Der Drang nach vorwärts ist wie eine Fahne, Die keines Wetters Wut so leicht zersetzt. Gepflastert ist der Weg mit Schwierigkeiten, Die lächelnd es zu überwinden gilt. Man scheint fast wie im Traum dahinzugleiten, Und plötzlich springt hervor ein Warnungsschild. Auch liebt sich unvermittelt einzustellen Ein Greis, ein Kind, ein Hase oder Huhn, Wobei in solchen Ueberraschungsfällen Man blitzschnell überlegt, was nun zu tun. Das ständige Bewußtsein der Gefahren Ist Reiz, den man geradezu begehrt. Wer nie dem Tode mit gesträubten Haaren Ins Antlitz sah, kennt nicht des Lebens Wert. Wie schön, wenn die Chausseen sich entrollen Vor unsern Blicken wie ein weißes Band, Auf dem mit einer wahrhaft wundervollen Gelassenheit wir sausen durch das Land! Haus Harbedk. *