„ a s d s a n a f u ut uhp Lpe Sc un u nn uee dgunie ava i u ut chug, uus inn upvu n — K— er plötzlich:„Was meint Ihr wohl, Niekers, mein kleiner Erasmus hat einen Stein, der womöglich noch schöner als der in diesem Buch beschriebene ist. Ueberhaupt hat er einen ganzen Kasten voll. Er nennt die Dinger seine Hämmel und Ziegen.“ „Den Stein muß ich sehen, Jacobs.“ „Wie Ihr wollt.“ Die Besichtigung kam am folgenden Sonntag gustande. „Ich kaufe den Stein“, erklärte Niekerk. Frau Jacobs lachte ihm ins Gesicht:„Geld für einen Kiesel“, meinte sie.„Das wäre noch schöner! Nehmen Sie ihn nur mit!“ „Schön, Frau Jacobs! Wenn es ein Diamant sein sollte, dann erhalten Sie Ihr Teil. Das ist abgemacht.“ Mit diesen Worten steckte der Farmer den Stein in die Tasche. Drei Tage später stellte sich der fliegende Händler Jack O'Reilly auf der Farm Kalke ein. Er reiste nach Colesberg. Ihm vertraute Niekerk den Stein an, mit der Abmachung, daß er ein Drittel des Preises erhalten sollte für den Fall, daß in der Stadt das Juwel an den Rann zu bringen sei. Aber die Zuständigen in Colesberg trauten der Geschichte nicht. Niemand wagte es, sein gutes Geld in diesem seltsamen Funde anzulegen, wenn auch Doktor Atherstone aus Grahamstown erklärte, daß der Stein nach seinem Urteil ein Diamant sei. Das Kleinod wurde ihm anvertraut. Es kam durch seine Vermittlung nach Kapstadt. Der Juwelier Heriette bestätigte des Doktors Urteil. Es handelte sich in der Tat um den ersten südafrikanischen Diamanten. Ein schönes Exemplar von 21 Karat(4 Gramm). Die Dinge nahmen ihren Lauf. Der Gouverneur der Kolonie, Sir Philip Wodehouse, kaufte den Diamanten um 500 Pfund. Frau Jacobs erhielt ihr Teil. Der Stein paradierte 1867 auf der Weltausstellung in Paris. Und doch! Noch trat der erwartete Erfolg nicht ein. Der Diamant geriet in Vergessenheit. Kein Mensch kümmerte sich um den Fund. Nur Niekerk ließ sich locker. Denn ein glänzendes Zukunftsbild baute sich vor ihm auf. uen seinen Nachbarn gab er bekannt, daß er Käufer von schönen Kieseln sei. Nun brachen schlimme Tage für ihn an. Er wurde von den Findern überlaufen. Zehn Monate lang kaufte er. Sein Hab und Gut ging auf die Neige. Frucht und Stoffe, Tabak und Silber wandelten sich in Kiesel um. Denn er durfte seine Lieferanten keineswegs entmutigen, und was in seine Hände fiel, war zum größeren Teile wertloser Tand. Der nächste Nachbar Niekerks hieß DuvenFarm jammerte es eines Der neue Selbstbinder Humoreske von Frederik Lund. Es ist eine im Leben häufig wiederkehrende Erscheinung, daß man gelegentlich ein Geschenk erhält, über dessen Zweckmäßigkeit man sich nicht so ohne weiteres klar ist. Eines Tages aber kommt dann plötzlich die innere Erleuchtung, und von jenem Augenblick an hat man das Empfinden, gerade das Geschenk nicht mehr entbehren zu können. So erging es mir auch kürzlich mit der kleinen Geburtstagsüber; Paschte. seiner uchts. Ein Hottentotte mit seinen vier gen, den ein Gewitter überrascht hatte und vit der Bitte um Unterschlupf k Zieder gerade dabei, seine Schaflassen, als ihn des HottenIhr noch Steine, mit der Bille um unterschlupf kam. Duvenhage wies ihm die Tür. Der Hottenlotte wollte nicht gehen.„Baas!" wimmerte er,„Laß' mich eintreten! Ich schenke dir auch einen schönen Stein.“ „Scher' dich zu Niekerk!“ lautete die Antwort.„Das ist der Narr, der die Steine kauft.“ Der„Narr" war herden ins Freie zu totten Frage traf:„Kauft Herr?* Mit diesen Worten legte er seinen Fund in die Hände des Farmers, und diesmal fiel dem Zähen ein Vermögen in den Schoß. Niekerk erkannte es auf den ersten Blick. Zu dem Neger sagte er kein Wort. Aber den Seinen gab er Befehl, die Herden zusammenzutreiben. Aus diesen wählte er 500 Hämmel, einen Stier, 11 junge Kühe und ein Pferd aus. Dann erst wandte er sich an den Hottentotten. „Rimm das als Lohn!“ rief er ihm zu. Denn der Ziegenhirt hatte ihm den„Stern von Südafrika“ ins Haus gebracht. Der kostbare Stein machte seinen Weg. Er war von seltener Reinheit und herrlicher Form, wog 33¾ Karat und wurde nach Hopetown um 11 200 Pfund Sterling verkauft. Die Karriere dieses Diamanten wurde fabelhaft. Ein Londoner Juwelier erstand ihn um 18000 Pfund und verkaufte ihn für 25000 an den Grafen von Dudley.— Hier hat er den Grundstein der„Südafrikanischen Diamantengesellschaft“ gelegt. Er ist der eigentliche Schöpfer der Stadt Kimberley geworden und wies als erster Cecil Rhodes seinen Weg. zürzlich raschung einer jungen und bildhübschen Kusine, nämlich einem blau und rot gestreiften Selbstbinder. Zunächst betrachtete ich die liebevolle Gabe ein wenig mißtrauisch von allen Seiten, jedoch dann kam die Bemerkung:„Diese Art gestreifter Binder sind für Herren das Modernste, was es gibt, lieber Vetter.“ Das schnitt natürlich von vornherein jeden Einwand ab Außerdem bin ich von jeher Damen gegenüber ein wenig schüchtern, zumal wenn es sich um eine reizvolle kleine Verwandte handelt. Also heuchelte ich unter lebhaften Dankesbeteuerungen aufrichtige Freude und beschloß in stiller Stunde, fortan noch mehr als zuvor den feinen Mann zu spielen. Folgerichtig bewilligte ich mir zu diesem Zwecke zunächst einen neuen zug und ebenfalls braune Schuhe, auch mein langjähriger treuer Begleiter in Gestalt eines taubengrauen Hutes erschien mir erneuerungsbedürftig und mußte einem Nachfolger weichen. Schließlich folgten noch ein paar Handschuhe und ein Stock, kurzum ich sagte mir, daß zu einem wirklich gut gemeinten Geschenk auch der entsprechend würdige äußere Rahmen gehört. So ausgerüstet stand ich also eines Tages wirklich als— wenigstens äußerlich— feiner Mann startbereit vor dem Spiegel, in meinem Brustausschnitt aber prangte der besagte, leuchtend gestreifte Selbstbinder. Zunächst sollte ich nicht viel Freude daran haben! Schon nach kurzer Zeit traf ich einen Bekannten auf der Straße, der wegen seiner spitzen Zunge in unserer ganzen Gegend„berühmt" war. Und richtig! Kaum hatte er mich erkannt, als er auch schon quer über die Straße auf mich zugesteuert kam und sofort mit seiner krähenden Stimme anhub:„Nun, junger Freund, wer ist denn die Glückliche?“ Ich warf ihm einen erstaunten und fragenden Blick zu, aber er fuhr unbekümmert mit boshaftem Augenzwinkern fort:„Nun, daß Sie auf Freiersfüßen wandeln, zeigt doch Ihre sanze Aufmachung. Allein der Selbstbinder!" hne ihn einer Antwort zu würdigen, ging ich weiter. Doch geraume Zeit noch hörte ich hinter meinem Rücken sein meckerndes Lachen, scheinbar aus Freude, wieder einmal ein Opfer für seinen beißenden Spott gefunden zu haben. Aber es folgte noch Schlimmeres. An einer recht belebten Straßenkreuzung rauschte plötzlich eine recht auffällig gekleidete Dame auf mich zu und überschüttete mich sofort mit heftigen Vorwürfen:„Schon eine Viertelstunde warte ich hier auf Sie, mein Herr. Und dann wagen Sie, damit zu rechnen, daß ich Ihnen meine Jugend und mein Herz anvertraue? Auf Sie bin ich denn doch nicht angewiesen, wenn ich mir auch nichts Schöneres denken kann als ein eigenes Heim. Aber wenn Sie jetzt schon unpünktlich sind, wie soll es dann erst später werden?“ Ich unterbrach die heftigen Redefluten der Dame, die man wirklich nur bei sehr optimistischer Aufassung noch als jung zu bezeichnen vermochte und bat sie, mir zu folgen und mich wenigstens in Ruhe anzuhören. Es hatten sich nämlich inzwischen schon einige Neugierige versammelt, die andächtig den Worten der empörten Jungfrau lauschten und augenscheinlich bestrebt waren, sich keins ihrer Worte entgehen zu lassen. Der Sachverhalt klärte sich dann auch richtig so auf, wie ich mir bereits innerlich gedacht hatte: Irgend ein unbekannter Spaßvogel hatte die brave Maid brieflich um ein Stelldichein gebeten, Erkennungszeichen: blau und rot gestreifter Selbstbinder! Trotz des wirklich schönen und milden Frühjahrswetters beschloß ich, nach diesen beiden Erlebnissen meinen Spaziergang aufzugeben, und bestieg die Straßenbahn, um auf dem schnellsten Wege heimzukehren. Jedoch auch hier erblickte ich bekannte Gesichter und verließ an der nächsten Haltestelle fluchtartig den Wagen, ohne an meinem eigentlichen Reiseziel angelangt zu sein; ich legte auf weitere Ueberraschungen wirklich nicht den geringsten Wert. Doch ein widriges Geschick schien mich zu verfolgen. Bereits am nächsten Abend stieß ich in meinem Leibblatt auf zwei Notizen, die nur auf meine Person Bezug haben konnten. Die eine. ein Inserat, hatte immerhin noch harmlosen Anstrich und lautete: „Jener Herr im neuen Anzug(modischer Selbstbinder), der gestern vormittag in der Straßenbahn, Linie 7, fuhr und an der Bismarckstraße ausstieg, wird von gegenübersitzender junger Dame um ein Lebenszeichen ersucht.“ Die andere Nachricht dagegen versetzte mich in höchsten Schrecken. Diese stand nämlich im lokalen Teil und hatte folgenden Wortlaut: „Gestern morgen wurde einem älteren Herrn in der Linie 7 der Straßenbahn aus der inneren Manteltasche eine braunlederne Brieftasche gestohlen. Der Tat dringend verdächtig ist ein etwa 30jähriger Herr, der durch vollkommen neue Bekleidung allgemein auffiel(heller Anzug und modischer Selbstbinder) und die überfüllte Straßenbahn an der Bismarchstraße verließ. Anscheinend handelt es sich um einen gewerbsmäßigen Taschendieb, der sich den Andrang der Sonntagsausflügler zunutze gemacht hat. Nähere Mitteilungen nehmen sämtliche Polizeireviere und die Kriminalpolizei entgegen.“ Es gelang mir natürlich am folgenden Tage, den verhängnisvollen Irrtum aufzuklären und die wohllöbliche Polizei von meiner Harmlosigkeit zu überzeugen, immerhin beschloß ich aber doch jetzt, mich dieses unglückseligen Geschenkes zu entledigen. Verwandte in meinem Alter besitze ich nicht. Mit meinen Freunden, die möglicherweise die gleichen Erfahrungen machen würden, wollte ich es nicht verderben. Mein Hauswirt, dem ich die Krawatte anbot, verzichtete im Hinblick auf sein Alter, das von so neumodischen Dingen nichts wissen wollte. — In Klammer: Er trägt seit seiner Entlassung vom Militär stets ein Hemd ohne Kragen und Schlips, allenfalls Sonntags statt des beinernen ein vergoldetes Kragenknöpfchen. Aber aus meinem Kleiderschrank wollte ich das unglückselige Stück Möbel doch verbannen, um nicht jedes Mal bei seinem Anblick aufs neue in Wut zu geraten. Schließlich kam ich auf eine besondere Idee. ich wollte es dem Zufall überlassen, wer mein Erbe antreten würde Also wickelte ich die Krawatte fein säuberlich in Papier, und nachdem ich mir wieder einen meiner gewohnten unscheinbaren Selbstbinder um den Hals geknüpft hatte, begab ich mich, mit meinem Päckchen in der Tasche, erneut auf die Straße. In einer menschenleeren Gasse ließ ich dann, scheinbar unbemerkt, das corpus delicti fallen. Aber es dauerte nicht lange, dann kam ein junges Mädchen atemlos hinter mir hergelaufen und überreichte mir das soeben verlorene Paketchen, mit dem ich„sicher gerade jemandem eine Geburtstagsfreude hätte machen wollen. Da die Uebergabe mit holdseligem Lächeln und einem zarten Augenaufschlag aus braunen Sternen erfolgte und ich— aber das wissen meine schönen Leserinnen ja bereits. So wagte ich keinen Einwand und nahm das„wiedergefundene" Geschenk aufs neue in Besitz. Fortsetzung— Diskretion Ehrensache! Jedenfalls brachte mich jenes Erlebnis auf einen guten Gedanken, und heute möchte ich das Paket, will sagen die Krawatte, nicht mehr missen; im Gegenteil, ich bin meiner Kusine sogar aus innersten Herzen dankbar für das wirklich zweckmäßige Geschenk. Ich werde an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten, auf welche Idee mich jener Zwischenfall mit der niedlichen jungen Dame gebracht hat, vielleicht haben es meine klugen Leser und Leserinnen auch ohnehin erraten. Aber ich kann mit gutem Gewissen die Versicherung abgeben, daß einem jedes Geschenk, über dessen Wert oder Unwert man sich zunächst vielleicht nicht klar ist, unter Umständen geradezu unentbehrlich werden kann. Vorausgesetzt, allerdings— daß man es richtig zu gebrauchen versteht! Unwiderleglich. (ärgerlich):„Kellner, was haben Sie für ein elendes Zeug gebracht? UnDas ist doch kein echter BohnenGast mir da erhört! kaffee.“ „Aber sicher, wo Sie schon von einem Schluck so aufgeregt sind.“ Ein Warnungszeichen. Junger Bauer(zu einem Kameraden):„Du gehst ja gar nicht mehr mit der Kathi.= Ich hab' gedacht, Du heiratest sie.“ „Wollt ich auch. Aber als ich sie neulich bei ihrer Herrschaft Teppiche klopfen sah, ist mir die Heiratslust vergangen.“ Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlaa: V. A. Santz. Altena. Bareureieür Samee 29 Samstag, den 25. Juli 1931 98. Jahrgang Schicksal Skizze von P. Wild. Hart schrillt der Wecker. Fünfeinhalb Uhr. Aus tiefem Schlaf auffahrend, greift die Frau mechanisch zum Stuhl neben dem Bett, stellt das Läutewerk ab. Tief ausseufzend schließt sie nochmals die Augen. Wie müde sie ist! Und doch ruft der Alltag so, heute, gestern, vorgestern, solange sie sich besinnen kann. Als Vierzehnjährige kam sie in die Fabrik, heute zählt sie zweiundvierzig, und immer ist ihr Leben im Rhythmus der Fabrik gegangen, immer. Daneben hat sie Haushalt, den arbeitslosen Mann und die noch schulpflichtigen Kinder zu versorgen. War sie nochmals eingeschlafen? Scharf horcht sie auf. Grellt nicht irgendwo eine Sirene? Mit einem Satz ist die Frau aus dem Bett, leise, behutsam, um den Mann nicht zu wecken wäscht sich durch's Gesicht, kleidet sich an, hastig, ohne Sorgfalt. Die Zeit drängt. Im Herd muß die Frau Feuer anzünden. Das emüse will geputzt werden, Kaffee gemahlen. Schnell fährt sie mit dem nassen Lappen durch die Wohnküche, dann klappert Geschirr. Hastig streicht sie den Kindern Brote mit dünner Margarine. Der Mann bekommt ein naar Wurstbrote für zehn Uhr. An alles muß sie denken. Mann und Kinder sind aufgestanden. Die Kleinste wird gewaschen, frisiert. Schnell, schnell, die Größeren sorgen längst für sich selbst. Kaum ein Wort fällt. Alle wissen, wie kostbar die Minuten sind. Eine Kirchenglocke schlägt. Höchste Zeit! Die Frau bringt die beiden Jüngsten zum Kindergarten. Es ist ein Umweg, und ihr Mann lacht sie aus.„Die finden allein.“ Aber wie könnte sie in der Fabrik ruhig arbeiten mit der Angst im Herzen, daß den Kindern etwas zugestoßen sei? Hernach muß sie laufen. Atemlos kommt sie bei der Kontrolle an. Eben zur rechten Zeit. Brummend reicht ihr der Pförtner ihre Marke. „Immer auf die letzte Minute, warum so unpünktlich?“— Schichtwechsel. In der großen Halle. Maschinen surren. Glocken schrillen. Hände greifen. Das laufende Band gleitet, ohne Pause, ohne Zögern. Mechanisch stellt die Frau sich an ihren Platz, mechanisch tun ihre Finger denselben Griff. jahraus, jahrein, immer denselben. Ein Hebeldruck. Ermüdend, zermürbend das Gleichmaß der Pflicht. Sind sie nicht alle der Maschine untertan? Und doch ist ihnen die Maschine nichts Totes, sondern ein Lebendiges, dessen stählerner Takt auch in ihrer Arbeit pulst. Was tut die Maschine anderes als sie selbst? Der gewaltige Schwung des Riesenrades ist nicht wichtiger als die gleichmäßige Bewegung ihrer Hand. Alles, was sich hier regt und bewegt, verkettet sich miteinander in wunderbarer Schicksalsgemeinschaft. Das Denken erlischt, wenn das gleitende Band vorbeizieht, in stummem Mahnen. Schnell, schnell! Ohne Pause, ohne Atemholen, ohne Erbarmen. Alles das ist Christine etwas so Selbstverständliches, worüber sie nicht nachdenkt. Wozu auch? Es hätte ja keinen Zweck. Solange sie denken kann, ist ihr Alltag die Fabrik gewesen, mit dem brausenden Gesang der Maschinen und Schwungräder, dem Gehämmer von Eisen und Stahl, die gespenstisch Gigantenwerk tun und bei den Menschen eine Spannung erzeugen. die jeden Nerv erbeben läßt. Was ist heute mit Christine? Schon einmal hat der Vorarbeiter geflucht, weil ihr Griff zu spät kam, derselbe Griff, den sie seit Jahren mit gewohnter Sicherheit und Pünktlichkeit getan. „Bummelei. Alte Weiber können wir nicht gebrauchen.“ Wie ein Schlag trifft es sie. Altwerden? Was bedeutet das für sie? Ob der Mann Recht hat? Unsagbar müde ist sie Nur eine Sehnsucht lebt in ihr:(Einmol aueruhen dürfen ohne die Hetzpeitsche des Werks, der Maschine und Menschen! Gewaltsam reißt sie sich zusammen, schaltet den Willen ein, hart, zäh. Die Hand gehorcht. mit gewohntem Geschick folgt Griff um Griff. Zu Hause. „Frau!“ grinst der Mann breit und sieht anders aus als sonst.„Du sollst nicht mehr in die Fabrik gehen.“ „Nicht mehr in die Fabrik gehen?“ Ein Wundern ist in ihr, Freude und ein anderes, das sie sich nicht erklären kann. Wehmut? „Was ist denn?“ fragt sie kurz, herb, nach ihrer Art. Scheue Verlegenheit ist in ihm. Sie haben immer wenig geredet. Wie schwer ist es, das rechte Wort zu finden! „Was soll's sein?“ stößt er kurz hervor, als gelte es eine gewöhnliche Botschaft.„Ich habe Arbeit bekommen.“ „Mann!“ Ein Schrei gellt.„Ist das wahr?“ „Ja“, nickt er und spinnt sein Garn weiter. „Ich bin Werkmeister geworden. Nun sollst Du es gut haben. Wir mästen ein Schwein, ziehen Gemüse und Kartoffeln und ein paar Blumen." „Ist es wirklich wahr?“ Sie traut dem Glück nicht. Bleich ist sie geworden, und ein seltsames Flackern kommt in ihre Augen. Er nickt. Da wiederholt sie langsam, deutlich, als wolle sie die Worte einprägsam machen:„Ich brauche nicht mehr in die Fabrik zu gehen.“ „Nie mehr!“ Triumph, Genugtuung klingt in der Stimme des Mannes.— sie spricht zu ihr einer Sprache, die sie gewohnt ist, die sie versteht, das Brausen der Maschinen, das Surren der Räder, das Gleichmaß am laufenden Bande. Seltsam unstet ist Christines Hand heute. „Vorwärts!“ schreit der Vorarbeiter.„Soll der Betrieb stocken? Jede Sekunde ist kostbar, na“, drängt er. „Ich kann nicht mehr“, totenblaß lehnt sie gegen einen Eisenpfeiler. „He, Frida, hierher! Nur den Hebel herunter drücken, so...“, zeigt er ihr. Groß, mit starren Augen sieht sie, wie eine andere an ihrer Stelle steht, ihren Griff tut, als habe sie alle Jahre dort gestanden, wie sie selbst. Eine Glocke schrillt. Zwölf Uhr. Schichtwechsel. Mit blassem Gesicht reicht die Frau dem Pförtner zum letzten Mal ihre Marke, wandert aus dem Werk, in die Freiheit, nach der sie sich gesehnt hat. Kein hastendes Tempo bedrängt sie mehr, kein gleitendes Band wartet auf ihren Griff. Ein Wundern ist in ihr. Eine Leere tut sich auf. Dumpf starrt sie vor sich hin. Zu Hause ist alles wie zuvor und doch so anders. Sie hat Zeit, den Haushalt, die Kinder zu besorgen. Keine Sirene schreit mehr für sie. Sonderbar! Als die gewohnten Töne über die Weite schrillen, kommen ihr Tränen. Zum ersten Male hat sie Zeit zum Weinen. „Nanu?“ wundert sich der Mann.„Warum heulst Du?“ „Es ist nur, weil ich das gleitende Band nicht mehr sehe...“ Im Krug zum krummen Eichbaum Skizze von Ernst Löns. Im Krug zum krummen Eichbaum ist frisch angesteckt worden. Vor drei Tagen hatte man das geschlagene Langholz zu Tal gefahren, und da man unbedingt fertig werden wollte, so rollte die letzte Fuhre abwärts, als schon tiefe Dämmerung den Hohlweg schattete. Der Fuhrknecht hatte nicht richtig aufgepaßt und den schweren Wagen zu n Dis Seite gelenkt. Ein sparriger Ast“ des gefällten Waldriesen rammte die krumme Krüppeleiche, die ihre verschnörkelten Zweige am Wegrand zur Erde duckte, und eine klaffende Wunde ward in die Rinde gerissen. Daraus sickerte der Saft in kleinen Tröpfchen, rieselte herab, sammelte sich in Höhlungen und zog eine breite, feuchte Bahn über die rauhe Borke. Die Sonne brannte darauf. der Wind trug Pilzsporen hinzu, Bläschen bildeten sich in der trüben Flüssigkeit und setzten Schaum ab. Die Brauerei ist in vollem Gange. Der süßlich=säuerliche Geruch verbreitet sich und trifft die Riechorgane einer goldgrünen Cäsarfliege, die gerade auf einer Glockenblume ein Sonnenbad nimmt. Vor Freude reibt sie sich die Hinterfüße und stürmt davon.„Freibier! Freibier!“ jubelt sie in hohen Tönen. Das ist eigentlich eine Dummheit von ihr, denn ihre Base, die Waldgoldfliege, die vor einigen Stunden in die Nasenlöcher einer armen Erdkröte ihre Nachkommenschaft absetzte, ist nach dieser erheblichen Anstrengung auf Stärkung erpicht. Gierig stecken die beiden ihre Saugrüssel in den süßherben Trank. Von allen Seiten fliegt es heran. In dichten Scharen kommen die Essigfliegen. Sie haben sich ihrer Meinung nach besonders fein gemacht, prahlen mit ihren rötlichen Brusttüchern, den gelben Hosen und kokettieren mit ihrem goldgebänderten Hinterleib. Recht unmanierliches Volk sind sie. Mitten in das leckere Getränk setzen sie sich, drängen und stoßen, als wären sie allein im Aushank. Jetzt setzt auch schon der Bierverkauf außer dem Hause ein. Geschäftig in nervöser Hast kommen schwarzrote Waldameisen herangekrabbelt. Verächtlich schieben sie das egoistische Fliegengesindel beiseite. Sie können nicht stundenlang in der Kneipe sitzen und den Tag stehlen. Sie haben Pflichten gegenüber der Gesamtheit.„Schnell, schnell. Keine Zeit, keine Zeit!“ ist ihre Devise. Hastig füllen sie die Kröpfe, kehren um, tauschen eilig mit den ihnen begegnenden Stammesgenossen Gruß und Gegenrede und eilen zum hochgetürmten Nestbau, entledigen sich ihres Vorrates und laufen zurück. Schnell, schnell, der Tag ist bald vorbei, der Sommer kurz, der Winter lang und die Nachkommenschaft zahlreich. Für die Zukunft muß gesorgt, Vorrat gesammelt werden. Da hat man keine Zeit für müßige Feiern. Ein großer Schatten fällt auf die zechende Gesellschaft, daß sie erschreckt auseinander stiebt Beruhigt lassen die Zecher sich jedoch wieder nieder, denn der ritterliche Gast, der da in vornehmer Ruhe heranschwebt, ist der ungefährliche Schwalbenschwanz. Zierlich setzt er sich, entrollt langsam seinen Saugrüssel und tunkt ihn behaglich in die gärige Flüssigkeit. Immer neue Gäste stellen sich ein. Wie ein ehrwürdiger Senator erscheint der Trauermantel im schwarzen, mit hellem Pelz verbrämten Samtgewande. Der Admiral protzt mit roten Abzeichen auf samtbraunem Grunde. Das Tagpfauenauge klappt mit den Flügeln und läßt seine Farben spielen. Wie gelbe Blumenblüten taumeln Zitronenfalter herbei, und im blauen Perlmutterglanz schimmern die kleinen Bläulinge. Das ist ein Schweben und Fliegen, Sunmen und Wehen, ein Tanzen und Wiegen, ein Zechen und Schlürfen in froher Lust. Wespen und Hummel summen mit Getöse heran. Die Stimmung wird immer fideler. Eine diche Hornisse beginnt ein keckes Lied zu gröhlen, kommt aber über den ersten Vers nicht hinaus. Der leichte, elegante Flug der Schmetterlinge wird unbeholfen und taumelnd. Einige Schwalbenschwänze und ein großer Fuchs dösen mit benommenem Kopf auf benachbarten Blättern und dem spärlichen Heidehraut. Erheben sich schwerfällig und sinken nach wenigen Flügelsichlagen wieder zu Boden. Eine dicke Hummel hat das heulende Elend und klagt inem schwarzen Lederlaufkäfer ihr Leid, wobei sie fortwährend mit den Hinterbeinen sich den Pelz rauft. Ja, der frische Eichenmost steigt zu Kopf, und nicht jeder kann ihn vertragen. Ein tiefes Brummen erfüllt die Luf:. Klatschend fällt es bei der Krüppeleiche ein. Edler von Lucanus, der ritterliche Hirschkäfer, ist zum Abendtrunk eingetroffen. Eiligst steckt er seine Pinselzunge in den gärenden Saft und schlürft mit tiefem Behagen. Ein neues Gebrumm, ein zweiter Vertreter seines Geschlechts ist angekommen. Wütend dreht er sich um und lauft dem Ankömmling entgeden. Doch der Neue ist auch nicht bange. Er nimmt die Herausforderung an. Die Zonger knirschen, die Füße bratzen an der rauhen Rinde des Baumes. Fest ineinander verbeißen sich die Kämpfer. Da gelingt es dem ersten Hirschkafer, seinen etwas schwächeren Gegner vom Stamm empor zu reißen; einen Augenblick hält er ihn schwebend in der Luft, öffnet dann das Kiefergeweih und läßt ihn in den Abgrund fallen. Der Besiegte bleibt eine Weile liegen, besinnt sich und kraxelt wieder zur Kneipe empor. Inzwischen sind immer mehr Hirschkäfer angekommen, sogar mit ihren Frauen. Es wird gezecht und geschimpft, bis eine regelrechte Mussenkeilerei im Gange ist. Aber nicht um der Liebe Sold wird gekämpft, sondern wenig edel und brutal um den besten Platz an der Kneiptafel. Die Sonne versinkt, der Tag steigt ins Bett. Dunkle Schatten lagern sich zwischen den Sträuchern. Aber noch ist nicht Feierabend in der Kneipe. Allerlei leichtes Volk, Motten, Schwärmer und Eulen kommen aus ihren Schlupfwinkeln herzu. Rote Ordensbänder setzen sich auf die noch immer ergiebige Bierbank. Mit pfeifendem, blitzschnellem Flügelschlag rasselt ein südlicher Gast heran, der unheimliche Totenkopf. und auch das Nachtpfauerauge läßt sich nicht lange nötigen. Durch die warme Sommeracht verlockt, findet sich der Oleanderschwärmer als Fremdling aus dem Süden ein. So geht das Schlemmen und Zechen die ganze Nacht hindurch. Und als die Sonne neu gestärkt erwacht, sieht sie einige dieser Nachtschwärmer da hocken, wie sie mit blödem Blick vor sich hinstieren. Auf einer kleinen Sandblöße am Fuße des Eichenbaumes sitzt der alte Hirschkäferherr in trüber Katerstimmung. Einige schwarze Laufkäfer, echte Gassenjungen, treiben ihren Schabernack mit ihm, laufen ihm den Rücken herauf und schlüpfen zwischen seinen Kieferzangen hindurch, die er stumpsinnig öffnet und schließt. So geht Tag für Tag und Nacht für Nacht das tolle Leben im Krug zum krummen Eichbaum, bis Sonne und Luft dem Leichtsinn ein Ende machen, die Wundränder der Eichenrinde verharschen lassen und so den Betrieb zwangsweise schließen. Vier Stappen Skizze von Hans Morgan. Der Schwarm der Neugierigen hatte sich verlaufen. Langsam verließ Fred Amann an der Seite Rolf Millers den Friedhof. Er war ungewöhnlich ernst, so ernst, wie man ihn sonst gie kannte. Und wie aus einem schweren Gedanken heraus sagte er leise:„Wie oft versündigen wir uns doch an unseren Mitmenschen und wissen es nicht! Und wenn es uns eines Tages zum Bewußtsein kommt, ist es meistens schon zu spät zum Wiedergutmachen.“ Rolf Miller nickte. Fr und seine Stimme klang wie aus einem unwiderstehlichen Muß heraus:„Viermal sind wir ein Stück Wegs zusammen gegangen: Hans Brand, den sie da eben begruben, und ich. Und dreimal habe ich ihm in Neid und Haß Schläge versetzt, unter denen er vielleicht lange zu leiden hatte. Das vierte Mal aber schlug er zu. anders als ich, aus ganz anderem Beweggrunde heraus. Und doch war's ein Schlag, unter dem ich ein Leben lang zu leiden haben werde!" „Ich verstehe Dich nicht.“ „Du erinnerst Dich doch noch, wie wir den armen Brand in der Schule quälten, weil er sich vergaß, bei seiner Armut immer der Erste in der Klasse sein zu wollen. Er war für uns der Streber. Eines Tages wurde er hinausgeworfen, weil er einem Schulkameraden etwas gestohlen hatte.“ A.gugt „Ich weiß: einen silbernen Bieistift.“ „Ja! Er war aber unschuldig. Ich hatte den Diebstahl begangen! Ich haßte ihn, weil er— das arme Luder— klüger war als und weil ihm in den Schoß fiel, wog allen Mühen nicht zwingen konnte. Joy stahl den Bleistift und lenkte den Verdacht auf ihn. Er wußte es und— schwieg, weil er vielleicht damals schon ahnte, daß er nicht gegen mie aufgekommen wäre, wenn es sich um eine Ge: R o i f M i l l e r s a h d e n F r e u n d v o n d e r S e i t e „Sechs Jahre später führte uns das Schicksal wieder zusammen. Er verhehrte in einem Hause, dem er bald ganz als Schwiegersohn angehören sollte. Den Eltern war der unbedeutende Bankangestellte zwar nicht sehr willkommen, aber die Tochter gab vor, ihn zu lieben. Er liebte sie wahrscheinlich jedoch mehr. Wieder meldete sich bei mir der Neid, daß gerade er dies schöne Mädchen an sich ketten sollte. Ich führte einen Kampf gegen ihn Mein Geld war eine Macht, mit der er es nicht aufnehmen konnte. Als ich genügend festen Boden gewonnen zu haben glaubte, führte ich die Schulaffäre ins Feld. Das verhalf mir zum Siege. Sie gab ihm den Laufpaß und verlobte sich mit— mir! Ich sehe heute noch den Blick, mit dem er mich streifte, als er das Haus verließ.“ „Das war auch nicht schön von Dir.“ „Wenn er einen Blick in meine Ehe hätte tun können, wäre ihm die Erkenntnis aufgegangen, daß ich für meinen Streich zur Genüge bestraft wurde. Vier Jahre später trat ich als Teilhaber in ein Bankhaus ein. Bei meinem ersten Rundgang fand ich ihn unter den Angestellten. Aller Haß der Schuljahre flammte wieder in mir auf. Ihn machte ich für meine unglückliche Ehe verantwortlich. Ich will keine Einzelheiten schildern... aber so ist vielleicht noch kein Mensch schikaniert worden wie er von mir. Er arbeitete fleißig und zuverlässig— ich warf ihm Faulheit und Nachlässigkeit vor. Er war bescheiden und zurückhaltend— ich bezichtigte ihn der Anmaßung und Zanksucht. Ich nörgelte an ihm herum, schimpfte ihn vor allen anderen aus, ich machte ihm das Leben zur Hölle... bis er selbst eines Tages kam und um seine Entlassung bat.“ „Da warst Du zufrieden?" „Ja!“ gestand Fred Amann,„Die vierte Episode war sehr kurz. So kurz, daß man sie kaum so nennen kann. Vor einigen Tagen traf ich ihn bei einem Rechtsanwalt wieder als einfachen Schreiber. Er wurde bleich, als er mich sah. Aber er tat, als kenne er mich nicht mehr. Als ich bei dem Anwalt im Privatzimmer war, geschah das Unglück. Neben dem Anwaltsbüro befand sich ein chemisches Laboratorium, in dem eine plötzliche Explosion die Wände zerriß. Ein Brand entstand. Du hast ja davon gelesen. Der Anwalt wurde zwischen zwei stürzenden Balken zerquetscht und war sofort tot. Ich lag halb bewußtlos am Boden und konnte mich nicht erheben, weil meine Arme eingekeilt waren. Da riß jemand die Tür auf. Hans Brand stürzte herein. Alle anderen waren Hals über Kopf geflohen. Er übersah sofort die Lage. Sah mich am Boden liegen. Ich wagte nicht, ihn um Hilfe zu bitten. Der Blick, mit dem er mich anschaute, rief alles in mir wach, was ich ihm getan. Minuten lang stand er vor mir. Um uns herum knisterte und krachte es. Flammen züngelten aus den zerrissenen Wänden hervor. Da beugte er sich herab zu mir, ich sah den Schweiß auf seiner Stirn und den Kampf in seinem Innern... aber er half mir! Er zerrte die Trümmerstücke beiseite. Und als ich mich nicht allein erheben konnte, riß er mich hoch, trug mich zur Tür. Der Ausweg war versperrt. Zum Fenster mit mir. Unten stand die Feuerwehr. Ich sah nichts mehr, wußte nicht, was um mich vorging... fühlte nur plötzlich, daß ich durch die Luft sauste und unten im Sprungtuch landete. Als ich wieder zu mir kam und nach Brand fragte, erfuhr ich, daß jenes Zimmer, Amann fuhr fort, in dem er stand, gerade in dem Augenblick zuFred ummimn Vuezt“2 sammenstürzte, aus er mich hinausfallen ließ. Er wurde unter den Trümmern begraben.“ Die beiden Freunde gingen schweigend die Straße hinab. „Du also warst es, den er rettete“, sagte Rolf Miller nach einer langen Pause. „Ja, ich war's!“ kam es schwer von Freds Lippen.„Und ich werde schwer daran zu tragen haben, schwerer als an dem Bewußtsein des Unrechts, das ich ihm zufügte.“ „Daß er Dich rettete, ist ein Beweis, daß dein Verstehen und Verzeihen größer waren als Deine Schuld.“ „Das ist es ja gerade, was mich so niederdrückt“, sagte Fred Amann leise und gab dem Freunde die Hand. Und schritt allein weiter mit gesenktem Kopf, wie einer, der eine schwere Last auf den Sechalten 8e. Das Glück in der Sardinenbüchse Groteske von Eduard Andoy. Das war eine ernste Zeit für das Haus Barodi. Pinkewetter u. Cc. in Mützelburg an der Traufe warfen billige Sardinen auf den Markt, daß es klirrte. Es waren selbstredend Weißfische, die sie da in Oel löteten. Ganz gefra Fe kle meine, unterarmgroße Weißfische, die nie einen Tropfen Salz geschnuppert hatten. Aber die Preise für Oelsardinen turnten dadurch munter herab. Da kam man nicht mit. Die Fische sind schließlich das Wenigste. Die Kutter, das Blech und die weltbekannte Verpackung, der goldsilberne Kitsch, verschlangen Zentner Peseten. Der Chef des Hauses Barodi kratzte sich das ergraute Kleingehirn, und der Prokurist Angelo Ferrajo spuckte nachdenklich zwischen seine bordeauxroten Halbschuhe.„An der heutigen Börse haben sich die Barodisardinen mieder nicht aufgeheitert“, sagte er dumpf.„Es wäre an der Zeit, etwas zu unternehmen.“ Barteloleo Barodi stöhnte:„Was soll geschehen? Es ist zu Ende, wenn ich mit den Preisen weiter bergab hüpfe. Soll meine Tochter vielleicht das Autopolo aufgeben?" „Uns kann nur großzügige Reklame helsen „Ich opfere 200000 Peseten“, schluckte der Sardinenkönig. „Es ist zu wenig. Pinkewetter u. Co. würden auf der Stelle 800000 geben. Es wäre ein Kampf auf scharf geschliffene Pleiten. Gestatten Sie gütigst, daß ich Ihnen einen anderen Vorschlag unterbreite.“ „Gern“, nickte Barodi,„wenn er nicht mehr als 150000 Peseten kostet.“ „Er soll soviel wie gar nichts kosten“, antwortet schlicht der Prokurist.„Vorerst werden wir die Preise erhöhen.“ Barteloleo Barodi fiel die brennende Zigarte auf die gestreifte Hose.„Aber—.—“ „Unterbrechen Sie mich, bitte, nicht! Zunächst werden wir also die Preise erhöhen. Wir haben jetzt Plakate in allen Städten der Welt, die sehr richtig besagen, daß Barodisardinen wirkliche Fische seien. Aendern wir diesen an sich vorzüglichen Text! Und zwar folgendermaßen:„Tochter des Sardinenkönigs ist die Prämie für Fischesser!'. Und nun die Hauptsache. Wir legen notariell in eine Schachtel der Jahresproduktion einen Zettel, und der Gewinner dieses erhält die Hand Ihrer Tochter..“ „Aber——“ rang Barodi nach Sauerstoff. „Lassen Sie es meine Sorge sein!“ beruhigte ferrajo.„Gönnen wir dem Auslöser zu Rezlamezwecken ein kurzes Glück, dann wird Dottes Tajone die Sache deichseln. Man wird die Ehe anfechten. Dispensionen, Interventionen, Rektifizierungen und Berufungen werden einander die Fersen wundtreten. Sie setzen nicht das Geringste aufs Spiel, und alles wird, wie es vorher war. Ihre Tochter kann dann noch immer eine verwandte Branche ehelichen. Aber der Zweck ist erreicht. Pinkewetter u. Co. ersticken in Weißfischen und Sonnenblumenöl.“ Bald darauf krächzten Plakate in den Weltsprachen, und von den Litfaßsäulen lächelte Senorita Barodi. Das Haus wurde geflaggt: In Gegenwart des Präsidenten der Republik wurde der glückbringende Zettel in Blech verkapselt. Zwei Volksvertreter trugen Reden auf den Röllchen. Es wurde gefilmt, rundgefunkt, und es fanden zwei Stierkämpfe statt. Eine Gleichschrift des Koupons lag auf knallrotem Samt in einer Glasvitrine des Handelsmuseums. Zwei bewaffnete Polizisten wandten kein Auge davon ab.— Das war vorauszusehen. Pinkewetter u. Co. ruderten dem Konkurs entgegen. Barodisardinen wurden mit Schlagsahne und Pellkartoffeln gegessen, und neue Industrien entstanden. Wochenendhäuser aus altem Büchsenblech. Der Koupon wurde nicht eingelöst. Ein Jahr verplätscherte. Senorita Barodi entsagte jedem flirt und harrte täglich frisch gestrichen dem zlück entgegen. Doch es kam so, wie es kommen mußte. Der zweimastige Gaffelschoner„Rosfleesh“ kroch bei flauem Winde von Ponape nach Nauru. Der Matrose Steffen Peters machte„kein Schiff". Das war um drei Uhr am 160. Längengrad. Um halb vier Uhr wurde das Meer marineblau, um 4 Uhr schlitterte ein Taifun heran. Der Matrose Steffen Peters band sich an die Whiskyflasche. Es nützte nicht viel. Die „Rosfleesh“ krachte gegen eine Korallenbank und sackte ab. Zwei Stunden knabberten die Wogen an Steffen Peters, dann spieen sie ihn mit Recht ans Land. Das war ein Riff, auf dem auch Robinson verhungert wäre. Als Steffen Peters erwachte, hatte er eine rote Wut in der Birne wegen des„rein Schiff". Er durchstolperte das Eiland nach allen Regeln der Schiffbruchsliteratur. Es gab nur Steine. So schlurften zwei Tage endlos vorüber. Dann bekam Steffen es mit dem Schluchzen, und er zerbiß sich einen Eckzahn am Korallenkalk. Am dritten Morgen war er schwach vor Unglück und Hunger. Aber um sechs Uhr mittelaustralischer Zeit hüpfte gold=silberner Kitsch über die EaBas ##### 25E 8 8 ASS 5 8 25 TTS.EESSASE BOEURGEOENES. Wellen, und Steffen Pekers warf jauchzend die Arme. Eine Schachtel Barodisardinen, der Abschiedsdes„Rosfleesh“. Eine Stunde arbeitete ffen mit scharfem Stein und blutenden Fintern. Dann öffnete sich kichernd das Blech. der die Schachtel war leer. Nur:. zwischen Blei und Watte eingebettet lag eine Zettel, der folgendes in allen Weltsprachen hüstelte: „Sie Glücklichster der Glücklichen! Segnen Sie diese Stunde und benützen Sie den nächsten Zug nach Lissabon! Sie sind der Eidam des Sardinenkönigs.“ Da stieß Steffen Peters einen quadratmetergroßen Fluch aus, zersetzte das Papier und weinte: Eine Seemöve hackte die Kouponschnitzel aus den Steinen.— Noch heute bangt Klara Barodi dem Glück entgegen. Sie ist nicht jünger geworden. Barodisardinen sind nach wie vor unerschütterlich. Ein Erlebnis Skizze von Zoe Droysen. Sie saß am Waldrand oben am Berge. Vor ihr dehnte sich weit das Land. Die scharf abgegrenzten Flächen der Felder brachten mit ihren verschiedenen Farbtönen Abwechslung in das Grün der Wiesen und Wälder. Kein Laut drang aus dem Tal bis hier herauf. Nur das Rauschen der Bäche, die vom Gebirge nieder rannen, das An= und Abschwellen des Windes in den Wäldern klang durch die Stille. Unter der Sonnenglut knisterte leise das Gras. Die Stille machte den Blick ins Land noch grenzenloser. Sie hüllte die Frau in eine wundervolle Stetigkeit wie in eine Heimat. Nicht weit von ihr, durch dichtes Tannengebüsch gedeckt, saß ein Mann. Er beobachtete sie, seitdem sie sich hier herauf gefunden hatte. Doch war er sorgsam darauf bedacht, sich mit keiner Bewegung an sie zu verraten. Sein verwildertes Aussehen versprach nichts Gutes. Die Frau ahnte nichts von seiner Gegenwart. Sie genoß die vermeintliche Einsamkeit von ganzem Herzen. Und die Freude formte sich ihr zum Liede. Der Vagabund im Gebüsch erhob sich. Die de vorn am Abhang würde es jetzt nicht merken, wenn er sich leise heranschliche. Jeden Busch als Deckung benutzend, kam er der Singenden langsam näher. Das Lied war zu Ende. Noch einmal ließ das Echo die letzten Töne nachklingen. Sie verschwebten wie ein Lächeln. Hoch und weiß stieg eine Wolke über den Horizont. Von der Sonne beschienen, türmte sie sich auf, stieg höher und höher, bis sie frei und leuchtend über der Landschaft schwebte. Die Frau legte sich ins Gras zurück und sah zu, wie die Wolke sich löste und in immer neuer Gestalt wieder zusammenfügte, wie die Luft von Licht und Wärme zitterte. Allmählich wurde die Schauende müde. Sie schloß die Augen. Neben ihr im Grase fingen die Grillen an zu zirpen. War nicht alle Freude des Sommers in diesem Ton beschlossen? Mit einem Lächeln schlief die Frau ein. Als der Gesang abbrach, hatte sich der Strolch wiederum verborgen. Jetzt ließ er alle Vorsicht fahren und trat völlig aus dem Gebüsch hervor. Bald war er nahe hinter der Schlafenden. Die Frau erwachte in jenem Erschrecken, das die Menschen bisweilen anrührt, ohne daß sie wissen, warum es ihnen geschieht. Die Wolke hatte sich breit vor die Sonne gelagert. Das Land lag beschattet. Die Berge standen beinahe droheud im Dunkel ihrer Wälder. Die Frau erhob sich, um zu gehen. Wie sie sich umwandte, sah sie den Landstreicher. Nun stürzte sie vollends in jenes Erschrecken; erbarmungslos schlug es über ihr zusammen. Es trennte sie von allem Wollen und Wünschen ihres Lebens und verlöschte die Zeit. Sie wollte rufen, aber die Stimme versagte ihr. Ohne ein Glied rühren zu können, stand sie Auge in Auge mit dem Strolch. Gab es denn nirgends eine Hilfe?— Nie zuvor war es der Frau zum Bewußtsein gekommen, wie verlassen ein Mensch sein kann. Noch nie hatte sie das Leben geliebt, wie in diesem Augenblick. Schon streckte der Kerl die Hand nach ihr aus. Da klangen Stimmen. Beerensuchende Kinder traten aus dem Walde, der den Berg vom Tal abgrenzte. Im breiten Dialekt der Gegend riefen sie sich. Mit einem Fluch sprang der Mann in die Tannen. Noch ein Knacken der Zweige, dann war er verschwunden— wie ein Spuk. Die Frau sah ihm nach, als erwache sie aus einem bösen Traum.... i6 524### Ungeheures Glück flammte in ihr hoch. Hatte sie jemals schon solche Freude empfunden? Es durchrüttelte sie wie ein Sturm, ließ sie erglühen im seligen Wissen: daß sie lebte, lebte! Sie wollte aufjauchzen, doch die Stimme gehorchte ihr nicht. Zu groß war ihre Erschütterung. So nahm sie stumm, in überströmendem Dank, das Grünen und Blühen rundum ans Herz. Die Sonne hatte die Wolken zerteilt. Wieder lag das Land dem Lichte hingebreitet. Je mehr die Wolke zerrann, wurden auch die Wälder hell. Bald spannte sich der Himmel wieder in ungetrübtem Blau. Wie aus Verzauberung gelöst, fingen die Grillen von neuem zu zirpen an. Die Kinder hatten sich über den Hang verstreut. Ihre Gesichter leuchteten freundlich zwischen den Büschen. Sie sprachen von alierlei Geschehnissen ihres Alltags, jedes Wort war hier oben deutlich zu verstehen. Die Frau hörte ihnen zu, als sprächen sie von Köstlichkeiten, die tiefsten Sinn des Lebens in sich schließen. Und dann wanderte sie hinab ins Tal, zurück zu den Menschen. Das Rauschen der Bäche, die vom Gebirge niedee rannen, war um sie. Das An= und Abschwellen des Windes in den Wäldern begleitete sie. Von neuem eingefügt in den Kreis alles Lebenden, trug sie sich durch den Sommertag. —1•— Fred läßt eine Dame verschwinden Humoreske von Jo Achim. Dies ist die Geschichte, die Fred Birk, einer der bedeutendsten Illusionisten der fünf Erdteile und Neuseelands, der vor höchsten und allerhöchsten Herrschaften seine zauberischen Künste spielen ließ, erzählte. Es möchte Leute geben, die ein Fragezeichen hinter diese Erzählung setzen, aber das ändert nichts daran. daß Fred sie wirklich beim sechsten ManhattanCockkail zum besten gab. Man kann bei Derrick Mills, dem zweiten Offizier der„Eudoxia". nachfragen, ob es nicht dies war, was Fred Birk erzählte: „Das war gleich bei meinem ersten Auftreten in London. Da bringt mir der Portier eine Karte: Lord Newseager, und der Bursche lächelt schurkisch.„Der war noch bei jedem Zauberkünstler“, sagt er,„immer läßt er sich ihre Tricks erklären.“ Und er erzählt ein Stückchen Familiengeschichte der Newseagers. Uraltes Geschlecht und reich wie im Film. Eine Handvoll ausgezeichneter Entdecker und Gelehrter wuchs auf ihrem Stammbaum. Noch der Vater des jetzigen Lords bestieg als erster ein paar Berge— er hat die höchsten Felsen abgeschlagen, sie in seinen Park gestellt und sich Zeit seines Lebens in dem Behagen gesonnt, daß nach ihm keiner mehr den obersten Punkt der Gipfel erreichen würde. Der also war schon ein gut Teil spleenig. Beim Sohn sackte dann der Forschungstrieb und Wissensdrang zu purer Neugierde herab: er kaprizierte sich auf die Enthüllung der Tricks von Zauberkünstlern. In seinem Schloß hatte er drei Säle mit ihren entzauberten Illusionen eingerichtet. Mit drei Worten: ein verrückter Kauz. Na— er tritt also ein, sieht aus wie ein altes Kaninchen und geht ohne lange Palaver auf sein Ziel los. Wie ich das machte, auf offener Bühne mit einem Kasten eine Dame verschwinden lassen? Ich sage ihm, daß nur noch Mano Astri außer mir dieses Stück fertig brächte, daß es unser Geheimnis wäre und wir uns verpflichtet hätten, nichts, aber auch gar nichts darüber zu sagen. „Sehr gut“, entgegnete er,„ich biete ihnen Pfund für dies Beheimnis.“ Ich schüthundert Pfund für dies Gehe tele mit dem Kopf.„200 Pfuno, sagt er. als er bei fünfhundert angekommen ist und ich mich noch immer weigere, macht er mir Zugeständnisse. Ich hätte mich verpflichtet, nichts zu sagen— gut, ich brauche es auch nicht. 500 Pfund für eine Privatvorstellung in seinem Schloß unter der Bedingung, daß seine Tochter diejenige Dame sei, die ich in meinem Kasten verschwinden ließe. Ein Gauner, dieser Lord. Natürlich sollte ihm das Mädchen später alles erzählen. Aber es war tatsächlich so, daß ich mich verpflichtet hatte, nichts zu sagen. Und 500 Pfund sind ein großes Stück Geld— also gemacht! Eine Sondervorstellung und Mabel Newseager als Partnerin. Diese Mabel war das schönste Mädchen, das ich in England sah. Selbst Madgy, mit der ich damals— aber das gehört nicht hierher. Ich fahre an einem schönen Tage zu den Newseagets— fabelhaftes Stück von einem Schloß. Jungens—, stelle meinen Kasten auf. Das alte Kaninchen beguckt sich die Sache von vorn und hinten und läßt mich anfangen. Mabei tritt in den Kasten.„Zwei und drei“, sage ich, und sie ist verschwunden— eine Glanznummer„Ausgezeichnet“, staunt Newseager, dann tastet er den Kasten ab, klopft und horcht und schnüffelt und schnuppert und kann nichts finden.„Wirklich ausgezeichnet", wiederholt er nach einer halben Stunde.„Und nun haben Sie die Güte, Nabel wieder erscheinen zu lassen.“ „Zwei und drei“, rufe ich. Aber wer nicht wieder zum Vorschein kommt, ist Fräulein Mavel. Ich sage drei=, vier=, fünfmal mein Sprüchlein her; der Apparat funktioniert wie noch nie; aber keine Mabel ist darin, und der alte grient.„Na“, höhnt er,„es klapp: wohl nicht?" Teufel, es klappt ganz und gar nicht. Ich probiere eine gute Viertelstunde. Der Alte grient nicht mehr, er hat ein Gesicht, als wollte er im nächsten Augenblick einem Schlaganfall erliegen. Alles umsonst, Mabel ist tatsächlich verschwunden.„Machen Sie keine Sa. chen!“ schreit das Kaninchen.„Geben Sie meine Tochter her!“ Himmel, wie soll ich das; sie ist weg, einfach weg. Der Alte wirft mir Dutzende von Beleidigungen an den Kopf, und ich stehe da wie Lots Weib. Um es kurz zu machen: Nach 24 Stunden müssen sie mich frei lassen— ja, ich war eingesperrt worden, als Betrüger und Mädchenhändler, glaube ich. Ein Telegramm an Lord Newseager war gekommen:„Erbitten telegraphischen Segen zur Vermählung. Mabel und John.“ Was soll ich Euch sagen— dies Mädchen liebte einen Jungen, den es nicht heiraten sollte. Das Kaninchen hatte sie auf Schritt und Tritt bewacht, bis sie aus meinem Kasten endlich entwischen und sich mit John trauen lassen konnte. Ein Teufel von einem Mädchen! Der Alte tobte wie der rasende Roland. Erst als Mabel ihm das Geheimnis des Kastens verriet, hat er sich mit ihr und John ausgesöhnt Mir war er restlos böse, und von den 500 Pfund war nicht länger die Rede. Aber Mabel und John schickten mir einen netten Brief. Vielen Dank und so. Und ein Scheck über 500 Pfund lag bei— ein prächtiges Stück von einem Mädchen!“ Wie gesagt, wir waren bei der sechsten Runde Manhattan=Cocktails, als Fred Birk uns diese Geschichte erzählte. Der„Stern von Südafrika“. Stizze von Ernst Otto Reidhard. Schalk Niekerk, der das Blockhaus seiner Form am Südufer des Oranje geschichtet hatte, und Ludwig, der aus Hopetown kam, saßen am flackernden Kaminfeuer. Schalk Niekerk studierte die Bibel. Zwischen den beiden siel kaum ein Wort. Der Farmer las gerade die Geschichte von dem Weibe aus Samaria, das den Heiland am Brunnen tränkte, als Ludwig ganz unvermittelt begann:„Das ist ein merkwürdiger Schmöker, Niekerk, den ich da in der Schulbibliotheh von Hopetown aufgestöbert habe, eine Beschreibung Brasiliens. In einem Kapitel ist von den Edelsteinen die Rede, und da fällt mir etwas auf!“ „as, Luchuig!“ „Der Schreiber spricht da von Verrätern der Diamanten. Es soll nämlich dort gewisse Kristalle und Kiesel geben, deren Fund auf das Vorhandensein des kostbarsten aller Edelsteine weist.“ „Zeig mal her!“ Schalk Niekerk war sehr aufmerksam geworden. Ludwig reichte ihm das rostfleckige Buch. Dabei deutete er auf eine von ihm markierte Stelle.„Bitte hier!" Der Farmer las.—„Fällt dir nichts auf?“ „Nicht, daß ich wüßte!“ „Aber mir! Mir ist es nämlich gerade so, als ob ich die beschriebenen Kristalle und Kiesel, die Verräter der Diamanten, nicht allzuwett von Hopetown gefunden hätte.“ „Di hast du recht, Ludwig, mir auch!“ Das Gespräch verstummte. Mehr als das Es geriet in Vergessenheit. Ein Jahr später wechselte Ludwig seine Stelle und reiste ab. Aber das Buch blieb auf der Farm. Sein Inhalt ließ Schalk Niekerk keine Ruhe. Sein Studium ersetzte das der Bibel, und der Zufall meinte es gut. Eines Nachmittags erschien der Pächter Jocobs. Er wollte seinen Zins bezahlen und traf Niekerk über dem Buch. „Habt Ihr eine Ahnung, Jacobe, wie man einen Diamanten erkennt?“ „Wie sollte ich, Niekerk?“—„Dann lest er hier!“ zacobs schob die Brille auf die Nase. Es dauerte eine gute Viertelstunde... da sagte