□ Wun aud pgiennng Der schwarze Waldemar Humoreske von J. Madlen Krog. Um gleich irrigen und unangebracht romantischen Vorstellungen vorzubeugen: Der Held dieser Geschichte ist kein schwarzlockiger Geiger, sondern ein Hund. Das heißt, eigentlich stand er aus zwanzig Hunden, einem Ragout aller Rassen, und ein Held war er ganz und gar nicht, wenigstens nicht auf der Straße. Die bedeutete ihm eine feindliche, häßliche Welt, sehr verschieden von der wohlig=warmen Atmosphäre seiner Wohnung, wo er als unbestrittener Tyrann herrschte. Er war der Mittelpunkt, sozusagen der Lebensinhalt von Vater und Mutter Sieber sowie Annemarie. Waldemar pflegte bis Mittag zu schlafen; dafür tobte er bis in die Nacht hinein. Er erfand immer neue Spiele und war dann wirklich drollig, ein ulkiger Clown, frech und pitig„# 2* Martin Zinndrayr war der Zimmerherr. Ihn zu beschreiben, ist unmöglich. Er war weder dick noch dünn, weder häßlich noch schön, so in allem der Durchschnitt, die verkörperte Farblosigkeit. Dem entsprachen sein Leben, seine Anschauungen, sein Geist. Er liebte die Hunde nicht, aber er haßte sie auch nicht. Da war Waldemar positiver: Er konnte Zinndraht nicht leiden, nicht„riechen" sozusagen. Mit kräftigen Lungen und gellender Stimme bellte er ihm Tag für Tag seinen Abscheu ins Gesicht, wenn der Brave aus seiner Bank kam. Das machte die guten Siebers recht stutzig. Gewiß, Zinndraht war ein pünktlicher Zahler; er ging und kam zu regelmäßigen Stunden; seine Moral war völlig einwandfrei; er putzte weder mit den Handtüchern die Stiefel, noch brannte er Löcher in die Steppdecke. Aber irgend etwas konnte bei ihm nicht stimmen, denn— nicht wahr?— so ein Tierchen fühlt doch viel mehr als ein Mensch! Eines Tages kam Zinndrahts lustige, dicke Tante Mutz aus Luckenwalde zu Besuch, wie immer in ihrem alten Kleinauto, das sie mit großem Schneid selbst steuerte. Sie war ein herzensguter Mensch, aber ein Original, lachte schallend. fluchte, trank und rauchte wie ein Mann. Waldemar kam ihr freundlich entgegen geschwänzelt. „Was ist denn das?“ schrie sie lachend.„Ein Seehund? So was Schwarzes, Fettes, Glänzendes! Komm her, Du Komiker, Du Stück Unglück!" Solche Reden klangen unlieblich in den Sieberschen Ohren. Aber Waldemar machte sich nichts daraus. Er war begeistert von Tante Mutz, fand sie prachtvoll! Zinndraht und Annemarie wurden von ihr in eine Revue und dann in ein Nachtlokal geschleppt. Anders tat sie's nicht. Sie amüsierte sich köstlich. Zinndraht hätte zwar selber nie Geld für solche Frivolitäten ausgegeben. Aber da die Tante zahlte, gefiel es ihm. Am seligsten war aber Annemarie, denn sie hatte so etwas noch nie mitgemacht. Daheim wirkte sie reichlich hausbacken. „Ja, unsere Annemie is vom alten Schlag“, pflegte die Mutter stolz zu sagen. Aber jetzt taute die Kleine auf, war fröhlich und unbefangen, wie es ihrer frischen Jugend zukam. Zinndraht mußte auf Befehl der Tante mit tanzen, es war ihm weiter nicht unangenehm. Am nächsten Tage entführte die Tante Annemarie in ihrem Wagen, nahm sie auf ein paar Tage mit nach Luckenwalde. „Das Mädel muß mal'n bissel auslüften, raus aus der muffigen Luft“, meinte sie.— Annemarie war zutunlich und lieb, sie gefiel der Tante sehr. „Herr Zinndraht sieht manchmal so melancholisch aus“, sprach Annemie.„Ob ihn ein heimlicher Kummer drückt?“ „Den drückt nichts als manchmal sein linker Schuh, weil das betreffende Pedal bei ihm von Natur ein bißchen groß geraten ist. Ein kreuzbraver Junge, der Martin, bloß zu sehr Waschlappen. Deshalb kann ihn auch Waldemar nicht leiden.“ Das nächste Mal brachte Tante Mutz in ihrem Auto einen schönen, bequemen Polsterstuhl für Zinndraht mit:„Denn warum soll sich der Mensch geschnitzte Löwen und Blumenkörbe ins Kreuz drücken lassen!“ So waren nämlich die Sieberschen Möbel„verziert“. Und siehe da, Waldemar geruhte nun, diesen herrlichen Sitz zu seinem Siestastuhl zu wählen. Das roch so gut nach Tante Mutz und war so weich! So gewöhnte der Hund sich schließlich auch an Zinndraht. Das war ein Fortschritt, stellte die Tante fest. Und dann kaufte sie sich einen neuen Wagen. Den alten schenkte sie Martin. Es half keine Widerrede. Er mußte fahren lernen. Siebers hatten zu viel Angst, sich Zinndraht anzuvertrauen. Aber Annemarie fand es prachtvoll. Waldemar fuhr als Anstands=!„ wauwau mit. Autofahren machte ihm Spaß.sagen.“ er'kläffte hochmütig alle anderen Hunde aus sicherer Entfernung an. Einmal fuhren sie zum Baden an einen einsamen Strand. Annemarie blühte wie eine Rose, Zinndraht sah braun, männlich und in Annemies Augen unwiderstehlich aus. Sie fanden es herrlich, vergaßen alles um sich, sogar Waldemar. Aber dann bemerkten sie seine Abwesenheit. Annemarie war zu Tode erschrocken:„Um des Himmels Willen, ohne Hund traue ich mich nicht heim. Wenn Sie Waldemar finden, falle ich Ihnen um den Hals!" Da begann Zinndraht sich für die Sache zu interessieren. Aber erst nach längerer Zeit hörten sie ein schwaches Winseln. Sie gingen ihm nach und kamen an einen Steinbruch. Der dicke Waldemar war ofsenbar ausgerutscht und hockte nun kläglich auf einem Gesteinsvorsprung. Der Hund traute sich nicht vor, nicht zurück. Zinndraht war kein Athlet, er zerschund sich die Hände, die Hosen gingen in Fetzen, einmal geriet er gar ins Rutschen. Und erst der Aufstieg mit dem schweren, aufgeregten Hunde! Aber endlich stand Martin oben. Waldemar und Annemarie schluchzten wild durcheinander, Zinndraht wischte sich die Heldenstirn. Annemarie fiel ihm wie versprochen um den Hals, Waldemar bellte, Zinndraht küßte. Die Eltern gaben Segen und Aussteuer, Tante Mutz Segen und Geld; und Herr und Frau Zinndraht haben in ihrer Wohnung einen Polsterstuhl für Waldemar, wenn er auf Besuch kommt. —s•.— „Es muß schlimm um meine Frau stehen, wenn man mich durch Sie benachrichtigt.“ „Es kann sich noch alles zum Guten wenden, Lorenz.“ „Herr Pfarrer, bitte nur das eine: Das Schlimmste ist noch nicht eingetroffen?" „Wenn Sie damit den Tod meinen: nein. Aber das ist nicht das Schlimmste.“ Mehr vermochte der Pfarrer angesichts dieser flackernden Augen nicht anzudeuten und versprach noch, telephonisch genauere Nachrichten einzuholen.— Die Nacht wanderte ruhig über die stille Erde. In der Fronfeste schlief alles, nur der schwere Schritt des Wächters war zu hören, der auf der Schanze seine Runde machte. Lorenz lag mit wachen, brennenden Augen auf seiner Strohmatte. Ringsum atmeten die müden Sträflinge. Er stöhnte leise in tiefer Verzweiflung. Lorette war krank! Vielleicht sehnte sie sich nach ihm. Wie tapfer hatte sie sich während der vier Jahre seiner Haft gehalten! Ihre Briefe strömten Liebe und Sehnsucht aus. Er dachte des Tages, da er sie aus dem Sumpf ihrer freudlosen, schuldlosen Jugend gezogen. Mit unsäglicher Mühe hatte er sie zu einem tüchtigen Menschen gemacht und ihr sein ganzes leidenschaftliches Herz geschenkt. Niemand ahnte, welche Glückseligkeit sie einander gaben. Und dann kam jener entsetzliche Tag, da er sie im trauten Heim vermißt hatte. Sie war wieder in die Verbrecherwelt geraten— seine süße Lorette. Nein, er hätte es nicht ertragen, sie verurteilt und abgestraft zu sehen. Er wußte genau: Nie mehr würde sie sich aus dem Sumpf befreien können, wenn Gefängnismauern sie umschlossen hatten. Wie war sie von Reue und Selbstvorwürfen zerquält gewesen. Damals schwur sie feierlich, ein neues Leben zu beginnen. Er glaubte ihr. In jedem Briefe sagte sie ihm, daß sie später, wenn er frei wäre, nur ihrer Liebe und ehrlicher Arbeit leben wollte. Und jetzt war sie krank— vielleicht schwer krank und einsam. Lorenz lauschte in die Nacht hinaus. Von der Schanze her klangen die gleichmäßigen Schritte des Wächters. Die drei großen Wolfshunde, die ihn begleiteten, jagten wie graue Schatten vorbei. Um zwölf, wenn der Wechsel der Wache stattfand, mußte es geschehen. In hundert Nächten hatte der Gefangene sich die Flucht ausgedacht. Und heute war es so weit... Jetzt, jetzt schien der Augenblick gekommen. Die Schritte draußen verstummten. Lorenz barg das bereits zerrissene, aneinandergeknüpfte Leintuch unter seinen Kittel und schritt hinaus. Kein Mensch kümmerte sich um ihn, denn er genoß stets größere Freiheiten als die anderen. Einen Augenblick stand er draußen auf der Schanze, mit weit atmender Brust. Wie schön die Welt war! Die Fronfeste, einst eine Ritterburg, lag auf einsamer Waldeshöhe, über wasserdurchrauschten Tälern. Der Gefangene beugte sich über die Mauer, die in einen schroffen Felsen überging. Tief, tief unten lief ein schmaler Weg. Das Leintuch würde nicht reichen— das sah Lorenz—, er mußte springen. Doch er war groß und gewandt. Und es galt den Preis des Lebens. Jetzt hörte er von fern das leise Jaulen der Wolfshunde: Die zweite Wache nahte. Ein letzter Blick rundum und hinauf zu den flimmernden Sternen— dann schwang sich die schlanke Gestalt über die Brüstung der Schanze. Am Morgen vermißte man ihn, sah das Leintuch zu einem Strick gedreht— und fand den leblosen Körper. Der Geistliche drückte ihm die Augen zu, in denen eine ernste Frage stand, die in Ewigkeit unbeantwortet bleiben würde. Erschüttert sagte der Direktor:„Gerade jetzt, wo er die Gnade der Freiheit erhalten sollte. Warum hat er nicht gewartet?“— Leise meinte der Geistliche:„Vielleicht ist es gut so. Gott hat ihm das Bitterste erspart: die Erkenntnis, daß er sein Herz und sein Leben einem Phantom geopfert hatte. Er gehörte zu jenen Ausnahmen, die nur in der Vereinigung mit einem einzigen Menschen glücklich sein können und an Enttäuschungen zugrunde gehen. Er hat sie nicht mehr erlebt und ist im Vollbesitz seiner Liebe und Sehnsucht gestorben. Gott wird seiner Seele gnädig sein.“ Lorenz, der Schweigsame Skizze von Hedwig Teichmann. Der Geistliche der Strafanstalt trat in die Kanzlei des Direktors. Er hielt einen Brief in der Hand, und sein Gesicht war ernst und betrübt. Der Direktor rief:„Was gibts? Sie scheinen eine ungünstige Botschaft zu bringen. Und ich habe soeben eine recht befriedigende erhalten. „Betrifft sie Lorenz, den Sträfling?" „Ja. Ein Beamter teilte mir mit, daß Lorenz demnächst das letzte Jahr seiner Stcafe geschenkt erhält und er aus der Haft entlassen wird— wegen seines mustergültigen Betragens. Aber Sie freuen sich ja gar nicht, Herr Pfarrer!“ „Ja, weil diese Freude zu spät für ihn kommt. Dieser Brief, den ein Freund von ihm an mich richtet, enthält Furchtbares. Er bestätigt meine Vermutung, daß Lorenz unschuldig ist. Er nahm damas einfach den Totschlag auf sich und entlastete seine Frau. Hören Sie, was dre Freund schreibt:„Bitte meinen Freund schonend darauf vorzubereiten, daß seine junge Frau abermals entgleiste und bei einem Einbruch schwer verletzt wurde. Sie hat eine dunkle Vergangenheit, aus der Lorenz sie ans Licht zog. Nun ist sie in seiner langen Abwesenheit wieder in schlechte Gesellschaft geraten. Noch lebt sie, aber es handelt sich nur um [Studen“? „So, so“, sagte der Direktor,„das ist ja schrecklich. Und da vermuten Sie, daß—“ „Ja, daß dies eine Wiederholung des ersten Falles ist, wobei die junge Frau, um sich zu retten, den Mann tötete, bei dem man eingebrochen war.“—„Hat Ihnen Lorenz am Ende gestanden?“—„Nein, er spricht ja so wenig. Man gab ihm den Beinamen: Der Schweigsame. Er spricht auch drüben mit seinen Kameraden nichts, und doch haben ihn alle gern. Also ich darf ihm sagen, daß er bald frei werden wird??“ „Nein, keinesfalls. Die Mitteilung ist mir ganz vertraulich gemacht worden. Vielleicht morgen. Bereiten Sie ihn auf ein Erkranken seiner Frau vor! Aber was kann er denn von solch einer Person erwarten?“ „Er liebt sie unbeschreiblich. Vielleicht ist sie ihm das, was dem Künstler sein Werk bedeutet. Vielleicht hat er edle Triebe in ihr entdeckt, die er groß zu ziehen hoffte. Ihre Briefe verrieten bis jetzt immer Wärme und Anhänglichkeit. Wir dürfen, denke ich, in Lorenz nicht den Sträfling sehen, sondern einen Menschen mit all seinen Gefühlen, Kämpfen und Leiden.“ Der Direktor lächelte nachsichtig über das weiche Gemüt des Geistlichen und versprach, den Sträfling gleich zu ihm zu schicken. Zwei Minuten darauf stand Lorenz vor dem Geistlichen: ein großer, schlanker Mensch mit ernsten Augen und kluger Stirn. Gesicht und Haltung verrieten geistigen Reichtum. Als der Pfarrer zu Ende gesprochen hatte, stand Lorenz regungslos mit schwer atmender Brust. Seine Lippen waren weiß, und trocken, als er hervorbrachte:„Barmherziger Himmel, Herr Pfarrer, ist das alles! Verschweigen Sie mir nichts?“ „Vorläufig habe ich Ihnen nichts mehr zu Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Die Stimme der Natur. Jemand hielt um die Hand einer schönen, naiven, sungen Dame an. Und zwar telegraphisch. Mit bezahlter Rückantwort. Sie ging sofort aufs Telegraphenamt und fragte, wieviel Worte sie absenden dürfe. Der Beamte sagte ihr: zehn. Sie telegraphierte: Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja. SSre ureirür Baare Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung 26„ Samstag, den 4. Juli 1931 Kleine Sommerseligkeit Skizze von Dorothea Hollatz. Nachmittags findet vor dem Kreisamt die Abstempelung der neuangemeldeten Autos statt. Juler Guleke hat seinen Gemüsestand gerade gegenüber und ist täglicher Zeuge dieser feierlichen Handlung. Ein Mann mit einer Hornbrille und kupferroten Haaren kommt, mit einem Stempel bewappnet, auf die Straße und bedruckt vorn und hinten die Nummernschilder des Wagens. Und Wagen gibt es! Gulekes Augen werden klein wie Schlitze, und er pfeift dünne Luft aus dem linken Mundwinkel. Und als Gesine zum dritten Male kommt, um Salat zu holen, faßt er sie um die Hüfte und flötet:„Wie wär's?“ Dabei zeigt er einladend auf die funkelnagelneuen Autos. Gesine ist empört:„Nicht doch! Auf offener Straße!" Aber auch sie ist ganz geblendet von dem spiegelnden Lack und strammen Ledersesseln.„Schön wär's“, sagt sie leichthin. Diese Antwort ist schuld, daß Guleke nicht schlafen kann. Er schließt das Fenster, denn der Flieder riecht so verteufelt süßlich. Da wird einem ganz anders zumute. Und er rechnet und zählt: Anzahlung soundsoviel, Rest soundsoviel, Miete, Außenstände... Es wird schon gehen. Es braucht ja auch kein neuer zu sein. Aber schließlich lebt man nur einmal auf der Welt. Am nächsten Morgen will Gesine Spinat haben. Während Guteke wiegt, fragt er so nebenbei, wann sie im Sommer mal acht Tage Zeit hätte.— Acht Tage?“ Gesine schüttelt den Kopf.„Höchstens drei. Vom 1. bis 3. Juli zur Kindtaufe." Juler Guleke macht die Augen wie Suprenteller so groß:„Sieh mal einer an!“— Gesine ist wiederum empört:„Wo denken Sie hin?" Guleke ist erleichtert und entschuldigt sich mit einem langen„Achsooo!“ Er meint:„Die Taufe ließe sich schwänzen, und statt dessen machen wir eine kleine Autofahrt durch Deutschland, was?“ Ist Juler Guleke übergeschnappt? Der und Auto? Sie lacht ihn tatsächlich aus. Aber er rechnet ihr vor, es geht auf. und sie steht beschämt und staunend da.„Na, und?“ fragt er zuletzt. „Es wird sich wohl einrichten lassen", flüstert Gesine mit hochrotem Kopf. Ihr Gang ist federnd, ihre Stiefel scheinen auf Gummi zu rollen, ihre Miene verrät:„Ich gehe nur ausnahmsweise mal zu Fuß, nur so mit Spinat. Im allgemeinen fahre ich Auto mit„ihm“. Am 1. Juli sagt Gesine ihrer Herrschaft Lebewohl: Auf drei Tage zur Kindtafe, und Juler Guleke hängt ein Schild vor seine Bude: Infolge Todesfalls auf drei Tage geschlossen.— Dann ziehen sie los in den strahlenden Sommer. Guleke hat einen kleinen offenen Wagen ergattert, antiquarisch, das genügt vollständig. Die Sitze sind hellgrün überzogen.„Meergrün", himmelt Gesine. Als Kühlerschmuck prangt ein scheußliches kleines Weibsbild.„Eine Göttin", trillert Gesine. Guleke schmunzelt. So wohl ist ihm noch nie gewesen. Jetzt weiß er doch, warum er seit zwölf Jahren sein Gemüse verkauft hat. Unmögliche Gedankengänge dämmern, und er schmettert plötzlich mit Stentorstimme in den strahlenden Sommermorgen: „Denn alle Schuld rächt sich auf Erden!“— „Was?“ fragt Gesine verwirrt. Sie fahren durch den Westerwald, durchs Sauerland, hinauf nach Westfalen und hinüber nach der Elbmündung, herunter über die Wasserkuppe nach dem Hoherodskopf. Aber da knackt es. Das arme ausgemergelte Fahrzeug streikt. Man bedenke: Juler Guleke wiegt weit über zwei Zentner, und Gesine ist auch keine Elfe. Sie sitzen ratlos zwischen Sauerampfer und grünem Klee. Ein Monteur, der absteigt und das Ding untersucht, erklärt roh wie ein Berufsschlächter:„Den Kasten kriegt Ihr im Leben nicht mehr zusammen. Der ist keinen Schuß Pulver wert.“—„Danke für Ihre liebenswürdige Aufklärung“, verbeugt sich Guleke. Gesine ist dem Weinen nahe. „Quatsch!" erklärt Guleke nach kurzem Grübeln.„Wir haben gehabt, was wir haben wollten; nun ists eben vorbei. Man muß sich bescheiden können. Wer einen alten Käse fordert, darf sich nicht wundern, wenn Maden drin sind. Das nennt man Lebensklugheit.“ Bewundernd schaut Gesine zu ihm auf.„Und wie kommen wir zurück?“ regt sich ein zarter Zweifel.—„Mit der Bahn, du Schaf!“ Herrlich, Guleke weiß für alles einen Ausweg. „So“, sagt er,„nun paß auf!“ Mit seinem Taschenmesser zerschneidet er die vier Gummiräder kreuz und quer. Dann kriegt das schuldlose Vehikel noch eins über den Kühler und verschiedene gegen die Flanken.„So!“, Guleke ist befriedigt.„Jetzt weiß ich bestimmt, daß mir nicht plötzlich einer in meiner eigenen Kutsche entgegenkommt. Und nun hak' ein! Zwei Stunden sind's bis zum Bahnhof, und dann nach Haus. Die grüne Kiste bleibt hier. Basta!“ Hinschmelzend hängt sie an seinem Arm. Die Sonne glüht auf die bunte Wiese. Schmetterlinge taumeln. Weiße Wolken ziehen. Selten nur stört die Staubwolke eines Autos. Dann hält sich Guleke die Nase zu und entrüstet sich: „Solch Schwein!“ Auf der letzten Höhe bleiben beide stehen; Juler schnalzt seiner Gesine einen auf und hält den Abschiedsvortrag:„Wer das Vaterland kennen lernen will, muß wandern, hörst du? Nicht rasen, sondern wandern. Sieh den herrlichen Sommer, sieh die Pracht der Blumen, sieh Aecker, Hügel und Täler, die Quellen und die Berge!“. Er berauscht sich an den eigenen Worten.„Hattest du das alles je vorher bemerkt:" nicht mehr zur Verlust würde Gesine denkt: Ja, aber sie sagt:„Nein.“ Guleke flößt das Hochachtung ein. „Laß nur gut sein!“ sagt er.„Wie es kommen soll, so kommt es. Und das ist gut so.“ Sommersel aneinander geschmiegt trotten sie die Landstraße entlang unter einem Nachmittagshimmel von schier unvernünftiger Bläue. —..— Lieselotte wird operiert Skizze von Herbert Schmitt=Carlén. Die große Standuhr in der Halle schlug elf Uhr. Frau Else Wieboldt, die Gattin des reichen Industriellen, klappte das Buch, in dem sie gelesen, zu und erhob sich. Es war Zeit, schlafen zu gehen. Ihr Werner befand sich auf einem Herrenessen und würde sobald nicht nach Hause kommen. Also wozu sollte sie noch länger aufbleiben? Müde durchschritt die junge Frau das Zimmer, um das Buch an seinen Platz in der Bücherei zurückzubringen. Dann öffnete sie die Tür zu dem dahinter liegenden Arbeitszimmer ihres Mannes, um sich gewohnheitsmäßig noch durch einen Blick zu überzeugen, daß dort alles in Ordnung war. Ein Druck auf den neben der Tür befindlichen Schalter, der Raum erstrahlte in hellem Licht, zugleich aber fuhr Frau Else mit einem unterdrückten Schreckensschrei zurück. Im Zimmer befanden sich zwei Mänern mit schwarzen Masken vor dem Gesicht. Der eine eifrig bemüht, den großen Geldschrank in der Ecke zu öffnen; beim Aufflammen der Lichter wandte er nur einen Augenblick den Kopf, wobei zwei unheimlich dunkle Augen die erschrockene Hausherrin anblickten, dann wandte er sich seiner Arbeit wieder zu. Sein Gefährte, eine Pistole schußbereit in der Rechten, legte warnend einen Finger auf den Mund:„Vorsicht, Frau Wieboldt! Keinen überflussigen Laut, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist. Wenn Sie vernünftg sind, geschieht Ihnen nichts. Richten Sie sich danach!“ Frau Else war viel zu erschrocken, um ein Wort hervorbringen zu können. Mit zitternden Knien ließ sie sich auf einem Stuhl neben der Tür nieder und betrachtete ihre ungebetenen Gäste. Der Schwarze hatte bereits die Außentür des Geldschranks geöffnet und schickte sich jetzt an, mit Hilfe sonderbarer Werkzeuge, wie sie dergleichen nie gesehen, das gleiche mit der inneren Tür zu tun. Und wenn ihm das gelang... nicht auszudenken Im Geldschrank lag all ihr kostbarer Schmuch, außerdem, wie sie wußte, zufällig auch ein sehr beträchtlicher Barbetrag, den ihr Mann am Spätnachmittag erhalten und Bank bringen konnte. Der recht empfindlich sein. Fieberhaft dachte die junge Frau nach, wie sie das Verhängnis abwenden könnte, aber kein rettender Gedanke kam ihr. Rufen hatte keinen Zweck. Das Haus lag inmitten eines großen Gartens weitab der Straße; die im zweiten Stock längst schlafenden Dienstboten würden sie schwerlich hören, und zudem sahen die beiden Einbrecher nicht so aus, als ob sie ihr nach dem ersten Hilferuf noch Gelegenheit zu einem zweiten geben würden. In diesem Augenblick schellte das Telephon auf dem Schreibtisch. Die beiden Vermummten schraken zusammen, sahen erst einander, dann Frau Else fragend an. „Es wird mein Mann sein, der mich noch anruft“, meint diese, und ein Hoffnungsfunke leuchtete in ihr auf. Der mit der Pistole näherte sich der noch immer neben der Tür Sitzenden lautlos auf dem weichen Teppich.„Gehen Sie an den Apparat und antworten Sie! Aber vorsichtig, lassen Sie sich nichts merken! So lange wir sicher sind, sind Sie es auch, sonst...“ Und er wies bedeutungsvoll auf die Waffe in seiner Rechten. Wieder schrillte die Klingel. Frau Eise trat zum Schreibtisch, nahm den Hörer ab— wenn es nur Werner wäre! Und schon hörte sie aus dem Schalltrichter seine Stimme:„Guten Abend, Liebling! Nun, bist du noch auf? Sag'. mal, du hast doch nichts dagegen, wenn ich heute nacht hier bei Esselborn bleibe? Wie wollen morgen ganz früh mal durch seine Jagd fahren, und da ist es so am bequemsten, nicht wahr?“ Großer Himmel! Nie hatte die junge Frau ihren Mann so in ihrer Nähe zu haben gewünscht wie in diesem Augenblick, aber sie durfte sich nichts merken lassen. Die drohend auf sie gerichtete Pistolenmündung verstand sicher keinen Spaß. Also sagte sie so ruhig wie möglich:„Gewiß, Werner. Mach' das, was du willst „Aber was ist denn mit dir, Else?“ unterbrach sie die Stimme ihres Mannes.„Deine Stimme klingt ja so eigentümlich. Ist irgend etwas nicht in Ordnung?" Keine Frage hätte Frau Else gelegener kommen können:„Aber nein! Nur hörte ich vorhin, Lieselotte würde heute operiert, zwei Spezialisten beschäftigen sich mit ihr, da bin ich naturgemäß etwas in Sorge... Bist du noch da?“ Doch Herr Wieboldt hatte schon abgehängt. Der Schwarzäugige hatte inzwischen auch die Innentür des Geldschranks geöffnet, dessen Inhalt jetzt vor ihm lag.„So, wir sind gleich fertig,“ wandte er sich an seinen Spießgesellen. „Binde sie und steck' ihr einen Knebel in den Mund, daß sie keine Dummheiten macht, dann wollen wir türmen.“— Als Frau Else aus ihrer Ohnmacht erwachte, traute sie ihren Augen nicht. Das Zimmer war voll uniformierter Beamter. Ein Polizeileutnant löste gerade ihre Fesseln und nahm ihr den Knebel aus dem Munde.„Haben Sie auch keine Schmerzen, gnädige Frau?“ erkundigte er sich besorgt.„Wir sind glücklicherweise infolge des Alarms, den Ihr Gatte uns gab, zur rechten Zeit gekommen, um g: O zwei alte, seit langem gesuchte Bekannte hier zu begrüßen.„Schränkerede' und der„schwarze Willi' sind zwei der tüchtigsten Vertreter ihrer allerdings etwas anrüchigen Kunst. Wie haben die beiden nur so unvorsichtig sein können, Ihnen Gelegenheit zu geben. Ihren Gatten von dem nächtlichen Besuch in seinem Hause zu benachrichtigen!“ „Daran sind die beiden mirblich schuldlos“, meinte Frau Else. die inzwischen ihre Fassung wieder gewonnen hatte.„Denn, wissen Sie. Herr Leutnant, mein Mann und ich haben einmal in übermütiger Stimmung unseren Geldschrank getauft. Das hat sich heute nacht als sehr praktisch erwiesen. Der Schrank heißt nämlich— Lieselotte.“ —— Mir war ein Tag beschieden, Von dem noch Glanz zu sehn. O Frieden, o Abendfrieden! Goldwolken, die ruhend stehn! Farben, die zart verfließen, Wie auf einem Rosenblatt! Ich will den Zauber genießen, Den mein Abendhimmel hat. Frida Schanz. Weltrekord Skizze von Frz. Rebernigg. Die Fülle der Menge im Stadion wirkte im ersten Augenblick verwirrend. Fünfzig. oder sechzigtausend Gesichter sahen auf Herbert nieder. Hunderttausend Hände winkten. Stimmen schrien. Die Musik schmetterte und brach jäh ab. Begeisterung schlug plötzlich aus dem weiten Rund in den Himmel. Herbert begriff, daß sie ihm galt, der Deutschlands Farben gegen das Aufgebot der besten Namen aus aller Welt verteidigen sollte. Herbert trat mit schwerem Herzen an den Start. Er lief noch ein paar Schritte über den grünen Rasen, eine Viertelrunde, dann mit einer scharfen Kehrtwendung zurück. Drüben an der Aschenbahn waren ganze Batterien von Photokameras und Filmapparaten aufgebaut. Es gab ja bereits am Start einen Rekord! Einen Rekord von guten und berühmten Namen. Dann ging es los. Sie standen in der Reihe, Herbert als vierter von innen. Unzählige Linsen knipsten noch. Dann wurde es plötzlich still ringsum. Totenstill. „Achtung— fertig!“— Der Pistolenschuß knallte Und er fühlte bei den ersten Schritten, wie sich sein aufgeregtes Herz beruhigte. Ganz richtig und taktmäßig saßen seine Schritte auf dem harten Boden. Links von ihm liefen zwei Finnen und der Neger. Rechts noch zwei Deutsche, ein Schwede und ein Amerikaner. Noch hingen sie alle zusammen. Es war, als hätten sie sich auf dasselbe Anfangstempo geeinigt. Es blieb die erste halbe Runde über so, die zweite halbe Runde. Dann lockerte sich die Gruppe. Der fliegende Schwede legte als erster los. Seine Schritte wurden weiter, mächtiger— und gleichzeitig mit ihm ging der berühmte Finne vor. Es entstanden Abstände. Erste Runde.— Herbert kontrolliert die Zeit gleichzeitig mit dem Finnen, sie stimmte mit der Berechnung. Weiter. Nun sind schon einige zurückgefallen, die den mörderischen Schritt nicht mehr mitmachen können. Der Schwede und der Finne liegen fast parallel vorn, und unmittelbar hinter ihnen hängen Herbert und der Neger. Aber Herbert weiß, daß die stärkste Kraft hier neben ihm Luft, der Neger, auf den niemand achtet und ir mit spielender Leichtigkeit jede Beschleulgung des Tempos mitmacht. Sie sind in der zweiten Runde. Jetzt liegt der Finne vor dem Schweden, der um einen Meter zurückgefallen ist und sich anscheinend für den Endspurt schont. Noch herrscht atemloses Schweigen über den unendlichen Menschenmassen. Da geschieht es. Wie eine Welle gleitet die Bewegung über alles. Der Neger!. Der Neger geht vor! Herbert wendet nur um ein Geringes den Kopf, und schon sieht er es: Der Neger entfaltet jetzt sein richtiges Tempo. Den schmalen schwarzen Schädel ein wenig vorgeschoben, die Arme eng angezogen, zieht er jetzt schnurgerade vor. Schon ist er neben dem Schweden. Der Finne wendet überrascht den Kopf. Zu spät! Schon liegt der Neger neben ihm— geht weiter vor— unaufhaltsam— wie eine Maschine. Ein Aufschrei fliegt über das Stadion, vieltausendstimmig, die Totenstille zerreißt und weicht einem wilden, ungeheuren Lärm— fünfzigtausend Stimmen rufen, schreien, kreischen. Die Erregung der Fünfzigtausend läßt die Luft erzittern. Der Neger liegt vorn Da fühlt Herbert, wie ein Feuer in ihm hochwächst. Sein Schritt wird schärfer, elastischer Er fühlt, wie er vorwärts kommt— schneller— jetzt ist er auch neben dem Schweden— weiter! Weiter! Jetzt liegt er dicht hinter dem Finnen— weiter! Jetzt läuft er neben ihm— jetzt halb vor— weiter! Herbert fühlt es wie Flammen, die in ihm hoch schießen. Ein nie gekanntes Gefühl. Es ist nicht mehr er, der läuft— es ist ein ganz anderer, neuer. Weiter. Jetzt läuft er dicht hinter dem Neger, der mit phantastischen Schritten vorwärts fliegt— weiter! Und an ihm hängt Herbert, zäh wie eine Klette. Er macht diesen Wahnsinn mit! Diesen ganz und gar unglaublichen Wahnsinn.— Der Himmel weiß, wo die andern sind— weit, weit hinten— hinter der Welt— vorne liegt nur ein Neger, der unerreichbar zu sein scheint. Und ringsherum tobt die Welt, erzittert, bebt vor Lärm und Brüllen und Schreien. Da sind die Fünfzigtausend aufgesprungen. Da rasen sie und winken. Denn da unten steht Schwarz gegen Weiß. Der Neger liegt vorn— und immer noch — immer noch— immer noch— klebt Herbert an ihm. Schon blickt sich der Schwarze nervös und verärgert um. Er verstärkt noch einmal seinen Schritt. Noch schneller.— Und immer noch klebt Herbert. Sein Inneres zerreißt. Vielleicht sind seine Lungen Fetzen. Weiter.— Es geht in das letzte Drittel. Es ist, als ob die Erde unter dem Lärm und Getöse bebt, das die Luft erfüllt. Achthundert Meter noch. Mit jedem Schritt wird die Luft dicker und dicker, die Flamme da innen brennt heißer und schmerzhafter. Aber es ist, als habe der Neger sich noch gar nicht angestrengt. Noch zweimal sieht er zurück und sieht— sieht— immer noch— den weißen Schatten an sich hängen. Noch fünfhundert Meter. Herbert erkennt plötzlich mit weit ausgerissenen Augen die letzte Strecke. Gleich wird der vor ihm spurten und davonjagen. Dann ist es aus! Herbert sieht alles wie durch einen wogenden, brausenden, lärmenden Nebel. der ihm über Gesicht und Augen hängt. Alle Berechnungen sind vergessen. Er schleudert die Stoppuhr fort— irgend etwas reißt in ihm— er wird ganz leicht und frei. Und plötzlich wird sein Schritt schneller. Er zeht vor. Es ist die letzte, tollste, verzweifelte Instrengung, die ihn vorwärts trägt. Das Meter, das ihn von dem Schwarzen trennt, schrumpft plötzlich zusammen. Herbert sieht ein verzerrtes, schwarzes Gesicht neben sich— hört die Schritte des andern, die in sein Hirn hämmern— und er ist vorbei.— Nein.— Noch läuft der andere neben ihm. Auch er setzt zum Spurt an.— Herbert hat die Augen weit offen, aber er sieht gar nichts— er stürzt vor— vor— immer weiter— es war schon ein Stürzen— kein Laufen mehr— der Boden wankt unter ihm wie ein Wellenmeer, über das er vorwärts rast.— Dann wird alles dunkelrot— noch dunkler. Er fühlt plötzlich zwei Arme, die ihn umschlingen und wehrt sich wild dagegen. Seine Füße laufen immer weiter, aber er kommt nicht mehr vom Fleck, denn drei Männer haben ihn umfaßt und halten ihn fest. Da reißt sein Bewußtsein durch wie ein abgeschnittener Faden. Er sinkt kraftlos zusammen, über seinen Mund rieselt ein schmaler Blutfaden. Die beiden Männer haben ihn unter den Armen gestützt und halten ihn aufrecht, und aus dem dröhnenden, brausenden Lärm, der ihn umgibt, schreit eine Stimme wie ein Posaunenchor dicht in sein Ohr: „Sieg! Herbert! Sieg!" Sein Magenüchen Eine Wochenend=Geschichte von Fritz Winkler. „Alles muß Sinn und Zweck haben“, sagte Paul Schnorr und verlegte entschlossen sein Betätigungsfeld in die Großstadt, leider bisher ohne den rechten Erfolg. Aergerlich flanierte er wie alle Tage um die Zeit durch die Bummelstraße, guckte den Mädchen gewohnheitsmäßig dreist unter die Hüte und entdeckte plötzlich unter einem ein allerliebstes rotes Mäulchen, das ihn unternehmungslustig anlachte, drehte sich nach ihm um und prallte dabei mit einem Herrn zusammen, der auf sein höfliches„Verzeihung!“ so etwas wie„Meintswegen!" zurückgeraunzt bekam. Trotzdem aber grinste der zweckbewußte Paul stillvergnügt, faßte seine rechte Hand verstohlen mit der linken und drückte sie herzlich.„Gratuliere, Paulchen“, beglückwünschte er sich,„hast Du fein gemacht. An die Kleine, da mußt Du Dich'ranhalten, die ist Dein Mascottchen!" Der kurze Augenblick des Zusammenstoßes hatte nämlich genügt, die Brieftasche aus der Innentasche des offenen Mantels des Fremden in seine, Paul Schnorrs, wandern zu lassen, Paulchens ganz spezielle Geschicklichkeit. Sein Mascottchen holte er wieder ein, als es gerade an einer Straßenkreuzung den Fahrdamm überschreiten wollte.„Aber nicht doch, Frollein“, hielt er sie zurück,„da runter geht mein Weg; Ihrer doch auch?“—„Ei freilich. gewiß!" Man schlenderte noch ein wenig auf und ab und verabredete sich schließlich für den Nachmittag, um 5 Uhr. Nachdenklich schaukelte Paul Schnorr die Brieftasche auf den Knien. Kein Geld darin, nur Papiere. Direktor Kurt Reimar— hm ... Phönixwerke.— Allerhand!... Auch mit den Papieren mußte sich etwas anfangen lassen, zwar nicht leicht, aber— holla, paß auf, Paulchen! Von jetzt ab bist Du der Direktor Kurt Reimar. Von den Phönixwerken, verstehste? Also... Ganz direktoriale Würde, baute sich Paul Schnorr im nächsten Telephonhäuschen auf. In den Fenster der Autozentral hatte ihm ein prächtiges, leuchtend blaues Kabriolett in die Augen gestochen, das mußte er bis fünf Uhr haben. Heute war Freitag; Mascottchen würde sich für eine kleine, nette Wochenend=Fahrt gewiß nicht undankbar zeigen. Der Wagen war schon gelaufen, hatte also die Zulassung, paßte wieder einmal.—„Hier Direktor Reimar von den Phönixwerken.. Ja, das blaue! Unsinn, heute noch!.. Wie, 8000 Mark? Werden schon einig werden! Um fünf lassen Sie den Wagen zur Probe bei mir vorfahren vor meiner Villa, Rankestraße 141... Um fünf, ja, aber pünktlich, verstanden?“ Es mochte auf vier zu gehen, da hielt Paul eine elegante, leere Privatlimousine an:„Bringen Sie mich doch bitte zur Autozentrale, bloß um die Ecke da. Ich kann nicht gut laufen“. Er wies dabei auf sein in Wahrheit ganz gesundes Bein.„Sie tun mir einen großen Gefallen“... Würdig entstieg Paul eine Minute später dem vornehmen Gefährt, die Angestellten der Autozentrale umdrängten beflissen den hohen Kunden; Paul, kurz zu dem Geschäftsführer hin:„Sie kennen mich?... Wie, was— nicht? Kaum glaublich! Direktor Reimar von den Phönixwerken. Hier ist mein Ausweis! Nehmen Sie nur, Herr. Heutzutage kann man nicht vorsichtig genug sein, ich könnte Ihnen da Dinge aus unserem Großbetriebe erzählen, Dinge—.— So, nun wollen wir mal sehen... Bin Selbstfahrer, brauche nur unter die Haube zu schauen.“ Man wurde schnell miteinander einig, der Geschäftsführer rieb sich die Hände; Paul, schon auf dem Trittbrett:„Zwei Tage also zur Probe. Und ... eh.. wieviel Kaution?.. Keine?— Bei Ihnen ja sicher, natürlich!“ Die Nacht verbrachte der Herr Direktor mit seinem Mascottchen in einer idyllischen Gebirgssommerfrische. Dort fuhr er am andern Morgen, von frischem Unternehmungsgeiste erfüllt, mit seinem imponierenden Wagen beim Postamte vor.„Will mir Geld schicken lassen, telegraphisch. Kann man doch hier, wie?" Die Kontoangabe in den Papieren des Direktors Reimar hatte ihn auf den klugen Gedanken gebracht.„Lasse Ihnen den Paß da, damit sie die Daten durchgeben können, falls die Bank meckern sollte. Komme am Nachmittag wieder. Ach so, wieviel?... Na, nicht viel. Sagen wir mal: 5000 Mark.“ Paulchen ließ den Anlasser jauchzend aufheulen und dachte: Schön ist's in der Welt. Nachmittags holen wir uns den Zaster. Morzen schicken wir das Mascottchen mit bestem ink beim. Dann sausen wir los und ver10 S#g GSSESSNSU *„* P 8 S S 5 * 50 8 S E 2 ### E E SSEgE m SBEESST +ESS S 2 Sap; UEROET a 5 Koppen den Wagen und Lann weiker so... so leben wir... halli— hallo! Vorzüglich klappte das alles, wirklich großartig. Der Postbeamte winkte schon von weitem.„Bitte quittieren, Herr Direktor!“— „So, schön. Na, dann mal her!" Plötzlich kalter Schreck fuhr ihm in die Glieder— legte sich ein eiserner Griff um seinen Arm.„Sie sind verhaftet. Einen Direktor Reimar von den Phönixwerken gibt es nämlich gar nicht, der Paß ist gefälscht, wohl aber einen langgesuchten Hochstapler, der einen Paß auf diesen Namen führt. Und der sind Sie!" Zwar stimmte das nicht ganz, aber was half es? Reingefallen! stöhnte Paul vor sich hin, böse reingefallen! Das Mascottchen im Wagen riß die Augen weit auf, als ihr Kavalier vorbeigeführt wurde, und Paul machte die seinen tief seufzend zu. Der Zweikampf Erzählt von Herbert Grote. Von vornherein sei bemerkt, daß nachstehende Geschichte sich in Kongreßpolen zutrug. Dem Leser werden daher einige barbarische Geschehnisse etwas verständlicher erscheinen. Eines schönen Tages also langte der lettische Ingenieur Purvits mit einer Ladung landwirtschaftlicher Maschinen in Nogarze an. In diesem Zusammenhang war seine Anwesenheit sehr angebracht, denn die braven Leutchen von Nogarze hatten wohl schon einmal etwas von Motorpflügen läuten hören, aber in ihrem Leben noch keinen gesehen. So turnte er denn mit seinen Monteuren auf dem Felde herum und versuchte, die Knechte der beiden unternehmungslustigen Großbauern, Stanislaus Dubrowski und Ignaz Wojciechowski— Gutsbesitzer konnte man sie beinahe nennen—, in die Geheimnisse des Motorpflügens einzuweihen. Unter den Zuschauern befanden sich meistens auch die Töchter der beiden fortschrittlich gesinnten Großbauern, Fräulein Anka Dubrowska und Fräulein Mada Wojciechowska. Da die beiden Damen hohe Polenstiefel zu tragen pflegten, so konnten sie es ohne weiteres wagen, bis an die Knöchel im Acker zu versinken, nur um dem bewunderten Letten möglichst nahe zu sein. Sie waren zwar überzeugt, daß die Lausanner Pensionsvorsteherin, in derem Hause sie sich gemeinsam ein wenig Schliff angeeignet hatten, angesichts eines solchen Gebarens die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben würde:„Meine Damen...“ Da aber die beiden Gestiefelten mehr Wert darauf legten, in der Nähe ihres Helden zu sein, als darauf, für Damen gehalten zu werden, so pürschten sie sich ungeachtet des Lehmbodens so nahe an Purvits Motorpflug heran, wie dies ohne Gefährdung ihres jungen Lebens möglich war. Herrn Purvits konnte diese etwas deutlich zur Schau getragene Bewunderung nicht verborgen bleiben. Begreiflicherweise machte er sich darüber einige Gedanken, und die Folge davon war, daß er eines Tages so ganz unter der Hand Erkundigungen nach den Vermögensverhältnissen der Herren Dudrowski und Wojciechowski anstellte. Die Auskünfte, die ihm gegeben werden konnten, waren durchaus befriedigend. Die beiden galten als die Reichsten im Dorf, und in jedem Falle handelte es sich um die einzige Tochter. So wurde ihm die Wahl recht schwer. Da er überzeugt sein durfte, daß beide in gleicher Liebe zu ihm entbrannt waren, beschloß er, die jungen Damen aufmerksamen Auges zu studieren, um an der einen irgend eine Eigenschaft zu erkennen, die sie vorteilhaft von der anderen unterschied. Natürlich faßte jede der Gestiefelten diese Annäherung als einen untrügerischen Beweis lettischer Verliebtheit auf und fiel Herrn Purvits um den Hals. Leider war Anka, die zuerst Geküßte, Zeugin, als diese interessante Szene sich zwischen kada und Herrn Purvits abspielte. Sie regte sich gewaltig darüber auf, schieuderte Anka die Tatsache, daß sie zuerst die Lippen des Begehrten auf den ihren verspürt hatte, ins Gesicht und verlangte von Herrn Purvits eine klare Entscheidung darüber, welche der beiden jungen Damen er vorzuziehen gedenke. Der Lette konnte in Anbetracht der Störung die gesuchte gute Eigenschaft nicht entdecken und befand sich deshalb jetzt einigermaßen in Verlegenheit. Deshalb meinte er schließlich auf französisch, weil er letztere Sprache der kitzligen Lage angepaßter fand:„Die Entscheidung darüoer, meine Damen, welche von Ihnen mich mit Ihrer Hand glücklich machen wird, überlasse ich Ihnen selbst!“ So oder so Wer töricht ist, wer hochbegabt, Wer's große Los gezogen, Wer barfuß durch das Leben trabt, Wer niemals Glück, nur Pech gehabt— Ein jeder ist betrogen. Im gleichen harten Joche zieht Der Schlechte und der Brave. Es ist das alte, alte Lied: Der Mensch ist seines Unglücks Schmied Und seines Glückes Sklave. Richard Zoozmann. Ma Anka und Mada fanden die Antwort etwas eigenartig. Doch bei genauerer Ueberlegung glaubten beide in Purvits' Worten eine tiefe Verbeugung vor ihrer Schönheit und ihren Vorzügen sehen zu müssen— sie galten dem Letten sicher gleich viel—, und sie waren mit dem Vorschlag einverstanden. Herr Purvits verbeugte sich höflich, erklärte die Damen hätten zur Entscheidung Zeit genug, da er die Aufforderung erhalten habe, seinen Motorpflug eine Woche lang auf den Aeckern des Gutsbesitzers Dzieciolowski im benachbarten Rodwiniczwe zu tummeln, und verabschiedete sich. Bedauerlicherweise konnten die beiden Damen zu keiner friedlichen Einigung kommen. Sie verabredeten zwar, am nächsten Tage mit einem Spiel Karten am Waldrand hinter dem Dorf zusammen zu kommen und um Herrn Purvits' Besitz zu spielen. Zu einer Entscheidung kam er aber nicht, weil sie sich gegenseitig Mogelei vorwarfen. Dann sollte der väterliche Würfeldecher das Urteil sprechen. Aber auch hieraus wurde nichts, denn beide entdeckten, daß die feindlichen Würfel auf einer Seite mit Blei beschwert waren. Keine wunderte sich weiter darüber, immerhin mußte die Entscheidung wiederum verschoben werden. Da aber der Tag, an dem Herr Purvits aus Rodwiniczwe zurückkehren sollte, nahte, und da außerdem die Liebesqual die beiden Mädchenköpfe zur Siedehetze gebracht hatte, so wurde beschlossen, auf jeden Fall eine Entscheidung herbei zu führen. Was taten die Männer in ähnlicher Lage? Sie kämpften um die Begehrte. Warum sollten Mädchen nicht auch zum Zweikampf antreten dürfen? Nachdem eine grundsätzliche Einigung hierüber erzielt worden war, mußte nur noch die Frage gelöst werden:„Welche Waffe nehmen wir?“ Anka brachte ein altes, verrostetes Seitengewehr in Vorschlag, Mada ein Büchse, die ihr Urgroßvater in der Revolution von 1831 getragen hatte. Da aber die Waffen zu ungleich waren, so einigte man sich schließlich auf Beile. Am Morgen des Tages, da Herr Purvits zurückkehren sollte, schritten die beiden Amazonen, zum Letzten entschlossen, in den Wald. Auf einer Lichtung unweit der Straße stellten sie sich auf. Gemeinsam wollten sie drei zählen und dann... Sie sahen sich noch einmal in die Augen, nahmen mit einem Blick vorsichtshalber Abschied von dieser Welt, eine versicherte noch der anderen, sie trage ihr nichts nach, wenn sie unter ihrem Streiche steröe, und dann zählten sie:„Eins, zwei, drei!“ Doch im letzten Augenblick noch wurde der mörderische Zweikampf abgeblasen. Denn auf der Straße ratterte plötzlich ein Motorschlepper heran. Er! Beide sahen auf. Noch einen letzten Blick zu ihm hin! Da aber ließen sie die Waffen sinken. Auf dem Sitz neben Herrn Purvits saß Fräulein Maruschka Dzieciolows= ka, und beide schienen sich recht gut zu unterhalten. Da hieben Anka und Mada in stillschweigendem Einverständnis rasch je einen Prügel von einem Strauch und rasten hinter dem ratternden Schiepper her. Herr Purvits hörte die Rachegöttinnen kommen und gab Vollgas. Doch weibliche Wut erwies sich als besserer Triebstoff denn Benzin, und... Wir wollen lieber schweigen, denn die sionsvorsteherin aus Lausanne würde in macht fallen, erführe sie das Benehmen edlen polnischen Zöglinge Anka und Mada. Es genügt wohl, wenn gesagt wird, daß Herr Purvits schleunigst und sogar unter Verzicht auf Fräulein Dzieciolowska in die lettische Heimat zurückkehrte. Von den so gerühmten. feurigen Polinnen hatte er zeit seines Le genug. PenOhnihrer rebens Fiesta de Toros Skizze von A. Steininger=Graz Don Miquel läßt prüfend den Stahl des Dezens in seinen Händen spielen. Ueber die sich diegende Klinge hinweg späht er nach dem jun. gen Weib des Waffenschmiedes, das sich neugierig über das Treppengeländer beugt, um den berühmten Torero zu sehen. Meister Pedro merkt es nicht, so eifrig lobt er seine Ware.„Eine gute Klinge. Don Miguel! Ihr findet in ganz Madrio keine bessere.“ Der andere hört nur mit halbem Ohr auf ihn. Verstohlen blinzelt er der Frau zu, die in ihrer blühenden Schönheit zu dem plumpen Schmied wie eine Rose zum Kürbis paßt. Er gibt sich den Anschein, als wollte er sich den Kauf überlegen.„Ich komme morgen wieder“, sagte er. Das Wort ist auch für die Frau bestimmt. Und er kommt öfter, als es Pedro lieb ist Aber er bringt Arbeit und zahlt gut. Einmal übereicht er Donna Juanna eine Rose, die er wie aus Zufall tändelnd in der Hand trägt. Meister Pedro schmeichelt es, daß er die Schönheit seiner Frau ehrt. Trotzdem herrscht er sie, nachdem Miquel fort ist, zornig an:„Was machst Du Dir lumer in der Werkstatt zu schaffen, wenn der Torero da ist? Geh in Deine Kammer!"—Mitten in der Nacht wird Meister Pedro vom Spiel einer Mandoline geweckt. Der Mondschein liegt breit auf Donna Juannas Bett. Es ist leer. Doch drüben am Fenster lehnt sie und flüstert mit jemand, der auf der Straße ist. Leise steht Pedro auf. „Heh! Was tust Du da?“ Mit derbem Grift schiebt er sie zur Seite und sieht gerade noch, wie sich ein Mann im Schatten der Häuserwand birgt. Am nächsten Morgen bringt ein Maultiertreiber die Nachricht, daß Gevatter José im Sterben liegt. Es ist fünf Stunden bis in Pedros Heimatdorf; doch da er hinkommt, findet er den Kranken gesund und wohlauf wie einen Fisch im Wasser. Der Meister ahnt, wer ihm den Schabernack gespielt hat. Ein Pferd mietet er; reitet es fast zu Schanden. So leise er auch auftritt, die Stiege hat geknarrt. Rasch öffnet er die Tür. Der Torero in seiner grünsamtenen, goldgestickten Tracht lehnt scheinbar unbefangen am Tisch. Beim Spiegel an der Wand aber steht das Weib und richtet sich hastig das Haar. Die Angst im Gesicht der Frau verrät alles. Unschlüssig und verwirrt steht der Schmied. Er kann die Wahrheit nicht fassen. Don Miguel merkt es. „Euch habe ich erwartet", begrüßt er ihn frech.„Der neue Degen liegt mir nicht in der Hand. Ihr müßt den Griff ändern. Aber heute noch! Morgen zur Corrida brauche ich ihn.“ Pedro ist, als müßte er ihm an die Gurgel springen. Höhnt der Torero ihn oder hält er ihn für so dumm? Mühsam beherrscht der Meister sich und sinnt auf bessere Rache. Ich will Euch ein Stichblatt machen, so wie Ihr's gewohnt seid, und den Degen morgen in die Arena bringen“, sagt er ganz ruhig, als wäre nichts geschehen. „Tut das!“ Don Miquel klopft ihm zufrieden auf die Schulter.—— —— Fiesta de Toros. Auf den stufenförmigen Bankreihen sitzt halb Madrid, die Frauen fast regungslos vor Spannung mit leuchtenden Augen und erhitzten Gesichtern, die Männer mit lebhaften Gebärden und lauten Zurufen die Toreros anspornend. Der Stier, durch die Lanzenstiche der Pieadores gereizt, hat einen Klepper gespießt und mit wuchtiger Bewegung des Nackens Roß und Reiter zur Seite geschleudert. Ein Beifallsgebrause geht durch die Menge. Nur Pedro rührt keinen Finger. „Warum klatschst Du nicht?“ stößt Donna Juanna ihn an. Er zuckt nur die Achsel. „Später, wenn Don Miquel kommt!“ sagt er. Sein Ton hat etwas Lauerndes. Der Kampf geht zu Ende. Don Miquel reizt mit dem roten Tuch der Muleta den Stier Mit gesenkten Hörnern führt das Tier immer wieder neue Stöße nach dem tollkühnen Espada, der geschickt ausweicht. Jetzt hebt er den Degen und stößt ihn über die Hörner hinweg dem anrennenden Bullen in den Leib. Doch die Klinge, statt sich tief in das Fleisch zu bohren, bricht unter dem Anprall wie sprödes Glas. Zwei Hörner bohren sich in die Brust des Toreros, schleudern den Körper hoch, stoßen nochmals zu und noch einmal. Totenstille herrscht in der schreckgelähmten Menge. Einer aber steht auf der höchsten Bank der Estrada und klatscht unter lauten Bravorufen dem wütenden Tiere Beifall. Das ist Bedra.