war Stewart vom Baume herunter und hatte sich der schwerverwundeten Katze genähert. Und die gewann noch einmal Kraft, letzte Kraft vor dem Ende. Der Pratze fürchterlichster Schlag. Ein Schrei! Er kam aus Deans Munde, der sich vom Baume geschwungen hatte, um Stewart zu Hilfe zu eilen. Umsonst. Deans Fuß verwickelte sich in den Schlingen einer Liane. Er blieb liegen mit gebrochenem Knöchel!„... Nun war es an mir! Ic hob die Flinte, in der ich noch einen letzten Schuß zugute hatte, ich zielte, dicht vorbei an Stewarks Kopf auf die Stirn des Panthers. Diesmal brach die Bestie zusammen... in Wahrheit tot!“ Dr. Britten schwieg. Erst nach einer Weile endete er: Der Knöchel Deans ist im Spital von Mount Abu glücklich wieder zusammengeflickt worden, aber der arme Stewart starb an Blutvergiftung, wie große Mühe ich mir auch um die Erhaltung seines Leben gab.“ Ich sah mich außerstande, die Frage zu unterdrücken:„Und Sie sind der Ansicht, Herr Doktor, daß der Fluch des Yogi...“ Britten unterbrach:„Das habe ich doch nicht behauptet, Sir, denn das sind Dinge, die man nicht weiß. Blut zu tun. Hier war endlich einmal Reali=! tät, nicht bloß Papier, nicht bloß Literatur. Gierig lauschte Jeff, jedoch konnte er nur Brokken der Unterhaltung der beiden verstehen. Aber was er hörte, genügte ihm. „Morgen werde ich ihn durch einen Revolverschuß aus dem Hinterhalt töten“, sagte der Kahlkopf und grinste. Jeff war sich vollkommen darüber klar, was ihm als Staatsbürger oblag. Er hatte der lizei das belauschte Gespräch mitzuteilen und konnte vielleicht einen Menschen vor der Ermordung retten..„„„ Das beweist, daß Jeff im Grunde seiner Seele ein hochanständige Mensch war. Er vergaß alles, seine Arbeit, seinen Ehrgeiz, seine Ziele, wenn es galt, ein Menschenleben zu retten. Jeff stand auf und begab sich an die Theke „Verzeihung", sagte er zu dem rothaarigen Manne, der dahinter stand,„sind Sie der Wirt?" „Jawoll!“ sagte der Rothaarige. „Dürfte ich Sie mal was fragen?“ „Aber bitte.“ „Hm, kennen Sie die beiden Herren, die dort an dem Tisch sitzen? Ich meine den Schwarzen und den Kahlkopf.... Due und#t „Freilich kenne ich die! Das sind Stammgäste. Die kennt doch jedes Kind. Haben Sie den Kahlkopf noch nicht in der Zeitung abgebildet gesehen?“. 14. Lakhampt vur Ehar „Mir kommt er ja auch bekannt vor. Aber das muß wohl ein älterer Steckbrief gewesen ser: A „Wat denn— Steckbrief:„ „Na, Sie sagten doch eben selbst..... „Quatsch, Männeken!“ Ich habe bloß gesagt, daß der Herr in der Zeitung abgebildet war, aber nicht in einem Steckbrief.“ „So, ich dachte. Wie heißt denn der Herr?“ „Das ist Antonio Kuz, der bekannte Krimisnalschriftsteller mit seinem Sekretär. Die kommen oft hierher und besprechen den neuesten Kriminalroman, den Kuz gerade in Arbeit hat. sagt, das Milieu in der„Dunklen Ecke“ regt ihn an. Da sitzen sie oft stundenlang und reden von den Mördern und Spitzbuben, die in seinen Romanen vorkommen. Ja, das sind interessante Leute.". Jeff schluckte ein paarmat heftig. Er sah nach dem Tische, an dem Antonio Kuz saß, noch immer mit seinem Sekretär über den beabsichtigten„Mord" redend. Jeffs Mundwinkel zuckten, und es kostete ihn Anstrengung, ein Lachen hinunterzuschluk„Geben Sie mir einen Kognak“, sagte er zu dem Wirt,„aber einen großen". Jeff im Verbrecherkeller Humoreshe von Kurt Miethke. Der Kriminalschriftsteller Jeff zog seinen ältesten Mantel an, setzte eine schmierige Sportmütze auf und fuhr sich mit der Hand übers Kinn. Er hatte sich seit zwei Tagen nicht mehr rasiert, und es fühlte sich an wie ein Reibeisen. Es war alles in schönster Ordnung, der Revolver stak auch in der Tasche, es konnte los gehen. Jeff steckte sich ein Stück Kaugummi in den Mund und ging in die„Dunkle Ecke.“ Die„Dunkle Ecke“ war das berüchtigste Gaunerlokal der Stadt. Alle großen Dinger wurden hier gedreht bezw. ausgeheckt. Die„Lunkle Ecke“ war der Treffpunkt der zweifelhaftesten Elemente, und gerade das brauchte Jeff.— hatte nämlich keine Einfälle mehr. lieber Himmel, woher sollte man bloß die Ideen noch kriegen! Es wurde heutzutage eine ganze Masse von einem Kriminalschriftsteller verlangt, ja, man erwartete von ihm Ideen, die eines genialen Verbrechers, eines Al Capone oder eines Jack Diamond, würdig gewesen wären. Er mußte Tricks erfinden, von denen sich ein durchschnitlicher Vezperckhern„pielgeign ein ganzes Leben lang ernähren nonnte. Von Jeff verlangte man auf jeder Druckseite einen aber war Ebbe. Es fiel ihm kein einziger Trick mehr ein, den er nicht schon einmal verwandt gehabt hätte. Er mußte sich einmal unter Verbrecher begeben. Vielleicht würde er hier Anregungen in ungeahnter erhalten. Jeff stieg nicht ohne Herzklopfen die Stufen hinab, die zur„Dunklen Ecke“ einem Kellerlokal, führten. In der„Dunklen Ecke“ war die Beleuchtung wirklich spärlich, die hölzernen Tische starrten von Schmutz, und das Publikum sah am allerdunkelsten aus. Jeff bestellte einen Kognak. Rechts hockte ein Zuhältertyp mit einem rot und weiß gestreiften Trikot unter der und einem Ohrring im rechten Ohr. Links saßen zwei Herren, mit schäbiger Eleganz gekleidet, die sich im Flüsterton lebhaft unterhielten. Jeff interessierte sich viel mehr für den Zuhältertyp und betrachtete ihn. Der Mann erwiderte den Blick sofort, grinste und spuckte aus. Jeff wagte ihn nicht mehr anzusehen. Er sah starr auf sein Kognakglas und beschloß, bald wieder fort zu gehen. Blöder Einfall, hier Anregungen suchen zu wollen! Die würden ihm kaum etwas von ihren Plänen und Praktiken mitteilen. Aergerlich hob Jeff sein Kognakglas und pitzte plötzlich die Ohren. Die beiden Gents am Nebentisch redeten etwas aufgeregter und unbedachter, so daß er ein paar Worte verstehen konnte. 4 8 „Tu's nicht!“ sogte der eine, ein Schwarz= haariger. „Doch, ich bringe den Halunken um“, sagte der andere, ein Kahlkopf.„Das Untier muß kort. Ich habe ihn satt. Ich werde ihn ins Jenseits befördern.“ „Ist Dir damit gedient?“ „Natürlich, das Scheusal stört mich bloß. Alles wird viel einfacher, wenn er ermordet wird. Soll mir gar nicht drauf ankommen!“ Jeff erstarrte. Teils vor Schrecken, teils vor Freude. Hier hatte er endlich einmal Gelegenheit, Westfälischer Schinken Skizze von Edward Stilgebauer. Ueberqualmt von zwei Fabrikschloten, deren Vorhandensein auch er die Möglichkeit seines Daseins verdankte, lag der„Krug“ einsam in der Heide. Dreiviertel Bahnstunden südlich von Berlin, wo sich die Leipziger Strecke von der nach Halle führenden trennt. Buer und sein Kumpan Klamarke, den er am Wedding aufgelesen, wälzten sich im Grase. Die beiden Burschen befanden sich auf der Walze, und die Mägen knurrten. Mit der Arbeit in der Stadt war es wieder gewesen, und so hatten sie ihre letzte Hoffnung hier auf die Ziegelbrennerei gesetzt. Umsonst! Ein waschechter Berliner, der die Schnauze auf dem richtigen Fieck der Vorarbeiter abgewunken.„Arbeet? Det könnte Euch so passen! Aber wir bauen ab. Vastehste mir?" Das hatte sich am frühen Morgen zugetragen und nun rüstete sich die Sonne zum UnterBuer hielt sich die Hand vor Augen.„Wie das blendet!“ seufzte er. „Sperr' das Maul auf, bekommst so wat Warmes in den Magen“, höhnte Klamarke. Und Buer:„Weeste, worauf ick jetzt Appetit hätte, Ete?“ „Nee!“ „Auf westfälischen Schinken. Ich bin doch aus Herne. Vielleicht hat's welchen dort im Krug?“ Buer griff in die Tasche seiner zerlumpten Hose. Was er da an das Licht der untergehenden Sonne beförderte, war trostlos: Drei Zehner und neun harte Kupferpfennige. „Hast'ne Zigarette, Buer?“ „Die letzte, Klamarke, wir wollen sie teilen!“ Die Stümpfchen brannten. Klamarke blies den Rauch durch die Nase. Plötzlich sagte er: „Man müßte den Schinken klauen, Buer!“ Tiefes Schweigen. Jeder der beiden Bur Noch aber wagte keiner dem anderen von seinem Vorhaben Mitteilung zu machen. Als erster fand Klamarke die Sprache wider.„Es ist kalt, Karle!" „Bitter kalt!“ „Du solltest in den Krug lausen!" „Was soll ich im Krug?“ „Für zwanzig Reichsknüppel Schnaps koofen. Hier ist die Flasche!"— Wortlos gehorchte Buer. „Kannst auskundschaften, ob sich dort was drehen läßt.“ „Hm!“ Buer machte sich auf den Weg. „Ich krieche in die Bauhütte“, rief Klamarke ihm noch nach.„Wenn wat los is, pfeifste!“ Es war Samstag. Die Ziegelarbeiter wohnten samt und sonders mit ihren Familien in dem eine halbe Stunde entfernt gelegenen Dorf. Infolge dieser Verhältnisse war Frau Wüller, die seit dem Tode ihres Mannes den„Krug". allein führte, gerade dabei, zu schließen. Sie erstaunte daher nicht wenig, daß jetzt noch ein später Gast über die Schwelle ihrer Wirtsstube „Guten Abend, kann man hier Schnaps kriegen?“, fragte Buer. „Bitte", erwiderte Frau Wüller, eine etwa sechzigjährige, behäbige Frau. „Die hockt am Fettopf“, dachte Buer. Weil sie den Trichter schon eingeschlossen hatte, mußte Frau Wüller die Schublade der Theke noch einmal öffnen.„„. Buer beobachtete scharf. Vielleicht, daß sie hier die Tageskasse verwahrte! Wer konnte das wissen“: 4.. Ttrcha tenkar Hiudet Sein Blick glirt in der Stube umyer. Unster. Er war noch Neuling. Von Winkel zu Winke!! Plötzlich riß er die Augen weit auf. Was hing denn dort an der Decke? Beim Himmel, ein westfälischer Schinken! Frau Wüller lächelte gutmütig.„Haben Sie Appetit darauf? Es ist echter. Ich bin nämlich aus Herne!“. „Aus Herne sind Sie: Ich auch!“ Jedes weitere Wort blieb Buer in der Kehle stecken. Hier vor den Toren Berlins eine Landsmännin aus Herne, eine, die ihn in Sprache und Aussehen an die eigene Mutter erinnerte. 6 B.32n5mnt Gn. Und nun:„Ich have auch Bauernbrot. Wenn ich Ihnen etwas davon anbieten darf? Waren Sie schon lange nicht mehr in Herne?“ „Seit Monaten nicht mehr!" „Und ich seit sechs Jahren.“ Frau Wüller verschwand in der Küche. Schon nach zwei Minuten war sie zurück. Einen hölzernen Teller in der Hand, auf dem lagen ein paar tüchtige Scheiben Schwarzbrot. „Sie sind größer als ich. Holen Sie den Schinken herunter! Während Sie essen, erzählen Sie mir von Herne.“ Buer tat, wie ihm geheißen. Nicht ohne Mühe, denn der Westfälische hatte es in sich. Das war ein Kerl, ein Zwanzigpfünder! Nun lag er auf dem Tische, und Frau Wüller säbelte Scheiben, wie man sie nur in den Bauernhöfen schneidet. 1 Bei diesem lange nicht mehr genossenen Anblick lief dem armen Teufel alles Wasser im Munde zusammen. Und nun fiel ihm Klamar[ke ein, mit dem er seine letzte Zigarette geteilt hatte. Ein schriller Pfiff. Frau Wüller war zu Tode erschrocken. Aber Buer beruhigte:„Sorgen Sie sich nicht! Ich rufe nur meinen Freund, mit dem ich meine Portion teilen möchte.“ Klamarke, der auf der Lauer gelegen hatte, trat in die Stube. Buer nahm ihn zur Seite.„Friß Dich satt", raunte er ihm zu.„Und wenn Du ihr ein Haar krümmst, biste eine Leiche, vastehste!“ Noch lange saßen sie gemütlich beisammen. [Die beiden Westfalen umgab der Zauber ihrer Heimat... Verschallen. Nur zwei Passagiere hatten den Schiffsuntergang überlebt, eine Frau aus London und ein Mann aus Aberdeen. Am Ende der zweiten Woche auf der öden Insel war ihre Kleidung in Fetzen. die Nahrungsmittel erschöpft, und selbst die Affen hatten aufgehört, milchgefüllte Kokosnüsse von den Bäumen herunterzuwerfen. Es sah sehr mies aus. „Schlechter könnte es nicht sein“, sagte die Frau. „O doch!“ widersprach der Schotte,„ich hätte mir beinahe eine Rückfahrkarte gekauft!“ Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. S b S mr eieSr CEre Nr. 22 Samstag, den 6. Juni 1931 Das verlorene Kind Erzählung von Josef Winckler. In dem kleinen Orte Blancken an der Weser saß vor Jahren eine junge Mutter mit ihrem zweijährigen Kinde vor der Haustür und döppte Sommererbsen. Das Kind spielte mit den grünen Schoten oder hing an ihrem Schürzenzipfel. Da trat ein Vetter der Frau durch die Gartenpforte und ging mit der Mutter zu kurzer Plauderstunde ins Haus. Sie mochte nicht länger mit ihm zusammen in der Stube geweilt haben als nötig ist, eine Kuh zu melken. Beim Abschied an der immer verschlossenen Pforte fiel der Mutter erst ein, daß ihr Kind nicht zu sehen war. Aber sie machte sich keine Gedanken und glaubte, es kröche unter den Stauden der Himbeerbüsche im Garten herum oder läge im Bohnenbeet. Die Katze schnurrte auf den sonnenheißen Fliesen, und die Hühner gackerten wie sonst im Hof. Es war um die Mittagszeit. Der Mann der Frau zimmerte als Schreiner am Balkenwerk eines Neubaues, man konnte die Axtschläge übers Tal vernehmen, aber der Weg war doch beschwerlich. So schloß die Frau das Gartenpförtchen doppelt leise und sorgfältig hinter sich zu und brachte wie stets ihrem Mann im Henkeltopf zu Essen. Wenn die Mittagshitze nicht zu brennend niederstach, trug sie wohl ihr Kind dazu im Arm. Aber heute ging sie allein und freute sich schon im geheimen, daß der kleine hellblonde Knabe ihr Fortgehen nicht bemerkt hatte und in Weinen ausbrach. Denn es war ein ängstlich schwächliches Wesen, das noch lange nicht aufrecht gehen würde. Da trotz ihrer Heimkehr der Garten traumhaft still blieb, pochte die ahnende Unruhe des Mutterherzens stärker und stärker, bis auf einmal, ins Bewußtsein geschwollen, über die Arbeit hinaus jäher Aufschrei durchs Fenster schmetterte:„Ignaz— wo bist du?“ Keine Antwort. Und lauter schrie das Weib. Stürzte in die Beete, teilte alle Sträucher, stieß die wild vorbeisetzende Katze mit dem Fuß, schaute unter die Birkenbank, die Georginen, hinter den Kirschbaum und Apfelbaum, lief in wahnsinnigem Schreck zur Pütt— die lag mit allen Brettern hoch und fest verschlossen— bog zum Hühnerstall, irrte durch die Holzschuppen, tappte und stocherte in den Laubhaufen— die Haare stoben ihr zu Berg: flog in den Schweinestall— denn sie erinnerte sich, daß alte Schweine kleine Kinder fräßen!— „Ignaz— wo bist du?“ erfüllte das Haus vom Grund bis zum First wie eine rasende Woge, die von allen Wänden zurücktröpfelte, die den Keller überschwemmte, durch Luken und Türen wieder herausschwoll, sich in die Erde warf und schließlich bis an den Himmel, empor wütete und die ganze Gegend überbrandete. Alles vergebens. Die Nachbarn liefen herzu. Der Mann wurde geholt. Die Mutter lag in der Kammer und schrie. Der Polizeidiener schellte im Dorf das Unglück aus. Der Schullehrer kommandierte sämtliche Klassen zur Suche und zweihundert rufende Kinder besprenkelten Wiese und Acker. „Das ist ja purster Unsinn“— sprach der Pfarrer bedächtig—„so weit drüben auf den Feldwegen und Weiden kann das kleine Wurm unmöglich sich herumwinden! Sucht ruhiger und sorgfältiger die nächste Umgebung ab! Ich will derweil in der Kirche vorm Sakrament beten.“ Es wurde ein herzbeklemmender Abend. Nirgends war ein fremder Wagen auf der Landstraße angetroffen worden Kein Raubtier war gesehen worden. Der Förster betrachtete aufmerksam die Bussarde und Krähen und schüttelte immer wieder den Kopf. Keine Unruhe war irgendwo im Forst zu entdecken. Es blieb ein unheimliches Rätsel. Der Schmied klopfte sogar an den dicken Lindenstamm und jrüttelte die Bäume und rief hinauf:„Ignäzken—!“ Am Morgen ließ der Vater ausschellen, wer von den Nachbarn das Kind in seiner Jauchegrube fände, der möge es in der folgenden Nacht ihm auf die Schwelle legen und nie sollte danach geforscht werden. Wenn nur das Mutterherz Gewißheit sähe.— Alle Düngergruben wurden gesiebt und geschöpft. Es fand sich keine Spur. Die seltsame Angelegenheit kam ins Kreisblatt. Eine Gerichtskommission nahm den Tatbestand auf. Ließ im ganzen Regierungshezirk die Landfahrer festhalten, so daß den Vater alle paar Tage ein Telegramm bald hierin, bald dorthin beorderte, wo ein verdächtiges Kind bei Zigeunern gesehen wurde. Eine Nachbarin, breit über den Zaun eifrig den Fall beredend, indes die unglückselige Mutter steif wie eine Bildsäule allein in ihrem Garten stand und karge Antworten schluchzte, sparte gleich mit allerhand Vorwürfen nicht, sie müsse wohl die gebotene Vorsicht vernachlässigt haben, man dürfe überhaupt ein junges Kind nicht eine Sekunde aus dem Auge lassen, wie leicht verbrenne es sich am offnen flackernden Herdfeuer, wie leicht stürze und stolpere es über eine Sense— ob sie sich denn gar nicht erinnere, wie lang sie auch bei ihrem Mann droben mit dem Mittagessen geweilt? Was sie dort geschwatzt hätte, daran könne man doch die Zeit abmessen? Das sei doch sehr merkwürdig. Nein, sie selber hätte es sich gewiß dreimal überlegt, also zu handeln, zumal das Kind mit so komisch großen Augen immer gestarrt hätte; das sei ihr schon oft aufgefallen, aber man sage es nicht; was ginge es sie auch eigentlich an—? Und wie niemals der böse Argwohn schläft, auch bei den furchtbarsten Schicksalsschlägen nicht, hieß es bereits, die eigene Mutter habe das Kind selber ums Leben gebracht! Klatschsüchtig oder unbedachtsam hingeworfen, wucherte es bald zur Gewißheit und spukte in allen Köpfen. Man wollte durch Nachrechnen gefunden haben, das Wurm sei ja damals zu früh erschienen und mutmaßte ein bitteres Verhältnis zu ihrem Mann darob. Nun konnte man sich's auch erklären, daß die Frau nie so recht im Dorf Verkehr gesucht, auf keiner Kirmes getanzt habe, stets bleich und für sich, wenngleich fleißig und ordentlich, das müsse jeder ihr lassen, die Teller blinkten durch die Fenster von der Küchenwand und der Mann bummelte nicht; alles, was recht ist. Dem steckte es der Zimmergesell, was getuschelt wurde. Wer noch einmal das Maul aufrisse, könne seine Zähne im Dreck suchen—! fuhr der Meister auf. Aber nach zwei Tagen wurde er zum Amtmann geladen. Dort mußte er ein peinlich Verhör über sich ergehen lassen, mit seiner Unterschrift ein langes, unverständliches Protokoll in Gegenwart eines Schreibers unterzeichnen und taumelte mit brennenden, erbleichenden Backen, die Fäuste in beiden Hosentaschen, wie ein gejagter Verbrecher davon Zu Hause sagte er kein Sterbenswörtchen von dem Verhör, suchte aber— scheinbar ein verlorenes Werkzeug hervorzukramen— in allen Spinnwebwinkeln des Hauses herum, ob ein Blutströpfchen zu entdecken war, und schalt sich zähneknirschend einen Toren, einen Lumpen, nur den Fliegenschatten eines Verdachtes über sein Weib zu werfen. Aber unversehens sank er laut aufweinend zu ihren Füßen, die mit wehen, klammen Fingern begütigend durch sein Haar strich. Da, unter eigenen Tränen, gestand sie, ein Junge habe diesen Morgen ihr nachgerufen:„Der Teufel hat's gestohlen“— Laß sie, laß sie, laß das Gesindel!“ heulte der Mann fahrig auf:„Wir wollen fortziehen von hier, wo uns kein Mensch auf der Welt kennt, dortbing „Ach— ich kann nicht!“ stöhnte sie. „Warum nicht?“ „Ich kann diesen Ort nicht verlassen— ich kann es nicht—“ „Je eher wir fortziehen, desto eher vergißt du!“ „Ich— finde— es— doch— noch—“ lallte sie mit bittenden Augen:„Gott führt es wieder zurück zu mir, denn es ist nicht mit natürlichen Dingen geschehen!" „Setz' dir nichts in den Kopf, schlag dir alles aus dem Sinn— es ist vorbei— mir brennt hier der verfluchte Boden unter den Füßen! Ich muß Schnaps haben—“ Besinnungslos betrunken lag der Mann diesen Abend in der Küche. Wüst erwachend schoß ihm durch den Kopf, daß der üble Leumund Lann noch böser sich an ihn hängen würde, und er straffte sich mit trotzigem Vorsatz: nun erst recht die Stirn oben zu halten, nun erst recht den Leuten zu zeigen, er brauche nichts zu bereuen, nichts zu betäuben, nichts zu versaufen! Da gestand er seiner Frau alles, was er unterschrieben. Aber dies machte keinen Eindruck auf ihre Seele, sie brach nicht darunter zusammen, sie sagte keine Silbe, lächelte nur. Unsichtbar schloß sich ein fester Ring um beide. Von nun an ließ er sie gewähren in allem und warf sich blinder auf den Hausbau, maß die Balken, kerbte und kragte, gewaltsam, unaufhaltsam bis in die tiefe Dämmerung, daß mit dem Fortschritt der Giebel und Fachwerke, hineingewühlt ins ausgestaltete Gelingen der Aufzeichnungen und Berechnungen, unversehens die Freude am Werk über ihn kam und er schaffend, wirkend, schlagend und hobelnd sich taub schmetterte und hart schuftete, in Schweiß und Dampf zu wohliger Müdigkeit, immer seltener aufgeschreckt vom Zahn inwendigen Grams, der er doch nicht enträtselte. Anders die Frau in diesen schwülen Sommer. tagen, da ungewohnte Stille plötzlich sie umgab. Die Mutter verfiel in zehrenden Fiebern und klagte sich vor Gott und Hölle voll Verzweiflung des Kindesmordes an. Immer wieder ging sie die enge Strecke vom Platz, wo sie die Erbsen gedöppt, zur Gartenpforte oder zur Haustür, machte sich ganz klein wie ihr Kind und guckte rundum, ob sie die Mauer auch überklettern könne, ob sie diese Klinke auch erreichen könne, jenen Busch zu durchkriechen vermöge, sich in die winzige Weltumgebung des Kinder zurück versetzend, erprobte mit gerundeten Händen die Oeffnung des Abflusses vom Spülstein, der nach draußen rieselte, meinte immer wieder eine halb verwischte Fußspur zu entdecken, ein geknicktes Zweiglein als Wegweiser, erprobte mit bebendem Schrecken, daß die Gartenpforte, wenn man sie unten an den Stäben fasse, oben im Riegel nachgab und von selber wieder ins Schloß fiel— daß man von der Birkenbank noch gerade den Mauerrand erreichen könne, und hundert Dinge mehr. Der Vetter erinnerte sich genau, das Kleine bei der Katze gesehen zu haben. Die Mutter beobachtete scharf die schlafende Katze, nahm sie plötzlich voll überquellender Zärtlichkeit auf den Schoß und liebkoste ihr Fell und stammelte:„Sag' doch, sag' doch— wo ist denn Ignäzken? Du weißt es ja bestimmt, du bist dabeigewesen— Mieze=Kätzchen, sag' es doch?“ Aber tot, schweigend, ungerührt starrte jede Kreatur sie an, verharrte jeder Gegenstand in urewigem Gleichgewicht. Gespenstig ward ihr das ganze Haus, voll bösem Zwielicht der Garten; der Boden konnte das Kind nicht verschlungen, die Sonne es nicht aufgesogen haben und dennoch war es irgendwo eingegangen ins Unsichtbare, Undurch dringliche. Oft in der Nacht fuhr sie kreischend auf an der Seite des schwer atmenden Mannes und hatte etwas gehört, ein Kratzen hinter den Wänden, ein leises Klopfen an der Tür, daß ihr's keine Ruhe ließ und sie mit der Kerze durch die Stuben mußte, den Mann durch die Dunkelheit schickte bis zum Ende der Steinpatts, wo er laut fragte:„Ist da jemand—?" Die Blätter rauschten geheimnisvoll wissend, kalt und glatt, ein Vogel flog aus dem Buschwerk. Besonders in den Regennächten glitt und stöhnte die Mutter, obzwar die Vernunft sie lehren mußte, unmöglich könihr Kind noch ungeschützt am Leben sein. Was sinnt und treibt nicht alles ein Mutterherz? Bis allmählich, langsam die vergewal BSS 9 6 *8 # „ E 0 *•92s 9 8e— 4 S 5 S PERSERSSS EGEE 88NUOREBEUNS O; STPOPHNORSOOEDES 291E KPOSESO SLSBNO SORGG ES9. S:: * m E 5#gte Natur ihr Recht verlangte und die alles schleiernde Zeit auch sie mit Ergebenheit verhing. Ja, schon abermals Mutter geworden— auf den dringenden Rat des Pfarrers, dessen Ohr sie beichtend belagerte— ging sie in neuer schmerzlicher Hoffnung sacht und schwer ihr einsam Tagwerk hin und wich den eugen ihres Mannes aus.— Im Spätherbst trat der Förster unvermutet in ihren kleinen Lampenschein— da sie am Küchentisch wieder Windeln flickte und nähte — stapfte mit dem Stock herum, als wolle er erst Halt suchen, und nahm wider seine Gewohnheit Platz und fragte so nebenbei: wie das damals eigentlich gewesen sei—? das mit dem verschollenen Kind—? ob dies vielleicht gerade einen roten Roch getragen hätte—? Die Frau bäumte sich mit:„Jesus, Barmherzigkeit— ja, ja!" über den Tisch zu ihm empor und fraß ihm schlotternd die Worte von den Lippen: er habe droben auf dem Wildberg ein Bündelchen unzerrissener roter Kleidchen gefunden und mit dem Stock das Gerippe herausgehoben— vollkommen heil— der Fuchs könne es nicht gehabt haben— dann— also— Er mußte die Ohnmächtige auf die Bank tragen. Und so blieb es. Es gibt nur eine Lösung, daß nämlich jenes zweijährige Kind, das noch nicht aufrecht gehen konnte, mitten durch das Feld, mitten durch den finsteren Tannenwald, den steilen hohen Wildberg auf Händen und Füßen emporgekrochen ist, über Farren und Wurzeln und Felsen wie eine Kröte auf dem Bauch mühsam empor, ohne einen Laut, ohne auf die schreiende Mutter zu hören, ohne die vielen suchenden Kinder ringsum zu beachten — immer empor— vielleicht in Tagen und Nächten bergan, bergan— empor— empor von irgend etwas getrieben. von raschelndem Wind, Duft, Pilz, Quellgeflüster verführt— immer menschenferner, immer abgeschiedener, selbst wieder Tier— vielleicht ist es scheu ganz aah Vorübergehenden ausgewichen, hat sich am Tag versteckt und aß Kafer und Gras und kroch nur in der Nacht weiter, aus dem Schlupf hervor— von der Eule gelockt— dem Vollmond nach— den Sternen zu— in uralter Lichtsehnsucht aus dumpfem Tal— irr getrieden von Urinstinkten, vom Geist des Berges— bis es oben verdurstet und verhungert liegen Böc. Und wirklich errnnerten sich plotz#### aue, daß in jener Nacht ein ganz selten heller Vollmond gewesen. Aber wie so manches andere, das minder wunderbar, wird auch dies ein ewiges Rätsel bleiben. Das Apfeltörichen Skizze von E. van Lidth de Jeude. (Berechtigte Uebersetzung von Willy Blochert). immer wieder zu dem essenden Adonis abirrten und dieser sie etwas auffällig erwiderte, konnte er sich nicht versagen, sie zur Rede zu stellen: Findest Du das nicht selber kindisch, Lisbeth' Aber Lisbeth erwiderte gereizt:„Ich tue doch gar nichts.“ Darauf hatte sie den ganzen Abend über schlechte Laune. Eines Tages saß der Adonis wieder in ihrer Nähe, etwas seitlich von ihnen. Seine Manieren waren nicht ganz so gepflegt wie sein Aeußeres, denn er aß ziemlich hastig und gierig. Doch das schien seinen Wert in den Augen seiner Anbeterin nicht herabzusetzen, denn sie warf ihm von Zeit zu Zeit immer wieder einen verstohlenen Blick zu, und er zeigte sich erkenntlich. Jetzt reichte ihm der Kellner den Nachtisch, und dieser bestand aus Apfeltörtchen, schönen, knusperigen Apfeltörtchen. Der Adonis nahm sie auf seinen Teller und steckte das größte auf einmal in den Mund. Die Leckerbissen waren frisch vom Feuer gebracht und sehr heiß, man konnte sagen: gluhend, zischend heiß. Der schöne Mann spurte das sofort, er fühlte es an Zunge, Zahnfleisch und Gaumen. Er wurde rot, öffnete ängstlich seinen Mund und suchte Luft einzuatmen. Franz hatte den Vorgang bemerkt und sofort begriffen. Seine Verlobte sah zufällig nicht hin, und so sagte er beiläufig:„Ja, es ist doch ein hübscher Kerl.“ Dabei nickte er in die Richtung des Mannes, der gerade im Begriff stand, sich selber lebend zu verbrennen. Lisbeth, einigermaßen erstaunt, blickte ebenfalls hin, und man sah ihren Schreck: Der Schöne war nicht wiederzuerkennen, er sah blaurot aus, keuchte, und seine Augen schienen aus ihren Höhlen zu treten. Er hatte mit dem Mute der Verzweiflung das Törtchen durchgebissen, und ihm war, als ob der Schmelz seiner Zähne vor Hitze abblätterte. Das Mädchen sah das alles, und der Schöne war ratlos. Er wäre am liebsten unter den Tisch gekrochen oder fortgelaufen, aber er blieb in Todesangst sitzen, abscheuliche Gesichter schneidend und den Mund immer wieder öffnend. Das Mädchen brach endlich in ein unbändiges Gelächter aus, ein Lachen, das kein Ende zu nehmen schien. Ein Kellner brachte zwei Glas Wasser, eins für das Mädchen, das sich vor Lachen verschluckte, und eins für den schönen Mann mit der verbrannten Mundhöhle. Vom nächsten Abend an aß der Adonis in einem anderen Kaffeehause, und Apfeltörichen scheute er wie die Pest. Franz aber bewahrte eine tiefgehende Vorliebe dafür, denn sie hatten ihm sein Lebensglück gerettet. Dies ist die wahre Geschichte von einem frisch gebackenen Apfeltörtchen, das einem jungen Manne das Lebensglück rettete. Der junge Mann war nicht sehr schön von Ansehen, aber mit einem guten Herzen. Er hatte eine Braut, ein liebes Mädchen mit hübschem Gesicht, ziemlich viel Ansprüchen und wenig Gehirn, das gerade ausreichte zu begreifen, daß ein häßlicher, solider Mann sich besser zum Heiraten eignet als ein hübscher aber unsolider. Dennoch besaß sie eine Schwäche für schöne Männer. Ihr Zimmer hing voll von Bildnissen berühmter Filmschauspieler. Auf der Straße und in den Kaffeehausern blickte sie gern nach stattlichen Herren, und da sie selber hübsch war, blickten diese auch nach ihr, was sie durchaus nicht unangenehm fand. Der junge Mann, der sie heiraten sollte, war im Grunde nicht eifersüchtig, sondern verständig, philosophisch veranlagt. Er gönnte seinem Turteltäudchen das Vergnügen, zu gucken und beguckt zu werden. Dennoch gab es einen besonders auffallenden Vertreter des männlichen Geschlechts, der Icanz aus dem Gleichmut brachte. Dieser Jüngling, der des Abends regelmäßig in dem Kaffsehause saß, in das Franz oft mit seinem Mädagen ging war ein Adonis. Er gehörte zu den unwahrscheinlich schönen Männern, die das Ideal der Frauen und das Aergernis der anderen Männer sind. Vermutlich war er Verkäufer in einem Herrenartikelgeschäft. er., Wenn Franz mit seiner Verlböten erschten, dann pflegte sie sich sofort zu vergewissern,## der Adonis anwesend war. Dann wahlle sie ihren Platz so aus, daß sie von Zeit zu Zeit einen schmachtenden Blick nach dem schönen Anfangs fand Franz dies nicht weiter schlimm, doch als er einmal während eines Gesprächs bemerkte, daß ihre Blicke Die innere Stimme Skizze von Liesbet Dill. Sie waren erst vor kurzem vor die Stadt gezogen, in einen jener Vororte, die es eigentlich noch nicht gibt, zu denen sich die Chauffeure erst durchfragen müssen und nach denen der Sipo sein Buch durchblättern muß. Ein paar Villen, ein kiefernumstandener See, in den während des ganzen Winters der Regen rauschte, ein paar noch junge Gärten mit vereinzelten Obstbäumen, eine Allee mit wehenden Birken, zwischen See und Häusern, sonst weit und breit nur Felder und Sandwege so tief, daß der Fuß bis an die Knöchel darin versank.— Seine Mutter unterrichtete ihn selbst. Ostern sollte er erst zur Schule kommen, er lernte leicht, faßte sehr rasch. Er war leicht zu erziehen. Vielleicht ein Kind bereits zu alter Eltern. Der Knabe überraschte durch seine altklugen Fragen, seine Auffassung vor allem, was er sah, er beobachtete scharf und hatte entschiedene Neigungen und Abneigungen. Er war am liebsten bei dem dicken Melker, einem robusten Märker, der eine rauhe Stimme hatte und sich wegen seiner Grobheit sonst nicht besonderer Believtheit erfreute. Dagegen war er nie zu bewegen, mit dem neuen Kutscher auszufahren. Dieser, ein erst seit kurzem in die Gegend gekommener Pole, sah hübsch und sauber aus, hielt etwas auf sich, ging geschickt mit den Pferden um und tat seine Pflicht pünktlich und rasch. Man war mit ihm zufrieobden. Er sprach wenig, verlangte nie Urlaub, blieb immer hier draußen, stand am Zaun und rauchte oder las in seiner Kutscherstube alte Zeitungen. „Tu könntest einmal mit dem Jakob in die Stadt fahren“, sagte eines Tages die Mutter, „und ihm den Weg zeigen sowie einige Geschäfte, in denen wir haufen.“ Der Knabe wehrke sich entsetzt.„Nein, nein, ich will nicht... ich fahre nicht mit dem Jakob „Weshalb nicht?“ mischte sich der Vater ein. „Das geht doch sehr gut. Du kennst die Wege, Du weißt die Geschäfte. Der Mann ist ja ganz fremd in der Gegend. Weshalb willst Du denn nicht?“ „Ich weiß nicht“, stammelte der Junge,„aber sich will nicht mit dem Jakob zur Stadt.“ Die Eltern schauten sich an. Noch nie hatten sie auf seinem Gesicht den Ausdruck eines solchen Schreckens bemerkt. Er war ganz bleich von der Vorstellung, allein mit dem neuen Kutscher ausfahren zu müssen.„Geh!“ sagte der Vater.„Ueberleg es Dir! Heute nachmittag wird angespannt, und Du fährst zur Stadt... Man muß einem Kinde nicht jede Laune durchlassen", sagte er zu seiner Frau. Sie schwieg und beobachtete den Jungen. Der stand eine Weile auf der Veranda, wie unschlüssig, ob er zurückkommen sollte. Dann ging er zögernd die Treppen hinunter in den Im Stalle standen die Türen offen, der Kutscher putzte dort das Lederzeug. Er rief dem Jungen etwas zu. aber der rannte, ohne sich nach ihm umzusehen, quer über den Hof auf den Kuhstall zu.„Nanu“, sagte der dicke Melker.„Du hättest mir fast den Milcheimer umgeschmissen. Was'n los. Wie siehst Du denn aus? Ist was passiert?“ Der Junge schüttelte den Kopf und starrte in die Richtung des Pferdestalles. Jemano pfiff dort ein Lied.„Geh! Du stehst mir im Wege. Du machst Dich schmutzig", sagte die Magd, als sich der Junge wie schutzsuchend in dem dunklen Stall herumdrückte.„Gib acht, lauf lieber in den Garten!" Aber der Knabe wollte nicht spielen. Er blieb bei den Leuten, bis zum Mittagessen gerufen wurde. „Nun, wie ist es?“ fragte sein Vater.„Hast Du Dich besonnen? Fährst Du mit oder nicht?“ „Fahrt Ihr auch mit?“ fragte das Kind mit großen, verangstigten Augen. „Wir haben hier zu tun, wir fahren nicht mit.“ Plötzlich begann der Junge zu weinen. Er rief:„Ich will nicht, ich will nicht, ich... fürchte mich...“ „Vor wem? Vor dem Jakob?“ staunten die Eltern.„Hat er Dir was getan?“ „Nein, aber ich fahre nicht mit ihm zur Stadt...“ „Das ist ja sonderbar". Die Eltern schauten den schluchzenden Jungen an.„Du mußt doch einen Grund dafür haben. Ist er nicht nett zu Dir?— Doch?— Nun also, weshalb weinst Du denn? Was ist denn dabei, wenn Ihr zur stadt fahrt? Du bist ja noch nie mit ihm ausgefahren... Oder doch?“ „Nie“, sagte die Mutter, und sie erinnerte sich plötzlich, daß schon einmal die Rede davon gewesen war. Man wollte eines Nachmittags ausfahren. Die Pferde sollten bewegt werden. Jakob hatte angespannt. Aber es kam Besuch. Der Junge sollte allein mitfahren. Aber schon damals hatte sich das Kind geweigert, und man hatte es zu Hause gelassen „Du bist ein Held“, sogte der Vater.„Geh, mach Deine Schularbeiten! Ich will nichts mehr von Dir wissen.“ Und er schob das Kind von sich.„Ein Junge, der heult, weil er allein zur Stadt fahren soll.. Das ist doch sonderbar“, wandte er sich an seine Frau.„Was hat er denn gegen den Mann?“ Hiuterland Skizze von Bernhard Schroeder= Wiborg. Der Pole verkehrte nicht mit den anderen Leuten auf dem Hof. Er suchte keinen Anschluß, sondern hielt sich stets abgesondert. „Sie müssen allein nach der Stadt fahren", sagte der Vater zu dem Kutscher, der schon auf seinem Bock thronte, die beiden gutgepflegten Braunen vorgespannt.„Fragen Sie sich durch!“ Und die Pferde zogen an und trabten unter den tiefhangenden Birken durch den tiefen Sand der Mark. Eine Woche später kamen zwei Heren auf den Hof, die sich als Kriminalbeamte auswiesen. Sie zeigten eine Photographie vor— das Bild des Kutschers.„Gesuchter Raubmörder", stand darunter. Der Pole hatte einen Fuhrmann erschlagen, ihn beraubt und sich dessen Papiere angeeignet. Er wurde von seiner Heimatbehörde gesucht. Sie nahmen ihn gleich mit. Auf der Veranda stand der Junge. Er klammerte sich mit beiden Händen an die Brüstung und sah mit Augen, in denen sich das Bild einprägte, den Männern nach, die den Polen in ihrer Mitte führten. Aufrecht, wie er auf dem sutscherbock gethront, ging der Mann zwischen ihnen einem unabwendbaren Schicksal entgegen. Die Birken neigten ihre wehenden, grünen Schleier über ihn und warfen Schatten über seine gefesselten Hände. Zwischen den tropischen Ausläufern der Cordilleren, in Südamerika habe ich eine Welt erlebt, deren Einfluß mich nie mehr verlassen wird. Wenn die Nacht Riesenglühkäfer wie große, grüne Sterne in die Bäume hing, wenn die schwüle Bruthitze die Geburt von Millionen Moskitos ahnen ließ, wenn die Totenstille unterm Mond so bluterstarrend wirkte, daß ich nicht mehr allein zu atmen wagte, dann geschah es, daß die fürchterliche Stille aufnlaffte, und mir war, als ob ein großer, scharfer Eisensplitter— ein Schrei— mich durchriß, als ob meine Hängematte sich von Berg zu Berg dehnte und ich, erglühend über einem in der Tiefe tanzenden, baumhohen Tier, das unter schaurigem Gebrüll von zischenden Flammen verzehrt wurde, sterben mußte: der rote Mähnenwolf heulte. Monate vergingen, das Heulen blieb in mir. Dann kam ein Tag, an dem der Morgen einem heißen Flußnebel gehörte. Die kaltgrünen Kakteen, die düsteren Löcher in den wildgelagerten Steinen am Ufer, die phantastischen Formen der Tnnenbäume mit ihren wie krankhaft geschwollenen Leibern, ihren mageren Aesten, die sich flehend in den zur Erde gekommenen Himmel falteten, alles verschleiert, verbunden durch den stehenden Nebel, schuf eine wahnsinnig machende Traurigkeit, die jegliches Leben einhüllte. Furchtsam, paarweise aneinander geschmiegt blieben die Papageien bis weit in den Tag hinein auf ihren Schlafbäumen. Aus den Steinhöhlen drang ein weicher, durch den Nebel verhaltener Laut. Die Papageien schüttelten wie im Frost ihre Federn. Ein zweiter, tiefer Hohllaut mühte sich quälend durch die lastende Luft, sank, sank tiefer, als ob er in Nebel ertrank. Aber ich sah die Stimme noch in den verzerrten Bewegungen gefallener Urwaldriesen, in den wie in Schwermut herabhängenden Armästen der Klapperbäume. Und in mir löste sich ein schmerzhaftes Sehnen, das im Aufbrüllen erstickte und meine Augen stumpf machte. Meine Hände krallten in die Erde. Ich lag auf ihr. Noch einmal trug sich die gebrochene Hauchstimme aus den harten Steinen wie ein uraltes Weinen zart und langsam zu mir hin. Ich glaubte einen dunstgrauen Rücken zu sehen, eine verblichene, rostfarbige Brust, die im Nebel verschwamm: Der heimlichste Urwaldvogel, die lerchenkleine Bergtaube. Dann kam meine Flucht vor diesem so lange gesuchten Freisein in solcher Einsamkeit. Später aber geriet ich wieder in diese Gegend, die mich immer zurückzieht. Am Ufer des Flusses sah ich menschliche Fußstapfen. Hier, wo ich früher nie einen Menschen gesehen hatte. Ich wurde sehr vorsichtig. Die flußabwärts fuhrenden Spuren waren einige Tage alt. Am übernächsten Abend fand ich eine Feuerstelle und Reste von einem gerösteten Wildhuhn. Täglich wurde die im Ufersand des Flusses hinführende Spur frischer. In einigen Tagen mußte ich die Brücke der in dieser verwinkelten Berglandschaft erst kürzlich fertig gestellten Eisenbahn erreichen. Als ich dort anlangte, herrschte schwarze Nacht. Ich ging dem Geleise nach zum nächsten Holzladeplatz. Nach Mittemnacht passierte ein Güterzug in verlangsamter Fahrt die Station. Da ich nur geschlossene Wagen sah, sprang ich auf einen Puffer des letzten. Nach einer Weile erst ließ die Dunkelheit mich erkennen, daß auch auf dem anderen Puffer ein menschliches Wesen stand. „Woher kommen Sie denn?“ sagte ich laut. „Frage den Wind, der sich durch schwarze Wolken quält!“ Eine tiefe, klagende Männerstimme hatte mir geantwortet. Der hohe, nächtliche Horizont hob sich fratzenhaft gegen den Himmel. Spukbäume huschten vorbei. Ein kaltes Schaudern wich nicht von meinem Rücken. „Wohin fahren Sie?“ fragte ich. „Frage den grauen Reiher, der mit seinem schweren Flügelschlag zieht und immer wieder ziehen muß unter seinem gräßlichen Schrei!“ Etwas in der Stimme dieses Menschen erinnerte mich sofort an den gebrochenen Laut der kleinen Bergtaube. Ich fragte nicht mehr. Der Zug fuhr jetzt langsam auf die Brücke. Ich erschrak, der Fremde lehnte sich im Schlaf an Waggon und Eisenleiter. Um ihn wach zu halten, schrie ich:„Hallo, Freund, nicht schlafen — wir sind gleich da!“ „Wenn wir bald da wären!“ kam es mit einer verschlafenen, jetzt noch schöneren Stimme zurück. Trotz des langsam fahrenden Zuges schwankte die Brücke leicht. Wer war der Fremde? — Plötzlich huschte ein Schatten neben mir in die Tiefe. Der andere Puffer war leer. Kaum aus dem Bahndamm, holte der Jug Geschwindigkeit auf. Ich sprang, landete als Kugel, aber heil am Fuße der Böschung. Nun holte ich Fallholz aus dem Walde, entfachte ein coßes Feuer und suchte das Flußufer ab. ergebens. Daß der fremde Mann auch wieder einschlafen mußte. Ich hockte mich an das Feuer, aß kaltes Röstfleisch und mußte immer an den Tod denken. Am Morgen wehrte eine über dem Fluß liegende Dunstschicht die Sonne ab. Der trübe Schleier lockerte sich erst gegen Mittag. Ich glaubte wirklich den Schrei des grauen Reihers gräßlich zu hören. Unter der Brücke— auf einer schmalen Sandinsel balgten sich schwarze Vögel, ein rotes Tier sprang dazwischen herum. Waffen und Jacke flogen in den Busch— ich schwamm. Noch war ich nicht auf der Sanobank, da sprangen zwei rote Mähnenwölfe ins Wasser und schwammen dem jenseitigen Ufer zu. Die schwarzen Geier waren kaum zu vertreiben. Vor mir lag nur noch ein Rest jenes Unbekannten. In den Taschen fand ich kein Papier, lediglich das abgegriffene Bild eines schier unnaturlich schönen Mädchens mit Madonnenscheitel und kaum spürbarer Tücke um den vollendeten Mund. Auf der Rückseite stand ein Name in deutschen Buchstaben. Mich hatte ein Gefühl gepackt, von dem ich wußte, daß es ringsum alles Sein beherrschte. Wehmütiger Kreolengesang zog über die Brücke. Eisenbahnarbeiter. Ich brüllte hinauf. Wirklich kam ein Kreole und schwamm mit einer Schaufel zu mir herüber. Wir nahmen, was noch von dem Verunglückten vorhanden, und ließen uns flußwärts treiben, wo wir ihn weit im Dickicht einscharrten. Jahre darauf kam ich wieder an die längst überwucherte Grabstelle des fremden Wanderers. Alles deckte ein leuchtendes Grün. Aber darüber ist immer die Klage der scheuen Bergtaube, als wäre es sein Lied. Der Fluch des Yogi Eine Erzählung aus dem Dschungel von Emanuel Clausen. Er trug den Gletscherschleier um den Panama und hielt die kurze Pfeife zwischen den Zähnen, als er mir erzählte, daß er jahrelang Arzt auf der kleinen, weit vorgeschobenen Station Mount Abn gewesen sei. Plötzlich unterbrach er seinen Bericht, und deutete nach einem schlichten Holzkreuze, das hier auf den schroffen Felsen frommes Gedenken für einen von der Lawine gefällten Wanderer war. Er sagte:„Da kommt mir James Stewart in den Sinn!" Gespannt waren meine Augen auf das glattrasierte Gesicht des Engländers gerichtet Seine Antwort blieb nicht aus. Sie bestand in einer Frage. Die lautete: „Ist Ihnen Yogi ein Begriff?“ Ich mußte verneinen. Dr. Britten erklärte:„Es ist eine widerwärtige Gesellschaft! Man nennt das zudringliche Gesindel auch Bhikku! Aber diese Bezeichnung kursiert mehr auf Ceylon, das Festland hat für die Burschen das Wort Yogi geprägt. Was wollen Sie? Schnorrer für unsere okzidentalen Begriffe, Heilige in jenem unbegreiflichen Lande, denen das Volk übernatürliche Kräfte beimißt. Söhne Brahmas, Wischnus oder auch Schiwas, ganz wie Sie wünschen, die vom Bettel leben und denen jeder, mehr aus Furcht denn aus Mitleid, die Schale mit Reis füllt. Sie sind schmutzig wie die Erde und liegen in den Gräben längs der Straße. Plötzlich stehen si: vor Ihnen, wie aus dem Boden gestampft, und strecken die Rechte. Heilige, die niemand anzutasten wagt. Der arme James hatte sie eben noch nicht zur Genüge gekannt.“ Dr. Britten schwieg. Eine düstere Erinnerung schien ihn zu gäulen. Erst das liebliche Bild des Urserentales stimmte ihn wieder heiter. Und endlich auf der Terrasse des Hotels„Bellevue" nahm er den Faden seiner Geschichte auf: „Also! Es ging in das zweite Jahr, duß ich die Stelle als Assistent im Spital von Mount Abu bekleidete, das von Urwald eingeschlossen am Rande des Dschungels liegt. Das allnächtliche Konzert, an das ich mich zusammen mit meinen Freunden James Stewart und Paul Dean nachgerade gewöhnt hatte, bestand in dem Geheul der hungrigen Bestien, die diese liebliche Gegend unsicher machten. Im allgemeinen bilden diese Panther nur des Nachts eine Gefahr. Wenn die Sonne am Himmel steht, wagen sie sich nicht aus ihren Verstecken hervor. Darum machten wir uns denn auch zu dreien wieder einmal sorglos auf unseren Morgenritt. Stewart, Dean und ich. Längst waren die letzten Hütten Mount Abus unseren Blicken entschwunden. Da trasen Klagelaute unser Ohr. Mitten auf dem Pfade wand sich ein Hindu, wie in körperlichen Schmerzen. Beide Arme gen Himmel erhoden lag der Mensch auf den Knien und winselte:„„„„ „Ich bin der unglucklichste unter der Sonnei Helft mir, weiße Sahibs! Sieben Ziegen sind mein Eigen gewesen, sie waren mein einziger Besitz! Fünf davon haben die Panther zerrissen! Helft mir!“ Nun erzählte er sein Mißgeschick. Eine Pantherjagd ist immer ein exquisiten Vergnügen, vorausgesetzt, daß sie richtig vorbereitet wird und daß man sich auf einem geeigneten Baume vor den Bestien in Sicherheit befindet. Wir folgten also dem laut Heulenden bis zum Eingang seiner in wilder Einsamkeit gelegenen Hütte. Hier entdeckten wir denn auch nach kurzem Suchen einen für unsere Zwecke durchaus geeigneten Feigenbaum. Wir ließen einen kunstlichen Anstand im Schutze der dichtbelaubten Aeste errichten und versprachen, nach Sonnenuntergang mit unseren Feuerwaffen auf dem Posten zu sein. Nach Mount Abu war ein gehoriges Stück. Wir hatten daher Eile, und James Stewart übernahm dieses Mal die Führung. Er war uns beiden andern um einige Meter voraus. An einer Stelle, die mir noch heute unvergeßlich ist, führte der Weg durch eine Art von Schlucht. Zu beiden Seiten stand armdicker Bambus, der jede Möglichkeit eines freien Ueberblickes nahm. Da scheute Stewarts# Pferd und bäumte sich hoch auf. Im ersten Augenblick hatte ich keinen anderen Gedanken als den, das Tier sei von einer Kobra gebissen worden. Das war aber nicht der Fall. Fauchend und zischend wie diese gefürchtetste unter den indischen Schlangen, erhob es sich da aus dem Bambusdickicht... unbeschreiblich! Es blutete aus einer Stirnwunde, die von einem Hufschlag herrühren mußte! Vom Pferde Stewarts! „Um Himmelswillen!“ schrie ich.„Ein Yogi! ... Was haben Sie angerichtet, Stewart?“ Es war in der Tat so! Das blutende Gesicht des Fanatikers glich einer Teufelsfratze. Der durch endloses Fasten und beispiellose Selbsttorturen ausgemergelte Körper ähnelte einem Skelett, und der furchtbare Fluch, der sich in diesem Augenblick von den bläulichen Lippen löste, klang wie die Stimme Schiwas, des Allvernichters, selber. Der Fluch des Yogi war an den nichtsahnenden Stewart gerichtet, und dieser Fluch hallt noch heute in meinen Ohren:„Nimm Dich in acht! Du hast einen Heiligen angetastet und ich beschwöre die Rache der Urwaldbestien auf Dich herab. Durch sie sollst Du eines grausamen Todes sterben. Noch in dieser Nacht eine Stunde nach Aufgang des Mondes wirst Du von einem Panther angefallen werden und Deine Schuld fühnen. Niemals mehr im Leben wirst Du einen Yogi beleidigen, denn Dein Stern sinkt.“ Das Gesicht verschwand im Dickicht der Bambushecken, und wir hielten minutenlang wie vom Donner gerührt. Und doch... man vergißt nur zu rasch. Der Rest des Tages verstrich in gewohnter Arbeit und im üblichen Gespräch. Wir waren heiter und guter Laune. Niemand dachte mehr an den Yogi, und so fanden wir uns pünktlich in der Stunde des Sonnenunterganges wieder bei unserem Hindu ein. Diesmal waren wir im Wagen gekommen. Den ließen wir auf der Landstraße halten, und ich gab dem Tamilen, der die Pferde lenkte, den Befehl, um Mitternacht wieder zurück zu sein, um uns nach Mount Abu zurückzubringen. Und bald hockten wir unter den breiten Blättern der Feige, zu dreien im Anstand. Das dauerte eine gute Stunde. Schon stand der Mond hoch am Himmel. Da teilte sich der die Hütte umstehende Pisang. Es war wie in einem Märchen und in einer aufregenden Erzählung zugleich. Konturen in dem Silberscheine, lautlos. Ein wundervolles Männchen und ein kleineres Weibchen. Die herrlichen Tiere hatten keine Achnung von der sie unmittelbar bedrohenden Gefahr. Spielerisch schlugen sie mit den Schweifen die bunten Pranken, und für eine knappe Minute ging es zwischen den beiden Katzen hin und her wie im Spiel. So kamen sie in die Schußlinie... die Büchsen krachten. Wie vom Blitz gefällt lag das größere Tier verendet am Boden. Das Weibchen tat noch ein, zwei verzweifelte Sprün ge, brüllte im Todesschmerze, sank um und streckte sich. Dean und ich waren an dergleichen gewöhnt Gelassen setzten wir unsere Pfeifen in Brand und warteten. Nicht so Stewart. Der Neuling brannte vor Ungeduld.