Die Kaffeesintflut Humoreske von Franz Rebernigg. „Hier der Kaffee, Herr Direktor“, lächelte die Verkäuferin und überreichte dem Kunden mit zierlichen Fingern das saubere Päckchen. „Es freut mich, daß Sie sich doch zu dieser Sorte entschlossen haben. Und ich hoffe, Sie werden an mich denken, wenn Sie morgen Ihren Kaffee nehmen.“ „Und ob ich das werde, Du Schlange!“ dachte Herr Bornemann bei sich. Laut aber sagte er:„Ich werde nicht verfehlen, Fräulein Anny.“ Bei der Rückgabe des Wechselgeldes glitten ihre Fingerspitzen leicht über die seinen und verweilten, wie es schien, länger als nötig. „Was bedeutet das alles?“ fragte sich Herr Bornemann, als er auf die Straße hinaustrat. ging hier auf Geschäfts= und was das alles noch dienstliche Pflicht? Unmöglich. Schon seit einiger Zeit fiel ihm auf, oaß Fräulein Anny jedesma! errötete, wenn er den Laden betrat. Lächeln kann vertraglich vorgeschrieben sein, aber Erröten... Er betrachtete sich im Spiegel des benachbarten Friseurladens. Warum eigentlich nicht? Er war elegant, gut gewachsen, und niemand konnte ihm seine Fünfundfünfzig anHalb unbewußt fand er sich abends wiederum bei Mayer u. Co. ein. Er kaufte eine Flasche Ananaslikör. Ob Anny erröten würde? Ja, sie errötete. Und nun errötete er auch „Du bist in der letzten Zeit wirklich recht aufmerksam“, sagte Frau Gertrud, als er ihr daheim die guten Dinge übergab.„Ja, meine Liebe“, entgegnete er und küßte sie zerstreut auf die Stirne. Als dann Herr Bornemann, bereichert um eine Photographie, die Anny zufällig auf dem Ladentisch liegen gehabt hatte, das Geschäft von Mayer u. Co. verließ, schwanden die letzten Zweifel, und er schritt nun an das Problem die Beziehungen zu dem Fräulein zu erweitern. Im Laden ging es nicht, das stand fest. Entweder störten die anderen Kunden oder. wenn keine da waren, das Personal, das voll Berehrung an den Lippen Seiner Majestät des Kunden hin, jeden Augenblick bereit, ganze Breitseiten von Höflichkeit auf ihn abzufeuern. Er wartete also abends den Ladenschluß ab, um dann so zu tun, als ob er ganz zufällig vorüber käme und sich freue, Fräulein Anny ebenso zufällig zu begegnen. Endlich schlug es sieben. Und einige Zeit darauf erschien Anny im dunklen Rahmen des Haustores. Leider kam sie nicht allein. Das ganze Personal schwarmte ringsum heraus, sie unbewußt beschützend wie Torpedoboote ein Handelsschiff in Kriegszeiten. Sie erwiderte seinen Gruß mit sichtlichem Bedauern. Dann bestieg sie mit mehreren Kolleginnen die Straßenbahn. Ging es nicht am Abend, dann vielleicht am Morgen. Herr Bornemann wartete also am nächsten Tage früh an der Augustenstraße. Anny kam frisch und lächelnd wie ein Sonnenaufgang um die Ecke. Sie hatte es sehr eilig. Ob sie nicht doch einmal ein wenig Leit habe, nur ein Viertelstündchen?— In den nächsten Tagen leider nicht... in zwei Wochen vielleicht.. aber wenigstens in den Laden möge der Herr Direktor kommen, wie immer. Nicht böse sein.— Dann verschwand sie im Portal von Mayer u. Co. Und abends brachte der Herr Direktor seiner Frau außer Kaffee von der besten Sorte fünf Päckchen verschiedener Keks, kandierte Früchte und eine Flasche Himbeersaft. „Du verwöhnst mich aber jetzt, Adolf“, sagte Frau Gertrud.„Wie wäre es übrigens, wenn wir auf einige Tage nach Waldheim fahren würden, wo es immer so schön war?“ Forschend spähte sie ihm dabei ins Gesicht. Er zwang sich zu einem Lächeln und sagte:„Ach, wo denkst Du hin. Ich bin jetzt viel zu sehr beschäftigt.“ Die Zeit verging, und die Vorräte des Hauses Bornemann an Kaffee und Süßigkeiten mehrten sich. Vierzehn Tage waren um, und als Herr Bornemann mahnenden Blickes aus der Hand Annys fünf Pfund San Paolo Exquisit übernahm, flüsterte sie ihm zu:„Bitte, morgen, Herr Direktor, Schiller=Denkmal, vier Uhr, pünktlich sein.“ „Es ist erreicht!" dachte Herr Bornemann, voll Dank an das Geschick. Und telephonierte seiner Frau, daß ihn eine dringende Vorstandssitzung wahrscheinlich länger festhalten werde. Dann legte er den letzten Schliff an sein Aeußeres, kaufte einen Strauß roter Rosen und begann das Schiller=Denkmal zu umkreisen. Endlich kam Anny. Sie wandten sich dem Park zu, und Anny begann sogleich:„Ich habe gsbeten, hierber zu kommen, Herr Direkstor, um Ihnen zu danken und mich gleichzeitig zu verabschieden. Ich reise morgen ab.“ „Oh!“ machte er verblüfft. mit der Leitung unserer Filiale in Baden=Beden betraut worden“— fuhr sie nicht ohne Stolz fort—„und diesen Erfole verdanke ich auch Ihnen, Herr Direktor. Unsere Firma hat unter ihrem gesamten Personal ein Preisausschreiben veranstaltet, mit Preisen für jene Verkäufer, deren Verkaufstechnik die bessten Erfolge erzielt. Sie waren so liebenswürdig. mich in meinen Bemühungen bestens zu unterstützen, so daß ich den ersten Preis, tau##nd Mark in bar und die Stelle in BadenBaden, bekam. Ich bin sehr glücklich, und es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen dafür zu danken.“ „Bitte, bitte sehr...“ stammelte er maßlos verwirrt. Sie reichte ihm die Hand und sah hm dabei tief in die Augen. Er wußte nichts mehr zu erwidern und fühlte wie ihre feine Hand sich loslöste. Dann sah er sie die Straße überqueren und verschwinden Richtung Goethe=Denkmal. Unterwegs durchstrich sie etwas in einem kleinen Notizblock. „Du bringst mir Blumen?“ rief Frau Gertrud freudig erstaunt.„Ja, Liebste. Und wenn Du willst, fahren wir morgen nach Waldheim. Gute Nacht. Ich bin ein wenig müde.“ Intermezzo Skizze von K. Struppe. Zwischen der Ankunft des Zuges und der Abfahrt des Postautos lagen mehr als zwei Stunden. Man hatte in der Bahnhofswirtschaft gespeist, in einigen Zeitungen geblättert und immer wieder auf die Uhr gesehen, ob denn die Wartezeit noch nicht bald um sei. „Ich freue mich sehr auf die Fahrt über das Stilfser Joch“, sagte die junge Frau und schaute zum tiefblauen Himmel hinauf, an dem sich die letzten weißen Wolken westwärts verzogen. Der Herr Ober hat recht prophezeit: Ziehen die Wolken nach Martell, wird das Wetter warm und hell.“„Wir werden eine schöne Fahrt haben“, entgegnete der Mann. „Ganz unbändig freu' ich mich,“ sing die Frau wieder an. Und indem sie aufstand:„Ich will doch sehen, ob man noch nicht bald einsteigen kann.“ Der Mann blickte ihr lächelnd nach, als sie leicht und geschmeidig den Speisesaal durchschritt. Wie kindlich sie noch ist, dachte er, wie aufgeschossen und ungeschminkt. Nur langsam nimmt sie das Gehabe einer-Dame an. Nun schickte sich auch der Mann zum Gehen an und kam durch ein kleines Schreibzimmer, das an den Speisesaal grenzte. Da es ihm angenehmer schien, im Kühlen zu warten als draußen in der Hitze zu stehen, setzte er sich in einen bequemen Klubsessel, und blätterte in seiner der zerlesenen illustrierten Zeitschriften, die auf dem Tisch zerstreut lagen. Er fand immer dasselbe: Sport, Schönheitsköniginnen, ein Explosionsunglück und den Besuch eines Ministers. Auf der vorletzten Seite war ein Gruppenbild aus einer Theateraufführung; doch schien es ihm belanglos, und er sah kaum hin. Aber sein Blick blieb an einem der fünf Namen hängen, die unter dem Bilde standen: Gerdie Pilar... In unwillkürlicher Reflexbewegung schlossen sich herzschlaglang seine Augen. Sein erstes Gefühl war eine süße, neugierige, fast knabenhafte Freude.„Wenn ich jetzt hinschaue", dachte er,„sehe ich sie endlich wieder.“ Zwölf Jahre sind vergangen, seit sie schicksalhaft in sein Leben eingriff, sie, die bekannte Schauspielern in das Leben des armen Arztes Ihm schier es damals nicht unmöglich, sie zu gewinnen. Doch da kam gerade ihr Vertrag mit dem Burgtheater zum Abschluß, und sie hatte strahlend vor Glück zu ihm gesagt:„Ich werde eine Ministergage haben.“ Und er, unbeschwert von Fachkenntnissen:„Werden Sie nun immer dort bleiben?“ Sie hatte ihn belustig: und mitleidig angesehen:„Aber natürlich“ An die Burg zu kommen, ist doch der Traum eines jeden Schauspielers.“ Jahre hindurch hatte ihn das Verlangen nach ihr beunruhigt. Er hoffte, ihr weiteres Schicksal und ihre Erfolge aus Zeitungsnotizen zu erfahren— denn seine Briefe blieben unbeautwortet—. aber er las nie etwas über sie. Lange stand die Erinnerung an ihren Liebreiz in unverblaßten Farben vor seiner Seele. Da kam eines Tages das kleine Bürofräulein Renette als Patientin zu ihm. Er empfing sie sogleich mit einem glückhaften Lächeln, weil sie die geliebten Züge der Gerdie Pilar trug. Sie hatte dasselbe ruhige, etwas breite Gesicht mit den zarten Farben, das gleiche sandfarbene Haar, dieselben grauen Augen mit den aufwärts gebogenen langen Wimpern und— das Beglüchendste— gleich der fernen Geliebten den von einem Monalisalächeln umblühten, onurt ge chnittenen Mund.0 Die kleine Renette war seine Frau geworden. Daß er eine andere in ihr liebte, sagte er der Jahre waren Schein und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart zu gah Gerder Finheit zusammengeschmolzen. auch die bewußte Erinnerung an Gerdie Pilar schmerzte nicht mehr. Nur eine kleine, fast beseligende Unruhe war mit dem Gedanken an sie verbunden. Nun hatte er sie nach zwölf Jahren zum erstenmal hier i.n Bilde gefunden. Er versenkte sich in dessen Anblick. Aber— wie denn? Gerdie war ja gar nicht dabei! Da sah er drei Herren und zwei Damen, eine sehr junge und eine alte. Schnell las er nochmal die Namen unter dem Bilde. Es stimmte schon Die aufgeputzte komische Alte war Gerdie Vilar... Er bohrte seine Blicke in das breite Gesicht mit dem Doppelkinn und dem grobgeschminkten Mund und suchte nach den Spuren jener Linien, die er einstmals über alles geliebt. Die Nase, ehedem hübsch und provortioniert, verlor sich fast zwischen den wuchtigen Wangen. „Rolle, Schminke“, dachte er. Nein, das konnte nicht alles Schminke sein: die fleischigen Arme, die aus dem tiefausgeschnittenen Gesellschaftskleide hervorquollen, der plumpe Körver. Und daß sie diese lächerlich=groteske Rolle in dem albernen Stück überhaupt spielen mochte! Und das war auch gar nicht das Burgtheater, sondern irgend eine Vorstadtbühne, die den kassenfüllenden Schlager„Fipsel“ spielte. Also hatte sie den Vertrag mit der„Burg“ nicht erneuert bekommen. Er starrte immer wieder auf das Bild der Frau, die er einmal am meisten geliebt hatte von allen Menschen auf der ganzen Welt. Gewiß, Gerdie war nicht mehr jung, aber die Frau kann in jedem Alter schön sein, wenn sie ihre Jahre in stilvoller Würde zu tragen versteht. Nur— das tat Gerdie Pilar nicht „Wir können einsteigen, Reinhard“ meldete hm seine Frau.„Warum ziehst Du Dich denn ins Damenzimmer zurück? Ei, schau, TheaterHamen sieht er an! Die Junge da gefällt Dir wohl sehr?“ Er wehrte lachend ab. Sie aber sagte eifrig: „Kann ich mir denken, daß Du Dich an der Komischen Alten ergötzt hast, lieber Sünder. So siehst Du aus! Marsch, einsteigen!“ In plötzlich aufquellender Freude an der holden Wirklichkeit seines Besitzes zog er Renette an sich, als sei sie erst in dieser Stunde sein köstliches Eigentum geworden. Toppelter Standgunkt. „A.:„Mein Beileid zu Ihrem Unfall. Werden Sie noch lange auf Krücken gehen müssen?" B.:„Ich weiß noch nicht. Mein Arzt sagt nein, aber mein Advokat sagt ja.“ Schwieriger Fall. „Denken Sie nur, Herr Doktor, ich spielte Mundharmonika, und da habe ich das Instrument verschluckt!" „Na, dann seien Sie froh, daß Sie nicht gerade Klavier gespielt haben!“ Sichère Kennzeichen. „Ist Jürgen schon aus der Schule?" „Ich glaube. Der Papagei ist auf die Gardinenstange geflogen und die Katze unters Bett gekrochen.“ Enigegenkommend. Räuber:„Geld oder Leben!“ Ueberfallener:„Geld habe ich nicht! Aber nehmen Sie auch Briefmarken?“ Das Kind. Klein=Inge fährt mit ihrem Großvater in der Straßenbahn und kommt über den Neuen Markt. Da sieht sie das Denkmal Luthers mit der aufgeschlagenen Bibel. Ganz erstaunt ruft sie:„Opa, wen sucht denn der Mann im Telephonbuch?“ Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlog: C. Santz. Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 4 Samstag, den 31. Januar 1931 Das erste Wunder Erzählung von Azorin. (Berecht. Uebertragung aus dem Spanischen von Ines E. Manz.) Letzte Sonnenstrahlen fallen in das schmale Kellerfenster. Die Hände des alten Mannes wühlen im aufgehäuften, funkelnden Golde. Als es ganz dunkel geworden ist, läßt er die Münzen in die starke Truhe zurückwandern, legt einen eisernen Querbalken vor die Tür, riegelt mit zwei Schlössern ab und steigt die enge Treppe nach seiner Wohnung hinauf. Das Nachtmahl steht bereit. Doch der Hirt läßt heute auf sich warten. Ungeduldig hat sich der Herr zu Tisch gesetzt. Solche Verspätung ist noch nie dagewesen. Ein Knecht reich ihm nicht schnell genug das Gericht, er brünc ihn an, und der Knecht läßt vor Schreck den Teller fallen. Alle halten entsetzt den Atem an, denn ein zerbrochener Teller ist eine Katastrophe. Und dann tobt er eine halbe Stunde lang. Da steht der Hirt auf der Schwelle. O weh, er hat es schlecht getroffen. Ergeben wartet er auf das Ungewitter. „Ist etwas vorgefallen?" fragt der Herr. Der Hirt zögert einen Augenblick. Er dreht den Hut unschlüssig in den Händen.„Vorgefallen? Nein... nicht eigentlich...“ „Du bist ein Idiot, ein Tölpel! Kannst Du nicht reden?“ Aber der Hirt weiß nur immer zu sagen, es " sei nichts vorgefallen. Nur im Stall, der dem Herrn gehört, in dem Stall auf freiem Felde, hätte er etwas Merkwürdiges gesehen.. Leute waren drinnen... „Was! Leute im Stall!“ schnellte der Alte hoch.„Heißt das noch Achtung vor fremdem Eigentum? Habt Ihr Euch alle gegen mich verschworen? Wollt Ihr mich ruinieren, soll ich meine Tage im Elend beschließen? Ich werde selber das Bettelvolk verjagen. Was für Leute waren es denn?" „Es waren.. waren...“ dem Hirt wollten die Worte nicht über die Lippen,„... ein Mann und eine Frau.“ „So, so. Wir werden ja sehen.“ Er hatte den Hut aufgesetzt, den Stock gepackt und war davon gestürmt.— Die Nacht war blau und klar, die Sterne funkelten ihn an wie vorhin die Goldmünzen im Keller. Tiefer Friede ist über dem Lande. Der Alte geht hastig, böse stampft sein Stock. Schon heben sich die Umrisse des Stalles vom tiefen Blau des Nachthimmels ab. Dann steht er neben dem zerfallenen Gemäuer. Die Tür 1 3u. Er will sich die Leute erst einmal anHeller Schein dringt aus der Mauer. Er bringr sein Gesicht an einen Spalt und sieht hinein. Und stößt einen Schrei aus, steht wie angewurzelt. Seine Ueberraschung wird zur tiefsten Ergriffenheit, er ist gebannt, sein Atem geht schwer. Was er sieht, können nie menschliche Augen gesehen haben. Unverwandt schaut er. Es vergehen Minuten, Stunden, er merkt es nicht. Welches Maß ist gültig für so unerhörte Momente? Sind Tage, Jahre vergangen? Die Zeit ist nichts vor dem hohen Wunder, das er erlebt. Langsam, versonnen, geistesabwesend kehrt er heim. Er muß an der Tür warten, es wird nicht gleich geöffnet, aber er sagt nichts. Die Magd läßt die Kerze fallen, aber er hat keinen Vorwurf für sie. Mit gesenktem Kopf geht er durch die Räume. Seine Frau stößt vor Angst etwas um, er sagt nichts dazu. Sie rufen ihn an wie einen Nachtwandler, und er läßt sich sanft wie ein Kind auskleiden und zu Bett bringen. Am nächsten Morgen ist er weiterhin still und in sich gekehrt. Armen Leuten, die um ein Almosen bitten, gibt er Silberlinge. Kein zorniges Wort kommt mehr über seine Lippen. Alle sind verblüfft: Ein bösartiges Ungebeuer ist über Nacht zum lanften Kinde geworden. Frau und Kinder wissen sich die Verwandlung nicht zu erklären, etwas Ernstes muß bei seinem nächtlichen Gange nach dem Stalle vorgefallen sein. Die Güte ist vielleicht noch beängstigender als früher seine Wutanfälle vielleicht handelt es sich um Symptome schwerer Erkrankung. Beunruhigt, wortlos beobachten sie ihn. Endlich faßt sich die Frau ein Herz und bittet ihn behutsam, ihr sein Geheimnis zu offenbaren. Sie erreicht endlich, za5 er ihr sein höchstes Erlebnis ins Ohr flüVerblüfft ruft sie aus:„Drei Könige und ein Kind im Stall!" ] Er legt den Finger auf die Lippen und bitet sie, nicht laut davon zu sprechen. Ja, sie will still sein. Aber ihre Gedanken kreisen immer wieder um die Frage, ob sein früherer Zorn schlimmer war als der Wahnsinn, der ihn jetzt befallen hat. Denn es ist natürlich nur Wahnsinn: Drei Könige und ein Kind in einem Stall! Allmählich wissen es alle im Hause. Der arme Herr ist verrückt geworden, verrückt auf eine besondere Weise. Mitleidig schütteln sie die Köpfe: Drei Könige und ein Kind! Ruhig, ohne Ungeduld, ohne Zorn lebt er dahin. Er ist gütig, gibt den Armen und Bedürftigen, hat für jeden ein gutes Wort. In seinem Hause sehen sie ihn bekümmert an. Die Frau läßt einen weisen Arzt kommen. Er untersucht den alten Mann, fragt ihn nach Lebensweise und Gewohnheiten. Der Alte lächelt nachsichtig und offenbart dem Arzt sein Erlebnis. Und der Arzt stimmt ihm bei, wie man einen Geisteskranken anhört.„Ja, ja, es ist schon möglich: Drei Könige und ein Kind in einem Stall.“ Er schüttelt den Kopf und antwortet der Frau, die ihn besorgt um seine Ansicht bittet: „Ein harmloser Wahnsinn. Nichts Gefährliches, seien Sie unbesorgt. Verhaltungsmaßregeln sind unnötig. Wir können nichts tun als abwarten —Warum ich nicht beiratete Skizze von Frank Helmerding. In einem Weinlokal traf ich ihn. Behaglich saß er bei einer Flasche Rüdesheimer, den er genießerisch über die Zunge gleiten ließ. Ich hatte ihn lange nicht gesehen, den Freund von ehemals, der sich still zurückgezogen hatte, als ihn das Unglück ereilte, in der Inflation sein ganzes Vermögen zu verlieren. Nun sah ich ihn wieder, fesch und schneidig, nach der neuesten Mode gekleidet. Ich begrüßte ihn. Freudig drückte er mir die Hand und bat mich, bei ihm Platz zu nehmen. Alte Erinnerungen wurden ausgetauscht. Er erzählte mir von seinem vielbewegten Leben, das ihn schaukelartig aus der Tiefe in die Höhe, dann aus der Höhe in die Tiefe gebracht harte. Immer hinauf und herunter. Aber jetzt war er wieder obenauf; und doch unzufrieden mit seinem Geschick. „Höre und urteile selbst, ob ich nicht allen Grund habe, mit dem Leben zu hadern. Du weißt, ich bin schriftstellerisch nicht unbegabt. Da hatte ich mal ein Drama geschrieben. Aber bei keiner Bühne kam es zur Aufführung. Das alte Lied: kolossaler Einlauf von Manuskripten— unbekannter Name— niemand las es. Doch eines Tages erhielt ich von dem Dramaturgen eines großen Provinztheaters einen Brief, der mich vor Freude tanzen ließ. Der Mann hatte mein Stück nicht nur geslesen,— nein, er war sogar begeistert davon und hatte es dem Direktor zur Aufführung sempfohlen. Ich war glücklich und sah das (Paradies schon offen. Aber ich gelangte nicht hinein. Der arme Dramaturg mußte kurz nach der Lektüre meines Stückes in eine Irrenanstalt überführt werden— unheilbar krank. Kein Mensch kümmerte sich dann um mein Werk, das ich eines Tages zurückerhielt.“ Ich drückte ihm mein Bedauern aus, dann fuhr er fort:„Höre weiter: Man braucht ja nicht gerade in die Gattung der Erbschleicher eingereiht zu werden, um nicht doch, wenn berechtigt, sehnsüchtige Erbschaftshoffnungen zu hegen. In diesem Falle war der Erblasser weiblichen Geschlechts. Meine Tante Pauline. Ein Enel, sage ich Dir! Unverehelicht und ungenießbar. Doch unentwegt bemühte ich mich um sie; ertrug ihren schlechten Kaffee und ihre noch schlechteren Launen. Denn in der Finsternis meiner damaligen Nöte leuchtete mir der freundliche Stern, der den verlockenden Zamen„Universalerbe“ trug. Da geschah in dem Kurort, den sie ihrer Gicht wegen aufsuchte, das Unglück. Zu der alten Tante geseute sich ein junger Mann, der mit ihr die Ehe einging.„Aus Liebe“, schrieb mir Tante Pauline!— Und wenn ich auch nicht an seine Liebe glaubte, an den Verlust der Erbschaft mußte ich's. Inzwischen hatte ich meine jetzige Stellung erobert. Nach Monaten harter Arbeit ging ich zur Erholung nach Helgoland. Also, was soll ich dir lange Geschichten erzählen! Dort lernte lich ein bildschönes, entzückendes Mädchen aus bester Familie kennen. Ich verliebte mich in Ulla— und liebe sie noch. An jenem Septemberabend, droben im Oberland, küßte ich sie, und sie wehrte sich nicht. Im Gegenteil! Denn sie liebte mich auch.— Und so hätte ich beinahe dieses schöne, reiche Mädchen geheiratet!“ „Ja, aber warum denn nur beinahe?“ fragte ich, aufs höchste gespannt.„Du hast ihr doch Deine gute Stellung!" Verbissen starrte er vor sich hin. sie wohl, aber schließlich doch glänzend, daß ich Ullas Wunsch hätte erfüllen können, meine alte schöne und billige Wohnung, in der schon meine seligen Eltern gelebt haben, gegen eine moderne, teure, umzutauschen. Das aber wollte Ulla durchaus. Sie mißachtete die mir lieben Möbel, mit denen mich so viele Erinnerungen verbanden; sie wollte den Haushalt ganz erneuern, sogar die bewährten Kachelösen, den Kohlenherd und zung un entfernen und sie durch Zentralheizung und Gas ersetzen lassen. An die hohen laufenden Kosten dieser Heizung dachte sie gicht,„Und ich bin geradezu vernarrt in meine Kachelosen, in die ich im Winter nur ein paar Briketts hinein zu tun brauche, um das Zimmer mollig warm zu haben. Denn so ein Kachelosen, hat etwas unendlich Anheimelndes und Behagliches.— Nein, das wollte sie nicht! Sogar der alte schöne Kronleuchter sollte verschwinden. Und darum— trotz aller Liebe— paßten wir nicht zueinander, Ulla und ich. Sie ist mir eine zu teure, nach dem Modernsten begierige Dame, und ich bin ein bescheidener Mensch, ganz abgesehen davon, daß das Mo[derne oft entbehrlich und weniger heimisch als das alte ist.“ Leise klangen unsere Gläser aneinander. [Ich mußte dem Freunde recht geben, zumal in einer Zeit, wo altbewährte Einfachheit erhöhte Geltung erlangte. Abrüstung Satire von Jo Hanns Rösler. kannst es glauben oder nicht", sagte Andreas Reminus,„der Pazifismus marschiert. weniger als fünf Jahren werden wir die fallgemeine Abrüstung erleben.“ keren Fahichliser Trotz der immer fürsücten Rubikansterung der Völker?“ „Trotz alledem. Die heutigen Abrüstungskonferenzen sind Versuche mit untauglichen Mitteln. Aver doch immerhin ein Anfang. Eines Tages werden alle diese kleinen richtungen zusammenfließen und einen großen Strom des Friedens bilden.“ „An dem die Völker sitzen und angeln?“ warf Heimann spöttisch ein. .„Das Thema ist zu ernst, um darüber zu spotten“, fuhr Andreas unbeirrt fort,„bedenke lediglich, welche Summen frei werden, die wir sem allgemeinen Wohlstand zuführen können! Diese„Milliarden, die heute noch jedes Volk für Rustungen vergeudet!" ich will Deinen Gedankengängen folgen. Du glaubst also, daß man alle Waffen abschaffen wird?“ „Dett der Zeit— ja. Wenigstens alle Wafsen, die den Tod herbeiführen.“ „Wie stellst Du Dir das vor?“ „Ich setze den Fall“, erwiderte Andreas zögernd,„Daß die großen Völkerabrüstungen hinter uns liegen, man also keine weiteren Geschütze Tanks, Gewehre und Munition erzeugt. Die vorhandenen großen Waffen werden in allen Ländern zerstört. Die Waffenindustrie wird umgestellt. Daraufhin erfolgt ein Erlaß aller Regierungen der Welt, daß sämtliche Schußwaffen abzugeben sind. Bis heute ist ja nur das Waffentragen, nicht der Waffenbesitz strafbar. Und zwar kaufen die Staaten die Waffen zum vollen Neuwert zurück, um die Aktion zu beschleunigen.“ „Was wieder Tür und Tor zu großen Schiebungen offen ließe." kommt bei der großen Idee auf einige Millionen nicht an. Von einem bestimmten Tage an steht auf. Waffenbesitz Zuchthaus. Dann werden auch den Organen der öffentlichen Ordnung die Mordwaffen entzogen. Es genügen vollkommen die bereits eingeführten Gummischläger und die mit Wasserduschen versehenen Polizeiautos, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Damit wären— bei gleichmäßigem Vorgehen aller Völker— die Mordwaffen auf der ganzen Welt, rein theoretisch betrachtet, verschwunden.“ Heimann lächelte:„Ich lasse Deine Theorie gelten. Laß auch meine gelten. Theoretisch wäre es doch möglich, daß ein Mann seinen Revolver in der hinteren Hosentasche vergessen pei.— „Das wäre möglich.“ „Schön. Und eines Tages fällt es ihm ein, sich der Waffe zu bedienen.“ „Man würde ihm die Waffe entwinden.“ „Das ist leichter gesagt als getan. Ein Mann mit einer Schußwaffe hält eine unbewaffnete dreißigfache Uebermacht leicht zurück. Es ist also nichts gegen ihn zu machen.“ Andreas Reminus dachte nach. Dann sagte er:„Ja— das ist schon richtig— aber, wenn wir Deine Theorie weiterführen, so wäre es doch ebenfalls möglich, daß auch von den anderen einer seinen Revolver in der Hosentasche vergessen hat, rein aus Zufall natürlich oder eben für solch einen Fall, wie Du ihn hier anführst.“ Heimann lachte:„Siehst Du— das wollte ich nur hören. Bevor also die allgemeine Weltabrüstung möglich ist, müßte man zunächst auf der ganzen Welt die hintere Hosentasche abschaffen. Und das, glaube ich, wird niemals gelingen. Denn der Hosentaschen sind viele in der Welt, und man verzichtet lieber auf eine der sichtbaren Rocktaschen als auf eine geliebte, vertraute und verborgene hintere Hosentasche. bleiben und hatte es nicht ga, ich habe ihn erschossen. Ich glaubte nicht, peiter ale, bis zum einfachen Buchhalter ge=daß man es herausbekommen würde, aber die nahme vielleicht Zesein Freund, mit Aus=[Polizei ist tüchtiger, als ich dachte. Gut, fühschers, der shn ger weigen brauen Pinsten Sie nich abt. .##. her ihn vor einiger Zeit zugelaufen war] Verwundert hatte der Schutzmann diesem sund der jetzt seine armselige Zweizimmerwoh=Ausbruch zugehört; jetzt nickte er ernst mit sicheren Schulhamerahan... slüch=ldem Kopf:„Also Sie sind der Mödders Wer beneidet, der Neidshätte das gedacht! Dann muß ich Sie natürlich in. elühenden, Haß umgeschlagen, mitnehmen. Eigentlich sollte ich Sie nur leinmat gchärt smiaen dayte zurick— zufällig sdarauf aufmerksam machen, daß Ihr Hund ehort, wie der andere ihn gegenüber sohne Steuermarke herumläuft. Aber dies der schönen Lisa van den Ploeg, die sie beide verehrten, einen„heimtückischen, mißgünstigen Kerl“ nannte, und als zudem bald darauf die beiden ein Paar wurden. Daß die schöne Lisa schon nach wenigen Jahren starb und Scheeven gleich ihm ein einsamer Mann wurde, vermochte den Haß des Buchhalters nicht zu mindern. Immer stärker hatte er sich im Laufe der Zeit in ihn hineingefressen, bis er jetzt zur Lösung drängte. Kern schritt auf das Haustor zu. Er wußte, die Dienstboten hatten an diesem Sonntagnachmittag Ausgang, er würde sein Opfer ändert die Sache.“ Er legte die Hand auf die Schulter des gebrochen in seinem Stuhl Zusammengesunkenen:„Folgen Sir mir, Kern! Sie sind verhaftet.“ 1.— Das Kind mit den drei Müttern Skizze von John C. Waters=Chicago. allein treffen. Er drückte auf die Klingel, zubemerkenu su sich verpflichtet, vorausgleich darauf schnarrte der elektrische Tür=der Wahrheit veinlich genau öffne:, Kern trat ein. Im Hausflur schritt vit, tiahz zn Gandore chend geschilderte Ereignisse sich in Nordamerika abgespielt haben, woraus etwaige ängstliche Gemüter die hern öffner: Kern trat ein. Im Hausflur ihm der Kaufmann entgegen. „Guten Abend, Herr Scheeven!" begrüßte der Buchhalter sein ahnungsloses Opfer.„Sie erkennen mich wohl kaum wieder? Ich bin Kern.“ whbraus elwaige ungstliche Gemuter die veruGewißheit schöpfen können, daß diese Geschichte mit einem„happy end“ schließt. Das Vorspiel war durchaus traurig. Wohnte da in Los Angeles ein junges Ehepaar, Allen „Aber natürlich, jetzt erkenne ich Sie, Herr und Berta Higdon, das einander zwar sehr liebKern. Kommen Sie, gehen wir in mein Ar=ste, dem ader der Himmel das beitszimmer!“. Und als beide Platz genom=lversagte. Die junge Frau wäre über diese Ent„Nun, was führt Sie zu mir?“ stäuschung schließlich hinweg gekommen, hätte Der Vergleich, oen der Buchhalter im Stil= sihr der geliebte Gatte nicht eines Tages mit len zwischen dem gemütlich und kostbar einge=sechr männlicher Brutalität die Eröffnung gerichteten Zimmer und seinen armseligen Räu=[macht, daß er innerhalb eines Jahres mit eimen anstellte, bestärkte ihn nur in seinem Vor= nem Erben beschenkt zu werden wünsche, wihaben.„Das will ich Ihnen sagen“, beant=sdrigenfalls er sich von ihr trennen würde. konnten mich nicht leiden und wiesen mich zurück. Stimmt das?“ ihmen mußte. In ihrer Verzweiflung fuhr sie zu Mutter und Schwéster nach San Franzisko, die beide schon manchen guten Rat geDie Hundesteuermarke Skizze von Herbert Schmitt=Carlén. Der Abend war an diesem Januarsonntag früh hereingebrochen. In der vom Licht der Straßenlaternen durchbrochenen Dämmerung ging vor einer der eleganten Villen am Mittelweg in Harvestehude ein kleiner, leicht hinkender Mann in abgetragenem Mantel auf und ab. Ein seltsames Feuer glomm in seinen Augen, als er zu den beiden allein beleuchteten Fenstern hinauf blickte, hinter denen er Ferdinand Scheeven, einen der ersten Kaufleute Hamburgs, an seinem Schreibtisch wußte— heute zum letzten Mal, das hatte sich Franz Kern geschworen. Noch heute würde seine Kugel dem Leben des glühend Gehaßten ein Ende machen. Zwanzig Jahre lang hatte er diesen Haß mit sich herumgetragen, fast seit der Zeit, da er und Scheeven gemeinsam die Schulbank gedrückt. Ein seltsamer Zufall führte sie damals als Lehrlinge in dasselbe Geschäft. Ueberall mußte Kern hinter dem glücklicheren Scheeven zurückstehen. Jener, ein eleganter und kluger Mensch, bei Kollegen und Vorgesetzten, vor allem aber bei den Frauen beliebt, stieg schnell auf der Leiter des Erfolgs empor und war heute Teilhaber einer der führenden Firmen „Nun, so schlimm war es wohl nicht“, meinte wußt hatten. „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen.: 9109 Hatfield, die Schwester, war SchauSteis haben Sie mir im Wege gestanden, stets Gemüt, dank welcher Eigenschaften zicht, einen zugt. Nannten Wmeraurnigen, heimlüchischen icht einen„mißgünstigen, heimtückischen fand. Da sie aber dar Parettene Ausweg Kerl“, um mich bei Lisa van den Ploeg schlecht sarmen Schy.. J dwiegenheit ihres zu machen? Und um sie, die auch ich liebte, recht...u8 Los Angeles nicht dann zu heiraten? Wundert es Sie, daß ich Sielgat trau“ empfagt sie ihr, sofort wieder haffe2s drumwett en Sie, buß tuy Sie heimwärts zu fahren und das meiste ihr und Verashene Latt, Thauuar keinen(der Rutter zu überlassen. Vertas ganze AufVergevens hatte Scheeven seinen offenbar gabe sollte nur darin bestehen, dank Süßigkeiirrsinnigen Besucher zu unterbrechen versuchttsten, Nudeln und anderer nahrhafter Lebens„Jetzt will ich Ihnen auch sagen, weshalb ich mittel eine kleine Mastkur durchzumachen, um gekommen bin: um Sie zu töten!“ schrie Kern ihre in Zukunft nicht mehr zu ihrer Mutterrolle den anderen an. Beide Männer waren aufgesprungen, in der Rechten des Buchhalters blitzte etwas metallisch glänzend auf; ehe der Kaufmann noch eine Bewegung machen konnte, knallte ein Schuß, und ins Herz getroffen sank Scheeven zu Boden.— Einige Stunden später saß der Mörder in seinem Zimmer und dachte über seine Tat nach. Alles war nach Wunsch gegangen. Niemand hatte ihn gesehen, niemand ahnte auch nur, daß er und der Tote einander gekannt. Der Revolver lag in der Alster. Eine sonstige Spur würde nicht zu finden sein, die strafende Hand der Gerechtigkeit den Mörder nie fassen können, es sei denn, daß er freiwillig ein Geständnis ablegte. Bei dem Gedanken mußte Kern lachen. So dumm würde er gerade sein und sich selbst ans Messer liefern!—— Am nächsten Morgen hatte sich Kern haum an den Frühstückstisch gesetzt, als seine Wirtin eintrat:„Draußen ist jemand von der Polizei, Herr Kern.— Was mag der so früh wollen?“ setzte sie neugierig hinzu. Der Buchhalter war blaß geworden. Die Polizei! Sollte man trotz allem auf ihn Verdacht haben? Aber das war doch nicht möglich! Niemand konnte ihn mit dem Morde in Verbindung bringen. Kern faßte sich:„Lassen Sie den Mann herein kommen, Frau Schlüter.“ „Sie sind Herr Ein Schutzmann trat ein: Kern?“ „Jawohl“, stammelte der Buchhalter haum hörbar. „Ich habe“, fuhr der Beamte fort,„den Auftrag...“ Er kam nicht weiter. Maßlos erregt, mit flackernden Augen fiel ihm der andere ins Wort:„Ich weiß schon. Sie sollen mich verhaften wegen des Mordes an dem reichen Scheeven. Nun gut, wenn Sie mich schon einder alten Hansestadt. Er. Kern, mußte stets mal aufgestöbert haben: Ich leuane passende„Girlfigur“ langsam zu verlieren. Das tat Frau Berta denn auch so wacker, daß ihr so brutaler Mann ihr einst einen dankbaren Kuß auf die Stirn hauchte:„Wann?"—„In vier Monaten“, log die Aermste und wurde rot, was ihr Gatte, der schon einmal in einem Roman von einem lüßen Geheimnis“ gelesen hatte, zu dem solche Verfäroungen gehören, falsch verstand. Als die Zeit beinahe gekommen war, traf eines Tages gänzlich unerwartet ein Telegramm aus San Franzisko ein:„Komme sofort hierher! Bruder liegt schwer krank, Gladys.“—„Natürlich muß ich dem Rufe folgen", sagte Berta zu ihrem Manne, und Allen ließ sie ziehen, wenn auch ein wenig schweren Herzens und um den Erben besorgt. In San Franzisko angekommen, erfuhr Berta, daß Mutter und Schwester gut vorgearbeitet und kurz vorher durch eine Anzeige ein kleines Kind gesucht hatten, worauf sich ein junges Ehepaar mit dem klassischen Namen Smith meldete, das mit dem in nächster Zeit bei ihm zu erwartenden Himmelsgeschenk nichts anzufangen wußte, weil es im bescheidenen Haushalte kaum für zwei, geschweige denn für drei hungrige Mäuler reichte. Gladys Hatfield, die— teils zum besseren Gelingen des Planes, teils zum Spaß— als„Frau Frank“ auftrat, eigens für diese Gelegenheit eine möblierte Wohnung mietete und einen für dieje Komödie von ihr als Statisten benutzten Freund als„Mister Frank“ ausgab, erklärte sich sofort zur Adoption bereit, versprach, dem Kinde eine gute Mutter zu sein, zerquetschte ein paar ausgezeichnet gelungene Tränen, und die Sache war abgemacht. Ein paar Tage nach Bertas Ankunft— der„schwerkranke“ Bruder war natürlich kerngesund— erhielt„Frau Frank“ die telephonische Mitteilung, das erwartete Ereignis sei eingetreten, und der neue Erdenbürger harre der Seholung. Staoys kletterte sofort in den nächsten Kraftwagen, krat in die bescheidene Wohnung der Smiths, hüllte das Kind sorgfältig ein, beachtete den bedrückt aussehenden jungen Vater nicht weiter— die Mutter schlief — und eilte hocherfreut zu ihrer ischwimmenden Schwester zurück: Dein Kind!" Der Tod Skizze von Leonidas Barletta. im Glück(Berechtigte Uebersetzung aus dem Spanischen sich bin? „enischen von S. p. Neuendorff.) „Ja, wirklich,“ wiederholte Mercedes nach drücklich,„das da ist mein Mann. Warum sollte ich Ihnen was vormachen? Oder glauben Sie vielleicht, ich will was Besseres sein, als Ich denke nicht daran, mir was einzubilden. Vor vierzehn Jahren haben wir B. E a M...— weizdet gemacht, und mein Rann— sowot. als man das Zeichen zur Abfahrt gab, streiftesaun Mann!— ist noch bei viel vornehmeren Mariano, der hochaufgerichtet auf dem Bock Begräbnissen dabei gewesen., Deswegen oin ich des Leichenwagens thrante mit der Peitsche noch lange nicht eitel geworden.“ Natürlich wurde das freudige Ereignis dem Palete) Biadon telkegranbisch mitgseilti Parguaz, hochaufgerichtet auf dem Bochiv=Trähnisen dabei gewesen, 2 zehn bis vierzehn Tagen kommen wir, unr ie Pelliura., Vierzehn Tagen nommen wir nach suver die Rappen, die mit den geschwärzten] Sie warf einen liebenallan ai“t Hause.“ Nun hatte aber die von Gladys so Hufen ungeduldig das Pflaster traten.* schön inszenierte Komödie einen wunden Punkt faßte er mit elegantem Schwunge die vertas etwas aus der Form gegangene, und fester und fuhr ab. zurch die„Gebgrt nicht im gerlagten,bein=] Seche mustige Gaute st. ch hier Mutter befonders... picht, eicht gan le. „Sie warf einen liebevollen Blick zu Mariano Dabei hinauf. Der saß mit glattrasiertem Gesicht Zügel stocksteif da. Wenn ihm nur nicht der Dreispitz Geburt“ nicht im geringsten beine! u..... den behands Die vornehn er die Zägel in uzte, Figur. zoch aug, vier wußten Nutterstergu waue sind nicht, leicht, gu len=sbsieh stehen, Site: Handen Pit, vierede. und Schwester sat. Vertachen durste zehnsungemohnheit ,penn einer von ihnen vie üdte Schuhe pichze g domuie die Luat der enge Tage lang nichts essen, mußte Dampfbädersanger gadnheit hatz, seinen Portner zu beißen. zufrieden ander ansdalten. Erschöpft abe. nehmen, wurde massiert und von der hilfreizg.; Martano lietß die Peitsche spieten, um sichsehtutnen Gug se veint.= chen Familie auf dem Fußboden hin= und her=(Behorsam zu verschaffen. Die Tiere schienen gerollt, bis sie zwar halbtot, aber schlank wielsig) sz, begreisen: denn sie hoben ordentlich ler nicht mehr der gleiche wie auf seinem Wagen. war. Und dann setzte die Familie schritteg gesichne si u Er hatte viel von seiner Würde verloren, als Hatfield sie mit vielen Segenswünschen nachlsotzigg geng eier ohne übertriebene, ser die Livree auszog. Aber in seinem ernsten Los Angeles in Marsch. estige Gewegungen.[Gesicht stand noch eine gewisse Ueberlegenheit. Hseden enpige, Frau und Kindl Narlano hatt zu seiner Frmu Nerredes ge Frau desasen Hlazell und erklürte lchte aler Neuschen., Alen intereserst, sch lach nachmnitag zum Vegrabnile. Seche Perde, teine Al. u Wbend mesen. erricH eibit um die Ernährewast: Slumenwagen, sechote Wüir eetlichchen n feteft der tümmerte von Verta hierbei he] Es war auch ein imponierendes Begräbnis. lalle zehn Finger danach. Du willst nicht est esie Pesche eine asant aur Jesz Ie, Bedie un den Aicheungen Kaur saie ui Büur uadk dachte, Ihr machtet das so“, meinte er mit ent=goign: Wagen folgten in unendlicher Reihe. Ich versteh wie soll ich Ihr machtet das so“, meinte er mit ent=(Ipienze Hizzngn foloten in unendlicher Reihe, wie soll ich mich ausdrücken... So wie sprechenoer urmbewegung, worauf ihm Berta Wieviel Blumen und Kränze gab es,— weiße, shab ich dich übrigens noch nie gesehen. einen längeren Vortrag halten mußte, um ihmsschlette, blauel Und dann die zahlreichen Ren=[Leute rissen Rund und Rase auf, wenn nar zu machen, daß es auch Flaschenkinderschen, die barhäuptig und in egrervietigem Peinsce pobst.“ Schweigen hinterher gingen! klar zu machen, daß es gebe. war Allen schließlich auch einverstanjetzt in Massen eintref=(Pferdehalter trugen senden Taufgeschenke seine Gedanken in An=Beinkleider, um die spruch nahmen. Ein paar Tage später erhielt seidene Strümpfe, Finger danach Dy willst nicht essen he ja: an einem Tage wie heute— mich ausdrücken... So wie heute Die r...(Heitscha sen, Rund und Nase auf, wenn du die ——„„„„„„ Arskemenr un. anzde. uup m aaut abeg, hagte Noriang, wider Bilen geichnet ungefangen von Mariano bis zum leßrenschelt,„Retinto hat mir zu schaffen gemacht. ahaltar trugan glle(Palalippon: kurze mußte gegen meine Gewohnheit die nehmen.“ alle Galalivree: Knie geschlossen, eic. Bedeutung ihrer Ro seni s aen, Aeise eich udiche Dde eariche buasge Nr 2lh Wfensten Seoen. De eak is ihm sesertlschet de Faser. Ale Shen Aranseu euien Gichad edche gewesen, ais sahe ihr aus den Zügen dessdernd zu Kindes sein eigenes Gesicht entgegen, und er#n### mußte den Kopf abwenden, um nicht zu rufen:! Marlanz empfand lebhafte Beftiedigung. Er „Rein, lassen Sie es hier!“ Jetzt aber quältelstmete kaum, um sein tadellos glattes, glänzel Iich verstehe“. kleinlaut. entschuldigte sich Mercades ihn die Erinnerung an dieses Gescht, und ersdes Vorhend nicht zu gerhnittern. Auch achletelgetroffen bini“ P 9 wollte sein Kind wenigstens noch einmal dersehen. So suchte er schon in den ni Tagen die Wohnung der„Frau Frank“ traf die zweite„Mutter“ seines Kindes allein und in sehr übler Laune an, weil sie ge### unstalten traf ihr„eheliches Heim“ wiewir ein paar Zettungen wie ich auf den Bildern an. Er sprach ein seines Verständnis für bie würdige Syme Stautek u tchrhasfe, Nänner fund Hotz voun der menschlichen Gesellschaft. Wer kein Staatskerte, wayrhaftigt Trotz alledem schwebte ein trübes Wölkchen über dem Beisammensein. Das Damenbrett stand unbenutzt da; heute wurde nicht gespielt. ##r eupstgiten traf, ihr geheliches Heim“ wie, halihe nder Verständnis für, die würdige SymDieput mit„Mister Pransenen Selbstbewußt“ dot dann wu habt halte. So antwortete se den Bater nür Kauscher sel. i Seceuugen Nase gu.““ und warf ihm diespähich seine beleibte Ehefrau, die dem Leichenund Liele Die sch shon länst nach dem vershoden, dem vorichnen Vegtcbnte Feizuwohen ###inde gesehnt hatte, suchte selbst ldenn Mereedes trabte hochentzückt und be„Frau Frank“ auf und verlangte Aufklärung]heisgrt, peben dem Leichenwagen her, dauernd über den Verbleib des Neugeborenen. Gladys aa Lekugr, hinzufalleg,„ensch###h#.„He. mußte Farbe bekennen:„Meine Schwester hatss.#riand! Marianchen: Rtensch, ssehst du mie undichsrsiert. Ein Wort gab das andere, versn nicht Dreh dich doch mal um' 221h erfahr Frau Smith, daß ihresmal her, eingebildeter Kerll Hörst duk“ derm hr nur eine Kondie vorgespsielt halte. Peische, Relanlae der uichershese iun die Back der. Leichenuage ain Sise Tie, der, HPponschen Rohnutg Alopites Fäste Kalten noch gehörige Krast. Die seche aufmercsam machen muste:„Du. Narianoag, nicht. „Willst du nicht wenigstens einen Tee haben?“ fragte Mercedes. Idergede.“ wil nur schlafen“, antwortete ar. sie:„He. jund gre.e ping ein paarmal im Zimmer auf du mich“ ab, aß einen Happen, löschte das Licht und m: Sieh legte sich ebenfalls schlafen. Sie dachte an die sSicsen die morgen früh in der Zeitung stehen peislicherweise siel Allen Hodon aus allen Volsdas ihn zu dauernder Aufmertsankest zwang sichen Ciudtuck: Und mun bekanen die sen, und seine But war so groß, daß er diel Nereedes war etwas zurückgeblieben. Dasldas Bfend das.. Stge wie e emae ian. as an eehe ee eee e eesser. ed u eue. s# g#t gu gug mur den Euenbagen durch), Ale ste die Augen Vnete, Ioien die Souz. wieser entschied mit Hilfe einer eigens aus die Leute und trottete nun wieder neben dem vergnügt durch alle Ritzen und Spalten. ases s se e ie icm elie hasien aise eis ase aice Vie Scaseh ehne dur bus P cer ur er dig gemacht habe, daß aber Leta Joyce an ihre Schließlich konnte sie sich nicht enthalten, einen zweiten und dritten; dann trillerte er fröhlich erste und einzig richtige Mutter zurück zu ge, dicken Glatzkopf anzureden, der neben orauflos. Draußen rief jemand die Morgenben war. Unter einem reichlichen beiderseiti= sihr herging.„Was sagen Sie bloß zu den präch= bictter aus. gen Tränenerguß sand die Rückgabe vor Ge=stigen Pferden.“ richt statt. Frau Smith jauchz“= Frosde richt stall. Frau Smith jauchzte vor Freude, und die arme Berta kam doch noch mit einem blauen Auge davon, da di ihren durchaus edlen Abs zeugt war, daß Mister Hi Stimme des Volkes anzuh seiner armen Frau großhe Der Gefragte sah sie unschlüssig an. Oeffentlichkeit von.„Das da ist nämlich mein Mann,“ erklärte sie hten derartio über= eriumphierend. die Der Kahlköpfige wischte sich mit dem Taschenund tuch über die Glatze. Er wußte nicht recht, was er sagen sollte. sichten Fremrag überigdon nicht gegen die kämpfen wagte herzig verzieh. Mercedes richtete sich auf, drehte sich nach ihrem Manne um. Sie wollte ihn wecken. Da erstarrte sie mit angstvoll aufgerissenen Augen. Mariano lag kalt und steif da, ohne sich zu rühren. Der Mund war zusammengezogen. Die Augen blickten starr, starr, starr... als führe er den Leichenwagen seines eigenen Begrst.