M c o w sic M u N W Wiigns un noa W u ee ut umm W Ne Whi og#ansbe ubiol gun U We u M Mnut Bunhung uf udal eg u zunzd ic Lebenslust Stizze von G. W. Scharnhorst. Man sprach im Kreise der zur Bowle Geladenen über das, was heute abend alle Gäste erfüllte, über die Lebenslust. Die Jugend gab mit ihrem Lachen den Ton an.„Himmel!“ meinte ein Mädchen von zwan zig Jahren,„wozu lebt man denn? Um es etwa zu halten wie unsere Großmütter, die jeden Groschen dreimal umdrehten, bevor sie sich ein neues Band an den alten Hut kauften, und die sich die Freude am Dasein vergällten mit dem Gedanken an des Vaters ewiges„Wer den Pfennig nicht ehrt... Nein! Wir wollen unser junges Leben genießen. Fort mit dem Mammon, wenn wir uns heute einen Spaß damit leisten können! Denn Lebenslust...“ „Halloh, dort steht ja der Doktor“, unterbrach da die junge Weltweise ihr philosophisches Bekenntnis und sah nach der Tür.„Guten Abend, Doktor. Was für ein Gesicht machen Sie denn? Diese Leichenbittermiene!" Der junge Arzt schüttelte die Hände im Kreise. Dann wandte er sich an das junge Mädchen: „Um Ihnen einen Gefallen zu erweisen, Fräulein Else, will ich meiner Gesichtshaut einen anderen Faltenwurf verleihen. So etwa? Dann sieht es nach Lachen aus. Und weil Sie gerade von Lebenslust sprachen, so erlauben Sie mir, auch meinen Anteil zur Unterhaltung über dieses Thema beizusteuern. Beruhigen Sie sich die Erzählung wird kurz sein und Sie nicht langweilen. Es sing schon vielsagend an. Drei Jahre sind her. Ich kannte Sie damals noch nicht. se. Da hatte ich eines Tages genug Schinderei mit allen Kranken, setzte mich auf die Bahn und wollte einmal eine Woche lang mir ganz allein leben. Eine junge Dame, fünfundzwanzig vielleicht, saß auf dem einen Fensterplatz. Der andere war belegt. Meine Nachbarin gefiel mir. Hübsch, gut gekleidet, das frische Leben selbst. Freilich schien sie mir ein wenig nervös zu sein. Sie erwartete allem Anschein nach noch jemand. Endlich der Fahrdienstleiter faßte schon nach seinem Winker, schwenkte meine nervöse Nachbarin den Arm zum Fenster hinaus:„Otto, Otto!“ Ein paar Sekunden später stolperte Otto in unser Abteil. Abgekämpft fiel der etwa Vierzigjährige auf den belegten Platz. Der Zug setzte sich in Bewegung. „Wo bist du nur so sange geblieben?“ fragte Frau nie angeschnitten haben würden: wir sprachen von Krankheiten. Merkwürdig, daß viel Menschen glauben, dieses sei ein Unterhaltungsstoff, der uns Aerzte am meisten fesselt. Ich ging nur aus Höflichkeit darauf ein. Doch plötzlich horchte ich auf.„Wieviel Menschen sterben eigentlich an Altersschwäche?“ wollte Klingenstein wissen.„Rund zehn Prozent“, antwortete ich wahrheitsgemäß.„Und die anderen neunzig Prozent...?“—„Sterben vorzeitig an Krankheiten oder durch einen gewaltsamen Tod.“ Mir schien es, als ob dieses Gespräch doch ein wenig zu düster wurde; daher hoffte ich, mit einem leichten Wort über dieses Thema hinweg zu kommen:„Deshalb brauchen Sie sich keine grauen Haare wachsen zu lassen. Sie können Ihre Besorgnis getrost mit einem guten Schluck hinunter spülen!“ Doch mein Bekannter beschwichtigte:„Ganz so einfach geht das nicht, lieber Doktor. Ich brauche Ihnen kaum zu sagen, daß mir meine Frau über allem steht. Ihr zu Liebe beteilige ich mich mit meinen 38 Jahren an Vergnügen, die ich sonst der Jugend überlassen würde. Ich verdiene gut und kann deshalb meiner Frau viele Wünsche erfüllen. So lange sie jung ist, soll sie das Leben genietzen. Doch sie denkt nicht daran, daß ich einmal plötzich sterben kann und sie mittellos zurücklassen müßte. Ich wollte eine Lebensversicherung abschließen, hoch genug, um sie für immer vor Not zu bewahren. Doch sie will nicht. Sie meint, wir könnten das Geld auf andere Art besser verwenden. Besser, darunter versteht sie einen neuen Pelzmantel, Schmuck, ein paar Kleider. Es würde Tränen geben, wollte ich meinen Willen durchsetzen, und ich kann nun einmal nicht die Frau weinen sehen, welche die Lebenslust selbst ist.“ Er tat mir leid. Ich konnte es begreisenf, wenn er willenlos den Launen dieser Frau verfallen die junge Frau ein wenig vorwurfsvoll.„Ach, du weißt doch“, sagte er,„ich konnte nicht vorher aus dem Geschäft fortkommen. Und dann hielt mich noch im letzten Augenblick der Lebensversicherungsagent auf.“—„Was hast du ihm gesagt?“ Die Frage klang merkwürdig gespannt.„Daß ich wohl abschließen möchte, aber mit dem besten Willen jetzt nicht kann.“ Ich wunderte mich, daß ein Lächeln der Befriedigung über das Gesicht meiner Nachbarin huschte. Ich verstand nicht, wie sich eine Frau über die augenblickliche Ebbe in der Kasse ihres Mannes freuen konnte. Doch ich fand keine Gelegenheit, über diesen Widerspruch nachzudenken. Meine schöne Nachbarin schien nun, da sie von allen Sorgen befreit war, von unbändiger Lebenslust erfüllt zu sein. Sie sprach wie ein sorgloses Kind von den Freuden, die sie auf dem Wintersportplatz erwarteten. Sie war das sprühende Leben selbst, und aus der behäbigen Miene des Gatten las ich das glückliche Bewußtsein, dieses lachende, entzückende Wesen sein eigen nennen zu dürfen. Wenn ich ehrlich sein soll: Ich beneidete ihn etwas. Ich kam mit dem Ehepaar ins Gespräch und hörte, daß unser Reiseziel das gleiche war. Damals sehnte ich mich danach, einmal losgelöst zu sein von allem, was mich in der Stadt beschäftigt hatte, und nun machte ich hier die reizendste Bekanntschaft, die ich mir denken konnte. Es war deshalb kein Zufall, wenn ich in dem gleichen Hotel ein Zimmer fand wie das Ehepaar. Wir trafen uns öfter. Thilde Klingenstein schien es eine Genugtuung zu bereiten, auch mich vor ihren Triumphwagen spannen zu können. Sie lebte nur dem Heute. Das Dasein hatte für sie keinen anderen Zweck als sorglos genossen zu werden mit allem, was es bot: Vergnügen, Kleider, Tanz, harmlosen Flirt und einem Manne, der sie anbetete, der ihr alles erlaubte, nur um sie fröhlich zu sehen. Ich lebte mit ihr in den Tag hinein, begleitete sie auf weiten Schitouren, die ihr Mann nicht mitmachen konnte, saß hinter ihr auf dem Rodel und durfte abends mit ihr tanzen. Und jedesmal, wenn ich sie Herrn Klingenstein zurück brachte, lachte ihm das Glück über solchen Besitz aus den Augen. Eines Abends fühlte sich Thilde Klingenstein nicht wohl und blieb auf ihrem Zimmer. Wir Männer saßen melancholisch im Speisesaal. So war es ganz natürlich, wenn wir auf ein Thema gerieten, das wir in Gegenwart der jungen ing ersche bestrickt hatte, sondern als ein vom Vergnügungsrausch besessenes Wesen. Ich hatte ein wenig Angst vor ihr. So waren es nur ein paar belanglose Worte, die wir Männer bis zum bald erfolgenden Aufbruch wechselten. Ich sah Klingenstein nicht wieder, denn am nächsten Tage trat ich verstimmt meine Heimreise an.— Vor einer halben Stunde habe ich Thilde Klingenstein wieder gesehen. Unten an der Ecke verkaufte sie Zeitungen. Ich erkannte sie erst, als ich ihr zehn Pfennige gab und sie„Danke!“ sagte. Ich fuhr auf: „Frau Klingenstein?“—„Ja“, sagte sie leise, als schämte sie sich. Ihr Gesicht war wesentlich älter geworden in den drei Jahren, und sie hätte mir im Gasthause, wohin ich sie führte, ihr Schicksal nicht erst zu erzählen brauchen. Klingenstein war kurz nach unserem Abschied nach nur viertägiger Krankheit gestorben, und die Möbel hatten gerade gereicht, um die Witwe zweieinhalb Jahre lang über Wasser zu halten. Ihre Eltern lebten nicht mehr; sie hat nichts gelernt, und nun verkauft sie Zeitungen.“ Der fröhliche Kreis schwieg ein wenig betroffen. Doch ein paar Minuten später fragte die Sprecherin von vorhin den Arzt, als beide allein am Fenster standen:„Doktor, was hindert Sie daran, dieser Thilde Klingenstein, die Ihnen damals so gefiel und die sich nun geändert hat, für immer aus der Not zu helfen?" Da lächelte der Arzt:„Ein junges Mädche von dem die ungebändi meinte.“ Fräulein Else senkte den Kopf. Dann gab sie diesem prächtigen Gefährten schweigend die Hand. 18.— Wallenstein in Kanonenstiefeln Erlebnis von Paul Grabein. Vor Jenas Toren sitzen wir, ein Häuflein fahrender Scholaren“, im Bierdorf bei einem Frühschoppen, der sich allmählich schon wieder zum Dämmerschoppen ausgewachsen hat. Da tritt eine sonderbare Erscheinung herein: ein großer Mann im wallenden, schwarzen Mantel, einen mächtigen Schlapphut tief ins Gesicht gezogen. Walvater, der hehre? Nein, der Direktor einer Wandertruppe, die heute im Saal des Dorswirtshauses„Wallensteins Tod“ verzapfen will. Mit dieser Verneigung tritt er vor uns hin: „Meine Hochzuverehrenden, es wird uns heute abend eine besondere Ehre sein, vor einem so kunstliebenden und sachverständigen Publikum zu spielen.“ Weit ausladende Handbewegung zu uns hin, die wir zum Teil schon mit roten Köpfen in die Gläser schauen.„Darf ich für die Herren die beiden ersten Reihen des Parketto reservieren?" „Kostenpunkt?" „Die beiden Reihen zwanzig Mark.“ „Einer von uns verfügt noch über dies Kapital, und schnell wird der Handel geschlossen. Der„Wallenstein“ auf einer Schmiere— das gibt ja einen Hauptspaß.„Also gemacht!“ Würdevoll nimmt der Herr Direktor das fürstliche Honorar für seinen Musentempel in Empfang, aber nun hat er noch ein Anliegen: „Meine Hochzuverehrenden, es gibt da noch eine gewisse Schwierigkeit, von der die ganze Vorstellung abhängt. Dem Wallenstein fehlen die Reiterstiefel— sie sind gerade zur Ausbesserung. Was machen? Soll das ganze Stück daran scheitern? Die Herren werden verstehen, ich bin in einer Notlage, und als Gönner der Kunst werden Sie mir gewiß Ihre edelmütige Hilfe nicht versagen.“ „Gewiß— gern, aber wie?“ „Ich sehe, einer der Herren“— er zeigt auf den Betreffenden—„trägt hohe Kanonenstiefel. Die könnten mich retten. Wenn der Herr die Güte haben wollten...“ „Ihnen die Stiebel pumpen? Ja, hören Sie mal!“ „O, ich verstehe und bin bereit, jede gewürschte Sicherheit zu geben.“ Mit der Würde eines spanischen Granden greift der Herr Direktor in die Westentasche und holt die zwanzig Mark heraus, die er eben von uns erhalten hat. Schallende Heiterkeit— stolz will ich den Spanier! Aber der Mann gefällt uns, und der Inhaber der Kanonenstiefel sentschließt sich, auch ohne Sicherheit, zur Leihgabe an den Theaterfundus. Ein zweiter Sankt Martin, entäußert er sich seines Besitzes, und— Wallensteins Reiterstiefel unter dem Arm— verabschiedet sich der Herr Direktor mit edler Haltung und würdevollem Gruß. Am Abend beginnt dann die Vorstellung. In hrem Mittelpunkt steht Wallenstein, der Herr Direktor in Person, jetzt jeder Zoll ein Held bis zu den spiegelblank gewichsten Kanonen. Doch seltsam— mit der fortschreitenden Handlung kommt über den Herzog von Friedland eine steigende Nervosität. Er tritt unruhig von einem Fuße auf den andern, kaum hört er noch zu, wie sein Feldmarschall Illo ihn zum Abfall von der kaiserlichen Majestät in Wien drängt. Nun ist er allein, und es kommt der große Monolog. Mit grimmig gefurchter Stirn deklamiert Wallenstein: „Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte?“ Schmerz verzerrt sein edles Antlitz; er hebt den linken Fuß. „Nicht mehr zurück, wie mir beliebt? Ich müßte—“ Wallenstein fährt mit dem andern Fuß in die Höhe, als habe ihn eine Natter gestochen. „Die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht?“ Ein dumpfes Aufstöhnen, doch alsbald entringt sich ihm ein heroischer Entschluß, und er fährt in kühner Improv'sation fort: „Der Leib verlangt sein Recht— es soll ihm werden, Denn dieser letzten Tage Qual war groß.“ Wallenstein sinkt in seinen Feldstuhl, winkt in die Kulisse und weist auf die Kanonenstiefel, die viel zu eng sind und fürchterlich drücken. „Erleichtre mich von dieser Bürde, Page! Schaff' Ruhe mir und sanfte Linderung!“ Eine kurze Pause, dann eilt dienstbeflissen die Frau Direktor, ein etwas fülliger Page mit edler blonder Lockenpracht, herzu, ein Paar ausgetretener, gestickter Hausschuhe in der Hand, zieht ihm die Kanonen herunter, die bequemen Babuschen an und entschwebt mit der drückenden Bürde. Wallenstein aber erhebt sich, nun wieder ganz herzogliche Hoheit, und nimmt den unterbrochenen Monolog auf. Verdutztes Schweigen im Zuschauerraum, dann aber branden in den beiden ersten Parkettreihen brausendes Gelächter und donnernder Beifall auf, der nicht enden will. Der Kontakt zwischen Bühne und Publikum ist hergestellt.„Wallensteins Tod“ eringt einen durchschlagenden Heiterkeitserfolg, der in den Annalen der Schauspielkunst seinesgleichen suchen dürfte. Muß Leichtsinn immer das Merkmal einer Verderbtheit sein? Wie schwer hat so mancher schon an der Bürde seiner Leichtfertigkeit tragen müssen. Die packende Geschichte eines solchen„Sorgenkindes der Familie" bringt neben vier anderen spannenden Lebensbeichten der neue Band der„Wahren„Romane“(Verlag Dr. Selle=Eysler A.=G., Berlin). Niemand wird den Band ohne Erschütterung, aber auch nicht, ohne innerlich bereichert zu sein, aus der Hand legen. Die„Wahren Romane“ sind zum Preise von 50 Pfg. überall zu haben. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr C. Sanz, Altena. Po ABus mnz sbeiien —" 4—* SEEU MPEmEUPEEETC Nr. 41 Samslag, 11. Ouober 1930 Der goldene Galgen Eine Barockgeschichte von Alexander von Gleichen= Rußwurm Es war einmal— da brauchten die Fürsten mehr Geld denn je, da wuchs das Strauchwerk des Aberglaubens, da war Märchenluft um der goldroten Prunk, der die Höfe erfüllte, und ein wenig Märchenglanz strahlte von den Schlössern aus über das Land. Das geschah um de Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, als der Sonnenkönig in Versailles sein Wesen trieb, der Kurfürst von Brandenburg sich zum König von Preußen krönte, Joseph l. in Wien prächtigen Hof hielt und Zar Peter seinen Russen den Ausblick nach Westen öffnete. Die Zeit war reich, großsprecherisch, und verlangte einen Prunk, wie ihn seit Jahrhunderten niemand mehr gesehen, aber Gold, der Schlüssel aller Herrlichkeiten, blieb selten, die Erde gab keines mehr her in den europäischen Landen, und das Verlangen danach wuchs zu einer wilden, unerhörten Leidenschaft. Da blühte die Kunst der Goldmacher, und die Alchimie schüttete ein rotes Pulver über allerlei Metall, aus diesem minderwertigen Stoff Gold zu machen. Es war anno 1705, als König Friedrich I nicht wußte, wie er seine Beamten und seine Hofhaltung bezahlen sollte, da trat sein Oberkämmerer Graf Wartenberg zu ihm mit der Nachricht, daß der kurbayerische Feldmarschall Graf von Ruggiero in vierspänniger Equir nach Berlin gekommen sei, eine große Diener= schaft, in Scharlach und Gold gekleidet, bei sich führe, und geheimnisvoll fügte der Graf hinzu, der Mann sei ein berühmter Adept, könne Gold machen und habe den Stein der Weisen. Da fuhr der Monarch begeistert in die Höhe, daß die große Allongeperücke wackelte und der Puderstaub ins Zimmer flog:„Wartenberg, den muß ich sehen. Hol Er den Dippel! Aber insgeheim.“ Der Kämmerer verneigte sich und ging. Nach kurzer Zeit kam er wieder. Ihm folgte der Kanzleirat Dippel, der als Gelehrter großen Ruf besaß und alle Schriften über die Alchimie und Astrologie studiert haben sollte Er bekam den Auftrag, mit dem Fremden in Verbindung zu treten. Dippel fand den Domenico Manuel Gaetano di Ruggiero in einem rasch gemieteten Haus glanzvoll eingerichtet und vernahm dessen breitspurige Rede von Erfolgen in Madrid, bei Max Emanuel von Bayern, der in Brüssel als Statthalter residierte, und daß er seine Wunderkünste„mit größtem Succeß" dem Kaiser in der Hofburg gezeigt. Das stimmte, davon hatte Kanzleirat Dippel in vertrauten Briefen seiner Freunde schon gehört. Dann„tingierte“ der Fremde vor den Augen seines staunenden Gastes mittels eines weißen Pulvers ein Pfund„Merkur“ in Silber Als dies der Kurfürst hörte spitzte er die Ohren unter seiner Perücke und verlangte eine Probe in höchsteigener Gegenwart. Da kam Ruggiero, gefiel mit seiner weltmännischen Lebensart und der Lebhaftigkeit seines Geistes und„tingierte" diesmal mit rotem Pulver ein Pfund Quecksilber in reines Gold. Nun war die königliche Gier kaum zu bändigen, nun brauchte man dem Nachbarn in Dresden seinen Adepten Böttger nicht mehr zu beneiden, hier hatte man den Adepten, der aller Not mit Leichtigkeit ein Ende machte. Leider besaß Ruggiero nur mehr ein paar Gran seines Wunderpuwers, und es bedurfte nach seiner Angabe wiederum zwei Monate harter Arbeit und großer Kosten, bis er eine genügende Menge des roten Pulvers herstellen könne—(Kurfürst und Hofherren horchten auf) sechs Millionen Taler an Gold zu bereiten. Da kam Friedrich dem Ersten der fremde Mann aus Italien, den ihm der bayerische Kurfürst nun abzutreten schien, wie ein Himmelsbote vor, er ließ ihm das Fürstenhaus auf dem Friedrichswerder einrichten, wo seit Danckelmanns Sturz die fremden Potentaten als Gäste untergebracht wurden, und trug der Hofküche auf den Haushalt des 2 iden reichlich zu verköstigen. In Gesellschaften feierte man den Adepten, ganz Berlin zeigte sich geschmeichelt über seine Anwesenheit, und die intimsten Feste des Hofes öffneten sich dem einstigen sizilianischen Bauernsohn. Toch nach einigen Wochen zegte sich Ruggiero höchst unzufrieden; er gab böse Laune kund, und wieder schickte man ihm Dippel, den Grund seiner Mißstimmung zu erfahren. Der ganze Hof geriet außer Rand und Band, Ruggiero zürnte.„Und man hat ihm nicht einmal eine Briseis genommen“, sagte die humanistisch gebildete Königin, die sich gerade mit Homer und dem Zorn des Achilleus beschäftigte.„Aber man hat ihm kein Geld gegeben“, antwortete der Kanzleirat Dippel. der rasch hinter die Gründe von Ruggieros Benehmen gekommen war.„Diesem reichen Mann Geld?“—„Je reicher einer ist. desto mehr erwartet er“, meinte der Weltweise Dippel.„Was haben Sie ihm denn geschickt?“— Da kam heraus, daß der König seinem Adepten nichts anderes als zwölf Flaschen alten französischen Treines übersandt habe, denn im Grunde war die neugebackene Majestät sehr ökonomisch, wenn es sich nicht um Prunk oder Festlichkeiten handelte. Nun wurde Friedrich I. von dem wichtigen dreifachen W, wie man seine Günstlinge, die Grafen Wittgensteen. Wartenberg und Wartensleben, nannte, veranlaßt, den Goldmacher zu „encouragieren“, und er sandte mit einem Handschreiben sein Miniaturbild in Brillanten gefaßt sowie ein Patent als Generalmajor der Artillerie, womit gewisse Bezüge verknüpft waren. Darauf ging der Adept an die Arbeit, forderte aber alsbald 50 000 Taler für seine Auslagen. Man unterhandelte. Ruggiero reiste gekränkt nach Stettin, doch der König, der dringend Geld brauchte, schickte ihm seinen Adjutanten nach, in dessen Begleitung der Alchimist nach Berlin zurückkehrte. Er schlug vor, der König möge ihm sein Arcanum überhaupt abkaufen, und begehrte für das rote Pulver 100 Dukaten. Aber man zog die Verhandlungen in die Länge. Dippel hatte indessen ungünstige Nachrichten über Ruggiero aus Brüssel bekommen, und der Heidelberger Hof warnte in Berlin vor dem Schwindler. Ruggiero wurde aufgefordert, binnen einer bestimmten Frist sein Wort zu halten. Versage seine Kunst, werde man ihn peinlich belangen. Da floh der Adept nächtlicherweile zu Pferde aus der ungastlichen Stadt und wandte sich nach Hamburg. Aber der Senat lieferte ihn der preußischen Regierung aus. und der Siegeslauf des berühmten Mannes endete zunächst hinter den Festungsmauern von Küstrin. Man gab ihm seine Retorten und Schmelztiegel mit dem Befehl, sich ohne Säumen an die versprochene Arbeit zu machen. Der König und sein dreifaches W ärgerten sich nicht nur über die fehlgeschlagene Hoffnung reich zu werden. Sie litten unter dem Spott der von der Straße her gegen das Flittergold des hohen Herrn gröhlend emporstieg, und über die feinen Sarkasmen der hockgebildeten Königin und ihres Anhangs. Als Ruggiero flehend bat, in Berlin weiter zu arbeiten, da er in Küstrin nicht im Stande sei, etwas zu leisten. bewilligte man ihm seinen letzten Wunsch. Doch ligte man ihm seinen letzten Wunsch. Doch das rote Pulver schien wieder mißlungen zu sein, und eine letzte Anzapfung der königlichen Kasse ging wie die vorhergegangene zum Schlot hinaus. Der Adept schüttelte heimlich den Berliner Staub von den Füßen und hinterließ einen Zettel, daß Hermes Trismegisthes. der große Zauberer, zürne, weil man seinem Schüler nicht genug Vertrauen entgegengebracht habe... doch die Flucht mißlang, und Ruggiero wurde einem peinlichen Prozeß unterworfen. Friedrich I. verzieh dem Fremden nicht, daß er ihn zur Zielscheibe des Spottes gemacht hatte, und ließ den Verurteilten zum Gaudium des Berliner Pöbels den 23. August 1709 an einen mit Flittergold überkleideten Galgen hängen, und Ruggieros Armsünderhemd war ebenso mit Flittergold benäht. Als die Sensationslust des Berliner Pöbels befriedigt und alles Volk vom Richtplatz heimgekehrt, sagte einer dem anderen:„Auch das müssen wir noch bezahlen— aber schön war's doch.“ So lautete die Meinung der Berliner Steuerzahler. In Gegenwart des Königs durfte aber niemale mehr von dem Adepten gesprochen werden, seit der Kanzleirat Dippel auf einen Vers des Virail hingewiesen, der also lautet: Wozu zwingest du nicht der Sterblichen Herzen. Scheußlicher Hunger nach Goldt Ein Brief in einem Boot Skizze von R. Di Nayo. „Dreimal lang“ heulte die Sirene des alten sizillanischen Frachtdampfers„Maria Madre“. daß der Herbstabend bis zu den Sternen hinauf erzitterte: der Ruf zur Ausfahrt. Als der Lotse an Bord stieg, brachte er Post für den Ersten Maschinisten mit. Centurini erkannte die Handschrift seiner Frau und drehte den Brief zögernd hin und her, denn er erwartete aus der Heimat Nachrichten, die ihm sehr am Herzen lagen. „Oh Capo“, rief einer,„man braucht Sie bei der Maschine, Sie möchten gleich runterkommen.“—„Oi Centurini“, krächzte auf der anderen Seite der Kapitän von der Brücke,„ist die Maschine bereit?“—„Gleich!“ brummte der Capo Macchinista zurück, steckte den Brief ungeöffnet in seine Geldtasche, die schon manche Sammlung von Banknoten erlebt hatte und wieder einmal für einen Scheck nach Hause reif war, zog seine Kesseljache an und eilte in den Maschinenraum. Zehn Minuten später stampfte die„Laria Madre“ in die unfreundliche Nacht hinaus. Centurini war unablässig auf der Jagd nach undichten Kolben und Schiebern oder unrichtigem Zug. Man hätte glauben mögen, die Kohle ginge nicht aus der Tasche des Reeders, sondern aus seiner eigenen, was übrigens teilweise richtig gewesen wäre. Centurini gelang es nämlich, den Verbrauch erheblich zu vermindern, seit er den Kasten übernommen hatte. Er stellte jedoch sein Licht ruhig unter den Scheffel und schrieb nach wie vor die herkömmliche Menge an. Dafür übernahm man von den. Kohlenhändlern etwas weniger Bunker, als auf die Rechnung kam, und machte mit ihnen für das Fehlende halbpart: Bausteine für eine Villa, in der man sich, so der Himmel wollte, zur Ruhe setzen konnte, mit der lieben Gattin und— wenn es nun doch noch dazu kam— mit dem so lange ersehnten, Kinde. Oben war inzwischen seine Koje offen und beleuchtet geblieben. Aufs Bett geworfen, lag ein Rock, aus dem eine dicke Brieftasche hervorchaute. Kein Wunder, daß Minitsch darauf ein Auge geworfen hatte: Minitsch, der kürzlich angeheuerte dalmatinische Feuermann, dem nichts entging, was nicht festgenagelt war und sich— wie Stiefel, Oelhäute, Schraubenschlüssel— irgendwie zu Gelde machen ließ. Allerdings wechselte nichts den Besitzer, ehe Minitsch es sich reiflich überlegt hatte, ob Minitsch sollte, oder ob Minitsch lieber nicht sollte. Die Geldtasche des Capo war ein zweifelhafter Fall. Als es aber den großen Krach gab,„sollte Minitsch“. Kam man davon, tröstete es für den ausgestandenen Schrecken. Mußte man„ertrunken sterben“, war es auch Wurst. ## Centurini hatte sich endlich entschlossen, die einen Maschine für eine Weile allein laufen zu lassen. Als er die Treppe hinaufstieg, warf ihn ein heftiger Stoß wieder in den Maschinenraum hinkunter, wo er bewußtlos liegen blieb. Er kam erst zu sich, als ihm kalter Wind ins Gesicht wehte, und fand sich in den Armen eines seiner Heizer, der ihn in ein Rettungsboot verstaute.—— Die trübe Morgendämmerung beleuchtete ein rauschendes Heer weißer Lämmer und ein einsames Boot, in dem zehn Uebrclehende arbei SSE 8 5 S##äe#s-g# i: SpSO-Se geeg E-s%e„Sanbis######## s*51g*OGDGEET FÄENSSEES ### EUSN H%. i.e P B ## S EEg, 5#1.3 S 88•0 3 5 SS5 9• gEgg s nokuP Bin 5——— *∆ E* 9.9. n. Als elfter lag der Capo Macchinista u, dem man mit einem abgerissenen Hemdner seine Kopfwunde verbunden hatte. „Und zu denken“, stieß er plötzlich hervor, ich hier elend zugrunde gehe, ohne etwas von dem Kleinen zu wissen!" Der Erste Offizier sagte etwas über Frieden in der Seele und Abjahren.—„Aber wissen möchte ich es wenigstens vorher, ob es gesund ist... ob es ein Junge ist oder ein Mädchen...“ Centurini sprach wirre Dinge von einem ungeöffneten Brief. Dem Feuermanne Minitsch gab es einen Stich unter der Magengrube. Aber man konnte doch die Tasche nicht herausgeben, ohne sich als Dieb zu verraten... Es blies in Sturmesstärke. Die ermüdeten, Leute wurden in ihren Bewegungen unsicher. Mehr als einmal kamen sie in Gefahr, in einer Sturzsee zu kentern.— Wie, wenn man nur den Brief allein hergab? Erstens war es schade um das Geld... Was aber, wenn die Wahrheit herauskam, und die Kollegen den Minitsch, zum Beisviel. ins Meer warfen? Oder wenn sie. zum Beispiel... Wasser schlug herein.„Oh Modonna. Santissima! Ohne etwas von dem Kleinen zu wissen!" rief der Capo. Noch einmal gelang es den Leuten das Boot zu halten. Da fühlte der Erste Offizier einen Rippenstoß und sah eine Hand mit einem violetten Briefe neben seh „All'egregio signor Salvatore Centurini!“ brüllte er durch das Heulen des Wetters.„Oh Capo. Post für Dich.“ Der Verwundete riß den Umschlag auf und überflog die Zeilen.„... er ist sehr hübsch und wartet auf seinen Papa“, las er laut. „Di Ragazzi“, donnerte der Erste Offizier, „schmeißt mir nur jetzt um Gottes willen die Gondel nicht um! Und daß Ihr mir diesen glücklichen Vater da heil ausladet, verstanden? Zufassen, Ragazzi, ef'opp, eins zwei, wie bei der Kriegsmarine." Die Leute legten sich in die Riemen, daß es knarrte. Es war eine Freude, wie sie die „Gondel“ in der Richtung hielten. Drei, vier Stunden arbeiteten sie mit hartnäckiger Ausdauer. Keiner sprach ein Wort. Befehl war gegeben, diesen glücklichen Vater da heil auszuden. Der Befehl brauchte nicht wiederholt zu werden. Es kam ihnen fast selbstverständlich vor, daß endlich die Umrisse von Küstengebirgen aus dem Dunst hervortraten. Als sie das Boot in eine Bucht gesteuert und durch die Brandung auf flachen Strand geschoben hatten, wies Minitsch auf einen Rauch, der aus dem nahen Walde aufstieg.„Wartet hier, ich werde Leute sagte er und verschwand zwischen den dumen. Die Waldarbeiter kamen zwar bald, aber ohne Minitsch, der nach Osten— oder nach Westen— allein weitergegangen war: mit Centurinis Bausteinen, natürlich. Aber was sind ein paar tausend Lire, im Grunde genommen? Puong Maramba Skizze von Walter Oertel. Die ersten Strahlen der Morgensonne vergoldeten die Dächer der Militärstation Makale, des Garnisonortes des ersten Timorschützenbataillons auf Celebes. Major van Kerckenhove, der Kommandeur der Truppe, trat auf diVeranda seines Bungalow hinaus und sog mit vollen Zügen die kühle Morgenluft ein. Dann begab er sich in das Geschäftszimmer, wo bereits sein Adjutant auf ihn wartete. Vor ihm stand ein Timorschütze, dessen Kledung und erschöpfte Züge von einem langen Marsche Zeugnis ablegten. Er grüßte und meldete„Bericht von der Station Bituang". Dann zog er einen Brief hervor, den er in seinem Waffenrock aufbewahrt hatte. Der Kommandeur überflog das Schreiben. Seine Züge verdüsterten sich.„Es ist gut, Makonga“, sagte er freundlich zu dem Soldaten. „Gehe in das Kantonnement. Laß Dir zu essen geben und ruhe Dich aus! Sage aber vorher #em Leutnant ten Brielen, er möchte gleich zu mir kommen.“ Als der Schütze gegangen war, wandte sich der Major zu seinem Adjutanten.„Die Torcdhig fangen wieder an. Wie mir Geertjens schre#ot, hat der Paringi(Stammeshäuptligg)„vgr Pituang einen großen Posten Geldehre und Munition von einem chinesischen Händler gekauft. Die Häuptlinge Lekomo und Tarongkong sollen mit ihm im Bunde stehen. Die Toradjas legen den Soldaten gegenüber ein unverschämtes Benehmen an den Tag. Geertiens ist zu schwach um energisch auftreten zu können. Doch da kommt ja ten Brielen.“ Der junge Offizier, der mit militärischem Pruße in das Zimmer trat. mochte etwa 24. Jahre zahlen. Er war hoch und schlank gewachsen. Aus seinem scharf geschnittenen Gesicht blickte ein Paar kalter, grauer Augen falkenscharf in die Welt. In Kampfen mit Eingeborenen erprobt, ein vorzüglicher Jäger und Schütze, war ten Brielen einer der besten Offiziere, die das Bataillon aufzuweisen hatte. „Geertjens schreibt mir, daß ein Aufstand der Toradjas von Bituang zu erwarten ist“, sagte der Kommandeur.„Nehmen Sie sofort dreißig Schützen und marschieren Sie nach Bituang ab. Sollten Sie von einem Aufstande überrascht werden, dann werfen Sie sich in die alte Toradja=Feste dort, und halten Sie diese, bis ich mit dem Bataillon nachkomme.“ Ten Brielen neigte das Haupt, dann grüßte er und ging. Zwei Tage später traf der junge Offtzier in Bituang ein, wo Sergeant Geertjens ihn mit sichtlicher Erleichterung empfing.„Dem Himmel sei Dank, daß Sie da sind, Herr Leutnant! Es geht los, darauf können Sie sich verlassen. Ich habe schon die alte Festung zur Verteidigung herrichten lassen. Munition, Proviant und Wasser sind dort untergebracht. Ich denke, wir verlegen unser Quartier ganz dorthin. Denn wenn es losgeht, beschießen die Toradjas unsere Holzbaracken mit Brandpfeilen, und das trokkene Holz brennt wie Zunder.“ Ten Brielen erklärte sich mit den Maßnahmen des alten erfahrenen Kolonialsoldaten einverstanden. Er teilte ihm noch zehn Mann zu und beschloß, mit dem Rest der mitgebrachten Leute eine ausgedehnte Patrouille zu unternehmen, um sich selbst von dem Stande der Dings zu überzeugen. Auf dem Vazarplatze von Bituang drängte sich eine bunte Menge. Neben den Buginesen sah man Chinesen und Inder. Die Mehrzahl aber waren Toradjas die das kostbare Dammarharz, Rotangbündel und andere Landeserzeugnisse zum Kauf anboten. Ihre in lichtem Rotbraun schimmernden Körper bildeten einen eigenartigen Gegensatz zu den großen, gelbweißen, Okan genannten Tüchern, die zur Beförderung von Waren und auch als Schlafdecken dienten. Mit düsteren Blicken ließen sie die Potrouille vorüberziehen. Als ten Brielen seine Leute auf dem schmalen Wege nach Neneng weiter führte, kam ihm dort in dem dichten Walde eine sonderbare Gesellschaft entgegen. Es war eine Schar Toradjas. Sie schrien und johlten und drohten mit ihren niewangs(breiten Buschmessern) einem Gefangenen den sie in ihrer Mitte führten. Als sie plötzlich auf die Patrouille stießen, stutzten sie. Ten Brielen ging auf einen Toradja zu, der den Truvo zu führen schien, und fragte ihn kurz, wie er dazu komme, einen Gesangenen mitzuführen, wo er doch wisse, daß die Gerichtsbarkeit nur den Holländern zustehe. Er ist ein Dieb“, erwiderte der Toradja,„wir wollen ihn bestrafen.“ Bei diesen Worten riß der Gefangene sich von dem Mann los. der ihn am Stricke führte. Er warf sich dem Offizier zu Füßen.„Rette mich Tuan, ich habe nicht gestohlen. Ich bin ein Tobela, ein armer Dammarsucher. Sie ergriffen mich im Walde und wollen meinen Kopf nehmen, damit ihnen Glück im Kriege beschieden ∆ „Du bleibst bei uns“ erwiderte ten Brielen, „und Ihr", wandte er sich an die Toradjas, „schert Euch fort! Habt Ihr Klage gegen diesen Mann zu erheben, dann meldet Euch in der Station.“ Die Toradjas zögerten. Als sie aber sohen. daß die Soldaten auf einen Wink ihres Offiziers die Gewehre schußfertig machten, trollten sie sich unter halblaut gemurmelten Verwünschungen. Von dem Tobela, Puong Maramba, erhielt den Brielen den ganzen Ernst der Lage bestätigt. Ein Aufstand war bestimmt zu erwarten. Der Offizier sandte daher sofort einen Bericht nach Makale ab und beschleunigte die Uebersiedlung der kleinen Truppe in die alte Festung. Bereits in der nächsten Nacht setzten die ersten Angriffe ein. Wie ten Brielen aus der Menge der aufblitzenden Schüsse erkennen konnte, war das alte Kastell von einem zahlreichen Feinde eingeschlossen. Die Lage begann schwierig zu werden. Der Wasservorrat schmolz rasch zusammen. Eine Ergänzung von außen war unmöglich und auf Regen in dieser Jahreszeit nicht zu rechnen. Man mußte daher das Bataillon um rasche Hilfe ersuchen. Der Timorschütze Ranang, ein tapferer Bursche, erbot sichk freiwillig zu dem gefährlichen Unternehmen, sich durch die Reihen der Feinde zu schleichen. Am anderen Morgen lag sein kopfloser Leichnam auf einem freien Platze vor dem Tore. Die Toradjas hielten sich bei Tage möglichst außerhalb des Schußbereichs. Bei Nacht aber belästigten sie dauernd die Besatzung und ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Das Wasser wurde immer knapper. Takaf. Da erbot sich Puong Maramoa, der Tobeia den jen Brielen den Toradjas entrissen hatte, das Wagnis zu unternehmen.„Wenn die Tuans in Makale keine Nachricht erhalten, gehen wir ja doch alle zugrunde. Darum laß mich gehen, Tuan! Vielleicht habe ich Glück.“ Bei Einbruch der Dunkelheit wurde Puong Maramba am Nordhang des Felsens, der etwa fünfzig Meter fast senkrecht abfiel, mit einem Seil hinunter gelassen. Ein Rütteln am Strick zeigte an, daß der Tobela unten angekommen war. Zwei Tage verstrichen. Als ten Brielen In der dritten Nacht die letzte Wache übernahm, machte Geertjens ihn auf ein eigenartiges Meteor aufmerksam, das den Luftraum durchschnitt. Da zuckte ein neues Meteor auf. Ten Brielen sah scharf durch sein Glas.„Das sind keine Meteore“, rief er,„sondern Signalraketen. Das Bataillon kommt uns zu Hilfe.“ Am nächsten Morgen fegte prasselndes Schnellfeuer in die Reihen der Toradjas. Tinn griffen die Timorschützen mit gellendem Kampfruf zum Bajonett. Da war es mit dem Widerstand der Toradjas zu Ende, als ihnen jetzt auch die Besatzung der Festung in den Rücken fiel. Sie erlitten eine schwere Niederlage. Puong Maramba wurde von der holländischen Regierung reichlich für seine tapfere Tat belohnt. Er trat in das Timorschützen=Bataillon wo er es bis zum Fahnensergeanten brachte. Mit besonderer Zuneigung hing er aber an ten Brielen, seinem Lebensretter von Bituang. Chrusanthemen Skizze von Reinhold Eichacker. Bumms! schlug die Türe des Abteils ins Schloß. Gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Ellen preßte unwillkürlich die Hand auf das klopfende Herz und senkte den seinen, gescheitelten Kopf auf den prächtigen Blumenstrauß. Jetzt war es geschehen. Sie fuhr zu Ralf Fanning, ihrem Bräutigam. Er gab sein erstes Konzert. Draußen in Krottoschau, fern von Berlin. Eine Tante hatte es ihm arrangiert. Um ihn zu fördern. Die Leute dort konnten froh sein, solch einen Sänger anhören zu dürsen. Zum ersten Mal. In zwei, drei Jahren eiß man sich um ihn. Die Blumen in Ellens Hand bewegten sich. Sie sah ängstlich hin. Drei Riesenchrysanthe= men hatte sie für Ralf gekauft. In leuchtendem Gelb. Das liebte er so. Die Blumen waren teuer. Maßlose Verschwendung, gewiß. Das erste Konzert, was lag in dem Satz! Eine Welt.„Pah“, hatte Ralf so von oben gesagt,„270 Billetts sind schon vorverkauft. Schade, daß Du nicht dabei sein kannst, Maus. Bei dem ersten Erfolg.“ „Wie, ich soll nicht mitfahren?“ Ellen wär zanz entsehzt. „Aurgeschlossen! Nie! Nein, das macht mich nervös, wenn ich weiß, daß da unten— nein, vor seiner Braut— Deine Angst steckt mich 1n— Und nun saß sie doch hier, fuhr zu Konzert, ohne daß Ralf etwas ahnte. Zärtlich hob sie den Strauß. Sie wagte es nicht, ihn ins Gepäcknetz zu legen. Sie konnten falsen, zerbrechen— Nur das nicht. Sie gab ihre Blumen nicht mehr aus der Hand. Aber heiß war es hier. Wenn sie nur noch frisch ankamen nach so langer Fahrt. Doch auch daran hatte sie schon fursorglich gedacht. Aus einer mitgenommenen Flasche goß sie ab und zu etwas Wasser darauf. Sahen die Blumen nicht wirklich schon etwas welk aus? Sie blickte immer wieder voll Sorge hinab. Wie langsam der Zug fuhr! Man kam nicht vom Fleck. Und es war so warm. Fenster aufmachen? Nein, draußen fror es, 12 Grad. Endlos war diese Fahrt in die wildfremde Stadt. „##otooschau!“ brüllte der Zugführer laut in die Nacht. Mit einem erlösten Aufschrei sprang Ellen aus dem Zug hinaus in den Schnee. Der kleine Bahnhof lag düster und unfreundlich da. Die Umrisse eines Mannes in Uniform flatterten im Winternebel um einen Pfahl. Sieging darauf los. „Hotel goldener Stern?“„Immer gerade aus!“ kam es mürrisch zurück.„S' gibt nur ein Hotel hier.“— Seine Hand wies dabei irgendwo in die Nacht. Ellen fröstelte. Sie ging aber tapfer=vorwärts, die Blumen ganz fest in der Hand. Alles lag frierend da. Durch das Dunkel fiel Schnee. An einer Straßenecke sprang ein Bau etwas vor. Ein breites Tor klappte auf, wie ein Maul. Darüber ein Licht und ein goldener Stern. Zimmer können Sie haben", meinte der Wirt auf ihre Frage,„aber es es ist nicht geheizt. Die anderen Zimmer sind alle besetzt. Von Künstlern. Heut abend ist im Turtivereinslagl Konzert.":: 12 am ueng ssi 2 SöEES * S2••31 Ellens Herz tanzte Sprünge. Sie wurde ganz bleich.„Ach—“ hauchte sie nur,„Herr Ralf Fanning— ich weiß.“ Sie nickte und schloß schnell die Tür. Es war eisig kalt. Mit froststeifen Fingern bog sie das Papier um die Blumen zurück. Dem Himmel sei Dank, alles war unverletzt. Hastig streifte sie Mantel und Reiserock ab und legte das Abendkleid über den Stuhl. Der Spiegel war taub, das Licht schwach und trüb. Sie ordnete aufgeregt an ihrem Haar. Da zuckte sie auf. Nebenan rührte es sich, eine Schranktür schlug.„Ich komme gleich!“ hörte sie rufen. Ihr Herz pochte laut. Sie hatte Ralfs schwingende Stimme erkannt. Er war nebenan, wohnte gleich neben ihr und— ahnte doch nichts. Alle Angst war auf einmal wie Nebel verweht. Draußen scharrte ein Fuß. Frauenlachen klang auf. Das war die Klavierdame, mit der er fuhr. Sie gingen nach der Treppe. Sie zühlte den Schritt. Unten hellte ein Hund. Stille.# war allein. Ruhig streifte sie das Abendkleid über, zo die Schleife zurecht und griff nach ihrem Schal. Alles in ihr war jetzt frohe Erwartung. Jetzt wartete woyl schon alles im Konzert auf Ralf. Im Vorverkauf 270 Billetts! Und nachher? Zweimal, dreimal so viel. Ach, zu dumm! schalt sie sich und ging lächelnd nach der Tür. Draußen stand noch immer der Nebel, dicht wie eine Wand. Er störte sie nicht. Ihr schlug jetzt leicht. Die Blumen trug sie wie ein rohes Ei vorsichtig in einer Hand. Aus dem Dunkel schnitten drei, vier helle Fenster ins Schwarz. Das mußte es sein. „Ralft“ lachte sie laut, da sie niemand hier sah. Jetzt. je“t kam die Belohnung für sie. Und für all ihre Angst. Die festlich gestimmte Menge, der vollgenfropfte Saal. So was gab's doch nur felten hier in Krottoschau! Die Erwartung und Neugier. Ralf kam aus Berlin.— Und sie unerkannt. Mitten unter dem Volk.. Mit zwei, drei Sätzen stürmte sie die Treppe hinauf. Hinter einem Tische erhob sich gähpend ein Weib.„Garderobe ist hier.“ Ellen zuckte zusammen. Was wollte die Frau? An den eisernen Ständern hing nur leere Luft. Eine Handvoll Mäntel, ein paar Hüte— nichts ... Wieder packte Ellen die seltsame Angst. Legte sich wie ein Alpdruck fest auf ihre Brust. „Daes Konzert ist verlegt?“ fragte sie aufgeregt. „Es hal eben begonnen. Garderobe ist hier.“ Ellens Zähne klapperten leise. Es fröstelte sie.„Bitte, ich möchte nur diese Blumen abgeben.“ „Blumen? Geben Sie her!“ brummte die Frau. „Aber noch vor der Tause!— Und ganz vorsichtig, gelt? Chrysanthemen!“ „echon gut!“ stieß die alte asthmatisch zurück und verschwand mit dem Strauß schlürfend in einem Gang. Ein heller Ton ließ Ellen zusammenfahren. Das war Ralfs Stimme, drüben— rechts— Also dort war der Saal. Zitternd lief sie dahin, drückte keise die Klinke herab, zog sie auf — und sank ächzend zurück. Leere Stühle— zwei— drei— zehn— zwölf Reihen ganz leer. Nur weit vorn ein Häuschen Besucher verstreut. Dunkle Kleckse im Licht. Auf dem Podium oben stand Ralf. totenbleich, mit ganz fremdem Gesicht, und sang irgend etwas in die Leere hinein—— In der Ecke hinter der Tür saß vor einem Tisch eine ältliche Frau. Sie stand eilig auf, schoß erregt auf sie zu. „Kommen Sie doch, Kindchen! Kommen Sie herein, Fräulein! Sie können noch einen Platz haben. Es fängt eben an.“ Mit einem stöhnenden Laut zuckte Ellen zurück.„Ich habe mich in der Türe geirrt!" hetzte sie jedes Wort. Dann war ihr, ais peitsche ein grinsender Spuk sie die Treppe hinab in die johlende Nacht—— Stundenlang lag Ellen frierend und wachend im Bett. Ihre Gedanken drehten sich schmerzend im Kreis. Alles in ihr war wund. Scham, Verzweiflung und Wut. 270 Billetts vorverkauft, ein ganz großer Erfolg! Alles um sie war Hohn. Warum hatte Ralf sie belogen? Warum schämte er sich. Vor ihr, seiner Braut! Konnte er dafür, daß dieses Nest von Musik nichts verstand? Warum log er sie an. Und doch tat er ihr leid. Schrecklich leid tat er ihr.— Draußen kamen jetzt Schritte die Treppe herauf. Das war Ralf, ganz bestimmt. Jetzt mußten sie ins Nebenzimmer kommen, sich aussprechen, aufgeregt alles erzählen. Ueber den Abend, den leeren Saal und die Blumen der seltsamen Unbekannten. Darüber würde Ralf sich am meisten den Kopf zerbrechen. Wer ihm Liese Blumen geschickt haben könnte, und dann.—) Alles horchte in ihr. Draußen fragte die Pianistin etwas. Dann leiser auch Ralf.seinmal die Wachsfiguren und vor allem sich Doch sie verstand jedes Wort: selbst. Er findet, daß seine Locke, die ihm „A.so vergessen Sie nicht morgen das Tele= süber die Stirn fällt, nicht gut sitzt. Trug er gcamm. Morgen früh, an der Bahn. Adressesdamals die grüne Uniform mit dem Ondensmeiner Braut. Text:„Kolossaler Erfolg. Aus=stern? War es nicht ein grauer Frack, den er verkauft. Kuß, Dein Ralf.“— Sie versteht vonangelegt hatte— mit dem russischen Großkreuz Musik nichts.“ Es lachte hell. Drüben klappte die Tür— jetzt,— jetzt nichts. An der Wand streifte etwas vorbei. Ein Stiefel fiel schwer. Hann ein zweiter dazu. Wasser plätscherte auf, sächzend knarrte ein Bett. Ellen lag wie gebannt. Alles blieb stumm. Als sei gar nichts geschehen. Sie fuhr mit dem ersten Zuge, um acht Uhr früh. Ralf ourfte sie nicht sehen. Er schlief sich noch aus. Ein städtisch gekleidetes Mädschen kam eben vom Wartesaal über das Gleis und blieb sucend stehen. Ellen wandte sich um und erkannte sofort die Klavierdame Ralfs. Sie rug ein veraltetes, blaues Jackett und hielt in der Hand, an dem Köfferchen mit einem Strick festgebunden, drei Prachtchrysanthemen von leuchtendem Gelb!... Ralf Fanning hat nie zu erklären gewußt, weshaib er zu Hause ein Brieflein vorfand, in dem Ellen ihm seinen Ring zurückgab. Als einzigen Gruß nach dem ersten Konzert. Dann sieht er Hortense vor der Wahrsagerin stehen und winkt ihr. Nachgerade muß man wieder ins Schloß zurück. Josephine hat Kopfschmerzen. Ach, sie leidet oft daran, seitdem die Frage auftaucht, daß der Kaiser einen Sohn und Erben haben muß.— „Was hat sie Dir vorgeredet?“ fragt Napoleon, als man wieder das Zelt verlassen hat. Man schreibt das Jahr 1808. Kaiser Napo Hortense ist nicht unzufrieden. Aber sie kann leon residiert in Saint Cloud und freut sich, dem Kaiser unmöglich berichten, daß die Wahrwenn er gelegentlich unerkannt am Abend aus=sagerin ihr versprochen hat, sie würde den Die Prophezeiung Skizze von Charlotte Riese. gehen kann. Hinter dem Schloß und seinen großen Gittern wird der Herbstmarkt gefeiert, und eine schaulustige Menge drängt sich vor den Zigeunerwagen, den Kuchenbuden, dem Wachsfigurenkabinett. Napoleon trägt einen langen Mantel, einen flachen Hut, man erkennt ihn ebensowenig wie Hortense, die Königin von Holland, die ebenfalls einen dicken Mantel und einen Schutenhut trägt, der ihr ganzes war nicht recht zu verstehen. Sie sprach von Gesicht bedeckt. Hortense hat ihren Stiefvaters einem Schlitten im Schnee, von einem Fluß untergefaßt, hinter ihnen geht unauffällig ein mit Brücken, von einer Insel Adjutant und der Kaiser, der sonst auf Etikette nicht auf die hohe Politin versteht. Während der Kaiser sich von dem Besitzer noch einige andere Figuren erklären läßt, sieht Hortense sich um. In der Ecke des Zeltes sitzt eine alte Frau. Sie trägt ein Schild auf der Brust:„Ich deute die Zukunft!" Die Zukunft! Hortense möchte sie gern erfahren! Sie ist mit dem König von Holland verheiratet, mag ihn aber nicht leiden und sehnt sich nach einem andern, der ihr heimlich zu Füßen liegt. Wird sie je die Seine werden? Sie tritt nar die Frau die mit marbmsirdi.neben der Ehrenlegion? Und beugte er sich so freundlich zu der schönen Preußenkönigin? Beinahe hätte er etwas gesagt, dann siehr er seinen Bruder Jerome stehen. Der war gleichfalls nicht mit in Tilsit, und seine Uniform ist auch nicht richtig— nun, man darf nichts sogen. Hauptsache ist die Freundschaft mit dem Zaren, die Macht, die von Tilsit ausging! Hortense steht neben ihm. „Wollen Sie mir einen Handschuh geben, Sire!" flüstert sie. Den Handschuh erhält sie, aber Napoleon schüttelt den Kopf. Ihm ist einmal sehr verkehrt prophezeit worden, seitdem glaubt er nicht mehr an Prophezeiungen. Aber die Wachsfiguren muß er sich doch noch einmal genau ansehen: Es ist richtig, daß man im Volke auf diese Art an den politischen Vorgängen Teil nimmt! Mann ihrer Liebe erhören und glücklich machen. Sie berichtet eilfertig, daß sie fern von Frankreich sterben würde. Ganz genau weiß sie nicht, ob die Seherin ihr dies gesagt hat, aber so ähnlich ist es gewesen. „Und ich? Erzählte mein Handschuh ihr etwas von meiner Zukunft?“ Hortense zögert:„Einiges, Sire, aber eo „Insel?" 12 „Ja, im Ozean. Wie gesagt, ich verstand sie nicht ordentlich, und Sie winkten so schnell.“ „Es wird Korsika gewesen sein“, sagt der Kaiser.„Wenn ich Zeit habe, will ich einmal hinfahren. Manchmal empfinde ich Sehnsucht nach meiner Heimat. Aber der Schlitten— im Schnee— da will ich mich doch erkundigen.“ Mit seinen raschen, etwas schaukelnden Scheitten geht Napoleon wieder auf das Zelt mit Wachsfiguren zu und tritt ein. Hier ist man im Aufbruch begriffen, morgen geht das Kabinett auf einen anderen Jahrmarkt. Die Figuren sollen eingepackt werden, sind zum Leil mit weißen Tuchern bedeckt, zum Teil liegen sie auf dem runden Tisch und harren, daß sie in große Kisten kommen. Der Kaiser Navoleon liegt unbedeckt auf dem Tisch, über ihm Pusse Alexander und der Preußenkönig. hält, freut sich, einmal unbemerkt durch die Menge streifen zu können. Zuerst fesselt ihn ein Zigeunerwagen mit schönen Pferden, dann tritt er in das Wachsfigurenkabinett, das draußen bombastisch den Frieden von Tissit ankündigt. Es ist schon ziemlich srät und die Bude kaum mehr besucht, der Besitzer freut sich, noch drei Besucher zu erhalten. Er erklärt eifrig. Hier sitzt Seine Majestät, unser geliebter Kaiser, hier der Russenzar, da steht die schöne Königin von Preußen, die Luise heißt, dort ihr Mann, ein steifer Herr. Und diese Dame ist die Konigin von Holland, Hortense, auch sehr schön. Hortense zuckt etwas zusammen, sie ist nie in Tilsit gewesen, und die Wachspuppe mit dem leeren Gesicht und der unmöglichen Frisur scheint ihr entsetzlich. Aber der Kaiser wirft ihr einen ernsten Blick zu, und sie nimmt sich zusammen. Napoleon freut sich, einmal wieder der Rus an Tihsit zu denken. Der Zar gefällt ihm gut. Die Seherin hilft beim Zudecken, und der BeDaß der Preuße nicht zufrieden ist, kann mans sitzer zählt seine Figuren. Niemand beachtet ihm kaum verdenken. Nahm man ihm doch Napoleon. der einen Augenblick schweigend steht seine besten Provinzen; aber weshald wollte erssich rasch umdreht und wieder hinaus geht. Er kein Bundnis mit Napoleon, als vieler essist tief verstimmt und fährt Hortense, die drauwünschte? Der Kaiser steht in Gedanken vor ßen geblieben ist zornig an.„Daß Du mir von den Figuren, die Königin Luise gefällt ihm diesen Dummheiten nichts Deiner Mutter ernicht schlecht; aber sie hat einen Mann, der sich zählst!#t e k“: 2 ##. Sie int gerave so aberglaudisch wie Der Adjutant berichtet nachher, daß der Kaiser sich so geärgert hätte, weil er unter dem russischen Zaren und dem König lag. An die Insel im Ozean denkt er nicht und auch nicht mehr an den Schlitten in Schnee und Eis Aber Hortense, die Wert darauf legt, Königin von Holland genannt zu werden, obgleich sie schon lange von Louis geschieden und ihm nie treu gewesen ist, diese hohe Dame hat öfS D R E#terz die Geschichte mit dem Wachsfigurenkabtnie kin dor die Frau, die mit merkwuld#hnert und der Prophezeiung erzählt und dann zellen Augen ins Leere start.„Pillft. Du dies hinzugesetzt. 00 er36h Zukunft wissen, Bürgerin;, fragt sie mit etwas! Die Frau sprach von einem Felsenekland und gebrochener Stimme.„Oio mir etwas vonsagte auch etwas von Rußland. Aber ich verDir, das Du trugest!"... stand wirklich nicht alles, und ich hätte auch Hortense liebt nicht, Bürgerin und Du ge= nicht gewagt, das so deutlich zu erzäglen. Der nannt zu werden, aber es gibt in Frankreich Kaiser hätte mir doch nie geglaubt. Er kennte noch immer Menschen, die sich nicht an die neue sehr liebenswürdig sein, aber auch sehr zornig. Zeit gewöhnen mogen, und hier ist es einerlei. Ihn ärgerte am meisten, daß er unter dem Sie zieht einen Handschuh aus und legt ihn der Russenkaiser und dem Preußenkönig auf dem Frau auf den Schoß. Diese faßt ihn mit Jün= Tisch lag, und schließlich ist das auch eine Pronen Fingern, legt das Leder an ihre Surn und phezeiung gewesen!" starrt in die Ferne..... Zum Schluß weint Hortense ein wenig; weil „Du bist hoch gestiegen, Bürgerin, aber ich es ihr so leid tut, daß Napoleon auf St. Hesehe Nebel. Warte einen Augenblick.“.. slena sterben mußte und daß sie selbst aus FrankHortense wartet. Ihr fällt ein, daß sie wohls reich verbannt wurde. Aber im Ganzen geht etwas bezahlen muß, und sie winkt dem Adju=ses ihr gut, und sie ist nicht trauriger, ale sie tanten. Denn Fürstlichkeiten tragen kein Geldses mit Anstand sein kann. Aber pronhezeien bei sich. Unterdessen betrachtet der Kaiser noch läßt sie sich nicht mehr.