— 25 •* s 455 S 93/3 BSERESRG-S - S.-SSSBSSSBS3SSS a-# SS-LSS·TSBgSTGT ### SPSS ung 0 S a8 SpocrSs S SeBn g3 -S###SSpgzgg am AEFSTSEFSSTASSS kern Sie nicht Ihre Lage. Schweigen Sie, sonst muß ich den nächsten Schutzmann rufen!" Die blaue Limousine fährt auf den Hof der Polizeiprösektur. Zwei Schutzleute nehmen die Verhafteten in Empfang.„Führen Sie die Frauen zum Herrn Präjekten“, bejiehlt der Kommissar triumphierend und umklammert liebevoll das Corpus delicti, seine angerauchte Zigarette.„Ich kleide mich um und werde mich in zehn Minuten melden.“ Pünktlich erscheint der Kommissar bescheiden=stolz im Zimmer seines Vorgesetzten. Merkwürdigerweise läßt der Präfekt ihn gar nicht zu Worte kommen, sondern sagt, anscheinend über den Vorfall schon unterrichtet:„Beben Sie mir die Zigarette!“ Erstaunt sieht der Kommissar zu, wie sein Vorgesetzter die Papyros ohne alle Umstände anzündet und raucht „Na und?“ fragt der Präfekt dann mit einem niederschmetternden Blick und wird nicht bewußtlos.„Dieser ganz harmlosen Zigarette wegen, die ein wenig mit Opium parfümiert ist, verhaften Sie Fräulein Bouisson, die Tochter des Herrn Innenministers? Herr, sind Sie verrückt geworden?" Der Kommissar weiß es selbst nicht recht Auf jeden Fall ist er der Ansicht:„Jetzt setzt Du Dich in Dein Zimmer und schreibst ein recht schönes Abschiedsgesuch. Der Kuß Skizze von Bruno Wolfgang. Im Frühling des Jahres Sechzehn fuhren wir durch Sibirien ostwärts. Eng war es in der harten, polternden Tjepluschka. Aber nach der Qual der überfüllten Säle des Kriegsgefangenenlagers gab uns diese wochenlange Fahrt nach einem unbekannten Ziele alle Wonnen der Freiheit, mehrte freilich auch die Sehnsucht. Die funkelnden Schienen liefen in die Unendlichkeit und verbanden uns wieder mit der Welt. Wir sahen Menschen, die vom Krieg nichts wußten, wir sahen Bäume, Vögel und Blumen, Mädchen und Frauen. Durch ein kleines, vergittertes Fenster spähten wir bei Tag in das grüne Meer der sibirischen Ebene und bei Nacht in die kühle Ruhe des gestirnden Himmels. Unser jüngster Fähnrich, den wir Mucki nannten, lag immer beim Ausguck und trank die Welt förmlich in sich hinein. Er war noch sehr jung. Er hatte nicht Zeit gehabt, das Leden kennen zu lernen, sondern nur einmal es genossen, in einer einzigen, berauschenden, tollen Nacht. Dann kam eine kurze Spanne Eisen, Blut, und Pulverdampf. Und dann der weite Weg in das eintönige Mönchsleben der Gefangenschaft. Er litt sehr, wagte es aber nicht zu sagen. Doch sein scheues und versonnenes Wesen, sein wie von einem Schleier bedeckter Blick ließen die Schwere des inneren Kampfes erraten. Eines Morgens, schon jenseits des Baikalsees, erwachten wir und sahen, daß wir in einer großen Station auf dem Nebengleise standen. Wir machten wie gewöhnlich Toilette beim Maschinenhaus, wuschen uns im armdicken Strahl des eiskalten Wassers, zündeten uns dann Zigaretten an und gingen zwischen den Schienen spazieren bis in die Nähe des Bahnsteigs. Dort gab es vielerlei zu sehen: Russen Chinesen, Koreaner, Burjaten, und vor allem Russinnen, die wie farbenprächtige, seltene Bögel auf und ab gingen. Von all diesen Herrlichkeiten trennte uns nur ein niedriges Gitter. Dort standen wer wie Barbaren, die zum erstenmal verseinerten Luxus bestaunen, und glotzten mit beschämender Aufrichtigkeit auf die schönen Dinge einer Welt. die uns fern erschien wie ein versunkenes Paradies. Ganz vorn am Gitter stand Mucki und starrte mit seltsam wilden Augen hinüber. Seine Lippen waren zusammengepreßt, und die Nasenflügel bebten leise. Die Mädchen ginger auf und ab, plauderten und lachten, dann blieben sie in unserer Nähe stehen. Eine von ihnen siel uns durch ihre eigenartige Schönheit auf ein kräftiges, schlankes Mädchen mit prächtigem Haar, ein wenig breitem Gesicht und mongolisch geschlitzten Augen. großem, rotc: Mund und starken, gesunden Zähnen. Sie deutete ohne Scheu auf Mucki, der ihr offenbat geste. und sprach etwas zu ihren Gefährtinnen Alle lachten und sahen ihn an. Und sie nichte ihm zu In diesem Augenblicke hörten wir von unzorem Zuge her Rusen und Beschrei. Unsere Soldaten drängten zur Abfahrt. Wir eilten zurück. Aber Mucki stand noch immer regungslos und sah hinüber. Die Gruppe der Mädcher hatte sich schon entiernt. Die Ecke des Bahnsteigs war fast menschenleer. MMürsenfande In gold'nen Strömen fließt die Märzensonne Auf Frühlingsdächer und auf Strohdachkaten. Der Bauer steht vor seinem Roggenfelde Im Duft der Scholle und der grünen Saaten. Er lauscht der Erde leis geheimen Stimmen, Und wie die Aecker atmen tief im Sehnen; Wie diese Scholle wird auch seine Seele In Sonne und in Arbeit weit sich dehnen. Er hebt dann eine Hand voll brauner Erde, Zerbröckelt prüfend sie im tiefen Singen, Wie wohl ein Gott, der Sonne, Mond und Sterne Läßt lächelnd durch die Schöpferhände rinnen. Wilhelm Lennemann. Da wandte sich die Russin noch einmal um und winkte ihm zu. Als sie ihn allein noch immer da stehen sah, wie einen Bettler, lächelte sie und ging mit entschlossenen Schritten auf ihn zu. Mucki schwang sich mit einem Satz über das Gitter und blieb vor ihr stehen. Sie lachte und sprach etwas zu ihm. Aber Mucki verstand kein Wort und sah sie nur immerfort an. Da näherte sich ihm ihr Gesicht, ihre Augen glänzten, und rasch und leise flüsterte sie ihm halb ernst, halb lächelnd alle die weichen, schmeichlerischen Kosenamen zu, an denen die russische Sprache so reich ist. Mucki verstand noch immer nicht. Da stampfte sie scheinbar ärgerlich mit dem Fuß, schüttelte den Kopf, und mit einer raschen, plötzlichen Bewegung küßte sie ihn auf den Mund. Dann wandte sie sich um und ging, ohne sich umzublicken. Ein kleiner, grauer Handschuh war ihr, ohne daß sie es merkte, entglitten und lag dort, wo sie gestanden hatte. Mucki hob ihn blitzschnell auf und lief zum Zuge. dessen Pfeifensignal schon ungeduldig ertönte. Im Waggon warf er sich auf seinen Platz und schien zu schlafen. Von nun an schien die Außenwelt ihren Wert für ihn verloren zu haben. Was immer vom Ausguck gemeldet wurde, er rührte sich nicht von seinem Platze. Man sah ihn nur hie und da mit ernster Miene in seinem Rucksack kramen und anscheinend angestrengt über etwas nachdenken. Einmal des Nachts. alalles schlief, stieg er leise von seiner Schlafstelle herab. Beim Ofen saßen, von der Glut rötlich bestrahlt, die beiden Russen mit ihren riesigen Gewehren, öffneten schlaftrunken die Augen und schlossen sie wieder. Mucki schob leise die Tür ein wenig zurück und atmete in tiefen Zügen die kühle Nachtluft wie reines Quellwasser. Lange starrte er in die Dunkelheit nach der Richtung hin, aus der der Zug rastlos gegen Osten enteilte, dann schloß er die Tür wieder und kehrte auf seinen Platz zurück. Er tat dies fast jede Nacht. So vergingen einige Tage. Wir kamen an die Grenze der Mandschurei. Hier zeigte sich unter unserer Wachmannschaft frohe Erregung. Denn die Strecke lief nun ein bis zwei Tage auf chinesischem Staatsgebiet, wo das Alkoholverbot nicht galt. Hier konnte man sich für lange Entbehrungen schadlos halten. Abends fuhren wir durch die öde Steppe. Beim flakkernden Schein einer Kerze saßen um den Ofen vier russische Soldaten, unsere beiden mit zwei Gästen vom Nachbarwaggon. Sie spielten Karten und tranken aus den sonderbarsten Gejäßen den abscheulichen Fusel, den ihnen die Chinesen verkauft hatten. Auch Mucki saß bei ihnen. Sie waren ihm sehr gewogen, denn er hatte ihnen eine volle Blechkanne Schnaps seinftet. Je mehr sie tranken, desto zärtlicher wurden sie, umarmten und küßten ihn brüderlich. Er nahm alles mit dem gleichen schüchternen Lächeln hin. Manchmal trat er zur Tür, öffnete einen kleinen Spalt und blickte hinaus. Dann kam er wieder zurück und setzte sich wieder. Schnapsdunst und Tabakrauch erfüllten den Raum wie eine dichte Wolke. Eo zechten sie die ganze Nacht, bis leichtes Frührot Sämmerte. Schwer atmend erhob sich Mucki und öffnete die Türspalte. Kühl und frisch drang die Morgenluft herein. Traußen lag die dunkle Steppe in grauer Dämmerung. Im fetten Gras, zweihundert Schritte entfernt, weidete einsam ein schwarzes Pferd, und ringsum schlief noch die unendliche Ebene, weit wie das Meer. Da mit einem Ruck schob Mucki die Tür zurück und schwang sich blitzschnell hinaus. Er fiel auf dem Bahndamm zu Boden, sprang wieder auf und lief querfeldein auf daPferd zu. Die Russen hatten seinen Absprung gar nicht beachtet. Und als sie einige Augenblicke später merkten, daß er fehlte, hielten sie die Sache anfangs für einen Scherz. Doch dann erblickten sie das Pferd und sahen den rasenden Lauf des Flüchtlings. Jetzt begriffen sie und gerieten in schäumende Wut über die Hinterlist des fremden Offiziers, der ihr Vertrauen mißbraucht hatte. Geschrei, Pfiffe, Verwirrung. Die Bremsen kreischten. Der Zug hielt. Aus allen Waggons sprangen Soldaten und setzten. die Gewehre schwingend, schwerfällig dem Fliehenden nach. Sie hätten ihn nicht eingeholt. Das Pferd war nicht mehr weit. Aber die Wiese wurde sumpfig, er blieb stecken, kämpfte mit verzweifelter Anstrengung um jeden Schritt und kam doch nur langsam vorwärts. Die Verfolger teilten sich, umgingen die sumpfige Stelle und hatten ihn bald überholt. Sie umringten ihn, und wir sahen nur noch die Gruppe der eng zusammen gedrängten Soldaten, über deren Köpfen die schweren Gewehrkolben auf und nieder flogen. Das Pierd war mit einigen Sprüngen seitwärts galoppiert und graste ruhig weiter. Dann löste sich die Gruppe langsam auf. Als sie näher kamen, erkannten wir erst, daß die letzten zwei einen Körper auf der Erde nachschleppten. Sie hielten ihn bei den Füßen und der Kopf schleifte über den Boden hin. Donn stiegen sie den Bahndamm empor und warfen ihn auf die Schwellen. Nach einer Flut von Beschimpfungen gegen uns verrauchte ihr trunkener Zorn, und sie stiegen ein. Wir hoben den Toten in den Waggon und bedeckten ihn mit einem Mantel. Durch die fest zusammen gepreßten Finger der linken Hand sah ein graues Stück Stoff hervor. Zu unserem Staunen erwies es sich als ein grauer Damenhandschuh. Wir hielten es für richtig, ihn nicht fortzunehmen, und so teilte er das Schicksal dieser Hand, die ihn noch kalt und starr umschloß, als wir in Charbin die Leiche den russischen Behörden übergaben. —.2.— Humor vom Tage. Antiquitätenhändler:„Das hier ist ein sehr seltenes Stück; es ist der Revolver, den Kolumbus bei sich trug, als er Amerika entdeckte.“ „Aber damals gab es doch noch gar keine Revolver." „Deshalb ist er ja so selten.“ Kenny klaut den Inhalt einer Wohnung. Plötzlich hört er Schritte. Die Tür geht auf. Ein Mann.„Hände hoch!" befiehlt Kenny, dabei einen Browning schwingend. „Verzeihung, ich wollte Sie nicht stören.“ winkt der Eintretende ab,„ich bin nur der Nachbar und möchte Sie bitten, ja das Grammophon nicht zu vergessen.“ In einem Eisenbahnabteil unterhalten sich Herren über Abschreckungstheorie einige Hercen üder Abschreutungscheorte. Der Inhaber eines großen Konditoreibetriebes erzählt, wie man in seinem Gewerbe die Lehrlinge von der angeborenen Genäschigkeit heilt: man läßt sie zu Beginn ihrer Tätigkeit so viel in sich hineinstopfen, und ermuntert sie noch obendrein, ja ordentlich zu naschen, bis die jungen Leute einen Ekel vor der süßen Ware bekommen und ganz von selbst mit der Schlekkerei aufhören. „Ein sehr vernünftiges System", bemerkt einer der Zuhörer,„jammerschade, daß das in meinem Berufe nicht gang und gäbe ist!" „Was sind Sie denn?“ wird er gefragt. „Bankkassierer!“ lautet die Antwort. Mutter:„Franz, um Gottes willen, was machst du denn da mit deiner Armbrust? Du zielst ja dem kleinen Peter auf den Bauch.“ Franz:„Wir spielen„Wilhelm Tell" und Peter hat den Apfel ausgegessen.“ „Was machen Sie in Ihrer Freiheit?" „Laubsägearbeit.“.„„ „Laub sägen? Haben Sie denn keine Angst, dabei von den Bäumen zu fallen?" „Herr Wirt, möchten Sie mir nicht das Rezept dieser Soße verraten?" „Warum denn?“ „Oh, die scheint sich vorzüglich zum Fliegenfangen zu eignen, hier sind schon drei Stück drin!" Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr C. Santz. Altena. Zwischen Scheinwerfern Eine Schmugglergeschichte aus Estland von Oleg Berting=Riga. Heute war es anders als gewöhnlich. Peter Jänes und Ants Kusik hatten keine langen Gummistiefel an den Füßen, keine Südwester über den groben Wolljacen am Leibe. Heute trugen sie Lackschuhe, blaue Anzüge aus feinem englischen Tuch und saßen im besten Restaurant von Reval, ergötzten sich an europäisch frisierten Negerrhythmen, tranken Wein statt Schnaps und spielten, so gut es ging, den KaBalter. In ihrer Gesellschaft befand sich nämlich eine junge Dame. Das war Elma Erin, die Tochter des nach dem Kriege so sonderbar schnell reich gewordenen Fischers Sven Erik. Eigentlich war an diesem Reichtum ja nichts Sonderbares. Besaß doch Soen Erik neben seinen Fischerbooten die schnellsten Motorboote, die unter griechischer, persischer und verschiedenen anderen Flaggen von Danzig bis nach Finnlands Nebelküste— Spiritus schmuggelten. Seit 1926 ist nämlich die Spiritusausfuhr aus Estland verboten, und Schiffe unter estländischer Flagge dürfen keine Spiritusladungen mehr führen. Daher fahren alle estländischen Schiffe, die— gleichgültig zu welchem Zweck, denn braucht nicht immer Schmuggelspiritus zu sein — Spiritus mit sich führen, unter fremdländischer Flagge. Die entsprechenden Schiffspapiere werden auf vollkommen gesetzlichem Wege durch die betreffenden Gesandtschaften besorgt. Die Mannschaft von Eriks„Schmuggelflotte“ war ebenso verschwiegen wie geschickt und verwegen, und ihr„Admiral", Baron Bodo von Angern, verstand seine Sache. Ehemaliger russischer Seeoffizier und Gutsbesitzer, immer noch begeisterter Jäger und Sportsmann, kannte er sich zu Wasser und zu Lande aus wie kein zweiter. Peter Jänes und Ants Kusik gehörten zur Besatzung eines der„Perserboote" Sven Eriks, das nicht ganz im Einklang mit seiner Flagge den schönen und bekannten griechischen Namen „Aspasia“ trug. Auch Elma war in diese Dinge eingeweiht. Der alte Erik hatte ihr eines Tages, ohne sich über das„Wie sage ich es meinem Kinde" lange Gedanken zu machen, reinen Wein eingeschenkt. Nordische Mädche: sind schweigsam. In solchen Dingen besonders. „Nehmt mich doch mal mit,“ funkte Elma ihre beiden Kavaliere aus ihren klaren, blauen Schwedenaugen an. Peter Jänes machte ein verdutztes Gesicht und wäre fast grob herausgeplatzt:„Sowas ist keine Weibersache!“ Aber rechtzeitig biß er sich auf die Zunge. Daß Elma hier mit ihnen saß, war ja überhaupt sozusagen nur die„Laune einer Königin". Die Zeiten, da sie zu dritt barfäßig im flachen Meere herumtobten, lagen weit hinter ihnen. Ants Kusik hingegen nahm selbst nicht rechtzeitig beim Wickel und sich sagte, von Eifersucht und Neid jäh erfaßt, große Dummheit.„Bitten Sie doch den Ba eine ng„ i pen Baron darum, den„Admiral: Der wird Ihnen schon nichts abschlagen!“ Elma schoß das Blut ins Gesicht. Wütend fuhr sie Kusik an:„Das ist nic deine Sache, Dummkopf!“— Dann nahm sie den Faden ihrer früheren Unterhaltung. wieder auf: „Warum wollt ihr mich nicht mitnehmen? Mein Vater erfährts doch nicht.“ „Wenns gut ausgeht, nicht,“ meinte Jänes bedächtig.„Aber gehts schief, was dann?“ „Es ist auch gar nicht, weil wir etwa Ihren Vater fürchten," ließ Kusik sich wieder hören. „Wie sollten wir es aber verantworten, wenn eine Kugel Sie trifft, Sie ins Gefängnis kommen oder gar ertrinken. Das kännen wir nicht auf unser Gewissen nehmen. Nein, Fräulein Elma, nein!— Der Baron täts auch nicht!" fügte er im Widerspruch zu sich selbst als stärkstes Argument hinzu. Sie zuckte die Achseln und versank für einige Augenvlicke in Schweigen. Sie dachte an Baron Angern. Einmal hatte sie ihn gefragt, wie er dazu gekommen wäre,„Admiral“ einer Schmuggelflotte zu werden. Er antwortete damals sehr klar:„Die Bolschewiken haben mich um meine Karriere, die in Estland Regierenden um mein Gut gebracht. Fürs erste halte ich mich an diesen schadlos. Die anderen kommen später auch noch mal dran. Ich kann nicht schicksalsergeben die neuen Besitzer meines Gutes als Schofför im Auto herumfahren. Will mir nicht Aermel und... andere Bekleidungsstücke an harten Möbeln irgendwo im engen Kontor durchwetzen. Ich brauche Raum, Widerstand, Kampf— sonst ersticke ich!“— Allmählich war eine große Liebe zwischen den beiden entstanden. „Sie sind doch nicht beleidigt?“ unterbrach Kusik fast ängstlich ihr versonnenes Schweigen. „Nein,“ antwortete sie mit einem kleinen, fernen Lächeln.„Aber einmal werdet ihr mich noch kennen lernen, ihr... gewissensbeschwerten Dickschädel!"—--— Die„Aspasia“ lief mit voller Ladung nach Norden, zur finnischen###te. Kusik steuerte; nicht weit von ihm saß Jänes und hielt scharfen Auslug. Plötzlich grellte ein Scheinwerfer aus der Nacht. Das grünliche, stechende Auge, aus dem die suchenden Strahlen über das Wasser tanzten, war ganz nahe. Jänes wurde blaß.„Himmel— ein Russe", durchfuhr es ihn mit Entsetzen.„Wenn der uns kriegt...!“ „Wahrscheinlich ein Bolschewik,“ tönte es vom Steuer.„I.nnländische Wachtschiffe fahre: nicht ohne Lichter, um plötzlich mit Scheinwerfern herumzuschmeißen. Verteufelte Geschichte das!" Sichtbar beunruhigt waren die zwei übrigen Männer der Besatzung auch nach kinten geklettert.„Wir sind zwar schon in finnischem Wasser,“ sagte der eine,„aber wenn ein Russe ist, was kümmerts ihn! Sie nehmen Ladung und Geld weg und sperren uns ein. Womöglich müssen wir dann noch irgendwo in Verbannung auf einer Eisinsel krepieren.“ „Wir müssen durch!“ wollte Kusik sagen, aber ein greller Lichtstrahl schnitt ihm das Wort vom Munde. Das russische Wachtschiff hatte die „Aspasia“ gesichtet... Schon grollte ein Kanonenschuß mit hellem Aufblitzen aus der Nacht, und deutlich hörbar fauchte das Geschoß über die„Aspasia“ hinweg. „Jungens“, sagte Kusik,„die Russen brauchen die Prise— und die Zeugen müssen verschwinden. Ich glaube, der Tod ist gnädiger als diese Kerls.“ „Jawohl! Sicher!— Glaubs schon,“ tönte es im Chor. „Da rammen wir die Burschen!“ rief Kusik mit blitzenden Augen.„Wir fahren zur Hölle, aber die Russen nehmen wir mit.— Einverstanden?" Das wilde, finnische Schmugglerlied„Wir fahren das Schiff zur Hölle, tra=la...“ war die Antwort. Unterm Aufdonnern eines zweiten Kanonenschusses warf Kusik das Boot herum und jagte mit voller Motorkraft auf den schwarzen Fleck zu, der sich unter seinem zwinkernden Lichtauge schattenhaft aus dem Wasser hob. Höhnisch mischte sich das rauhe Todeslied der Schmugaler mit dem Gesang vo.. Wind und See. Aber die Leute von der„Aspasia“ hätten lieber nicht singen sollen: Die Russen verstande: auch Finnisch und merkten die Absicht. Als die „Aspasia“ schon ganz nahe war, tönte es;öpli. durchs Sprachrohr:„Langsam fahren, oder..“ Ein Maschinengewehr bellte hart auf. Hell zirpte und zischte es über den Köpfen der Aspaßgleute.„Auch das noch!“###ez Kusik zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und kommandierte:„Halbe Fahrt!"— Dar Lied ver“ummte jäh. Plötzlich flirrte es im Rücken der„Aspasia“ glitzernd über das Wasser. Dann flammte das russische Wachtschiff in grünlichem Licht förmlich auf. Die Lichtkegel zweier Scheinwerfer hatten sich an ihm festgesaugt und ließen es nicht mehn los.„Hoffentlich ein Finne“, rang es sich den Herzen der Aspasialeute.„Wenn der und dem Russen abjagt, kommen wir immer noch mit einem blauen Auge davon.“ Halb det winkten die Russen wütend auf das Nees hinaus, die Scheinwerfer abzustellen, aber niemand beachtete ihre Zeichen. Die„Aspasia“ legte sich fast Bord an Bo## mit dem bedeutend größeren Russen. Die See war ziemlich ruhig, ein Hinüberklettern leicht Dllächt eue=Buut seft und dammt elle herübere befahl der russische Kapitän. Ein Tauende wurde herüber gereicht. Aber keine Hand regte sich auf der„Aspasia“. Es galt Zeit zu gewinnen. Das rätselhafte Schiff mit den Scheinwerfern flog geradezu heran, wie man an den immer größer werdenden Lichtkegeln erkennen konnte.„Kommt selber herüber, wenn ihr wollt!“ rief Kusik den Russen zu. Kurz darauf blitzte ein Warnungsschuß zwischen den Scheinwerfern des Fremden auf. und zehn Minuten später lag das fremde Boot längsseits. Wie die Katzen kletterten vier niform an Bord des atmeten auf. Die erkennen. defür aber die Abzeichen. „Seid ihr des Teufels?“ fuhr der russische Kapitän sie an.„Wir sind ein russisches Wacht. schiff und...“ „Das werdet ihr uns erst beweisen müssen“, sagte der vorderste der Finnen halt in fließendem Russsich.„Mir scheint aber, ihr ladet hier Spiritus um.— Papiere vorzeigen! Ganze Mannschaft antreten!“ befahl er dann kurz. Widerwillig gehorchten die Kussen. Der Finne prüfte die Papiere.„Scheint zu stimmen,“ sagte er etwas milder.„Habt ihr was abgefangen?“ „Tausend Liter Spiritus,“ erklärte der rufsische Kapitän stolz. „Ausgezeichnet,“ lobte der Finne mit einem eigentümlichen Lächeln. Dann sah er dem Russen plötzlich hart in die Augen und befahl: „Hände hoch!“— Vier Pistolen richteten sich blitzschnell auf die zehn Russen, die vor Verblüffung vergaßen, dem Befehl Folge zu leisten. Der Finne schoß eine Kugel dicht am Ohr des russischen Kapitans vorbei. Das wirkte. Zwanzig Hände hoben sich starr empor.„Und ihr,“ schrie der Finne zu den Aspasialeuten hinrber, „was haltet ihr Maulaffen feil!— An die Arbeit: Maschinengewehre und Ladung ruvernehmen, Kanonen abmontieren und über Bord!" Im ersten Augenblick blieb den Aspasialeuten der Atem weg. Dann brullten sie auf vor Freude. Sie erkannten die Stimme— es war Baron Angern, ihr„Admiral!"— In einer halben Stunde war die Arbeit geschafft. Zum Abschied schoß Baron Angern noch einige Kugeln in den Motor des russischen Wachtschiffes. Die„Aspasia“ und die„Kajak" lösten sich vom hilflos treibenden Russen und liefen ein Stückchen längsseits, bevor die„Aspasia“ ihren Nordkurs wieder aufnahm. Auf einmal tönte vom Heck der„Kajak" die Stimme des Steuermanns, der bis dahin schweigend dagesessen hatte, trotz des guten Wetters mit einem Südwester bedeckt:„So, Kusik und Jänes, jetzt habt ihr mich kennen gelernt!“ Die beiden fuhren auf. Du lieber Himmel.. Elma! Das war ja eine ganz verrücte Nacht! „Der Baron hat sie also doch mitgenommen!“ konnte sich Kusik nicht enthalten, mißbilligend zu sagen. „Ja und nein,“ lachte Elma.„Ich fuhr als blinder Pufügier', bis es kein Zuruck mehr gab.“ „Ja,“ sagte der Baron,„eine tolle Geschichte. Der Russe war uns gemeldet worden. Wir fürchteten für euch. Fräulein Elma hat sich den zanzen Plan mit den Scheinwerfern und den faischen Uniformen ausgedacht. Wir fuhren um euch zu helfen. Wie wir dachten, ohnesdel in ihren Augen. Sie besuchte nach Jahren in(F'ma Alg sie auftauchte war ich noch sein sPraß sie brachte Blumen.(Das junge Fraulei Eimr uld sie auftauchte, wür ie.) nicht weniger über sie erstaunt als ihr über mich——— Nach diesem Streich seiner Tochter, der ihm nun doch zu Ohren kam, gab Erik das Schmuggeln auf. Statt dessen kaufte er einen großen Dampfer. Sein Kapitän, Baron Angern und auch ein Teil seiner Mannschaft sind uns bekannt. Baronin Elma von Angern pflegt ihren Mann auf seinen Reisen zu begleiten. Das Glas Skizze von L. Schupp. Die einfachsten Dinge können manches Mal eine Schicksalsrolle in einem Menschenleben spielen. Das war z. B. bei einem Glase der Fall, einem einfachen Trinkglas, wie man es auf den Bahnhöfen für einen kleinen Einsatz bekommt. Ein junger Mann hatte es von einem Ausfluge heimgebracht und lange stand es unbeachtet in einer Ecke des Geschirrse kes seiner Mutter, auch dann noch, als der junge Mann schon ein Jahr auf dem Friedhof ruhte. Jeden Tag ging die kleine alte Frau, seine Mutter, zum Gottesacker. Der Totengarten und ihre zwei Stuben bedeuteten ihre ganze Welt. Sogar im Winter sah mun sie Tag. Tag vor dem Hügel, und wenn alle anderen unter tiefem Schnee vergraben waren, den ihren hatte sie frei geschaufert. Auf dem grünen Moosteppich lag immer ein Tannenkreuz mit Zapfen und Beeren, und Weihnachten brannte ein Lichterbäumchen. Im Sommer war die Ruhestätte ein kleines Blumenwunder, und stundenlang saß die einsame Alte auf dem Bänkchen unter der Weide und dachte an ihren Sohn. Er war ein reichbegabter Bildhauer gewesen, ein glühender Verehrer der Schonhe##, die er in traumhaft zarten Frauengestalten verkörperte. Aber nie hatte ihn ein Frauenblick anders getroffen als mit Abwehr, Gleichgültigkeit oder höchstens Mitleid. Denn er war klein, häßlich und verwachsen. Die Mutter sah stumm, mit wehem zerrissenen Herzen, das Leid seiner Kindheit, dem das Spiel, das Leid seiner Jugend, dem die Liebe fehlte. Dann starb er. Der bitterste Gedanke seiner Mutter war es, daß er nicht einmal ein volles Glück genossen hatte. Aus diesem Gedanken heraus ließ sie auf seinem Grabstein einmeißeln: Das Leben ging an ihm vorüber. Wieder war es Sommer geworden. Sein Todestag jährte sich. Die Mutter hatte wunderschöne Rosen gekauft, aber der Tag war heiß, sie würden bald welken. Da fiel ihr das Glas ein; sie holte es aus dem Schrank, füllte es am Friedhofsbrunnen mit Wasser, ordnete liebevoll die Rosen hinein und stellte das Glas zwischen die Pflanzen auf das Grab. Nun würden die Blumen den ganzen Tag in Schönheit blühen und duften. Am anderen Morgen, gerade als das Friedhofstor geöffnet wurde, kam eilig ein junges Mädchen mit einem großen Strauß Vergißmeinnicht. Sie wollte die Blumenschale am Grabe ihrer Eltern füllen, noch geschwind, bevor sie ins Geschäft ging. Aber die Sommerglut hatte die Schale vollständig ausgetrocknet „Zu dumm, daß ich das vergessen habe! Nun werden meine schönen Blumen bald Heu sein.“ dachte ste. Sie lah sich um„Tizemargpaffelt und breit, den sie um ein Gefaß holen hätte bitten können. Da fiel ihr Blick auf das Glas. Wenn sie das zu leihen nähme? Doch sie zögerte. Etwas von einem fremden Grabe zu nehmen, widerstrebte ihr. Aber würde ja das Glas gleich wieder mit frischem Wasser zurück bringen, und das würde den Rosen, die schon etwas matt geworden waren nur gut tun. Vorsichtig sah sie sich um: Leer lag der Friedhof. Schnell ergriff sir das Glas Einige Rinuten später kniete sie vor derr fremden Grabe, um die Rosen in das frische Wasser zu stecken. Da berührte jemand ihre Schulter. Entsetzt fuhr das junge Mädchen in die Höhe. Vor ihm stand die kleine alte Frau, die nach ihrer Gewohnheit zeitig zum Friedhof gekommen war.„Was machen Sie da?“ fragte sie erstaunt.„Was geht Sie dieses Grab an?“, Blutröte stieg dem Mädchen ins Gesicht, Tränen schossen ihm in die Augen. Einer ertappten Diebin gleich, die nicht wußte. was sie sagen sollte. Da fiel der Blick auf die Grabinschrift:„Hier ruht mein einziger Sohn Norbert, Bildhauer, gestorben im 25. Lebensjahr.“ Ein rettender Gedanke:„Ich..“ ia habe ihn gekannt.“ Dann rannte das Mädchen davon. Bisamhen uc Die alte Frau say der Enteilenden nach. Sie war schön, schlank und biegsam. Glich sie nicht seiner„Fliehenden Diana“ oder noch mehr der „Jugend“, seinem schönsten. unvollendeten Werk? Sachte die Mutter.„Ich habe ihn gehaupt“, hatte sie gesagt. Tränen standen danoch sein Gras, si brachte Otah Mädchen hatte als Dank in das geliehene Glas ein Sträußchen seiner Vergißmeinnicht gesteckt). Vergißmeinnicht, dachte die Mutter weiter, sie hat ihn also geliebt. Eine große Freude und Ruhe zog ins Herz der alten Frar ein. Ihr Schmerz hatte mit einem Mal den Stachel verloren. Zärtlich strich sie über der Grabstein:„Mein Junge, warum hast Drmir das nicht gesagt?“, Und dann ging sie zum Steinmetz und fragte, ob man die Inschrift „Das Leven ging an ihm vorüber“, nicht entfernen könne. Franzens Versuchung Skizze von Arthur N. Fraedrich. Der Nordost heulte in den Chausseebäumen Herrisch und ungestüm, drohend forderte er eine Verbeugung nach der anderen, die ihm knurrend und krachend gewährt wurden. Der staubige Neuschnee knirschte unter jedem Schritt, und der andere, der ältere, verstaubte und hartkrustige, stach wie Stacheln in die verschlossenen Schuhsohlen. Dazu eine barbarische Kälte. Franzens blaugefrorenen Hände stöberten in den Taschen bald hierhin bald dahin. Wärme vermochten sie nicht mehr aufzuneh men. Ob sie nur das allein wollten, konnte Franz selbst nicht sagen. Vielleicht suchten sie auch nach einer Krume, nach einem Krümcher Brot. Himmel, wie knurrt der Magen. wie frieren die Glieder, wie verlangen die Augen den Schlaf! Und keine Aussicht auf Aenderung des menschenschändenden Zustands! Die dritte Nacht senkt sich, steht und funkelt mit ihren kalten Lichtern. Die erste war die beste Sie tastete mit ihren kalten Fangarmen um die Strohmiete, in deren Mittelpunkt sich Franz verkrochen hatte. In der zweiten mußte ein verloren gegangener Ballen Stroh allein Ober= und Unterbett sein. Und in dieser? Ihr Sterne, Ihr würdet weniger grausam kalt unkeln, wenn Ihr wüßtet, was ein Vagabundenleben ist. Nicht immer habe ich Euch so angesprochen wie heute abend. Ihr wißt es. Aber damals sah ich Euch von drinnen. Nun leuchtet mir, bringt mir heißen Kaffee, ein Stück Brot, größer als zwei Fäuste, und ein Bett, meinetwegen wieder einen Ballen Stroh! Die Sterne funkelten. Franz tappte weiter tappte auf den Hof eines Rittergutes, sah einen Stern an der Wand funkeln. Da war ein Messingschild über einem Klingelkontakt. Drauf stand„A. v. Einem.“ Franz muß wohl gedrückt haben, denn ein livrierter Diener öffnete, sah ihn, zog die Schultern. zeigte Hochmut in den dressierten Zügen. Als Franz mit seinem Gestammel zu Ende war, winkte der Lakai von oben herat nach der Seite, wo eine Bank stand, und ging dann mit steifen Schultern davon. Er trat in das Zimmer, in dem neben v. Einem der Gutsnachbar Eggers hinter einem dampfenden Glase Grog saß. Es sei ein Landstreicher draußen sagte der Lakai, und bitte um eine Nachtbleibe. Ob ihm diese gewährt werden solle Statt v. Einem antwortete Gutsbesitzer Eggers:„Für diese Pennbrüder hätte ich nichte übrig. Nicht einmal in einem meiner Ställe dürfte ein solcher übemnachten. Frech, faul und diebisch, das sind ihre hervorstechendsten Eigenschaften. Meinen Sie nicht auch?“ Wie wenn er eine geistreiche Aeußerung getan hätte, so befriedigt sog er an seiner Zigarre. Dabei strich er über seine pralle Weste, wie Menschen zu tun pflegen, die mit sich und der Welt zufrieden sind. „Lassen Sie ihn warten“, sagte v. Einem zu dem Diener und wandte sich dann dem Nachbarn zu.„Ich habe bislang noch keine trüben Erfahrungen gemacht. Nicht jeder ist an seiner mißlichen Lage schuld. Es sind traurige Zeiten, Herr Eggers. Bitte, ich will mir den Menschen näher ansehen.“ Damit ging von Einem aus dem Zimmer. Schon nach wenigen Minuten trat er wieder ein.„Nun“, sagte Eggers mit leiser Ironie, haben Sie ihm eins Ihrer Fremdenzimmer zugewiesen?"—„Das nicht", entgegnete v. Einem sinnend.„Der Mensch macht keinen schlechten Eindruck. Ich habe ihn ins leer stehende Elevenzimmer führen lassen. Darin kann er ausschlafen, nachdem sein Hunger geDas verstand Eggers nicht. Pessimistisck und menschenunfr ndlich, wie er war, sagte er beim Abschied:„Sie werden Ihr blaues Wunder erleben. Passen Sie auf.“— Franz suchtelte an seinen Augen umher, kniff sich in den Arm, daß es schmerzte Nein, ein Traum war es nicht. Er stand wirklich in einem Zimmer. Wie denn bloß? Ja se war's gewesen: Ein großer Mann hatte vor ihm gestanden, ihm minutenlang fest in die Augen gesehen, dann die Papiere gepruft und schsteßlich dem Lakaien befohlen, ihn hierher zu führen. Hier sollte er nun schlafen? In dem duftenden Bett? In diesem Zimmer mit den weiß gestrichenen Doppeltüren und der warmen Zentralheizung? Und Essen und Trinken würde man ihm auch noch bringen? Ihr Sterne, ich danke Euch! Nun sehe ich Euch wieder von drinnen. Weiter kam Franz mit einem G“ nicht, denn ein sauberes Mädchen trat em, stellte einen gehäuften Teller mit Brötchen und eine dampfende Teekanne auf den Tisch und wünschte danach artig eine geruhsame Nacht. Er sah dem Mädchen mißtrauisch nach, schlich an die Tür, horchte und riegelte sich ein. Dann stürzte er sich über den Tisch. Zehn Minuten später war die Kanne geleert und der Teller auch.— Bevor er seine zerschlissenen Sachen vom Leibe zog. warf er nochmals einen Blick auf die funkelnde, nächtliche Pracht. Ich danke Euch! Dann konnte er nicht schnell genug aus den Kleidern kommen. Doch die Ordnungsliebe— der Rest einer verklungenen besseren Zeit— gebot ihm. die Kleider in den Schrank zu hängen, der blitzsauber in der Ecke stand. Als er ihn öffnete, stutzte er: In ihm hirgen ein pelzgefütterter Mantel und zwei Anzüge; auf dem Sockel standen ein Paar juchtenlederne Stiefel. Mochte Franz die Bettdecke noch so hoch über die Ohren ziehen und noch so oft bis hundert und wieder nach eins zurück zählen, dennoch sah er immer wieder den Mantel, die Anzüge und die Stiefel vor sich. Gerade als er glaubte, den Schlaf überlistet zu haben, sing eine Stimme an zu raunen:„Nimm doch! Du bist töricht, nimm! Das Fenster liegt zur ebenen Erde. Wochenlang zitterst Du in der Kälte. Morgen wieder. Nimm!“ Franz stöhnte, er wälzte sich hin und her. Er schwitzte sopar. Und immer noch raunte irgendwo eine Stimme:„Nimm. nimm! Erst nach Tagen gewahren sie's. Nimm! Dummer Mensch Du!“ Franz ächzte. Doch die Stimme wurde dringlicher, peitschte sein Blut, folterte sein Gehirn. Jetzt hielt er's nicht mehr aus. Er sprang auf, zerrte an der Schranktür, zog den neuen Anzug, die Stiefel und den Mantel an. Alles vaßte, wie für ihn bestimmt. Jetzt riß er das Fenster auf. Ein Sprung, da stand er auf dem Brett. Noch ein Sprung, dann wäre er im Garten. Vom Dorf herauf trug der Sturm zwölf zerpflückte Schläge einer Turmuhr. Das ernüchterte Franz. Er blickte scheu in den Himmel. Da rasten dunkle Wolken. Hier und da winkte ein Stern hervor. Franz schlen es, wie wenn sie sich vor ihm verkriechen wollten. Er zog beschämt den horchenden Kovf ein und sprang zurück. Du, Franz, willst lo das Vertrauen lohnen? Ein Landstreicher bist du, willst es heute zum Dieb bringen? Schäme dich! Meinst du. Sterne machen Diebe? Franz stammelte sich eine Entschuldigung vor, kroch wieder ins Bett, und jetzt schlief er bis in den halben Mittag.— Als ihn dann v. Einem fragte, wie er geschlafen habe, sagte er leise, kaum hörbar:„Sehr gut, danke!“ „Franz blieb noch Tage bei ihm. Heute ist er Platzmeister in der Fabrik, bei der v. Einem stiller Teilhaber ist.— Gutsbesitzer Eggers hatte es brennend eilig, wieder einmal hinter einem Grog zu sitzen. Dieses Mal lud er v. Einem ein. Unmittelbar nachdem dieser aus dem Schlitten gestiegen war und den Schnee von dem Pelz geschüttelt hatte, fragte Eggers:„Nun, was macht Ihr Schützling, der Penner?“—„Dem geht's gut. Ich bin zufrieden. Er hat sich brav gehalten, trotz der Versuchung. Und wenn er zugegriffen hätte! Dann wäre es zu verstehen gewesen. Wissen Sie, Spinoza hat gesagt:„Eine Tat ist erst dann schlecht, wenn sie von einem schlechten Menschen beurteilt wird.“ Wir also wären schlecht, hätten wir ihn stehlen lassen und dann verdammt.“ Eggers blieb diesen Abend still und einsilbig. In der flillen Stunde Skizze von Jaspar Alexandersen. (Berecht. Uebertragung aus dem Norwegischen von Ernst Züchner). Der Nachtsonne Purpur überstrahlt den Bug der Brigg. Die Gallionsfigur leuchtet wie schimmerndes Gold; es ist, als hebe die ungefüge geschnitzte Frauengestalt ihre Arme gen Himmel. 1.5 In spiegelblanker Kuhe roilt die Dünung um das Näs, und der melancholische Jammer der Scevögel steigt und sinkt mit dem Unterton der träge dahinrollenden Brandung. Die Brigg schaukelt unmerklich in ihren Vertauungen; die Reflexe der reichen Takelung ringeln sich wie ruhelose, grüne Schlangen im Wasserspiegg.... E fc 8#. Auf dem uchterdeck der Brigg stehl der Pomorkapitän Ilja Timofei und singt. Zu seinen Füßen sitzt der Matrose Goseff und klimpert auf einer Balalaika. Wenn der Sänger endet, steigen die Töne des Instruments in jubelndem Kehrreim und schlagen ans Ohr aller Lauschenden am Ufer. Dort sitzt der Telegraphist Andor und sein Weib Dagmar, sie lauschen. „'n komischer Mann, dieser Russenkapitän", sagt er. „Ja“, spricht Dagmar,„er ist jedenfalls kein herkommen. Er ist kein gewöhnlicher Schiffer. Es wird erzählt, daß er in seinem Heimatland ein geschätzter Sänger sei, aber er ist Seemann. Er will wohl die See nicht aufgeben—“ Wieder klingt Timoseis Sang. Stark und wild. Das junge Weib an Andors Seite lächelt benommen zu dem fremden Sänger hinüber: „Ist dies nicht wunderbar, Andor?“ Andor nickt langsam:„Ja, das ist wohl ein Lied von der Steppe.“ Sonnenstrahlen spielen in den Glasfenstern der Veranda oben vor der Villa. Ein junges Weib lehnt sich über das Geländer, als wollte es in dieser wundersamen Sonnennacht deren unsägliche Süße umarmen. Aber weiter hinten im Schatten steht ihr Mann. Sie reden nicht miteinander. Der Reeder Gunnarsson traf sie einst auf seinen Winterfahrten draußen in der weiten Welt. Sie ist eine dunkle, südländische Blume, viel jünger als ihr Gemahl. „Du weißt, ich war gestern bei Gunnarsson in der Abendgesellschaft", sagt Andor.„Dort war auch dieser Kapitän. Er kam in seiner russischen Tracht. So gehen sie ja hier im Norden. Einen grünen Seidenkittel und hohe Lederstiefel. Er soh gut aus. Uebrigens hat er auch ein interessantes Gesicht. Bleich, mit brennenden, dunklen Augen. Gefährlich für das Weibsvolk. Er und Gunnarsson kennen sich noch von früher her, und sie begrüßten sich herzlich. Gunnarsson sagte, er hätte vor kurzem geheiratet. Timosei beglückwünschte ihn warm und antwortete, er hoffe, daß sein Freund sehr glücklich wäre. Gerade, als er dies sagte, trat die Frau in den Salon. Ich konnte nicht umhin zu beobachten, daß sie von diesem fremdartigen Gast eingenommen schien. Er drückte ihr die Hand und küßte sie ehrerbietig. Er sprach kein fließendes Norwegisch. und was er sagte, verstand gewiß niemard. Aber es mochte wohl eine Huldigung sein, denn die Frau lächelte schön. Vielleicht war diese Huldigung ein wenig zu heiß für uns hier im Norden— aber Gunnarison nahm sichtlich ganz unberührt ihren Arm und sagte lächelnd, man könnte fast glauben, die beiden hätten einander schon früher gesehen. Das war ausgeschlossen. Er spürte vielleicht schon in jenem Augenblick Eifersucht. Ich beobachtete, wie das Antlitz der jungen Frau fast einen überirdisch schönen Ausdruck annahm. Es fiel ihr und Timofei schwer, die Augen voneinander zu lassen. Sie schienen einander rettungslos verfallen. Timosei redete zerstreut, wenn ich mit ihm sprach. Er schickte nach seinem Matrosen Goseff; dann wurde gesungen und gespielt. Wenn Timofei sang. sahen seine Augen die Frau an. Für diese beiden veriank alles ringsum. Gunnarsson war bleich und wortkarg. Er tat mir jeid. Denn dies war keine gewöhnliche Liebelei. Es fügte sich, daß die Frau und Timosei draußen auf der Veranda standen— einen Augenblick. Sie sprachen leise miteinander, ja, er sprach, aber sie hob ihr Antlitz lächelnd zu seinem Munde hinauf. Ihr Blick war fern, ihre Haltung hingebend. Gunnarsson und ich sahen sie draußen beieinander stehen. Er versuchte, irgend etwas zu reden. Dann sagte er plötzlich:„Höre, Andor, sag' mir, was soll ich tun?“ Gunnarsson ist ein starker und beherrschter Mann. Und was konnte ich wohl anderes sagen, als daß er abwarten möge? Es würde sich schon alles zum Rechten kehren, wenn die beiden auseinander kämen. Sie brauchten sich doch nicht wiederzuseher, 4.8. Fmssei Um Mitternacht gingen die Gaste. Aimose! und ich waren die letzten. Die Trennung fie! den beiden schwer. Die Frau schlug vor, daß wir den Kapitän zu seinem Fahrzeug hinunter begleiten sollten, und nahm entschlossen seinen Arm. Gunnarsson und ich folgten ihnen au den Fersen. Es wurde nichts mehr gesprochen Am Kai küßte Timosei der Frau die Hand warm zum Abscch „Wie hübsch dies ist, Andor!“ sogt Dagmar. „Ja, eine starke Liebe, die hann niemand knebeln.“ „Hm, bann sein, daß Du recht hast“, antwortet Andor.„Ich hoffe aber, daß Timosei bald egelt.“— Der Flammenschein der sinkenden Nachtsonne brennt auf der rotgestrichenen Seite der Brigg, und die Gallionsfigur zeichnet ihre Silhouette im gedämpften Licht. Es sieht jetzt aus, als strecke sie ihre Arme in Verzweiflung zum Sommerhimmel empor, weil der Sonne Zauberglanz sie verlassen hat. Wallender Brodem hängt über dem Meeresspiegel und dämpft die Umrisse des Fiells zu schrech=lilgen Tönen..### Gich Der Pomorkapitän Timoser hal sein ried beenchat. Er geht in Gedanken auf dem Deck hin und her, von der Kajüte zum Ankerspill. Ab und zu hält er inne und sieht zu der Villa hinüber. Tort oben steht sie. Allein jetzt. Sieh, jetzt gleitet sie herab, kommt heraus. Mit einem nleichten Schal über den feinen Schultern. Ruhig und anmutig geht sie zur Landungsbrücke hinunter. Und bleibt erst an der Laufplanke Timosei steht unbeweglich Run sährt er geschmeidig wie ein Panther über die Laufplanke. Er faßt ihre beiden Hände und küßt sie demütig. Ruhig schreiten sie zum Salon des Achterdecks. Andor und Dagmar erheben sich schweigend und schlagen den Pfad am Kai entlang ein. Sie treffen Gunnarsson. Sein Antlitz ist weiß, der Blick der eines Schlafwandlers. „Saht Ihr meine Frau?“ fragt er tonlos. Dagmar zögert eine Sekunde.„Oh nein" sagt sie; aber ihr Blick gleitet zum Achterdeck der Brigg hinüber, und des Reeders Augen folgen ihr. Dann sieht er Andor an, müde und hilflos, wendet sich und geht mit ihm.— Die Nachtsonne ruht nun auf dem Meeresrande. Ihre Wanderung zum Horizont hinab ist zu Ende. Wie lautlose Schatten gleiten die Meeresvögel über den Himmel— ihr Jammer ist verstummt. Die langen Schatten geben den Fischerhütten friedvolle Ruhe. Die stiue Stunde hat begonnen. Die blaue Limousine Ein unangenehmes Abenteuer, erzählt von Georges Mouysard=Paris. Der wolkenlose Himmel eines schönen Vorfrühlingsabends blaut über dem Pariser Verkehrsgewimmel. Am Opernplatz steigt Herr Deschamps aus dem Schacht der Untergrundbahn. Sein rundliches Gesicht, das ein klein wenig nach Lebemann ausschen möchte und doch nicht recht kann— Herr Deschamps stammt aus Yvetot, wo die Leute als Ausdruck der verfeinerten Kultur noch Röllchen tragen—, strahlt eitel Sonnenschein. Kein Wunder, denn Herr Deschamps freut sich über die zehntauend Franken in seiner Brieftasche, das Ergebnis eines großen Geschäftes an der Börse. In Gedanken an die geglückte Transaktion schickt sich Herr Deschamps an, den Brennpunkt des Verkehrs zu überschreiten. Drüben auf der andern Seite weiß er einen kleinen Laden mit wunderbar blitzenden Juwelen im Schaufenster. Für billiges Geld beabsichtigt Herr Deschamps dort eine Perlenkette zu kau#en, über die seine Frau— ebenfalls aus Yretot gebürtig— die Hände über dem Kopfe zusammen schlagen wird:„O, wie wunderbar!“ Man braucht ihr ja nicht auf die Nase zu binden, daß alles Talmi ist. Herr Deschamps setzt eben den Fuß auf die Straße, als ein Autohorn unmittelbar vor seinem Ohre gellend ausbrüllt. Vierradbremsen knirschen. Eine helle Damenstimme schreit erschreckt auf. Der Kotflügel einer großen blauen Limousine landet unsanft in Herrn Deschamps Bauch. Ein Unglück ist um ein Haar vermieden.„ostat ie, Jehaut#. Der Weltmann aus Hoeld. ist soforl Herr der Lage.„Bitte, bitte, meine Damen, keine unnötige Angst", beruhigt er die reizende und äußerst elegante Fahrerin und das erschreckte Gesichtchen hinter ihr. dessen Anblick nicht minder erfreulich ist.„Alles noch gut abgegangen.“ Herr Deschamps lächelt sehr freundlich. Die jungen Damen atmen sichtlich befreit auf. Doch eine hat nach der Aufregung das dringende Bedürfnis, sich eine Beruhigungszigarette anzustecken.„Ach“, sagt sie mit schmelzender Liebenswürdigkeit,„mein Herr. krönen Sie doch Ihre Güte damit, daß Sie mir Feuer geben.“ Herr Deschamps ist sofort bereit, doch leider bläst der Frühlingswind das Streichholz aus. Herr Beochamps versacht en mit einem neuen.„ Da kommt ein Verkeyrspolizin au den Kraftwagen zu:„Weiterfahren. Sie halten den ganzen Verkehr auf!“ Die Zigarette drennt noch nicht.„Ach, steigen Sie doch ein und fahren Sie ein Stückchen mit uns“, meint die junge Dame im Rücksitz. Herr Deschamps aus Yvetot besinnt sich nicht lange und läßt sich neben der freundlichen Schönen in die Polster fallen. Auf der Fahrt merkt er, daß es nicht ganz einfach ist, einer so reizenden Unbekannten in einer Limousine Feuer zu reichen. Als der Wagen vor der Madeleine anlangt, brennt die Zigarette aber doch schon. Natürlich nimmt auch Herr Deschamps mit Dank die angebotene Papyros, und auf dem Konkordienplatz fühlt er sich in dieser angenehmen Umgebung wunschlos glücklich. Er glaubt, im Nirwana zu sein, und weiß nichts mehr von dieser prosatschen Welt der dicken Gattinnen aus Yvetot... Als er wieder in die schnöde Wirklichkeit zurückversetzt wird, ist es Nacht. Herr Deschamps wunderte sich. Denn er sitzt nicht mehr neben der reizenden Unbehannten und hinter der nicht minder schönen Fahrerin in den weichen Polstern. Aber eine unangenehme Feuchtigkeit dringt durch seinen Hosenboden und kriecht an ihm herauf. Aus der weichen RühJenlehne ist ein rauher Baumstamm geworden. Plötzlich wird sich Herr Deschamps mit gewohntem Scharsblick seiner peinlichen Lage bewußt. Er sitzt in traend einem märzkühlen Walde, und die Brieftasche ist fort, mit ihr das Geld. Zehntausend Franken! O. kalsche Zigarettenhebe! O. schreckliche Rückkehr in die Arme der liebenden Gattin aus Yvetot mit der handgerechten Pantoffelnummer 42!— Der Polizeikommissar ist ganz Ohr:„Ja, Herr Deschamps, Sie sind nun schon der dritte, dem dieses Abenteuer mit der narkotischen Zigarette und der blauen Limousine zustieß. Wisen sie die Nummer?“—„Nein.“" Der Kommissar findet das ganz verständlich. Wer achtet auch auf die Nummer eines Kraftmagens. wenn dessen Inhalt tausendmal interese santer ist!„Nun, ich danke. Vielleicht genügen Ihre Angaben doch, um die beiden Gaunerinnen zu fassen.“ Herr Deschamps ist ent'assen. Mit der Gattin aus Yvetot verglichen, sind die Polizisten doch recht nett und menschenfreundlich! Ein paar Tage später steht der Kommissar als Provinzonkel verkleidet auf dem Opernplatz.„Einmal muß ich sie erwischen!" tröstet er sich und denkt an die rund tausend blauen Limousinen, die sein amtliches Auge in dreimal zwölf aufreibenden Stunden prufte, an die vierunddreißig von jungen Damen gelenkten Wagen, die den anscheinend Unachtsamen jedesmal beinahe umrannten und deren Insassinnen doch nie die Gesuchten waren, weil sie keine freundliche Einladung zum Einsteigen bereit hielten. Da taucht im Gewühl wieder eine blaue Limousine auf. Die geschärften Augen des Polizisten erkennen zwei Damen, reizend die eine am Steuer, eben so niedlich die andere im Rücksitz. Ein Schritt auf die Fahrbahn. Ein Horn gellt auf. Vierradbremsen knirschen. Eine helle Damenstimme schreit erschreckt auf. Ein Kotflügel streift den polizeikommissarischen Bauch. Der Wagen steht. Die reizende Fahrerin zittert vor Erregung: „Sie sind doch nicht verletzt?“—„Nein, meine Dame“, flötete der Kommissar und denkt: „Warte, Du falsche Hexe!“. Dann harrt er der Dinge, die da kommen müssen. Tatsächlich öffnet die Dame im Rücksitz die Tür:„Ihr Mantel ist schmutzig geworden. Wir müssen ihn abbürsten.“ Da kommt auch schon der Verkehrsschutzmann:„Weiterfahren, weiterfahren!“—„Steigen Sie ein". lächelte die Dame bestrickend,„wir fahren zum nächsten Parkplatz und bürsten Sie dort ab.“ Das Polizeiherz jubelt:„Siehst Du wohl!“ Natürlich wickelt sich das alles programmmäßig ab.„Ach“, seufzt die Dame im Rücksitz,„der Vorfall hat mich doch aufgeregt. Ich muß eine Zigarette rauchen. Sie auch, mein Herr?" Löchend nimmt der Kommissar an und reicht Feuer. Dann steckt er sich die eigene Zigarette an. Ein Zug, und die Papyros landet im Aschenbecher:„Natürlich narkotisch!“ Jetzt ist der Kommissar auf der Höhe der Situation. Mit der einen Hand lüftet er den Mantel und läßt die Polizeimarke sehen, mit der anderen zückt er die Pistole:„Sie sind verhaftet. Machen Sie kein Aufsehen. Fahren Sie zur Polizeipräfektur!“—„Donnerwetter!“ denkt er im nächsten Augenblick.„Die Weiber können doch großartig schauspielern. Diese markierte Empörung!“—„Bitte“, schneidet er gleich darauf eine erregte Erklärung der jungen Dame neben ihm ab.„Bitte, verschlech