chen zum Tanz:„Komm her. Torschen:“ Dann aber klirrten die ersten Bierseidel, die Musik spielte flotter, und Leben kam in Mund und Beine. Mieke Westermann hatte zu tun. Schweigend räumten ihr alle jetzt schon den Ehrenplatz der Bäuerin ein, und jeder wollte mit ihr tanzen. Dann schwenkte sie August Cordes kräftiger Arm über die Diele, daß Lichter und Kränze, Gesichter und Pfosten in schwindelndem Kreise um sie tanzten. Da bat sie ihn leise:„August, geh mit ins Freie, mir ist so heiß und übel.“ Sie traten vor das Haus, und Mieke erschrak sast vor dem Nebel, der weiß und schwer über der Erde lag. Sie schmiegte sich fröstelnd an den großen Mann:„Wie unheimlich sieht dies alles aus! So tot und stumm. Wie Gespenster sind die Bäume. So recht eine Nacht für Einbrecher, die sich in den Nebel ducken und ungesehen bleiben.“ Sie schauderte leise. Doch August Cordes lachte ein wenig spöttisch:„Hast Du Angst, Mieke? Wie kann eine Bäuerin sich fürchten auf ihrem eigenen Hof?" Nieke Westermann war ein wenig blaß, als sie auf die Diele zurückkam. Den anderen stand die frohe Erregung des Tanzes rot auf den Backen. Der alte Großknecht trat auf die zukünftige Bäuerin zu und wunderte sich:„Was hast Du? Siehst aus wie der Flott auf der Milch!“ August Cordes antwortete für Mieke: „Ein wenig bange ist ihr geworden, weil der Nebel so braut und weil sie an Einbrecher dachte.“—„Einbrecher?" Der Alte zog sein Gesicht in Falten.„Einbrecher? Ja, die kriechen in olchen Nächten aus ihren Schlupfwinkeln und schleichen um die Häuser. Mein Vater hat mir erzählt, was in seiner Jugend ein Mädchen hier auf dem Hofe erlebte. Es war gerade so eine Herbstnacht wie heute, und der Nebel verdeckte die Wiesen. Bis zum Fenster der Kammer, in der die Deern schlief, stand er wie so ein undurchdringlicher See von Milch, der gegen die Scheiben drückt und herein will. Und dem Mädchen war angst und bang. Es hörte ein Käuzchen schreien und fuhr in seinem Bett hoch. Da sah es, wie aus dem Nebel eine Faust hochstieg, und„klirr" zersprang das Fenster. Der See floß in die Kammer, dick und schwer, und mit ihm schwamm der hinein, dem die Faust gehörte. Die Deern lag schon halb tot vor Angst, als der Kerl die Finger um ihren Hals krallte und sie erwürgte, weil er wußte, daß ein paar Taler unter ihrem Kissen lagen. Ja, Mieke, es war gerade so eine neblige Herbstnacht wie heute.“— Die Faust aus dem Nebel verfolgte Mieke in den Trubel des Festes hinein. Ihr war, als lege sich die kalte Hand auch um ihren Hals, und sie stöhnte, während sie mit schweren Gliedern in August Cordes Arm über die Diele tanzen mußte:„Du, ich habe Angst. Was der Großknecht erzählt...“—... ist alles Unsinn, Mieke. Hier auf dem Hof darfst Du Dich nicht fürchten. Meine Bäuerin muß es mit dem Teusel aufnehmen können. Frisch, Mädchen, tanze! Es ist der Hinausschmeißer, und keiner soll noch im letzten Augenblick über Dich lachen.“ Mieke Westermann riß sich zusammen, und während die letzten Takte des Tanzes über die Diele schmetterten, keimte in August Cordes ein Plan:„Sie soll das Fürchten verlernen!“ Ruhe lag nach dem Jubel über dem großen Hause. Mieke räumte in der Küche die Speisereste fort. Sie arbeitete langsam und tat manchen Griff unnötig, denn sie scheute sich, ihre Kammer aufzusuchen. Da trat die alte Bäuerin zu ihr:„Mieke, laß gut sein für heute. Hör auf und leg Dich zu Bett. In der Kammer ist Kerze und Streichholz. Und nun gute Nacht. Wirst sein schlafen können nach all dem Lärm.“ Da fühlte das Mädchen wieder die Angst an sich hochklettern.„Mutter". wollte es bitten,„laß mich bei Dir in der Kammer schlafen. Ich fürchte mich allein dort oben.“ Doch Mieke Westermann schwieg:„Was sagte er doch? Er mag es nicht leiden, wenn ich mich fürchte. Seine Bäuerin muß es mit dem Teufel aufnehmen können.“ Sie tappte sich durch das dunkle Haus zur Stiege. Ihre Nerven waren gereizt, und sie fühlte, wie ihre tastenden Fingerspitzen zitterten. Sie fand die erste Stufe, betrat sie und fuhr vor dem Knarren, das ihr eigener Fuß weckte, zusammen:„Unsinn! Weiter!“ Sie stieg drei, vier Stufen hinauf. Dann blieb sie regungslos stehen. Atmete da nicht einer? Knarrte nicht etwas?„Mieke, Du bist verrückt; das warst Du ja selbst! O. wie ist die Treppe dunkel! Nur das kleine Fenster dort auf dem Absatz wirft ein bleiches Viereck in die Schwärze. Und gerade dort will der Nebel zu mir herein, der Nebel, aus dem die Faust aufwuchs. Ach, Unsinn, reiß Dich zusammen, Mieke!" Drei, vier Tritte ächzten. Noch eine Stufe, dann stand Mieke Westermann auf dem Treppenabsatz, vor dem schwarzen, schmalen Schlund, ihr Herz schlagen, fuhlte etwas Feuchtes über ihre Stirn fließen:„Blut: Unsinn! Angstschweiß. Nun geh doch vorbei am Fenster! Ich kann nicht. Wenn die Faust nun käme, aus dem Dunkel hervorstieße und mich packte! O, wie entsetzlich!“ Und plötzlich wuchs aus dem Dunkel des Ganges eine Riesenfaust hervor, fürchterlich in ihrer geisterhaften Lautlosigkeit. Grauenhaft stand sie im schmalen Viereck, das vom Fenster in die Dunkelheit geworfen wurde:„Kennst Du mich? Die Faust, die das Mädchen erwürgte!" Mieke Westermanns Augen traten aus den Höhlen. Das Entsetzen lähmte ihre Glieder, ihre Kehle, ihr Denken. Doch dann legten sich die Finger wie Krallen um ihren Hals, und der Schrei des Mädchens gellte wie das Brüllen eines Tieres durch das stille Haus. Als der Arzt im bleichen Herbstmorgen den Hof betrat, kam ihm August Cordes mit grauen Haaren und zerfallenen Zügen entgegen: „Doktor, das habe ich nicht gewollt. Angst hatte sie, und die sollte sie verlieren.“ Er fiel auf einen Stuhl und schlug die Hände vor das Gesicht. Er sank wie ein Mörder zusammen, als der Arzt nach einer endlos langen Viertelstunde aus der Kammer trat:„Wir müssen sie nach Lüneburg bringen.“ Mieke Westermann sitzt seit zehn Jahren im Irrenhaus.„Hoffnungslos“, sagten damals die Aerzte zum Bauer auf Söltingen.„Gehen Sie nach Hause! Kümmern Sie sich um Ihren Hof.“ August Cordes ist geblieben und dreht in seiner Stube dem Irrenhaus gegenüber die Daumen. Sie haben ihm die Freiheit gelassen, weil sein Irrsinn harmlos ist. Sein letzter Stier Skizze von E. Seeger. Vorüber gerauscht war das Stiergefecht, in Blut und Sonne, in Luxus und lohendster Leidenschaft. Valero, der Liebling der Sevillaner, hatte vor 20000 begeisterten Zuschauern mit unübertroffener Meisterschaft gekämpft. Als Sieger, als Triumphator, nur mit einer leichten Fleischwunde an der linken Wade, war er von seinen Anhängern drei Mal um die Arena getragen worden.„Hoch, Valerito!“ schrie die jubelnde Menge, und er lächelte das graziöse, liebenswürdige, offizielle Lächeln, das den Stier kämpfer auch in den gefährlichsten Augenblikken nie verläßt. Draußen in dem Hof unter den Arkaden setzten ihn seine Freunde nieder, wo blutiges Stroh und Wasser von der widrigen„Toilette“ der todwunden Pferde erzählten die zum zweiten Male dem Feinde entgegen geschickt wurden. Und hier verlor Valero plötzlich sein Lächeln. Unter sich lächeln die Toreros nicht, sie kennen die Gefahren viel zu gut, die jeden von ihnen bedrohen. Wozu also noch gegenseitig Theater Aber in Valeros Gesicht trat ein fremder Zug von Versteinerung, von Leblosigkeit. Juan, sein Diener, der ihn an der Tür zum Operationszimmer neben der Kapelle erwartete, erschrak. Aber er wußte, daß er den Maestro nie fragen durfte. Er war ein früherer Banderilloro, der dem Stier vorm letzten Gang des Gefechtes die spitzen mit Widerhaken versehenen Stäbe in den Nacken zu stoßen hatte. In der Arena verlor er einst das ünke Auge, und er dankte sein Leben nur der Geistesgegenwart Valeros. Dankte es ihm mit fast hündischer Treue. „Ruf den Doktor Roquero!“ warf Velero hin, aber schon trat dieser ein, ein lebhafter, begeisterter Anhänger der Stierfechtkunst und Freund Valeros. Mit ausgebreiteten Armen zam er auf ihn zu und küßte ihn schallend auf beide Wangen:„Mensch, Valerito, Sohn des glorreichen Spaniens, berühmtestes Kind von Sevilla, Du bist der erste Mann der Welt. Fabelhaft, noch nie dagewesen, diese Estakade Aber wie siehst Du denn aus? Solche Trauermiene? He? Zeig her! Diese Schramme... ist in acht Tagen heil, dann kannst Du in Granada den Leuten zeigen, wie's gemacht wird. Die haben Stiere von Miura— das sind Kerle, sage ich Dir!" Valero verzog keine Miene: „Du meinst es gut, aber jetzt nichts weiter davon! Ich will nach Hause. Juan, meinen Wagen!“— Roquero schüttelte den Kopf. Flausen hatten diese launischen Brüder im Kopfe—! Nie wußte man recht, woran man mit ihnen war. Valero fuhr heim auf sein einfaches Landgütchen, wo Mutter und Frau ihn aufatmend begrüßten. Aber er blieb wortkarg und saß nach dem Essen lange allein. Allein in bohrenden, trüben, peinigenden Gedanken. Kein anderer wußte, was die Schramme am Bein für ihn bedeutete. Heilen, pah, das würde sie in ein paar Tagen. Aber wie er dazu gekommen— das beim Sprung über die Bretterplanke der Arena gefühlt, daß er nicht mehr so elastisch war, nicht seinen Körper so beherrschte wie sonst. Diese Wunde hätte er bei seiner sonstigen Geschmeidigkeit nicht bekommen dürfen!— Was das hieß?— Ein Memento für ihn, daß es Zeit war, den gefahrvollen Beruf aufzugeben. Valero trat vor den Spiegel. Noch sah er gut aus noch war das schwarze Haar, hinten zu dem kleinen, traditionellen Zöpfchen, der„coleta". dem Wahrzeichen des Toreros, geflochten, voll und glänzend. Aber er zählte 48 Jahre, die meisten dankten zwischen 45 und 47 ab.... Sollte er warten, bis eine einzige Ungewandtheit ihm den Tod oder mindestens den Abstieg von der Höhe seines Ruhmes brächte? nie würde er dies verwinden, dann schon sieber den Tod vom Horn des Stieres! Aber er hatte ein Weib, zwei liebe Kinder. Der einsame Mann stöhnte in der Schwere des Entschlusses. Gewöhnt an die Atmosphäre der Anbetung, ja, der Vergötterung, an den Taumel der Begeisterung, den Nervenkitzel des Spieles mit dem Tode, an den Goldregen auch, der ihm die Taschen überflutete, schien es ihm unausdenkbar, auf dies alles zu verzichten. Und doch— es mußte ja einmal sein! In der Dunkelheit legte er die Hand über die Augen, in denen es feucht aufquoll, und er kämpfte einen Kampf mit sich selber, schwerer, als er ihn je mit einem Stiere ausgefochten. Er riß sich zu dem Entschluß zusammen, noch einmal, das letzte Mal zu kampfen. Blieb er dann noch am Leben— gut, so sollte seine Lauf bahn als Torero ein Ende haben. Der Tag kam, an dem sich in den überfüllten Rängen der Stierarena von Sevilla die überhitzte, fiebernde Menge drängte, ihren Liebling, ihren Günstling zum letzten Male im grünseidenen, goldblitzenden Galaanzug vor dem wildesten Stiere zu sehen. Valero selbst hatte ihn sich ausgesucht. Und er grüßte die tosende Menge mit dem leichten, verschweigenden Lächeln. Grüßte die Männer, die im Rausch der Erwartung bebten, grüßte die schönen, glutäugigen Frauen, die, in Spitzen gehüllt, mit Feuerblüten geschmückt, ihm das Lächeln zurück gaben Tändelte sodann mit der wütenden Bestie, hängte ihr seinen Hut im Vorüberrasen auf die zum Angriff seitlich gestellten Hörner, warf ihr sein Leben hin— umsonst! In höchster Tollkühnheit raffte er alle seine ihm noch. gebliebene Gewandtheit zusammen und kroch unter dem schnaubenden, stampfenden Tiere weg, das den verhaßten Angreifer plötzlich nicht mehr sah! Auch dies, das Aeußerste, gelang! Da gab Valero das Spiel mit dem Tode auf, und aus einer vollendet gelungenen Stellung heraus stieß er dem andringenden Stier den haarscharf geschliffenen Degen durch die Schulterblätter, genau an der vorschriftsmäßigen Stelle in das Herz, daß er sofort zusammenbrach. Brausender Beifall umtoste Valero, die Menge war wie von Sinnen. Aus einem brandenden Meer von Hochrufen, von ekstatischem Jubel, Schreien, Jauchzen, Klatschen entführten ihn seine Freunde zu einem vorbereiteten Mahle. Seine alte Mutter und seine Frau wurden geholt und mußten die Ehrenplätze einnehmen. Die besten Stierkämpfer Spaniens feierten ihren Meister. Und dann ergriff Estrella, seine Frau, die ihr Leben lang um ihn gebebt, eine kleine Schere, und unter Freudentranen schnitt sie ihm das traditionelle schwarze Haarzöpfchen am Hinterkopfe ab. Der starke Mann, der in vielleicht tausend Kämpfen 2500 Stieren den scharfen Stahl ins Herz gestoßen, mit sicherer Hand und ruhigem Blut, der zitterte jetzt beim Geräusch der Schere und sein Antlitz wurde leichenblaß. Dann faßte er die Hand, die ihm solches tat, küßte sie und *8 blickte in zwei tränenumflorte, aber glückstrahlende Frauenaugen. der zu ihrer Kammer führte. Sie zögerte, hörte war es! Zum ersten, allerersten Male hatte er Am laufenden Band. In einem literarischen Salon wurde Klaus Mann schrecklich bewundert. Er erklärte diktatorisch der begeistert aufhorchenden Menge: „Ich arbeite eben an zwei Romanen, größeren Biographien und einem halben Dutzend Filmmanuskripten. Das Geschäft blüht! Uebrigens behauptet man, daß ich ein paar Hilfsschreiber sitzen hätte. Das ist nicht wahr! Heutzutage geht das nicht mehr, da macht jeder seine Romane alleine.“ Triumphierend sah der jugendliche Klaus sich um, heischte Zustimmung, die ihm trocken von Mynoma geschah:„Das merkt man beim Lesen!“ sagte er und wandte sich ab. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr. C. Santz. Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 42 Wunderbare Skizze von Charlotte Dahms Wo vereinzelte Birken aus dem Walde heraustreten, steht das Bahnwärterhäuschen. Zweimal am Tage donnert der D=Zug vorüber, läßt die kleinen Fenster klirren und jagt Schauer durch das Wiesenland. Wenn die Strecke nicht frei ist, verschnauft er ein paar Minuten, Gesichter beugen sich aus den Wagen und ziehen sich gelangweilt wieder zurück. Reiseneugierde kommt hier nicht auf ihre Kosten— ein dunkler Waldstreifen, ein Wiesenviereck, ein rotes Bahnwärterhäuschen mit bescheidenem Garten, in dem ein Mädchen arbeitet. Befriedigt atmet man auf, wenn der Zug wieder weiter fährt, und mancher winkt der Tochter des Bahnwärters halb mitleidig ein Lebewohl zu. Aber die hebt nur müde die Hand. Früher hatte sie diese Abgeschlossenheit ihres Daseins nie hart empfunden; aber seit sich die Samstag, 19. Oktober jüngere Schwester verheiratet hat, und sie ganz allein mit dem etwas grämlichen Vater hausen muß, krankt sie manchmal an einer lastenden Niedergeschlagenheit. Tagsüber sinkt zwar alles Nachdenkliche in der Arbeit unter; aber abends, wenn der Wald wie ein Scheerenschnitt vor gelblichem Himmel steht und mit dem starken Wiesenduft Grillenzirpen betäubend aus dem Grase steigt, bekommen ziellose Wünsche beunruhigendes Leben und nehmen dem Feierabend das stille Behagen. Erinnerungen stehen auf an sorglos vertanzte Sonntagabende im fernen Dorfkrug, an kleine, unschuldige Liebeserlebnisse, die, kaum begonnen, immer wieder im Sande verlaufen waren. Sehr weit liegt das alles schon zurück, glimmt nur noch verschwommen in den grauen Alltag hinein wie ein farbiges Licht im Nebel.— Und oft fragt sie sich, ob wohl damit ihr bescheidener Anteil an der Lebensfreude schon ausgeglichen sei, ob gar niemals das Schicksalhafte, das Wunderbare in irgend einer Gestalt ihren Weg kreuzen würde. Aber für sie wird wohl weiter ein Jahr in das andere übergehen, einförmig und farblos wie die aneinander gekuppelten Wagen der langen Fernzüge— bis endlich die roten Schlußlichter kommen und alles vorüber ist.— Den ganzen Sonntag über hat es aus gewitterschwerem Himmel unaufhörlich geregnet. Trübe strudelt der angeschwollene Bach und schwemmt Unrat in das Gärtchen. Seufzend sieht sie die zerstörten Beete. Nein, heute am Feiertag würde sie das nicht wieder in Ordnung bringen! Sie muß heute einmal heraus aus dieser drückenden Enge, es drängt da etwas stärker und schmerzhafter denn je nach Entspannung und Gelöstsein, als hätte das reinigende Wetter draußen halb erstickte, tastende Wünsche in treibende Kraft verwandelt. Einmal etwas anderes sehen als nur den Bahndamm und das Krautgärtchen— und wäre es auch nur der Tanzboden des Dorfkrugs mit seinen verstaubten Erinnerungen. Sie zieht die neue, grellbunte Strickjacke über, probiert die Taschenlampe— ach, ausgebrannt— steckt ein paar Wachshölzchen ein und macht sich auf den Weg. Die Luft ist treibhausfeucht und schwer vom Duft des Waldbodens. Vorsichtig geht sie in den etwas engen Lackschuhen den Weg an den blank gewaschenen Gleisen entlang; die Baumkronen triefen noch wie vollgesogene Schwämme. Aus wolkigem Himmel sällt frühe Dämmerung ein, nur die Schienen geben noch ein mattes Blinken. Die Straße senkt sich: wie ein flacher Dünenrücken läuft der Bahndamm nebenher, ein paar kümmerliche Blumen zittern im Abendwind auf seinem Scheitel. Und plötzlich greift es ihr eiskalt an die Seele— da oben— da hängt ja — herausgespült, unterwaschen vom Regen— ein Stück Schienenstrang lose in der Luft— ein Brückenbogen, unter dem der Himmel durchscheint— und bald ist der Abendzug fällig Ihre Zähne schlagen vor lähmendem Entsetzen aneinander. Angestrengt tauscht sie— aber noch bleibt die Ferne still. Nur vereinzelte Tropfen klatschen aus den Zweigen ins Moos, und das Blut rauscht dumpf in ihren Ohren. Ein Windstoß fährt auf, und gelockerte Schrauben klappern da oben— es klingt wie Sensen=Dengeln. Und jetzt— schwach, windzerrissen—— noch weit hinter dem Walde ein Lokomotivenpfiff. Atemlos klimmt sie den aobröckelnden Bahndamm hinauf— jagt, ohne sich zu besinnen, zwischen den Schienen entlang. Ob man sie auch sehen wird? Es dunkelt schon stark, kaum, daß man noch die Pappeln da drüben erkennen kann—— und hinten bei der Kurve blinken jetzt zwei Lichter auf. Einen Herzschlag lang will es sie triebhaft wieder zurückstoßen— auf den Weg hinunter — tief in den Wald hinein— in Sicherheit. Aber dann reißt sie die Strickjacke herunter, läßt in fliegenden Händen ein Wachshölzchen aufflammen— die Wolle fängt rasch Feuer— — und das flackernde Signal als weithin leuchtende Fahne hoch in der Luft schwenkend, läuft sie dem heran donnernden Zuge entgeBer Dröhnend poltern Puffer aneinander, Räder kreischen unter der Bremse— Türen werden aufgerissen— angstvolles Rufen und Fragen — Schatten hasten an erleuchteten Fensterreihen entlang— huschen mit Laternen suchend gebückt über die Gleise. Taumelnd richtet sie sich aus dem Schotter zwischen den Schienen hoch, fährt mit der Hand über die schmerzende Stirn, das versengte Haar Der Lokomotivführer leuchtet ihr ins Gesicht— „Das ist die Aelteste vom Bahnwärter drüben“, sagt er zu den Umstehenden,„bei der können wir uns alle bedanken! Eine Minute später— und— na, man darf's gar nicht zu Ende denken——“ In den nächsten Tagen liegt das rote Häuschen noch verlorener und einsamer als sonst, denn der Bahnverkehr ist auf eine andere Strecke umgeleitet. Aber dem Mädchen dünkt die Abgeschlossenheit nicht mehr so lastend seit jenem Erlebnis. Da war doch etwas gewesen — etwas sehr Großes, Wunderbarcs, das noch lange in ihr nachklingen würde Anders hat sie sich das Wunderbare freilich immer vorgestellt— ganz anders—, und doch hätte es kaum beglückender sein können, will es ihr scheinen. Und als dann eines Morgens wieder der erste D=Zug keuchend vor dem Bahnwärterhäuschen hält, umfaßt mit sorglich liebendem Blick die lange, dunkle Wagenschlange, als hätte sie irgendwie einen mütterlichen Anteil an all dieser vielfältigen Menschenfracht. Sie sieht gar nicht wie der Lokomotivführer winkt und ihr eifrig Zeichen macht. Aber als dann der Zug mit einem hellen, lustigen Pfiff in die sonnendunstige Weite hinaus fährt, flattert ihr ein rußiges Zettelchen vor die Füße: „Ich bin nächsten Sonntag dienstfrei.— Wollen wir uns dann morgens bei den Pappeln treffen?" 1920 nahm, daß er die Gefährtin seines Lebens und seinen Hausrat, das letzte, was er noch besaß, an einem Tage verlieren sollte. Nun saß er gelähmt im Hause seiner Schwester, während der„Halsabschneider von Cochem", wie der Volksmund den Vollzieher nannte, sein Eigentum ausbot. Die Schwurhand von Cochem Skizze von Hermann Jung. Vor dem Hause des Zehntschultes=Friedrichs in Cond an der Mosel drängte sich das Volk. Durch das Gemurmel der Menge hörte man eine fettige Einzelstimme, die nach der Art der Versteigerer Hausgerät ausbot:„Zum ersten, zum zweiten und zum— dritten—“ Hier war in der Tat der Vollzieher bei der Arbeit, denn der Friedrichs, ein armer Winzer, hatte seine Steuern nicht bezahlt. Dazu lag seine Frau seit zwei Tagen in der Totenlade. Lange rief der„Halsabschneider“ vergebens die Möbelstücke aus, denn niemand wollte sich am Elend eines Volksgenossen bereichern. sich der Pole Krips durch die Menge drängte, der in Cochem einen Handel in Allerweltsartikeln betrieb. Der kaufte Stück um Stück, so sehr das Volk auch gegen ihn murrte.„Wenn ich es nicht bin, ist es ein anderer“, lachte er aus kleinen, listigen Aeuglein und rieb sich die Hände über das gute Geschäft. Er sah nicht, daß ein dreizehnjähriger Junge neben ihm stand und mit tränenschwerem Blick zuschaute, wie ein Stück nach dem andern aufgeladen und fortgeschafft wurde Er sah auch nicht, wie sein zehnjähriges Töchterchen, die Meta, auf den Jungen zutrat, der kein anderer war, als der Aelteste des Friedrichs. „Karl“, sagte die Meta altklug und schaute dem Jungen mit ihren schwarzen Augen von unten herauf ins Gesicht,„wenn Du die Sachen wieder haben willst, dann mußt Du mich heiraten. Vater kauft alles.“ Wahrscheinlich war sie sich der Bedeutung ihrer Worte selbst nicht bewußt. Auch Karl wußte nicht viel damit anzufangen. In diesem Augenblick wurde der Junge an der Hand gezerrt, und eine Frauenstimme zeterte:„Willst' jetzt mitkommen. Du Tagedieb.“ Das konnte nur Tante Kilian aus Cochem sein, die den Jungen zu sich genommen hatte, weil er ja nun Waise war. Die Tante Kilian besaß einen Gasthof, den „Schwarzen Bären", aber das Haus hatte keinen guten Ruf, denn der Kilian trank, und seine Frau war eine Xantippe, deren gefährliches Mundwerk man überall fürchtete. Karl Friedrichs wurde hier zum Prügelknaben, an dem die beiden Ehegatten ihr Mütchen kühlten, wenn sie sich gezankt hatten.„Du Faulenzer, Du Tagedieb, glaubst wohl, Du seiest ein Prinz“, hieß es den ganzen Tag, und dabei setzte es Ohrfeigen, daß dem armen Jungen Hören und Sehen vergingen. Und doch arbeitete er von morgens bis abends. Es war ein freudloses Dasein. Kein Wunder, daß Karl dieses Leben satt bekam. Als er konfirmiert war, verschwand er eines Tages bei Nacht und Nebel, schmuggelte sich über die französische Grenze und ließ sich in Marseille als Schiffsjunge nach Amerika anheuern. Für die Leute von Cochem und Cono blieb er verschollen.— Zwanzig Jahre später saß derselbe Karl Friedrichs als reicher Mann in einem Newyorker Boarding=Haus. Er hatte einen Lebensabschnitt voll Abenteuer und Gefahren hinter sich. Aber in den Goldfeldern Kaliforniens war ihm das Glück hold gewesen, und er besaß so viel, daß er sich in der Heimat zur Ruhe setzen konnte. Und wie er einen langen Zug aus dem Bierglas tat, da stand plötzlich einer vor ihm und sagte:„Potztausend, seid Ihr nicht der Friedrichs aus Cond?“ „Der bin ich allerdings“, gab Karl zur Antwort,„aber ich wüßte nicht, wo ich Euch im Lebest schon einmal begegnet wäre.“ Da stellte sich der andere als Landsmann vor; er war ein Sohn des Krips aus Cochem: Der Heimatboden mußte ihm zu heiß geworden sein. Man hockte ein paar Stunden zusammen. Der Krips lieh sich von seinem Gegenüber 4000 Dollar und erfuhr dabei, daß der andere viel Geld besaß und nach Hause fahren wollte. Das genügte ihm. Und weil der Sohn keinen Grad besser war als sein Vater, schrieb er gleich nach Cochem, man solle sich des Friedrichs mit besonderer Liebe annehmen, es sei gewiß 0 2 S 25 8 8 8 5 - Sag ZESE 8 85S5SS BEBBSBBSSERSSSSSSBRBSSGES SESBZESESSPagespäs SUn gaaggnn SSSHZSS SESEZOSSOS SOS S S.PS S.62 S.2*8 mes.8 ERSGSETLLGES D S E. 9.. 8 SSLESSDE: E #SEE „ÖPTSTHNEN Ug 288855 RNP 555D ELD5 EE-LScSSSEESSSERCANOSSSER. See( E S„gupßSGESPE og EEIES * S S E SS ## S Ga AES S 5 SS# □ a aP4 E SStSESEEE„SET OSEESSLS SSTSES ASSSSS GZHNS E s EOSSSESS-ZEE SPESESE R 3“ 9 SL- BE MFSBBIBEE SR• 5 EFAETASESEESOS SE SRSEESAE — #r. Iorigen der rechte Schwiegersohn. Karlschwindigkeit. Rein Freunc und sch ellten ihr zu ehrlich, um die Schlech nach.„Was haben Sie vor? Um Himmelstigkeit dieses Krips zu erkennen. Für ihn be- willen, beruhigen Sie sich.“ deutete dieser ein Stück Heimat, nach der er! Sie wehrte uns ab.„Ich muß unbedingt sich seit Jahren in Sehnsucht verzehrt hatte. laussteigen. Ich muß nach Hause.“ nd so war er überglücklich, als ihn bei sei Wir brachten sie mit vieler Mühe in das Abner Rückkehr die Meta an der Diligence al- teil zurück, wo die Freundin versuchte, ihr und die Krips ihn wie einen ihresgleichen Trost zuzusprechen. Das fiel schwer, denn die aufnahmen. Vor lauter Glück steckte er eine Reisende wider Willen jammerte fortgesetzt: oße, Suume in das gänzlich herunter gewirt=„Ich muß nach Hause, ich muß nach Hause ich habe ja nichts bei mir, kein Nachtzeug, kein Geld—“ aftete Geschaft des Krips, der ihm das Tar= geschieht ein Unglück.“ „Das ist nebensächlich, ich helfe Dir mit allem aus, und morgen läßt Du dir telegraphisch Geis von Deiner Bank senden. Du bist ja glücklicherweise unabhängig von Deinem Manne"— Es wurde ein recht gemütlicher Abend im Hotel in Salzburg, und als wir bei einem fortgesetzt: Glase Sekt auf das Gelingen dieses etwas geEsl wagten Heilmittels für ihre Ehe anstießen, Und da man es gegebenenfalls auch mit Gele= stehen, Fritz. Du gehst wieder weg. Auf wie genheitsarbeit zu etwas bringen kann, steht erllange? Ich weiß es nicht!— Wohin? Ich einen ganz Tag lang vor einem Fernbahnhof, weiß es nicht!.— Aber das weiß ich: Du bist Isae die Türen der ankommenden Autos und in Gesahr Der, Leten st fb, dte. ich fühle Lenr Loihn ir Neppork geleben haste, Slage Pnteg,) eruhigen Sie sich;, bat mein Freund Acht Tage spater erhiell ich einen Brief von Heller und Biennic zurüch.3 uzoischen im Kursbuch nachgesehen hatte. Frau, Marie.„Ihr Rat war der trefflichste, pfennig zuruck zu zahlen versprach„Wir sind in anderthalb Stunden in Rosen= den Sie mir geben konnten. Ich bin restlos in Der 8206 ir.(heim.“(glücklich. Rein Mann ist hier in Salzburg. „Karl Friedriche machle sich keine Sorge um]„In Rosenheim!“ schrie die junge Frau.„Derl und wir verleben zum zweiten Male FlitterGrenP esmonden cgiße Zug hält nicht vor Rosenheims“[wochen. Natürlich war er erst sehr ärgerlich riche wurde, dann gehörte ihm:“ rau;z(.„Lein, es is, unser bester Schnellzugs.(auf mich aber dann kam die riche, wurde, dann gehörte ihm ma doch dus—„ga, wann komme ich dann nach München ftir etwas zugestoßen sein könnte. In diesen „ zurück“ sorgenvollen Stunden prüfte er sich. Klagte — ##sich an, vielleicht nicht richtig gegen mich geNr. Zatz Lug mi:* er kam zur Einsicht, hann Malch ein zur Erkenntnis zu führen —72.— Einer von vielen Skizze aus dem Großstadtleben von F. W. Schmoldt. So wäre alles gut gegangen, wenn Friedrichs] Wolf sah meiter im=h#mfdie Meta nicht eines Tages im trauten Verein##### sah weiter im Fahrplan nach.„on handelt zu haben. kurz, er ham zur Einsi mit dem abgedankten und verschuldeten Leut= au1#cheien können Sie den Personenzug d., daß er ohne mich nicht leben kann. Weich pant Noser getrossen hätte. Da war die sind Sie grode— Fiztgrngeng in a Glück, diese unfreiwillige Reise und Ihr geFreundschaft aus. Karl Friedriche erklärte zur„Eerst um Mitternachti Ich hin verloren. Ich wagtes Heilmittel. Nie hätte ich sonst den Mut Da lachte der Krips mit seinen kleinen, u. MNann saggglz, Sie stöhnte laut auf, und die beide sind Ihnen sehr dankbar: stigen Augen und sagte:„Zeig doch den Schuld= Ft schhimgputtelte ernst den Kopf.„Ja, das Ich lächelte nach dem Lesen dieses Briefes. schein her, wenn Du kannst.“ So kam dies e#niczt Lor„Sie wohnt in einen Vorort und Das Schicksal braucht oft merkwürdige Mitte escaicht irtag ier: Wder Piem Zersmehr“ evten Anschlutzung dr dort ich un die Leute zur Erkenntnis zu führen Friedrichs geg####uize, man werde iyn ver### zu seinem Recht verheifen, dann irrte er sehr.]„Aber die gnädige Frau kann ja von Rosendenn der Krips schwor mit lachender Miene ei heim aus telegraphieren“, schlug Wolf vor. nen Meineid.„Ihr Gatte kann sich Ihr Mißgeschick erkläKarl Friedrichs wurde darob ein Menschen= rent. seind. Die Wut über diesen Betrug nagte an!„Aber ich kann nicht von Rosenheim aus teseinem Herzen, und eines Tages schauten die legraphieren“, rief die Dame.„Mein Mann von Cochem auf: Dem Kripsschen Hause gegen= weiß sofort, daß ich mit Hertha abgereist bin, Eigentlich wollte Wilhelm Strebelo über wuchs ein Turm empor, und als er fertig und er hat mir doch verboten, mit ihr zu Ver= Hamhurg aus garadeswegs in die nammer“ war, da stechte der Meister Schmied eine eiserne kehren, weil— weil sie geschieden ist und mich Heimat fahren. Jah. Schwurhand auf die Spitze; die drohte dem auch dazu aufreizen könnte.“ simpfen Prasilie.d Fieber= Krivo bei Tag und Nacht und ließ ihm keine] Die Hertha genannte junge Frau erwidertel Weiß der ggens datten iym genug zugesebt. Ruche, dis der Pole sich schließlich aufpacktesetwas scharf:„Dein Mann ist ein Tyrann und Berliner„ duu daß er in den und mit seinen Habseligkeiten und seiner Fa und gar rückständig. Du läßt Dich viellsein daß sich sein Dich milie nach Bonn verzog. Dieses fürchterliche zu sehr von ihm beherrschen.“.„ die Erkenntnis stre iminer noch gegen Nenetekel hatte ihn dem Wahnsinn nahe ge,„Bielleicht“, gab die andere zu,„aber ichlder Erwerbung gencutage mit bracht. Und er starch nach einigen Jahren in zsgoe den Frieden und— ich liebe meinensde Essig ist gen klei Kartiefster Armut. Karl Friedrichs aber wurde zann. Die letzte Aeußerung klang etwas Ver= talist und mit genauer Kenntnis des Landes mit einer Winzertochter glücklich, die ihm den schämt. hinkommt. Glauben an die Heimat wiedergab.—„Du bist eben noch die gehorsame Gattin below während der Fahrt, es noch einmal mit ie crige; Jeit, eing der Turm des Karllaus der alten Zeit, Mariechen.“ Dies„Ma=sdem Glüick zu versuchen, ehe er sozusagen ale Eiserne Schwirhend mit der Jahreszah: 1834sieder wurde wpöttsch betont.„Eroder: LirsSchifbrüchiger ins Dorf zurückhehrte. erhecbt, an einen anderen Besitzer über. Derszu ziehen. at einen lietz ihn öffnen, und man sand im Innern eis„Das hannst Du leicht.. hof tritt, kommt ihn ein Grauen an vor der nen marmornen Heiland von großem Wert. Drtzeiet de: Friebrche Sie erichtete, Rauser shlug die Hünde vor das Gelsch—„une müstsgrezien grauen, nahtalten Rorgen in einer der alten Dorfkirche eine Kapelle und stelltelsen die Herren von uns denken, daß wir solchsgzrutstadt wie Verlin anzukommen, mit 3.50 die Christusfigur hinein, die Karl Friedriche intime Familienangelegenheiten öffentlich er=ark in der Tasche, und ohne eine Menscheneinst an dem Tage in den Cochemer Turm hatte örtern.“ seele zu kennen. Wilhelm Strebelow hat zum eindanen lassen, da der Krips von dannen Jogluhr ine Wor 2s ist eins alte Ersahrung: Waslich kommt ihm eine Idee. Er kehrt noch einseland bat dburch die neue Conder Kapelle eine Laxi I4 mie lihen Preitischen Fat Treuhebfsktostet wernisg, Schsasen wich er zunächt ie. Ker Pestz hrer Freundin weiter. Was issgen als Zur Friseiel““ wandte ich mich an die anderel penz u uhwäscher oder Zeitungsverkäufer ge wandte ich mich an die a.. sunden hat, von denen der Aufstieg in die mit„ slionenschwere Hochfinanz beginnt, wie Wilhelm rtreifich. Dar u uuch.(Strebelow das in Romanen gelesen hat. Wir kammen gorade Abendessen dorthin] Nach einem frugalen Frühstück, das immerNorgen oder übermorgen schreiben Sie Ihremsch Wilhelm Strebelow auf Suche nach Arbeit, zweite Erinnerung an die„Schwuryand von Cochem" erhalten, deren Geschichte bisher den wenigsten bekannt war. Das gewagte Heilmittel Skizze von Gräfin Brockdorff. Wir hatten Platzkarten, mein Freund Wolf und ich, und kamen erst kurz vor Abgang des Zuges auf den Bahnhof. Unser Abteil war bie auf einen Platz besetzt. Ein alter Herr, der etwas leberkrank aussah, saß in eine Zeitung vertieft. Ihm gegenüber unterhielten sich zwei junge Damen erregt mit halblauter Stimme. io und zu tönte ein Satz aus dem Gespräch zu uns herüber.„Das ist empörend, das ließe ich mir nicht gefallen.“—„Was soll ich tun, ich kann mich doch nicht täglich zanken.“ —„Du mußt einmal energisch vorgehen, Du bist zu nachgiebig.“ Dann sprachen sie wieder ganz leise, aber nicht weniger eifrig. Pünktlich um fünf Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, ohne daß man bei dem Lärm draußen das Abfahrtssignal gehört hatte. Wir waren schon außerhalb des Bahnhofs, als die eine der Damen aufsprang, ans Fenster stürzte und verwundert fragte:„Rangiert denn der Zug? Wir fahren ja. Obgleich die Frage nicht an mich gerichtet war glaubte ich doch antworten zu müssen.„Der Zug rangiert nicht. Er ist pünktlich um fünf Uhr abgefahren.“ „Abgefahren!. Das ist unmöglich. Ich will ja nicht mitfahren, ich muß hinaus.“ Sie stürzte in den Gang und versuchte die Tür zu öffnen, in der augenscheinlichen Absicht hinaus zu springen. Das wäre heller Wahnsinn gewesen. der Zug fuhr schon mit ziemlicher Geihm vor, wie sehr er Sie mit seiner Eifersucht sunscht zum städtischen Arbeitsnachweis. Aber eacs het bes eie ech aer ese e echeie dern: en ede ar nicht versoricht, sch uu dr) Zun verzchten„Bithelm Strebelon mit har, „Ich habe das schon lange Bürg 3u, Büiro. Entweder wird ihm sofort eine geraten, aber sie hat ja nie auf mich gehört.usche übweisung zuteil, oder er muß stunsie bog sich zu der leise Weinenden„daß Du Dur endich einmal esereish sein: Aum mubsFnolose Straßen tun sich auf, schrungsen unter „Mein Mann verzeiht mir das nie. Er war neue Weiten. Es wird Abend. Wilhelm auf den Bahnhof zu hegleiten Strebelow findet endlich einen Park und eine „Um so besser. Er wird jetzt seben 2##., Bank, auf der er seine müden Knochen ausruauch einen Willen haft.“ ben kann. Unter einem Himmel, an dem kein nuch einen Wiurn hast. Stern scheint, ist er eingeschlafen, als ihn ein „Ja, aber“, die junge Frau trocknete sich die rauhes Rütteln in die Wirklichkeit zurück Augen,„wenn er sich von mir scheiden läßt? reißt. Hinter dem Lichtkegel einer BlendlaWenn er wegen böswilligen Verlassens klagt?“ terne steht der Schatten eines Polizisten. Pfiffe „Dann stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfü= u. Rufe gellen durch die Nacht: Razzia! Wilhelm gung", sagte der leberkranke Herr, der sich bis= Strebelow muß auf einen Lastwagen steigen, her nicht an der Unterhaltung beteiligt hatte. lder ihn mit einem Dutzend anderer Aufgegrif„Ich bin Anwalt, Spezialist für Ehescheidun=(fener ins Polizeipräsidium bringt. gen. Nur Mut, gnädige Frau, das bringe ich! Am nächsten Morgen kann Wilhelm Strebeschon in Ordnung. Solche Reise wie diese ist low wieder gehen. Seine Papiere sind in Ordkein Scheidungsgrund." nung, Arbeitslosigkeit ist kein Grund zur VerFrau Marie atmete erleichtert auf.„Wie haftung. Und io steht Wilhelm Strebelow freundlich von Ihnen, mein Herr“, sagte sie wieder auf der Straße, beißt die Zähne zusammit dankbarem Blick zu dem Gelben, aber— men. Jetzt noch nicht, jetzt noch nicht! denkt er. hilft den Insassen hinaus. Manchmal geben die Leute ihm etwas, manchmal nichts. Immerhin langts wieder einmal für ein Mittagessen. Aber am zweiten Tage treiben ihn die Burschen fort, die an diesem Bahnhof ihren Bezirk haben; denn auch dieser Beruf ist organisiert. Einmal verbringt Wilhelm Strebelow eine Nacht im Obdachlosenasyl. Ein ehemaliger Bankdirektor ist da unter den Elendesten der Elenden zu finden, ferner ein Ingenieur und zwei Leute, die sich als Schriftsteller ausgeben ... Lieber im Freien schlafen, dann weiß man wenigstens, daß man noch kein Wrack ist. Den kärglichen Inhalt seines Bündels hat unser Mann längst verkauft und von dem Erlös wieder einen beträchtlichen Teil für den Nachweis von Verdienstmöglichkeiten opfern müssen Eine Zeit lang betätigt sich Wilhelm Strebelow als Sammler von Tabaksresten, die er einem Händler bringt. Auch gelingt es ihm einmal, den Posten eines Marktaushelfers vertretungsweise zu erlangen. Aber als er in der Dunkelheit heimlich eine rohe Mohrrübe verzehren will, wird er entdeckt und davon gejagt. Und eines Tages ist es so weit, daß Wilhelm Strebelow mit glasigen Augen und aschfahlen, hohlen Wangen an einem Torbogen im Konfektionsviertel steht. In der bleischweren Morgendämmerung lauscht er auf Schritte. Hinter ihm, im zweiten Stock des Seitenflügels knirschen leise die Stahlbohrer. Dort arbeiten die Fachleute an den Kassenschränken; er als unbeholfener Neuling hat nur einen untergeordneten Aufpasserposten. Langsam kommt ein Mann um die Ecke. Ein Arbeiter? Wilhelm zögert mit dem Signalabgeben. Mit einem Mal geht der Mann merkwürdig schnell, steht plötzlich vor ihm, zeigt eine Blechmarke, fragt:„Was suchen Sie hier?“ Jetzt ist es um Wilhelm Strebelow geschehen, vor seinen Augen flimmern in der Dukelheit rote Kreise. Aber plötzlich öffnet sich sein Mund, und eine Stimme, die nicht seine eigene zu sein scheint, stammelt:„I— ich— bin doch Spitzel, Herr Kommissar. Soll doch hier warten.“ „Soo?“ sagt der andere gedehnt, und es scheint, als wolle er noch weitere Fragen stellen... Da kracht es plötzlich irgendwo, zwei, drei, vier Schüsse, Signalpfiffe, eilige Schritte ...„Schnell, auf den Hof!“ schreit der Beamte, und sie stürzen in das Dunkel. Mit einem Satz schwenkt der„Spitzel“ ab, klettert über einen Zaun. Aber der Häuserblock ist von Polizisten umstellt. Hunde bellen, in den Torwegen gleißen Scheinwerfer.„Lieber Himmel, nur einmal noch laß mich durchkommen!“ stammelt der Verfolgte, während er sich mit zerstoßenen Schienbeinen hinter einem Stapel von Kisten verbirgt. Bis zum Sonnenaufgang bleibt er dort regungslos. Dann gelingt es ihm, unbemerkt auf die Straße zu kommen. Niemand kümmert sich um ihn. Entwischt! Etwas später steht Wilhelm Strebelow mit knallrotem Gesicht vor der Leiterin der Bahnhofsfürsorge. Als er seine Papiere vorzeigt, braucht er nicht lange zu bitten. Und nach einer ihm unendlich lang scheinenden Zeit sitzt er in einem Abteil des Personenzuges Berlin=Stet tin...„Lieber in harter Arbeit die heimatliche Scholle beackern und anfänglich die Schadenfreude der Nachbarn ertragen, als noch einmal in erbarmungsloser Fremde leben“, murmelt Wilhelm vor sich hin. Schon steht das Getreide in den Halmen. Seitlich am Horizont zerfließen die letzten Schornsteine Berlins in Nebel und Rauch. in Gefahr. Dein Leben in beorohr. Ichh fühle es. Eines Tages kehrst Du nicht zurück.“ Das Mädchen preßte das Gesicht in die Hände, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. „Aber Maria, liebes Kind!“ bat der Mann betroffen.„Es ist wirklich nicht so schlimm und außerdem— notwendig. Sieh mal, wir wollen beiraten. Dazu gehört eine Wohnung, eine Aussteuer, kurzum Geld; und das verdiene ich, dazu übe ich meinen Beruf aus. Ich bitte Dich herzlich, mir zu glauben: Es ist ein anständiger, ehrenwerter Beruf. Nur verpflichtet er zum unverbrüchlichen Schweigen.“ Sie schmiegte sich an seine Brust und flehte: „Geh' nicht von mir. Ich fürchte mich, Geliebter.“ Der Mann schwieg lange. Dann antwortete er:„Ich will es versuchen. Nach meiner Rückkehr lasse ich mich in eine andere Abteilung ver setzen. Nur dieses eine Mal muß ich noch gehen. Es gibt keine andere Möglichkeit. Pflicht I.Bucher. 4ei4. Buich Der Mann mit den kalten, grauen Augen war der Leiter des Spionagesystems, den die Reichsregierung wie eine Stecknadel suchte und nicht fand. Er blickte die junge Dame vor seinem Schreibtisch scheinbar gar nicht an, als er langsam und betont erklärte:„Sie sind unterrichtet. Die Analysen des neuen Sprengmittels müssen binnen sechs Stunden jenseits der Grenze sein. Unsere Gegenspieler sind höllisch munter geworden. Keine Maus kommt mehr ungerochen über die Grenze. Es kommt also nur mehr Ihre Spezialität in Frage: Flugzeug Fallschirmabsprung über offenem Wasser, Schiff Sechs harmlose Seefahrzeuge sind auf Ihrem Wege stationiert. Ihr Flugzeug mag versacken. man wird der verunglückten Fliegerin zwar das größte Interesse aber auch die größte Liebenswürdigkeit entgegen bringen, und... ihr Gepäck nicht untersuchen, besonders nicht ihre verschiedenen Tuben Zahnpasta, Hautcreme, Puder, Seifen. Alles übrige überlasse ich Ihrer Intelligenz.“ „Und wenn ich„Nein“ sagte!“ Der Mann überhörte den Einwurf und fuhr fort:„Seien Sie auf der Hut! Unter dem Dutzend wirklich gefährlicher Gegner befindet sich der gerissenste Spürhund dieses staatlichen Schnüffelunternehmens, der junge Gerlach.“ „.Ein Schrei durchgellte den Raum:„Unmög„Vor dem ist kein Ding unmöglich. Hat er es doch verstanden, sich mit einer der unseren zu verloben, um sie auszuhorchen.“ „Niemals hat er das getan. Er weiß nicht, wer ich bin. Und ich kannte ihn nicht. Ich sage„Nein“, dreimal„Nein“! Ich gehe nicht!“ Sie fühlte zitternd, wie die Schlinge, in die ihr ehrgeiziger Sportsinn sie hinein getrieben, sich über ihr zusammenzog. „In meinen Diensten sagte noch nie einer Nein!“ „Ich sage es.“ „Dann liegt morgen ein toter Mann vor Ihrer Wohnung!" „Also Gewalt?“ „Nicht ganz. Tun Sie Ihre Pflicht, dann tue ich, was ich noch niemals tat. Ich entlasse Sie aus meinem Dienst. Sie wären die erste." Das bleich gewordene Mädchen rang schwer um einen Entschluß. Endlich raffte es sich auf: „Ich übernehme den Auftrag.“ In dem Gesicht des Mannes veränderte sich keine Linie.„Ich habe mich noch nie in meinen Leuten getäuscht“, sagte er langsam und betont.— —2— Pflicht Skizze von A. Schöneberg= Rodenbach. Auf einer Bank des Stadtparkes saßen zwei junge Menschen, offensichtlich Liebende. Die Stimme des Mädchens umschmeichelte den Mann:„Ich bitte Dich, Geliebter sage mir, wer Du bist, was Du bist. Ich weiß nichts von Dir als Deinen Namen.“ Ihre schwermütigen Russenaugen bettelten um Antwort wie die Lichter eines treuen Hundes. Ein fröhliches Knabenlachen perlte aus dem Munde des Mannes auf, ehe er antwortete:„Das kann ich Dir sehr genau sagen, Mädel. Ich bin der glücklichste Mensch unter der Sonne, seitdem ich Dich kenne, seitdem ich weiß, daß Du mir gehörst.“ Die Ueberschwenglichkeit des liebenden Mannes hatte ihre Berechtigung. Seine Braut war eine herrliche Menschenknospe; unverkennbar trotz des billigen Waschkleidchens, in dem ihr federnder Körper steckte. Ihre Stimme wurde unendlich traurig.„Du willst mich nicht verFritz Gerlach befand sich auf dem Weg zu seinem Vorgesetzten, dem Chef des Spionageabwehrdienstes. Vor einer Litfaßsäule blieb er lange stehen. Eine Fabrik kosmetischer Mittel mächte mit dem hübschen Gesicht einer internationalen Sportdame Reklame. Das lachende Gesicht da auf dem Plakat hatte so verblüffende Aehnlichkeit mit dem Gesicht seiner Braut, daß es ihn erschreckte und verwirrte; über den ganzen Weg, bis er vor seinem Chef stand und dessen Anweisungen seine volle Aufmerksamkeit erforderten. Der schloß seine Ausführungen:„Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn ich mich in dieser sonderbaren Sportsdame täuschte. Sie folgen ihr, und wenn sie zum Nordpol fliegen sollte. Sie haben jede Vollmacht. Ihr Flugzeug wird bei der Ankunft in Ersatzteile zerlegt. Sie überwachen die persönliche Untersuchung bis auf das rosenrote Häutchen dieser Dame. Aber Vorsicht, Vorsicht, junger Mann! Das Weib hat den Teufel im Leibe.“-Schon seit Stunden jagte Gerlach mit 180 Kilometer Geschwindigkeit hinter dem bewußten Sportflugzeug her. Wie ein schimmernder Punkt zog es weit voraus seine Bahn. Sonst“ ringsum nur Himmel, Wolken, Wasser, und ab und zu tief unter einer Wolkenlücke ein Schiff Die Sicht verschlechterte sich. Er mußte näber heran. Verbissen setzte er das letzte Restchen Gas und Frühzündung ein. Langsam holte er auf. Hallo! Was war das? Das Flugzeug vor ihm schwankte, als wenn ihm die sichere Führung fehlte. Rein zufällig sah er unter sich. Durch einen Wolkenschleier blinkte im Bruchteil einer Sekunde ein schimmernder geiber Fleck auf: ein Fallschirm! Unbemerkt hinter einer Wolkenbarre vom Flugzeug abgekommen Herunter! In steilem Gleitflug stieß seine Maschine zur Wasserfläche nieder. Ein Ftschdampfer nahm bereits Kurs auf die Abschwebende. Er kam ihm zuvor. Seine Maschine wasserte kaum 50 Meter von der im Rettungsring Treibenden. Auf seinen Zuruf schwamm sie gehorsam heran und ließ sich ohne Widerstand an dem zugeworfenen Haltetau auf das Tragdeck ziehen. „Maria! Du?“ „Ja, ich.— Hier die Analysen! Es wäre mie ein leichtes gewesen, sie zu versenken. Ich wollte Deinen Erfolg.“ Mit zitternden Händen nahm der Mann die dargereichte Kartentasche in Empfang. Sein Gesicht war bleich und starr wie das eines Toten.„Was nun?“ flüsterten seine Lippen. „Fliege zurück. Ich trage meine Strafe. Hier auf dem Tragdeck, dicht am Rumpf, bleide ich sitzen. Keine Angst! Vorwärts!“ Sic zwang sich zu äußerster Härte, während ihr Herz in rasenden Stößen hämmerte unter der Sehnsucht nach einem einzigen Wort, nach der einen Frage aus seinem Munde:„Warum hast Du das getan?“ Und dann ihre Antwort:„Ich tat es für Dich.“ Die Frage blieb ungefragt. Die Antwort ungesprochen. In mechanischer Willenlosigkeit ließ Gerlach den Motor anspringen. Sanft hob sich sein Flugzeug von der ruhigen Wasserfläche. Scheu spähte er über den Vordrand hinunter auf die Tragfläche. Sie war leer. Er riß daß Flugzeug herum. Schon weit hinten verschwammen ein paar zitternde Ringe auf der öligen Wasserfläche. Ein Rettungsring trieb leer. Dreimal kreiste das Flugzeug. Nichts. Er gab Höhensteuer, ohne es zu wissen. Der Motor hämmerte unaufhörlich im Takt der Explosionen: Pflicht ist Pflicht! —12— Herbstnebel über der Heide Skizze von Georg Wagener. Ein Kranz alter Eichen kündet schon von weitem über die verblühte Heide herüber den Hof von Söltingen. Unter dem schweren Strohdach mit den Pferdeköpfen am Giebel liegt das gedrungene Wohnhaus. Kraftvolles Leben müßte in ihm sein, denn das Tor ist groß und scheint mit erstaunten Augen noch immer auf die Erntewagen zu warten, die doch schon vor Jahren zuletzt durch die Einfahrt rollten. Heu für hundert Stück Vieh könnte unter dem breiten Dach liegen, und doch klagt nur der Herbstwind durch die zerbrochenen Scheiben der Bodenfenster. Der Hof ist verlassen. Der Bauer sitzt in Lüneburg und dreht die Daumen. Ich kam einst an einem Herbstabend, da der Nebel wie ein weißes Federbett über den WieEnniederungen log, nach Söltingen. Der Schwaden zerschnitt die Eichenstämme, das Strohdach wuchs mauerlos aus ihm empor, und das weiße Gewoge verschlang jeden Laut. Ich fürchtete mich fast in der Heide, die ich doch kannte, und ging eilig am Hofe vorbei ins Dorf. Wohl noch unter dem Eindruck des abendlichen Bildes brachte ich in der„Linde" das Gespräch auf Söltingen:„Warum liegt der Hof verlassen und öde?" Da erfuhr ich vom alten Küster die Geschichte von August Cordes und Mieke Westermann, die heute auf dem Hofe in Söltingen säßen, hätte nicht in jener Nacht vor zehn Jahren der Nebel gebraut wie heute. Sie kannten sich schon seit langem, wenn sie einander auch nur selten sahen, denn von Söltingen ist es weit nach Bramloh. Zwischen den Vätern aber galt es als abgemacht:„Sie werden ein Paar.“ Und als der alte Westermann auf dem Sterbebette lag, schloß er ruhig die Augen:„Du weißt, wohin Du gehörst, Mieke.“ Ein Jahr noch warteten beide. Dann schrieb die alte Bäuerin in Söltingen nach Bramloh: „Nächsten Sonntag haben wir Erntebier, und der August meint, Du solltest kommen. Ihr habt genug miteinander zu reden, und ich möchte endlich ins Altenteil.“ Da besann sich Mieke nicht lange und kam im Zpeispänner an, behäbig, rund und gesund wie alle Bäuerinnen auf dem Hofe von Söltingen. Steif und schwerfällig begann das Fest auf der Diele. Linkisch baten die Jungen die Mäd