3(1 uuA MWazegfessor Schweichard blickte mit tränenden gen auf die Blätter in seiner zitternden Hand: Die Analysen des neuen Heilmittels lagen vor ihm. Der Entdecker war wahnsinnig geworden; aber sein letzter klarer Gedanke hatte den Analysen gegolten, sie der Menschheit zu retten. Ein Damenduell Eine Rokokogeschichte von A. Iwars. Die Vicomtesse Harcourt und die Gräfin La Roche= Guyon saßen im Vorzimmer ihrer Königlichen Hoheit, der Herzogin Berry, und spielten Schach. Die Herzogin hatte beide Ehrendamen gebeten, ihre Rückkehr vom Lever der Königin abzuwarten. Die Gräfin wie die Vicomtesse galten als Rivalinnen in der Schönheit, im Geist, in der Liebe. Der Chevalier Monbazon, der Apoll am Hofe des vielgeliebten Veilchenkönigs Ludwig 15., stand unschlüssig zwischen ihnen. Der Chevalier war tapfer, galant, ein Frauensieger, doch blieb er in diesem Falle der Unterliegende. Seine Unschlüssigkeit reizte die beiden Rivalinnen. Jetzt, da sie sich allein gegenüber saßen, wurde das Schachbrett zum Schlachtfeld ihrer Eifersucht. Vicomtesse Harcourt zog ihre Dame, um ein Rössel, das von dem feindlichen Läufer bedroht war, zu decken. Gräfin La Roche=Guyon lachte und verstärkte den Angriff durch das Vorrücken eines Bauert „Sie wagen die Dame, um den Kavalier zu decken?“ meinte sie spitz. „Die Dame wagt für den Kavalier mehr als dieser für sie“, lächelte die Vicomtesse. „Das ist erbärmlicher Bettel um die Brosamen der Liebe“, zürnte die stolze Gräfin,„eine Dame hoher Geburt, königlichen Geblüts, wird sich nicht so preisgeben.“ "„Gardez!“ sagte die Vicomtesse und griff die Dame ihrer Partnerin mit einem Turm an. „Ihre Dame hat sich preisgegeben.“ „Ein tückischer Angriff aus dem Hinterhalt, wie es echter Adel verschmäht. Sagt man nicht, liebe Vicomtesse, Ihre Großmutter von mütterlicher Seite sei eine Pächterstochter gewe sen? Da wundert mich Ihr pöbelhaftes Verhalten nicht.“ Die blauen Augen der Vicomtesse flammten zornig auf.„Man sagt, Ihre Ahne hätte Heinrich 4. sehr nahe gestanden. Sie sind auf eine Abstammung stolz, Gräfin, die der Pächterstochter Schande gewesen wäre.“ Wulbleich schnellte die Gräfin aus dem Sefsel empor und schlug die Gegnerin in das Gesicht.„Nimm das für Deine Freiheit, Plebejerin! Die geschlagene Wange wird der Chevalier nicht küssen.“ Die Vicomtesse blieb einen Augenblick wie betäubt sitzen. Die unerhörte Beleidigung raubte ihr die Besinnung. Dann griffen ihre weißen vollen Arme über den Tisch in das hoch toupierte Haar der Gräfin. Die schrie auf, der Puder stäubte, und das stolze Lockengebäude sank im Augenblick formlos zusammen. Da öffnete sich die Tür. Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin Berry, trat ein. In ihrem Gefolge Kavaliere und Damen. Tags darauf sprach ganz Versailles von zwei Damen, die sich wie Küchenmädchen um die Gunst eines Kavaliers gerauft. Man lachte und beneidete den Glücklichen.— Die Sänste der Gräfin La Roche=Guyon hielt vor dem Palais Harcourt. Die Gräfin befahl dem sie empfangenden Haushofmeister, sie der Vicomtesse zu melden, da sie um eine Unterredung ersuche. Die Vicomtesse empfing den unerwarteten Besuch erstaunt, mit Zeichen entschiedenster Abwehr. Harte Entschlossenheit prägte das Gesicht der Gräfin.„Ihr Erstaunen sagt mir, Vicomtesse, deutlich, daß Sie mich in Ihrem Hause nie zu sehen erwarteten.“ Die Vicomtesse erwiderte kühl:„Ich staune über Ihre Kühnheit, Gräfin.“—„Die will ich Ihnen beweisen. Wir sind zum Hohn des Ho ses geworden, Vicomtesse. Man singt Spottlieder auf uns. Des Königs Ungnade droht uns. man wird uns in der Gesellschaft unmöglich machen." „Nicht rreine Schuld, Gräsin.“ Die Vicomtesse zog die seine Stirne in Falten.„Sie haben mit den Beleidigungen begonnen.“ „Dafür biete und fordere ich Genuatuung. Wir können das Geschwätz nicht zum Schweigen bringen, wir können ihm aber anderer Inhalt geben. Eine von uns muß sterben, Vicomtesse." Die Angeredete überlief ein leiser Schauer. „Was sagen Sie, Gräfin, wie meinen Sie das?“ „Wir werden uns schlagen, bis eine am Platze bleibt.“ „Das ist doch verboten, Gräfin. Göttliche und menschliche Gesetze verbieten den Zweikampf.“ „Kein Gesetz Frankreichs verbietet das Frauenduell Mit Gott müssen wir uns abfinden. Adeliges Blut verträgt keine Schmach.“ Dunkle Glut überflutete das bleiche Gesicht der Vicomtesse. Sie hob die Hand.„Genug. Gräfin. Ich bin bereit. Tag und Waffen, Ort und Stunde zu bestimmen, stelle ich Ihnen anheim. Nehmen wir Zeugen.“ „Nein. Allein wollen wir uns vor Gottes Antlitz treffen. Morgen um nenn Uhr früh zu Pferde im Walde von Saint Germain. Allee des Violettes. Pistolen und Degen bringe ich mit.“ Die Gräfin streckte ihre Hand aus, in die. zur Bekräftigung, der Vereinbarung, die Vicomtesse einschlug. Als sie ihre Finger in die Hand der Gegnerin legte, fühlte sie wieder eiige Schauer ihre Glieder durchrieseln. Die Bräfin bemerkte es, lächelnder Hohn zuckte iber ihr kühngeschnittenes Gesicht. Wenn sie daran gezweifelt hatte, daß sich die Licomtesse am Rendezvousplatze einfinden verde. mußte sie diese Zweifel als unbegründet erkennen. Wie sie am nächsten Morgen in die Allee des Violettes einbog, kam ihr auch chon die Vicomtesse im kurzen Galopp entgezen. Sie zügelte das Pferd und glitt aus dem Sattel. Auch die Gräfin stieg ab. Dann schnallte sie in langes Lederetui vom Sattel und zog zwei 5linkende Stoßklingen hervor, die sie der Gegnerin zur Wahl anbot. „Sie sind gleich lang, haarscharf und spitz. Wöhlen Sie, Vicomtesse.“ Die Vicomtesse lehnte an einem Baum, als bedürfe sie einer Stütze. Sie zuckte reicht zusammen und wies mit einer Handbewenung die Waffen zurück.„Zuerst die Pistolen, Gräfin,“ sagte sie tonlos. Die Gräfin entnahm den Satteltaschen zwei schön oamaszierte, mit Silber beschlagene Pistolen.„Sie sind geladen. Vicomtesse. Pulver ist auf der Pfanne. Wählen Sie.“ Ohne hin zu sehen, nahm die Vicomtesse eine der Waffen. Die Hähne knackten. „Wir gehen fünf SFritte zurück, drehen uns em und feuern gleichzeitig,“ kommandierte die Gräfin. Ihre Gegnerin nickte und folgte der Weisung. Jetzt standen sich die Duellantinnen gegenüber, die Gräfin hob die Hand, der Schuß schmetterte scharf durch den Wald. Die Vicomtesse stand unverletzt.„Du"o#l#t nicht töten.“ stammelte sie leise, hob die Pistoie und schoß in die Luft. „Das gilt nicht!“ rief die Gräfin.„Zu den Degen. Vicomtesse. z den Degen!" Die Viecmtesse stieß einen leisen Schrei aus. Bei den Pferden stand. auf den Degener'ff gesteitz“, den Federhut in der Hand, der Chevalier Montbazon. Sein Gesicht war ernst. Sein Blick sprach Bewunderung.„Es ist genua. Gräfin! Die Picomtesse ist eine Hel in. voll Mut und Gdelsinn. Ich küsse ihre Hände in liebender Andacht.“ Er schritt auf die Vicomtesse zu, igte das Knie und zog die schlanken feinen Finger an seine Lippen. Finster grollerd stand die Gräfin. Dann lachte sie hell. aber etwas unfrei, auf.„Das Heldengedicht hat sich zum Schäferspiel verkehrt. Damon und Cloe! Und ich habe es in Szene gesetzt. Wo bbleibt nun mein Dank. Chevalier?" Montbazon erhob sich. Modame. ich schäme mich meiner Rolle in dem Possenspiel, das Sie arrangierten. Jetzt danke ich Ihnen, ich habe die Seele der Vicomtasse erkannt. Sie ist so heilig und hoch, daß ich ihr dienen will mein Leben lang.“ Er wandte sich der Vicomtesse zu.„Die Pstolen waren blind geladen. die Tegen stumpf. Die Gräfin wollte Ihren Mut erproben ohne eigene Gefährdung!“ Die Vicomtesse drückte verlegen den Kopf an seine Schulter und reichte der unterlegenen Gegnerin die Hand.„Wenn ich es aber gestehen soll, ich habe mich doch gefürchtet.“ —2— Der Zauberkreis Satire von L. Sajanski. (Berecht. Uebertragung aus dem Russischen von H. Liedtke.) Im Monat Dezember entwickelte der neu ernannte Vorsitzende der„Abordnung für den Kampf mit der Waldvernichtung im Gediet der Sakataisk“, ein tatkräftiger, kahlköpfiger und überaus stattlicher Mann. vor den Mitgliedern der Abordnung sein Programm. „Werte Genossen! Nach Prüfung des Sachvorhalts stelle ich fest, daß im Walde gerodet wird. Ueberall liegen die Späne. Mein Vorgänger vermochte dem Uebel nicht zu steueen, weil er leider systemlos gearbeitet hat. Planmäßig muß vorgegangen werden. Wir müssen uns vom Staube der Bürostube befreien, um das rückständige Dorf zu verstehen. Auch bei dem Kleinbauern bildet sich die Moral nach den Lebensbedingungen. Kennt Ihr die Säuerlichen Nöte nicht, so soll es Euch schwer werden, die Triebjeder der Waldzerstörung heraus zu finden und ihr entgegen zu wirken. Also erste Aufgabe ist die Erforschung des Bauern. Ich schlage ein Enquete vor, zu dem Zwecke. alle Ursachen des Waldfrevels aufzudecken. Schicken wir Fragebogen an jedermann, an alle Schulzes und Müllecs, in jeder Hütte.“ „Sehr gut,“ äußerte der gewandte Sekretär „nur ist unser Papiervorrat nahezu erschöpft.“ „Daran liegt es? Bestellen Sie, so viel wir brauchen, in der Papierfabrik. Glücklicherweise haben wir sie ganz in der Nähe. Und da besommen wir die Ware auch billiger.“ In einigen Tagen war die„Enquete“ ausgearbeitet und versendet. Sie umfaßte genau vierzig schlau ersonnene Fragen. Der Erfolg chien den Mitgliedern der Abordnung nicht zweiselhaft; sie wischten sich den Schweiß von der Stirn und gaben sich im Warten auf die verlangten Antworten der Erholung=hin. dem Empfang der Tagegelder. Das Treiben im Walde nahm seinen Fortgang. Nächtlicherweile hörte man vielseitiges Echo von Beilhieben der Holzdiebe und das Knarren von Holzwagen.— * Im Monat Mai erhielt die Abordnung einen jeuen Vorsitzenden, einen tatkräftigen, stattlich zussehenden Mann mit lockigem Haupthaar. „Werte Genossen!“ sprach er.„Ich stelle fest, daß im Welde gerodet wird. Der Frevel wurzelt in der Moral der Bevölkerung. Es muß twas getan werden.“ „Wir haben schon gehandelt", warf der Sekretär ein. „Zu wenig. War das eine richtige Enquete? Nit lumpigen vierzig Fragen wollt Ihr hinter die Wahrheit kommen? Genossen, seid nicht so aul wie die Bauern! Mehr Fragen! Die Enguete ergänzen!" Genaue 80 kluge, wohl überlegte, auf alle formen des ländlichen Lebens eingehende fragen wurden ausgedacht, die Fragebogen gedruckt und versandt. Das nächtliche Treiben im Walde nahm seiien Fortgang.— Im heißen Monat August wurde ein neuer vorsitzender bestellt, ein tatkräftiger blonder Mann. Er tadelte die Unzulänglichkeit der angestellen Enquete mit scherfen Worten. bewilligte jeden Kredit für die Papierbeschaffung und ließ 15 Fragen drucken, wodurc Auskunft über die Ursache der Waldzerstörung erzwungen verden sollt2. Das nächtliche Treiben im Walde nahm seinen Fortgang. Auch die Zahlung der Tagegelder.— Im Dezember wieder Vorstandswechsel. Der neue Vorsitzende, ein tatkräftiger, brünetter Mann, forderte tieferes Eindringen in die Masse des Volkes. 230 Fragen. Das Treiben im Walde ging weiter. Auch der Bezug der Tagegelder.— Eines schönes Tages ratterte auf den holprizen Wegen ein Korbwagen durch die Gegend, der einen Mann aus der Stadt beförderte. Der keisende blickte auf die kahle Landschaft und ieb sich verwundert die Augen. „Brüderchen“, sagte er endlich, zum Kutscher zewendet,„hier standen doch einmal Wälder? Ich habe sie, meine ich, gesehen, als ich vor einigen Jahren auf einer Geschäftsreise durchfuhr. Hat nan etwa die ganzen Wälder ausgerodet?“ „Ic) stelle fest," erklärte der Kutscher, ein themaliger Kleinbauer,„daß alles Holzleingeschlagen und unter der Hand verkauft worden ist.....“ „Aber wo haben die Leute das viele Holz lassen können?“ — Der Kutscher schmunzelte.„In der Papierfabrik. In der Fabrik war damals eine Riesennachfrage nach Papier. Da brauchten ie Holz. Fast alle Bauern der Gegend haben ihr Holz gebracht und davon jahrelang gelebt. Ja, vordem gab es hier Wälder.. Ich stelle fest, daß sie futsch sind.“ Und er hieb mit der Peitsche. Natürlich auf die Pferde. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr C. Santz. Aitena. teits Se S.S., S# SHMEHSBGE, Du“ OSggSS..* S aT#kFSSS #" 9 S ge R##f. E 8 58 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 0 Samstag, 2. März 1020 Die letzte Fahrt Skizze von Otto Knab=Starberg. Jedesmal, wenn Klaus Arndt über den Domplatz zum Bahnhof hinüber schritt, kam er sich so unendlich klein gegen den Kölner Domrie#en vor, daß in den zwölf Jahren fast eine Abneigung gegen das Bauwerk in ihm entstanden war.— Die Glocken läuteten zur Sonntagsvesper. Klaus wollte eben zur Diensthalle einbiegen, da fiel ihm ein Knäuel von Menschen auf, die sich aufgeregt um eine Telegrammtasel drängten. Er hob seine gedrungene Gestalt über die unverständlich murrenden Köpfe: da— hart wendete er und schritt mit ausstoßenden Tritten weiter. Bahnkatastrorhe ## nur das eine Wort hatte er celesen und— 18 Tote. Bleich, mit gestrafften Zügen im knochoen Gesicht trat er in die Dienststube und meddete sich. Warm mußte gerade er heute den Hollandzeg fohren! Ein raar Blätter nahm er in Empfang. die ihm der Beamte mit einem langen. eigentümlichen Blick übergab.„Achtzehn Tote". flüsterte Klaus Arndt und soh verloren seinem Vorgesetzten in die Argen. Aber darin bemerkte er nicht das Mitgefühl eines Menschen. sondern nur eine Strecke vor sich und den Dammbau und die Brücke und wieder den Bau und darwischen immer die wütend tanzerden Buchstahen K—0—t—0————0 ——h—e.„Sie sühlen sich dech wohl?“ hörte er eine Stimme neben sich, dann seine eigene schmale Antwort und mieder die andere Stimme:„Also Glück auf. Arndt!“ A's er die Tür hinter sich schloß. schlug die große Domglocke zum letzten Mal wuchtend aus, dreimal, viermal. Dann stand er an der Maschine. Die dampfte wie ein Vierd, das von der Rennbahn kommt. Arndts Blick glitt über die mächtigen glänzenden Flanken seiner„Hex“, wie er sie nannte. Der Heizer trat zu ihm. Sie sahen sich an. „Das V'orte in dem Monat“, sagte trocken der rußige Mann mit dem kahsen Schödel.„Wieder achtzehn Tote“, murmelte der Führer zwischen den Zähnen. Der holländische Maschinist der den Zig bis Köln gebracht hatte, verchschiedete sich mit einem Händsdruck, Arnd: prüfte mit der Oelkanne in der Hand nochmals seine„Her", als ein noch junger stömmiger Mensch auf ihn zutrat:„Na. Führer. bringen Sie mich gut heim!“ Damit drehte er sich cerf dem Absatz um, ging einen Schritt, schaute wieder zurück in des bleiche Knochengesicht mit dem herunter hängenden grauen Schneirrkart und dem spärlichen Haar. Da sahen ihn zwei flackernde Argen an, so als sähen sie durch ihn hindurch, daß er sich ärgerlich auf die Livxen biß. Er hätte das nicht##en sollen, er hatte nicht an das Urglück ardacht.— Leer war jetzt der Bahnsteig. Wie mit verhaltener Wut sauchte die Maschine aus der Halle. Allein in einem Abteil zweiter Klasse schritt der junge Mensch geif und ab. Himmel, wie es wohl daheim aussehen mag bei der Mutter! Ob sie wohl noch immer bei Geheimrats zum Waschen gebt?— Ach nein, die Alten werden längst tot sein. Und ob sie noch immer die Zeitung zu den Leuten trägt? Ja. irgerd etwas wird sie tun. Die dürre kleine Frau hat immer zu arbeiten gefunden. Er muß lächeln, in lieber Erinnerung, wenn er an sie denkt. Er hat sie eigentlich immer mehr für ein Mädel als für seine Mutter gehalten. Sogar noch, wie er ihr durchgebronnt ist als kaum Fünfzehnjähriger. Damals heulte er sicher genau soviel wie sie daheim. Aber er konnte es nicht mehr mit ansehen, wie sie darbte und schaffte, um für Zwei sich abzurackern, wo sie es doch kaum für sich allein fertig brachte. Und ob er wohl den schwarzen Kerl wicder findet, um den die Mutter so oft geweint hat? Der wird jetzt auch ein Mensch mit grauen Haaren sein. Ja richtia und auch Mutter ist sicher alt. Aber sie lebt noch, das weiß er sicher, das spürt er. Er hat damals nie begriffen, warum der schwarze Kerl, zu dem er Vater hat sagen müssen, das Mutterle nicht geheiratet hat. Wie das wohl alles geworden ist? Im Abteil sind die Lichter an gestammt. Er zieht den Schirm vor die Lampe, will schlafen. Aber das kann er nicht, lletzt nicht, wo er nach fast zwanzig Jahren wieder der Heimat entgegen fährt. Und da wird im Rhythinus der Fahrt eine andere Behnfehrt vor zwanzig Jecen lebendig, wie er als Bub unter dem Wagen liegend zwischen den Rädern und den Schienen von München nach Hamburg gefahren ist. Er weiß heute nicht mehr, wie er es fertig gebracht hat. Ach ja. ind dann— da gab es Püffe und Fußtritte. aber dazwischen auch ein Stück Wirst aufs Brot. Und Glück hat er gehabt. Und er freut sich noch jetzt über seine ersten Prügel auf dem Fischdamxser, auf dem er schließlich doch seine Schiffsjungenlaufbehn begonnen. Schiffsjunge. Matrose. Meat. Steuermann. Kapitän und heute Reeder. Das war ein Weg!— Klaus Arndt lehnt sich gekrampft zum Fühverstand hinaus. In der Hand hält er noch den Zettel. der ihm die Umleitungsroute vorschreibt, damit er nicht die Unfallstelle passieven muiß, das kleine Nest, in dem jetzt achtzehn Tote liegen. Wieviel sind wohl darunter, die auch in Gedanken gebettelt heben mögen: „Bringen Sie mich gut heim!" Der Junge mit dem verwitterten Gesicht hat das so warm zu hm gesagt. Gmmer wieder reißt er seine Gesanken los vom Sinnieren, bohrt seinen Blick dem Scheinwerferlicht nach. Tut einen Griff em Führerstand. einen Blick auf die Meßinstrumente, sinniert wieder und horcht auf den Pulsschlag seiner„Hex" urd auf die Mesodie der Schienen. Jetzt wird gleich die Stelle kommen, wo gestern nacht das große Unwetter giederging. Zitterrd dimmert es in einem lschmalen Streifen weit draeißen om Horizont Da befällt ihn mit einem Mal ein klammerndes Gefühl der Unsicherheit, als ob die Melodie der Schienen nicht mehr gleichmäßig schwinge! Seinem Heizer brüllt er es zu. Der horcht mit. Arrdt greift an den Hebel. langsaner wird die Fehrt. In der Ferne liegt ein weißer Nebel über dem Beden. Behutsam tastet sich der Zeg weiter ins Morgengrauen Aus dem Nebelweiß lösen sich Fetzen. Klaus Arndt steht kalter Schweiß um: Stirn und Mund Sind das nicht zersetzte Menschenleiher. Menschenköpfe? Ist da nicht ein braunes Besicht, das ihm entgegen schreit:„Bring mich gut heim!“. Und tanzen darum nicht Zahlen. Zahlen. und schreien die Räder nicht achtzehn...—0— — Tote? Arndt greift in die Hebel, reißt, drückt, die Maschine stöhnt angstvoll auf. Nun #leiten sie über den Nebelfleck. Der zerteilt sich. Wasser sockt unter ihm. Spiegelrdes blitzendes Wasser. wo doch sonst Rasen stand Der Heizer schreit:„Ueberschwemmt“.—„Unterspült", denkt der Führer... Indes kriecht der Zug ächzend über die Stelle dem Wald zu. Und wie er ihn erreicht, mit dumpfem Brüll'en die Maschine die Steigung nimmt, fährt sich Klaus Arndt mit steifen Fingern durch das feuchte Haar. Das ist jetzt weiß. Der Heizer denkt, er spreche ein Stoßgebet, wie er den Führer murmeln sieht. Der stammelt vor sich hin:„Ich bring dich heim.“— Auf der Polizeidirektion München hat man dem Reeder Niklas Franz bedeutet, die geborene Elisabeth Franz sei seit 16 Johren verheiratet mit dem Lokomotivführer Klaus Arndt. Dessen Dienstort könne er am besten auf der Bahn erfahren.— So steht jetzt der junge Mann im Dienstzimmer der Bahninspektion. nach dem Aufenthaltsort Klaus Arndts zu fragen. Nach kurzem Suchen in der Kartotbek wird ihm Bescheid:„Angestellt bei der Reichsbahndirektion Köln.“— Also noch nicht daheim, denkt der Besucher. Da sagt ihm der Beamte plötzlich:„Uebrigens ist er augenblicklich n München, wenn Sie ihn zu sprechen wünschen; er hat den Hollandzug heute nacht gefahren.“ Dann war ja— die hohe Glastür schiebt sich langsam auf ein Knochengesicht mit weißem Haar und grauem Knebelbart. Der Mann hat einen großen Brief in Händen:„Sie sind Klaus Arndt?“ Der Alte nickt.—„Vater!“ schreit da der Junge, packt ihn an den Schultern und schaut ihm leuchtenden Auges ins greis gewordene Gesicht.„Du, Du hast mich heim gebracht.“ Der Alte starrt den Jungen lange an, dann wird sein Mund zu einem guten Lächeln, er deutet auf den Brief und sagt: „Es war meine letzte Fahrt. Komm mit zur Mutter." —1•.— Wie die Alten sungen... Erzählung von der Wasserkante von Ernst Römer=Kiel. Bei Jensens war Großreinemachen. Da stand er überall im Wege, der Peter. Mutter jagte ihn aus der Küche, in den Stuben machten sich seine großen Schwestern zu schaffen. Nein, jetzt könnte er nicht hinein. „Is ja zu doll mit Euch!“ schrie der kleine Mann mit'der Nase an der Türritze.„Wo soll ich denn bleiben?" Er ratterte an der Klinke. „Du— nicht unartig werden, wenn wir Vaters Geburtstaa herrichten". warnte Elsbeth von drinnen.„Geh' bis zum Dsterwerden auf die Straße, spiel mit Hannes Wulf.“ „Hannes darf nicht mehr'runter. Ich hab' ihm doch schon vorhln geflötet", beharrte Peter. „Oder lauf mal zum Hafen hin“ ham es aus der Küche.„Vielleicht bringt Vater einen Damp'er von See rauf. Kannst ihm winken.“ Die Mädchen lachten. „Aber nicht zu lange weobleiben, hörst Du wohl? Klock fünf bist Du wieder hier!“ Der Junge langte sich die Mütze vom Haken. „Is gut, Mutter.“ Und in derben Schuhen polterte er die Treppe hinunter. Frau Jensen wandte sich wieder ihrer Arbeit zu. Ueber den Bewegungen ihrer groben. etwas hageren Gestalt lag jenes sinnig Verhaltene, das der niedersächsischen Rasse eignet. Um den herben Mund ging ein Zug. wie ihn Menschen aufweisen, die viel allein sind, viel vor sich hindenken. Ihr Mann war Lotse. Seelotse. Er kreuzte gewöhnlich mit dem Lotsendampfer zwischen den Feuerschiffen, die in der Elbmündung lagen. bis die Belegschaft an die ein= und auslaufenden Schiffe abgegeben war. Wenn er Glück hatte. konnte er so nach zehn, zwölf Tagen mal nach Haus kommen. Wäre ja schön, wenn es morgen zu seinem Geburtstag etwas würde. Kam eben darauf an, wieviel Verkehr es draußen gab. Peter Jensen stand am Kai und schaute nach den großen Dampfern aus. Die rotgefrorenen Fäuste in die Hosentaschen gebohrt, daß sie sich stramm nach außen beulten, die Winternütze über den runden Flachskopf gezogen. so stand er trampelnd da und heftete seine geübten Jungensaugen auf die mächtig gebreitete Fläche, wo der Strom im Meere aufging, wo er seiner natürlichen Aufgabe genügt hat, wo er die schwimmenden Sendboten unseres Vaterlandes an die Nordsee abgibt. Aber dieses Meer ist mit nichten die nördliche Begrenzung unseres Landes. Mit dem Deck eines deutschen Schiffes hat man zugleich deutschen Boden unter seinen Füßen. Das alles dachte Peter nicht. Er stand mit seinen elfjährigen Beinen in der Landschaft, aus der er stammte. Also wollte er Lotse werden wie sein Vater. Solch noch unbewußter Zielstrebigkeit galt jeder Tag. den er lebte; sie sprach vernehmlich aus den blank gescheuerten Augen, die schon sehr ernsthaft aufs Tätige gerichtet waren. Da kommt wieder ein großer Dampfer die Elbe herauf! Weißer Schornstein mit rotem Top. Junge, Junge, wenn da der Vater an Bord wäre! Könnte doch sein. Sein Vater bekam immer die größten Dampfer zu lotsen. un — 13 5 6 „.„„„ Gond. COöLog 20 P O.MMS" SEMORPE S vR•9.2 *ATOACTTTATGTR“SAOTBAOER 2% Sctoe gen Sgan„ PGpTSE .#. SpS2 BFS S S m. gSLHO USbgIgS SOPEFE 8S5S GGSMERSTA BO-LAGDANGE S#b n EEEETE ETG SESSEES SSHETOT• 2n0 Ogae dES SSEE P SEEES:PS“80 S 50 E E — E * # gO TT Enaüus abbaalus 3 OEgOSITTR SSFgLES SEEUR RS“LuS EBuSUTDSGOLSEEE S8ES S56SS Gun CHuESERGNG.E S m 8 8 SESSEE B2 8. 5 8 5 Peter soh mit begehrlichen Blicken auf das derb gezimmerte Boot, das unten an der Treppe festgemacht war. Ein Riemen lag auch darin. Alles klar, er brauchte nur los zu schippern. Ader Mutter wollte es doch nicht haben? Och, Mutter ist immer so bange. Da ist der Vater ganz anders. Wäre doch fein, wenn er ihn mit der Mütze zuwinken und rufen könnte: „Tag, Badder! Mach man fix zu, wir warten schon alle!“ Viel Ebbe lief wohl noch nicht. De: Dampfer drüben machte ja eine bannige Fahrt Es trieb den Jungen ins Boot. Wie der Blitz hatte er die Fangleine los genommen und den Riemen ergriffen. Mit glühendem Eifer brachten seine kundigen Arme das Boot hinaus. Dem Dampfer entgegen. Doch der konnte es besser und war schon kange vorbei, ehe es Peter bis zur Hälfte geschafft hatte.„So'n verdammter Kram".] schimpfte der Junge enttäuscht und wie es sich für einen ordentlichen Schiffer gehörte. Er warf seine Mütze ins Boot und strich sich die nassen Haare aus der Stirn. Nun wurde es auch schon dunkel. Da sollte er ja nach Hause kommen! Neuwerk=Leuchtturm war im Gange, das innerste Feuerschiff blinkte auf. Der kleine Seefahrer sah zu seinem Schrekken, daß er ganz abgetrieben war. Die Erbe und der auffrischende Ostwind hatten ihn weit hinaus genommen. Ein heftiger Schneeschauer segte über die Elbe hin, die einbrechende sternis saugte das Land drüben auf. Ein Dampfer tutete Warnungssignale. Irgendwo ein Növenschrei. Der harte Ebhstrom gurgelte am Boot vorbei, in dem sich der kleine Kämpfer mit Tränen der Verzweiflung abmühte. Peter war allein. Er wußte nur, daß er in die Nordsee hinaus trieb. Auf die Sände. Ins Verderden. Welt und Menschen hatten ihn vergessen.——" 12 Wsark „Na endlich!“ knurrte kapiran Fu##farnen and nahm das Doppelalas von den Augen. „Jetzt hat uns der Lotsendampfer gesehen.— Maschine langsam voraus! Fallreep klar an Backbordseite, zum Lotsenübernehmen!" Der wackhabende Offizier löschte das Flakkerseuer, das er zur Erregung der Aufmerksomkeit seitwärts über die Kommandobrücke gehalten hatte. Mit dem Verschwinden der magischen Leuchte sielen die Umrisse des Frachtdampfers in die Dunbelheit der unsichtigen Rocht zwrüch. E Karie Muhmn Wenig später hammelee der starne Moror des Lotsenbootes heran. Eine Leine flog hinunter, der Lotse warf sein Wachstuchbünde! über die Schulter, ersaßte mit zünftigem Schwung das herabhängende Fallreep und kletterte an Vorv. Stieg zur Kommandebrücke Anau!. „'n Abend Kaptän. Jensen ist mein Name.“ Ein Blick in den Kompaß.„Können erst mal Ost zum Süden weitersteuern. Ja?“ „n Abend, Lotse.— Kaptän Puttfarken.— Haben Sie mein Schiff nicht schon früher mai gehabt?“ Und zum Rudersmann:„Ost zum Süden ist Kurs!“ Jensen rieb sich die Hände. während er ein paar Schritte hin und her stapfte. Schlechtes Wetter, Kaptän, was? Schnee, Hogel. scharfer Ostwind— und kein Grog. Na, wir haben uns schon so'n Stück Beruf ausgesucht.— Halben Strich Backbord!“ „Tsa“, machte Puttfarben.„Nun sitzt das zu Hause un den Tisch und denkt: Könnte Vater nicht schon heute hier sein? Es hat vorgestern so schändlich geweht in der Nordsee, sonst hätte es sein geklappt.“ Da kann ich ja von Glück sagen, wollte der Lotse erwidern. jetzt schiebt uns die Flut mit und in zwei Stunden haben wir und ich werde abgelöst.— Plötzlich meldete der Ausguckmann in höchster Erregung von vorn:„Boot dicht voraus! Ganz dicht voraud!“ „Hart Steuerbord!... die verdammten Fischer— wieder keine Laterne im Boot... nonnen Sie was sehen, Loise? Kommen wir frei?...“ Das Boot schrammt an der Bordwand des Dampfers vorbei. eine dünne Kinderstimme schrie von unten herauf gellend um Hilfe. „Du Dunnerslag. Du Dunnerslog!" Vater Jensen stützte sich aufs Brückengeländer. Die Kniekehlen bebten ihm ein wenig. Er riß seinen Jungen in die Höhe, drückte ihn an sich, schüttelte ihn durch.„Die Jack' müßte ich Dir vollhauen, Du Teuwelsjung! Wenn die Ebde Dich nun auf Scharhörn gesetzt hätte?“ Peter Jensen, der Lotsenanwärter, hatte die letzten Tränen hinunter geschlumt und versicherte ernsthaft:„Och. Bodder, da war ja wieder die Flut im Gange. Die mußte mich doch auss Feuerschiff zusetzen.„ I.2 Eznich#. „Ru hieb einer an. Du bist fan vonisch klugen! 1 wenn nir Dich nun mit unserem Damp..:##. Die Sürner genommen hätten und Du wärst vertrunken wie ne junge Kaß, in dem eisigen Wasser?" Sagte Kapitän Puttfarken bedächtig:„Da hat ja woll der Herrgott seinen kleinen Finger dazwischen gehalten. Der Seelorse Jeusen ließ den Kurs ar“ dar nöchste Feuerschiff nehmen. Von Steuerbord her grüßten die ersten Lichter von Cuxhaven. 12— Die Warnung... Skizze von Walter Hammer=Webs. Zögernd senkte die alte Frau den Kopf und schob mit ihren seltsam sprechenden Händen den zerknitterten Zettel von P##gzöch bin Sie sagen. Ich bin sicher, daß Sir mie etwas verheimlichen.“ Die junge Dame, die im schwachen Lichtkreis der Hängelampe der Alten gegenüber saß, zitterte vor Aufregung. Ihre trockenen, hastigen Atemzüge waren das einzige Geräusch in dem kleiren Zimmer.„Aber Sie müssen mir alles sagen, was diese Frau betrifft. Eine— Freundin von mir verstehen Sie, Geren— deren Schicksal" Sie verstrickte sich in hilfiosem Gestammel. Die Alte unterbrach sie mit einer beinahe ungeduldigen Geste. „Wenn Sie es durchaus wissen wollen, Madame... Und— wenn diese Dame Ihre Freundin ist... Gut. Vielleicht können Sie ein großes Unglück verhüten.“ Sie ließ wieder, wie tastend. die Argen über die steilen Schriftzüge streifen. Witternd blähten sich ihre beweglichen Nasenflügel.„Ihre Freundin ist in Gefahr! In Gefahr— durch sich selbst. Sie wird sich eines Tages töten. Sich... und ihren Geliebten. Das war es, was ich nicht sagen wollte...“.„. 15 Ihre Augen gingen ins Leere. Sie sohen das Erblassen ihrer Klientin nicht. Aber plötzlich beugte sie sich über den Tisch vor und fraate leise:„Was fehlt Ihnen, Medame?“ Ein Schluchzen zerbrach die Stille.„O Himmel, Sie wissen ja nicht... Ich habe Sie vorhin belogen, Madame Vernier, um Sie zum Reden zu bringen. Die Eigentümerin dieser Handschrift ist gar nicht meine Freundin. Ich kenne nicht einmal ihren Namen. Dieses Stück Papier, den Abriß eines Brieses, fand ich gestern im Papierkorb meines Mannes. Ich weiß— die paar Zeilen bewelsen nichts— gar nichts. Und doch wurde ich plötzlich von einer unerklärlichen Angst befallen. Einer Angst, die mehr war als Eifersucht. Ich kam zu Ihnen, weil ich hoffte daß Sie mir die Person beschreiben könnten. Mir auf die Fährte helfen. Nur das wollte ich. Und jetzt Sie weinte verzweifelt in ihr Taschentuch. Sie sagen, daß sie Serge töten wird? Aber warum denn. um Himmels willen... warum? Reden Sie doch!“ Madame Vernier schüttelte langsam den Kopf. Ihr Gesicht zeigte jetzt etwas von der Starrheit einer Maske.„Das weiß ich nicht, Madame. Ich kann Ihnen wirklich nicht mehr sagen. Sie verzeihen— ich bin ein wenig müde.“ Unsicher erhob sie sich. Auch die junge Frau stand auf und fuhr sich mit der Puderquaste über die verweinten Augen.„Wir sind erst vierzehn Monate verheiratet. Ich war so glücklich...“ Es klang wie eine schüchterne Entschuldigung. Hastig legte sie einen Geidschein auf den Tisch und eilte, mit ihrem Schluchzen kämpfend, zur Tür.— In dem großartig angelegten Autodrom von Montlhery drängte sich eine unabsehbare Zuschauermenge. Man rechnete mit den sensationellsten Ueberraschungen. Der Start hatte noch nicht begonnen. Karina Greve stand an ihren Sportwagen gelehnt und sah aufmerksam dem Monteur zu, der nach einmal den Motor nachsah. Keine ihrer Gesten verriet auch nur die geringste Nervosität. „Alles in Ordnung"? „Alles, Madame. Ein feiner Wagen. Madame!" Der Monteur grüßte ehrfurchtsvoll und ging. Im selben Augenblick löste sich aus einer Gruppe Serge Guichard und schlenderte nachlässig vorüber. Jede seiner Bewegungen drückte eine betonte Gleichgültigkeit aus. Plötzlich erblickte er Sybill, die sich suchend nach ihm umsah. Er ging ih mit zärtlich aufleuchtendem Blick entgegen.„Endlich kommst du, Bichette! In zehn Minuten geht es los. Dann wandten sie sich Karina zu. Sybill reichte ihr leicht befangen die Hand.„Ich war soeben in der Rennleitung. Es ist eine Denesche für Sie gehommen, Madame Greve. Der Bote sucht Sie. Da ist er schon!“ „Mit Rückantwort, Medame." Der Bote blieb wartend stehen, während Karina das Telegramm überflog, Sybill bot ihr sofort ihre Handtasche als Schreibunkerlage an.„Schreiben Sie rasch— ich werde so lange haiten.“ Während Madame Greve ein paar Worte auf das Papier wark, fiel der Blick der jungen Frau übsichtslos auf die steilen, bizarren Schrift züge. Sie wurde plötzlich grau im Gesicht. Ihre Hände, welche die Tasche hielten, zitterten so heftig, daß Karina aufmerksam wurde. „Ist Ihnen nicht wohl. Madame Guichard?“ fragte sie erstaunt. Syhille stammelte eine sinnlose Entschuldigung und stürzte auf ihren Mann zu, der inzwischen wieder zu keinem Wagen gegangen war.„Du darfst heute nicht starten, Serge!“ schrie sie heiser und klammerte sich verzweifelt an seinen Arm.„Um Himmelswillen, tritt zurück! Es geschieht ein Unglück ... ich weiß es!“ Guichard streichelte beruhigend ihr entstelltes Gesicht.„Aber warum denn, Kleines? Warum gerade heute? Du bist doch sonst so eine tapfere kleine Sportsfrau. Das erste Bereitschaftszeichen ertönte. „Außerdem wäre es auch jetzt zu spät. Ich kann doch nicht zwei Minuten vor dem Start ausbrechen! Also Mut— nicht schlapp machen, Bichette!"—— Ein Sturm geht durch die Tribünen... „Die Siebzehn! Die Siebzehn kommt auf!— Wer fährt Nummer Siebzehn?— Greve... Die Greve!"— Ein Frauenzimmer? Donner und Doria! Geht wie der Teufel in die Kurven.— Mit mindestens hundertvierzig. Ein Höllentempo!— Achtung! Gleich wird sie den Neunzehner geschlagen haben!— Ausgeschlossen! Den fährt Guichard. Der läßt sich von einer Frau nicht fressen...— Garantier!!— die Siebzehn machts noch! In der Gereden wird sie ihm davon laufen.“ Alles springt von den Sitzen. Die Gesichter sind verzerrt vor Spannung. Heulend, wie gespenstige Tiere, fliegen die Wagen vorbei. Die Motore brüllen in brünstiger Jagdgier. Wilde Staubfahnen lohen hinterdrein. Von den Fahrern ist bei dem Wahnsinnstempo nichts mehr zu unterscheiden. „Jetzt— aufgepaßt! Jetzt hat sie ihn gleich! Hasch— Satan!“ Schemenhaft huschen die Nummern vorüber ... Siebzehn— Neunzehn. In atemraubendem Wechselpiel. Zweimal schon haben sie einander in der Geraden überholt. Ausheulend schrammt die Siebzehn durch die Kurve Da bricht ein Schrei aus der Menge:„Heiliger Himmel— sie wird ihn doch nicht in... der... Kurve?“ Ein betäubender Knall durchpeitscht die Luft — wie das reißende Krachen einer Granate. Eine Feuersäule springt zum Himmel. Holzund Eisensplitter wirbeln umher... Eine zähe, undurchdringliche Staubwolke wälzt sich über die Unglücksstelle.— Tot! Alle beide!“ Eisiges Entsetzen lähmt die Zuschauer. Als sich die Staubschleier largsam verzogen haben erblickt man die zerschmetterten, halbverkohllen Wagen— die gerammte Neunzehn mit aufgerissener Flanke und wild darüber hingeworken— Karina Greves verhänanisvoller Sportwagen. Eingebohrt— verbissen in den Gegner... Ein Fabeltier das soibst im Sterben die Zeute nicht mehr losläßt... —77— Der Finger der Vorsehung Nach einer wahren Begebenheit von Hans Reimann. Anmerkg. der Schriftl.: Der bekannte Autor parediert hier die Schreibweise gewisser„Literaten“. Im Frieden der Nähe des idyllisch gelegenen Dörschens F. lagen die berachbarten Güter des Freiherrn von Zypriak, welcher, obwohl Sonnenmensch, in unliebsame Gedanken verloren, zum Firmamente empor blickte. sowie des Grafen von Tannenschweiß, welchen seit Generationen eine innige Freundschaft mit dem Freiherrn von Zypriak verband. Aber auch ihn drückten Sorgen. „Also ein letztes Mal habe ich deine Spielschulden getilgt. Bedo, welche nachgerade eine schwindelnde Höhe erreicht hatten, doch zlaube nicht, daß du mich jemals wieder in einer schwachen Stunde antressen wirst, um deinen Leichtsinn aus ubeden. obwohl du mir versprochen hattest, demselben einen Hemmschuh anzulegen.“ Er selbst war es. Graf Mulm von Tannenschweiß, der diese Worte mit düsterer Sxirn zu seinem Sohne Bodo sprach.„Es soll das letzte Mal gewesen sein. Papa, daß ich meinem jugendlichen Flattermute die jauchzenden Zügel schießen gelassen habe, ich will vernünftig ein und die Ehre unserer Familie hochhalten, wie sich das für einen einzigen Erben geziemt.“ „Recht so, mein Sohn,“ beendeke der Braf die Unteredung, indem, er mit energischer Handbewegung nach dem Diener schellte, um ihm den kostbaren Pelz zu bringen, da er noch einen wichtigen Gang in die nahe Stadt zu erledigen hatte,.. Bodo stand anein im Zimmer. unwillkürlich reckte er seine sehnige Gestalt in der glänzenden Uniform der peruanischen Leibgarde straff empor, als sei eine Last von ihm abgefallen, während seine lebfrohen, sonnigen Augen, deren dunkle Glut, von kühnen Brauen umbuscht, ihm ein eigenartiges Gepräge verlieh. schon wieder in jenem bestrickenden Uebermut erstrahlten, der diesem Liebling des Glücks alle Herzen im Sturme gewann. Nachdem Bodo einige hübsche Verse zu Pavier gebracht hatte, fuhr er in seinem luxuriösen: Wagen nach B., um daselbst in einem Spielklub die wüstesten Orgien zu feiern. wosbei er seinem Vater in die Arme lief, welcher vor Entsetzen über diese unerwartete Begegnung seinen Sohn, welcher Glück im Spiele gehabt hatte, um eine schwindelnd hohe Summe anpumpte, wedurch dieser wiederum Oberwasser erhielt und sich nicht entblödete. dem alten Grafen die Lanoline Way, dessen Grliebteste, auszuspannen und fest zu engagieren... Am Hoe des Freiherrn von Zypriak herrschte reges Leben. sollte doch heute abend der allseits mit lebhaster Sxannung erwartete Vall stattfinden. Bald waren alle Vorbereitungen getroffen, und das Fest konnte seinen pomphaften Verlauf nehmen. Da nahten auch bereits die ersten Gäste. Nicht lange, so waren die Prunkgemächer gefüllt mit fächelnden und lorgnettierenden Damen und Herren der obersten Ar'stokratie. was ein üppiges Bild abgab. Doch lassen wir das farbenfrobe Wogen und Treiben der freudig erregten Gästeschar. und wenden wir unseren Blick nach dem Palmenhause, cas. von tausend und abertausend elektrischen Glütfrirnen erhellt, einen betär##er erotischen Deift auf die gegenwärtig sorglosheiteren Gäste noch nicht zu ergießen vermochte, doch gemach, greifen wir unserer Erzählurg nicht vor. Während die glitzernde Fon'äne ihr quellklares Wisser svielen ließ wandelte düster und unstet ein einsamer Fremdling rin dos Rondell. Der junge Graf Bode war es, hatte er doch mit Ada. der Tochter des Hauses, für den Einbruch der Dunkelheit ein Rendez=vous verabredet. „Sie naht!“ strich er plötzlich seinen dunklen Märnerbort. Sie war es, sie stand vor ihn in all ihrer Frische und Irgendkraft. „Mein Lieb. meine Göttin!“ drückte Bodo einen taufrischen Kuß auf ihre lilienzarten Härde, während seine melancholischen Blicke ihre gertenschlanke Gestalt von jenem berüchenden Ebenmaß umsingen. Ada entzog dem Stürmischen ihre schneeweiße Hand und lud ihn mit einer höstlichen Geste ein, Platz zu nehnen. Ada, welche als Waise in früher Kindheit vom Freiherrn Zyvrick arif Rosenkrowledge in beispielloser Seesengüte adovtiert worden wer, die Tochter des berühmten Architekten R. K. welcher an den Folgen einer Brüche, welche über die Meerenge von Glauchau gespannt und im siebenten Johre ihres Baues durch eine unselige Katastrorhe mit Mann und Maus in den gurgelnden Fluten versunken war. sich vergistet und das Zeitliche gesegret hatte, nahm nur zu spöt wehr. daß sich keine Sstaelegenheit weit und breit darbot. Ada. welche jäh zusammenzuckte unter der Berührung des heimlich geliebten Mannes, wies rasch. mit dem Stolz einer blütenreinen Mädchenseele gewappnet. den Feurigen in dessen Schranhen. indem sie mit wehmütig=weicher Stimme heischte:„Lieb. sei stark. noch sind die Verlobungskarten nicht gedruckt!" „Wo bin ich?“ schlrg Bodo die düsteren Augen auf. während seine abgezehrten Wimpern nur mühsam aus dem kurzen Liedestraum erwachten. „Wie du, Bodo. siehst—“ vermochte sich Ada kaum auf den Füßen zu halten,„weist mein edles Antlitz große Trauer auf.“ Bodo ballte die Fäuste:„Ich will und muß Gewißheit haben, ich kann und will nicht an das Schreckliche glauben..“ zog die nur sanft Widerstrebende an sich.„Nur mit dir kann ich restlos glücklich werden!" zeigte ihr sonst so elserceinerner Teint einen leichten Schimmer, während Bodo flüsterte:„Komm laß uns in jenem lauschigen Winkel Zärtlichkeiten tauschen!“ Schon wandten sich die beiden, da erklang eine sonore Stimme:„Verlassen Sie auf der Stelle mein Haus!“ Freiherr von Zypriak, Adas Vater stand zwischen dem schönen. aber ungleichen Pärchen, das wie von der Tarantella gebissen das Weite suchte. Bedo, welcher sich faßte und zum Freiherrn. lich zu Gesicht stand, die gewichtigen Workeseine Dosis der geheimntsvollen Flüssigheit in sprach:„Ich bitte um die Hand Ihres Friuleinsdie Bindegewebe der Brust. Tochter, ich liebe dieselbe!“, worauf Ada, velcher„Bitte, unternehmen Sie jetzt Wiederbelemit einem„Dein bie in den Tadi“ die heib) uurgoverfachren Zi, Stadenten die Fettzemas: pulserden Zähren aus den mandelörnig ger Wilsg ng.,.. zinigen Mnuten ale gusschnittenen Augen stürzten, wie betäust cocemsversuche, die sie vor ei Herzallerliehsten in die nervigen Arme sank,lichlelo, Jate por,zhöoset eger erisenheste in S##l. so daß dem Freiherrn nichts übrig blieb, a's d#s. Es herrschee W#ll#se, Ergegenhrir im Eat Anerbieten zu akzeptieren und, sich aufraffend, Jehn Pinzue g ge Herr sscherraschung aus dem in seiner ganzen freiherrlichen Purde weder...„Ja, ein.——), des." Hg warher wacheholte:„Verlassen Sie auf der Stelle mein Haus Munor eines Studenten. Lur—. oder Sie lind ein Kind des Sensenmannes!sselbe.“Föte öber gaucht. Die Studenten ver Pährend Bado, welcher bein Vort über diesoppesten ihre Anstrengungen. Einer lorschbeste atmerden Lungen bracfhe,ntrucg, Fgieste, mit dem Hörrchr nach dem Herzen wahrnahm, wie die Gattin des Freiher Würde herbeseilte, um neben der Tochter in Paz gerz schlägtt: hres Gatten Armen von tieser Ohnmacht um=en. angen zu werden. Derselbe zog mit schrillem“ Zugerd riß. beglückwünschend, dem ProAufschrei ein Pistol aus der linken Beinkleid- teffor fast die Hände aus den Gelenken. Es ggsche, um dasselbe, auf den versteinernden hauerte lange, bis Schweichard sorechen konnnahm, indem er, von der tüchischen KugelPexztorhenen wieder ine Leben zrückrufen?“ durchbohrt. zu Boden sank und leise weinend) Breidenbach schüttelte entschieden den Kovf. seinen Geist aufgab. Rein, das hann ich nicht. Das wönschte und Fürwahr. dunkel, aber gerecht, ist der Fingerlhoffte ich auch nicht.— Nur gesurde, lebensder Vorsehung. ssöh ge Personen, die durch einen Unglüchefall verschieden, können gerettet werden. Exssichte, Ertrunhene. vom elektrischen Strem Gerrotfene. Nur dürsen höchstens zwei Stenden bis rim Einsetzen der Rettungsmöglichkeit verstreichen.“ Das Glück des Prosessors war offensichtlich. Getreu bis in den Tod Skizze von A. Schöneberg. Universitätsklinik..ig; er führte eine glückliche, mit Kindern chrerbietig grüßend traten die Stacdenten zuregnete Ehe. Und nun wieder diese Entd Seite, die dort in der breiten Lichtslut der Ho-zung, deren Ausmaße sich noch gar nicht hen Glassenster ihren Lehrer. Proses'or Toh=sohen ließen!— tor Sckweichard, den Vorsteher der chrurgi. Nur wenig fnäter war es. schen Abteilung, umstanden. Die beiden Aerzte un der Privatwohnung Schweichkarde läutete sorüßen sch mit Handschiaeg. 108 Telerthon Sturm. Ein Gestemmel und „Isch hörte socben...“, bemerkte Professor Weinen erklang vom anderen Ende der LeiBreidenbach mit rascher Handbewegung nach#ung, so daß man erst nach langen Minuten die dem summer Mann auf dem Lre#ationstisch Anruferde erhannte. Es war Breidenbochs Würden Sie vielleicht die Liebenswürdigkei! Zimmnermädchen. In vollstärdiger Auflösung. besitzen. Herr Kollege? Wer und was ist es?“ Die gnädige Frau hobe ein Bad nehnen wolDie knappe Art Breidenbachs war allen bei##en— der Ofen müsse in Unordnung sein— zannt und störte den Kollegen nicht. Bere't erstickt.. tot! Der Herr Prosessor nicht zu willigst erteilte er die gewün'chte Auskun“ Hausel.. Ein Bettler aus einem Vorstadtrevier. Ho] Schweichard sogte im Kraftwagen noch der sich in einer Blechbüchse ein Kohlenfeuer an Nehnung des Kollegen, alarmierte die Klinik, zezündet. Im geschlossenen Raum. So kam eitete die Rettungsverseiche. In 15 Minrten was kommen mußte: Kohlenoxyd!“ war die halbe Stedt auf der Suche noch dem „Und der Mann ist ohne Zweifel tot?" Professor, dem einzigen, der das Mittel zur „Ohne Zweifel, Herr Kollege!"[Rettung besaß.— „Noch eine Frage, bitte: Wann stard der Vergerens!— Nach Stunden ham der Une Le ungefähr Dia einsiofern. Zückselige. Heiter. Erfrischt. Er hatte, um „Zor. einer Stun.„ Pcht. Lie einliefen“ zugzuspannen, eine Fußwanderung in die 1e ronzet sagte aus, oaß der Körrer des Der(gebung unternommen und im nöchsten Dorf storbenen noch warm gewesen wäre.“ einen Unglücksfall miterlebt. Beim Dreschen „Ich danke Ihnen. Herr Kollege. Parf i“ war ein Arbeiter mit der Hochsponnungsleiein'ge Fragen an Ihre Hörer richten?" Lung in Beröhrung gekommen und tot nieder„Bitte schön!“(oesunhen. Breidenbach, er sein belebendes Doktor Breidenbach wandte sich mit kurzem Mittel im Kraftwagen aus der Klinik herbeiRuck den Studenten zu und fragte mit klin=lschaffte, hatte ihn zu retten vermocht. gender Stimme:„Meine Herren, würden Sie Nun war seine Frau die nächste, der er die ür Hesen Mann den Totenschein anestellen?" Spritze ansetzen mußte. Mit erstarrtem GePrompt kam die Antwort:„Ohne Bedenker sicht tat er es selbst. Er wußte, daß er zu lät Herr Professor.“ ssam. Schon über vier Stunden! Da war jede Breidenbach blickte einen der nächsten ar Hoffnung vergedens. Sein heißgeliebtes Weid, und sogte auffordernd:„Wollen Sie es, bitte die Mutter seiner Kinder, gehörte für immer beweisen. daß dieser Mann den Lebenden nichl einer andern Welt an. mehr zuzuzählen ist!"„] Der Professor hockte an dem Loger der To„Gern, Herr Prozessor!“ sten. Plötzlich sorang er auf. sah sich mit flabDer Student begab sich an den Experimen ernden Augen um und wankte mit taumelniertisch und kam mit Bunsenbrenner und Sie=den Schritten hinaus. Niemand wagte den zellack zurück, entblößte die Schulter des To[Nenn mit den verzerrten Zügen zu halten. en und ließ etwas flüssigen Lack darauf fal= Wider Erwarten kam er jedoch nach ein paar len. Die erkaltete Masse blätterte er ab— Minuten zurück und drückte Schweichard ein ein brauner Fleck wurde darunter sichtber Bündel eng beschriebener Blätter in die Hand. Der Student deutet darauf und bemerkte:„Se=]„Da— da...“ Ein Lassen entrang sich seiden Sie sellst, Herr Professor! Die lebendesnem Munde. Sonst kein Laut. Dann machte Haut würde unbedingt Bra###blosen ziehen ser eine hastige Bewegeng, als wenn er sich hier, hier ist keine Spur einer Blase festzu= einen Ueberzieher anziehen wollte, schritt dem stellen.“(Ausgang zu, blieb vor einem der Assistenz„Sie haben recht, mein Freund. Und dennochsärzte stehen und fragte langsam, wie geistes.... wer weiß, wo das Leben aufhört und bwesend: der Tod heginnt!“. Seine Livpen murmelten er Tes Weinnut. Seine Eiezen die letzten Worte kaum hörbar. Die Spannung der Zehörer stieg immer höher„Mit Staunen blickten sie auf ein brannes Meoizmgläschen, das ihnen der Professor entgegen hielt. Tiefes Schweigen stand ihm entgegen. Lange. Endlich begann der Professor zu sprechen „Es ist Adrenalin, jenes seltsame Gift, das die Nebenniere erzeugt. Es wirkt gefäßverengend Sie kennen es alle. Urd außerdem ist die Sper eines anderen Stoffes darin. dessen Geheimnisse ich Ihnen bald zum Segen der Menschheit zu enthüllen hofe.“ Bedo, welcher sich faßte und zum Freiherrn.] Breidenbach brachte eine silberne Spritze welchem der auf Seide gearbeitete Frack treff= zum Vorschein und spritzte dem Verstorbenen „Wollten Sie nicht mit zum Promenadenkonzert, Herr Kollege?— Hören Sie doch.. wie die Musik spielt, so schön— wie — sie spielt!.. Hören Sie's?— Was ist's denn bloß? Ah. jetzt erkenne ich's! Es ist ja das„Wenerlied“ von Kreisler. Ah. es ist wunderbar!.. Da wird sich meine Frau aber freuen! Sie hat es immer— immer“ eine Erinnerung schien ihn zu überkommen, er lachte glückselig—„immer so gern gespielt.— Nun wird's aber Zeit. meine Frau wartet unten auf mich. Meine Straßenbahnkarte lönft auch ab, wenn ich mich nicht beeile! Auf Wiederse. Da hielten kräftige Arme ihn sanft zurück. Praußen schüttelte der Wintersturm hahle Aeste. Kein Promenadenkonzert lochte. Vroesc er