8338E 85aS 88gs Jasas: r 845 9 ## 888 esse Tras: Lgs Sos S8—,„BaS Jggs 8323 SoSBABügs Baus a 8283 SS3n BUAS 8öS 32-8 SaSS 338S BUxS SSGSSSSBS SAUS 8 hunzt durch die musikalische Ausähsoteit eizlvon innerem Biderstreit I.meiten Kämpsen,„Georgar Entsetzen schwang in dem Rchte, ne Schülerg. Dem Johann Michael Voglsteis aus neue bedingt Sehn. Mand d er die Hand auf den enonr us der herst zis Gescht, Er sprangigcht nuach Versehen, nach Alerchen— ins„Kommne u en uce anpor und tig on Aure au.(Lir— Mariar=. 109, Austoden risch„setz Hiazt= sie und führte ihn an den „Stümper!“, schrie er,„vergreift Euch nicht Maria schwieg— ihre Lippen bebten, wähan dem götlichen Lied. Nicht an meinemfrend ihre Augen selbstvergessen auf des Man=und: las zm gegenübher und schaute ihn tief Lied. Hört zu, so maß es klingen!“. nes bewegten Zügen hafteten. Reinhart warsge, aaude an. Unter ihrem Blich; fand er und der alte Johgamn Michgel Hogl Kangs“ Blöhlich, ale spräche Mariae Gesicht den=sdie ihm suchen, Har wuid den bngen an, Geast e sescle eich euer i eseihe Sese ue. un i. Salch aul ur ein un uit Sscehicht die Keischenteäishe ssinich ause häicseslenschtcnce eie sid ans Keochehlid ie ech bun darauf, daß der Johann Mi.] Endlich brach Reinhart das Schweigen, das Er sah starr zu Boden.„Ich habe nichts Frel Vogl im Schlafrock dastand, desnsseineres Verstehen barg, als Worte zu gebensogr mir gesehen, im Bachein, im Träumen, mit den Troddeln auf seine buntge vermögen.„Laß uns gleiche Wege gehen,sals immer nur Dich und mein Kind“ sprach sichkten Lantosseln nieder siel.(um 3g einander zu, finden“, bat er leise,„laßser. Sie sohen hn so, wie Um einst du großen Velt=amraden sein im Streit wider diel„und Zu slauthst uns maun für immner wie scheperstei Die Buasadegeiterten Wiets gr„Uieg uider ales us geur au einen fürstlichen Nann mit stragesg. 110 Wiegzt uues, was ans trennen will“, alle Ungewißheft dleich eine Antwort;, denn m Auaun darn der Predengster; an dersVollendete Marick. und Perschlagens de Zukunft, alles Irren (vor ihruu ensein wuchs aus ihrer Frage ee ezgent, vem der Droenstern vellendete Raria. Brust schimmerte und dessen machtvollen Tönen keiner widerstand. Der Johann Michae! Logl hatte wohl in seinem Leben tausendmal den Erkkönig gesungen, aber niemals vollendeter als in dieser Stunde, in der, bevor sein Leib zerfiel, noch einmal die Stimme die jahrelang geschwiegen, g hob zum SchwaBette geschlagen und zu seinen trauernden Freunden gesagt haure:„vier, mer ist mein Der Flächtling Skizze von Albert Liebold=Leipzig. Geora Bittrich stand in vöt ihm auf. 6—.553½, habe die Tage gezählt, Georg, war froy, oaß nun der Berg überschritten ist, sagte mir, noch einmal so lange, dann habt Ihr Euch wieder zu einem neuen Leben, das alle Schatten der Vergangenheit wegwischen, das Deinem Kinde den Vater geben soll. Ich habe e ae at e a eun g ee ie ur. Maaneungatense uie Ae aue Gun en. S or: Hofopernsanger Johann Mi=(Nacht an der Mauer und lauschte in die enge daß wir keine ga#### asche Nacht, chael Vogl starb am Abend des gleichen Ta=Gasse, ob der Schritt eines verspäteten Heim= nes Gelz:.ute“ habe schö##5., swei Stunden vor Miternacht. Ranskehrers oder patrouilierenden Nachtschatzsmehr werden solte e dise dachin uoch genieb den 19. Rovember 1840. Es war das mannes von irgend woher erklang. Als alles Dich hintreten und iie dann vor Datum desselben Novembertages, an demsruhig blieb, tappte er vorwärts, sah nach eisles, was Du findest Peors, komm. 9l vor zwölf Jahren der sterbende Schubert mitfnigen Minuten noch einmal scheu zurück undlbeginnen. Und v Weite wir wonen net iebernder Hand an die Wand neben seinemtieß Lus kahle, schpwparz aufragende Zuchthaus Sie mußte ee###### erwenssecen, geres araungespenst hinter sichsherzen steg das Bewußtsein Ihr neues Skizze von Elisadeth v. Aster. Als der junge Geistliche Maria gegenüber saß, kam ihm mit aller Stärke die Gewißheit einer Veränderung, die mit ihr vorgegangen. Aeußerlich kaum; ihre Anmut war die gleiche noch, ihre Gestalt schöner fast als ehedem, nur das Antlitz.... „Wir sind uns fremd geworden, Maria“, unterbrach er plötzlich, ohne eigentlich zu wollen, ihr hastiges Sprechen, das unbegrifsen an ihm vorüber zog. „Fremd—?“ wiederholte das Mädchen, „der Ausdruck dürfte unrichtig sein. Menschen sind wir inzwischen geworden, denkende reise Menschen. Damals— Du weißt— war ich ein Kind.“ Sie lachte ein wenig verächtlich. „In dem Kinde, Maria, lag alles, was ein Weib liebenswert macht; reiche Gaben barg die junge Seele. Hingebend war sie, Maria, und vertrauend; bereit, sich führen zu lassen.“ suchte den umhergleitenden Blick des Mädchens jest zu halten. Maria lachte.„Die reise Frau läßt sich nicht führen, Reinhart, sie denkt und handel: nach eigener Ansicht, nach Erjahrung, die ih rer Entwicklung zum gereiften Weibe entspringt. Nicht immer können wir Kinder bleiben.“ „Der Jugendfreund blickte an Maria vorüber. Statt ihrer sah er ein kindliches Mädchen mit schweren Zöpfen und feinen, offenen Zügen, mit großen, vertrauenden Augen, deren Blick klar und still mit dem seinigen verschmolz. Die Maria, die ihm gegenüber im Sessel lehnte, besaß diesen Blick nicht mehr. Der sprach zu viel von Wissen, von Stolz und Selbstschätzung. Neu und fremd war Marias geliebtes Antlitz. Zu ihren letzten Worten nickte der Freund langsam und sprach zögernd:„Im Herzen, Maria, dürfen wir's.“ „So hast Du nur das törichte Kind in mir geliebt?“ sprang sie ihn an und ihre Augen blitzten. Schön war Maria, der Mann empfand es in diesem Augenblick sast schmerzlich. „Ich liebte Dich, wie Du warst— ohne das, was dann kam, ohne den— den fremden Einfluß.“ „Der mich doch erst zum Menschen machte! Reinhart, Du bist mir wahrlich fern, bliebst gehen, mo mür uod Zeiten begannen.“ und Torheit auf aber r: neuer Schuild Nach zwei Jahren schrecklichen Begraben=gegen an.7 noch kämpfte er daseins die Freiheit wieder! Worüber er durch„Ich weiß, daß'ch bschwere Monate gegrübelt hatte, es war ihm kann. Aber ia...“ guch nicht bleiben geglückt. Und doch wurde er zunächst ein selte sehen, Joh.. e nein Kind und Dich sam beklemmendes Gefühl nicht los, das länger mit ette de orinnen nicht schwer wie Blei in allen Gliedern lag und dasl früh schon.... onner. Norgen Denken an Gegenwart und Zukunft nicht Orte wo sie t sein. Ich kenne recht zur Klarheit kommen ließ. Eins nur Fremde erreichen, in wden und werde die wußte er genau: er mußte nach Hause zu seit neu aufbauen will. Dann..... schweren, blutigen Streit verwickelt wordenlzeln? Wollen wir unser Herz von der Heiwar, der ihm vier Jahre„Zuchthaus ein mat reißen und in die Ungewißhelt“ arme Frau ihm gerades# dann wird es keine Heimkehr me Se Seiesgg eit i berat chae. Keiunt utn ue würde am Ziele seiner Sehnsucht sein. Weib]„Nein“ und Kind würde er halten, nach denen er sichldem Fluche einer Schuld, es wäre mein Ende. An Scheu und vorsichtig drückte er, den seinel ihnen. Swischen Instaltskleider zeichneten, sich durch die dun= kelsten, engsten Straßen der stillen Stadtshanng keinen Weg für uns, JoErst als er das letzte Haus hinter sich ließ, Janna. siel er in schnellen Lauf und jagte durch die Sie stand auf und ging zu ihm, legte ihr Sleider am Teihe Llebterg Ninuten die Arme um seinen Hals und sagte:„Georg, eitDer Himmel war überwölkt und sternenlos,] Er sah, wie ihre 9. kein Licht zeigte ihm aus der Ferne seinigen, und wieder mußte schlasendes Dorf. Alles Leben schien aus dersweil er, der Schuldbelade Landschaft weggesegt.[Reinen und g rnedene, den Blich der Eine knappe Stunde darnach schritt er über] Vetrenen nicht ertragen konnte. die Schwelle seines kleinen Hauses, das ers##„uhrt, zurück in die Stadt, noch diese sehrisch unter harter Arbeit erworden hatte. Nachlt erganze sie. er“ Verwunderung, Freude und Furcht schwan=] Da fuhr er hoch:„Johanna ist das Deingen in seltsamem Beieingnder in den Worten Liebe?““ S Tc seines Weibes:„Georg, Du?"] Sie schüttelte den#####f Sn“ nup en: f, E schattene ven Ropf:„Es gibt nur diestand versteinert und vergaß, ihm diessen einen Weg zu unserm Glück, Georg. Die Hand entgegen zu strecken, die er begehrte. Stunde wird kommen, in der Du mir danken Ja, Johanna, ich hab zu Euch kommenswirt“ au mir danden sen.“ I wer fie uin Sprcdersaifes der seil Hurk ais als a. eie Kerie s22 Tie Singentigr Pepoler Ausruf war, und ven liezgenge. Iunn hob er sich empor und Kaer euise ungt in Biche seiersaüste se. 2. 2ich ich, Ssheunaer. Sun 8 uehi And und sehur Sie schluchste auf, hängte sich an ihn und schlafenden Kindes 2d der gite seines rief:„Georg, warum hast Du das getan?“(Vater die Träne m; uud der schnidbeladene Kalt ließ er seine Arme herab hängen und die Knie.— der und brach nieder in hielt die Schluchzende nicht, deren Worte ihm Als im MorgandsEnttäuschung waren. Er hatte Freude alssdar Freau Rorgendämmern des neuen Tages Willkomm erwartet. Und nun?(der Pfortner das Tor des Zuchthauses öffDas kannst Du fragen““ brach er hervor laß begehrte itd erste, der Ein„Weißt Du nichts mehr von Liebe zu mir, von Sehnsucht, hast Du kein Gefühl für mei. ne Qualen hinter jenen Mauern, bin ich Dir Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena ein ehrloser Zuchthausbruder?": Druck und Verlag: R. A. Santz, Altena. 25 2: * 8 n*• 3•92 S 8"" 8 b5# S E* Pehrtur PPBeare Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 46 Der Kompositeur Skizze von Bertha Witt. Bei der Fürstin X. in der kaiserlichen Hofburg zu Wien hatte sich eine kleine, festliche Gesellschaft versammelt. Noch plauderte man herumstehend im Kerzenschein, als auf den Wink der Gastgeberin die beiden Künstler aus dem Kabinett traten, in dem sie sich vorberettet hatten. Der eine war ein stattlicher, eleganter, sieghaft lächelnder Mann mit gewölbter Brust unter der hellen Weste und dem keinen Halstuch. Klein und gedrungen, bescheiden, als wolle er sich hinter ihm verstecken, stand der andere neben ihm, in dem etwas ungefügen, nicht mehr ganz neuen Biedermeierfrack und den hellen, gelblich=grauen Nankingbeinkleidern. Große Brillengläser verdeckten seine etwas stumpf blickenden Augen, und teilnahmslos glitt sein flüchtiger Blick über die glänzende, plaudernde Gesellschaft. „Meine Herrschaften“, rief die Fürstin, die mit freundlicher Eile die Künstler begrüßt hatte,„ich habe die Ehre, Ihnen hier unseren berühmten Sänger Herrn Y. sowie den Kompositeur Herrn Schubert vorzustellen, die uns mit einigen der vortrefflichen Lieder des Herrn Schubert unterhalten wollen.“ Der glänzende Schwarm verteilte sich lässig; in Sesseln und Sofas lehnten schöne Damen, und an den Wänden standen die Herren in dunklen Fräcken, in glänzenden Uniformen. Ordenssterne und Diamanten blitzten im Schimmer der Kerzen. Allmählich verstummte das letzte leise Geplauder. Der Kompositeur stellte seine Noten auf das Pult, rückte die große Brille unter dem krausen dunklen Haar zurecht, richtete noch einmal den etwas stumpfen, kurzsichtigen Blick auf den stolzen Kreis der Hörer,— der Sänger nahm seine gewohnte sieghafte Position ein Dann rauschte Lied auf Lied, von der prachtvollen Stimme getragen, in die Ohren und Herzen. Es war eine Auswahl aus dem eben beendeten Zyklus„Winterreise". Schubert hatte darauf bestanden, daß alle Lieder gesungen würden, aber der Sänger hatte ihm in seiner liebenswürdigen, bestimmenden Art entgegnet:„Zu viel, lieber Schubert,— nur die besten—“. Fast wäre es zum Wortwechsel gekommen und der kleine Schubert davon gerannt, hätte nicht gerade in diesem Augenblick die Fürstin den Wink gegeben. Samstag, 17. November 1928 Dann war das Konzert vorbei. Die Reihen lösten sich auf; hier und da drängte sich jemand zu dem Opernhelden und sagte ihm ein bewunderndes Wort. Der Kompositeur Schubert stand hinter dem Flügel und kramte seine Noten zusammen. Nur die Fürstin war zu ihm getreten, drückte ihm die Hand, dankte ihm und sprach ein paar entschuldigende Worte, als müsse sie die Unaufmerksamkeit der Gäste ihm gegenüber gut machen. Schubert lächelte ein wenig und sagte:„Es ist mir schon ganz lieb so, Durchlaucht. So bleibe ich unbehelligt,— es paßt schon am besten zu mir.“— Fallen nur hundert Gulden für mich ab, fügte er bitter in Gedanken hinzu, so kann ich zufrieden sein. Freundlich verabschiedete die Fürstin die Künstler. Der kleine Schubert folgt dem stolz voran schreitenden Sänger. Im Kabinett vernahmen sie noch lange das Schwärmen Damen, die sich lebhaft über den Genuß des Abends unterhielten. Nun gewannen sie Leben, diese Lieder, die sich aneinander reihten wie köstliche, seltsam schimmernde Perlen. Die Herzen der Damen öffneten sich berauscht der Stimme des Sängers; die Herren lauschten mit halbgefesseltem Ohr und ließen die Augen über die schönen, schimmernden Nacken wandern, auf die sie von ihrem Platz an den Wänden herniederschauten. Nur der Fürstin, der Gönnerin Schuberts, sah man die Andacht an, in die sie immer tiefer versank. Die Lieder waren so schwermütig, tieftraurig, als schwebten seltsame Lebensund Todesahnungen, letzte Offenbarungen durch die Musik. Tränen tropften darin, Herzschläge zitterten, Tieferes hatte Schubert vielleicht nie gegeben... Der Vortrag entfesselte einen brausenden Beifallssturm. Liebenswürdig lächelnd dankte der sieghafte Sänger, mit etwas tieferer Nackenbeuge, als er sie vor gewöhnlichem Publikum zugestand. Der Kompositeur Schubert saß bescheiden hinter seinem Notenpult, die kurzsichtigen Augen dicht auf das Papier gegestet.— gaherrt gr Niemand beachtete ihn, niemand richtete den Beifall an ihn, niemand nannte seinen Namen. Nicht das Lied, sondern die sieghafte Stimme des Sängers war es, die den Bann um die Menschen schlug. Der Sänger, die erste Größe der kaiserlichen Oper, wußte das recht gut: er lächelte selbstbewußt. „Gelt, Schubert— wenn ein Lied auch noch so schön ist,'s gehört doch immer einer dazu, der es schön zu singen weiß,“ meinte wohlwollend der Sänger, als er mit dem etwas verstimmten Kompositeur die Treppe hinunterstieg.„Ohne uns wärs nun doch mal nit zu machen. Das wissen halt die Leut'; und so sind wir eben die Hauptsache.“ Franz Schubert hob das gutmütige, heute etwas ernste Gesicht, und ein seltsames Lächeln trat in seine stumpfen, kurzsichtigen Augen, die auf einmal sich zu beleben und zu strahlen begannen. „Heute vielleicht, Herr Kammersänger. Was tut das? Hundert Jahre weiter, und wenn dann noch einer euern Namen nennt, dann nur deshalb. weil ihr die Lieder vom Franz Schubert habt singen dürfen.“— Es war das einzige Mal, daß Franz Schubert diese Ueberzeugung künftiger Unsterblichkeit aussprach. Sein Gesicht war rot angelaufen, er zitterte ein wenig. aber seine Augen glänzten in überirdischem Feuer. Der Sänger blickte ihn von der Seite an, nickte kurz und stieg mit überlegenem Lächeln in den Wagen, der an der Straße auf ihn wartete, während Franz Schubert durch die milde Abendluft Wiens seinem bescheidenen Junggesellenheim zuwanderte. Die Pußtamelodie Ein Schubertgeschichten von F. Kempf=Elberfeld. Die Dienerschaft von Schloß Zelesz in Oberungarn, voran der Inspektor mit seiner stattlichen Frau, stand an der Auffahrt zum Empfang der Herrschaft bereit, die heute von Wien erwartet wurde. Die Esterhazys verlebten regelmäßig die Sommermonate auf dem Lande. Diesmal wurde man, so hatte die Gräfin geschrieben, noch zwei Gäste mitbringen, von denen aber nur dem einen, dem Grafen Schönstein, ein Gastzimmer im Schlosse herzurichten sei. Den andern, den Musiklehrer der beiden Komtessen, möge die Frau Inspektor wie vor sechs Jahren im Inspektorate unter ihre Obhut nehmen. Endlich rollte der Reisewagen heran. Als der Beschließer den Wagenschlag öffnete, sprang zuerst, munter wie ein Wiesel, die schwarze Komtesse Marie heraus; ihr folgte die blondke, sanfte Schwester Karoline.— Himmel, war die schön geworden!— Dann kam die Gräfin mit Baron Schönstein, und den Schluß machte der Graf selbst. Doch halt, da kletterte ja noch jemand aus dem Dunkel der Kutsche. Richtig, der Musiklehrer! Wie der jetzt etwas unbeholfen mit seinem Gepäck, dessen Schwere, wie sich nachher herausstellte, einzig und allein von dem gro-Fei zen Stoß unbeschriebenen Notenpapiers her=Es rührte, auf der Erde stand da konnte kein Zweifel sein, der kleine Mann mit der hohen Stirn, dem krausen Haar und der großen Brille war wirklich wie im Sommer 1818 der aHerr Kompositeur“ Franz Schubert aus Wien. Nur sehr blaß sah er aus, und die blauen Augen hinter den blanken Gläsern blickten so merkwürdig still, als hätten sie viel Trauriges erfahren. Jeden Morgen begab Schubert sich in das Gutshaus, erteilte schlecht und recht die verlangte Klavierstunde und war dann den ganzen Tag über sein eigener Herr, höchstens, daß man ihn aufforderte, abends im Musiksaal noch etwas zu spielen oder den Baron Schönstein zu begleiten. Im Gleichmaß der Tage kräftigte sich seine Gesundheit, nur ein kleiner Kummer beschlich ihn dann und wann: die Sehnsucht nach den Wiener Freunden. Einmal, an einem Spätnachmittage im Juli, machte er seinen gewohnten Spaziergang. Sein Ziel war eine Gruppe dichtbelaubter Eichen auf einem Hügel jenseits des Dorfes. In ihrem Schatten hatte der alte Dorfgeistliche vor Jahren eine breite Steinbank aufstellen lassen. Hier saß der Künstler gern, die endlose Ebene vor sich, wo nur hin und wieder ein Baum oder Ziehbrunnen die Wiesen und Felder teilte. Seine Seele verlor sich in diese Fernen voll Sehnsucht und Frieden. Im Glanz der scheidenden Sonne waren Männer und Frauen dabei, die letzten Erntewagen mit dem dunklen Gold der Weizenarben zu wölben. Helles Jauchzen schallte über das Stoppelfeld. In ausgelassener Freude schwangen die bronzenen Arme der Schnitter die Garben hoch, und die roten Kopftücher der Mädchen flammten neben den Aehren wie Fackeln der Lust. Da quoll etwas wie Neid im Herzen des einsamen Spaziergängers empor. Jene schwarzhaarigen Ungarn, die in elenden Strohhütten hausten und jahraus, jahrein in mühseligem Tagewerk auf dem Acker fronten, schienen ihm bessere Lebensmeisterer als er zu sein, der in seiner Musik wohl wie der Siegfried in der Sage alle Stimmen der Natur deutete, aber auch immer bewußter spürte wie dunkles Leid alles Irdische beschattet. Diese Erkenntnis machte ihn einsam, und selbst im übermütigen Kreis der Wiener Freunde war er im tiefsten Grunde ein Fremder.— Fröstelnd trat er den Heimweg an. Am Himmel blinkte der Abendstern. In der Ferne glänzten die Fenster des Schlosses. Er dachte an dessen Bewohner, die Esterhuzys. Was war er hier eigentlich? Ein Angestellter, der trotz seiner Kunst am Bediententisch aß und sich freuen konnte, für jede Klavierstunde einen ganzen Gulden zu erhalten. Eine meilenweite Kluft trennte ihn von seinen Gastgebern. Nur eine war da, das fühlte er heimlich beglückt, die über alle Schranken hinweg ihn verstand und den göttlichen Funken in ihm verehrte: Komtesse Karoline. Es bedurfte bei ihr und ihm nicht des armseligen Wortes, den Gleichklang der Seelen zu offenbaren. In zarter, schmerzlich=süßer Verbundenheit fühlten sie aber auch, daß keivon ihnen rücksichtslos die Fesseln gesellschaftlicher Bindung zu sprengen vermochte. Ein halbes Glück nur, so denkt der Schubertfranz, und doch genug, das Leben aufrecht und besserer Dinge gewärtig zu tragen. Seine kurzen Beine schreiten hurtiger dahin. Schon taucht aus der Dämmerung der Dorfkrug empor. Erntetanz! Unter hinreißenden Geigenkländrei zerlumpten Zigeunern braust der tolle Wirbel über die Tenne. Es dauert eine Weile, bis Schubert von der Tür her durch den Staub die Gesichter erkennt. Welch ein Freischen Die Möchen beim Schwtntg barch bieswältichen gab in keinn Rechkomittel. HoffnunLuft. Schier unbekümmert von allem sitzengen sanken, vom harten Wort leichtlich zerin einer Eche die Alten hinter den Gläsern mit blutdunklem Wein. Einer un Soldatenrock, die bunter Schnüre sind längst verdlichen eczählt mit großen Gebärden von kühnen Ritten und schnellen Siegen und Abenteuern in fernen Landen. Der Künstler sieht trunkenen Blickes das fremdartige Bild wit seiner losgelösten, heißblütigen Leidenschaft, und sein Ohr vernimmt die Weisen voll Rhythmus und Lebensgier. Plötzlich berührt jemand seine Schulter:„Ich hab' Dich suchen müssen, Franzl“, redet ihn sein Freund Baron Schönstein an,„die Gräfin läßt Dich bitten, hernach noch etwas Musik zi machen. Wortlos schließt der Tondichter sich dem Gefährten an. Er läßt den andern ruhig plaudern und lauscht nur seinen inneren Stimmen. Es ist fast dunkel geworden, als sie jetzt, in den Gutshof einbiegen. In der Geseküche wird der Erntearbeiter einfaches Nahl bereitet. Durch die offene Tür zieht ein weißer Rauch. Die beiden Wiener bleiben unwillkürlich stehen. Ein großer Kessel hängt über dem Feuer. Die züngelnden Flammen beleuchten in wechselndem Licht das Gesicht einer Magd. Mit der einförmigen Arbeit des Rührens beschäftigt, singt sie leise ein Lied vor sich hin. Die schwermutige Weise dieser Sybille ist wie ein Klageruf, der fragend anhebt, in dunkler Sehnsucht leidenschaftlich anschwillt, dann hoffnungslos hinstirbt und in einem langgezogenen Ruf erlischt. Schubert, der im ersten Augenblick fast mit seinem Schicksal grollen wollte, das ihn bestimmt, immer nur in Türen zu stehen und zu lauschen, wie das Leben ringsum brandet und tobt, fühlt ahnungsvoll den Weihekuß seiner Muse.— Nach ein paar Stunden sitzt Schubert allein in seinem kahlen Stübchen. In fliegender Hast füllt er Bogen um Bogen. Den Baron hat er stehen lassen, und die Herrschaften im Musikzimmer warten an diesem Abend umsonst. Aber nach einigen Tagen bringt er eine Menge beschriebener Notenblätter mit in die Klavierstunde. Mit einer etwas linkischen Verbeugung überreicht er sie Karoline. Sie liest auf dem Titelblatt: Divertissement a la Hongroise, zu vier Händen, opus 54. Am Abend spielen die beiden zusammen die neue Komposition. Alle sind überrascht von der Fülle entzückenver Einfälle und dem sprühenden Glanze des neuen Werkes. Eigentlich ist er doch etwas unheimlich, dieser Franz Schubert, der trotz seines abgetragenen, braunen Rockes solche Dinge schreiben kann. Der Graf flüstert seiner Gattin ins Ohr, und die hört deutlich die Genugtuung heraus, daß die esterhazys sich einen solchen Musiklehrer leisten können:„Wirklich, ein charmantes Quakemolnel“ Am deutlichsten aber spürt Karoline das Flügelrauschen des Genius, sie allein ahnt Schuberts Unsterblichkeit. —.2— Die Musikprüfung Skizze von Kurt Keßler. Der Herr Hofkapellmeister zu Wien hielt wieder eine seiner gefürchteten Musikprüfungen ab. Den weiten Saal beherrschte der lgewaltige allein und unbedingt. Mit steil stürzender Stirn, die Brille hoch in die Nase geschoben, das Haar löwenhaft gemähnt, den in einem Stich endenden Blick drohend auf die Zöglinge gerichtet, versetzte er selbst das Herz der musikalischen Beisitzer in nicht geringe Erregung. Das Examen begann.„Fahren's los! Was können's!“—„Ich kann...“—„Zeigen's, was Sie können!“ Wie ein scheues Kücken tastete das so von vornherein im Glauben an sein Können stark erschütterte Opfer nach der Fiedel, dem Kontrabaß, setzte sich wohl auch mit ängstlich gekrümmten Schultern an das Pianoforte, um mit dem Mut, der aus der Verzweiflung wächst, seine Kunst durch eine trillernde Ka denz oder schicksalsschwere Fuge dem Meister schwerer durchzuführen als eine Besteigung des Stefansturmes von außen her. So hatten auf diese Weise schon neunzehn Prüflinge nach wenigen Takten ihres Spiels den unerbittlichen Ruf„Raus!“, der stets von einem„Furioso“=Griff des Prüfenden in die wirbelnde Mähne begleitet war, hinnehmen brochen. Selbst die Beisitzer waren nicht selten erschüttert ob der Tragik, die so unvermittelt die jungen, strebenden Menschlein packte und sie rauy zurückslief in die Masse derer, die weder Talent noch Genie heraushob aus dem Alltagsstrom. Und mancher von den Prüflingen machte seine Sache doch wahrlich nicht schlecht. Also kam der Zwanzigste an die Reihe. Wieder der beliebte Anfang, der Blicke in abgrundtiefe Felsschlüchte öffnete, in seiner ewigen, Nerven aufpeitschenden Wiederholung:„Was können's!“. Und dazu hatte die Mähne des Gefürchteten noch immer nicht den schon fast sagenhaft gewordenen Höhepunkt ihres Sträubens erreicht. „Was können's!“ donnerte die Stimme zum anderen Male, während ein vernichtender Blick den jungen Burschen traf, der da mit hoher Stirn und hellen Augen am Flügel stand. Der sprach kein Wort, setzte sich und begann zu spielen. Einige schlichte Akkorde klangen auf.... Rauschte nicht die Linde draußen vor dem Fenster? Blühte nicht der Frühling in den kerzenbesteckten Zweigen? Der Frühling mit all' seinem Sehnen und Hoffen, mit seinem dunkelhellen Uhnen? Er hob den Spielenden aus dem engen Raum, entrückte ihn dem irdischen Blick des gefürchteten Hofkapellmeisters. Aus dem Blütenbaum stieg dem Phantasierenden am Flügel ein fernes, wunderfernes Dörflein. Dort.... die Linde.. der plätschernde Brunnen, der seine Silberperlen in die Sonne stäubte... und der Friede, der von den windharfenden Zweigen tropfte. Sacht griffen die schmalen Finger in die Tasten. Akkord schmiegte sich zu Akkord und weckte den Traum der Jugend:„Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.“ Und sieh! Aus den blütenschimmernden Zweigen winkte ein liebes, süßes Mädelgesicht ... tockte...„Geselle, du fändest Ruhe dort.“— Leise, wie der Wind in den Tannen zum Schlafe sich wiegt, verbluteten Klang und Lied Doch noch immer hing der weltverlorene Blick in der alten Linde vor dem Fenster. Im dichten Blättergewirr schlug eine Amsel. Goldene Sonne spielte mit den schmalen Händen des Burschen. „Weiter kann Er nichts, Er Mosjöh?!“ Die rauhe Stimme zerknüllte Traum und Lied. Jäh in die Wirklichkeit gerissen, starrten zwei erschrockene Augen auf den Professor. Wie gespalten waren sie. In ihrer Tiefe aber schimmerte noch der versonnene Klang, abgeklärt, unirdisch, urmächtigster Ausdruck eigensten inneren Erlebens. Für Sekunden bannte den Allgewaltigen der Blick dieser seltsamen Augen, dann aber entschied das harte Wort, fast schon zur Gewohnheit geworden:„Raus!“ Leise klirrte die Tür ins Schloß. War die Sonne aus dem Saal gegangen? Der schluchzende Amselschlag vor dem Fenster starb.— Jahre versanken. Wieder fand eine der gefürchteten Musikprüfungen statt. Und wieder beherrschte der Herr Hofkapellmeister den Saal. Zum dritten Male schon war das Wort „Was können's!“ gefallen, da öffnete sich die Tür, und herein trat Oesterreichs Kaiser, ihm zur Seite ein junger Gesell mit hellen, seltsamen Augen. „Mein lieber Hofkapellmeister!" „Majestät befehlen?“ „Wir möchten Ihrer Musikprüfung ein wenig beiwohnen. Besonders unser berühmter Schubert Franzl...“ Ein Wink. Zwei Blicke trafen sich. Dem Professor toste das Blut im Wirbel. Die Augen Ohne Störung nahm das Examen seinen Verlauf. Nur der gestrenge Herr Examinator schien nicht wie sonst bei der Sache zu sein. Seine gefürchteten Worte blieben des öfteren aus, was noch nie im Bereich der Möglichkeit gelegen hatte. Bis in einer Pause unvermittelt der Franz Schubert sagte:„Majestät erlauben! Gestatten Herr Hoskapellmeister! Ein Liedel möcht' ich Ihnen vorplauschen!" Schon jaß er am Flügel und spielte. Wieder rauschte der Lindenbaum... der Brungegenüber unter Beweis zu stellen. Letztereslnen sang. Durch den sonnenhellen Raum war allerdings nach herkömmlicher Erfahrung schritt Erinnerung, schritten heimliche Worte von verjunkenem Glück. Der Professor trat sacht zur Seite in eine Fensternische. Lauschte dem schlichten Spiel.. aus dem ein Tag vergangener Jahre stieg. Er sah einen Burschen mit seltsamen Augen. Lanigsam und schwer, wie der Blutstrom stockend zu Herzen ihm trieb, dämmerte die müslen. Gegen den Urteilsspruch des Allge=E. kenntnis in ihm auf.. Tos Bed wour zu Erde. Der Komponist erhob sich, trat mit leisem Lächeln zu dem Gefürchteten in der Rische:„Nichao für ungut, Herr Hofkapellmeister! Wissen's noch damals...? S war halt nur der Schubert Franze.“— Der Chronist meldet, daß die Musikprüfungen des Hofkapellmeisters plötzlich einen ganz anderen Charakter angenommen hätten. (9.— Geburfatag Eine Schubertskizze von Franz Mahlke. „Franzl!— Franzl!“ „I hör' schon!“ „Daß D' net verschlafst!“ gemahnt der strenge Herr Vater, wohlbestallter Schullehrer in der Pfarre zu den vierzehn Nothelfern zu Lichtenthal. Er rief es über die Stiege zur Schlafkammer hinauf und ging dann knurrend über die Schwelle in den Hofgarten. Aber Franz Schubert, der Schuladjunkt, hatte in der Giebelstube schon die Feder nach den himmlischen Weisen seines Herzens tanzen lassen, als der Herr Vater noch schnarchend in der wackeligen Bettstatt lag. Die Sonne hob gerade ihren goldenen Rükken aus dem Walde, wuchs und stelzte mit tausend glühenden Beinen in den Tag. Sie blickte in das Kammerfenster des Schulgehilfen und heimlichen Kompositeurs. Jeden Morgen sah sie ihn dort, über Notenblätter geneigt, emsig schreiben. Manchmal summte er leise dazu. Die Lieder flogen wie Tauben ins Land, und in manchen Herzen fanden sie gar treue Nesthut, auch die Melodie vom Heideröslein, die Franz Schubert an jenem Morgen aufflattern ließ. Er stieß einen Flügel des Kammerfensters auf und legte die verschränkten Hände in sein braunes Gelock. Der Duft tausatter Wiesen wogte herein. Da erhob die Lichtenthaler Morgenglocke ihre Stimme. Franz Schubert faltete die Hände und senkte die Stirn. Als der letzte Klang in dem blühenden Apfelbaum am Schulhause ertrank, nahm der Kompositeur das tintenfeuchte Notenblatt und ging die knarrende Stiege hinunter in die Schulstube. Da saß schwatzend das Jungvolk von Lichtenthal. Franz Schuberts sanfte Augen wurden einen Augenblick streng hinter der blanken Brille. Die mausgrauen Rockschöße wippten. „Zenzi, Du hast nix z' lachen!“ Er setzte sich ans Spinett. Das Heideröslein erblühte in seiner herzallerliebsten Frische. „Schaut, wie seine dicken Fingerl über die Tasten laufen. Schaut, wie flinke Mäuse laufen sie.“ Ein Gelächter wie ein Sturzbach fegte die Melodie fort. Der Schuladjunkt stieß den Schemel hinter sich. Die Augen, die eben noch wie brauner Samt leuchteten, sprühten Blitze. Er trudelte sich über die ersten Bänke, und die kleine fleischige Hand fuhr sausend gegen den Kopf der Therese Innozentia Grillhuber: „So fühle auch, wie die Mäuserl beißen können. Innozentia heulte auf und hielt sich das linke Ohr. Franz Schubert lief mit rotem Kopf zur Tür hinaus. Am Nachmittag kam der Sattlermeister Grillhuber in das Schulhaus und beschwecte sich tuchtig über den Schulgehilfen, der seiner Tochter eine so kräftige Ohrfeige gegeben habe, daß sie total taub auf jenem Ohr sei und furchtbar an Backen= und Kopfschmerzen leide. Der Doktor van Swieten der Jüngere habe den Befund aufgenommen: es sei eine leichte Gehirnerschütterung. Ob das Trommelfell oder ein anderer Teil verletzt sei, könne er nicht feststellen. Es sei nur zu wünschen, daß nicht noch Schlimmeres folge. Der Kantor hatte den Ankläger aufmerksam angehört, strich das schüttere Haar im Nacken u. sagte nach einer Weile, er werde dem Bibelspruch Matthiäus 2„Auge um Auge, Zahn um Zahn“ dem Sohn verabreichen, was dieser dem Mädchen appliziert habe. Das befriedigte den erregten Sattlermeister. Sein Gesicht erhellte sich zusehends. Seinem Herzen war wohlgetan, und erhobenen Hauptes wie ein Sieger verließ er das Schulhaus. Vater Schubert entsann sich indessen noch eines anderen Bibelspruches, der die weise Mahnung ausdrückt, daß man nicht im Zorn strafen solle. Er nahm seinen Schnabelstock vom Haken und ging in die Heide. Es war ein sonnüberschütteter Sommertag Die LerB R 5SESSSE. „eee OSSEäSSgO. SSu#. EN S SE-gOESESS ##ce Jol STcSP50ME chen fubilierten und träfelten Freude in sein Herz. Da griff im Schreiten auf einem schmaren Rain die Dornenhand eines Wildrosenbusches nach seinem Rockschoß. Er löste den Zwang ab, blieb ein Weilchen stehen und sah dem Heiderosenstrauch tief in das blühende Herz hinein. Die Sonne schwebte wie eine Ampel über dem Walde, als er heim ging, und sein Herz war voll tiefen Friedens. Franz stand mit hängendem Kopf vor dem Vater, ein Notenblatt in der Hand. Vater Schubert hatte die Hände auf dem Rücken und ging mit zusammengebissenen Lippen in der dämmerigen Stube hin und her. „Hast Dir wohl net überlegt, was D' damit anricht'st?“ fragte er den Sohn. Franz erinnerte den Vater an die eigenen Erfahrungen mit dem faulen und aufsässigen Kinde. „Was hast denn da?“ Franz reichte ihm das Notenblatt. „Spiel's vor!“ Und durch die arme, dämmerdunkle Schullehrerstube wehte der taufrische Atem Gottes. Das unvergängliche Heideröslein erblühte in seiner Morgenschöne. Als der letzte Akkord des Spinetts verschwebt war, sagte der Vater:„Nein, Franzl, i kann Dir keine hauen. Da würde selbst der liebe Heiland erzurnt sein.“ — Wie ein Lied entstand Skizze von Richard Blasius. Es war wie im Märchen.... Tief in Ungarn lag ein Schloß, weit ab vom menschlichen Alltag, am Herzen der wilden Pußta. Dort verlebte der junge Künstler selig verworrene Tage schwermütigen Flückes. Eine Zauberin hielt ihn gefangen. Und der arme, noch unbekannte Künstler träumte das Märchen von dem Sänger, der in eitler Vermessenheit in Liebe zu dem Fürstenkinde aufschaut. Sie war seine erste Schülerin aus der Sphare des Glanzes und Reichtums und sollte auch seine einzige bleiben.—— —— Weiche, laue Frühlingsnacht dämmert über die Heide. Die Moorfrau braut. Gespenstische Nebel qualmen aus dem Moor. Auf feuchten Wiesen weiden Roßherden. Am Reine liegt der braune Csikos, die Hände unter dem Kopfe gefaltet, und starrt in den Himmel. Er lauscht dem Schluchzen der Zigennerfidel, das ein leiser Lufthauch aus der fernen Szallasch herüber trägt. Am Himmel ziehen graue Wolkenheere. Wenn sie zerflattern, fällt weißer Mondschein auf die Erde. Am dunklen Waldrande steht der junge Künstler und schaut in das Nebelbrauen über dem Moore. In seiner Seele erklingen Worte in Rhythmus und Reim. Der gottbegnadete „Alte“ in Weimar streute sie einst aus seinem Füllhorne. In des Künstlers Seele suchen sie sich mit Tonen zu vermählen Bebende Lippen flüstern:„Nachtgeheimnis der wilden Pußta, Du gibst mir, was ich suche.“ Ta kommt es mit dumpfem Dröhnen über das Heidepolster. Der Leithengst drüben hebt den Kopf und spitzt die Ohren. Seine Nüstern schnauben. Blitzschnell springt der Csikos auf und schwingt sich auf des Pferdes Rücken. Da saust ein nächtlicher Märchenspuk heran ein weißes Roß, darauf ein Mädchen. Ein weißer Schleier flattert wie ein fahler Rebelstreif vom federgeschmückten Hute. Vorüber! Der feurige Leithengst sprengt nach, hinter ihm die ganze Herde.— Heidespuk? „Sie!“— Der Künstler hat es erregt geschrieen. Seine Arme breiten sich in Sehnsucht aus und— sinken matt. Er weiß, daß der Alltag kein Märchen reifen läßt. Und das Leben ist der Alltag, auch das des Künstlers. Frost durchschauert ihn. Gesenkten Hauptes schreitet er dem nahen Schlosse zu. Aber in dem einsamen Turmzimmer hält der Feiertag Einzug. Finger gleiten über die Tasten. Tonfolgen suchen und finden sich zu wilder, düstrer Melodie. Das Bild der geheimnisschweren Heidenacht ersteht aus den blingenden Saiten. Der Künstler singt:„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ Fahle Geisterschatten tauchen auf, verdichten sich und schrecken des Kindes angsterfüllte Seele mit tückischem Lockruf. „Siehst, Vater, Du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?" Plötzlich sinkt das nächtliche Grauen zusammen. Von Mondlicht übergossen liegt eine Walowiese. Elfen tanzen ihren Reigen. Die Töne malen lieblichen Maienzauber, flüstern verführendes Liebeslocken. „Meine Töchter führen den nächtlichen Reih'n Und wiegen und tanzen und singen Dich ein.“ Mit fieberheißer Stirn, geküßt" von den Lippen des Genius, mit leuchtenden Augen, aus denen die Begeisterung des Schaffens glänzt, arbeitet der Schöpfer an seinem Werke Die Fülle der Melodie strömt aus unversiegbarem Quell, bis die Vermählung von Ton und Wort ein neues Kunstwerk geboren hat. Hufschläge oröhnen. Die schöne, wilde Reiterin jagt auf schweißtriefendem Rosse in den Hof, auf den der bleiche Mond sein Silberlicht durch zerrissene Wolken wirft.— Und bleich steht der Kunstler am Fenster.„Sie!“ Dann hastet die Feder ungeduldig über das Notenpapier. Frühlicht dämmert über die Heide auf. Die Freude der Vollendung führt dem Schöpfer die Hand, die den Titel schreibt:„Der Erlkönig von Goethe, komponiert von Franz Schubert.“ Der Name der schönen, nächtlichen Reiterin aber steht als Widmung auf der bekannten F=moll Phantasie:„Grafin Esterhazy“. 2— Dae des Johann Michael Vogl Schubertnovelle von Grete Massé. Der Hofopernsänger Johann Michael Vogl. der viele schöne Jahre hindurch in Wien der Liebling des Publikums und der gefeiertste Sänger des Kärntnertortheaters gewesen— der Abgott der Frauen, der umjubelte Gast der beruhmten Musiksalons voll Sangesfreude und feinster Kultur, wie sie zu Lebzeiten Schuberts und Beethovens so zahlreich im alten Oesterreich aufblühten, ward zu Ende seines Lebens ein kränklicher, hämischer, launenhafter und wunderlicher Mann. Es plagten ihn nicht nur die gichtischen Leiden des Körpers — wie sie manchen in hohen Lebensjahren überfallen— sondern auch die gichtischen Leiden der alternden Seele: Grillen, Mißtrauen, Geiz. Herrschsucht und Unverträglichkeit. Er ward des Tags auf den Gassen in Wien kaum mehr erblickt. Nur in der Dunkelheit konnte man manchmal seine dürre, überlange Gestalt, gespenstisch vergrößert durch einen Zylinder, um die Mauern des Theaters geistern sehen, auf dessen Bühne er einst seine Triumphe gefeiert und auf der jetzt die Sänger der jüngeren Generation Beifall einheimsten. Man erzählte sich in Wien im Theater und in den Bürgerhäusern, daß der Johann Michael Vogl immer hinfälliger aussehe und er voraussichtlich diesen rauhen und regnerischen November des Jahres 1840 nicht überleben werde. Er verließ sein Haus in der Alleegasse auf der Wieden garnicht mehr. In seinen kleinen, überheizten Stuben, den dürren Leib in einen Schlafrock von orientalischer Buntheit gewickelt, saß er lauernd in seinem Lehnstuhl, den mageren Geierkopf bald nach links drehend, bald nach rechts, um zu erspähen, was die Magd treibe oder seine Frau Kunigunde, die ihm erst im achtundfünfzigsten Jahre seines Lebens angetraut worden, oder das Kind Cornelie, das— wie man es oft bei Kindern sehr spät geschlossener Ehen beobachten kann— mit seinen schattenhaften Bewegungen und den viel zu nachdenklichen und wissenden Augen im übergroßen, bleichen Kopfe schon verblüht schien, bevor es überhaupt zu einem kümmerlichen Blühen gediehen war.—-Ja, es war in diesem November ein schwe res Zusammenleben mit dem Johann Michae Vogl. Wäre Kunigunde, die Frau, nicht eine se Aailte der Unfriade imn Hause auf der Bie den seinen Platz gehabt. Je wetter der November vorrückte, um so hinfälliger wurde der Kranke. Kunigunde trug sich mit dem Gedanken, die Musikschüler, denen sie Gesangunterricht erteilte, abzubestellen. Aber Johann Michael Vogl gab seine Einwilligung nicht dazu. Er wollte es nicht wahr haben, daß er krank sei. Er sagte, es sei nur der Herbst, der ihn so mitnehme. Der habe steto seiner Stimme Schaden getan und ihm das Gemüt beschwert. Wenn aber erst vom Himmel als Boten die weißen Vögel des Schnees# geflogen kämen, wenn die Bäume in der Alleegasse den weißen Atem des Winters gespürt und da ständen, als wäre jedes Nestlein wie mit Salz bestreut, dann werde er seinen Zylinder nehmen, durch die Stadt promenieren und den Wienern beweisen, daß er noch das Szepter im Hause auf der Wieden nicht aus der Hand gegeben habe und daß er noch lange nicht gewillt sei, dies zu tun, denn die unvernünftige Frau sowohl wie das Kind Cornelie waren noch sehr seines Rates und seiner Führung bedürftig. So läuteten also die Schüler weiter an der Haustür, kamen über die Treppen, lachten im Flur und wisperten in der Stube. Im Nebenzimmer saß der Johann Michael im Schlafrock in seinem Lehnstuhl, eine Pelzdecke über den spitzen Knien. Er horchte ein wenig auf die übenden Singstimmen, die sich aufschwangen, ungeschickt wie kleine Vögel bei den ersten Flugversuchen. Dann und wann erklang unter diesen Stimmen eine, die schon eine längere Schulung verriet. Johann Michael Vogl ließ das Gesumme und Gesinge an seinem Ohre vorüber ziehen wie Meeresbrausen. Es war ihm zumute, als wäre alles dies ganz fern: die Gesangschüler, die Frau, das Kind Cornelie, selbst die vertraute Pfeise an dem Nagel in der Wand und die Bildnisse der Freunde über dem Sofa. Er träumte ein wenig wirr. Wirkliches und Unwirkliches flossen ihm toll durcheinander. Er meinte, auf einer Brücke der Donau zu stehen. Ein Kahn fuhr vorüber. Er trug eine Fracht bunter, kostümierter Menschlein. Die Bühnenfiguren waren es, die so oft neben ihm auf der Bühne des Kärntnertortheaters im Kampf gestanden, gierig nach Erfolg und Beifall. Sie sahen grotesk aus, wie sie da im Tageslicht den Fluß herab fuhren und bald der eine oder andere die Arme hob, als wollte er zwischen Wasser und Wind eine Arie anstimmen oder die Götter anrufen. Dann war plötzlich die Donau nicht mehr da, auch keine Brücke. Er befand sich in einer jener uralten Gassen. die in der Dämmerung wie gespenstisch wirken durch den Hauch der Vergangenheit, der ihre Mauern umdüstert. Ein Wirtshausschild mit einem verblichenen Stadtbild klirrte trübe im heftig zerrenden Winde. Durch ein Fenster sah er hinein in eine erleuchtete Schenkstube. Dort saßen in einer Nische an einem hölzernen Tische zwei Männer. Der eine, mit der Brille im vollen, geröteten Gesicht, war sein Freund, der Tonkünstler Franz Schubert, desen Lieder er, der Johann Michael Vogl, so lange in Konzerten und Privatzirkeln gesungen, bis die Wiener begriffen, daß einer der Söhne ihrer Stadt dem deutschen Lied bis in die tiefste Brust gehorcht und ihm die Seele heraus genommen, um sie schöner wieder zu geben in seinen Gesängen. Dem andern im wollenen, abgetragenen Rocke, wallte eine weiß starrende Mähne buschigen Haupthaares um ein dunkles Gesicht voll Blatternarben. Unter der Stirne, hoch und wunderbar gewölbt, standen die einsamen Augen eines Menschen, der viel gelitten hat. „Merkwürdig!" dachte der Johann Michael Vogl,„nun sitzen sie da bei einander beim Wein und haben sich doch im Leben nie leibgräch gscerd gestanden. Der Schubert nicht zum Beéthoven und der Beethoven nicht zum Schubert...“ Aus der Wirtsstube heraus kam Gesang auf die uralte Gasse geweht. „—— manch bunte Blumen sind an dem Strand, meine Mutter hat manch gülden Gewand Dem alten Johann Nichael Vogl drangen die Töne durch Mark und Bein. ErlkönigLied? Sein Lieblingslied, das ihm Triumph eingetragen, wo er es auch gesungen. Die Starre, die den Träumer umsangen hielt, fiel von ihm ab. Sein Auge blickte mit Bewußtsein um sich. Ach, er war in seinem Hause auf der Wieden, und Erlkönigs Lies