WVolldertehnie von Franz Friedr. Oberhauser. Es gibt Schauspiele in der Natur, die sich ssene Stunde in meinem Walde, als das silderne Glockengeläute der Quelle, die eines Tages plötzlich neben mir aus der Erde sprang und deren Geburt ich niemals vergessen werde; die Quelle singt manchmal leise und verhalten und dann wieder laut und in übermütiger Lust daß ichs bis in meine Träume höre. Dazu hämmern die Spechte an den Fichten und Tannen, bis aus den Löchern das Harz fließt, klar und golden. Eichkätzchen werfen rer geknabberte Lannenzapfen aus den windumsungenen Hohen der Wipfel. Der Reigen der Schmetterlinge über den geneigten blauen, zackigen Kronen des Enzians ist müde geworden; Libellen läuten in den milden Tag. Neben mir im Jägerhaus wohnt ein Mädchen. Ich sehe es, wenn ich frühmorgens von einer Wanderung wiederkehre und unter den funkelnden, tauigen Bäumen stehen bleibe. Dann sehe ich das Mädchen am offenen Fenster die glanzvollen, langen Haare flechten und dem frühen Orchester in den Brombeerbüschen lauschen oder ich höre es halblaut ein einfaches, ländliches Lied singen. Im Waldhause wohnt auch ein junger Mann, icht mit den ForstburMann Erlebnis, als ein beständig neues Abenteuer. Zwischen diesen beiden Menschen, dem singenden Mädchen mit dem glanzvollen Haare und dem jungen Manne entspann sich eine keusche, verborgene, zarte Liebe. Es gibt Schaufpiele im menschlichen Leben, die sich ewig wiederholen und doch so verschieden sind. Die Liebe zwischen diesen beiden Menschen war wie eine zarte Melodie. Sie fing an wie ein seltsames Erlebnis, wie ein Abenteuer, dem gegenüber jedes reine Herz ratlos steht. Sie wetter als solch ein Erlebnis. Beide wisdavon, sie reden aber nicht darüber und es wie ein glückhaftes Märchen brannte ein Abendgewitter auf. war die Erde rot, wie von schweren, Tüchern verhangen. Die Wälder in scheuer Angst. Die Bäume, in helGedauten Von Richard von Schaukal. Witz ohne Geist blingt heiser. Geist ist der Zustand des Geistvollen; er darf nicht mit der wiederholten Geistanwandlung des Geistreichen verwechselt werden. Gib dich im Geistigen nie mit Kleinigkeiten ab. Das Gedächtnis ist ein Verräter; denn Erinnerung ist fortgesetztes Interesse. Ist unsere Zeit wirklich krank? Mit nichten; aber die ungesunden sind obenauf und im Vordergrunde, mit einem Worte: losgelassen. Ringsum standen die Wälder. Traumhaft, tief und verworren. Ferne schimmerte das Land. Ein Schuß fiel im Walde, rollte langatmig durch den Tann, hallte von den Bergen drüben wider. Ueber dem Regenbogen, der sich in unendlicher Weite entfaltet hatte, wiegte sich übermütig und ein wenig berauscht ein klarer Mond wie ein silberflüssiger Schlittschuhläufer, und der Abenstern kam aus den weißen, duftigen Wolkenwiegen gefallen und blitzte über dem verlöschenden Regenbogen. Das Gewitter grollte noch einmal in der Ferne; dann erlosch das Farbenspiel. Die zwei Menschenkinder schritten rascher, kaum sprechend, den Weg bergab, dem Waldhause zu. Einsam schwang der Abendstern, seligem Traum zulächelnd, über dem stillen Lande.. —(2— Das Glülck Skizze von Carl de Riz. Zärtlich nickte er seiner jungen Frau zu, die sich in der Tür mit einem liebevollen Lächeln ihm zuwandte. Rührend war die hoflen Reihen geordnet, hüllten sich in dunkelblaue Mäntel. Nebelsetzen flogen über Talwiesen, von Abendfackeln durchleuchtet: alles prangte rot und glühte. Frühe Nacht verlöschte das seltsame rote Leuchten, drückte die Sonne mit Gewalt hinter schwarzes Gewölk. Aus den Waldseen stiegen Regennebel, flochten die Wälder ein, bis nichts mehr da war als ein weißes, mattsilbernes Meer ein sanftes blauschimmerndes Glühen und Leuchten. Manchmal zerriß der Himmel, ein Spalt öffnete sich, daraus floß wie schweres gemartertes Blut rotes Licht, wie an jenem Tage, da Petrus über verworrene Sturmfelder schritt... Dann flossen endlich, erlösend, die ersten funhelnden Silbervorhänge schwertropfigen Regens, klar und schön geordnet, in weit ausholenden Schwüngen.„ D. Barbz, Der Himmel wurde heller. Die Vorhänge des Regens wanderten rauschend über die Erde und tief bewegt glühte sie in das blauverhüllte Land. Die Bäume hoben sich wieder, weiße Nebelbänder verwehten, die Forste atmeten, und zaghaft schwang sich der Himmel nieder... Um diese Zeit waren die zwei jungen Mensechn im Walde. Sie saßen in einer halbzerfallenen Holzhütte, über die das Gewitter böse und peitschend schlich. Die Bäume lärmten, die Gebüsche der nahen Lichtung schlugen auf die Erde. Nichts störte die Jugend der beiden. Sie fanden sich, kaum ahnend, nicht bebend, und doch vom Glück beschwingt, zum ersten Dann kam ein Augenblick tiefen SchweiDer Sturm tobte, die Regenschauer schlugen an das Holz, Waldtiere flohen entsetzt tiefer in den Forst. Geängstigt sah das Mädchen den Geliebten an; aber der junge Mann fuhr ihr nur ganz leicht über das vom Regen nasse Haar. Dann waren beide froh und vergaßen die Welt, den Sturm, den Klang der fallenden Noch spielte die Sonne, als die beiden heimwärts gingen. Sie standen in einem aufblühenden, abendlichen Regenbogen. Faßten sich enger an den Armen; der Regenbogen wurde heller, als wollte er beide hochgeschwungen, fende Unbeholfenheit der einst so zarten, schlanken Gestalt, fein wie ein Gemälde auf Porzellan das etwas blasse Gesichtchen mit umschatteten, tiefdunklen Augen. Er lehnte sich in den Korvsessel zurück und zündete eine Zigarre an. Die Nachmittagssonne stahl sich durch das aufleuchtende Grün, huschte über den Tisch und das blumige Kaffeeschirr und zeichnete lustige Fleche auf die sen der kleinen Gartenterrasse. Die blauen Rauchringe fingen Lichtbündel ein; wohlige Ruhe und ein sommerliches Summen lagen in der Luft. Hillger schloß die Augen, ihm war wohl ums Herz, er fühlte sich restlos zufrieden und glücklich. Schwer hatte das Leben ihn einst angepackt. Seine Eltern, arme, brave Tischlersleute, gaben ihr Letztes dahin. Trotzdem konnte er nur mit eiserner Energie mit Hungern, Frieren und Stundengeben seine Studien beenden. Am lärgsten war es, als die lieben, alten Leute die Augen für immer schlossen. Wie zu einem unerreichbaren Stern blickte er damals zu Erna, der schönen Tochter des Forstrats, auf. Kaum träumen durfte der arme Student von solchem Glück. Heute saß er wirklich im„Doktorhäuschen“ (so nannte man die kleine Villa des Gemeindearztes), Erna war die Seinige, sein Alles, sein Heiligstes. Bald, in wenigen Wochen würden sie zu Dritt sein; die Lebensarbeit hatte Ziel und Zweck, das Glück schüttete sein Füllhorn über ihm aus. Nebenan schrillte das Telephon.„Herr DokEr zitterte vor Ungebulb bis zum Entreffer Doktor Bollmanns, da er ohne geschulte stenz unmöglich den schweren Eingriff wagen konnte. Endlich hörte er das Rattern eines Motorrades. Nur wenige Worte wurden gewechselt, alle Vorbereitungen waren getroffen, mit Mühe konnte man die Eltern Alfreds aus dem Zimmer bringen. Eine der schlimmsten Stunden ihres Lebens brach an, und sie mußten in qualvoller Untätigkeit warten.— „Herr Doktor, Ihre Haushälterin ist am Telephon— es scheint etwas passiert zu sein—“, meldete aufgeregt ein Stubenmädchen. Anton erschrak. Erna— um Gottes Willen— er stürzte dem Mädchen nach—. etwas Furchtbares— die gnädige Frau —* Anton fühlte sein Herz zucken,„über die Gartenstufen gestrauchelt, gestürzt— ein Schrei — ohnmächtig— ich fand sie im Blute schwimmend— kommen Sie sofort, lieber Herr Doktor.“ Ein Aufschluchzen, das Gespräch war unterbrochen. Anton starrte wie im Wahnsinn vor sich hin, den Hörer noch krampfhaft in der Faust. Langsam wurde es klar, niederschmetternd klar. Erna— ein Blutsturz— höchste Lebensgefahr er mußte fort, fort. Eine Tür ging auf und Doktor Bollmann rief nach ihm, erschrak beim Anblick des Kollegen:„Was—?“ fort, ich muß nach Hause, sofort, meine Erna— mein Kind—.“ „Und hier? Auhof? Ich kann unmöglich allein operieren; der Kranke ist dem sicheren Tode, binnen wenigen Stunden unbedingt dem Tode preisgegeben. Verzweifelt packte Anton den andern an den Schultern und schrie ihm ganz nah ins Gesicht: „Erna, wissen Sie, was mir Erna ist? Vielleicht stirbt sie jetzt, vielleicht seh' ich sie nie wieder — alles, alles war umsonst—. „Vielleicht— Herr Kollege— vielleicht! Hier, da drinnen ist es aber sicher— ich kann Sie ja nicht mit Gewalt halten. Ich begreife alles. Aber bedenken Sie— hier Ihr Freund — sicherer Tod—. Antons Arme fielen schlaff herab. Ein todtrauriger Blick, der Blick des gehetzten Wildes traf den Sprecher. Mit unmenschlicher Anstrengung hielt er sich aufrecht, sein Mund stammelte automatisch den geliebten Namen. Wie ein Schlafwandler, wie ein Betrunkener wankte er zum Fernsprecher zurück. Abgehackt, mit einer Zunge wie aus Blei, verlangte er dringende Verbindung mit der großen Kreisstadt. „Professor Glany— Doktor Hillger— um alles in der Welt, Herr Professor— ich habe einen Sterbenden unter dem Messer— meine Frau— sieben Monate— gestürzt— Blutungen— ich flehe Sie an— in einer Stunde kann ihr Auto die achtzig Kilometer bewältigen— ich danke, danke—. Doktor Bollmann mußte ihn stützen:„Herr Kollege, können wir—? Oder, sind Sie doch zu zittrig—?“ Wie mitleidige Ironie klang er In Antons Gesicht trat ein harter, scharfer Zug, er straffte alle Muskeln. Der Blick bohrte sich fremd und wie durch Glas sehend auf den Arzt. Dann schritt Hillger stumm an ihm vorbei ins Krankenzimmer. Instrumente klirrten. Weiche Stoffe, Bandagen. Aetherluft. Antons Hände waren sicher wie eine Präzisionsmaschine; sein Auge blickte hart, fremd, kalt. Ueber eine Stunde— wenige Worte— Anton packte seine Instrumente, reichte stumm dem Kollegen die Hand.„Alfred wird leben.“ — Jede Antwort war unmöglich. Er stand beim Wagen. Mit einer Handbewegung zwang er den Kutscher vom Platze und ergriff die Zügel. Fremd, kalt sah er in die Ferne— hieb tor werden dringend von Gut Auhof verlangt“[blutige Striemen auf die rasenden Pferde. GeDie alte Resi glättete die Schürze und blieblspenstisch jagten Bäume und Sträucher vorim Bewußtsein ihrer alten Rechte ruhig neben Anton stehen, als er den Hörer nahm. Sein Gesicht wurde immer ernster. Etwas hastig schloß er:„— gewiß, ich breche sofort i=lauf, in spätestens fünfzig Minuten=bin ich da — bitte inzwischen Doktor Bollmann in Kranstadt ebenfalls zu verständigen.“ „Herr Alfred von Auhof ist plötzlich schwer erkrankt. Bitte, bestellen Sie meiner Frau, if mich daß sie nicht auf mich warten soll. Allem Anschein nach handelt es sich um eine gefährliche Unterleibsgeschichte—. Anspannen! In fünf Minuten bin ich mit dem Besteckkoffer unten.“— Auhof traf er in hellem Aufruhr. Alfred, ein Schulkamerad Hillgers krümmte sich unter den furchtbarsten Schmerzen. und Anton konnte feststellen, daß es auf Leben und Tod ging, heller, als wollte er beide hochgeschwungen, daß sofort eine Operation vorgenommen werlächelnd und begnadet vereinen und segnen. den mußte, wenn es nicht schon zu spät war. bei. Der Wagen schleuderte über die ganze Straßenbreite. Antons Peitsche pflügte die armen Rücken. In der Toreinfahrt streifte ein Pferd den Pfeiler, stürzte, die Deichsel brach. Wüstes Durcheinander. Anton sprang vom Wagen— die Treppe hinauf—. „Lieber Hillger, ich gratuliere— etwas früh und zart— aber ein Junge— alles lebt und wird leben— Sie haben Unmenschliches geleistet—.“ Der Professor stockte. Anton nickte nur und ging mit steifen, schweren Schritten in Ernas Zimmer. Ihre Augen suchten ihn.„Anton, was mußt Du gelitten haben——.“ Da schloß er wieder leise die Tür und sank auf der Schwelle nieder. „Das Glück— ich ertrag's nicht——.“ Verantwortsich: H. Semmelmann, Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. SU EDSs Ss Sei Nr. 33 18. August 1928 Drei Worte aus Skizze von Max Geißler. Wälder rauschten um den Fluß. Auf de Bergen ragten die Reste von Burgen. Ur wenn der Oststurm in den Nächten das T durchdröhnte— von der Nordsee her— od der Weststurm von der Irischen See herüber, dann schlugen diese wilden Sänger um Schrofund Forsten ein Lied wie Schwertgeklirr und Wogenprall. Im Tale des Tweed und auf den Heiden, die im Norden liegen, hatte vor Zeiten Heer wider Heer gestanden. Da war gegen die Iren gekämpft worden in hundert Schlachren; oder die Dänen waren ins Land gefallen unter Sven Kragebeen, unter Grymme Borkenbart oder unter Harald Blauzahn, der wie ein Eichbaum im Bügel stand. Wenn wilde Nächte das Tal durchdonnerten, dann war’s, als ritten die alten Recken aus ihren Gräbern und ließen wieder blasen zum Sturm.— Herr Walter lauschte diesen Weisen gerne. Er hatte in jenem Tal ein Haus, das war in Efeu gewoben, von Angern umschwungen und in Wälder gebettet. Einst war dies Haus Abbotsford ein Holzbauernhöflein gewesen; nun Mannes, der Vergangenheiten reden hörte im Rauschen der Rottannen und dem die Brunnen der Wälder Geheimnisse verrieten, die den Menschen gemeinhin verborgen bleiben. Herr Walter aber enträtselte ihre Sprache. Eines Morgens saß er am Steintisch vor dem Hause in der Sonne. Da strich seine Tochter Daisy an ihm vorüber, hinaus auf die Au; denn sie wollte Väterchens Träume nicht stören. Sie war ein schlankes blondes Mädchen, Augen und Herz voller Frühling. Herr Walter aber hatte diesmal nicht geträumt— er hatte gerechnet. Nun erhob er sich, legte den Arm in den seiner Tochter, ging mit ihr über den Anger und sagte:„Ich habe jeder Deiner Schwestern eine Mitgift von 4000 Pfund Sterling gegeben, liebe kleine Daisy.“—„Ja, Väterchen.“ Das klang so behutsam, als habe Herr Walter schon nötig, am Krückstock zu staben; er aber zählte kaum 52 Jahre.—„Und nun, da Du an der Reihe bist, müßtest Du die gleiche Summe bekommen mein Kind.“—„Du sprachst einmal davon, Väterchen.“—„Also wird es so werden— falls es Dein Wunsch ist.“ Das Mädchen dachte: warum soll es denn nicht mein Wunsch sein?—„Nur“, sagte Herr Walter,„ich habe das merkwürdige Gefühl, als dürfe ich das Geld jetzt nicht aus der Bank nehmen. Man ist doch Teilhaber am Geschäft, weißt Du...“ Es klang, als taste er sich mit seinen Worten durch eine Finsternis.„Ach, wie ist mir denn? Mir ist, als hänge etwas in der Luft...“ Er reckte sich, um sich von einem Drucke zu befreien. Durch die Augen Daisys flog ein Schatten; sie warf einen Blick gegen den Himmel, aber der Himmel war blank. Wenn Herr Walter solch ein Vorgefühl hatte, dann kam das nicht aus einer Stimmung, die der Wind heran trug und wieder verwehte. Was war das mit ihm? Er pflegte sonst nicht so tastend zu sprechen. Deshalb ward ihr wohl bange. Da sagte er:„Ich habe heute morgen meinen neuen Roman zu Ende geführt.“— „Hurra,„Quentin Durward“ ist fertig?“— „Ja, mein Kind“, Herr Walter wies seine Rechnung von vorhin auf.„und nun sollst Du hingehen und ihn lesen. Gefällt er Dir, so bringst Du ihn zum Verleger: ich schenk ihn Dir, und das Honorar soll Deine Mitgift sein.“ Darüber ward ihr junges Herz wieder voll Sonne. Beflügelt eilte sie ins Turmzimmer, wo der Efeu um die Fenstersteine spann, und begann zu lesen. Sie zwang ihre Ungeduld durch die schleppende Breite des Anfangs und dachte:„Es ist zum Verzweifeln— auch diesmal! Man könnte meinen: soll einer für solch ein Schreibwerk über alte Herren einen Schilling bezahlen? Aber man kennt Väterchen: er bläst das Feuer in aller Gemächlichkeit an und Lang ist's der Von Rudolf Herzog. Nachtschatten seine Flügel spannt. Die Träume wachen fast allein. Im kleinen Haus am Straßenrand Singt eine Frau ihr Kindlein ein. Sie singt und wandert immerzu, Ihr Auge ist von Tränen schwer. Wo bleibst du? Es ist Abendruh'. Lang ist es her, lang ist es her. Die Lindenwipfel rauschen sacht. Kühl geht der Wind. Ich lausche bang. Was ist es, das mich traurig macht? Woher das Lied? Woher der Klang? Grüßt mich die ferne Jugendzeit. Steht Liebe auf aus ihrem Grab, Die mir so oft voll Seligkeit Das Lied mit in den Schlummer gab? Daß es im Lebenssturm mir blieb Ein Mahner an verlornes Glück—? Die Mutter sang's.— O Mutterlieb', O kurzer Frühlingssonnenblick! Die Glocken künden nächt'ge Stund'. Die Welt ist still, der Wald ist leer. Leis singt ein blasser Frauenmund: „Lang ist es her, lang ist es her.“ Es schallt ihr Schritt, ihr Lied, es tönt, Unsagbar faßt mich an der Schmerz, Und in der Brust, die sturmgewöhnt, Spür' ich das weiche Kinderherz. Und in dem Herzen sammelt es Sich an wie Sehnsucht nach dem Glück, Und: Mutter, Mutter! stammelt es, Und: Mutter, Mutter! klingt's zurück.. Iu una lagen? Euch sagen, oaß ich truch alles be„Nennst Du Gerechtigheit Dummheit? Und wag willt Du uns sagenf. #ac „Hrt, hört! Weißt Du auch, daß Du in dieser Stunde eine Schuld hast, die 120 000 Pfund Sterling übersteigt?“ „Ich habe das rascher errechnet als Ihr, meine Freunde! Ich bin Euch nach dem Gesetze nicht verpflichtet, aber ich bin es nach meinem Gewissen! So laßt mir diese Klause am Tweed, und ich verspreche Euch, ich bezahle Euch im Laufe der nächsten fünf Jahre.“ „Was sagt erk Bezahlen will er uns! 120 000 Pfund? Wäre das Dichten ein besseres Geschäft als das Bankhalten? Willst Du uns mit Worten abspeisen?“ „Nein, mit Taten!“ Sein Wort klang wie guter Stahl. Und als sie ihm in die Augen sahen, fragten sie:„Bei Gott, kann solch ein Auge lügen? und trafen eine Abmachung mit ihm nach seinem Willen. Da blieb er— ein Einsiedler— im Haus am fluß. Er hörte die Stürme draußen in den Nächten und enträtselte, was die Brunnen im Walde sprachen von schlafenden Vergangenheiten. Fünf Jahre verlor er die Welt aus dem Gesicht. Und als er den letzten Tausender auf den Tisch seiner Gläubiger drückte, da hatte er den Völkern der Erde ein Werk geschaffen, das Jahrhunderte überdauerte. Bald darauf starb er. Er hatte sich zu Tode geschrieben. Drei Worte aus Gold standen auf seinem Grabstein. Sir Walter Scott. bläst es zu einem Brande, den die Welt mit berückten Augen anstaunt!" Also dachte sie, sammelte all ihre Sinne auf, und dann ermaß sie die Kraft, die in„Quentin Durward" den Kampf Ludwigs XI. mit Karl dem Kühnen von Burgund gestaltet hatte zu einem Zeitbilde, wie es nie zuvor in ein Dichtwerk gebannt worden war! Freilich, daß Väterchen mit seinem Werk aus dem Efeuhaus zum Schöpfer des historischen Romans wurde, das erkannte sie nicht. Das aber erkannte der Verleger; denn er zahlte ihr für„Quentin Durward" 4800 Pfund Sterling. Es dauerte nicht gar lange, da entlud sich das Wetter, das Herr Walter hinter den Wäldern geahnt hatte: das Bankhaus, dessen Teilhaber er war, brach zusammen; im gleichen Monate auch sein Verleger! Traum und Stille flohen vom Herdfeuer im Haus am Tweed. Das Rattern von Wagen zerbrach Herrn Walters Waldheimlichkeit. Hartnäckige Gläubiger schlugen an sein Tor.„Bildest Du Dir ein, Du könntest hier dichten und träumen und hast uns zu Grunde gerichtet? Der eine Deiner Gesellschafter von der Bank ist geflohen, der andere hat sich gehenkt. Dir aber wollen wir das Haus nehmen und den Wald und wollen Deine Feuer auslöschen! So sollst Du uns aufkommen für unseren Schaden mit dem, was Du hast. Es reicht nicht, o, es reicht nicht, und...“ „Wäre obendrein eine Dummheit!“ sagte der Mann im Haus am Tweed. Der Erntekranz Stizze von Albert Liebold=Leipzig. Morgen, am Erntedankfeste, feiert der Bauer Franz Kahnes seinen achtzigsten Geburtstag, Er kann glücklich und froh sein. Sein ganzes, langes Leben war erfüllt von Gnade. Segen wuchs aus allem, was er tat. Größer als sonst ist daher der Erntekranz, den er heute als Dankopfer in die Kirche trägt und dort am gewohnten Platze neben dem Altarbilde aufhängen will. Es ist spät geworden, und der Gedanbe, der Küster könnte die Kirche schon geschlossen haben, treibt den Bauer zu doppelter Eile an. Wieder lockt ihn die Versuchung wie manchmal schon, den wesentlich kürzeren Fußweg quer über die Hauswiese seines Nachbars Thomas zu nehmen. Aber seit jenem Grenzstreit vor vielen Jahren, den das Gericht zu des Nachbarn Ungunsten entschieden hatte, sind sie einander bitter feind, und alle Versuche Dritter, eine Versöhnung zwischen ihnen herbeizuführen, sind an der Dickköpfigkeit und dem tiefen Haß des abgewiesenen Thomas gescheitert. Noch steht das Hauptportal weit geöffnet, auch die Tür zum Mittelschiff ist nur angelehnt. Da scheint also noch jemand im Gotteshause zu weilen. Mühsam schleppt der Bauer sich die schmale, gewundene Holztreppe zur Altarempore hinauf, um dort den schweren Kranz an seinen Platz zu hängen, wo ihn morgen alle sehen und bewundern können als den schönsten in der Runde. Aber— aber, ein schwerer Kranz hängt da schon, den er nicht kennt! Es muß ein Versehen vorliegen. Das da ist sein Platz von jeher gewesen. Er hat ein Recht darauf, das ihm bis heute niemand streitig machte! Und er greist nach dem fremden Kranze. Da knackt es im Gestühl. „Laß den Kranz hängen, Kahnes!" Ein Schreck fährt ihm in die Knie. Er sieht zur Seite: Kaum drei Schritte von ihm entfernt, steht im Dämmerdunkel sein Nachba## bleiben. Dao Gotteshaug ist nicht der Det, zu Inbisiblos— fmel auf Fensterscheiben. Er knistert und IR Deamal., Der Glescher ziseg, W2 Peist ung, Heiter) Tiese, soihe Löcher Hohren sch in den Gasmeins“ Vori:„ös Biesm jstimmernden Frügicht wie emn ungehenrersharten boden, die Eisvege znacht mit heuem Der Alte fühlt halten Schweiß auf der Stirn.[Spiegel und wirft uns tausend funkelnde Zirpen wie unter dem Pickel. Seine welken Lippen zittern. Er sucht nach den Strahlenbündel entgegen. die schmerzhaft bien=] Doktor Goll erfaßt es urplötzlich. rechten Porten. 1den...„Die Berggester, höre ich ihn langsam so„Thomas, Du wirst mir doch mein Recht“] So stehen wir, gegen die grausame Hellesgen, und die Worte gehen, als kämen sie mükämpfend, vor dem dunkel gähnenden Eingangsde aus weiter Ferne, tonlos und unsicher an dem alten Monne die Rede verschlägt.„Deinsder riesigen Eishöhle, in der wir vor zwei Tazimir vorüber.„Sie schießen mit unsichtbaren Recht— Dein Recht! Wer gab Dir's? Steht essgen, als wir noch über ein Dutzend indianischer Pfeilen.“ hast D: Hir's, Träger verfügten. In der vorletzten Nacht] Grauen packt nach mir. Doktor Goll beugt diegmal nahrgest lsind sie alle entlaufen, hinab in den tropischensich und faßt über einem der Spitzen Löcher wie ich mir 2 diesmat nehme:[Urwald, der undurchdringlich den Fuß des zu, anscheinend in die leere Luft nur; er greist „Thomas!“. Er spricht den Namen aus wie Sarota=Massivs umschlingt. Alle— Napoassetwas, das ich nicht sehen kann, und reicht es Anschrei gegen eine Kränkung, aber der an=vom Amazonas, Kampos aus Peru, selbst die mir. Da fühle ich das Unsichtbare, einen dündere läßt ihn nicht aufkommen...„sstolzen Ketschua, die doch im Hochland aufge=nen Stab, den typischen Indianerpfeil. „Weißt Du, daß heute ein Jubiläum ist? wachsen sind— fürchten die Dämonen in denffühle ihn, aber ich... sehe ihn nicht. Gerade heute vor fünfundzwanzig Jahren, da schneebedeckten Schluchten, in den ragenden!„Komare!" schreit Doktor Goll. Mir ist es, gaben sie Dir recht! Es hat mich schwer ge=Firnen des Illampu. sals erwache ich. Der Indio steht wie erstarrt troffen damals, daß ich darüber sogar Gott]„Du hast recht,“ sagte Doktor Goll nebenda draußen. Rings um ihn klirrt es, zerschellt alljährlich das Dankopfer verweigert habe seit mir und läßt das Fernglas sinken,„er ist es. der blinkende Spiegel. Komare, wie ein jener Zeit!"[Komare kommt zurück." Schlafwandler, tut einen zaghaften Schritt, „Thomas sei vernünftig, es sind dä noch vie=! Komare, der Aimara=Indianer, der allein wendet sich dann gegen den Gletscher und bele schöne Plätze!“.(bisher sich als zuverlässig erwiesen hat, ist diesginnt zu laufen, zu ihnen, die dort irgendwo „[Nacht über trotz Sturm und grimmiger Kältessein müssen, unsichtbar, die ihre Pfeile hierher „n den Windein, Io... sdraußen gewesen. Er schläft nie im Lager.sschicken in hohem Bogen, daß sie falten wie Da hilft kein Reden mehr, denkt der Bauer, Längst sind wir daran gewöhnt. Mit den In=Fliegerpfeile.„ hebt seinen schweren Kranz über die Brüstung dios sprach Komare nur das Nötigste, über ihre Ein Schrei! Das Blut stockt mir. und hängt ihn über den seines Feindes. Dem Gespensterfurcht lachte er, auf seiner Brust]„Madre de Dios! Los Invisiblos!“ Dann steigt alles Blut ins Gesicht. Er poltert heran, hängt ein kleines silbernes Kreuz... sbricht der Indio zusammen. Ein verirrter und ehe der alte Mann es verhindern kann,] Komare also hat uns nicht verlassen. Er Giftpfeil traf ihn wohl. Sein letztes Wort: die fällt sein Kranz hinab auf die Steinfliesen des lkommt zurück und wird uns berichten, ob ders Unsichtbaren! Geister? Gespenster des Altarplatzes.[Gletscher mit unseren Hilfsmitteln zu über=slampu? Oder die sagenhaften Indianer, die sich Der Bauer muß sich am Gestühl festhalten, winden ist, ob Aussicht besteht, den Grat zu er=unsichtbar machen können? Doktor Goll reibt ihm plötzlich alle Glieder gewor=reichen. Noch nie vor uns betrat eines Weißensden Pfeil, den er aus dem Boden zog, mit den. Sein Kranz! Sein Dankopfer! Ihm Fuß diese unendliche Einsamkeit der Kordille=seinem Tuch ab: ein Indianerpfeil wie tausend ist, als wäre er selbst die Brüstung hinab ge von Bolivien; alle Versuche, den Bergriesenlandere, die Spitze grünmetallisch schimmernd: stürzt und läge mit zerschlagenem Körper auf Illampu zu bezwingen, sind erfolglos geblie=Gift, das, nadespitzenfein, den Jaguar im den kalten Steinen. sben.— Noch ist sein Geheimnis ungelöst.[Sprung tötet.— G Nach einer Weile tastet er sich schweigend] Der Indio steht vor uns, beide Hände um Das Geheimnis des Illampu, das Geheimdavon. In ihm ist ein großer Schmerz, der die alte Flinte geklammert, die ich ihm ge= nis der Invisiblos blieb uns verborgen. Wir enken völlig verwirrt. sschenkt habe. Sein olivenfarbiges Gesicht istserklommen den Gipfel des weißen Riesen enden dourg berwirrt. lfinster, von tiefen Falten, furchsurcht. Seinfnicht, denn das Schwirren der Preite biev um Andern Tages ist es seinen Leuten unde=Blick, sonst offen und freundlich, sah uns, unterluns. i 16 Ste. greiflich, daß der Großvater nicht aufstehen halb geschlossenen Lieder hervorstechend, bei= Eins rettete uns, die unerklärliche Tatsache, will. Seine Reden klingen wunderlich und nahe drohend an. daß die Geschosse ausschließlich senkrecht von freud. über er duldet nicht, daß um seinet:]„Wo ist sein Kreuz?“ fragt Doktor Goll leisesoben kamen; die Unsichtbaren schienen den willen eine den Erntedankgottesdienst ver in deutscher Sprache, die Komare nicht verstehtzsdirekten Schuß nicht zu kennen. schumt, und schickt sie alle fort. ljetzt sehe auch ich, daß an Stelle des Silber=] Aus den Behältern unserer Instrumente bauim Hause, ganz still. schmuckes ein Affenzahn hängt. sten wir metallene Schutzschilde, unter denen Fenster scheint freundlich die Sommer=„Bist Du krank?" Doktor Golls Stimme ist wir bergab stiegen. kanmne und legt ihr Licht über das große Bildshart und kalt. Aber bis zur Schneegrenze pochten die Pfeile seiner heimgegangenen Frau. Ab und zu tau:] Ohne Gruß murrt Komare dumpf:„Wilsder Invisiblos über unseren Köpfen, ein quömelt vor den Fenstern ein bunter Schmetter=müssen umkehren, Sennores.„Höher hinausslender, gespenstischer Regen. eng..„„ ldürfen wir nicht. Die Berggeister leiden es Die Glocken klingen. Da legt er die welken Hände orsaitet, über die firt,e nS heragz rge Doktor Goll herrscht ihn an: bewegen I/, Leige„Aubej.en#. Schgaut machlich krank. Wie könntest Du sa ihn an:„Du bist wirkWie konntesl Tu sonst, ein tapferer Ein Abend der Tänzerin Skizze von Susanne Tornwaldt. Das Meer dunkelt weit und fremd hinter Bilder der umweir verwischen. Wt scguut in—)Aimara und ein Christ außerdem, an solchen Unsinn glauben? Deine Berggeister kümmern Stbsahe..#ch sch, Kunat“ J zr Guich Run hört er nicht, wie sein Freum,, ver olle uno, ohne mich anzusehen, sed.#r ven###den Lichtern der Tanzdiele, die man am Pfarrer, in sein Gebet eine besondere Für=lhinzu:„Hole mein Gewehr, bitte. Ich werdesctrand, im Freien errichtet hat. Der Himmel bitte für den Achtggjährigen einflicht, siehtldiesen Narren einfach zwingen, uns weiter Zusspannz seine schwarzblaue Gloche über die auch nicht, wie sein schöner Kranz mitten aussführen, denn ich verspüre nicht die geringstelnächtliche Extravaganz flirrenden Badelebens, dem Altarplatze am Taufsteine lehnt und sosLust, tausend Reter unterm Ziel vor boliviatsdas blendend und glitzernd einer Fata morgana noch sichtbarer und besser zur Geltung kommt nischen Gespenstern Reißaus zunehmerz.:,„sgleich hinter den sanftgewellten Dünen den Wie seine Leute aus der Kirche zurückkeh.] Ich komme der Aufforderung des Gesuyttrt]Frieden der schlummernden Natur bricht. nun, dringen sie den Plarrer mit.—,„Aberstoch uZomare, Gesicht wird vunheimlicher In zackigen Rhpthmen hämmert das Klavier Bes2r. Freund, ner wind verade beute osch,[Fratze, daß die Wassen Gewalt bedeuten, ersdröhnt die indische Trommel, zittern Banios, ee b„enige und hebtskennt er sofort. Ungezähmter Haß glüht ihmsund das Sax=phon klagt wehmutsvoll. Nacht; Der lächet der Lauer ein wrunn, uun Pvim Auge. ssalter sterben an den„Bogenlampen, die au, es F S# hat migl 4mttende!„Wir werden sterben, allel“ zischte er durchsden breiten Ring der Zuschauer heravieuchten, Der Parrer sicht bei ihm, Dat wiet knogrenne). Zähne.„Ich sprach mit den Unsichtbaren inswährend in bunten mystischen Farben rambiede Vorte und redet von Gottes Gnade und hieser Nacht.“ Ein krampfhaftes Zittern über=spions flackernd den Kreis der Tanzenden beFrichem Ernrelegen. doch wied,(rieselt ihn, er taumelt, rafft sich hoch.— Angstesgrenzen. Die Paare tanzen, eng aneinander eund Dein Krand! Er war v. g, Dieder der/.— Undenkbar nach den bisherigen Erfahrun=geschmiegt und mit sichticher Ueberzeugung, chorne pon allen! Kein anderer Platz wae lelgen. Beiß er mehr als mir? uhnt er Gesserwus ungehener Wichtiges zu tgr, aber verpüirdig dur ihn gewesen wie gerade am Lauf=Phr, wrid er wug, dis woir.. sschieden im Ausorun, 1o wie Lemperament vein, vor dem Wityr: Ich versuche es noch einmal mit Güte undsund Stimnmung ihn verteihen: in gahezu berge Da geht ein Leuchten über das Gesicht deslfrage ruhig:„Gestern abend sprachst Du nochlgungsloser Ruhe— mit echzger Gergöse. in eien Nonnes. Seine Hände, können nichsvom Veitermarsch, Was hat Deine Reinunsshaltf= ger,„Horte Zaunverztzut eme menschliche hr h esen Ae shz sch bais der Jodio Kaut eiaer Eesetune misel und ehzre Gcheiente iur ur ade sol ales so dleiben bie zum Sonntag,widerung verstohlen am Abzug seiner Flinteschem Vortlaut, der ve, zamrsch ant wieder, de wirt Zu wieder kommen und Dich selbstlnestelt. Doktor Goll schmettert, ihm mit unestummten Instrssente ure, Base t, daomm erfreuen.“ Feniter zuch gehen vermitteltem Kolbenhieb die Wasse aus derlgibt. Nähreno emr,anizreneier um mik ge. Später verhängen sie die gemier und geyensHand. kapelle erscheint der Conerencier, um mit gesi Btwat.] Ein wilder Schrei bricht gellend aus Kozwanoten und preisenden, Zsagen die miztfgerten Sauer hült dse Hand des Pfar),=Burücht behy, nahtto,„it zwei Sprüngenlkaum erhöhte Podium von spiegelnd geschlise rers in langem Drucke. Dann geht er ans Fenster und öffnet es, um der Seele des Vaters den Weg frei zu geben, wie es Glaube und Sitte bei Sterbefällen im Dorfe ist von alters Goll, der instinktivldem Eingang zu, den das Publikum um das spürt, daß Unheit naht. Inn gwer Sptungensgaum eryyyne Poaran oon spietzeme Pfeg.e, sind wir im Höhleneingang, die Winchester=sfenen Steinen bildet. Tassen klirren, Eiskarabiner im Anschlag. Scharf überstreicht dersstücke klappern in den Weinkühlern, und eine Ein sonderbares Schwirren erfüllt die Luft,dunklen, nahen Hintergrund auf den Sand ein jähes Aufrauschen und Zischen; dann gei= rollen. Da kommt Maria Pekrowna. Sie fliegt durch den Gang der Zuschauer wie ein schöner, brauner, fremdartiger Vogel. In ihrer zarten und schmalen Gestalt sieht sie unendlich jung aus. Sechzehn oder siebzehn Jahre— denkt der flüchtige Betrachter. Dann aber entdeckt er kleine schmerzliche Linien in ihrem Gesicht, wie das Leben sie nicht in den ersten zwei Jahrzehnten gräbt. Das schwarze Haar ist fest bis zum Nacken zurückgestrichen und wellt sich unter dem runden Kamm in kurzen Locken. Auch ihre Augen sind schwarz, sehr schwermütig und stehen nicht im Einklang mit dem strahlenden Lächeln, das ihr der Beruf vorschreibt. Maria Petrowna tanzt wundervoll. Gerade der Gegensatz zwischen der schicksalhaften Schwere, die ihre Bewegungen zu hemmen scheint, und der beflügelten Grazie, die jeder Schwingung des wehmutsvollen Saxophons biegsam nachgibt, wirkt bestrickend. Wie durch unsichtbare Fäden ist sie mit ihrem Partner verbunden— im rückwärts gleitenden, wiegenden weiten Schritt, im raschen Wirbel verwirrender Drehung, oder wenn sie, die schmalen Füße kreuzend, seitwärts weicht. Und doch ist es, als tanze sie allein, und ihr Tanz scheint ein zu stummem Rhythmus gewordenes Gedicht. Anklage— Bitte— Sehnsucht... Sie muß für die Menschen tanzen, die ihr mit gleichgültigen, kritischen, oder auch wohl entzückten Augen folgen. und tanzt doch gleichsam über sie hinweg. Für die See, die leise und dunkel im Hintergrund rauscht? Oder für den Mond, der honigfarben darüber hängt? Niemand weiß, für wen Maria Petrowna tanzt. Da springt irgendwoher ein Gerücht auf. Funkengleich, scheinbar ohne Worte, fliegt es von Tisch zu Tisch. Uninteressierte Gesichter beleben sich, Klappern und Unterhaltung werden gehemmt, und im Augenblick erwacht ein Interesse, das aus Sensationslust geboren ist: Maria Petrowna sei nicht irgend eine der kleinen Tänzerinnen gewöhnlichen Schlages, wie sie sich heute zu Hunderten ihr Brot verdienen. Sie sei eine unglückliche russische Aristokratin, die durch die Schreckenszeit von ungeheurem Reichtum in bittere Armut geriet und nun tanzen müsse, um zu leben. Klatsch und Anteilnahme umraunen sie rätseln prüfend an ihr, als sie, beifallumbraust, wieder erscheint. Sie trägt ein brandrotes Kleid, dessen Zipfel flammengleich ihre schmalen Fesseln umwehen. Sie selbst loht in ekstatischem Tanz wie eine steile Flamme vor dem Hintergrund ihres dunklen Geheimnisses. Wer von diesen nüchternen, obwohl sensationslüsternen Menschen errät, was ihrem Tanz Feuer und Hingebung gibt? Neugierde und Begeisterung drängen herzu, um Maria Petrowna zu grüßen und mit ihr vielleicht in irgend einer Form bekannt zu werden, wenn sie nach dem Umkleiden zur Kurhaushalle kommt. Aber sie weiß es einzurichten, daß sie ungesehen in ihrem einfachen Straßenkleid aus einer Seitentür entweicht. Mit leichten, raschen Schritten kreuzt sie die Strandpromenade und geht zum Meer hinab. Strandkörbe liegen schweigsam wie ruhende Ungetüme in dem vom Wind gerippten Sande, der dort, wo er feucht ist, golden vom Mondlicht überrieselt wird. Von fern schimmert die Tanzdiele, abgerissene Klangsetzen wehen herüber. Unter der zarten Linie des Horizontes gleiten stumm, unirdisch, zwei Dampfer aneinander vorbei. Die Spiegelungen ihrer Lichter kriechen wie rote Schlangen bebend aus der Nacht zum Ufer.— Wie Blut.. denkt die junge Fürstin u. erschauert in der Erinnerung an Furchtbares. Sie beginnt zu laufen, auf der Flucht vor Gedanken, vor denen es nur eine Rettung gibt... Dann geht sie ruhiger, schreitet dicht neben den kleinen, begütigend und verschlafen plätschernden Wellen rasch und federnd, als könne sie nicht erwarten, ihr Ziel zu erreichen. Der Nachtwind weht ihr Kleid fest an die elastisch schwingenden Glieder, kühlt ihr heißes Gesicht und verweht den letzten Duft, der an die mondäne Tänzerin gemahnt. So kommt sie an das kleine Haus draußen hinter der Düne. Sie muß ein wenig suchen, denn sie kennt es erst seit gestern und erreicht es zum erstenmal bei Nacht und vom Strand her. Es ist ein ganz kleines, einfaches Fischerhaus, dem sicherlich keiner der Kurgäste dort drüben, rund um die Tanzdiele, eine Daseinsberechtigung als Wohnung zuerkennen würde. Mit zärtlicher Vorsicht druckt Maria Petrowna die Türklinke nieder. Leise tritt sie ein. Die alte Fischerfrau, die strickend am Herde sitzt, winkt ihrem fragenden Blick beruhigend. Leise geht sie durch die niedere offene Tür in die Stube, die von To H1 Von Fritz Husmann=Wesermünde. Woll is de Welt dor buten schön, Dat glöw ich doch jo gern, Wat gifft dat dor nicht all's to sehen, Un wat giff't nicht to hörn. Man dat is wohr: Licht ward ich satt. Von frömden Sus und Smus— Ick blief dorbi und segg mit dat: Am besten is't to Hus! Dor weeßt du wo de Wind herweiht, Kannst maaken, wat di lüst, Un hest ook din Gemütlichkeit, Wenn du tofrä'en büst. Dor hest du ook din Tietverdriew Bi Arbeit alle Dag', Un hollst du de man stur und stief, Denn stürst du Plack und Plag'. De Sünn de lacht in't Fenster die Un schickt di ehren Gruß— De Frömde laat de frömden Lüh— Am besten is't to Hus! mattem Nachtlicht dämmerig hell ist, und beugt sich über das Bett, in dem ihre Kinder schlafen. In dem großen Bett liegen sie nebeneinsander. Auf die warmgeschlafenen Gesichtchen werfen lange, schwarze Wimpern halbkreisförmige Schatten. Der Tänzerin Maria Petrowna Kinder! Ihr Geheimnis, das ihr heilig ist. Vor allen weiß sie es zu verbergen, denn dieses ist ihr wahres Leben, in das sie niemand einzudringen vergönnt. Ihr Glück, um bessentwillen Maria Petrowna vor jenen fremden Leuten tanzt— mit ihrem ganzen Herzen, schöner, leidenschaftlicher als einst, da sie mit ihrer Grazie die Feste des Zarenhofes zu schmücken begann. In der dämmerigen, niederen Fischerstube vergißt die Fürstin, daß sie Fürstin ist, und die Tänzerin ihren wohlfeilen Ruhm und die beschämende Last anmaßender Bewunderung. [Maria Petrowna, die Mutter, beugt sich über ihre Kinder und ist glücklich. Mischa schläft fest und lucht ein wenig im Traum, aber Tatjana, die Große, ist gleich wach und klammert fest die Hände um den gesenkten Nacken:„Warst Du wieder wunderschön, Mamuschkaf: war das nun für ein Leven? Wie nert war seine Frau immer vor der Hochzeit zu ihm:— gewesen, wie anders wurde es danach. Und er war sicher kein schlechterer Kerl als die andefren auch, denn wenn er auch einmal gern einen Genever oder Klaren trank, so taten das doch alle im Lande. Erst hatte er sich gewehrt und tüchtig aufbegehrt, wenn sie ihm Vorhaltungen ob dieser oder jener Art machte, war von ause weggelaufen und auf den Feldorn und Deichen umhergeschlendert, um nachher in der Wirtschaft seinen Aerger mit einem Schnaps hinunterzuspülen, aber allmählich war er stiller geworden, um schließlich gar nichts mehr zu sagen. Seine Frau führte unumschränkt die Herrschaft und erlaubte ihm bald nichts mehr, kaum, daß er Sonntagsmorgens nach dem Kirchgang einen Gang nach der Wirtschaft mit den anderen Männern tun durfte. Schließlich kam er sich vor wie ein alter Karrengaul, für den nur noch die Peitsche und harte Worte gut sind. Es blieb nicht aus, daß eine völlige Fremdheit zwischen den Eheleuten eintrat, deren Sichtbarkeit eigentlich nur durch das gemeinsame Dach und durch die Kinder vermieden wurde. Oft war Pitt wohl, wenn er allein zu einer stillen Zeit auf dem Deich stand und den Wellen des Rheins nachschaute, recht bedrückt und traurig, und seine Sehnsucht glitt mit den Wellen, um in weite Fernen zu wandern. Aber ohne daß es ihm bewußt war, gewöhnte er sich doch an seine harte und herrschsüchtige Frau, und hätte sich sein Leben schließlich nicht anders denken können. Nur ein Gedanke war oft in ihm wach und kam nie recht zur Ruhe: Wenn er sich doch einmal ein ganz, ganz klein wenig rächen und ihr beweisen könnte, daß doch nicht immer alles nach ihrem Willen ging. Gewiß, das war eine Sünde und er bat Gott gleich immer um Verzeihung, aber er konnte doch nicht umhin, sich loft, wenn er auf der Bank vor dem Hause saß und Besen band oder langsam mit ausgespanntem Netz den Rhein hinauffuhr, irgend eine Sache auszumalen, recht weit und lang, und dabei vergnügt und glücklich, tief innerlich, wie ein Kind zu lächeln und sich zu freuen. Aber es kam nie dazu.— Allmählic wurden sie älter und älter und mußten ans Sterben denken. Und da wollte keiner von ihnen zuletzt sterben, denn wie fürchterlich würde er sein, allein im Hause zu sitzen, ganz allein, da die Kinder doch alle fort waren. So sehr hatte sich Pitt an seine Frau gewöhnt, daß es ihm unfaßbar schien, eines Tages allein zu sein. Als ihm seine Frau klar machte, daß sie gar nicht daran denke, zuletzt zu sterben, sondern daß sie zuerst sterben werde,.. war es da eine Sünde, wenn Pitt den lieben Gott bat, dieses Mal doch seiner Frau nicht den Willen zu tung Er malte sich aus, wie es sein würde, wenn er zuerst ans Sterben käme und seiner Frau diesen kleinen Streich spielen könnte.— Pitt Verbagg Skizze von Fred Died. Pitt Verhaag lag da und schlief. Ganz fest und tief.— Aber er machte dabei ein so glückliches Gesicht, daß man sich mitfreuen mußte. Er lächelte ein klein wenig verschmitzt, wie ein Kind, das im Schlaf einem wohlgelungenen Streich am Tage nachträumt.— Pitt Verhaag war tot.— Sein Schlaf war unendlich und ewig, wie auch das kleine kindhafte Lächeln, das er zum lieben Gott hinauftrug.— Und warum trug Pitt Verhaag gerade in seiner letzten Stunde ein so glückliches, kindhaftes, ein wenig verschmitztes Lächeln? Das war ein ganz alltäglicher Grund, das war sogar nicht ganz recht von ihm, aber er hatte doch seiner Frau endlich einmal ein kleines Schnipochen geschlagen und einmal nicht getan, was sie wollte. Und dann hatte er doch gesehen, daß sie ihn auf ihre Art lieb hatte,.. und es war ihm nur halb gelungen. Pitt Verhaag wohnte in einem kleinen Käterhäuschen am tiefsten Niederrhein so zwischen Fanten und Cleve, dicht am Rhein. Er war das, was sein Vater. Großvater und Urgroßvater gewesen war. Im Winter fertigte er Körbe und Besen an, im Frühjahr und Sommer fischte, baute und ackerte er. Mit dem Häuschen seiner Eltern heiratete er seine Frau und bekam noch etliche hundert Mark dazu. So gelang es ihm, sieben Kinder— drei waren in früher Kindheit gestorben— recht und schlecht hochzuziehen und sie alle ein manierliches Handwerk lernen zu lassen.— Aber war Sie waren wie die Kinder.— Der Tod kam, als es wirklich Zekt war und Pitt gern und leicht aus dem Leben, das er lang genug gelebt hatte, ging.— Da lag er recht schwach im Bette und wußte vom nahen Ende. So schön war es, zu liegen und über sein ganzes Leben noch einmal nachdenken zu können. Die Sonne schien auf sein Bett und gab seinen Träumen einen goldenen Schein.— Und das Wunder oder eigentlich Selbstverständliche geschah, Pitt fühlte von Tag zu Tag mehr, daß er seine Frau doch lieb hatte und nicht ohne sie hätte sein mögen. Mit Staunen und tiefem Glück, mit heißem Mitleid sah er das verweinte Gesicht seiner alten Lebensgefährtin und fühlte ihre Liebe zu ihm, die sich ldoch immer so hart geäußert hatte. So fiel es ihm doch schwer, sie allein zu lassen. Und eine Freude über seinen vermutlichen Streich konnte in ihm nicht aufkommen. Sie saß meist an seinem Bett und hielt seine Hand. Ab und zu erzählten sie sich dann leise, oft stockend und holperig von ihren Jugendstreichen und ihrer Verlobungszeit. Alle Bitternis war vergessen und keiner war dem anderen mehr böse. Aber sie konnte doch nicht glauben, daß er wirklich von ihr gehen würde. Und heftig, ganz wie früher, begehrte sie auf, als er davon sprach und sie bat, die Kinder zu rufen. Darüber nun mußte er lächeln, ganz leise und fein, aber nicht mehr mit dem Gedanken der Rache, sondern einer glücklichen Befriedigung und eines warmen Gefühls,... denn dieses Mal wußte er es wirklich besser.— Damit schlief er ein. Ganz still und sacht. Mit einem wunderschönen Gesicht, einem so feiAnen, kindhaften Lächeln, so ein klein wenig verschmitzt.— Gewiß, der Streich war ihm gelungen,. aber unbewußt wider Willen in Glück und Liebe, ohne Sünde vor Gott.