einem leisen wolklcsen Gruß hatten die Beiden sich getrennt. Der Geheimrat ging mit dem nagenden Gefüh!. Recht zu haben, das ihm jedoch, wenn auch nur flüchtig, irgendwie schändlich dünkte, durch die hallenden wenig belebten Straßen nach seiner im Westen liegenden Wohnung. „Gegen die Verabredung,“ murmelte er,„gegen jede Spielregel.. all die Jahre hindurch!" Vor seiner Wohnung angelangt, versuchte er lange vergeblich, die Haustür mit dem Weinkellerschlüssel zu öffnen. Als er schließlich in der dunklen Halle stand, war er durchdrungen von der schmerzlichen Ueberzeugung, daß ihm gräßliches Unrecht geschehen sei, nie wieder gutzumachendes Unrecht. Und wenn Hilarius sich morgen nicht in aller Form wegen seines Ausbruches entschuldigte... Während so der Geheimrat in schlaflosein Zorn den stillen Wänden sein Leid klagie, irrte der Postdirektor planlos durch die Straßen. Auch in seiner Seele tobte ein undeschreiblicher Aufruhr, der ihm die Röte der Empörung und Verzweiflung in die heiße Stirne trieb. Das ihm! Das war das Ende einer jahrzehntealten Freundschaft! Das Selbstgespräch des alten Herrn dröhnte in unheimlichen, abgebrochenen Lauten von den Mauern zurück.„Aber ich konnte doch nicht ... dann wäre ja meine Dame nach dem dritten Zuge... Ha ha ha!“ Er lachte gellend auf. Strafzug mit dem König! Glaubte der Geheimrat wirklich, daß er, Hilarius...? Oh, jetzt besann er sich! Alles war abgekartei gewesen. Seit 23 Jahren hatte der Geheimrat regelgenau gespielt, nur um ihm heute Nacht diesen Schlag versetzen zu können!“ Aechzend fiel der alte Mann mit geballten Fäusten auf eine Bank am Rande eines Spielplatzes.—— Am nächsten Morgen verließ der Geheimrat nach einer durchwachten Nacht seine Wohnung und machte sich auf den Weg zu Hilarius. Er begriff nicht, wie es gestern abend zu jenem peinlichen Auftritt mit dem Freunde hatte kommen können. Die alte Kneipe, der weißhaarige Wirt und der müde Josef erschienen ihm an diesem hellen Wintermorgen wie das Paradies seines Alters. Welch eine Tollheit von ihm, den Postdirektor so herauszufordern! Er beschleunigte seine Schritte und atmete erleichtert auf. als die Wohnung des alten Freundes in Sicht kam. Alles würde bald beigelegt sein, natürlich würde er Hilarius um Entschuldigung bitten! Auf der Treppe des Mietshauses lief der Geheimrat einem Arzt in die Arme, der ihm flüchtig bekannt war. Er erblaßte, als der Doktor sich ihm in den Weg stellte.„O Gott, was ist?“ fragte er fassungslos. „Ich war auf dem Wege zu Ihnen,“ erwiderte der Arzt, indem er Kehrt machte und sich dem alten Herrn auschloß. „Zu mir?" fra, der Ge eimrat tonlos und wußte in diesem Augenblich alles. „Ja,“ gab der Doktor sachlich zurück.„Postdirektor Hilarius ist heute Nacht einem Schlaganfall erlegen... man hat ihn auf einer Bank am Kinderspielplatz gefunden!"— Neulich din ich wieder einmal nach langen Jahren in der alten Kneipe gewesen. Sie steht noch immer in dem verborgenen Winkel des westlichen Berlins. Der müde Josef begrüßte mich. Als er mir die bescheidene Speisekarte brachte, bemerkte ich an einem unfernen Tisch einen alten weißhaarigen Herrn, der mir durch sein merkwürdiges Gebahren auffiel. Er saß zufrieden lächelnd vor einem vollbesetzten Schachbrett und spielte lautmurmelnd gegen sich selbst Ab und zu beugte er sich händereibend zum gegenüber Legenden Stuhl und sagte, vernehmlich, kick#d:„Aber ich bitte Sie, ziehen Se ruhig die andere Figur... es kommt ja gur nicht darauf an!“ „Wer ist denn das?" fragte ich leise und deutete auf den sonderbaren Alten. Josef machte eine verstohlene Handbewegung nach der Stirne.„Das ist der alte Geheimrat, der spielt hier jeden Abend mit einem Post. direktor.. aber." Josef lächelte nachsichtig „was der Postdirektor ist, der ist schon lange to:* —.— Zezuschkins Glück Nach einer Erzählung von N. Kryschkin. Aus dem Russischen übertragen von H. Liedtke=Steglitz.) Das Glück hatte Zezuschkin onn nie verlassen Wie er zu segen pflegte war es für In zwecklos zu baden, er kam immer trocken aus dem Wasser. Sehr oft genoß er Pasteten aus der Staatshächerei oder Privatbetrieven, und nicht ein einziges Mal ist er davon gesterben Man gab ihm die Stelle des Kassiecers bei einer Genossenschaftsbank: das Schicksal wollte, daß er keine Kopeke Genossenschaftsgelder bei Seite brachte. Dennoch wurde ihm sein Abbau angekündigt. „In diesem Falle,“ erklärte mir Zezuschkin bekummert,„wird mir nichts helfen. Erstens ist mein Amt wirklich ganz entbehrlich, ich bin eigentlich mehr unnützer Ausgabeposten als diensttuender Angestellter. Zweitens haben wir einen neuen Leiter, der auf meinem Posten zwei seiner alten Mitarbeiter unterbringen will. Mit einem Wort: meine Lage ist hefinungslos. Kannst Du mich nicht irgendwie versorgen?“ Ich schüttelte den Kopf:„Keine Möglichheit“ In unserem Betriebe sind alle Stellen besetzt. Du weißt selber.. Zezuschkin seufzte und ging in ein Kino.— Eine Woche später entging ich mit genauer Not den Rädern eines Autos in dem Zezuschkin saß. Das Gefährt hielt, Zezuschkin öffnete den Schlag und rief:„Das hätte Dir schlecht bekommen können. Man muß aufpassen. Nun steige ein, ich werde Dich fahren.“ „Es geht Dir wieder gut?“ fragte ich, indem ich mich setzte und heimlich meinen beschmutzten Aermel an seinem Ueberzieher abrieb. „Wie hast Du das angestellt?“ „Glück“, antwortete er bescheiden,„ein glückliches Zusammentreffen. Denke Dir: kaum war ich abgebaut, da begann die„Ersparnis= kampagne“, die Einschränkung der Staatsausgaben auf allen Gebieten. Da kam ich wieder hoch.“ „Wieso! Was hannst Du davon haben?“ „Was denn? Dazu braucht man doch Leute. Nach drei Tagen war ich von neuem im Amt, mit erhöhtem Gehalt, bei dem ständigen Ausschuß zur Verminderung der Aufwendungen für die Staatsverwaltzung Als Sekretär. Mit dem Recht der Benutzung eines Kraftwagens. Da kann ich klettern. Bis in die höchsten Stellen. Wundere dich nicht. wenn du mich eines Tages als Ministerialdirektor wiedersiehst.“ „Ich wünsche Dir Glück,“ entgeg nete ich. „Nebenbei: Kannst Du nicht eine Maschinenschreiberin einstellen? Sie gehört keinem Verbande an, indessen...“ „Läßt sich machen. Nur schicke sie nicht gleich, wir sind jetzt bei der Kürzung der Etats. Aber so nach etwa zwei Wochen...“ —1•— Die Naja bungarus Skizze von Max Zeumer. Als Loktor Wessinger das Mosquitonetz seines Bettes zurückschlug, hatte das eintönige Rauschen des Regens aufgehört, und die Sonne lag prall auf den geschlossenen Vorhängen seines Zimmers. Ein Fieberanfall hatte den jungen Naturforscher zwei Tage lang an sein Lager gefesselt, das er nun, fieberfrei, aber noch etwas taumelnd vor Schwäche, verließ. Da der Ruf des Doktors nach seinen malayschen Dienern ungehört verhallte, beschloß er, sich durch ein Bad etwas auszufrischen. Das Zimmer war mit einer Anzahl Gepäckstücke, der Ausbeute seiner Expedition, gefüllt, und als er, leicht schwankend, den Raum durchquerte, stieß er an den langen Bambuskorb, der den Hausen krönte. Der Korb glitt, sich überschlagend, nach der Wandseite hinab und blieb mit dem Deckel nach unten zwischen Wand und Gepäck eingeklemmt hängen. Erschrocken klammerte sich Wessinger an der Tür fest, denn der Korb enthielt eine lebende Naja bungarus, die der Doktor nach wochenlangem Mühen in Inneren Sumatras von Eingeborenen erworben hatte. Diese größte aller Giftschlangen, die„Königshutschlange", deren Biß einen Menschen schon nach drei Minuten tötet, gehört zu den gefürchtetsten Bewohnerinnen der Sunda=Inseln. Da dieses Reptil in den Aquarien Europas ein seltener Gast ist, hatte sich Wessinger die Aufgabe gestellt, ein lebendes Exemplar mit nach Hause zu nehmen. Der dicht geflochtene Korb, dessen starker Deckel gut versichert war, umschloß eine dreieinhalb Meter lange Naja bungarus, und der Doktor hatte, damit keine unberufene Hand diesen„kriechenden Tod“ aus seinem Gefängnis befreie. den Korb in sein eigenes Zimmer stellen lassen, ohne allerdings seinen Gastgeber, den Assistenten einer Tabakplantage, über den sonderbaren Inhalt aufzuklären. Die Erkenntnis, daß der Fall des Kordes nicht die erwartete Befreiung des Reptils zeitigte, gab dem Doktor die Ruhe zurück, und er lächelte über seine Angst. Der kaum genesene Forscher fühlte sich stark genug, den Korb in seine alte Lage zurückzubringen und rief jetzt noch einmal nach seinen Dienern. Da sich aber auch diesmal niemand meldete begab er sich, ohne die Zimmertür zu schließen, in den Baderaum. Den durchgeschwitzten Schlasanzug vom Leibe werfend, goß er sich das belebende Naß aus einer großen Tonne langsam über Brust und Nacken. Die lauen Güsse zeitigten sehr bald die gewünschte Wirkung, und sich wohlig dehnend ließ Wessinger den Schöpfeimer in die Tonne gleiten, um sich wieder dem Eingange zuzuwenden. Der Anblick da löste ein plötzliches Schwächegefühl in ihm aus: mit weitgeöffneten Augen starrte er auf das Bild im Rahmen der Tür und kalter Schweiß bedeckte seine Stirne. Auf dem Schlafanzug lag der zusammengerollte Leib einer Schlange, der Kopf richtete sich wie in Angriffsstellung empor. Die kalten Augen starrten auf den Erschrockenen, und die gespaltene Zunge war in fortwährender Bewegung. Wessinger hatte während der gefährlichen Expeditionen mehr als einmal ungewöhnlichen Mut bewiesen, hier aber im engen Raume, nur wenige Schritte von der todbringenden Schlange entfernt, waffenlos und unbekleidet, erlag er zum ersten Mal dem lähmenden Gefühl der Todesangst. Unfähig, einen Entschluß zu fassen, hafteten seine weit geöffneten Augen wie hypnolisiert an dem wachsamen und dauernd sich wiegenden Kopf des giftigen Wurmes. Ein atemraubendes Kältegefühl, das ihn schüttelnd frostähnlich überfiel und seine Zahnreihen hörbar aufeinanderrieb, entriß ihn endlich seiner Gedankenlähmung und der wiederkehrende Mut ließ ihn blitzschnell jede Möglichkeit der Befreiung aus seiner gräßlichen Lage abwägen. Ein schneller Blick nach dem über seinem Kopfe befindlichen Luftloch schaltete den Gedanken einer Flucht auf diesem Wege sofort aus; es war zu eng. Wessinger zog sich langsam gegen die Rückwand des Raumes zurück und bemerkte dabei, wie das aus Rottang und Bambus bestehende Flechtwerk auf dem Boden schon einen Fuß breit vor der Wand endete. Das brachte ihn auf den Gedanken, diesen gitterartigen Bodenbelag als Schutzwehr gegen den drohenden Tod dort auf der Schwelle zu benutzen. Da der Gitterrost schmäler und kürzer als der Raum gehalten und von keinem schweren Gegenstand belastet war, lag das Gelingen seines Planes durchaus im Bereiche der Möglichkeit. Eine Bewegung des Belagerten löste jedoch bei seiner Gegnerin ein leises, rparren des Zischen aus, und dieses Zeichen#en Doktor sofort zur völligen Bewegungslosigkeit erstarren. Im selben Augenblick vernahm sein Ohr aus der Richtung der am Ende des Ganges befindlichen Küche den Laut menschlicher Stimmen. Wie sich später herausstellte, waren seine Diener und der gelbe Biherrscher der Kochtöpfe vom Leiter der Plantage in die Trockenscheunen kommandiert worden und soeben zurückgekehrt. Die Nähe menschlicher Hilfe bewog den Doktor zu einer lauten Bekundung seiner gefährlichen Lage; er schrie verzweifelt um Hilfe. Einige Sekunden später trennte ein aus der geöffneten Küchentür geschleuderter Parang (Hiebmesser) dem Reptit den drohend erhobenen Kopf vom Rumpfe. Im nächsten Augenblick füllte sich der Baderaum mit den Dienern des Doktors, die ihren vom Erlebnis der letzten Viertelstunde stark mitgenommenen Herrn mitsamt der Schlange im Triumph in sein Zimmer trugen. Der erste Blick Wessingers galt dem bisherigen Gefängnis seiner Bedrängerin und ein ungläubiges Staunen weitete seine Augen, denn der Korb befand sich völlig unversehrt noch genau in derselben Lage, wie er von ihm verlassen worden war. Nicht die Naja bungarus also hatte ihn, wie er mit Bestimmtheit annahm, blockiert, sondern eine Python biwittatus, die, durch eine schadhafte Stelle in den Gang gedrungen, die Ursache eines Erlebnisses wurde, das den Doktor in den nächsten Togen noch mehrere Male aus dem Schlafe schreckte. Verantwortsich: H Semmelmann, Altena Druck und Verlag: B. A. Sanz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 48 Samstag, 3. Dezember 1927 — am Meer Skizze von Liesbet Dill. Es regnete in Strömen, als die Gräfin ankam. In Pelze verpackt, schwerfällig entstieg sie dem Wagen, von ihrem weißhaarigen Kammerdiener unterstützt, ging sie die teppichbelegten Treppen der Villa hinauf. Einen erstaunten Blick warf sie auf die Gemälde der Halle. „Das ist sehr, sehr gemütlich hier“, hörte Annie sie zu ihrem Diener sagen, der mit Gepäckstücken beladen hinter ihr herstieg.„Fast wie bei uns daheim.“ Schwer rheumatisch auf ihren Stock gestützt, ging sie durch die gemieteten Räume und freute sich über die Blumen, die Annie überall verteilt hatte. Annie brachte den Tee und den frischen Toast selbst herauf. Dabei erzählte ihr dir Gräfin viel von ihrem Schloß an der englischen Küste und ihrem Leiden, das sie zwang, ein so reizendes Heim zu verlassen und mitten im Winter in ein Bad nach Deutschland zu reisen.— Am anderen Morgen fand Annie auf ihrem Frühstückstisch eine große Bonbonnière mit kandierten Früchten. Von nun ab war die Freundschaft geschlossen. Jeden Morgen, nachdem die Gräfin ihr Bad genommen und die Masseuse sie bearbeitet hatte, bat sie Annie ##rau Sie mußte ihr beim Frühstück Gesellschift leisten. Die Gräfin nahm Anteil an dem Schicksal der beiden Frauen. Annie, von einer ernsten, gewissenhaften und vielleicht zu ängstlichen Mutter streng erzogen, öffnete der alten Dame ihr Herz. Sie hatte vor einigen Jahren plötzlich ihren Vater verloren, das Vermögen war in dem Bankerott des Landes verlustig gegangen. Deshalb vermietete die Mutter eine Etage ihrer Villa an Fremde. Annie und ihre Mutter machten alle Arbeit selbst. So konnten die beiden Frauen wenigstens in ihrem Haus bleiben. Annie war seit ihrer Schulzeit noch nie aus der Stadt heraus gekommen. Sie war gerade siebzehn Jahre alt, groß und schlank. Mit ihrem goldblonden Haar und den großen, blauen Augen, mit ihrer Liebenswürdigkeit und Ofsenheit war sie allen Gästen des Hauses sumpathisch. Die Gräfin aber hatte sie vom ersten Tage an gewonnen.„Ich nehme Sie nach England mit, als meine Gesellschafterin. Sie sollen sehen, wie Ihnen das Leben drüben gefällt.“ Annies Augen leuchteten bei den verlockenden Erzählungen, aber sie antwortete traurig:„Jc. kann meine Mutter nicht allein lassen...“ „Ach, das machen wir schon“, sagte die alte, energische Dame. Sie hatte sich in diesen Plan verliebt. Das junge Mädchen sollte endlich etwas von ihrem Leben haben. Es kostete große Mühe, die Mutter umzustimmen. Sie wollte Annie nicht fortgeben.„Du kennst nichts von der Welt“, sagte sie zu ihrer Tochter,„es sind fremde Leute, und ich kenne das Haus nicht.“ „Aber Du kennst doch die Gräfin. Ist sie nicht entzückend? So liebenswürdig. Und wie sie uns verwöhnt.“... Das war richtig, denn es verging kein Tag, ohne daß der Diener etwas brachte. Ein Buch, eine Theaterkarte, Obstkörbe, Blumen für die Mutter. So kam es, daß, als die Gräfin nach beendeter Kur ab reiste, Annie mitging, begleitet von dem alten Diener. Der sorgte unterwegs für alles. Sie bekamen gute Plätze auf dem Schiff: bei Sturm fuhren sie über den Kanal. In Dover stand schon ein Auto bereit, das sie aufnahm und auf breitem Weg an der Küste entlang führte. Hoch und stattlich stand das Schloß am Meer da, im Schutze der Dünen, einsam und von Heide umgeben, innen mit solidem Luxus ausgestattet.— Die Kamine brannten, rasch wur den die Möbel von ihren grauen Schutzhüllen befreit, das Ganze sah noch etwas„eingemottet“ aus. Die Köchin war noch nicht da. Der alte Diener besorgte morgens das Frühstück rid kochte. A.# hali ihm debei. Von ierem Giebelzimmer aus sah sie das brandende Meer Wille und Tat Es gleiche dein Wille der Saat, Versenkt in fruchtbarer Erde, Doch laß' ihm entwachsen die Ta: Daß eine Ernte dir werde. Denn Wille und Worte sind leer, Sind sie nicht Antrieb zum Handeln, Leicht wiegen die beiden, und schwer Ist, sie in Taten zu wandeln. Verträumst du die Zeit ohne Nutz Und läßt in Worten sie stecken, So bleibt deine Saat ohne Schutz Und kann den Keim nicht erwecken. Alexander v. Gleichen= Rußwurm. IRNENTRRNRNE vor sich und weit umher Dünen und Heide. Eine starke Brise umwehte das einsame Schloß Abends, wenn Annie neben der Gräfin vor dem lodernden Kaminfeuer saß und ihr vorlas, kam sie sich wie verzaubert vor.„Sobald dus Wetter klar ist, fahren wir nach London Dann zeige ich Ihnen dort den Tower, die Museen und alles, was Ihr Herz begehrt."... Vorläufig umheulte ein Nordost das Schloß, und es regnete Tag für Tag. Am ersten Abend hatte Annie einen senderbaren Traum. Sie sah von der Galerie auf die Diele herab, wo der Teetisch stand, mit frischen roten Rosen geschmückt und für drei Perjenen gedeckt. Es wurde ein Gast erwartet, die Bräfin saß im Lehnstuhl am Feuer und war eingenickt. Plötzlich hörte sie ein Auto heransausen, eine Türe ging auf, und der alte Kammerdiener führte steifbeinig und feierlich einen großen, schwarzgekleideten Herrn herein. Die Gräfin erwachte, sprang mit jugendlicher Elastizität auf, ging raschen Schrittes, ohne ihren Stock. zu benutzen, dem Gast entgegen und begrüßte ihn freundlich. Hinter ihnen stand der alte Diener und lächelte höhnisch. Brandung tobte wild und stark. Annies Herz Klopfte ebenso dumpf, und sie dachte wieder: Weshalb lächelte der Alte so seltsam?... — Annies Mutter konnte trotz der begeisterten Briefe ihrer Tochter eine unbestimmte Angst nicht los werden. Es war ihr immer, als have man sie gewaltsam von der Tochter getrennt. Eines Tages hörten die Nachrichten aus England auf. Als nach acht Tagen immer noch kein Brief eintraf, ging sie zu einem ihr bekannten Konsul und bat ihn, Erkundigungen einzuziehen. Der Konsul erfüllte ihren Wunsor sofort und brachte nach acht Tagen die Antwort: das Schloß am Meer sei augenblicklich unbewohnt. Es gehöre allerdings einer Gräfin desselben Namens, die sich aber seit Oktober auf einer Weltreise befinde, ihr Schloß abgeschlossen und ihre Dienerschaft entlassen habe. Kürzlich seien die Köchin und der alte Diener auf kurze Zeit in das Haus zurückgekehrt, um nach dem Rechten zu sehen, und beide hätten es bald darauf wieder verlassen, ohne Adressen anzuge#en. In dem Haus wohne jetzt niemand mehr. Von einem jungen Mädchen hätte niemand etwan gesehen. Weder von ihrem Kommen noch von ihrem Verschwinden. Einsam und vom Meerwind umheult stand das Schloß am Meer in der Heide. Von einem grauen düsteren Himmel regnete es auf die Erde herab, als wollte er das Geschick einer Menschenkindes beweinen. Wo das Auto in der Richtung nach London geblieben war, wußte keine Behörde, kein Polizist zu sagen. Es fuhren so viele hundert tos im Regen des Abends zur Stadt... —.2— Der Hausmeister Von J. P. Baljé. Berechtigte Uebertragung aus dem Holländischen von Willy Blochert. Der Privatdetektiv Jack O'Neill, der sich durch erfolgreiche Behandlung vieler Fälle einen guten Namen gemacht hatte, las das anonyme Schreiben, das ihm sein Besucher, Mr. Bearsly, ein bekannter Börsenmann, überreicht Wie komme ich darauf, so etwas zu träumen? dachte sich Annie. Das Regenwetter war dem Ischiasleiden der Gräfin sehr ungünstig: sie lag viel zu Bett.„Armes Kind", bedauerte sie Annie.„Ich kann leider nicht mit zur Stadt. Ich habe meinen Freunden geschrieben, daß Du über Sonntag nach London kommst. Sie holen Dich in ihrem Auto ab. Morgen um funf zur Teestunde wird der Konsul hier kein.“ Am anderen Nachmittag, als Annie sich gerade ankleidete, um abends die Londoner Oper zu besuchen, hörte sie ein Auto anfahren. Gleich darauf rief der Gong zum Tee. Als sie auf die Galerie trat, welche die Diele umlief, sah sie unten den gedeckten Teetisch stehen. Er trug rote Rosen und drei Gedecke. Sie sch die Brafin und einen großen stattlichen Herrn mit rotem Spitzbart in lebhafter Unterhaltuig am Kamin stehen. Ihr Blick fiel auf den Stock der Gräfin; der stand an ihren Sessel gelehnt, unbenutzt. Das fiel ihr auf... Sie ging hinunter. Der Konsul war allein gekommen, wegen des schlechten Wetters. Seine Frau und seine Töchter freuten sich schon auf Annie. Man setzte sich zum Tee, und der Freund der Gräfin, der lange in Saigon gewesen war, erzählte fesselnd von dem eleganlen, eigenartigen Leben dieser internationalen Hasenstadt. Um sechs Uhr brachen sie auf. „Wir haben Gäste zum Diner“, sagte er zu Annie, die ein Fieber der Erwartung in sichk fühlte. Als sich die Türe des Wagens schlof und sie sich noch einmal umsah, war die Gräfin nicht mehr am Fenster. An der Tür stand der alte Diener und sah ihr mit eigentümlichem Lä cheln nach. Dann entfernte sich der Wagen in der Richtung nach London im strömenden Regen, und dumpfes Meeresrauschen erscholl. Die hatte. Es lautete: „Heute abend wird bei Ihnen eingebrochen werden. Keine Polizeimacht der Welt, kein Jack O'Neill wird verhindern können, daß ich mein Vorhaben ausführe.“ Mit verächtlichem Achselzucken gab der Detektiv seinem Besucher den Brief zurück. „Nehmen Sie solchen Wisch ernst, Mr. Bearsiy?“ fragte er.„Finden Sie es nicht selbst lächerlich, daß jemand einen geplanten Einbruch vorher ankündigt? Glauben Sie nicht, daß irgend ein Spaßvogel von der Börse Ihnen einen kleinen Schreck einjagen will?“ Mr. Bearsly hüstelte nervös. „Das ist natürlich möglich, Mr. O'Neill, aber .... ich gehe gerne sicher. Dazu kommt noch, daß der Einbrecher gut informiert ist und den zeeignetsten Zeitpunnt für seinen Einbruch gewählt hat, denn gerade heute habe ich einen sehr großen Betrag von Coupons eingelöst. Die Summe liegt in meinem Geldschrank und würde eine schöne Beute für den Schurken sein Ich bitte Sie darum, mir Ihre Hilfe nicht zu versagen.“ „Aber warum wenden Sie sich nicht an die Polizei? Die könnte Ihnen, wenn nötig, ein ganzes Heer von Beamten schicken, sodaß es einem Einbrecher gänzlich unmöglich sein würde, sein Vorhaben auszuführen.“ „Ich fürchte, daß die Polizei es ebenso wie Sie als einen Ulk auffassen wird, und außerdem.... habe ich mehr Vertrauen zu Ihren Fähigkeiten.“ „Hm. Nun, wenn Sie darauf bestehen, dann werde ich heute Abend und heute Nacht Ihren ###ld##rank bewachen. Um zehn Uhr werde ich— in Vermummung— zu Ihnen kommen, MNr. Bearslo“. 8 2 S 2 S S•11 Gdat PAde 8 8 * #ng• B##s * — 2 A 8. *** Sa5s 5 1 E E S Sagg. a S* ∆ B * B2— S 50.— □ # 5 SEg. 2. 8 6—. 5 * * 9 5S — 50 19— 0 S 5— D 8. 3%%5 G # 8 S5 SEg 55g 9 1— SE 9 S B 5.5 E9 5 E * H S · B RB-SOER PSSPLEEESE •KB112552 S SSE 999— 0 50 9 SSI • 58 =SUERSE PGbELPEE E- DEZNEN SBSSEGOEE Jack O'Neill begleitete seinen Gast hinaus, der sich unter vielen Dankesbezeugungen und hocherfreut von dem Detektiv verabschiedete. Am selben Abend um zehn Uhr läutete ein Heir mit starkem Vollbart an der Haustür von Mr. Bearsly und sagte, daß er durch den Herrn des Hauses erwartet werde. Als er bei diesem vorgelassen war, äußerte Mr. Bearsly seine Verwunderung, jedoch wenige Worte des Besuchers bedeuteten ihm, daß dies in der Tat Jack O'Neill war. „Ihre Vermummung ist ausgezeichnet, Mr. O'Neill. Nur sehe ich den Nutzen davon nicht in* „Man muß stets vorsichtig sein, Mr. Bears ly. Viele Menschen kennen mich, darum hielt ich es für richtiger, nicht in meiner wahren Erscheinung Ihr Haus zu besuchen. Fürs erste würde ich nun gern das Haus einmal inspizieren Ihr Personal ist zuverlässig?“ „Alle sind schon seit Jahren in meinem Dienst und durchaus ehrlich."...„ „Gut. Wollen Sie mir bann die Raume zeigen?“ Das ganze Haus wurde durchsucht, doch nirgende fand sich etwas Verdächtiges. Es war mittlerweile elf Uhr geworden, und sie kehrten wieder in das Zimmer zurück, in dem sich der Geldschrank befand... Bearsly öffnete ihn und sagte:„wollen Sie die Güte haben, Mr. O'Neill, sich davon zu überzeugen, daß das Geld vorhanden ist? SeDer Detektiv trat näher. In dem Geldschrank lagen verschiedene Stapel silberner und goldener Münzen und einige Päckchen Banknoten. Sorgfältig schloß Bearsly den Schrann wieder zu. Advent In Fernen schaue ich aus Siehe, die Macht Gottes naht Wolken breiten sich über die ganze Erde Gehet hinaus Gehet ihm ertgegen und sprechet: Sage uns, bist Du es Der herrschen soll über Jorael? O ihr Erdgeborenen alle, ihr Menschensöhne Ihr Reichen und Armen allesamt Gehet hinaus Gehet ihm entgegen und sprechet: Du Lenker Israels Komm! Der Joseph führt, wie ein Hirt sein Herde O sage uns, bist Du es? Schlagt eure Flügel auseinander ihr ragenden Pforten Hebet euch, ewige Tore Daß der König der Herrlichkeit einziehe Der herrschen soll im Volke Jorael! Ehre sei dem Vater Und dem Sohn Und dem Heiligen Geist! In Fernen schaue ich aus Siehe, die Macht Gottes naht Wolken breiten sich über die ganze Erde Gehet hinaus „Ich begebe mich jetzt zur Ruhe, Nr. O'Neill“, Gehet ihm entgegen und sprechet: sagte er,„obwohl ich furchte, daß aus dem Schlafen nicht viel wird. Doch ich verlasse Sie und Ihren vielgerühmten Mut „Sie kennen meinen Standpunkt, Mr Bearsly. ich glaube nicht an den Einoruch, aber nichtsdestoweniger werde ich scharf aufpassen. Ich setze mich hier in diesen Stuhl, genau gegenüber dem Geldschrank, und 1g. gagchnte den Einbrecher sehen, der es fertig benommt, on zu öffnen!" Mit einem kurzen Gruß begab sich Bearsly In sein Schlafzimmer, und wenige Minuten später lag das Haus in tiefer Ruhe. Behaglich eine Zigarre rauchend, saß, der Lekektio in dem großen Stuhl. Ein rätselhustes Lächeln spielte um seine Oppen. Es war reits ein Uhr, und noch immer war nichts passiert. Gerade legte er den Stummel seiner Zigarre in den Aschenbecher, als er ein leises Geräusch zu hören meinte. Er wollte sich umdrehen, doch Sage uns, bist Du es Der herrschen soll über Israel? Romano Guardini. stenten an meiner Stelle schicken zu können. Den ließen Sie den Inhalt Ihres Geldschrankes sehen. Ich selbst spielte Ihren Hausmeister. Sie sehen, es war alles sehr einfach. Wollen Sie, bitte, diese Armbänder anlegen?“ □— Die verlorenen Ziegen Erinnerungen von Susanne Tornwaldt. Wie ein Feuerball taucht die Sonne jenseits des östlichen Kilimandjaro auf, um sich einen halben Tag glühend in feuchtem Dunst über den Himmel zu wälzen. Um die Mittagszeit zu hören meinte. Er wollte sio,.., gasg und den Himmel zu wälzen. Um die Mitt schon legte sich ihm eine Hand ucg„.# verschwindet sie regelmaßig in einem dichten Mund. Er brachte noch einen leisen Schrei 9e*= Schleier von Wolken. Sie ballen sich zu riesivor, dann hatte das Tuch mit Chloroform, das schwarzen Klumpen zusammen, aus denen nan ihm aufs Gesicht gedrückt hatte, sein eine göttliche Stimme den heiligen Berg zorWerk verrichtet: der Deiektio war unschädlich nig umgrollt. eod zich dem Gelschra k, ein kurze Alke diesemn zlugziternden Norgen des 2 Novent ren ward vernehmdar, und.. der Saselber, anstelle der gewohnteg,, ung nich aug sprang auf. Ran hörte den Klang von Geld weibliches Gewand anzuegerggnichen Stagt Kichen die in einen Sack geworsen wurden, meiner Einsaxtheit zu deg., afrinu.tt. 4, einer flüchken, die in einen Soch Zechagrigzi gugden, meiner Eisopegetz,e# der. Oder Büichse, einer stand ein Mann. einen Revolner in der Hand. Bewegungslos, ohne ein Wort zu sprechen, sah dele ich so vorsichtig, wieg, mäglich durch den Pewe ggnesoe,, der niemand Busch, der fur weipiche Bekleidung wenig gee den Vann vor dem Bearzig. Dieser begannseignet ist. Aver ich din noch nicht am Fuße eüder wor o.., ezann, sich ein wenialdes Berges,(auf dem ich„ohne Weiß und saoller de u und kammete—...— Schwarz nur mit meinen Ziegen und zoseph. Yates waren Sie dersenige, der ein= dem Hahn wohne), da verkundet mir ein triSie Gater, unten St. Jumphierendes Gemecker, daß mein Fortgehen brechen wolte: Bas tun Sie dier“(nicht unbemerkt blieb. Meine Liese stürzte mit der Nan aus der Schvelle trat nüder..Gesoge im Galopp hinter mir her. Ich finde boe, Ope,, Veon v, er hale, haden sdos nührend, aber ubdenu 7, Heggen ie ele Jack 0 keit. Ihrer, Hauomeizt. Bvu.—. 4üven hrei wieder nach oben und scheiche mich teise vir ürlaub gegeben., geinen und sdavon. ldls Geicdhter und ur Cital u. Suh bue) Aude, u hin Prgihg hun Nr. Vearoly, Sie bauberszeig al, Jach, B Heill süngezieser der Regenzelt komme ich an den doie nachdem Sie wich verkaftzigt. Es stele ich mich sofort über Sie erkun##g Es ftelle sich heraus, daß Sie an der Borse große Verluste erlitten haben. Auch erfuhr ich, oaß Sie sehr hoch gegen Einbruch versichert sind! Sie wollten einen Einbruch fingieren, und wer konnte besser als Zeuge auftreten als Jag 0'Neill, wem würde man mehr glauben al ihm? Aber Sie machten die Rechnung ohne den Wirt. Ich sagte, daß ich in kommen würde, um desto leichter meinen Assidie Knie reicht. Die Veränderung, temperamentvolle und in allen seinen Lebensäußerungen maßlose Land nach wenigen Regentagen unterliegt, läßt sich nicht beschreiben. Das Wasser donnert mir heute schon von weitem entgegen und schießt in weißen Strudein über die Felsblöcke, die als Brücke dienen sollen. Es sieht nicht gemütlich aus, aber hohdise— bet be zch brechge einen füch. Ledergürtel meine Hadseligkeiten um den Hals und schickte mich an, auf den ersten Block zu klettern. Da kommt die alte Maua. Maua heißt„die Blume“. Nun, die alte Maua sieht aus wie etwa eine vertrocknete Rose von Joricho— wenn man höflich sein will. Sie kommt mit zwei Söhnen von ihrer Hütte herab, um Wasser zu schöpfen.„Jamoo bibi!“(Guten Tag, Frau!) singt sie in der schmelzenden Art der schwarzen Weiber.„Du willst doch nicht etwa dort hinüber, Bibi!“ Ich sage, gerade das wolle ich. „Versuche es nicht. Das Wasser ist wild wie ein Löwe, du wirst das andere Ufer nicht erreichen.. Msitan mamme: /196 ich „Ich muß es erreichen, mamma jage ich tröstend— während ich auf den nächsten Stein springe, abgleite, bis an die Nasenspitze im kalten Gletscherwasser stehe und strudelnder Sturzbach auf meinen Tropenhelm trommelt. Da schieben die beiden Söhne der Maua ihre: braunen Leiber schlangengleich auf den Steinblöcken entlang und ziehen mich auf den nöche sten Block hinauf. Sonst wäre ich schwerlich an mein Reiseziel gekommen. Zivilisiert sehe ich wohl nicht aus, als ich zwei Stunden später mein Geld von der Bank hole und dem„banker“ meine Abenteuer erzähle. Es sei interessant meinte er, aber„not the life of a lady".(Kein Leben für eine Dame.) Es ist genügend spät geworden, und der Himmel hat sich bereits gewitterlich verändert, als ich durch das„Obstbaumpori“ hinter der Stadt und über den Eingeborenen=Friedhof nach dem Fluß gehe. Der„Friedhof" besitzt hier die Eigentümlichkeit, daß die Toten niemals tief genug begraben werden, so daß die Hyänen sie mit Leichtigkeit wieder an die Oberfläche zerren können. Mit rasierten Köpfen und pfeilbedruckten Kansus erscheint eine Abteilung schwarzer Gefangener, um irgend eine Regierungsarbeit auszuführen. Der schwarze Soldat in Tarbusch und Wickelgamaschen, der sie bergacht, sieht meine Nöte und sendet mir drei zu Hilfe. Diesmal bin ich nur bis an die Hüften naß geworden. Das übrige besorgt der Himmel, denn nun bricht das erste der regelmäßigen Nachmittags=Gewitter los. Es flammt und kracht und rauscht, wie es eben nur in den Tropen flammen und krachen und rauschen kann. Die Sonne steht tief hinter dem Meru, als ich keuchend meinen Berg hinansteige und mich mehr noch als sonst auf Hütte, Ziegen, Hahn und meine ruhevolle Einsamkeit freue.„Liese!“ rief ich schon von weitem, geisterte wort zu hören.„Litischen!“ Alles bleibt si. Das zweite Wetter steht bedrohlich zwischen den beiden Kilimandjarowipseln. Es leuchtet schwefelgelb und „Liese!“ rufe ich immer wieder. Aber keine Liese kommt und reibt sich den lieben strupheligen Kopf an mir, kein Peterle boxt spirierisch in meine Kniekehlen, kein Joseph tanzt seinen drolligen Begeisterungs=Hahnentanz zu meinen Füßen. Am Fluß bellen die wilden Hunde, und nur noch der allerletzte Glutstreif der Sonne leuchtet hinter den Kan###wereuphorbien. Eine heiße Angst packt mich um meine lieben Kameraden. Sie sind alles, woran mein Herz hängt, auf diesem fremden Erdteil. unter der fremden Sonne und den Gestirnen der Nacht, die schon und fremd in meine Einsamkeit sehen. Alles ist mir gleichgültig. Jede Gefahr. Alles. Müde und verzweifelt werfe ich mein Gewehr in die Hütte und gehe in die beginnende Dunkelheit hinaus, um die Drei zu Becben. Märchenhafte Schreanisse wachen aus der kurzen Dämmerung. Termitenhügel wachsen zu Büffeln, die darauf lauern, mich auf die Hörner zu nehmen. Im Dickicht unten am Quellfluß stehen die gewaltigen„Schatten der Elefanten, und besonders unheimlich ist es. sie ganz still stehen und nur ab und zu mit dem Rüssel klappen— in ast, den der Nachtwind bewegt. Möglichheiten aller Begegnungen scheinen um diese StuneWahrheit zu werden, und ich irre dazwischen und rufe verzweifelt:„Liese—— Lieschen!, Da— plötzlich— was ist das? antwortet mitr. Eine rn=Zezlauten. Der Stimme in unverständlichen Keyr., a#n Ter Mond ist hinter der Gewitterwolke hervorgekommen und reißt gespenstische weiße Lichter aus den schwarzen Schatten des tropischen Dickichts. Wieder klingt der greuliche Ton ganz nahe. War das ein Mensch? Kann das ein Mensch sein, jetzt in der Nacht, hier im einsamen Flußdickicht? Ein unter dem Papprus dem ser. Er richte: sich auf und stößt immer S. E 6 :GEED,O 9•00E E S E 5. 2OS Un 85 B 2.— E 25 4 9 2o5üES der den gleichen unheimlichen menschenähnlichen Laut hervor. Es ist ein großer, allec, bemähnter Pavian. Er ist hell vom Mond beleuchtet. Dieser Affe aber flößt bei Nacht eine ganz andere und weit größere Furcht ein als alle Affen, denen ich sonst auf melnen Streifzügen täglich zu begegnen pflege—— und ich habe nur meine Pistole.—— Müde und hoffnungslos komme Hütte an, als das füdliche Kreuzgsenchz tenge dem Horizont steht und die weiß, g Milchstraße abschließt. Es tagt. Vielleiche## Liese mich an der Badestelle gesucht und is# weiter gelaufen, den Weg zu Musa, meinem Jagdboy, der weiter unten im Pori wohnt. Vor Musas Hütte hockt die Familie beim „Musa“ sage ich, nachdem die„Jambos“ und„Habari ganis“ der Begrüßung erfüllt sind.„Musa, hast du meine Ziegen und meinen Hahn gesehen?"„Nein,“ antwortet er. „Memsahib, warum sollte ich heute so früh schon deine Ziegen und deinen Hahn gesehen haben?“ Ich sage ihm, weshalb ich es hoffe. Dorauf meint er bedauernd, er glaube, daß sie gefressen sein würden. „Musa“, sage ich wieder„höre auf zu frühstücken und komm’ mit! Vielleicht finden wir sie. Wenn es uns gelingt, dann will ich sie dir schenken, sobald ich von me nem Berg follgehe.“ Da geht er mit mir, findet vor meiner Hütte eine Fährte, die er wie ein Jagdhung verfolgt, bis wir zwei Stunden später in ein Negerdorf kommen. Junge Weiber stehen vor den niedrigen Holzmörsern und stampfen Mais. „Jambo bibi! Hast du meine Ziegen## sehen?“ frage ich eine nach der andern.„Sijui. bibi!“ singen sie und stampfen weiter. Mehr als dies„Ich weiß nicht“ läßt sich nicht aus ihnen herausbringen. Aber Musa. der kluge Succheli und Mohammedaner, ist ein Blaue Stunden Aus allen Tälern rauchen die blauen Feuer steil und tie! Aus meinem Herzen steigen geheimnisvolle Reigen, und Leben wird, was lange schlief. Ich hüll' mich froum und leise in dieser Stunde reinen Gang. Aufdämmern erste Sterne, und in vertrauter Ferne hört meine Seele Widerklang. Ludwig Bäte. a4 er 5. fo aWein? kluge Sucheli und Mohammedsper, gag gi# Sherlock Holmes. Ich höre n..„ vug die siebente ihr„sijui“ anders singt als die andern. Aber ihm fällt es auf.„Iko hapa“ flüstert er mir zu.(.Hier sind sie.?„Maziz haftig! Nach langem Frage= und Antno##spiel taucht aus der Dunkelheit einer Hütte mei Liese hervor. Peterle begrüßt mich in seiner gewohnten rauhen, aber 9, Lazwischan; und Joleph kegelt flügelschlogen,„iedersechensfro) Da zieher, wir zusammeg,. um m auf unseren Berg, der nach Korden linigen Schneehaupt des Kilimandjaro aufsiehl und nach Süden in die unendliche Steppe herabschaut. Er fährt auf. Warum neg. er da so aueln! Wo ist sie geblieben, sein lieber Kamerad, der sich stets so blind, so zuversichtlich ihm anvertraut hat? Der Fiebernde zwingt sich Denken, zur Ueberlegung. Natürlich, dort muß ie liegen, sie, die er im Sturz mit sich ger., en. Immer klarer sieht er. Hört ganz deu. lich noch ihren kurzen, angstvollen Schrei, vuAufschlagen, knapp, bevor auch er gefaulen und alles um ihn versunken war. Da bäumt sich der Wunde auf, stützt und chleppt sich weiter, dorthin, wo sie liegen muß. Mühsam und langsam keucht er weiter, doch es geht. Der halbe Körper ist wie von ihm ge rennt, gefühl= und leblos. Er braucht iyn nicht. Der Wille ist ihm geblieben, der ihn weiter und weiter treibt. Wieder sucht der Blick, aber vergeblich. Ein Rucksack, aufge rissen, halb geleert, der Schutt aufgewühlt, die Blumen gerdrüicht. Ale Ve. Gegergslt, westes Warum kann er dann gestüirztF Himmell,—cum kann er dann nicht dort liegen bieiven, stumm für immer? Was soll er hier, wenn ihm das Liebste, das Einzige, geraubt ist, hinuntergezogen in die Die suchenden Augen wurden star und irr. Dort, dort muß ihr Weg gegangen sein, dor! hinunter. Wieder schiebt sich der Körper weiter, langsam, zuckend, bis er den letzten Halt Als unten der letzte Geröllschlag gerhalt ist, liegt wieder heilige Stille über den Bergen. Jäh aber wird diese Ruhe gestört. Stimmen Käuste lassen zvel Oestallen an Sel bered —[„Hier war es, deutet die eine, eine huhsue, sträfige Frau,„hier dos Gesiecgz. hot ich am Ein Serium sionnen Gier. Sie gest enige Scherlte ur Scizze von Alexander Turetscheb=Vien. shinter ihr der eden tauchte die Abendsonne binter die. Peiz. weitek folgen sie der dünnen roten Spur, die ven bchm de. Hochzgnüherliegenden Felaz zurüch führt und wieder weg, bis sie sich ver ten Blick auf die gegenüverliegen. 9. sliert, dort, wo der Boden aufhört. Dort lag in Kräutern und Blüten ein leblos, Fassungelos steht sie eingzerfige,###eher er Mensch Einer von denen, die ihren Gottlergreift, e.g ljehgerden Weibeg erkennt sie den d bob e vogermühe sch auch gur nicht es hlühsenden Algenrosen, und ir Schluchgen Gnt seruchl Wo hatte er den v.. zm geiner er. 42— Das letzte Spiel Skize von Erwin von Delftt. hnack derselbe, diesen eigentumliche Syh Der Geheimrat schob das Bierglas, beiseite :-—ehenzsund blickte seinem Freunde und Spieigenossen Wenn er wenigstens sehen könnte! Se,„ über die Brille hinweg fragend in die Augen: der Bunsch sehen zu können, wird so mächtg, Rollen wier“.. Ssanienr aumn un iet. n ihm, daß es ihm nach einer Weile wirk!!#] Dex alte Postdirektor Hilar#u#ging auf die selingt, die Augen zu öffnen. Doch gleichgrage ein. Er nickte stumm, wie er es seit chließt er sie wieder. Die Helle tut ihm wei, eher an diesem Punkte der einsilbigen Abendlber vorsichtig veginnt er wieder, blinzelt, und unterhaltung zu tun pfiegte, und winkte dem ieht endlich. Er kennt und unterschedgtgry Kellner:„Bitte, Josef, das Brett und die eits Hell und Dunkel, dann Gestalt urt, exum Steiner“ langsarn tastet nun sein Bewußtsein ftur3l), Während der Geheimrat die Figuren auf ihre sise es ihm endlich deutlich wird: Abgesu.g geider stellte, nahm Hlarins zwei Bauern in do, Au greist nach rechts seinen weißen, und einen schwarzen, und lie Seiter lucht sein Btichk, ere ihm die schmalesseinen Gegner raten. Der alte Geheimmat sah ann noch bund, Vin, jieatk und frt suchend inlauf die geschlossenen=Hände, die sich ihm. ent Feleplatte, au der er tieg. v. die Augen, gegen streckten. Jetzt würde der Postdiretza., der Runde. Der Einsame sHe, Langiam be sfragen„Schwarz oder Weiß, den Stein oder ehnt den Kopf wieder Jur.) guch die Frinne, den Käl?“ Ihn überlief ein unerklärliches sinnt reben dem Vemtptsein, getrieben durch Abwehr. gegen diesen uralten rung aufgusteigen, gerusen un, v. Fargg einel Wiz, des Freundes. Er war doch recht abdie Unruhe, durch eine unbeltimmte S.:..(ändig, der gule Hilarius, wie konnte er nur gadlende grügeimmer wieder, jeden Abend, den Gott werden Toch der Antwort heischende Blich des Postdirektors unterdrückte sein plötzlich aufflackerndes Mißbehagen, und er deutete wortlos auf die linke Faust seines Partners. Noch ehe er sich den Wunsch eingestehen konnte, die schwarte Farbe getrossen zu haben, öffnete Hilarius die geballte Hand mit dem weißen Bauern. Der Geheimrat zuckte unmerklich zusammen, jetzt kam es, so sicher wie das Amen in der Kirche, dieses fürchterliche Veiß, Sie Glückspilz.“„ 8 14 „Also Weiß. Sie Clückspilz. Hilarius schoo keinem Gegenüber den weißen Beuern zu, worauf der Geheimrat, gereizt von der gespensterhaften Wiederkehr einer zahrzehntelang abzegrissenen Wendung, mit Betonung sagte: Es gilt ausgemacht, wer einen Stein berührt, der muß ihn ziehen! Losgelassen— stehr. Fehlgriff Strafzug mit dem König!“ „Jawohl... Strafzug mit dem König“, wiederhotte der Postdirektor die letzten Worte. während der Gehelmrat den Eröffnungszug machte. Alles war alt in dieser stillen Berliner Kneiel Der Schanktisch hatte eine unbestimmte, ehrwürdige Färbung. Die Kuckucksuhr an der Wand tickte heiser von den Rauchwolken, die ie nun schon eine Ewigkeit umhüllten. Der Kellner Josef war ein kahler Greis, der seinen ermüdeten Füßen an einem Tischchen am Einzang Ruhe gonnte, dieweil der Wirt in die Abendzeitung vertieft war. Hinweg über den ins Spiel versunkenen Postdirektor bemerkte der Geheimrat mit Unbehazen, daß auch der Wirt unter der Last des Alters zu leiden schien, denn er hielt die Zeilung weit ab von den Augen um die Buchstaben besser erkennen zu können. Irgendwo saß noch ein Gast. Sicher uralt, dachte der Geheimrat erschauernd, und ihn beschlich in dieser stillen Ecke das Gefühl, als hätte er nie gelebt. Vorsichtig befeuchtete er nit der Zunge den alten Gaumen. Grauenhaft .. nun ka mer schon 23 Jahre in den verschwiegenen Winkel... eines Tages würde Hilarius verschwinden, irgendwohin unter den Kasen— und auch er.. nie gelebt! Der bläuliche Rauch der Zigarren zog in gelangweilten Schwaden zur Kominecke. Hier sitze ich, dachte der Geheimrat, Tausende werden nach mir kommen... auch Geheimräte; man wird Schach spielen, jahrelang? Was Er blickte wie durch einen Schleier von aufBrett. Beruch! Wo hatte er den nur schon verspürt? Natürlich, damais, als ihn bei einen ten Waffengänge die Klinge des langen en verschnitzelte. Seltsam, daß er sich jetzt desen so gut entsann! Naturlich, auch der Geschmack derselbe, dieses eigentümliche Süß. Blut! Hilarius hatte behaglich den eben gemachten Zug zurückgenommen— wie all die Jahre vorher—, da fuhr der plötzlich belebte Geheimrat mit einer hastigen Han bewegung nach seinem Rockärmel und stieß emn geiseren, haum verständliches Vort 9vrzug M## „Was sagten Sie?“ Hilariu= Simte ein stount auf.. 4 Sprimneer asstegt“ „Sie hatten zuerst ven Springer angesagl, erwiderte der Geheimrat mit Entschiedenheit, bitte ziehen Sie ihn auch!“ „Aber erlauben Sie,“ wandte der Postdirelitor verdutzt ein,„das geht doch nicht.... dann verliere ich ja mit dem dritte Zuge meine Dame!" Der Geheimrat beugte sich zu seinem Gegner über das Brett. Der Einwand von Hilarius erbitterte ihn und brachte den Groll der Stunde gegen sich selbst, das Alter, die Gewohnheit der Jahrzehnte und gegen den ihm plötzlich widerwärtigen Postdirektor zum Ausbruch. muß darauf bestehen,“ sagte er laut. Sein alter Freund sank in den Stuhl zurum, sein Gesicht schien mit einem Male zur Maske zu erstarren; rote Flecken brannten ihm cu den Wangen, während seine Lippen mit greilenhaftem Eigensinn die Worte wiederhotten, „Aber ich kann doch nicht, dann würde ja...“ „Es ist ausgemacht,“ zischte der Gehe miat und trommelte wütend mit den Fingern auf dem Rande des Brettes. „Aber wir haben doch nie...“ „Einerlei!" unterbrach ihn der Geheimiat, ich habe mich immer an die Regel gehalten.. machen Sie einen Strafzug mt dem König!“ geschah etwas Ungeheuerliches. Hilarius fuhr mit der Hand über die Breite des Breites, ballte die Steine zu einem regeliosen Trümmerhaufen und rief mit zitternden Lippen:„Josef, 3ohlen! gu gtarachant Saams 9 An jenem trüben Winteraveno nonnten die eiligen Berliner zwei alte Herren die mit verstörten Gesichtern leise vor sich hinsprechend ihren Behausungen zuwanderten.