E 9 5: a.9 S 3 3 65 S—. 15“: S S 197:: # S S.“ *:* S SSSTSS S M 3 S STSS SE GSSassS m a. S. S 9TSg* 3 a Ta-agnn J. P5.-35T K ∆ **"**—. * S•0 #S S 1. S:** * 8 7 2 K s S.. s S 2 8 0 9 S18 S S 6 S 9. S 8 5 D. B 6 2 9 8 8 45# S2 2 8 S D. 67 2 S.S 10g d eg.“ g. 95 5 2—"** S S S 02 SS.SRE 9* S: S. 5** * 3 6 *** 90 Gi#blichgune, die fahlen Lippen sind leicht geöfnet; wie lächelnd. Und die Blicke der weit ausgerissenen Augen haften in weißlicher Starre an dem Kopf der Schlange. Die Kajütenuhr schlägt. Nissen zählt sieben laigsame Schläge. Sein Körper bedeckt sich mit b#tem Schweiß; er liest am Abreißkalender den Wochentag:„Mittwoch". Darunter den Fumenaufdruck„Gallmeyer u. Sohn, Schifssaurüstungen, Bremen". Wunderlich klar und nü htern liest er das; sachlich. Er fühlt sich beobachtet. Behutsam, wie träge, mi: nach vor hängenden Schultern— so wie es ihn getrossen hatte— wendet er sich zu dem Mädchen.. Sieht das zurückgebogene Haupt, ein von abgründiger Leidenschaft und namenloser Verachtung verzerrtes Gesicht, sieht es im Bund ihrer Augen unheilvoll aufflackem Daa beginnt der Lasbare zu sprechen.. Halbsaue singende Worte, in magischem Rhythmus, mit unbeweglichen Lippen. Die Abgeschiedenheit von Jahrtausenden steigt dumpf aus seiner Ketlle hervor. Wer ist dan. wer ist dos.. rätselt der Kapitim. Ein braumes, tönendes Steinbild Die seine Zunge der Kobra beginnt eifrig zu spielen. Ihr schillernder Oberkörper wiegt sich in chythmischen Kreisen. Sorglos tonzt ihr debrillter Hals über dem Korh, den zwei indische Menschen halten. Dann rieselt sie wie ein herabfallendes Tau auf die Früchte. Einen Strahl roten Betelsaftes speit die wutbebende Frau auf den Sieger und entweicht aurch die Tün Seitdem aß Peter Aissen keine Bananen „ Die schöne Stizze von Karl Haus Strobl. Ta Quen=Hai, der König von U aufbrach, um Kiang=Sung, den König von Yu, in seiner Hauptstadtzu besuchen, fingen die Glocken aus Porzellan auf den Türmen ohne Windesregen von selbst zu läuten an. Heu=Hing, der Torhüter, stand unter dem Tor und sagte, indem er dem König mit ausgestreckter Hand wehrte: „O König, die Glocken haben von selbst zu läuren begonnen; es ist der Atem der Unsichtbaren, der sie in Bewegung setzt. Kehre um!“ Der König aber antwortete:„Geladen hat mich Kiang=Sung, der König von Yu, mein Freund. Warum sollte ich umkehren?“ Heu=Hing wich nicht aus dem Weg:„Ich sehe die drei Himmel offen. Es sind viele Unsterbliche herabgestiegen, um neben Dir einher zu geben. Der König antwortete:„Ich werde meinen Freund, den König Kiang=Sung, bitten, ihnen Milch und Honig in goldenen Schalen auf die Treppen seiner Tempel stellen zu lassen.“ Heu=Hing wich nicht aus dem Weg und fuhr fort:„Die Sternbilder, die Dein Reich beschützen, sind betrübt; der Orion hat sein Haupt verhüllt und der Skorpion den Stachel gegen sich selbst gekehrt.“ Da fragte der König:„Heu=Hing, wie oft habe ich dir das Amt eines Zensors angeboten?“ „Du hast es mir dreimal angeboten, o König“ antwortete der Torhüter. „Und warum hast Du, Heu=Hing, der Du unter allen Weisen meines Landes der weiseste bist, alle Ehren und Aemter ausgeschlagen, um in Armut als ein Torhüter vor meinem Palast zu wohnen?“ „Weil es mein Herz so von mir verlangt", antwortete der Weise,„und man dem Herzen nicht widersprechen soll.“ „Nun denn“, sagte Quen=Hai,„mein Herz verlangt von mir, daß ich King=Sung, den König von Yu, besuche, da er mich zu sich geladen hat, um nach dem langen, blutigen Kampfe zwischen seinem und meinem Volke Frieden zu machen.“ Da erwiderte Heu=Hing, der Weise, der ein Torhüter war, obzwar er des Königs Zensor hätte sein können, nichts mehr und gab dem König den Weg frei, um mit seinem glänzenden Gefolge nach der Hauptstadt des Reiches Yu zu ziehen... Und da sich die beiden Könige auf dem Teich ses Parkes unter den geschwungenen Brücken zuis dem Holz des Aglajabaumes rudern ließen unterbrach Quen=Hai das vertrauliche Gespräch indem er auf die Wassercosen deutete, die auf liyren ausgebreiteten Blättern im schwarzen Wasser schwammen:„Siehe, mein Freund, die Wasserrosen, wie sie auf ihren ausgebreiteten Blättern im schwarzen Wasser schwimmen. Wovon ist die reine Weiße ihrer Biütenblätter so rot gesprenkelt, als wären Blutstropfen über sie hingespritzt?“ Kiang=Sung, der König von Yu, antwortete: „Es ist in der Nacht aus dem dritten der Himmel, dem roten, ein blutiger Tau gefallen, davon sind die Blüten der Wasserrosen so gesprenkelt.“ Als sie dann im Vollmond auf der Terrasse saßen und Wein tranken aus Kelchen von Onyz erhob sich eine klagende Stimme im Gebüsch, die sang trauervoll, daß es Quen=Hai aus Herz griff: „Wenn ihr mich fragt, woher ich komme, So beginne ich zu itammeln und weiß keine Antwort. Wenn ihr mich fragt, wohin ich gehe, Dann senke ich das Haupt und beginne zu weinen.“ Da fragte der König von U:„Wer ist der Sänger, der so klagt wie ein Verbannter oder ein Sterbender?“ Kiang=Sung antwortete:„Ich weiß es nicht", und er sandte Diener aus, den Sänger zu suschen. Aber sie fanden ihn nicht, weder am Gebüsch noch anderswo. In dieser Nacht, da Quen=Hai mit seinem Gefolge in dem Pavillon schlief, drangen die Mörder des Königs von Yu in die Gemächer und ermordeten Quen=Hai und die Seinen auf ihren Matten aus Lungsu=Schilf. Nur einen Sänftenträger der die Geister der Nacht nicht fürchtete und sein Lager vor dem Pavillon aufgeschlagen hatte, gelang es, zu entfliehen und die Nachricht von der Bluttat in die Hauptstadt des Reiches U. zu bringen. Da schwur Fu=Tschai, der Sohn des ermordeten Königs von U, er wolle auf der bloßen Erde schlafen und die Speisen nicht anders genießen, als mit Galle vermischt, bis er den Tod seines Vaters an dem König von Yu gerächt haben würde. Er war ein Knabe, als er diesen Schwur getan hatte, und er hielt ihn, bis er ein Jüngling war; da ließ er sich aus den Vu=chan Bergen Bären bringen und warf sie im Ringkampf zu Boden. Hierauf erschien ihm des Nachts, da er im Traume lag, ein großer Vogel; auf dessen Rücken saß ein Unsterblicher; der reichte Fu Tschai ein Schwert und deutete mit der Hand in der Richtung, wo das Königreich Yu lag. Am nächsten Morgen ließ Fu=Tschai verkünden, Si=wangmu sei ihm erschienen. Er versammelte sein Heer und zog aus, um seine Rache zu vollziehen. Am Grenzflusse stellte sich ihm Kiang=Sung entgegen, aber er wurde in blutiger Schlacht niedergeworfen und mußte fliehen. Zugleich mit seinen geschlagenen Truppen drangen die Soldaten Fu=Tschais in die Hauptstadt, allen voran Fu=Tschai selbst; denn er begehrte nichts so sehr, als den Mörder seines Vaters zu fangen und zu töten. Da er aber an einem Brunnen vorüber kam, da sah er ein Mädchen, über den Rand gebeugt mit weißen Armen ein Gewand im Wasser spülen. Fu=Tschai verhielt sein Pferd und starrte das Mädchen an; denn es war ihm, als sei ihm eine der Himmlischen erschienen. Man sagte ihm, das Mädchen heiße Si=Tschi und gelte als das schönste im ganzen Reiche Yu. Während aber der König Fu=Tschai noch wie ein Verzauberter auf seinem Pferd saß, drängte ein Trupp Soldaten mit Geschrei einen Haufen fliehender Feinde aus einer Nebengasse vor sich her, und als der Tumult sich verlaufen hatte, war die schöne Si=Tschi verschwunden. Da sprengte ihm auf schäumendem Roß sein erster Feldherr entgegen und rief schon von weitem:„Dein Sieg ist vollendet, o König, und die Rache in Deiner Hand. Wir haben den Mörder Deines Vaters in seinem Palast gefangen.“ Fu=Tschai aber antwortete mit einem tiefen Seufzer:„An diesem Brunnen sah ich soeben ein Mädchen, Si=Tschi, schön wie eine der Himm lischen. Sie ist mir entschwunden.“ Der Feldherr, der erwartet hatte, daß der König für seine Nachricht den Mantel ausziehen und ihn dem Boten umhängen werde, fuhr fort:„Wir haben Kiang=Sung in einen Käfig aus Eisenstäben gesetzt. Da erwartet er nun jammernd und wehklagend Deinen Urteils(spruuch! Fu=Tschai erwiderte:„Wenn ich die schöne Si=Tschi nicht wieder sehe, so birst mir das Herz. Sendet Rufer in alle Straßen und lasset ausrufen, der König von U suche die schöne Si=Tschi und wer sie ihm bringe oder weise, der dürfe fordern, was er wolle.“ Es geschah nach seinen Worten, und die Rufer gingen durch alle Straßen und verkündeten die Herzensnot ihres Königs. Den gefangenen Mörder aber hatte Fu=Tschai völlig vergessen und hätte seiner auch nicht gedacht, wenn nicht Kiang=Sung selbst ihn hätte rufen lassen. Fu=Tschai trat vor den König, und der Gefangene hielt sich an den Gitterstäben fest und sagte:„Du suchst ein Mädchen namens SiTschi, die Schönste des ganzen Reiches Yu.“ Fu=Tschai sah ihn an und sagte:„Bist Du nicht der Mörder meines Vaters?“ Kiang=Sung erwiderte lächelnd:„Wisse, daß die schöne Si=Tschi meine Geliebte war und sich in meiner Gewalt befindet. Sie ist in den Händen meiner Vertrauten, und diese haben Auftrag Si=Tschi zu töten, wenn mir ein Leid angetan wird.“ Da trat der König die Pflicht gegen den Himmel und den Geist seines Vaters unter seine Füße und fragte:„Was begehrst Du, um SiTschi freizulassen und mir zu geben?“ „Ich begehre das Leben, die Freiheit und den Abzug Deines Heeres aus meinem Land“, antwortete der Gefangene. Fu=Tschai befahl drei Becher Weines zu bringen, die trank er mit dem Mörder seines Vaters je zur Hälfte, auf daß der Vertrag seine Gültigkeit habe; und als Si=Tschi auf Geheiß Kiang=Sungs herbei geführt worden war, öffnete Fu=Tschai selbst die Türe des Käfigs. Hierauf zog er mit seinem Heer in die Heimat zurück, und neben ihm trugen zwei weiße Maultiere die goldene Sänfte mit der schönen Si=Tschi. Er hörte nicht das Murren seines Heeres, das mit diesem Ausgang unzufrieden war; er merkte nichts von der Verlegenheit der Höflinge, die nicht wußten, was sie sagen sollten; sein Herz war wie ein betäubter Falter, der immerfort gegen das Glas der Lampe stößt hinter dem die Flamme brennt, das einzige, was für ihn auf der Welt vorhanden ist. Seine Schwestern kamen, um ihn zu erinnern, daß die Tochter eines Nachbarfürsten auf seine Boten warte, die sie als seine Frau nach Ku=Su, seiner Hauptstadt, holen sollten. Er antwortete:„Habt Ihr in Si=Tschis Augen gesehen? Sind sie nicht klarer als die Wasser des Herbstes, die den ganzen Himmel umfassen und spiegeln?“ Seine Mandarinen kamen und berichteten über Unordnung im Lande und Mißmut der Untertanen. Seine Feldherrn meldeten, daß Kiang=Sung an den Grenzen des Reiches eine bedrohliche Menge von Truppen zusammen ziehe. Er antwortete:„Ein Kirschblütenblatt fiel auf die Hand meiner Liebsten; es war grob und rauh neben dem Seidenglanz ihrer Hand.“ Auf der höchsten Terrasse seiner Residenz Kuzu lag der König auf dem Ruhebett aus Jade ausgestreckt. Im Garten regten sich träumerisch die Wipfel der Bäume, der Duft der Lotosblüten kam wie ein leiser Hauch, erfrischt vom Tau. Lächelnd tanzte Si=Tschi vor dem König. Die goldenen Lilien ihrer Füße, nicht größer als eine Kinderfaust, berührten den Boden nicht. Sie schwebte in holdseligster Anmut wie die Fee eines blühenden Pflaumenbaumes. Sehnsüchtig streckte Fu=Tschai die Hand nach ihr aus, und lächelnd schwebte sie näher an den Rand des Ruhebettes aus Jade. In dieser Nacht sandte die schöne Si=Tschi einen Boten an Kiang=Sung, ihren Gebieter, den König von Yu. Und in der nächsten Nacht brannten die Dörfer auf dem Weg von der Grenze nach Ku=Su, der Hauptstadt von U. An der Spitze seines Heeres kam Kiang=Sung wie ein Wirbelwind heran und brach in den Palast seines Feindes ein. Er fand Fu=Tschu in den Armen der schönen Si=Tschi und schlug ihm auf dem Ruhebett von Jade den Kopf ab. Die aufgehende Sonne fand den Kopf des Königs auf der höchsten Terrasse des Palastes an der Spitze einer Lanze. Als die Blutstropfen im ersten Strahl der Sonne funkelnd zu Boden fielen, sprachen sie: „Was ist der Glanz Deines Lichtes gegen den Schimmer des Nackens meiner Liebsten?“ Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. 9 . 95 S. TSS g. S S S S S E — S S85S5S S E• 7 à 5 5 Kinderglaube behält Recht Skizze von Clemens Heiß=Berlin. Zwei Wanderer schritten rüstig über die Straße von Glückstadt nach Krempe. Ein seltsam Paar, der eine groß, ernst, mit langen Armen; der andere untersetzt mit einem kleinen Bäuchlein. „Sieh mal, lieber Klaus Groth,“ sagte der Kleinere, Untersetztere,„wie der Wind die Straße reingesegt hat von allem Staub!“ Ein fröhliches Lächeln, halb listig, halb spöttisch und doch gütig verstehend spielte um seinen Mund; wie ein Soldat marschierte er aufrecht und stramm. Der Große schritt ernst daneben, den Kopf etwas vorgeneigt, als schämte er sich seiner Größe; in Wahrheit hatte die gewohnte gebeugte Haltung über den Büchern sich in seiner Haltung ausgeprägt. „Ja, Detel,“ erwiderte er,„der Wind ist gesund für unsere Lungen, aber den Bäumen bekommt er nicht. Schau, wie sich die Rüstern alle schon nach Osten, dem Winde weichend, gebogen haben. So weicht auch der Kluge dem starken Druche.“ „Oder stürzt sich ihm schneidig entgegen.“ antwortete Detel,„und rennt ihn über den Hausen. Doch liebe ich nicht zweckloses Ungemach und werfe unnütze Last gern von mir. Nur wer sich die Arme frei zu halten weiß, siegt im Kampfe." Er hatte zum kräftigen Mittagsmahl eine Flasche guten Rotwein getrunken. Er pflegte die Feste ja zu feiern, wie sie sielen, und nach allzu langer Pause hatte der Geldbote endlich einmal eine Sendung aus Berlin gebracht. So hatte er eine festliche Mahlzeit gehalten und seinen alten Freund Klaus zum Ausflug eingeladen. Der Schweiß perlte ihm schon unter dem leichten Panamahut in großen Tropfen hervor. „Der wird mir zu lästig,“ sagte er leichthin und zog seinen grünlich=grauen Sommerüberzieher aus, wandte seine Schritte zum nächsten Baum und hängte den Mantel sorglos an den niedrigsten Ast. „Aber Detel,“ sagte Klaus,„es wäre doch schade um den schönen Ueberzieher, der wird leicht einen Liebhaber finden.“ „Mag sein, dann wird er ihn wohl nötiger haben als ich. Der Mantel bleibt hängen. Ich wette drei Pullen der seligen Witwe Cliquot, er hängt noch da bei unserer Rückkehr.“ „Ich halte die Wette; doch rate ich dir Detel, zähme deinen Uebermut, nimm sie zurück!“ Jetzt kam für einen kurzen Augenblick ein harter Zug in das heitere Kindergesicht. Perrschsüchtige Dämonen der Ahnen trieben wohl ihr Wesen davin. „Nein,“ sagte er schon wieder lächelnd,„der ihn nimmt, braucht ihn sicher, wie ich sohon gesagt habe, notwendiger als ich. Wenig tens in dieser Gegend sind die Spitzbuben seltener als die weißen Raben." Von der unbequemen Last befreit, schritt er kräftig aus. Klaus warf einen sor envollen Blick zurück nach dem Ueberzieher, der sich im Winde lustig blähte. Detel erzählte auf dem Wege noch manchen schnurrigen Schnack. In Krempe beyrten sie im Ratskeller ein und ließen es sich bei guter Kost und dampfendem Punsch wohl sein. Detel war voll übersprudelnder Laune, und so zog sich die angeregte heitere Sitzung bis in den späten Nachmittag hin. Kaum waren die beiden in Krempe einmarschiert, als ein schmucker, junger Mann auf demselben Wege das schöne Städtchen verleß. Auch er liebte das idyllische alte Städtchen mit dem schönen Marktplatz, dem alten Rathaus und seinem Treppengiebel. Als der junge Mann den Mantel slattern sah, Heimgang Die Lüfte flüstern leicht und sacht Den lieben Heimatgruß mir zu. Das Mondlicht flimmert durch die Nacht, Und alles liegt in tiefer Ruh. Nur manchmal wird im stillen Land Ein ferner Hofhund scharf und lout. Der Bach glänzt wie ein Silberband, Von Jugend her mir noch vertraut. Und näher komm' ich an das Tor, Nach dem ich immer voll Begehr. Drei stolze Tannen stehn davor Und rauschen meiner Wiederkehr. Franz Cingia. heißen, wenn das nicht Lilienerons Mantel ist. Zu allem Ueberflusse entdeckte er noch einen Briefumschlag mit der Anschrift: an Herrn Detlev von Liliencron. Mit kunstgerechter Hand wandte er ihn um, schrieb einige Worte darauf und befestigte das so rasch aus dem Stegreif gefertigte Plakat am Baum, der den Ueberzieher getragen hatte. Der Grogdunst hatte Detels treues Gedächtnis nicht getrübt. Als sie dem Baume näherkamen, sagte er lachend:„Ich habe wohl die Wette verloren, der Mantel ist weg.“ Sie wollten schon vorbei gehen, da bemerkte Klaus einen Zettel am Baum. Er löste ihn und las:„Ein Postmensch, in solchen Dingen geübt, befördert, hochverehrter Herr Baron, Ihren Ueberzieher in den Ratskeller zu Glücksstadt. Es möchte sonst doch ein Kunde kommen, dem der Ueberzieher paßt, und der den feinsinnigen Dichter mit seinem köstlichen Humor nicht so hoch schätzt wie ich.“ „Nun habe ich doch verloren,“ sagte Klaus gelassen. „Der Fall ist zweifelhaft,“ entgegnete Detel heiter.„Drum machen wir halbpart.“ „Aber für heute genügt eine Flasche,“ meinte Klaus. „Richtig,“ sagte Detel,„an den beiden andern mag der Postmensch teilnehmen.“ Detlev von Liliencron ließ an den vom Wirt rasch ermittelten Postassistenten Fritz Lau in aller Form eine Einladung zu einer Flasche Champagner als Finderlohn ergehen. Für Lau war es der schönste Tag seines Lebens, sich mit seinem verehrten Vorbild Klaus Groth und mit dem Liliencron, dem„letzten Grandseigneur", unterhalten zu können. Fachsimpeln verbot der von heiterer Laune übersprudelnde Freiherr in diesem seltenen Kleeblatt der drei niederdeutschen Dichter. Doch eine Handschrift des ehrlichen Finders seines Mantels las er sofort aufmerksam und sagte:„Brav, junger Mann, fahren Sie so fort. aber behalten Sie Ihr Aemtchen! Avoll hält seine Diener knapp im Futter.“ —2— Bergsehnsucht Skizze von G. W. Beyer. Das Regiment hat das Dreieck auf der Kuppe des Monte Valderoa besetzt. In der Nordstellung liegt das Gewehr Pollinger. Der Posten im Graben schlägt knallend die Bergschuhe zusammen; das verscheucht wenigstens für kurze Augenblicke die Kälte aus den Füßen. Unter der Zeltbahn vor dem Loch zum Unterstard kriecht der Oberjäger Pollinger hervor. „Na, Michel, frierst?“ fragt er teilnahmsvoll. „Ja und net z’wenig!“ brummt der Mann. „Heut hat's g'’wiß zwanzig Grad.“ Erfreut reicht ihm der Michel die Leuchtpistole und verschwindet hinter der steifgefrorenen [telbahr. Drüben im Osten raucht ein marter, rötlicher Schimmer auf; schwarzblau wie Tinte zeichnen sich die Umvisse der Julischen Alpen vom lich ten Hintergrund ab; langsam wächst die Heiligkeit; zwischen den Bergspitzen schießen Strahlen hewvor und beleuchten die Kuppen der Venetianer. Sinnend steht der Oberjäger und genießt das langentbehrte Schauspiel. Mehr als zwei Jahre ist es her, daß er zuletzt drüben auf der Kreuzspitze gestanden und den Anblick seiner geliebten Berge genossen hat, mehr als zwei Jahre, seitdem er von ihnen Abschied genommen, um seinem Regiment in den Schmutz Serbiens, in den Höllenkessel von Verdun, und in die Waldeinsamkeit Siebenbürgens zu folgen. Wo er in dieser Zeit gewesen war, überall riefen und lockten ihn die Erinnerungen an die Berge, an seine Berge, die er kannte wie kein zweiter zwischen Vorarlberg und Wiener Wald, zwischen Wetterstein und Dolomiten: Als Junge von zehn Jahren hatte ihn sein Vater zum ersten Mal mitgenommen auf den Herzogstand; wie eine Offenbarung erschienen dem Knaben die Wunder der Gebirgswelt, und er fühlte, daß die Berge ganz von ihm Besitz ergriffen und ihn nie wieder freigeben würden. Seitdem gab es keinen anderen Gedanken für ihn als: Hinaus in die Berge! Jeder Sonntag sah die beiden, Vater und Sohn, auf einem Gipfel des Wettersteins oder Karwendels. Die Ferien führten sie hinüber nach Tirol, ins Salzburgische, nach Steiermark, nach Kärnten, und dort drüben am Fuß des Glockners, den jetzt die ersten Strahlen der Sonne treffen, dort in Windisch=Matrei liegt der Vater auf dem Friedhof neben den anderen Opfern der Schneepyramide. Allein stürmte der Sohn weiter von Gipfel zu Gipfel trotz der Bitten seiner Mutter; die Berge waren stärker als sie.. Höher und höher steigt die Sonne; langsam hebt sich der dunkle Schleier über den Dolomiten. Taucht nicht dort der Sorapis auf, von der schönsten Erinnerung seines Lebens vergoldet? Dort hat er einst das fvische junge Mädchen getroffen, als er einsam seine Pfade wanderte. Und da wächst der Cimone della Palla aus dem Dunkel hervor, auf dem die Beiden ein Jahr später beschlossen, gemeinsam durch die Berge und durch das Leben zu gehen! Nun sitzt sie daheim in ihrem Häuschen am Walchensee und sehnt sich nach ihm; eben wird sie seinen Brief erhalten haben, der ihr die Nachrictt bringt, daß sein Regiment in Italien lieat. Sie freut sich mit ihm, daß er wieder in seinen geliebten Bergen weilen darf, und hofft auf den Frieden, der sie beide einst wieder hinaufführt auf Kuppen und Zinnen. Hier auf den Valderoa soll sie mit ihm wandern und die Pracht der Berge genießen vom fernen Karst bis zum Ortler! In vollen Zügen trinkt er die reine Luft des jungen Wintertages; die letzten Schatten sind der Sonne gewichen, und in blendendem Weiß strahlen die schneebedeckten Gipfel. Er kann sich nicht satt sehen an dem lang entbehrten Anblick; er vergißt Krieg und Tod und sieht nur seine Berge, seine Berge... Drüben beim Italiener blitzt ein Funhe auf: ein matter Schlag trifft Pollingers Brust; langsam sinkt er an die Grabenwand. In den Augen des Toten spiegeln sich die Berge in schneeiger Pracht. „Geh''nein ins Loch!“ sagt Pollinger.„Ich rief er freudig: den kenne ich ja; Michel will ichbleib heraus für dich" Der Trick Skizze von Heinz=Herbert Brausewetter. Endlich war der Augenblick gekommen. Den ganzen langen Tag über hatte Frau Altne ihn sehnsüchtig erwartet. Zum ersten Male allein sein hier draußen in dieser einsamen Villa vor Wien! Den ersten Tag ohne ihn oder sehr war aues üderstanden. Noch einmal warf sie einen prüfenden Blick auf den altertümlichen Spiegel, dessen Scheiben ihr reizvolles Bild in drei Teile zerlegten. Ihrem Mann zu Ehren hatte sie sich festlich gekleidet. Er würde das blaue Samtkleid zwar nicht sehen können, über das er sich jedes Mal freute. Dafür aber würde sie ihn gleich hören! Dann ging sie ans Werk. Nur ein wenig bange war ihr. Ob es ihr gelingen würde, das nagelneue Rundfunkgerät genau so einzustellen, wie ihr Mann es sie gestern vor seiner Abreise gelehrt hatte?— Der Punkt an der Wellenskala stand fest. Daran durfte sie nichts ändern. Sie brauchte nur die vier Röhren zu heizen. Langsam, vorsichtig schaltete sie, bis die Lämpchen glühten. Etwas Zischen, Pfeifen, Knacken. Aber nach ein paar Sekunden, pünktlich, vernahm se den Ruf:„Achtung! Achtung! Hier ist Kronburg. Ostmarkenrundfunk!" Das war es, was sie suchte. Dort oben im Norden war er. Dort sollte er heute sprechen. Dorthin hatten sie ihn gerufen, mitten aus ihrem jungen Eheglück heraus, aus ihrem herrlichen Heim, das sie erst seit vierzehn Tagen bewohnten. „Unser„Wiener Abend in Wort und Ton' beginnt. Sie hören Trio b=dur von Schubert.“ — Jawohl, sie wußte. Zuerst das Trio, das übrigens sehr gut gespielt wurde; dann Arie von Mozart mit der üblichen Violine. Und dann kam er, der Höhepunkt des Abends: „Dr. Egon Froelich, der Wiener Dichter und Humorist.“— Vor ihr lag das Programm in der dicken Radiozeitung aufgeschlagen. Warm und deutlich klang der Sopran aus dem Lautsprecher in ihr reizendes, ganz in Biedermeier gehaltenes Zimmer:.„Il re pastove...“ Die Violine schmiegte sich an. — Dann drang lautes Händeklatschen durch den Aether. In die dunklen Augen der jungen Frau, die da im breiten Sessel lässig hingestreckt lauschte, den glatten Pagenkopf an die rote Schlummerrolle gekuschelt, trat ein strahlendes Leuchten; unwillkürlich richtete sie sich auf, spannte den Körper, beugte sich vor: Jetzt kam er. Sie sah ihn, wie er hinter dem Vorhang mit der Hand noch einmal nach der weißen Binde fuhr, soh ihn heraustreten, mit strahlendem Blick alle in den Bann seiner hochgereckten Erscheinung zwingen, hörte seine Stimme anklingen. Aber es blieb alles still. Kein Laut. Drückend empfand sie jetzt diese plötzliche Leere— Kein Mensch weit und breit. Auch Johann, der neue Diener, hatte sie für den Abend auf sein dringendes Bitten beurlaubt. Was sollte er auch? Sie kannte ihn kaum. Aber sein unterwürfiges Wesen, das zu dem sast ironischen Lächeln um seine Mundwinkel, zu seinen ein wenig zwinkernden Augen in einigem Widerspruch stand, war ihr unangenehm. Lieber war sie allein. Nervös sing sie an, an den Spulen zu drehen; gab mehr Heizung, weniger Rückkopplung, dann umgekehrt.— Nichts. Alles Ei, wie die Brünnlein rauschen Von J. N. Vogl. Ei, wie die Brünnlein rauschen, Die Brünnlein nah und fern. Es scheint auf sie zu lauschen Am Himmel Mond und Stern. Das ist ein süßes Klingen, Ein Klagen allerwärts, Als wär's, um Trost zu bringen Ins arme Menschenherz. Wie horch' ich euch so gerne, Ihr lieben Brünnlein, zu, Wenn über euch die Sterne, Und um euch Nacht und Ruh! scheid: die Verbindung ist heute abend nicht mehr herzustellen. Aber die kleine Frau hatte damit gerechnet. Ihr Plan stand fest.—— War das ein Flug!— Nacht. Rattern des Motors. Ab und zu blinkende Lichter von Städten, die sie überflogen. Und immer vor Augen das Bild: Egon da oben im Norden verunglückt; in der fremden Stadt; verkrüppelt... oder tot.— Würde sie ihn morgen noch lebend finden?—— In Dresden war ein zuvorkommender Herr der Dame behilflich, die in sichtlicher Aufregung ohne weiteres nach dem nächsten Telephon fragte, als sie noch kaum den Erdboden berührt hatte. Dann saß sie im Empfangsraum des Flughafens, während der sehr höfliche Herr an##### Ob es hier glücken würde?— Nach zeyn uamuten meldete sich blar und deutlich Kronburg. Es gab ein paar erstaunte Fragen dort. Dann verband man sie mit dem Zentralhotel. Sie mußte warten. Anscheinend wurde gesucht. Und da war ihr Mann drüben am Apparat; ein wenig verwundert gewiß; aber froh, fast lachend klang die Stimme an ihr Ohr:„Verunglückt, liebes Kind? Aber wieso denn! Im Gegenteil; reizende Sache hier. Großer Erfolg. Und famose Leute, ich sage dir“ —— Als Frau Aline Froelich am nächsten Vormittag nach banger Fahrt endlich vor ihrer Villa draußen vor Wien stand, streifte sie an der Haustür ein vom Dach herabhängender Kupferdraht. Es war die abgerissene Antenne. Drinnen, in ihrem prächtigen Heim, das sie mit ihrem Mann in Liebe eingerichter, war es öde und leer. Viel, viel leerer noch, als am Abend vorher. Ein paar minderwertige Sachen nur hatte man zurückgelassen; und zum Trost ihren geliebten Schreibsekretär. Auf der dunkel glänzenden Platte eine schwarz umrandete Karte:„Nochmals— herzliches Beileid!" Von Johann, dem Diener, fehlte jegliche Spur Da warf sich die kleine Frau schluchzend in die Kissen des grün bezogenen Mahagonisofas: „Das jetzt, gerade,„ Den ganzen Tag habe ich mich auf ven augenblick gefreut!"“ Da, ein Geräusch, aus der Ecke, in der ihr Schreibsekretär stand. Schrilles Klingeln.— Himmel, hatte sie sich erschrocken!— Nur das Lelephon wars. Wie ängstlich sie heute war! Dann nahm sie den Horer. Es war nicht zu verstehen, wer dort war. Was wollte er denn eigentlich?— Schonend teilnehmen? Mitfühlen? Beileid? Ja, aber. Da durchguckte sie ein Gedanke. Sie preßte die Hand auf die Platte; fest, ganz fest. Und dann hörte sie. Was der Ansager in Kronburg vor ein paar Minuten gesagt, als gerade ihr Gerät aussetzte! Daß das Auftreten des Wiener Gastes leider nicht stattfinden könne. Unvorhergesehene Umstände. Tragischer Unglücksfall. Mit dem Auto... auf der Fahrt zum Vortragsabend... Herzliches Beileid, nochmals: herzliches Beileid.. Einen Augenblick schwindelte Frau Lline. Der Hörer entglitt der zarten Hand. Sie taumelte in den Sessel. Aber dann hatte sie sich wieder in der Gewalt. Sie wollte noch etwas fragen. Wer war eigentlich der teilnehmende Freund? Man merkte ihm an, wie schwer ihm die Mitteilung wurde. Ach, gleichgültig jetzt. Es gab Wichtigeres. Jeden Augenblick konnte das Telegramm kommen. Bis dahin konnte schon etwas geschehen sein. „Bitte, Fernamt.“—„Bille, Kronburg in Preußen, Ostmarkenrundsunk.“—„O, das wird heute schwer halten!“ „Es muß gehen. Dringend, ja, natürlich!“ Aub benn pog emer Hassans Tod Skizze von William Quindt. Gegen Abend wurde die Hitze des Tages zur drückenden Schwüle. Der Himmel, der sich bis dahin unbeweglich in einem hellen, wie ausgebrannten Blau gewölbt, bezog sich mit tief hängenden, dunklen und bedrohlich geballten Wolken. Die Besucher des Zoologischen Gartens eilten von dennen, um Schutz vor dem drohenden Unwetter zu suchen, das sich bereits durch vereinzelte, schwer niederklatschende Regentropfen ankündigte. Noch rührte sich kein Wind. Die Schwüle lag lastend und unheimlich über dem Park. Die Blätter der Bäume bewegten sich nicht. Das Gras lag stumpf und wie geduckt. Die Rosen dufteten berauschend... Das Raubtierhaus lag bereits verschlossen. Der schwarze Panther, erst vor kurzem eingeliefert, rannte mit dem starken Schäde! gegen das Gitter und brüllte wild nach Freiheit. Die Pinnas sprangen wirr durcheinander, an den Wänden hinauf, am Gitter, wälzten sich auf dem Fußboden. Nur der Leopard lag still und unbeweglich auf seinem abgeschälten Baumstumpf, starrte mit glühenden Lichtern und geweiteter Pupille gegen das Tor, an das die Regentropfen klatschten. Die jungen Löwen balgten sich und kugelten hitzig übereinander. Ein junger Ozelot schrie hell wie ein Kind nach der Mutter. Alle aber ingend, ja, natürlich, übertönte Hassans dumpfer, wilder Schrei. Der Vuertehtunde der Be= Tiger stand aufrecht am Gitter, sein Schweif peitschte den Fußboden, sein schön geschnittener Kop frieb sich heftig an den Eisenstäben, und immer wieder stieß sein Schrei gegen die Decke der Halle, daß sie zu erbeben schien.— Draußen hörte der Regen auf. Minutenlang kein Hauch, kein Ton, nicht die geringste Bewegung unter dem drohenden Himmel. Dann zuckte flammender Vernichtungswille der Schöpfung— der erste Blitz zur Erde und traf das Raubtierhaus... Die Bestien brüllten auf, um dann jäh zu schweigen— von dem Luftdruck gegen die Rückwand ihrer Käfige geschleudert, von der grellen Feuersäule, die vor ihnen niedergefahren, geblendet. So lagen sie, betäubt, vernichtet, leise und wie furchtsam winselnd.— Bis ein heller Triumphschrei sie weckte: Hassans Ruf. Der Blitz hatte seinen Käfig gesprengt, die Vorderwand des Gitters lag verbogen und gekrümmt auf dem Stein des Fußbodens. Ueber das Eisen hinweg sprang mit langem Satz der Tiger, stand mitten in der Halle, sah sich um, sah, daß beide Tore weit geöffnet standen, von der Kraft des Blitzes auseinandergerissen. Noch einmal schaute er nach seinen Gefährten, als überlegte er, wie ihnen zu helfen sei. Dann lief er eilfertig zum Tore hinaus. Der erste Blitz hatte das Unwetter entfacht. Nun prasselte draußen der Regen, zuckten die Blitze, krachten die Donnerschläge. Einen Augenblick saß Hassan unter dem Tor, putzte sich wie ein zahmes Kätzchen, dann schoß er mit gewaltigen Sprüngen hinaus, über den Weg, über den Rasen, strich durch die Hecke der blühenden Rosen... Sekunden später gellte ein tausendstimmiger Schrei auf. Hunderte von Menschen, erbleicht, in zitternder Furcht, starrten in namenloser Angst zur Veranda des Restaurants hinüber, über deren Balustrade der mächtige Tiger schritt.— Hassan blieb stehen, als er die Schreie hörte, sah auf die Menschen, die wie hypnotisiert an seinen Blicken hingen. Dann wandte er sich, schlüpfte durch die Tischreihen im Garten und verschwand von neuem im Park. Ein Kellner stürzte zum Telephon, alarmierte den noch anwesenden Direktor. Der sammelte Wärter um sich, bewaffnete sie und zog mit ihnen aus, um den Tiger unschädlich zu machen.— Ein Brüllen, das sie erzittern ließ, wies ihnen den Weg. Hassan streckte sich wohlig unter dem Regen, rieb seine Nase an dem feuchten Gras, schnupperte an dem Duft der Rosen, wälzte sich strampelnd, schnurrend auf der Wiese, sprang dann fröhlich weiter durch das Land der neuen Freiheit. Kam am Hirschgehege vorbei, da sah er ein Kitzlein, das neugierig aus der Blockhütte sah. Mit einem Sprung war er über die Einfassung, stieg in die Hütte, packte aufbrüllend das junge Reh, trank rotes Blut und verschlang zartes, junges Fleisch.— Draußen warteten seine Verfolger auf ihn, denn keiner hatte den Mut, in die Blockhütte einzudringen. So standen sie am Gitter, hatten ihre Gewehregespannt und entsichert, lauerten. Der alte Franzek brummte:„Es ist ein Jammer um Hassan. Man sollte ihn doch nicht erschießen!" Der Direktor schnitt ihm schnell das Wort ab:„Es bleibt uns doch nichts anderes übrig, Franzek! Ja, wenn er sich nicht selber schon seinen Fraß gesucht, dann könnte man shnell eine Falle ausheben, ihn mit einem Köder anlocken. Aber so— wollen Sie ihn fangen, Franzek— so, mit den Händen vielleicht, he?“— Der korpulente Mann verstummre. Hassan stand in der Tür der Hütte, sah zu den Männern herüber. Keiner fand unter diesem Blick den Mut, den Arm zu heben, auf den Tiger zu schießen. Ehe sie sich erholt hatten von ihrer Verwirrung, war Hassan wieder über das Gitter gesetzt, glitt rasch durch den blühenden Flox, verschwand hinter den Rhododendronbüschen. Ah— er wollte nichts wissen von den Menschen, wollte nichts mit ihnen zu tun haben. Sie hatten ihn lange genug gequält— fünf lange Jahre— nun wollte er wieder frei sein, frei, wollte wieder jeigen und durch die blühende, duftende Dschungel streifen. wollte sein Fell dem Regen preisgebeen, den Blitzen und der Sonne, wollte seine Glieder strecken im Lauf und Sprung und, entronnen dem engen Käfig, das Licht trinken und die Weite... Die Wärter, beschämt. waren jetzt fest entschlossen, ein Ende zu machen und eilten dem Tiere nach.— Der alte Franzek war es, der ihn zuerst sah. An dem japanischen Brückchen, das sich zierlich und leuchtend rot über den kleinen Weiher schwang. Hassan trat behutsam aus der Hecke, verharrte windend einen Augenblick, dann sprang er auf die Brücke, vermied sörglich den breiten Weg, schritt langsam und balanzierend dahin.— □ 1—* * 2 *—— S• SEATGUDME“ SOHÖOPTEEEERE SEnFLREGSENSSGEPoLE SEPOTGS S SHG.PSEASBLESEGEEG BgELOESST SEE " Muh 88 m PHGFDAERSS„SOTDTSEE BaS gBS SppSES S 35S gMDEE ESGS Hablon unds Du soan— Der Direktor stand neben dem Akten, der früher Jahrzehnte als Tierfänger und Jäger in allen Erdteilen verbracht hatte und dennoch die Tiere— und am stärksten die großens Raubkatzen— mit leidenschaftlicher Hingabe liebte. Aufgeregt stieß er ihn an:„Sehen Sie doch, Franzek, sehen Sie! Da— da— schießen Sie, Mann, schießen Sie doch!“ Der Alte hob langsam das Gewehr, zielte lange und sehr sorgfältig— dann fiel sein Schuß.— Hassan schnellte mitten im Schritt meterhoch auf, überschlug sich, stürzte breit und klatschend in das Wasser, über das die weißen Schwäne entsetzt dahinstoben... „Armer Hassan!“ murmelte Franzek und setzte die Winchester ab. Armes Tier!"... An die Musst Der Orgel Machtgesang braust hoch vom Chor, Und durch der Töne wundersames Singen Wachsen der Seele weite Engelsschwingen; Anbetend schwebt zum Himmel sie empor. Wie muß die Güte doch unendlich sein Des Gottes, der die holden Harmonien Ins falsche Menschenland hieß ziehen, Ein Stück ihm seines Himmels zu verleihn! Günther Ziegler. Die Rettung Skizze von Helene Klepetar=Wien. Feierabend war vorüber. Die anderen Arbeiter hatten das Gerüst längst verlassen. Er kauerte auf seinem Brett in der Höhe des dritten Stocks. Nur ein paar Schritte hatte er, um zu der Leiter zu gelangen. Aber er konnte nicht. Die lang verhehlte Angst war zum Durchbruch gekommen. Er war nicht schwindelfrei! Wenn seine Kelle den Mörtel an die Mauer warf, daß er gegen die Fenster klatschte, schlug ihm das Herz gegen die Rippen. Das eine wußte er: dieser Bau war der letzte, an dem er arbeitete. Er wollte sich aufs Land verdingen, härtesten Dienst verrichten, nur nicht mehr auf Leitern und schwanken Gerüsten. Die Kameraden hänselten:„Ein Matrose und seekrank!“ Ahnten sie, was er uneingestanden litt? Gerade bei dieser Baufirma, die so unheimlich rasche Arbeit forderte. Das Gerüst war nicht sicher, das wußte er trotz aller Sachverständigengutachten. Wer nicht die Geschmeidigkeit einer Katze besaß, befand sich stets in Gefahr. Er hatte im Schützengraben gelegen, Granaten waren vor ihm geplatzt, nie aber hatte er ein so würgendes Angstgefühl gehabt wie jetzt in Dachhöhe auf dem leise zitternden Brett... Ein Schwung, ein rasches Zupacken beider Fäuste, und er war auf der Leiter. Aber eben das gelang ihm nicht. Kalter Schweiß überrieselte ihn. Die klammen Hände vor das Gesicht gepreßt, wartete er. Worauf? Auf das Abenddunkel, das den Abstieg noch gefährlicher machte, auf ein Uebernachten, das die Glieder erstarren ließ und ihn morgen dem Spott der Genossen aussetzte? Sollte er rufen, schreien? Vielleicht hörte ihn ein Schutzmann unten auf der Straße und rief die Feuerwehr mit Sprungtuch. Feigheit, elende Feigheit? Nein, nur Nerven, armselige Nerven und die Gewißheit, daß das Gerüst nachlässig aufgestellt war. Zum Teufel, wenn er stürzte, dann war wenigstens diese tägliche Furcht vorüber, und die Baugesellschaft würde seiner Mutter schon eine Entschädigungssumme zahlen. Sowie er nur die kleinste Bewegung machte, lief ein Zittern durch die Planke. Sie war morsch. Drei Stockwerke unter ihm brannten bereits die Laternen. Sah ihn denn niemand? Er zuckte auf. In Armesweite wurde an das Fenster geklopft. Ein helles Gesichtchen leuchtete hinter beschmutzten Scheiben, dicke Händchen patschten vergnügt. Es war der kleine Willi der Mietspartei im dritten Stock, der den Maueranwurf mit fröhlichem Krähen begrüßte. Erst gestern hatte er: „Mann! Mann!“ gerufen, während die Kinderpflegerin ihn sorglich festhielt. Das Kind mit dem weichen Antlitz und dem seidigen Haar. Die Maurer hatten ihm zugenickt, und die hübsche Pflegerin hatte gelacht, daß ihre Zähne blitzten. Ihm schoß der Gedanke durch den Kopf, daß sie, wen ner sich ihr verständlich machen konnte, das Fenster öffnen würde. Dann brauchte er bloß den Arm um das Fensterkreuz zu schlingen, konnte einsteigen und durch die Wohnung das Haus verlassen, brauchte nicht Sprosse für Sprosse die Leiter hinab zu steigen. Aber er sah sie nicht, der Kleine war allein. Da— täuschte er sich? Das Kind kletterte auf das Fensterbrett, drehte behende den Riegel auf und öffnete. Mutterseelenallein stand plötzlich der Dreijährige zwischen dem Gerüst und dem gähnenden Straßenschlund! Wo blieb die Wärterin, die pflichtvergessene? Was soll er tun? Die leiseste Gebärde konnte das Kind erschrecken, der Sturz war gewiß. Herankriechen trotz der Gefahr? Hilf Himmel. hier hebte der Mann, und dort stand ahnungslos das Kind. Es breitete die Händchen aus und winkte den weißen Tauden zu die mit schwerem Flügelschlag gegen den roten Abendschein flatterten. Es neigte sich vor— allein, noch während das Bübchen nach den Tauben langte und den dunklen, mit Kalk bespritzten Mann nicht gewahrte, hatte der sich von dem schaukelnden Brett auf das Simsgeschwungen. Seine Hände krallten sich in das Röckchen des Kleinen, rissen ihn nach rückwärts. Beide stürzten über das Fensterbrett ins Zimmer hinein. Erschrockenes Aufweinen des Kindes, röchelndes Stöhnen des Arbeiters, dumpfes Gepolter: Das Gerüst gab nach. Brett schlug auf Brett, der Tragbalken knirschte, die Leiter bog sich. Lärm auf der Straße. Im dunklen Türrahmen lehnte wie hingeweht eine Frau im weißen Kleid.„Einbrechr!“ gellte sie. Das Zimmer war in eine Wolke rieselnden Kalkstaubs gehüllt. Er reichte ihr das unversehrte Kind. Sie sah ihn mit entsetzten Augen an und begriff nicht. An ihr vorüber schritt er zur Tür, gelangte ungehindert ins Vorzimmer, taumelte die Treppen hinab. Auf dem Gehsteig brach er zusammen. —s0.— Gobra di Capello Skizze von Ernst Römer=Kiel. Ueber das arabische Meer ist mit titanischem Auftakt der Südwestmonsun herein gebrochen. Er überrennt die Malabarküste mit Regengüssen von unvergleichlicher Wucht, mit bläulich verästelten Blitzen und machtvollen Donnerschlägen und beruft die ausgeglühte, verdurstete Erde zu einem Wachstum von bedrückender Gewalt. Er wühlt das tropische Meer zu hohem Seegang auf und treibt die schiefergrauen Seen — von der Farbe des tieflastenden Himmels — gleich einer Schar wild gewordener Steppenpferde vor sich hin. Sie erreichen mit kraftgeschwellter Rennerbrust, mit weiß flatternden Mähnen das Heck des Dampfers, senken seinen Bug tief in die See, wälzen sich seitlich gegen die Bordwand u. bringen seinen Riesenleib zum Schlingern. Das Schiff arbeitet derartig schwer, daß sich der dunkelhäutige Rudergänger am Rad festhalten muß. Durch den Sturm klingt das helle in belle geitern aust dem Parht kn diese Früchte für Euch genauft, wie Ihr mir gesagt hattet. Auf dem Markt waren auch 3i. geuner und gaben Schaustellungen mit Shlauers Bei„Zigeuner“ spreizte er verachrimcy di Finger seiner erhobenen Hand: niedrigste Kaste! „Lalu hat scharfe Augen, Sahib— ich sah in dem Gedränge, wie mit einem dieser unreinen Tiere ein Hindumädchen sprach. Schnel und heimlich. Als es sich erkannt sieht, trifft mich ein Blick wie ein glüyender Pseil—— donn ist sie verschwunden. Diese Frau, Sahib.“— der Laskar zittert und schlägt seine Augen räeder, „diese Frau war Mandarika.. Und als Nissen ärgerlich die Stirn runzelt— „Seht Euch vor, Sahib, seht Euch vor! Nicht gut, wenn sie mit einem Zigeuner sprach Sein Herr haut auf die Tischplatte und droht ihm mit seinen hellen Friesenaugen. Aber der Inder steht da mit beschwörend vorgestreckten Armen; sein flehender Blick irrt zu dem Faauenbild an der Kajütenwand. Da besinnt sich der andere:„All right, Lalu. All right.“ So ein verfluchtes Land! Warum lief ihm nun wieder dieser Kram vor den Bug:. Lag ja schon Jahre zurück! Wo doch nun alles in Ordnung war. Peter Nissen äugt zu dem Bild an der Wand. —— Ader daheim in Bremerhaven wälzt sich zu diejer Stunde die kleine blonde Kapitänsfrau in einem bösen Traum: .. Sie sieht sich mit ihrem Manne in dem indutempel von Madura. Nachts. Die düsteren Gänge sind mit flackernden Oellampen spärlich erleuchtet. Fledermäuse streichen mt lautlosen Schwingen um ihre Köpfe. Dann stehen sie vor dem riesengroßen Bildnis eines fettleibigen vielarmigen Gottes; davor geistert ein Schattenspiel anbetender, halbnackter Männer mit grauenvoll unverständlichen Gebärden. Vom Schoß der knienden Gottheit gleitet ein Baadere herab— bewegt sich in unstätigen Tanzbewegungen auf ihren Mann zu——. Erschrocken will sie ihn an der Hand fortziehen doch eine große Fiedermaus kiallt sich in ihrem Haar fest, zerrt sie in eine Ecke des Tempels. Es liegt ihr auf der Brust— schnürt ih: die Kehle zu... Jetzt ist das Weib au den Mann zugesprungen, löst mit einem Ruck ihr öltriefendes schwarzes Haar und schlingt es ihm um den Hals, schleift ihn zu den Füßen Klirren von zerschelltem Porzellan. „Lalu, du Himmelhund.. nun hat der Keri wieder kein Geschirr in der Pantri, festgestaut, und ich muß bald aus den Händen futtern,“ flucht Kapitän Nissen Es ist der Breiner Dampfer„Senator Ahlers“ der mit seiner farbigen Besatzung von Antwerpen nach Ostindien fährt. Zuerst wird er Karatschi anlaufen; dann nach Bombay weiter dumpfen, die Küste hinunter und wieder zurück. In Karatschi soll inzwischen eine Ladung Gerste für die Heimreise bereitgestellt sein.—— Nach sechs Tagen hat das Schiff seine zweitausend Tonnen Stückgut gelöscht und ist auf dem Wege nach Bombay. An Backbord schimmert in breitem Sonnenglast die flache Malabarküste, an Steuerbord dehnt sich in unermeßlich blauer Heiterkeit der indische Ozean. Kapitän Nissen sitzt in seiner Kajüte über dei Landungspapieren und ißt Bananen. Als die letzte verspeist ist, ruft er seinem indischen Aufwärter zu, ihm neue zu bringen. Lalu fährt schon seit zwei Jahren mit ihm zusammen. Er ist ein treuer, zuverlässiger Kerl und der jungen Kapitänsfrau, die während der letzten Reise an Bord war, mit ehrfürchtiger Scheu ergeben. Der Laskare hat die Früchte auf den Tisch gestellt und bleibt dabei stehen. „Na, Lalu, was ist denn noch?“ fragt ihn sein Herr in dem üblichen Pigeon=Englisch. des Hindugottes: Dessen Arme bekommen Leben, verschlingen sich zu einem Knäuel durcheinander kriechenden Gewürms— sie packen den Körper des Ueberwältigten, die hervorquellenden Augen des Mannes suchen nach ihr mit dem Ausdruck qualvollster Angst.. Da erwacht die Träumende mit gellendem Schrei.—— —— Lalu sitzt beim Sonnenuntergung auf dem großen Poller, an dem die Vorleinen des Dampfers befestigt sind. Ein Küsteensegler strebt mit der ersterbenden Abendbrise cus dem Hafen von Bombay und verdeckt für einen Augenblick den rot versinkenden Feuerball der tagmüden Sonne. Das Klappern des Fallreeps läßt im hochfahren— er sieht auf ihm eine dunnel verhüllte Gestalt, die einen runden Bastkorb auf dem Kopfe trägt. Obst für seinen Kapitän? Solches wurde ihm häufig von Freunden an Bord gesandt. Aber jetzt? Und von einem Weib? Dem Laskaren sind für Sekunden die Glieder gelähmt, dann rast er mit fliegenden Beinen zum Fallreep, rast hinauf—— sieht das Weib die Tür zur Kajüte össnen— Kapitän Nissen hat in seiner Wohnkammer neben der halbdunklen Kajüte Briese geschrieben und will dem Weib frogenden Blicks den Korb mit den Früchten abnehmen, du stürmt sein Diener herein, schreit mit überschauppender Stimme:„Paß auf, Sah'b! Paß auf. Schib!“ — zerrt dem Weib das Kopfluch in den Nachen: — Mandarika Der Laskare will dem Mädchen den Korb entreißen— eine Hölle von loderndem Haß ergießt sich aus zwei Paar Angen—— da bewegt es sich sacht unter den Früchten im Korb, zwei Bananen tünnen sich öbereinander. fallen wieder zusammen—— und über ein braurleuchtende Ananas hinweg steigt der Kopf, der Leih einer Kobra in die Höhe.. Der zornig aufgeblähte könngliche Hals. ein Ich muß Sie sprechen, Kapitän Schtb.“ Diejschwarz gegabeltes Zünglein sichern sic die däglüherden Augen des Inders flackernimontische Herrschaft über Raum und Renschen vor Eriegung. Der Kapitän fährt aus den runden, im Deck besestigeen Drehstuhl verwunderi herum. Ta sagt Lai#: Die schlonten Hände des Laskaren kiehen am Bustgefiecht, des Mannes Hautfarbe spielt im