sang ins Genick und hinker die Löffel fährt. Schrilles, schnell ersterbendes Klagen kündet sann in der Winternacht, daß der weiße Tod wieder ein Opfer forderte. Und in den Hecken und Zäunen an den Gärten, die„man“ doch aus Not und namentlich dann einmal aufsuchen muß, wenn alle Obstzweigverschnitte an der Straße und die Weichhölzer am Waldrande schon gänzlich, so hoch wie der längste Hase— auch Gäste an diesem Hungertische— reicht, abgenagt sind und wie bleiche Knochen starren,— da lauert der Tod in noch heimtückischerer Gestalt. Heute würde es ihm, Flitz, nicht mehr begegnen, aber vor zwei Jahren hätte er sich beinahe aufgehängt in der meuchlerischen Drahtschlinge zwischen zwei Staketlatten. Weißblume, das unvorsichtige Kaninchenmädchen, hing in verselben Nacht in einem ähnlichen Morddraht in der Hecke des Nachbargartens.— Ja, ja, denkt Flitz, in der warmen Sonne sich räkelnd und nach Kratzbürste, der Kaninchenhäsin schielend, die seit einiger Zeit mit ihren acht Jungen nach Würzkräutern vor der Hecke sucht, in der ihr Mutterbau liegt. Hei, wie die Kleinen flitzen und setzen können, wie die Lämmer auf der Weide! Hoppla! fliegt eins über den Rücken der Alten, oh! liegt ein anderes auf der Nase! Aber Spaß macht das Leben wieder! Ganz andere Sache als bei dem Sauwetter, wo ja der Balg nicht trocken wurde. Ha —tsil siehste, hast'n Schnupfen gekriegt, Kleinchen. Hopse nur tüchtig, dann geht er wieder weg. Die Alte läßt keinen Seher von den Jungen, achtet aber auch auf Flitz, den faulen Rammler Oh, diese Männer, will sagen Rammler! Biß ihr doch solch ein Lümmel vom vorigen Satz zwei Junge tot und hätte sich noch mehr erlaubt, wenn sie ihm nicht bewiesen hätte, daß sie mit Recht Kratzbürste heißt! Wie er schielt, der alte Lustkopp!— Da— klopp, klopp! macht der Alte, der ausgefahren ist, mit den Hinterläufen, und hui— ist die ganze Gesellschaft in die Baue gefahren. Mutter Kratz= bürste in die nahe Fallröhre. Blitzschwinge, das starke Habichtsweibchen aus der Klosterforst, sauste über die untere Hecke und griff eine Misteldrossel, die auf der Kleeschur wurmte. Ja, Flitz, der alte Lustkopp, hat auch seine guten Seiten, ist auch im Halbschlafe wachsam und hat durch seine Kloppsignale schon manches, manches Kaninchen, auch manchen Hasen gerettet. Eine halbe Stunde bleibt der Anger vor der langen Hecke frei, dann kommen sie nach und nach alle wieder zum Vorschein, denn der Sonnentag muß gehörig ausgekostet werden! Anderthalb Dutzend der grauen Flitzer beleben jetzt den breiten Heckenrand. Junge Vorwitze wagen sich auch schon in die anschließenden Felder, die meisten aber wollen Sonne haben und ziehen das Verweilen nahe der schützenden Baue vor, denn es ist noch Tag und da kann noch immer der schlimm ste Feind mit seinem Spießgesellen erscheinen. Sein Balg ist meist grün, seine Zähne nagen fast immer an einem krummgebogenen Horn, unter dem ein kleiner Tassenkopf hängt. Das Ganze qualmt und stinkt für eine Wildkaninchennase gemein, und die Spucke von dem Manne ist meist braun wie Eichensaft, bloß nicht so wohlriechend. Ueber der Schulter trägt dieses Untier auf zwei Läufen ein Doppelrohr, das kracht wie der Donner und speit tödlichen Hagel. Und der Spießgeselle verrät ihm mit seiner unfehlbaren Nase jegliches Wild, ist flott auf den Läufen und besonders auf Karnickel so giftig, wie sie ihn hassen. Und was er einmal im Fange hat, das wandert ohne Erbarmen in die ewigen Kleegründe, zuvor aber gehackt und in heißem Pfeffer umgewendet in die glühende Bratpfanne. Bum, bum! Flitz fährt hoch. Der große Feind ist in der Nähe! Jiff, jaff! Das war der Hals des Spießgesellen! Au— weih, o weh! Das war das Klagen eines Standesgenossen, den der Jäger krankschoß und der mit den beiden Sätzen sein Testament machte. Flitz hält die Löffel steif, den einen Hinterlauf leicht gehoben,— soll er das Signal„Gefahr und Tod“ geben? Die Alte äst mit ihren Jungen weiter. Flitz ist gewarnt, ein Glück nur, daß das Morden des grünen Feindes so kracht. Es gäbe ja sonst keine Karnickel mehr. Es will dämmrig werden. Flitz sitzt noch immer wie eine Bildsäule. Dieses Dämmerlicht heißt schwerste Gefahr, schwarze Nacht dagegen ist gut. Aber im Dämmern des Abends wie des Morgens schleichen die beiden Hauptfeinde mit Vorliebe an den Hecken und Waldrändern entlang, hocken in ihren Verstek ken, die Ansitz=plätze und Anstände heißen, lauern auf Beute. Da blitzt auf dem Wege, der nach den Hecken führt, ein Licht auf. Klopp, klopp! und Flitz bollert zu Bau und mit ihm alles, was noch nicht zu Felde gebonnelt war, voran Mutter Kratzbürste mit ihren Sprößlingen. Im Kessel des Mutterbaues lobt die Alte Fritz, den Karnickelvater. und sie mahnt ihre Jungen, von ihm zu lernen und sich nach ihm zu richten. Flitz aber weiß jetzt, wozu die Pfeife des Jägers gut ist, wenn man ihn nicht vernehmen, nicht äugen, nicht winden; kann. Wäre das Licht seines Feuerzeuges nicht aufgeblitzt, dann hätte er sich unbemerkt um die Ecke schleichen können, der Listige, wie er es oft und gerne tut in der Dämmerung und ganz besonders nach dem Regen. Dann läge Flitz höchstwahrscheinlich im Hasensarge, den sie Rucksack nennen, neben den andern Opfern dieses Nachmittags. So aber steckt er gesund im Bau, und der grüne Feind und sein Spießgeselle sollen sich heute abend vergeblich lahmsitzen unter dem alten Holunderbusche an der Karnickelhecke, weil Flitz gut aufgepaßt hat. [— Die neue Idee Groteske von Hubert Saget=Basel. Mr. John Blacksoul hatte seinen Weg über alte Lumpen und Gemüsekonsewen zur Versicherungs=Poliec erfolgreich zurückgelegt. Die Geschäfte gingen glänzend; trotzdem erschienen Mr. Blacksoul age bis jetzt gepflegten Versicherungszweige: Haftpflicht, Einbruch, Feuer und Leben zu abgeschmackt, zu überlaufen. Er wollte unbedingt etwas Neues, etwas Originelles einführen. Eines schönen Tages, als der vielseitige Unternehmer gerade das Problem einer Versicherung gegen Berufsbeinträchtigung durch Hühneraugen wälzte, erschien bei ihm ein junger Mann, der sich Billy Knowall nannte. „Wollen Sie mehr Dollars machen?“ fragte der Besucher ohne lange Vorrede. „So wahr ich lebe,“ entgegnete Mr. Blacksoul „Allright. Ich bringe Ihnen eine neue Versicherungs=Idee. Wenn Sie annehmen, zahlen Sie mir eine einmalige Entschädigung von 1000 Dollars. Wollen Sie?" Mr. Blacksoul wollte. „Ich schlage Ihnen eine Versicherung gegen Betrug vor," begann Billy, indem er ein großes Stück Kaugummi zwischen seinen Zähnen verstaute.„Jeder Geschäftsmann wird gelegentlich betrogen, und dadurch bieten sich tausend wunderbare Möglichkeiten. Die Betrugsversicherung darf natürlich kein zu hohes Risiko für Sie bedeuten, und darum schlage ich eine Höchstschadenssumme von 1000 Dollars vor bei einer Prämie von 20 Dollars. Das ist nicht viel Geld für den Versicherungsnehmer, gibt ihm dafür aber eine gewiß schätzenswerte Sicherheit.“ „Hm,“ brummte John, der sich ebenfalls mit Gummikauen beschäftigte,„der Gedanke ist an und für sich nicht schlecht. Aber werden die Versicherten im Hinblick auf ihre Deckung nicht zu vertrauensselig werden?" „Der Einwand ist gut,“ antwortete Billy Knowall eifrig.„Ich habe daran gedacht und deshalb folgende Sicherheitsklausel für die licen ausgeheckt: Die Schadenssumme wird erst bezahlt, wenn der Versicherte mindestens eine Jahresprämie entrichtet hat und— wenn er beweisen kann, daß er es an den handelsüblichen Vorsichtsmaßnahmen nicht hat fehlen lassen. Den Beweis werden wir", Billy zwinkerte vielsagend mit seinen listigen Augen, „nicht allzu leicht machen. Außerdem müssen sich die Versicherungsnehmer verpflichten, im Falle eines vorgekommenen Betruges die kostenlose Hilfe der neuen Detektiv=Abteilung in Anspruch nehmen, die Sie Ihrer Firma angliedern werden. Ich selbst werde Ihr Acquisiteur und Detektiv in einer Person sein. Hier sehen Sie mein letztes Zeugnis aus meiner Stellung bei dem berühmten Detektiv=Institut Clear u. True.“ „Sie waren bei Clear u. True? Dann sind Sie genügend empfohlen.“ Mr. Blacksoui reichte Billy anerkennend die Hand. Dieser nahm von der Schmeichelei herablassend Kenntnis. Dann fragte er:„Aiso Mr. Blacksoul, machen wir die Sache?“ „Vielleicht", entgegnete der Versicherungsunternehmer gedehnt und spuckte sein ausgekautes Stück Gummi in kühnem Bogen auf den Boden.„Bevor ich endgültig zusage und Ihnen den Betrag von 1000 Dollars auszahle, müssen Sie mir beweisen, daß die Sache auch praktisch durchführbar ist. Mit anderen Worten: Bringen Sie mir innerhalb 24 Stunden 10 Unterschriften unter einen noch zu druckenden Versicherungsschein.“ „O bitte“, fiel Billy ins Wort.„Ein Mann wie ich ist auf eine solch selbstverständliche Bedingung vorbereitet. Ich habe bereits die nötigen Formulare drucken lassen, und hier— sind die ersten 20— nicht 10— Unterschriften nebst zweiter Anfertigung.“ „Donnerwetter“, entfuhr es den vergoldeten Zähnen Blacksouls,„das nenne ich Schneid! Aber wie konnten Sie denn solche Abschlüsse ohne meine Zustimmung tätigen?“ Billy wies lächelnd auf den Schlußsatz der Police:„Bitte, lesen Sie: Dieser Versicherungsschein hat erst Gültigkeit, wenn er von John Blacksoul persönlich gegengezeichnet ist.“ „Very well, old man!“, Mr. Blacksoul sprang von seinem Stuhl auf und betrachtete Billy mit bewundernden Blicken. eider er fügte hinzu: „Immerhin „Ah. Sie meinen, unterschrieben sei noch nicht bezahlt. Dachte ich mir. Aber was sagen Sie dazu: Ich habe bereits von allen 20 Firmen den Betrag von je 20 Dollars kassiert. Hier sind sie. Und schon lagen 400 Dollars vor den erstaunten Augen John's. Aber Mr. Blacksoul war nicht der Mann, der sich durch den bloßen Anblick von Geld verblüffen ließ. Er mußte sicher gehen, ganz sicher. So nahm er denn den Telephonhörer und ließ sich mit der ersten besten Firma, die den Schein unterstempelt und unterschrieben hatte, verbinden. Es ergab sich, daß die Sache vollkommen in Ordnung war. Noch zwei andere Firmen griff Mr. Blacksoul heraus. Auch bei diesen klappte es. Die Feststellung, daß Billy Knowall nicht nur ein selten tüchtiger, sondern auch ein zuverlässiger Geschäftsmann war, konnte als gelungen betrachtet werden. Und so kam denn der Abschluß zustande. Billy erhielt einen Scheck über 600 Dollars, die restlichen 400 hatte er ja bereits einkassiert. Als die beiden neuen Freunde sich mit einem kräftigen Händedruck trennten, bemerkte Billy noch, daß er sofort auf neuen Kundenfang ginge. Am Abend werde Mr. Blacksoul wieder von ihm hören, und dann könne auch der Anstellungsvertrag getätigt werden.—— Am Abend des gleichen Tages hörte Mr. John Blacksoul wirklich wieder von Billy Knowal!. Allerdings erschien dieser nicht persönlich, wohl aber brachte die Post einen Brief von ihm folgenden Inhalts: „Werter Herr Blacksou!! Ich bestätige nochmals bestens dankend den Empfang Ihres schecks über 600 Dollars, den ich inzwischen bei der Bank einkassiert habe. Damit Sie es wissen: Wenn einmal eine Betrugsversicherung gegründet werden sollte, müssen Sie ihr zuerst beitreten, denn Sie sind, wie ich einwandfrei festgestellt habe, einer der größten Esel in den Staaten. Ich bin ebensowenig Detektiv von Clear u. True gewesen wie Sie. Mein Zeugnis war genau so glänzend gefälscht wie die Vollmacht, die ich den bewußten 20 Firmen vorgezeigt habe. Gemäß dieser Vollmacht wurde ich von Clear u. True mit der Entlarvung eines Riesenschwindels beauftragt, den Sie angeblich planen. In einem begleitenden vertraulichen Schreiben wurden die Firmen gebeten, zum Schein, d. h. um Sie sicher zu machen, die Police zu unterzeichnen und bei einer telephonischen Rückfrage ebenfalls zum Schein ihre Unterschriften zu bestätigen. Bezahlt hat natürlich keine der Firmen auch nur einen Cent. Die 400 Dollars habe ich aus meiner Tasche als Betriebskapital vorgelegt, und zwar, wie Sie zugeben werden, mit Erfolg. So wie mir die 590 Dollars Verdienst gut tun(10 Dollars kostete der Druck der Policen), so wird Ihnen die erteilte Lehre gut bekommen, und die ist unter Brüdern 600 Dollars wert. Ihrige Billy Knowall.“ — Aufrichtig der Histörchen. Galantes von gestern und heute. Herausgegeben von K. Schaldach, mit Illustrationen von Johnson und Biega. Preis 2 Mk. Max Hesses Verlag, Berlin W. 15. Das Bändchen enthält eine reizende Auswahl aus der galanten Literatur alter, neuer und neuester Zeit, voll sprühendem Geist und unnachahmlicher Grazie. Gegen hundert„Geschichten“ werden erzählt, abwechselnd in Poesie und Prosa, alles voll Uebermut, mitunter bis an die Grenze des Erlaubten gehend, sie aber nie überschreitend. Das 18. Jahrhundert, die Biedermeierzeit ebenso wie die Gegenwart haben gleichmäßig beigesteuert. Dazu eine flotte vierfarbige Umschlagzeichnung, die den Inhalt erraten läßt und acht ganzseitige Bilder von Johnson und Biega: ein unterhaltendes Buch für Mußestunden reiser Menschen. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Nr. 26 Samstag, 2. Juli 1927 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Der Blutacker Erzählung von Wilhelm Lennemann. Ueber die Aecker brandet die Sommersonne; Gras und Halme schwimmen in Duft und Glanz, die Felder blühen und reifen der Ernte entgegen. Ein einziger Acker nur liegt brach und tot. Kein Pflug geht darüber hin, kein Korn ward darein geworfen, seit Jahren nicht. Disteln wuchern, nur hie und da wagt sich ein armes einsames Hälmchen hoch. Die Menschen haben den Acker verlassen. Blut hat er einst getrunken. Ein Bruder wurde darauf vom anderen erschlagen, mit der Sense zu Boden gerissen, daß er nicht wieder aufstand. Der alte Bauer hatte das Erbe unter seine beiden Söhne verteilt. Unklar war jedoch geblieben, wem dieser eine Acker zufallen sollte. „Mir!“ schrie ein jeder. Und der eine setzte seinen Pflug darauf. Da sprang vom nahen Kleeacker der andere hinzu und fiel den Pferden in die Zügel. Flüche und Drohungen wetterten, dann sauste ein schwerer Peitschenstiel nieder. Ein Schrei, ein Sensenblitz, und der andere lag mit aufgerissenem Leibe; sein Blut floß in die Furche, die sein Pflug gezogen. Seitdem ist kein Eisen mehr über den Acker gegangen, kein Korn auf ihn gefallen. Das rote Blut in ihm ist wieder hochgestiegen: Wenn auf den anderen Aeckern alles in gelber wogender Fülle reift, lohen auf ihm tausend und aber tausend flammende Mohnblüten. Flamme sprüht neben Flamme; blutrot leuchtet der Acker. Mitten aus der roten Flut ragt ein Kreuz empor. grob und stark; tief und fest gefügt, als müsse es wider Wetter und Sturm Jahrhunderte überdauern. Das Kreuz klagt, und das Blut schreit zum Himmel, und keiner erlöst den Acker von Klage und Schrei. Wieder ist ein Sommer mit Saat und Ernte gekommen. Der Bauer Stephens, der den Totschlag begangen, ist längst gestorben, und sein ältester Sohn sitzt auf dem Hof. Und drüben auf dem anderen der einzige nachgeborene Sohn des Toten. Er ist schon in die Jahre gekommen, aber noch hat er kein Wort mit dem Vetter gesprochen. Feindschaft und Haß lauern zwischen den Höfen, obwohl die beiden Bauern längst ihre Jugend überschritten haben und Kinder besitzen, die in reifen Jahren stehen und nach eigenem Herd ausschauen. Und Kinder denken oft anders als die störrischen Väter, und die Herzen gehen oft wunderliche Wege.. Sonne fällt vom blanken Himmel auf die Wiesen. Bunte Falter tummeln über Heuhaufen hin. Ein starker, würziger Duft weht wie ein Rauch über allem. Der Sohn des Erschlagenen fährt Heu ein. Der Wagen ist hoch geschichtet. Der Heubaum liegt darüber. Die Tochter, die ihrem Vater geholfen, sitzt hoch und stolz auf dem Wagen. Nicht weit davon arbeitet der Vetter auf dem Felde, und seitwärts von beiden blüht der rote Mohn. Der Bauer faßt das Pferd am Zügel.„Jü!“ Das Pferd zieht an, dann stockt und steht es. Glatt liegen die Ohren. In den Augen brennt dumpfe Angst, die Nüstern beben. Vergeblich zerrt und zieht der Bauer am Geschirr. Treibt das Tier an und suchtelt mit der Peitsche. Er murmelt einen Fluch zwischen den Zähnen. Das Pferd bockt und schlägt aus.— Der Bauer steht vor dem Pferd.„Biest!“ schreit er, zerrt mit der Linken am Geschirr und reißt mit der Rechten die Peitsche nieder. „Vater!“ schreit es oben vom Heu. Austlang Vor Abendwolken lag der Wald, der Lenz hat ausgesungen; ein Krähenvolk hat flügelschwer sich übers Feld geschwungen. Aus offener Brache weiß und weich sind Nebel aufgestiegen, das letzte ferne Wolkenrot mußt wieder heimwärts fliegen. Ein Abendlied steht still am Wald in Träume eingesponnen, nun hüllt's der dunkle Mantel bald, verklungen und— zerronnen... Hannes Schmalfuß. das Pferd, die Eisenhufe knallen nieder und werfen den Bauer hin. Ueber ihn weg setzt das Pferd. Da springt und jagt einer in flüchtigen Sätzen herbei und höngt sich in gel. Das Pferd zittert und schlägt; der Mann stemmt sich mit Riesengewalt dagegen. Da steht das Tier. Knapp vor den Rädern weg zieht der Mann den Niedergeschlagenen. Mühselig steht der Getroffene auf; der eine Arm hängt schlaff und schwer. Verwirrt schaut er seinen Retter an...„Du!“ will er sagen, preßt aber die Lippen aufeinander und schweigt. Schon will der Vetter wenden, da springt das Mädchen herbei und hält ihn.„Vater!“ ruft es mahnend. Da sieht der Vetter den anderen an. „Quitt!“ stößt er zwischen den Zähnen vor. Dann geht er zu seinem Pferd. Des anderen Tages in der Frühe findet der Gerettete aber doch den Weg zu dem Vetter. Sein Trotz ist gewichen, die Tochter hat ihn von ihm genommen. „Ihr sollt nicht meinen, Vetter, daß ich nicht wüßte, was sich gehört; Dank will ich Euch sagen.“ „Hab mir gedacht, daß Ihr doch noch ein Wörtchen sagen würdet; da aber nun alles ausgeglichen ist—— meint Ihr nicht, daß der Blutacker wieder bebaut werden könnte?— Nicht für mich!“ fügte er rasch hinzu. „Ich kann ihn auch entbehren,“ meint der Vetter,„da müßte man schon einen finden, der ihn nähme.“ „Wird sich finden!“ spricht der andere gelassen,„erst müßte das Kreuz herunter!“ Also gingen die beiden auf den Acker, mitten durch den roten Mohn, und traten vor das Kreuz. Aber der eine hatte nur einen gesunden Arm und konnte nicht, und der andere hatte wohl zwei, aber der mochte wohl nicht; das Kreuz stand und rückte nicht. „Da müssen jüngere Hände dran,“ meint der Geschlagene matt.„Ja, und eine junge Liebe müßte helfen; uns sitzt no chder Gram in den Knochen!" Der Bauer sieht den Vetter an. „Ich habe einen zweiten Jungen,“ sagt der, „er ist jetzt ausgewachsen.“ „Was soll der mit dem einen Acker?“ „Ich lege noch ein paar dazu. Eine Wiese oder zwei werden Dir auch feil sein!"! „Meine Wiesen? Wozu?“ fragt der Vetter, der noch nicht versteht. „Tut Euer Mädel dazu, Vetter, da werden dann eine Hochzeit und ein Hof daraus.“ Da verstand der Vetter. „Da gehts hinaus.“ Er pfiff durch die Zähne. „Da seid Ihr Euch wohl schon hinter meinem Rücken mit meinem Mädel einige geworden?" „Ich nicht, aber mein Junge! Gestern, als Doch schon ist es zu spät! Hoch bäumt sichser die Geschichte hörte, hat er Mut bekommen und es mir gestanden. Vetter, wir Alten wollen nicht widerhaarig sein; die Jungen sind stärker als wir.“ Die Ueberlegung dauerte nicht lange; das Mädchen hat wohl nachgeholsen. An einem Abend ging es rundum im Dorf. daß die beiden Stephens sich vertragen wollten und der Rudolf und die Dore sich versprochen hätten. Noch vor dem Winter war der dritte Stephenshof aufgebaut. Im Frühjahr stand das Gerät im Schuppen und das Vieh im Stall. Viel war es nicht; aber die Schulden waren auch nicht groß, und den Händen sollte auch noch was zu tun übrig bleiben. Aber noch immer lag der Acker brach, schon gärte es wieder heimlich in dem lenzwarmen Boden, und das Blut regte sich. Morgen sollte Hochzeit sein. Da stand in der Frühe des Hochzeitsmorgens der Bauernsohn zeitig auf, spannte die beiden stärksten Pferde vor den Pflug und fuhr auf den Blutacker. Und von der anderen Seite kam das Mädchen. Tief setzte er das Eisen in die Schollen, und das Mädchen faßte das eine Pferd am Zügel. Dreimal, fünfmal kreiste der Pflug um das Kreuz und kam ihm näher mit jedem Furchenschnitt. Nun hielt der Bursche darauf zu. Hart am Holz vorbei drängte sich das Pferd. „Jü!“ Die Tiere legten sich in die Ketten; tief in die Erde sanken die Hinterbeine. Das Mädchen schritt voran, hielt die Zügel. Das Eisen stieß ans Holz, es riß und rückte. Endlich ein leises Knarren und Krachen, ein Zerren und Ziehen. Die Erde hob sich wie im Wehen, das schwere Holz bäumte sich auf und schlug krachend gegen den Pflug. „Hallo!“. Die Pferde dampften. Der Bursche strich liebkosend über ihre Leiber.. Dann sind die beiden vor den Altar geschritten. Die Liebe hatte den Haß besiegt. Und als es wieder Sommer wurde, wellte gelbes Korn auf dem Acker, wo einst Blut und Haß geflammt hatten. Ein Mann— ein Wort Historische Skizze von O. Wotfgang=Wien. Zingarelli, der berühmte Kapellmeister der Peterskirche, war ein sanatischer Gegner Napoleons. Als 1811 anläßlich der Geburt des „Königs vom Rom“— Napoleons Sohn— in allen Kirchen ein feierliches Tedeum angeordnet worden war, warteten die Andächtigen in der hellerleuchteten Peterskirche vergeblich auf das Orchester samt dessen Meister. Eine schrecklich peinliche Szene. Einem Vikar, der erregt zum Maestro eilte, um ihn zu bewegen, seiner Pflicht nachzukommen, erklärte Zingarelli rundheraus, er erkenne weder Napoleon als Kaiser noch seinen Sohn als König und Vorgesetzten an. Natürlich hatte diese Widersetzlichkeit ihre Folgen. Beim Präsekten von Rom erschien plötzlich ein geheimer Bote mit dem Befehl, den bejahrten Komponisten festzunehmen und nach Paris zu schaffen. Der Präfekt, der dem berühmten Meister diese unwürdige Beförderung ersparen wollte, ließ sich dessen Ehrenwort geben, sich persönlich in Paris zu stellen und ihn auf eigene Gefahr allein reisen. Der fanatische Maestro fürchtete sich nicht, für seine Tat einzustehen, und freute sich, dem „Tyrannen“ seine Meinung sagen zu können. Er reiste wirklich und überiegte sich unterwegs alle Wendungen, die er vorbringen wollte. In Paris angelangt, fand er ein Quartier auf dem Boulevard des Italiens und ließ den Kaiser wissen, er, Zingarelli, sei da und erwarte Napoleon. Acht Tage verflossen. Anscheinend konnte sich der Kaiser weder bequemen, Zingarelli aufzusuchen noch ihn festnehmen zu lassen. Eines Tages erschien ein Abgesandter des Kardinale Fesch— des Onkels Napoleons— der den ihm für die Reisespesen ersetzen wollte. Hierauf verstrichen wiederum mehr als zwei Monate, und Zingarelli glaubte sich schon vergessen, ais er eines Tages durch den gleichen Abgesandien den Befehl erhielt, eine feierliche Messe mit Chören und eine Symphonie zu komponieren. Eine Messe an und für sich ist ja schön und sie sich dieser Tage bemerkbar gemacht. WIG „Des die„Wasserfläche warf, erst als die tropische Steigers Benzinlampe erlischt bei seinem Kom=Nacht ohne Uebergang auf die Erde fiel, öffmen und dn Stem ast schwr... 1.us. m— aecheumn geurg auf de Sade sek, Ss. nete er erstaunt die Augen. Er erhob sich und zerrte an dem Stricke. Iniien, und dus Alem fallt saslbel. Unsichtbar reckt der Tod seine Hand..] Er erhob sich und Jürn, der die Verantwortung trägt, ist seit= dessen flammten kreisförmig um ihn Feuer auf. dem seltsam still.— Wir sind am Staffel. Lichtzungen leckten über die braunen, fettglänZwar das Fahren in ihm ist verboten. Doch zenden Leiber der sich hastig bewegenden Mänzu schreiben st sa an und für sich ganz schon Grad Celsius arbeiten wir nachenz lih und gut, dachte der Neiter und setzte sich anl Glick gusft.—„Glick auft. shgenud Nachen, die fortachrend unt die Arbeit. 1 Jürn mustert? 4ct zt##en aus Holz geschnitzten und phamtastisch Die Aufsührung ersolgte im Palais delgut vorangekan e d“ die Miorgenschicht srsbemalten Köpfen wachelten; auch einige Elyste unter der Leitung des ewig ver=ung ist abgestürgt. Hängende über Frauen, von bigarren Federkleidern umhült. schmpften Meisters Eresentini und mit densgerug. Par. Für unseren Fürn nicht Die menschlichen Lägel traten in die Mite hervorragendsten Gesangskräften der Kaiser=sbrummt er:en des Feuerkreises; der Kompf der Hähne bezeit: Lays und Nourrit sen, sowie den Damen] Ueber uns im Geröll hängt ein(Hanm. Sie verrenkten die Gkieder, sprangen Branchu uns Armand.— Der Kaiser zeigte Felsblock. Fällt er herah, dann auf einander los, schünften sich gegenseitig sich begeistert.[Sargdeckel werden. Mit Deunfüßer Vein oder hüpften übereinander. E Fast ein Monat verging dann wieder in(neun Fuß langer Stemwel) stützen wir don umgei Lingen voll Spannung, der Antur Stilschweigen. Zingarelli wurde ungeduldig:[Stein.mücher Treue abgelauscht. er sah. daß er keine Gelegenheit bekam, dem Dann schlagen die Schlägel, rauscht die stür= Neuturm vergaß Gefahr und Fesseln; verKaiser seine Reinung richtig zu sagen, und zende Kohle. Von den Schaufeln fliegt sie pol-saß, daß er vor dem sicheren Tode stand; entmeldete dem Kardinal Fesch, er habe Ver= ternd in den Wagen. Der Schweiß fließt und zückt verfolgten seine Augen das seltsame pflichtungen in Rom, die ihn riefen; wenn es gerinnt, vom Kohlenstaub gebunden. Die wei=Schauspiel. Nun wackelten die Riesenmasken nunmehr gestattet sei, würde er es vorziehen, ßen Körper sind im Nu kohlenschwarz, un auf ihn zu; sie trugen stoßbereite Speere. heimlich sticht das Weiß der Augen aus den Dumpfe Gongs ertönten, Wirbelflöten schrillbeteuerte, der Meister Hönne...—(triefenden schwarzen Gesichtern hervor. Diesten, die Feuer flacherten. Dgzexriß alles in unseren vorgeblichen König singen!" Schlagende Wetter Skizze von Wilki Heinsohn. r Schritzen uue glücklich, einen sihrem Licht zu durchdringen. Der Mund ist Dieners. Dieser hatte den Kodak auf ihn geWeisteg in zmein####wen, ois!. 100hl ausgetrocknet. Kein Wort fällt. So geht essrichtet und machte im Blitzlicht eine Aufnahme höchst auf= Stunde für Stunde."(von ihm und seiner grausigen Umgebung. Dann gebracht, wenn Herr Zingarelli hierdurch seine! Wieder ist ein Wagen voll— rollt zum Staf= erlosch der Schein. So reiste Zingarelli wieder heim, konnte esseinen Schluck schwarzen Kaffe gu. ht— Neutunm mummelte:„Statt mir du herssen, sich ober nicht versagen, in der Postkutschesda.—.. St i a P erinthen—photographiert er mich noch, kurz bevor ich jedem Reisenden, der einstieg, zu versichern:sden.slich alle Dunnerheit versahwun=sterben mußz! Statt als Dolmetscher den König uund ich ließ dennoch nicht das Tedeum Fürscg.: Feuer it um unz„für den Brüchteil einer lzu beruchigen— wenn ich auch schon den hei„uns ich ließ heninoch nicht das Lebeum ful Gekunde. Dann umhuut uns wieder Finster=ligen Hain der Insel betreten habe— ergötzt nis, die nach dem Blitz noch undurchdringlicherser sich an meiner hoffnungslosen Lage. Dieser erscheint. Zu gleicher Zeit donnert, dröhnt, treulose Kerl!“ es Steine: Dan... Jetzt hatten die Masken den Gefangenen erSekunden— oder sinds Stunden?— merkef reicht; sie schwangen die Speere zum todich, daß ich liege, meine linkhe Schulter schmerzt, bringenden Stoße... da krachte und prasselte totenstill ist es. Entsetzt fahre ich auf, reißee“: Funken sprühten, Roketen zischten in die 2976“ ruce ich im Gedränge und Stimmen= aus dem Geschütt vor mir eine noch brennendesFnngg; Feuerräder dgehten sich wie irrHarst Schemunsde anr mir af do Schalder sScherlige i. gruege, ium ,Sieset, an dueschsghsit bies wie ene sheu Aetliage. 8405 Die Treppe hinauf— bei der Lampenagegabe von oben eine Stimme kammt, mit überschla= Neuturm stand fassungslos... geblendet. die dreieckige Messingmarke zegen die rampe gender Stimme:„Schla gen— de—— Wet=[Da ergriff ihn eine Hand und zerrte ihn hineingetauscht— ein drehender Griff: die Lampester— Kohlen— nummer 2—10— der Stei weg. Er war frei. Nun begriff er, Hand in brennt— zum Schacht 1.———“, dann weiß ich nichts mehr.[Hand eilte er und sein Retter der Küste zu. Donnernd stößt gerabe der heraufkommende Die Rettungsmannschaften holten uns. Nur! Als sie in dem kleinen Motorboote saßen, Korb gegen die schweren Schachtdeckel, hebt Hautabschürfungen und leichte Gasvergiftungen lächelte Fai=Wu. Er hatte durch sein Feuerwerk sie hoch und hält nun schwankend vor uns. Der waren zu verzeichnen.(die Rettung ermöglicht und obendrein eine doe Feloster.—. wir treten in den Korh. SosGase entgindet.4eeer Kucde hate die stkuch gleich ist der köstliche Frühlingswind, der uns) Der Sargdeckel war zugeschlagen Sarg jedoch war leer geblieben. Ha. Der hier oben noch umspielt, verschwunden; teerund kohlengeschwärzte Luft läßt uns den sonnigen Tag draußen vergessen. Teng, peng, schrillt ein Glockenzeichen. Hängen! Lanzsam setzt sich der Korb in Bewegung, der Schachtdeckel schließt sich über uns, und fausend stürzen wir in die Tiefe. Sohle 1, 2 wuschen, als Lichter vorbei. Wasser Karl Neuturm, der Forscher, lief um sein spritzt.—— gg m Sekunden setzt sich Leben. Er raste der Küste zu. Sein Gepück Joi-Wu Skizze von Ludwig Hofmeier. Au###hme vom Vogeltanz der Insulaner gemacht. Der befreite Forscher erwies ihm für diese Geistesgegenwart und Hingabe bleibende Dankbarkeit abwärts=Hatager Aiute sich gelassen. Er rannte in ein gleitend, halten wir auf Sohle 4— 700 Metersc.— mune strütp hinein und hoffte, daß er dort lien wir auf Sohle 4— 700 Meter den Verfoigern außer Gesicht käme. Ein mächanit Sm esiem Ssien burhe Ort. n.. itiges Nashorn schreckre iyn jedoch zurück: ein Mit dem alten Jurn, miherm Ortsältesten, aus seinem Schlafe gestörtes Sumatra=Nashorn mache ich mich auf den Weg durch Querschläge, sdrang erbost auf ihn ein. Neuturm taumelte, Strechen uund Stollen, auf schwankenden Bret= sein Bewußtsein schwand; er stürzte zu Boden. rern üder Wasserlocher tapsend, über Schienen Der Lauf in der Hitze, die Angst vor der neuen stolpernd, im Hauptquerschlag den Oberkörper Gefahr: alles wirkte zusammen. gegen den von oben eingepreßten Luftstrom) Nun drangen auch die Wilden in den Ba vorstemmend. Wettertüren öffnen sich vor uns hus. Sie schrien in seltsam Ind 9. und schließen sich krachend hinter uns. Hinlten; gweihundert braunhäut g. und her schwankende Lichter tauchen vor uns führten einen Höllenlarxd Verschen voll auf, bleiben hinter uns zurück. Wir selbst mit„ 8444cm umseren Lampen sind für die Zurückbleibenden Das wütende Nashorn hielt erstaunt an und solche Lichter. Der Mensch ist hier unten nichts glotzte stumpf dem Getöse entgegen; dann — aufere Lämpchen alles. Wehe, wenn sie er= wandte es sich und floh. Löschen! Beim Einbiegen in Revier 8 stehen] Inzwischen hatten die Wilden den weißen wir plötzlich dreien dieser Lichter gegenüber. Eins Mann gefunden; unter triumphierenden Rufen, schwankt hoch und beleuchtet einen Augenblick die schrill durch den Sonnenglast zückten, hoben das zerfurchte Gesicht Jürns. Eine Stimmessie ihn auf und trugen ihn dem Dorfe zu. särmt in der Stille:„Gib acht, Jürn, es wet=] Inmitten der Hauptstraße legten sie ihn tert all wieder.“ Dann sind wir wieder allein. nieder und banden ihn an eine lange Leine, „Es wettert all wieder,“ jetzt weiß ich auf die an einem festen Pflocke befestigt war. Uncl, weshalb der sonst so gern erzählendester wahnwitzigem Gekreische eilten die Weiber den ganzen Wez über so schweigsam war. der Ansiedlung herbei; in Kokosschalen bracharbeiten am Ende eines steigenden Stol ten sie Wasser und überspritzten den wie leblos 9. Die in den Hohlräumen der Kohle und Daliegenden. Gesteins befindlichen Gase— die Wetter Lange lag Neutunn wie tot. Erst als der ichende Gesändnie Eine Bauerngeschichte von Georg RegesTutzing. Der Luberdaniel hat einen neuen Wiesennachbarn erhalten, den Wanningertoni. Der Toni, wie der Daniel sagt, ist ein ganz G'scheiter, einer, der das Gras wachsen sieht und die Ameisen husten hört. Kaum hat der Toni die Wiese erworben, als er, mit einem Flurpsan, mit Meßgeräten und mit einer Menge Stecken ausgerüstet, auf dem Grundstück erscheint und sich hier sehr eilferrig zu schaffen macht. Er beginnt zu messen, und das Ende seines Unternehmens ist, daß er eine Reihe Pfähle in den Boden schlägt, einen halben Meter weit in die Wiese des Luberdaniel. Der Daniel hat der Messerei des Toni gleich von Anbeginn zugeschaut, etwas verborgen aus der Ferne, aber mit gespanntem Argwohn. Jetzt, da er die Reihe Pfähle entstehen sieht, kann er sich nimmer halten. Er geht auf die Wiese zum Wanningertoni hinaus, um Rechenschaft von ihm zu fordern. „Wie kannst du dich unterstehen und Pfähle in meinen Grund und Boden einschlagen?" fragt der Daniel entrüstet. „So geht die Grenze!" antwortet kurz der Toni und weist mit einer Handbewegung in die Richtung, in der die Reihe der Pfähle verläuft. „Da könnte jeder hergehen und Pflocken in meine Wiese einschlagen und dann sagen: So geht die Grenze!— Ich sag's ja: du bist ein S EEE a S S 5 * GSSSBSgs A EES### 1 SSEE S S 5 5 5— 505 S. 2 5 E S S à. S. A2. a Schee! Wer frü ind Were? sein wollen. Aber was bist du? Als unser Herrgott die Dummheit austeilte, da hast du sicher am lautesten den Mund aufgemacht. Sonst sähest du, bevor du so daher redest, erst einmal in diesen Flurplan.“ „Flurplan hin, Flurplan her. Es ist leicht, einen Grenzstrich hineinzuziehen. Besonders leicht für einen Siebengescheiten deiner Sorte. — Aber das bitte ich mir aus: deine Pfähle, die ziehst du wieder heraus! Und die Grenze — daß du es nur weißt!— sie bleibt, wie sie ist!“ Auf diese Weise haben sich die Grundstücksnachbarn noch eine Weile unterhalten. Jeder beharrte auf seiner Ansicht. Keinem gelang es, den andern zu überzeugen. So mußte der Streit unentschieden abgebrochen werden. Der Toni läßt den Landmesser kommen die Grenzlinie nach dem Plane feststellen. die sich hierbei ergibt, stimmt im allgemeinen mit der Pfahlreihe des Toni überein.] Sie verläuft durchwegs etwa einen halben Meter wett eingerückt in die Wiese des Daniel. Eie Güliche Eicher Langsamen Schrittes den Berg hinan, Durch Einsamkeit und grünen Tann. Ein Leid ging mit mir, groß und schwer— Sehnsucht schlich leise nedenher. Da sah ich fern auf Bergeshöhn Eine einzige Kiefer stehn—— Ganz allein, ohne jeden Schutz Bot sie dort Sturm und Wetter Trutz. Stand voller Stolz und hochgereckt, Als ob sie nichts und garnichts schreckt. Als ich dann wieder heimwärts schritt, Da gingen Leid und Sehnsucht mit... Genau so, wie erst kurz vorher— Doch ihre Wacht fühlt ich nicht mehr. Frieda Callier. Der Daniel reißt die Augen auf. Er hat eine hab dir doch einen Gach M 1— 46 Bemerkung für den Landmesser auf der Zunge.“ Dicht besondere Imt h. Doch er unterdrückt sie.„Denn mit dem“, sagtsHinweis vor. d Damiel seinen er sich,„ist nicht gut Kirschen essen. Der ist doch, Vertraulich nähert en ein Großkopfeter, der wirft einem die Steine und flüstert ihm in's Ohr. ins Gesicht.“ Seine Stimmung wird nur noch galliger, weil er sie eindämmen muß. Der Zornl Schon rechl! Aber g—, dom Toni. bekomm ich wühlt in seinem Blute. 1ö0en5 „So geht die Grenze hinauf“, schreit er und deutet mit der Hand die Linie an, die er bisher! Aeseals Grenze betrachtet hat.„So geht sie hinausft! Siem Remoranot geruse Skize von O. H. „Tu, was du magst“, bemerkt der Toni dazu,] Eines schönen Tages kam mein Töchterchen und die Schadenfreude triumphiert in seinem gach Hause und rief strahlend:„Vater, denke Gesicht.(Dir, heute wurde ich bei unserer Schneiderin -Versteite dne mich Heinen Nat nicht i0 dem Sosa eim ausgepeichete, Oelgmähe, en bestellt, So kannst du ihn bezahlenl sich mochmnasg Waer Cestumen fragte Leine Pflockenreihe mag dersmußt Du Dir ansehen.echmete Zowpie, die Kuckuck anerkennen! Ich nicht!:. Das ges: „Das werden wir schon sehen!“ wendet deraniu##, geschah bei der nächsten Gelegenheit. Toni ein und lacht siegesgewiß. Zuversichtlich Wvirklich, das Bild hing da, ein wenig verstecht geht er nach Hause. Für ihn ist die Sache er= im Dunkel; aber ich erkannte es sofort als ein ledigt. Selbstbildnis des Meisters aus seinen letzten Der Daniel sagt sich, daß e. senen Hoaum seine Frau Der Daniel sagt sich, oaß er, um zu sirgen,gurgugn f#urr Ergh, zu schneidern und hänzte einen verlassigen Zeugen braucht, einen Zeugen aus Pietät das Bild in ihre gute Stube. Er daß die Grenze seit mehr als dreißig Jahren hatte es bei einem Verkauf von Hinterlassenverlaufen ist, wie er, der Daniel, angibt. schaften erworben, weil es ihm für seine StuLange besinnt er sich. Da fällt ihm der alteldienzwecke sehr geeignet schien. Segihr er sich zu iden.. Umverweilts Wir redeten über dies und jenes, dann erDer Daniel weiß, daß der Alois vicht(schlte sie mir auch, daß ihre Tochter dennächt! bärt“ Sauigt,### 1.70 b Awie, mig, gutsheiraten würde und daß sie dann das Bild, das „.. Er tragt dem umstano gleich zu Beginn sihnen allen nicht so recht gefiele, verkaufen der Unterredung Rechnung und schreit sein An=wollten. Natürlich bat ich sofort um Vorkaufsliegen dem Alois in das Uhr. srecht. 888 aber ist heute stocktaub und ver So kam das herrliche Oelgemälde zu uns. steht kein Wort.— Der Daniel stutzt. Gibt Die Begeisterung stieg aufs höchste, entzückte aber die Mühe noch nicht auf. Doch ob er auch Briefe wurden versandt, und der Tapezierer die Stimme anstrengt, daß sie heißer wird: der sollte es an hervorragender Stelle aufhängen. Alois hört nichts![Das ergab aber Schwierigkeiten, denn das Der Luberdaniel kratzt sich am Ohr. Was soll Bild verlangte eine Beleuchtung von links— er tun? Er braucht den Alois unbedingt als seinetwegen wurde deshalb unser ganzes WohnZeugen. Wie sich aber ihm verständlich ma- Zimmer umgeräumt. Es erwies sich, daß die chen? Da kommt ihm in den Sinn: Lesen Tapete sehr erneuerungsbedürftig war; auch kann ja der Alois noch, wenn auch mit Mühe dem wurde abgeholfen, alles blitzte nach einigen und Not. Er, der Daniel, braucht ihm die Tagen in frischer Lust. Und verraten sei auch, Sache nur aufzuschreiben. Er will es tun. Aber daß wir wiederholt versuchten, es zu photojust in dem Augenblicke, da er damit beginnengraphieren. Jeden Morgen schien die Sonne will, versteht ihn der Alois doch. sauf die helle Wange des erlauchten Meisters, Er versteht ihn. Kann sich aber an nichts er= und jeden Morgen saß ich vor dem Bilde, verinnern.[sunken in den Anblick dieses Mannes, der da „Du brauchst es nicht umsonst zu tun“, be=vor mir hing, ernst, tieffinnig und weltentrückt. der Daniel. Etwas vertraulich und nicht Ich besorgte mir einige Bücher über Rembrandt besonders laut.„Du brauchst es nicht umsonst Ausschmitt aus einem gngp u ein zu tun. Auf einen Sack Mehl soll es mir nicht Wien.en Gemälde in ankommen. Nein, gewiß nicht! Aber nicht wahr: du weißt es und kannst es vor Gericht aussagen, daß die Grenze so verläuft, wie ich vorhin sagte. Du weißt es, weil du zehn Jahre lang Knecht bei meinem Vater gewesen bist.“ Gar nicht mehr laut hat der Daniel zuletzt gesprochen. Aber der Alois hat ihn doch verstanden. Er wird zutunlich, und zum Schluß sagt er:„Das werden wir schon kriegen!"— Bald darauf findet die Gerichtsverhandlung statt. Der Daniel erscheint voll froher Hoffnung auf den Ausgang. Aber das Urteil des Gerichts macht alle seine Erwartungen zu Schanden: er verliert den Prozeß. Und zwar, weil sich der Alois als Zeuge an gar nichts mehr erinnern kann. „Daß du dich heut' auf gar nichts mehr hast entfinnen können!“ tadelt der Luberdaniel, als „In unserem Hause verkehrten zahlreiche Kunstmaler, mit denen uns gute Freundschaft verband. Und als das Bild bei uns hing und wirwie der einmal einen lieben Gast bei uns sahen, den Kunstmaler Hans R., da wurde unsere neue Errungenschaft auch gebührend vorgeführt. Aber eigenartig, Haus machte sich nicht viel aus dem Bilde; es schien, als ob ihm die Kopie nicht so recht gefallen wollte. Er blieb sektsam wortkarg. Es kam keine rechte Stimmung mehr auf an diesem Abend. Doch am anderen Morgen hielt es ihn nicht. Er ham zu mir, ein wenig verlegen, wie mir Freund, wirklich, es tut mir bis in den März in einen schneeweißen Pelz leid, aber sage mir um des Himmels willen nur hüllt, unsichtbar über die weiße Dechke hüpft und dem armen, dürftig mit Weichholzrinde entfinnen können!“ tadelt der Luberdaniel, als einmal, wo haft Du diesen elenden Oeldruck unch ier-Bestostiung den Mlas unt iuen ecmecheen Seldrich aber ecleiche mas— weict gange Männlichkeit sprach aus diesem Worte,„von welchem Oeldruck redest Du eigentlich? In mein Haus kommt kein Oeldruck!“ Das war im Brustton meiner Ueberzeugung gesprochen. Hans lächelte mitleidig und schwieg Er hob das Bild herunter, schüttelte den Kopf über die Leinwand, die den Rücken bildete, ergriff sein Messerun d löste vorsichtig das Papier von dem Stoff: ein Oeldruck! Ein befreiendes Lachen reinigte unsere schwüle Stimmung. Das Bild aber blieb an seinen Platze zur Erinnerung an einen— schönen Wahnn. Flitz Tierskizze von Wilhelm Hochgreve. Vor dem Hauptrohre seines Heckenbaues liegt Fütz, ein Karnickelrammler, der schon vier Lenze erlebte, vier lange Karnickellenze, die bekanntlich im Januar beginnen, wenn der Winter es nicht gar zu toll macht, und bis in den August dauern. Platt liegt er da und läßt sich von der Sonne schmoren, die ihn aus dem Bau lockte. Tief im Kessel fühlte er, daß es plötzlich anders wurde mit dem Wetter. Vierzehn Tage hatte es fast ohne Unterbrechung geregnet und eine ganze Tragezeit war das Wetter launenhaft unfreundlich gewesen. Nichts für Karnickel, erstens überhaupt nicht und zweitens deshalb nicht, weil Mäuse, Maulwürfe Erdratten und Hamster bei solchem Dauerregen versaufen oder dick werden und haputt gehen, und weil dann Freibeuter, der Fuchs, und Kugelkopf, der Waldkauz, sowieso schon gar nicht liebenswürdig zu ihnen, sich nun erst recht, nämlich in Ermangelung ihrer Hauptnahrung, der Mäuse, an die armen Grauflitzer halten. Das einzig Gute an solchem Wetter ist, daß dann die größten und schlimmsten Feinde, die Jäger, in ihren Bauen bleiben. Dafür freilich strolcht neben den beiden oben gebührend Gewürdigten das Kleinraubwild, das von nassem Kartoffel= und Rübenkraut und dergleichen kein Freund ist, mehr als sonst in den Hecken herum und sucht die Baue ab: Stink, der Iltis, Nadelzahn, das große Wiesel, Schlank, das kleine Wiesel, und manchmal auch Schneehals, der Steinmarder aus der großen Gutsscheune im Felde. Durch die Bank eine unangenehme, lebensgefährliche Gesellschaft. So ungefähr spinnen sich Flitz Gedanken, während er lang und breit, beinahe wie ein nasses Scheuertuch, vor dem Bau liegt und seinem Balge und seiner Haut die warme Sonne gönnt. Eine halbe Stunde schon liegt er so ungestört da, und sein Balg glänzt ordentlich. Hatte er aber auch'mal endlich nötig nach dem Schandwetter, bei dem ihm die Wolle struffig geworden war, fast wie bei den Rindern um Martini wenn die Bauern sie solange in den Koppeln lassen. Jetzt macht Flitz sich hoch und krumm, und nun putzt er sich und lecht den linken Löffel, der ihn juckt. Den traf vor kurzem ein Schrotkorn, als er vor den Hühnerjägern aus den Rüben flitzen wollte und ein Jüngling ihm weithin einen Schuß nachwarf. Die Schramme war beinahe zugeheitt, riß aber dann wieder auf, neulich, als er vor dem Schäferhunde in einen Wildrosenbusch flüchten mußte. So, nun hört das Jucken auf. Auch den andern Löffel noch einmal durch die gehobenen Vorderläufe gleiten— es sieht fast so aus, als wenn sich ein Mädchen das Haar macht—, und nun liegt er wieder lang und läßt sich die Sonne in die Wolle brennen. Wohl tut das. So müßt' es immer sein, Sonne und Ruhe und dazu natürlich reichlich und gute Aesung, Klee, Hafer, Rüben, namentlich die süßen roten Futterrüben, die so schön aus dem Erdboden herausstehen und darum auch so bequem zu erreichen sind, dann Luzerne und Esparsette und im Winter wenig Schnee, wenig Frost, nicht so viel kalter Regen, und dabei grüner Roggen und Reste von der Zuckerrübenernte und zum Nachrisch Obstbaumzweige in den Gräben an der Landstraße. Dabei kann''s ein Karnickel schon aushalten. Wenn aber viel Schnee liegt, so hoch, daß„man“ in die alten Drosselnester äugen kann, brr, das ist Fastenzeit, Not= und Todzeit! Dann sind die Rinden der WeichhölScgen den Kohl in den Gärten die einzige Wilzhag dud sitzt das Fell locher ums Rotbeuter, der Fuchs, Langsteert Shnschate“. Dach, die Rabenkrähe und Rordhoben I.gie freche und räuberische Nebvelkrähe haben dann mit den ausgehungerten, todmatten Kaninchen leichtes Spiel. Ganz besonders gefährlich ist um solche Zeit auch Schneewittchen, das große Wiesel, das sich vom November his in don Müg, in ginen schengomosher