„Akso, Herr L.arpfen, ein Gläschen Wein, ein Likörchen, womit darf ich aufwarten? Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause!" „O, ich danke. Ich trinke selten. Aber wenn Sie schon wollen, ich bin so frei, ein Gläschen Whisky." „Ich freue mich doch so, Herr Karpfen, ein ehrlicher Finder, in diesen Zeiten, nein, sowas! Whisky, nein, leider, aber warten Sie, ein echdes Schwarzwälder Kirsch. Sohm!“ Er beeilte sich, das echte Schwarzwälder Kirschwasser zu holen. Dabei warf er noch einmal einen Blick in die Zeitung, auf die Anzeige, ob etwas von einem Finderlohn dastünde. Aber es stand nur die Anzeige des Fundes darin. „Na ja, Frauen, wissen Sie, Frauen, ich sage Ihnen, man hauft ihnen nur diese teuren Dinge, damit sie sie verlieren, teuer, na, das heißt, es ist eben bloß ein Andenken, wissen Sie..“ Sie stießen an.„Fabelhaft, hm, sabelhaft!“ meinte der nette junge Mann und griff wieder in die Zigarettenschatulle. „Wegen der Kette, ich muß Sie doch bitten, mir eine kleine Beschreibung— Sie verstehen!" „Natürlich. Hm. Also eine ganz normale Kette, nur in der Mitte größere Perlen, und eine ganz große... es ist ein Andenken meiner Frau von ihrer Großtante, ich kenne daher die Kette, warten Sie mal, vielleicht ist meine Frau...“ „Nicht notwendig. Stimmt alles, stimmt alles!“ Der nette junge Mann öffnete die lederne Tasche, kramte ein wenig darin herum „Genau die Ihre, ich freu' mich doch so...“ Er zog ein Paket, in weiße Seide gewickelt, heraus. Ah! da war die Kette. Schön, wertvoll. Herr Simpeter nahm sie in die Hand, seufzte hörbar erleichtert auf, ließ die Perlen durch die Hand gleiten. Dann sagte er rasch: „Der Finderlohn, Herr Karpfen?“ „Wir werden keinen Richter nötig haben, ich bin froh, die Kette wieder.. „Sagen wir fünfzig...“ Bei dem Worte fünfzig hatte der nette junge Mann die Kette wieder ergriffen, eingewickelt und in der Tasche verschwinden lassen.„Ich werde das Kollier doch lieber der Polizei—“ „Sie sind ein Jdealist, Herr Karpfen. Wozu die Polizei? Also hundert Mark. Das Kollier ist unter uns gesagt ja nichts wert, bloß ein Andenken meiner Frau. Sie verstehen...“ „Schämen Sie sich nicht wegen Ihres Reichtums! Der Juwelier, dem ich das Kollier vorlegte, sagte...“ „Ich gebe Ihnen auch zweihundert, damit die Sache glatt— wie? in Gottesnamen, also dreihundert Mark, aber nicht'n Pfennig darüber. Ich bin ein guter Mensch, wissen Sie, und lasse mir den Spaß schon was kosten! Ihre schöne Tugend soll belohnt...“ Herr Karpfen, der aufgestanden war, setzte sich wieder gemächlich nieder, nahm sich eine neue Zigarette und dachte nach. Herr Simpeter zählte das Geld auf den Tisch. „Nur noch die Annonce, verehrter Herr" sagte der nette junge Mann.„Macht drei Mark und fünfzig.“ Karpfen holte die Perlenkette aus der Tasche, ohne Seide, und überreichte sie dem Herrn Simpeter. Und ging. Unten im Haustor blieb der nette junge Mann stehen. Oeffnete die Tasche, packte die echte Perlenkette wieder sorgfältig in die weiße Seide und meinte:„Glück gehabt, mein Junge. Die letzte! Daß doch die Dummen nicht alle werden!" Pfiff einen Schlager und war bald verschwunden... „Hoho!“ wollte er ausbrausen, aber sie unterbrach ihn:„Von wem hast du sie eigentlich?“ „Von einem ehrlichen netten jungen Mann, einem Idealisten, Karpfen heißt er. Schmuck kauft man nur unter der Hand.“ „Damit man hereinfällt! Dein netter junger Karpfen war ein Hecht, mein Lieber! Vielleicht liest du einmal die Zeitungen gründlicher, deshalb sind sie ja da, damit du nicht wieder einem Schwindler aufsitzt, der auf diese Art glänzende Geschäfte macht!“ „Ein fabelhafter Kauf, ein glänzendes Geschäft!“ fiel es Herrn Simpeter ein. „Daß die Dummen nicht alle werden!“ hörte er noch seine Frau sagen, dann entschwand sie ihen und blieb an diesem Tage von einer eisigen Zurückhaltung ihrem Gatten gegenüber. Der Gatte konnte dem raschen Gang der Ereignisse noch immer nicht recht folgen.„Dann könnten wir doch“, meinte er nach längerem Nachdenken und zeigte auf den alten durchlöcherten Teppich,„diesen hier für die Aussteuer verwenden.“ „Aber Mann!“ „Niemeyer erzählte, daß die orientalischen Fürsten sich zum Beweise ihrer Hochachtung Teppiche schenken, die Jahrhunderte alt seien.“ „Gut,“ sagte die Gattin,„so werden wir unser altes Prachtstück dem Herrn Professor Niemeyer zum Beweise unserer Hochachtung schenken. Aber wir wollen damit bis nach der Verlobung warten. Sonst möchte am Ende nichts daraus werden.“ Der Teppich Humoreske von Georg Persich. Ee Bücherisch Indessen freute sich Herr Simpeter ungemein. „Meine Frau wird Augen machen! Ein fabelhafter Kauf! Für dreihundertdrei Mark fünfzig Pfennige eine echte Perlenkette, Schätzungspreis fünftausend Emmchen! Nee, daß die Dämlichen nicht alle werden!" Und seine Frau machte Augen. Es wurde ein schöner Abend... Aber am nächsten Tage gab es einen gewaltigen Krach in der Familie. Frau Simpeter war natürlich zu einem Juwelier geeilt. Sie mußte doch ihren Freundinnen gegenüber ein wenig prunken können. Welche Milliardärsgattin hatte über Nacht solche königliche Haltung, solch ein Benehmen wie sie?— Frau Simpeter kam als keine Milliardärin aus dem Laden. Sie drückte die Tür ins Schloß und eilte, die Kette im Täschchen versteckt, msch nach Hause. Schweigend legte sie ihrem Gemahl die Kette vor die Nase. „Nanu?“ fragte er verwundert. „Nanu?“ echote Frau Simpeter.„Behalte bein Kollier. Keine dreißio Mark wart!" „Du meinst also, wir müßten ernstlich daran denken, uns einen neuen Teppich anzuschaffen?“ „Das meine ich schon längst, aber Du bist ja immer dagegen gewesen.“ „Bitte,“ sagte der Professor,„grundsätzlich war ich nie dagegen, nur wegen der besonderen Umstände.“ „Aber nun das Loch darin ist, siehst Du wohl selbst ein, daß es so nicht weitergehen kann.“ „Das Loch könnte man stopfen lassen. Ich will aber zugeben——“ „Daß das Stopfen sehr unpraktisch wäre. Denn wie lange würde es dauern, dann wäre eine andere Stelle durchgetreten. Schließlich gibt es noch ein Unglück, wenn jemand mit dem Fuß darin hängen bleibt und fällt.“ „Ich bin schon zweimal barin hängen geblieben“, versicherte Lolo, die Tochter. „Daran werden Deine spitzen Absätze schuld sein“, bemerkte der Vater. „Aber man wird unseres schadhaften Teppichs wegen keine neuen Stiefelmoden einführen“, erwiderte die Mama.„Und wenn Damen zu Besuch kommen, kann ich sie nicht bitten, ihre Schuhe vor der Tür auszuziehen.“ „Nein, das kannst Du nicht, und wir werden in der Tat nicht umhin können—— oder man müßte den alten Teppich entfernen und nicht wieder ersetzen. Vom gesundheitlichen Standpunkte aus——“ „Vom gesundheitlichen Standpunkte aus könnte man auch die Gardinen von den Fenstern nehmen, könnte man ohne Kleider umherlaufen, weil alle Stoffe Staub= und Bazillenfänger sind. Aber weißt Du, was die Leute sagen werden? Professors können sich nicht mal mehr einen Teppich kaufen, mit denen muß es Matthäi am Letzten sein!“ „Ich habe doch bereits erklärt, daß ich grundsätzlich nicht dagegen bin“, lenkte der Gatte wieder ein.„Ich werde die Sache mit dem Kollegen Niemeyer besprechen.“ „Was hat denn Dein Kollege Niemeyer damit zu tun?" „Er war wegen seiner Sprachstudien längere Zeit im Orient und kann am besten beurteilen, welche Teppichsorte die haltbarste und schönste Die Frau Professor starrte ihren Mann mit offenem Munde an. Endlich fand sie die Sprache wieder.„Willst Du etwa einen echten Teppich kaufen? Und den haltbarsten und schönsten? Der würde ja Tausende kosten!“ „Tausende? Das wäre freilich zu viel für unsere Verhältnisse. Aber Niemeyer könnte trotzdem mitgehen und uns beim Aussuchen unterstützen.“ „Nicht nötig!“ antwortete die Gattin, und sie schien um einige Zoll zu wachsen.„Um es Dir nur zu sagen: Der Teppich ist schon ausgesucht und gekauft.“ „Wer hat ihn gekauft?“ „Ich und Lolo natürlich! Heute wird er uns zugeschickt werden. Es ist kein orientalischer, aber er kann sich sehen lassen. Das wird auch Niemeyer finden, der uns ja bald besuchen wird.“ „Hast Du ihn eingeladen—?“ „Nein. Zunächst wird sein Sohn kommen, der junge Doktor.“ „Er hat sich schon vorgestellt!“ „Er will— nun, er will um Lolos Hand anhalten.“ Jetzt war der Professor sprachlos. Sein Blick suchte die Tochter. Lolo hatte glutrote Wangen. Hm— da brauchte er wohl nichts mehr zu fragen. „Ja, wir werden auch für Lolos Aussteuer Teppiche kaufen müssen“, sagte die Frau Pro#essor, und mütterliche Freude glänzte aus ihzen Augen. In Reclams Universal= Bibliothek erschien: Friedrich Griese: Wittvogel Eine Erzählung. Mit einem Nachwort von Hans Knudsen. 80 S. Reclams UniversalBibliothek Nr. 6751. Heft 40 Pfg., Band 80 Pfg. Die Menschen, die der norddeutsche Dichter Friedrich Griese darstellt, sind von einer schwerblütigen, verträumten Art, die an die Gestalten Jens Peter Jacobsens erinnert. Stets sind sie mit der Natur, mit der Einsamkeit ihres weiten Landes zu einer seltsamen Einheit verschmolzen; die menschlichen Seelen spiegeln gleichsam die rauschenden Kornfelder, die knorrigen Wälder und tiefen Seen.— In der vorliegenden Erzählung wird die Entwicklung einer eigenartigen nordisch=herben Frauen gestalt von der Mädchenzeit bis zum einsamen Tode geschildert. Geschlagene und Sehnsüchtige, Triebgequälte und Erlöste, Starke und Unterliegende sind mit ihrem Schicksal verwoben, das über die Wirklichkeit der Erscheinungen hinaus auf eine höhere, übergeordnete Welt bezogen ist. I. A. Barbey d' Aurevilly: Mit verdeckten Karten. Novelle. Uebertragung aus dem Französischen und Nachwort von Peter Jaff. 75 S. Reklams Universal=Bibliothek Nr. 6760. Heft 40 Pfg., Band 80 Pfg. Die vorliegende Novelle entstand im Jahre 1850. Fünfundzwanzig Jahre später nahm sie der Dichter in sein Werk„Die Teuflischen“ auf. Es ist eine Rahmenerzählung, deren besonderer Reiz darin liegt, daß der Erzählende das letzte Geheimnis seiner Geschichte selbst nicht kennt. Nur Ahnung und Andeutung einer dämonischen Leidenschaft hinter„verdeckten Karten“ bilden den Spannungsgehalt. Die von byronschem Geiste erfüllte Novelle stellt ein kleines Meisterwerk dar und zählt durch ihre hinreizende, unvergleichliche Sprachschönheit zu Barbeys besten„Teufelskindern“. Kreuzworträtsel — K 53 35 8 5 Gieh 8 Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Truck und Verlag: V. A. Santz. Altena. S to S 8 3 # s Egema 98 252 9 2 " 2 13 9 5 00 9. 9 S EE FERFC Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 20 Samstag, 21. Mai 1927 Galgenvögel Skizze von Alfred Bohnagen=Leipzig. Im Faubourg Poissoniere zu Paris sah ich, wie sich ein Gast mit dem Kellner herum quälte, um ein Glas Bier zu bestellen. Er konnte noch weniger französisch als ich; daher nahm ich mich als Dolmetscher gern seiner an. Auf diesen ersten Erfolg war ich natürlich sehr stolz. Er hieß Wirges, stammte aus Rheinhessen, und war wie ich am gleichen Tage erst in Paris angekommen. Gleich mir suchte er Beschäftigung, wollte sein Wissen bereichern und goldene Schätze sammeln. Den Weg dazu hatte er auf die denkbar verkehrteste Weise genommen: am Ostbahnhof ließ er sich von einem Camelot einfangen und in das vornehme Hotel de L. verschleppen, wo sonst nur die Hochfinanz oder berühmte Persönlichkeiten abzusteigen pflegen und wo man für die Uebernachtung in einem Himmelbett ala Marie Antoinette mit der Aussich“ auf den Opernplatz viel Geld bezahlen muß. In jugendlicher Unerfahrenheit wagte Wirges nicht, sein Gepäck dort einfach wieder abzuholen, um sich ein billigeres Unterkommen zu suchen. Er überredet mich, wenigstens eine Nacht gemeinsam mit ihm in jenem Hotel zu verbringen. Zum Schaden meines wenig gefüllten Geldbeutels sagte ich zu und ging, selbst unkundig der Gebräuche von Reisenden, mit Wirges am Abend im dreischläfrigen Himmelbett eines der ersten Pariser Hotels zur Ruhe Das Geräusch vieler Wagen, Iitraßenbahnen Omnibusse und Menschen weckte uns zeitig am anderen Morgen. Vom Balkon herab konnten wir nun Paris in den ersten Morgenstunden gerade am Brennpunkt seiner Herztätigkeit betrachten. Dann packte Wirges seine Handkoffer, wir reinigten unsere Schuhe notdürftig mit dem Taschentuche und verließen unser Zimmer, um irgendwo im Hause unsere Rechnung zu bezahlen. Natürlich herrschte hier noch überall tiefe Ruhe, und nur mit Mühe ließ sich in den vielen Korridoren ein Zahlkellner finden, der uns auf einem schönen Titelblatte für Uebernachtung, Bougies und Service(trotzdem wir nach Wirges' Meinung weder Bougies noch Services zerbrochen hatten) eine so erkleckliche Summe abnahm, daß wir uns wie Herzöge vorkamen. Erst später haben wir erfahren, daß es in Paris üblich ist. alle Lichter des Kronleuchters ohne Rücksicht darauf, ob sie gebrannt werden oder nicht(und sie werden nie gebrannt!), mit einem Franc für die Nacht zu bezahlen. Unser Kronleuchter war ein Kunsterk im Stile Louis XIV. und zählte dreißig Lichter!— In unserer Einfalt haben wir auch erst später erfahren, daß wir kein zerbrochenes Service, sondern ein reichliches Bedienungsgeld zu bezahlen gehabt hatten. Wir fanden ein für Pariser Verhältnisse wohlseiles und nettes Unterkommen und begaben uns nun in die Vorstädte von Paris, um Beschäftigung zu suchen. Besonders schwierig st das natürlich für jemand, der die Landesbrache nicht beherrscht. Tag für Tag schlenerten wir nachmittags die Boulevards entlang, um wenigstens das Straßenleben in Paris kennen zu lernen. Da rempelte uns eines Tages ein kleiner Kerl mit bartstoppeligem Gesicht so heftig an, daß Wirges ihm gegen alle Gebote der Klugheit ein echt hessisches„Dunner noch emol, du Ochs!" nachrief. Da wendet jener sich, wahrscheinlich aus Freude über unsere schöne Muttersprache, um und erwiderte:„Ha, Dütsch! Sind Sie Daitsche, meine Herren! Ha, wie lang hän ich nix Dütsches hier vernomme. Jo, und wo süd's her? Muttersprache, Mutterlaut, o wie wonnesam und traut, besonders im Auslande, wo man um sich herum immer nur kauderwelschen hört und nichts davon versteht! Wir waren bald vertraut; er sei ein Elsässer aus Straßburg und ein Deutscher, wie er wichtig betonte der in Paris ein großes Delikatessengeschäft habe und sich gern unserer annehmen wolle. Der Rheinhesse war Stuckbildhauer. „Für ihn hab' ich Arbeit bei meinem Kussäh in Säntenih", sagte der Elsässer zu ihm. Aber für mich, einen Kunstschüler?—„Ha, wird sich scho au eppes finne!“— Fand sich auch schon anderntags, denn der Vicomte de Chalot suche einen Groom. „Sie wisse nit, was ein Groom ischt? Ha, s'ischt eppes gut's. Ein Groom, das ischt der Mitfahrer, der Begleiter, der Reisemarschall. Ein Groom ischt ganz war Vornehmes. Da habe Se nix z' tu, da habe Se nix als aufz'passe, daß die Schähs nit geschtohle wird. Und Se verdiene viel Geld. Und wenn Se eppes geschpart habe und de Schprach könne, dann gehe Se zur Akkedemie, und vielleicht zahlts Ihne der Graf, denn er ischte kunschtverschtändiger Herr, den ich sehr gut kenne, weil ich ihm alle Täg die Artischokke und Krebse und Mayonähs und Kuitres und all die schöne Sach liefere. Also seie Se nit verschlage; das nehme Se an. Und nu los, daß mer Sie placiere, alsdann fahre mer, hier der Schukadöhr und ich, zu meinem Kussäh nach Säntenih.“ Und so gingen wir denn los: geradeaus, linksherum, wieder geradeaus, durch eine Passage, eine krumme Straße hindurch, einen Bogen herum, wieder geradeaus, rechtsherum, und so weiter. Es war ein beschwerlich langer Weg, über eine Stunde lang und immer im Menschengewühl herum. „So“, sagte unser Menschenfreund zum Rheinhessen,„hier ischt e Bierrestorah, do warte Se e Weilche, daß ich den Mosjöh da zum Herrn Grafe hinüber schaff. In dih Minütt bin ich widder do.“ Und dann gingen wir beiden unseres Weges, wieder ein paar Straßen herum, dann in ein anderes Bierrestaurant mit zwei Ausgängen. „Hier warte See Weilchen, bis ich mit dem Herrn Concierge geschproche hab.“ Nach„dih Minütt“ war er wieder bei mir: „Fein isches“, sagte er.„Aber die Liwräh müsche Se kaase. Hawe Se Geld?“ Ich hatte keines, denn eine innere Stimme gebot mir, meinen kleinen Goldschatz im Brustbeutel dem Menschenfreunde zu verheimlichen. „No, wölle sehen, ob mers anders mache könne. Warte Se ein halb Stund do, ich will den Concierge beschwätze.“ Aber der Menschenfreund ging nicht zum Concierge, sondern zum Rheinhessen im anderen„Restorah" und beschwätzte diesen, ihm gegen das Versprechen sofortiger Rückerstattung seinen ganzen Goldschatz von drei Zwanzigmarkstücken für mich auszuhändigen. Damit verschwand der Menschenfreund und wurde nicht wieder gesehen. Uns beiden, dem Rheinhessen und mir, hatte nämlich das Warten zu lange gedauert. Wir fragten jeder für sich den Weg ins Hotel zurück, das wir in ganz kurzer Zeit erreichten. Der Elsässer hatte uns also im Kreise herum geführt. Im Hotel gab es eine erregte Auseinandersetzung, als der Geschäftsführer meinte, der Vicomte de Chalot wohne wahrscheinlich in den Wolken und der Concierge sei dort sein Türpförtner. Der Rheinhesse rüstete sofort zur Abreise, das zeld dazu bekam er von mir. Als ich nun Geld dazu bekam er von mir. Als meine deutschen Münzen am Wechselschalter des Bahnhofs in Francs umzuwechseln suchte, kam behutsam tastend unter meinem Ellenbogen hindurch eine fremde Hand, die fingernd am Schalterbrette, gedeckt durch einen Knäuel von Menschen, mein Goldstück zu erlangen suchte. Aber plötzlich zuckte die Hand zurück. Der Kerl, dem sie gehörte, erhielt von dem hinter mir stehenden Wirges einen kräftigen Schlag auf den Kopf und wurde sofort von der Polizei ergriffen. Es war unser Menschenfreund, der Elsässer, ein sehr gesuchter Galgenvogel, den das Schicksal so schnell ereilte. Die Polizei war über den Fang sehr erfreut. Wir aber auch, denn es handelte sich um einen Verbrecher, auf dessen Ergreifung eine Belohnung ausgesetzt war. Die Belohnung war immerhin so groß, daß Wirges seinen Aufenthalt in Paris noch um zwei Wochen verlängern konnte. —..— „Disziplin muß sein“. Ein Histörchen aus der„guten alten Zeit“ von Richard Blasius. Die Bürgerwehr hatte einen neuen„Härrn Oberscht" bekommen in Gestalt des Seilermeisters Benjamin Lippmann. Die Ernennung dieses in jeder Hinsicht ehrenwerten Bürgers zum Kommandanten der Wehrmacht von Schinkenburg war nicht so ganz glatt abgelaufen. Ein hoher Magistrat hatte anfangs einige Bedenken gehegt, sintemalen der kleine, etwas krummbeinige Benjamin Lippmann infolze seiner Beschäftigung gewohnt war, durch Rückwärtslaufen vorwärts zu kommen. Man hatte befürchtet, des Städtchens Wehrmacht könne unter seinem Kommando allzu große Neigung zu Rückzügen„aus strategischen Gründen" entwickeln. Doch schließlich hatte sein Aeußeres zu seinen Gunsten entschieden, allerdings nicht sein dackelbeiniges Untergestell, sondern sein martialischer Schnauzbart, der in seinem Träger fast irgend eine Walroß=Abart vermuten ließ. Lippmann wußte um die Bedenken einer hohen Behörde und war nun natürlicherweise vom ersten Tage seines Amtsantrittes an bemüht, den augenscheinlichen Beweis dafür zu erbringen, daß er dennoch der rechte Mann am rechten Platze sei. „Disziplin muß sein,“ hieß seine Losung, die er seinen Untergebenen von einem vier Seiten langen, gegen hundert Paragraphen enthaltenden Zettel vorlas, als er zum ersten Male säbelrasselnd die Front abschritt. Das größte Aergernis bereitete ihm der reichliche Schnupftabakverbrauch während des Dienstes. Daher lautete§ 87. Abschnitt M:„So aber einer sich erzeiget, daß er unter Gewehr seine Nase fülle, erhält er zwölf Stunden Prison.“ Eines Tages meldete sich der soeben von seiner Torwache abgelöste Gardist, der Strumpfwirker Leberecht Hommeier, zum Rapport bei Herrn Oberst Lippmann. „Nu häre bloß emal, Lippmann.. „Er ist im Dienst. Ich bin sein Oberst.“ Das„Er“ glaubte Herr Oberst Lippmann dem alten Fritz nachahmen zu müssen. „I nun freilich, das weeß ich wohl. Aber härn Se bloß...“ „Stüllgeschtandän!“ Hornmeier lehnte seine Schrotflinte an die Wand, nahm gemächlich die Hacken zusammen und kratzte sich mit der Rechten verlegen hinter den Ohren. „Was hat Er zu melden?" „Se, se ham's Schilderhaus gemaust.“ Der Oberst wurde käseweiß, gleich darauf puterrot.“ „Wo?“ brüllte er. „Nu, am Tore.“ „Wer?“ „Das weeß ich nich.“ „Mänsch, Hornmeier, das mußte doch gesähn ham.“ Vor Schreck war der Kommandant aus der Rolle gefallen. „Ich hab nischt gesähn. „Ja, wieso denn nich?“ „Ich war gerade mal heem gegang'n!“ Auf eigenmächtiges Verlassen des Postens stand zwar die hohe Strafe schimpflichen Ausschlusses aus der Wehrmacht auf die Dauer von zwei Monaten— gänzlicher Ausschluß hätte leider die völlige Entwaffnung Schinkenburg 9 2 SPSSS S# 55pSE SS SSSg BEES 59EE 95 E 2 8 s— 8.85 ###5 9 S S 85 8 S S S.•5 S S 5%5 S#E 5oES: 5 550 ESSSOSLGSIS OE OEEMDDLLEG'g □ Tebsgn S S SEE =S S.—86.S0SPMBEEGGS SAScE EoCS SS.GGEESESEID BA SLAMAEE 5·8 m Sie 9 SSBSDSEE u 8. 3— * an e g. GOEE S S 5# E S 85 8 35 Z 8— 58 9 * 2855 AEES 2# 99 E##8 S Srr — 65 # 5 E 8 2 * 2SSESEP s6 59S 8.1 — Satz vor seine Zimmertür, reißt sie auf und rettet sich hinein. Er schlägt die Tür zu, riegelt ab. Auch Frau Wanda stößt einen Schrei aus, #ls ihr Mann so hastig und gejagt hereinstürmt. ur ge bedeutek—. aber Oberst Lippmann dachte im Augenblick nur an das gestohlene Schilderhaus. „Weswächen warschte denn heem gelofn?" „Ich hatte de Schnupftabaksdose vergessen.“ Augenblick war Lippmann jeder Zoll ein: cerebemeeee eäerie.#.....[Sie sieht— er ist totenblatz, vor Schreck ganz „Insuvoromarioni“ schrie er,„Er bekommtlaußer sich. Er trocknet Stirn und Wangen mit Seäsf elenen Prscheu d er Wehint Bsden Tichenuch. 806 „Was ist denn, Emil? Fehlt dir etwas? Ist ich habe doch gar nicht geschnupft,“ ver=Dir was zugestoßen?“ Der Mann starrt, stumm teidigte vo Hornmeier,„ich hatte doch äbn in einem Sessel versunken, vor sich hin, schütbeene Dose.“. stelt den Kopf und lacht gezwungen auf. G5= Hberbang und de)-Peißt Du Wanda, meine Rerven sind doch da erschrach. piche ism gafrecht herunter. Ich habe schon Einnestäuschunbin'ch so erschrocen, duß ichs Schnupfen ver=igen. Ich gehe eben ruhig den Gang draußen sot schmmiemn malten#c..(verunter. Wen meinst du, trefse ich dort“.— „Aber Er hat samupfen wollen. Schon der den toten Nachtportier im weißen GespensterVersuch ist strafbar. Es bleibt bei zwölflkittel. Er nachtwandelt— kommt mir entgeStunden.“ 414—i5 u i. 1s(Zeß. Die Sinnestäuschung war so zwingend, „Aber Lippmann, bis doch nich gar so dam=spaß ich die schlurfenden, schleppenden Schritte nich! Schnupfen wollen tun se doch alle. Dalund den schweren Atem zu hören meinte Zu muste Lam och alle enspermn hsa; soummr—— geinie 31 Der Oberst stutzte, sah Hornmeier sinnend an„Ach— Emil, jede plötzliche Todesnachricht und meinte:„Recht haste, aber de Guscheserschüttert. Deine Gedanken waren bei dem #ste, Jagen wer seche Stunden! Weg-—ge-sgtfer,„ Pann. Roch, gestern. hahen wir mit ihm rund meiner Erfahrungen möchte ich bezn Der Strummpswicher gung kopschiltelnd ch uoch dagn in später Nach.. eregen—seu ug die wurgen frug reisen Können.“. Der Obers blich kopschitteind zurick, Plößzlogr Falriantrgpsen:— Viunm ei, derng, meiste Bich aber doch bein Nenich iuWilste nich de Flime mit gestandenen Schrechen hald ein. us die Schlter De Seie Slasen de duge sser bech den wiederg, heigegsge hrsten erbde, lwrach er. uis Honicher Hisrichelt. .#Ard, weeßte, die seche, Stunden, die ummme#ssen am nächstgn Tage prenseoläne schmie=„Aber kommen Sie setzte er ernster hinzu, zu och zu Hause absitzen.“ soete, wollte es sich nach risch ins Lesezimmer„mir fällt da die Geschichte eines eigenen Er„Jeija,'s is schon gut."[begeben, um vort den Fayrplan einzusehen. Im stebnisses ein, die ich Ihnen noch rasch erzählen Flur reißt der heftige Seewind eine Tür auf—lwill. Ueber Ihre Sache reden wir einmal und wer steht in dieser Tür?— Wieder der Ende dieser Woche!" Das Gespenst s5as Ftangar ie. ber Gespenstertracht.! Als wir bequem in unsern Sesseln saßen, — jSur Egepugg schreit jetzt einstimmig auf—sbegann der alte Herr: Skizze von Haus Land. taur rmi,zigng hinunter, stößt auf den Direk=]„Als junger Captain rückte ich eines NorIn Schepeningen. Srätherbst. Die großen, das setzt den Gang, auseden auf das Gespenstsgene, es ist Jahrzehnte her, mit meiner EingeKüsten scon ltelbar binten ihaan en.a schlürft, unmit=sborenenkompagnie in einem südindischen Rest stehen fast leer. Rusten schon telbar hinter ihnen yer. sein, das heute eine richtige Stadt ist. Die Bezum Winterschlaf. zur wenige späte Sommer„Darauf erklärt der Direktor verlegen:„Dersvölkerung liebte Einquartierungen keinesgäste Im wollen noch nicht Schluß machen. Nachtvor: r vertritt jehr.. es ese:„Dersvölkerung liebte Einquartierungen keineszum Saisonschluß den wegs und machte aus ihrem Mißfallen keinerabgereisten Koch.“ So klärt sich alles auf na=slei Hehl. Ein fanatischer Bettelmönch fiel mir Ehepaar mittleren Alters. Der Mann, Schah=stürliche P.. So klärt sich alles auf na=slei Hehh, Ein sanatischer Bettelmönch fiel, mir sabrikant aus der Potsdamer Gegend, hat dassrend der letzten Tage, schlechte Essen wählin die Züget, und weil ich unter alen UmstänNützliche mit dem Angenehmen verbunden, in Amsterdam und im Haag waggonweise seine —.2— Ruhendes Mädchen 00s. den auf Ordnung sehen mußte, gab ich ihm mit der Reitpeitsche einen ansehnlichen Jagdhieb über den feisten Rücken. Der Kerl schrie auf, sprang zur Seite, machte irgendwelche verzerrte Handbewegungen gegen mich und verE7• „.!„ Skizze von Leo am Bruhl=Mainz. sschwand in der Menge. Vom gleichen AugenFfür kurze Tage, Erholuno nach nicht. ditze des Tagesshlick an lahmte mein Pferd so stark auf einer in Auige Lage. Erhbtungz machsnicht gewichen, und die träge, luftlose Südost=[Hinterhand, daß ich mitten in der Straße unbrise, die durch den ereuhlanen Ahond namiter dom(Hesohl des Volkes absitzen mußte. Quartier in einem kleinen Gastaus dem Schlafe auf, gelener die Gaste zum Fahrstuhl, landet sie im zweiten Stockwerk, bringt sie an ihre Zimmertür, die er aufschließt und schlurft dann matten Schrittes zum Aufzuge zurück. Der Ehemann sieht dem Alten mitleidig nach, sagt teilnehmend:„Der macht nicht mehr lange“ Am Tage drauf war das Essen im Gegensatz zu gestern so sämmerlich, daß das Paar wieder nach dem Haag fuhr, um sich dort für die hlechte Mahlzeit schadlos zu halten. Es tauste in einer Austernbar. Kam wieder nach Scheveningen zurück. Dieses Mal versah ein Page den Dienst des Nachtportiers. In der Halle begrüßte der Direktor die heimrehrenden Gäste. Der Ehemann fragte ihn nach dem Nachtportier.“ „Oh“— antwortete der—„er ist nicht mehr.“ Das Ehepaar erschrak. Der alte Mann, der gestern noch hier am Portal schwer atmend geschlafen, dann, aufgeschreckt, sie zur Zimmertür geleitet hatte, lag heute schon kalt und tot im Sarge. Die beiden seufzten. Ja— manchmal ging es ungemein rasch mit dem Sterben. Man mußte sich wirklich beeilen, wenn man vom Leden noch etwas haben wollte. Dann schloß ihnen der Page die Zimmertür auf. Der etwas nervöse Mann merkt gleich, daß sich bei ihm diese nächtliche Ueberraschung etwas auf den Magen geschlagen hat. Er verläßt das Zimmer, sucht ein verschwiegenes Oertchen auf. Als er über den in später Nacht nur wenig erleuchteten Gang in sein Zimmer zurichhehrt, kommt vom anderen Ende des wsiges, ganz in Weiß gekleidet, langsamen, schleppenden Schrittes der tote Nachtportier ihm entgegen. Der entsetzte Ehegatte schreit auf, bleibt einen Augenblick mit gesträubtem Haar wie verZeinert stehen— dann springt er mit einem Ware abgesetzt und dicke Aufträge zu guten Preisen heimgebracht. Hat seiner Fabrik hier lohnende Arbeit auf Monate hin gesichert— und macht nun mit seiner Frau in ScheveninKaurer Febest, für auger Ape brgstung u Has erste Eisen im Kurhause war gläinzendlozean derip.“—: Pruupunen adenwo vomzerg dem GesDus erste Essen im Kurhäuse war glangens Ozean heruverstrich, vermochte keine Linde= Ich bezog Rahlzeit.— g dunkelte schon früh—. tellt] zu schaffen. Mißmutig saßen wir aufshof, dem einzigen damals, der vorhanden war ein Auta, fährt nach dem S. umder Terrasse eines großen europäischen Hotels sund den man europäisch aufgezäumt hatte; der brrget## vr Hagg, zum in Madras und studierten unsere Karten, weil Besitzer, ein Holländer, ist mir nie zu Gesicht ein Theater zu besuchen. ais es gegen ein Uhr wir am folgenden Tage unsere Indienreise(gekommen. findet es den greisen Nachtportier in dieser lin=seindringen wolten. Debhanl Rein Zimmer war klein und nicht gerabe Der Alte atmet rasselnd wie ein Asthmatiker. Her Slcd. e Pferde, Sieht sehr krank aus. Jetzt fährt er erschrechtsgen. dudischen Eisenbahn verladen wer=Ifarbdrucke hingen schief an den Wänden. aus dem Schlafe auf, geleitet die Gäste zum Ich weiß noch, daß Bill den Fahrnsan guglIgfort ein ermrzr gut, und ich schlief abends r Hand legte.“ aus ssofort ein, ermubet durch den vorangegangeder#ung legte und plötzlich den Vorschlagsnen Nachtmarsch und die Einquartierungsarmachte, die Abreise um einen Tag hinauszu=beiten des Tages. schieben und in der Stadt noch ein kräftiges! Ein Schrei, grell und schrill, riß mich plötzPackpferd hinzuzukaufen. slich in der Nacht vom Lager hoch. Im Nu war Dann aber... war es mir mit einem Male, lich auf den Füßen. als erwachte ich aus einem kurzen, tiefen Schlaf An der Tür meines Zimmers, die 5 doch riß ich die Augen auf, deren Lidersam Abend zugeriegelt hatte, stand, vollkomschwer und wie gelähmt herab hingen: alleslmen unbekleidet, ein Mädchen. Ein weißes war, wie es gewesen; gegenüber saß Bill, zwi= Mädchen! Und schrie so markerschütternd um schen uns lagen die Karten und Pläne, die Hilfe, daß sich mir ein pressender Ring des Seschaidige...(Grauens um die Stirn legte. Es war ein junalcing Jatd is5 2 sagte Bill unsicher,„ichges Ding von etwa sechzehn Jahren und mit suuvx, buß ich eingeschlafen war. Diese Hitzeseiner geflochtenen, blonden Haarkrone um „Du auchs“ i:... lden schmalen Kopf. Wie kam das Kind mitThauirk: unterbrach ich ihn erschreckt,sten zur Nacht in mein Zimmer? Durch die ### Flost bin im Augenblick wach geworden. verschlossene, verriegelte Tür? Das kann doch kein Zufall sein!"] Mit einem Sprung war ich bei dem angstge„Ruhe, Charly!“ mahnte Bill.„Kein Auf=schüttelten Wesen. # das sagt alles.“ Da... da wandte es sich um, riß die Tür Er erhob sich, schaltete das Licht der Tisch=sauf und lief vor mir fort. Wie ein Rasender lampe aus und schaute, kaum für einen Drittenlich hinter dem Kind her, packte noch den Demerklich, spähend in die Runde. Unterdessensgen, der an der Wand hing, stürzte die Treppe faltete ich die Karten zusammen und leerteshinunter, auf die Straße,— so wie ich aus mein Glas. Dann schickten wir uns zum Ge= dem Bett gesprungen war— lief, lief, lief imhen an.. S####.(mer hinter dem schreienden weißen Mädchen 1.„Vergiß den Fahrplan nicht“, sagte Bill stok=her. Wie ein Fiebernder. kend, als spreche ihm jemand den Satz Wort] Dann sah ich mich am Rande eines Coums, um Wort vor. seines der kleinen Binnenseen, die sich am Als ich das Heft in die Hand nahm, flatterte Strand des Meeres entlang ziehen. Das Kind ein weißer Zettel auf den Boden. Fast gleich= war plötzlich verschwunden, schien in das Wasnsäts bückten wir uns; Bill überflog das Pa=sser gestürzt zu sein. Ich wartete. Suchte mit maer##wber Sekunden und reichte es mir: essschmerzenden Augen die Oberfläche des Sees Kalenderblocks, der die ab. Wartete. Nichts! Müde und zerschlagen laufende Woche zeigte. Mitten durch das Blatt halb irr in meiner Erregung, wankte ich den von Dienstag zu Freitag lief ein starker,[Weg zurück.— rich. Das Sonnabend=Feld zeigte,] Am nächsten Morgen. Ich erwache und liege flüchtig skizziert, eine geballte Faust.“ in meinem Bett in dem kleinen Zimmer des Wir sahen uns an; heute war Montag. Auch Gasthofes. Mein erster Blick fällt auf einen die Bedeutung der Faust war uns klar: früh Oeldruck, der dem Fenster gegenüber an der sam Morgen hatte Bill einen Tempelwächter des Heiligtums von Mylapuram, der uns den Eintritt verwehren wollte, etwas unsanft mit der Faust berührt. „Der Zettel lag vorher nicht in dem Heft?" fragte ich leise. „Keineswegs,“ gab Bill zur Antwort,„aber jetzt haben wir die Erklärung unseres gemeinsamen Einschlafens. Ich bin davon überzeugt, daß irgendeine echt indische Gaukelei oder Gaunerei im Anzug ist. Ich möchte auf das Packpferd verzichten und mit dem Früh=Expreß reisen.“ In diesem Augenblick trat ein alter englischer Offizier, den wir einige Tage zuvor flüchtig kennen gelernt hatten, auf uns zu. Er hatte uns beobachtet und erkundigte sich nun nach den Geschehnissen. Als wir ihm den Vorgang berichtet hatten, lud er uns noch für eine Weile an seinen Tisch ein. „Sie dürfen mir noch ein paar Minuten Gesellschaft leisten“, sagte er mit einem feinen, etwas überlegenen Lächeln.„Sie wissen, vaß ich mich hier ein wenig auskenne, und auf Drund meiner Erfahrungen möchte ich bezwei“aIn daß Sie margen frich reisen bönnon“ Wand hängk: ich spüre, wie sich mir die Kopfhaut zum Zerreißen spannt, wie sich die Augen brennend weiten: das Bild zeigt ein ruhendes weißes Mädchen. Das Mädchen, das ich in der Nacht gesehen habe. So wie es vor mir her lief, nackt, das Haar wie eine Goldkrone um das Köpfchen gelegt. Hatte mich ein Traum geäfft? Ich prüfte den Türverschluß. Der Riegel war von innen vorgeschoben. Schon begann ich, über mich zu lachen, als mein Blick, wie unter fremdem Zwang suchend, über die Wand glitt: der Degen, den ich gestern Abend dort aufgehängt hatte, war verschwunden. Und er blieb verschwunden bis zum Mittag. Da brachte ihn einer meiner Leute; er hatte ihn, tief im Boden steckend, draußen am Ufer des Coums gefunden, an dem ich nachts gewesen war.“ Der Oberst nahm einen Schluck Wein und warf die erkaltete Zigarre weg. „Glauben Sie nicht, meine Herren“, fuhr er dann in seiner Erzählung fort,„daß damit der Spuk zu Ende war. Sechs Tage lang lag ich in dem Teufelsnest, sechs Nächte begab sich, haarscharf, dieselbe Geschichte. Nichts half. Keine Wache, keine Waffe. Nichts! Als ich abrückte, rief mir aus der Menge der Bettelmönch höhnend nach:„Soll ich dir das weiße Mädchen nachschicken, Herr?“ Im übrigen, meine Herren, das weiße Mädchen können Sie heute noch sehen. Der Oeldruck war ein schlechter Abklatsch eines Gemäldes von Boucher, mit dem Titel„Ruhendes Mädchen". Jahrelang habe ich das Original gesucht und fand es endlich“, er wandte sich mit einer leichten Verbeugung an mich,„bei Ihnen. Ja, bei Ihnen in Deutschland. Es hängt in der Pinakothek in München. Wenn Sie einmal hinkommen, dann schauen Sie sich das blonde Kind an, dem ich sechsmal im Nachtgewand mit gezücktem Degen nachgelaufen bin.“ Der Oberst erhob sich und ging mit kurzen Abschiedsworten. Noch lange saßen wir stumm starrten auf das grünfunkelnde Meer hinaus und grübelten über das Wesen der„Dinge zwischen Himmel und Erde“. —— Am folgenden Tag reisten wir nicht ab. Bill wurde von einem heftigen Fieber befallen, das ihn bis Freitag ans Bett fesselte... —2.— friedenheit gedienk, indem er eine Pumpe krieb. Er war tüchtig und hätte es noch weit bringen können. Aber nach dem Umsturze wurde er abgebaut und trat in den Privatdienst über. Auch hier im freien Berufe bewahrte er noch einen gewissen Beamtenstolz. Er hatte ein empfindliches Ehrgefühl und legte besonderen Wert auf gute Behandlung. Mit seinem freundlichen Herrn war er sehr zufrieden, und wenn dieser seine Bestandteile putzte oder ihm mildes Oel einträufelte, schnurrte er leise wie eine Katze, und manchmal puffte er zärtlich kleine Wölkchen gegen dessen Schienbeine, worauf der Herr immer lächelnd brummte:„Aber, aber, Loisl, tut man denn das?“ Eines darf nicht verschwiegen werden. Er war schon alt und nicht mehr auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Er hätte als Pensionist eher eine leichte Nachmittagsbeschäftigung gebraucht als eine Arbeit, die mitunter zehn Stun den Tagesleistung verlangte. Ueberdies hatte er nicht nur das Ringelspiel selbst, sondern auch die angekuppelte Drehorgel in Gang zu erhalten, und da er von Natur aus unmusikalisch war, fiel ihm dies besonders schwer. Freilich hatte er an Regentagen Rast. Aber der Regen war für seinen alten, rheumatischen Körper das reine Gift. Alle seine Gelenke begannen schmerzhaft zu stöhnen, und die Schleimhäute der Ventile und die Bronchien der Leitungsrohre bedeckten sich mit katarrhalischem Rost, so daß er bei der Arbeit heftig niesen und spukken mußte. Leider gab es auch manche Betriebsstörung, worauf das Publikum zumeist gotteslästerlich fluchte und sein Geld zurück verlangte. Der Herr, der nicht allzu viel von MoDer Motor Humoreske von Bruno Prochaska=Tulln. Alljährlich kam in unseren Ort zugleich mit den Schneeglöckchen und Veilchen ein Ringelspiel. Mitten auf der Mühlwiese wurde es aufgebaut. Von einer mächtigen senkrechten Achse strahlten sternförmig Querbalken aus, an deren Enden mit Ketten befestigte frei schwebende Sitze hingen. Das obere Gestänge war von bunten, hausbemalten Bretterwänden verhüllt, und innerhalb dieser prächtigen Trommel waltete die treibende Kraft, die aus zehn Straßenjungen bestand. Eifrig stemmten sie ihre schmale Brust gegen die Querhölzer und drehten das Gerüst. Nach zehn Runden durfte jeder von ihnen einmal umsonst fahren. Das war ihr Lohn. Der Besitzer, ein kugelrunder, überaus gemütlicher Wiener, drehte die Kurbel eines gewaltigen, schön vergoldeten Werkelkastens, läutete die Anfangs= und Schlußglocke und ermunterte die Umstehenden zur Mitfahrt durch köstlichen Humor. Junges Volk flog lachend und kichernd durch die Luft, und auch altes Volk fühlte sich angezogen. Beleibte Herren standen am Rande und ließen sich funkelnde Mädchenschuhe und schimmernde Strümpfe knapp vor der Nase als unbezahltes und unbezahlbares Vergnügen vorüber gaukeln. Abends in der Dämmerung, wenn die Läden geschlossen wurden, kamen auch würdige Frauen und Männer, um sich zu vergnügen. Sie zwängten ihre alten, umfangreichen Breitseiten in die schmalen Sitze der Jugend, sorgten für Ehrbarkeit im Bezirk der Beine und gaben sich dann ganz der Wonne des Augenblickes hin. Doch die Zeit steht nicht still. Der Fortschritt verlangt sein Recht. Heuer kam das Ringelspiel zum allgemeinen Staunen mit einem Motor angerückt. Der dicke Besitzer war sichtlich stolz auf ihn. Er setzte ihn vor den staunenden Augen der arbeitslos gewordenen Straßenjungen zusammen, wobei er, die Virginiazigarre im Mund, mit dem Motor liebevolle Zwiesprache hielt:„Na, Loisl, gleich wern mirs habn ... so, so... öha... nur Geduld.. brav ... so is recht...“ Der Motor hieß nämlich Alois. Sein Herr hatte ihn so getauft, weil er ihn liebte wie ein Haustier, einen Mitarbeiter und treuen Genossen in allen Widerwärtigkeiten des Lebens. Früher hatte der Motor im Staatsdienste bei den Bundesbahnen viele Jahre zur vollsten Zutoren verstand, suchte oft stundenlang mit groker Geduld den Fehler an der unrichtigen Stelle. Gerne hätte der Motor gerufen:„Hier, hier!“, wenn er schon fast mit der Nase an die Fehlerquelle stieß und sie doch nicht bemerkte. Aber der Herr verstand sein qualvolles Aechzen nicht, und das machte den alten, rostigen Burschen nur noch nervöser. So ging das Leben weiter, schlecht und recht. Die Orgel brüllte, das Geld klimperte im Kasten, und der Herr war zufrieden. Loisl hingegen wurde immer unzufriedener. Eines konnte er nämlich nicht ertragen. Das waren die zahllosen und unaufhörlichen dummen Witze des Publikums, besonders wenn es eine Störung gab. Vor allem die von ihm entthronten Buben freuten sich boshaft über jede Aeußerung seiner Unzulänglichkeit. Und so mußte er schwei gend viel Uebles hören:„Altes Krepierl... in die Würscht g’hört er halt... als Kaffeemühl ging's vielleicht noch... stinken kann er, sonst nichts.“ Das tat weh. Dann kamen täglich nach Bureauschluß einige Beamte. Von ihnen als ehemaligen Kollegen hätte er wohl einige Rücksicht erwarten dürfen. Aber auch sie sprachen von Mist. Schund und Grafflwerk und bezweifelten sogar seine Betriebssicherheit, was ihm wie ein Messer in die Seele schnitt. „Er geht wunderbar, meine Herren", versicherte der Inhaber eifrig.„Man muß ihn nur richtig behandeln. Gleich wird's wieder gehn, gleich, gölt, Loisl?“ Dankbar puffte der schwer gekränkte Motor aus. Eine Träne entquoll einem undicht gewordenen Ventil, er ächzte, stöhnte, hustete und spuckte. Und schließlich ging er doch wieder. Aber es half nichts. Gemein und boshaft wie die Menschen nun einmal sind, setzten sie es durch, daß von der Behörde eine Ueberprüsung der Betriebssicherheit angeordnet wurde Es erschien eine Kommission, bestehend aus dem Bezirkshauptmann, mehreren Beamten und einem Monteur. Der Inhaber hatte Loisl glänzend hergerichtet, geputzt und gebürstet und mit Betriebsstoff für sechs Stunden gefüllt. Die Herren standen umher, machten ihre üblichen Witze, der Monteur betastete grinsend die verwitterte Oberfläche des Veteranen und schüttelte den Kopf. Und da die Sache weniger eine Amtshandlung als ein Volksfest zu sein schien, setzten sich alle oben hinein, samt Bezirkshauptmann und Monteur, um zunächst eine Probefahrt zu machen. „Loisl, jetzt zeig', was Du kannst", flüsterte der Herr und drückte den Hebel nieder. Der Motor nahm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz, blies und pustete. Dann begann sich das Gerüst zu drehen. Gleichzeitig dröhnte aus dem Bauche des Werkels wilde, aufpeitschende Jazzmusik. „Schaut's, das Spuckerl zarrt ja wie ein Goasbock“, rief einer von der Kommission. „Nur vorwärts, alter Siechenhäusler“, kreischte ein anderer wiehernd vor Lachen. Da begann es in der Seele des Motors zu kochen. Die gepeinigte Kreatur bäumte sich auf. Er konnte viel ertragen. Aber beschimpfen sollten sie ihn nicht. Das nicht. Zähneknirschend hielt er mit übermenschlicher Kraft alle Löcher und Fugen zusammen. Das Ringelspiel schne begann sich immer schneller zu drehen. „Genug, genug,“ riefen die droben. Sie flogen schon fast wagerecht, und die Sache hörte auf, ein Vergnügen zu sein. Der Inhaber lief herbei, um den Motor abzustellen, der fauchte und sprühte wie ein gereizter Tiger. Da gab es einen Knall. Es war dem Motor gelungen, den Hebel, der zum Abstellen diente, abzubrechen. Vergeblich mühte sich der Besitzer, die Maschine zum Stehen zu bringen. Die Räder liefen rasend weiter, die Gestalten droben waren kaum mehr zu unterscheiden und bildeten nur noch einen nebelhaften Saturnring, aus dem Hüte, Geldbörsen und Hausschlüssel gespenstisch niedertropften. Die entfesselte Orgel heulte schon zum zehnten Male ihr ganzes Programm herunter, das durch die rasende Geschwindigkeit eine grauenhafte Lustigkeit gewann. Hilflos fingerte der Herr drunten an dem heißen Motor herum, dann verlor er völlig den Kopf. Aus dem Saturnring ertönte die Stimme des Monteurs, so nah und doch so fern. Sie schien technische Ratschläge zu erteilen. „Wie? Noch einmal!“ brüllte der verzweifelte Besitzer. Aber im Getöse der höllischen Musik vernahm er kein Wort. Die Stimme von oben verstummte. Er stürmte davon, um einen mann zu suchen. Doch es gab nur einen einzigen im ganzen Ort, und da es Samstag war, hatte sich dieser Biedermann mit Weib und Kind in den Wald begeben. Wilde Raserei durchströmte den Motor. Noch er so die Fülle des Lebens empfuncht. Nun war er r, weiter, rasend weiter. Schon fast eine Stunde lang drehte sich die Kommission, hilflos hängend, bleich wie Käse. Als erster wurde der Bezirkshauptmann seekrank. Dann die anderen, dem Range nach. der Monteur. Die Straßenjungen begleiteten das seltene Schauspiel mit wieherndem Freudengeheul. Die Feuerwehr rückte aus Doch sie war für solche Fälle nicht gerüstet. Sie hätte höchstens die Schwebenden durch einen Wasserstrahl laben können. Aber die Ehrfurcht vor der Obrigkeit hielt sie ab, ein so verbes Mittel zu gebrauchen. Sie berieten zwei Stunden, was zu tun sei. Endlich kam einer auf den Gedanken, versuchsweise wenigstens die unbotmäßige Maschine anzuspritzen, damit niemand der Feuerwehr Tatenlosigkeit nachsagen könne. Sie richteten also den Strahl gegen den glühend heißen Leib des Motors. Er zischte auf wie eine angegriffene Riesenschlange. Doch mit übermenschlicher Anstrengung lief er in unverminderter Geschwindigkeit weiter, entschlossen, nur der Gewalt zu weichen. Da traf ihn ein Strahl mitten in sein glühendes Herz. Es gab einen Krach. Die Feuerwehr ließ den Schlauch fallen und lief unter Hinterlassung ihrer Helme davon. Der Motor war zersprungen Stücke von ihm fielen seitwärts in den Rasen. Die Umlaufsgeschwindigkeit des Saturnringes mäßigte sich, und allmählich sanken die gespannten Ketten mit ihrer Last aus dem Weltenraum nieder. Die menschenähnlichen Häufchen, die man aus den Sitzen hob, atmeten schwach und lallten Unverständliches. Sie wurden ins Spital gebracht und erholten sich nur langsam wieder. Der Motor hingegen war tot. Er war als Held gestorben, als Rächer seiner Ehre. Eine Perlenkette Skizze von Franz Friedrich Oberhauser. „Also... Sie haben meine Perlenkette gefunden?" sagte Herr Simpeter sehr erfreut und schob dem netten jungen Mann einen Sessel zu. Der nette junge Mann nickte mit dem Kopfe und sagte„Jawohl!“ „Erzählen Sie doch! Wo haben Sie die Perlen gefunden?“ Herr Simpeter öffnete eine Zigarettenschatulle. „Es war auf dem Marktplatz," begann der junge Mann,„ich kam aus der Gerechtigkeitsgasse, Sie wissen...“ „Natürlich, Gerechtigkeitsgasse...“ „Da ist ein Zigarrengeschäft, Hanfdreher& Schrepp, vor dem mir einfällt, daß ich mein Geld vergessen habe. Ich mache also kehrt, eile zurück, will den Weg abschneiden, biege in die Jasomirgotthelfestraße ein, Sie wissen...“ Ratürlich, Igsomirgotthelfestraße.. „Dums, sehe ich was. Zu komisch! Sie werden es nicht glauben, da hängt die Kette an einem Feuerhydranten! Ausgerechnet! Was?" „Sehr komisch, wo manchmal diese Dinger verschwinden! Aber ich glaube es Ihnen, Herr s.. Herr.." „Karpfen!" stellte sich der andere vor und erhob sich ein wenig——