* * * 3 * SE e- 59 Sees s Bö.S“ B 5 SESSR -SES S S S• g. S 983S SSng. S 8 # 8 S S 2 S Sg S a S n S. S 9S 1 0∆ T 1•85 B S 8. 50 # 8nn • 5 8 SES9E 8381 — * 28 a J#ne R 9800 22 S S 2 S S 2 SS:* B• 7 ### Ger 7 a0 □ # S 88•5 G-## 0 S# * S 9258 Su S88.0 Focs S555 #8g R 2. AgSS S S 2. S82.2n *E7UT ren Geheimhaltung auch ein anerkennenswertes Interesse besteht. Dus trifst auf die Aufzeichnung, die Sie im Auge hüben, zu. Aber der letzte Punkt des Tatbestandes fäll: aus: Das Geheimnis ist Ihnen und dem Fräulein nicht kraft ihres Standes oder Gewerbes anvertraut. Die Sache liegt nicht anders, als wenn das Fräulein den Zettel auf der Straße gefunden hätte. Eine Bekanntgabe würde also das Berufsgeheimnis nicht verletzen.“ „Wenn sie aber dem Patienten geschäftlichen Nachteil brächte?“ „Das könnte zu einer Klage auf Schadenersatz führen. Also es ist immerhin besser, über die Sache zu schweigen.“ Der Kaffee kam. Der Amtsrichter trank ihn rasch und entfernte sich. Als er am folgenden Tage bei dem Zahnarzt vorgelassen wurde, begann er sofort wieder von der Sache zu sprechen. „Gestern habe ich die Rechtssprechung nachgelesen.“ sagte er.„Meine Auffassung war zu milde. Sagen Sie Ihrem Fräulein, daß sie die Sache unbedingt geheim halten, am besten den Zettel zurückgeben oder, wenn sie das nicht tun will, vernichten muß. Oder haben Sie ihn vielleicht da?“ „Ich habe ihn verbrannt,“ erklärte der Zahnarzt nicht ganz der Wahrheit gemäß. „Das ist gut. Schärfen Sie aber dem Fräulein nochmals ein, wie gefährlich die Preisgabe des Geheimnisses für sie wäre." „Ich werde es tun.“ Das Fräulein nahm die Mahnung lächelnd erngegen. „Ich glaube nicht, daß ich so viel zu fürchten hätte. Aber ich weiß schon, warum der Herr Amtsrichter die Sache so streng auffaßt?" „arum denn?“ „Er heißt Theodot.“ 1000 Dollar Belohnung Humoreske von Karl F. Nimrod. Als der Freiheitsstatue auf dem Marktplatz der ehrenwerten Stadt Oliston im Staate Ohio zum dritten Male nächtlicherweile eine leere Sektflasche in die eherne Rechte gestemmt worden war und das Publikum dieses, versteht sich, entalkoholisierten Fleckens am nächsten Morgen so neue Gelegenheit hatte, sich die Seiten vor Lachen zu halten, da bekam der Polizeichef vom Gouverneur einen taifunartigen Anpfiff und nebenbei, auf eigene Rechnung sozusagen, einen Lobsuchtsanfall. Die Auswirkungen dieses Zusandes erhielt in reichlicher Portion der Kommissar de. öffentlichen Dienstes zu kosten, und dieser beeutte sich, das Erhaltene rations weise an die ihm unterstellten Wachbeamten weiterzugeben, so daß niemand zu kurz kam. Der Gouverneur hatte entscheidende Maßnahmen gefordert. Sie kamen. Wenig spiter prangte an allen Litfaßsäulen eine Bekanntmachung, daß für die Namhaftmachung desjenigen, der auf so unerhörte Art Staat, Recht und Gesetz verhöhnt habe, eine Belohnung vol 1000(tausend) Dollar ausgesetzt sei. Unterschrieben war die Sache vom Gouverneur, und manch einer, der es las, bedauerte aufrichtig, den Täter nicht zu hennen, denn 1000 Dollar waren kein Handkäse. Jim, ein Mann mit modernen Anschauungen. der der Arbeit und allem, was mit ihr auch nur im entferntesten verwandt oder verschwägert war, mit einer gerade zu rekordhaften Gewandtheit aus dem Wege ging, las das Plannt ein paar Mai und unter Zuhilfenahme seiner letzten literarischen Kenntnisse genauestens durch wurde sehr nachdenklich und begab sich dann, indem er ein bei ihm sonst gänzlich unbekanntes Erltempo anschlug, in den Bouillonkeller„Zum fidelen Alligator“, wo er seinen Freund Job wußte. Im Gegensatz zu Iim war Job ein sehr arheitsfreudiger Mensch. Da er aber seiner Arbeit steis zur Nachtzeit, ohne Auftrag und unter Zuhilfenahme von falschen Schlüsseln, Blendlaterne und Stemmeisen nachging, geriet er mit der Polize: häufig in Meinungsverschiedenheiten, die in der Regel damit endeten, daß Job auf kürzere eder längere Zeit Gast des Staates wurde und in jenen stabil gebauten Häusern ein Unterkommen fand, deren Fenster sich dadurch von denen anderer Häuser unterscheiden, daß sie vergitiert sind. Jov der erst vor ein paar Wochen eine solche Kur yinter sich gebracht hatte, saß in seiner oben näher bezeichneten. Stammkneipe und labte sich an einem Tee. Die Urbestandteile dieses Tees stammten zwar nicht aus China, sondern aus den Pflaumenhainen Kaliforniens, aber trotzdem war er gut, der Tee. Die Bilanz über seine letzten geschäftlichen Unternehmungen ziehend, hatte Job sich bereits den Inhalt mehrerer solcher Teebehälter einverleibt. Bei dieser in jeder Hinsicht geistigen Beschäftigung truf ihn Jim. Die beiden zogen sich in eine verschwiegene Ecke zurück, wo sie sich angelegentlichst unterhielten. Jim redete wie ein Wasserfall. Was sie disputierten, hat nie ein Mensch erfahren, sicher aber ist, daß Jim eine gute Stunde später auf dem Polizeihauptbüro erschien und mit kühler Miene den Polizeichef zu sprechen begehrte. Der im Vorzimmer diensttuende Besamte, dem Jim nicht ganz unbekannt war, knurrte zwar einiges in den Bart, was weder in der Bibel noch im Konversationslexikon verzeichnet steht, konnte aber nicht umhin, Herrn Jim, der immerhin ein(zur Zeit) freier amerikanischer Staatsbürger war, anzumelden. Fünf Minuten später stand Jim vor dem Gewaltigen. „Nuuun?“ fragte der, nicht gerade sehr interessiert. „Ich wollte mir die 1000 Dollar holen!“ sagte Jim schlicht und sah sein Gegenüber mit der ganzen ihm zu Gebote stehenden Treuherzigkeit an. „Wieee?“ fragte der Polizeichef, der seinen Ohren nicht traute, obwohl sie groß genug ausgefallen waren. Iin wiederholte mit Nachdruck und fuhr fort:„Job Bamsley ist der Täter. Lassen Sie ihn verhaften, den Schurken. Er hat mich e#nmal hineingeritten, dieser Abkömmling einer zahniosen Klapperschlange und einer alten Konservenbüchse, heute revanchiere ich mich, Schicken Sie ihn nach Sing=Sing, den Burscher.“ Der Polizeichef telephonierte sofort an den Gouverneur, daß der Täter aller Voraussicht nach gefunden sei, umarmte Jim mit einer Träne im Knopfloch und schickte eine Kohorte Polizeisoldaten nach dem„Fidelen Alligator“ mit dem strikten Befehl, Job Bamsley zu verhaften und hierher zu bringen. tot oder jebendig, nötigenfalls in Stücken. Jim, dessen Bitte um Diskretion man verständlich fand, bekan eine große Zigarre und wurde in ein Nebenzimmer verfrachtet. Eine Viertelstunde später schleppten sie den vor Wut schäumenden Joh ias Zimmer. „Halte“ mick fest!“ röchelte der Polizeiches. als er ihn sah.„Haltet mich fest, sonst mache ich Corned beef aus dieser Amphibie!“ Die Beamten hielten wunschgemäß ihren Chek „Warum hast du die Polizei so blamier:. Schandfleck im Sternenbanner? Du Pirat rösten sollte man dich bei lebendigem Le### du..“ Es erübrigt sich, die Titel alle aufzuzählen, die der Polizeichef dem immer verdutzter und bleicher werdenden Job gebührenfrei verlieh. die sind in jedem besseren zoologischen Handbuch nachzuleien. Nach einer Weile brach Job in bitteres Weinen aus. Die Beamten bemerkten das nicht ohne Rührung, sogar ihr Chef wurde milder gestimm:. „Bist du es gewesen?"„ „Ja, Herr, ich war es. Ich gestehe alles.“ Und er schluchzte weiter. Er machte in der Tat einen bemitleidenswerten Eindruck. Beceitwilligst unterschrieb er das in aller Eile aufgesetzte Protokoll über sein Geständnis.„Darf ich noch etwas sagen?“ fragte er dann. „Schieß los!“ „Man hat mich dazu angestiftet. Man weiß, daß ich ein armer Teufel bin und gern einen Schnaps trinke, gab mir ein paar Cents, viel zu trinken und drückte mir dann die leere Flasche in die Hand, die ich auf das Denkmal bringen mußte.“ „Wer gab sie dir?" „Zwei feine Herren in Frack und Zylinder. Sie tranken französischen Kognak. Der Polizeichef schluckte das Wasser hinunte das ihm im Munde zusammengelaufen war und sagte mit Würde:„Aha, Alkoholschmuggler!“ Seine Beamten murmelten Beifall. Dann wurde Job hinaus= und Jim hereingeführt. Er bekam gegen Quittung einen Vorschuß von 20 Dollar.„Das übrige nach der Verhandlung", sagte der Mann an der Kasse. Acht Tage später machte man Job den Proeß.„Ein alter Bekannter!“ grunzte der Oberhter nicht ohne Humor, als er Job sah, und dann begann die Verhandlung. Es ging gnädig ob. Viereinhalb Monate. Der Staatsanwalt und der Verteidiger, den Jim für zehn Dollar besorgt hatte, wetterten auf die auch an dieser Sache mitschuldigen unbekannten Alkoholschmuggler los, daß es eine wahre Freude war. Diese Pestbeulen am Volkskörper seien an allem schuld. Der Oberrichter nickte Zustimmung, verkündete das Urteil und ging nach Hause, wo er sich zum Mittagessen eine halbe Flasche Rheinwein schmecken ließ. Sein Better war Weingutsbesitzer in Rüdesheim und kam alle paar Jahre mal herüber. Während Job nach Nummer Sicher gebracht wurde, ließ sich Jim den Restbetzag von 980 Dollar auszahlen und verschwand.— Viereinhalb Monate später erschien Job wieder auf der Bildfläche.„Wo ist Jim?“ fragte er im„Fidelen Alligator".„Jim?“ Ausgewandert!" 55 6i 52 „Aus.— ge— wan— dert?“ „Jawohl. Er hat'nen Brief für dich dagelassen.“ Job las:„Lieber Freund! Sei mir nicht böse, aber dir würden die 500 Dollar, die auf deinen Anteil kommen, doch nichts nützen. Drum behalte ich sie und wandere aus. Nach Mexiko oder Kanada, genau weiß ichs noch nicht. Werde eine Hafenkneipe aufmachen. Sowarentiert sich. Wenn ich Milliardär bin, komme ich zurück. Dann teilen wir. Good bye! Dein Jim.“ Wenn Job seinen„Freund“ in diesem Augenblick in Reichweite gehabt hätte, wäre zu Olision im Staate Ohio in den nächsten Tagen eine Beerdigung fällig gewesen. So aber mußte sie unterbleiben, mangels Masse sozusagen Von seinem ursprünglichen Plan, die Polizei nachträglich über den ganzen Schwindel aufzuklären, nahm Job nach reiflicher Ueberlegung Abstand. Das hätte ihm ein paar Jahre gebracht, während Jim, fern und unauffindbar, frei ausgegangen wäre. So blieb dem wackeren Job nichts anderes übrig, als sich mit dem Los des zweiten Siegers zu bescheiden. Hin und wieder, wenn er nicht gerade in den obengenannten stabilen Gebäuden im Interesse des Staates zu tun hat, trifft man Job im „Fidelen Allgiator". Da sitzt er und wartet auf die Rückkehr des Milliardärs und auf die große Teilung. GI Räselege 188 Schach: Zweizüger. Rösselsprung: Auflösungen aus voriger Nummer: Schach: 1 Del-esetr. SbTaes 2 So2-IE oder KP1RgS 2)801-61 oder HF 93 Ac-2ön Zobsenggadent. „EEg Aun e e Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. — K 8 IrU EFEAP PP SLLTT Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 43 Samstag, 30. Oktober 1926 Das Doppelfest im Dorfe Von Maria Stona. Seit gestern haben wir zwei Tote im Dorfe. Um halb ein Uhr mittags starb ein siebzehnjähriges Mädchen, zwei Stunden später ein Jungung. neunzehn Jahre alt. Kinder spielen und lachen auf den steinernen Schwellen vor den Häusern, lausen zu den Loten, kömmen wieder heraus und lärmen weiter. „Sie hat sich den Bräutigam geholt,“ sagen die Leute und lächeln dabei, als hätte die Franzska Mut bewiesen und etwas Stolzes und Liebes vollbracht. Es liegt eine Weihe über allen Seelen, über allen Hütten während der zwei Tage, da die Toten geschmückt ruhen im Zimmer ihrer Eltern. Im Friedhof sind die Gräber geschaufelt— sehr weit voneinander, aus SchicklichkeitsRücksichten wie aus dem Gebot der Not. Der Totengräber hat keine Wahl. Wo er ein leeres Endchen findet auf dem übervölkerten Friedhof, dort baut er das neue Haus. Den beiden jüngsten Gästen haben drei Tote Platz machen müssen. Ihre vermorschten Schädel liegen neben einem Kreuze, in der aufgeworfenen Erde schimmert Gebein, und mürbe Sargsplitter recken sich vor wie Hände. Ich ging heute nachmittag zu dem toten Bräutigam. In der weißgetünchten Stube, von deren Wänden viel bunte Heilige schauten, neben einer Bettstelle mit den hochaufgeschichteten Polstern lag der Jüngling auf dem schmalen Holzlager, auf dem er gestorben ist. Kinder grängten sich heran und blickten ohne Scheu den toten Bruder an. Zwei junge Mädchen jahen mit gefalteten Händen auf den Freund nieder, dessen Gestalt ganz mit Heiligenbildchen zedeckt war, den letzten Liebesgaben der Beucher. Ein Myrtensträußchen steckte an seiner Prust. In seinen Zügen lag ein tiefer, heiliger Ernst— so etwas Fernhinblickendes, Erdenfrücktes. Neben dem Bett auf einem einfachen Holzjessel brannte eine Wachskerze und tropfte ihre Fränen nieder. Wachs neben Wachs. Der gelbe Schein flackerte unruhig, wie das Leben. Die Mutter des Entschlafenen trat zu mir, ihr Antlitz war welk und verhärmt. Sie weinte ein bißchen und hob die Hände unter der blauen Schürze hervor. Hände, die aufgewühltem Ackerfeld glichen; so braun und rissig, als sehnten sie sich, zur Erde zu werden. „Ich weine ja nicht darum, daß er gestorben ist, entschuldigte sie sich.„Ihm geht es ja gut — aber daß er so gut war, das tut mir weh! Und er hat gar nicht gelitten. Wie oft bin ich zu der Nacht aufgestanden und hab nach ihm geschaut.„So bleib doch liegen,“ hat er mir gesagt,„mir tut ja nichts weh.“—„Ich habe nur Angst, du stirbst mir so, ohne daß ich was weiß...“„Aber Mutter— seid ganz ruhig — ich bete ja täglich zweimal zur heiligen Barbara— sie wird mich doch nicht sterben lassen, wenn Ihr nicht dabei seid!“— Als er hörte, daß die Franziska gestorben sei, sagte er leise: „Vielleicht kommt sie mich holen“— oder „möchte sie mich holen kommen!“ Wir verstanden nur„holen“ ganz deutlich. Dann sprach er nichts mehr. Und nach zwei Stunden ist er ganz leicht gestorben... Sie haben sich sehr lieb gehabt, der Vinzenz und die Franziska, und zu gleicher Zeit sind sie krank geworden, und beide an dem schrecklichen Abe.“ So nennt das Volk die Tuberkulose, die von den Aerzten hier mit Abe bezeichnet wird und sich furchtbar ausbreitet in unserem Dorfe, seitdem uns die Fabriken nahe gerückt sind, die Köhlenschächte und Hochöfen mit ihrem nie erlöschenden Feuermeer, dessen goldenem Licht alle jung aufsprühende Kraft zutaumelt: „Geh'n Sie jetzt auch die Franziska anschaun!“ bat das Weib.„So wunderschön ist sie... Ein strammer roter Bengel lief herbei, ein Rubenskopf, rotbäckig, mit großen runden Augen.„Mutter, ich hab' Hunger!“ rief er. „Mein Jüngster,“ sagte die Frau, und schickte sich an, für den Lebenden zu sorgen. Mitten im Dorfe lag das Haus der Franziska. Ihr Vater trat mir entgegen, wie er aus der Arbeit vom Werk gekommen war, von Ruß und Rauch geschwärzt, mit feuchtglänzendem, hagerem, braunem Gesicht, das Haar struppig, in Büschel geteilt. Er öffnete bereitwillig die Tür. Wieder füllte eine schlichte Weihe, eine geheimnisvolle, lockende Ruhe die Stube. Wie eine Braut geschmückt lag das Mädchen im hellgrauen Sterbeglocken Ueber die schauernde Heide Schweift ein verloren Geläut, Kündet: Vom irdischen Kleide Löst eine Seele sich heut. Hörst du den Weidenbusch weinen, Klagender Winde Laut? Fühlst du, wie um den einen Alles mit Tränen betaut? Schweigend der Wandrer rastet, Bringt ein Gebetlein dar, Durch sein Erinnern hastet Trüber Gedanken Schar... Ueber die schauernde Heide Schweift ein verloren GeläutKündet: Vom irdischen Kleide Löst eine Seele sich heut. Rudolf Herzog. Sarge; einem Brautschleier gleich fiel die Kante des Bahrtuchs unter dem weißen Kleide hervor. Ein Myrtenkränzlein grünte auf dem braunen Haar, ein Abschiedsgruß des blühenden Lebens, Myrten waren über das Kleid gestreut und kleine bunte Heiligenbildchen, wie sie die Freundinnen gebracht. Die Finger der Toten lagen ineinandergeschlungen und hielten ein Sträußchen und ein wächsernes Kreuz. So fein waren die Finger, so edel in ihrer Form, als hätten sie nie die düstere Not schwerer Arbeit gekannt. Von dem Antlitz leuchtete der gleiche Adel der Schönheit, den die Hände trugen. Der hellgraue Sargdeckel mit vergoldeten Leisten lag auf dem Bett, in dem Franziska gestorben war; auf einem zweiten Bett breitete ein Kranz aus Kunstblumen sich breitspurig aus.„Von den Kameradinnen,“ berichtete der Vater. „Sie scheint zu schlafen,“ sagte ich leise. „Ja, ich muß immer denken, sie schläft—“ Er faltete die Hände, die Augen glänzten von Tränen, und doch sah er voll Stolz auf die Tochter. Die geheimnisreiche Schönheit, die sich rings um sie breitete, ließ ihn schauern und erbeben. Als Tröster. Freund und Erwecker einer wunderbaren lichten Glorie tritt der Tod in die Bauernstube, die sonst nur das Stöhnen der Arbeit, ihre freudlosen Farben, ihre nüchternen Geräte sieht. Er aber bringt ihr Kerzenglanz, Spitzen und Goldverzierung. Blumensträuße, Stille, Festlichkeit und ruhige weiße Hände. Darum wirkt er so fremd, so heilig, o se." Ges uun Jetzt kamen Leute hervei, knieten nieder an der Tür und beteten. Nur der Vater blieb stehen: und doch war sein Herz voll Andacht vor der Heiligen. die seine Tochter gewesen, und die nun dem Himmel angehörte. Die Mutter, ihr Jüngstes auf dem Arm wiegend, erzählte mir, wie viel Franziska gelitten, wie sie tagelang Abschied genommen, wie oft die Totenkerze gebrannt. Wie sie alle Verwandten kommen hießen, weil sie meinten, sie könne nicht sterben, ehe sie sie gesehn— und wie sie trotzdem nicht sterben konnte. Heute früh war es ihr wohler. Da wußte die Mutter, daß das Ende gekommen sei. Die Kranke begehrte Milch, und der Trank floß glatt durch die Kehle— nicht mit der Qual der letzten Monate. Und dann rief sie alle und dankte der Mutter.„Mutter, ich dank Euch, daß Ihr mir so gedient habt—“ „Kind, ich hab dir gerne gedient.“ „Mutter,“— sie schaute nach der Decke und horchte—„Mutter! Jetzt hat mich Gott gerufen! Habt Ihrs gehört? Und jetzt— seht nur den schönen Engel— er geht durchs Zimmer, mitten durchs Zimmer— seht nur— so ein weißes schleppendes Kleid hat er— O, Mutter— heute sterb' ich— Grüßt mir den Vinzenz—“. Das alles hat sie gesagt— o, sie war froh... dann bin ich aus dem Zimmer gegangen— zum Kleinsten— und wie ich zurückkomme, hat sie den Kopf gesenkt. Ich sah, sie stirbt, aber ich hab nicht geschrien, damit ich sie nicht zurückrufe:.„Wärst du lieber gestorben,“ sagte das Weib zum Jüngsten.„Die Große geht, und da muß man sich wieder mit den Kleinen plagen— wieder aufs neue... Ich hab dem Vater vom Vinzenz sagen lassen, sie sollen mit dem Sarg morgen früh herkommen und ihn hinstellen und warten, bis wir gesungen haben, und dann wird man beide wie ein Brautpaar hinaustragen unter die Linden. Als ich aus dem Hause trat, ging eben die Sonne unter. Aus schwarzer Wolkennacht sank sie hervor und neigte sich tief der Erde zu, als suche sie bei ihr einen stillen Frieden. In milder geheiligter Stimmung schritt ich hin. Nichts Grauenvolles, nichts Schreckliches hatte ich gesehen, nur eine sonderbare lichte Schönheit, so fremd, als gehörte sie einer anderen Welt an.: Und ich mußte darüber nachdenken, wie ängstlich wir„Wohlhabenden" uns bemühen, das lichte Bild des Todes zu zerstören. Alle Unnatur unserer Kultur bricht noch einmal am Sarge aus. Wie wir den Lebenden. mit Lüge umgeben, so häufen wir noch billige Lügen im Tode um ihn. Wir bauen ihm einen grauenvollen Katafalk, umstellt mit Riesenleuchtern aus falschem Silber, wir breiten ihm Palmen zu Füßen, zerstören sein Heim, verhängen die ihm teuer gewesenen Wände mit schwarzen Tüchern, verwandeln ihn zu einem Fremden, vor dem uns selber graut, und lassen eine Erinnerung voll Schauer in allen zurück. die ihn geliebt haben. Wahrlich, in unsere Schlösser und Paläste bringt der Tod Grauen und Schrecken— in die Hütten der Bauern trägt er Schönheit und Poesie. —•— Der Viererzug Eine Kindheitserinnerung von Rud. Presber Als ich ein Kind war, konnte man aus der zweiten Etage, die wir bewohnten, über die Gärten hinweg das Haus eines reichen Mannes sehen. Nennen wir ihn Sauermann. Der reiche Mann war sehr reich, aber auch sehr magenkrank und sehr verärgert. Mit seinen Kindern konnte ich nie spielen, weil sie Ponnys hatten und ich nicht, und wenn sie auf der Straße gingen, hatten sie Glacéhandschuhe an und eine Gouvernante neben sich. Ich hatte keine Gouvernante und keine Glacéhandschuhe, aber ein braves Kindermädschen, die Sophie. Die war befreundet mit der Köchin des reichen Mannes, der da ein ganzes großes Haus bewohnte und verärgert und magenkrank war. Und der reiche Mann interessierte mich sehr; senn ich dachte mir, er lebt in dem großen Hause mit den vielen Fenstern und den drei Sa 58 27238 0 55 s a FEgs: S SoSSSSS"KFRSSÄEEESTTBST"-BLLSTLoEES 9 e ** 5 S 1.2 SS 9 PLES S 9=1 ##Eg E E 2 ## S 5 3 Susönrekgäße 8 E 5 D•3 #aA Ssssssg SEDOSSSRSSE — S 6 2 •SuuE BGaGEE S5TTE SesüdrSanés. „es--E%gges„ESRET Sägr S Sm SS S 2 uug es ——— S S S E/S 19 S 5 5 S8 5 8U und deur großen Garten wie ein nig. Und wenn nachmittags pünktlich um vier Uhr der Landauer vor der Tür stand mit den schlanden Apfelschimmeln davor, und der Kutscher, den schwarzen Bart nach oben gewichst und die blanden Lachstiefel mit gelbem Stulpenrand, auf dem Bock saß und an den Zylinder griff, wenn der Herr Sauermann mit einem Gesicht, als ob er Essig getrunhen, einstieg, um in den Stadtwald zu fahren, dann dachte ich mir — denn das alles konnte ich von meinem Fenster aus gut sehen— so fährt der König im Märchen spazieren: der König, der noch lebt, wenn er nicht gestorben ist. Und wenn die Sophie manchmal der Mutter erzählte von ihrer Freundin, der Auguste— das war die Köchin da drüben— dann legte ich die Bauklötzer hin und hörte zu. Nein, was da alles gekocht und gebraten und gesotten wurde am Tagl Haselhühner und Krebse und sogar Poufarden und Fasanen! Und von all dem Geflügel aß der reiche Mann nur ein Bruststück, und manchmal nicht mal das. Und Weißbrot tunkte er in dunklen Wein, der direkt aus Spanien ham, und abends aß er einen warmen Pfannkuchen, in den Kalbamilch und gehacktes Hirn und Champignons hineinkamen. Unsere Sophie berichtete fast einen über den anderen Tog, daß die Auguste„auf ein ganz großes Glück warie“. Auf ein doppeltes Glück sogar. Denn eine Zigennerin hatte ihr geweissogt, daß sie ein schrechlich großes Glück haben werde, sowohl im Spiel, als auch in der Liebe.“ Und weil die Auguste auf das schrecklich große Glück in der Liebe wariete, sso nahm sie den braven Kutscher des Herrn Sauermann, der A#dam hieß, nicht zur Ehe, obschon der Adam sich nur für sie den Schnurrbart so hoch wichste und seit Jahren um sie warb, und obschon sie selbst in diesen Jahren nicht jünger und schöner geworden war. Sie wartete auf das große Gück. Und um es vielleicht zu beschleunigen, ging sie Sonntogs nachmittags in den„Palmengarten“, setzte sich auf eine Bank in die Nähe der Musik und hoffte auf Bebanntschaften. Sie hat vielleicht auch welche gemacht, aber keine davon endete mit dem großen Glück. Da sie ein solches aber auch im Spiel haben sollte, s# gab es haum eine der billigeren u. erschwingbaren Latterien, in der sie nicht mitgespielt hätte. In ihrer Konmodenschublode hatte sie immer, das hatte Sophie selbst gesehen, Lose von der Holz=Lotterie und von der Abend im Gebirge Die Fichtenwälder stehn in blauem Schweigen, es lächelt goldbesonnt der Wiesenhang, hauchzarte Nebel aus den Tölern steigen, des Tages Lärm verebbt im Glochenklang. Am Rande flammt des Himmele blasse Seide vom Violett zum lichten Purpurrot, in wunderbarer Klarheit liegt die Weite, der Berge Scheitel ist von Glanz umloht. Wie nun die Dämmerung ihren Schleier breitet, verlöscht allmählich bunter Farben Schein, die sternbekränzte Nacht voll Ruhe schreitet, und alles schläft ja ihrem Frieden ein. Lotte Fiedler. durch die sich der Zoo wieder auf die Beine hel#en wellte, und von der Pfende=Lotierte, die - Jahr mit dem Pferdemarkt— nach dem angeblich der„Roßmarkt“ hieß, auf dem der Johann Gutenberg steht— gleichzeitig veranHeilet wurt Da geschah's... Ja, wahrhaftig, ich weiß es noch wie heute. Eines Tages im Herbst kam die Sophie vom Markt, früher als sonst. Erhitzt und ganz schrechlich aufgeregt war sie und hatte ganz unsinnige Sachen eingehauft in der Denn— die Zigennerin hatte wahrhaftig recht behatten, ein Los derAluguste, ein Los in der Pferde=Lotterie hatte den„Großen gewonnen. Einen Bierspänner. Bier Pferde mit einem wundervollen Landahinter und mit vollständigem Geschirr im besten Leder mit Silber verziert. Einen Tag lang war das Personal in der t wie verrückt. Die Köchindie Suppen aubrennen, und die ließen die Betten aus den Fenfallen. Daß sowas passieren konnte! Eine Köchin, die diche Auguste, gewann einen Vierwänner! Das Ansehen der Auguste stieg hoch — und erst das Ansehen der Zigennerinl.... Und es war vergessen, daß die Propyerm damals die silberne Uhr der Auguste mitgenom: hatte. Ueber alle Phosen der Angelegenheit bericheie die Sophie meiner Mutter, und ich baute mehr mit meinen Bauklötzern und ließ Iinnsoldaten in der Schachtel und hörte mit spitzen Ohren und offenem zu. Mso zehntausend Mark bekam die sofort bar hingelegt für den Viererzug. waren's übrigens. Rappen! Gleich von Lotterie selbst konnte sie das schrecklich Geld bebommen. Und ein Händler hatte Maik mehr geboten, wenn Auguste schlug nicht zu, obschon sie die, daß sie, sobald Wogen und Geschirr auch einmal benutzt seien, nur noch achttausend Mark bekommen konnte. Sie schlug nicht zu. — Einmal wollte sie auch„wer“ sein. Vornehmer, reicher als ihr Brotherr, für den sie imwerzu die Poularden briet und das Hirn backte. Einmal wollte sie— wie er— in ihrem eigein den Stadtwald fahren, nach dem und nach der Schweinstiege, und am wollte sie auch vorbeifahren, grünestauer de Portiers sollten die Hund an die Mütze leger und sie grüßen im Vierspänner. Einmal. Und nicht mit zwei Apfelschimmeln, wie Herr Sauermann wollte sie fahren, nein, mit Rappen und gleich mit vieren! So stand denn eines Tages, und zwar an einem wunderschönen Herbstnachmittag, um vier Uhr nicht der Landauer des Herrn Sauermann vor der Tür des Prunkhauses, sondern ein Vierspänner. Herr Sauermann aber war an diesem Tag fluchtartig mit der Bahn nach Wiesbalen gefahren. Um Verwandte zu bisuchen, die er nicht ausstehen konnte. Die Sophie wußie das. Und alle Kinder der Nachbarschaft waren vollzählig versammelt auf der Straße und bestaunten die Rappen, deren Fell wie ein Spiegel glänzte, und bestaunten den Fond des Wagens, der mit blauer Seide ausgeschlagen war, und bestaunten den Kurscher Adam, der sich eine Ehre draus machte, unbeweglich und stolz, als wartete er auf den Kaiser von Kyma, da oben auf seinem hohen Bock zu shhen Einige Minuten nach vier Uhr aber rat sich die Tür auf, und Auguste trat heraus. Mit der Karoline, der Köchin vom Sanitätsrat nebenan, die aus demselben Taunusdorf stammte, wie sie selbst, aber noch ein bißchen dicher war. Da griff der Adam, während die Linke die Zügel hielt, mit der Rechten an den Hut, und der große Bruder von meinem Freunde Theo, der damals schon in die Schule ging, warf in spontaner Begeisterung seine Mütze in die Luft und rief„Hurra!“. Und da riefen auch alle anderen „Hurra!" und nochmal„Hurra!“ Hinter mir sagte ein Herr, der sonst immer im Gehen die Zeitung auf der Straße las, aber diesmal still stand und zuschaute, zu seinem Nachbar:„Da hätten wir den sozialen Ausgleich!" Das weiß ich noch genau, daß er so sagte, denn ich habe abends meinen Vater gefragt, was das ist, „sozialer Ausgleich". Und da hat er gelächelt und gesagt:„Das ist etwas, mein Junge, was nie kommt, und wenn noch so viele Köchinnen Viererzüge gewinnen!“ Da have ich nun allerdings so viel gewußt wie vorher. Aber ich will folgerichtig erzählen:. Dann sind also die Auguste und die Karoline zusammen in den funkelnagelneuen Landauer gestiegen. Der Wagen hat sich ein bißchen auf die Seite gebogen. Und die beiden haben Komplimente gemacht und einander den Vortritt gelassen und den Ehrenplatz angeboten, ganz wie große Damen. Dann saßen sie beide im blauseidengefütterten Fond, den sie so völlig ausfüllten, daß weiß Gott kein Apfel dazwischen konnte. Und der Adam hat die Peitsche über die Köpfe der vier Rappen flitzen lassen, und die sind losgefahren. Und ein Jubel war hinter ihnen, nicht zu beschreiben! Denn es waren doch lauter Nachbarskinder, die sich da versammelt hatten. Die Spazierfahrt hat dann— aber das we ich nur aus Erzählungen, nicht aus eigener Erfahrung— sehr seltsam geendet. Der Adam, der tagaus, tagein immer dieselben frommen Apfelschimmel zu fahren gewohnt war, zeigte sich den Rappen nicht recht gewachsen. Und es waren gleich vier! Bis über die Mainbrücke ging es noch gut. Die beiden Freundinnen im Fond genossen restlos die Freude des Bestauntwerdens. Draußen aber im tadtwald kam ihnen ein bekränzter Leiterw.#n mit singenden Ausflüglern entgegen. Da scheute erst das eine Vorderpferd und dann das andere; und balo war die Spazierfahrt ein ziemlich zweiselhaftes Vergnügen geworden. Denn der Lanschiug bald nach Richs und bald nach rechts, und der Adam riß wie verrückt an den Zügeln und warf den Oberkörper zurück, daß es schien, als ob er hinten bald in den Wagen fiele. Da, im schrecklichsten Augenblick des Abenteuers, soll die Auguste, während die Karoline weinend den Tag ihrer Geburt verwünschte, sich schwankend erhoben haben im Wogen und, sich an die überhängenden Livreeschöße des Adam klammernd, gerufen und geschworen haben:„Adam, wenn Sie uns hei. nach Hause bringen— heirate ich Sie!“ Und der Adam— wie er's schließlich gemach hat, weiß ich nicht, denn ich war damals nich im Stadtwald— der Adam hat sie wirklich hei. nach Hause gebracht. Allerdings sie sahen schrecklich echauffiert und mitgenommen aus. und auf die Vorüberfahrt am„Palmengarten“ hoben sie verzichtet! Der Adam hat dann richtig die Auguste geheiratet. Und von dem Erlös des Viererzuges und einigem Ersparten haben sie sich in bescheidener Gegend eine kleine Gastwirtschaft gekauft. Das Schild ihrer Wirtschaft aber wies sinnvoll noch lange auf den Roman ihres Lebens hin. Denn darauf stand, von einem häufig erneuten Tannenkranz anmutig gerahmt, in goldenen Buchstaben zu lesen:„Zu den vier Rössern!" * 12— Nachsaison Heitere Skizze von W. Müller=Gordon. Onkel Moritz pflegt zu sagen:„Wem Gott wil rechte Gunst erweisen, den läßt er erst nach de: Saison verreisen.“ Meine Frau Pflichtet ihm darin durchaus nicht bei, vermutlich, weil die Begriffe über Gunst auseinander streben; aber diesmal ging es trotzdem nicht nach ihrem unfehlbaren Geschmack: wir hatten während der Saison einfach kein Geld und waren daher froh. daß es eine Nachsaison gab. Wenigstens ich war froh, während meine Frau damit rechnete, in „ausgestorbene Nester und langweilige Hotelpensionen“ zu kommen. Als wir in N. den„Hirschen" betraten, fragte uns der Portier, ob wir Zimmer bestellt hätten. „In der Nachsaison?“ fragte meine Frau ein wenig unmutig,„das ist wohl nicht Ihr Ernst?“ Der Portier zeigte nur auf das große schwarzrote Schlüsselbrett, auf dessen 50 Haken auch nian ein halbes Dutzend Schlüssel hing:„Alles besetzt!“ „Schöne Wirtschaft,“ grollte meine Frau,„das hättest Du aber auch bedenken können!“ „Ich! Natürlich, wo Du schon mit dem Schickal gehadert hast, daß Du„einsam und verlassen“ in N. sein würdest.“ „Bitte, halte keine Vorträge, sondern suche eine Wohnung!“ Im„Bergheil“ schien es endlich zu glücken. „Das heißt,“ sagte die Wirtin,„Platz haben wir auch keinen, aber zum Donnerstag werden zwei Betten s#ei. Wenn Sie so lange warten wollen, könr ich Ihnen inzwischen zwei Einzelzimmer ge##, deren Insassen für heute und morgen von ihrer Bergtour nicht zurück zu erwarten sind.“ Meiner Frau war schon alles recht und mi: billig. Man verabfolgte uns ein sehr gutes Abendbrot, und während wir es uns nach so viel Mühsal und Enttäuschung schmecken ließen, wurden die Betten auf Nr. 17 und 32 für uns überzogen, und wir fielen bald darauf— getrennt von Tisch und Bett— in Morpheus Arme. Ich muß das unglaublichste Zeug geträumt haben. Mitternacht war längst vorüber. Nixenspuk erfüllte mein Zimmer, ich hörte ein Flüstern und Wispern und erwachte schließlich von einem halbunterdrückten angstvollen Schrei: „Um Himmelswillen— hier liegt— ja jemand — in meinem Bett!" „Ein Mann!“ schrie eine zweite Stimme ebenjalls weiblicher Art. Schlaftrunken öffnete ich die Augen. Ein Lichtstümpfchen auf dem Tisch beleuchtete matt die Umrisse zweier entrüsteter junger Damen. „Wie kommen Sie hier herein?" „Dort“, sagte ich gähnend und zeigte auf die Tür. „Dann werden Sie„dort“ auch schleunigst wieder verschwinden, Sie Kamel!" Ich richtete mich auf. „Nein,“ schrien sie,„rühren Sie sich nicht vom Fleck, bleiben Sie!“ Ich war mittlerweile völlig ernüchtert. „Meine Damen,“ sagte ich,„Ihre Angst ist grundlos; ich bin weder Juwelendieb noch Fassadenbletterer, sondern ein gewöhnlicher Rucksacktourist, und wenn Sie das noch mehr beruhigen mag: verheiratet,— meine Frau schläft auf Zimmer 17.“ -4 — Aso Varum war die Tür verzgerragen. Seine Frau bewahrte eine offenbar gekünstelte bemerkenswerte Ruhe. 9e „Das will ich wohl glauben. Meine Frau riegelt sich stets ein, während ich weniger furchte, weggetragen zu werden.“ Ich beruhigte sie weiter mit der Erklärung, wie ich zu Bett und Zimmer gekommen sei. „Ja aber was machen wir nun?“ „Sie haben das selbstverständliche Vorrecht und außerdem, meine Damen, die Majorität. Bitte, bestimmen Sie.“ Jetzt lächelten sie schon. „Himmel, wenn das jemand erfährt!“ „Ja“, sagte ich trübselig,„ich überlege auch ortwährend die Frage: Wie sage ich es meiner Frau?“ Helles Lachen.—„Sie Bedauernswerter! Hätten Sie nur auch die Tür abgeriegelt!“ „Ja.— Aber dann säßen Sie jetzt auf dem Korridor, und wir hätten uns nicht auf diese unvergleichliche Weise kennen gelernt.“ „Sie können noch spotten?“ „Es war mir nie ernster zu Mute.“ „Dann sagen Sie etwas Vernünftiges!“ „Soll geschehen. Zählen Sie mal gefälligst bis fünfzig. Und wenn Sie wollen, machen Sie dabei die Augen zu. Bitte anfangen: eins, zwei—“ Ich zählte mit, stand dabei auf und zog mich an. „So mun legen Sie sich, so wie Sie sind, aufs Bett— für zwei Schlanke, die nicht drängeln, reicht's schon— und mir überlassen Sie das Sofa. „Aber das geht doch nicht!“ „Wenn ich Ihnen erzählen würde, in was für Offiziersquartieren ich während des Weltkrieges gelegen habe, und wo wir manchmal unsere Flüchtlinge haben unterbringen müssen, Damen der Gesellschaft wie Sie, dann——“ „Also gut. Uebrigens, ich heiße Stefanie Zurbuchen, dies meine Schwester, Frau von Bingen, die mit ihrem Mann das Zimmer 17 bewohnt. Da es eben verschlossen war, ist mein Schwager ins Rauchzimmer gegangen, um sich aufs Billard zu legen, und ich habe meine Schwester hier mit herauf genommen.“ „Verstehe“, sagte ich, ebenfalls meinen Namen nennend.„Vermutlich sind Sie von Ihrer Bergtour früher zurückgekehrt, als man im Hause erwartete.“ „Gewiß, so ist es, und da die Hinterpforte für solche Zwecke offen gehalten wird, so wollten wir natürlich niemand stören.“ „Schicksalsverkettung.“— Schließlich umsing uns doch ein wohlverdienter Schlaf. Unerwarteter Weise wurde schon am nächsten Vormittag ein Zimmer frei. Meine Frau war außerordentlich aufgeräumt und zeitweise gerade zu bestrickend liebenswürdig gegen mich. Ich aber dachte nur immer:„Wie sage ich's meiner Frau?“ Nach Lisch wurden wir Herrn von Bingen vorgestellt, und den Kaffee nahmen wir bereits am gemeinsamen Tisch ein. Ein Spaziergang schloß sich daran, und schließlich lagerten wir uns irgendwo im weichen Moose unter dem herbstlichen Blätterdach des Waldesdomes. „Fräulein Stefanie“, raunte ich,„Sie könnten doch eigentlich den Anfang in der Beichte machen; Ihnen muß es doch am leichtesten fallen.“ „Pst!“ flüsterte sie,„mir schwant, wir werden eine Ueberraschung erleben, die uns allen dreien das Anfangen erspart.“ „Wie meinen Sie das?“ „Ich wette, daß Ihre Frau und mein Schwager sich schon hannten, bevor sie sich heute mittag vorgestellt wurden.“ „Da dürften Sie sich irten.“ „Warten wir's ab!“ Bingens waren reizende Renschen; er ein Edelmann von österreichisch=gemütlicher Vorheit, ohne Pose. weiß nicht, wie wir just auf das Thema ucht zu sprechen hamen. gen schien mir ein wenig blaß, als er sagte:„Ich möcht“ Ihr Urteil nicht beeinflussen, meine verehrtesten Herrschaften, aber stellen Sie sich vor: Ich komm’ spät abende, sagen wir um Mitternacht, von der Reise heim. Mein Häusel ist verschlossen, und da ich die Leutl nicht wecken möcht und die Fenster von meinem Schlafstüber! offen sind, so laß ich die Stiefel unten, kraxel am Spalier hinauf, mach' oben kein Licht und werf mich auf's Bett. Denk' ich, mich erschlagt der Blitz, so fährt etwas im Bett hoch, und en weiches Frauenstimmerl schreit:„Tölpel, willf mich morden?!" „Rette Bescherung.— Waren also Gäste ins Häuserl kommen. Entfernte Verwandte meiner Frau. Nun, was hätten's an meiner Stell' getan, Herrschaften?“ Mir wurde sehr unbehaglich zu Mute. Es war „Aber Rainer“ sagte sie,„davon weiß ich ja gar nichts, das ist doch bloß ein Mährl, gelt?“ „Liebes Weibl, wenn's nun aber doch Ernst wär, was tät'st dann von mir denken?“ „Gar nichts Arges, gewiß nicht!“ „Gut, ich dank' dir! Aber Sie, Herr Doktor, gesetzt, dies Frauerl in mein Stüberl wär' Ihre frau Gemahlin, die gnädige Frau, gewesen.— Nachher täten's mich selbstverständlich auf Pi len fordern, net?“ „Das stände mir schlecht an“, erwiderte ich, nun fest entschlossen, mit der Beichte zu beginve „Sie täten mir also das peinliche Gescheher! net nachtragen?“ unterbrach er mich.„Ich dank' Ihnen von Herzen, und alsdann könnt' Ihr's wirklich alle auf Ehr' und Seligkeit glauben, daß es diese Nacht nicht anders gewesen ist zwischen— der gnädigen Frau und mir.“ Wir drei müssen sehr getstreiche Gesichter gemacht haben. „Ja“, fuhr Bingen fort,„als ich ein Stunderl auf dem harten Billard gelegen, dacht' ich, Rainer, du bist immer ein guter Kletterer gewest, geh’, kraxel hinauf in dein Stüberl. Na und das andere hab' ich erzählt, nur daß die gnädige Frau einen kolossalen Schneid gehabt hat und Spütahe Von roten Blättern schwillt das Brunnenbechen, Als quölle Wein zu einem Bacchanal. Aus rauschgoldgelben buntbebeerten Hechen Baut sich der Garten zum geschmückten Saal. Frei wie ein Hof in Andalusiens Sonne Läßt er des Himmels volles Blau Noch einmal huscht verschollne Maienwonne Durch dieser späten Tage milden Schein. Anna Kappstein. „o wir erschrt niemend eines barüber: Der Zahnarzt war Junggeselle und kam am Mittag mit dem Amtsrichtei des Ortes beim Essen zusammen. Er legte ihm den Fall etwas verändert mit der Bitte um Auskunft vor. „Ich habe die Bestimmungen nicht im Bedächtnis„ antwortete dieser.„Ich muß erst im Strafgesetzbuch nachsehen. Uebrigens wollte ich morgen vormittag ohnehin zu Ihnen kommen; ich spüre einen leisen Schmerz in einem Zahn. Da kann ich Ihnen Aufschluß geben.“ „Können Sie nicht heute nachmittag kommen? Ich hätte Zeit.“ „Nein, heute nachmittag bin ich verhindert. Aber warten Sie, ich habe ja mein Strafgesetzbuch eingeschoben; da können wir, bis der Kafsee kommt, die Sache prüfen.“ Er las:„§ 300: Rechtsanwälte, Advokaten, Notare, Verteidiger, Aerzte, Wundärzte, Hebammen, Apotheker, sowie die Gehilfen dieser Personen werden, wenn sie unbefugt Geheimnisse offenbaren, die ihnen kraft ihres Amtes, Standes oder Gewerbes anvertraut sind, mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft.“ Die Verforgung tritt nur auf Antrag ein.“ „Also“, fuhr er fort,„die Sache liegt, wie Sie mir sogten, so: Ein Patient, der heute bei Ihnen war, ha teine Aufzeichnung bei Ihnen liegen lassen, aus der sich allerlei Dinge ergeben. h zu behalten? Prüfen wir Punkt für „Die Vorschrift gilt für Aerzte, Wundärzte gesagt:„Heben's drei Finger hoch und schwören's, daß Sie die Nacht über nicht vom Sofa aufstehn werden!"— Na, und daß ich bein Meineid geleistet hab', das glaubt ihr mir schon?“ Der Bann war gebrochen, die Erstarrung löste sich in befreiendes Aufatmen. Meine Frau drückte meinen Arm, als hätten wir uns soeben verlobt. Und dann fiel es mir wirklich nicht mehr schwer, gleichfalls zu beichten. Zuletzt gab es nur noch ungetrübte Heiterkeit und Freundschaftsbeteuerungen fürs Leben. Den Tölpel, den meine Frau Herrn von Bi den Kopf geworfen hatte, betrachteten das Kamel, mit dem Stefanie hatte, als ausgeglichen. Bingen an Bingen mußte, was sich in der Nacht zurchen.“ und deren Gehilfen. Sie sind Arzt; das Fräulein ist Ihre Gehilfin. Also an sich fällt sie unter die Vorschrift. Wären Sie nur Techniber, so läge der Fall anders.“ „Unmöglich!“ sagte der Zahnarzt.„Es kann doch den Technikern nicht frei stehen. Dinge, die sie in ihrem Beruf erfahren, weiter zu ersschsen: „Nach dem Gesetz steht es ihnen frei. Das Strafgesetzbuch stammt aus einer weit zurückliegenden Zeit: diese Vorschrift ist sicher schon ein halbes Jahrhundert alt. Damals mag es Zahntechniker noch kaum gegeben haben.“ „Wohl auch noch keine Zahnärzte. Für uns aber gilt die Vorschrift doch. „Zahnärzte sind Aerzte. Es könnte sich höchstens fragen, ob ein Techniker als Wundarzt im Sinne des Gesetzes anzusehen ist. Dieser Begriff umfaßte, soviel ich weiß, früher die sagenannten Chirurgen, denen gewisse ärztiin. Verrichtungen wie das Verbinden von Wunden, das Einrichten von Knochenbrüchen, wohl auch das Ziehen von Zähnen erlaubt waren. würde als Richter die Vorschrift auf Techniker nicht für anwendbar erachten. Das Gesetz ist hier hinter der Zeit zurüchgeblieben. Bei einer wir durch Neufassung, an der man nun seit zwanzig Jahmich bedachtren herumarbeitet, wird das wohl geandert werden. Lassen wir also jetzt diese Frage offen. Nur ist mir eben ein Zweife gekommen, ob das Fräulein als Ihre Gehilfin angesehen. Vergtlches Verntegedeimnnte Skizze von Das Fräulein, das im Wartezimmer des) Iu der Behandlung der Patienten wirdt sie Zahnarztes die Patienten empfing, brachte nicht mittschmunzelnd ein duftendes Brieflein....„Nur gelegentlich, besonders bei Kindern „Das ist im Wartezimmer liegen geoieven, oder aufgeregten Frauen.“ Herr Doktor!“ sagte sie.„Es ist sehr interessant.“„Nun ja“, jagte der Amtsrichter,„auch wenn „Haben Sie es gelesen!“ fragte der Arzt. das nicht der Fall wäre, müßte sie als Gehilfin Unbefangen bejahte sie... im Sinne der Vorschrift betrachtet werden. Das „Wer einen solchen Brief liegen läßt, hann Gesetz ist hier allgemein gesaßt. Es muß genicht verlangen, daß man die Augen davorfnügen, daß sie durch ihre Tätigkeit in die Lage schließt", meinte sie.„Wir Frauen sind nun kommen kann, Dinge zu erfahren, deren Geeinmal neugierig, zumal, wenn wir eine Lie=heimhaltung geboten ist. Das läßt sich nicht bebesgeschichte wittern. Und hier scheint eine ganz streiten. Wenn das Fräulein nicht bei Ihnen, nette derartige Geschichte dahinter zu stecken. sondern bei einem Arzt für Hautkrankheiten „Ei was!“ sagte der Arzt, indem er den Briefstätig war, wäre das ohne weiteres klar; bei hin und her wandte.„Was steht denn darin?“ einem solchen Arzt verkehren ja manche Patien„Die Dame, an die der Brief gerichtet ist und ten, die wünschen müssen, daß ihr Leiden nicht die als„Reine süße Maus“ angeredet wird, bekannt wird. Da ist schon diese Tatsache ein erhält von ihrem„ewig treuen Theodor“ für Geheimnis das zu wahren, auch die Empfangsheute nachmittag eine Einladung zu einem dame verpflichtet ist. Bei Ihnen sind solche Stündchen, so„wunderhold, wie das letzte war“. Fälle haum denkbar.“ „Können Sie sich denken, wer den Brief das Nöchte ich nicht sagen. Kürzlich habe ich die gelassen hat?"[Schwiegermutter eines Technikero behandelt, „Es hann nur die Frau Apotheber gewesen die mich dringend bat, das nicht bebannt wersein:# vun m ulssgh. E u a pe Am Der Arzt wurde ernft.,# 2 äugn### SSehen Gi, on heizet, satz ung auh Fur „Nehmen Sie sich ja in acht, Flucleen, bab Fraulein solche Geheimnisse zu wahren hat. weiter zu sagen. Bedenken Sie üverhaupt, daß Nun kommt es nur noch darauf a die gange Sache unter das ärstliche Veruso sum die es sich grndeistz aie eir, Hebrohe iste.u, desen Veriepzung uut Strayfschung Heriäher nicht, doch scheint mie Sie wurde rot. sunter den Begriff des Geheimnisses jede Tat„Aber Ihnen mußte ich doch Mitteilung masssache füllt, die nur der Person, die sie angett, lu sesbe c.s e Res