9 gac! „ S9 F T S. SSSMOESOHEZ S.SOTSTEGESERSSR FFS SETSSSSES. Fache Baps#b#rnäße ##g: —* 86 Ss##,#### DEE gn. *##g Snbgng Sppn SOUTT 4555 Mn E# ESESERGG S PSOTSSSTS CAGRZOES S sMS 85 9 S. H H; S ST ∆ * S 2 S 5 8 R SES „Ich bin morgen wieder hier. Gute Nacht!“ Kommo streichelte die Hände der Mutter. Hamako wandte den Kopf etwas. „Häng' das Mäntelchen um, Kommo! Eile zum Vater! Sage ihm, daß seine Blume wieder blühen und duften wird, und daß sie tausend Freuden hat für den Weisen," flüsterte sie. Ihre Stimme zitterte. „Vater wird bald kommen. Ich darf dich nicht allein lassen.“ „Geh', Kommo!“, bat sie.„Jetzt muß er es wissen, jetzt...!“ Das Mädchen sah die Mutter an. Warum war sie von Angst erfüllt? Warum bangte ihr Herz? Zärtlich strich sie über die noch fieberfeuchte Stirn. Dann trippelte sie aus dem Zimmer. Shi=saku=ya's Todessprung wurde vorbereitet. Eine aus Metallstäben gebildete Röhre wurde hereingetragen und in Tischhöhe ausgestellt. Die Röhre maß knapp einen halben Meter im Durchmesser und war drei Meter lang. Shi=saku=ya lächelte und sprang im Hechtsprung hindurch. Dann wurden ihm krumme japanische Säbel gebracht. Er zeigte die Schärfe ihrer Schneiden an Kartonstreifen, die er mit leichtem Hieb entzweischnitt. Die Schwerter wurden mit den Schneiden nach oben quer durch die Röhre gesteckt, sodaß sie den Durchmesser verringerten und bei nicht ganz genau berechnetem Sprunge den Springer verletzen mußten. Die Musik setzte aus. Die Menge war von ihren Plätzen aufgestanden. Ein Scheinwerfer erhellte grell die Szene. Atemlose Stille. Shi=saku=ya stand auf einer Erhöhung und zeigte sich noch einmal lächelnd. Innerlich rang er mit einem furchtbaren Entschluß. Etwas in ihm rief, bat und flehte! Er glaubte, seiner kranken Gefährtin Stimme zu hören, von Angst erfüllt, bangen Herzens... —— Kommo hatte das„Trianon“ erreicht. Oft war sie den Weg mit der Mutter und dem Vater gegangen. Die Diener ließen sie ungehindert passieren. Nur ein kleiner Boy an der Saaltür wollte sie zurückhalten. Sie solle warten bis die Musik wieder spiele, meinte er. Kommo sah ihn böse an. Der Boy beachtete sie nicht weiter. Shi=saku=ya zögerte noch. Einige der Zuschauer, die den Todessprung schon oft gesehen hatten, bemerkten es und waren erstaunt. Er schloß die Augen. Es mußte sein. Er hatte die Schwerter heute befestigt. Sie würden sich nicht wie sonst umlegen, wenn sein Körper sie berührte. Sie würden seinen geschmeidigen Leib zerschneiden, erbarmungslos. Jetzt duckte er sich und holte zum Sprung aus. „Alles wird zu Ende sein, im Augenblick,“ dachte er blitzschnell. Und dann! Er lief schon, vielleicht schwang sein Körper auch schon in der Luft. Genau wußte er es nachher nicht mehr. Kommo, sein Kind, sah er dort in der Menge stehen, einen winzigen Augenblick. Kommo! Und er wollte sterben! Kommo verlassen! Mit schier übermenschlicher Energie schnellte er seinen Leib im Sprung, den er zu kurz— für die Schwerter— berechnet hatte, weiter vor. Die Menge durchfuhr ein eisiges Schaudern. Atemlos, die Nerven bis zur Erschöpfung gespannt, starrte sie auf den Springer... Gewaltiges Tosen, Händeklatschen. Rufen. Der Sprung war geglückt! Das letzte Schwert hatte nur leicht seine Füße gestreift... Kommo lag in seinen Armen. Er beugte sich zu ihr. Dann dankte er dem klatschenden Publikum.. Lächelnd. Eine Hühnergeschichte Nach unverbürgten amerikanischen Berichten. Mitgeteilt von Friedrich A. WynekenGießen. Auf allerhöchsten Befehl der energischen Hausfrau war das Ehepaar Hook aufs Land gezogen. Man wohnte in dem sechs Zimmer enthaltenden Landhause, in dem sich weder Wasserleitung noch Badewanne befanden. Auch das Gas hatte noch nicht seinen segensreichen Wirkungskreis bis auf eine so große Entfernung von der Stadt erweitert. Als man sich einigermaßen eingerichtet hatte und Hook ohne Führer den Weg zur nächsten Bahnstation und heimwärts fand, hatte Mrs. Hook den folgenden glücklichen Einfall: „Henry,“ sagte sie zu ihrem Manne,„ich habe mich entschlossen, einige Hühner zu halten.“ „Bist du schwerhörig? Hühner sagte ich.:„Meine Liebe,“ antworte er schnell,„das Wir brauchen frische Eier zum Frühstück.“ Inennt man Familienstolz. Aus Pietät für ihre „Aber, meine Teuerste, wir haben ja keine Ahnung von Hühnerzucht,“ wagte Hook einzuwenden. „Wir haben keine Ahnung!?— Du sicherlich nicht, aber ich desto mehr.“ Schon am nächsten Tage erbaute der Hausknecht hinter der Villa einen geräumigen Hühnerstall. Am Sonntag mußte Hook ihn anstreichen, die Tür mit Anhängeschloß versehen und den kleinen Palast möglichst wohnlich für die künftigen Bewohnerinnen gestalten. An demselben Abend sagte Mrs. Hook zu ihrem Manne:„Henry, ich wünsche, daß du mir morgen früh auf deinem Wege zur Stadt einige Hennen besorgst. Wie der Hausknecht behauptet, befindet sich auf der anderen Seite der Bahnstation ein Farmhaus, in dem Hennen zu verkaufen sind. Wir können ja vorläufig mit einem Dutzend beginnen. Am Abend kannst du die Vögel mit nach Hause bringen.“ Nach einigem Suchen fand Hook am nächsten Morgen das Farmhaus, das zwei Meilen jenseits der Station lag, und kaufte die Hennen. Auf dem Wege zur Station verirrte er sich dreibis viermal, fiel in verschiedene Gräben, mußte über Dutzende von Zäunen klettern und erwischte schließlich einen Zug, der ihn gegen Mittag in die Stadt brachte. Am Abend mußte er sein Kontor schon wieder um vier Uhr verlassen. Zwei Stunden später gelangte er im Farmhause an, wo die Hennen, in eine große Kiste verpackt, bereits auf ihn warteten. Ein Wagen war nicht zu haben. Hook nahm die Kiste also auf die Schultern und machte sich auf den Heimweg. Als er endlich zu Hause anlangte, erwartete ihn seine Gattin bereits an der Gartenpforte. „Konntest du nicht noch etwas später nach Hause kommen?“, rief sie ihm entgegen. „Trage die Kiste nicht so schief: die armen Hühner müssen ja darin Höllenqualen leiden. Ihr Männer seid so gedankenlos und ungeschickt.“ Lange nach Eintritt der Dunkelheit waren die Vögel in dem Stalle sicher untergebracht. Am nächsten Morgen mußte Hook wieder um fünf Uhr aufstehen und den ganzen Hof umgraben, damit die Hennen darin scharren konnten. Als nun die Hühner sich auf die gewünschte Weise vergnügten, rief Mrs. Hook glücklich aus:„Es wird mir die größte Freude bereiten, jeden Abend die Eier einzusammeln, und morgen früh werden wir jeder drei frischgelegte Eier essen.“ An demselben Abend, nach seiner Heimkehr, platzte die Bombe. Mrs. Hook kam ihrem Gatten mit tränenüberströmtem Gesicht entgegen. „Henry,“ schluchzte sie,„die Hühner haben heute keine Eier gelegt, nicht ein einziges!" „Nun, das ließ sich ja nicht anders erwarten, liebe Frau. Wir müssen eben einige Tage warten,“ protestierte er,„sie fühlen sich wahrscheinlich noch nicht ganz behaglich hier. Später werden sie sich vielleicht noch auf ihre Pflichten besinnen. Dies taten die liebenswürdigen Vögel aber nicht. Sie schienen ihren Lebenszweck gänzlich vergessen zu haben. „Henry,“ brach die Dame eine Woche später eines Abends aus,„wenn mir diese Kreaturen morgen abend wieder eine Enttäuschung bereiten, wirst du sie zurücktragen und zwölf andere besorgen müssen.“ Als Henry Hook an jenem nächsten Abend — etwas früher als sonst— heimkam, machte er erst an dem Hühnerhaus Halt und begab sich dann in die Villa. Dort setzte sich seine Frau gerade einen Gartenhut auf, um ihre Pilgerfahrt zu den Hennen anzutreten. Henry lächelte. Fünf Minuten später erschien Mrs. Hook in der Küche. Ihr Gesicht erstrahlte in sonnigstem Lächeln. Sie hielt dem Gatten die weitausgebreitete Schürze entgegen. Ein Dutzend tadellos weiße Eier war darin. Am folgenden Morgen geriet die gute Frau am Frühstückstisch förmlich in Ekstase. „Weißt du, Henry, daß wir bisher das größte Vergnügen entbehrt haben? Es gibt keinen größeren Genuß, als frisch gelegte Eier zu essen.“ Am nächsten Abend erschien Mrs. Hook wieder mit zwölf Eiern in der Küche. Eine Woche lang lief alles glatt ab. Jeden Abend produzierten die zwölf braven Hennen ebenso viele Eier. In einer Nacht erwachte Henry etwas plötzlich, seine Gattin hatte ihn aus dem Schlaf gerüttelt. „Brennt es, oder hat man bei uns eingebrochen? fragte Hook, sich die Augen reibend. Henry.“ rief sie,„es fällt mir soeben ein, daß wir ja immer noch zwölf Eier per Abend bekommen. obwohl zwei der Hennen in ververstorbenen Schwestern arbeiten einige der trauernden Hinterbliebenen mit doppelter Energie.“ „Henry Hook!“ war die eisige Antwort. Aber Henry fing schon wieder zu schnarchen an. Eines Tages mußte Hook eine Geschäftsreise machen. Nach dreitägiger Abwesenheit erhielt er das folgende Telegramm von seiner Frau: „Hühner haben seit drei Tagen keine Eier mehr gelegt. Mary.“ Mit einem Ausruf des Schreckens machte sich Hook nach dem Telegraphenamt. Dort sandte er dem Gepäckmeister seiner heimatlichen Bahnstation, mit dem er sich gut stand, folgendes Telegramm: „Schmuggeln Sie jeden Tag ein Dutzend Eier in mein Hühnerhaus. Nicht von Frau erwischen lassen. Zahlung nach Rückkehr. Hook.“ Vierzehn Tage blieb Hook seiner Gattin und den braven Hennen fern. „Alles in Ordnung.“ flüsterte ihm der Gepäckmeister zu, als Hook auf seiner Station wieder ankam. Er drückte dem treuen Retter in der Not einen Fünf=Dollarschein in die Faust und eilte heim. Mrs. Hook stand an der Küchentür. „Nun, meine Teuerste,“ da bin ich wieder. Es freut mich, dich wohl zu sehen und—“ „Komm herein,“ unterbrach ihn die Dame mit strenger Miene. Nichts Gutes ahnend, gehorchte Hook. Auf dem Küchentisch erblickte er eine Pyramide von Eiern— es schien ihm, als wären es wenigstens hundert. „Nanu,“ rief Hook, noch immer unbesiegt, „die Hennen scheinen ja recht fleißg gewesen zu sein! Alle diese Eier in zwei Wochen? Wer hätte das gedacht!“ „Willst du mir, bitte, diese Rechnung erklären? Sie lautet auf fünfzehn Dutzend Eier zu sechzig Cent per Dutzend.“ „Aber was— meine Liebe—“ stammelte er. „Ich bin nicht deine Liebe!“ schrie die erzürnte Frau. Ich habe bei der betreffenden Firma angefragt und erfahren, daß du dort jeden Nachmittag ein Dutzend Eier kauftest und sie dir mit nach Hause nahmst.“ „Das muß ja ein Irrtum—“ begann Hook, indem seine Knie zitterten.„Jawohl ein Irrtum. Während der vergangenen vierzehn Tage war ich doch gar nicht hier, konnte also einen solchen Streich gar nicht gespielt haben.“ „Wirklich nicht?“ Mrs. Hook glühte vor Entrüstung.„Am Tage, nachdem ich dir das Telegramm sandte, brach jemand in das Hühnerhaus ein und stahl sämtliche Hennen. Und dennoch fand ich zwei Wochen lang an jedem Abeno ein Dutzend Eier in den Nestern!" Rätselecke Schach: Dreizüger Vexierbild: No ist der Fürster3 Fenommen, boldont aeei der Hennen in ver=Rorgptmamsih. 8 gangener Woche starben. Wie können denn Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. zehn Hennen zwölf Eier legen?": I Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Eaum und Hrtiage#i m. 1 u u. B. mleu Somesaa, 101. Sepsemiber 1952 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Herbst Skizze von Irma Erben=Sedlaczek, Breslau. In satten Farben leuchtete und loderte der Park. Es war, als hätte noch alle noch ungelebte Pracht des entschwindenden Sommers sich in diese letzten Sonnentage gedrängt, daß sie glühten und bebten von ihrer eigenen Fülle. Daß sie sich wie klammernde Hände schlossen um ihren heißen Glanz,— in Angst vor dem frühen Schatten kühler Abende... Unter buntlaubigen Bäumen ging eine Frau.— Tiefrote Blätter rieselten nieder, streiften ihr Schulter und Kleid. „Der Sommer strömt sein Blut aus Todeswunden,“ glitt es ihr durch den Sinn. Aber es blieb Wort, drang nicht bis in ihr Denken. Das war aufgesogen von dem Brief, den sie in Händen hielt. Vor wenigen Monaten noch hätte die schicksalsschwere Frage, die ihr daraus entgegenklang, sie gefaßt gefunden. Vor wenigen Monaten noch hätte sie nicht gezögert, die Hand zu ergreifen, die sich ihr warm und bittend entgegenstreckte. Vor wenigen Monaten noch.——— Da waren ihre Tage ein ruhevolles Gleiten gewesen, ein Niedergleiten in eine dämmernde, friedliche Kühle. Warum hatte es kommen müssen, daß der Mann, den sie wunschlos bewundert hatte auf der Höhe seiner ragenden Künstlerschaft, ihr entgegentrat in seiner frohen, warmherzigen Menschlichkeit. Warum mußte es sein, daß er für das wogende, wispernde Blumenbeet junger Weiblichkeiten, das an diesem Abend nur für ihn blühte, kaum ein zerstreutes Lächeln hatte, und für sie, die reife, schon ein wenig müde Frau, den ganzen Zauber seines Wesens? Warum——— warum? Ach, sie wußte nur, daß ihre Tage seither noch einmal aufgeblüht waren, und daß ihr reifes, bewußtes Leben, ihr Leben, das seine Höhe überschritten hatte, diese Sonnentage umfaßte, umklammerte, in bebender Angst vor ihrem Entschwinden.——— Aber— das blieb ihr Eigenstes.— Keiner wußte von ihrem innerlichen Glühen und Blühen; am wenigsten ——— er. Vielleicht war es zuerst Neugierde, die ihn wieder und wieder zu ihr zog. Neugierde, zu erproben, ob diese erste und einzige, die so anmutig und kühl geblieben war bei seiner Annäherung. weiter so unnahbar bleiben würde. Der alte, ewig neue Kampf zwischen Mann und Weib hatte begonnen. Er sah sie an wie ein geistreiches Spiel und verschanzte sich hinter dem Schilde der„Freundschaft.“ Sie waren ebenbürtige Gegner, verfügten beide über eine funkelnde Dialektik; aber hinter Kaskaden von Worten, von sprühenden, lachenden, tändelnden Worten, lauschte seine gespannte Manneseitelkeit— lauschte ihr zitterndes Herz!— Es war nichts zwischen ihnen entschieden, als die Sommerferien begannen. Sie hätten sich nicht unbedingt zu trennen brauchen; er legte es ihr nahe genug, eben die Sommerfrische aufzusuchen, wo er gastieren sollte. Aber sie betrat diese Brücke nicht, die er ihr diskret und geschickt baute. Sie wollte diese Trennung, erhoffte von ihr eine neue, innerliche Ruhe, oder— eine endliche Klarheit. Und die Wochen waren vergangen und hatten nichts von dem gebracht, was sie erhofft hatte— weder Ruhe noch Klarheit, nur—— Sehnsucht... Er hatte ihr öfter geschrieben, kleine, launige Briefchen. die man deuten konnte, wie man wollte, die alles sagten oder— nichts. Und sie hatte ebenso geantwortet.——— Wiederum: ein Spiel mit Worten und dahinter ein Warten auf beiden Seiten, ein atemloses, gespanntes Warten... Absichtlich hatte sie ihren Aufenthalt ausgedehnt, war fortgeblieben, obgleich sie ihn längst zurück wußte, in einer glühenden Angst vor ihrem eigenen Gefühl. Mit tausend kühlen Vernunftgründen hatte sie es sich noch auf der Heimreise gesagt, daß es Wahnsinn von ihr sei, zu denken, dieses reizvolle Spiel könne bei ihm einen ernsten Hintergrund haben. Und dann war die Stunde des Wiedersehens gekommen; so unerwartet schnell, so unvorbereitet, daß ihnen beiden keine Zeit blieb, sich hinter der gewohnten Maske liebenswürdiger Tändelei zu verbergen. Sie hatten belanglose Dinge aneinander vorbeigeredet, während ihre Blicke sich flammend festhileten, während sie nichts wußten und fühlten, als die stürmische Freude, sich endlich wiederzuhaben. 's wird Herbst 's wird Herbst!— Nun geht der Tod herum Und macht das frohe Leben stumm; Schon fallen Blatt und Blüten,— Da mag uns Gott behüten. 's wird Herbst!— Jäh wandelt das Geschick In Weh ein kurzes Sommerglück,— Und Liebe, Glauben, Hoffen, Verwelken,— sturmgetroffen. 's wird Herbst!— Was heut noch jung und schön, Muß morgen schon zu Grabe gehn. Bald modern Blatt und Blüten,— Da mag uns Gott behüten. Hanns Bruno Herfurth. rrrsss Und heute wollte er kommen. Wollte als ein Werbender kommen, darüber hatten ihr seine Abschiedsworte keinen Zweifel gelassen. Sie war gestern durch die Sonne des Herbsttages heimgegangen, wie durch ein goldenes Brausen und Klingen. Aber dann waren, mit den tiefer dunkelnden Schatten des Abends, die grauen, grübelnden Gedanken gekommen und hatten mit ihr Zwiesprache gehalten, eine lange, schlaflose Nacht hindurch... Und am Morgen war sie bange vor der Entscheidung, die in ihre Hände gelegt war,— so bange.. Ein dicker Brief hatte auf dem Frühstückstisch gelegen.— Sie las, und es ging wie ein kühler Atem über sie hin. War das nicht Stimme des Schicksals, daß dieser Brief gerade heute kam? In einer tiefen, quälenden Unrast war sie in den Stadtpark geflüchtet,— in„ihren" Park, wie sie ihn nannte. Hier sprachen die Wege und Plätze zu ihr, waren wie belebt von ihren eigenen Erinnerungen, ihren Freuden und Schmerzen, die sie hierher getragen hatten, durch viele einsame Jahre. Es war menschenleer um diese Vormittagsstunde, und in der großen, durchsonnten Stille kam langsam Ruhe in ihre flatternden Gedanken. Es gelang ihr, innerlich so weit von sich selbst und den Dingen abzurücken, daß sie wieder klar zu sehen vermochte. Heute also. in wenigen Stunden schon, würde der Mann ihrer Sehnsucht die Schicksalsfrage an sie richten. Ihr war es vorbehalten, an einem Ziele zu stehen, das unzählige Frauen vergeblich erstrebt haben mochten. Der Bewunderte, Umworbene, der Künstler, vor dem die Zukunft mit offenen Toren lag, begehrte sie zur Lebensgefährtin, sie, die reife, schon ein wenig müde— sie, die alternde Frau! Sie dachte das letzte mit einer Unerbittlichkeit, die sie fast körperlich schmerzte. Noch war sie schön—— noch... In diesem Wörtchen lagen Schicksal und Tragik der Verblühenden. Heute liebte er sie— gewiß! Er hatte sonst keinen Grund, um sie zu werben, denn sie war weder vermögend, noch einflußreich. Heute liebte er sie, aber— würde sie diese Liebe festhalten können? Dieser verzweifelte Kampf um das bißchen entschwindende Jugend und Schönheit, den sie würde führen müssen,— war es nicht traurig und lächerlich zugleich, war er nicht— würdelos? Und dann doch eines Tages sehen zu müssen, daß eine andere, die nichts war, als jung und hübsch, ihr eine Liebe nahm, um die sie gerungen und geblutet hatte... Warum sollte er anders sein, als manche anderen Männer, gerade er, der verwöhnte Frauenliebling? Eine kurze Spann heißen Glückes— ein stummer, heimlicher Kampf— und dann: ein ruhmloses, müdes Unterliegen— ein BeiseiteGeschobenwerden——— Würde das nicht ihr Schicksal sein?? Und doch— doch—— doch! Um der kurzen Spanne Glückes willen,— sie hätte sich hineingestürzt in die Flammen, an denen sie verbrennen würde— wenn nicht——— Es gab keinen Zufall, es gab nur Fügung. Gerade heute, an ihrem Schicksalstage, rief die milde, ruhevolle Stimme, die so lange verstummt war, aus der Ferne nach ihr: „Willst du kommen, um mir Gefährtin, meinen verwaisten Kindern Mutter zu sein?" Sie sah das gütige Gelehrtengesicht, sah sein ergrautes Haar, die ein wenig welken, feinen Hände— sah den Mann vor sich, der ihr der beste, verstehende Freund gewesen war, schon vor Jahren, als seine kränkelnde Gattin noch lebte. Sie wußte: dort war ein Heim! Sie wußte: er würde den ersten Silberschimmer auf ihrem dunklen Haar, die tiefer werdenden Runen in ihrem feinen Gesicht begrüßen, weil ihr leises Altern sie ihm näher bringen würde. Das war kein Kampf— das war Frieden. Da würde sie nie überflüssig sein— sie wurde ja so notwendig gebraucht. Der Junge, Strahlende rief nach dem Weibe, das seine Blüte schwinden fühlte. Der Mann im grauen Haar und seine Kinder brauchten den Menschen— die Mutter. „Ein Glück! Ein Glück!“ flehte ihr Herz. „Ein Heim! Eine Aufgabe!“ gab sie sich selber stark zur Antwort. Sie ging.— Schritt freiwillig aus letztem Sonnenjubel hinaus, in die fern dämmernde. friedliche Kühle, die vor dem Winter liegt. Der gemalte Bettler Skizze von Adolf Thiele. Der Pariser Bankier Lafosse vereinte wieder einmal an seiner Tafel, die bei allen Kennern durch ihre Raffinements beachtet war, eine Anzahl der Spitzen von Kunst, Wissenschaft und Handel. Plötzlich fiel es dem Gastgeber auf, daß der berühmte Maler Delacroix ihn gönnend und forschend betrachtete, mit jenem intuitiven Blick, der das Genie kennzeichnet. „Warum sehen Sie mich so an, Herr Delacroix?“ fragte der Bankier freundlich.„was finden Sie an meinem unbedeutenden Kopfe?“ „Verehrter Herr Lafosse.“ erwiderte der Maler,„ich brauche für ein Bild, das ich gegenwärtig male, das Modell eines Bettlers Ich finde nun in ganz Paris keinen Kopf, der mir für den des Bettlers geeigneter schiene als der Ihrige.“ Lafosse, einer der reichsten Männer von Paris, lachte laut auf. und auch seine Gäste stimmten in die Heiterkeit mit ein. — -P g BSSts e * e 0 5 Sc S . 88 6 50 i S SgiSE ABDEASE Eg 5 S o•—gSS —S•50ENN .— Se 8 0g * 19 8 9— * SOMPSOE AMDE □=BAZUGTOSNN on ar Smm 3— S 5 60 E. 5 S 8 E 88858 zESESR S 8 5 8E E. 8— S 5 ES2 S □•#T 852 5 5•9•0 8 -8 4 S 2 — S 9.20 K ( TESN OEM EE # S#e 8S% SSp E ESSHEETBGOGSSS LSGMSE 2. 2 ∆ S 55 8.8255 S-GES ES 80. SmaEEES a EaS SE DOnROARO SE BBöGDESTT S P STOHCPOEEG S 1 ## en: #E S e 58 " 5 S.580 P S.9.9 Lbt O — S 0 E S 90 5 S S 5 8.S •9 20 O 1— 8 E 22 E. 6 S 2 8 80E S 8-S 8..958 — S 8 8 38 EEENE So stg S 9 5.0 S•5— 0 800 0E 9PE. 88 D 5 8 5 S# S S 9 S S 1 4 S T2— K 53— *E S( 9 2: 50 GEC 95 Venn Sie mich als Rodell haben wollen,schäße Phztorier geiscte Prlatof, Bruneau. rief dann der Gastgeber,„so bin ich gern bereitz kanntfchsind ja als Förderer junger Talente Ihnen zu sitzen.. 4 „Sie würden mich verpflichten, sagle der Maler mit einer leichten Verneigung,„wenn Sie mir das Opfer brächten!" „Ein Opfer?“ rief Lafosse.„Von Delacroix gemalt zu werden ein Opfer?“ „Wer kann sich rühmen,“ fiel ein anderer ein,„von Herrn Delacroix porträtiert worden „Meine Herren,“ sagte der Maler,„allerine Porträts, sondern bin dings male ir ein...“, gurgzzugtan in der Lage, e Intentionen dalchsühten zu können. Aber auch wir Historienmaler sind, ebensoh wie die Heiligenmaler und die Kollegen vom Genrebild, genötigt, die Köpfe unserer Figuren unter den Zeitgenossen zu suchen. Das erinnert mich an eine merkwürdige Geschichte, die Leonardo da Vinci erlebt haben soll.“ „Bitte, erzählen Sie, Herr Delacroix!“ rief man von allen Seiten. „Sie wissen," begann der große Maler,„daß Leonardo in einem Mailänder Kloster sein „Abendmahl“ schuf. Er malte jahrelang daran, weil viele andere Arbeiten dazwischentraten. Als Modell für seinen Christus verwandte er einen Chorsänger, der ihm durch seine edlen Züge und die Innigkeit seines Wesens auffiel. Jahre vergingen. Fand Leonardo einmal einen geeigneten Kopf. so erschien dieser dann als einer seiner Jünger. Nur der Judas fehlte noch. Da, nach jahrelangem Suchen, sah er einen Bettler, dessen Zuge den Ausdruck tiefster Verworfenheit trugen. Als er Leonardo saß, faßte diesen mehr und mehr eine Ahnung, ein Bild der Vergangenheit stieg ihm auf. Und da entfiel der Pinsel seiner Hand! Und was ihn so erschütterte, erwies sich als wahr. Der verworfene, durch Spiel und Trunk zerrüttete Mensch da vor ihm, dieser Judas, war derselbe, der ihm einst als Vorbild zu der edlen, erhabenen Gestalt Christi gedient hatte.“ Kein Laut wurde an der Tafel hörbar. Erst allmählich begann die Unterhaltung wieder. — Am nächsten Tage bereits erschien Lafosse zur verabredeten Stunde bei Delacroix und legte das bereitliegende Gewand eines Bettan. „Natürlich hat es noch niemand getragen,“ sagte der Maler lächelnd,„ich habe es selbst „Das glaube ich Ihnen.“ erwiderte der Millionär lachend,„wirklich prächtig zerlumpt; wenn ich einmal in die Lage kommen sollte, darf ich Sie wohl darum bitten?“ „Gern.“ erwiderte Delacroix lachend,„jetzt aber bitte recht unfreundlich!" „Daguerres Jünger bitten um das Gegenteil. Ich werde einmal ans Geschäft denken, dann bekomme ich schon den nötigen kummervollen grämlichen Ausdruch!“ guch bol. Der reiche Mann' sa tdenn auch dul in einer Haltung da, die zu seinem sorgenvollen Gesicht paßte. Delacroix malte eifrig, immer schärfer und treffender gestaltete er das Antlitz des Bettlers. Geduldig verharrte der Millionär in seiner Da erschien der Diener und gab die Karte eines Herrn ab. der im Vorzimmer wartete. Eine kurze Pause war dem Bankier ganz lieb. Kurz nachdem Delacroix gegangen war, trat ein junger Maler in das Atelier. Er begrüßte den Bettler mit einem freundlichen „Guten Morgen“ und fragte nach Herrn Delacroig.„ g „Ich will nicht weiter storen, sagte der Besucher und sah sich das neue Bilo an. „Er hat Sie gut getroffen! Das wird Ihnen ein bißchen helfen, daß Sie ihm sitzen durften.“ Lafosse nickte und sagte demütig:„Ja, Herr Delacroix ist recht anständig!“ „Das freut mich,“ erwiderte der junge Maler. „Ich kann leider nichts für Sie tun, ich male nur bestellte Porträts. Man muß leben! Herr Delacroix wird Sie schon meiter empfehlen# können Sie dann bessere Tage sehen: Ville, eine Kleinigkeit,“ sagte er dann und reichte dem vermeintlichen Bettler ein ZweifrancsLafosse nahm schnell gefaßt das Geld und sagte demütig:„Besten Dank, Herr! „Ach bitte!“ sagte dieser verschämt. Jetzt behrte Delaeroix zurüch.2 zaate 5. „Verzeihen Sie, Herr Delacroix, sat, der Besucher in bescheidenem Tone.„daß ich hier eingedrungen bin. Das wäre sündhaft, Sie bei der Arbeit zu stören!" Er verbeugte sich vor dem Maler, nickte dem Mann im Bettlergewande freundlich zu und entfernte sich. Als Delacroix eine Pause machte, fragte Lafosse in gleichgültigem Tone:„Wer war denn der junge Mann vorhin?“ „Ein Kollege! Hat hübsche Anlagen, wenn er auch nie etwas Großes erreichen wird. Abeein ausgezeichneter Mensch, ehrlich, brav. „Sie sin, sa#is goederer junger Talente bekannt, Herr Belacroix! „Die meisten muß man sich freilich vom Halse halten; sobald man ihnen den kleinen Finger reicht, wissen sie alles besser!“ „Wie überall,“ erwiderte Lafosse. Nachdem er hinter der spanischen Wand das Bettlergewand mit seinen vornehmen, modernen Kleidern vertauscht, bedankte sich Delacroix für die Mühe und den Zeitverlust, aber der Bankier wehrte freundlich ab.„Es ist mir,“ sagte er, „schmeichelhaft gewesen, Ihrer Kunst einen Dienst zu leisten.“ Pegangen. Anatal— Einige Tage waren vergungen. Analole saß in seinem Mansardenzimmer, das durch ein großes Fenster zum Atelier ausgestattet war. Er malte an einem Porträt, das ein Bürgersmann zu einem mehr als zivilen Preise bei ihm bestellt hatte. Das Honorar hatte der junge Mann schon erhalten und davon hatte er die Rechnungen des Schneiders und des Speisewirts einen Teil der Miete bezahlt. Mit einem Kollegen, dem es noch schlimmer ging, hatte er soGebet Gib mir die Kraft, die mich bewahrt vor jenen Mächten, er die nur den Abgrund und die Welt der Tiefe lieben. Und laß' mich deine Wahrheit immer wieder üben, dann steh' ich recht zu meinem Tag zum Guten wie zum Schlechten. So aufgerichtet warst auch du im abendlichen Schatten und schwebtest zwischen Erd' und Himmel mit den Sternen; fern ward dir nah und alles Nahe wuchs in graue Fernen— behüt' auch mich vor'm frühen Untergange im Ermatten. Behüte auch, was mit mir ging und heut' noch geht und breite deine Wundenhände über unsre dunklen Wege; du bist die Kraft, das Licht auf unserem schwanken Stege, wenn schwarz der Wind um unsere Herzen weht. Wilhelm Kunze. G eben die letzten zehn Francs geteilt. Es klopfte, ued herein trat ein Geschäftsbote. Derartige Leute klommen fast nie die fünf Treppen zu Anatoles Olymp hinauf, mit Spannung öffnete deshalb der Maler den abgegebenen Brief. Dieser trug den Aufdruck des Bankgeschäfts Lafosse und lautete:„Sehr geehrter Herr! Hierdurch beehren wir uns, mitzuteilen, daß der Betrag von zwei Francs, den Sie am 9. v. M. im Atelier des Herrn Delacroix einem Bettler schenkten, inzwischen die Summe von zwanzigtausend Francs an Zinsen getragen hat. Sie wollen diesen Betrag an unserer Kasse erheben.“"### Bruneau stand vor einem Rarsel. War dies ein schlechter Scherz? Endlich entschloß er sich, das Bankhaus aufzusuchen. Als er dem Kassierer den Brief vorwies, konnte der Beamte ein Lächeln nicht unterdrücken.„Wünschen Sie die Zwanzigtausend ganz in Scheinen oder etwas in Gold?“ „Bitte um etwas Gold!“ sagte Bruneau in grenzenloser Ueberraschung.„Aber sagen Sie mir, warum erhalte ich denn das „Nun, Ihnen darf ich das Geheimnis ja verraten,“ sagte der Kassierer lachend.„Der Mann, der von Herrn Delacroix gemalt wurde und dem Sie die zwei Francs schenkten, war der Chef unseres Hauses!“ „Herr Lafosse?“ fragte der Maler staunend. „Aber die zwanziatausend Francs?“ „Zinsen, Herr Bruneau! Wohltun bringt Zinsen!" —.— Das Dorf Skizze von Fritz Müller=Partenkirchen. Die Kollers hatten sich ein Bauernhaus gekauft. Am Vormittag waren sie eingezogen. lber Herr Koller streckte unterm Tisch behaglich Ichl seine Beine:„Hier ist man doch für sich Ging die Tür ohne Klopsen auf, sldlperte ein Mann herein, ging pfeilgerade auf den Tisch zu, nickte der Frau Koller zu, studierte aufmerksam Herrn Koller:„Soso, so schaugt der neue Gruaber aus.„. e n „Ich heiße Koller, Oversrubiental Koller. „Wischiwaschi, der neue Gruaber seids! Das Haus heißt zum Gruaber. Fünfhundert Jahre schon, wenn's langt. Wer auf dem Haus sitzt, heißt wie's Haus. Also Gruaber, grüß di Good. „Grüß Gott, aber ich erinnere mich nicht, mit Ihnen die Säue gehütet zu haben.“ ,D' Säu? Fünf Säue hat der alte Gruaber ghabt. Haltst aa Säu? Kaufst ma oane a?“ „Ich kaufe keine Sau. Wer seid Ihr überDer Gerwi bin i. Pfüad Good.“ Und stampfte hinaus. Herr Koller war empört:„Das ist denn doch eine Manier hier—“...44 Frau Koller lachte„Nimm's nicht ttagisch, Otto. Es wird hier so üblich sein. Mit einem alten Bauernhause kauft man die alten Bau„Ja, somt der platten unverschämten Bauern. Good,“ stampfte es vierstiefelig in die Stube,„ös also seids der neue Gruaber.“ „Und ös seids d’ Gruaberin?“ sagte die mitgekommene Bäuerin.... M1. Die Frau Oberstudienral nums mit Humor: „Darf ich den Herrschaften die Räume zeigen?“ „D' Zimmer moanst? Die kenna ma scho lang.“ „Die kennt Ihr?“ „3' Hundheim kennt a jeder Bauer von an jedem Bauer jeds Zimmer— aha, da himmt der Salitter...“ Es kam an diesem Nachmittag das ganze Dorf. Der Oberstudienrat wütete:„Das wenn ich gewußt hätte—“.. k. k emmn Sei vergnügt, daß wir Besuch bekommen,“ lachte seine Frau,„wenn wir eine Villa hätten, ließe sich kein Bauernstiefel blicken. Wir werden Gegenbesuche machen müssen.“ „Gott soll mich behüten! An die Gittertüre kommt ein festes Schloß— ah, der Architekt eindlich ein gebildeter Mensch" Er besprach mit ihm den neuen Anbau. Die Zimmerlage paßte nicht. Er hatte immer neue Wünsche. Der Architektenbleistift gab gehorsam nach. Es wurde ein Gewinkel. „Der Bauer hier hat eine alte Hauserfahrung,“ meinte später seine Frau,„man hätte auch die Nachbarn fragen sollen.“ „Was? für den Neubau auch noch! Daß sie von dem alten Haus jeden Winkel kennen, ist mir schon genug. Uebrigens, die Hilda soll im Dorf auf Abstand halten. 6.6 „Man wird kaum verhinvern nonnen, daß sie mit den anderen Kindern spielt.“ „Freilich kann man. Versteh' mich recht: Ich will es.“ Schweigend fügte sich die Frau. Der Anbau wuchs und wuchs. Der Rohbau war beendet. Ein bebändert Tannenbäumchen prangte droben. Unten hatten sich die Handwerksleute ein Faß Bier geleistet. Man trank dem Bauherrn zu... 1 Moll, „Schon gut,“ winkte er ao,„ich wollte nur, man wäre endlich unter sich— laß uns auf den Abend durch die Räume gehen, Ottilie.“ Auf den Abend sprang das Töchterchen vergnügt ins Zimmer:„Sie kommen!“ Im Anbau wimmelte es von Nachbarn. Sie gingen mit bedächtigen Schritten durch die Räume. In langen Zwischenräumen, stiegen Wolken aus den Feierabendpfeisen.„Nei schach des Zimmer, Gruaber.“"..4 ngg, „Erlauben Sie, ich habe Sie nicht eingelaNe.„e Lmm „Eingladen? Brauchts net. mir kemman so.“ „Das seh' ich.“ „Moanst, daß mir net wissen, was si unter Nachbarn ghört:.g 6.64 „Es gehort sich, oaß man frügt. Aber der Gerwi war schon in einen anderen Raum gestapft:„Z'viel Winkelwerk hast neibaut, Gruaber.“ „Es ist mein Haus.“. „Woaß scho, drum sag i Dirs ja. Gruaber — wo schlafst denn Du amal herin, kloans Was geht Sie das an,“ wollte der Hausherr sagen. Aber die Hilda war mit dem Bauern schon über die Treppe hinauf. Nach einer Weile hörte man von droben lachen.„Trudscherl, Trudscherl,“ kam des Gerwis Stimme,„des braucht finden, wo'st da schlafst in dem Winkelwerk!“ Zutraulich kam die Antwort:„Nicht so schlimm, Gerwi. soll ich Dir verraten, wie ich mir's gemerkt hab?“ „Sag's. „Vaß auf. Gerwi, da von der Stiege weg geht der Vers.“ „Der Versch?“. 0 ur aber nicht auslachen.... s gruchenn: Menschen gossen sich, Spritzen Darfst mich aber „Ueber ein' Verscht freit man sich ja. „Mein Papa freut sich nicht. Der sagt, es sei ein Unsinn.“ „Also her mit dem Unsinn.“ „Acht Schritt linker Hand— Schritt gradaus rechts— Dritte Tür an der linken Wand— Schlaft die Hilda gar nicht schlecht.“ Sahabe— „Siehst, nun lachst Du doch.“... „Weil's so lutschi is. Also paß auf, ov imirs gmirkt hab: Acht Schritt linker Hand— Elf Schritt gradaus rechts— Zweite Tür pritte, Gerwi... Maner—. „Dritte Tür an der uinnen Maue.—“ „Wand, Gerwi, sonst reimt sich's nicht.“ „Jaso, Aaso.“ „Man kann's auch tanzen, Gerwi.“ Ro sch schlaf.— pußz auf: Acht Schrit Huser Hand— Elf Schritt gradaus rechts Tür an der linken Wand— Schlaft die Hilda gar nicht schlecht,“ sang sie fröhlich, tanzte sie uinks und rechts um die Ecken. Und dann wieder:„Komm, tanz mit. Acht Schritt linker Hand— halt, meine Schritte, Gerwi, nicht die Deinigen— kleiner mußt Du sie machen, noch kleiner— jetzt ist's recht Acht Schritt linker Hand— Elf Schritt gradaus rechts— Dritte Tür an der linken Wand — Schlaft die Hilda gar nicht schlecht,“ schlug es zweistimmig an das Ohr der Eltern unten. „Nun tanzt sie gar schon mit den Bauern,“ brummte der Vater,„das wird ja immer „Ich finde es nicht unschön, lächelte die Nutter,„im Dorfe ist man aufeinander angewiesen. Das hat seinen Grund.“ „Grund?“ Ich habe Grund, zu bedauern, daß wir uns bei diesen Hanebüchnen angesiedelt Verärgert fuhr er am nächsten Morgen nach der Stadt. Er wolle wiederkommen, wenn der letzte Handwerksmann verschwunden sei und die Gartentüre ein für allemal verschlossen werden könne. Dann bäte et zu depeschieren. Die Depesche ging hinaus. Herr Koller kam Stolz zeigte ihm die Gattin die möblierten Zimmer. Er war's zufrieden. Er sperrte abends das Gattertor eigenhändig zweimal ab:„EndFrau Ottille lächelte:„Unsere Hilda scheints geerbt zu haben, das Fürsichsein. Sie will als Erste heute schon im Neubau schlafen, in iyrem Zimmer, weißt Du, ganz für sich.“ In der Nacht träumte Herr Koller tief und fest. Ihm träumte, er hätte sich im Himmel ein Haus gebaut. Aus Wolken. Und alle Augenblick guckten die Engerln neugierig in die Zimmer hinein. Und ein großer Engel mit genagelten Schuhen und einer Feierabendpfeise im Mund nickte:„Net schiach, des Zimmer, Gruaber, nur z'viel Winkelwerk— und wo schlaft des kloane Trudscherl da?“ Was geht Sie das an!“ fuhr er auf. Aber da langte auf einmal eine Riesenhand durch alle Zimmerwolkenwände und schüttelte ihn:„Wach auf, wach auf. Mann!“ Schlaftrunken sah er seine Gattin vor sich „Otto, Otto. der Neubau brennt!“ Zitternd warfen sie sich die Mäntel über, liefen durch den alten Hausgang. Vor Hildas Zimmer hielt Herr Koller schnausend an. „Noch nicht wecken. Otto. laß sie schlafen Schrecken ist für Kinder Gift— komm. koiam hinaus!“. In der Verwirung hatten sie vergessen, daß die Hilda drüben schlief. Dann standen sie im Garten. Der Neubau brannte lichterloh. Das Dorf war wach. Am tcchtu. Mtcer Moren„-0N schläuche schoben sich hinein. Das Dorf erhob sich gegen einen Feind, das Feuer. Auch mit Hand anlegen wollte jetzt der Oberstudienrat. Er tappte dahin, dorthin. Er ginz im Weg um. Auf die Seite schob man ihn. Er gehörte nicht zum Dorf. Flammen züngelten. Wasser zischte, Pumpen knirschten, sonst kein Laut im Garten. Die Glut nahm zu, die Flammen wurden größer. Dorf sein beschten Ma'!“. Oben im krachenden Gebälk stand ein Mann aufrecht. In den langen Armen lag behutsam gebettet ein schlaftrunkenes Kind.„Fangt es!" Hunderte Arme streckten sich vor. Ein Kinderkörper wirbelte durch die Luft, landete unEin brennender Balken schlug dem da droben auf den Kopf. Er taumelte herab. Man trug ihn nach dem Grasplatz. Man bettete ihn neben den stöhnenden Oberstudienrat. Der hatte seinen Kopf erhoben. In ein verrußtes hitzegequollenes Gesicht blickte er. Nach der Hand tastete er:„Gerwi, Gerwi, ich— ich danke Euch!"„ 1—6 Aus den harten Bauernaugen traf ihn ein Blick, ein gleichgültiger Blick. „Gerwi. Gerwi— ich war dumm— ich war schlecht— ich war—!“ Scdo recht— halk's Maul. Flammenschein fuhr durch den Garten. Dem Oberstudienrat war es auf einmal, als konne er durch allen Ruß, durch allen Brand, durch alle Bauernkargheit, alle Bauerngrobheit dieses Gesichts etwas Neues sehen. Es war das Dorf.„ Und jetzt ging die Sonne über diesem Dor auf: Der Gerwi lachte:„Jaso, mei' Pratzen mechst?— da hoscht es. Depp, damischer.“ 80 Herbstlied Heisa Herbst, den bunten Becher schwingst du wieder durch die Welt, jeder Wipfel wird ein Zecher, jeder Busch ein buntes Zelt! Jeden hast du eingeladen in dein frohes, goldnes Haus, und den dunkelroten Faden spinnst du bis zum Rocken aus. Heisa Herbst, so laß uns trinken einen tiefen, tiefen Zug, denn wer weiß, wohin wir sinken aus dem ungewissen Flug. Gib den Becher, heil dem Leben, Dank für Sorgen und für Schmerz, Dank für alles, was gegeben, Dank aus übervollem Herz! Dies ist unser, die Minute, die uns köstlich schäumend trögt, und gegrüßt, wie sehr sie blute, die uns morgen schon— zerschlägt! Hannes Schmalfuß. Der Gerwi wischte sich den Schweiß:„Wi: zwingens nich— gut, daß neamds im Neadan Sschiafen bot“.6, Schrei. Nr. 3153 Ein Schrei, ein doppeller Schtel. Due Hilda — unser Kind— dort droben!" Ein paar Männer zuckten mit den acheln. Zu spät hieß das, wer da hineingeht, ist verVor dem Oberstudienrat stand ein langer schlafts:...5 michtr Der Gefragte stierte. Er holte nichts. Er rannte wieder, schlug aufs neue hin, stöhnte. Der Gerwi hob ihn stumm auf. Er trug ihn ins Gras. Er warf ihm seinen Mantel über. Er reckte die hemdsärmeligen Arme:„Wo schlaft's, Gruaberin— in ihrem Zimmer, ha: Jajaja!“ gellte die Mutter,„rettet sie, rette „Z'spaat,“ sagte der Dorfälteste,„wie in einer Mausfalln is's da drin, da kennt si koaner I kenn mi aus— wie hoaßt er glei, der Langsam, fast besinnlich ging er durch die Flammen. Sie starrten ihm nach. Man vergaß aufs Pumpen.. Das Prasseln ließ einen Augenvlic nach. Man hörte eine Stimme aus den Flammen: „Acht Schritt linker Hand— Elf Schritt gradaus rechts—“ Dder Vermi sings“„ „Der Gerwi tanzt— i siechn durchs Gang„Verruckt; schrie der Dorfälteste.-isgage en hin!" Prasseln, Züngeln, Wasserk####chen, Wieder kam es aus den Flammen:„Dritte Tür an der linken Wand—“ Harakiri! Skizze von Hanns Luckenwaldt. Die Grotesktänzerin hatte den letzten Tanz beendet. Die Kapelle spielte„Yen=hen“, einen Jazz nach japanischen Motiven. Nach dessen Beendigung mußte Shi=saku=ya auftreten. Der Todessprung des Japaners war die nummer im Programm des„Trianon“, eines von Weltruf. Sein Name stand schon zwei Monate auf den Plakaten: Shi=saku=ya war ein vorzüglicher Er saß geschminkt in seinem Nationalkostüm vor dem Spiegel der winzigen Garderobe. Reglos starrte er in das blitzende Glas. Die Tänzerin wirbelte herein. Sanft strich sie über sein blauschwarzes Haar und warf seinem Spiegelbild eine Kußhand zu. Dann tänzelte sie wieder hinaus. Sie tat es jeden lgeng, Und jeden Abend verzog er höftch ein GeJetzt starrte er wieder in unendliche Fernen. „Heimweh hat das Herz Ihrer Frau krank gemacht!“ hatte der Arzt gemeint. Shi=saku=ya traten die Tränen in die Augen.# „Ein Jahr, Hamako, ein kurzes Jahr, Unr wir hätten die Kirschblüte gesehen, überdachte Jetzt lag Hamako, seine Blume, welk in dieser kalten Stadt und würde sterben; sie würde ihn und Kommo, das pfirsichhäutige Er würde sie vielicht nicht beber, Biecder sehen, hatte der Arzt gesagt, als Shi=sann=zn das Hotel, in dem er mit seiner kranken Frau und dem Kinde wohnte, verließ... Der Japaner lächelte wieder: der Bühnenleiter war eingetreten. „Wir wollen anfangen!“ sagte er.„Wird es ohne Ihre Frau gehen, Nr. Shiesgku!“ „Es wird gehen, antwortete der Japaner und schritt lächelnd hinter den Vorhang. Die Musik spielte einen Boston. Mählich hob sich der Vorhang. Das Puvunum empfing Shi=saku=ya mit starkem Applaus. Er lächelte und verbeugte sich fast bis zur Erde. Dann begann er im Takte der Musik B lardqueues, Bälle, übermannshohe Tafeln durcheinanderzuwerfen, aufzusangen, zu bala Er arbeitete mit den Händen und mit den Füßen. Das Verblüffendste an seinen Leistungen war die Sicherheit und Ruhe, mit ver er sie aufführte. Immer schneller wurde die Musik, immer toller das Durcheinander der von dem Japaner balancierten Gegenstände. Die Melodie endete mit einer langgezogenen Dissonanz: Auf der Fußspitze balancierte Shisaku=ya ein Billardqueue, auf dem ein Ball ruhte; der Ball stützte eine große buntbemalte Tafel, die sich um sich selbst drehte. ür an der linken#—....6 Aate „Hörts'n singa! Verflucht, des nosr r'm Arztes. Hamakos gelbweißes Gesicht, umrahmt von pechschwarzem Haar, lag müde in den Kissen. Kommo, das besorgte Töchterchen, hielt ihre feingliedrige Hand und blickte ängstlich fragend zu dem großen bebrillten Mann empor. Dr. Köhler schüttelte den Kopf:„Sonderbar! Puls normal, Herzschlag ruhig— Gefahl ist nicht mehr vorhanden!" Schnell schrieb er ein paar Zeilen auf den Rezeptblock und sagte zu dem Kinde:„Mutti schläft jetzt ganz ruhig. Mutti wird wieder Kommo lächelte und küßte die Hände der