Er stieg durch die noch stillen Straßen hinab an den See. Der Tau lag noch auf den Sträuchern der Gärten, die Blüten öffneten ihre Kelche, gesättigt von wuchernden Säften. Ueber dem Wasser lag ein silberner Schleier. Hannes ging am Ufer entlang. Die Sonne kam höher. Wie ist es schön, den Sommer zu erleben, dachte er. Es ist für die Enttäuschten, daß sie sagen können: Auf den Sommer kommt ein Winter und wieder ein Sommer, der schöner sein kann.— Aber warum kommt der Winter für die, denen der Sommer das Schönste schenkte? Ist das nun stark, zuzusehen, wie alles welkt und verblüht? Ist es nicht auch stark, dem Sommer treu zu bleiben und zu gehen, wenn er geht? Am Ufer stand ein Fischerboot. Ich werde ein wenig fahren, sagte Hannes. Der Fischer wird es nicht gleich vermissen. Lilli schläft gewiß noch. Ist es nicht verwunderlich, daß ich mir jetzt nicht ihr Gesicht denken kann? Und dann, weit draußen schon auf dem Wasser, richtete er sich mit einem Male auf, daß ein paar Möven erschreckt auseinanderflogen, und schrie laut, übermäßig laut:„Lilli!.. Vielleicht hat er auch geweint. Man weiß das nicht. Am Nachmittag schlug das Wetter um. Ein starker Wind trieb die Wellen gegen das Ufer von Arenzell. Passanten fanden den angespülten Körper eines Mannes, den sie in das nahe Haus einer alten Fischersfrau trugen. Dort legte man ihn in ein Zimmer, das am Abend vorher eine fremde Frau mit Rosen geschmückt hatte. —12.— Schottische Sparsamkeit Nach englischen Quellen von Ernst Berghäuser. Ueberall in der weiten Welt gibt es Gegenden und Städte, die den lieben Nachbarn vor züglich zur Zielscheibe des Spottes zu dienen pflegen. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus ist beispielsweise der Ruhm des Ortes Schilda gedrungen, der sich auf den ausnehmenden Scharfsinn seiner Bewohner gründet. Unsere englischen Bettern jenseits des Kanals pflegen ihren Witz mit Vorliebe an ihren schottischen Brüdern zu üben, und eine hervorragende Stellung in dieser Hinsicht nimmt die Stadt Aberdeen ein. Bei jeder Gelegenheit bringen englische Bücher und Zeitungen Anekdoten über die biederen Aberdonier, und zwar belacht man nicht so sehr die schottische Schlauheit(obwohl auch diese nicht von schlechten Eltern ist), als vielmehr den ungewöhnlich entwickelten Sparsamkeitssinn der Schotten, vornehmlich der Aberdonier. Ich lasse eine kleine Blütenlese der besten Späße dieser Art folgen. Sie werden gewiß auch manchen Deutschen zum Lachen bringen. Ein Mann aus Aberdeen schickt aus London seinem Nachbarn eine Ansichtskarte folgenden Inhalts: London ist tadellos, besonders die Gasthäuser, man findet manchmal Geld unter dem Tisch. Nachschrift: Die Briefmarken kleben sehr schlecht hier; wenn auf der Karte keine drauf ist, dann ist sie auf der Post abgefallen.— Zwei Aberdonier und ein Jude besuchen in London einen(natürlich kostenlosen) Vortrag. Im Verlauf seiner Ausführungen kündigt der Redner an, daß für irgend einen Zweck gesammelt werden soll. Der Jude wird ohnmächtig, die beiden Aberdonier tragen ihn hinaus.— Der Geschäftsführer eines Glasgower Hotels sieht eines Morgens mit Erstaunen, daß der Hausbursche vor der Tür eines Fremdenzimmers kniet und ein Paar Schuhe reinigt. „Junge, wie kannst du das hier oben machen, mal schnell runter damit!“—„Nicht zu machen, im Zimmer wohnt ein Herr aus Aberdeen, der hält die Schnürbänder fest!" Der Arzt hatte keine Hoffnung gegeben, daß die Frau des reichen Kaufmanns die Nacht überleben würde. Als das Dienstmädchen am nächsten Morgen zaghaft an die Tür des Krankenzimmers pocht, vernimmt sie von drinnen die schluchzende Stimme ihres Herrn:„Mary, koch nur ein Ei heute morgen!“— Ein jüdischer Kaufmann eröffnete einen Laden in Aberdeen und machte Geschäfte. Nach kurzer Zeit eröffnete ein zweiter Jude im übernächsten Haus ein Geschäft der gleichen Art, ebenfalls mit Erfolg. Dann mietete ein Einheimischer den zwischen den beiden liegenden Laden und verkaufte dieselben Waren. Mit Schrecken merkten die Juden, wie ihre Kundschaft schwand. Die Ursache war ein Riesenschild über der Ladentür des Aberdoniers: Haupteingang!— Ein Aberdonier pflegt jedem seiner sieben Kinder wöchentlich einen Penny zu schenken. „Aber das ist doch Verschwendung!“ tadelt ihn Buch des bekannten Paul Rosenhayn Gegensein Freund.—„Keineswegs, mein Lieber, ich stand hochinteressanter und fesselnder Ausfühhabe den Kindern erzählt, unser Gasautomar sei eine Sparbüchse, so sorgen sie das ganze Jahr für Licht!“ Ein kinderloses Ehepaar adoptiert einen Knaben.„Ein Mädchen hätte sich doch im Haushalt eher bezahlt gemacht!“ meint die Nachbarin.„Vielleicht,“ erwidert die würdige Frau,„aber sieh mal, wir hatten doch noch eine alte Knabenmütze!"— Ein Amerikaner macht mit seinen Freunden eine Autofahrt durch Schottland. Nachdem sie ein paar Stunden im dicksten Nebel gefahren sind, weiß der Lenker nicht mehr recht, wo sie sind. Da wird es heller, und sie bemerken, daß sie sich ganz in der Nähe einer großen Stadt befinden.„Heda, Junge!“ ruft der Amerikaner einen halbwüchsigen Burschen an,„wie heißt dieser Ort?“—„Wenn Sie mir einen Schilling geben, will ich's Ihnen sagen!“— „Weiter!“ rief der Fremde,„wir sind in Aberdeen!"— Zwei Aberdonier werden betrunken ins Gefängnis gebracht.„Wo ist der dritte?“ fragt der Polizeioffizier.—„Welcher dritte?"— „Nun, der die Zeche bezahlt hat!“— Die Aberdonier spielen leidenschaftlich Domino, und sitzen ganze Nachmittage bei diesem Spiel im Café. Sie spielen sehr vorsichtig und hüten sich, mit den Steinen zu klappern, damit nicht der Kellner meine, sie hätten ihn gewünscht.— Ein Aberdonier eröffnete ein Kompagniegeschäft mit einem Juden. Nach einem halben Jahr mußten sie schließen, beide waren erblindet, weil sie sich gegenseitig zu scharf auf die Finger gesehen hatten.— Ein anderer Aberdonier wäre gar zu gerne mal im Flugzeug geflogen scheute aber die Kosten. Schließlich glückte es ihm, sich mit einem Flieger anzubiedern, der ihn und seine Frau kostenlos mit nach Paris nehmen wollte. Allerdings— denn der Pilot wollte auch seinen Spaß haben— mußte sich unser guter Schotte verpflichten. auf der ganzen Fahrt nicht den geringsten Laut von sich zu geben, andernfalls sollte er den üblichen Preis bezahlen. Ueber dem Kanal vollführte der Flieger einige gewagte Sturzflüge, in der Hoffnung, sein Freund würde vor Schreck aufschreien. Aber ohne Erfolg. Am Ziel beglückwünschte der Pilot den Aberdonier zu dem bewiesenen Mut.„Mensch!“ erwiderte der andere,„das war eine verl... schwierige. Geschichte, besonders als meine Frau in den Kanal fiel!"— Sandy und Johnnie waren beide durstig, aber ohne Geld.„Ich weiß hier ein Wirtshaus, da ist eine zerstreute Kellnerin; wenn man der ordentlich was vorredet, dann weiß sie nachher nicht mehr, ob man bezahlt hat oder nicht!" sagte Johnnie,„ich will's mal zuerst versuchen!“ Nach einer Weile kam er wieder:„aHt tadellos geklappt!" Nun ging Sandy hinein, verwickelte die Kellnerin in ein lebhaftes Gespräch, trank verschiedene Glas Bier, zog schließlich seine Uhr und rief:„Es ist ja höchste Zeit! Wieviel bekomme ich heraus?“— Eine Aberdeener Hausfrau bekam von einem befreundeten Seemann einen Papagei geschenkt, den sie unverweilt schlachtete und zu Mittag briet. Aber ihrem Mann schien der Leckerbissen nicht recht zu munden.„Was ist das für'n Geflügel!“ fragte er.— Das hat er mir nicht gesagt.“— Ein Junge aus Aberdeen fiel in den Fluß und wurde von einem Manne unter eigener Lebensgefahr gerettet.„Sind Sie der Retter meines Jungen?" fragte der herbeigeeilte Vater atemlos.—„Ja!“—„Und wo haben Sie seine Mütze gelassen?“—. Bei einer ähnlichen Gelegenheit bot ein Vater dem, der seinen ertrinkenden Jungen lebend herausholen würde, fünf Schilling. Wirklich fand sich ein Mutiger, der den Knaben aus den Wellen rettete. Der glückliche Vater reichte ihm zwei Schillinge sechs Pence.„Aber mein Herr, Sie haben doch vorhin das Doppelte geboten!“ rief der überraschte Held.—„Das schon, aber Sie sehen doch, daß Sie den Jungen halbtot herausgeholt haben!" Gedankten Von Richard von Schautal. Das Lächeln ist die Melodie der menschlichen Züge. Aber sie wird meist falsch gespielt. * Unanschauliches(Abstraktes) in dichterischer Form langweilt, während es in logischer(den Verstand) befriedigt. Der dem Denken immanente dialektische Prozeß treibt sonderbare Sprachblüten:„Ich habe dich furchtbar lieb",„schrecklich gern“; „Stehenden Fußes begab er sich.“ * Junge Menschen spielen gereifte, alte gehaben sich gern jugendlich. Beides ist ebenso töricht wie begreiflich, aber nur dieses verletzt Feingefühl; denn während jenes Unausbleibliches vorwegnimmt, täuscht dieses Unwiederbringliches vor. * Nichts ist reger als die Eitelkeit, und dennoch läßt sie sich mit der Hand fangen. Es gibt Leute die einem beweisen, wie viel es geschlagen hat. rungen geworden. Unter dem Titel„Spaziergänge ins Jenseits“ führt uns Rosenhayn mit der Aufzählung einer Reihe packender und von zuverlässigen Zeugen verbürgter Fälle von Fernsehen, übersinnlicher Sinneswahrnehmung in die Sphäre der unbewußten Vorgänge, in das weite Land der Metaphysik. In der feingeformten Sprache, in der stilistisch eleganten Manier seines Schrifttums, in der glatten, flüssigen Erzählung zeigt er sich als Meister moderner Prosa. Ueberall messerscharfe Beobachtung, literarische Gestaltung, psychologische Einfühlung und seiner Esprit. Wir erleben die feinsten Schwingungen der menschlichen Seele und dringen tief in den Bereich des Unbewußten, des Uebersinnlichen ein, das in den letzten Jahren erneut Gegenstand wissenschaftlich=methodischer Prüfung geworden ist. Ueberall aber pulst der Rhythmus großen schriftstellerischen Könnens. Jedem dieser bestverbürgten, ernstgemeinten und sachlich wiedergegebenen Berichte wohnt höchste Aktualität, außergewöhnliche Spannung inne. Ueberall zeigt sich das Ringen um die letzten, höchsten Probleme, deren Erkenntnis noch verschleiert ist. Alles in allem ist dieses letzte Werk Rosenhayns wiederum die brillante Leistung eines durch und durch modernen Menschen und Schriftstellers, ein Buch von intensiver Spannung= feiner Seelenanalyse und knapper Präzision im Stil. Büchertisch „Spaziergänge ins Jenseits“ von Paul Rosenhayn. Verlag Ernst Keil's Nachfolger(Aug. Scherl) G. m. b. H., Leipzig, Königstr. 33. Halbleinenband mit wirksamem Schutzumschlag nach einem Entwurf von Gipkens Mk. 2.50. Brosch. Mk. 2.— Jenes Grenzgebiet menschlichen Wissens und Könnens, jenes schwierige und unerforschte Land des Unbewußten, Uebersinnlichen, das oft genug mit den überraschendsten Begebnissen in das Reich der festen Tatsachen und des nüchternen Alltags hineintritt, ist in dem neuesten Richun eienter biolbt d. Streichhotzautgabe: Disse 12 Streichölzerbilden ein Tereckzuse 1111 reichhölzern. ie sindsozulegen, lass Sichauf jeder. Seite des Visrechs S befinden. Auflösungen aus voriger Nummer: 0Lb2-85 Kelt-F4 L3-of-Hf4- e 58g1-e2 93R 22 Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. S U ETEI 8 AII Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 35 Samstag, 5. September Sster 1925 Der begabte Faulpelz Skizze von Oswald Bergener. Du erinnerst dich noch, wie wir vor vielen Jahren auf dem Kupferhammer bei Uslar im Solinger Wald die Herbstferien verbrachten. Onkel Gotthardts und Tante Hannas Familien= chmuckstück, ihre einzige, reizende Annemarie. war vom ersten Tage an unsere heftige Schwär„Siehst Du, nun bist Du wieder schroff und böse. Kannst Du's denn nicht einsehen, Lothar?“ „Ach was! Noch vier Monate!— Ich mach's in vier Wochen, wenn's drauf ankommt.“ „Das ist ja Wahnsinn!" „Was verstehst Du denn davon!“ „Denkst Du denn nicht daran, was der Direktor Dir vor der ganzen Oberprima gesagt hat? merei. Du und ich, wir hätten uns vor Eifer=[Daß er Dich durchfallen läßt, rettungslos? Und sucht um ihretwillen beinahe mit des Onkelsshaben sie Dir nicht ins Zeugnis geschrieben: alten Pistolen geschossen. Ich sehe sie noch ganz Höch deutlich vor mir— schlank, doch wohlgerundet,]„Laß mich jetzt!“ fuhr er zornig auf: von feiner Mädchenblüte, besonders das zartlila=sschon der Direktor sagt, und die anderen— farbene Kleid mit weißem Kragen und weißenssie beehren mich mit ihrer einmütigen Abnei Aermelaufschlägen stand ihren Rosenbäckchensgung,— sie verstehen mich nicht, sie können mich so entzückend, daß sie uns vor Liebe ganz be= gar nicht verstehen, in bin ein anderer wie sie.“ gar Das bildest Du den anderen aus, warum nicht mit und frage nicht bang, warum es gekommen. trunken machte. Doch sie war unnahbar. Sie wanderte wie eine Elegie, wie ein Largo umher. Es lag ei Schatten über ihrem Tun und Lassen. Ein dunkler Gedanke fesselte sie an irgend etwas Unsicht=gek bares. Sie seufzte wohl gar, doch so zart, daß nur ein seines Ohr das leise Zittern hörte. Oder sie schaute mitten von ihrer Handarbeit aus der bunten Weinlaubreranda plötzlich dunkel träumend in den Garten hinaus. Und wer sie mitfühlend beschlich— wie ich, der konnte auch Blute, mein Herz, einmal ein silbernes Tränchen an ihren Wimpern glitzern sehen. Eines Tages strich ich allein durch einen entlegenen Parkwinkel, wo er in das Waldgebüsch übergeht, und labte mich an den reifen Haselnüssen handlings vom Busch. Eine Weile war ich vollkommen ungestört in dieses Göttervergnügen verlieft, da vernahm ich näherkommende Stimmen. Kein Zweifel— Annemarie! Aber die männliche Begleitstimme? Die Szene entwickelte sich dramatisch rasch. Sie ließen sich ganz in meiner Nähe auf eine Parkbank nieder. Hinter mir floß der breite Graben, der zum Hammerwerk und zur Stahlhütte geht! Der Rückzug war mir abgeschnitten. Nach vorn konnte ich auch nicht verschwinden, es war mir in eifersüchtiger Regung zu peinlich, bemerkt ögernd war er stehen geblieben. Mit einem voll Schmerz und Trotz schauten seine dunklen Augen auf sie nieder, es zuckte fast weinerlich über sein sonnenbraunes Gesicht. Dann warf er plötzlich den Kopf mit einem bitteren Stolz und ging stumm und rasch davon. Ich habe ihn während der ganzen Ferien nicht wieder auf dem Kupferhammer gesehen. Und Annemariens häufige Träuen erzählten, was kein Mund aussprach. Nach vier Monaten bestand Lothar Kühneck die Abiturientenprüfung. Aber wie? Noch am Morgen des„Mündlichen“ hatte der Direktor beim leitenden Oberschutrat den Ausschluß Kühnecks von der Prüfung für ratsam erklärt, es sei nicht statthaft, einen Prüfling zuzulassen, sen vor dem Abitur sich allerein, sie kommen doch mit apsgist vier, Peczen vor dem Abitur sich ollar. um nich mit Dir? Du bist|9“####t an die arbeit setze.„Lassen Sie nur,“ schroff gegen jede Gutmeinung und sperrst Dichssätte Dr“ gen sie und gibst ihnen nicht nach und gehst zust Deinen eigenen Weg." M. Blute, mein Herz gnadigst der Oberschulrat erwidert und auf Lohars schriftliche Arbeiten gedeutet,„in dem steckl etwas Ungewöhnliches, das ir nicht einfach beiseite schieben, weil nach Schema F gearbeitet hat. Wir ja sehen, was aus diesem zweifellos ndigen, nur ein bißchen unzugängien herauszuholen ist.“ Dann war dürfen n er nicht Lothar. Nachmitte barmherz som frühen Morgen bis spät in den ig in fast allen Hauptsächern so unin wie kein anderer seiner Mitabi is wi ee# sommen. frienten auf Herz und Rieren geprüft, gepeinigt Lu bruucht ja Sturm, brauchst Leid u. Schmerzsund geschunden worden— und hatte durch alle und Klang und Gegenklang, soll die Welt dir frommen.— Blute ruhig, mein Herz! Im Bluten ist Segen, ist künftiger Tat tiefwehe, schmerzliche Saat, ist Maienregen. Josef Stollreiter. sund geschunden worden— und hatte durch alle olterstusen der Prüfung mit einer eisernen Ruhe und Selbsteinspannung sich unerschrokken durchgeschlagen; der Schlagsertigkeit seiner Antworten, der intelligenten Selbsthilfe in er Wissensnot war recht oft die zu werden. Und zum Teufel auch, warum sollte ich mir das prachtvolle Nußfrühstück stören las=St Ueberraschung, beifällige Lacheln gefolgt; ihm war Exempels der Lork Verblü lichen Examina Doch sank mir die Hand vom Haselzweig schon bei den ersten Worten, die ich unfreiwillig mit anzuhören gezwungen war. Und nun hielt strafpredigt, verstieg sich in immer heftigeren Eiser und sagte in der Hitze schließlich wohl viel mehr, als sie in Wahrheit dachte der räche Nichtacht jußerste bei der ng und das stille des prüfenden Konegiums als schließliches Fazit des ter des besten aller mundfallen, damit aber die Rute eine hochmütige tarbeit ihn bis aufs ige, machle sich der Oberschulrat imensverkündung der siegreichen 10 sie ihm eine richtige kleine Abiturienetn das Vergnügen, gerade den seider Hitze schlieflich wohl vielsnem Keulenschiag Matdar wie von eihinwegzuschreiten. „Was soll daraus werden? Deine Mutter hat bitterlich geweint, so viel Sorgen u. Angst trägts“ sie um Dich, und ist ganz zerbrochen von dems..###. gehe jetzt,“ sagte er äußerlich gelassen; Gedanken, daß Du durchs Abitur rasseln undsich hoffe, zu bekommst doch Dein eigenes, leidenschaftlich geliebtes Lebensziel, den Seeoffizier, mit Deiner unglaublichen Bummelei selber zerschlagen wirst.“ „Beruhigt euch. Ich werd's schon machen,“ antwortete er gutmütig und gelassen. „Das ist Deine ständige Ausrede. Sport und„Laß mich in Frieden! Ihr begreift mich sam Sport und Sport, des ist Deime ganze Weishait und sonders nicht, nicht einmal meine Mutterund Dein einzige, Lebenszweck. Die Schul= viel weniger Du!“ bücher fliegen in die Eche.“ Er riß sich lag und „Was kümmert's Dich.“ „Mich? Ach Lothar, wie kannst Du das sagen! Du haft mich ja selber gefragt, ob ich Dich lieb sich hoffe, Du venommst doch noch mal ein ande=bei res Urteil über mich. „Lothar, bleib!“ Sie war aufgesprungen und bestürzt, reuevoll und angstvoll nach seinem Er richtete sich stracks und finster auf. „Laß mich in Frieden! Ihr begreift mich samt Er riß sich los und trat zurück. „Ich gehe— Leb' wohl!“ gefragt, ob ich Dich lieb Jund“ aschluchzend auf die Bank zurüchk, habe. und ich haus Zir gesagt. zsch oitt Dichlgend; wie kann in geirck uo:der hoite sie klainnig, Lothar, werd ein anderer, werde fleißig! Dich auch gage& so harträc Wie wäre Deine Mutter glücklich!“ sund läßt nich nie in Dein Herz und „Laß mich— ich weiß schen, was ich tu!“ sogtesdanken sehen— und kannst doch manchmal er mit aufbegehrender Ungeduld. reizend, so herzenslieb und lustig sein.“ icheln unausgesprochener friedenen Staunens für— n Faulpelz“— so hatte der nun mit väterlicher Schärfe zugefügt:„Wie müssen Sie geärgert haben! Wieviel Freude ien und sich selbst und Ihren Elkönnen, wären Sie immer dergewesen wie heute!" Niemand hat die ergreifende Szene gesehen, als der Sohn nach dem erbitterten seelischen Kampf um seine erträumte Zukunft siegreich mkehrend, im jähen Zusammenschaudern ter zum Springen gespannten Nerven seiner Mutter und seinem Vater aufschluchzend in die Arme sank. Wie ein Held hatte er um sein Leben gekämpft. Und durch das Schluchzen brach der Gedanke des Glücks als ein seliges *„„ Die deutsche Schlacht am Skagerrak, sund befand. Eines Abends waren wir ort bei dem mir befreundeten Ratsherrn Soodorf zu Gaste. Wie ein Feuer lief die Kunde ldurch die kleine Gesellschaft, daß etwas später 1 — noch ein bedeutender Gast erwartet werde, der Kommandant eines unserer größten Schlachtschiffe vom Skagerrak, dessen unerhört kühner Angriff auf überlegene britische Streitkräfte zu den glänzendsten Waffentaten der Ruhmesschlacht gehörte— Fregattenkapitän Lothar Kühneck. Die Tasel ging bereits zu Ende, als der sehnlichst Erwartete endlich erschien. Die ganze Runde erhob sich. Es herrschte eine kurze Frau die große: seltsame„fast feierlich ergreifende Stille, bis Luft zu schöpfen. der vom Feuer lebendiger Freude sprühende Gleich darauf Feuer lehendiger Freude sprühende Hausherr mit ehrenden Worten den Namen des Gastes nannte. Der stand hochgerichtet, ernst und verwettert wie ein Sturmrecke aus uralten nordischen Meeressagen, eine steinerne Gestalt mit blitzenden dunklen Augen, die flüchtig den ganzen Kreis durchliefen und plötzlich an Annemarie hängen blieben. Eine Jugendbekanntschaft von einst— das Wort zündete bei dem hochbeglückten Soodorf. Einen prachtvollen Rosenstrauß ergreifend, der vor dem noch leeren Platze des Ehrengastes stand, war er bei Annemarie mit der stürmenden Bitte, sie als Jugendbekannte des berühmten Admirals moge ihm die Blumen überreichen. l Und sie nahm den Strauß. war heißem Leuchten in den Augen trat sie zu Lothar Kuhneck, mit der freudigen Sicherheit ihres reichen Frauenherzens. Und lächelnd sprach sie, mit leisem Beben der Stimme: „Den ruhmvollen Seehelden grüßt die deutsche Frau— den begabten Faulpelz grüßt die Jugend— zum stolzen Abitur am Skagerrak!“ Da nahm er den Strauß, und ein Lachen flog über sein Gesicht. Dann beugte er sich ergriffen über ihre Hand: „Was könnte mich zum Siegesdonner des Meeres lieber und kostlicher grüßen als der weheste, schönste Traum meiner Jugend!“ Das Zigarrenhaus zum Geianten Humoreske von Adolf Thiele. Die Ladentür ging. Der Zigarrenhändler Erich Treuauge unterbrach die düsteren Berachtungen, mit denen er seine Zeit auszufüllen pflegte, glättete mit einem unsichtbaren Bügeleisen die Falten in seinem Gesicht und trat aus dem kleinen Verschlag in den Laden Der Herr, der das aus dem Laden und sonst nichts bestehende„Zigarrenhaus“ aufsuchte, kaufte ein paar Zigarren und ersuchte dann — das war der Kern der Sache um das Adreßvuch"„„ P. Fa. M Nach dreiviertei Stunde ging vie Tur abermals. Wieder erschien die mimische Veränderung in den Zügen des Ladeninhabers. Aber verlorene Liebesmühe— ein Junge holte eine Briesmarke.... 44 Shum Eit Erh Später erschien noch ein Mann mir Fußdecken. Zwar wären warme Füße ein Ausgleich gewesen gegenüber dem heißen Kopf, an dem der Rauchwarenhändler infolge seiner Finanznöte laborierte, aber dies Geschäft erheischte Barzahlung, und das war Treuauges schwache Seite. Uebellaunig wurde daher der wandelnde Fußwärmer abgefertigt. Nun vertiefte sich Treuauge wieder in das Buch, das er seit einiger Zeit mit Eifer studierte: die Konkursordnung. Wenn er die Seiten umwandte, so klung dies wie das Flügelrauschen eines riesigen Geiers, der über dem Hause schwebte. Gleich darauf erschraßen beide Gatten. shohe Tur verdunkelte sich vollig, und mit bedächtigem Schritte spazierte ei Elefant herein. Die todlich erschrochene Frau öffnete den uch mit enem gresllen Schreit io Gebiß herausfiel. Auch Treuauge erschrak, doch faßte er sich. „Reiß aus!“, rief er seiner Frau zu, und beidesschäftsmannes mit, daß sich infolge sprangen in den Verschlag und von hier aus— siehe beinegende Zeitungskuumer durch die Hintertür auf den Hausstur. 1606 si Sh Sein Wie war nur so etwas möglich? Nun, als der große Zirkus Clibusti, der in der Stadt Vorstellungen geben wollte, seine vierbeinigen Künstler von der Bahn abmarschieren ließ, beseitsherWeyr plötzlich ein Erdstoß gekommen wäre veein Postinz en Estamlten timtonmahumu er unt vir. e.-# und beide Gatten unter den Massen von Kistensten Unternehmens war heilfroy, baß Mustafa verschüttet hätte, so würde dies das Wohlbefin=snicht größeres Unheil angerichtet hatte. Er war den der Begrabenen nicht im mindesten gestört zwar an den Widerstand von Elefanten, Löwen K hätte sicherlich seine Bemerkung, und Eisbären gewöhnt, aber den gewaltsamen * Sturmattacken eines Treuauge und seines redegewandten Rechtsanwalts war er denn doch nicht gewachsen. So zahlte er denn eine recht haben. Kanr halle sicherlich feine Lemernung, daß es in der Welt keinen teeren Raum gebe, unterdrückt, wenn er in das Innere dieser Kisten gesehen hätte. Mit bedrücktem Gemüt öffnete die armelschön nach oben abgerundete Entschädigungs" L a d e n t ü r, g l e i c h s a m u m f r i s c h e s s u m m e, ä u ß e r l i c h u n w i r s c h, a b e r f r o h, d a ß Mustafa nicht einige Brustkästen, Schädeldecken Diesund andere zum rationellen Betriebe nötigen e=[Teile eingedrückt, sondern nur an Zigarrenrelkisten sein Mütchen gekühlt hatte. rochene Fraz, öftrgte, den Treuauge zeigte sich— das muiß ihrg der Rund mir eiem greuen Scherst wen, daß ihr Neid lassen— reeit: er befriedigte seine GlauBalo kam Frau Treuauge, die ihren Gatten hie und da in der Tätigkeit des Nichtverkaufens 88cDie Ehe ist bekanntlich ein Bund, durch den Mann und Weib das Recht erhalten, einander zeitlebens ihr Leid zu klagen. So auch hier und heute wieder. Die Klagelieder Jeremiae muteten an wie die Vorträge eines Salonhumoristen gegenüber den Tönen, die das Ehepaar anstimmte. Da standen sie nun beide in dem wunderlichen Laden. Der war auch wirklich sonderbar: ein hoher Raum mit einer mächtigen Tür; eine Ecke war in einen kleinen Verschlag umgewandelt, und in diesem Sonderraum befand sich ein kleines Pult mit den paar Büchern, in denen so viele Schulden und keine Außenstände verzeichnet waren; und dann die aus fünf Büchern bestehende Bibliothek: dem Adreßbuch, dem Kalender, dem Reiseonkel, der Konkursordnung und der„Kunst, reich zu werden“ Gerade hatte Frau Treuauge die Erklärung ihres Mannes entgegengenommen, daß nun doch wohl nichts übrig bleiben werde, als„umzukippen“, und sie hatte einen betrübten Blick auf die zahllosen Zigarrenkisten geworfen, die die hohen Regale bis oben füllten Morgenfeier Zum engen Fenster kehnte Tagsfrüh ich mich hinaus; Vor meinen Blicken dehnte Das Ernteland sich aus. Ich sah rundum ins Freie, Lichtselig schlug mein Da scholl zur Morgenweihe Die Glocke niederwärts. Die hellen Töne klangen Andächtig in mir fort; Ich fand in süßem Bangen Kein einzig betend Wort. Mir hat's das Herz tief innen So wonnig groß durchweht;— Ich glaub' mein stilles Sinnen War mehr als ein Gebet. Hanns Bruno Herfurth. untergetrollt und bei dem Zigarrenladen angekommen war, hatte sich plötzlich die große Tür geöffnet, und Mustafa war instinktiv eingetreten. Der grelle Schrei der Frau und der Umstand, daß der Elefant mit seiner Sohle auf das scharfe Gebiß trat, machten ihn ärgerlich; er fing daher an, alles im Laden, was nicht niet= und nagelfest war, zu zertrümmern. Er schob den Ladentisch bei Seite, warf mit dem Rüssel die Regale um und zertrampelte dien Kisten. Es war ein fürchterliches, wustes Durcheinander. Schließlich aber hatte Mustafa ausgetobt und stand nun ruhig und geduldig da. Diesen günstigen Stimmungsumschwung benutzten die Wärter. Mit Mohrrüben lockten sie den Dickhäuter aus dem Laden heraus. Das zahlreiche Publikum wich erschrocken zurück, aber Mustafa war wieder ganz friedlich; er ließ sich, als Jetzt hätte man Treuauge sehen sollen! Dem Hausbesitzer, der von Mustafas HöllenspektaSeine tiefe Niedergeschlagenheil h., e###hn Ich sing an mich zu langweilen— n allerdings nicht, sich von einem in der Stadtsmeine großen klassischen Konlen zum ansässigen Grossisten eiligst Zigarren und Ziessten Male vor, feilte und putzte, sat garetten besorgen und diose im Hausflurn und urahiorte sie aug. verkaufen. Alles, was Beine und die Fähigkeit besaß. Zigarren in Asche zu verwandeln, kam herzuge laufen, um die wunderliche Mär aus Treuauges eigenem Munde zu hören und einen entsetzten Blick auf die Trummerstätte zu werfen. Diese Wüstenei hütete Treuauge wie seinen Augapsel. Sofort wandte er sich auch an einen wortgewandten Rechtcanwalt, um den Zirkusbesitzer haftbar zu machen Der Inchaber bieses ul v#I Kaptkal sundierbiger. Obendrein teilte er ihnen mit der Ungezwungenheit des rentabel arbeitenden Geschäftsmannes mit, daß sich infolge des Unfalls heilieg de Leitunggnummer— sein Geschäft ko#ossal gehoven habe. Sein Kredit hob sich bavurch bis zu den Sternen. Treuauge, der jetzt täglich mehr verkaufte als sonst in vierzehn Tagen, hätte sich und seine Frau am liebsten in Vierhänder verwandelt, da die üblichen zwei Hände nicht mehr gut ausreichten. Da indessen eine solche Umwandlung, die Darwins Forschungen auf den Kopf gestellt hätten, nicht zu erzielen war, sprang das Ehepaar wie zwei Eichhörnchen in der Trommel. Eines Abends sagte Treuauge, vollständig ermattet, wenn das so weiter geht, bin ich bald entweder Rentier oder eine schöne Leiche. Ein besonders gutes Geschäft machte Treuauge noch beim nächsten Jahrmarkt, als zahlreiche Auswärtige herbeiströmten. Später flaute der Umsatz ab, aber trotzdem blieb eine ganze Anzahl Kunden dem kulanten Zigarrenhändler treu. Treuauge ließ außen am Laden einen großen Dickhäuter anmalen, der Zigarrenkisten zerstampft, und nannte sein Geschäft„Das Zigarrenhaus zum Elefanten". Er war wirklich berechtigt, einst, als er die Geschichte vom Elefanten zum achthundertdreiundneunzigsten Male erzählt hatte, hinzuzusetzen:„Seitdem geht mir's recht gut!“ Die Konkursordnung war ihm völlig entbehrlich geworden, und er wollte das Buch loswerden. Er verbrannte es jedoch nicht und warf es auch nicht in den Strom; nein, er wählte einen sicheren Weg: er verlieh das Buch an einen guten Freund; nun war er ganz sicher, es niemals wiederzusehen. Der nasse Franz Erinnerung von Leo Walther Stein. Nach meinen beiden ersten Theaterwintern sollte ich auf mütterlichen Wunsch die Sommermonate zu Hause meiner Erholung widmen. Die Gute wollte wohl sehen, was nach zweijähriger Wanderschaft aus dem zur Bühne entlaufenen Taugenichts geworden war. Ich hatte die Reise in die Heimat aus eigenen Mitteln bestritten, und überdies noch einen Spargroschen im Beutel behalten. Das machte sofort den besten Eindruck. Verhungert sah ich auch nicht aus— meine Garderobe war durchaus standesgemäß, und meine Konfirmationsuhr tickte— kurz vor der Heimreise eingelöst— in meiner Tasche. Der Familienrat konstatierte, daß man sich vor den lieben Gleiwitzern des Jungen nicht zu schämen brauchte. Im Gegenteil, Freunde und Verwandte des Hauses kamen war wieder ganz friedlich; er ließ sich, als zur Begrüßung, und stolz zeigte man ihnen die hätte rein gar nichts seine Laune gestört, zumguten Kritiken über den talentvollen jungen Zirkus zurückführen. Künstler. Schlechte gab es nicht— ich hatte sie Künstler. Schlechte gab es nicht— ich hatte sie wohlweislich zerrissen. Die ersten Wochen meiner Ferien brachten Hausbesitzer, der von Mustafas Höllenspehr. Die ersten Wochen meiner Ferien brachten kel herbeigelockt wurde, rief er zu:„Gehen S#i#mancherlei Zerstreuung— Einladungen— nicht hinein! Ich bin ein ruinierter Mann! Ausflüge— Wiedersehen mit guten SchulfreunMeine Vorräte, meine großen Vorräte, allesden. Die meisten von ihnen standen vor dem Abitur und beneideten den früheren Kommihin! Mein blühendes Geschäft ruiniert!"[Aonur und beneweten ven fegheren Komnezeder, der es horen oder nicht hören wollte, litonen, der schon ein selbständiger Mann mit bekam mit stets neuen Varianten diese Wortes50 Talern Monatsgehalt geworden war. Sie Klage zu hören. Den Einwand, daß ihm aber mußten mit magerem Taschengeld gerade jetzt angestrengt arbeiten, sprachen viel vom antwortete er mit der Lamentation:„Aber mei=„Mündlichen“ und„Schriftlichen“ und hatten nen gestörten Betrieb, mein ruiniertes Geschäftschließlich überhaupt keine Zeit mehr zum ersetzt er nichtz....,. 4 hinderte ihn Bummeln. Ich sing an mich zu langweilen— nahm alle hundertsigen Grossisten eiligst Zigarren und Ziessten Male vor, feilte und putzte, fand neue shuretten zu besbigen und diese im Hausstar zusstuaneen und proviette sie aus, Jago— Bur#aufon sleigh— Marinelli— Philipp 2. hatte ich schon gespielt. Meine Leib= und Magenrolle aber war der Franz Moor, und gerade den hatte mir im letzten Engagement ein Gast vor der Nase weggespielt. In meinem kleinen Giebelzimmer balgte ich mich jetzt täglich mit diesem schaftsbösewicht herum— drehte und wendete ihn nach allen Seiten— meistens vor dem grozen Spiegel, bis er endlich saß. Ich war zu(leden. S## P S-—89- 5 5SS SSTES 8 S„HPLOgES PS FFELSATELSOE S EHES RGSSOSSSSSSSGSSEEG-ESUSSSS OE SESUOSS ExS.SSSEGG Das Stabium hatte seine natürkichen Folgenswieder heraus,„man gibt keine Rich— komausgelöst. Was im stillen Kämmerlein geschaffen war, drängte zum Rampenlicht— wollte an die Oeffentlichkeit— wollte ein kunstsinniges Publikum von Gleiwitz erobern— vor meinen Triumphwagen spannen. Es war inzwischen Juni geworden, und am Pfinstsonntag hatte das Sommertheater in Burda's Schutzengarten seine Pforten aufgetan. Die Direktion führte der Komiker vom Breslauer Stadttheater Oskar Will, der von früheren Engagements als begabter Anfänger in Gleiwitz noch im besten Andenken stand. Er brachte ein gutes Ensemble mit, darunter als Star den ersten Charakterdarsteller Hermann Raberg, der während meiner Breslauer Kaufmannszeit mein Schwarm gewesen war. Für zweite Liebhaberinnen und kleine Rollen wies das Personalverzeichnis Agnes Pollatschek auf — später als Agnes Sorma nicht ganz unbekannt geblieben. „Weißt du, wo meine Heimat ist?“ konnte ich mit Egmonts Klärchen fragen. In Burda's Schützengarten! Abend für Abend war ich im Theater. Nicht etwa als Freiberger— mich als Kollege vorzustellen und freien Eintritt zu verlangen, dazu war ich viel zu schüchtern. Nein, ich bezahlte meine dreißig Pfennige für den Garten=Stehplatz. Mit jedem Theaterabend wuchs meine Spiellust.„Wenn ich doch da oben stehen und meinen„Franz“ loslassen könnte!“ Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los, beherrschte mich ganz und gar, verfolgte mich in meine Träume, bis ich schließlich vor Sehnsucht nach Bühne und„Franz krank wurde. Ich ließ meinen Kopf hängen, schlich mehr als ich ging, und aß fast nichts mehr. Das gab's nun bei meiner Mutter nicht! Nicht essen— das war das Schlimmste, was ein Kind ihr antun konnte. Der Arzt sollte gerufen werden— ich winkte ab:„Mir kann nur ein Arzt helfen, und der heißt Oskar Will! Der muß mich als „Franz“ gastieren lassen.“„Um Gottes Willen — du willst hier Theater spielen?"„Ich muß spielen— den Franz Moor spielen, oder ich gehe kaputt!“„Und wenn du durchfällst, wenn sie dich auspfeisen?"„Ich falle nicht durch ich werde euch Ehre machen— die ganze Stadt wird von mir sprechen.“ Die Geschwister traten für mich ein, mein blasses Gesicht, meine fiebrigen Augen taten auch ihre Wirkung— die mütterliche Erlaubnis wurde gewonnen.„Also gut, geh zum Direktor und stelle dich vor.“ Das wollte ich wieder nicht, meine Schüchternheit wenn er nun„Nein“ sagt, ich kann mich doch nicht selbst anpreisen. Ich sah meinen älteren Bruder bittend an. Er hat geholfen. Auf Umwegen erfuhr der Direktor von dem jungen Gleiwitzer Schauspieler, der gerne bei ihm spielen und ihm ein volles Haus sichern würde. Das zog! Ich wurde brieflich gebeten, abends an die Theaterkasse zu kommen. Der Familienrat bestimmte, daß ich kein Honorar verlangen dürfe— der Sohn von S. Steins Witwe sollte in seiner Vaterstadt nicht für Geld Theater spielen. Die Verhandlungen waren schnell erledigt— kein Honorar, ein volles Haus, der„Franz Moor“ war bewilligt. Bedingung, ich mußte mir selbst die Kostüme stellen. Was hätte ich für den„Franz“ nicht getan? Ich glaube, ich hätte die Kostüme auf Verlangen selbst geschneidert. Zwei Proben wurden mir zugestanden— Hermann Raberg, selbst ein glänzender Franz, spielte den Schweizer und war als Regisseur rührend zu dem jungen Fachfaller. Agnes Pollatschek=Sorma mimte die stumme Kellnerin, die in der Schenke des ersten Aktes die Räuber Höhe, und er war freundlich bei Gruß und zu bedienen hat.„. lbetener Auskunft. Abends saß r. vi##e Der Abend kam yeran. Ein gluyend heißer Julitag— die Klosterstraße, in der der Schützengarten lag, wies einen Verkehr auf, wie kaum ein Viehmarkt. Alles wollte den kleinen Stein spielen sehen, der noch vor wenigen Jahren hier die Schulbank gedrückt hatte. Meine Mutter war nicht zu bewegen, mit den Geschwistern ins Theater zu gehen— sie zitterte vor dem Durchfall ihres Jüngsten— und als ich nach dem rührendsten Abschied noch einmal zurückkam, weil ich meine Abschminke vergessen hatte, da rief sie verzweifelnd aus,„zuruckkommen bedeutet Unglück, du wirst ausgepfiffen.“ Die Gute hatte sich umsonst gesorgt. Es ist gut gegangen. Der Schützengarten ist noch nie so voll gewesen. Als ich durch das Vorhangloch das Publikum Kopf an Kopf gedrängt sah, da wurde ich nicht etwa ängstlich— nein auf der Bühne war ich nie schüchtern.„Alle diese Leute sind zu dir gekommen— du mußt ihnen zeigen. oaß sie ihr Geld nicht hinausgeworsen haben.“ Na, ich hab es ja schon gesagt,„gut is ganga. #ix is g'schehn“ wie wir Theaterleute sagen. Ich de mit Ehre bestanden— was in Gleiwitz bis etzt unerhört war, nach der Traumerzählung nußte der Vorhang zweimal hoch gezogen werden. Ich war nach dem ersten Mal erschöpft in die Garderobe gegangen— Raberg holte mich men Sie, ich führe Sie hinaus.“ Als das Publikum mich neben dem anerkannt großen Künstler sah, der den jungen Kollegen so neidlos patronisierte, da brach der Beifall von neuem los und steigerte sich zum Orkan. Das waren meine„Pappenheimer“, die Gymnasiasten, die stolz auf ihren Kameraden waren, den sie schon einmal, als er im Karzer gesessen hatte, mit Triumphgeheul nach Hause geleitet hatten. Direktor Will buchte die höchste Einnahme seit Bestehen des Theaters, und schloß zwei weitere Gastspiele mit mir ab— diesmal gegen Honorar—„Doktor Wespe und„Wurm“. Der Besuch des ersten Abend wurde nicht mehr erreicht. Die Sensationslust war befriedigt— man hatte gesehen, daß ein Gleiwitzer Kind Theater spielen konnte. Das Leben ging weiter. Alles wäre schön und gut gewesen, wenn ich nur nicht so entsetzlich transpiriert hätte— das war von jeher eine schlimme Zugabe— aber „Franz Moor“ bei 25 Grad im Schatten— wo ich gestanden hatte, war ein nasser Fleck. Ich hatte in weiser Voraussicht zwei Spitzenhemden mitgenommen— sie langten nicht— es mußte aus einem in der Nähe gelegenen Geschäft, hinRückblick Bis zum Mittag ging ein Regen nieder, leise rieselnd auf die braunen Felder. Aber langsam kam die Sonne wieder, und der Kuckuck rief mich in die Wälder. Und da streift' ich auf und ab im Grünen; als ich nachsah, warens viele Stunden. Bald nach kurzem Weg durch flache Dünen war das Dorf an stiller Bucht gefunden. Abendrot stand westlich über'm Meere, und noch jetzt kann ich es schimmern sehen. Ich bin wach und höre ohne Schwere. Dicht am Haus hör' ich die Wellen gehen. Glück und Schmerz sind fern im Dämmerblauen Weder Hoffnung quält mich noch Bereuen. Wandern durft' ich und die Erde schauen Ja, der Tag war schön, ich kann mich freuen. Karl Martin Schiller. ten herum, noch ein drittes, ein gewöhnliches Nachthemd geholt werden. Unter den freundlichen Kollegen hieß ich seitdem der„nasse Franz“.. 5 Dieser Spitzname hatte sich, wie alles beim Theater, schnell herum gesprochen. Als ich im Winter darauf in Halle den„Franz Moor“ spielte, packte der Garderobier meine beiden Spitzenhemden aus, sah mich bedenklich an, und fragte:„Na, wird das auch reichen?“ —..— Sommer Skizze von Paulrichard Hensel. Die wenigen Sommergäste, die in dem kleinen Gebirgsort den Lehrer Hannes Iller kannten und auf ihn achteten, hielten ihn wohl für einsam oder scheu. Man begegnete ihm oft auf den Wegen, in den Wäldern oder auf einer betener Auskunft. Abends saß er biswenen bei einem Glase wein auf der Lerrasse des kleinen Hotels, ohne daß ihn jemand je in einem längeren Gespräch mit einem Fremden gesehen hätte. Vielleicht war es sogar ein wenig Befangenheit vor dem Ernst seiner Augen, daß er fremd unter Fremden blieb, als könnte der gegen Abend auskeimende Wunsch auf Entspannung in ungewollt geweckten Gedanken seine Grenzen finden. Es kam auch vor, daß jemand zu ihm sagte: Gewiß ist es hier schön, aber wie ertragen Sie für immer dieses zurückgezogene Leben? Dann hätte er antworten können: Was bin denn ich? Die täglichen Verrichtungen von morgens bis abends, macht denn das das Leben? Was die vielen Menschen um mich erleben die Alten und Jungen, Hoffenden und Entkäuschten, Fastenden und Gesättigten, ist das nicht auch Erleben für mich? Manchmal vergesse ich an dem Schicksal anderer, was ich selost bin. Aber er sagte dies nicht, aus Angst vor einem verständnislosen Lächeln, und antwortete bisweilen nur mit einer liebenswürdigen Geste:„Ich lebe in der Stille unter Wenigen. Sie im Lärm unter Vielen, die Ihnen fremd sind. Wenn es sein muß, kann man beides tragen...“ Von dem Fenster des Lehrers hatte man den Blick auf den Platz, zu dem sich im Dorf die Chaussee erwesterk, mit dem Brunnen und den schied.„Vielleich: Und es regne Iller ging wie i: durch die unverhost sagte sie beim Abich bald wieder.“ Veranden der wenigen Hotels, auf die Balkons und Fenster der umliegenden Häuser, in denen jetzt erholungsuchende Fremde wohnten. Verraten nicht Gesichter oft mehr als Worte? Erzählen nicht Fenster oft packendere Geschichten als erdachte Bücher? Diese Fremden, in der Hauptsache arbeitüberbürdete Städter, die für kurze Zeit die köstliche Ruhe des waldreichen Tales suchten, waren für den Lehrer das Bilderbuch der großen Welt. aus dem er seine Eindrücke empfing, seinen Blick weitete, sein Gefühl schärfte. Hatte ihm das Schicksal versagt, viel mehr als den Umkreis seiner Heimat kennen zu lernen, besaß er doch Phantasie genug, kleine Episoden, die er sah, in seinen Gedanken weiter zu entwickeln, und sein Innerstes mit einer Fülle verschiedenartigsten Erlebens zu bereichern. Einmal aber— es war in einer Reihe reg. nerischer Tage— trat das Leben selbst unverhofft bei ihm ein. Er hatte im Garten an seinen Rosensträuchern gestanden, als er plötzlich eine schlanke, weißgekleidete Frau eintreten sah. „Verzeihen Sie, wenn ich störe,“ sagte die Fremde,„ich habe mich nach Ihnen erkundigt. Können Sie mir über die Langeweile dieser unbeständigen Tage helfen? Ich möchte mir gern ein Buch von Ihnen leihen.. Fast erschrochen schaute der Lehrer in das frische, anmutige Gesicht. Und mit einer kindlichen Verlegenheit ließ er den Besuch ins Zimmer treten. „Ich heiße Lilli Gorn,“ ime ich ch viele Tage. Hannes raum. Anfangs war er Wendung, daß ein Mensch aus der anderen Welt zu ihm gekommen war, eine junge, schöne Frau, der gewiß viele andere den Hof machten, so beklommen, daß er tatenlos und erregt bis zur Stunde des Besuches wartete, dann aber stumm war und sich ganz im Anschauen verlor. Erst langsam wuchs in ihm aus ernsten und vertrauten Gesprächen ein Jubeln, der Stolz, teilhaftig der großen, oft beneideten Welt zu sein, die Lilli Gorn für ihn verkörperte. Und die Leute, die ihn kannten, wunderten sich über den Glanz in seinen Augen. „Es ist schön bei Ihnen,“ sagte einmal Lilli. „Sie denken gewiß, unser Leben in der Stadt ist bunt und abwechslungsreich. Aber Sie wissen nicht, wieviel Sehnsucht wir nach Ausruhen und wunschlosem Zufriedensein haben. Aber das ist uns nur für wenige Wochen geschenkt. Dann müssen wir wieder zurück und alles ist vorbei...“ Und wie sie die erschrochenen Augen des Lehrers sah, strich sie ihm leicht mit der Hand über den Scheitel. Sei tdiesem Abend wußten sie, daß sie sich liebten. Niemand hatte den anderen gefragt, niemand guch eine Erklärung gesucht. Es war eine Liebe der zärtlichen Worte, der ernsten und lieben Gedanken füreinander— es war bisweilen ein stummes Beisammensein in dem rosenduftenden Garten, während die übrigen Menschen sich wieder in Wald und See der Sonne freuten. Hannes Iller hatte längst vergessen, daß da draußen noch Menschen sind, und daß die Zeit weiter geht. Er fühlte nur, daß er in Sehnsucht und Glück jung geworden war. Und einmal legte ihm Lilli beide Hände um den Hals:„Du weißt, daß ich dich lieb habe. Draußen in Arenzell habe ich mit einer Zisaweisen schersfrau gesprochen. wir wollen ganz für uns sein, von den Menschen fort, die mich hier kennen. Willst du dorthin zu mir kommen?“ In dieser Nacht fand der Lehrer keinen Schlaf. Der anbrechende Morgen fand ihn immer noch in Gedanken, zögernd vor dem Tor, das sich ihm verheißungsvoll in eine neue Welt öffnete, aber auch bang vor der Stunde, in der der Glanz der Erfüllung in Alltag und Scheiden verblaßt. Als er den Strauß, den er tags zuvor gepfluckt hatte, auf dem Fenstersims sah, dachte er: Stellt man die Blumen auf den Tisch, weil man an ihr Verwelken denkt? Das Glück ist, und es ist die wunderbare Erfüllung aller Träume. Und dies Glück wird erlebt und alle Gedanken darüber hinaus sind Raub daran. Nur das muß man können: Stillstehen mit diesem Glück— alles um uns ist Hasten, Streiten, Veränderung, Steigen und Fallen— dies eine muß erlebt werden als eine Atempause der Welt. Da wußte Hannes, daß er nie mehr die Kraft haben würde, von dieser Höhe herabzusteigen, für neue Wege Atem zu schöpfen und dies zu vergessen. Was kann es mehr geben als die Erkenntnis: Alles Warten findet ein Ziel— alle Sehnsucht findet ein Glück? Mehr braucht man nicht. Alles spätere ist sinnlos und unwürdig.