Dlenatean I. dun 1rn Keikkarundvernie“ Nummer 21 Beilage zum Allender Kreisblatt zugleich Neuenzader Zeitung Laubenglück Von Hans Brennerk. Die großstädtische Siedlung von heute, es muß ja nicht immer eine riesige Weltstadt sein, hat vieles, das ist ja klar, was so eine Stadt im Mittelalter nicht hatte, und dann hat sie noch etwas, was eine Stadt im Mittelalter nun ganz bestimmt nicht hatte: eine Peripherie. Der Mensch von 1530 machte wie Doktor Faust seinen Osterspaziergang bescheiden vor das Tor und verließ nicht etwa die Peripherie — was ist denn das: Peripherie? Da sind ja nun einmal zuerst die letzten Mietskasernen, Gasbehälter wölben ihre eisernen Bäuche gen Himmel, Eisenbahndämme liegen quer durch die Gegend, Fabrikschlote rauchen, rauchen und stinken, fern, aber schon ganz fern am Himmelssaum ist ein Ahnen von Wäldern, Feldern, Wiesen— hier aber ist Peripherie: irgendwo liegt immer ein Haufen Großstadtmüll, und dann wächst hier und da ein Ranft Gras, an dem knabbert eine Ziege, und da, an einen Fabrikzaun geklemmt, mit ein paar Sonnenblumen davor, steht schon die erste Laube. Das ist die Peripherie! Unmittelbar dahinter beginnt, was die Menschheit von 1530 auch noch nicht kannte: das Terrain, das baureife Gelände, das Glacis der prachtvoll geschnittenen Parzellen, das für die Besitzer so überaus wertvolle Bauterrain, und hier beginnt die Flucht des Großstädters aus der mit Recht so unbeliebten Steinwüste. Hierher auf dieses Bauterrain, das noch nicht bebaut wird, kommt eines Tages der Asphaltmensch mit Latten, Pflöcken, Pfosten, Brettern, hämmert und nagelt und klopft, das dauert keine 48 Stunden, und fertig ist die Laube. Zuerst waren es sozusagen Einzelpioniere, die da von der Peripherie vorstießen in die Prärie— sie hatten da eine kleine Parzelle gekauft oder gepachtet, und nun setzten sie sich eine Laube darauf, dann kamen Fenster hinein, ein Oefchen, ein Stühlchen, ein Spindchen, ein Bettchen— also da konnte man ja einen ganzen Sommer lang im Grünen wohnen. Erdbeeren, Kirschen, Kürbisse ziehen, einen Taubenschlag aufrichten, eine silberne Glaskugel aufstellen, und ein tönernes Reh, eine Veranda anbauen und eine Hühnerfarm, und schließlich auf das Dach einen Antenneumgst setzen— die ganze Prärie wurde ein Meer von Lauben, es entstanden ganze Kolonien: die Laubenkolonien, und die hießen dann:„Klein Samoa“,„Eden“. „Sonnenblume" und„Sommerlust“ und kriegten, wie sich das gehört, einen Vorstand und ein Büro— eine Stadt vor der Stadt. Die Obstbaume sind hochgewachsen, es ist, als wolle so eine Kolonie für immer da stehen bleiben. Sie sehen bier and da schon die zweite Kindergeneration aufwachsen. Denn diese Laubenländer sind zuerst einmal Kinderland — einen Sommer lang, leider nur einen kurzen Sommer lang. In der Stadt, in den Mietskasernen, kennt keiner den andern, hier im Sommer in der Laubengemeinde verwachsen die Menschen eng miteinander, wetteifern und feiern ihre Sommerfeste, die wiederum zunächst einmal Kinderfeste sind. Da werden am Morgen zunächst einmal auf den Lauben die frischgewaschenen Flaggen gesetzt, über dem Laubenland weht ein Flaggenwald, irgendwo in der Vorstandslaube tagt seit der frühen Morgenstunde bereits der Festausschuß und bespricht noch einmal die Festlage, die Kinder mit Seidenpapierschärpen, Blumenkränzen und Papiermützen laufen aufgeregt herum, und die Mütter in den Lauben überholen noch einmal ihre Bubischeitel, die Väter ziehen durch ihren Laubengarten unzählige Meter von Papiergirlanden, das schönste im Leben ist immer die Vorbereitung— es dauert bis 2 Uhr nachmittags, dann plötzlich krachen Böllerschüsse, intonieren Musikkapellen. wie so ein Festzug sich so schnell in ein paar Minuten formieren kann, weiß kein. Mensch, aber er formiert sich, und nun, mit Pauken und Trompeten, zieht es durch alle Gassen der Laubenstadt:„Radieschenweg“.„Fliedersteig",„Tomatengang“ und„Erdbeerallee“ zum„Veilchenplatz“, ein Herr mit Schärpe und Zylinder kann seine Festansprache nicht mehr länger zurückhalten, er läßt die Kolonie donnernd hochleben, Kaffeetafeln vor allen Lauben, ernste Siedler entpuppen sich als Taschenspieler, als Instrumentalhumoristen, Stelzenläufer und Jazzbandparodisten, ein Kasperletheater. eine Würfeloder Schießbude, eine Preiskletterstange, eine Tanzdiele haben sich aufgetan— bis am Abend die Raketen in den dunklen Laubenhimmel steigen und die Kinder mit den Eltern zur Stadt ziehen, mit Stocklaternen in der Hand und dem Gesang: „Laterne! Laterne! Sonne, Mond und Sterne!" durch die Sommernacht in die steinerne Wüste mit ihren benzinvergasten Straßenschluchten, ihren stickigen Höfen, heißglühenden Mansarden und ihrem Hupenlärm. Die Laubenkolonie und ihre Apotheose an ihren Sommerfesten, sie sind eine seltsame Blüte am Baume der neuen Zeit. Die Sehnsucht nach der Sonne und dem Grünen, nach bunten Blumen, ja auch nach der Bestellung eines eigenen Fleckchens Erde hat sich selbst von dem kalten Schaffen der Mietskasernen nicht ersticken und von dem Lärm der Fabrikpfeifen nicht niederbrüllen lassen. Hunderttausende, mit den Wellen des steinernen Meeres ringend, retten sich ain die grünen Gestade dieses steinernen Meeres auf das Grünland, sie der mageren Prärie um die Großstadt herum abgerungen haben. Und das alles ist nur ein geborgtes Glück. Von der Stadt her, von der Peripherie her wälzt sich langsam, aber unaufhaltsam die Walze det Bebauung.„Klein=Samoa“,„Eden“, und„Sonnenland“ versinken unter Häuserkolossen und den Stromen von Asphalt, die erstarren und zu Autostraßen werden, die Peripherie geht über das Laubenland, und nichts verrät mehr, daß hier einmal luftige Lauben standen und bunte Flaggen im Sommerwind flatterten, und daß in warmen Juninächten hier vielleicht einmal die Nachtigall schlug. Und jene Kinder, die einst in diesen Laubengängen gespielt, sind groß und haben sich längst wieder neue Lauben gebaut, Lauben für sich und ihre Kinder, für die Kinder einer hoffentlich schöneren Zeit... selber der Kreuzer„Köln“ und in der Werst der Kreuzer „Leipzig“, die Flaks klar zur Flugzeugabwehr. Werft= und städtische, Feuerwehr, Sanitätskolonnen, Polizei und Technische Nothilfe sind bereit, auf Anforderung ihre Hilfsmittel einzusetzen. Das Einzige, was bei dieser Uebung die Phantasie ersetzen muß, sind— da man uns jegliche militärischen Flugzeuge verboten hat— die angreifenden Flieger selbst. Bei der Artilleriewerkstatt erscheint ein Trupp Arbeiter. Sie haben sich verspätet, schon stehen die Bomber über der Werft, eine Senfgasbombe schlägt zwischen die Gruppe, schmettert sie zu Boden. Einer schleppt sich davon, dem verschlossenen Ausgang eines Untertreteraumes zu. Er rüttelt am Tor. Keiner öffnet. „Hilfe!“. Nichts rührt sich. Verzweifelt sinkt der Mann zusammen. Und doch: drinnen hat man den Ruf gehört, ein Telephonspruch jagt durch den Draht. Wenige Minuten später rollt ein Krankenauto heran, Männer in Gasmasken und Gummischutzanzügen eilen zu den Verunglückten, bestreuen sie mit Chlorkalk, fahren sie zum Lazarett. Laut dröhnt das Pflaster, ein Lastwagen erscheint, wieder springen Männer mit Gasmasken und Gummischutzanzügen heraus, streuen schaufelweise Chlorkalk, schlagen Feuerlösch=Schläuche an und dämpfen die giftige Wirkung des Gases. Durch Bomben hervorgerufene Brände werden durch die motorisierte Werftfeuerwehr aus vier fünf sechs Schläuchen erfolgreich bekampft, wopei die Riesenversammlung der geladenen Gäste ebenfalls ihr gut Teil Wasser abbekommnen. Eine Rundfahrt um das Hafengebiet über den Außendeich an den Schleusen vorbei zeigt deutlich den Riesenumfang der Anlagen, die hier im Nordseekriegshafen vor Angriffen aus der Luft zu schützen sind. Grau und schlank hält draußen im Fahrwasser die„Emden“, die Bedienungsmannschaften an den Flakgeschützen, Ausguckposten und Entfernungsmesser auf Station, Wacht, dahinter der dunkle Schatten des Torvedoboots. Brodelnder Dampf, heißfeuchte Luft, nasse Steinfliesen, lustig plaudernde Mädchen: Die Marinewaschanstalt. Eine Vorwarnung kommt durch. Laut dröhnt der Gong. Der Tampf wird abgestellt, die wenigen Männer sammeln sich zu Trupps, alles greift nach den Gasmasken, hängt sie über die Schulter. Der zweite Gongschlag treibt die ganze Gesellschaft hinunter in die Keller, deren Fenster mit Sandsäcken gegen Splittergefahr geschützt sind. Wieder legt die Leitung Brandbomben ein, die entstehenden Feuer werden durch die Sondertrupps bekämpft. Ein altes Fort mitten in der Marsch, weit draußen vor der Stadt. In hohen Baumgruppen raschelt der Westwind, seiner stäubender Regen fällt auf grüne Wälle, altmodische rote Ziegelmauern und einen breiten, mit Schilf und Wasserrosen bedeckten Festungsgraben. Gruppen von Matrosen und Heizern in Feldgrau, den Stahlhelm auf dem Kopf, Gasmasken umgehängt, stehen reglos auf den Wällen. Mit breiten Kastanienzweigen gut getarnte Maschinengewehre lauern im Grünen, Flakgeschütze warten auf Beute. Im offenen Batteriestand sucht der Entfernungsmesser planmäßig den grauen, wolkenverhangenen Himmel nach Flugzeugen ab, der junge Kommandeur hebt zuweilen sein großes Doppelglas. Droben auf dem Holzgerüst des Beobachtungsstandes wachen weitere Ausguckposten, Entfernungsmesser und Melder. In den düsteren Kasematten des alten Forts befindet sich die Zentrale des gesamten Flugmelde= und Warnungsdienstes der Nordsee. Da ist zunächst der Raum des„Fluko“, des Flugkommandeurs. In unzähligen Telephonzellen, besetzt von Zivilisten jeglichen Alters und Marineleuten, treffen die Meldungen der Flugwachen ein und werden an den FlukoRaum weitergegeben. Hinter einem riesigen Kartentisch stehl der Leiter, ein Korvettenkapitän, umgeben von seinem Stab, Offizieren und Meldern. Im gegenüber, schräg an die Wand gelehnt, eine Riesenkartentafel des Nordseegebietes mit verschiedenfarbenen, kleinen Lampen., Adjutanten, eine Lampe leuchtet grün auf. Schon kommt die nächste Meldung, eine weiter östlich liegende Flugwache hat das Geschwader ebenfalls bemerkt und gemeldet, sein Anmarsch auf Wilhelmshaven steht unter dauernder Beobachtung. Zwiefach ist die Aufgabe des Flukos: Einmal eine Weitergabe der Meldung über feindliche Flieger an die wenigen vorhandenen militärischen Abwehrstellen, Scheinwerfer, Batterien und Schiffe zur Bereitstellung der Abwehr; zum Zweiten Weitergabe der Meldung an die Zivilstellen zur Warnung, zur Sicherung der Bevölkerung und zur Bereitstellung der Hilfsmittel und Spezialtrupps zur Beseitigung angerichteter Schäden. Inzwischen hat die Leitung, um die Uebung möglichst kriegsmäßig zu gestalten, das Passieren eines Bombengeschwaders über dem Fort angenommen. „Fliegeralarm!“ Alarmklingeln schrillen, Entfernungen werden ausgerufen, Befehle, Kommandos. Plötzlich rattern die Maschinengewehre los, jagen einen Gurt nach dem andern aus heißen Läufen in den grauen Regenhimmel. Donnernd fällt ein Geschütz der Flakbatterie ein, weißgelber Pulverqualm fängt sich in den Wipfeln der blühenden Kastanien, Die großen Trichter der Horchgeräte tasten den Himmel nach neuen Staffeln ab. Das Fort greift an! Nach Dunkelwerden führen die Zivilbehörden ihre Schutzmaßnahmen vor, noch in der Dämmerung arbeiten die Rüstringer Feuerwehr und die Technische Nothilfe bei einem Brand im Banter Bürgergarten. In der Nacht, bei völlig abgeblendeter Stadt, betätigen sich wiederum städtische Feuerwehr, Technische Nothilfe, Sanitätskolonnen und Entgiftungstrupps bei einem Brand des Rüstringer Amtsgerichts.„Viel Wasser dürfen wir nicht geben, sonst verderben die Akten", meint treuherzig erklärend der Brandleiter. Wie wach das Verständnis für die Notwendigkeit derartiger, großer Uebungen beim Zivilpublikum ist, hat der Eifer und das verständnisvolle Mitarbeiten sämtlicher Behörden und der Zivilbevölkerung selbst bewiesen. Alle Flugwachen und die meisten Telephonstellen der Zentrale waren mit durchweg jungen Zivilisten besetzt, die ihre Sache ausnahmlos ausgezeichnet machten. Diese Uebung, die erste größeren Stils in Deutschland überhaupt, hat die dringende Notwendigkeit eines gutausgebildeten Flugmelde= und Warndienstes bewiesen. Außerordentlich wünschenswert wäre es, wenn die Militärbehöcden auch in anderen Teilen des Reiches ähnliche Uebungen durchführten. Die Ausschaltung des Ueberraschungsmomentes ist der beste Schutz gegen Angriffe aus der Luft. Dieser Schutz wird ausschließlich mit weitgehendster Hilfe der Zivilbevölkerung wirksam zu erreichen sein. Gerade angesichts der ungeheuren Ueberlegenheit unserer Nachbarstaaten müssen wir darauf bedacht sein, die unvermeidlichen Schäden solcher Angriffe auf ein Mindestmaß zu beschränken. Heuernte im Hochwasser „Bomben auf Wilhelmshaven“ Bilder von der großen Luftschutzübung der Nordsee. Von Korvettenkapitän a. D. Fritz Otto Busch. Totenstille auf der Werft in Wilhelmshaven! Fliegeralarm ist angeschlagen worden. Erst kam die Vorwarnung, bei der die Spezialtrupps sich aussonderten: Sanitäts, Räumungs=, Entgiftungs=, Feuerwehrtrupps. Die Arbeit lief weiter, bis die Warnung und der Alarm:„Luftgefahr“ endgültig alles in die Keller und Untertreteräume trieb. Das ganze Gebiet von der holländischen Grenze bis zur Elhe, von Amrum und Helgoland bis Oldenburg und Biemervörde steht heute im Dienst der ersten, großen Luftschutzübung, die im Interesse der gesamten Bevölkerung die Marine gemeinsam mit den Reichs= und städtischen Behörden, mit Post, Polizei und Eisenbahn kriegsmäßig durchführt Im Abstand von 8 bis 12 Kilometer sind Flugwachen als Meldestellen über das ganze Land verteilt, von Zivilisten besetzt, telephonisch unmittelbar mit der Zentrale in Wilhelmshaven verbunden. Nur in ihren eigenen Garnisonen, ihren Signalstationen, Scheinwerfer= und Batteriestellungen hat die Marine selbst den Wachdienst übernommen. Die Helgoländer Bucht wird durch die 4. Torpedoboots=Halbflottille gesichert. Auf Wilhelmshaven=Rheede liegen der Kreuzer„Emden“ und das Torpedoboot„Luchs“, im Hafen Das in letzter Minute abgemähte Heu wird von den überschwemmten Feldern abtransportiert. Das Hochwasser der Mulde, das bei Dessau bereits weite Landstrecken bedeckt, gefährdet durch weiteres Steigen immer Deutsche Hungerbriefe auns Sitirien Von Major a. D. Otto Moßdorf. Die Gegend südlich der mittelsibirischen Stadt Omsk zu beiden Seiten des Flusses Irtysch ist das Land der schwarzen Erde Sibiriens, wie es die Ukraine für das europäische Rußland ist. Dort südlich Omsk hatten sich besonders schwäbische Auswanderer angesiedelt, die bis auf unsere Tage ihre Sprache und ihre Wohn= und Wirtschaftskultur beibehalten haben. Im Weltkrieg lieferten diese schwäbischen größere Mengen des Ernteguts. Der Bevölkerung ist bereits ein Schaden von vielen Zehntausenden Mark entstanden. 2. Brief(vom 27. Februar 1932) von anderer Seite: Wir leben noch, sind aber körperlich sehr schwach. Wie essen, was Vieh und Hunde essen, d. h. totes Vieh und eingelegte Rübenblätter aus den Gruben, die im Frühjahr mit Futter für das Vieh gefüllt werden. Daraus lesen wir das Hirsegras aus, das einen getreideähnlichen Samen enthält, der dann zerrieben und sauber gemacht wird, denn er ist faul und stinkt. Aber es aibt nicht genug davon, um satt zu werden. Von der Regierung bekommen wir weder Brot noch Saat. Lesen Sie die Zeitungsausschnitte, die ich beigelegt habe. De steht es geschrieben. Ich sehe keine Hilfe. Es ist uns nichts gelassen als der Tod. Seit 20. November haben wir an Getreide bekommen: für meine ganze Familie 14 Kilogramm. Makkaroni erhielten wir einmal fünf Kilogramm und Hirse drei Kilogramm für meine Familie. Für 35 Kilogramm Tabak, die ich nach dem Plan abgeben mußte, erhielt ich 21 Kilogramm Weizen. Das ist alles. Ich bekomme noch das meiste, weil ich viele Arbeitstage habe. Geld bekommen wir keine Kopeke. Ich meine, kein Mensch kann das lange aushalten. Der Hunger ist so groß, daß ich es nicht beschreiben kann. Während ich das schreibe, kam N. aus X. zu Fuß an und so halbtot und schwach, daß er nicht weiter konnte. Er bat um eine Portion ausgelesene Hirse. Die Kinder gaben ihm ihre zu essen. Er ist schon ganz geschwollen. Es ist ein Elend! Aber keiner kann dem anderen helfen. 3. Brief (vom 14. März 1932) wieder von einemanderen: „In der Zeitung lesen Sie nur:„Wir sind ein friedliches Volk!“ Wenn sie die Wahrheit schreiben würden, müßten sie sagen:„Wir sind ein Hungerland! In unserem Dorf, wo es noch erträglich ist, kann man es in den kleinen Arteln noch aushalten. Je größer sie sind, um so schlimmer ist es. Viehfutter gibt es nicht mehr. Die Pferde sterben. Am Tag kommen neun bis zehn Bettler, aber man kann nichts geben, weil man selbst nichts hat. Die Bettler kommen sämtlich von den Arteln oder Sowchosen. Die Menschen sind schwarz vor Hunger. Zehn bis fünfzehn von den Haustieren sterben jeden Tag. Ein Artel hier— ich will seinen Namen nicht nennen— hat von 25 Pferden nur noch drei. Die anderen sind sozusagen alle vor Hunger gestorben. In Sh. ist es mit allem am Ende. Dort findet man keinen Hund und keine Katze mehr. Sogar R. den Sie als reichen Mann kennen, hat die im Frühjahr getöteten Hunde ausgegraben, um sie zu essen. Die Menschen rennen in die weite Welt und wissen nicht wohin. Kinder, die laufen können, gehen mit ihnen, die anderen bleiben zu Hause. Sie können sich vorstellen, wie das ist. In Petrograd haben sie die Peter=Pauls=Kirche ausgeräumt und in eine Fabrik umgewandelt. Sie haben Arbeiter aus Deutschland kommen lassen, um darin zu arbeiten, aber sie haben kein Brot für die eigene Bevölkerung. Die Läden sind alle leer. Nicht eine Spur von Materialwaren gibt es mehr. Im Gegenteil, die kleinsten Kleinigkeiten wie Senf, Zucker, Zichorie, die früher im Ueberfluß vorhanden waren, daß man Hunde damit füttern konnte, sind ausgegangen. Man kann sie für kein Geld kaufen... Wer früher einen Hof besaß, heißt jetzt Kulak. Für ihn gibt es keine Schonung. Diese Leute werden in die Wälder geschickt, und dort kommen sie auch nur vor Hunger um. Wenn es Getreide auf dem Markt gibt, so verkauft es nur die Regierung Das Pud kostet 90 bis 100 Rubel und ist von gröbster Sorte Auseinem 4. Brief(vom 14. März 1932) folgendes: Viele sind schon gestorben. Es sind so viele Leichen da, daß man mit dem Graben von Gräbern nicht Schritt halten kann. Nur wenige sind mit Leichenreden begraben worden. Viele sind ohne Särge wie das Vieh eingescharrt worden. E. L., seine Frau und drei Kinder sind tot. Es hat drei Wochen gedauert, bis sie begraben wurden, und alle ohne Särge. Außerdem starben(folgen die Namen) außer vielen Kindern, die ich nich nennen kann. Alle starben vor Hunger. Und viele werden noch sterben. Mit Otto K. steht es schlimm. Sein ältester Sohn I. kam gestern und bat um einen Hund oder um eine Katze, um sie zum Essen zu töten. Er sagte, sie seien alle am Sterben Wer etwas Geld behalten hat, kann Fleisch kaufen, aber nur von gefallenen Pferden, ein Pud für einen Rubel. Alle, alle müssen wir vor Hunger sterben. Die Leute sind so schwach, daß sie sich hinlegen müssen, weil sie so geschwollen sind. Viele sind fortgelaufen. In* ist nicht eine Seele zurückgeblieben. In P. sind noch vier Familien von zwanzig. In allen Dörsern sind viele fort. Während ich dieses schreibe, ist der alte J. K. gestorben, auch vor Hunger. Unser Kolchos ist schon so arm. Wir haben fast nichts behalten. Die Ernte nimmt die Regierung fort, auch vieles Vieh. Und von dem Rest haben die Kirgisen das meiste gestohlen. Fast jede Nacht wird etwas gestohlen. Unsere Leute selbst stehlen aus Hunger. Sie müssen stehlen wegen des Hungers. Ueber drei Monate sind wir ohne Brot. Ich habe nie gedacht, daß ein Mensch das so lange aushalten kann. Aber jetzt geht es mit dem Sterben schnell, denn die Kraft der Leute ist schon zu sehr geschwächt. Ich glaube, die ganze Welt hat Angst vor Rußland. Auch unser Vaterland denkt nicht an seine Brüder und Schwestern, die Hungers sterben. Es gibt wohl keine Rettung für uns. Die, die Deutsche sind, dürfen das Dorf nicht verlassen. Sie müssen sich selbst melden. Unter ihnen befindet sich G. H., der mit dem ersten Dampfer davon will. Ich werde Sie bis zur letzten Stunde au dem Laufenden erhalten. Vielleicht ist das der letzte Brief.— Diese Dokumente einer fürchterlichen Hungersnot unter den Deutschen in Mittelsibirien sind der Mandschureikommission des Völkerbundes zugeleitet worden, wobei darauf hingewiesen wurde, daß viele Gebiete auf der Erde an Ueberfluß an Getreide leiden, das der sterbenden Bevölkerung Mittelsibiriens zugeleitet werden sollte, wie schon 1921/22 das Nansenkomitee des Völkerbundes den Hungergebieten Rußlands Hilfe gebracht hat. Die Eingabe an die Kommission hat Dr. J. Kunst in Harbin gemacht, der sich bereits für die deutschen Mennoniten mit Erfolg eingesetzt hat, als sie im Winter 1929 über das Eis des Amur aus der roten Hölle nach der Nordmandschurei geflohen waren. Dr. Kunst ist es gelungen, 1000 von ihnen in Paraguay neue Siedlungsmöglichkeiten zu verschaffen. Es wäre Aufgabe der deutschen Regierung, sich bei der Sowjetregierung für die hungernden deutschen Bauern in Mittelsibirien einzusetzen, die eine deutsche Minderheit in Sowjetrußland bilden. Bauernwirtschaften bei einer Bevölkerung von rund 25000 Menschen den besten Weizen für die russische Front. Die bolschewistische Herrschaft hat in den ersten Jahren ihres Bestehens diesen festgefügten schwäbischen Gemeinden nicht viel anhaben können. Erst mit der Vergesellschaftung der ländlichen Wirtschaften setzten auch dort Bedrückung und Verfolgung ein, die in den letzten Monaten zu einer entsetzlichen Hungersnot geführt haben, worüber die nachstehenden Briefe, an deren Echtheit nicht gezweiselt werden kann, Erschütterndes zu berichten wissen. 1. Brief(vom 10. Februar 1932). Wir sind zu Kulaken erklärt worden. Mein Mann sitzt im Zuchthaus in Pavlodar. Wir sind als Kulaken zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Verbannung verurteilt worden. Wir wurden durch Gerichtsbeschluß aus unserem Hause vertrieben. Alles wurde uns fortgenommen. Mein Gott! wie sollen wir über diese sieben Jahre hinwegkommen! Wir sind verurteilt worden, weil mein Mann früher einmal Kirchendienst gehalten hat... Wir werden wahrscheinlich sterben. Schon seit zwei Monaten haben wir, meine Kinder und ich, kein Stück Brot gegessen. Wir haben kein Geld, nicht ein bißchen Mehl, und die Kartoffeln sind auch zu Ende. Jetzt bekommen wir von anderen Leuten Kartoffelschalen, und die essen wir, aber es ist eine so erbärmliche Nahrung, daß wir alle von Hunger geschwollen sind. Ein Pud Mehl kostet 80 Rubel, aber man kann es nicht kaufen, weil die gesamte Getreideernte nach dem Plan abgeliefert werden mußte. Nun leidet das ganze Dorf Hunger. Alle sind schon halb am Sterben. Sie laufen in die Sowchosen, aber ich bin nirgends angekommen, weil ich ein Kulak bin... Hier in unserem Dorf essen alle Pferde, Hunde und Katzen, die gestorben sind, und was sie sonst finden können. Helle Nächte Von Professor Dr. M. Diersche=Hamburg. Wer in den jetzigen Sommernächten seinen Blick auf den nördlichen Teil des Himmels richtet, der wird, besonders bei nicht bedecktem Himmel, erstaunt sein, wie wenig die Nacht hier ihren Namen verdient, wie hell das Firmament im Gegensatz zur gewöhnlichen Vorstellung des Nachthimmels leuchtet. Mancher macht sich darüber keine Gedanken, er hat sich das Wundern abgewöhnt; andere sagen sich wohl. das ist die Folge der Mitternachtsonne, aber nur wenige wissen, wie, warum, woher dieser Lichtschein am Nordhimmel entsteht, Twis anrt ur eithern B. Die Erklärung der Erscheinung gelingt, wenn wir bedenken, daß wir zwar, während des größten Teils des Tages und des Jahres die Sonne immer südlich von uns sehen, daß sie aber doch, je mehr wir uns dem Sommeranfang, 21. Juni, nähern, von unserem Standpunkt aus nach Norden blickend immer weiter„links vorn“ von uns steht bei ibren be Antergange, den wir selbst in den Großstädten zu beobachten öfter Gelegenheit haben, ja schließlich fast im Nordwesten antergeht und ebenso„rechts vorn“ von uns, fast im Nordosten aufgeht. Daß die Sonne nach ihrem Untergange in der Nacht, indem sie den großen Tagbogen zum Kreise vollendet, noch weiter nach Norden vorrückt, von unserem Standpunkte sich entfernend, tiefer sinkend und endlich schließlich genau nördlich von uns über den Nordpol hinweg unter dem Horizonte steht, sich dann, allmählich nach Osten gehend uns wieder nähert, ist nunmehr leicht einzusehen. Daß sie dabei um die Sommersonnenwende nicht allzu tief unter den Horizont herabtaucht und daher die höheren Himmelsschichten, die wir auf unserer verdunkelten Seite sehen, zu erleuchten imstande ist, erscheint nun ebenfalls plausibel und so die Entstehung der „hellen Nächte“, des hellen Nachthimmels im Norden verständlich; nur wenig mehr als ein Viertel des ganzen Kreislaufes liegt unter dem Horizonte, geht doch die Sonne am längsten Tag(21. Juni) fast erst 9 Uhr abends unter und schon wenig nach 3 Uhr wieder auf. Allerdings weiß jeder, daß diese Aenderung des Standes der Sonne nur scheinbar ist, daß sie in Wirklichkeit die Folge der Drehung der Erde um ihre Achse ist, also unsere Erde uns in die unbesonnte Nachtseite von Westen nach Osten bewegt, so daß am Tage aufeinanderfolgen: Sonne, unser Standpunkt und Nordpol, während in der Nacht unser Standpunkt, Nordpol, Sonne die Reihenfolge ist und wir daher in der Nacht die Sonne uns jenseits des Nordpols vorstellen müssen. Daß die Sonne im Sommer nur wenig unter den Horizont im Norden hinabtaucht und daher den nördlichen Teil des Himmels noch erleuchtet, liegt daran, daß im Sommer unsere Erdachse mit ihrem Nordende der Sonne zugeneigt ist. Die zum Polarstern zeigende Erdachse behält ihre zur Erdbahn 66½° geneigte Richtung bei ihrem jährlichen Umlauf um die Sonne immer bei, und so wird verständlich, daß sie wie ein sich im Kreise fortbewegender Kreisel, zu gewissen Zeiten, im Sommer, das Nordende der viel größeren Sonne zuneigen muß, zu anderen, im Winter, es von ihr wegwendet bezw. im Sommer die Gegenden um den Nordpol der Erde tänger beschienen werden von dem großen parallelen Strahlenbündel, das, von dem gewaltigen Koloß der Sonne zur kleinen Erde hinausgehend, diese mit wärmenden Armen umfängt. Infolge der Neigung der Erdachse mit dem Nordende gegen die Sonne im Sommer, müssen die Strahlen der Sonne über den Pol hinüberreichen, im höchsten Falle bis zum nördlichen Polarkreis, 23½° vom Pol entfernt, 66½° nördlicher Breite, und bis dahin längere Zeit andauernd ihre leuchtende und wärmende Wirkung ausüben. Bis zu diesem Breitenkreise nach Süden leuchtet daher die Sonne eine Zeitlang selbst um Mitternacht, wenn sie auch nur wenig hoch über dem Horizont steht, sondern nur eben am Rande desselben dahinstreicht. Durch die Lichtbrechung(Refraktion) reicht diese Zone sogar noch etwas weiter südlich, indem die Sonnenstrahlen noch 34 Gradminuten abgelenkt werden, so daß die Beleuchtungsgrenze 90 Kilometer, fast einen Breitengrad, weiter nach Süden vorrückt, also bis 65½°, bis zum Nordende des Finnischen Meerbusens. Auch wirkt noch die Reflexion des Lichtes an den Luft= und Staubteilchen der Atmosphäre, wodurch die Dämmerung entsteht und eine weitere Erhellung der Nacht und des Himmels nach Sonnenuntergang eintritt. Am 21. Juni erreicht die dauernd Tag und Nacht beleuchtete Zone den südlichsten Bogen, so daß sie von Norddeutschland, Hamburg, nur noch 12 Breitengrade entfernt und ihre Wirkung hier noch recht deutlich sichtbar ist in der Form der „hellen Nächte". Durch die um diese Zeit bis 65½° die Polarzone überstrahlende Sonne werden in den Nächten die darüberliegenden höheren Luftschichten erleuchtet und zeigen uns die Erscheinung der„hellen Nächte“ am stärksten. Sie haben sich bis zum Sommeranfang immer mehr verstärkt, während sie nach dieser Zeit allmählich nachlassen, je weiter wir uns von diesem Zeitpunkte entfernen. Schon bemerkbar wurden sie im Mai und sind noch sichtbar im Juli und August. Die„hellen Nächte" um die Sommersonnenwende sind also der Widerschein des jenseits von uns auf der Gegenseite des Nordpols der Erde und des Himmels stehenden Lichtgestirns; dunkle Nacht tritt in diesen Sommerzeiten in unseren Breiten fast gar nicht ein. Man hat das Empfinden, daß die Sonne nur eben unter dem nördlichen Rand des Horizontes dahingeht, um alsbald wieder aufzutauchen und uns wieder ihre ganze Lichtfülle zu spenden, wobei sie in der eigentlichen Nacht den Himmelsraum nördlich von uns immer noch so sehr beleuchtet, daß ein heller Lichtschein uns an ihr Vorhandensein, an ihre ewige Wiederkunft erinnert, uns die Nähe des zukünftigen Tages ankündigt, den ewigen Kreislauf des Himmelslichtes, das unsere Tage beherrscht und uns Wärme, Licht und Leben spendet. Marsch der amerikanischen Veteranen nach Washington Steilberge hinumer ins Feld, als eden das Tagesgestirn den? Westen in Blut tauchte. Er ist so still und mild, dieser Hochsommerabend, und der Jungklee, der nach dem letzten Regen" schoß, schmeckt so süß wie die roten Futterrüben im Herbst. Da, in dem goldgelben Weizen unter dem Kleestück — Löppelmann macht erst ein Männchen, dann einen Kegel und steift die Löffel. Aber nicht lange, dann läßt er sie wieder“ hängen, und der Körper sinkt in sich zusammen. So was kommt ja alle Jahre'mal vor, und er mümmelt wieder an seiner saftigen Aesung. Perlkrone, der Sechser mit dem kastanienbraunen Gehörn, an dem dicke Perlentropfen prunken, ist ganz aus der Art geschlagen, daß er so früh und so auffällig und unachtsam durch den Weizen tollt. Wie die Körner aus den reifen Aehren prasseln! Fiepchen, das schlanke Schmalreh, muß den alten Herrn ganz verrückt gemacht haben. Er prescht hinter der Keuschen durch die Rüben= und Kartoffelschläge, daß die Blätter fliegen. Wenn das man gut geht! meint Löppelmann, an dem nun die Liebeshatz nahe vorbei jagt. Merrau, der schwarz=weiße Kater vom ersten Gehöft, saust im hohen Bogen von der Gerstenstoppel, wo er mausen wollte, in den nächsten Hafer hinein, so ängstlich macht ihn der tolle Tanz der Rehe, der ihm beinahe über den Kopf gegangen wäre. Jetzt treibt der Bock sein Reh wieder im Weizen, und zwar im Kreise herum. Das gibt Hexenringe. Als man noch an Spuk glaubte, war das besser für den Jagdpächter. Da hatten eben die Hexen die Schuld. Heute sind es die Rehe, und das bedeutet Wildschaden. Eine Abteilung der Kriegsteilnehmer mit beschlagnahmten Transportautomobilen auf der Fahrt nach der amerikanischen Bundeshauptstadt. Viele Tausende von amerikanischen Weltkriegsteilnehmern sind nach Washington unterwegs, um dort ihre IWoher haben die Blumen ihre Namen? Von Wilhelm Hochgreve. Schon in alten Zeiten beschäftigte sich das Volk naturgemäß mit Vorliebe mit der Pflanzenwelt, und der Volksmund erfand für die Blumen Namen, die zum Teil jahrhundertelang bis auf unsere Tage erhalten blieben. Die botanische Wissenschaft erkannte, daß die Namen besondere Eigenheiten der Pflanze ausdrückten, die auch lich charakteristisch erschienen, und behielt die Mehrzahl bei. So haben einige Arzneipflanzen uralte Namen, die ihre medizinische Bedeutung verraten, die sie einmal hatten und zum Teil auch heute noch haben. Die Pestwurz galt als ein Mittel gegen die Pest, das Scharbockskraut wurde gegen das Scharbocksleiden angewandt, der Augentrost gegen Augenleiden. Das Tausendgüldenkraut, das noch heute in der Heilkunde verwandt wird, war als Heilpflanze so begehrt, daß es mit tausend Gulden bezahlt zu werden verdiente. Lungenkraut und Wundklee sagen uns deutlich, für was sie gesucht waren. Der Mensch war früher mit der Natur inniger verwachsen als heute und hatte vornehmlich mit der Pflanzenwelt, die ihm unentbehrliche Heilkräuter schenkte, die mit manchen Festen und Bräuchen uralten Zusammenhang hatte, einen innigen Kontakt. Das zeigen auch die Vornamen, die den Pflanzen und in erster Linie den Blumen ihre Namen geben halfen: Marienblümchen, Mariengras, Mariendistel, Margaretenblume. Die Nigella damascena wurde die„Braut in Haaren.“ Unter den männlichen Vornamen steht„Johannes“ voran: Johanniskraut, Johannisblume, Johannisbeere, Johan= nisbrot. Ferner nennen wir noch: Jakobs Kreuzkraut, Aronstab, Ruprechtskraut. Die Liebe zur Natur bei unsern Valern erhellt auch aus der Verbindung von Tier= und Pflanzenwelt bei der Namengebung für die Pflanzen: Löwenzahn, Löwenmaul, Bärenklau, Bärenlauch, Bärlapp, Hirschzungenfarn, Wolfsmilch. Dann haben war noch den Fuchsschwanz, die Gemswurz, den Igelkolben und den Bocksbart. Auch die Vogelwelt hat viele Namen hergeben müssen: Krähenbeere, Adlerfarn, Storchschnabel, Wachtelweizen, Habichtskraut, Lerchensporn und Kuckucksblume. Selbstverständlich wurden auch die Namen von Haustieren herangezogen, um Pflanzennamen zu bilden: Ochsenmaul und Kuhblume, Eberesche, Kälberkropf, Schafgarbe und Katzenkraut, Schweinsohr und Schweinerube, dann Sahnenfuß und Hühnerdarm, Taubenkropf und Gänseblume, Entenflott und Gänsefingerkraut. Aber auch die Kleinen und Kleinsten in der Tierwelt liehen bei der Pflanzentaufe ihre Namen: Motten und Mücken, Frösche, Bienen, Floh, Wanze und Laus, Krebse und Fliegen und auch Nattern, Schlangen und selbst Drachen fehlen nicht in der langen Reihe unserer Pflanzennamen. Viele Blumen und voran die beliebtesten erhielten auch mehrere Namen, oder sie heißen hier so, dort so. Nicht immer aber gehen Vielnamigkeit und Beliebtheit Hand in Hard. Ist doch der Name„Rose“ überall unverandert geblieden. Seyr oft auch die Form von Blüte, Blatt, Stengel oder Wurzel Blume den Namen. Wir nennen da den Fingerhut, den Huflattich, das Helmkraut und das Herzblatt, das Kreuzkraut und den Spitzwegerich, den Hornklee und die Schwertlilie. Auch der Aberglaube und die naive Furcht des Volksgemüts haben manchen Blumennamen geschaffen: Teufelsabbiß, .! ∆ ghs Horst Merz erzählt Dauerflug ein bis drei Meter über dem Meer.— Das Rätsel um die Geschwindigkeitserhöhung.— Blinde Passagiere. Von Franz Lehnhoff. „Regen rauschte über Nagasaki.“ Der seltsame Klang und Rhythmus dieser Worte Dauthendeys hallt in dem Menschen auf, der sich in den weichen Sesseln des Do X niedergelassen hat und etwas trüben Sinnes durch die runden Bullaugen des Schiffsleibes auf den stürmisch bewegten Müggelsee und in den triefenden Regen darüber schaut in der Gewißheit: Heut' wird nicht geflogen! Käpten Krischan, den jemand fragt:„Weshalb geht's denn heute nicht?“, antwortet:„Einen Augenblick!“, schlagt eine Kokosmatte zurück, hebt eine Luke auf, steigt eine Leiter hinunter in die tiefsten Tiefen des Schiffes, klappt die Luke hinter sich zu. Es sieht so aus, als wenn er unten ankurbeln wollte, um die Sache in Bewegung zu setzen. Es geschieht natürlich gar nichts. Aber die Leiter, die er hinuntergeklettert ist, führt auch nach oben. Also hinauf! Ein paar Stufen, dann schiebt sich der Kopf mit sperrangelweit aufgerissenen Augen vor einem Käfig empor, hinter dessen Vergitterung braungebrannte hemdsärmelige Männer an Hebeln und Schaltern wirken. „Schauen Sie sich nur gründlich um, zagt jemand hinter mir.„Dort können Sie tief in das Innere der Tragflächen hineinsehen. Und vor Ihnen führen die„Mannslöcher durch das Gestange dahinter. Eine schreckliche im Flugwesen. Es war in Florida. Zwölf Stunden klemmten sich die unternehmungslustigen Herrschaften dort ein. Bäuchlings und rücklings in ewigem Wechsel; denn bequem liegt sich's dort nicht auf dem Aluminiumgestänge. Bis wir die beiden denn doch entdeckten; für uns verband sich damit das Schlimmste, daß wir die Herrschaften erst kunstvoll aus ihrem Versteck herauslotsen mußten, weil sie so steif geworden waren, daß sie kein Glied mehr bewegen konnten. Solche Spazierkriechereien in die äußersten Winkel des Schiffes sind wahrlich unbeliebt. Und doch werden sie vor Beginn jedes Starts gewissenhaft ausgeführt..... D. Fat f, Lamaftig dot Die Maße des Schiffes sino in der Tat so gewaltig, vaß es jemand, der sich hier„verkrümeln“ will, gar nicht einmal schwer fallen kann. Die Besatzung dieses Flugriesen ist der Zahl nach ja schlechthin spärlich. Vierzehn bis sechzeyn Mann können ihre Augen hier nicht in jedem Augenblick überall haben, wenn hundert und mehr Menschen in dem Flugschiff umherspazieren und sich Erklärungen geben lassen.„Bis jetzt ist es übrigens noch niemand geglückt, als blinder Passagier mitzukommen. Es wäre ganz gut, wenn Sie auch das in Ihrem Bericht aufnehmen würden, damit sich keiner unnütze Hoffnungen macht.“ Nun erst sehe ich mir den Sprecher genauer an. Es ist Horst Merz, Kapitän und Hauptpilot des Do X. Der Mann, der das Schicksal des Schiffes und seiner Kameraden buchstäblich in den beiden Händen hält, die das Steuerrad umklammern.... Ge7iztum einen einas Foit Horst Merz führt mich in sein Heiliglum, einen erwas spitz zulaufenden Raum mit breiten Fenstern. Ich darf mich auf einem der Pilotensitze niederlassen und höre aufschlußreiche Erklärungen über die Apparatur. Sie ist für das Auge kaum verwickelter als die eines Autos. Zieht Merz das Steuerrad Bock und Ricke keuchen. Da taucht ein Neider auf dem hohen Grabenrande über dem Schlag auf, einer, der glaubt, daß er sich nur zu zeigen braucht, um einen Nebenbuhler aus dem Felde zu schlagen. Aber diesmal hat er sich geirrt. Wie UnSo#4 Ansicht gewitter fährt ihm Perlkrone entgegen und schlägt ihn ab. Forderungen durchzusetzen, veren Elsanung nach Ausie### Dann trollt sich der Sieger der neu erkämpften Schönen nach? der Finanzsachverständigen das ganze Land in eine in den Buchenhochwald.— fuchrtbare Katastrophe stürzen würde. Große Scharen! Ueber der Waldblöße steht Hochsommersonnenglut. Wie umlagern bereits das Kapitol, und die Behörden scheinen hunte Blätter, die der Wind mit mädchenweichen Händen zum slackernden Fluge erhebt, taumeln Dutzende von Schmetterlingen in allen Farben sonnenfroh über den Blumen des Erntemondes. Blaugelb prunkt der Wachtelweizen an den Randbüschen, aus denen letzte weißrote Rosen lachen. Glockenblumen, Fingerhut und Sonnenröschen, Disteln und Weidenrosen und am Bache, der sommermüde die Blöße durchrieselt, der Weiderich tupfen ihre Farben in das gilbende Schmielengras. Wundervoll geschmückt wie ein Hochzeitssaal ist der weite Hai. Viermal schlägt die Turmuhr im Dorfe. Vom versteckten und verblendeten Hochsitz am oberen Rande des Schlages tönt ihrem Treiben gegenüber völlig machtlos zu sein. Kugel zeigt ihm die Querlage des Schiffes, der Zeiger auf einer Skala die Längsrichtung, ein Höhenmesser die Höhe, der Kreiselkompaß die Himmelsrichtung. Man bekommt unwiderstehlichen Drang, diese Dinge in Täkigkeit zu sehen. „Weshalb fliegen Sie denn heute nicht?“ vogt Perz erklärt:„Der Müggeiste H sehe gleg, doch nicht der Atlantische Ozean. Vorr hinter uns sind vie Muggelberge. Den Bismarckturm darauf sehen Sie gar nicht. Er steckt im Nebel. Bei der gegenwärtigen Windrichtung verläuft aber gerade dort der Einfallsweg in den See. Wahrscheinlich müßte man ihn nahezu blind fliegen. Das ist in diesem Falle eine Gefahr, die sich für Sie und für niemand lohnt, weil's beim Fliegen heute ja doch nichts zu sehen gibt. Möglich ist der Flug natürlich bei jedem Wetter. Auch der Blindflug. Auf dem Heimwege wasserte ich bei Horta in vollkommener Finsternis. Ich sah nicht die Sterne und nicht die See und setzte das Schiff doch einwandfrei auf die Wellen. Das geht überhaupt immer nach dem Gefühl. Man sitzt hier Horft Mer Der Müggelsee ist sehr groß, aber ein Fiepen in die Stille dieser Sonnenstunde. Ein Altreh wird Voht geerz erklaft:„##— aut hinter„###### 5ig in den Schmielen hoch und äugt und tauscht. Dann beginnt es vertraut zu äsen, da es sein Kitz in sicherer Nähe weiß. Wieder schmeicheln sich die Fieplaute in die schwüle Luft. Das Altreh wirft auf und nascht mit seinem Kitz weiter. Im Holze warnt0 ein Häher. Die Ricke sichert— fluchtbereit. Immer näher kommt das„Aetsch, ätsch, rätsch=ratsch“. Dummer Krakehler,) denkt Perlkrone, dem das Geschimpfe des bunten Stänkers gilt. Nicht weit vom Hochsitz aber will der Schreier, den ziehenden Bock begleitend, sich umbringen vor Lärmlust. Perl“ krone meint, es gelte immer noch ihm. Er hat keine Ahnung, daß der Waldspitzel den neugierig nach dem Lärm den Kopf hinwendenden Jäger im Hochsitz eräugte. Zu anderer Zeit wäre ihm des Bunten Gebaren wohl verdächtig erschienen, in hen. Und vor Ihnen führen stange bis in den Schwanz. In der äußersten Fiusternis n versteckten sich einmal ein paar blinde Passagiere, hreckliche Plage hat man mit diesem neuesten„Beruf: lief am Boden trollt er sich suchend den Waldrand entlang. Lautlos folgt ihm die Mündung der Büchse. Die Lücken zwischen den Buchenstangen, die nur geringes Schußfeld gewähren, lassen den Bock unbeschossen durch. Der will sich Wind holen und die Blöße umschlagen.„Pijäh, pi=jäh...“ Perlkrone sichert, eräugt das Altreh. Am Waldrande lärmt wieder giftigen der bunte Schreier. Perlkrone verhofft— da zerreißt ein ja rund fünf Meter über der Wasserfläch,„axz beantmartes diesen Tagen aber sitzt ihm der Teufel im Blute, der ihn halbEine Flut von Fragen gexetzäße, auf. waetz veantwortel dumm und halbblind gemacht hat. So läßt er den Häher: sie lächelnd, einfach, klo;, 2800 Mater Höhe gebr Wäh, rätschen. Muß doch auf der Blöße oder ganz in der Nähe eine weise scheg auf mwehr ol.„„ix„,ig Zicht 9cht, Jasig liebesheiße Schöne stehen, die nach ihm rief. Den Windjang rend des Reisefluges halten woir uns aber se bicht wie Mgzach... 5#####.##uc## nach ihm riet über der Wasserfläche. Das heißt, bei klarem Wetter. Im Nebel gehen wir auf hundert bis hundertundfünfzig Meter. Sonst aber schweben wir nur ein bis drei Meter über den Wellen, je nach dem Wellengang. Das geschieht weil wir errechneten, daß wir dabei zehn bis fünfzehn Kilometer in der Stunde mehr machen und entsprechend Benzin sparen. Wie das kommt, ist noch nicht befriedigend erklärt. Vielleicht guich scharser Peitschenknall den Waldfrieden. Mit zehn, zwölf tiesen die Luft bei dem Tiefstfluge so zusammengedritcHe,i.ren Fluchten fährt der zu Tode Getroffene durch die Schmielen die Stummel an beiden Seiten des Schifes guf dem oineren und ist verendet, noch bevor die Ricke mit ihrem Kitz die nahe Luftissen aragfähigkeit bekommen. Groge Gegenstände, an Dickung erreicht hat. denen wir festhaken könnten und die wir erst im letzten Augen= Hals über Kopf strich der bunte Warner ab, als der blick sähen, gibt's ja nicht auf dem Weltmeer. Abez, Zrggricg Büchsenschuß ihm das Wort nahm. Aber noch ehe der Jäger überflogen wir Wale. Bei einem schien es mir, uus vo uu, am Bock ist, um stolz die Stangen seiner seltenen Beute zu durch seine Fontänen fliegen könnte, so dicht steuerten wir an betrachten und zu befühlen, rätscht der Häher wieder los und ihm vorbei. Aufpassen heißts natürlich in jeder Sekunde.“ mit ihm zwei andere, die der Lärm herbeirief. Keine Ruhg Theiten be' Do K wird 9cesgzaje mehr man sich wollen die drei geben. Als der Mann den Bock längst aufmit Einzeigetten beschäftigt. Belche Geiauigkeitsleistung der gebrochen hat, sind sie noch im Gange, und als er seine Beute Technik und des Baues, wenn Dorniers gewaltiger, Vogel sich an verschränkten Läufen über der Schulter durch den Hochwald ein bis drei Meter im Dauerfluge über hex.spofiserfGeg,Eging, nach dem Jagdhause trägt, da setzt ihr Schimpfen von neuem ann! Das Unscheinbarste, Kleinste wiro mier zur Deveutung. ein. Schalten sie mehr auf den Jäger, weil er den Bock schoßAus dem Rund des Steuerrades ist ein Sektor ausgeschnitten, oder mehr auf den Waldkönig mit der Perlkrone, weil er das damit der Pilot auch so noch an Sichtmöglichkeit gewinnt. Als wir mit unserem Boot ablegen, ist Krischan wieder da. Mit leicht geknickten Seemannsbeinen schaukelt er auf dem Stummel. Durch das Brüllen eines Motors, der laufen muß, damit Do X im Regensturm in der richtigen Lage gehalten werden kann, ruft er:„Auf Wiedersehen und ein anderWarnen eines der ihren nicht beachten wollte? Seine Exzellenz geht betteln. balten werden konn, Frst er.„AzP Ea Spenden für wohliätige Zwecke zu bekommen, ist in mal...“ und da wackelt er mit den Armen ein paar Frtuger= England im Augenblick wohl ebenso schwer wie bei uns: schläge. Wir werden Krischan beim Wort nehmen. gn“ heute etwgs zu verschenken? Und die meisten, die Perlkrone Von Wilhelm Hochgreve. Wer hat heute erwas zu berschenten. und die meisten, die noch etwas haben, wollen einen Gegenwert dafür sehen. Nun stand da in Portsmouth das Waisenhaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Jungen, die es betreute, waren fast alles Söhne von Seeleuten. Sollten die nun dem Elend oder der Straße preisgegeben werden?„Nein“, sagte darauf einer der bekanntesten englischen Seeoffiziere, der Der Begründer des Islams starb vor 1300 Jahren Wasserpest, Zehrwurz, Teufelshand, Irrkraut, Hexenkraut und Herermcht, Red uihmanei und zornochsien und bhitn Uer der Waldhase Flugschif, drück er es von schler doch sonst erst lange nach Sonnenuzte rgerge re, ele. ab, dann neigt es sich. Das Spiel einer silberhellen kleinen dieser Abend lockt ihn aus der Sasse innerhalb sechs Monaten.“ Der Admiral hat nicht zu viel versprochen. Seit Wochen zieht er mit einer Handkarre durch die Straßen von Portsmouth und schleppt eine große Sammelbüchse mit sich herum. Vor jedem Haus hält er, klettert die Treppen hinauf, klingelt an jeder Tür und sagt sein Sprüchlein. Und fast überall hat er Erfolg. Kaum einer, der nicht— wahrscheinlich durch die Persönlichkeit, die Ueberzeugungskraft und die hohe Stellung seiner Exzellenz besiegt— sein Scherflein gäbe. Einmal freilich erlitt der Admiral eine über den Rahmen des Gewöhnlichen hinausgehende Abfuhr. Sagte da eine Dame zu ihm:„Mein Großvater war auch Admiral; aber er hat sich nicht um schmierige Jungen gekümmert, und zu betteln ist ihm niemals eingefallen.“ Seine Exzellenz fandarauf eine treffende Antwort, die ihrer Würze wegen nicht gut wiederzugeben ist, und er sammelt trotz allem seelenruhig weiter. Abendstimmungen an der See. I. Die Sonne ging unter. Der Abend sinkt. Blaß blinkern einzelne Sterne. Ein Glöckchen läutet, als ob es ertrinkt In unauffindbarer Ferne. Ein Nebel sinkt über Land und See, Ein Sichverlieren, Verfärben, Als hätte die Welt ein Müdigkeitsweh,— Eine einzige Sehnsucht: Sterben. II. Der Tag versank.— Zwei braune Boote zieh' Einsam wie Pilger auf zu weitem Meere, Ein einziger, zerschmolzener Rubin Scheint dieses Abends stolze kühle Leere. Ein kleiner Heimat=Torfruch kam und schwand, Die Dämmerfrauen fangen an zu weben. Mit seiner Muschellinie lockt der Strand Weit, weit hinaus aus allem Sein und Leben. Feide Schent wo Mohammed, begraben liegt. Im Krei Darsteuung des Religionsstifters. K 1900 Jahren, am 8. Juni 632, starb in der der grabischen des Blick auf Medina, Im Kreis. Alte(Stadt Medina Mohammed, der die Weltreligion be ebede, b.(lam bgrimdete, Ddie Zagz der Auohängeg, ieäagbe bane wird heute auf über 200 Millionen