Dlenstag, 22. dühr 1969 KLehnaramndForllc* Nummer 12 ∆ Beilage zum Allender Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Österbräuche im Norden und Süden Europas Das Frühlings=Menschenopfer der Aegypter.— Frühjahrsanfang bei Hindus und Chinesen.— Seit Jahrtausenden sehnt sich die Menschheit nach Licht. Von Ernst Herbert Petri. Ebenso alt wie die Menschheit selbst ist ihre Sehnsucht nach Erlösung aus der Winternacht. Immer von neuem erfülll die gütige Vorsehung dieses Sehnen, und immer von neuem findet die Dankbarkeit der Erlösten ihren sinnfälligen Ausdruck in jenen Frühlingsfesten, die alle vom gleichen Gedanken ausgehen, auch wenn sie unter tausend verschiedenen Namen und auf tausenderlei Art gefeiert werden. Wenn die Nilwasser im Frühjahr schwollen und der Strom über seine Ufer trat, den Segen zu Tal tragend, ohne den Aegypten zur Wüste geworden wäre, dann war für das ganze Land ein einziges Fest. Dem Flußgott mußte ein Dankopfer dargebracht werden, das ihn gleichzeitig besänftigen sollte. Nichts eignete sich nach Ansicht der alten Aegypter besser hierzu als das Schönste, was das Land hervorbringen konnte: Ein oc doed Odter ang Blg in den Tad, ibergeige durch sen Ende seinem Volke für ein neues Jahr die Erlösung und den Frieden gebracht zu haben. Für den Hindu beginnt das Jahr mit dem Frühling. Er widmet diesen Jahresanfang den Seelen der Verstorbenen. Denn er glaubt, auch die Toten erwachten im Frühjahr wieder wie die Natur. Neues Leben blüht auch innerhalb der Menschheit auf, und deshalb ist das Frühlingsfest dem Gott und der Göttin der Liebe geweiht, Madana und Rati. Deshalb werden setzt die Ehen geschlossen, die den Kampf gegen den Tod führen sollen. Auch hier müssen den Göttern Dankopfer dargebracht werden. Niemals waren es wie im Nilland junge Mädchen, aber der Sinn des Opfers blieb der gleiche: Ein kostbares Geschenk der Natur, irgendwie mit dem jungen Frühling verbunden, mußte dargebracht werden, die erste Blume, die erste Frucht des Jahres. Alles steht im Zeichen des neuen Lebens, und in diesen Tagen verliert der Tod seine Schrecken. Wer während des Frühlingsfestes stirbt, braucht nicht erst die „Seelenwanderung durchzumachen, um der Erlösung teilhaftig zu werden. Auch bei den Chinesen war der Frühlingsbeginn gleichbedeutend mit dem Jahresanfang. Das Fest ist heute noch das höchste im chinesischen Kalender. Auch ihm liegt der Gedanke der Erlösung aus den Krallen des Winters und des Todes zugrunde. Deshalb steht die dreitägige Feier im Zeichen der Freude. Seinen Höhepunkt erlebt das Fest in der Prozession uund Opferung des Frühlingsrindes. In dem Augenblick, da dem Kalender zufolge das Frühjahr beginnt, bleibt die Prokession stehen, und das Rind wird mit Weidenzweigen geschlagen, an denen bunte Papierbänder hängen. Diese sinnbildliche Handlung soll, wie es den Blutlauf des geschlagenen Tieres anregt, das Einsetzen des Frühjahrs, das Wirken der jungen Säfte beschleunigen. Es ist für den Bauern das Zeichen, mit der Feldbestellung zu beginnen, nachdem er die Winterkleidung von sich geworfen hat. Nach dem Schlagen wird das Rind getötet und verbrannt, und die Asche streut man über den Feldern aus. Es ist ganz natürlich, daß in nordischen Ländern das Frühlingsfest eine noch weit größere Rolle spielen mußte als im Süden. Die Freude und die inbrünstige Dankbarkeit über das Ende der Winternacht und die Wiedergeburt des Lebens gaben dem Osterfest unserer germanischen Vorfahren das Gespräge. Auf den Bergen brannten die Osterfeuer als Sinnbild der zu neuer Kraft emporgestiegenen Sonne. Ein Eichhörnchen, ein Bockshorn oder ein Pferdekopf wurde in die Flammen geworfen, um dadurch Fruchtbarkeit für Acker und Vieh zu sichern. Um den breunenden Scheiterhaufen tanzte das junge Volk, die Jünglinge in Vermummung. Zuletzt wurde eine Strohpuppe, die den besiegten Winter darstellen sollte, oder ein riesenhafter Hammer des Thor ins Feuer geworfen, weil dadurch Hagel und Gewitterschlag gebannt werden sollten. Dieses Fest des Lichtes hat die christliche Kirche übermommen. Es wurzelte zu tief im Volke, um ausgerottet werden zu können, was schließlich auch nicht im Sinne des Christenkums war. Denn gerade ihre Achtung vor alten Sitten erfleichterte der neuen Religion das Eindringen in die noch am Glauben der Väter hängenden Länder. Was Gutes war an den Gebräuchen der Alten— viel Schlechtes konnte nicht gefunden werden—, das wurde übernommen oder im christlichen Sinne umgeformt und umgedeutet. Wenn man früher geglaubt hatte, am Ostersonntage fange die Sonne zu tanzen an und drehe sich morgens dreimal um sich selbst, so war es ganz natürlich, wenn das Christentum diese Sage änderte und zur Legende machte: Die Sonne dreht sich am Ostertage dreimal um ihre eigene Achse, weil der Heur am dritten Tage vom Tode erstand. Noch manches andere ist aus diesem Lichterkult unserer Vorväter in die neue Zeit herübergebracht worden, vor allem die Osterkerze, die am Karsamstag geweiht und neu entzündet wird und die Auferstehung des Heilands versinnbildlicht. Einer der großartigsten Augenblicke während der Osterfeiern in Rom ist das Aufflammen der„silbernen und goldenen Lichter“, die den Petersdom in leuchtende Kluten baden und den letzten Schatten des Todes und der Winternacht zu verscheuchen scheinen. Licht, erlösendes Licht, danach sehnt sich die ganze Welt in diesen Ostertagen. Der Grundgedanke ist wohl überall derselbe, nur hat er nirgends den gleichen vollkommenen Ausdruck gefunden wie im christlichen Glauben an den Erlöser, der am dritten Tage von den Toten auferstand, um uns das Licht zu bringen. Karfreitagswanderung durch die Castagniecia in.— Die weißen Eine alte deutsche Seündonnerstagprezession bei Kerzenschein. Kutten der Karfreitagsbrüderschaften.— Ei Erinnerung auf Korsika. Von Ernst Heller. Grau hängt der Märzhimmel über dem Tal von Pont# Lecria, als die korsische Kleinbahn über die Weichen des kleinen Knotenpunktes klappert. Rechts müßten jetzt die beschneiten Gipfel der Zentralkeite Korsikas auftauchen, verhüllten sie nicht ihre Häupter in der trüben Stimmung des Gründonnerstagsabends. Die Kraftpost, die uns beiden rucksackbewaffneten Deutschen über den Paß von Morosaglia hinüber in die winkeliger Täler der Castagniccia bringen soll, ist wie ein Sarg. In wohlmeinender Absicht hat der stoppelbärtige Fahrer alles verhängt, damit uns der Anblick der Regenlandschaft und vielleicht auch der schlüpfrig gewordenen und am Steilhang entlang führenden Straße erspart bleibt. Vielleicht soll auch die Ladung Stockfische nicht naß werden, die sicher genügt, um das ganze Gebiet der Castagniceia mit dem Karfreitagsfastenmahl zu versorgen. Es ist ungemütlich in diesem ratternden Kasten. Noch ungemütlicher wird es, als der Baß erreichteen Oben: Das„Bachwaschen“, ein uralter Karfreitagsbrauch in Oberschlesien. Unten: Kreuztragungs=Prozession in Westfalen. Rechts: Die Prozession des„Heiligen Feuer“ am Kar=Sonnabend in Florenz. Ostern steht vor der Tür, und wieder werden in allen Teilen Europas die vielfältigen Osterbräuche geübt, mit denen dieses größte Fest der Christenheit, das mit dem Frühlingsheginn zusammenfällt, gefeiert wird. Aber wie verschieden sind diese Bräuche: Im Süden Europas großartige Prachtenentfaltung und bunte Schauspiele, dagegen im Norden stille Volkssitten und Besinnung auf das Leiden Christi. Schlitz eines Zelluloidfensterchens a Labyrinth von Tälern spähen, dem die an aus tausend ben schmalen Meter Höhe in das Labyrinth von Tälern spähen, dem die an den Hängen klebenden und jetzt noch kahlen Kastanienwälder den Namen der Castagniccia eintrugen. Häuser hängen zu Dörfern zusammengeballt auf Felsnasen, als seien sie in ihrem Sturz vom Gipfel über uns dort für Sekunden aufgehalten worden, um jeden Augenblick weiter hinab zu fallen. Und wir selbst? Wir sehen nichts von der Straße, nur den Abgrund an unserer Seite, und glauben, uns müßte es jeden Augenblick ebenso gehen wie den Häusern dort unten. Ein Sturz, dann wird für uns der Gründonnerstag schon zum Karfreitag. Auf halbem Berge, wo der Wagen vor ein paar Häusern hält, haben wir genug von der Fahrt im ratternden Sarg. Wir wollen lieber zu Fuß ins Tal und wieder hochklettern über ein paar Bergrücken, um da drüben das Ziel des Tages zu erreichen, Piedicroce, das Bergnest, das aussieht, als treune uns nur eine Viertelstunde Weg von ihm. Doch im Buschwald überfällt uns nach einer Stunde die Nacht. Ein Glück, daß vor uns ein paar Lichter aufflackern und herumhüpfen. Wir holen sie schließlich ein, Kinder und Frauen, die zur Kirche von Piedicroce hinauf wollen, um an der nächtlichen Prozession teilzunehmen. Die Rucksäcke liegen eben in der Ecke der dunklen, kleinen Gaststube, da kommt die Spitze der Prozession den Berg herunter. Ein Mann bricht unter der Last eines verhüllten, zentnerschweren Kruzifixes beinahe zusammen. Es ist ein Wunder, wie er mit dem Gewicht und seinen genagelten Schuhen auf den steilen Gassen des Adlernestes geyen kann, auf den Schieferplatten, die aus den offenen Wunden des Bergleibes hervorsehen und das Pflaster ersetzen müssen. Doch er kennt scheinbar jede Handbreit Weg, den überdies Hunderte von Lichtern bescheinen. Denn in jedem Fenster leuchten vier Kerzen, und das halbe Hundert alter Männer, Frauen und Kinder, das litaneiend dem Priester und dem Kreuz folgt, schützt mit der hohlen Hand ängstlich das Licht in der Rechten. Schatten huschen gespenstisch über die weißen Häuserwände, und die Berge werfen das Echo der Litanei dutzendfach zurück. Eine halbe Stunde lang tastet sich die Prozession durch die steilen winkeligen Gassen. Dann kehrte sie zur Kirche zurück. Dort ist aus roten Samttüchern ein Zelt errichtet, das als Heiliges Grab dienen muß. Zwei gemalte, Phantasiekrieger bewachen den Eingang. Der Kreuzträger läßt das Kruzifix sinken und schiebt es unter das Zelt, bis nur noch die durchbohrten Füße sichtbar sind. Alles ist an der offenen Kirchentür stehen geblieben, und nun gleitet einer nach dem anderen auf den Knien durch das Gotteshaus und küßt die Füße des hölzernen Heilands. Der Karfreitag gehört nur den Männern. Der Himmel läßt ein paar Sonnenstrahlen in das Tal hinein, und in ihrem Glanz steigen weiße Gestalten von den Bergnestern ringsum schasten hrg Piediero deradb Angehörige von Brüderhaften sind es, die nur heute einen weißen Kapuzenmantel über ihre Arbeitskleidung werfen, um mit ihren Kruzifixen die verschiedenen Kirchen des Tales zu besuchen. In langer Reihe, einer hinter dem anderen, betreten sie den Kirchplatz, der steil über das Tal hinausragt. Ein Junge begrüßt die Gäste mit dem krächzenden Geklapper der Karfreitagsratsche. Die weißen Brüder durchmessen ein paar Mal den freien Platz, ihnen voran das Kruzifix mit dem verhüllten Heiland. Dann steigen sie ein halbes Dutzend Mal die Freitreppe vor der offenen Kirchtüre hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter, wobei jeder zuletzt vor dem Priester niederkniet. Schließlich windet sich der Zug auf dem Kirchplatz zur immer enger werdenden Spirale, bis er ein dichtes Knäuel bildet. Die Weißhemden haben nichts dagegen einzuwenden, daß wir sie hierbei im Bilde festhalten. Aber auf die Frage, was ihre von Litaneien begleiteten Bewegungen zu bedeuten hätten, wissen sie nur die Antwort zu geben:„Das hat uns noch keiner gesagt, aber unsere Großväter haben es schon so gehalten.“ Dann bilden sie wieder ihre lange Reihe und ziehen auf schmalem ager sein, denn sein Chorhemd ist zerschlissen. Oder vielleicht hat er für sich selbst kein Geld, weil er alles in die Kirche steckt, die von außen so traurig aussieht und doch innen ein kleines Kunstwerk reichster Barockpracht ist. So wird es wohl sein, denn ein paar anerkennende Worte von uns Fremden treiben dem alten Herrn die Röte der Freude ins hagere Gesicht. Zu Fuß ziehen wir weiter. Fünfundzwanzig Kilometer wollen wir laufen. Unser nächstes Ziel, der Paß von Arcarota, liegt fast zum Greifen nahe. Doch schon die erste Straßenschleife führt uns tief in ein Quertal hinein, und erst nach zweieinhalb Stunden sind wir dort, wo wir in 45 Minuten zu sein hofften. Unterwegs begegnen uns verschiedentlich weiße Brüderschaften. Man merkt, daß sie schon ihre Tagesarbeit geleistet haben. Sie sind jetzt gewissermaßen„außer Dienst“ und denken sich wohl nichts dabei, wenn sie das Kruzifix auseinander genommen haben und den Christ wie einen Regenschirm unter dem Arm tragen. Auf der Paßhöhe überrascht uns ein Wolkenbruch. Wir suchen Deckung und haben Muße genug, uns dabei den kugeliicheren Unterstand anzuseben den der. einstige Herr der ganzen Gegend, der Bandit Castelli, von seinen Gefolgsleuten hier bauen ließ, um darin einer Kompagnie Gendarmen mit Maschinengewehr die Stirn zu bieten. Dann geht es weiter bergab durch endlose Kastanienwälder, deren Riesenbäume noch ohne Blätter sind. Für Stunden ist in der Natur kein anderer Laut als unser Schritt. Und als die Abendsonne die Bergkämme rot umrändert, liegt in der Stille ein Kloster vor uns. In schroffem Gegensatz steht dieses Karfreitagsschweigen zu dem bunten Schauspiel, das sich hier vor fast zwei Jahrhunderten bot. Denn damals waren hier Tausende von Korsen versammelt, um ihren ersten und letzten König, den westfälischen Freiherrn Theodor von Neuhoff, auf den Schild zu heben. Doch dem Palmsonntag folgte damals bald der Karfreitag. Dessen Schweigen lastet noch immer über dem einsamen Kloster von Alesani. Ein Reiseerlebnis von Hede Linz. Christus aß am Vorabend seiner Kreuzigung noch einmal mit seinen Jüngern das Osterlamm. Die Schale, in der man die Speisen auftrug, diente später Joseph von Arimathia als Behälter für das Blut, das aus der Seite des Gekreuzigten floß. An jedem Karfreitig nun fliegt, wie die mittelalterliche Legende erzählt, eine Taube vom Himmel herab, um das Gefäß mit neuer Wunderkraft zu füllen. Diese Schale war der Sage nach ein Schnitzwerk aus köstlichem Edelstein und soll auf dem Montsalvage aufbewahrt sein. Noch heute glaubt man, daß der durch die Gralssage bekannte Montsalvage mit dem Montserrat oder Montsagrat (dem heiligen Berg) bei Barcelona identisch sei. Und das ist nicht erstaunlich. Dieser Montserrat schießt„unnahbar euren Schritten“ aus der Ebene Kataloniens mit einer Phantastik hervor, daß er von der Ferne wie eine ungeheure Burg oder wie der Thron einer Gottheit aussieht. Sein Gipfel ist duch Erosion in ein ungeheures, unbeschreibliches Schlachtfeld von gigantischen Säulenformen aufgelöst, und die Willkür dieser Natur hat selbst in der Schweiz nicht ihresgleichen. Auf seinen steinernen Terrassen wurde ein riesiges Benediktiner=Kloster einst zum Schutz gegen die Mauren erbaut. Jahrhunderte lang wallten Könige und Bettler dort hinauf, und besonders zur Osterzeit wird das„Monasterio“ von Tausenden frommer Pilger besucht. Der Berg des heiligen Gral ist das Ziel aller Spanienfahrer geblieben. So war es nicht verwunderlich, daß eine große Kolonne von Autos schon oben hielt, als wir, von Barcelona kommend, in den Klosterhof einfuhren. Unter den Oelbäumen, an den Brunnen lagerten sich unzählige Pilger, die auf schmalen steinigen Wegen den Berg erstiegen hatten. Als ivir das überfüllte Klosterhotel verlassen hatten, stiegen wir zu einer Einsiedelei„San Jeronimo“ hinunter. Aus Felsnischen blickten heilige Bilder, Stiftungen frommer, reicher spanischer Familien auf uns hernieder. samkeit in die Felse Aber ihre dunke sind bedrängend und erschütternd. Mit weit aufgerissenen, schwarzumrandeten Augen blicken sie auf uns hernieder, wortlos befehlend— ohne Milde. Eine Klage— ein Schrei! Sind sie gefühlt, oder sind sie erstarrt? Düster und unheimlich gewaltig ragen sie aus dem kahlen, schweigsamen Geröllfelsen des spukhaften Montserrat. Ungleich schöner erscheint uns der Weg zum„San Juan“. Eine Drahtseilbahn überwindet in wenigen Minuten 535 Meter und zeigt uns, oben angelangt, die ganze Welt zu unseren Füßen. Tief unten, wo der Llobregat seine braunen Fluten dem Meere zuwälzt, wellt sich das Bergland Katalonien mit seinen blühenden Gärten, seinen weißen Dörfern, Wiesen und Oelhainen. In der Ferne liegen die Balearen und noch weiter über dem sübrigen Meere leicht zu ahnen— Afrika. Auf der anderen Seite leuchtet der Schnee der Pyrenäen, die dieses wunderbare Land mehr als nur geographisch von Europa trennen. Hinter uns aber steht die phantastisch gegliederte Kulissenwelt erstarrter Säulen, groteske Schattenrisse bildend, um welche die spanische Volkspoesie Sagen und Legenden gewoben hat. Da ist das Reich des„verzauberten Riesen“. Dort droht„der einsame Totenkopf“. Nicht weit davon stehen„die Wächter des Gral“. Und die „Mönchsprozession“, ein zu Stein verwandeltes Traumgebilde, schaut segnend auf das darunter liegende Land. Taumelnd drehen wir uns langsam in der Runde, diesen Reigen vorüberschwingen zu lassen; dann trägt uns die Bahn abwärts in das Kloster zurück, dessen größten Schatz, ein schwarzes Madonnenbild, das den Anspruch der höchsten und sonderbarsten Schönheit hat, es zu besichtigen gilt. Es wurde von Hirten in einer Grotte gefunden und soll ein Werk des heiligen Lukas sein. Der mit Kriegswunden bedeckte Ignatius von Loyola hängte vor ihm seine ruhmbedeckten Waffen auf, um Gott und der Jungfrau Maria uunmehr auf geistliche Art zu dienen. Tausende von Männern und Frauen ziehen in jedem Jahre hinauf, um ihre Knie zu beugen vor der Mutter Gottesdie, den Christusknaben im Schoß, die reichen Spenden entgegennimmt, den Handkuß der Frommen empfängt und den Gläubigen Segen und Heilung verspricht. Ihr Antlitz is stolz. Sie trägt eine schimmernde Krone und herrliches Spitzenwerk. Und aus dem Apfel, den sie in der Hand hält, sprießt ein Lilienstengel als Zeichen der Fruchtbarkeit. Hies knien die Frauen, denen das Wunder des Muttertums versagt blieb. Hier bitten Reiche und Arme um Segen und Glück. Viel Volk schiebt sich durch die Klostertüren, und wir fügen uns den Reihen ein. Aus der Kirche, die nur aus einem Schiff besteht, ertönt Gesang. Leise Glöcklein klingen, und ein unsagbar süßes Kerzenspiel umfängt uns. Alles scheint nicht von Menschen, sondern von den unter Schauern erbebenden Mauern ausgehaucht. Auf den nackten Steinfliesen Fuien Männer; in langen, niedrigen, rotsamt überdeckten Bänken sitzen die Frauen, streng, stolz, mit der schwarzen Spitzenmantille über hohen Kämmen, in schwarzen Seidenkleidern, blaßgesichtig, mit starrenden ernstdunklen Augen, reglos. Das ist spanisch=kirchliches Zeremoniell, nicht mehr menschlich, Stein geworden. Die Luft, die Lichter, die Fenster sind lebendiger als sie. Dunkles Rot der Decke, Silberglanz der Schalen, bleiches Gesicht und schwarzes Kleid, wie fügt ihr euch seltsam in das tiefe Gold der Mauern, in den Rauch der Weihkessel, den Duft der Wachskerzen! Wir neigen uns still vor der Weihe des heiligen Raumes. Gralsfriede und Karfreitagszauber erfüllt auch uns und trägt uns in die Welt des Parsifal. Östereier Von Henny Alberta Hansen. Wenn ich heute in den Läden die eleganten Ostereiet sehe, die in allen Farben schimmernden Stanioleier mit der üppigsten Füllungen, die Berge von Fondanteiern, die Schoko laden= und Marzipanköstlichkeiten bis zu den vornehmen mit kandierten Veilchen garnierten Trüffeleiern, dann denke ich mit einem leisen, sehnsüchtigen Lächeln an die Ostereiet meiner Kinderzeit. Sie sind gegen die heutigen die reinen Aschenbrödel, und dennoch können kaum Kinder mit mehr Herzklopfen heute die vornehmen Ostereier suchen als win damals unsere in so viel schlichterem Gewande. Im Ohr liegt mir noch der Jubel, wenn wir Sechs an Ostermorgen in den Garten stürmten, unbekannte Schätze heben, die das mit Moos gefüllte Körbchen füllen sollten Und bald lagen sie darin, die schneeweißen und rosenroten federleichten Schaumeier, lackierte Blecheier, mit Silberperlchen gefüllt, Schokoladeneier mit Namenszug, in deren hohlem Bauch ein Zettel mit weltweisem Spruch oder gas ein Ringlein mit buntem Stein klapperte, weiße Zuckereier mit aufgeklebter Goldborte und Oblate, und farbigem Jakonettband als Aufhängsel. Hier und da gab es auch mal ein Marzipankiebitzei oder ein mit Schokolade überzogenes, und dann, dann gab's den Clou— das Osterei! Den Stolz jeden Osternestes, das angestaunte und heiß ersehnte Wunder, das große Zuckerei. Es hatte fast Straußeneigröße, am runden Ende eine Oese aus echtem Seidenband und war am spitzen Ende abgeplattet; man sah durch eine Oeffnung von Marienglas in eine märchenhafte Wunderwelt, Landschaften von atemberaubender Schönheit, Schlösser, von Parks umgeben, in denen schwanbesetzte Teiche träumten, gletschergekrönte Gebirgslandschaften, idyllische Dörfer, Wassermühlen an rauschenden Gebirgsbächen, Schiffe auf sturmbewegtem Meer, Darstellungen aus bekannten Märchen, prangende Blumengärten oder hübsche Tiergruppen, all diese Herrlichkeiten lagen im Innern des großen Eis. Und erst die Außenseite! Ueppige Zuckerbäckerphantasie hatte es mit kühnen Schokoladearabesken und=schnörkeln verziert, die sich um einen dicken Rosen= oder Vergißmeinnichtkranz wanden in dessen Mitte ein Osterhäschen oder Küken, eine Brieftaube oder ein tiefrot leuchtendes Herz, von zwei verschlungenen Händen oder Ringen sinnig umrahmt, prangte. Ach ja, man brauchte eine ganze Weile, um all die Wunder des Staatseis in sich aufzunehmen. Und wenn schon längst die übrigen Eier den Weg alles Irdischen gegangen waren, das Staatsei prangte noch immer auf dem Bücherbort oder lag wohlverwahrt in der Kommode. Und dann schlug endlich auch seine Stunde; aber es wurde nicht einfach wie ein anderes Ei aufgegessen, o nein, zuerst tippte man mit dem feuchten Finger vorsichtig an den Blumenkranz und sog mit Behagen den farbigen Fleck ab; allmählich bröckelten die Arabesken und Schnörkel herunter, dann kamen der Kranz und die erhabene Mitte oran und schließlich das Ei selbst, das vom vielen Bewun dern und Belecken schon recht dunkelweiß und klebrig ge worden. Das vielbewunderte Innere war ohne den Nimb## der Zuckerumhüllung und des Marienglases nur eine Oblate die sorglich ins Album geklebt ward, während das seiden Aufhängsel als Lesezeichen in ein Schulbuch wanderte, meistens in die deutsche Grammatik; denn so konnte man in der entsetzlich langweiligen Grammatikstunde an Hand diesen Unterpfandes hinter vergangenen Freuden herträumen und neuen entgegen hoffen. Ich weiß, moderne Hygieniker und die Anhänger der neuzeitlichen Sachlichkeit, haben wenig übrig für diese Staatseascschilit el scesce Keshesk cheie Wunderwerk aus meiner Kinderzeit. Vielleicht fände sich in irgend einem vergessenen Spitzweg=Winkel auch noch ein romantischer Zuckerbäcker. Aber die heutige Zeit ist eben gänzlich unromantisch. Das Lichtwunder in Jerusalem Von Professor Dr. Karl Roth=München. Kein christliches Gemüt kann sich in den Tagen der Karwoche dem tiefen Inhalt des Erlösungsgedankens entziehen. der in den Ereignissen zum Ausdruck kommt, die sich ein in Jerusalem vom Einzuge des umjubelten Christus bis zu dessen Verurteilung und Tod abspielten. So zieht es neben der Masse bloßer Neugieriger noch heute alljährlich auch viele Gläubige an die heiligen Stätten, um beim Anblick der Richtstätte Golgatha und des heiligen Grabes das Leiden und Sterben eines Großen, der einst der Welt das Höchste gegeben, im Innersten des Herzens nachzuleben. Für ihn wird in den wenigen stillen Stunden, die sich in diesen Tagen im Gebiet der Grabeskirche bieten, der Anblick der geweihten Stätten das Ereignis sein. Für die Masse bringe dieses erst der Karsamstag in der Feier des„heiligen Feuers“, des„Lichtwunders", der„wunderbaren Himmelsgabe“. Am Morgen des„Großen Sabbats“ werden in der Frabeskirche alle Lampen der verschieenen Bekenntnisse, der eskirche Griechisch=Orthodoxen, der Lateiner. Armenier und ausgelöscht; die Tür zur G# nisse, der Kopten, Ge und vierfach verfiegelt in Anlehnung an das Evangelium Matthäi 27, 66:„Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein.“ In das Dunkel der Grabeskirche schieben sich allmählich Massen von Menschen, um das Erscheinen des griechischen Patriarchen zu erwarten, der in der Konstantinskapelle des griechischen Klosters erst die Vormittagsliturgien abgehalten hat. In feierlicher Prozession zieht er gegen Mittag mit den Bischösen und Mönchen ein und begibt sich auf das Bema, den für die Priester bestimmten Raum hinter der Ikonostase, der in griechischen Kirchen üblichen Bilderwand. Hier treffen zu ihm auch vier armenische Geistliche, zwei syrisch=jakobitische und zwei koptische, und küssen ihm die rechte Hand. Nachdem alle weiße Gewänder angelegt haben, begibt sich der Patriarch mit seinem ganzen geistlichen Gefolge zur Grabeskapelle, die er dreimal umschreitet. Allein bleibt der Patriarch an der Grabeskapelle zurück, deren Tür jetzt geöffnet wird. Begleitet von einem armenischen Bischof betritt er das Innere und begibt sich zum Grabe selbst, an dem er niederkniet und betet. Vor der wieder geschlossenen Tür drängt sich im Kirchenraume eine unübersehbare Menge, in alten Jahrhunderten in tiefes Schweigen versunken, heute in einer des heiligen Raumes unwürdiger Weise lärmend. Aller Blicke sind nach einer kleinen Oeffnung des Grabraumes gerichtet, aus dem plötzlich ein Licht aufleuchtet, worauf der Patriarch eine Anzahl brennender Kerzen daraus herausreicht. Unter dem Juhelgeschrei der Menge bringt ein Priester sie zum Altar, um hier das Feuer weiter zu verteilen. Alles drängt sich, um die mitgebrachten Kerzen an dem heiligen Feuer zu entzünden, die Lampen flammen wieder auf, und das bisherige Dunkel weicht einem Lichtermeer. Seit den ältesten Zeiten geht dieses Fest in ziemlich gleicher Weise vor sich. Wir brauchen nur in alte Pilgerverichte zu blicken, wie in den der aquitanischen Aetheria Silvia, die der Feier Ende des 4. Jahrhunderts beiwohnte, oder in den Bericht des Hofkaplans des Königs Balduin, des Fulcherius von Chartres, oder in den des russischen Igumeas (Abtes) Daniel. Nur über die Herkunft des so wunderbar aufleuchtenden Feuers erfahren wir nichts. Für den frommen Gläubigen war die Erscheinung ein Wunder des Himmels. Nach dem Bericht des fränkischen Mönches Bernhard, der 870 Jerusalem besuchte, wird das Feuer durch Engelshaar vom Himmel herabgebracht und an ihm entzündet sich die über dem Grabe hängende Lampe. Und weiter ist das gläubige Volk auch heute noch nicht gekommen. Nach seinem Glauben bricht das im Innern der Grabkapelle die Lampe entzündende Feuer aus dem Grabe selbst empor. Da ist es am Platz sich einer alten syrischen Miniatur zu erinnern. Während in der frühesten christlichen Kunst überall nur der Auferstandene, nicht der Auferstehende dargestellt wird, scheint sich in dieser Miniatur einmal ein Künstler mit dem mystischen Akt doch auseinandergesetzt zu haben. Da steht, wie immer, der Grabbau im Mittelpunkt der Darstellung. Leicht sind die Flügel der Tür geöffnet. Aus ihr schießen drei Strahlenbündel hervor, vor denen erschreckt die Wächter zu Boden sinken. Christus ist das Licht, das aus der Dunkelheit kommt. Beteiligte sich noch in der Zeit der Kreuzzüge auch die abendländische Christenheit gläubig an dieser Feier, so setzte doch bald die Kritik ein. Die Frage über die Entstehung dieses„Heiligen Lichtes“ bewegte namentlich die islamische Welt. Und da auch Mohammedaner an der Feier teilnahmen, suchte man auf alle Weise hinter das Geheimnis zu kommen, das die christliche Priesterschaft aber streng zu wahren mußte. Und auf das diesbezügliche Drängen so manches türkischen Großen erhielt dieser nur die Antwort: „Ihr verdient doch dabei Geld; wollt ihr euch nicht selbst schaden, so laßt unberührt, was ihr nicht zu wissen braucht.“ Und wie immer im Morgenland deckte der Geldbeutel auch dieses Geheimnis. Aber angebliche Beobachtungen oder Vermutungen können wir doch der arabischen Literatur entmehmen. So erzählt der im 13. Jahrhundert lebende Al=Dschaubari, daß sich unsichtbar im Scheitel der Kuppel ein eiserner Behälter befinde, der mit der Kette, an der die Lampe über dem Grabe hängt, in Verbindung steht. In diesen Behälter lege nachts ein Mönch ein aus Schwefel und Naphta bestehendes Präparat vom Aussehen eines Kuchens. Darunter bringe man einen Zunder an, dessen Verbrennungsdauer genau auf die Stunde berechnet sei, zu der das Licht vom Himmel herabkommen soll, und der mit der Lampe über dem Grab in Verbindung steht. Zunder und Lampe sind stark mit Balsamöl getränkt, das ein besonders hellzu erzeugen vermag. Manchen erschien das Licht, als ob ein Blitz vom Himmel herabschieße. So berichtet der russische Igumen Daniel:„Es leuchtet die Flamme in ungewöhnliche: Weise wie Zinnober.“ Fur alle arabischen Schriftsteller war das„Heilige Licht“ nichts als ein pyrotechnisches Kunststück. Zweifel und Spott haben denn auch im hohen, griechisch=orthodoxen Klerus zu dem Wunsche geführt, diese Feier aus der Kirche verschwinden zu lassen. Aber es wird schwer sein, eine Feier auszuschalten, die tief mit der Gewohnheit und dem Glauben des Volkes verwachsen ist, die ihre Wurzeln schon in frühen Jahrtausenden hat. Nur wer die uralten Zusammenhänge auch dieses von der Kirche notgedrungen übernommenen Festes nicht kennt, mag darin einen unhaltbaren Unfug sehen. Und doch versinnbildlicht auch diese Feier einen einst religiösen Gedanken. Keine Religion vermag Anschauungen und Gepflogenheiten einer älteren religiösen Erscheinungswelt völlig auszuschalten. Sie leben in der Tiefe der Volksseele neben der neuen Lehre weiter. Auch hier haben wir es mit der christlichen Einkleidung eines alten Lichtfestes zu tun, das mit dem so weit verbreiteten Kult des Mithras, des Sonnengottes, in Zusammenhang steht, dessen Mysterien vielleicht auch dieser Licht= und Feuerzauber entnommen sein dürfte. Aus einem altarmenischen Ritual und einem alten georgischen Typikon können wir ersehen, daß es sich um einen ursprünglichen Lichtkult mit anschließender Weihung der Osterkerze handelt. Nur wurde für den Christen dieses Lichtfest zur sinnbildlichen Darstellung der siegreichen Ueberwindung der Hölle durch Christus. So konnte auch Epiphanius in einer Predigt auf den„Großen Sabbat“ sprechen:„Freut euch und jauchzet, ihr Völker, die ihr im Dunkel sitzt, nehmt das große Licht auf, das alle Menschen erleuchtet, das Licht, das nie erlischt. Es ist das Feuer, das vom Himmel gekommen.“ Und Aurelius Prudentius, einer der bedeutendsten abendländischen kirchlichen Dichter(4. Jahrhundert), begrüßt den Besieger der Hölle als den„neuen Lichtbringer, der vom Kreuze gekommen ist und der trüben Erde Licht brachte, gewaltiger, als die Sonne es zu bringen vermag“. interessanter des Österhasen Unscheinbare Bohnen und dennoch„Götterspeise“.— Ein merkwürdiges Zahlungsmittel.— Friedrich Wilhelm zu Schaumburg=Lippe der erste Schokoladenfabrikant. Von Karl Busse=Hellwig. Der beliebteste Rohstoff des Osterhasen ist in unserer Zeit ohne Zweifel die Schokolade geworden. Der Vater der meisten Pflanzennamen, der schwedische Naturforscher Linné, wußte keinen ausdrucksvolleren Namen für den Kakaobaum als Theobroma Cacao. Das ist allerlei, denn Theobroma bedeutet Götterspeise. Die Kakaobohne steht für uns gewiß in der ersten Reihe der Erzeugnisse tropischer Sonne und tropischen Bodens wie Bauane und Ananas. In rohem Zustand sehen die Kakaobohnen jedoch nicht gerade verlockend aus. Sie muten wie stockige Mandeln odet getrocknete große Bohnen an. Wer in einer Schokoladenfabrik einmal einen Griff in einen der ollen, sahnigen Geschman, ver an Rosenol erinnert. Und diese Köstlichkeit wächst irgendwo auf der Erde von Mexiko bis Venezuela, blüht mit zarten, rosig angehauchten Apfelblüten auch in unserem alten Kamerun und trägt gleichzeitig Früchte, gestattet also unausgesetzte Ernte. Der Veredelungsprozeß des Kakao für die Zwecke des Osterhasen verläuft in den neuzeitlichen Großbetrieben ungemein interessant. Vom höchsten Stock fallen die gründlich gesäuberten Bohnen durch die Decke und werden auf Transportbandern in die Röster geleitet. Die gerösteten Bohnen bußen ihr natürliches, rosenolsahniges Aroma zwar etwas ein, lassen dafür aber den kennzeichnenden Kakaobittergeschmack viel deutlicher hervortreten. Die gerösteten Bohnen spazieren gleich wieder durch eine Decke in ein anderes, tiefer liegendes Stockwerk und werden in Brechmaschinen zerstoßen. Das Kerngut kommt hier sofort in ein Mischwerk und wird mit Zucker in Verbindung gebracht. Für die restlose Zermahlung sorgt ein Walzwerk, und Zusätze von Milch und Sahne ergeben dann den weichen Schokoladenschmelz. Der sickert durch Deckenleitungen unmittelbar in die Blechform der Schokoladentafeln. Dabei wird ein nahezu katastrophaler Lärm entfaltet; er rührt von dem Rüttelwerk her, das die Schokolade in den Blechbehältern blasenfrei machen soll. In einem Kühlwerk wird dann die Schokolade gehärtet und im untersten Stockwerk durch sinnreiche Maschinen fertig zum Verladen und Verkauf verpackt. Menschenhände wirken allenfalls bei der Herstellung der Pralinen und dem„Legen der Ostereier“ mit. Dabei wird auch einmal genascht. In den Schokoladenfabriken beherzigt man so großzügig wie sonst nirgends das berühmte Bibelwort: Man soll dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul vervinden.“ Hier bezieht es sich auf die roten Lippen der Arbeiterinnen, hinter denen mancher süße Happen verschwindet. So beliebt ist die Schokolade aber erst in unserer Zeit geworden, obwohl sie in Europa schon längst ihr rund vierhundertjähriges Jubiläum feiern konnte Cortez, der spanische Eroberer, spürte sie bei der Hetze nach Gold im Staate Montezumas auf, den er vernichtete. Er hat sich um die Lebensgewohnheiten der hochentwickelten altmexikanischen Bevölkerung herzlich wenig bekümmert. Aber eines fiel ihm sehr rasch auf: diese Leute bereiteten sich seltsamerweise aus ihrem Gelde ein Getrank. Obendrein war es eins, das dem verwöhnten spanischen Gaumen zusagte. Im Staate Montezumas war die Kakaobohne das Kleingeld. In Bündel und Säcken verwandte man sie als landläufiges Zahlungsmittel. Montezuma selbst soll die ungeheure Masse von zweieinhato Millionen Pfund auf Lager gehabt haben. Unsere neuzeitlichen Großbetriebe hatten für die Verarbeitung dieses Staatsschatzes durchschnittlich ein Bierteijahr Vollbetried nötig. Ferdinand Cortez fand das ganze Erlebnis so sonderbar, daß er davon seinem Kaiser Karl V. ausführlich brieflich erzählte. Und in diesem Schreiben spricht ein Europäer zum erstenmal von Kakaobohnen und erwähnt das bitter schmeckende Getränk Schokolade. Die zunftigen Medizinmänner bekämpften allerdings den Genuß, wie später auch die Nachtbeleuchtung und das Eisenbahnfahren, als gesundheitsschädlich. Es dauerte hundert Jahre, bis ein englischer Kapitän so entzückt von der Schokolade war, daß er sich in Spanien eine ganze Schiffsladung davon verschaffte, in der Annahme, damit in England ein glanzendes Geschäft zu machen. Er fand in seiner Heimat aber keine Gegenliebe und mußte die ganze Ladung vernichten. Die Gemahlin Ludwigs XIII., die Tochter Anna des Königs Philipp von Spanien, brachte die Schokolade mit nach Frankreich. Die Franzosen kosteten sie mit lüsterner Zunge und„aben der strengen Frau von Sevigné Anlaß zu der brieflichen Warnung an ihre Tochter:„Schokolade tut Dir zunächst wohl. Aber dann erregt sie Dir ein beständiges Fieber, das zum Tode führt.“ Um das zu verstehen, muß man wissen, daß die Schokolade damals nach mexikanischer Sitte mit spanischem Pfeffer, Zimt und Nelken zubereitet wurde. Nach Deuts schen Leibarzt hland kam die Schokolade durch den holländides Großen Kurfürsten, Bontekoe. Der erste Schokoladenfabrikant Deutschlands war jedoch Graf Friedrich Wilhelm zu Schaumburg=Lippe, ein Zeitgenosse Friedrichs des Großen. Von ihm stammt die erste deutsche Schokoladenfabrik in Steinhude bei Hannover. Die Gründung an einer so vereinsamten Stelle des Deutschen Reiches erklärt sich aus dem Abenteuerleben des Grafen. Er war nebenamtlich englischer Generalfeldzeugmeister und portugiesischer Feldmarschall, kämpfte im Siebenjährigen Kriege auf Seiten Friedrichs des Großen, war später Oberbefehlshaber der englischen und portugiesischen Truppen in Portugal gegen die spanischfranzösische Heermacht und ließ, ebenso wie der Preußenkönig, in seinem kleinen Lande Heiden und Moore urbar machen. Er ist in Deutschland der Urheber der allgemeinen Wehrpflicht gewesen, und Scharnhorst, der sie in Preußen einführte, stammte aus der vom Grafen auf einer uünstlichen Insel im Steinhuder Meer geschaffenen Kriegsschule. Dieser Fürst also errichtete die erste deutsche Schokoladenfabrik, für die er Portugiesen als Vorarbeiter und Leiter gewann. So verschaffte er dem Osterhasen die erste fabrikmäßige Rohstoffquelle für seine bei Jung und Alt zum Feste so beliebte Tätigkeit. Ostern im Heiligen Land Prozession zum Heiligen Grabe. Oben: Der Garten von Gethsemane. Unten: Blick auf Jerusalem. Österkirchgang im Spreewald Von Schwalbe und Von Professor Dr. Karl Roth=München. Es gab eine Zeit, da der 25. Marz, der Tag Mariä Verkündigung, als der Anfang des neuen Jahres gefeiert wurde. Begann doch damit für die damals noch vorwiegend ländlich eingestellte Bevölkerung das Wirtschaftsjahr. Da setzte die Saatzeit ein. Noch heute heißt in Ostpreußen deshalb der 25. März der„Ploog=Marientag“, weil man an ihm die erste Furche zu pflügen pflegt. Im germanischen Norden nannte man ihn den„Fardagr“, den Tag, an dem man abzieht, an dem das Gefieder wechselt und der landwirtschaftliche Pacht erneuert wird. Und als Beginn des Wirtschaftseiner Schokoladenfabrik einmal einen Griff in einen der jahres galt er auch in Rußland und war ein hoher Festtag. tausend Säcke mit Kakaobohnen int, wird empfinden, daß sie Seit alten Zeiten war er auch der Termin, an dem unser sich erwas steinig und trocken anfühlen. Wer sie dann aber eigentlicher Sommervogel, die Schwalbe, wieder Einkehr bei aufknackt und kostet, der steht ihnen sofort mit besonderer uns hält.„Mariä Verkündung kommen die Schwalben Freundlichkeit gegenüber. Er spürt beim Schmecken außer der wiederum.“ Freilich ganz auf Stunde und Tag treffen die angenehmen typischen Bitterkeit des Kakao einen ungemein Schwalben nicht ein. Denn nur in Absätzen treten sie ihre Rückreise an. Schon nach den Berichten griechischer und bunten und einen farblosen, binde sie, ohm sie mit der Erde in Verbindung zu bringen, in ein Stück Kalbs= oder Hirschfell und lege es dem Kranten um den Hals oder Arm. Ein gutes Mittel gegen schlechte und kranke Augen ist nach Dioscurides, Schwalven zu essen oder die Asche eines alten Weibcheus mit Honig verrührt auf die kranken Augen zu legen. Und der bekannte Arzt Celsus empfiehlt bei geröteten Augen, Schwalbenblut aufzulegen. Gepökeltes Schwalbenfleisch verwendete man gegen Diphtherie und Mandelentzündung, oder man ließ die davon Erkrankten ganze Schwalbennester essen. Mit überzuckerten Schwalbenherzen suchte man Malaria zu heilen, mit Schwalbenblut und Galle entfernte man unliebsamen Haarwuchs. Trunkenbolde heilte man, indem man ihnen die Asche eines Schwalbenschnabels zusammen mit Myrrhe in den Wein mischte. Mit dem Gehirn suchte man den grauen Star zu heilen; das Blut verwendete man als purgierendes Mittel und gegen Podagra. Schwalben gab es ja geuug zur Herstellung dieser Mittel. In einem attischen Gau nisteten so viele, daß dieser davon den Namen Chelidonia führte. Bekannt ist die Rolle der Schwalbe im antiken Mythus. Göttinnen nehmen gern ihre Gestalt an, so die ägyptische Isis in der Osirissage und die griechische Athene, die sich als Schwalbe auf eine Dachöffnung des Hauses des Odysseus setzt. Im übrigen war sie der Liebesgöttin Aphrodite heilig, weshalb auch Buhlerinnen häufig den Namen Chelidon (Schwälbchen) trugen und Liebestränke„Chelidonia pharmaka" hießen. Im germanischen Volke galt die Schwalbe als Schutzgeist, und der Glaube, daß sie als solcher Glück bringt, ist bis auf heute lebendig geblieben. Als Sinnbild der Wehklage erscheint sie auf antiken Grabsteinen, so nach der Ueberlieferung auf dem des Sophokles. Wie bei uns die Brieftauben, so wurden hie und da im Altertum die Schwalben wegen ihrer großen Fluggeschwindigkeit im Nachrichtendienst verwendet. So wird uns berichtet, daß ein gewisser Caecina, wenn er in Rom rennen ließ, Schwalben mit sich nahm, die er, mit der Farbe des Siegers bestrichen, in ihr Nest zurückfliegen ließ. In einer Stunde hatten sie eine Strecke zurückgelegt, zu der er zwei Tage gebraucht hätte. Einem eingeschlossenen, römischen Heere wurde eine Schwalbe zugeschickt, um deren Füße so viele Knoten gebunden waren, wie noch Tage bis zum Eintreffen eines Ersatzheeres vergehen würden. Sind diese Nachrichten richtig, so scheinen da Zähmungsversuche gelungen zu sein. Den Pythagoräern freilich schien die Schwalbe ein nutzloser Vogel, eben weil sie sich nicht zähmen ließe. Mögen da die Meinungen geteilt sein, mit Freude sah man sie überall als die frohen Boten des ersehnten Frühlings, die man sogar mit Liedern begrüßte. Sie und die Nachtigall bilden das immer wiederholte Thema der Dichter aller Nationen. Die griechische Literatur ist überreich an solchen Schwalbenliedern. Jeder Lyriker hat sie besungen, die Sappho, Stesichoros und Anakreon. Letzterer vergleicht ihren jährlich sich wiederholenden Nestbau mit dem Einnisten des Eros in seinem Herzen. Aesop widmet ihr eine Fabel: Die Schwalbe erkennt die allen Vögeln von der Mister drohende Gefahr, aus deren Beeren der Mensch seine Leimruten herstelle. Sie beschwört die Vögel, die Mistel zu verti'gen. Aber diese verlachen sie. So stellt der Mensch die Leimruten her, denen die Vögel zum Opfer fallen. Da fliehe sie schutzflehend gerade zu ihm, der sie mitleidig aufnimmt und zur Hausgenossin macht. Uralt ist in Griechenland die Sitte, die Ruckkehr der Schwalben geradezu mit Festen zu begehen. Da ziehen die Kinder vor die Häuser und singen ihre Schwalbenlieder, um Geschenke zu erhalten. Bis heute hat sich diese Sitte erhalten. Da tragen die Kleinen eine aus Holz geschnitzte, durch einen einfachen Mechanismus drehbare Schwalbe mit sich und sammeln ihre Geschenke. Begrüßen wir die Rückkehr der Schwalben auch nicht so feierlich, so sind sie doch auch uns die ersehnten Leuzesvoten, an deren geschwätziger Zunge wir uns freuen. Der Sternenhimmel im April Von Dr. Dr. Carl G. Cornelius. Senkrecht über unseren Häuptern funkeln um 10 Uhr abends(Anfang des Monats um 11, Ende und 9 Uhr) die Sterne des Großen Bären. Von der als Hauptgruppe dieses Sternbildes allbekannten Figur des Großen Wagens steht der Stern, der die linke untere Ecke des Kastens darstellt, zur angegebenen Zeit genau im Zenith. Nach Osten zu führt die Verlängerung der Wagendeichsel auf die Konstellation des Bärenführers, als dessen Hauptpunkt der gelbe Arktur den Blick auf sich zieht. Links unterhalb von ihm ist das schöne kleine Bild der Nördlichen Krone als diademförmig geschwungener Bogen zu erblicken; dem Horizonte zu folgt der sternreiche und raumfüllende Herkules, der seinerseits zu Wega, dem hellsten Stern der kommenden Monate, überleitet. Zwischen ihr als Hauptstern der Leier und der Reihe schwächerer Sterne, die von den Alten als Keule d### Herkules angesehen wurden, liegt der scheinbare Ausstrahlungspunkt eines Sternschnuppenschwarms, der in der Monatsmitte den Beobachter erfreuen wird. Aus den Dünsten des Nordosthorizontes steigt der Schwan— erstmalig in diesem Jahr— empor, allerdings „fliegt“ er rückwärts, denn Deneb, sein hellster Stern, bezeichnet die Schwanzspitze des Vogels. Im Südostquadrauten des Himmels ist die weiße Spica in der Jungfrau der Zentralpunkt. Zwischen ihr und der links unterhalb davon ebenfalls neu heraufkommenden Waage liegt ein weiterer Ausstrahlungspunkt von in diesem Monat sichtbaren Sternschnuppen. Um den 20. herum werden die„Virgintden“, die sich durch langsame Bahnen auszeichnen, zu beobachten sein. Nach Süden und Westen leiten dicht über dem Gesichtskreis Rabe, Becher, Wasserschlange und Einhorn über, während oberhalb davon die weiteren Jungfrausterne sowie Löwe und Zwillinge im Zuge der Ekliptik diese Richtung andeuten. Zwischen den zwei letztgenannten Bildern sammeln sich um den Sternhaufen der Krippe die unbedeutenden Lichtpunkte des Krebses, der aber im April durch den dieses Bild durchwandernden Jupiter den Hauptanziehungspunkt der frühen Nachtstunden darstellt. Im Nordwesten ist mit Fuhrmann(Hauptstern: Capella), Stier(Aldebaran), (Algol) und Kassiopeia(Schedir) eine Fülle von vielgestaltigen Konstellationen vereint, und im Norden steigen, auf den Großen Bären folgend, Drache, Kleiner Bär und Cepheus zum Gesichtskreis hinab. Lichtminima des eben erwähnten Veränderlichen Algol sind am 2. um 20 Uhr 45 Minuten und am 22. um 22 Uhr 30 Minuten günstig Von den Planeten ist Venus der Beherrscher des S:“ jäß dieser unser Schwesterstern icht im sternen erwähnt war, geht in der dritten Morgenstunde unter, Neptun— unweit von ihm bei Regulus im eine Stunde später. Unsichtbar bleiben Merkur, Mars um Uranus, während Saturn von 3 Uhr 30 Minuten ab einsam in fahlgelbem Schein am Morgenhimmel funkelt. Die Sonne tritt am 20. aus dem Zeichen des Widders rhöht sich von 13 Stunrömischer Schriftsteller erscheinen sie in Griechenland um den in das des Stiers, die Tageslänge eryog. u##——7 22. Februar, wenn der warme, nach ihnen benannte Cheli= den am 1. April auf 143 Stunden am 31., und unch vie donias, der Schwalbenwind, weht; um den 20. März er= Mittagshöhe des Tagesgestirns nimmt in auffälliger Weise zu. scheinen sie nach Varros Bericht in Italien; dann erst treffen sie bei uns ein. Denn„eine Schwalbe macht noch Der Mond bedeckt am 9. abends den Hauptstern Denn„eine Schwalbe„macht, noch keisten Alcyone), des Siebengestirns im Stier. So günstig wie sprichwort, das genau so sihon die alten am 18. Januar dieses Jahres sind die theoretischen Sichtbarkeitsbedingungen dieser Erscheinung freilich nicht, doch waren sie damals praktisch gleich null durch das fast in ganz Deutschland herrschende trübe Wetter. Am genannten Tage wird nur der Austritt des Sternes hinter dem Rande des knapp vier Tage alten Mondes sichtbar sein, nicht auch der Eintritt hinter die Mondscheibe, und außerdem beschränkt sich die Beobachtungemöglichkeit auf die nördlichen und östlichen Teile Deutschlands. Man beginne wenige Minnten vor 19 Uhr, das Auftauchen des Sternes zu erwarten.— Die Hauptlichtgestalten unseres Trabanten fallen auf den 6. um 2 Uhr 30 Minuten(Neumond), den 14. um 4 Uhr 15 Minuten(Erstes Viertel), den 20. um 22,30 Uhr(Vollmond) und den 27. um 16 Uhr 15 Minuten(Letztes Viertel) Sommer“, ein Griechen hatten. Schon im Altertum freute man sich der glückbringenden Wiederkehr der Schwalbe und duldete ihre Nester selbst an Tempeln und Gerichtsgebäuden. Das bißchen Unrat nahm man gern in Kauf, und selbst der stolze Philosoph Gorgias, dem einmal eine Schwalbe aufs Haupt hofierte, fand für sie keinen anderen Tadel als:„O Philomene, wie häßlich!“ Man liebte ihre geschwätzige Stimme und wußte viel von ihrer Klugheit zu erzählen. Leider spielte die Schwalbe in der antiken Medizin eine große Rolle, und da ging es ohne Grausamleit nicht ab. So ist uns ein Rezept gegen Epilepsie erhalten: Man schneide den Jungen der ersten Brut den Magen sich Steine befinden. De auf, in dem sich inn Lostnoen. Wavon nehme man einen