Dienstag, 1. dthr 1980 Kehmdr and FEriic Nummer 9 * Beilage zum Altender Kreisblait zugleich Neuenrader Zeitung Staatspräsidenten haben überraschende Laufbahnen Interessante Einzelheiten vielsagender Entwicklungen. Von Olaf Sorell. In kurzem wird es sich entscheiden, ob das bisherige Reichsoberhaupt als erster Bürger der Republik im alten Reichskanzlerpalais an der Wilhelmstraße bleibt oder ob ein neuer Mann dort einzieht. Auf jeden Fall ist es keinem Kandidaten, mag es sein, wer es will, an der Wiege gesungen worden, daß er noch einmal der erste Vertreter des Deutschen Reiches sein würde. Auch fast alle anderen Staatspräsidenten von heute haben überraschende Laufbahnen gehabt. Um im Osten zu beginnen: Hätte der junge kuiserliche türkische Offizier Mustafa Kemal jemals geglaubt, daß er einst seinen Sultan vom Thron stoßen und vom dankbaren Volke als Befreier der Türkei zum ersten Staatspräsidenten der jungen Republik gewählt werden würde? Als er 1901 ins Heer eintrat, sah es eher aus, als würde er mit fünfzig oder sechzig Jahren seine militärische Laufbahn beschließen und sich mit einem recht unpünktlich bezahlten Hauptmanns= oder Majorsruhegehalt in irgend ein anatolisches Nest zurückziehen müssen. Doch der Weltkrieg brachte dem erst Sechsunddreißig. jährigen die Bejörderung zum Kommandierenden General, und mit 43 Jahren war Mustafa Kemal Pascha Oberbefehlshaber, Staatsoberhaupt und Volksheld. Auch der frühere Mittelschullehrer in Triest Wilhelm Miklas hat es sich niemals träumen lassen, daß er, der Sohn des kaisertreuen österreichischen Haupckassierers bei der k. k. Postdirektion Wien, noch einmal der erste Mann in Oesterreich werden würde. Noch vor 17 Jahren saß er als braver Gymnasiallehrer und vorbildlicher Familienvater in dem etwas abseits von der großen Welt gelegenen Waidhosen an der Thaya, und erst dann stürzte er sich in die Politik, um in den Reichsrat gewählt zu werden. Die Rolle, die er später spielen sollte, ließ sich aber erst vorahnen, als er Ende 1923 zum Ersten Präsidenten des Parlaments erwählt wurde. Etwas Aehnlichkeit mit Miklas' Laufbahn hat die seines tschechischen Kollegen Thomas Garrigue Masaryk. Dessen Zukunft sah durchaus nicht rosig aus, da er als Sohn armer Eltern in Göding in Mähren geboren wurde. Auch der Beginn der Laufbahn war alles andere als verheißungsvoll: Erst Schulgehilfe in seiner Vaterstadt, gab Masaryk den erwählten Beruf der Not gehorchend auf, um nach Wien in die Schmiedelehre zu gehen. Nach Jahren erhielt er wieder eine Anstellung als Schulgehilfe. Währenddessen bereitete er sich durch Selbstunterricht auf das Gymnasium vor, das er mit 23 Jahren absolvieren konnte. Als der außerordentliche Professor für Die Ausgrabungen in der Wikingerstadt Haithabn Vortrag, gehalten in der Akademischen Vereinigung zu Altena von Oberrentmeister Meyer. Wenn ich über die Geschichte Haithabus, einer unter=[Nordens, meistens Pelzwerk. über die Ostsee nach Gotzegangenen Stadt im ehemaligen Herzogtum Schleswig, land und weiter über die Ostsee die Schlei hinauf nach Sescheshe eichelt ehecte ecshisch e ie erstrebten tschechischen Staates. Der Krieg wandte das Blatt aber völlig, und der Volksheld Masaryk wurde— ein Unikum in der Geschichte—, während er sich noch im Auslande aufsielt, zum Präsidenten der jungen Republik gewählt. Als der finnische Gutsbesitzer Per Evind Svinhufbud zu Beginn des Krieges wegen seiner aufrechten Haltung den russischen Unterdrückern gegenüber nach Sibirien verbannt wurde, hätte wohl kein Mensch gewagt, ihm noch eine glängende politische Zukunft zu prophezeien. Die russische Revolution änderte aber alles mit einem Schlage. Svinhufvud wurde zum Präsidenten der vorläufigen Regierung und damit zum einstweiligen Staatsoberhaupt gewählt. Der Aufstand der finnischen Bolschewisten im Januar 1918 vertrieb ihn jedoch bald. Mit deutscher Hilfe setzte Svinhufvud dann die Befreiung seiner Heimat durch und wurde Staatsverweser. Der Busammenhruch, Deutschlands, an das er sich eng angelehnt hatte, riß ihn mit. Elf Jahre später wurde er aus der halben Verbannung zurückgerufen, nachdem die Lappo=Leute die Regierung gestürzt hatten. Sieben Monate später wählte ihn Finnland zum Präsidenten auf sechs Jahre. Bei Ablauf seiner Amtszeit wird Svinhufvud 78 Jahre alt sein. Für den jüngsten europäischen Staatspräsidenten; den Spanier Niceto Alcala Zamora, sah noch Anfang 1931 die Zukunft durchaus nicht rosig aus. Schon vorher hatte er als Feind Primo de Riveras Verfolgungen zu erleiden gehabt. Aber noch bis zum Herbst 1930 gehörte er den Liberalen Monarchisten an, und erst dann trat er zu den Republikanern über, um gleich eine führende Stellung zu übernehmen. Freilich war die Herrlichkeit vorläufig nicht von langer Dauer, denn im Dezemberputsch 1930 trat Zamora als„Präsident der (noch nicht existierenden) spanischen Republik“ auf, was ihm dann ein paar Monate Gefängnis eintrug. Die überraschende Abdankung des Königs verbesserte Zamoras Aussichten mit einem Schlage, und sechs Monate später wurde der Mann, den der Staatsanwalt auf fünfzehn Jahre ins Zuchthaus schicken wollte, zum Präsidenten gewählt. Als der portugiesische Unterleutnant Antonio Oscar de Fragosco Carmona sich 1889 bei seinem König zum Dienst meldete, ahnte wohl keiner der beiden, daß der junge Ofsizier einmal an Stelle eines Monarchen aus dem Hause Braganza der erste Mann in Portugal sein und im königlichen Palast zu Belem residieren würde. Auch der 37 Jahre später vom Diktator da Costa zum Außenminister berufene General Carmona schien keine Aussicht zu haben, einmal seinen neuen Herrn au“ dem Präsidentensessel zu ersetzen. Vielleicht wäre es auch niemals dazu gekommen, hätte da Costa sich nicht bald darauf des Generals entledigen wollen, aber dessen Rückhalt im Heer unterschätzt. Diese Unvorsichtigkeit kostete ihn die Stellung und machte Carmona zum Staatsoberhaupt. Im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Kollegen steht das französische Staatsoberhaupt. Bei ihm, der schon vor 44 Jahren Deputierter wurde, lag die Möglichkeit, Staatsschundekt pätere den 1906 vor. Aber erg, in Vierel. jahrhunoert spater gelangre er auf den Posten, auf den er sich lange genug hatte vorbereiten können. Ob er sich dadurch seinen Kollegen mit der überraschenden Laufbahn überlegen zeigt, ist freilich noch die Frage. Das Wort Krise wird verboten. Es ist kein schlechter Einfall, den eine englische kürzlich hatte, als sie eine eigene Sonnenscheinbeilage Zeitung herausmmenbruch, vor jeder wirtschaftlichen Erholung gibt es eine geistige Erholung.“ Alle Beiträge strahlten von FröhlichLeit. Unter ihnen befand sich das Died„Isch bin ja heut' so in Unter ihnen befand sich das Lied„Ich bin ja heut“ so slücklich“, dann ein Frühlingssong des Leitartiklers, ferner die Ar#ikel„Warum nicht optimistisch sein?“—„Die Arbeitslosigkeit geht zurück“—„Künstige Theatererfolge“—„Eine zlückliche Familie“— Zu alt mit sechzig? Was für ein Uninn!“ Es fehlte natürlich auch nicht an prächtigen Abbildungen, unter denen besonders die Bildnisse hübscher jugendlich dreinblickender Damen hervorragten, die sämtlich das sechste Jahrzehnt ihres Lebens überschritten haben. Den zleichen Bestrebungen dient ein Klub optimistischer Geschäftsleute, deren Satzungen den Gebrauch des Wortes Krise verbieten. Der Mitgliederzugang soll recht erheblich sein, was man heute, da viele Leute ihr grämlichstes Gesicht aufzusetzen #flegen, nur als etwas durchaus Begrüßenswertes berichte, so will ich damit kein Heimatproblem entwikkeln. Ist es doch selbstverständlich, daß man hier in Westfalen kein Interesse für Fragen— und seien sie noch so fesselnd— der Schleswig=Holsteinischen Heimatgeschichte erwarten kann. Aber Haithabu ist ein Problem, das weit über die Schleswig=Holsteinische Landesgeschichte hinausgreift, ist ein Problem der nordeuropäischen Geschichte des 10. Jahrhunderts, ist schlechterdings ein Stück Weltgeschichte. Viele werden im vergangenen Sommer von den Ausgrabungen in Haithabu gelesen und die Abbildungen der Funde gesehen haben, und mancher wird sich gefragt aben: wie kommt es denn, daß man erst jetzt, 800 Jahre uch ihrem Untergang, die alte Handelsstadt wieder auszugraben beginnt? Hierüber und über die gemachten Funde etwas mitzuteilen, soll die Aufgabe dieser Skizze sein, Ein Blick auf die Landkarte zeigt, daß an der Ostküste Schleswig=Holsteins die Ostsee weite Buchten ins Land treibt, an deren Ende Städte liegen, Hadersleben, Apenrade, Flensburg, Eckernförde, Kiel. Die längste Bucht aber, die auch einen besonderen Namen trägt, ist die Schlei, die sich, manchmal sehr schmal, dann wieder sehr breit, 60 km weit in das Land erstreckt und sich an ihrem Ende seeartig erweitert. Hier liegt jetzt, um das innere Schleibecken gelagert, die Stadt Schleswig. Vor tausend Jahren, in der Zeit, in die wir uns zurückversetzen, war sie natürlich erheblich kleiner und lag nur auf dem nördlichen Ufer, rings von Sümpfen und Wasserläufen umgeben, in einer Ausdehnung von vielleicht 20 ha. Schleswig war die älteste Siedlung im späteren Herzogtum Schleswig, von der Eider zur Königsau. Karl der Große hatte 810 die Eider als Grenze zwischen Deutschland und Dänemark festgesetzt. Schleswig war somit die südlichste Siedelung von Dänemark. Es wird uns in den fränkischen Reichsannalen, bei Einhard. Thietmar von Merseburg. Widukind von Corvey und in anderen deutschen Quellen,— einheimische dänische Quellen beginnen erst mit dem 13. Jahrhundert— als eine volkreiche Stadt beschrieben, als ein großer Handelsplatz, in dem sich Kaufleute aus aller Herren Länder einfanden, christliche Kaufleute in solcher Anzahl, daß die heidnische Bevölkerung aus Handelsinteresse 855 dem Benediktinermönch Ansgar die Errichtung einer christlichen Kirche vor der Stadt erlauben mußte. Ueber Schleswig führte der Handelsweg von Skandinavien nach den Mittelmeerländern. Von Nowgorod am Illmensee in Rußland und Birka am Mälarsee, in Schweden wurden die Handelsartikel des Schleswig gebracht, wo sie gegen Waren des Südens eingetauscht und, auf dem Landwege nach Hollingstedt gebracht, von hier über die Treene, Eider, Nordsee, den Rhein hinauf und die Donau hinunter in den Orient geführt worden. So war Schleswig im Orient bekannt, allerdings machte man sich dort einen merkwürdigen Begriff von dieser Handelszentrale des Nordens. Ein arabischer Schriftsteller schreibt um 950 über Schleswig: „Schleswig ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres. In ihrem Innern gibt es Quellen süßen Wassers. Ihre Bewohner sind Siriusanbeter, außer einer kleinen Anzahl, welche Christen sind, die dort eine Kirche besitzen. At=Tartuschi(ein Schriftsteller aus Tortosa in Südspanien) erzählt: Sie feiern ein Fest, an dem ssie alle zusammenkommen, um den Gott zu ehren und um zu essen und zu trinken. Wer ein Opfertier schlachtet, errichtet an der Tür seines Gehöfts Pfähle und tut das Opfertier darauf. Die Stadt ist arm an Gütern und Segen. Die Hauptnahrung ihrer Bewohner besteht aus Fischen, denn die sind dort zahlreich. Werden einem von ihnen Kinder geboren, so wirft er sie ins Meer, um sich die Ausgaben zu sparen. Ferner erzählt er, daß das Recht der Scheidung bei ihnen den Frauen zusteht, das Weib scheidet sich selbst, wann sie will. Auch gibt es dort eine künstlich hergestellte Augenschminke; wenn sie sie lanwenden, nimmt die Schönheit niemals ab, sondern inoch zu. bei Männern und Frauen. Auch sagte er: Nie hörte ich häßlicheren Gesang als den Gesang der Schleswiger, und das ist ein Gebrumm, das aus ihren Kehlen herauskommt, gleich dem Gebell der Hunde, nur noch viehischer als dies.“ Man sieht also, wenn es jetzt noch heißt: Frisia oder Holsatia non cantat, so ist das von ialtersher schon so gewesen. Ist Schleswig nördlich der Schlei im Osten und Westen von Wasserläufen umgeben, so steigt südlich der Schlei die Heide an, die sich nach Süden hin bis Rendsburg zu der großen Loheide erweitert. Hier an der Südseite schneidet eine Bucht der Schlei sacklartig von Norden nach Süden in das Land hinein und bildet einen ruhigen Hafen, wie man ihn sich günstiger garnicht denken kann. Es ist das„Haddebyer Noor“. Unmittelbar an das Westufer dieser Bucht stößt, mit der loffenen Seite gegen das Wasser, ein halbkreisförmiger Ringwall von jetzt noch 5—6 m Höhe. Im Norden und Süden des Walles ist ein Durchbruch, durch den ein Fahrweg mitten durch den vom Wall umschlossenen Raum, der etwa 30 ha groß ist, führt.„Die Oldenburg“— so heißt diese Anlage im Volksmund— steht im Privatbesitz und lbildet Ackerland. Offenbar handelt es sich hier aber um Die„Göhen“ ist nicht mehr Die frühere deutsche„Göben“ unter türkischer Flagge. Der deutsche Panzerkreuzer„Göben“, dem Kriegsausbruch gelang, sich durch die vielfache Uebermacht Floi der Entente=Flotten im Mittelmeer nach Konstantinopel durchzuschlagen, wo er dann unter türkischer Flagge mehrfach zur Verteidigung der Meerengen eingesetzt es bei wurde, ist jetzt von der türkischen Marineverwaltung als nicht mehr kriegstüchtig befunden worden. Die„Göben“ soll durch ein Schlachtschiff ersetzt werden, das die Türkei in England bauen lassen wird. Neue deutsche Ein Oberleitungs=Omnibus der Linie Idar (Hunsrück). —Tiefenstein Immer mehr findet in Deutschland der OberleitungsOmnibus seine Verwendung. Die Bedienung solcher Omnibusse ist wesentlich einfacher als die eines BenzinKraftwagens, da der Führer kein Schaltgetriebe zu betätigen hat, sondern die Fahrgeschwindigkeit nur durch das stufenweise Durchtreten des Fahrschalterpedals zu seine alte Siedlung, deren Wälle noch stehen. Seit dem Mittelalter bis auf August Sach, den verdienstvollen Erforscher Schleswig=Holsteinischer Geschichte, hielt man denn auch die Oldenburg für eine Schiffsreede, etwa für die fremden Schiffe, die nach Schleswig kamen und vor der Oldenburg weit geschützter lagen als vor dem freien Schleiufer Schleswigs. Soweit ist alles klar. Da kommt von England eine andere Kunde. Der König Alfred der Große von England (871—901), ein gelehrter Fürst, der selbst noch im späteren Alter Latein lernte, war sehr auf die Bildung seiner Unstertanen bedacht. Er ließ Werke der kirchlichen Literatur ins Angelsächsische übersetzen, u. a. auch die des spanischen Kirchenschriftstellers Orosius, und fügte diesen Uebersetzungen Abhandlungen belehrenden Inhalts hinzu, so der Orosius=Uebersetzung die Beschreibung einer Reise, die er durch zwei Seeleute, Other und Wulfstan, hatte ausführen lassen. Diese haben ihre Reise am inneren Schleibecken bei„at Haethum“ angetreten, sind die Schlei hinabgefahren usw. Ein neuer Ort an der inneren Schlei, der uns von nun ab in der nordischen Litteratur häufig begegnet unter den Namen Hadaeboth, Haidaboe, Haithabu, Haithebi, Haidiba und ähnlich. Wo hat dieser Ort gelegen? Am inneren Schleibecken natürlich. Aber da lag ja nur eine Stadt,— Schleswig. Während die deutschen Quellen jener Zeit Haithabu überhaupt nicht erwähnen, findet sich der Name häufig in den nordischen Quellen, den isländischen Sagas oder, wie der Plural im Altnordischen heißt. Sögur. besonders in der„Heimskringla“ und der„Olassaga Tryggvasonar“. Da man nun am inneren Schleibecken nur eine Ortschaft, Schleswig, kannte, so nahm das Mittelalter an, daß Haithabu ein anderer Name für Schleswig sei. Da trat vor 135 Jahren ein Ereignis ein, dem man damals allerdings noch nicht die Bedeutung beimessen konnte, die ihm heute gebührt. 1796 hatte ein Landmann, Jürgen Meggers zu Wedelspang(südlich der Oldenburg), das Glück, einen drei Meter hohen Runenstein bei Wedelspang und im nächsten Jahre in der Nähe des ersten Steines einen zweiten zu finden. Mit den Inschriften dieser Steine wußte man zunächst nichts anzufangen. Aber ein ganz außergewöhnliches Glück wollte es, daß zu beiden Steinen 1857 und 1887 je ein zweiter gefunden wurde, der den ersten ergänzt. Die 1796 und 1857 gefundenen Steine sagen uns, daß Helden Haithabu belagerten und dort ihren Tod fanden und die Steine ihnen, der eine einem Erik, der andere einem Skardi, als Grabsteine errichtet wurden. Wenn man sich nun nicht so stark an die Jahrhunderte alte Tradition, daß Schleswig und Haithabu eine und dieselbe Stadt gewesen seien, festgeklammert hätte, so hätte es schon 1796 oder doch 1857 auffallen müssen, daß die Fundstelle der Steine sich südlich der Schlei vor dem Halbkreiswall befand, während doch Haithabu angeblich nördlich der Schlei lag. Wie hätte man wohl dazu kommen sollen, wenn die Helden nördlich der Schlei vor Haithabu gefallen wären, ihnen südlich der Schlei einen Grabhügel mit Runensteinen zu errichten? Merkwürdiger Weise ist dies niemandem aufgefallen. Erst der Fund des letzten Steines 1887, der neben dem von 1797 ebenfalls vor dem Halbkreiswall gestanden hat. brachte die alte Ansicht von Schleswig=Haithabu ins Wanken. Sophus Müller, der Direktor des Nationalmuseums zu Kopenhagen, war der Erste, welcher die Bedeutung des Ringwalles der Oldenburg erkannte. und Otto Scheel, der Ordinarius für Schleswig=Holsteinische und nordische Geschichte an der Landesuniversität zu Kiel, hat das Verdienst, die Anregung Müllers aufgenommen und der geschichtlichen Forschung über Haithabn neue Wege dahin gewiesen zu haben, daß Schleswig und Haithabu nicht dasselbe ist, sondern daß wir Haithabu in dem Ringwall südlich der Schlei zu suchen haben. Zusammen mit dem Archäologen Dr. Schwantes, dem Direktor des Museums vaterländischer Altertümer in Kiel, wußte er im August 1930 auf der baltischen ArchäologenKonferenz in Riga auch das Ausland für die Haithabufrage zu interessieren. Das Ausland hatte schon zum Teit seine alten Kulturstätten wieder ausgegraben, Schweden das Birka am Mälarsee; versunkene Stätten wie Dorstadt am Lek. Truso bei Elbing, Seeburg in Kurland, waren wieder erstanden. Alles aber würde eine Ausgrabung Haithabus in den Schatten stellen. So wurden denn von der Universität Kiel, dem Oberpräsidenten von Schleswig=Holstein, der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, dem Preußischen Kultusministerium und der Nordischen Rundfunkaktiengesellschaft (Norag) die Mittel für die Ausgrabung Haithabus zur Verfügung gestellt, und unter praktischer Mitwirkung von Archäologen aus Dänemark. Schweden und Norwegen begannen, von Dr. Schwantes geleitet. im Herbst 1930 die Ausgrabungen, für die man 15 Jahre in Aussicht genommen hat. 1930 und 1931 hat der Spaten gearbeitet. Ein je 1 m breiter und 1 m tiefer Suchgraben quer durch die Stadt von Westen nach Osten und ein anderer von Süden nach Norden wurden angelegt, und von ihnen aus drang man seitlich weiter vor. Die Ausbeute der Jahre 1930 und 1931 übertraf die kühnsten Erwartungen. Allerdings haben mir einheimische Schleswiger auch ihre Enttäuschung nicht verhehlt. Sie haben jedenfalls an Pompeji gedacht und wollten wohl Marmortempel und Marmorstatuen aufgedeckt sehen. Man darf natürlich aus Haithabu nicht mehr erwarten, als was darin gewesen ist. An der Südwestseite hat man zunächst den Friedhof der Stadt freigelegt, der Tausende von Gräbern birgt und eine Bestattung nach christlicher Weise in Särgen erkennen läßt. Während die Särge vermodert sind, liegen die Skelette noch frei da, ohne jede Beigabe, wie man sie in jedem heidnischen Grab findet. Einige Skelette hat man ausgegraben und in die Museen nach Kiel und Schleswig überführt, die übrigen wieder mit Erdreich bedeckt, wie man überhaupt das Gelände, nachdem die Ergebnisse der Ausgrabungen in Karten eingetragen worden sind, wieder einebnet. Auch außerhalb dieses christlichen Friedhofs fanden sich an manchen Stellen der Suchgräben Leichenreste aus heidnischen Bestattungen, aus der Zeit vor Einführung des Christensums. Mit der Ausdehnung der Stadt sind die alten heidnischen Friedhöfe überbaut worden. nach Einführung des Christentums hat man den christlichen Friedhof an die Südwestseite der Stadt verlegt. Im Süden außerhalb der Stadtmauer wie auch innerhalb der Stadt ist je ein Bootkammergrab aus heidnischer Zeit freigelegt worden.— Was die Wohnhäuser betrifft, so handelt es sich um Einstubenhäuser von primitivster Bauart. Steinbauten kannte man noch nicht. Holzbalken wurden in Quadrat= oder Rechteckform von 4:5 m als Fundamente gelegt, an jeder Ecke Holzbalken errichtet, diese oben mit wagerechten Holzbalken verbunden, und das Gerüst des Hauses war fertig. Aus Reisiggeflecht wurden die Wände hergestellt und drinnen und draußen mit Lehm verputzt, auch der Fußboden war aus Lehm gestampft. und Reisig sind bei der Zerstörung Hal habus verbrannt oder spater unter der Erdschicht vermodert, der Lehm aber ist vom Feuer zu Ton gebrannt, und man hat viele derartige Stücke gefunden, an welchen man deutlich die eingedrückte Form des Reisigs erkennt. In dem weißen Sand, der glücklicher Weise die Unterlage Haithabus bildet und uns so viel erhalten hat, läßt sich die Lage der Häuser durch die bei der Vermoderung des Holzes zurückgebliebene dunklere neue Färbung jetzt noch genau nachweisen. Auch die aus Steinen gefügte Herdstelle findet sich noch überall vor. An mehreren Stellen hat man bis zu drei verschiedenen ineinander laufenden Fundamenten gefunden, was beweist, daß nach der Zerstörung des ersten Hauses, vielleicht durch Feuer, neue darüber gebaut worden sind. Der Anblick Haithabus muß nach unseren Begriffen und gewiß auch im Vergleich zu gleichzeitigen Städten der Mittelmeerländer armselig gewesen sein; man kannte eben den Ziegelsteinbau noch nicht, der im Norden erst nach 1100 eingeführt wurde. Und doch ist Haithabn eine Großstadt gewesen, schon dem Raume nach. Auch was sich in den primitiven Häusern befand und was sich dort abgespielt hat, sagt es uns. Mancherlei Bebrauchsgegenstände des täglichen Lebens sind zutage gefördert worden, Tongefäße aller Art aus einheimischer und fremder Industrie, Schmuckgegenstände im Stile der Wikingerzeit mit reicher Tierornamentik, eiserne Schlüssel, Holzkämme, Spielwürfel und zahlreiche andere Gegenstände. Im letzten Sommer hat man allein 50 Kisten mit Sachen gefüllt, die man aus den verbrannten Häusern gefördert hat. An einer Stelle, nicht weit von dem Hafen, scheint man das Industrieviertel der Stadt angeschnitten zu haben, wo die Handwerker und Kunsthandwerker ihre Werkstätten hatten. Hier hat sich allerlei Werkzeug gefunden, halbfertiger Silberund Bronceschmuck mit den zugehörigen Schmelztiegeln, Knochen von Haustieren, Teile von Mühlsteinen, besonders aber viele Abfälle von der Bearbeitung von Hirschgeweih. Alles das kann man jetzt in den Museen von Kiel und Schleswig bewundern. Die Ausgrabungen bestätigen schon jetzt, was die historischen Quellen über Haithadu vermuten ließen. Haithabn war die größte Handelsstadt Nordeuropas im 10. Jahrhundert, der ausgehenden Wikingszeit, und muß das gegenüber liegende Schleswig übertroffen haben. Mächtige Wälle, die heute noch in einer Höhe von 5—6 m und einer Breite von über 20 m dastehen und damals von mächtigen Eichenbohlen bekleidet waren, nit je einer starken Toranlage im Norden und Süden, machten es zu einer wohlbefestigten See= und Landstadt. Hier und in dem gegenüber liegenden Schleswig vereinigten sich die aus der Ostsee kommenden Handelsstraßen und gaben beiden Städten das Gepräge internationalen Vernehrs. Keine andere Stadt der Ostsee hatte einen so gegen Stürme geschützten Hafen wie Haithabu, einen Hafen, der so geraumig war, daß auch die größten Handelsflotten dort Platz fanden. Was aber Haithabn neden Schleswig so recht zum Brennpunkt des nordeuropäischen Handels machte, war seine eigenartige Lage auf der kimbrischen Halbinsel. Was jetzt der Kaiser=Wilhelm=Kanal bedeutet, war früher, wo man der Stürme wegen die Umfahrt um Skagen noch mehr scheute als jetzt, die Schlei, die aus der Ostsee heraus=, und die Treene als Nebenfluß der Eider, die in die Nordsee hineinführte. Schlei und Treene aler waren nur getrennt durch eine Landenge, welche nuch Süden hin durch einen auch heute noch stehenden befestigten Wall gesichert war, der sich unmittelbar an den Stadtwall von Haithabu anschloß. Heute verbindet man solche Wasserstraßen durch Kanäle, früher setzte man die Schiffe einfach auf Rollen. Im Schutze jenes Walles war es ein Geringes, die Handelsschiffe auf Rollen von Haithabn und auch natürlich von Schleswig über Land zur Treene zu schaffen und ihnen die Weiterfahrt in die Nordsee zu eröffnen. So war denn der Weg über Schleswig und Haithabn die einzige Verbindung von der Ostsei„kr Nordsee, vom europäischen Norden nach dem Westen. Zu einer Zeit, wo das Abendland weite Teile an den Orient, an die Araber, verloren hatte, als der westliche Teil des Mittelmeeres eine arabische See geworden war, wandte sich der südeuropäische Händler über Haithabn nach dem Norden, ihm folgte der christliche Missionar denselben Weg, und beide haben dann den europäischen Norden in den abendländischen Kulkurkreis hineingezogen. In Haithabu berührten sich Ost= und Westeuropa, Haithabn war ein nordisches Korinth und Gibraltar zugleich. Wenn man sich auf den einsamen Gehöften Islands und Norwegens an den langen Winterabenden von den Heldentaten der Wikinger erzählte, dann wurde auch des fernen Haithabuggedacht, und diese Erzählungen, die isländischen Sögur, die allerdings erst am Anfang des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben wurden, sind neben den Runensteinen heute unsere Quellen für die Geschichte Haithabus. Wem gehörte die Stadt Haithabu, die im Jahre 875 zum ersten Male erwähnt wird? Politisch gehörte sie zu Dänemark. Aber dessen König wohnte in dem fernen Leire auf Seeland, und der Weg von da nach Schleswig und Haithabu war weit. Die Lage und das Ansehen der Handelsstadt Haithabu mochten wohl die abenteuerlichen Wikinger der Ostsee anlocken. Um das Jahr 900 kam ein Wiking, Olaf, mit seinen Mannen und Schiffen aus Schweden herüber, eroberte Haithabu und setzte sich dort fest. Er war ein König, wie die Runensteine sagen. Nach seinem Tode wurde sein Sohn Knuba König in Haithabu; er heiratete Asfrid, die Tochter Odinkars, eines Kleinkönigs in der Nähe von Ripen. Und nun zeigte sich am Haddebyer Noor(der Name Haddeby ist heute noch erhaltef, hat aber mit Haithabu nichts zu tun) noch einmal die heidnisch=germanische Heldenzeit in strahlendem Licht. Weit wird das Königreich Haithabu nicht gereicht haben, so etwa von der Schlei bis zur Eider; es wurde von Leire überhaupt nicht beachtet. Aber das alte Wikingerblut sollte der Schwedendynastie zum Verhängnis werden. König Knuba überschritt die Eider und plünderte ein wenig in Holstein, also n Sachsen. Der deutsche König Heinrich I. war nicht so nachsichtig wie König Gorm in Leire. Er rückte sofort mit einem Heere nach dem Norden und überschritt nun seinerseits die Eider, überwand, wie uns Widukind von Corvey erzählt, König Knuba, machte ihn tributpflichtig und zwang ihn, die christliche Taufe anzunehmen. Das geschah im Jahre 934. So wurde Haithabu christlich, und, wie eine nordische Quelle schreibt, der Sammelpunkt der Rompilger des Nordens. Und tatsächlich hat man jetzt in Haithabn ein christliches Pilgerzeichen gefunden, das Symbol des Evangelisten Lukas. Aber die neue Religion dürfte doch den häuslichen Frieden in der Haithabuer Königsfamilie beeinträchtigt haben, die Königin Asfrid und ihr Sohn Sigtryg(der Sieg1864. Bis zu ihrem Tode hat sich Asfrid in Haithabu) gehalten, ohne dem Siegeszuge des Christentums Einhalt gebieten zu können. Ihr Sohn Sigtryg aber verließ bald nach dem Tode seines Vaters die Heimat und wurde wieder Wiking. Auf einer Kriegsfahrt fand er, wie eine französische Chronik berichtet, im Jahre 943 im Kampfe gegen Ludwig IV. von Frankreich den Tod vor Rouen. Königin Asfrid aber blieb in Haithabu und ritzte die Runen zum Gedächtnis ihres toten Sohnes. Sie und seine heidnischen Anhänger setzten dem Sigtryg je einen Stein auf dem Grabhugel seines Vaters Knuba. Das sind die beiden anderen Steine, die oben erwähnt wurden, die 1797 und 1887 wieder aufgefunden worden ind. „Asfrid machte dieses Denkmal nach Sigtryg, ihrem Sohne, auf der geweihten Grabstätte Knubas“, lautet der eine, und der andere: „Weihe. Asfrid machte dieses Denkmal, die Tochter Odinkars, nach Sigtryg dem König, ihrem und Knubas Sohn.“ Wie lange die Königin Asfrid noch in Haithabu gelebt hat, wissen wir nicht. Wahrscheinlich blieb ihr der Kummer nicht erspart, zu erfahren, daß in die Stadt Schleswig, die sie in der Ferne liegen sah, im Jahre 948 der erste christliche Bischof einzog. Und mit ihm das Christentum. Mit König Odinkars Tochter Asfrid war die heidnische Dynastie in Haithabu erloschen. Aber auch die christliche Handelsstadt scheint immer noch fremde Eindringlinge angelockt zu haben. Im Jahre 987 hatte der schwedische König Erich Seyersael mit seinem Sohne Olav Dänemark und damit Haithabu erobert, und der Dänenkönig Sven Gabelbert(981—1014) konnte die Stadt erst nach längerer Belagerung zurückerobern. Das ist der Sven, der den bei der Belagerung Haithabus gefallenen Helden Skardi und Erik die oben erwähnten Runensteine setzte oder durch einen seiner Mannen setzen ließ. „Sven der König setzte den Stein nach(zum Gedächtnis) Skardi, seinem Gefolgsmann, der westwärts gefahren war, aber nun tot ward zu Haithabn“ liest man auf dem einen, und „Thorulf ritzte diesen Stein, der Gefolgsmann Svens, nach Erik, seinem Gefährten, welcher tot ward, da Helden saßen um Haithabu, aber er war Steuermann, ein Held sehr gut“ sagt der andere Stein.— Noch einmal geriet Haithabu in Feindes Hand, als König Magnus der Gute von Norwegen(1042—1047) Dänemark eroberte. Ihm fiel auch Haithabu zu, und er hat sich, nach Adam von Bremen, habn. slängere Zeit dort aufgehalten und sogar Münzen mit dem Namen der Stadt geprägt, von denen jetzt eine gesunden worden ist. Offen ist noch die Frage, wann und wie Haithabu zerstört worden ist, und wie es möglich war, daß diese mächtige Handelsstadt so untergehen konnte, daß man schon im Mittelalter ihre Stätte nicht mehr kannte. Professor Scheel vertritt den Standpunkt, daß Haithabu nicht durch eine plötzliche Katastrophe untergegangen sei, sondern allmählich seine Bedeutung verloren habe, weil das gegenüber liegende Schleswig, das Sitz des Bischofs und des Herzogs von Schleswig geworden war, auch den Handel Haithabus an sich gerissen habe, den Haithabu aufgeben mußte, weil das Haddebyer Noor die mit der Zeit tiefer gebauten Handelsschiffe nicht mehr habe aufnehmen können und Haithabu damit seinen berühmten Hafen verloren habe. Mag sein, daß es so gewesen ist. Anderersseits aber zeigen die Ausgrabungen deutlich, daß die Stadt bei einer außergewöhnlichen Katastrophe durch Feuer zerstört worden ist. Es muß das vor 1075 geschehen sein, denn in diesem Jahre berichtet uns Adam von Bremen von Sliasvic, quge nune Heidiba dieitur, Schleswig, das jetzt Haithabu heißt. Es ließe sich daher auch annehmen, daß Haithabu von den Wenden zerstört worden ist, die im Jahre 1066 über die Eider gingen und die Ostküste Südjütlands— so nannte man damals das Herzogtum Schleswig— zerstört haben, wobei, wie wir wissen, auch die Stadt Schleswig in Flammen aufging. Sollten die Wenden wirklich an Haithabu vorbeigezogen sein und es unberührt gelassen haben? Um den Handel Haithabus nicht eingehen zu lassen, ihn vielmehr ganz an sich zu reißen, übernahm dann die Stadt Schleswig, die schnell wieder aufgebaut war. den Namen Haithabu. wie Adam von Bremen saot: Sliasnic, quge nunc Heidiba dieitur. Noch im 16. Jahrhundert sagte der Bauer, menn er vom Lande nach Schleswig zum Markte ging, er fahre nach Hethaby. Vielleicht werden die weiteren Ausgrabungen das Dunkel lichten, das über dem Untergange der Stadt liegt. Wer sich jetzt den Stadtwällen von Haithabu nähert, betritt eine Stätte, die eine Schicksalsstätte des Nordens gewesen ist. Wo einst die Wogen der Weltgeschichte brandeten, führt heute der Landmann den Pflug über den Acker; wo vor 1000 Jahren der Lärm einer fleißigen Stadt erscholl, wogt jetzt im Sommer das hohe Korn. und nur hin und wieder durchbricht der Schrei der Möven, die über Haithabu hinweg ziehen, die tiefe Stille; in den Museen aber künden uns die Runensteine, daß einstmals trekiartsatuiumthaithatbu, Helden saßen um HaitGelehrte, Arzt, Ingenteur und Lehrer half dem Ansehen des Deutschtums, denn in bezug auf das bloße Geldverdienen ist der Chinese von Haus aus etwas mißtrauisch. Vielversprechend auf die Luftverbindung zwischen Deutschland und China; auch das ist wohl vorläufig vorbei. Es wäre zwecklos, sich über die Aussichten des Deutschtums in China, ja sogar des europäischen Wirkens## Ostasien allzu rosigen Hoffnungen hinzugeben. Die Finauzlage Chinas ist katastrophal, auch die der Privatfinanz, nachdetzt die Japaner, um ihre Rechte zu wahren(?), ausgerechnet das größte chinesische Industriezentrum— Tschapei in Schanghai—, wo die chinesische Baumwollkonkurrenz der Japaner liegt, vernichtend getroffen und in der Mandschurei die Hand auf alles gelegt haben, was Wert hat. Wo Japan die Macht gewann, so in Korea und Formosa, hatten weder Amerikaner noch Europäer etwas zu suchen. Die Nachricht, die deutsche Regierung habe die Ruckkehr aller Deutschen aus China angeordnet, ist ja nun allerdings unrichtig; aber empfindlich geschädigt wurde das Deutschtum in China jetzt bereits wieder einmal, auch haben chinesische Firmen in Schanghai, die bis vor kurzem regelmäßig in Deutschland bestellten, ihre Aufträge widerrufen müssen. Die Aussichten, daß sich die Märkte in Ostasien und Vorder= und Hinterindien in Bälde beleben würden, sind infolge des japanischen Vorgehens noch geringe## zeworden als sie bereits waren. In der Höhle Burmesisches, erzählt von E. Conz. Wer San Maing noch vor fünf Jahren gekannt hatte, der verstand ihn jetzt nicht mehr. San Maing, der immer liebenswürdige Burmesenjunge, sollte zum Rebellenführer, zum Schrecken des Waldbezirkes von Paukuka geworden sein? Es stimmte leider doch. Voller Hoffnung hatten ihn die Eltern nach England geschickt, damit er sich europäische Kuttur und Kenntnisse aneignete, und von der Regierung war ihm noch ein Stipendium gewährt worden, denn der Bezirks, kommissar daheim schrieb in seinem Gesuch:„San Maing verspricht einmal ein ausgezeichneter Beamter zu werden, A Wunder des Altertums und Wunder der Neuzeit Ein Windmühlenflugzeug landet vor einer der berühmten Maya=Pyramiden auf Yucatan. Diese Pyramide bildete das Staunen der ersten Europäer, die Mittelamerika erreichten und wird von den Resten der MayaBevölkerung noch immer als eine Art Nationalheiligtum angesehen. träger) lehnten den neuen Glauben des Vaters ab, der selbst an ihm nicht viel Freude gehabt hat. Dann endlich gingen doch dem Dänerkönig Gorm die Augen auf über die Vorgänge im Süden seines Reiches. Mit seinen Schiffen und Mannen kam er die Schlei herauf nach Haithabu, forderte Knuba zum Kampfe und tötete ihn. Odin hatte Rache genommen für den Abfall von den Göttern Walhallas. Asfrid aber ließ ihren Gemahl außerhalb der Mauern Haithabus auf heidnische Art bestatten. Der Grabhügel Knubas, noch heute Königshügel genannt, liegt südwestlich der alten Königsstadt und trägt heute ein österreichisches Denkmal zur Erinnerung an die en*ge: 2.#: Calste). 6 Befretung Kämpfe für die na betheunggetho(eine 15 Von Dr. Friedrich Otte, Professor a. D. Reichsuniversität Peking. Nirgendwo in Asien ist das Deutschtum so stark vertreten und der Deutsche so beliebt wie in China. Er geht nie als Auswanderer hin, sondern will wieder zurück in die Heimat, mit der ihn seine Tätigkeit in China dauernd verbindet. Das Auslandsdeutschtum wird seit dem Weltkriege in Deutschland stärker beachtet als vordem; mit Recht, das Schicksal der Auslandsdeutschen, sei es in Polen, Litauen, Sowjetrußland, China, ist heute eine Art politischen und wirtschaftlichen Barometers für die Stellung des Deutschen Reiches in der Welt überhaupt. Der Deutsche im Auslande, also auch der in China, litt im Weltkriege oder als Folge desselben vielfach viel schwerer als der Inlandsdeutsche. Nicht aber, weil die Chinesen ihn schädigen wollten, sondern weil andere durch die Vernichtung des Deutschtums in China große Vorteile für sich erwarteten. Diese Hoffnung trog, Japan allein schöpfte den Rahm ab. Wiederum sieht sich seit September vorigen Jahres das Deutschtum in China fast allerorts einer Krise gegenuber, die vielleicht an Schwere der von 1914 bis 1919 gleichen wird; ihre Rückwirkungen auf die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verbindungen des Reiches mit dem Fernen Osten sind bereits fühlbar. Auch die Teilnahme des Reiches an der in die Mandschurei entsandten, ziemlich überflüssigen Völkerbundskommission stimmt in Erinnerung an frühere Vorkommnisse— Friede von Shimonoseki 1895, Waldersee zur Boxerzeit 1900— nachdenklich. Gutes kam nie dabei heraus. Als Preußen 1859 den Grafen zu Eulenburg nach China entsandte, wußten die Chinesen nicht einmal, daß es ein Preußen oder Deutschland gab; die Engländer klärten sie darüber auf. So lehnte sich denn auch der preußische Vertrag mit China von 1861 engstens an das englische Vorbild an. Der Vertrag blieb dann für das Deutsche Kaiserreich grundlegend bis 1917, d. h. bis der Druck der Alliierten China in den Krieg gegen Deutschland hineinnötigte. In die Zeit von 1895 bis 1914 fällt der Höhepunkt der deutschen Stellung im Fernen Osten. 1897 hatte Deutschland die Kiautschaubucht besetzt, und zwar aus Besorgnis, daß es bei der 1895 als Folge des japanischen Sieges drohenden Aufteilung Chinas wiederum zu spät kommen würde. Von 1900 ab war die Haltung Deutschlands passiv, nachdem es sich durch ein„Gentleman“=Abkommen mit England verpflichtet hatte, einer Aufteilung Chinas entgegenzuwirken. Dafur scheint diese jetzt im Gange zu sein! Auch die Chinesen sahen im Deutschen nach 1900 in der Hauptsache einen politischen Freund und Kulturmissionar. Das kam uns später zustatten. Ueberspringen wir die Zeit bis zum Weltkriege. Am 7. November 1914 nahm Japan Kiautschau; die Chinesen durften es nicht zurücknehmen, wie der deutsche Geschäftsträger in Peking, v. Maltzan, es wollte. Die Chinesen benahmen sich uns gegenüber freundlich, aber sie waren damals ebenso wenig Herr im eigenen Hause wie heute, schon wegen Se chrer ewigen inneren Streitigkeiten. Mehrere Male wurde der niher verluch gemacht, die Chinesen zur Ausweisung aller Deutschen zu bewegen, aber erst 1918, nach dem Novemberzusammenbruch, giben sie nach. Anfang 1919 verschwand dann fast das gesamte Deutschtum aus China, über 2500 Männer, Frauen, Kinder wurden auf wenigen englischen Schiffen zusammengepfercht nach Deutschland zurückbefördert, nur wenige Lehrer an chinesischen Schulen, einige Alte, Kranke oder Reiche, welche die nötigen Bestechungsgelder aufbrachten, blieben zurück. Von Mitte 1919 bis Mitte 1920 hatte das Deutschtum in Asien praktisch aufgehört zu bestehen. Doch sofort setzte die Rückwanderung ein, die Chinesen halfen, gaben das Eigentum zurück, und der Wiederaufstieg von Handel, Schiffahrt und kultureller Betätigung begann. Hierzu einige Zahlen. 1914 gab es in China 273 deusche Firmen und 3110 Deutsche; 1920 9 und 1010; 1930 297 und 3010, davon 1400 in Schanghai. Deutschlands Anteil an der Schiffahrt war dem Tonnengehalt nach im Auslandsverkehr 1913 6,77 v. H., 1930 2,73 v. H., der Anteil am Außenhandel nach chinesischen Angaben Einfuhr 1913 4,8 v. H., 1930 5,3 v. H.; Ausfuhr 1913 4,2 v. H., 1927 bis 1930 zwischen 2 bis 3 v. H. Die Außenhandelszahlen besagen wenig wegen der Verschiffungen über Hongkong, Holland, Belgien, England usw. Aus den Zahlen ergibt sich überdies nicht die veränderte Stellung des Deutschen in China verglichen mit der Vorkriegszeit. Der Deutsche untersteht jetzt chinesischer Gerichtsbarkeit, dagegen Japaner, Franzosen, Amerikaner u. a. noch nicht. Dann sind die deutschen Firmen, obgleich zahlreicher als vor dem Kriege, doch bei weitem nicht mehr so kapitalkräftig. Das gleiche gilt für den einzelnen Deutschen. In die gut bezahlten Stellungen in der chinesischen Zoll=, Post= oder Salzverwaltung werden Deutsche nicht mehr hineingelassen, sondern nur Japaner und frühere alliierte Staatsangehörige: vor dem Kriege waren über 200 Deutsche in solchen Stellungen. Die deutschen Lehrer an den Hochschulen, die Ingenieure bei den Provinzialregierungen, die Berater bei den Regierungen werden selten regelmäßig bezahlt oder verlieren sogar große Teile ihrer vertraglich bestimmten Gehälter. Das politische Ansehen des Reiches ist eben dahin, das fuhlt auch der Deutsche in China; nur die einzelne Persönlichkeit zählt. In einer Hinsicht hat die Krise von 1914 bis 1919 Gutes gewirkt. Die Deutschen in Ostasien rückten nach dem Kriege enger zusammen. Die deutschen Klubs wurden besser besucht, neue wurden gegründet. Die deutschen Schulen in den Hauptorten konnten ebenfalls wieder eingerichtet werden. Ob sie sich jetzt halten werden? Auch die Missionen bestehen weiter. In der deutschen Tungschi=Hochschule in Wusung wurde, ebenfalls mit chinesischer Hilfe, eine in ganz Asien einzig dastehende deutsche Kulturstätte geschaffen, in der die Arbeiten der Tsingtauer Hochschule(1909 bis 1914) und der Schanghaier Medizinschule— gegründet 1906— fortgesetzt und verbreitert wurden, besonders nach der Richtung der technischen Fächer hin. Es ist ein übles Verhängnis, daß gerade diese Hochschule im Mittelpunkt des Geländes der Schlacht um Schanghat liegt. Vieles ist bereits dort vernichtet worden.— Auch deutsche Handelskammern sind in fast allen Hauptorten mit Erlaubnis der chinesischen Regierung errichtet worden. Die Tätigkeit des Kaufmanns überwiegt selbstverständlich an wirtschaftlicher Bedeutung die anderer Deutscher in China. aber der deutsche an dem der Dienst Seiner Majestät eine Stütze finden wird.“ Doch wie war San Maing aus England heimgekommen! Sie hatten ihm dort erst mit allen möglichen Kenntnissen und mit europäischen Ideen den Kopf vollgestopft. Aber alles das war kein richtiges Lernen gewesen, sondern mehr ein wahlloses Verschlingen, und San Maing konnte das überreiche Mahl nicht verdauen. Zuletzt sah er nur den gewaltigen Unterschied zwischen Europa und seiner burmesischen Waldheimat, geriet er ganz in die Hände umstürzlerischer Elemente, die ihm ins Ohr flüsterten:„Du hast soviel gelernt wie ein Weißer, Du bist ebenso gut wie jeder Engländer, und doch werden sie Dich immer als Eingeborenen, als Menschen dritter Klasse behandeln. Werde ein Mitkämpfer der Weltrevolution!“ So kehrte San Maing als Aufrührer in die Heimat zurück. Er stellte sich dem Bezirkskommissar vor, der ihm das Stipendium erwirkt hatte, ließ sich von dem Weißen wohlwollend auf die Schulter klopfen und zog in den Wald hinaus, um— die Burmesen zum Aufruhr aufzuwiegeln. Ein Dutzend Unzufriedener sammelte sich um iyn. Mit ihnen überfiel er einen reisenden Engländer, schoß ihn nieder, weil der Weiße sich wehrte. Hundert Burmesen scharten sich nach dieser Tat um San Maings Fahne. Z.eihundert gehorchten ihm schon willenlos, als die Regierung die ersten Maßnahmen gegen ihn ergriff. Den Drachen von Paukuka ließ er sich neunen, und wie ein Drache wutete er gegen die Weißen und in den Dörfern, die sich seiner Herrschaft nicht sofort beugten. Brennende Bambushäuser ze'chneten den Weg seiner Ausfälle aus dem Wald von Pausuka. Die Regierung zog ihre Kräfte gegen San Maing zusammen. Und weil es ihr an Indeskundigen Polizeiunteroffizieren fehlte, so stellte sie ein paar Burmesen ein, die ihr vom Bezirkskommissar als zuverlässig bezeichnet worden waren. Darunter befand sich auch Maung Gäle. Der war schon an die fünfzig alt, hatte sich niemals den Kopf mit europäischem Wissen vollgepfropft und gab sich damit zufrieden, wenn er nachmittags bei der Rückkehr aus seinem Revier— er war Forstwart— seine Familie um den dampfenden Reistopf versammelt fand. Nun riß man ihn plötzlich aus seiner gewohnten Ruhe: „Hier hast Du zwölf Polizeisoldaten. Mit ihnen gehst Du in den Wald nördlich von Twinle, legst Dich dort auf die Lauer und siehst zu, daß Du San Maing tot oder lebendig erwischst. Unsere übrigen Abteilungen versuchen es ebenso.“ Maung Gale sagte:„Jawohl“, rieß sich schweren Herzens vom heimischen Reistopf und von der Familie los und zog mit seinen Leuten in den Wald. Da lag er nun vieTage, eine Woche, zwei Wochen lang. Doch San Maing stellte sich nicht ein. Hier und dort war er aus seiner Höhle hervorgebrochen, aber nie bei Maung Gale, und die anderen Polizeiabteilungen kamen immer zu spät. Der Krieg konnte so noch Jahre lang dauern. Doch diese Aussicht behagte Maung Gale nicht im geringsten. Wozu war er verheiratet, wozu besaß er eine Bambushütte, eine Familie und einen Reistopf, wenn er immer hier im Dschungel liegen und die Sterne über seinem Kopfe funkeln sehen sollte? Eines Tages konnte er, die Gleichmut selbst, seinen Aerger nicht mehr bändigen:„Wenn dieser Hund von San Maing nich: aus seinem Loch kommt, dann muß ich eben zu ihm!“ Seine Polizeisoldaten meinten freilich, er solle diesen Ausflug lieber nicht unternehmen und mit ihrer Gesellschaft sei bestimmt nicht zu rechnen. Das ließ Maung Gale völlig kalt:„Euch will ich ja gar nicht. Ich gehe allein!“ Sie wollten ihn natürlich zurückhalten:„Du läufst in den Tod hinein!“—„Unsinn“, sagte er.„Ich will zu meinem Reistopf zurück.“ Dann legte er alle Waffen ab und ging. Begreiflicherweise war San Maing recht erstaunt, als ihm seine Posten den unbewaffneten Hilfspolizeiunteroffizier brachten:„Du bist wohl wahnsinnig geworden, daß Du dem Tode in den Rachen läufst!“—„Nein“, meinte Maung Gale in aller Ruhe und wartete auf das, was ihm der Rebellenführer wohl noch zu sagen haben würde. Aber allem Anschein nach wußte San Maing trotz seiner europäischen Bildung nichts Besseres als Maung Gale an einen Baum binden zu lassen und ihm mit der Pistole vor der Nase herum zu suchteln. Da sah Maung Gale ein, daß er jetzt reden mußte: „Mein lieber San Maing, steck Deine Pistole ein und laß uns vernünftig mit einander sprechen. Ergib Dich! Die Aussichten, daß Du dadurch Deinen Hals rettest, sind freilich recht gering, aber weiterer Widerstand bedeutet für Dich sicheren Tod. Denn wenn sie Dich erwischen, lieber San Maing... ach, dann möchte ich nicht in Deiner Haut stecken.“ Eine geschlagene Stunde lang redete Maung Gale dem Rebellenführer gut zu. Ein paar Mal dachte er dabei:„Jetzt geht es Dir an den Hals!“ Aber San Maing beherrschte sich stets, und schließlich ließ er den Hilfspolizeiunteroffizier stehef.. Er kam erst wieder, als Maung Gale der Magen in der Kniekehle hing.„Ich gehe mir Dir“, sagte er nur.„Vielleicht lassen sie dann meine Leute kaufen.“ Er war eben trotz seiner europäischen Bildung ein anständiger Kerl geblieben.— So brachte Maung Gale den gefürchteter. Drachen zwei Tage später ins Hauptgkartier. Er gab sich nich, erst mit langen Erklärungen ab, nahm Urlaub und trottete heimwärts. Ein paar Monate darauf kam ein Bote, als Maung Gale gerade mit der Familie um den Reistopf saß:„Der Bezirkskommissar verlangt Dich. Da ist eine Medaille eingetroffen, und die will er Dir an die Brust heften. Weißt Du: wegen San Maing.“ Da fluchte Maung Gale ganz fürchterlich:„Habe ich den Drachen deshalb aus seiner Höhle gehi.; mann mich nicht in Rube meinen Reis essen lätzt“