Z. BegäOS F. S S###gn * nnn NNT 95 SOT OGSSPTESSSES aB On Ge Das enc Anbgaaler S 898 S 28 98 8.— S9 Bgug M S92 * in Acht nehmen mußte. Dem von dem Fund erzählen? Drei Stunden Kampf mit Sanddünen also, mit heißem und breiten Rissen, die die Hitze in die Erde sprengte. Hoyt war betrunken, wie immer. Ein toter Neger? Was ging ihn der an? Ein Weißer in der Wüste? Solle er doch zum Teufel gehen! Nein, er wolle nicht nach dem Weißen suchen lassen, auch nicht nach Bimbour telephonieren, überhaupt nichts mit der Polizei zu tun haben. Wir gingen, gruben den Schwarzen selber ein. Kaum aber waren wir beim Wasserloch, als am Horizont eine Staubwolke hoch kam, als lautes Dröhnen das Nahen einer Schafherde anzeigte. Und da traf auch Bimgari ein. „Hoyt hat seine Schafe hierher zum Damm treiben lassen“, sagte er atemlos.„Ich großen Zauber gemacht... Regen kommen.“ Wir hatten kaum die Gitter retten können, kaum die Ausbeute der letzten Nacht aufs Auto geworfen, als die ersten Schafe über den Damm stürzten. Hunderte folgten, drängten die ersten Tiere ins Wasser, immer neue Massen kamen und zertrampelten die Leiber der Ertrunkenen. Bimgari sah zu. Er lachte leise, vor sich hin. Eine Stunde später war Hoyt da. Er bot uns Schadenersatz an, wollte die ruinierten Drahtzäune bezahlen. Er war plötzlich sehr freundlich. Auffällig freundlich. Aber er konnte nicht gut verbergen, daß er nur ein Interesse hatte: uns rasch vom Wasserloch wegzubringen. Wir fuhren zum Schein fort. Kamen in der Nacht wieder. Behielten das Wasserloch im Auge. Bimgari war zu uns gekommen, hatte uns darum gebeten. Nun, und dann sahen wir auch, warum. Lange nach Mitternacht mußte es schon sein, als das Summen eines Motors hörbar wurde, als ein Wagen knapp beim Damm hielt. Ein Mann stieg aus, beugte sich zum Wasser. Die Schafe hatten den Tümpel fast leer getrunken. So siel es dem Fremden drüben nicht schwer, einen schweren, großen Sack im Schlamm zu finden. Mühselig nur konnte der Mann ihn an Land bringen. Aber er schien noch anderes zu suchen. Lange watete er im Tümpel herum, immer den Rücken zu uns gekehrt. Dann ging er zum Auto zurück, kam mit einem andern Mann zurück. Sie trugen etwas, das wie ein Mensch aussah. Es war einer: Petters. Und dann begann die grausamste Marter, die man sich denken kann. Sie versuchten, dem gefesselten Petters irgend ein Geheimnis zu entlocken. Ein langgezogener Schrei... wieder einer.... Rocky sprang auf, stürzte auf den einen Fremden. Er war noch nicht dort, ich kaum auf halbem Wege hinter ihm, als es durch die Luft sauste; einer der Männer beim Damm fiel wie vom Blitz getroffen: Bimgari hatte einen Boomerang geworfen. Wieder ein Sausen, und der zweite lag am Boden. Als wir hinkamen, erblickten wir Hoyt. Petters war halbtot vor Durst. Man hatte ihm die Hände zusammengeschnürt und die Stricke immer enger gezogen, um ihn zum Sprechen zu bringen: Wo der zweite Sack mit Opalen sei... Nun, Bimgari lachte und rauchte. Er bat uns, die beiden Verbrecher nach Bimbour mitzunehmen. Er war wirklich ein Zauberdoktor, Medizinmann seines Stammes und— Agent der Berittenen Polizei Australien. Lange schon saß er Hoyt auf den Fersen, dessen Geschäft darin bestand. Opalsuchern nachzuschleichen, ihnen die Funde abzunehmen. er ließ die Weißen verdursten, erschlug die schwarzen Diener. Man glaubte an Delirien, an Dramen des Durstes. Petters war ihm entkommen, er hatte seine Opale im Tümpel von Duffer Dam versteckt, Hoyt und sein Helfer aber erwischten ihn und zwangen ihn, das Versteck anzugeben. Hoyt schickte dann die Schafe, um uns zu vertreiben und den Wasserspiegel zu senken, unter dem die Opale lagen. Wir waren von Bimgari nur als Zeugen gebraucht worden. Als Zeugen eines Dramas im australischen Busch, dessen Menschen hart und unerbittlich sind, grausam wie die glühende Sonne. —1.— Die mißglückte Von Felix Saboll. Vor dem nicht weit von der böhmischen Stadt Tabor gelegenen Hofgut der Baronin Wimpfen fuhr am 28. März 1719 spät abends ein Zug von sechs Wagen, mit großen Fässern beladen, vor. Der Anführer erklärte der Baronin, daß er als Beauftragter der kaiserlichen Generalität einen Munitionstransport über Land zu führen. sich jedoch in der Dunkelheit Er Er bäte, seine Wagen für die Nacht unterstellen zu dürfen und ihm und seinen Leuten ein Unterkommen zu gewähren. Der Gast machte einen vertrauenerweckenden Eindruck, und so sah die Baronin keinen Grund, die Bitte abzuschlagen. Sie lud ihn zum Abendessen ein und bauftragte Krüger, den Gutsverwalter, alles Weitere zu veranzassen. Krüger ließ das Tor öffnen und die ganze Karawane hereinfahren. Auf jedem Wagen saßen je zwei Bauern als Kutscher. Die Pferde kamen in die Ställe, und den Kutschern wurden in der großen Gesindediele duftende Eierkuchen mit Speck aufgetragen. Auch Branntwein dazu. Das Hofgesinde fand sich vollzählig ein, und bald herrschte eine angeregte Stimmung. Als aber der Branntwein die Zungen der fremden Bauern etwas gelockert hatte, kamen dem Verwalter die Reden, die sie führten, seinigermaßen sonderbar vor. Sie machten zuweilen unverständliche Anspielungen, die auf irgend ein geheimes Wissen hindeuteten und die sie augurenhaft belachten. Ihre rohen, verkommenen Gesichter zeigten eine unbestimmbare Prägung. Manchmal schien der eine oder andere von ihnen eine mühsam festgehaltene Maske fallen zu lassen und schleuderte eine brutale Anzüglichkeit in die Runde, die mit viehischem Gelächter antwortete. Seltsam, dachte der Verwalter, und ging hinaus in die herbe Märzluft, um mit seinen Gedanken in Ordnung zu kommen. Langsam schlenderte er über den Hof und trat an die sechs Wagen heran, die in dem umschleierten Mondlicht merkwürdig geisterhaft auf dem Hofe standen. Neugierig klopfte er unversehens an eins der großen Fässer. Da ertönte von innen leise, aber deutlich verständlich, eine Stimme:„Ist es schon Zeit?“ Dem Verwalter stockte einen Augenblick der Herzschlag. Aber im nächsten faßte er sich und antwortete geistesgegenwärtig:„Nein, noch nicht!“ Krüger wußte genug. Sofort schickte er einen verläßlichen Burschen ins Dorf: Die Bauern sollten sich eiligst bewaffnen und aufs Gut kommen. Zehn Minuten lag das Dorf vom Hofe entfernt. In einer halben Stunde konnten die Männer da sein. Wenn nur nichts dazwischen kam! Noch war keine halbe Stunde verflossen, da traten ungefähr hundert mit Sensen, Dresch= flegein, Eichenknüppeln und Hellebarden bewaffnete Bauern leise in den Hof herein. Krüger atmete auf. Zehn Mann schickte er hinauf zur Baronin, um den Anführer festzunehmen. Mit dreißig ging er selbst, während er die übrigen um die Wagen einen Kreis ziehen hieß, in die Gesindestube und stürzte sich auf die zwölf zechenden und gröhlenden „Bauern“, die mit starken Stricken gebunden und wie Pakete nebeneinander auf die Diele gelegt wurden. Nunmehr ging die ganze Kumpanei auf dem Hofe konzentrisch an die Wagen heran. Der Verwalter klopfte leise. „Ist es jetzt Zeit?“ fragte es wieder. „Ja, jetzt ist's Zeit“, antwortete Krüger. Da wurde von innen der Boden des Fasses zurückgeklappt, und der Kopf eines Räubers zeigte sich in der Oeffnung. Als er die vielen Bewaffneten vor seiner Behausung stehen sah, wollte er zurückweichen. Aber man griff ihn bei den Haaren und Ohren und zog ihn unter dem ungeheuren Gelächter der Bauern wie eine Ratte aus der Falle heraus. Hinter ihm steckten noch zwei in dem Faß, die ebenfalls ins Freie befördert wurden. Inzwischen war es in den anderen Fässern lebendig geworden. Hier und da öffnete sich ein Deckel ein wenig und klappte dann sofort wieder zu. Die Räuber, die sahen, daß jeder Widerstand nutzlos war, fluchten entsetzlich. Die Bauern aber hatten es mit dem Herausholen gar nicht so eilig. Die wahrhaft komische Lage der in den Fässern steckenden Räuber rief die Dorfwitzbolde auf den Plan, die mit den Drinsteckenden eine Unterhaltung anfingen, daß sich die Bauern bogen vor Lachen. Infolgedessen bequemten sich die Räuber allmählich, herauszukriechen, um das recht unangenehme Verfahren abzukürzen. Aus jedem Faß krochen drei Schwerbewaffnete. Inzwischen kam auch die nach oben geschickte Abteilung mit dem gefesselten Räuberhauptmann zurück. „Das Pulver“, sagte Krüger zu ihm, auf seine Genossen deutend,„habt Ihr erfunden, Ihr Pökelberingshauptmann. Aber das Pulver habt Ihr nicht erfunden. Da hättet Ihr früher aufstehen müssen.“ Die Einundreißig wurden nach Prag eingeliefert, wo sie in der peinlichen Frage eine Anzahl von ihnen verübter Uebeltaten eingestanden. Kinder der Selbsterlebtes von Kurt Christiansen. Wer nach Heidelberg kommt, versäume nicht, an der Hauptstraße im„Badener Hof“ — oder so ähnlich heißt die Wirtschaft— einzukehren. Dort waltet vermutlich heute noch ein Kneiprat seines Amtes, der allgemein „der Herr„Studentenwirt“ genannt wird. Das Wortlein„Herr" vor dem Studentenwirt möge man nicht unterschlagen. Sonst könnte unser Bakkalaureer=Vater in alemannischem Männerzorn seine Hemdsärmeln aufkrempeln. Diese seine Kneipe— ein biederes Bierhaus— hat der Mann im Anflug gelinden Größenwahnes von einem Feld=, Wald= und Wiesenmaler mit den Bildern der guten Geister Altheidelbergs verunzieren lassen. Man sieht da Josephus Scheffel mit allen sichtbarlichen Anzeichen lebenslänglicher Gehirnerweichung auf dem Gesicht. Weiter einen Zwerg Perkeo, der wohl Essigessenz und nicht Wein geschläucht. Und viele andere Schrekkensbilder mehr. Aber dieser Prachtwirt ist stolz auf seine„Nationalgalerie“, aber eben so sehr auf verschiedene Semester regelrechten Studiums an Heidelbergs gelahrter Schule. Dazu kommt ein Praktikum von gut zehn Jahren Walze. Wenn dieser gescheite Kopf erzählt, weitet sich vor der Phantasie des Hörers ein Weltgebäude!— Der Mann hörte ebensogut Hebräisch in Lemberg, wie Mittelhochdeutsch an der Sorbonne. Er zählt an die 300 Wiener Straßen und Gassen aus dem Stegreif auf und reicht Ihnen ebenso flott einen Fremdenführer, damit Sie seine Aussagen an Ort und Stelle prüfen können. Dabei braut er sich prima eigene„Feuerwasser", was übrigens sein wuchtiger„Lötkolben", seine brandrote Nase, deutlichst bestätigt. Und mit den Professoren der Heidelberger Universität scheint dieser seltsame Privatgelehrte auf Duzfuß zu stehen. Aber seine Herren Studenten, die gehen dem biederen Manne über alles. Studiker brachten uns zu diesem Unikum von Wirt. Er empfing uns mit einer lateinischen Willkommenrede, über die Cicero neidisch geworden wäre. Wir wohnten über eine Woche bei ihm; allerdings in einem Zimmer zu zweit in dem außer zwei Miniaturbetten nur noch ein Nachttisch stand.„Das ist gerade gut so für Euch junge Burschen. Zum Trinken und Palavern steht Euch meine Methalle offen. Und die Welt, die studiert Ihr mir lieber draußen,„wo der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet!“, betonte unser Magister. Gegen Ende der Woche ging uns unser Geld aus. Wir warteten seit Tagen auf einen Nachschub. Langsam begannen wir zu schwitzen.„Wenn uns nur der Studentenwirt nicht am Kanthaken aus unserer Mistfinkenhöhle (wie wir unser Zimmer frei nach Scheffel nannten) befördert!" Am Samstagabend mußten wir unserem Herbergsvater unsere Zahlungsunfähigkeit bekennen. Ob wir ein heut zeitgemäßes Moratorium erwirken würden? „Ihr Burschen“, hieb der Gastwirt auf den blankgescheuerten Eichentisch.„Ihr glaubt wohl, ich alter Psychologe habe Euch Euren Dalles nicht am Nasenspitzerl angesehen, was? Hört mal zu! Wenn Ihr bis zum Montagmittag nicht Zaster habt, werde ich zwei neue Aushilfskellner haben.“ Sprachs und lud uns leutselig zu einer Kalbshaxe ein. Am Sonntagvormittag holten wir unser Geld vom Postlagerschalter. Und boten dem Herrn Studentenwirt gönnerhaft die Schuldsumme an. Gerade wollten wir mit einer Moralpauke über unangebrachtes Mißtrauen loslegen. Da hauchte uns der Hüne von Wirt an:„Ihr Pürschle, Ihr meinet woll, Ihr könnet mit oim alten Schtudentevatter umschpringe wie mit oim Grasaff'? Ha no! Eigschteckt die Pfenniger! Euer Schtudentevatter ist koi ludriger Kundequäler.“ Der Mann war unzweideutig in seiner Eitelkeit gekränkt. Unser Vertrauensverhältnis bekam mit einem Male einen gehörigen Knacks. Schuld daran war unser grünschnäbeliges Auftreten. Eine Weile saßen wir zu dritt in der Totenstille des Sonntagsfriedens. Dann hieb unser Studentenwirt noch einmal und derber auf den Kneiptisch. Er langte sich seine Baßgitarre vom Wandnagel, fuhr akkordbrausend in die Saiten und schmetterte uns mit seinem Erzbariton das herrliche Vagantenlied vor:„Die Feder am Sturmhut in Spiel und Gefahren...“ Und uns war, als reite Junker Liliencron, des Liedes Vater, in schneidigem Galopp über die weltberühmten, sagenumwobenen Riesenfässer des Heidelberger Schloßkellers. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Sanz, Altena. FSSOERS S ESspn 28 P 0 S SOSSSBLEISS S r 5 S#ggSSggg agn S Sm B aEn # Sas S SSSSSSSTESS — Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung * F e b r u a r r. 5 Die Insel der geheimnisvollen Steinbilder Von Harris Brackett. Vor kurzem ging eine der bestausgestatteten Forschungsexpeditionen, die je ausgesandt wurden, in See, um eine im Verlaufe der letzten zwei Jahrhunderte oft aufgestellte, doch nie beantwortete Rätselfrage zu lösen: Welche Bewandtnis hat es mit den geheimnisvollen Steinbildern und der versunkenen Kultur der Insel Rapanui? Am Ostersonntag des Jahres 1722 betrat der erste Weiße, der holländische Admiral Roggeveen, die den Europäern bis dahin unbekannte Insel im Stillen Ozean. Er nannte das im Weltmeer verlorene Eiland die Osterinsel und schrieb einen Bericht über die geheimnisvollen Ueberreste einer versunkenen Kultur, die er auf der Insel angetroffen habe. Ein regelrechtes System auffallend gut gepflasterter Straßen überzog die Insel wie ein Spinnennetz, mit der höchsten Erhebung des Eilandes als Mittelpunkt. Doch das Pflaster war von Gras überwuchert, und die Straßen endeten irgendwo im Meer, wo sie keinen Sinn hatten, weil nirgends ein Hafen, nirgends eine Anlegestelle war. Hier und dort standen Häuser, aus großen Steinblöcken errichtet, und bildeten kleine Dörfer. Doch von einem Teil dieser menschlichen Siedlungen hatte das Meer Besitz ergriffen. Das Seltsamste aber waren riesenhafte Steinbilder, die einen menschlichen Kopf und Rumpf darstellten und sämtlich die gleichen grob=verzerrten Gesichtszüge trugen. Ein paar Menschen wohnten auf der Insel. Sie schienen Polynesier zu sein, aber sie konnten keinerlei Aufklärung über das hochkultivierte Volk geben, das die Steinbilder errichtet, die Häuser und Straßen gebaut haben mußte. Sie wußten anscheinend nichts von dem großen Naturereignis, das diese Kultur zerstörte und zweifellos den größten Teil der Insel vom Meer überfluten ließ. Verschiedene Forscher haben das Geheimnis um die Osterinsel zu lüften versucht. Einer von ihnen landete gerade noch rechtzeitig, um eine Vorstellung von der Katastrophe zu gewinnen, der das Reich der unbekannten Herren der Osterinsel zum Opfer gefallen sein mußte. Die Ufergewässer waren voll von toten Fischen, tote Vögel bedeckten zu ungezählten Tausenden den Strand, und eine Reihe von Steinbildern, die gelegentlich des letzten Besuches durch Europäer noch aufrecht gestanden hatten, waren umgestürzt. Ein Seebeben hatte die Insel erschüttert. Vor einigen Jahren wurde der völlige Untergang der seit 1882 von Chile besetzten Österinsel gemeldet. Die Nachricht stellte sich freilich als falsch heraus, und kurz darauf konnte die Landesuniversität von Neuseeland gründliche Untersuchungen vornehmen. Sie suchte vor allem die Frage zu lösen, wie es möglich gewesen sein mochte, die zum Teil über zwanzig Meter hohen Steinbilder zu errichten, die aus je drei Riesenblöcken bestanden. Und woher kamen die Blöcke? Das dazu verwandte Gestein ist heute auf der ganzen Insel nicht zu finden. Um die bis zu 150 Tonnen schweren Steine die Bergkuppe hinaufzuschaffen und aufeinander zu setzen, war eine hochentwickelte Ingenieurkunst erforderlich, die der altägypti'cher Pyramidenbauer sicher nicht nachstand. Doch wie das Werk zustande kam, konnte man nicht feststellen. Dagegen durfte man an Hand einiger Skelettfunde die Vermutung aufstellen, daß es sich bei dem heute noch über Wasser stehenden Teil der Osterinsel um den auf der höchsten Stelle des alten Eilandes angelegten Begräbnisplatz des untergegangenen Kulturvolkes handeln mußte. Vielleicht waren die Steinbilder, die wohl den Gott der Osterinsulaner darstellten, als Grabdenkmal gedacht. Ueberreste lassen vermuten, daß einzelne von ihnen auf Steinsockeln errichtet waren, die als Grabkammern dienten. Tausende von Arbeitskräften müssen gleichzeitig eingesetzt worden sein, um diese riesenhaften Mausoleen zu errichten. Alle Steinbilder trugen ursprünglich fezähnliche Hüte aus rotem vulkanischen Gestein. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die untergegangene Kultur der Osterinsel um 500 v. Chr. in ihrer größten Blüte gestanden haben muß. Die damaligen Herren der Insel besaßen im Gegensatz zu allen anderen Südseevölkern, mit denen sie wahrscheinlich verwandt waren, eine regelrechte Schrift. Vor einigen Jahren wurden sieben Steinplatten mit Schriftzeichen entdeckt, die nach langwieriger Arbeit entziffert werden konnten. Eine dieser Tafeln überliefert uns ein Gebet an den „Großen König“, den Gott der Osterinsulaner: „Wie stark ist doch die Gewalt des Großen Königs? Er hat die Macht, die Pflanzen wachsen und die Farbe des Himmels sich verändern zu lassen. Alle preisen die Macht des Großen Königs, denn er läßt uns die Wohltaten der funkelnden Sterne erkennen, das Auftauchen der Wolken beobachten, den fruchtbringenden Tau und den willkommenen Regen, das Licht der Sonne und den Mond zu begrüßen. Er hat die Gewalt, die Erde zu bevölkern und beide zu schaffen, den König und den Untertanen.“ Dies Gebet beweist, daß die alten Osterinsulaner nur einen Gott kannten, und es reiht sich somit ein in die Beweise von der hohen Kultur der herrschenden Schichten des untergegangenen Volkes. Sollte ein Zusammenhang zwiden früheren Bewohnern von Rapanui und jenen unbekannten Stämmen bestanden haben, die auf verschiedenen, Tausende von Kilometern weiter westlich gelegenen Südseeinseln, sonderlich auf Ponape. Lele und Kusaie, Steinhäuser bauten, deren Ruinen heute noch von ihren riesenhaften Ausmaßen sprechen? Sollten die Osterinsel, Melanesien, Mikronesien und Polynesien nur die Ueberreste eines großen zusammenhängenden Erdteils sein, der mit seiner Bevölkerung und seiner Kultur ins Weltmeer versank? Die jüngste Ernedition nach der Osterinsel hofft mit ihren zwanzig Fachgelehrten diese und noch andere Fragen beantworten zu können. Gold aus Kehricht Von Albert Heinrich Hähnel. Eine der größten Sorgen einer modernen Großstadt bildet die Frage, wo man mit den ungeheuren Massen von Kehricht und Abfällen jeder Art bleiben soll, welche die städtischen Abfuhrgesellschaften allnächtlich sammeln. Daß es sich hierbei in der Tat um ungeheure Massen handelt, zeigen einige Zahlen aus der größten Stadt der Welt, Newyork, von deren rund 8000 Kilometer Straßen im vergangenen Jahre nicht weniger als 14 Millionen Kubikmeter Asche, Kehricht und Abfälle aller Art abgefahren wurden. Das entspricht etwa einem Berge, der bei je rund 400 Meter Länge und Breite nicht ganz einen Kilometer hoch ist. Man kann sich vorstellen, daß die zweckmäßige Verwendung dieser Menge nicht ganz einfach ist. In Newyork werden 70 v. H. des Straßenkehrichts und 45 v. H. der sonstigen Abfälle in 22 riesigen, eigens zu diesem Zwecke erbauten Oefen verbrannt; der Rest gelangt, soweit er nicht ins Meer geschüttet wird, auf die verschiedenen Müllabladestellen. von denen das im Eastriver gelegene Rykers Island die bedeu1932 stendste ist. 50 Schuten von erheblichem Fatsungsvermögen sind fast dauernd beschäftigt, ihre wenig angenehme Fracht nach der Insel zu bringen, die ihren Umfang im Laufe des Jahrebereits um das Mehrfache vergrößert hat. Do eine weitere Zunahme das Fahrwasser allzu sehr verengen würde, wird man sich in Zukunft nach anderen Abladeplätzen umsehen müssen. Auf Rykers Island soll sich dann mit der Zeit eine große Strafanstalt erheben, zu der die Pläne bereits fertig vorliegen. Heute leben auf ihr, außer den 225 Arbeitern, die täglich von Newyork herüberkommen, nur 60 große Hunde, deren einzige Aufgabe in der Vertilgung der unzähligen Ratten besteht, deren man sohne diese vierfüßigen Bundesgenossen sich überhaupt nicht würde erwehren können. Eine der seltsamsten Eigenschaften dieses Insel ist die Tatsache, daß ihr Inneres, wenigstens der in den letzten Jahren entstandene Teil, einen schwelenden Brandherd bildet. Unter dem eigenen Druck geraten die bis zu 17 Meter aufgetürmten Abfallmassen, die ja zahlreiche leicht brennbare Stoffe enthalten, durch Selbstentzündung in Brand, der zwar nicht bis an die Oberfläche durchbricht, aber diese noch hinreichend erwärmt, daß darauf Gemüse und allerlei andere Pflanzen gedeihen können. Diese verborgene Glut vermindert dauernd den Fbikinhalt der Abfallmassen, die mit der Zei fest werden wie gewachsener Boden. Man sollte nicht glauben, daß aus all dem wertlosen Zeug, das achtlos fortgeworfen und den verschiedenen Müllbergen zugeführt wird, sich noch Schätze holen ließen. Und doch hat mehr als ein Findiger, der sein Geschäft verstand, sich daraus noch ein Vermögen gemacht. Ein gewisser Joe Marrone sammelte zunächst allein, dann, als das Unternehmen blühte, mit einer Anzahl Arbeiter alles Papier, Pappe, Kartons und Aehnliches sorgfältig zusammen und verkaufte es an Fabriken, die es zu neuem Papier verarbeiteten. Schließlich erhielt er eine Art Monopol für sämtliche Müllabladestellen der Riesenstadt. Marrone starb als Millionär. Andere sammeln Fette und Knochen oder Bindfäden und Stricke und dergleichen, wieder andere Blechdosen und=kannen Aus den Fetten wird eine billige braune Seife gewonnen, die Knochen werden gemahlen und als Kunstdünger verwandt, die Metalle eingesch nolzen und neu verwertet. Aber nicht nur an sich Wertloses findet seinen Weg nach Rykers Island und ähnlichen Plätzen. Nicht selten kommt es vor, daß die Arbeiter der Abfuhrwagen Kisten, Pakete oder dergleichen, die auf dem Bürgersteig stehen, aber keineswegs für den Müllhaufen bestimmt sind, in der Eile oder aus Unachtsamkeit mitgehen heißen. Es ist noch nicht lange her, daß auf diese Weise zehn Kisten mit Herren=Unterwäsche auf den Müllwagen gerieten. Nicht geringes Aufsehen erregte vor einiger Zeit ein Teppichhändler, der auf Rykers Island erschien und bat, das Ausladen der Schuten überwachen zu dürfen. Er vermißte einen alten Perser=Teppich. den er hier wiederzufinden hoffte. Stundenlang sah er zu, wie ein Fahrzeug nach dem anderen entleert wurde, Schmutz und Staub, die den Mann allmählich von Kopf zu Füßen überzogen, störten ihn nicht Plötzlich stürzte er vorwärts: er hatte das Paket mit seinem kostbaren Inhalt erkannt. Es erwies sich als unbeschädigt, und mit seinem Teppich, der immerhin 20000 Mark wert war, zog er beglückt von dannen. Ein andermal sah ein Aufseher einen Arbeiter eifrig in einem die Nacht zuvor entladenen Millhaufen herumsuchen. Ab und zu teckte der in seine Tätigkeit Vertiefte etwas in die Tasche. Es waren, wie sich herausstellte, Fünf= und Zehndollarnoten. die— der Himmel lmag wissen, wie— unter den Abfall geraten MPF“ 2SL * ∆S 900R UIEHAEN ##T L gestellt, kämpfte er im Westen. Der Eintritt. ihres Vaterlandes in den Krieg entfremdete Frances ihrem deutschen Gatten, und sie trennte sich von ihm, nachdem dieser ihr den Anspruch auf zwei Fünftel seines Vermögens zugesichert hatte. Der französische Besitz der Mumms war freilich inzwischen von der Pariser Regierung beschlagnahmt worden, und den Bestimmungen des Versailler Friedensdiktates entsprechend wurde Mumm mit seinen Ansprüchen an die deutsche Regierung verwiesen. Die Entschädigung konnte also nur geringfügig sein. Inzwischen war es aber Frances von Mumm gelungen, durch eine besondere Kongreßakte ihre amerikanische Staatsangehörigkeit wieder zu gewinnen, und sie klagte nun gegen Frankreich auf Auszahlung des ihr zustehenden Anteils am beschlagnahmten Besitz. Nach langen Kämpfen, die ihr Vater für sie führte, schien sie kurz vor dem Siege zu stehen, als beide starben. So verfiel auch dieser Teil des Mumm'schen Vermögens der Eier Frankreichs. Walter von Mumm hatte in Deutschland noch zwei bis drei Millionen Mark gerettet. Er verlor das Geld restlos durch die Inflation. Dazu waren die Hoffnungen, den in den Vereinigten Staaten gesetzlich geschützten Namen „Mumm's extra trocken“ ausnutzen zu können, durch die Einführung der Prohibition zu Schanden geworden. Nun kratzte der frühere Champagnerkönig alles Geld, was ihm noch geblieben war, ein paar tausend Dollars, zusammen und ging nach den Vereinigten Staaten. Dort lebte auch sein einziges Kind, die kleine Mary von Mumm, die er der Fürsorge eines Pensionats überlassen mußte. Er selbst kämpfte um seinen Wiederaufstieg. Es gelang ihm auch, an der Börse gut zu verdienen und ein ansehnliches Vermögen anzusammeln. Doch der Börsenkrach von 1929 brachte ihn um alles. Zwei Jahre lang versuchte der frühere Champagnerkönig Baron Walter von Mumm, sich als Reisender für einen Newyorker Makler über Wasser zu halten. Er kämpfte um die Zukunft seines Kindes. Er verlor den Kampf. Zuletzt hauste er in einem armseligen möblierten Zimmer. Niemand, der früher „Mumm's extra trocken“ geschlürft hatte, ahnte etwas davon. Ein alter Bekannter traf ihn und lud ihn zum Wochenend in sein Haus nach Long Island ein. Zum ersten Mal seit langer Zeit sah Walter von Mumm wieder den Luxus um sich, den er früher gewohnt gewesen war. Da fand er nicht mehr den Mut, in das Leben der Entbehrungen zurückzukehren, und er schoß sich eine Kugel in die Brust. Der Tod wollte ihn nicht. Ohne Geld, ohne Hoffnung, die vierte Kugel in der Lunge, liegt der ehemalige Champagnerkönig heute in einem Newyorker Krankenhaus. Kampf mit einem Riesen Ein Angler= Erlebnis in der Nordmandschurei von Joseph M. Velter. Vier Tagereisen trennten uns noch von den Kohlenbergwerken von Sansin und Sungari. Von Ninguta aus waren wir nordwestlich den Mutankiang abwärts gezogen und lagerten nun unweit eines kleinen, von Mansen und Koreanern bewohnten Dörfchens, das auf unseren Karten nicht verzeichnet war und von den Mansen Schanwaitsi genannt wurde. Es war im Spätherbst. Die Berge zogen sich zu unserer Linken in langer Kette hin, von gilbenden Ahornen, Schwarzbirken und dunklen Nadelwäldern bestanden. Leuchtend mischte sich das flammende Gelb dahurischer Eichen dazwischen. Zur Rechten öffneten sich lichtere Täler, menschenleer, stumm, von einem sonderbar wesenlosen, bedrückenden Schweigen erfüllt. Hier erlebte ich einen der aufregendsten Kämpfe unserer abenteuerlichen Jagdfahrt. Wie öfters in den letzten Tagen, richtete ich im späten Nachmittag das schwere Spinnangelzeug, während mein Gefährte Imquill mit unserem russischen Begleiter Semjon Pawlo= witsch Pjetroff zu einer Jagdstreife dem Tal zustrebte, dessen Ausläufer bis zu unserem Lagerplatz heranreichte. Ich wanderte uferabwärts, von dem berauschenden Gefühl jener pochenden Vorfreude erfüllt, das wohl keinem leidenschaftlichen Jäger oder Angler fremd ist. Nicht lange dauerte es, und der silberblinkende Schleuderspinner, von dem federnden Schwung der Gerte geschnellt, flog in weitem Bogen über die Fläche, um etwa 40 Meter unterhalb ins Wasser zu tauchen. Einrollend hob und senkte ich die Gerte. Silbern kam der blitzende Neueste Aufnahmen vom Krieg ohne Kriegserklärung Oben: Japanische Truppen verschanzen sich im Vorgelände der Großen Ma uer an der Grenze der Mandschurei. Unten links: Amerikanischer Marinewachtposten an der Grenze der internationalen Zone durchsucht den Korb eines chinesischen Straßenhändlers nach Waffen. Unten rechts: Japanische Infanterie beim Ausheben von Schützengräben in der Süd=Mandschurei. Obwohl in der Mandschurei seit Monaten erbittert gekämpft wird, und trotz der zahllosen Todesopfer des Bombardements auf Schanghai, streitet Japan energisch ab, sich im Kriegszustand mit China zu befinden. waren. Die schmutzige Arbeit hatte sich bezahlt gemacht, dem Manne waren für 1600 Mark Scheine in die Hände gefallen. Ein anderer beim Entladen einer Schute beschäftigter Arbeiter fiel durch den ungewöhnlichen Eifer auf, mit dem er den Abfall bei Seite schaufelte. Dabei rührte er sich nicht von der Stelle, ja er blieb selbst stehen, als die Greifschaufel, die den Kehricht aus dem Fahrzeug an Land schaffte, eine volle Ladung fast über ihn ausschüttete, so daß er bis zum Leibe in dem Unrat stand. Als er seinen Platz nicht länger behaupten konnte, wenn er nicht darauf begraben werden wollte, bückte er sich, nahm ein Päckchen, auf dem er mit einem Fuß standen, auf und wollte sich damit drücken. Der Fund erwies sich als eine Brieftasche mit zehn Zwanzig=Dollarscheinen. So ließen sich noch manche andere Beispiele aufzählen, die beweisen, daß die Müllablagerungsstätten der Großstadt auch recht greifbare Werte enthalten. Gold steckt eben auch im Kehricht. Allerdings muß man es zu finden wissen. Der Champagnerkönig liegt auf der Straße Von G. W. Hammer=Jersey City. Was hat es heute zu sagen, wenn in New York sich ein Mensch das Leben nimmt? Das ist ja leider ein so alltäglicher Vorfall geworden, daß niemand mehr sich mit dem Lesen einer derartig nebensächlichen Meldung aufhält. Einer mehr oder weniger— man hat seine eigenen Sorgen. Und doch erregte es Aufsehen, als sich kürzlich draußen auf Long Island ein Mann eine Kugel in die Brust schoß. Denn er war der Trager eines in den ganzen Vereinigten Staaten bekannten Namens, dieser Baron Walter von Mumm. Mehr als ein Jahrhundert lang hatte die aus Deutschland stammende Familie Mumm in Frankreich am Aufbau ihres Riesenvermögens und ihrer Kellereien gearbeitet. Mancher Wiverstand war ihnen von französischer Seite in den Weg gelegt worden, und die Gegner versuchten, den Ehampagner der Mumms in den Augen der Franzosen herabzusetzen. Die Auswirkungen des Feldzuges gegen den deutschen Namen wuchsen ins Bedrohliche. Da entdeckte vor rund fünfzig Jahren ein Mumm ein neues Absatzgebiet, die Vereinigten Staaten. Selten ist ein Propagandafeldzug derartig geschickt geführt worden wie der damals jenseits des Großen Teiches einsetzende. Innerhalb eines einzigen Jahres gelang es, dem Amerikaner zu suggerieren, daß der Genuß von„Mumms extra trocken“ für jeden einigermaßen gutgestellten Menschen Anstandspflicht war. Andere Marken kamen kaum in Frage. So konnte die Familie ihr Vermögen bald auf hundert Millionen Mark beziffern. König in diesem Champagnerreich war Walter von Mumm, der in Deutschland das Licht der Welt erblickt hatte. Er durfte natürlich seine amerikanischen„Untertanen“ nicht vernachlässigen, und so hielt er sich häufig in den Vereinigten Staaten auf. Eines Tages im Jahre 1910 stieg er dort im Freiballon auf, um drüben in Kanada einer jungen Amerikanerin wie das Glück beinahe in den Schoß zu fallen. Das unvorhergesehene Zusammentreffen war zwar von kurzer Dauer, hinterließ aber in beiden einen unverlöschlichen Eindruck. Kurz danach machte Walter von Mumm die Bekanntschaft einer schönen Abenteurerin, die als Tochter eines Fabrikarbeiters begonnen, in eine angesehene Baltimorer Familie hineingeheiratet hatte und nun den Champagnerkönig zu gewinnen hoffte. Wenn von Liebe die Rede sein konnte, so war sie nur einseitig, und Walter von Mumm hätte es lieber gesehen, wäre ihm Marie Barnes nicht durch ganz Europa gefolgt. Der Bruch kam aber erst, als Mumm in der Schweiz wieder seine Bekanntschaft aus Kanada traf, die junge Frances Scoville. Beide wurden innerhalb kurzer Zeit einig und verlobten sich. Die Hochzeit mußte freilich ein wenig verschoben werden, denn als Mumm seiner hartnäckigen, ungebetenen Verehrerin Mitteilung von seiner Verlobung machte, schoß ihm die wütende Abenteurerin zwei Kugeln durch die Lunge. Zwei Jahre glücklichen Ehelebens ließen alles vergessen. Da kam der Krieg, und Walter von Mumm wurde vor die Frage gestellt, entweder durch die Franzosen interniert zu werden oder seinen Besitz zu verlassen und nach Deutschland zu gehen. Er entschied sich für das Letztere. Als deutscher Kavallerieoffizier erhielt er im Osten den dritten Lungenschuß. Wiederher2 SI6 BRNAES ZEEMHSSEES amp 2 E # S Köder durchs Wasser gezogen, verhieft spielerisch. taumelte, einem kranken Fisch gleich, in die Tiefe, schnellte vorwärts— nun kam er gleichmäßig spinnend heran. Kein Anbiß. Immer wieder flog er hinaus, suchte das Wasser ab. Nichts rührte sich. Und doch wußten wir, daß starke Hechte und Salme hier standen. Langsam zog ich flußabwärts. Eine Stunde verrinnt. In den Weidenbüschen am Ufer, im Röhricht flüstert es. Das Blau des herbstlichen Himmels wird fahl, grünlich, jenseits, über dem dunklen Höhenzug, taucht die Scheibe des Mondes auf. Aus dem in Nacht ertrinkenden Walde kommen dumpfe Rufe; Eulen und Käuze beginnen ihr gespenstisches Wesen. Meine Spinnrolle surrt. Immer wieder taucht der Blinker in die Flut. Kein Anbiß folgt. Ich ersetze den Blinker durch eine schwere Colorado=Darre. So komme ich in noch größere Tiefen. Hier, wo ich einen neuen Standplatz gewählt habe, scheint das Wasser fast still zu stehen. Schwarz, regungslos liegt es vor mir, bildet eine dunkle Bucht, deren Ufer teilweise aus blaugrauem Schlamm besteht. Zum wievielten Male schon werfe ich die Darre aus? Die Scheibe des Mondes beginnt, ein silbernes Licht auszustrahlen. Soll ich aufbrechen? Da spüre ich plötzlich einen Schlag in der Gerte. Völlig unbewußt haue ich an. Es ist die selbstverständliche Reflexbewegung des Anglers, der seit Jahren die schwere Spinngerte zu führen gewohnt ist. Aber auf den Anhieb folgt keinerlei Antwort. Noch einmal tue ich einen zugigen Schlag— nichts rührt sich, nur die Gerte biegt sich fast zu einem Halbkreis. Ein Hänger? Verdrießlich gebe ich Schnur, gehe ein Stück flußabwärts, versuche, durch Zerren an der Schnur den Blinker von dem Hindernis zu befreien. Da geschieht etwas völlig unerwartetes: Ein Schlag erfolgt, der mir den Knopf der Rolle aus der Hand reißt; surrend saust Schnur ab, die Gerte wird fast bis zum Wasserspiegel gerissen. Mit fliegenden Fingern schalte ich die Knarre, die Bremse der Rolle ein. Umsonst: Die Schnur wird in gleicher Geschwindigkeit weiter abgezogen. Ich bremse mit der Hand, fünfzig Meter Schnur mögen schon draußen sein, siebzig Meter habe ich im ganzen nur zur Verfügung. Plötzlich schnellt die Gerte zurück. Rasend rolle ich ein, spüre erneuten Widerstand. Ein ganz kapitaler Hecht muß es sein, der hier gehakt ist. Habe ich je einen solchen Zug an der Leine gespürt? Schwerfällig folgt der Gegner. Sollte er sich jetzt schon geschlagen geben? Im schwachen Licht des Mondes sehe ich kaum das feine Wellenstreifchen, das die Schnur auf dem Wasserspiegel erzeugt. Langsam kommt es näher. Zittern läuft durch die Gerte, jäh biegt sie sich schärfer, eben will ich Schnur nachgeben, da wird das Wasser vor mir von einer ungeheuren Gewalt aufgewühlt. Es tut einen lauten, dumpf klatschenden Schlag, eine ungeheure schwarze Masse schnellt sich heraus, peitscht die schwarze, ölglatte Flut auf, taucht wieder unter und rast in die Tiefe. Pfeifend fast reißt das Tier die Schnur mit. Ich bin so erregt, daß ich fast vergesse, die Schnur abzubremsen. Da, nach vielleicht dreißig Metern Flucht tritt für einen Augenblick Ruhe ein. Jetzt spüre ich, daß meine Knie zittern von einem dumpfen Schrecken, der mich plötzlich beim Anblick des schwarzen, unbekannten, riesigen Wesens überfallen hat. Was ist es? Ich weiß es nicht. Aber das weiß ich, daß ich nicht locker lassen werde. Für Augenblicke spannt sich die starke Tarponschnur so, daß ich glaube, sie müsse wie eine Saite singen. Aber sie hält. Eine andere Frage ist, ob ich selbst den Kampf gegen die Riesenkraft aushalte, die da unten in der Tiefe der schwarzen Flut lebendig und wirksam ist. Wieder muß ich Schnur geben, ich darf nicht Gerte und Leine überspannen, der Fisch ist für mich verloren, sobald ich versuche, das wütende Tier mit roher Kraft zu erbeuten. Immer ungebärdiger führt sich nun der unbekannte Gegner auf. Er bohrt sich in die Tiefe, liegt eine Weile still, ich zerre ihn auf. Da schießt er unerwartet an die Oberfläche, Gischt schäumt auf, wieder surrt die Rolle. Ich muß dem Gegner folgen, stromauf, stromab. Unmöglich, seiner wilden Kraft zu widerstehen. So vergehen fast zwei Stunden. Meine Beine zittern von dem Uebermaß der Anstrengung. Auch die Arme schmerzen. Lange dar es nicht mehr dauern. Nun hat sich der Riese auf den Grund gelegt. Will er ausruhen? Läßt seine Kraft nach? Das gibt neuen Mut. Wiedey treibe ich ihn in den Kampf. Nach einer weiteren Stunde bin ich endlich so weit, daß ich ihn herandrillen kann. Er folgt schwerfällig dem Zug; wie ein unter Wasser treibender Baumstamm wirkt er, den man versehentlich gehakt hat. Der Presseball 1932 Oben links: Der französische Botschafter Francois Poncet(links) im Gespräch mit PolizeiVizepräsident Dr. Weiß und Oberst Heimannsberg, Kommandeur der Berliner Schutzpolizei. Daneben rechts: Blick in die Loge der amerikanischen Botschaft. Botschafter Sackett mit Gattin, Staatssekretär Dr. Meißner, amerikanischer Botschaftsrat Wiley und Frau Dr. Meißner. Unten links eine Gruppe prominenter Bühnenund Film=Künstler: Harry Liedtke, Willy Fritsch, Richard Tauber und Christa Tordy Liedtke an der Tombola. Reichsverkehrsminister Treviranus im Gespräch mit Reichswirtschaftsminister Prof. Dr. Warmbold. Auch in diesem Jahr bildete den gesellschaftlichen Höhepunkt der Berliner Winter=Saison der traditionelle Presse=Ball, bei dem sich eine fast unübersehbare Schar von prominentesten Vertretern der Politik und der Kunst zusammenfanden. Nun erkenne ich seine Umrisse und denke erlöst, da ich endlich den Räuber vor mir sehe: Ein Wels, ein riesiger Wels, wie wir ihn einmal in einem 35 Pfund schweren Exemplar aus der unteren Donau holten. Aber dieser hier ist viel schwerer. Wie ihn landen? Das Gewicht dieses Körpers trägt keine Angelschnur, sobald der Fischleib aus dem Wasser ragt. So tue ich das einzige, was mir übrig bleibt. Ich ziehe die Pistole und jage zwei Kugeln in den ungeschlachten Kopf des Tieres. Noch einmal peitscht der Riese das Wasser, tut einen Schlag, schießt zurück in die Tiefe, kämpft verzweifelt. Noch einmal reißt er zwanzig, dreißig Meter Schnur von der Rolle, dann hort der Widerstand auf. Ich kann den leblosen Körper in das flachere Wasser ziehen, klammere beide Hände hinter die Kiemen, keuchend zerre ich den schweren, massigen Körper ans Land. Dann sinke ich vollkommen erschöpft zusammen. So finden mich Inquill und Semjon Pawlo= witsch, die auf meine Schüsse hin mich suchten. Den Wels, den wir anderntags in dem Dörfchen Schanwaitsi verkauften, wog 82 Pfund. In seinem Innern fanden wir neben Fischen die Ueberreste zweier Wildgänse. Die Geschichte von Bimgari, dem Zauberdoktor Ein Erlebnis in Australien, erzählt von Anton E. Zischka. Nirgends kann die Sonne so mitleidlos niederbrennen wie in Neusüdwales. Die Schafzüchter, die hier noch geblieben sind, leben von den artesischen Brunnen. Und sonst wer gerade nicht sehr mit Glücksgütern gesegnet ist, der lebt von den Kaninchen. Wir hatten einen alten Kraftwagen ausgeliehen, dazu Drahtgitter und Pflöcke, ein paar alte Zelte und Wassertanks, und waren von Bimbour=Station gegen Duffer Dam gezogen einem Wasserloch, das der Regierung gehört. Eukalyptusgruppen, Sand, Staub und Hitze. Und dann kamen wir zu dem Damm, einem Sandhaufen, hinter dem einen halben Meter hoch schmutzig graues Wasser stand, stinkendes Wasser, mit Tausenden von Vögeln, das einzige Wasserloch in weitem Umkreis. Wir stellten das Trahtgitter auf, schön im Quadrat rings um den Tümpel, mit zwei schmalen Gängen und zwei kleinen, nur wenige Quadratmeter großen Kammern. Feinmaschige Drahtnetze mit einem Eingang wie ein Fischernetz. Nach außen breit und nach innen, dem Wasser zu, ganz schmal. Gerade breit genug, um ein Kaninchen durchzulassen. In der Nacht kamen sie dann, Tausende, Zehntausende. Der Reichtum des Landes wird von diesen Kaninchen geliefert, den Millionen Nagern, die überall den Boden unterwühlen. In der Regenzeit trinken sie natür. lich ebense wenig wie Europas Hasen. Im Sommer„aber, da alle Gräser vertrocknet sind, suchen die Tiere meilenweit nach Tümpeln. Sie wandern Kilometer, um an das Wasser zu kommen. Blind gehen sie in alle Netze. Auch in unsere liefen sie. Man treibt sie in die kleinen Kammern. Bricht ihnen mit einem Griff das Genick. Zieht mit kurzem Ruck das Fell ab. Man fängt in trockenen Sommern leicht 1200 Tiere in einer einzigen Nacht. Kein Filzhut auf der Welt, zu dem nicht australische Kaninchen den Pelz gelassen hätten. Zwei Nächte währte dieses grausige Morden. Dann trafen wir Bimgari, den berühmten Zauberdoktor. Das ist ein Neger, uralt und vertrocknet, ein Mann von mindestens 80 Jahren. Klein, verschlagen. Er hat ein altes Zelt als Wohnung, ist fast nackt, schnitzt Boomerangs. Meist lebt er hier beim Wasserloch, oft aber ist er weit draußen in der Wüste, manchmal kommt er nach Bimbour, wenn er Tabak braucht. Er ist ein Zauberer. Seine Kunst allein soll das Wasser im Loch von Duffer Dam halten. Nur er kann die noch reichlich wilden Ureinwohner dazu bringen, als Führer für die Opalsucher zu dienen, als Boys und Träger. Ein geheimnisvoller Mann, der Neger Bimgari. Wir also saßen um das Feuer. Da kam er. Ob wir nichts von Petters wüßten, dem Opalsucher? Wir wußten nichts. Bimgari nahm sein Tabakgeschenk und ging. In derselben Nacht dann, als eben Rocky Wache hatte und wir andern schliefen, kam der grausige Wagen mit der Negerleiche. Rocky hörte ein Pferd herantraben, er weckte uns. Wir fanden ein halbverdurstetes Tier, das einen zweirädrigen Karren zog. Und dann sahen wir den Neger nackt, mit furchtbaren Wunden, tot seit mindestens zwei gen. Er lag im Wagen, unter einem Mehlsack und einem alten Zelt. Welche Tragödie hatte sich da wieder in der Wüste abgespielt? Ein Weißer, der in einem Tobsuchtsanfall, wie er manchmal dem Verdursten vorausgeht, seinen Boy erschlug? Das Pferd ging den Kaninchen nach zum Wasser. Wo war der Weiße geblieben? Petters hatte doch einen schwarzen Boy gehabt? Drei Autostunden waren bis zur nächsten Farm. Sie hatten dort ein Telephon. Aber auch den gemeinsten Verwalter in der Gegend Hoyt, einen Mann, von dem niemand wußte, wie er zu diesem Posten kam, von dem nur der ganze Distrikt Jußte, daß man sich vor