wächst. Die Bewohner von Los Angeles versichern großsprecherisch, sie würden den Löwenanteil des Welthandels übernehmen, und San Franzisko würde dahinsiechen. Sie besitzen ja die Oelquellen und liegen dem Panamakanal näher. Aber dann kommen die Bewohner von San Diego und erklären, sie hätten es noch näher zum Panamakanal und würden daher, wenn die Zeit erfüllt sei, beide nördlicheren Großstädte aus dem Felde schlagen. Wie die Dinge sich entwickeln werden, weiß niemand, aber San Franzisko kann niemals sterben. Erdbeben und Feuer können es in Schutt und Asche legen, aber aus der Asche wird es stets aufs neue erstehen, größer und mächtiger als vorher. Schon seine Lage fordert— ebenso wie der Bosporus und das Goldene Horn— eine Weltstodt. Noch siebzig Jahre nach der Gründung der Franziskanermissionen, d. h. im Jahre 1846, hatte San Franzisko nur 600 Einwohner. In diesem Jahre nahmen die Vereinigten Staaten es in Besitz. Aber als zwei Jahre später die halifornischen Goldfelder entdeckt wurden, blühte der kleine Ort rasch auf und wurde eine Stadt voll brausenden Lebens. Das Erdbeben und die dadurch verursachte Feuersbrunst zerstörten 30000 Häuser oder zwei Drittel der Stadt. Seit 1920 hatte die Einwohnerzahl die halbe Million überschritten. San Franzisko liegt auf der Spitze einer nach Nordwesten zeigenden Halbinsel, auf die eine zweite, nach Südosten gerichtete Halbinsel zustrebt. Die beiden Landzungen gleichen den Kohlenstiften einer elektrischen Bogenlampe. Der 1,6 Kilometer breite Sund zwischen ihnen trägt den Namen Goldene Gate, das Goldene Tor. Zwischen den Halbinseln und dem Festlande breitet sich die San=Franzisko=Bai aus, die mit ihrer nördlichen Erweiterung, der San Pablo=Bai, groß genug ist, allen Schiffen der Welt Ankerplatz zu gewähren. Dieser natürliche Hafen ist vielleicht der vorzüglichste und am besten geschützte der ganzen Erde. Die Bai, wie sie heißt, ist eher ein Fjord und erinnert auch an einen Küstensee. Unmengen von Kohle und Oel werden auf dem Wasser der Bai verbrannt, da der Verkehr hier Tag und Nacht überaus lebhaft ist. San Franzisno steht ja nur durch eine einzige Bahnlinie, Southern Pacific, in direkter Verbindung mit dem Eisenbahnnetz des Kontinents. Die anderen Linien beginnen oder enden bei Oakland, das durch riesige Fährschiffe mit San Franzisko verbunden ist. Als ich mich auf der Union Pacific=Eisenbahn Oakland näherte, erblickte ich ein paar flüchtige Minuten lang durch das Goldene Tor den fernen Horizont des Stillen Ozeans. Eine wunderliche feierliche Stimmung überwältigte mich in dem Augenblick, wo ich die Pforten des alten Asiens weit geöffnet vor mir sah. Dort hinten im fernen Westen lag Asien und kräumte, und der Katzensprung, der mich von ihm trennte, war die weite, endlose Wasserjluche des Stillen Ozeans. Nein, ich konnte mir keinen anderen Heimweg denken als durch Japan, China, die Mongolei und Sibirien. Wir hatten in zwanzig Minuten die Bai überquert und legten bei dem mit vier großen Zifferblättern versehenen Ferry Tower an. Dann rollte ich im Auto durch Straßen, auf denen man leichter vorwärts kommt als in Newyork, Detroit oder Los Angeles, und schließlich eine ziemlich steile Steigung hinan und landete im Fairmont Hotel, einem prächtigen Gasthaus, das majestätisch auf einem Hüge! thront. Unvergleichlich ist die Aussicht, die man von hier oben aus hat, auf die Häuserblöcke, Wolkenkratzer und Türme der„unteren Stadt“ und die Bai mit ihren Inseln, Alcatraz, Engelinsel und Ziegeninsel, und ihren hin und her eilenden Fährschiffen. —1••— Die Kopfjäger von Der Wirklichkeit nacherzähl' von E. Conz=Tokio. Im Europäerkleid erzählte einmal einer die Geschichte, als vom Aufstand der Kopfjäger auf Formosa die Rede war: Drüben in den Bergen von Luzon, der Hauptinsel der Philippinen, hatten die Eingeborenen bis vor wenigen Jahren auch noch die wenig angenehme Angewohnheit, ihren Feinden den Kopf abzuhacken. Lag da nun in Banaue, mitten im Gebiet der Kopfjäger von Ifugao, ein Hauptmann Fordyce mit seiner Kompagnie. Der nahm ### eines schönen Tages vor, die Kopfjägerei, die von sieben verbündeten Stammen unter Führung des alten Häuptlings Wigan eifrig betrieben wurde, auszurotten. Dabei verfiel er auf einen Gedanken, der allen anderen Weißen unsinnig erschien: Er wollte keinen seiner Soldaten der Gefahr eiDer erste Start des Das Stratosphärenflugzeug beim ersten Probeflug. In Dessau startete zum ersten Male das von den Junkerswerken erbaute Stratosphärenflugzeug„Ju 49“ der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft und der Versuchsanstalt für Luftfahrt. Das eigenartige Flugzeug, bei dem das sehr hohe Fahrgestell besonders auffällt, ist mit einen 800 PS=Motor ausgestattet. Der Probflug verlief sehr befriedigend, so daß m den Höhenflügen demnächst begonnen werden wird. ging allein zu den Wilden, um mit Wigan zu verhandeln. Seine Soldaten sahen hinter ihm her:„Schade um ihn!“ Zuerst dachte Fordyce selbst, er müßte wirklich seine Tollkuhnheit mit seinem Hals bezahlen. Denn als er das Gebiet Wigans betrat, rannte ein Dutzend Kopfjäger mit geschwungenem Handbeil auf ihn zu. Zwei Schritte vor dem waffenlosen Weißen blieben die Wilden aber stehen, und dann führten sie ihn zu ihrem Häuptling. Der nahm den Hauptmann gut auf, doch er wollte sich nicht gleich zu einer bündigen Erklärung über Unterwersung oder Kampf gegen die Weißen herbeilassen. Er versprach Fordyce, seine Entscheidung in ein paar Tgen bekannt zu geben. Unbelästigt kehrte der Hauptmann nach Banaue zurück. Drei Tage später traf die Antwort ein: Wigans Leute überfielen am frühen Morgen den Weißen unterworfene friedliche Eingeborene, die in ihren terrassenförmig am steilen Berghang liegenden Reisfeldern arbeiteten, und töteten ein halbes Dutzend von ihnen. Also wollte der Häuptling den Kampf. Fordyce sah ein, daß er jetzt unter allen Umständen handeln mußte, auch wenn er augenblicklich nur über vierzig weiße Soldaten verfügte. Er brach mit ihnen sofort in das Gebiet der Kopfjäger auf. Die oberste Terrasse eines Reisberges, der Wigans Dorf um fünfhundert Meter überragte, wurde von Fordyce als Stellung ausgewählt. Unten im Dorf war der Feind bemerkt worden, und die ganze Nacht über herrschte aufgeregtes Treiben. Fackelzüge, die über die Berge kamen, verrieten, daß Wigan seine Krieger von allen Seiten zusammenzog, und die Kriegstrommeln dröhnten zum Geschrei der Kopjjäger. Am nächsten Morgen zählte Fordyce durch seinen Feldstecher rund zweitausend vollbewaffiete Krieger, die sich am Fuße des Reisberges sammelten. Vierzig gegen zweitausend! Dem zauptmann griff doch eine unsichtbare Hand kalt nach der Brust. Aber einen Augenblick später hatte er das beklemmende Gefühl abgeschüttelt. Er wollte mit seiner Handvoll siegen. Dann erkannte er Wigan vor den Reihen der Kopfjäger. Da ließ der Hauptmann einen seiner Soldaten nach dem anderen durch den Feldstecher sehen:„Prägt Euch diesen säuptlin= genau ein! Ihr dürft erst dann auf ihn schießen, wenn ich den Befehl gebe.“ Inzwischen hatten sich die zweitausend unten im Tal formiert. 800 Mann sonderten sich ab und blieben anscheinend als Reserve zurück. Die anderen zwölfhundert gingen über die Reisterrassen hinweg zum Angriff vor. Als sie in drohendem Schweigen näher und näher rückten, die schauerlich bemalten Gesichter von schwarzen Haarsträhnen umflogen, fingerte doch der eine oder der andere nervös am Gewehrschaft. Fordyce ließ die Angreifer auf zweihundert Meter herankommen:„Feuer!" Jeder Schuß saß. Trotzdem stockte der Angriff nicht. Die Lücken schlossen sich. Die Kopfjäger kamen näher und näher. Ihr Kampfgeheul vermischte sich mit dem Knattern der Gewehre und dem tausendfochen Echo der Bergwände zu einer nervenzerrüttenden Höllensymphonie. Die Terrassen waxen mit Gefallenen über und doch rückten die Kopfjäger unaufhalt militärischen Unternehmens aussetzen und vor. Ihr: Uebermacht war noch immer erdrükkend. Sie standen keine dreißig Meter unterhalb Fordyces Stellung, da gellte die Stimme des Hauptmanns durch den Lärm des Kampfes: „Auf Wigan schießen!“ Zehn, fünfzehn Kugeln trafen den Häuptling. Er stand noch einen Augenblick hoch aufgerichtet mit wutverzerrtem Gesicht. Dann brach er zusammen. Ein Schrei des Entsetzens ging durch die Angreifer, die Kopfjäger wankten, flohen führerlos über die Terrassen den Berg hinunter. Fordyce aber stürzte aus seiner stellung rannte, stolperte und fiel den Hang hinab, bis er neben Wigans Leiche stand. Ein paar Leute verstanden ihn, liefen hinter ihm her, und wenige Augenblicke später lag der tote Häuptling als kostbarste Beute des Tages hinter der Linie. Ein Schrei der Wut dröhnte aus dem Tal auf, als die Kopfjäger Wigans Leiche in der Hand der Feinde sahen. Fordyce hätte sich mit dem Sieg begnügen und abziehen können. Doch er wollte mehr, und er unternahm deshalb ein Wagnis, das seinen Leuten als Wahnsinn erscheinen wollte. Er stieg mit ihnen und der Leiche Wigans die Terrassen hinab ins Dorf, das ein aufgeregter Ameisenhausen war. Weiber, Kinder und alte Männer heilten durcheinander, und nur die Krieger standen in Reih und Glied, erwarteten den Feind. Fünfzig Schritt vor ihnen ließ Fordyce seine Kolonne halten und zur feuerbereiten Linie aufmarschieren. Dann trat er bis auf wenige Meter an die in ratlosem Schweigen und dumpfer Wut verharrenden Kopfjäger heran:„Euer Häuptling ist dafür bestraft worden, daß er nicht Frieden mit uns machen wollte. Jetzt befindet sich seine Leiche und mit ihr Eure Ehre in unserer Hand. Ich will Euch beides zurückgeben, wenn Ihr sofort Eure Waffen abliefert.“ Ein Gemurmel der Verwunderung ging durch die Reihen der Kopfjäger. Ein paar alte Krieger, Unterführer, traten zusammen, schüttelten die Köpfe, berieten. Einer von ihnen kam nach wenigen Augenblicken auf Fordyce zu:„Du willst wirklich Frieden mit uns machen, uns nicht töten wie die anderen dort oben in den Reisbergen?“—„Ja.“ Da gab der alte Krieger einen Befehl. Leben kam in die Reihen der Eingeborenen. Der Alte warf zuerst sein Kampfbeil, seinen Speer auf die Erde vor die Füße des Weißen, und die anderen folgten stumm seinem Beispiel. Mit dem Körper ihres toten Häuptlings zogen sie sich schweigend zurück. Sie kümmerten sich nicht darum, daß die Soldaten ihre Waffen vernichteten. Sie wollten ja lieber sich unterwerfen und Frieden halten, als die Schmach auf sich nehmen, ihren Häuptling in der Hand des Gegners gelassen zu haben. Fordyce wußte, sie würden ihr Wort nicht brechen. Am Abend rückte er mit seinen Leuten ab. Als er auf der Höhe stand und in das Tal hinabsah, wo die Tausende zur Leichenfeier für Wigan und die anderen Toten rüsteten, da wischte er sich den Schweiß von der Stirn: „Junge, Junge!“. Es klang wie unendliche Erleichterung. Eigentlich hatten es die Soldaten nicht hören sollen. Doch sie freuten sich darüber, weil sie sahen, daß sie nicht allein den ganzen Tag über Herzklopfen gehabt hatten. Druck und Verlag: P. A Santz, Altena. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. ub Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 40 7. Oktober 1931 im Rheinland Jetzt ist die Zeit der Stille am Rhein. In den Sieben Bergen lugen die zartrosa Tupfen der Herbstzeitlosen zu Tausenden aus dem jaftigen Grün der Waldwiesen. Leichter Herbstwind rauscht die Akkorde des hohen Liedes guter Ernte durch den gilbenden bunten Wald, und in den Tälern tanzen jetzt die Nebelfrauen wenn abends vom Rheine herauf die Schiffsglocken bei Mehlem— Königswinter vor Anker gehender Schleppzüge erklingen.— In der Eifel und im Westerwald hat man den letzten Grummet eingefahren. Die Kartoffelernte ist überall im Gange und die Bauersfrau kocht „Himmel und Erde“(Aepfel und Kartoffel untereinander).— Im Hunsrück aber röhren die Hirsche. In den weiten hohen Wäldern zwischen Nahe und Mosel ist jetzt die Zeit des hohen Weidwerks. Die Hirschbrunst ist da, nachdem die Feiste vorüber. Mancher„Herbstfrisch= ler“ hat, so er zu dieser Zeit oben hoch auf dem Hunsrück weilte, schon Gelegenheit gehabt, den orgelnden Schrei des Platzhirsches in den Waldungen von Castellaun, Simmern oder Morbach, und wie die Hunsrücknester alle heißen mögen, zu hören. Und wer gar Naturfreund und geduldig ist, dem kann so ein Hunsrückförster da oben im Hochwald, oder im Soonwald(wo weiland der Schinderhannes gehaust hat) den Vorübergang eines Rudels Kahlwild, oder gar den Auftritt eines„Geweihten" zeigen. Wohl dem, dem der Hochgenuß des Anblickes brunstenden Hochwildes in Rheinlands Wäldern zuteil wurde. Der Ruf des Hirsches schallt jetzt nicht vereinzelt durch den Hunsrück, denn sorgfältigster Hege ist es zu verdanken, daß der in der Besatzungszeit sehr geschmälerte Hochwildbestand sich wieder langsam erholt. Der Hunsrück ist übrigens der Wald, in dem dereinst der Jäger aus Kurpfalz gejagt. Und überall im Rheinland finden Sie jetzt hier und da seltsame grüne Kränze an den Häusern. Es sind sogenannte„Straußwirtschaften“ in denen der Winzer seinen selbstgekelterten süßen Most verkauft. Und wer einmal Gelegenheit gehabt hat in einer solchen Rheinischen Winzerstube just dann zu weilen, wenn es Reibekuchen gab, der wird es nie vergessen! Wer jetzt ein paar Tage im Rheinland wandern kann, der soll es tun. Die herbstliche Landschaft lockt, die frische Herbstluft kräftigt die Nerven— und, billig ist es überall jetzt auch. —s•Alte Seebären spinnen ein Garn Ein Hamburger Jung' in der Südsee.— Wenn Diplomaten ins Wasser fallen.— Die Prinzessin und der„Schweinestall“. Von G. Wendt=Caspari. Jäger und Seeleute können die schönsten Geschichten erzählen. Leider glaubt man sie nicht immer. Das liegt vielleicht zum Teil daran, daß die Erzähler stets behaupten, früher sei alles besser gewesen. Ja, früher! Da waren die Menschen anders, da benahm sich das Wild anders, da herrschte auf den Schiffen, überhaupt auf der ganzen Welt ein anderes Leben. „Ja früher!“. So fängt auch Kapitän Raabe seine Geschichten an. Augenblicklich liegt er mit seiner Jolle— die ist zwölf Meter lang— im Newyorker Hafen und freut sich, daß er bald wieder aus Amerika nach seiner geliebten zweiten Heimat in der Südsee segeln kann. Denn dem Fünfundsiebzigjährigen steht Dollarika bis an den Hals. Gegen einen anständigen Schluck hat Kapitän Raabe nichts einzuwenden. aber Die Sommerarbeit ist zu Ende, die Holzfäller kommen zu Tal Bayrische Holzfäller steuern ihr Floß durch die Isar. Wenn die Holzfäller im bayerischen Hochgebirge ihre Sommerarbeit bewältigt haben, werden die geschlagenen und entrindeten Stämme zu größen Flößen zusammengebunden und auf den reißenden Gebirgsflüssen zu Tal gebracht. Auf der Isar kann man in diesen Tagen zahlreiche solcher Flöße sehen, die von den oberbayerischen Holzfällern über die Schnellen und Strudel gesteuert werden. daß die Jugend in den Vereinigten Staaten, seitdem er zuletzt vor langen Jahren dort gewesen ist, sich so gewaltig ändern konnte, will ihm nicht gefallen:„Früher waren das noch Kerle, aber heute sind sie von geschmuggeltem Schnaps, von Rauschgiften und von ihren Pistolen abhängig, wenn sie einmal den Mutigen spielen wollen. Der Teufel soll mich holen, wenn ich einen Augenblick länger als unbedingt nötig in diesem verhexten Lande bleibe, wo man nur von Schnapsschmugglern und Verbrechern sprechen hört! Ach früher!“ Ja, das ist eben schon lange her, dieses Früher. Es begann, als Raabe ein zwölfjähriger Hamburger Jung' war und eines schönen Tages auskratzte. Mit einem amerikanischen Segler kam er nach Australien, lag dort auf dem Trockenen und lernte früh das Trinken. An sich schadete das früher keinem anständigen Matrosen etwas, wenn er in den Hafenkneipen einen hinter die Binde goß. Das regte mitunter auch die Phantasie an, und so kam Raabe auf den Einfall, Seeräuber zu werden. Anscheinend haben sogar die Matrosen einen Schutzengel, wenn sie auch nichts davon wissen wollen und ihn durch lästerliches Fluchen zu vertreiben suchen. Denn Raabe wurde davor bewahrt, zu Hamburgs Leidwesen als Pirat an einer Rahe zu baumeln, weil ihm in der gleichen Nacht zwei Engländer Betäubungsmittel eingaben und nach einer Südsee=Insel verfrachteten, wo es Kannibalen und schöne Mädchen gab. Glücklicherweise wurde der arme Raabe weder von den einen noch von den anderen gefressen, sondern es gefiel ihm dort unten recht gut, und er blieb da hängen. Das sind nun vald sechzig Jahre her, und wenn die auch von manchem gruseligen Abenteuer, von Stürmen und Kämpfen erfüllt waren—„Kannibalen= festmahlen habe ich als Ehrengast manches Mal zugesehen, weil das ja üblich war“—, so fühlt er sich doch nur in seiner geliebten Südsee wohl, und er will sein Leben dort unten beschließen, wo die wahre Poesie zu Hause ist. Ja, ein alter Seebär kann elegisch werden. Da ist sein englischer Kollege Kapitän John Dowdy ein wenig nüchterner. Der alte Herr feierte dieser Tage seinen fünfundachtzigsten Geburtstag und erzählte bei der Gelegenheit allerhand. Auch er kratzte mit dreizehn Jahren aus, wurde Schiffsjunge auf einem Segler. Mit 22 Jahren war er schon Kapitän, beteiligte sich an den Rennen, die ein Dutzend Segler jedes Jahr unternahmen, um den ersten Tee der friichen Ernte von Futschau nach London zu bringen. Seine beiden Brüder waren auf diesen Fahrten seine Konkurrenten. Dieses Familien= rennen bereitete dem damaligen Fürsten von Wales solchen Spaß, daß er die drei Brüder bei ihrer Ankunft in London zu einem höchst gemütlichen Abendessen in der Fischmarkthalle einlud. Seefahrten in kleinen Segelbooten sind in den letzten Jahren in Mode gekommen und haben den betreffenden Abenteurern Tagesruhm eingebracht. Von John Dowdy sprach keiner, als dieser vor sechzig Jahren eine wirkliche Tat solcher Art vollbrachte. Sein Schiff war an den Malediven gescheitert. Die Besatzung hatte sich auf eine der kleinen Inseln retten können, fand sich aber aller Lebensmittel entblößt. Da stieg John allein in ein Rettungsboot, setzte ein Notsegel und verschwand in Richtung auf Ceylon. Das Wagnis gelang, denn in vier Tagen legte er die fast 800 Kilometer weite Strecke zurück. Er charterte auf Ceylon einen Dampfer mit Lebensmitteln und langte gerade noch rechtzeitig bei seinen Leuten an, um sie vor dem Verbungern zu retten. Zum 400. Todestag Ulrich Oben: Das Geburtshaus des großen Reformators in Wildhaus bei Toggenburg(Kanton St. Gallen). Unten links: Ulrich Zwingli im Alter von 48 Jahren nach einem zeitgenössischen Gemälde von Hans Asper. Rechts: Das Zwingli=Denkmal vor der Wasserkirche in Zürich. Vor 400 Jahren, am 11. Oktober 1531, fiel Ulrich Zwingli, der große Reformator der Schweiz in der Schlacht von Kappel, an der er als Feldprediger für die Kriegsscharen der Stadt Zürich teilgenommen hatte. Die Schweiz verdankt Zwingli nicht nur die Einführung der Reformation, sondern auch die Entwicklung und Förderung eines warmen Patriotismus und einer unbesiegbaren Heimatliebe. John Dowdys Schutzengel hatte noch manches Mal Gelegenheit, in Tätigkeit zu treten. So damals, als John bald nach dem Maledivenabenteuer mit seinem Schiff im Indischen Ozean auf ein Riff auffuhr. Die Insulaner hielten damals den Weißen noch für einen ausgezeichneten Sonntagsbraten; deshalb kamen sie mit sechzehn Booten voller bemalter Krieger an, um John und seine Leute zu holen. Die Lage war für den Engländer hoffnungslos. Da kam im letzten Augenblick noch eine rettende Welle und machte den Kasten wieder flott. Der rannte ein paar Boote voller Kannibalen über den Haufen und dampfte davon. Seitdem hielt John Dowdy immer peinlich auf pünktliches Abdampfen. So auch, als er schon Kapitän eines großen Passagierdampfers war und von Kapstadt nach London fahren wollte. Unter seinen Fahrgästen befanden sich auch drei fremde Diplomaten, und die hohen Herren standen in Gehrock und Zylinder am Kai, hatten noch eifrig miteinander zu reden, obwohl John sie höflich zum Anbordgehen aufforderte. Von ihrer Wichtigkeit überzeugt, kümmerten sich die Diplomaten nicht um John. Da ließ er die Laufbrücke einziehen und losmachen. Nun hatten es die Herren im Zylinder natürlich eilig. Sie taten entrüstet, und als das nichts half, wollten sie an Bord springen. Weil aber ihre Gelenke nicht mehr jung genug waren, fielen sie alle drei ins Wasser, was vielen Leuten einen Heidenspaß bereitete. John kümmerte sich nicht um sie, sah in aller Ruhe wie sie aus dem Wasser gefischt wurden, und fuhr weiter. In London wurde er mit gekurchter Stirn empfangen: Schwere Kränkung, internationale Verwicklungen und so weiter. Das berührte John Dowdy wenig:„Mein Schiff wartet nicht, bis die Diplomaten ausdebattiert haben!“ Damit war die Sache erOgr.„##.f, 2 dm: Säniglich Ein anderes Mal sollte er eine nonigliche Prinzessin nach Bordeaux bringen. Die Hoheit verbat sich entschieden das Schrubben der Decks in der Nähe ihrer Staatskabine. Zwei Tage kang fügte sich John Dowdy brummend. Doch sam dritten ließ er das Versäumte gründlich nachholen. Die Prinzessin schickte eine Person aus ihrer Umgebung zu John und ließ sich den Lärm verbitten. Da antwortete der alte Seebär brummig:„Sagen Sie der Hoheit, wenn sie auch an Bord wäre, so wollte ich doch nicht mit einem Schiff in Bordeaux einlaufen, das wie ein Schweinestall aussieht.“ Dabei blieb es, und die Prinzessin sagte kein Wort. Nicht einmal beim Abschied. Was John freilich keinen Kummer bereitete. die Büchse geröhrt Ein Hirschbrunst=Erlebnis von Wilhelm Hochgreve. Das warme Wetter wollte die Hirschbrunst gar nicht recht in Gang bringen. Nur in wenig kühleren Nächten schrien ein paar Hirsche, aber faul und kurz. Ich widmete mich schon tagelang einem Jagdbaren im Düstertal, bekam ihn aber nur einmal flüchtig gegen den Morgenhimmel zu Gesicht. Dann jah. fährtete und roch ich ihn nicht mehr. Trotzdem gab ich noch einen Morgen daran, nachdem ich sein Standgebiet im weitesten Umkreise abends ungestört gelassen hatte. Aber er mußte vergrämt sein oder sich zu einem entfernter stehenden Rudel geschlagen haben. Es wurde heller und heller; da schrie im unteren Tal ein Hirsch. Ich kroch aus meinem von Tollkirschen umwucherten Sitzloch unter dem Wurfboden einer vom Sturm gefällten Riesenfichte heraus und pürschte talabwärts, dem Schreien des Hirsches folgend. So kräftig röhrte in dieser Brunst noch kein sirsch, zumal am hellen Morgen. Ich blieb stehen. um genauer die Richtung prüfen zu können. Mein Ahnen wurde Gewißheit; der Hirsch stand jetzt jenseits der Grenze, wo sich sein allmöhlich schwächer und kürzer werdendes Schreien den Dickungshang hinaufzog, um in halber Höhe zu verstummen. Ich suchte den Wechsel. den mir schon von weitem meine Nase verriet. Der-Hirsch; nach der Fährte jagdbar, wenn Fährten auch nicht immer maßgebend sind, war einem Rudel von drei Tieren mit zwei Kälbern gefolgt. Meinen Hirschruf aus Pappröhren hatte ich leider nicht bei mir. Ich schaute mich nach einem Platz um, den ich dann auch mit dem Hirschruf versehen früh am Nachmittag beziehen wollte und entdeckte im Buchenaltholz an der Berglehne über mir einen mir noch unbekannten und wie ich im Jagohaus erfuhr, vor etwa vier Wochen errichteten Hochsitz, der wie für mich geschaffen war. Eigentlich galt er dem Kahlwildabschuß. Vom wolkenlosen Himmel lachte die Sonne das Buchenlaub begann sich zu verfärben, Spechte hämmerten und wieherten, Kleiber schnalzten, Misteldrosseln schnarrten, Eichhörnchen krabbelten und keckerten, und dazwischen plätscherte der vom letzten Regenfall aufgemunterte Bach. Und kein Mensch weit und breit, kein Lärm der lauten„Kultur“. In solcher Waldesstimmung atmet man auf, und das Herz schwillt, kommt dazu noch die Aussicht auf die Erbeutung eines guten Hirsches. Um zwei Uhr nachmittags brach ich vom Jagdhause auf. unbekümmert, um das Kopfschütteln der Jagdfreunde, die den Zeitpunkt als verfrüht annahmen. Eine Zigarrenlänge sollte ich wenigstens noch bleiben. Ich ließ mich nicht halten. Zu lange kenne ich den Harz und sein Rotwild. So weiß ich denn auch, daß seine Hirsche zur Brunstzeit, ist das Revier ruhig, zu allen Tagesstunden im Freien anzutreffen sind, daß sie um Mittag zwischen elf und ein Uhr, am Nachmittag zwischen dreiund sechs Uhr besonders gern rege werden. Um vier Uhr nachmittags hatte ich im Harz die überraschendsten Brunstbilder, den Anblick von Hirschen, die sich sehen lassen konnten und von denen zwei so stark waren, daß man glauben konnte, in eine Flachwildbahn mit Feldäsung versetzt zu sein. Wenige Minuten vor drei Uhr bestieg ich meinen Hochsitz, dem ich mich behutsam genähert hatte. Ich setzte mich zurecht und holte die zweiteilige Pappröhre aus dem Rucksack, mit der ich schon im Harz und in den Bergwäldern zwischen Werra und Fulda Hirsche zerangereizt hatte. Diese einfache Erfindung, die mir einmal eine Dämmerstunde heimlicher irschjagdträumerei eingab, lag eben auf dem itzbrett griffgerecht, als aus der Dickung im taatlichen in die Stille des goldenen Früherbstnachmittags der erste Schrei des Hirsches ineindröhnte. Pause— wieder ein Schrei, enso kurz und abgerissen. Noch ein drittes Nal ließ ich ihn schreien. Dann röhrte ich, etwas schwächer, lauerte gierig auf seine Antwort. Da— Steingeklapper! Der Hirsch zog durch den Bach, war vielleicht noch hundertzwanzig Schritt von mir entfernt. Ich versuchte wieder zu reizen. Keine Antwort, aber das Geknack kam näher. Noch einmal röhrte ich, um dann abzuwarten. Hin und her ging das Geräusch brechenden Astwerkes, jetzt kam es ganz nahe. Ich reizte kurz: Da hörte ich ein Knörren, und dann sah ich— die Pulse hämmerten, daß ich es hörte—, wie eine Fichte geschüttelt wurde. Mein Hirsch war in Wut und hatte Forkelgelüste. Ansprechen konnte ich ihn noch nicht. Da— endlich wieder ein Schrei, und mit einem Satz stand der Hirsch frei auf dem breiten Wege und versuchte mit gehobenem und geblähtem Windfang sich Wind vom vermeintlichen Gegner zu holen. Aber das Geweih! Statt des kapitalen Kronenhirsches, dessen Wechsel hier in der Feistzeit war und der er nach Stimme und Fährte sein konnte, stand ein offenbar sehr alter Schadhirsch von sechs Enden da mit dolchartigen Stangenspitzen und langen gefährlichen Kampfsprossen. Die Enttäuschung hielt noch den Drückefinger gerade. Auch ließ ich den Hirsch mit Rücksicht auf die etwa hundertzwanzig Gänge entfernte Grenze besser noch ein Stück zu uns herein. Er stand jetzt im Hochwald, achtzig Schritt breit vor mir, ein langer„Kerl“ mit mächtiger schwarzer Brunstmähne. Wieder suchte der Windfang den Gegner. Da krachte mein Schuß. Eine fünf Meter lauge tiefe Flucht machte der Hirsch und brach dann in einer Senke zusammen. Mit fertiger Waffe verharrte ich noch eine Weile in meiner luftigen Warte. Dann stieg ich hinab und trat an den Hirsch. Ich befühlte die nadelspitzen Stangen und Kampfsprossen, staunte über die Harz= und Borkenwulste, die er sich beim „Forkeln“ der Fichte geholt hatte, und schaute dann nach den Haken. Große Augen machte ich, denn solche Haken können sich sehen lassen. Mittelstark, tiefbraun und der eine mit einem pechschwarzen Loch, wie ein Stecknadelkopf groß. Ich habe eine kleine Hand voll selbst erbeuteter Hirschhaken, aber so einer war noch nicht darunter. Neben den Backenzähnen des * 3 22 2 9 5 **** 9 g - S 265 8 E. 8 8 2 * 29 S 2 à 2 6 2 * S 5 □ # 20 5 2 95 S 5 4— 8 S 55 S95 Son: 89053885n erste des amerikanischen Luftriesen„Akron“. Die„Akron“ kreuzt über ihrem Flugplatz in Akron(Ohio) Unten links: Flugkapitän Rosendahl, der Kommandant des neuen Schiffes. Die„Akron“, das gigantische neue amerikanische Riesenluftschiff, das den„Graf Zeppelin" hinsichtlich seines Rauminhalts um das Zweieinhalbfache übertrifft, hat seine ersten Probeflüge durchgeführt. Trotz seiner Größe ist das Luftschiff außerordentlich manövrierfähig und erreicht mit Leichtigkeit die Geschwindigkeiten, die bei seiner Konstruktion vorberechnet worden waren. Unterkiefers, die tiefe Buchtungen zeigten, sind auch solche Haken ein Zeichen des Alters. Nach dem Aufbrechen, ein aromatisches Vergnügen in Anbetracht des waschbeckengroßen Brunstflecks, stieg ich talan nach der Jagdhütte. Es gab einen fidelen Abend, denn ein junger Gast hatte seinen ersten Hirsch erlegt, so daß wir zwei tottrinken durften. Der Keller wurde leer und ich heiser, so oft mußte ich erzählen und vorröhren, wie ich mir um die Nachmittagsstunde den alten Berghirsch vor die Büchse schrie; und ich konnte den Wünschen nicht widerstehen, weil man seltene Erlebnisse immer wieder gern nacherlebt. Die Stadt am Goldenen Von Sven Hedin. San Francisco de los dolores— welch klangvoller und ernster Name für eine der herrlichsten Städte der Erde, die unvergleichlich schönste Stadt in den Vereinigten Staaten von Nordamerika! Auf einem Globus von Gold müßte San Francisco durch einen Edelstein erster Größe bezeichnet werden— und doch fehlt dieser Stadt vollständig die entzückende Patina des Alters, die uns in Benares, Jerusalem, Damaskus, Samarkand oder Rom mit Bewunderung und Ehrfurcht erfüllt. In San Franzisko sind die aus ungebrannten Lehmziegeln, Adoben, errichteten Mauern der von Pater Serras im Jahre 1776 gegründeten Mission Dolores die ältesten„Altertümer“, die auf unsere Zeit gekommen sind. Aber über San Franzisko brausen die frischen Brisen des größten Ozeans der Erde, und an topographischer Schönheit können sich nur recht wenige Städte mit San Franzisko messen. Konstantinopel, Neapel, Lissabon, Rio de Janeiro. Schwedens Hauptstadt, Stockholm, gehört fürwahr zu den herrlichsten Perlen unter den Städten der Erde, aber die Schönheit ihrer Lage ist mehr anmutig, kokett, lächelnd. San Franzisko dagegen ist in einen Landschaftsrahmen von großartigen monumentalen und weitgreifenden Linien und Formen eingefaßt, auf allen Seiten von einer kühnen, gigantischen Skulptur umgeben. Es ist gleichsam der äußerste Vorposten der Vereinigten Staaten nach Westen hin und blickt wie ein Wachtturm über die endlosen Wasserwüsten des Stillen Ozeans. Gleich Rom und Konstantinopel ist es auf mehreren Hügeln und an deren Fuß erbaut. Auf allen Seiten, außer im Süden, wird es von Wasser umspült, und alles Land, das man bis in eine verklingende Ferne von seinen Hügeln, aus sieht, breitet sich in kräftig betonten Geländewellen aus, die den Wogen eines erstarrten, versteinerten Meeres gleichen. Im Osten begrenzen das Gesichtsfeld das Küstengebirge, Coast Range, mit dem vom Lick=Observatorium gekrönten Mount Hamilton, und weiter ab die Sierra Nevada, auf deren Westhang das wunderbare Yosemitetal liegt. Es mag wie ein Paradoxon klingen, und doch kann man behaupten, daß San Franzisko eine echt amerikanische Stadt ist und zugleich auch ebensosehr oder vielleicht noch mehr als Newyork und Los Angeles, eine Fremdenstadt mit bunten Einschlägen ganz unamerikanischer Art. In San Franzisko umtanzten die Mammonpriester das Goldene Kalb in dem gleichen beschwingten Takt wie in den anderen großen Städten Amerikas, und die Jagd nach dem Dollar betreibt man nicht als Sport, sondern als die erste und vornehmste aller Lebensregeln. Die Begabung der Amerikaner, das Leben so praktisch und bequem wie möglich einzurichten kommt hier zu ihrem vollen Recht; ja, was Stadtplan, Straßen, offene Plätze, Bauvorschriften u. ä. m. betrifft, vielleicht in noch höherem Grade als an anderen Orten; denn die Stadt des heiligen Franziskus ist in ihrer jetzigen Gestalt nur zwanzig Jahre alt, und ihre Baumeister haben nach dem großen Erdbeben und Brand im April 1906 den Vorteil gehabt, die neuen Häuserblöcke auf Grund der teuer erkauften Erfahrungen vieler Jahrzehnte errichten zu können. Und diese rein amerikanische Stadt ist zugleich auch ein kribbelnder Ameisenhaufen fremder Elemente. Wir wandern hier durch Chinatown mit seinen vornehm geschwungenen Dächern und seinen großen schwarzen Fdeogrammen auf roten, senkrecht hängenden Schildern durch japanische Straßen, wo niedergeschlagene Japaner in Gruppen beisammenstehen und sich leise über die traurige Nachricht unterhalten, die gerade ihre Ruhe gestört hat, das schreckliche Erdbeben, das Jokohama und Tokio verheerte; durch die spanischen und mexikanischen Stadtteile; durch das lateinische Vierte! mit seinen französischen Restaurants und seinen italienischen Osterien, deren Einrichtung und Duft geradewegs von Rom und Neapel geholt zu sein scheint. Hier erklingen alle Zungen der Welt in einer Sprachenverwirrung, die die babylonische noch übertrifft, hier werden alle Götter der Welt verehrt, hier erheben Gotteshäuser der verschiedenartigsten Bekenntnisse ihre Zinnen und Türme zu dem Lichte des Tages und den Sternen der Nacht. Alle Konfessionen der Christenheit haben sich hier versammelt. Nicht weit von den Kirchen der Christen ragen chinesische, dem ewig träumenden Buddha geweihte Heiligtümer, japanische Shintotempel oder jüdische Synagogen empor. Die amerikanische Nation, die allmählich ein Schmelztiege! der europäischen Völkermischung bildet, sieht sich in San Franzisko den Vertretern der hohen alten Kultur Ostasiens und, wie überall in den Vereinigten Staaten, den schwarzen Völkerelementen Afrikas gegenüber und den unlösbaren Zukunftsproblemen, die deren Dasein und Wachstum in sich schließt. San Franzisko trägt ständig, an Werktagen wie an Feiertagen, ein eigenartiges festliches Gepräge. Ueber seinen Straßen und Häusern, seinem Leben und Treiben liegt stets Feststimmung. Von wo man auch kommt, vom Lande oder vom Meere, man freut sich, daß man endlich hier ist. Und wenn diese Stadt bei festlichen Gelegenheiten sich wirklich mit all ihrem Glanze schmückt und ihre Straßen und Häuser fast verbirgt hinter zahllosen riesigen Sternenbannern, Girlanden und Schildern, dann entfaltet sie eine Festlichkeit, die alles andere der Art übertrifft. Eine solche Pracht lernte ich kennen, als Präsident Harding nach San Franzisko kam— um hier zu sterben. Einen gefährlichen Nebenbuhler hat San Franzisko in Los Angeles, das schon doppelt so groß ist und in bedeutend schnellerem Temso hat begonnen Die griechischen und bulgarischen Sportler halten ihren Einzug in das Schwimmstadion von Sofia. Die Balkaniade, das große Sportfest der Balkanstaaten, hat begonnen. Im Stadion von Sofia treffen sich die bulgarischen, griechischen, rumänischen, südslawischen und albanischen Sportler, um in zahlreichen Wettbewerben ihr Können zu zeigen.