9.4.— *„ E TESS ESÄSSRSS S S“ 8 S azS 3•05 18S 98 92—„ S S 2. Sge." Fons a 8 5 S 8 8 # 8 888 Lgs* * 82E Sas 55 1—: 8 S. auuaxS 88 S Se. SIÖSS 58 S P 5oS 29 2 Mess 28 2 Ks.4 8# SAR 28 A.883—5 bo 288 38 85 B 38 SS a3 2 og Ge ## 6en Sicch S K im Landschaftsrahmen großartiger Apenberge in dem Hörer den Wunsch wach werden lassen, enes Land kennen zu lernen, das statt der Volkenkratzer andachterweckende Kirchlein besitzt. Andere werden durch die Kunstschätze Deutschlands, von denen sie durch Vorträge, Bilder oder Bücher erfuhren, verlockt, Deutschland beim nächsten Europabesuch„mitzunehmen“; viele locken technische Anlagen, von denen sie durch Artikel oder Filme Kenntnis erhalten. Die Summen, welche die Amerikaner in Deutschland ausgeben, sind dem großen, wichtigen Posten„unsichtbarer Ausfuhr" zuzurechnen. Den stark rückläufigen Inlandbesuch kann nur der Auslandsbesuch wettmachen. Ihn anzuregen ist Aufgabe der tatkräftig geleiteten Deutschland=Büros im Ausland. Außer dem größten und ältesten in Newyork bestehen z. Zt. solche in Paris, Rotterdam, Mailand, Wien, Kopenhagen, Göteborg, Zürich, Prag, Budapest, Ueberall ergeht dort der nicht zu überhörende Ruf:„Deutschland wünscht Sie zu sehen!" Eine Polarfahrt im 16. Jahrhundert Versuch der Erkundung einer nordöstlichen Durchfahrt.— Die erste Ueberwinterung in Nacht und Eis. Von Hermann Petersen. Der für Ende Juli in Aussicht genommene Polarflug des„Grafen Zeppelin“ lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit wieder einmal auf diese in Eis und Schnee starrenden Gebiete, denen doch für die Zukunft eine so große Bede tun die kürzesten Verbindung tigsten Plätzen der nördlichen Halbkugel führen. Da ist es vielleicht von Interesse, von einem kühnen Vorläufer der modernen Polarforscher zu hören, der bereits vor nahezu dreieinhalb Jahrhunderten, gleichfalls mit dem Ziel einer Verbesserung der Verkehrsbedingungen, auf der Suche nach einer nordöstlichen Durchfahrt zum Fernen Osten in den hohen Norden vordrang. Es war dies der Holländer Willem Barents. der den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, insgesamt drei Fahrten zu wissenschaftlichen Zwecken ins Polargebiet durchgeführt zu haben. Die erste, 1594 begonnen, mußte vorzeitig abgebrochen werden, da der kühne Seemann. um die Schwierigkeiten der Fahrt durch das Karische Meer zr vermeiden, unmittelbar nach Norden vorstieß, die sich ihm entgegentürmenden Schwierigkeiten mit seinen verhältnismäßig einfachen Fahrzeugen nicht zu überwinden vermochte. Ein zweiter 1595 unternommener Versuch scheiterte gleichfalls. Aber Barents gab seinen Plan nicht auf. Mit zwei kleinen Schiffen unter dem Kommando der Kapitäne Heemskerk und Ripp segelte er im Frühjahr 1596 von Amsterdam aus zunächst östlich an Island vorbei, wandte dann nach Nordosten und entdeckte dabei die Bäreninsel, später weiter im Norden ein wildgezacktes Gebirgsland, dem er wegen seines Aussehens den Namen Spitzbergen gab. Die Fahrt ging dann weiter mit östlichem Kurs bis nach kowaja Semlja, dessen Westküste Barents bis um Eiskap folgte. Am 26. August landeten die Seefahrer dort, um zu überwintern. Dies bedeutete für jene Zeit einen außerordentlichen Entschluß, denn bis dahin war noch jedes europäische Schiff bei Beginn der kalten Jahreszeit in die wärmere Heimat zurückgekehrt. Trotz mancherlei Unbilden und Gefahren ging die dunkle, lange Polaracht aber glücklich vorüber, und im darauffolgenden Frühjahr setzte Barents seine Reise fort. Beide Fahrzeuge drangen noch eine erhebliche Strecke nach Osten vor, ohne indessen das erstrebte Ziel, die nordöstliche Durchfahrt, erreichen zu können. Denn bald mußte man wieder umkehren, wenn man sich nicht einem zweiten Polarwinter, den man kaum überstanden hätte, aussetzen wollte. Von neuem umfuhr Barents die Nordspitze von Nowaja Semlja und setzte dann Kurs nach Südwesten. Aber die Strapazen der abenteuerlichen Fahrt erwiesen sich als zu groß selbst für seinen kräftigen Körper, er erlag ihnen am 20. Juni 1596. Der größte Teil seiner Leute unter der Führung von Heemskerk gelangte über die Halbinsel Kola und Rußland glücklich nach Holland zurück. Einen eingehenden Bericht über Barents' Reisen verdanken wir seinem Begleiter Gerrit de Veer, dessen Tagebuchaufzeichnungen erst im Jahre 1871 in dem Hause, das Barents mit den Seinen auf Nowaja Semlja bewohnt hatte, unversehrt aufgefunden wurden. 1599 hatte Deutschlands erste Dampfheizung stand im Salon Friedrichs des Großen. Die Heißluftheizung Friedrichs des Großen in Form eines Drachenkopfes. Wenigen Besuchern der Schlösser Friedrichs des Großen dürfte es bekannt sein, daß dieser schon eine regelrechte Heißluftheizung zur Erwärmung der Räume einbauen ließ. Durch das Maul des Drachens, den unser Bild zeigt, strömte heiße Luft, die im Keller erhitzt worden war. Ro r die gen van Linscheten, ein weniger umfangreiches Buch:„Itinerarium", erscheinen lassen. De Veer schildert mit vorbildlicher Genauigkeit die Entdeckung erst der Bäreninsel, dann Spitzbergens, endlich die Fahrt längs Nowaja Semlja und der nordsibirischen Küste. Ferner die Leiden und Strapazen während der Ueberwinterung, den Kampf gegen die Kälte und die Eisbären. Mit vieler Mühe gelang die Errichtung einer Art Blockhaus, das sogar— de Veer hebt dies als bemerkenswert hervor einen Ofen mit Kamin enthielt. Das nötige Brennholz hatte man, so lange es die Witterung und das Sonnenlicht erlaubten, am Strande zusammengesucht, ebenso war fleißig auf Vorrat gejagt worden, da andernfalls die Lebensmittel nicht gereicht hätten. Gerrit de Veer sollte ebenso wie der Führer Barents die Heimat nicht wiedersehen. Er starb auf der Rückfahrt, nachdem er in seinen Aufzeichnungen noch hatte vermerken können, daß man„so weit nach Norden vorgedrungen sei wie noch kein sterblicher Mensch zuvor“. In der Tat hat Barents mti den Seinen den 80. Breitengrad wohl bestimmt überschritten. Wenn den kühnen Polarfahrern auch der eigentliche Erfolg versagt blieb, so ist ihr Verdienst darum nicht weniger groß, vor allem anesichts der bescheidenen Mittel, die ihnen zur Verfügung standen. Mußte die Rückreise doch zum großen Teil in offenen Booten zurückgelegt werden! Der Schneetribut des Samurai Wie in alter Zeit Getränke gekühlt wurden.— Der Eiskulscher regiert.— Darmhatarrhe im Altertum, Von Ernst Herbert Petri. Wenn die Sonne schön brennt und den Schweiß aus allen Poren treibt, beherrscht der Eiskutscher die Lage. Er, der an sich selten unterernährt ist, wirft sich ordentlich in die Brust, denn er weiß, wie jeder Wirt auf ihn und die kühlende Kunsteisstange wartet. Der Bierapparat muß ja bis obenhin mit Eisstückchen gefüllt sein, soll das Bier mit der Kühle aus dem Hahn fließen, die es zur köstlichsten sommerlichen Erfrischung macht. Die Vorgänger unseres auf das Wohl seiner Gäste bedachten Wirtes die vor Jahrhunderten lebten. kannten in dieser Beziehung noch andere Sorgen als er. Sie konnten nicht beim nächsten Eiswerk anrufen, und doch sollten sie ihre Getränke kühl halten. Sie versuchten diese Aufgabe mit allen möglichen Mitteln zu lösen. Das am häufigsten angewandte war der Schnee, der vom Winter in Erdlöchern oder Kellern aufbewahrt wurde. Eine fast ebenso Die äktesten Keller dieser Ark, von denen wir wissen, waren um das Jahr 1000 v. Chr. in China gebräuchlich. Ein Liederbuch aus dieser Zeit erzählt von den Festlichkeiten, die beim Füllen und Entleeren dieser Keller üblich waren. Aus dem alten Testament erfahren wir Aehnliches, heißt es doch in den Sprüchen Salomons einmal:„Wie die Kälte des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein getreuer Bote, dem, der ihn gesandt hat, und er erquicket seines Herrn Seele.“ Genaueres wissen wir über die Art, wie Griechen und Römer für die Kühlung der Getränke sorgten. Sie füllten den Schnee, der im Winter auf ihren Bergen fiel oder den sie im Sommer schiffsladungenweise vom Aetna holen ließen, in große Gruben und deckten ihn mit Erde, Gras, Dünger und Zweigen zu. Oft preßten sie den Schnee in den Gruben selbst oder schon vorher so stark zusammen, daß er zu Eis wurde. Die Kühlung der Getränke erfolgte nun dadurch, daß man den Schnee in den Becher warf, wie wir es heute mit dem Kunsteis machen. Viele zogen es freilich mit Rücksicht auf die nicht immer appetitliche Grubendecke vor, den Schnee erst schmelzen zu lassen und dann das durchgesiebte und filtrietre Wasser dem Getränk beizumischen. Hierbei stellte man freilich fest, daß Darmerkrankungen oft die Folge der zu plötzlichen Abkühlung waren, weshalb dazu übergegangen wurde, die Amphoren mit den zu kühlenden Getränken in den Schnee einzugraben. Von bekannten Gestalten des Altertums, die einen kühlen sommerlichen Trunk liebten, war Alexander der Große die berühmteste. Von ihm erfahren wir, daß er während des indischen Feldzuges Schnee in grobe Tücher verpackt mit sich führte, um auch in der Tropenglut nicht auf das erfrischende Getränk verzichten zu müssen. Größten Wert auf den erfrischenden Trunk legten die Japaner. Bei ihnen gehörte es zur Aufgabe verschiedener Adelsfamilien, den Kaiser stets mit Schnee zu versorgen. Als letzte Erinnerung hieran besteht heute noch die dem Nachkommen eines mitelalterlichen Samurai obliegende Pflicht, dem Mikado im Sommer eine Kiste voll Schnee zu liefern, die durch Stafettenläufer in größter Eile zur kaiserlichen Sommerresidenz gebracht wird. Wie so manches andere Wissen geriet die Kunst der Getränkekühlung im Mittelalter in Vergessenheit. In Italien wurde sie zwar an reichen Tafeln noch vereinzelt geübt, doch im übrigen Europa erst im 16. Jahrhundert wieder eingeführt. Die Türken dagegen kühlten auch im Sommer ihren Scherbet mit dem aus den kleinasiatischen Bergen stammenden Schnee. Zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts war der Bebrauch von Schnee in fast ganz Europa allgemein geworden. Am französischen Hofe mußte einer Verfügung gemäß stets ein größerer Vorrat vorhanden sein. In Frankreich entwickelte sich später der Handel mit Schnee so stark, daß der Fiskus ihn zum Monopol machte und für teures Geld verpachtete. Wie es unsere Vorfahren um diese Zeit fertig brachten, im Sommer das Bier mit der erfrischenden Kühle auszuschenken, die wir heute neben seiner Bekömmlichkeit und seinem Wohlgeschmack so schätzen, wissen wir leider nicht. Daß sie es aber verstanden, beweist schon der Spruch aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts:„Die Stube kalt, das Bier warm, das ist ein Wirt, daß Gott erbarm!“ Eine im Süden gebräuchliche Methode, den Getränken eine erfrischende Temperatur zu verleihen, war das Abkühlungsverfahren. Seinen Ursprung scheint es in Aegypten genommen zu haben, wo der Schnee immer fehlte. Die Getränke wurden während der Nacht in vorösen Tonkrügen dem Luftzug ausgesetzt und tagsüber in den Keller gestellt. Die Flüssigkeit durchfeuchtete rasch die porösen Wände des Gejäßes, und infolge der Verdunstung kühlte der Inhalt um fünf bis zehn Grad unterhalb der Temperatur der Umgebung ab. Dieses Verfahren wurde im Laufe der Jahrhunderte weiter ausgebaut und hat sich dem Grundsatz nach in manchen ländlichen Gegenden Südeuropas serhalten. Ein bedeutender Fortschritt auf dem Gebiete der Kühlungsbestrebungen war es, als man die Eigenschaften des Salpeters näher kennen lernte. Zuerst scheint dieses Salz im sechzehnten Jahrhundert in Italien zur Kühlung des Wassers verwendet worden zu sein, in das man die Gefäße mit den Getränken stellte. Dann erfahren wir, daß in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts zum ersten Mal mit Hilfe von Salpeter Eis erzeugt wurde. Damit war der erste Schritt zur Entwicklung unserer modernen Kühlindustrie getan. ein anderer Expeditionsteilnehmer, Huy= große Rolle spielte das Eis. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Beilage zum Altenger Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 28 Mittwoch, 15. Welch' schönes Land! Nach eingehender Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Attendorns: der Pfarrkirche, des Schlosses Schnellenberg und der Tropfsteinhöhle schicken sich unsere beiden Wanderfreunde am anderen Tage an, die industriereiche, alte Hansastadt mit der Biggetalbahn in Richtung Olpe zu verlassen. Die Fahrt geht an dem ehemaligen Augustinerkloster, der jetzigen Domäne Ewig vorbei durch das an Windungen reiche oft tief und steil ausgenagte Tal der Bigge. Die beiden Wanderfreunde blicken aufmerkend in die schöne Tallandschaft, ohne jedoch ein Wort zu verlieren. Da bricht der Aeltere das Schweigen: „Finden Sie nicht, daß das Biggetal dem mittleren Lennetal sehn ähnlich ist? Hier wie dort zahlreiche engbogige Windungen, bewaldete Steilhänge, hervorragende Kalksteinklippen und zahlreiche Hammerwerke?“ Doch“ Wiederum stockt das Gespräch. Bis wiederum der Aeltere nach einiger Zeit schonend die Frage stellt: „So schweigsam heute?“ „Seien Sie mir nicht böse, ich bin noch ganz im Bann des Gesehenen. Was ich im Zauberreiche der Attahöhle heute morgen sah.— und ich kenne fast alle Tropfsteinhöhlen Europas, auch die klassische Adelsberger Grotte— diese schimmernden Bauten verborgener Unterwelten, aus der Arbeit des fallenden Tropfens herauskristallisiert in Millionen von Jahren und aufgebaut zu greifbaren Gebilden kühnster Phantasie: das ist zu gewaltig, um so schnell vergessen zu können!“ Feinfühlend schont der Aeltere die Empfindungen, denen der Jüngere noch eine Zeit lang nachgeht; bis freilich das Kommen und Gehen auf dem Bahnhof Olpe den Sinnenden in die Wirklichkeit zurückruft.— „Ist es lohnend, in Olpe auszusteigen?“ „Allerdings! In dem Kreisstädtchen Olpe berühren sich versonnene Vergangenheit und das Zeitalter der Industrie. Der dröhnende Takt der Hämmer und das Surren der Räder fällt lärmend ein in die geheiligte Stille des Friedhofs. In den sauberen und planmäßig angelegten Straßen aber gluten vor den Fenstern rote Geranien und atmen die Bewohner den süßen Duft der Lindenblüten.“ „Es fügt sich wohl nicht genug in Ihren Plan ein, in Olpe einen Zug zu überschlagen?" „Diesmal leider nicht! Wir holen nun in einem weiten, nach Westen geschlungenen Bogen aus, um auf Umwegen unser heutiges Tagesziel Siegen zu erreich.(Der Zug setzt sich wieder in Bewegung.) Sehen Sie bitte in diese Kartenblätter.(Zeigt ihm die Kartenblätter Attendorn, Siegen und Waldbröl.) Wir folgen nun zunächst dem Biggetal, das, wie Sie ja sehen, immer mehr an Anmut und Stille zunimmt. Ueber den reizend gelegenen Vereinigungspunkt mehrerer Täler, Rothemühle, gelangen wir dann in das Quellgebiet der Bigge, die hier in rund 400 Meter Höhe entspringt. Sehen Sie, die Kuppe dort, das ist der Bigger Berg. Wir befinden uns hier auf rheinischem Boden. Die Wasserscheide zwischen Bigge=Lenne=Ruhr und Asdorf=Sieg bildet hier auch teilweise die Grenze zwischen Westfalen und dem Rheinland.“ „Eine Frage: Wo gelangt denn unser Bähnlein in das Siegtal?" „Wir folgen nun dem Laufe der munteren Asdorf, die sich bei dem reizend gelegenen Orte Kirchen in die vielgewundene Sieg ergießt. Von Kirchen, einem der schönsten Punkte der Sieglandschaft, verkehren durchgehende Züge durch die Täler der Bigge, Lenne, Fretter und Wenne bis nach Meschede an der Ruhr. Wenn Sie mal später in Kirchen aussteigen, ersäumen Sie nicht, den geologisch außerKoburg feiert sein 600jähriges Jubiläum Blick auf die Feste Koburg. In diesem Jahre kann Koburg sein 600jähriges Jubiläum als Stadt feiern. Koburg, das 1057 zum ersten Mal genannt wird, erhielt Ernestische Linie der Wettiner und war 1826 bis 1918 abwechselnd mit Gotha die Residenz der Herzöge von Sachsen=Koburg=Gotha. Seit 1331 Stadtrechte, fiel 1347 durch Heirat an die 1920 gehört Koburg zu Bayern, sordentlich bemerkenswerten sog. Druidenstein zu besichtigen, einen höchst eigenartig geformten Basaltdurchbruch.“ „Ja, an geologischen Merkwürdigkeiten ist, wie ich es nun selbst wahrgenommen, das Sauerland reich. Ich bin ganz begeistert von Ihrem schönen Berglande. Bergketten, soweit das Auge reicht, unermeßliche Wälder und lauschige Täler, anmutige Waldseen und klare Forellenwasser, anheimelnde Dörfer und traute Gaststätten: ich wüßte kein deutsches Mittelebirge zu nennen, das ihn ähnlicher Fülle all des Guten und Schönen böte. Nur dürften von den stolzen Waldbergen mehr Burgen weit in die Lande winken, wenn ich auch zugeben muß, deren sehr schöne und großartige auf meinen Sauerlandreisen schon gesehen zu haben, wie Burg Altena, Schloß Hohenlimburg und Darf ich Sie bitten, hier mal einen Blick aus dem linken Fenster zu werfen?“ „Donnerwetter, was ist denn das für ein herrliches Bild!“ „Das ist die Freusburg, in einer Höhe von rund 300 Metern, stolz an den Ufern der Sieg elegen. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Burg ist heute zur Jugendherberge umgebaut und erfreut sich, wie die Burgen Altena und Bilstein eines guten Zuspruchs seitens der wandernden Jugend.“ „Ei, wie prächtig, gerade von dieser Stelle (Ein Tunnel nimmt plötzlich die Sicht.) „Warten Sie, bis Siegen kommen noch mehrere Tunnel. Die Sieglandschaft wird nun immer dramatischer. Reizvoll sind die vielen Langschleifen des Flusses, bedingt durch langgestreckte Bergnasen, die das Kalkgebirge hier in den Flußlauf vordrückt, die Fluß und Landstraße in artigen Windungen umlaufen, die Eisenbahn aber stracks durchbohrte.“ „Eiserfeld? Deutet der Name etwa auf Eisenvorkommen hin?“ „Ganz recht! Hier sind mehrere Eisensteingruben, die eine uralte Kleineisenindustrie aufblühen ließen. Der Ort hieß schon im Mittelelter Vserenfelde." „Wir sind hier wohl im Herzen des schönen Siegerlandes?“ „Ganz gewiß! Hier ist die uralte und wektberühmte Siegerländer Eisenindustrie zu Hause. Das schöne, wald= und erzreiche Siegerland reicht nördlich bis zur großen Wasserscheide Sieg=Lenne bei Welschenennest, das Sie je schon kennen. Während die Säherländer sich zum Stamme der Sachsen rechnen, sind die Siegerländer Kleinfranken. Südwärts umrahmen die Ausläufer des hessischen Berglandes und des Westerwaldes, westlich das Bergische Land das Siegerland. Seine reichen Erzlager (Roteisenstein, Kupfererze, Manganeisenerze sowie silber= und bleihaltige Erze) begründeten seine vielhundertjährige Metallindustrie. Im übrigen muß ich Sie auf Ihren Kneebusch verweisen, der lehrreiche Beiträge über dieses Kapitel enthält. Wir müssen uns sputen, denn wir nähern uns Siegen, wo wir für die Nacht bleiben wollen.“ „Eine sehr schöne und lehrreiche Fahrt heute, von Attendorn nach Siegen! Ich muß Ihnen meine Bewunderung für Ihre geschickte Führung aussprechen Gerade durch den Wechsel der Landschaft lernt man Land und Leute beobachten. Nun aber wollen wir den heutigen Tag in einem gemütlichen Siegener Gasthof beschließen. Ist es Ihnen recht, wenn... (Die Schaffner rufen:„Siegen, alles aussteigen!")... wenn ich meinen alten Regimentskameraden auffordere, uns heute abend etwas Gesellschaft zu leisten? Er ist ein guter Kenner des Siegerlandes und wird uns wertvolle Aufschlüsse geben können. Sie sind ja nicht eiserjsüchtig und befürchten nicht(lächelnd), daß ich Ihrer bewährten Führung untreu würde?“ „Ich schnappe bestimmt ein, werter Herr! Doch, Scherz bei Seite, holen Sie schon Ihren Freund, den kennen zu lernen ich mich sehr freue. Ich besorge inzwischen den Gasthof. ABS 1 4 ESEURSSZASE S S GSSLEE — * Treffpunkt S Uhr on der Schauseite der Riholaihirche!“ „Abgemacht! Auf Wiedersehen!" „Bis heute abend! Auf Wiedersehen!"— Der folgende Tag sieht unsere Reisefreunde im Zuge nach Kreuztal wieder. Gesprächsstoff bildet natürlich die morgendliche Besichtigung der Stadt Siegen. Reich war die Ausbeute: die romantisch=gotische Martinikirche, die älteste Kirche des Siegerlandes, der Barockbau der Marienkirche, die sehenswerte romanische Nikolaikirche, der alte Marktplatz, die zahlreichen, noch unverfälscht erhaltenen Fachwerkbauten in Bunt oder aber im schlichten Schwarzweiß, die schieferverkleideten Häuser und nicht zuletzt die mächtigen Bauformen des Unteren und des Oberen Schlosses, letzteres mit den reichhaltigen, sehr sehenswerten Sammlungen des Siegerländer Heimatmuseums. „Der Aufenthalt in Siegen wird mir unvereßlich bleiben,“ erklärt unser„jüngerer" Reiseteund begeistert. „Auch ich muß unumwunden zugeben, einen solch gemütlichen Abend und eine solch lehrreiche Führung durch Ihren Herrn Regimentskameraden noch nicht erlebt zu haben. Kannte der die reiche Geschichte dieser Stadt!“ „Nun muß ich leider eine andere Frage stellen: Wohin und woher geht denn heute unsere Jahrt?“ „Wir fahren heute von Kreuztal nach Hilchenbach; nehmen Sie bitte Ihr Kartenblatt Siegen! Von Hilchenbach geht es nach Erndtebrück. Ueber diese Fahrstrecke möchte ich Ihnen Näheres jetzt noch nicht verraten. Von...“ „Hören Sie mal, Sie spannen mich aber auf die Folter; was ist denn auf dieser Strecke eigentlich los?“ „Diese voreilige Frage kostet Sie heute abend eine Runde!" „Wird gemacht! Also: Von Erndtebrück „... machen wir im Geiste einen wundervollen Abstecher. Auch hier sind voreilige Fragen dankend verbeten.“ Kommt Ghandi im Lendenschurz= nach London? 9# Oben links: Eine Jugendaufnahme Ghandis während seiner Studienzeit in England. Oben rechts: Der Dachgarten des Hauses im Osten von London, in dem Ghandi Wohnung nehmen wird. Unten links: Der Eingang zur Wohnung der Gastgeber Ghandis. Unten rechts: Ghandi in seiner heutigen Tracht. Ghandi, der zur 2. Indienkonferenz im Herbst dieses Jahres mit Bestimmtheit in London erwartet wird, will nicht in einem der offiziellen Gebäude Wohnung nehmen, sondern in einem Haus im Londoner Arbeiterviertel, dessen Bewohner Ghandi einmal in Indien besuchten. Ghandi erklärte, daß er in London halbnackt, also nur mit einem Lendenschurz bekleidet, erscheinen wird, um auch damit das unsagbare Elend von 300 Millionen Inder zu dokumentieren. du nicht zum Westerwald? Wieder hast du dich ein Jahr lang abgerackert, wieder spürst du deine sensiblen Nerven, du schläfst schlecht, das Essen schmeckt dir nicht— es ist hohe Zeit, daß du in Urlaub gehst. Und nun beginnt das Rätselraten: Wohin? In diesem Jahre ist es besonders schlimm — denn die Moneten sind knapp. Wie du auch rechnest, zur See langts nicht— bis in die Alpen ist das Fahrgeld zu teuer, es hilft alles nicht, du mußt halt in der Nähe bleiben. Aber nun wird die Wahl erst recht schwer. Was denn nun? Nun ich rate dir: Probiers einmal mit dem Westerwald! Da warst du sicher noch nicht. Gott, was weiß ich noch vom Westerwald? Arme Gegend, viel Steine und noch mehr Schnee. Na ja, ich sage dir, gerade weil du so wenig vom Westerwald weißt, gerade deshalb solltest du ihn einmal besuchen, solltest deine Kenntnisse erweitern, solltest ihn zu deiner Sommerfrische wählen! Am liebsten möchtest du ja unter Palmen wandeln, oder die Mitternachtssonne anschwärmen, das Alpenglühen sehen, und das weite Meer rauschen hören. Nun, ich verspreche dir, daß du auf dem Westerwald etwas anderes siehst, zwar keine himmelstrebenden Berge, kein Alpenglühen, keine mitternachtliche Sonne, doch die Westerwaldheide selbst ist rauschendes Meer, wenn der Wind darüber streicht, ist Hochlandglühen, wenn die rotblaue Erika leuchtet; ist Sonnenglast, wenn die Heide zittert, ist Friede und Ruhe, wenn die widerkäuende Herde sich zur Mittagsnast hinkauert, ist Weite und Ewigkeit, wenn die Berge verdämmern, und die Nacht kühl und bucht über Halme und Gräser streichen will. Du kommst aus engem Häusermeer mit benzingeschwängerter Luft, nicht mehr wie 10 am Himmel sahst du aus deinem Fenster, die Erde war mit dicken Pflastersteinen belegt und von der Natur sahst du nur die gepflegten Anlagen mit dem Zirkelwerk der Menschen. Gehe auf den Westerwald, und du hast die Weite des Blickes, die scheinbar endlose wellige Heide, kleine Dörschen kuscheln sich an sanfte Berglehnen, grüne Weiden überziehen leichte Bodenschwellen, schwarze Schutzhecken ziehen strenge Linien ins dunkle Grün, und immer wandert der Blick ins Endlose, dahin, wo Firmament und Erde sich küssen, und wo Zeit und Ewigkeit sich die Hände reichen. Du kennst deine heimischen Wälder, Eichen, Buchen, Birken und Ahorn stehen darin in buntem Wechsel. Auch im Westerwald, namentlich in seinen Tälern findest du den deutschen Wald in mannigfachen Schattierungen. Aber auf den Westerwaldhöhen fehlt er, doch findest du da merkwürdige Tannengebilde, lang gezogen und schnell abbrechend, schmal und dünn, scharf und kantig, als hätte ein Geometer der Natur neue Schranken auferlegt. Das sind die Schutzhecken, schmale Tannenreihen, die zum Schutz gegen Wind und Wetter auf die Höhe gepflanzt und um die Friedhöfe gelegt sind. Ein eigenartigeres Bild ist kaum denkbar, als diese schwarzen Striche im tiefdunklen Grün. Du willst wissen, was es da oben kostet? Nun— lasse dir vom Westerwald=Verein in Marienberg einen Prospekt kommen, studiere ihn, und du wirst finden, daß man in den meisten Plätzen mit 4 bis 4,50 M. Pension unterkommt. Dafür bekommst du überall ein sauberes Zimmer, wenn auch nicht immer mit ließendem Wasser; dafür erhältst du ein kräftiges reichliches Essen— und die Luft, die Sonne, die duftende Heide sind Zugaben, die nichts kosten, und die die erschlafften Großstadtnerven straffen und stärken. Komm und sieh den Westerwald! E. Wissenbach. Blick vom Rheineck auf Hammerstein Rheinaufwärts von Linz, wo sich auf der westlichen Seite die Ahr in den alten Strom ergießt, streckt sich von Sinzig bis Niederbreisig die goldene Meile hin. Ein fruchtbarer Landstrich, der sich südlich krönt mit der stolzen Burg Rheineck. Weithin beherrscht sie das Land. Von ihr aus schweift der Blick rheinab bis zur Erpeler Ley und rheinauf bis weit ins Neuwieder Becken hinein. Gegenüber, in schön geschwungenen Linien die Besitzungen des Grafen Westerhold und Giesenberg, mit dem am Berge klebenden Schloß Arenfels. Die Schornsteine der Hönninger Fabriken vermögen nicht zu stören. Abends leuchtet das Licht des Arienheller Sprudels aus den Wäldern weithin ins Rheintal.— Hier in dieser Ecke, d. h. am strategischen Punkt der Rheinbrohler Ley, begann der Römische Grenzwall, heute noch die Weißweingrenze und auch so ziemlich die Grenze zwischen Schwarzbrot und Weißbrot. Und in dem gesegneten Weinbezirk von Rheinbrohl, Hammerstein und Leutesdorf finden sich noch heute die Spuren der Franken und Römer, die einst hier siedelten. C’adtmauerreste, Schießfcharten, Wehrgänge und Turmstümpfe. Unten aber vor der großen Insel wuchtet ein mächtiger Felsen auf mit grauer klobiger Ruine. Der einstmals so bedeutende Hammerstein mit seiner fast uneinnehmbaren Felsenfeste, um die sich Schweden und Spanier, Lothringer und Brandenburger schlugen! Schon ums Jahr 1000 hat sie gestanden und heute ist der trutzige Felsen, der weithin sichtbar in den Strom vors gt, einer der markantesten Meilensteine des heines. Ein trauliches weingesegnetes Dörschen gleichen Namens zieht sich zu seinen Füßen am Ufer des Flusses hin. Neben den in dieser Landschaft verankerten Schokkerfischerbooten dampfen heute Motorschiffe zu Berg, die Aut####ette der Sonntagsausflügler windet sich abends unter dem immer noch trutzig grauen Felsen schlängelnd rheinab und die D=Züge rollen tagaus tagein ihr modernes Tempolied der Gegenwart an dieser erstarrten Denkmalfront großer Geschichte vorbei. Und aus der schweigenden Wald= und Bergkuppenruhe des alten und stolzen Schlosses Rheineck derer von Bethmann Hohlweg, das einst von dem Pfalzgrafen von Aachen erbaut eines der gefürchteten Nester wüster Raubritter war, raunt heute gar manche Mär. Von hier, so geht die Geschichte, ritt einstmals der jähzornige Burggraf Johann zu einem der Feste des Kurfürsten von Köln auf die Godesburg. Dort traf der wilde Rheinecker auf den ihm verfeindeten Ritter Bullmann von Sinzig und — erstach ihn. Was Wunder, daß der Kurfürst von Köln den tollen Rheinecker in Eisen legen und am Tage darauf vor dem Tore der Godesburg enthaupten ließ? Jetzt aber scheint Sommersonne über dies an Geschichte und Schönheit so reiche Land. Neue Heilquellen springen auf zu Füßen der alten Raubritterburg und im Kurhaus zu Niederbreisig klingt Rheinmusik in die kühle Sommernacht. 1— Rhönfahrt Ein vielverlästertes Gebirge.— Vom Fliegerlager zum Klosterhofe.— Das schönste Grenzzeichen im deutschen Vaterlande. Von Ludwig Hartmann, Seit einigen Jahren sind sie etwas näher in unser Blickfeld gerückt, die kahlen, ewig vom Wind umfächelten Basaltkegel der Rhön. Noch vor gar nicht langer Zeit konnte man hier und da Grausiges über die Unwirtlichkeit des Landes lesen. Dort liege zur Winterszeit der Schnee so hoch, daß die hilfreiche weise Frau durch den Schornstein ins Bauernhäuschen hineinsteigen müsse, wenn sich ein neuer Erdenbürger ankündige. Und die Kirschen benötigten angeblich zwei Jahre, um reif zu 1 1 im ersten röte lich die eine Seite, im zweiten die andere Seite dieser bekömmlichen Frucht. Inzwischen durfte mancher Wandersmann nit eigenen Augen feststellen, was es mit enem Märlein auf sich hat. Daß jene Höhen meist kahl und fast immer von frischen Brisen umsäuselt sind, ist allerdings eine unwiderlegliche Tatsache. Doch gerade diesem Umstand verdankt die Rhön ihre Volkstümlichkeit als Tummelplatz der Segelflieger droben auf der Wasserkuppe, der höchsten Erhebung des Gebirges. In majestätischer Breite, mit einem auf die Ellenbogen gestützten Riesenleibe vergleichbar. streckt sich der Wiesenhang der Wasserkuppe dem Städtchen Gersfeld zu. Wenige Schritte unterhalb hüpft glucksend die Fuldaquelle aus der Flanke des Berges. Ein köstliches Fleckchen, das zum geruhigen Verweilen und zur Betrachtung der sich hinter= und nebeneinander auftürmenden Basaltkegel einlädt. Wohl nirgendwo springt es dem fahrenden Manne so bildhaft in die Augen, daß er ins Bayernland einmarschiert, wie auf dem Wege von der Wasserkuppe zu der anderen, in den Nachbargauen vielleicht noch beliebteren und häusiger aufgesuchten Erhebung, dem Heiligen Kreuzberge. Bald hinter Gersfeld begrüßen den Wandersmann auf waldiger Landstraße unmittelbar nebeneinander der blauweiße Grenzpfahl, ein Heiligenbild, zur Erinnerung an eine verheerende Seuche errichtet, und— das Gasthaus mit den selbstgebrauten Bieren. Die Sonne brennt heiß. Und der Menschenerzieher Basedow hat ja einst behauptet, die Konklusion„Ergo bibamus“ passe zu allen Prämissen. Also hinab in die kühldunkle Wirtsstube! Dann nach einem kräftigen Schluck des nahrhaften Getränks im stillen Wiesengrunde, auf dem die blitzenden Sonnenstrahlen und die erfrischenden Lüftlein ein loses Spiel treiben, in behaglichem Schlendern hinauf zum Heiligen Kreuzberge. Feierlich grüßen die Kruzifixe ins Tal. Wie andächtiges Wispern geht es durch den schmalen Waldgürtel, der sich um den Wallfahrtsort schmiegt. Dann kommt es polternd und kichernd auf dem schmalen Pfade herab. Junges Volk mit erhitzten Gesichtern rollt ein Fäßlein Bier vor sich her, den in der Mittagshitze arbeitenden Männern drunten am Hang Erquickung zu bereiten. Würdige Klosterbrüder empfangen den Fremdling im behaglichen Gastzimmer neben dem Gotteshause:„A Moaß?“ Welche Frage! Als dann der Literkrug vor dem Wandersmann steht, möchte diesem fast ein wenig bänglich zu Mute werden. Sagt man nicht allgemein, man dürfte unterwegs kein Bier trinken? Aber der fromme Ganymed beruhigt:„Dös schadt Ihne halt nix.“ Natürlich hat er recht. Der Klosterhof des Kreuzberges ist keine Animierkneipe. Wohl kann der fahrende Mann für eine Weile des Essens entraten, niemals aber des kühlenden Trunkes. Und bekömmlicher als das viele Wasser und alle die verschiedenen durststillenden Mittel ist immer noch der würzige Gerstensaft. Allerdings— der Weg vom hochragenden Gotteshause an dem strahlend=weißen Standbilde des Heiligen Kilian vorüber, des Schutzpatrons der fränkischen Winzer und des ganzen herrlichen Frankenlandes, auf der lang hingestreckten grasigen Hochfläche der Hohen Rhön ist ein genußfrohes, unbeschwertes Wandern. Zwar örennt die liebe Sonne warm auf den ungeschützten Scheitel. Aber rechts und links streichen kühlende Winde aus der„stromdurchglänzten Au“ herauf und umkosen die erhitzte Stirn des Schreitenden. Und dann taucht auf grünem Plan die Kissinger Hütte vor dem entzückten Auge empor. Nicht bedarf es der Drohung des ewig durstigen Pilgers Viktor von Scheffel:„Hoiho, die Pforten brech' ich ein und trinke, was ich finde.“ Braungebrannte Wandergesellen aus Nordund Süddeutschland, ein würdiger und ehrenfester Bürgermeister und Rat des aus der Ferne grüßenden Städtchens sind um den derben Holztisch versammelt. Ein kräftiges„Grüß Gott!“— Ja, und dann mundet er dem von Sonne und Wind ausgedörten Pilgersmanne schon wieder, der braune Gerstensaft, diesmal ein Abendtrunk, der einen Tag voll Wanderfreude zum krönenden Abschluß bringt. Den in wohliger Müdigkeit auf das Lager Sinkenden raunen die unablässig um das Haus geisternden Winde in den Schlaf und halten mit dem Schlummernden selige Zwiesprache von all dem, was seiner noch wartet auf froher Wanderfahrt zum Gestade des Mains, an dem sich Nord und Süd unseres Vaterlandes die Bruderhand reichen. —2— Zu Ehren der deutschen Kriegsgefallenen. Ein Kranz mit amerikanischen, englischen und deutschen Schleifen am Gefallenenehrenmal in der Neuen Wache in Berlin. Die Inhaber von einigen großen Blumengeschäften Englands und Amerikas haben an dem Kriegsgefallenenehrenmal in der Neuen Wache in Berlin einen prachtvollen Kranz niederlegen lassen, der mit Schleifen in den Farben Amerikas, Englands und Deutschlands geschmückt war. „Deutschland wünscht Sie zu sehen!“ Das Deutschland=Büro in der Fifth Avenue.— Deutschland ist Mode geworden!— Unsichtbare Ausfuhr nach den USA. Von Karl Lütge. Im oberen Teil der Fifth Avenue zu Newyork, dort etwa, wo sie sich aus einer eleganten Geschäftsstraße in eine vornehme Wohnstraße zu wandeln beginnt, findet man am Haus Nummer 665 ein Schild:„German Tourist Information Ofice". Das Deutschland=Büro in den Vereinigten Staaten, geschaffen zur Werbung für das Reiseland Deutschland.— Der Fahrstuhl setzt den Deutschlandinteressenten in einem Obergeschoß ab. Helle, freundliche Büroräume mik höflichen Beamten öffnen sich ihm. Er erhält hier Auskünfte, Reisepläne, Druckschriften mit größter Bereitwilligkeit, bei sicherem Eingehen auf seine Wünsche. Dieser Herr wurde durch einen vom Deutschland=Büro gelieferten Film gewonnen, den er vor einem Jahr in einer Kirche sah. Ein Deutschland=Inserat in einem verbreiteten Magazin gab den letzten Anstoß. Er entscheidet sich nun für bestimmte Orte und Rundreisen in Deutschland. Der Betrieb im Newyorker Deutschland=Büro ist überraschend lebhaft. Deutschland ist Mode zent aller Europafahrer(ungerechnet die Rückwanderer der dritten Klasse) nach Deutschland gereist oder haben Deutschland mit besucht. Dies ist der Erfolg, den das Deutschland=Büro in sechs Jahren erringen konnte. Im Jahre 1925 wurde das Büro der ReichsInzentrale für den deutschen Reiseverkehr ols erstes Auslandsbüro gegründet. Obwohl mit den Verhältnissen in den USA und besonders in Newyork gut vertraut— oder gerade deswegen—, hatte der Leiter wenig Hoffnungen. Die ersten Wirkungen der Anzeigen und Plakate waren auch wirklich nicht ermutigend. Briefe kamen:„Was, Ihr Hunnen wagt es, uns in Euer Land zu locken?“ Drohbriefe flatterten in das Haus Nr. 665 der Fifth Avenue. Man ließ sich dort aber nicht beirren. In Gasthäusern, Verkehrsbüros usw. tauchten immer häufiger die schmucken, verheißungsvollen, wirksamen Heftchen des Deutschland=Büros auf. Es gelang, bei Tagungen, bei Festen usw. Filme über Deutschland ins Programm einschieben zu lassen. Die Zeitungen zeigten sich bei bestimmten Anlässen geneigt, Lichtvilder von Deutschland zu bringen oder beachtenswerte Artikel und Mitteilungen abzudrucken. Man hörte, sah und las immer häufiger, daß Deutschland ein interessantes Reiseland ist und daß man es gesehen haben müsse. „Deutschland wünscht Sie zu sehen.“(Germany wants to see you) wurde zu einem Schlagwort. Jetzt erscheinen jährlich etwa 17 000 bis 18 000 Veröffentlichungen über Deutschland von mehr oder weniger Reklamegehalt in den Zeitungen der Vereinigten Staaten, 822000 Prospekte werden in zweckvoller Weise im Jahre ausgeVorführungen von Werbefilmen, usw. finden jährlich statt, und mindestens jeden zweiten Tag wird in einer großen Stadt ein Vortrag über Deutschland, deutsche Städte, Kultur, Technik usw. gehalten. Täglich kommen Anfragen von Lehrern, Geistlichen, Technikern, die Material über Deutschland wünschen, Angaben, Photos, Bücher. Deutschland hat sich mit Erfolg in das zaschpulsierende Leben der USA eingeschaltet. Man sieht die Deutschland=Werbung in Schaufenstern von Philadelphia, in Autobussen von Chicago, in den Zügen oder Bahnhöfen der 185 amerikanischen Eisenbahngesellschaften, man hört im Hotel in Detroit einen Rundfunkvortrag über irgend etwas aus Deutschland und sieht in fast allen der 4000 Reisebüros des Landes die Druckschriften Deutschlands. Für 1930 erhielt das Deutschland=Büro eine Ehrenurkunde für geschmackvolle Werbung, und zwei seiner wirkungsvollen, feinkünstlerischen Inserate wurden in ein Reklame=Standardwerk aufgenommen, das 100 preisgekrönte Inserate der letzten zwei Jahre enthält. Das Urteil lautete:„Klasse und Qualität“. Taktvoll werden nicht die Erfolge der Werbung vom Deutschland=Büro in Newyork in den Vordergrund gestellt, sondern allein das, was Deutschland ist und was es bietet. Der Psyche des Amerikaners wird die Werbung angepaßt. Jener Amerikaner, der in seiner Kirche einen Film von den Kapellen in den bayrischen Alpen, von Oberammergau oder dergleichen sah und sich nach einem Jahr noch lebhaft an die starke Wirkung dieser Bilder erinnerte, ist ein sprechendes Beispiel. Er fährt mit Familie nach Deutschland. Der Prediger hat mit seiner eifervollen Predigt für die Religion und mit den Bildern der vielen Kirchen und Kapellen letzten Jahre sind fast, Von der Nordlandfahrt der deutschen Flotte Die 1. Minensuchhalbflottille im Hardanger Fjord von Ulvik(Norwegen). Während im Kieler Hafen einige norwegische Kriegsschiffe zu Besuch eingetroffen sind, haden Teile der deutschen Nordseeflotte eine Nordlandfahrt unternommen, wobei sie auch in norwegischen Häfen vor Anker gingen.