lich in der dritten Klasse verträgt man sich gut und schließt sich bald freundschaftlich an. Gleich der erste Blick, den wir vom Promenadengang auf das Vorderdeck hinabtun, zeigt uns das laute fröhliche Treiben dort. Die jungen Leute und Mädchen haben sich zusammengefunden, spielen„Dritten abschlagen" oder springen über die Schnur, während dort eine Gruppe junger Burschen das beliebte„Schinken klopsen“ exekutiert und wieder an einer andern Ecke des Decks die Paare nach dem Klange eines Grammophons die hohe Schule des Charlestons nach allen Regeln der Kunst durchgehen. Das Goethewort wird wahr: „Damit du siehst, wie leicht sich's leben läßt, Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.“ So gehen die Tage hin, zunächst in glatter, ruhiger Fahrt. Die Sonne lacht am Himmel, man lehnt an der Reling und sieht übers Wasser, das in seidigem Blau daliegt. Möwen folgen dem Schiff nach, zwei bis drei Tage lang Unermüdlich schießen sie in eleganten Kurven nieder, einen Bissen erhaschend; nachts schlafen sie auf den Wanten und Masten. Dann und wann wird ein Delphin gesichtet, der aus dem Wasser aufschnellt, und jedes begegnende Schiff fesselt stundenlang vorher und nachher das Interesse. So verlaufen die ersten Tage der Reise zu aller Zufriedenheit, aber dann kommt es anders: Wetterwolken sind über Nacht aufgezogen, in einem unheimlichen Bleigrau draut die See, Schaumköpfe krönen die Wo5 Im Lause des Tages wächst die Windstärne, es weht schon ganz munter, und mit besorgten Mienen flüstern es sich kundige Thebaner zu:„Morgen sollen wir Windstärne acht bis neun haben.“ Sie behalten wirklich recht. Wie man sich morgens aus dem Bette hebt— hallo, was ist das? Der Boden gleitet einem unter den Füßen weg, man sucht nach einem Halt. Das Anziehen ist ein bißchen mühevoll, gespannt geht man auf Deck und sieht nun das grandiose Schauspiel: In hellem Aufruhr steht die See; der Bug des Schiffes hebt sich himmelan und versinkt wieder in abgründiger Tiefe. Von Zeit zu Zeit haut der Riesenleib des Schiffes auf den Wasserschwall auf mit harten, schütteraden Stößen, so daß ängstliche Gemüter vermeinen, das Schiff habe sich auf eine Sandbank gesetzt. Auf dem Promenadendeck sind alle Fenster geschlossen. Segelleinewand ist vor die offenen Gänge gezogen, der Gischt prasselt aufsprühend bis hier herauf, obwohl wir hier doch sechs Stockwerke hoch über dem Wasser sind. Das Vorderdeck, vor Nässe glänzend, ist mit Tauen abgesperrt; es ist nötig wegen der Gefahr, von den Sturzseen über Bord gespült zu werden. In den Bordstühlen sieht man manch blasses Gesicht. Um so mehr aber freuen sich die Seefesten dieser Sturmfahrt. Es ist ja eine jauchzende Lust, sich den Salzhauch um die Stirn wehen zu lassen, bei jedem Schritt anzukämpfen gegen den Sturm, der wie ein wildes Tier in den Wanten heult und zerrt, und immer wieder hinauszuschauen in das Branden der See, das doch dem stolzen Bau von Menschenhand nichts anhaben kann. Und Gedanken springen auf: Was müssen das für Männer gewesen sein, die zum erstenmal diesen Ozean überquert haben— jene Nordmänner, die im offenen Drachenschiff tollkühn gen Westen fuhren und schon fünfhundert Jahre vor Kolumbus das ferne Land entdeckten— Männer germanischen Blutes, dem unseren ver wandt! Und was für eine ungeheure Entwicklung des Menschengeistes die von dem Wikingerschiff zum modernen Ozeandampfer geführt hat! Ehrfurcht vor dem unverzagt vorwärts strebenden Menschengeist wächst aus dem Toden der Elemente, das er sieghaft meistert. —12— Ansiedler in den Urwäldern Neuguineas Eine wahre Begebenheit von Sidi von Förster=Streffleur. Fred Grümmer richtet sich stöhnend von seinem Lager auf. Das Fieber hat augenblicklich nachgelassen, und er versucht mühsam seine Gedanken zu ordnen. Hilfsbereite Malaien und Papuas umringen ihren Herrn, auf jedes Wort des Kranken horchend. Denn sie lieben den blonden Mann, der immer freundlich ist und ihnen so oft in der Gefahr hilft. Da gibt es keinen Schlangenbiß, für den er nicht ein Gegengift wüßte, keine Wunde, die er nicht heilen könnte. Und nun liegt er selbst krank und hilflos darnieder. „Du mußt nach der Gesundheitsstation auf den Sattelberg gebracht werden“, rät Tom, sein weißer Gefährte. Vor zwei Jahren sind die ehemaligen Schulkameraden als Pioniere nach Reuguinea gekammen, um das kostbare Holz (Erfurt) Die Farben dieser Scheiben sind wie Schwingenschlag Der Trauermäntel, samten und verhalten. Die Stille steht, du siehst den sproffen Tag Auf einmal weich und wunder''ch zerspalten. Die Fliesen rauschen, Bild, Gestühl und Schcein Wird Wald und Bach, wird Weizenfeld und Krume. Die Sonne lockert Weg und Wiesenrain, Und tiefer tönen Halm und abendliche Blume. Und immer rinnt der Flügel roter Samt Und rührt dich an, versonnen, überschauect. Und plötzlich spürst du, heiß und hell entflammt, Wie sich dein Letztes auflöst und entmauert. Ludwig Bäte. der unendlichen Wälder auszubeuten und gelegentlich auch Gold zu gewinnen. Mit Hilfe der Eingebornen gründeten sie eine stattliche Ansiedlung und sind auf erfolgreichem Weg. „Doktor Hansen wird Dir helfen", fährt Tom fort,„Du bleibst in Simbang, bis Du Dich vollständig erholt hast, und ich überwache indessen hier den Betrieb. Wenn es lange dauert, schickst Du mir jemanden von der Hafenstation zur Hilfe. Krank wie Du bist, kannst Du hier nicht länger bleiben.“ „Ob es noch Hilfe für mich gibt?“ murmelt Fred matt. „Mensch, rede keinen Unsinn, was soll das bißchen Fieber einem gesunden jungen Körper wie dem Deinen anhaben? Es muß nur etwas dagegen getan werden. Und, siehst Du, in burzer Zeit ist die Ansiedlung so weit, daß wir unsere Mädels von daheim holen können. Dann wird Hochzeit gehalten, und wir leben hier wie im Paradies. Bis der Regen im nächsten Jahr aufhört, ist alles fix und fertig.“ „Schreibe nichts von meiner Erkrankung heim!“ bittet Fred,„Grita wäre imstande, heraus zu reisen.“ Und wieder packt ihn ein Fieberanfall mit furchtbarer Gewalt. Sein Körper windet sich in Krämpfen, bis er nach einiger Zeit ermattet zusammensinkt. So geht es seit vielen Tagen ohne Besserung. Nun aber soll nicht mehr damit gezögert werden, den Kranken auf den Sattelberg am Finschhafen zu bringen, wo sich eine Erholungsstation und ein Arzt befinden. Eine Schar von eingeborenen Dienern knüpft eine Tragbahre zusammen, die Tom mit weichen Kissen und Decken belegt, um dem Kranken die beschwerliche Reise erträglich zu machen. Ein ausgehauener Pfad führt durch den Urwald über die Höhen nach dem Hafen, den man bei angestrengten Märschen in zwei Tagen leicht erreichen kann. Tom gibt den Kulis alle nötigen Anweisungen. Dann werden sie mit Proviant bepackt. Sie nehmen Kokosnüsse mit, deren kühler Saft den Kranken laben soll, denn auf den Höhen kommen Palmen nur mehr vereinzelt vor, und man kann sich nicht damit aufhalten, Nüsse herab zu holen. Acht Mann sollen beim Tragen des Kranken immer abwechseln.— Und nun vorwärts, so schnell die Eingeborenen zu laufen vermögen. Es sind lauter verläßliche Leute. „Heil, Fred! Und baldige Genesung. Vergiß nicht, mir eine Hilfe zu senden.“ „Heil, Tom! Und auf frohes Wiedersehen!“ Fort geht es auf die mit dunklen Wäldern dicht bewachsene Höhe. Der Morgen ist klar und nicht übermäßig heiß, so daß die Eingeborenen mit der Tragbahre fast im Trab lausen können. Die frischere Bergluft kühlt Freds heiße Schläfen, und er atmet in ruhigen, tiefen Zügen. Neue Hoffnung auf Genesung durchstromt ihn und scheint seinem Körper Kraft zu geben. Nun erreicht die kleine Karawane eine Lichtung, von der aus man die Gebirgskette mit ihren zerklüfteten Felsen überblicken kann. Schäumende Bäche stürzen von den Höhen herab und werden durch die Strahlen der noch tiefstehenden Sonne in flüssiges Gold verwandelt. Paradiesvögel, im Schmuck ihres schillernden Gefieders, wiegen sich auf den Eukalyptusbäumen, während die zarten Flügel bunter Rieseninsekten in der Luft erzittern. Und hoch oben fliegen Schwärme von grünen Papageien wie wehende Fahnen über den tiefblauen Himmel. Nun steht die Sonne hoch, und der Marsch der Träger verlangsamt sich. Endlich müssen sie halten und eine Mittagspause machen. Im Schatten hoher Farren wird ein Lager errichtet, und die aufgeschreckten Känguruhs springen in Sätzen von zwanzia Metern mn dendichten Wald, der sie den Augen der Menschen verbirgt. Raubtiere gibt es in den Wäldern Neuguineas nicht. Fred, von der Sonne geschützt, schlürft gierig die kühlende Milch einer Kokosnuß. Müde liegt er in seinen Kissen und treibt die Eingeborenen unablässig zur Eile an. Und wieder geht es weiter durch den ewig rauschenden Urwald, über Höhen und durch Bäche. Endlich sind die Wanderer in die Ebene gelangt, wo die flinken Kulis am Rande des Dschungels ein Lager für die Nacht errichten. Freds Fieber ist wieder hoch gestiegen. Er kennt seine Umgebung nicht. Seine Gedanken wandern in die Heimat, wo er sich auf dem Schiff in Hamburg wähnt und von seiner Braut Abschied nimmt. Die Eingeborenen haben Mühe, ihn auf seinem Lager zu halten. „Der böse Geist ist in unseren Herrn gefahren!" jammern die Papuas, und mancher hält sich in scheuer Entfernung, um nicht von dem bösen Geist erreicht zu werden. Niemand kann ein Auge schließen, bis Fred endlich entkräftet hinsinkt und einige Stunden lang in halbwachem Zustand in die Tropenlandschaft starrt. Der Mond ist am Himmel emporgestiegen, und sein Licht fließt zwischen den tiefen Schatten der Bäume wie ein Silberstrom. Die Stimmen erwachender Tiere breiten ihren Zauber über die wundervolle Tropennacht und rufen in der tiefen Stille das Echo der nahen Felsen wach. Fledermäuse fächeln die Luft mit seufzendem Geräusch, und ein krampfhaftes Erschauern geht ab und zu durch das Gras, wenn eine Schlange in einiger Entfernung dahin kriecht. Die Nacht zieht vorüber. Und ehe die Morgendämmerung einbricht, ist die ganze kleine Karawane, bis auf zwei Wachen, in tiefen Schlaf gesunken. Schon ertönt der erste Morgenruf aus einer Vogelkehle. In großer Hast wird wieder aufgebrochen, und nun geht es weiter im Trab, wie am vergangenen Tage. Mit müden Augen blickt Fred in die vom Frühlingsüberfluß erfüllte Landschaft. Die Höhen ringsumher treten aus den dunklen Schatten der Nacht hervor und färben sich golden, purpurn und grün. Doch dem Kranken fehlt die Kraft, die Schönheit in sich aufzunehmen. „Vorwärts, vorwärts!" treibt er die Kulis an. „Wir müssen Simbang noch bei Tageslicht erreichen.“ „Gewiß, Herr!“ rufen die Eingeborenen zurück.„Es kommt kein Berg mehr, über den wir steigen müssen, und den Fluß erreichen wir bald. Das Wasser ist nicht hoch, und wir kommen schnell hinüber.“ Nach kurzer Mittagspause, der ein Eilmarsch folgt, ist auch der Fluß am frühen Nachmittag erreicht. In den Mangrovengestrüppen am Ufer liegen Kanoes, die zum Ueberfahren in das Wasser geschleppt werden müssen. Doch wie die ersten Eingeborenen hinunter kommen, spritzt das Wasser vom Fall eines schweren Körpers hoch empor— und an der Oberfläche des Stromes erscheint ein riesenhafter, weitgeöffneter Rachen. Zu Tode erschreckt, springen die Papuas wild schreiend die Uferböschung hinauf. „Krokodile! Krokodile! Wir können nicht hinüber.“ Wer sich jetzt auf das Wasser wagen wollte, wäre dem Tode geweiht. In namenloser Aufregung rennen die Kulis dem Ufer entlang auf und ab, durcheinander rufend und heftig gestikulierend.„Eins, zwei, drei! Viele, viele Krokodile. Niemand kann fahren.“ Fred weiß kaum, was um ihn her geschieht. Doch starr hält er an dem Gedanken fest, über den Fluß fahren zu müssen.„Hinüber!" befiehlt er seinen Leuten. „Herr, wir können nicht. Viele, viele Krokodile. Wir alle sind verloren, wenn wir hinüber fahren,“ jammern die Kulis. „Ihr müßt! Hört Ihr? Ich befehle es!“ In höchster Erregung beraten die Eingeborenen, was in dieser Lage zu machen ist. Zurück läßt der Kranke sich nicht tragen. Was sollen sie mit ihrem armen Herrn beginnen? Da nähert ein Eingeborener sich schleichend der Tragbahre. Und plötzlich richtet Fred sich in seinen Fieberphantasien wie verktärt auf. Er breitet die Arme aus und ruft beseligt: „Gita!— Du kommst zu mir?“ Im nächsten Augenblick macht die vergiftete Spitze eines Papuamessers seinem Leben ein jähes Ende. Ins Herz getroffen sinkt Fred auf das Lager zurück.— Bei den folgenden Gerichtsverhandlungen geben die Papuas einmütig zu, ihren Herrn getötet zu haben, da sie ihn zu sehr liebten, um ihn den Krokodilen preiszugeben. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. — Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 23 Mittwoch, 3. Juni 1931 Auf Deutschlands höchstem Von Otto Roeseler. Wie oft schon haben wir Deutschlands höchstem Berg unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet! Immer wieder interessieren uns Schilderungen oder Abbildungen dieses stolzen Gipfels, der mehr als sonst das Ziel begeisterter Naturfreunde wurde, seitdem die Zugspitzbahn auch dem weniger geübten Becgsteiger den Aufenthalt in rund dreitausend Meter Höhe ermöglicht. Man darf sagen, daß seit Bestehen dieser von der AEG erbauten Zahnradbahn der bekannte Sammelplatz Garmisch=Partenkirchen— wohin die zahllosen Ferienreisenden mit dem Karwendel=Expreß von München aus in anderthalb Stunden gelangen— einen neuen Sport hat. Ist das breite Tal einmal bedeckt, verschleiern tiefhängende Wolken die Alpengipfel ringsum, so steht das Telephon im Münchener Haus, dem einsamen Observatorium nicht still.„Wie ist das Wetter oben?“— so lautet die ständige Frage, die der Draht hinaufträgt. Und während man in seiner Telephonzelle steht und der Regen von den Scheiben tropft, sieht man den Wetterwart in Gedanken schon über den Wolken thronen— von Sonnenlicht umflutet, den blitzenden Telephonhörer vor dem rotbraun gebrannten Gesicht... Ja, so ist es.„Kommen's nur herauf“, hat der Wetterwart gesagt, und sogleich beginnt der„Run“ auf die blauweißen Wagen der bayerischen Zugspitzbahn, die im Bahnhof Garmisch halten. Nicht ganz zwei Stunden dauert die Fahrt zum Schneefernerhaus, eine Fahrt, die über Riessersee, Grainau, Eibsee hinaufführt und reich an großartigen Ausblicken, an ständig wechselnden Bildern ist— bis der Zahn radzug in den großen Tunnel taucht. Dann ist für 55 Minuten überhaupt nichts zu sehen. Aber der Kontrast, wenn man oden anlangt! Noch ein wenig verschlafen tappst du aus dem Abteil, siehst dich um, glaubst auf einem Berliner Untergrundbahnhof zu stehen, schleichst melancholisch durch die„heimische" Sperre, biegst mit dem Menschenstrom durch einen Gang nach links— und plötzlich schlägt dir grellweißes Sonnenlicht in die noch an den Dämmerschein des Tunnels gewöhnten Augen. Die Lichtflut bricht tatsächlich wie eine Welle über den Menschen herein. Einen Augenvlick muß man sich besinnen... Wir stehen in der großen Halle des Schneefernerhauses, wir sind 2650 m hoch und nur noch einige Schritte trennen uns von einem der grandiosesten Ausblicke, die das Hochgebirge kennt. Der 7 Quadratkilometer große Plattferner liegt glitzernd zu unseren Füßen, ein riesiges Schneefeld, auf dem sich die Skifahrer noch im Juni tummeln, dahinter erhebt sich in schweigende Einsamkeit die Gipfelwelt der Arlberge und Tiroler Alpen. Strahlende Höhensonne brennt vom wolkenlosen Himmel herab. Wandern wir durch die Räume des fünfstökkigen Hotels, das wie ein großes Vogelnest am Felsen klebt, das 1500 Personen saßt und dessen breite Fensterfront nach Süden gerichtet ist, so wollen wir es fast nicht mehr glauden, daß wir uns hier dicht unterhalb des 3000 Meter hohen Gipfels des höchsten deutschen Berges befinden. Die lange Sonnenterrasse des herrlichen Hotels ist mit Liegestühlen dicht besetzt, Touristen und Skiläufer durcheilen in ununterbrochenem Strom die Halle. Gedränge an der rückwärts gelegenen Abfahrtsstation der Seilschwebebahn, die hinauf zum Gipfel führt. Die 24 Personen fassende Kabine nimmt auch uns auf. und in unmerklich sanftem Fluge schweben wir bergan. In enigen Minuten sind die letzten 300 Meter berwunden, die uns noch vom Gipfel trennen, und nun stehen wir auf dem Grat zwischen West= und Ostgipfel. Da ist auch Münchener Haus, das wir vom Tal aus angerufen hatten. Der Weg zu ihm ist nicht mehr beschwerlich, seitdem man den Grat mit festen Laufseilen gesichert hat. Nach allen Seiten ist hier oben der Blick frei. Im Süden recken sich die Fels= und Eistürme der Dreitausender des Alpen=Gipfelmeers ins Sonnenlicht, nach Norden zu verliert sich der Blick im Dunst der weiten Ebene Süddeutschlands. Umfassend und grandios ist das schweigende Landschaftsbild, das sich hier dem rastenden Touristen bietet. Nach langer sonniger Gipfelrast schweben wir mit der Kabine zum Schneefernerhaus zurück. Jetzt werden— was hier selbst im Frühjahr noch möglich ist!— die Skier herausgeholt, und in halbstündigem Anstieg geht es auf den Brettern über ein sanft steigendes IIlSchneefeld zum Schneefernerkopf. Der Schnee ist schon firnig, die Sonne hat ihn ausgelaugt. Da lacht des Skiläufers Herz. Kaum lassen wir uns noch Zeit, die Felle von den Laufflächen zu lösen, dann gleiten wir in rauchenden Schwüngen hinab zum Platt, vorbei am Schneefernerhaus, das jetzt links liegen bleibt, und weiter abwärts— Richtung Gatterl. Fast 2000 m Skiabfahrt in das Tal krönen diesen Tag, der uns vom frühen Morgen bis zum späten Abend eine ununterbrochene Kette von Erlebnissen beschert hat. Der Sternenhimmel im Juni Von Dr. Dr. Carl G. Cornelius. Der hohe Stand der Sonne erschwert in diesem Monat die Beobachtung des Sternenhimmels mit bloßem Auge ziemlich stark. Selbst um Mitternacht zieht sich über den Nordhorizont ein schwach leuchtender Dämmerungsbogen hin und beeinträchtigt die Sichtbarkeit der schwächeren Lichtpunkte. Die hellen Sterne des Süd= und Osthimmels dagegen erstrahlen in kaum vermindertem Glanz und gewähren gerade im Juni ein ungemein eindrucksvolles Bild. Um 11 Uhr abends(Mitte des Monats um 10, Ende um 9 Uhr) findet man im Zuge des Meridians(der Nord=Süd=Linie), die Betrachtung im Norden beginnend, das W der Kassiopeia, den Kleinen Bären mit dem Polarstern und den Großen Bären oder Großen Wagen, dessen letzter Deichselstern im Zenit steht. Dann wieder abwärtsgehend trifft man Arctur im Bootes oder Bärenführer. Südwestlich folgt die weiße Spica als hellster Stern der Jungfrau. Die Uebersetzung dieses lateinischen Namens lautet„Aehre“, und ein interessanter Zusammenhang ergibt sich, wenn man sich erinnert, daß auf zahlreichen mittelalterlichen Gemälden Maria, die Jungfrau, mit einem Aehrenkleid angetan dargestellt wird. Wie am Sternenhimmel sind hier zwei Fruchtbarkeitssymbole begrifflich vermischt worden. Den Südosthimmel beherrscht inmitten des unbedeutenden Sterngewimmels von Waage, Schlangenträger und Skorpion der rötlich funkelnde Antares im letztgenannten Bilde. Er hat dieser Farbe wegen, die auffallend an die des Mars(griechisch: Ares) erinnert, seine Bezeichnung erhalten. Seine Helligkeit ist nicht nur relativ, d. h. durch eine geringe Entfernung von der Erde hervorgerufen, sondern auch absolut bedeutend, denn er ist ein Gigant unter den Sonnen und übertrifft die Größe unseres Tagesgestirns um mehr als das Hundertfache. Bei Antares beginnt die Milchstraße, die ziemlich niedrig über dem Osthorizont verläuft. Ihre Glanzpunkte sind Atair Adler und Deneb in dem schönen Kreuz des Schwans. Beide bilden ein rechtwinkliges Dreieck zusammen mit der strahlenden Wega, dem hellsten Stern des Sommerhimmels, die westlich über ihnen steht. Zwischen Wega und Arctur erstrecken sich die sternreichen Bilder von Herkules, Krone und Schlange. Auf der anderen Himmelshälfte schließt sich an Spica der Löwe mit Denebola und Regulus an. Nur wenig über dem Südwesthorizont folgen die Dioskuren Kastor und Pollux, und in gleicher Höhe rundet im Norden die helle Capella den Kranz der strahlenden Sterne, die den Sommerhimmel umgeben. Ergänzt wird dieses schöne Bild durch den Anblick der großen äußeren Planeten. Mars im Löwen steht noch etwa anderthalb Stunden im Westen, am 6. geht er am Regulus vorüber, 75 Jahre Der erste Dampfer der Hapag„Borussia“. Vor 75 Jahren, am 1. Juni 1856, eröffnete die Hapag die erste deutsche Dampfschiffahrtslinie nach Uebersee mit dem Schraubendampfer„Borussia". Dieses Schiff, das 85 Meter lang war, brauchte zur Ueberfahrt 14—16 Tage. Die 500=Jahrfeier für Jeanne d'Are in Rouen Der Festzug auf dem Marktplatz von Rouen. An der Spitze Cardinal Bourne, der Vertreter des Papstes. In Anwesenheit von über 40 Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen, ferner Vertretern der französischen und englischen Regierung nahmen in Rouen die Feiern zur Erinnerung an den 500. Todestag der Jeanne d'Arc ihren Anfang. Fast 500000 Zuschauer waren aus ganz Frankreich nach Rouen gekommen. eine schöne Konstellation mit diesem bildend, deren Beobachtung sich kein Sternenfreund entgehen lassen sollte. Auch Neptun kann im kleinen Fernrohr unweit des Paares aufgesucht werden. Jupiter ist zur angegebenen Zeit zwar schon unter den Gesichtskreis gerückt, doch kann er nach Dämmerungsbeginn noch etwa eine Stunde beobachtet werden, ehe er zum Monatsende ganz unsichtbar wird. Saturn bleibt vom 12. ab die ganze Nacht über dem Horizont; an der Grenze von Schütze und Steinbock läßt er sein fahles Licht leuchten; am Morgenhimmel erscheinen Merkur und Venus etwa eine halbe Stunde, ersterer wird jedoch kaum vom Glanz der aufgehenden Sonne getrennt werden können. Uranus ist während der ganzen zweiten Nachthälfte in den Fischen aufzufinden. Die Sonne erreicht am 22. um 10 Uhr vormittags den höchsten Punkt der Ekliptik, womit auf unserer Halbkugel der Sommer, auf der südlichen Erdhemisphäre der Winter beginnt. Sie tritt aus dem Zeichen der ZwilAnge in das des Krebses, was als Sinnbild für die nun einsetzende Abnahme der Tageslange angesehen werden kann. Diese beträgt am 1. Juni 16½ Stunden, am 22., der Sommersonnenwende, 16 Stunden 50 Minuten, am 30. des Monats 16¾ Stunden. Der höchste Stand, den die Sonne für Orte der geographischen Breite 52 im Juni über dem Horizont erreicht, ist 61 Grad. Der Mond zeigt folgende Lichtgestalten: Letztes Viertel am 8. um 7 Uhr 15 Minuten, Neumond am 16. um 4 Uhr, Erstes Viertel am 23. um 1 Uhr 30 Minuten, Vollmond am 30. um 1 Uhr 45 Minuten. —2.— Du, mein stilles Tal...! Von J. Schult=Iserlohn. (Schluß.) Ohne den Ursprung des Langen Seifens oder der Hartmecke, wie sich das Bächlein noch nennt, aufzusuchen, bog ich wenige Minuten vorher über einen Fahrweg, der weiter zum Heidenstock und damit zur Hauptwanderstrecke 2 und 6 führt, aufs linke Ufer des Bächleins, das hier oden fast nur noch murmelt. Von weitem sah ich schon ein Blechschild mit der Aufschrift„Teufelsseifen“ an einem Baumstamm spritzte ein gar wütiges Bächlein zu Tal und hinab in die Hartmecke; es ist eben das des Teufelsseifens, eines Nebentales. Dieser Nebenbach erinnert in etwa an Pleister Legge, dem Wasserfall zwischen Elspe und Forsthaus Wiggeringhausen. Ist der plötzliche Fall auch nicht so steil wie dort, so springt Quellwasser doch auf einer Strecke um so seinen kurzen Lauf ganz begleiten zu können; es sind nur unten einige Stufen aus dem Wiesenrain ausgehauen, die man etwa 30 bis 40 Meter bergan steigen kann. Mit guter Karte kann man sich von dort aus jedoch leicht zurecht finden und in steilem Anstieg den Höhenweg zur Schanze gewinnen. Eine Ruhepause im einzigen kleinen Gasthause kann nimmer schaden. Dazu lohnt die Rast an diesem Fleck mit seiner Hohe von über 700 Meter, da sich einer der abwechslungsreichsten Rundblicke im oberen Sauerlande vor den erstaunten Augen des Wanderers auftut. Im Süden schweift der Blick über waldrauschende Täler in die Wittgensteiner Berge, im Südwesten über Jagdhaus und den langgedehnten Härdler, im Norden in das Hartmekketal und darüber hinaus auf die Hunau, im Osten endlich grüßt der Kahle Asten mit seiner ganzen Umgebung zum Beschauer hinüber. Unfern der Schanze, auf der übrigens Reste von alten Wällen, ahnlich denen vom Astenberge, deutlich wahrnehmbar sind, und deren sieben Häuser auch wohl unter Uelmkek auf den älteren Karten verzeichnet stehen, verlangt ein drittes stilles Tal nach ruhigen Wanderern. Es ist der Schladebach, der durch das Grubenoder auch nicht ganz richtig genannte Latroptal längs einer ausgebauten, doch fast gar nicht benutzten Landstraße verläuft, der diesmal lockt. das frische doch auf einer Strecke von einem dritte: Kilometer über 100 Meter tief hinab. Dieses starke Gefälle hat es mit sich gebracht, daß oft die weitverzweigten starken Wurzeln der alten Baumriesen an einer Seite unterhöhlt oder völlig freigelegt worden sind. Das dazwischen liegende Steingeröll vervollständigt das Bild zu einem wildromantischen Waldund Sturzbach. Schade ist's, daß kein gewundener Pfad bis zur Höhe der schlucht läuft, Als ich einst als Sommerfrischler auf der Schanze des Morgens in aller Frühe eine Schar Schüler aus dem Hannoverschen, die von einem Oberlehrer geführt wurden und auf der Jugendherberge der Schanze übernachtet hatten, durch dieses Tal über Latrop hinaus auf wenig bekanntem Wege zum Jagdhaus führte, waren die jugendlichen Wanderer mehr als begeistert über die herbe Schönheit in der Morgenfrische und=stille des Grubentales. Das Grubental beginnt an den Schlümperbrüchen, einem weniger sumpfigen als wilden Waldbezirke zwischen Kühhude und Schanze. Anfangs vermag die Straße allerdings dem Laufe des Bächleins noch nicht zu folgen, da sein Gefälle zu stark ist; daher windet sich die Straße erst mehrfach hin und her, bis der Bach seine Wildheit ausgetobt hat und zufrieden durch schmalen Wiesengrund seinen Lauf nimmt Mitten am Wege rechts des Schladebaches stößt das Auge auf eine Art Hain. Hohe Fichten bilden einen Kreis um einen einfachen, doch in seiner architektonisch schlichten Art gerade wunderbar wirkenden Stein, der den Namen Altarstein trägt. Der obere Teil birgt eine Heiligenfigur, vor der meist frische Blumen Auge und Herz erfreuen, das Ganze ist hausen zu, so ein Sinnbild der himmlischen Stille und eine Sorpetat. Die Aufforderung zu kurzer beschaulicher Rast mit= eine Oberförsterei bekannte Dorf Rehsiepen im ten in echt sauerländischem Bergwalde. Fallen obersten Teile verdienen mehr als bisher durchhier die Seitenwände auch nicht allzu steil hinab, so genießt man doch in der durch keinen Miß ton gestörten Naturfrische und durch öftere Bach wendungen abwechslungsvollen Talgestaltung unvergeßliche Eindrücke. Den Abschluß dieses prächtigen Tales bildet das winzige Dorf Latrop, wohl das malerischste Taldorf im ganzen Sauerlande. Wer das friedliche Kirchdörflein einmal gesehen hat, vergißt sein entzückendes Bild sobald nicht wieder. Es ist, als ob das friedliche Bild wohltuend auf das menschliche Gemüt wirkt. Die eigene Stimmung dieser sauerländischen Landschaft löst je nach der seelischen Stimmung des Beschauers und der Jahreszeit mannigfach wirkende Eindrücke aus. Die sanften Wellenlinien der sauerländschen Bergzüge, die lachende Sonne mitten über der grünen Sommerlandschaft, leise abgetönte Glockenklänge von ungesehenen Viehherden jenseits des Waldes am Hange — dazu ein Herz, das dies alles jauchzend genießt—, wer sich dabei nicht erholt von allem Großstadtgetue und=lärm, dem ist nicht zu helfen. Diesem stimmungsvollen Bilde steht eine Winterlandschaft im Sauerlande nichts nach. Die Fernen werden dann umsäumt von schwarz=weißen Bergrissen; langgedehnte Schneestrecken wechseln je nach der Hohenlage ab mit dunklen Wäldern, die nach reichlichem Schneefall oder Rauhreifbildung zu durchwandern zu den höchsten Genüssen auf Erden zählt; die zwischen den Bergausläufern sorgsam eingebetteten Dörflein gucken behutsam heraus, fast als ob sie leblos dalägen. Nur die dem Schornstein der schneebedeckten Häuser entsteigenden leichten Ringelwölkchen verraten die auch im Winter nimmermüden Bewohner. sonst aber Ruhe und Stille ringsum. Daß auch die sauerlandische Winterlandschaft erlösend, wohltuend auf das menschliche Gemüt, besonders erholungsbedürftiger Menschen wirkt, bestätigt jeder, der einmal eine Zeitlang die Winterfrische im hohen Sauerland bezogen hat. Ja viele sind in der Tat im Zweifel, was schöner ist, das Sauerland im Sommer oder im Winter. Beiden Jahreszeiten gebührt uneingeschränktes Lob. Bei der Eröffnung der Sauerlandsausstellung 1913 zu Essen sprach Museumsdirektor Gosebruch über die Schönheit der sauerländischen Berglandschaft:„Dieses strenge System der langen, langen ineinander sich schiebenden, voneinander sich lösenden und immer wieder sich vereinigenden Höhenzüge, diese Weite und Größe, die niemals kleinlich, spitzig ist, diese Freiheit, die über die dunklen Kuppen hinweg den Blick immer wieder in lichte, sonnenbeschienene Täler leitet, das ist großer Stil, das ist Gesetzmäßigkeit, das ist Rhythmus. Wer empfänglichen Herzens durch solche Landschaft wandert, auf den wirkt sie mit der Geschloisenheit eines Kunstwerks, und wie wohltuend ist es dann, wenn wir sie, die so zwingend ist, von unsern ermatteten Sinnen Besitz ergreifen spüren, wenn sie uns, dieweilen wir müde schreiten, das Gepäck unserer schweren Gedanken abnimmt, sie auf der in unendlicher Melodie verlaufenden Wellenlinie ihrer Höhen und Tiefen sich ausruhen, dehnen und klären läßt.“ Gerade die sauerländische Landschaft mit ihrer so ungeheuer reichen Abwechslung, ihren für das Auge so ruhigen Linien und dem für Auge und Lunge so erfrischenden unendlichen Grün der Laub= und Nadelwälder. der weltenfernen Stille auf den Höhen und in den Tälern besitzt alle Vorzüge eines Bades für der Erholung und Ausspannung bedürftige Menschen. Was der Deutsche so gern in der Ferne sucht, hat er zum Greifen nahe, nur er würdigt es nicht genug. Die deutsche Mittelgebirgslandschaft hat im allgemeinen nichts Himmelanstrebendes, aber Behaglichkeit atmende, beruhigende Stimmung, die im menschlichen Gemüte Freude und Frohlust auslöst. Das gewiß an Naturpracht nicht weniger reiche Ausland braucht man nicht zu verabscheuen, man kann es ruhig kennenlernen, wenn man erst sein deutsches Vaterland kennt, dann aber damit genug sein lassen. Was hat es für einen Sinn, wenn der Deutsche davon redet, der Rhein oder eine deutsche Landschaft soll deutsch bleiben, wenn dieser Deutsche die deutschen Lande doch nicht besucht, sondern in Deutschland nichts anderes kennt, als die Schönheiten des Auslandes zu preisen. Hoffentlich sind die Zeiten ein für allemal vorbei, von denen Heine sang:„Deutsche Treue, deutsches Hemde, die verschleißt man in der Fremde.“— Wenigen Sauerlandfreunden werden folgende Talblicke bekannt sein. Wandert man von Gleidorf oder Fredeburg aus auf Winktrifft man dort auf das untere drei Sorpedörfer und das durch wandert zu werden. Wenn die Sonne es allzugut meint, verschiebt man besser die Wanderung auf den Abend oder den nächsten Morgen. Dann gewinnt die Durchwanderung des Sorpetales jedes Menschen Herz. Die meist mit hohen Tannen bewachsenen Hänge zu beiden Seiten engen des Baches Lauf immer S E5R SLRES EPRas P-SSS H nset ——— PRB:OS — KOEUSBR SSER e mehr ein und geben einen würdigen Rahmen zu dem ganzen Idyll. Hinter Rehsiepen läuft die Landstraße bei dem Großen Bildchen aus, dem Treffpunkt von sieben Waldwegen. Auf dem Bildstöckel hier reizt folgender Spruch zu besinnlichem Nachdenken und zu kurzer Rast: Im schönen Spiegel der Natur Siehst du des großen Gottes Spur, Doch willst du ihn noch größer sehn, So bleib an seinem Kreuze stehn. Vom Großen Bildchen aus kann man verschiedene sehr lohnende Kammwege einschlagen. Am meisten wird der bezeichnete Weg über die Hunau begangen. Nur vereinzelte Wanderer kennen den nicht minder schonen Weg über die sogenannten Aussichten nach Winkhausen oder Oberkirchen. Stets durch oder doch am Rande von ständigem Hochwald führend, erreicht der Weg zuerst die Duisburger Hütte. Diese lehnt sich auf etwa 720 Meter Höhe weit in die Lande hinaus. Es ist das rechte„Haus an der Sonne". Kurz hinter der Höhe geht's am kleinen Bildchen vorbei, dessen Bildstock der 1913 verstorbene Einsiedler Kemper, der in der nahen Klause hauste, zuletzt erneuert hat. Von hier aus lohnt sich ein kurzer Abstecher zu einem weiteren malerisch gelegenen Dorfe des Sauerlandes: Nordenau. In dem reich geschmückten Kranze sauerländischer Ortschaften nimmt Nordenau eine bevorzugte Stellung ein. Auf dem Ausläufer des Herhagen liegend, um geben und geschützt von tannengekrönten Höhenzügenz rund um ein einfaches Dorfkirchlein und die Ueberreste einer mittelalterlichen Burg etwa ein Dutzend Häuser, fast alle noch alten Stils. Ein Blick vom Herhagen hinab auf diese winzige Idylle, etwa an einem Winterabend, wenn die Fenster des Kirchleins und der wenigen Häuschen erleuchtet sind und rundum tiefster Winterfriede seine Flügel über die Landschaft ausbreitet, gehört zu dem stimmungsvollsten im ganzen Sauerlande. Doch auch im Sommer steigt man stets hochbefriedigt nach Nordenau hinauf. Wanderer, Schneeschuhläufer, Sommer= und Winterfrischler, alle preisen begeistert dies entzückende Fleckchen, das als ein friedliches Eiland, als eine Eichendorffsche„Trösteinsamkeit" erscheint. Von diesem Abstecher vom Herhagen kehre man zurück zum Kammwege, dessen Aussichten zur Rechten auf Schmallenberg und Fredeburg inmitten der sie umgebenden Bergwelt und zur Linken auf den Kahlen Asten, auf das wie auf einem Präsentierteller gelegene Nordenau und auf Oberkirchen stets befriedigen. Unterwegs bietet eine kleine Schutzhütte Gelegenheit zum Ausruhen. Kurz hernach fällt der Weg langsam, kreuzt die Hauptwanderstrecke 13 und mündet in einen Fußsteig, der sein Ende in Winkhausen findet. An Stelle dieser Kammwanderung lohnt auch vom Großen Bildchen aus der Weg zum Jagdschloß Siedlinghausen. Teils die Straße, teils einen der weiten Bogen abschneidenden Waldweg benutzend, der oft von Rehen und Prachthirschen gekreuzt und dessen Stille sonst nur von dem Zwitschern der verschiedensten Vögel unterbrochen wird, gelangt man ins obere Renautal. Der untere Teil dieses Tales ist den Wanderern der Hauptwanderstrecke 2 durch den langen Bogen zwischen Silbach und dem Astenberg bekannt. Der hier jedoch noch schmalere Bach kann über ein Brücklein überschritten werden. Gerade an dieser Stelle lohnt ein Blick auf die grüne Wiese zur Rechten und Linken des Bächleins; der Wiesenrand wird durch den rauschenden Hochwald gebildet. Ein Bild, klein und zierlich, aber doch inhaltsreich, nichts Besonderes, aber gerade in seiner Schlichtheit zu Herzen sprechend. Bald hierauf stößt der Wanderer auf die Schafsbrücke, eine Steinbrücke über den Negerbach. Auch hier befiehlt das Auge dem eilenden Fuße Halt, um sich einige Minuten dem Genusse dieses wildrauschenden Hochwaldwassers hingeben zu können. Wieder ist's nur ein kleiner Ausschnitt aus dem riesigen Gemälde der Natur und doch genügend groß, um innere Befriedigung und Freude an der Herrlichkeit der Welt aufkommen zu lassen. Nicht weiter hinter dieser wunderschön gelegenen Brücke liegt das Jagdschloß Siedunghausen. Aeußerlich bietet es nichts Bemerkenswertes. Die Lage ist nicht übel gewählt. Aus den vorderen Fensternschweift der Blick über die langgestreckten Wiesen des Negertales und darüber hinweg zu den verschiedenfarbigen Wäldern und den Höhen jenseits des Baches. Der Weg, weiter das Negertal abwörts, läßt in seinen Eindrücken nach, sobald man sich dem Dorfe Siedlinghausen nähert, ist aber trotzdem empfehlenswert. Zur Seite haben die fleißigen Siedlinghäuser S. G. V.=er eine niedliche Bankgruppe um ein niedersprudelndes Wässerlein geschaffen, die müde Wanderer dankbar benutzen werden. Der stillen Täler gibt es noch viel mehr, sowohl im hohen als auch im übrigen Sauerlande. Keines ist dem andern gleich, jedes hat nur ihm eigene Schönheiten und Reize, manche warten noch auf ihre Wertung, andere haben stille Liebhaber gefunden, die ihre Wissenschaft in der Befürchtung für sich behalten, daß durch Bekanntgabe die Täler überlaufen werden und in ihrer Schönheit Einbuße erleiden könnten. So unrecht ist dies nicht, denn für Herdenwanderungen sind die stillen Täler des Sauerlandes dicht gedrängt die Reisenden, die sich für ein paar Wochen dem schwimmenden Palasthotel anvertraut haben, und letzte Grüße werden mit Freunden und Verwandten am Ufer getauscht. Für viele, namentlich vorn auf dem Deck der dritten Klasse, gilt es einen ernsten Abschied, vielleicht fürs Leben. Hunderte von jungen, frischen Menschenkindern drängen sich dort— Auswanderer! Wir sind ein Volk ohne Raum nur allzu viele müssen sich daher draußen in der Welt ihren Lebensunterhalt suchen und genicht da; es ist viel genußreicher, die stillen hen so ihrer Familie und ihrem Heimatlande Täler in kleinen Gruppen oder allein zu durchwandern. Wenn man eins wünschen würde, so wäre es dies, daß gute Maler mehr als bislang ihre Leinwand in die stillen Täler des Sauerlandes tragen und die Feinheiten des Landschaftscharakters und der Stimmung festhalten möchten, dem Sauerlande zur Ehre und den vielen seiner Freunde zur Freude. Der in all den Naturwundern wohnende tätige Sauerländer mag oft verständnislos durch seine Täler schreiten. Wer so Tag für Tag dasselbe sieht, stumpft gegen Besonderheiten des Geschauten ab. Wer aber aus den Großstädten mit ihrer„dicken Luft“ herauskommt, bringt andere Augen mit, will genießen, wird Schönheiten dort lobpreisen, wo der Einwohner nichts Besonderes findet. Man wandert ja auch nicht, um Kilometer zu fressen oder seine vorgenommene Tour programmmäßig abzuwickeln, sondern man wandert, um zu schauen und im Schauen zu genießen. Das Angenehme, das Erleben der Natur, das Augenbad, verbinden mit dem Nützlichen, dem Wandern, dem Lungenbade, ist auch hier Endzweck. Dem sehenden Auge erscheint manches anscheinend Unwesentliche im Zusammenhang mit seiner Umgebung künstlerisch schön, mancher stille Waldwinkel, manches stille Tal, an dem Tausende achtlos vorübergehen, der Bewunderung wert. Auch das Kleinste ist in der Natur beachtenswert, das Geringste hat seine Feinheiten. Es harren im Sauerlande noch Hunderte solcher Feinheiten der Entdeckung und Würdigung. Gehet hin und genießt sie in vollen Zügen, ihr schauenden, erlebenden Wanderer, ihr werdet Wunder sehen und von dem Erwanderten, Geschauten lange zehren. Und nun sei den stillen Tälern des Sauerlandes ein Gruß zum Abschied und zur Wiederkehr entboten, wie es im Liede heißt: Grüß dich tausendmal, Du, mein stilles Tal! Uebers große Wasser Von Paul Grabein. „Ade, du mein lieb' Heimatland!“— tönt es vom Promenadendeck, wo die Bordkapelle steht, während die großen Fangleinen des Dampfers vom Bollwerk loswerfen und sich der Schiffskörper langsam vom Ufer löst. Ueberall auf den Decks der drei Klassen stehen verloren. Gar mancher wird seine Lieben und Deutschland nicht wiedersehen. Der eine odce andere mag es wohl ahnen; denn start, tränenden Auges blickt er zum Gestade. Aber die wenigen, die so tun, verschwinden im Gewühl der übrigen, die Tücher schwenkend, rufend und lachend zum Ufer hinwinken. Sie sind jung, lockend liegt die Welt vor ihnen, und draußen in der Ferne harrt ihrer ja dao Glück! Nicht ohne Ergriffenheit wird dec, der öfter schon die Fahrt über den Ozean gemacht hat, feststellen, wie anders das Bild in der dritten Klasse sich ausnimmt bei der Rückreiie nach Deutschland. Nichts mehr von überschäumender Jugendlust und nach den Sternen greisendem Hoffen,„still auf gerettetem Kahn— —“, heißt es auch hier für nur allzu viele. Am andern Tage hat sich schon ein jeder an die neue Ordnung des Lebens an Bord etwas gewöhnt. Man plaudert, liegt im Stuhi und liest, promeniert, spielt Shuffleboard und Tennis auf den Decks der ersten und zweiten Klase se, und nicht zuletzt: man mustert sich gegenseitig, kritisiert, schätzt ab und lästert ein wonig— Menschliches, Allzumenschliches! Im mittelpunkt des Interesses stehen die reichen Amerikaner, die mit ihrem eigenen prachtvollen Luxusauto an Bord gekommen sind, mit dem sie Mitteleuropa durchquert, Paris, Baden=Baden und die Riviera besucht haben, nicht minder aber das junge Hamburger Ehepaar, das gestern erst seine Hochzeit gefeiert und von den Traugästen in heiterster Stimmung an Bord gebracht worden ist. Ganz für sich hält sich dies junge Pärlein und nimmt seine Mahlzeiten a part im Grillraum ein, um nur ja nicht in seinen Flitterwochen gestört zu sein. „Oh, daß sie ewig grünen bliebe!" Gruppen, kleine Kreise bilden sich unter den Passagieren; Sympathien und Antipathien wer den fühlbar, kurzum, hier alles im Kleinen wie im großen Stil an Land. Nur ein Unterschied, der allerdings schwer wiegt: An Land kann sich aus dem Wege gehen, wer sich nicht mag; hier zwingt die Enge des Raumes einen immer wieder zusammen. So entsteht bisweilen wohl bei reizbaren Gemütern eine Stimmung, wie sie mir ein Reisegefährte nach vier Wochen langer Seefahrt am letzten Abend offenharte, indem er sagte:„Es ist ein wahres Gluck, wuß wir morgen endlich auseinandergehen— ich glaube, wir wären sonst alle noch mit Messer und Gabel aufeinander losgegangen!“ Aber es gibt, Gott sei Dank, ja nicht lauter solche eigenartige Menschenfreunde. NamentSkagerrak=Feier der Reichsmarine Die Skagerrak=Gedenkfeier an Bord des 1 Der 15. Jahrestag der Seeschlacht vor dem Linien=chiffes„Hessen“ während der An= Skagerrak wurde von der Reichsmarine besprache des Kommandanten. sonders feierlich begangen.