zu durchqueren. Die Karawane braucht 11 Tage. Wir selber legen den Weg in drei Stunden zurück. Miß Horkan aus Newyork, die den Ausflug angeregt, mich als Pilot eingeladen hat, will das ganze riesige Wildgebiet umfliegen, und so biegen wir weit auf, kommen von Nordwesten auf die Steppe zu. Unendlich weit dehnt sich die Grasfläche aus, das wellige Gelände ist bis zum Lgarja=Salzsee mit Schirmakazien, Dornbüschen und Gras bedeckt. Kleine Herden von Giraffen äsen an den Baumkronen, fliehen entsetzt vor dem Tosen des Motors. Wir überfliegen den tiefblauen See. Ohne Baum und Strauch breitet sich nun ein gigantischer Flugplatz aus, 100 hm lang, 60 breit. Der Apparat bleibt dicht über dem Boden, nur 20, 30 Meter hoch. Unten wogen die Halme wie ein Meer, die ganze Steppe ist von weißen, gelben und roten, von violetten und blauen Sternen übersät. Vor dem seltsamen Vogel flüchten Zebras und Herden von Antilopen, Gazellen und sich überstürzende Wildebeests, Kuhantilopen von büffelartigem Aussehen. Wilde Angst treibt die vielen hundert Tiere mit gesenktem Kopf und steil aufgerichtetem Schwanz in der Flugrichtung dahin. GrabtGazellen, zierliche Hörner aufgesetzt, Rudel grauer Wildschweine, Strauße, die durchaus nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern weitausholend und wiegend dahinrasen. Da tauchen drei Hyänen auf. Und die allein machen das Rennen nicht mit. Sie schauen empor, ducken sich. Warten auf das Aas, das dieser Riesenvogel liegen lassen wird. Eine Stunde lang rollt nun schon das herrliche Schauspiel ab. Immer neue Tiere, immer mächtigere Rudel erscheinen. Ungeheure Massen von Wild haben sich in diesen Steppen erhalten. Miß Horkan hinter mir filmt und photographiert und zittert vor Entzücken. Und dann packt sie mich plötzlich an der Schulter und schreit ins Bordtelephon:„Zwei Löwen... zwei.“ Ich reiße die Steuerung herum, schaue zur Seite. Unten tauchen zwei Tiere aus dem Gras, langsam trollen zwei Löwen hervor. Eine Kurve, und wir sind gefährlich tief über ihnen. Der eine hebt den Kopf, eine lange Mähne flattert im Winde, der Rachen ist weit offen. Der andere kauert sich nieder, beide sind sie kampfbereit, blicken nach dem schimmernden Flugzeug empor. Ringsum flüchten noch immer wilde Gazellen, Herden von Antilopen, nun drei Giraffen. Die Angst vor dem Flugzeug läßt sie die Nähe Simbas vergessen, der allein ruhig bleibt. Unumschränkter Herrscher dieser Wildbahnen, dieser menschenleeren Ebenen, fürchtet er auch das Donnern des Motors nicht. Wir kreisen lange über den Löwen, und der Eindruck von majestätischer Kraft bleibt unvergeßlich. Als wir den Campplatz erreichen, zieht eben ein Gewitter auf, dunkle Wolkenbänke kriechen den Horizont empor. Nacht in Gummizelten dann, auf die klatschend schwerer Regen fällt. Ein unsagbar schöner Morgen, in allen Farben glühend die Steppe, duftend das Akazienwäldchen= in dem die Zelte liegen. Von dem schwarzen Felsen aus, der das Lager deckt, kann man die Spiele der Gazellen sehen, Herden von Zebras. gesondert von dem Rudel kämpfen zwei Kongogi-Pännchen mit starkem Gehörn, zitternd niehr ein Weibchen zu. Bunte Vögel flattern um den Felsen, und wenn die Dämmerung einfällt, rauscht das Zirpen von Millionen Insekten auf.„. u 54 p I.. In den Nächten spielen sich ganz in der Nähe blutige Dramen ab. Löwen reißen ihre Opfer aus den Herden, das Brüllen Simbas tönt auf, und Hyänen kommen bis ins Lager. Hochauslodernde Feuer brennen ringsum, trotzdem aber fehlen am nächsten Morgen die zum Trocknen aufgehängten Wildkeulen. Mit den Autos war ein White=Hunter vorausgefahren, ein Berufsjäger und Fährtensucher. Er hat sich auf die Jagd begeben, hinter zwei Leoparden her. Am Abend des gleichen Tages bringen drei Waykoma=Boys ihn ins Lager. Ganz unvermittelt hat ihn die eine Katze angesprungen, ihm die Krallen tief ins Fleisch geschlagen, Schulter und Brust zersetzt. Der Jäger bearbeitete den Leoparden mit dem Gewehrkolben, bis das Tier erschreckt flüchtete. Die Verwundungen schienen nicht sonderlich schwer. Am nächsten Morgen aber treten hohes Wundfieber und unerträgliche Schmerzen ein. Und nun zeigt sich, daß die Jagd im Flugzeug mehr ist als die Laune einer reichen Frau: Acht Tage Autotransport würden das Leben kosten. So starte ich das Flugzeug und bringe den Jäger nach Nairobi ins Spital. Ein Flug durch Regenböen, mit aller Kraft muß der Kranke sich aufrecht erhalten. Schmerzen und Jieber und das Schlingern des Apparates im Kapitän Christiansen, der Führer des Do X. Tropensturm, im Seitenwind. Trotzdem: Wir kommen rechtzeitig nach Nairobi. Noch sind die Fäulnisstoffe der Krallen nicht zu tief ins Blut gedrungen. Camp dann wieder, blutigrote afrikanische Abende, das leise Summen eines Negerliedes in der unendlichen Ruhe, dann plötzlich der Aufschrei eines niedergerissenen Tieres. Und immer wieder Flüge, ganz niedrig über den fliehenden Herden. Jagd mit der Kamera. Die Serengetisteppe beherbergt nach englischen Schätzungen weit über 300 000 Tiere. Wir sehen sie fast alle auf den Rundflügen. Ungeheure Massen, ein großartiges Schauspiel in einer fast unberühcten Natur. Und immer wieder das Brüllen Simbas, ersterbende Schreie, dann daslange nachhallende Kläffen und Knurren und klagende Heulen der Schakale und Hyänen. Diese Bestien zwingen uns auch, zwölf Tage lang das Fliegen einzustellen In einer einzigen Nacht war vergessen worden, die Gummiräder des Aeroplans mit dichtem Dorngesträuch zu umgeben. Und am Morgen sind sie zerbissen, durch ein paar Hyänen unbrauchbar gemacht, die alles zermalmen, was ihnen zwischen die Zähne kommt, Knochen, Holz, Gummi. Ein Auto muß nach Nairobi fahren, denn gerade Reifen haben wir nicht mit. Es folgt ein Kampf mit Schlammstraßen und Wasser und Sand. Ueberall im schwarzen Erdteil beginnt das Donnern der Motoren das Gebrüll der Wildnis zu übertönen. Teilweise aber sind die Wege noch so, wie sie vor 100 Jahren waren. Langsam dringen die Asphaltstraßen vor, langsam erschließen sie die Wildreservate, in ein paar Jahren werden sie auch die Serengetisteppe aus ihrer Ruhe reißen. Wir fliegen gegen den Kenia, den Kilimandscharo dann, die gewaltigsten Bergriesen Afrikas, die fünf= und sechseinhalbtausend Meter hoch ihre beschneiten Gipfel in die glasklare Luft recken. Von da oben sieht man cs deutlich, wie die Sissalplantagen und Kaffeegärten immer weiter vordringen, wie die gelben Strohdächer der Kikuyu=Siedlungen immer mehr unter dem Laub der Bananenhaine verschwinden. Langsam wird auch die afrikanische Wildnis verdrängt. Langsam stirbt die alte Romantik dieses Erdteils, und eine neue entsteht: Man jagt Löwen im Flugzeug... —1.— Seltsame mongolische Gestalten Der Paßlama und der Sündenfresser. Vier Jahre lang durchreiste Roland Strafser die Mongolei und Tibet. Sein Weg führte über tausende von Meilen, durch das kalte Tibet mit seinen schauderhaften Winterstürmen und durch die öden Wüsten der Mongolei. Dabei konnten einzigartige Erleonisse und seltsame Begegnungen nicht ausbleiben. Nur einige wenige sollen hier herausgegriffen werden. Am Eingang eines Passes in Tibet traf die Expedition Strassers einen Lama, der betete. Der Forscher traute seinen Augen kaum, als er mitten im kältesten Winter diesen Lama auf hart gefrorenem Boden unbeweglich sitzen sah — in völliger Nacktheit. Nur um die Lenden hatte er sein Gewand gelegt, das völlig steif zusammengefroren war. Sein breites Gesicht glich mit seinen geschlossenen Augen einer Holzmaske. Aus tiefster Brust sang dieser Lama aber unbekümmert um seine Umgebung seine religiösen Lieder in die schneebedeckte Gegend hinein. Wie um ein Wunder scharten sich die Tibetaner um diesen Lama und baten ihn, er möchte ihre Reise, vornehmlich die Bezwingung des Bergpasses, segnen. Der Lama betete und suchte dann vom Lagerfeuer der Expedition Aschenklümpchen heraus, die er mit den Fingern der einen Hand zerrieb, während er durch die Finger der anderen Hand seinen Rosenkranz gleiten ließ. Er zerdrückte einige Aschenkügelchen, blies dann mit vollen Backen die Asche nach allen vier Windrichtungen und verkündete hierauf, daß die Reise einen glücklichen Verlauf nehmen werde. Seine Voraussage erfüllte sich auch in der Tat, denn der Paß wurde ohne Schwierigkeiten genommen, worauf die Tibetaner frohlockten:„Die guten Götter haben gewonnen“, womit sie gleichzeitig sagen wollten, daß die bösen Berggeister in die Flucht geschlagen wurden. Unter den merkwürdigen Gestalten, denen R. Strasser sonst noch begegnete, befand sich wiederum ein völlig splitternackter Mann, der sich vom Scheitel bis zu den Zehen vollständig mit Kalk beschmiert hatte. Sobald sich ihm jemand näherte, knurrte und brummte er wie ein beutegieriges Tier. Dann sagte er den Leuten, daß er ein„Sündenfresser" wäre und drohte ihnen mit den schrecklichsten Strafen, namentlich mit der Aufbürdung seiner eigenen Sünden auf die Umstehenden. Die Tibetaner entgingen den Drohungen dadurch, daß sie sich durch ein Lösegeld von dem„Sündenfresser" loskauften. Es gibt doch sonderbare Heilige und Sünder auf der Welt!— An Misteue—D Der größte Unterwassertunnel der Welt. Mit den kürzlich begonnenen Bohrungen zu dem untermeerischen Tunnel, der unter den sogenannten„Narrows“ hinwegführend die vor dem Hafen von New York liegenden Inseln Long Island(insbesondere Brooklyn und Staten Island verbinden soll, ist ein Werk. in ngriff genommen, von dem die Amerikaner diesmal mit Recht behaupten können, daß es das größte seiner Art sein wird. Die Maße des unter dem Hudson hinwegführenden Hollandtunnels werden in der Tat bedeutend überboten werden. So soll der Durchmesser der Tunnelröhren mit 10,60 Metern um mehr als ein halbes Meter größer sein. Die Länge des eigentlichen Tunnels wird 1500, einschließlich der Zufahrten 3500 Meter lang werden. Die entsprech nden Zahlen beim Hollandtunnel betragen 1000 und 2400 Meter. Der Voranschlag für die Baukosten beläuft sich auf 300 Millionen Mark, wird voraussichtlich aber erhöht werden müssen. Die größten Schwierigkeiten für die Ingenieure bietet das Problem der ausreichenden Ventilationsanlagen, durch die dem dreißig Meter unter dem Meeresgrunde liegenden Tunnel die nötige frische Luft zugeführt wird, insbesondere die Auspuffgase der zahlreichen Kraftwagen, die das neue Verkehrs mittel am meisten benutzen dürften, abgesaugt werden. Viereinhalb Millionen Kubikmeter frische Luft sind jede Minute durch die Ventilationsschächte in den Tunnel zu pressen, wenn die Benutzung ohne Gefahr möglich sein soll. Die Vollendung des gewaltigen Werkes dürfte vier Jahre in Anspruch nehmen. Bei den Urbewohnern Alaskas. Der Anthropologe Dr. Alex Hrdlicka ist kürzlich von einer Expedition in das Innere Alaskas zurückgekehrt, wo er sich vornehmlich mit der Untersuchung der dort ansässigen Eskimos beschäftigt hat. Der bisher mit Weißen noch wenig in Berührung gekommene Stamm wurde wissenschaftlich noch nicht erforscht. Es handelt sich hier, wie der Gelehrte angibt, um den alten, echten Eskimotyp, von der gleichen Rosse wir die indianischen Urbewohner Nordamerines. Zahlreiche vergleichende Messungen an Lebenden wie auch an ausgegrabenen Skeletten ergaben, daß die Körpergröße bei dem Stamm, der etwa 3000 Köpfe zählt, Jahrhunderte hindurch gleich geblieben ist. Auffallend erscheint das Fehlen der breit auseinander stehenden Backenknochen, wie sie allen übrigen Eskimos eigentümlich sind. Der erwähnte Stamm lebt außerordentlich primitiv, sist mit seinem Lose aber ganz zufrieden, denn Dr. Hrdlicka erschien er als ein glückliches Völkchen, dessen jüngere Mitglieder, Männer wie Mädchen, auch nach europäischen Anschauungen keineswegs häßlich sind. Leider muß mit einem Aussterben gerechnet werden, da die Tuberkulose stark verbreitet ist. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Ver'ag: C. Santz, Allena. * Veilage zum altenaer Kreisblatt zugleich Neuenräder Zeitung Nr. 5 Mittwoch, 4. Februar 1931 Bockbierzeit Die wundersame Heilung eines Bergmannes. — Gut gegen schlechte Hautfarbe, Podagra und Milben. Von Alois Brunner. Seit ein paar Wochen winkt er von den Plakaten hinter den Fensterscheiben der Wirtschaften. Hunderterlei Formen weist er auf. Einmal erscheint er in Gesellschaft einer lebenslustigen Kellnerin, ein ander Mal in Gambrini Gefolge, ein drittes Mal wieder stößt er den Griesgram über den Haufen. Und doch ist er im Grunde immer der gleiche, der uns allen vertraute Bock, die Verkörperung des besonders schwer eingebrauten Bieres, das von ihm den Namen trägt. So wird auch jetzt wieder, trotz erneuter Biersteuererhöhung, jeder gern diesen besonderen Gerstensaft trinken, selbst wenn er nicht ein so wunderbares Erlebnis hatte wie jener Kohlenbergarbeiter aus der schottischen Grasschaft Clackmannan, von dem uns eine zeitgenössische Chronik berichtet. Hunter, so hieß der arme Kerl, litt seit zwei Jahrzehnten an hartnäckiger Gicht, die ihn des Gebrauches der Beine beraubte, ihn an die Stube fesselte und von der Mildtätigkeit seiner ehemaligen Kameraden abhängig machte. In der Neujahrsnacht 1758 glaubten nun ein paar Bergarbeiter, dem armen Kerl, der sonst nichts vom Leben hatte, eine Freude bereiten zu müssen, luden sich bei ihm ein und brachten außer einem gehörigen Festschmaus auch einige Kannen Starkbier mit:„Trink, Bruder, und vergiß Deinen Kummer!“. Hunter war natürlich ein wenig melancholisch und wußte sich zuerst nicht recht in die fröhliche Stimmung der Tafelrunde hinein zu finden. Doch als er den ersten Schluck genommen hatte, schmeckte es ihm so, daß er rasch den zweiten und dritten tat, und zum Schluß ging er allen anderen mit einem Rausch voran und schlief selig ein.„Laß ihn liegen!“ meinte einer der Zecher zum anderen. „So vergißt er wenigstens für Stunden sein Elend.“ Doch als sie sich am Neujahrsmorgen erkundigen wollten, wie ihr lahmer Freund den Rausch überstanden hätte, rissen sie die Augen weit auf. Stand da Hunter kreuzfidel in der Stube und schlenkerte mit den Beinen, als hätte er nie in seinem Leben etwas von Gicht gehört. Ein paar Tage später nahm Hunter seine Arbeit im Bergwerk wieder auf, und begreiflicherweise war das Starkbier bis an sein Lebensende sein Lieblingsgetränk. Es bedurfte aber nicht erst eines derartig eklatanten Beispiels, um unsere Vorväter von der Heilkraft des Bieres, von seiner allgemein wohltuenden Einwirkung auf den menschlichen Körper zu überzeugen. Hutten bezeichnet die Sachsen, deren Heimat sich damals nicht auf das Gebiet des heutigen Freistaates beschränkte, als die größten Biertrinker im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und sagt wörtlich: Die Sachsen sind die einzigen unter den Deutschen, welche nie krank sind. Wenn man den Worten eines anonymen Verfassers aus dem 17. Jahrhundert Glauben schenken will, so hat er folgende Eigenschaften des Bieres festgestellt:„Es macht eine zarte, glatte Haut und vertreibt auch die Schuppen des Angesichts. Das Haar damit genetzt, macht solche wachsen und vertreibt die Milben darin. Auch verhindert es, so sich jemand gebrannt hat, daß die Blattern auffahren. Zuletzt gibt ein gutes, altes Bier nicht allein dem Leib Nahrung, sondern stärkt auch den Magen, macht eine lebhafte gute Farbe, starke Glieder und verhütet das Podagra und den Grieß". Am eifrigsten von allen wissenschaftlichen Verfechtern des Bieres widmete sich der gute Heinrich Knaust aus Erfurt der Beantwortung der Frage, warum und inwiefern der Gerstensaft ein nützliches Getränk sei, und der Titel seines bekannten fünfbändigen Werkes, das 1575 erschien, klingt allein schon wie das Hohe Lied des Bieres:„Von der göttlichen und edlen Gabe der philosophischen, hochhehren und wunderbaren Kunst, Bier zu brauen“. Weniger bekannt ist die Arbeit, die sich der schottische Naturwissenschaftler John Jonston (1603—1675) machte, um die heilsame Wirkung des Bieres im allgemeinen und der verschiedenen Sorten im besonderen zu erproben. Er war dazu der geeignetste Mann, hatte er doch erst in Beuthen und Thorn, dann in Oxford und Cambridge, Frankfurt, Leipzig und Leyden studiert, in Städten also, die sämtlich für ihr gutes Bier bekannt waren. Außerdem muß er regelrechte Bierreisen bis nach Dänemark und Pommern gemacht haben, denn er führt in seiner„Idea universae medicinae“ nicht weniger als zwanzig Bierarten auf, die er sämtlich eingehend an Ort und Stelle geprüft hat, vom dänischen über das Einbecker und Erfurter zum Brabanter und kölnischen. Von einem sagt er, es gäbe eine gute Hautfarbe, vom anderen meint er, es sei besonders gesund, ein drittes wieder treibt seiner Aussage nach den Harn in die Galle, aber vor allem das Doppelte— also ein Vorläufer und Wesensverwandter unseres heutigen Bockbieres— sei„omnium laudabilissima!“ Auf Deutsch gesagt: Ein besseres Getränk gibt es nicht. Das durch eigene Erfahrung„erneut festzustellen, ist uns ja jetzt Gelegenheit geboten. Die Bockbierquellen fließen, und Bockbierfeste locken. Die Reichsregierung hat zwar einmal gesagt, es sei nicht recht die Zeit, Feste zu feiern. Doch sie dachte dabei nur an die wirklich unzeitgemäßen Feiern, die zum Luxus ausgeartet waren, weil teuere und ausländische Weine auf den Tisch kamen. Bockbiertrinken ist kein Luxus. Einen Genuß, einen Sorgenbrecher braucht jeder Mensch — in unserer Zeit mehr denn je. Es gibt eine Reihe der„Tränke der Labe", doch keiner verbindet mit dem Genuß in gleichem Waß: arch die Nützlichkeit. Das wird derjenige zu bestätigen wissen, der erfahren hat, daß er.ach einem abendlichen Glas Bockbier am nächsten Tage des Laxativs nicht mehr bedarf. —2— Der Sternenhimmel im Februar Von Dr. Dr. Carl G. Cornelius. Im Berichtsmonat— zu Beginn um 11, Mitte um 10, Ende um 9 Uhr— ist das Himmelsbild im wesentlichen das gleiche wie im Vormonat. Es verschwinden keine auffallenden Sterngruppen, und es kommen auch keine markanten neu über den Osthorizont empor. Nur der Löwe mit dem gelblichen Regulus steigt an diesem Teile des Himmels etwas höher, und unter ihm werden einige Sterne der Jungfrau sichtbar. Das Hauptinteresse des Liebhaberastronomen richtet sich noch immer auf die prächtigen Winterbilder am Südwesthimmel. Als unterster der vielen auffallenden Lichtpunkte strahlt hier Sirius im Großen Hund. Dieser hellste aller Fixsterne hat einen dunklen Begleiter, der in seiner Lichtstärke um 10 Größenklassen unter ihm steht. Seine Entdeckung war eine Großtat der Astronomie, die sich der Berechnung des Neptuns aus den Störungen der Uranusbewegung würdig anreiht. Der Deutsche Bessel stellte nämlich im Jahre 1844 sein Vorhandensein fest, ohne ihn sehen zu können, und leitete seine Bahnelemente aus den Veränderlichkeiten der Eigenbewegegung des Sirius ab. 1862 fand dann Clark in Cambridge(Mass.) tatsächlich den dunklen Begleiter als ein sehr lichtschwaches Sternchen in großer Nähe des Hauptsterns. Dreißig Jahre später gelang es, auch Procyon, der gegenwärtig als nächster heller Stern über dem Sirius glänzt, als Doppelstern zu ermitteln. Sein Begleiter ist nur 13. Größe, und seine Masse beträgt ein Fünfte! von der des Hauptsterns. Oberhalb von Procyon erblickt man Castor und Pollux in den Zwillingen, weiter westlich die helle Capella im Fuhrmann, unter ihr den rötlich funkelnden Aldebaran im Stier. An ikn schließt sich die Vförmige Gruppe der Hyaden an, unweit deren man in den Pleiaden einen noch bekannteren dieser Sternhaufen erkennen kann. Genau im Südwesten in halber Himmelshöhe glänzt Orion, der himmlische Jäger. Beteigeuze (links oben), Bellatrix(rechts oben) und Rige! (rechts unten) sollen die Umrisse der Gestalt andeuten, deren Gürtel von den drei in einer Linie befindlichen Sternen des Jakobsstabes gebildet wird. Bei dem mittleren der anderen drei, senkrecht zu diesen stehenden Sternen findet man schon im Opernglas den bekannten Orionnebel. Die Nordhälfte des Himmels ist an auffallenden Lichtpunkten ziemlich arm, da Wega in der Leier und Deneb im Schwan in den Dünsten des Horizontes für unsere Breiten unsichtbar bleiben. Nur Arctur im Bootes funkelt einsam im Nordosten. Den übrigen Raum dieser Himmelsgegend erfüllen die bekannten Vilder Großer Bär, Kleiner Bär, Drache und Cepheus. Im Nordwesten erblickt man das W der Cassiopeia und den Bogen des Perseus, sowie unterhalb von ihnen die Sternreihen der Andromeda und des Widders. Günstig zu beobachtende Lichtminima des Algolsterns im Perseus treten am 14. um 23 Uhr 15 Min. und am 17. um 20 Uhr ein. Von den Planeten ist Merkur nur noch an den beiden ersten Monatstagen am Morgenhimmel zu finden, für den Rest des Monats bleibt er unsichtbar. Venus, als alles überstrahlender Morgenstern, sinkt in ihrer Sichtbarkeitsdauer von 2½ auf 1½ Stunden. Zur Monatsmitte bietet sie ein schönes Bild zusamien mit der abnehmenden Mondsichel und Saturn, den sie am 25. in einem Abstand von drei Vollmondbreiten überholt. Die Sichtbarkeit des letzteren wächst gegen Monatsende auf 3/ Stunden. Den Nachthimmel beherrschen nach wie vor Jupiter und Mars in den Bildern Zwillinge und Krebs, doch beider Helligkeit sinkt ziemlich rasch um etwa je eine halbe Größenklasse. Auch Neptun kann im Löwen während der ganzen Nacht aufgesucht werden, Uranus nur in den Abendstunden im Bilde der Fische. Am 20. tritt der kleine Planet Pallas in Opposition. Er ist dann 6.6. Größe und mit kleinen optischen Hilfsmitteln an der Nordgrenze der Wasserschlange zu finden. In der gleichen Gegend(rechts unterhalb) steht auch der kleine Planet Eros, über dessen Erdnähe im Bericht des Vormonats gesprochen wurde. Die Sonne tritt am 19. aus dem Zeichen des Wassermanns= in das der Fische. Die Tageslänge steigt von 9 Stunden am 1. auf 10% Stunden am 28. Die Hauptphasen des Mondes fallen auf folgende Daten: Vollmond am 3. 1 Uhr 30 Minuten, Letztes Viertel am 9. um 17 Uhr 15 Minuten, Neumond am 17. um 14 Uhr 15 Minuten, Erstes Viertel am 25. um 17 Uhr 45 Minuten. —2— 3555n S 07 25SöSi 2 5242631 S 151 liegerschicksal im hohen Norden] Reiterbilder von einst beim Berliner Reitturnier In der Wildnis verloren.— Die letzte Patrone.— Seen und Flüsse die einzigen Landungsmöglichheiten. Von Eberhard Göschen. Für die Erschließung keines anderen Landes des Welt ist das modernste Verkehrsmittel, das Flugzeug, von solch entscheidender Bedeutung geworden wie für die des nördlichen nada. Die ungeheuren Entfernungen, die früher in wochenlanger, beschwerlicher Bootfahrt oder im nicht weniger unbequemen Hundeschlitten zurückgelegt werden mußten, bewältigt der Flieger heute in wenigen Stunden. Vor allem seit sich herausgestellt hat, daß die Suche nach Gold, Silber und Kupfer durch Lichtbildaufnahmen aus dem Flugzeug ganz ungemein erleichtert wird, hat die Zahl der hierfür eingesetzten Maschinen einen geradezu stürmischen Aufschwung genommen. Es ist erstaunlich, daß trotz des regen Luftverkehrs und der meistens mehr als schwierigen Flugbedingungen sich eigentlich wenig Unfälle mit tragischem Ausgange ereignen. Und doch kann es in Nordkanada leicht geschehen, daß ein mutiger Flieger sein Ziel nicht erreicht oder nicht wieder heimkehrt! Zwar im Sommer geht es noch an; da bilden die ungezählten Seen und Flüsse des Landes sichere Gelegenheit zum Niedergehen, und die Orientierung ist bei meist heiterem Himmel leicht. Ader im Winter, wenn Nebel das Land bedeckt, eisige Stürme vom hohen Norden wehen, die weiße Schneedecke den Boden verhüllt, im Winter verhält sich die Sache ganz anders. Und doch ruht der Flugverkehr auch dann nicht. Dieser Wagemut fordert natürlich seine Opfer. In aller Erinnerung dürfte noch das Schicksal Ben Eielsons sein, der mit Wilkins über den Pol geflogen war und als einer der erfahrensten Flieger in der Arktis galt. Als er einem im Eise festsitzenden Schiffe Hilfe bringen wollte, sauste seine Maschine in unsichtigem Wetter gegen den Boden, und Eielson fand mit seinem Begleiter den Tod. Erst nach Wochen eifriger Suche wurden ihre Leichen So tragisch Eielsons Los uns scheint, es ist noch beneidenswert gegen das anderer Flieger, die aus irgend einem Grunde zu einer Notlandung in der Schneewüste fern jeder menschlichen Siedlung gezwungen werden. Hierher gehört der Fall des Hauptmanns Burke, eines tüchtigen Fliegers, der mit zwei von Atlin(Britisch=Kolumbien) nach Fort Liard geflogen war. Das Unternehmen über die nur 300 Kilometer lange Strecke bietet unter gewöhnlichen Umständen nicht die geringste Schwierigkeit, zumal Fort Liard unter dem Breitengrad, also keineswegs hoch im Norden, liegt. Man kam denn auch glücklich aus Ziel, auf dem Rückfluge mußte die Maschine indessen wegen eines plötzlich Schneesturmes auf einem kleinen Flußlaufe niedergehen. Dabei wurde ein Schwimmer beschädigt; man konnte nicht wieder aufsteigen. Tagelang warteten die Drei auf Entsatz, dann als die Lebensmittel knapp wurden, entschloß man sich, den Heimweg zu Fuß zu versuchen. Es war ein aussichtsloses Unterfangen. Wild war knapp, 23 Tage hindurch lebten die drei Verunglückten von vier Eichhörnchen und einer Wildente. Sie kamen so von Kräften, daß sie am Tage nur noch fünf Kilometer zurücklegten. Schließlich vermochte der Führer Burke überhaupt nicht mehr zu gehen; man schlug ein Lager auf und wartete, allerdings ohne allzu große Hoffnung, daß man dort entdeckt werden würde. Die in der Wildnis Verlorenen hätten hier wohl schnell ein trauriges Ende gefunden— denn auch Burkes Begleiter waren zu sehr geschwächt, als daß sie noch hätten auf Jagd gehen können—, wäre nicht eines Tages ein Karibu dem Lager so nahe gekommen, daß man es mit einem glücklichen Schuß erlegen konnte. Für Burke war es indessen schon zu spät; er starb zwei Tage später infolge Erschöpfung und Kälte. Inzwischen war die Suche nach den Verschollenen längst eingeleitet. Wochenlang suchten Flieger die Gegend ab, zwei von ihnen kehrten selbst nicht wieder. Ein anderes Flugzeug wurde von den beiden Ueberlebenden im Lager zwar mehrsach gesichtet, ohne daß sie sich jedoch hätten bemerkbar mechen können. Endlich sah ein Flieger eine aus der verschneiten Landschaft aufsteigende dünne Rauchsaule. Er landete auf einem 20 Kilometer davon entfernten See— in dem waldreichen oder außerordentlich unebenen Lande bieten diese die einzige Landungsmöglichkeit— und marschierte mit seinem Begleiter auf den Punkt zu. Sie würden die Verschollenen gleichwohl nicht funden haben, hätte nicht endlich ein Schuß Aufmarsch der Ziethenhusaren. kinzug der Seydlitz=Kürassiere unter dem Klang der Kesselpauken. Eine schöne Veranstaltung der Grünen Woche in Berlin bildete der Massenaufmarsch der Reiter in historischen Uniformen, die sich dann zu einer farbenprächtigen Reiterquadrille vereinten. Aus der Jagdausstellung, einer Sonderabteilung der Grünen Woche: Jagdtrophäen. — es war die letzte Patrone— ihnen den Weg gewiesen. Im letzten Winter war eine Goldsucherexpedition, geführt von einem gewissen MeAlpine, bei Dean Point, nahe dem Polarkreise, zur Notlandung gezwungen. Die Teilnehmer hatten das Glück, bald auf Eskimos zu stoßen, und waren klug genug, deren Rat, welcher Weg zu nehmen und wie am besten Proviant — fast ausschließlich Fische— zu beschaffen sei, genau zu befolgen. Sie kamen so nach einigen Wochen gesund und munter in Cambridge Bay an. Inzwischen hatte bereits eine umfassende Suche mittels Flugzeugen nach den Vermißten eingesetzt. Die Flugbedingungen waren denkbar ungünstig. Die Seen trugen zwar eine Eisdecke— weshalb man die Schwimmer nicht gebrauchen konnte —, aber sie war nicht stark genug, die Last der mit Kufen versehenen Maschinen auszuhalten. Nebel und Dunst bedeckten häufig die Gegend. Man kam schließlich bis nach dem Vakersee. E wo ein Standlager aufgeschlagen und von wo aus die weitere Suche betrieben wurde. Ständig befanden sich die Flieger in Gefahr. An den Schwimmern gefror das Wasser, und das dadurch übermäßig belastete Flugzeug ging zu Boden. Bei anderen mit Kufen ausgerüsteten zerbrachen diese, wenn sie auf dem höckerigen Ufereis oder gar auf dem unter trügerischer Schneedecke liegenden, alles andere als ebennen Lande niedergingen. Eine Maschine wasserte glücklich auf einem kleinen, von Wald umstandenen Teich, dessen geringe Ausdehnung ein Wiederaufsteigen fast unmöglich machte. Man mußte mehrere hundert Meter weit die Bäume niederlegen und eine breite Bahn schaffen. Dann glitt die Maschine über das Wasser, erhob sich und flog durch die ausgehauene Bahn und an deren Ende so dicht über den Wald hinweg, daß die Flieger„die Zweige der Bäume zählen konnten“. Zweimal überflogen drei Maschinen die— inzwischen längst verlassenen— beiden Flugzeuge MAlpines in geringer Höhe. ohne sie indessen ungeachtet des sichtigen Wetters zu bemerken. Aus der schneebedeckten Landschaft hoben sich so viele dunkle Punkte ab, daß es trotz angespannter Aufmerksamkeit nahezu unmöglich war, zu erkennen, was man im Einzelfalle vor sich hatte. Die Suche sollte schon als aussichtslos eingestellt werden, als durch Rundsunk die Nachricht kam, die Vermißten seien unter Führung von Eskimos glücklich in in Cambridge Bay eingetroffen. Es blieb nur noch übrig, dorthin zu fliegen und die Gesuchten an Bord der Flugzeuge wieder in zivilisiertere Gegenden zu bringen. Trotz aller Ungunst der Verhältnisse hatte MeAlpines Unternehmen doch noch einen glücklichen Ausgang genommen. —(2.— schen in Südamerika Eine Fahrt zu unbehannten Indianern.— Die Brautwerbung mit der Keule.— Auch hier„weiße Indianer"? Von Hermann Petersen. Von den großen Strömen ist heute wohl der Orinoko der einzige, dessen Quellgebiet man noch nicht genau kennt. Man weiß zwar, daß er auf dem Pic de Lesseps, an der Grenze zwischen Venezuela und Brasilien, entspringt, seine Quelle selbst hat aber noch kein Weißer gesehen. Auch eine von der amerikanischen HeyeStiftung ausgesandte, unter Führung Herbert S. Dickeys stehende Expedition, der die Erreichung der Orinokoquellen als Aufgabe gestellt war, ist kürzlich, ohne ihr Ziel erreicht zu haben, aus dem Innern wieder heimgekehrt. Immerhin hat sie die beschwerliche Reise nicht vergeblich unternommen, gelang es ihren Teilnehmern doch, als erste Weiße mit einem bisher so gut wie unbekannten Indianerstamm in nähere Berührung zu treten, den Guaharibos, die bisher jede Annäherung von Fremden mittels Pfeil und Bogen zurückwiesen. Der niedrige Wasserstand hatte die Weiterfahrt auf dem Orinoka selbst unmöglich gemacht, und die Forscher waren mit ihrem Boot in einen kleinen, auf den Karten nicht verzeichneten Wasserlauf eingebogen, um ihn näher zu untersuchen, als man am Ufer ein Stückchen Geflecht aus Palmfasern bemerkte. Unzweifelhaft stammte es von Eingeborenen, die nicht weit entfernt sein konnten, denn die Fasern waren noch frisch. Man forschte eifrig nach den Herstellern des Flechtwerks, jedoch erst am dritten Tage wurde plötzlich eine Schar safrangelber, fast unbekleideter Indianer von kleiner, aber wohlgebauter Gestalt sichtbar, die, ihre riesigen Bogen schwingend, aus dem Urwald auftauchten. Es dauerte lange, bis man das Mißtrauen der Wilden soweit überwunden hatte, daß sie einer Annäherung keine Hindernisse in den Weg legten. Schließlich aber entwickelte sich allmählich eine Art freundschaftlichen Verkehrs, der mit einem Tauschhandel begann und mit einem längeren Palaver endete. Die Verständigung war allerdings nicht leicht, doch unter Zuhilfenahme der Zeichensprache und einiger Worte des Mariquikari=Dialekts, die Dickey unterwegs aufgeschnappt hatte und die auch den Guaharibos geläufig waren, wurden die Schwierigkeiten überwunden. Das Tauschgeschäft vollzog sich zu gegenseitiger Zufriedenheit. Willig gaben die Wilden ihre primitiven Knochen= und BambusmesAllmählich begannen die Guaharibos dann auch zu erzählen, zunächst von den Guaicas, den„weißen Männern“, ihren erbittertsten Feinden. Seltsam, daß auch hier das Gerücht von weißen Indianern im Innern Südamerikas wieder auftaucht. Wie Dickey erfuhr, hatten seine neuen Freunde Jahr für Jahr unter den Ueberfällen eines mächtigen Stammes zu leiden, dessen Mitglieder, von heller Hautfarbe, bärtig, aber ebenso wenig bekleidet wie sie selbst, ihre Dörfer überfielen, mit schweren, polierten, dreieckigen Keulen die Männer erschlugen, Ernte und Frauen aber mit sich fortschlenpten. Ihre zahlenmäßige Unterlegenheit machte es den Guaharibos unmöglich, Vergeltung zu üben, und so wird es verständlich, daß sie von allen Fremden, selbst wissenschaftlichen Expeditionen, nichts wissen wollten. Im übrigen ist es ein seltsames Völkchen. Wie bei den meisten südamerikanischen Indianerstämmen herrscht auch hier die Vielweiberei. In eigenartiger Weise wird dabei das junge Mädchen„an den Mann gebracht". Der Vater einer Neugeborenen, zieht mit ihr im ganzen Stamme umher, bis er jemand findet, der geneigt ist, seinen nicht viel älteren Sprößling als künftigen Gatten hinzugeben. Natürlich nicht umsonst, einige Bogen und Pfeile. einen oder zwei Körbe mit Früchten oder ähnliche Schätze muß der Bewerber, schon draufaeben. Damit gilt die Ehe aber auch als geschlossen. Es ist nur natürlich, daß später der junge Guaharibo mit der ihm zugeteilten Eheliebsten nicht immer ganz zufrieden ist. Dann geht er seinerseits auf die Brautschau, um seinen Hausstand zu vervollständigen. Zu diesem Zweck besorgt er sich zunächst eine große, schwere Keule, die er dem Vater oder Gatten der von ihm erwählten Schönen überreicht. Ist dieser mit dem gebotenen Preise zufrieden, so haut er mit der Keule dem Bewerber gehörig eins über den Schädel, und die Sache geht in Ordnung. Die Maid oder junge Frau zieht mit dem Glücklichen ab; als erste Hausfrauenpflicht obliegt es ihr, ihm die— Beule auf dem Kopfe zu kühlen. In großen, kegelförmigen Hütten leben die Guaharibos zusammen, jedes Dorf unter der Herrschaft eines Aeltesten, des„Quiritschaua", dessen Wort, außer in Eheangelegenheiten, für alle Gesetz ist. Er ordnet an, wer fischen oder jagen, wer den Acker bestellen oder die großen, sägebockartigen Brücken bauen soll. Daneben bekleidet der Quiritschaua noch die Aemter des Medizinmannes, Scharfrichters und Totengräbers. Die Lebensbedingungen am Oberlauf des Orinoko sind nicht leicht, für Kranke. Alte und Schwächliche ist hier kein Platz. Jeder, der dem Stamm zur Last fällt, muß daher beseitigt werden. Wen dieses Los trifft, bestimmt der Quiritschaua. Auf seinen Befehl führt man das zitternde Opfer in denUrwald, bindet es auf ein flaches, mannshohes Gestell und schießt ihm dann einige vergiftete Pfeile in den Leib. In den Tropen verwest das Fleisch schnell, die zurückgebliebenen Knochen werden später mit Blättern umwickelt in die Erde vergraben. Der Guaharibo macht sich das Leben durch seine unglaubliche Angst vor bösen Geistern schwer, vor allem den in Flüssen hausenden. Freiwillig geht er daher nicht ins Wasser, kann deshalb auch weder schwimmen noch ein Boot bauen, und beim Fischen wagt er sich nur an die flachen, natürlich weniger fischreichen Stellen Aus dem gleichen Grunde werden die einfachen Brücken so hoch wie möglich über die Flüsse geführt, damit auch der größte böse Geist nicht von unten hinauf langen und den die Brücke Benutzenden am Fuße zu sich in die Tiefe ziehen kann. Nicht viel weniger als die Dämonen fürchten die Juaharibos ihre südlichen Nachbarn, die schon erwähnen„weißen Männer". Daß es sich bei diesen um wirklich weiße Indianer handeln soll, ist schwer anzunehmen; es würde der ganzen Anthropologie gewissermaßen ins Gesicht schlagen. Aber an dem Gerücht muß dach wohl etwas Wahres sein, sonst könnte es sich kaum mit solcher Hartnäckigkeit erhalten. Dickey vertritt die Ansicht, daß zur Konquistadorenzeit ein größerer Trupp Spanier ins obere Orinokogebiet verschlagen wurde und man in den weißen, bärtigen, nackten und wilden Guaicas die Nachkommen jener zu sehen habe. Falls sich das Vorhandensein eines gellhäutigen Volkes in jener Gegend bestätigen sollte, hat diese Annahme des amerikanischen Forschers wohl noch die größte Wahrscheinlichkeit für sich. Im F lugzeug auf die Löwenjagd Bilder von einem modernen Jagdaussl.2 in die Serengetisteppe. Von Anton E. Zischua= Paris. Vor zwanzig Jahren jagte man Löwen zu Pferde. Ein ganz aufregender Sport war das, eine Jagdart, die mehr Tollkühnheit verlangte als irgend eine andere: Man den Löwen solange, bis er sich ermüdet gegen den Verfolger wandte und aus Wut und Angst zum Angreifer wurde. Aus dem Sattel oder während des Sprungs vom Pferde mußte geschossen werden, in der Sekunde zwischen der Rollenänderung, in dem Augenblick, der das fliehende Raubtier zum Jäger machte, den Reiter zum Wild. Viele verloren bei dieser Hetzjagd ihr Leben. Sie war fast ein Kampf von gleich zu gleich. Uebrigens nur in diesen Gegenden möglich, den unendlichen Steppen des Serengeti, den fast baumlosen, ebenen Graswüsten. Heute ist Nairobi eine moderne, laute Stadt mit einem Aeroklub. Unser Doppeldecker also keine Sensation, unsere Absicht, Löwen im Flugzeug zu jagen, nichts Außerordentliches. Wir wollen natürlich Löwen nicht vom Flugsöasten schießen. Kicht mit so ungleichen fen kämpfen. Sondern die Tiere nur bis ins Innerste ihres Reviers verfolgen, sie ungehindert beobachten. Autos, mit Zelten und Material und 30 schwarzen Boys beladen, sind 8 Tage vor uns abgefahren. Die werden sie zu dem 450 um langen Landweg zwischen Nairobi und dem Campplatz wohl gebrauchen, denn zerweichte Straßen sind zu befahren, Flüsse ohne Brücken Vor dem Start des Do. X zum Ozeauflug ser, ihre rohen Steinbeile gegen stählerne Taschen= und Buschmesser her. Dagegen machten die Totpedopfeisen, von denen sich Dickey eine besondere Wirkung versprochen hatte, nicht den geringsten Eindruck Das Riesenflugboot Do. X startend. Unten rochte: Pilot Schildhauer.