Im Laufe zweler Jahre wuchs Stau Kokos Macht derartig, daß die gesamte chinesiiche und internationale Polizei Schanghais auf seine gehetzt wurde. Tatsächlich gelang es, eines der Häuser, in dem die Geraubten dis zur Zahlung des Lösegeldes gefangen gehalten wurden, auszuheben. Einer von Siau Kokos Vertrauten und sechzig untergeordnete„Angestellte“ konnten festgesetzt werden. Zum Erstaunen der Polizei stellte es sich heraus, daß sich unter den Verbrechern verschiedene Chinesen befanden, die einen geachteten Namen als Ladenbesitzer auf der Kanton Road bejaßen. Ueber den geheimen Führer selost war aber nicht das Geringste zu erfahren. Einige Zeit danach konnte die Polizei ausfindig machen, daß einer der Direktoren des noch immer blühenden Unternehmens einer jungen Chinesin den Hof machte. Einem chinesischen Detektiv gelang es, ein Zimmer im Hause des jungen Mädchens zu mieren und sich dort mit seiner Frau— als gebrechliche alte Leute verkleidet— einzurichten. Er mußte drei Wochen Tag und Nacht Wache halten, dis sich der Gesuchte endlich einstellte. Aber erst nach Tagen gelang es ihm, das Liebespaar bei der Verabredung eines Stelldicheins zu belauschen. Als der Gesuchte dann pünktlich eintraf, wurde er vor dem Hause von einig#n Kulis angerempelt. Er verbat sich die Belästigung und war ein paar Sekunden später von den verkleideten Polizisten gefesselt. Vor dem Untersuchungsrichter trat der Gesangene selbstbewußt auf:„Behandeln Sie mich anständig, und ich erzähle alles.“ Der Richter lud ihn höflich zu einer Tasse Tee ein, und der Chinese behannte alle Verbrechen, an denen er beteiligt gewesen war, weil er wußte, daß es für ihn doch keine Rettung mehr gab. Am wertvollsten waren die Angaben, die er über Siau Kokos Person machen konnte. Er wurde zum Tode verurteilt und verzog keine Miene dabei. Als er zum Richtplatz geführt wurde, erhannte er unter den Gaffern einen Chinesen, der einmal von seiner Bande geraubt worden war, aber vor Zahlung des Lösegeldes hatte entkommen können. Die beiden alten Bekannten begrüßten sich mit ausgesuchter Höflichkeit, und der einstige Geraubte reichte dem Verbrecher eine Flasche Bier. Der Todeskandivat trank sie ruhig aus, sagte seinem Bekannten„Lebewohl" und ließ sich ohne jede sichtbare Erregung den Kopf vor die Füße legen. Nun, da der Polizei die Person des geheimnisvollen Verbrecherführers Siau Koko bekannt war, konnte sie nach ihm fahnden. Zwei Razzien hintereinander wurden auf seine Häuser unternommen, doch den Führer selbst sand man nicht. Nach kurzer geschäftsloser Zeit blühte das Unternehmen von neuem auf. Der Organisator schien, obwohl man seine Personalbeschreibung und seine Gewohnheiten kannte, unauffindbar. Dann aber gelang es überraschend, ihn doch festzunehmen, und zwar in der Uniform eines Generalstabsoffiziers. Es stellte sich heraus, daß Siau Koko öffentlich mit Offizieren, seinen alten Kameraden von der Militärakademie, verkehrt hatte und von allen für einen Waffenbruder und ehrlichen Menschen gebeiten worden war. Der Henker beendete bald darauf die Laufbahn dieses Meisterverbrechers, doch der Menschenraub hat deswegen in Schanghai noch längst nicht aufgehört. —12-* 2000 Jahre vor Tutankhamen Ein 5 600 Jahre altes Grab.— Schönheitspflege ägyptischer Königinnen.— Sechs Generationen der ägyptischen Königsfamilie. Der bekannte amerikanische Archäologe Dr. George A. Reisner ist von einer zweijährigen erfolgreichen Aegypten=Expedition zurückgekehrt, die er im Auftrage des Bostoner Museums der Schönen Künste unternommen hat. Reisner ist bei seinen umfangreichen Ausgrabungen auf die Sarkophage der Königin HetepHeres, der Mutter des Erbauers der CheopsPyramide, und auf das Grab der Königin Merefankh, einer Nachkommin der Hetep=Heres gestoßen und hat damit, abgesehen von der Ausgrabung des Tutankhamen, die bedeutendsten Entdeckungen der jüngsten Altertumsforschung gemacht. Ueber die Beschichte der ägyptischen Königsfamilie, sowie über Leben und Sitten im alten Aegypten lieferte die Expedition Reisners überaus wertvolles Material. Als Reisner nach langen Ausgrabungen endund ihn in Gegenwart ägyptischer Regierungsbeamter öffnete, fand er ihn leer. Anzeichen deuteten darauf hin, daß die Mumie sich bereits bei dem Begräbnis, das Cheops seiner Mutter vor 5000 Jahren mit großem Pomp bereitete nicht mehr in dem Sarkophag befunden hat. Sonst waren das Grab und der Sarkophag vollkommen unversehrt. Dr. Reisner erklärt sich diese sensationelle Entdeckung damit, daß die Mumie der Hetep=Heres bis zur Fertigstellung des Prunkgrabmals an einem anderen Platze beigesetzt worden ist, wo sie Diebe der kostbaren Schmucksachen wegen raubten. Später habe Cheops dann die mit großem Aufwand vorbereitete Beisetzung des leeren Sarkophages vornehmen lassen. Das Grab der Hetep=Heres gibt interessante Aufschlüsse über die vielgerühmte ägyptische Schönheitspflege. Lippenstift und„Rouge“ gab es allerdings zur Zeit der Hetep=Heres noch nicht, doch scheint das schöne Geschlecht schon damals mindestens ebenso große Erfahrung in „Aufmachung“ gehabt zu haben wie heute. Schöne und gut erhaltene Möbelstücke wurden im Grabe der Hetep=Heres gefunden. Diese sind, wie Doktor Reisner erklärte, die ältesten, die wir überhaupt auf der Welt kennen. Geschichtlich sind Feststellungen der ReisnerExpedition von großer Bedeutung für die Kenntnis der Entwicklung der ägypiischen Dynastie fast 2000 Jahre vor Tutankhamen. „Alle großen Könige, Königinnen und Prinzen der Dynastie stammen von Hetep=Heres ab“ erklärte Doktor Reisner in einem Bericht über die Expedition.„Diese Königin lebte 3.0) v. Chr. Um dies zu veranschaulichen, muß darauf hingewiesen werden, daß bei ihrem Tode noch keine Pyramide auf dem Plateau von Gizeh stand, und daß sich auch die Gestalt der Sphinx noch nicht aus dem Wüstensande erhob. Keiner der großen Tempel war begonnen.“ Durch diese Funde sind sechs Generationen der ägyptischen Königsfamilie der Vergessenheit entrissen worden. „Im Grabe der Königin,“ fährt Dr. Reisner in seinem Bericht fort,„fanden wir Hausgerätschaften aus dem Königspalaste, das königliche Ehebett mit einem mächtigen Himmel, sowie als Prunkstück eine wundervoll erhaltene Sänfte aus Gold und Ebenholz, die mit goldenen Hieroglyphen versehen ist. Daneben fanden wir Armsessel und eine Schmuckschatulle mit Armbändern, Rasiermessern und Messern aus Gold, Kupfer und Fiint, die bei irgendwelchen Zeremonien Verwerdung gefunden haben. Ferner fanden wir ein hübsches Manikurebesteck, das in Zusammer“ ing und Form stark an die heute in Gebrauch befindlichen erinnert.“ „Drei große Goldbecher und acht irdene Krüge enthielten Schönheitscreme und Parfüm. In einer großen hölzernen Kiste standen zwei Krüge, die Mittel zum Dunkelfärben der Augen brauen und eine grüne Farbe enthielten, mit der man sich damals die Augenwinkel ausmalte um sie länger erscheinen zu lassen. Aufschriften an den Krügen teilen jedesmal den Verwendungszweck für den Inhalt mit. Neben den Krügen fanden wir passende Löffel, mit denen die Salben den Krügen entnommen wurden. Bei seinen Nachforschungen nach alten ägyptischen Königsgräbern stieß Dr. Reisner auf eine Reihe von Forts in der Nähe des zweiten Nilkatarakts. Dieser Fortsgürtel ist,.5 Dr. Reisner feststellen konnte, etwa vor 2000 Jahren von den Pharaonen der zwölften Dynastie zum Schutze der Handelsschiffahrt zwischen Aegypten und dem Sudan angelegt worden. Er befindet sich etwa 110 Kilometer oon Chartum entfernt. —42.— Herr Nemsi prüft seinen Schwiegersohn „Herr Nemsi, der reichste Tabakhändler von Stichar, der Hauptstadt der indobritischen Provinz Katskar, besaß eine einzige Tochter, die schöne Nimet. Sie hatte ihr Herz an einen gänzlich unbemittelten jungen Mann verloren. der Vater verweigerte also— wie dies in solchen Fällen nicht selten geschieht— seine Ein.villligung zu der Mesalliance. Worauf der Auserwählte von Fräulein Nimet seine Braut sangund klanglos entführte. Darüber hinaus sogar spurlos: Die Polizei war außerstande, den Aufenthaltsort der Entführten zu ermitteln. Schweren Herzens trat der unglückliche Vater eine unaufschiebbare Geschäftsreise an. Mi: mehreren Geschäftsfreunden. In Wirklichkeit gehörten die Ehrenmänner sämtlich der wohlRemsi an, der sich in seinen forten Sunden nulk solch polizeiwidrigen„Geschäften" besaßte. In einer entlegenen Höhle befand sich der Lagerraum der Genossenschaft. Zu ihrem nicht geringen Schreck stellte sie nun fest, daß ihr Verstech entdeckt worden war: Aus der Höhle drang ein Stimmengewirr zu den Ohren der Ankömmlinge. Ohne viel Umstände eröffneten Nemsi und seine Begleiter ein Gewehrfeuer, um die ungebetenen Gäste ins Jenseits zu befördern. Da erscholl ein verzweifelter Schrei:„Vater!“ Herr Nemsi war maßlos erstaunt: An di:m finsteren Orte hoffte er seine entführte Tohter am allerwenigsten wieder zu finden.„Streckt die Waffen!" beeilte sich der Schmugglerführer zu kommandieren und sah sich die Eindringlinge näher an. Es handelte sich ebenfasls m eine allem Anschein nach vorbildlich geleitete „Genossenschaft". Ihr Führer war der Bräuigam der schönen Nimet.„Ein tüchtiger Kaufmann", dachte sich Herr Nemsi und ersuchte den jugendlichen Generalissimus der feindlichen Schmugalerarmee um eine kleine Konferenz. Die verlief dann zu allseitiger Zufriedenheit. Durch„Einheirat“ fusionierten die beiden Gesellschaften. Sie arbeiten seither(zum größten Leidwesen der Behörden Hand in Hand:rr Nemsi: und sein„geprüfter“ Schwiegersohn sind gleichberechtigte Overbefehlehaber... —(2— - An. Saeuns p Fahrendes Volk. Als unter Kaiser Maximilian 1499 ein Reichstag in Regensburg tagte, hatte der Magistrat der Stadt verboten, den fahrenden Leuten die Tore zu öffnen, um jeden unnötigen Lärm aus der Stadt fern zu halten. Vor dem Tor der Stadt warteten sie auf die Ankunft des Kaisers und baten ihn, beim Magistrat für sie die Erlaubnis zum Einzug in die Stadt zu erwirken. Der Kaiser antwortete scherzend:„Faßt den Schweif meines Pferdes; was an meinem Pferde hängt, wird der weise Rat der Stadt wohl mit hinein lassen müssen.“ Da saßzten einige den Schweif des Pferdes, und alle anderen hängten sich an die Kleider der Torangehenden, so daß ein langer Zug fahrender Leute am Schweif des kaiserlichen Pferder hing. — So kamen die„Fahrenden" im Jahre in die Stadt Regensburg. „Kleine Uürfochen... Der große amerikanische Bürgerkrieg h. seine Ursache darin, daß die Nordstaaten die im Süden herrschende Sklaverei nicht länger dulden wollten. Frau Beecher=Stowe, die Verfasserin des uns allen aus der Jugendzeit kekannten Romans„Onkel Toms Hütte“, hatte mit diesem Buch die Gemüter lo erregt, daß ihnen kein anderer Ausweg blied als eben der Krieg. Lincoln, der Präsident, wußte das genau. Als ihm eines Tages die Beecher=Stowe vorgestellt wurde, wandte er sich erschüttert ab:„Sie sind also die kleine Frau, die den großen Krieg gemacht hat!“ Als Reisner nach langen Ausgrabungen end= gehörten die Ehrenmänner sämtlich der lich auf den Sarkophag der Hetep=Heres nieß orgunizerten Schmugalerbande des Herrn Selhstmoricher. In einem estländischen Dorse gerät ein Bauer mit seiner Eheliebsten in Streit. Schuld daran ist der ungeheuer kräftige estländische Schnaps, der würdige Nachfolger des rufftichen Wodka. Von Schnaps und Zorn umnebelt, bezchließt der Bauer, dieser bösen Welt Lebewohl zu sogen. Er nimmt einen Strick, steigt oamit auf den Boden seines Hauses, klettert auf einer Leiter nach den Dachsparren herauf und erhängt sich kunstgerecht. Doch— der Strick ist alt und reißt. Der Bauer kracht durch den morschen Fußboden mitten in seinen Schafstall dinab. Der Schafe bemächtigt sich ob dieses nächtlichen Einbruchs, oder vielmehr Durchbruchs,„Des Entsetzen. Doch die Böcke verlieren nicht den Kopf und stehen beldenmütig ihren M Sie stürzen sich kurzerhand vollkommen respektlos auf ihren Herrn und verwickeln ihn in einen regelrechten Boxkampf, in dem er natürlich den weitaus kürzeren zieht. Auf sein jämerliches Hilfegeschrei eilt die Gattin des Pechvogels herbei und rettet ihn davor, endgültig knock=out geschlagen zu werden. Sie geleitet ihren Mann ins Wohnzimmer, und seine ersten Worte sind:„Der Kuckuck soll das verdammte Hängen holen! Man kann ja dabei wirklich ums Leben kommen!“— Dieser Mann macht bestimmt niemals mehr einen Selbstmororersuch! Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr C. Santz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 41 Mittwoch, 13. November 1929 Ueber den Glocken Von Carl Kahle. Es ist ein sonderbares Gefühl, sich über den Glocken eines Kirchturms zu befinden, wenn sie ihren ehern mahnenden Klang hinaus senden über Stadt und Dorf, über weite Gefilde und durch Taisenben dahin, wa die Bergwand den Schall auffängt und zurück gibt. Manchmal haben wir so im engen Stübchen gesessen, hoch über den Bewohnern, auf einem alten Kanapee, und der Türmer=August, wie der Wächter des Turmes in jenem Städtchen burz genannt wurde, war eine Anzahl Stufen hinunter gestiegen, um im Glockenraume den Sonntag einzuläuten oder einem Toten den letzten Weggruß aus lichten Höhen mitzugeben. Dann n wir, wie die alte Hängelampe über dem Tischchen allmählich in Schwingungen geriet, wie ihre Pendelbewegungen immer stärker wurden und sie zuletzt wohl einen Ausschlag von zwanzig Zentimetern zeigte. Zugleich aber waren auch wir nicht im Beharrungszustande geblieben und fühlten deutlich, wie unser Polstersitz ebenfalls in den Rhythmus der Glocken, der Lampe, des Gemäuers einstimmte. Ein leichtes Wiegen— wie in frühester Jugend— zum Klange des Erzes, das uns Künder ist von allem Leid und aller Freude, denen der Mensch auf seinem Erdenwege begegnet. Die Notwendigkeit, Kirchtürmen eine gewisse Elastieität zu belassen, hat ja naturgemäß diese Erscheinung im Gefolge. Bei diesem Turme kam aber einmal seine nicht alltögliche Höhe hinzu,— mußten wir doch zweihundertachtzig Stufen erklimmen, um von seiner höchst erreichbaren Spitze aus einen erhebenden Rundblick zu genießen—, zum andern wurde die Hauptgloche nicht etwa nur hin und her bewegt, sondern vollkommen radmäßig um ihren Tragbalken geschleudert, wodurch selbstverständlich das gesamte Gebälk des Glockenstuhles besonders heftig in Anspruch genommen wurde. Das Handwerk des Türmers, das seinem Vater in Ausübung des Dienstes den Tod gebracht hatte, war infolge dieser Einrichtung nicht ungefährlich. Stand er doch in einer kleinen Mauernische, um jeweils, wenn der Kranz der Glocke zu seinen Fühen war, dieser dadurch neuen Schwung zu verleihen, daß er auf ein am Kranze angebrachtes Brett trat, um danach schleunigst wieder in seiner Nische zu verschwinden, dis sich eine Umdrehung vollendete. Wehe, wenn dabei der Fuß gefaßt wurde! Ein Herabgeschleudertwerden auf den Fußboden war in diesem Falle unvermeidlich und hatte bei der Wucht des Schwunges den Tod zur Folge. So sahen wir denn auch mit einigem Schauder auf einen zerrissenen, blutgetränkten Pantoffel, der an der Wand hing, eine sichtbare Mahnung an das Schicksal des Türmervaters. Es wird für manchen von Interesse sein zu hören, daß so ein Türmer auch in normalen Ziebzeiten ziemlich unkündbar ist, und zwar insbesondere wegen des Wohnungswechsels in wörtlichster Bedeutung. Wer einmal auf der Rundtreppe eines wirklich hochragenden Kirchturmes den Himmelehöhen in bescheidenem Maße entgegen gewandelt ist, wird sich eines Gefühls der Enge nicht haben erwehren können. Diese bedingt, daß größere Möbelstücke über diesen Weg nicht befördert werden können. Sie müssen daher an der Außenwand des Turmes hinauf gewunden oder hinab gelassen werden. Und das ist bei der dazu erforderlichen Anlage eines kleinen Kranes oder zumindest einer Wellenvorrichtung so umständlich, daß man am besten schon alles auf dem einmal besetzten Platze stehen läßt, wenn möglich durch Generationen hindurch. Außerdem hat so ein Türmer ja auch wenig Gelegenheit, mit seinen Mitmenschen in Konflikte zu gerawie mancher Leuchtturmwächter, der in seiner Deshalb erzählt er uns mit dem gläubigsten Behausung auch so abgeschlossen lebt, daß er sie Gesicht, Seneca habe den Zorn Neros geweckt. nur selten verläßt. sweil er Dazu hatte eine wohlweise Behörde unserem Türmer=August zwar keine besondere Dienstleistung anvertraut— denn das Ueberwachen der Stadt und der Umgebung in Bezug auf ausbrechende Brände ist ja mehr oder minder immer eine Aufgabe für diese Hochgeborenen mit gewesen—, aber die Ausfuhrung hatte doch eine hemmende Ortsgebundenheit im Gefolge. Dieser Türmer hatte nämlich die Pflicht der unten lauschenden Polizei jede Viertelstunde, sei es Tag oder Nacht, durch sein Tutehorn aus einem der vier Turmfensterchen heraus seine Wachsamkeit zu verkünden. Wenngleich auch die Frau öfter diesen Dienst versah, so sind Viertelstunden doch schnell verflossen, und es soll vorgekommen sein, daß einmal eine überschlagen wurde. Denn schließlich blickte man vom vierten Fenster aus über einen von der Polizei weniger abzuhörenden Stadtteil ins freie Gelände, und diese Richtung mußte natürlich auch dann und wann nach Feuerschein abgesucht und mi. dem lieblichen Klange des Tutehornes beglückt werden. Manchen Nachmittag haben wir freilich, die wir damals noch vom frohesten Jugendübermut strotzten, den Türmer=August besucht, um ihm die Arbeit abzunehmen. Aber lange dauerte das nicht, denn wir begnügten uns nicht mit kurzen Zeichen der Wachsamkeit, sondern ließen das eigenartige Instrument immer erst nach tanger Benutzung wieder zum Schweigen kommen. Und wie so Behörden nun einmal sind statt des Dankes ernteten wir eine ernste Vermahnung und mußte das Tutehorn, durch das wir uns nach Wilhelm Busch gern in die Laufbahn des Kandidaten Jobs eingefühlt hätten, wieder an den rechtmäßigen, amtlich beglaubigten Bläser abgeben, damit er in eigener Person von Viertelstunde zu Viertelstunde seinen Mitbürgern weit da unten verkünden konnte, daß er von hoher, luftiger Warte sich ihr Wohl angelegen sein ließe. —70.— Napoleons Landsleute Keiseerinnerungen von Karl Helm. Der Wirt. Der erste Korse, mit dem wir beiden Landsleute nach unserem Futzmarsch an der Küste von Cap Corse entlang in nähere Berührung kommen, ist der Wirt vom„Touring Club“ in Luri. Ein forscher Sechziger, den weißen Schnurrbart hochgezwirbelt, erwartet er uns in Hemdssärmeln vor dem„Hotel“, einem der wenigen besser erhaltenen Häuser des Dorfes. Hoheitsvoll und doch mit ausgesuchter Höflichkeit weist er uns die Zimmer, deren breite Betten in makelloser Frische glänzen. Dann sitzen wir mit ihm in der rauchgeschwärzten Küche und machen auch die Bekanntschaft Madames, die sich als Perle unter den Köchinnen Korsikas entpuppt. Der Hausherr hält es für seine Pflicht, die Gäste zu unterhalten. Wir erfahren, daß er zwanzig Jahre lang Museumstischler im Pariser Louvre gewesen ist. Anscheinend hat er sich dort im Umgang mit ägyptischen Königsmumien den weltmännischen Schliff angeeignet, den er selbst in Hemdsärmeln verrät. Die Theorie von der spanischen Abstammung der Korsen findet in uns neue Anhänger, jetzt, da wir die Grandezza dieses Dorfwirts kennen lernen. Er preist die Vorzüge seiner korsischen Heimat und kommt auch auf den Glanzpunkt der näheren Umgebung, den Senecaturm, zu sprechen. Als alter Geschichtskenner will er uns natürlich auch darüber aufklären, warum der römische Philosoph angeblich dort oben kein Streichholz zur Hand gehabt habe, als der Kaiser sich eine Pfeise anstecken wollte. Unser herzhaftes Lachen über diese gewagte Verknüpfung eines altrömischen Kaisers mit dem modernen Schwefelholz und Tabak hält er für Anerhennung und freut sich. Der Gendarm. Da verdunkelt sich plötzlich die Tür, und kein Lichtstrahl fällt mehr in die Küche. Zwei oder drei Sekunden später erst merken wir, daß ein Gendarm seinen Bauch zu uns hereingeschoben hat, und wir werden dem dicken Herrn, dem Oberbefehlshaber über die vier Männlein des Landjägereibezirks, vorgestellt. Nachdem sein an tliches Auge uns geprüft und anscheinend unverdächtig gefunden hat, läßt er sich seufzend in unserer Mitte nieder und schlägt in das Essen ein, daß er balb den Kragen öffnen muß. Er ist von einer strahlenden Gutmütigkeit, erzählt uns die interessantesten Dinge von seinen Feldzügen, die ihn aus seinem Heimatsdorf im korsischen Hochgebirge um die halbe Welt geführt haben, und freut sich wie ein Kind über das Geschenk, das wir ihm machen, eine geschnitzte deutsche Jägerpfeise. Dann schleift er uns zusammen mit seinem Freund, dem Wirt, voll Stolz durch sämtliche Kneipen Luris und sorgt väterlich dafür, daß unsere etwas unsicheren Beine ungefährdet nach Hause finden. O seliger Kapweinschwips, über den die Gendarmerie so fürsorglich wacht! Der Volbsschellzigehter. ten, die zur Kündigung führen können, ähnlich hoch über dem Lurital in der Verbannung lehte. Eigentlich gehört er nicht zu Napoleone Landsleuten, denn seine Wiege stand irgendwo in Französisch=Lothringen. Aber er lebt schon seit drei Jahren auf der Insel und hat borsisch fluchen gelernt. Damit scheinen seine Kenntnisse der korsischen Volksseele erschöpft zu sein. Wir treffen ihn in einem kleinen Ort an der Küste beim Mittagessen im einzigen Wirtshaus und erfahren schon nach drei Minuten, daß er den achtungeinflößenden Posten eines Volksschulinspektors für das Arrondissement einnimmt. Hätte er uns das nicht mitgeteilt, so müßten wir den Zwei= oder Dreiunddreißigjährigen für einen Handelsreisenden halten, der in seinem Kleinkraftwagen die Dörfer abklappert. Er schimpft wie ein Rohrspatz über dieses Land, das er nur als Sprungbrett zu rascherer Beförderung betrachtet, in dem alles Essen nach Knoblauch schmeckt und wo die Schulen oft so hoch in den weglosen Bergen liegen, daß der gestrenge Herr Schulinspektor gar zu Fuß gehen muß. Alles weiß er besser als die Korsen selbst, und die Wirtin zuckt hinter ihm her die Achseln:„Dagegen kann man nichts machen!" Der Posibote. Gegen den Postboten ist unser alter Bekannter, der Gendarm, der reinste Waisenknabe. Sein Bart liegt schwarz und buschig auf der Heldenbrust, und sein Bauch spannt den dunkelblauen Dienstrock zum Platzen. Frühmorgens um sieben schon steht er auf der Piazza, wartet auf den Auktionator und geht mit dem kleinen, aber gewichtigen Männchen, das er um zwei Kopflängen überragt, in ernste Gespräche vertieft auf und ab. Immer zwanzig rasche Schritte vorwärts, die fetten Hände hinter dem Rücken verschränkt, linksum kehrt, zwanzig Schritte zurück, die Hände jetzt gestikulierend in der Luft. Dann kommt das Auto mit der Post. Es hält auf der Piazza neben dem Postboten. Der streckt den Bauch vor und wirft sich in amtliche Haltung, denkt aber gar nicht daran, den Postsack aufzuheben, sondern rührt sich nicht, bis der vielbeschäftigte Kraftwagenbegleiter die Post ins Amt hinüber 5—* „. S.* S*•1.3. E SGrsEac— S 255* □ □ 5 2 E 8 5 8 2 ** * 8 8 SSE i 9*.. S„S9g. PSSaßE S SSSEE SöESES DU S a S. S SN E bSGESE S#sssns 5 0 □ #0 S G.S SSSSS 3 2 5 = S 55582ES“ PSogugn WE ".*#•ME• B PGERER" #S Eun•S * 2* S 9.P“ S 8 8 2 2 5 G # S TSSE EE F 9 S„* F eb sgg 8** 3#.9HL # BSSE. E Se 6 53 trägt. Dann mälzt sich der Dicke hinterher, ins Dienstzimmer, packt den Sack an den beiden Zipfeln, schüttelt die ganze Post auf den Boden, setzt sich hoheitsvoll auf seinen ächzenden Stuhl und wartet, bis die beiden Postdamen die Briefschaften aufheben und ihm au den Tisch legen. In zehn Minuten ist er mit dem Sortieren fertig, suchtelt dem einen oder anderen der vor dem Schalter Wartenden wortlos mit dem dicken Zeigefinger vor dem Gesich herum, was bedeuten soll„Für Dich ist keine Post da!“, hängt seinen Kasten um den Bauck und trabt zum Bestellgang an. Eine halbe Stunde später spaziert er wieder auf der Piazzo auf und ab, mit dem selbst zufriedenen Gesicht eines Mannes, der seine Pflicht voll und gangetan hat. Gelegentlich einmal fragen wir einen Einheimischen:„Hat denn der Postbotc sonst nichts zu tun?"— Eigentlich doch. Er soll die Post auch oben in den Bergweilern bestellen, aber dazu hat er keine Lust. Er läß die Post für dort oben einfach liegen, und wenn einmal einer zufällig aus den Bergen herunter zum Postamt kommt, dann gibt er sie ihm mit.“ Wer also von der Welt nicht mehr viel wisser will, der ziehe sich in eines der korsischen Bergnester mit der Zufallspostbestellung zurück. Der Veropfarrer. Vielleicht lernt er dort unseren Bergpfarrer kennen. Dreiundsiebzig Jahre alt ist der kleine würdige Herr schon, und als wir ihn zum ersten Male sahen, schien er unter der Last des Oels zusammen zu brechen, das er ins Tal zu einem Sterbenden trug. Dann sitzen wir in der Wirtsstube am Kamin neben ihm, und er prüft uns auf Herz und Nieren:„Gute Christen"? Um unser„Ja“ zu bekräftigen, müssen wir ihm von Rom erzählen, dem Ziel seiner Sehnsucht. Er ist ja nie aus seinen Bergen heraus gekommen, seitdem er das Seminar zu Ajaccio verließ. Dann besuchen wir ihn oben in seinem Rest. Sein Heim ist die Armut selbst, die Ränder seiner Soutane fasern aus, sein einst schwarzer Samthut schillert in allen Farben, und aus dem fadenscheinigen Bettuch sticht das Stroh. Doch in der Kirche verstehen wir, warum der Pfarrer so arm ist. Die Monstranz und die Kelche bestehen aus massivem Gold, die Kanzel ist aus Marmor, und die neuen Dekkengemälde würden einer Großstadtkirche zur Ehre gereichen. Der alte Pfarrer zeigt um sich: „Jeder Mensch hat seine Liebhaberei, für die er ein Geld ausgibt.“ Wir müssen weiter ziehen, tiefer in die Berge Ainein zum nächsten Rest, von dem uns fün nunden Marsch trennen. Der alte Pfarrer ragt uns:„Kennen Sie den Weg? Es ist nur ein Maultierpfad, der unten im Tal von der Straße abzweigt und leicht übersehen werden kann.“ Wir müssen verneinen. Da schürzt er seine Soutane und begleitet uns allen Protesten zum Trotz ins Tal hinunter bis zum Maultierpfad, zwei Stunden Wegs. Und dann sehen wir den Greis langsam und gebückt die steile steinige Straße zu seinem Bergnest hinauf wandern. Funf ermüdende Stunden, nur um zwei Fremde auf den rechten Weg zu weisen. Von seinem Landsmann Napoleon hat dieser gute Bergpfarrer wirklich nichts an Johannes Kurnez läßt sich entbärten Die Beisetzung des Prinzen Max von Baden. Auf dem Friedhof in Konstanz am Bedensee wurde Prinz Max von Baden beigesetzt. Die Familie des Verstorbenen an der Gruft. Die größte Schleuse der Welt vor der Eröffnung. Die Riesenschleusen bei Ymuiden, Holland, die die größten der Welt sein werden, gehen ihrer Volleni entgegen. Einer der Sandbagger, die tagsaus, tagein arbeiten, um den Kanal vor dem Verschlammen zu bewahren. 90 Johannes Kurucz, biederer Bürger von Großwardein, ehedem königlich ungarischer Landgerichtsrat, war zeitlebens ein gluhender Patriot. Als die Rumänen seine geliebte Heimatstadt vor etwa einem Jahrzehnt besetzten, wollte der wackere Magyare nicht glauben, daß es sich um eine Dauereinrichtung handeln könnte, und schwor, sich so lange nicht zu rasieren, bis Ungarn wieder frei wäre. Doch dieser Tag kam nicht. Der kohlrabenschwarze Bart des Johannes Kurucz wuchs, blühte und gedieh. Vom Gesichte war kaum mehr etwas zu sehen. Bürger von Großwardein, vom Oberbürgermeister bis zum kleinsten Schusterjungen, wußte genau. wärum der Bart des alten Magyaren Tag für Tag ungepflegter und länger wurde. Zunächst ließen die sonst nicht gerade sanftmütigen rumänischen Behörden Kurucz, der sich zu einem Stadtoriginal entwickelte, im doppelten Sinne„ungeschoren". Aber nach einem unrasierten Jahrzehnt begann dem Patrioten die üppige Manneszierde lästig zu werden, und er faßte den heldenmütigen Entschluf, sich selbst die Absolution zu erteilen, seifte sein deutliches überhaartes Gesicht eine geschlagene Stunde ein, nahm ein funkelnagelneues Rasiermesser und entfernte mit Mühe und Not seinen Riesenbart. Anschließend machte er seinen täglichen Spaziergang. Zwei Stunden später wurde er durch zwei über alle Maßon erreate Kriminalbeamte aus dem süßen Mittagsschläschen geschreckt. Man führte ihn sofort ab und bearbeitete den Aermsten drei Tage und drei Nächte Er sollte ein umfassendes Gestänonis ablegen welche Geheimnachrichten er aus Budapest erhalten habe und auf welchem Wege. Und er Zäl mochte— bei fest zugesicherter Straffreiheit—sch. angeben, wann der Einmarsch der Magyaren stattfinden würde! Johannes Kurucz schwieg sich aber aus und lächelte nur geheimnisvoll vor sich hin. Vierundzwanzig Stunden später befand sich die Garnison in Alarmbereitschaft. Am nächsten Tage trafen Verstärkungen ein. In der ganzen Stadt herrschte hellste Aufregung. Bis es sich herausstellte, daß Herr Kurucz lediglich aus— hygienischen Gründen seinen Bart entfernen ließ. Alles brach in ein homerisches Gelächter aus. Man lachte, aber— nicht über den alten Magyaren! 1—.— „An Backe— mein Zahn!“ „Zahnärzte“ bei den Höhlenbewohnern.— Zahnschmerzen und Aberglaube.— Der Elefant findet das richtige Mittel. Von H. S. Auerbach. Zahnschmerzen— ein Uebel, so alt wie die Menschheit! Man denke nur an die nunstvoll für den Patienten auch gerade kein Genuß gewesen sein mag. Einer Griechin, Apollonia, wurden einst auf Befehl Julians des Abtrünnigen sämtliche Zähne einzeln ausgebrochen, weil sie von rem christlichen Glauben nicht lassen wollte. Der bewundernswürdige Mut, mit dem die Märtyrerin die Schmerzen ertrug, gewann unter den Zuschauern der Tortur Hunderte dem Christentum. Vielerorts gilt noch heute Fasten am 2. Februar, dem Tage der Heiligen Apoilonia, als ein Mittel, sich das ganze Jahr hindurch vor Zahnschmerzen zu schützen. Wie bei einem in seiner Ursache nicht immer gleich erkennbaren Leiden nicht anders zu erwarten, verbinden sich mit dem Zahnschmerz allerlei abergläubische Vorstellungen. In füclichen Ländern führt man ihn vielfach auf den bösen Blick, anderswo auf Zauberei zurück. Klagt jemand einem anderen sein Leid, so wird nach einem in Brandenburg herrschenden Volksglauben das Uebel leicht auf den Zuhörer öbertragen, weshalb man dort zu Lande sagt:„Behalte Deine Zahnschmerzen für Dich und blage sie einem Stein!" Noch im 17. Jahrhundert brachte man in dem schwedischen Orte Neride dem allgermanischen Gotte Thor Opfer dar, damit er von Zahnschmerzen befreie. Sehr verbreitet ist auch der Glaube, das Leiden sei auf Würmer zurückzuführen. Die vosnischen Zigeuner stellten sich eine Gottheit des plombierten Zähne, die bei Ausgrabungen in Zahnschmerzes in Gestalt eines Wurmes vor; Aegyoten und Peru gesunden wurden und das gleiche gilt von einigen in dischen Stämmen Zeugnis dafür ablegen, daß schon vor inden die damaligen Bewohner dieser Jahrtause! Länder eine sehr gut ausgebildete Technik der Zal, ehandlung kannten. Ja, selbst die vergeschichtlichen Höhlenmenschen haben sich bereits darauf verstanden, hohle, kranke Zähne mittels eines kleinen Hammers und einer geeigieten Füllmasse auszubessern, wenn die Behandlung und seltsamer Weise auch von den alten Baoyloniern. Chinesische Zahnärzte verwenden eine bestimmte##izin, nach deren Gebrauch der den Schmerz verursachende Wurm den Zahn verlassen soll. Diese Heilkünstler führen, im Aermel oder unter den langen Fingernägeln verborgen, schmale Streifchen weißen Papiers bei sich, die oberflächlich einem Wurm gleichen. S• 0E S S 9—8 F 95. 88 # 5 FSE B P PUEN „#SSgEFMEEE SEER TBünTGEES Während die Zahnärzte der, Kranken Zähne untersuchen, lassen sie die Streifchen unbemerkt in seinen Mund fallen und holen sie dann triumphierend als Erreger der Zahnschmerzen wieder hervor; der Kranke— der Glaube macht selig!— ist nun geheilt. Auch in vielen europäischen Ländern hat sich die Ueberzeugung von dem Wurm als Ursache der Zahnschmerzen erhalten, z. B. bezeichnet man auf den Orkneys das Leiden heute noch nur als den Wurm". Die Ursache ist nicht schwer zu finden, der beim Zahnziehen sichtbar werdende feine weiße Nervenfaden erinnert ja in der Tat an ein solches Lebewesen. eine Stadt 1547 vor der Plünderung bewahrt wurde In früheren Zeiten herrschten rauhe Kriegssitten. Das Plündern von Ortschaften, die man eingenommen hatte, war gang und gäbe, gehörte gar meist zum Lohn der siegreichen Landsknechte, der diesen von Rechts wegen als Teil des Traktaments zustand. Ganze Feldzüge wurden auf die Art finanziert. Dabei rechneten zur Beute nicht nur Geld und Gut, sondern auch Leib und Leben der Bewohner einer eroberten Stadt. Mitunter fanden sich aber unter den Offizieren der siegreichen TrupGegen die Zahnschmerzen sind in aller Welt pen Kenner und Verehrer von Kunst und Wisdie sonderbarsten Mittel in Gebrauch, ron dems“.“r9r*;, in deu in England um die Hüften getragenen Strick bis zu den verschiedensten geschriebenen Amuletten, auf denen am häufigsten St. Apollonia, seltener St. Petrus oder auch wohl der Mond als Helfer angerufen werden. Zuwei'en geht die Bitte dahin, den bohrenden Schmerz auf leblose Wesen, Steine, Bäume, Türen, auch auf die Erde zu übertragen. Derartige Amulette sind heidnischen Ursprungs. Da Donnerstag der Tag des Thor war, galt in germanischen Ländern das Fasten am Gründonnerstag lange als wirksamer Schutz; in Westdeutschland und Nordfrankreich dagegen zog man den Karfreitag vor. In Schlesien kämmen von Zahnsa.ezen Geplagte noch heute am Karfreitag ihr Haar, verbrennen das ausgefallene und armen dabei den entstehenden Rauch ein. Seltsam ist auch der in Sussex herrschenden Glaube, daß man morgens zuerst den rechten Strumpf anziehen oder mit dem rechten Bein in die Hose fahren müsse, um gegen Zahnschmerzen geschützt zu sein. Zahlreiche Pflanzen werden zur Linoerung des Leidens empfohlen, wie z. B. in Griechenland mit Wein und Honig gemischte Aloeblätter. Polnische Juden verzehren einen über offenem Feuer gebratenen Apfel, während die alten Griechen einen Aufauß von Spargelwurzeln empfahlen. Auch der Saft der Gartenkresse soll gute Dienste leisten. In Istrien kocht man Feigen in Milch und behält sie dann längere Zeit im Munde. Auf praktischer Erfahrung beruht wohl das Rezept, einen gehörigen Schluck Whisky oder Kognak eine Weile im Munde zu behalten. Schon eine indische Sage berichtet von einem vor Zahnschmerzen tollen Elefanten, der in seiner Wut ein Faß mit einer berauschenden Flüssigkeit zerbrach, dann den Inhalt sich zu Gemüte führte und alsbald von seinem Leiden geheilt war. Und der Talmud kennt eine ganz ähnliche Geschichte von einem Ochsen. —12.— senschaft, und das fuhrte dann manchmal dazu, daß Ortschaften dem Namen einer Leuchte der Wissenschaft ihre Rettung verdankten. Solches ereignete sich beispielsweise, als Karl 5. im Jahre 1547 Mügeln plündern ließ. Ein Oberst entdeckte in einem Hause das Bild eines damals berühmten Astronomen und Geographen, des Peter Apianus. Dem Offizier war die Bedeutung des Gelehrten bekannt. Als er obendrein erfuhr, daß Apianus der Bruder des Hausbesitzers und in Mügeln geboren war. machte er dem Kaiser von der Entdeckung Mel dung. Dieser verbot daraufhin„bei Todes= strafe“ jedes Plündern und Brennen, um„das Andenken des Peter Apiani zu ehren.“ Ein Krenzergeschwader sucht Robinson richterer Sache nach San Diego zurüczukehren. Das Geheimnis des Robinions von Secorro ist bis heute nicht enträtselt worden. —2.— Die Menscheuraub=A.=G. Organisiertes Verbrechertum in Schangahl. — Der Räuberhauptmann als Generalstebensftoter. Von E. Conz=Tokio. Die Menschenräuber=A.=G.? Der Leser ist sicher versucht, dies für den Titel eines Kriminalromans zu halten, der mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Wäre dies der Fall, so würde die Schanghaier Polizei bedeutend weniger Arbeit haben und reiche chinesische Bürger mehr Schlaf finden. Der Menschenraub bildet in Schanghai tatsächlich nicht mehr den Beruf vereinzelter Verbrecher, sondern er ist zum regelrechten Geschäftsbetrieb ausgebaut. Eine Menschenräuber= A.=G. setzt sich ebenfalls aus Aktionären, Generaldirektor, Direktoren, Prokuristen und Angestellten zusammen. Der Generaldirektor, der Organisator und die Seele des Unternehmens, ist seinen Untergebenen meistens unbekannt. Diese sprechen rohl von ihm als dem Heren, doch außer den Direktoren, seinen engeren Mitarbeitern, hat ihn keiner mit Bewußtsein gesehen. Er macht im Verein mit seinen vertrautesten Helfern die Leute ausfindig. die bereit sind, dem Unternehmen gegen 200 2.: F V: Geschäft vlüht, Talleyrand=Anekdoten Der französische Politiker Charles Maurice Herzog von Talleyrand=Perigord half als Minister des Auswärtigen Napoteon beim Staatsstreich vom 18. Brumaire. 1804 wurde er Oberkammerherr, 1806 Fürst von Benevent. Drei kurze Jahre sräter fiel er in Ungnade. Als Napoleon aus Spanien heimkehrte und über die Machenschaften seines Ministers unterrichtet wurde, ließ sich der Herrscher von seinem Temperament hinreißen und warf dem Ungetreuen folgende Schmeicheleien an den Kopf: „Sie sind ein ganz gemeiner Schurke, ein gottverlassener Halunke, dem nichts heilig ist, der niemats seine Pflicht erfüllte, ein verbrecherischer Verräter, der seinen eigenen Vater kalt lächelnd ermorden könnte! Ich verachte Sie .....“ Die Teilnehmer des Ministerrates wurden leichenblaß vor Aufregung, nur Talleyrand bewahrte seine Ruhe und tat so, als hätte der Imperator überhaupt nicht zu ihm gesprochen. Als Napoleon den Sitzungssaal verließ, beschränkte sich der Meister der Verstellung auf eine einzige Bemerkung:„Es ist eigentlich recht bedauerlich, daß so große Männer eine so schlechte Kinderstube genossen haben.“ In der Höhe der mexikanischen Küste, tausend Kilometer von San Diego entfernt, liegt in der Einsamkeit des Stillen Ozeans eine kleine Felseninsel vulkanischen Ursprungs, Socorro Island. Sie ist völlig unbewohnt, nur große Mengen wilder Schafe bevölkern sie, die auf den Grasflächen und in dem Buschwerk reichliche Nahrung finden. Einige unternehmungslustige Bewohner von San Diego kamen nun vor längerer Zeit auf den Gedannen, daß hier leicht Geld zu verdienen sein müsse. Man brauchte ja nur hinüber zu fahren, die Schafe zu scheren und die fast kostenlos erwordene Wolle dann auf dem Festlande zu verkaufen In einem kleinen Fahrzeug schifften sich also vierzig Mann nach Socorro ein. Sie bauten nahe bei einer Quelle rohe Hütten und zäunten eine große Fläche zur Aufnahme der zu scherenden Schafe mit Traht ein; doch als es an die Arbeit gehen sollte, stellte sich heraus, daß mitten im Sommer die Wolle zu kurz war um das Werk lohnend erscheinen zu lassen. Man beschloß also, einstweilen nach san Diego zurückzukehren, und später wieder zu kommen Ein gewisser Archie Smith erklärte sich bereit, allein auf Socorro zu bleiben, um die Interessen der Unternehmer gegenüber etwaigen Eindringlingen zu wahren. Man ließ ihm Proviant und Bücher zurück, Wasser lieferte die Quelle, so daß für den einsamen Mann gesorgt schien. Nach Kalifornien zurückgekehrt. gerieten aber die Unternehmer in finanzielle Schwierigkeiten und waren nicht in der Lage, eine neue Fahrt nach Socorro zu unternehmen. Monate vergingen, ohne daß jemand sich um den Verlassenen kümmerte, bis schließlich die Behörden von der Sache erfuhren. Die Marinestation San Diego schickte kürzlich den Kreuzer„Memphis“ mit einigen Torpedobooten anläßlich einer Uebungsfahrt nach Socorro um Smith=Robinson zu erlösen. Nachts traf das Geschwader dort ein, warf Anker, löste einige Schüsse, um Smith zu benachrichtigen. und suchte mit Hilfe der Scheinwerfer die Insel ab. ider Er Fünf Jahre nach diesem denkwürdigen Ministerrat war aber Talleyrand derjenige, welcher anno 1814 die Proklamation der Bourbon bewirkte. Er wechselte seine politische Ueberzeugung je nach der Konjunktur, kannte aber seine Pappenheimer, nämlich die übrigen Politik Herren der hohen Ponlik, nur zu genau. Als er Ludwig 18. das Manuskript der Verfassungsreform überreichte, fiel dem König unangenehm auf, daß für die Mitglieder der Nationalversammlung Gehälter vorgesehen waren; ursprünglich sollten die Herren unentgeitlich für das Volkswohl arbeiten. Talleyrand klärte seinen königlichen Herrn auf:„Wenn die Abgeordneten keine Diäten beziehen, so fürchte ich. Majestät, daß uns diese Sparsamkeit sehr viel Geld kosten würde!“ Doch wioer Erwarten rührte sich dort nichts. Am nachsten Morgen wurde von Bord der „Memphis“ ein Flugzeug entsandt, das in geringer Höhe die kleine Insel kreuz und quer überflog, aber kein Zeichen menschlichen Lebens entdecken konnte. Das schien seltsam und beunruhigend, daher ging jetzt ein Boot an Land. Man durchsuchte die Insel sorgfältig, aber abgesehen von Tausenden wilder Schafe wurde kein lebendes Wesen angetroffen. Seltsamer Weise wies die verlassene Hütte deutliche Anzeichen dafür auf, daß sie vor etwa 48 Stunden noch bewohnt gewesen war. Doch wie konnte Smith die einsame Insel verlassen? Ein Boot hatte er nicht besessen, auch keine Werkzeuge, um sich etwa ein Floß zu zimmern, das ihn auch schwerlich über Hunderte von Mei len offenen Ozeans getragen haben würde. Es blieb die Möglichkeit, daß ein zufällig nach Socorro gekommenes Schiff ihn ausgenommen haben könnte, aber dieses hätte sicher Spuren seiner Anwesenheit hinterlassen, und solche fehlten vollständig. Nachdem eine nochmalige gründliche Durchsuchung der Insel nach dem lebenden oder toten Smith wieder ergebnislos verlaufen war, blieb nichts übrig, als unverProzent Zinsen, saus das Geschaft bluht, das notige Kapital vorzuschießen. Denn Geld ist auch hier die Grundlage des Unternehmens. Die Unkosten, die nicht gescheut werden dür fen, bevor auch nur ein Geschäft glückt, sind meistens außerordentlich hoch. Zuerst wollen die Direktoren, die mit dem Organisator die Pläne aushecken, bezahlt sein. Das Gehalt, das beanspruchen,? die Prokuristen die Leute, welche die Direktion auf die zum Rauben geeigneten reisen, und Personen hinw. und die Verbindung mit der Gesellschaft gekauften Häusern wohnen und gleichzeitig die Gefangenenwärter für die Geraubten bilden. Nicht zu vergessen sind auch die Frauen, die solchen Verbrecherhaushaltungen einen gut bürgerlichen Anstrich verleihen müssen, und die Spione und Wächter, die das Haus vor überraschenden Besuchen der Polizei zu schützen haben. Ist die Organisation soweit gediehen— dahin sind sicher schon Tausende von me nischen Dollars verausgabt worden—. so der Geschäftsbetrieb ausgenommen wer Meistens trägt er aller Wachsamkett der## zei zum Trotz reichen Gewinn ein, weil den Geraubten das Leben lieber ist als die hohe Lösesumme und ihnen die Angst auch bis ikainn später den Mund verschließt. So konnte die Schanglizei kürzlich haier Porige, kürzlich feststellen, daß verschiedene Aktionare, die sich mit 500 Douars am Unternehmen beteiligt hatten, schon nach dem ersten„Geschäft“ 700 Dollars Dividende erhielten. Eine der interessantesten Gestalten unter den Organisatoren dieser Verbrechergesellschaften war ein gewisser Siau Koko(„Dder kleine ältere Bruder"), der sein Unwesen sechs Jahre lang treiben konnte, bevor ihn die Polizei unschäolich machte. Sian Koko stammte aus Schaohsing, wo er seine Lehrzeit als Menschenräuoer durchmachte. Als ihm und seinen Komplizen der Voden unter den Füßen zu heiß zu werden begann, verlegte er den Schauplatz seiner Tätigkeit nach Kanton. Weil aber damals dort der Sitz der Nationalregierung war, die in der Stadt starke Militär= und Polizeikräfte unterhielt, so wollte das Geschäft nicht blühen. Um nicht auf der Straße zu liegen, leistete sich Sian Koko einen Geniestreich: Es gelang ihm, zur Kriegsakademie zugelassen und zum Offizier befördert zu werden. Das militärische Leben gefiel ihm aber bald nicht mehr, und er zog nach Schanghai. Da ihm das Geld zur Organization einer Menschenraub=A.=G. fehlte und die Aktionäre sich nicht finden wollten, so begng er zuerst mit seinen wenigen Komplizen gewöhnliche Einbrüche und Straßenräubereien, die sehr guten Gewinn eintrugen. Von nun an trat Siau Koko vollständig in den Hintergrund und leitete die Fäden seines Unternehmens aus dem mystischen Dunkel der Verborgenheit. Aber trotzdem übte er strenge Disziplin. An Verrat dachte keiner seiner Untergebenen mehr, seitdem einer von ihnen, dem die Polizei einige Angaben verdankte, bei der Rückkehr in sein Haus seine ganze Famisie ermordet fand.*