SPSSEASRSGRRSSERSDSP: Sa S SEEE S 8 858 TS S 8 B 2 SaSEs: SSTSESNRS S S 2 SSG5SEERRSE S SSngES: FSSATSSR BaSs einen Scuß dennen, ver, ohne genügendes Büchsenlicht, allzu leicht, wahrscheinlich sogar den Tiger nur anschweißen würde? Wie, wenn uns die Bestie annahm? Wir rührten uns nicht. Im nächsten Augenblick ging der Isjuhr vor uns plötzlich hoch und raste in langen Fluchten über den Hang. Er mußte wohl den lauernden Todfeind erkannt haben. Die glimmenden Seher des Tigers waren verschwunden. Das Entsetzen wuchs. Schlich er jetzt uns auf lautlosen Sohlen an? Aufspringend schrie Imquill wie ein Irrer, ich brüllte mit und riß von der Birke lange Streifen trockenen Bastes ab, die Imquill zitternd mit einem Streichholz entzündete. Die Flamme lohte auf und beleuchtete die Umgebung. Vom Tiger keine Spur. Schwarz und drohend stand jenseits des kleinen Lichtkreises rings um uns die Nacht. Beim Schein von Bastsackeln schlichen wir scheu und klein zurück zu unserem Lagerzelt, vor dem die ganze Nacht das Feuer brannte, heute und in allen folgenden Nächten. Das war unser erstes, nicht gerade rühmliches Zusammentreffen mit dem sibirischen Tiger, der größten und wohl auch gefährlichsten Unterart seiner Gattung. Goldische Jäger bestätigten uns später, daß das, was wir erlebt hatten und uns als völlig unfaßlicher und nur vereinzelter Fall erschienen war— das Röhren des Tigers zum Anlocken der Hirsche— schon vielfach beobachtet wurde und als durchaus verbürgt gelten darf. Wir selbst haben es ein zweites Mal allerdings nicht mehr erlebt. Chamäleon auf dem Anstand Von Dr. L. Franck= Cairo. Das Chamäleon kann je nach Laune und Stimmung sein Aeußeres, seine Hautfarbe, ändern. Kein Wunder, daß es zum Vergleichstier für unbeständige Charaktere, zum Sinnbild aller Konjukturmenschen geworden ist. Das Chamäleon hat eine schnellschießendgefährliche Zunge, die alles, was es zum Leben braucht, noch auf ziemliche Entfernungen festleimt und in das Tier hineinzieht. Das Chamäleon bewegt sich meist laubverdeckt, steigt kriechend von Ast zu Ast, ringelt sich mit dem Schwanz um die Zweige und erlegt seine Beute aus dem Hinterhalt. Es vermag gleichzeitig ein Augenlid zu öffnen und das andere zu schließen, kann mit dem rechten Auge ins Gesicht hinein aufrichtig=offen tun, während es mit dem linken nach einer anderen Seite liebäugelt. In der Tat, diese harmlose Echsenart ist in allem, was sie darstellt und für die Unterhaliung und Verteidigung ihres Lebens unternimmt, ein geradezu vorbildliches Vergleichstier. Der Frühling letzten Jahres verschlug mich für einige Apriltage nach Alexandrien. Bald hatten Museum, Pompejus=Säule und Katakomben die Sehnsucht nach frischem Grün noch gesteigert. Schon lustwandelte man in den prächtigen Europäerpflanzungen zu Ramleh, dem beliebten Sommerasyl im Nordosten der Hafenstadt. Still war es an diesem Morgen, die Natur so jung, daß sie noch allenthalben an Gras und Blättern vom Nachttau erglänzte. Aber das Himmelslicht wächst hier schnell, schafft in Minuten, wozu es in Europa oft Stunden gebraucht. Immer noch stand ich vor dem Mandarinenbäumchen, darauf tautrunkene Goldfliegen im Morgenlicht spielten. Warum mache ich gerade vor diesem Busch so lange halt? Ein dicker Rollfaden, der soeben mit fabelhafter Sicherheit einen Brummer vom Blattrande nach dem Innern des Busches hereinholte, gab der Frage unerwartet deutliche Antwort. Was den Augen die ganze Zeit über durch den laubgrünen Rock vervorgen blieb, entdeckte mir jetzt der auf Fliegen geschleuderte Zungenpfeil.— Als ob das Tier zur ausdrücklichen Bekanntschaft mit mir dahin gesetzt sei, sollte ich hier dem schönsten Vertreter der ägyptischen Chamäleons begegnen, dem smaragdgrünen„Basiliskus“ mit dem pyramidenförmig behelmten Kopf. Im Halbdunkel der Zweige saß er beharrlich auf Anstand, die Rute mehrfach um den Zweig geringelt. Die Schleuderzunge, die das Chamäleon über die Hälfte der eigenen Körperlänge— bis zu 15 Zentimeter— auswerfen kann, enthebt es der hastigen Laufbewegungen, deren seine Vettern, die Land= und Mauerechsen, zum Nahrungserwerb bedürfen. Soeben will ein mittelgroßer Käfer von der Unterseite seines Blattes hinauf ins Sonnenbad steigen; doch er braucht die Kimmung nicht anz zu überklettern, um von dem Zungenislo des Chamäleons festgeleimt, ins Maul 6—4 gezogen und verschluckt zu werden. Eine erstaunlich bequeme Vorrichtung, mit Schuß und Wurf sogleich die Beute in den Rachen zu bekommen. Ohne es zu verscheuchen, nähere ich mich dem Tier auf ein halbes Meter; ich strecke die Hand nach ihm aus, um es vom Zweige zu nehmen. Doch augenblicks schlägt die Stimmung um, die Pigmentzellen seiner Haut reagieren, die Farbe wechselt, aus Wiesengrün wird Tannengrün. Sachte entringelt sich der Schwanz vom Ast, die Klammerfüße lichten hoch die Augenstühle wenden zur Seite, das kleine, doch urweltliche Ungeheuer strebt ins Dunkel der Blattnischen. Noch urtümlicher ist eine zweite Art in Aegypten, der die Wissenschaft den klangvollen Beinamen„Calypratus", die„Behelmte", beigelegt hat. Ihre stattliche Kopfbrünne endet in einen Lappenbehang, der wie beim wohlbewappneten Ritter noch Nacken und Hals überdacht. Gleich der Basiliskenart trägt sie Sporen an den Hinterfüßen. Doch am meisten, wenn auch niemals häufig, trifft man das„Chamäleon Vulgaris“ an; nicht nur in Aegypten und Nordafrika, sondern auch in Kleinasien, Syrien, Palästina, Südspanien und an der Küste der Türkei. Die Grundfarbe seines Panzers wird von rostroten Tönen übertuscht, und zwei lichte Ränder durchziehen sein Grün bis zur Wurzel des Schwanzes. Dem Männchen fehlt die Sporenzier, doch treten die Körnerschuppen des Rükkens oft bis zum Helmrand zu einer dräuend gezähnten Kante zusammen. Im Mai und Juni legt das Chamäleon seine Eier, 30 bis 40 Stück, in kleine, selbstgewühlte Erdkuhlen. Von kräftigen, porösen Kalkschalen umgeben, werden sie von der Mutter noch fürsorglich mit Laub und Erde überdeckt. Wie bei unseren Eidechsen und Blindschleichen brüten dann während einiger Wochen Sonne und Bodenwärme den Inhalt aus. Am Ausguck Kühlwagen für Reisende. Ein wenig spät für diesen Sommer mit seiner ungewöhnlichen Hitze hat eine große französische Eisenbahngesenschaft einen Kühlwagen für Reisende in Dienst gestellt. Bei diesem Versuch, der zu voller Zufriedenheit aller Beteiligten verlief, handelte es sich um einen Durchgangswagen erster Klasse. Die Kühlanlage setzt sich aus einem Ventilator, einem Eisbehälter an der Kopfseite des Wagens und aus einer Röhrenanlage zusammen. Der Ventilator preßt die heiße Luft im Freien in eine Röhre unter dem Dach des Wagens. Von hier aus wird die Luft unter starkem Druck in den Behälter geleitet, der mit 400 Kilogramm Eis gefüllt ist. Die dergestalt abgekühlte Luft fließt in die Röhrenanlage, aus der sie auf die verschiedenen Abteile des Wagens verteilt wird. Der Ventilator kann in einer Stunde rund 13500 Kubikmeter Luft in die Kühlanlage drükken, eine Menge, die genügt, um die Atmosphäre im Wagen stündlich zehnmal zu erneuern. Der Eisvorrat wird innerhalb acht Stunden verbraucht. Außerdem ist das Dach des Wagens von außen durch weiß angestrichene Metallatten gegen die Einwirkung der Sonnenstrahlen geschützt Während bei einer Außentemperatur von 32 Grad im Schatten die Hitze in einem nicht gekühlten Abteil erster Klasse des gleichen Zuges 33 Grad betrug, herrschte im Versuchswagen eine Wärme von nur 26 Grad. Die Luft, die aus der Kühlanlage in die Abteile strömte, hatte eine Temperatur von 22 Grad. Die Kühleinrichtungen sollen im Laufe des Winters auch in andere Durchgangswagen eingebaut werden, um im nächsten Sommer in Tätigkeit zu treten. Eine unheimliche Ausstellung. Eine für zartbesaitete Gemüter reichlich unheimliche Ausstellung veranstaltete kürzlich das Field=Museum für Naturgeschichte in Chicago. Es handelt sich um eine Sammlung verschiedener Geräte, die als Ausbeute einer wissenschaftlichen Expedition kürzlich aus Tibet nach den Vereinigten Staaten gekommen waren und die Besonderheit aufweisen, daß sie durchweg aus Menschenknochen angefertigt sind. Man findet da Schalen, die aus einem menschlichen Schädel geschnitzt wurden und von den Lamas bei ihren seltsamen religiösen Gebräuchen verwandt wurden! ferner Tamburine, gleichfalls aus Schädeldecken geschnitzt; endlich Flöten und Trompeten, zu deren Herstellung menschliche Schienbeine gedient haben. Das Glanzstück der Sammlung bildet ein großer Schurz, der von 41 aus Menschenknochen gefertigten Platten gebildet wird. Sie sind kunstvoll geschnitzt und durch Schnüre zusammengehalten, die aus runden und viereckigen perlenartigen Stücken des gleichen Materials bestehen. Einzelne der Schalen sind seltsam geschnitzt und mit Kupfer und Messing reich verziert. Alle diese Geräte werden von den Lamas zu den verschiedensten gottesdienstlichen Handlungen verwandt, zum Teil sind sie auch bei Laien in Gebrauch. In Tibet herrschen heute noch Sitten, von d.ren Seltsamkeit wir uns nur schwer eine Norstellung machen können und die auf unser Gefühl geradezu abstoßend wirken. Zum Ve#ir##el ist es allgemeiner Brauch, daß der Sohn den Schädel seines verstorbenen Vaters zu einer Schale verarbeitet und am Geourtstag des Verschiedenen zu seinem Gedächtnis daraus trinkt. 6500 Kilometer zur Gerichtsverhandlung. Hoch oben im eisigen Norden Kanadas, zu Bathurst Inlet, erschlug vor einiger Eskimo, Okchina, einen Stammesgenossen. Für sein Verbrechen wurde er alsbald von der berühmten kanadischen berittenen Polizei festgenommen und in das Gefängnis zu Anlavik überführt, wo er bald Gesellschaft in Gestalt von Lily Sanniya bekam, einem des Kinoesmordes beschuldigten Eskimonhen. Um die beiden Missetäter zu verhören und abze; eilen, ist eine Gerichtskommission aus Edmoiton vor kurzem nach dem hohen Norden ausgeorochen, die nicht weniger als 6500 Kilomerer zurücklegen muß, um an Ort und Stelle zu kommen. Als Reisedauer sind je nach den Wegeund Wetterverhältnissen sechs bis neun Wochen vorgesehen. Aus dieser unbestimmten Angabe ergibt sich allein schon, mit welchen Schwierigkeiten die Vertreter der Gerechtigkeit unterwegs zu kämpfen haben werden. Staatliche Froschzucht gegen Mückenplage. Alaska verdient wohl. ein Dorao der Mükken und ähnlicher Insekten genannt zu werden, die dort in solchen Massen auftreten, daß sie der Bevölkerung das Leben schwer machen. Die ständige Mückenplage wird von der Regierung darauf zurückgeführt, daß es in Alaska zu wenig Frösche gibt, und man will jetzt diesen Mangel energisch beseitigen, indem man eine Waggonladung Frösche bestellte, um sie im Lande selbst zu zuchten. Es wird sich bald herausstellen, ob die staatliche Froschzucht die erhofften Ergebnisse zeitigt; hoffentlich gesellt sich nicht zu der Mückenplage auch noch die Froschplage. Woher die Blaugans kommt. Aus dem eisigen Norden Amerikas kommt die Nachricht, daß einem Beamten des kanadischen Ministeriums des Innern, J. Dewey Soper, der sich seit Monaten zu zoologischen Studien in den Eiswüsten des Nordwest=Territoriums aufhält, die Lösung eines alle Tierfreunde, insbesondere alle Ornithologen, interessierenden Rätsels gelungen ist. Seit Jahren beschäftigte man sich mit der Frage, wo ein im Norden nicht sehr seltener Vogel, die Blaugans, ihre Wohn= und Nistplätze habe. Nie war es gelungen, eine Nest, ein Ei oder gar ein Junges des scheuen Tieres zu finden. Die Blaugans erschien Sommer für Sommer in südlicheren Breiten, aber woher sie kam und wohin sie im Herbst wieder zog, wußte bisher niemand. Soper fand nun vor einiger Zeit weit oben im Baffin=Land die Wohn= und Brutplätze des Vogels. Der erfolgreicher Forscher befindet sich jetzt auf dem Wege nach Ottawa, mit Eiern, Nestern, Jungen und einigen erwachsenen Exemplaren des Tieres. Seiner Ankunft und seinen näheren Berichten sehen alle Zoologen mit größtem Interesse entgegen. Das Gesicht der Zeitalter nennt Paul Wiegler einen Aufsatz im Septemberheft der„Koralle". Es ist der Versuch, auf gedrängtem Raum eine Geschichte des Geschmacks zu geben. Einleuchtende Bilder zeigen, wie in allen Epochen jeder Gegenstand des täglichen Gebrauchs, die Kleidung, der Luxus von einem der Evoche eigentümlichen Zeitgeist geformt wurde. Interessant, aus welchen Bedingungen Wiegler die„neue Sachlichkeit“ entstehen läßt. Wesensverwandt ist der Aufsatz von Dr. Bing im gleichen Heft der„Koralle": „Jagd nach Typen“. Hier werden die hochinteressanten Versuche geschildert, durch die Photokamera Menschen=„Typen“ zu ermitteln. Man hat eine große Anzahl von Gesichtern auf ein und dieselbe Platte projiziert. Das Bild, das sich aus solchem Experiment ergab, ist in der Tat sehr bemerkenswert, wenn auch die Frage offen bleibt, ob man einen Typus im Sinne eines Idealbildes oder nur einen Durchschnitt vor sich hat. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr. C. Santz. Altena K 185n21111 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 34 Mittwoch, 25. September 1929 Nördlich der oberen Lenne Unsere Wochenendfahrt nimmt Rönkhausen als Ausgangspunkt und bedient sich dabei der Blätter 7 und 8 der Sauerlandkarte 1: 50 000 des Sauerland=Verlages zu Iserlohn. Samstag nachmittag verfolgen wir Hauptwanderstrecke 18 des Sauerländischen GebirgsVereins. Nach Durchquerung des Dorfes Rönkhausen biegen wir ins liebliche Glingetal ein. Schon nach ½ Stunde sind wir in Glinge mit einem prächtigen alten Fachwerkhaus. Nun gehts bergan, zunächst noch dem Glingebach entlang. In einer Stunde ist Gehöft Falbecke erreicht, wo der starke Anstieg einsetzt. In 15 Minuten gehts 140 Meter bis Faulebutter(525 Meter) hinauf. Herrliche Fernblicke auf dem kurzen Wege bis Weuspert lohnen die Kletterei. Ein schattiger Waldpfad umgibt uns weiter bergab; zuletzt folgen wir dem Giebelscheider Bach, bis wir endlich, genau 1 Stunde von Faulebutter entfernt, Fretter (300 Meter) im Tal des gleichnamigen Baches und damit das Ziel des 1. Tages erreichen. Wohl auseuht, nehmen wir am Sonntag zunächst wieder Hwstr. 18 unter die Füße, wenigstens die erste Stunde. Kurz hinter Gehöft Wiebelhausen kreuzt Hwstr. 25 unsern Weg und wir verlassen hier die bisherige Nummer, um auf diese hinüberzugehen. Die Steigung bis hierher betrug 180 Meter. Nun halten wir längere Zeit die Höhe an, jedenfalls kommen wir bis zum Endpunkt nicht sehr mehr herunter. 50 Minuten auf Hwstr. 25 ostwärts überqueren wir die Landstraße Crevenbrück=Eslohe bei Schmartmecke. Unterwege genossen wir ganz vorzügliche Fernblicke. Nach ¼ Stunde folgt Leckmarth. Rechter Hand lassen wir den Herrscheid(20 Minuten), von dem aus wir eine lohnende Ausschau genießen würden, wenn wir uns den Abstecher nicht verdrießen lassen. Auf den folgenden Feld= und Waldwegen, die dann und wann durch kurze Landstraßenstückchen unterbrochen werden, durchaueren wir Arpe(¼ Std.) Ober=Berndorf(½ Std.) und Berghausen(¼ Std.). Zum großen Ebbinghof sinds weiter 50 Minuten und zum Schlußpunkt Fredeburg(440 Meter) noch ½ Stunde. Immer wieder reizt uns das am Westhang der waldreichen Hunau gelegene Bergstädtchen zu einem kurzen Rundgang durch die schönen Schieferhäuschen und winkligen Straßen. Dann besteigen wir das Zügle, das uns je nachdem über Altenhundem oder Wennemen beimwärts trägt. Altdeutsche Haus= und Sinnsprüche Wer dies Haus jetzt tadeln will, Der stehe nur ein wenig still Und denk in seynem Hertzen frey, Ob er wohl ohne Tadel sey. Erst aufhören zu klagen, Dann überschlagen, Dann wagen. Lieber in eig'ner Hütten Als im Schloß nur gelitten. * Häuser haben Winkel, Köpfe haben Dünkel. Auf den Zaun kommt's wenig an; Im Garten will ich Blumen ha'n. * Ein Haus ohne Liebe Ist wie zwey Stein' ohne Mörtel. * Der größte Schritt ist der Schritt aus der Te#. * Ein Haus ohne Gäst' Ist wie ein Jahr ohne Fest. W. Reisebrief aus Trier Das schöne Wetter der letzten Wochen hat den Reiseverkehr im westlichen Grenzlandzipfel Deutschlands wieder belebt. Besonders holländisches Publikum sieht man viel die alten Sehenswürdigkeiten Trier's bewundern. Die Ausgrabungen im Simeonskloster schreiten fort; und was hier in mühsamer Arbeit zutage gefördert wird, findet starkes wissenschaftliches Interesse. Die Ausgrabungen im Tempelbezirk sind mangels genügender Mittel zum Stillstand gekommen, jedoch bleibt zu hoffen, daß sich auch hier eine Fortsetzung ermöglichen läßt, haben doch gerade die letzten Ausgrabungen den früher schon von Historikern vermuteten Beweis geliefert, daß hier die ältesten Ansiedlungen lagen, und daß bereits um 1000 v. Chr. dort, wo jetzt Trier liegt, Menschen gesiedelt hatten. Immer näher rückt somit der Augenblick, um die bisher als sagenhaft betrachtete Inschrift auf dem Roten Hause in Trier„Vor Rom stand Trier 1300 Jahre“ geschichtlich als richtig zu bezeichnen. Am 6. und 7. Oktober findet das Trierer Oktoberfest statt, welches sich bereits bei der ganzen Moselbevölkerung stärkste Sympathien erobert hat. Am 13. Oktober hat die Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst ihre Jahresversammlung in Trier, verbunden mit einer Ausstellung christlicher Kunst. Nur Werke neuzeitlichen Stils werden ausgenommen. Kurz sei noch des Diözesanmuseums gedacht, das, wie selten eins, altchristliche Kunst des Kölner, Mainzer und Trierer Kunstkreises zusammenfaßt. Es ist in den mittelalterlichen Kapitalräumen im romantischen Domkreuzgang untergebracht. Spaziergänge der herbstlichen Mosel entlang Ausflüge in den herbstlich bunten Hochwald, oder Fahrten in das herbstbunte felsige Luxemburger Nachbarland und die wildromantische Westeifel gestalten den Aufenthalt im alten (Trier sehr abwechllungsreich. Sind alle Berliner aus Breslau? Von Paul Otto Graevenitz. Als Heinrich Zille kürzlich starb, der Zeichner des Berliner Milljöhs, war alle Weit überrascht zu erfahren, daß der Künstler kein gebürtiger Berliner war, sondern aus Raseburg bei Dresden stammte. Es scheint wirklich, als ob die Kennzeichen des Urberliners nur in den „Zugezogenen" zum typischen Ausdruck gelangten, zum mindesten— von Zille und einigen anderen ist hierbei abzusehen— seine dem Mann im Reich peinlichen Eigenschaften: die bekannte„Berliner Klappe" also und neuerdings die Sucht nach„Amerikanismus", nach „Tempo=Tempo" um jeden Preis. Zu ihrer eigenen Ehrenrettung hat die eingeborene Bevölkerung der Reichshauptstadt behauptet, die in diesem schlechten Sinne„richtigen Berliner“ stammten durchweg aus Breslau. Hat sie damit recht? Leider läßt es sich ja nur bei solchen kontrollieren, die— wie es so schön heißt— als„Prominente" Berlin sein Gepräge geven. Tatsächlich aus Breslau stammt Alfred Kerr, der Theaterkritiker und Franzosenschwärmer, bekannt als Feind Bert Brechts, der gestand, prinzipiell geistiges Eigentum anderer zu stehlen, wofür ihn leider noch kein Staatsanwalt beim Kanthaken gekriegt hat. Aus Breslau waren auch Adolf von Menzel, der Maler der friderizianischen Zeit, und Felix Deutsch, mit Rathenau Gründer der Allgemeinen Elektrizitäts=Gesellschaft. Leistikow, der Maler der Mark, stammte aus Bromberg, Oppler, der als Radierer bekannter wurde denn als Maler, war Hannoveraner, Pechstein, der Expressionist, ist aus Zwickau in Sachsen gebürtig, Orlik aus Prag, und Max Oppenheimer, der das Romanische Café bevölkert, gehört von Rechts wegen nach Wien, wie überhaupt die meisten Stammgäste dieses Lokals in Wien, Budapest, Prag, Belgrad oder Bialystock heimatberechtigt sind. Die sogenannte Boheme sammeln sich nur darum in Berlin, weil im stürmischen Meer der Großstadt viel leichter im Trüben zu fischen ist als in der geruhsamen Provinz. Von anderen Berliner Malern, die keine sind, seien noch Slevog: genannt, der aus Landshut in Bayern ist und Emil Nolde, der Holsteiner. Die„urberliner“ Schriftsteller sind ein ebenso gemischtes Volk. Fred Hildenbrandt, der schon ein begeistertes Buch über seine Wahlheimat schrieb, stammt aus dem Württembergischen, Alfred Döblin, dessen Roman„Berlin Alexanderplatz" im Herbst herauskommt, ist aus der preußischen Hafenstadt Stettin. Max Kretzer, der den modernen Berliner Roman erfand— „Meister Timpe“— ist nach Posen zuständig, und Alexander Moszkowski. Erfinder so vieler Berliner Witze, ist aus Pilica, was schon früher in Polen lag. Ludwig Fulda, der Lustspieldichter, ist in Frankfurt am Main geboren, Rudolf Presber ist sein Landsmann. Der Philosoph S. Friedlaender— als Mynona zieh: er jetzt gegen den Rummel um Remarque vom Leder— ist aus Gollantsch, sein Opfer Remarque oder Remark, wie es früher hieß, hat in Osnabrück das Licht der Welt erblickt. Albert Einstein, der Erfinder der Relativitätshearie, ist in Ulm an der Donau geboren. Weiter abwärts an der Donau stand die Wiege Arnolt Bronnens, in Wien, noch weiter abwärts, in Budapest, die des Eugen Szatmari, der— um sich als Berliner zu legitimieren— einen Führer durch Berlin verfaßte. Aus dem Norden Deutschlands, aus Greifswald und Elbing, zogen Georg Engel und Paul Fechter nach Berlin; Heinz Tovote und Meyer=Förster haben ein Recht, sich getroffen zu fühlen, wenn Theodor Fontane— der wirklich ein Berliner war — in seinem„Schach von Wuthenow“ ganz richtig sagt:„Aber die Hannoveraner sind feine Leute!" Friedrich v. Oppeln=Bronikowski ist ein Hesse aus Kassel, so sehr eingepreußt, daß er mit Anstand die Gesammelten Werke Friedrichs des Großen herausgeben konnte. Mit den Schauspielern Berlins steht es nicht anders: wer am meisten berlinisch scheint, ist bestimmt nicht innerhalb der Mauern Berlins auf die Welt gekommen. Otto Reutter, Deutschlands unerreichter Humorist und Berlins beliebter Sänger, kam aus Gardelegen; ebenso ist Guido Thielscher, der Generationen eingeborener Berliner mit seiner Komik entzückte, aus einer ganz anderen Gegend als die um den Alexanderplatz: aus Leobschütz in Schlosien. Paul Morgan, der am Kurfürstendamm dus neue Berlinertum verkörpert, ist ein Oeiterreicher aus Wien, aus Prag sein Kompagnon Kurt Robitscheck. Cläre Waldorff, die ihre Berliner Chansons singt, als wäre sie nie aus der Ackerstraße herausgekommen, kann sich, wenn sie Lust hat, Hanoveranerin nennen. Magdeburg lieferte den Max Adalbert nach Berlin aus und sein Leibdichter Hans Reimann floh aus Leipzig von den Sachsen fort in die Hauptstadt des Reiches. Berlin besteht aber nicht nur aus Literatur und Kunst, es wird dort auch Politik getrieben. Woher stammen die derufenen Führer des Volkes? Hindenburg— wir alle wissen es ja — ist in Posen geboren, Löbe, der Präsident des Reichstags, in Liegnitz, Severing, der jetzige Reichsinnenminister, in Herford in Westsalen. Groener, der Reichswehrminister, stammt aus Ludwigsburg in Württemberg, Hans v. Seeckt, der frühere Chef der Heeresleitung und Organisator der Reichswehr, ist Norddeutscher aus Schleswig. Schacht, der Präsident der Reichsbank, ist aus Tingleff, Grzesinski, der preußiche Innenminister, ist zwar aus Treptow, aber nicht aus Treptow bei Berlin, sondern aus Treptow an der Tollense. Hugenberg ist Hannoveraner, Dr. Wilhelm Marx Kölner, Joseph Wirth Badenser aus Freiburg im Breisgau. Die Liste ließe sich noch verlängern, aber es soll hiermit genug sein. Was aus Berlin wücde, wenn die Zugewanderten einmal sämtlich wieder auszögen, ist nicht abzusehen. Die Gefahr besteht aber nicht, denn im allgemeinen assimilieren sie sich schnell und so gründlich, daß sogar der eingeborene Berliner Angst nor so viel Berlinertum bekommt. Ist es nicht ein Witz, daß der berlinischste aller Berliner, der Oberbürgermeister Böß, aus Gießen kommen mußte, um den Berkiner zu zeigen, was eine „Weltstadt ist? Und seinen Magistrat— vierundzwanzig Mann hoch— suchte er sich aus allen Gauen Deutschlands zusammen: nur vier Herren darunter sind waschechte Berliner... Von guten und schlechten Weinjahren Von E. Trost. Es ist nicht zu bestreiten— wir Menschen der Gegenwart leben in einer nüchternen Zeit, die alle großen und kleinen Ereignisse des Daseins nur vom Standpunkte trockenster Geschäftsmäßigkeit aus behandelt. Heute verkünden höchstens einige kurze Notizen und Zahlen im Handelsteil der Zeitungen, wie ein Weinjahr ausgefallen ist. In früheren Jahrhunderten dagegen spitzten fleißge Chronisten eifrig ihre Gänsekiele und schrieben lange Berichte über gute und schlimme Jahre in dicke Schweinslederbände hinein oder verfaßten artige Verslein, die, auf Holzschnitte mit entsprechenden Bildern gedruckt, verbreitet wurden oder sich in mündlicher Ueberlieferung auf Kinder und Kindeskinder forterbten. Zumal in jenen Jahren, wo lachender Sonnenschein an den Hängen des Rheins und in sonstigen Weingegenden unseres Landes den Winzern würzigen Rebensaft in besonders reichlichen Mengen bescherte, verstiegen sich die Berichterstatter zu wahren Hymnen der Begeisterung. Also findet sich in alten Schriften manches ergötzliche Sprüchlein, welches— immer vorausgesetzt natürlich, daß die braven Verfasser, selbst des edlen Nasses voll. nicht allzu sehr übertrieben haben— von Ernten erzählt, bei denen die Weintrinker gründlich auf ihre Kosten gekommen sein müssen. „An Anno zwölfhundertfünfzig und fünf da baut' man in Neustadt gar sein— da nahmen die Maurer zum Mörtelanrühr'n statt Wasser geringeren Wein!“ meldet ein biederes Schreiberlein aus Neustadt an der Haardt. Auch 1450 muß es dortselbst keine schlechte Lese gegeben haben: gab Trauben so schwer wie Blei— und es galten vom aulerköstlichsten Wein Zehn Maß nur so viel wie ein Ei!“— „Und an Siebzehnhundertundneunzig— da wuchs ein Rebsaft so viel und so süß, daß er auf und ab im Lande am Rhein nur die goldene Hutzelbrüh' hieß!“ Das mag wohl eine glückliche Zeit für die Zecher gewesen sein! Daß aber auch das Gute einmal zu viel und zur Kalamität werden kann, zeigte Anno 1540, wo im Elsaß und am Rheine die Trauben so überreichlich gediehen, daß man kaum wußte, wohin damit. Allle Faßbindereien arbeiteten mit Hoc lieb. 2Is man jedoch den Rebensaft glücklich in den Fässern untergebracht hatte, fanden sich keine Käufer ein, da man den neuen Wein überall geschenkt erhielt. Dieser Umstand beachte einen Burgherrn im schönen Rheingau in arge Bedrängnis. Seine Weinberge waren sein ganzer Reitum, er hatte viele Schulden und deshalb zu allen Heiligen um eine gute Ernte gefleht. Nun war eine glänzende Ernte da. Aber er bekam trotzdem kein Geld herein. Der edle Ritter sann hin und her. Endlich kam ihm ein glücklicher Einfall: Er rief seine leibeigenen Bauern zusammen und bestimmte, daß ein jeder ein bestimmtes Quantum Wein teinken müsse. Die guten Bäuerlein waren mit dieser neuartigen Fron sehr einverstanden, tranken lustig darauf los, holten sich überdimensionale Räusche und gerieten sich infolgedessen gewaltig in die Haare. Darauf hatte der schlaue Rittersmann nur gewartet. Er verurteilte seine Bauern wegen Raufhandel und Unruhestiftung zu ansehnlichen Bußen und kanso auf einigen Umwegen dennoch zu seinem Gelde. Auch von Frühernten, die insbesondere in der Pfalz öfters vorkamen, wissen alte Urkunden zu berichten. Nach diesen soll 1328 die Traubenlese bereits um Jakobi sta“tgefunden hab. n, und 1743 sowie auch mehrmals in späteren Jahren begann man damit schon um die Mitte des Monats August. Am besten aber erging es den Winzern wohl 1540— in diesem Jahre konnten sie gleich zweimal Ernte halten, und zwar das erstemal um Bartholomä und dann nochmals Ende Oktober. Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten: Nicht selten mußten die Chronisten die Federn ansetzen, um der Nachwelt Kunde von schlimmen Mißernten zu geben, und da klingen ihre holprigen Verslein manchmal recht betrüblich: „Als im Jahre 1529 die Türken die Stadt Wien belagerten— da wuchs ein so herber und saurer Wein, daß man ihn hieß Wiedertäufer— oder Türkentrunk, und man hatt' von ein' Glas auf Wochen genung Anno 1628 nannte man den Wein„Stößelwein", weil damals alle Trauben derart erfroren waren, daß man sie nicht mehr durch die Kelter treiben konnte, sondern„mit dem Stößel zerschlagen“ mußte. Im Kriegsjahr 1740 war der Wein derart schlecht geraten, „daß ihn trank weder Bürser noch Bauer, denn er war gar zum Essig zu sauer.“ Noch viel könnte man erzählen von solch bösen Zeiten, wo tausendfache Mühe und ungezählte Schweißtropfen der Winzer mit tölligem Mißwuchs gelohnt wurden. Mittelmäßige bis schlechte Ernten waren stets bedeutend zahlreicher als die guten. Auch in unseren Tagen könnte man weit mehr traurige als heitere Sprüche verfassen, wenn man nicht schon längst davon abgekommen wäre, der Winzer Freud’ und Leid in gereimten Worten zu vermelden. —72.— in Missouri Auswärtige Lehrkräfte sind unerwünscht.— Lehrerinnen, die tanzen müssen.— Ein Schauerdrama für die Schulfeier. Von Howard F. Gibson=St. Louis. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern erfolgt in den Vereinigten Staaren die Bestallung der Beamten für eine bestimmte Periode. Hierzu gehören auch die Volksschillehrkräfte, die jedes Jahr von der Kreisschulkommission unter den sich meldenden Bewerbrn ausgesucht werden. Im friedlichen Kreis Nodaway, im westlichen Missouri, war diese Wahl immer in aller Ruhe verlaufen. Sie hatte niemals Anlaß zur Unzufriedenheit unter den lokalpatriotischen Einwohnern gegeben, weil die Schulkommission die Klugheit besaß, nur Bewerber aus ihrem Verwaltungsbeeirk anzustellen. Eines schönen Tages aber, kurz vor Ablauf der Wahlveriode für die Kreisschulkommission.“ überwarfen sich die ehrbaren Mitglieder dieses hohen Ausschusses mit ihren Wählern und beschlossen daher, dem Kreis einen kleinen Streich zu spielen. Die Bestallung des Lehrerkollegiums für das nächste Schuljahr sollte die letzte Amtstätigkeit der scheidenden Kommission sein. Sie bot dem Ausschuß Gelegenheit, sich ein wenig an den Widersachern zu rächen, und deshalb wählte die Schulkommission neben dem alten, nur aus Angehörigen des Kreises Nodaway bestehenden Schulkorper eine auswärtige Lehrerin für die Schule der kleinnen Stadt Conception Junction. Drei Viertel des Ortes standen Kopf:„Was, einer Fremden sollen wir unsere Kinder anvertrauen?" Zuerst wollten die Eltern jener Schüler, die Miß Oberlenders, des Eindring= lings, Klasse besuchen sollten, ihre Sprößlinge im Hause behalten. Dann mußten sie aber erfahren, daß ein derartiger Streik für sie nur mit Unannehmlichkeiten verbunden sein würde, während die mißliebige Lehrerin ein Herrenleben führen könnte. Fräulein Oberlender durfte deshalb ihre Tätigkeit ooch beginnen, und sie hatte keinen Grund, sich über das Betragen der Schüler während des Unterrichis zu beklagen. Anders oagegen verhielten sich die Dinze, soweit sie die außerdienstliche Zeit der neuen Lehrerin anbelangten. Mit nächtlichen Pfeifkonzerten vor Miß Oberlenders Fenster begann es. Dann flogen ihr abends auf der Straße Steine um den Kopf, und zwischen dem Freudengeheul, von dem das Bombardement begleitet wurde, glaubte sie die Stimmen verschiedener ihrer eigenen Schüler heraushören zu können. Dann setzte eines Tages eine Flut eigenartiger Geschenke für Miß Oberlender ein, ohne daß die Lehrerin die edlen Spender zu entdecken vermochte. Einmal war es die Abbildung eines spindeldürren Gesre:"es. dann eine Flasche mit der Aufschrift„Gift“. dem Totenkopf und der freundlichen Aufforderung, zum Nutzen der Stadt vom Inhalt reich!: brauch zu machen. Als drittes Geschenk lag ein Besenstiel vor der Tür:„Benutze ihn zu deinen nächtlichen Hexenfahrten!" Bald darauf steckte ein Schlachtermesser, rot bis ans Heft, in der Tür; dann flog eine schwarze Fahne mit ausgemaltem Totenkopf ins Fenster. Die Lehrerin ließ sich durch diese freundlichen Aufmerksamkeiten nicht aus der Fassung bringen. Sie tat auch weiterhin, was sie für recht hielt, und dazu gehörte es, jede Beteiligung an den häufigen Tanzvergnügen des Städtchens abzulehnen. Diese Haltung ärgerte aber die männliche Jugend von Conception Junction besonders stark. Es war nämlich zum ungeschriebenen Gesetz geworden, daß die Lehrerinnen alle derartigen Vergnügen zu besuchen und den weniger ansehnlichen Jünglingen die aus dem einen oder anderen Grunde keine Tänzerinnen bekommen konnten, aus der Verlegenheit zu helfen hatten. Miß Oberlender als recht gut aussehende junge Dame verspürte aber keine Lust, die Lückenbüßerin zu spielen. Zum Dank für ihre Weigerung hatte sie eines Morgens die wenig anenehme Ueberraschung, sich selbst an einem Baum, ihrem Fenster gegenüber, aufgehängt zu sehen. Nachdem sie den ersten Schrecken überwunden uno sich die Augen gerieben hatte, überzeugte sie sich zwar davon, daß ihr Ebenbild am Strick nur eine Wachspuppe, aber doch täuschende Nachahmung ihrer selbst war. Kein Merkmal, von den blauen Augen bis zu den kleinsten Einzelheiten ihrer Alltagskleidung, hatten die üblen Witzbolde übersehen, und die Stadt sprach mit strahlender Schadenfreude von der gehenkten Lehrerin. Dann bekam Fräulein Oberlender einen nicht zu verachtenden Feind in einem Schäferhund, der ein Grundstück bewachte, an dem sie ihr Schulweg täglich vorüber führte. Merkwürdigerweise war das sonst geschlossene Tor dann offen, und einige Male mußte die Lehrerin laufen. Einst gelang ihr die Flucht nur dadurch, daß sie zum Gaudium einiger Zuschauer über einen hohen Zaun kletterte. Eine andere Frau hätte vielleicht, nachdem alle Beschwerden fruchtlos gewesen waren, ihre Koffer gepackt. Fräulein Oberlender dachte nicht daran, das Feld zu räumen, selbst dann nicht, als der Zwist zwischen ihren Feinden und ihren wenigen Anhängern zu offenem Kampfe ausartete. Bei einer dieser freundlichen Auseinandersetzungen wurde ein Laden, dessen Inhaber auf Seiten der Lehrerin stand, kurz und klein geschlagen. Ein anderes Mal, gelegentlich eines Festes, das die Elternvereinigung dem Lehrkörper gab und an dem auch Miß Oberlender teilnahm, wurde ein junger Mann, der Bruder einer anderen Lehrerin.###dergeschassen. Trotz alledem glaubte die mißliebige Fremde, es sich und ihrer Stellung schuldig zu sein, bis zum Ablauf ihrer Vertragszeit auszuhalten. Hatte sie bisher alles vermieden, was die Stimmung gegen ihre unschuldige Person verschärfen konnte, so entschloß sie sich nach sast einjähriger Qual im lieblichen Conception Junc= tion dazu, ihren Widersachern allen Tort zurück zu zahlen. Die Art und Weise, wie sie sich rächen wollte, war nur in den Vereinigten Staaten allein möglich. Sie ließ ankündigen, sie werde gelegentlich eines Schulfestes ein von ihr selbst verfaßtes Schauspiel,„Das Haus der grünen Lampe“, aufführen. Einige Schüler und Anhänger waren bereit, die Rollen zu übernehmen. Das ganze Städtchen sah der Aufführung mit Spannung entgegen, und Miß Oberlenders Freunde beschlossen, die Vorstellung irgendwie zu stören. Als der Vorhang hoch ging und oas Spiel begann, war alles sprachlos vor Staunen. Was dort auf der Bühne vor sich ging, hatte nicht das geringste mit einer bei solchen Gelegenheiten üblichen Vorführung zu tun, sondern war eine entsetzliche Kitsch= und Verbrechergeschichte mit Mord und Totschlag, geheimnisvollem Verschwinden in Versenkungen und verborgenen Doppelwänden und anderen nervenerregenden Spannungen. Die schönste Ueberraschung stellte aber die Tatsache dar, daß Fräulein Oberlender, die eine Hauptrolle spielte, alle Wachspuppen, Hexenbiloer, schwarzen Flaggen, Totenköpfe, Giftflaschen, Besenstiele und Schlachtermesser auf die Szene brachte, die ihr von ihren Feinden gespendet worden waren. Das ganze Spiel war nichts anderes als eine ungeheure Verhöhnung ihrer Widersacher. Leider konnte das schöne Schaiuerorama nicht zu Ende geführt werden, denn als der Lehrerin ei einem zum Stück gehörenden Kampf mit einem Partner die Pistole in der Hand losging gellte es durch den Zuschauerraum:„Schlagt sie tot!“ Niemand weiß, was in dem entsetzlichen Aufruhr geschehen wäre, hätte nicht einer der Spieler den Vorhang fallen lassen. In jedem anderen Lande wäre die Lehcerin, hätte sie sich auch vorher allgemeiner Beliebtheit erfreut, jetzt unmöglich gewesen. Nicht aber in Conception Junction. Ihre größten Wioersacher bewunderten offen ihren Mut, und die ganze Stadt war sich darüber einig, daß Fräulein Oberlender ein„Feines V###el“ set. Die Lehrerin hatte aber den idyllischen Ort genügend genossen, und als sie bald darauf einstimmig wiedergewählt wurde, lehnte sie dannend ab:„Ich suche mir eine ruhigere Stelle." Kennen Sie Amerikas Sultan? Von Franz Schombach. Tatsächlich, verehrter Leser, im Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika gibt es einen Sultan. Nicht etwa nur einen Depossedierten, der am Strande von Long=Beach der Eitelkeit der Welt und ihrer Lust nachträumt oder sich in Hollywood neben Großfürsten und Erzherzögen betätigt. Zwar ist es unschwer einzusehen, daß sich ein wirklich regierender Sultan im Lande der Sterne und Streifen keiner großen Sympathie erfreuen kann. Nicht weil in Amerika die Demokratie herrschte! Das weiß Wallstreet wohl zu verhindern. Aber der smarte Yankee dürfte an dem Pantoffel der einen Eheliebsten sicherlich sein Genügen finden und nicht nach einem Vielfachen von Weiblichkeit verlangen. Außerdem kann— was ebenso schlimm ist— die Prohibition mit dem Untertanen eines islamitischen Potentaten kein Geschäft machen. Denn„er trinkt nicht einen Tropfen Wein, drum möcht' ich doch nicht Sultan sein". singt der deutsche Student. Dem Prohibitionsgesetz ein Schnippchen zu schlagen, das kann ein Yankee vor seinem Gewissen verantworten. Aber wenn die Religion den Alkohol verbietet... Man ist fromm in Amerika. Das bewies der Affenprozeß von Dayton. Das zeigen die vielen Sekten, der sich wie ein emsiger Reklamechef betätigende Pastor, die Kegelbahn neben der Kirche. Immerhin, ein schöner Beweis von Duldsamkeit ist die Tatsache, daß im Gebiete der Vereinigten Staaten von Amerika noch heutigen Tages ein Sultan seine Herrschaft ausübt Seine Hoheit Hadji Mahomed Jamalul Kiram II. residiert in Jolo auf der Insel Sulu nördlich von Borneo. Wenn auch seine Souveränität über die Eilande stark eingeschränkt ist, so erfreut er sich doch immer einer gewissen Machtfülle. Klugerweise vermeidet er es mit peinlichster Sorgfalt, sich auf das Glatteis außenpolitischer Tätigkeit zu begeben. Seine vorsichtige Zurückhaltung allen Fremden gegenüber gehi so weit, daß es fast unmöglich ist, bei ihm eine Audienz zu erlangen. Doch hat er wie alle— auch die mit Unnahbarkeit gepanzerten— Großen dieser Welt eine Schwäche: Er liebt Zauberkünste. So gelang es vor nicht langer Zeit einem Weißen, der auf einer Reise durch jene von Haifischen wimmelnde, sonst aber recht liebliche Inselwelt zufällig von dem Dasein des einzigen amerikanischen Sultans erfuhr, nur dadurch eine Audienz zu erlangen, daß er sich bei Seiner Hoheit als Hexenmeister von ungewöhnlichem Ausmaß anmelden ließ. Er erzählt darüber folgendes: Das kleine Auto, das uns zum Fürsten bringt, wird von einem recht seltsam liorierten Chauffeur gelenkt: kurze braune Jacke, schwarze eng um die Haut gespannte Beinkleider, eine gelbe Binde auf der Schulter, ein wundervolles silbernes Messer im Gürtel; Brust und Füße unbekleidet. Zehn Meilen legen wir auf der Landstraße zurück. Dann biegt der Wagen— ins freie Feld ab und folgt einer schwach ausgeprägten Wegspur. Nach einer weiteren Meile erreichen wir den„Palast". der sich durch seine ungewöhnliche Größe und die ihn flankierenden Bäume vor den Häusern der Untertanen auszeichnet, auch dadurch, daß statt der sonst üblichen Leiter Stufen zu dem Eingang empor führen. Der Chauffeur meldet uns an und geleitet uns in das fensterlose, halbdunkle Audienzzimmer, das nur durch zwei Türen Licht erhält. Dann tritt Amerikas einziger Sultan berein Aber ohne das übliche Gepränge. Kein Trompetenstoß, kein Gongschlag verkündet sein Nahen. Auch die würdevolle Gemessenheit des Schrittes läßt der Herrscher vermissen. So eilig stürmt er auf uns zu, daß er einen seiner Pantoffeln verliert. Dieses— übrigens hackenlose — Bekleidungsstück ist das einzige, was den Sultan äußerlich als Mohammedaner kennzeichnet. Sein Haupt ist unbedeckt, der Anzug von militärischem Schnitt, ganz untropisch, nämlich aus schwerer Wolle; an Stelle der Gamaschen leuchten Socken aus purpurner Seide von den Waden Seiner Hoheit. Betelsaft träufelt von den freundlich lächelnden Lippen des Sultans. Er schüttelt uns die Hand, läßt sich erwartungsvoll auf dem Ruhebett nieder und erfreut sich an unseren harmlosen Taschenspielerkunststückchen. Dann und wann tritt er näher an uns heran, um sich über die Einzelheiten der Tricks Klarbeit zu verschaffen. Gleich den silberglänzenden Wogen einer Brandung. deren Tempo die Zeitlupe verlangsamt, nähern und entfernen sich im immer gleichem Abstande von ihrem Gebieter, der sie völlig unbeachtet läßt, die Frauen, die vom Torweg aus den Vorführungen folgen. Leicht gelingt es uns, den Beifall des Sultans zu erringen. Aber gänzlich unmöglich ist es, sich mit ihm über andere Dinge als die Zauberkunst zu unterhalten. Nach Beendigung der Vorführungen werden wir mit freundlichem Händedruck entlassen. Amerikas einziger Sultan liebt kein politisch Lied. Gefährliche Begegnung Ein Erlebnis in der ostsibirischen Taiga von Joseph M. Velter. Von der Station Wenjukowo der Ussurisker Bahnlinie waren wir, mein Gefährte Imquill und ich, ostwärts in der Richtung zum Daubichefluß geritten. Erst ging es über sanft ansteigende Hänge, dann wurde die Landschaft gebirgig, die Bäche suchten sich in den engen Tälern durch Gestrüpp, Fallholz und Kalksteinschluchten ihren Weg. Der erst schüttere Waldbestand wurde dichter, blaugrün schimmerten die fernen Berghänge und dazwischen kahl, öde und braune Flächen abgebrannter Waldungen. Das ganze unermeßliche Land schien völlig unbewohnt zu sein. Wenn wir jemanden treffen würden, dann konnte das nur ein SchenSchensammler oder einer jener Waldläufer sein, die jahraus, jahrein verschollen in diesen Wildnissen leben. Da fanden wir eines Tages in der Taiga deren Baumwuchs bunt genug aus Fichten, Lärchen, Eichen, Spindel= und Nußbäumen, Ahorn, Ziegenweiden und Faulbaumsträuchern bestand, ein kleines, verfallenes Opferhäuschen, das eine Inschrift trug. Sie begann: „Tschen schan lin wan si shi Chan...“ und besagte etwa, das vergessene Heiligtum sei dem Tiger geweiht,„dem in den Wildnissen und Gebirgen schweifenden Fürsten". Nun, wir wußten längst, daß wir in das nicht ungefährliche Reich des sibirischen Tigers immer tiefer eindrangen. In der Nähe von Nikolsk=Ussurisk war wenige Tage vor unserer Abfahrt ein Bahnarbeiter von einer Tigerin überfallen und zerrissen worden. Und #rsetzt, kaum zwei Tage nachdem wir das Opferhäuschen des abergläubischen Schen=Schenfuchers hinter uns gelassen hatten, fanden wir in der Nähe einer salzigen Sumpfpfanne Spuren des gestreiften Herrschers der Taiga, Fährten und Reste einer wilden Ziege, die er gerissen hatte. O, wir hatten bei unserem Ausritt große Pläne im Kopfe. Wir wollten nicht nur Tiger schießen, sondern möglichst einen oder zwei Tigersprößlinge lebendig fangen, um sie an europäische zoologische Gärten zu verkaufen. Daß ich es aber gleich gestehe: Den einzigen, allerdings schon fast erwachsenen Jungtiger, den ich lebend in Sibirien zu Gesicht bekam, sah ich viele Monate später in— Wladiwostok. im Hofe des Handelshauses Kunz und Albers, dessen Direktor Tschurin das Tier erworben hatte. Es ging ein, kam ausgestopft nach Oesterreich und steht, wenn ich recht unterrich tet bin, jetzt im naturhistorischen Staatsmuseum in Wien. Ausgewachsene, alte Exemplare allerdings— ja, davon wollte ich gerade erzählen. Es war Ende August, als wir nach langer Wanderung in der Nähe eines wohl noch namenlosen Nebenflüßchens des Daubiche unser Zelt aufgeschlagen hatten und gegen Abend auf die Hirschjagd auszogen. Die Isjubrhirsche, sonst scheu und nur selten zu erblicken, waren in der Brunftzeit, röhrten und orgelten in Waldwildnissen und Schluchten, daß die ganze nächtliche Taiga zu zittern schien. Von einem udechesischen Jäger hatten wir eine Art Lockflöte aus gedrehter Birkenschale erworben, die das Röhren eines starken Hirsches recht gut wiedergab. An einem Hang, der sich über eine schmale, buschbestandene Lichtung hinzog, bauten wir uns hinter ein paar uralten Birkenstämmen auf. Der Abend sank. Eulenschreie tönten unklar und verworren herauf, Fliegen und Gelsen umsurrten uns, in dem vor uns liegenden Talkessel braute Nebel und zog sich zusammen, bis er wie der Spiegel eines weißlichen Sees das Tal füllte. Sterne blinkten. Jetzt klang aus der schwarz gewordenen Wand des gegenüberliegenden Waldhanges das tiefe Orgeln eines Isjubr. Imquill setzte das Birkenrohr an und orgelte Antwort. Nicht lange dauerte es, und wir sahen den Hirsch auftauchen, stolz, das vielendige Geweih hoch erhoben. Wie ein Herrscher schaute er nach dem Nebenbuhler aus, der ihm das Weibchen streitig zu machen suchte. Tief, orgelnd und rauh klang Imquills Rohr wieder. Der Hirsch stampfte wütend den Boden mit den schmalen Läufen, sprang vor, senkte das Geweih wie zum Angriff. riß es durch Gestrüpp und Fallholz wieder hoch und kam dann langsam näher. Dreißig Meter mochte er noch von und entfernt sein, auf wenigstens zehn Meter hofften wir ihn heran locken zu können, ehe mein Schuß fiel, da geschah es, daß auf der rechten Seite des Hanges ein neues Röhren anhob, tief, von kurzen Pausen unterbrochen, in anderer Tonfolge, als wir bisher den Kampfruf des Isjuhr gehört hatten. „Den müssen wir haben!“ flüsterte mir Imquill zu. Das mußte ein ganz prachtvoller alter Bursche sein. Und Imquills Flöte röhrte und orgelte immer erboster. Mit Erfolg, denn das Orgeln des alten Kämpen kam näher. Jetzt war er so nahe, daß wir ihn unbedingt sehen mußten, aber so sehr wir auch unsere Augen anstrengten, kein Blatt regte sich in der Gegend, in der er steckte. Nur der zuerst auf den Hang hinausgetretene Isjubr kam heran, wandte sich aber, als er den neuen Nebenbuhler hörte, diesem zu, so daß er kaum acht Meter vor uns vorüber zog, polternd, aufgeregt, mit immer wilderen Kampfrufen. Im nächsten Augenblick mußte der alte Kämpe aus dem Walddickicht auf ihn stürzen. Imquill nahm das Birkenrohr ab und machte sich gleichfalls schußfertig. Da aber erlebten wir etwas Unfaßliches. Rechts vor uns, im Walddunkel, aus dem das tiefe Röhren erklang, leuchteten sekundenlang ein paar grüne Lichter auf, die sich langsam bewegten, während von dort die heiseren tiefen Laute klangen. Ich erstarrte. Vor uns, keine zehn Meter entfernt, lauerte ein Tiger, und er war es, der dort röhrte und den Brunftschrei der Isjubri nachahmte, um die Beute anzulocken. Ein eisiges, lähmendes Entsetzen packte mich, das den Körper schwer und unbeweglich, die Knie schlaff und unsicher machte.(Mein Gefährte berichtete mir später, daß es ihm nicht besser ergangen sei.) Was tun? Wenn wir uns unsere erste Begegnung mit dem Mandschu=Tiger ausgemalt hatten, dann sahen wir die Jagd nie anders als sich am hellen Tage abspielen, zu einer Stunde. in der wir uns Herren der Lage wähnlten. Und jetzt? Durften wir überhaunt an