58 85 ·OS Gone 3 0— 6/88 S e # 5 SE P%s. S#gs 9 S E # -OgE SS. T 2.87 9 * BSSETGSGSS -Ssg—.838 □ 3 G H: 6 * 873 De2 GaSoSO—9n S SS9SEES SS S• Der Fischer, der den Schwamm nur von einer Barke aus durch Tauchen erreichen kann muß ja eigentlich seine Beute vorher sehen, um kopfüber direkt zu ihr hinab schießen bezw. tauchen zu können. Das erleichtert er sich wesentlich durch einen großen Stein, der an einem langen Seil befestigt ist. Diesen ergreift er und springt vom Stern, vom Bug seines Bootes, mit einem mutigen Satz in die Tiefe. Der mitgerissene Stein bringt ihn fast direkt nach dem erspähten Beutestück und zieht ihn auch durch seine Schwere rasch auf den Grund. Nun ergreift der Taucher den Schwamm Ehutrennt ihn mit einem festen, schnellen S### seines Messers vom Gestein oder dem Schlamme. Da selbst die geübtesten Taucher nur zwei, allerhöchstens drei Minuten auf dem Meeresgrunde es aushalten können, muß diese Prozedur sehr gewandt und schnell erfolgen. Oft genug ist es erforderlich, daß mehrere Taucher in die kristallene Tiefe fahren, um dasselbe Stück abzulösen und in die Höhe zu bringen, oder es muß einer mehrere Male nacheinander hinab, was wegen der damit verbundenen Anstrengung keine schlechte Leistung darstellt. Da diese Schwammjagd auf dem Grunde des Meeres den Hauptverdienst der armen Insel= und Küstenbewohner bildet, gibt es naturgemäß in diesem Handwerk, das sie in frühester Jugend schon ausüben, ungemein gewandte und geschickte Leute. Besonders im Sommer tummelte sich die schlanke, bronzeum das Gewicht zu erhöhen.sie aber biß ihn äußerst tatkräftig weg, so 55 braune aeginetische Jugend ununterbrochen ir „ihrem" Meer. Ein uralter Volksbrauch will es, daß kein Jüngling jenes Inselvolkes sich verheiraten darf, der nicht mit Leichtigkeit, Ausdauer und Gewandtheit in die Meerestiefe tauchen und auf diese Weise mit Sicherheit sein Brot verdienen kann. Die Leute werden verhältnismäßig gut bezahlt, denn es ist mit allerhand Gefahren verbunden, einen Schwamm zu ernten. Daher sind die Schwämme schon immer ein teurer Handelsartikel gewesen und werden es auch bleiven. Allerdings heimsen die Händler stets größten Gewinn ein, so daß die verwegenen Fischer trotz ihres mühevollen, auch reichlich gefahrvollen Handwerks doch nur ein Geringes an Entgelt erhalten. „Die unterseeischen Klippen bergen genug Hohlen, in denen die sogenannte Klappmusche! sich versteckt hält. Bei der geringsten Berührung schließt sie ihre Zangen und faßt damit gar nicht selten unversehens den Taucher. Getingt es ihm nicht, sich rasch genug durch einen schnellen, energischen Schnitt zu befreien, dann ist sein Schicksal besiegelt und ein nasses wrav auf dem Grunde des Meeres ihm sicher. Inmeilen, geschieht es auch, daß der Taucher m reinen schwimmenden Haaren von einem häßlichen Tintenfische, die als pikantes Nahrungsmittel sehr gesucht sind, erwischt wird. Die Fangarme dieses Polypen haben he Saugnäpfe, die sich blitzschnell an dem Körper fest setzen. Auch beißt der Tintenfisch tüchtig mit seinem harten schnabelförmigen Maul und bringt dadurch oft genug den von rückwärts überraschten Taucher in Todesgefahr. Der Plätze, an denen Schwammtiere wuchern gibt es viele, aber durch einen wahren Raubbau verarmen diese unteeischen, von Natur aus sehr fruchtbaren Felder doch allmählich. Die Inselbewohner beginnen aus Eigennutz viel zu früh, schon in den ersten Frühlingswochen, nach Schwämmen zu fuchen und zerstören durch diese vorzeitige Ernte die Larven des Schwammtieres und damit seine Fortpflanzung Die richtige Zeit der Schwammernte ist Mai bis September. Man hatte wohl einmal versucht, und zwar an der adriatisch=dalmatinischen Küste, den Schwamm künstlich zu züchten, ihn durch Zerschneiden und Versenken kleinen Einzelstückchen an geeigneten Stellen auf dem Meeresgrunde anzusiedeln. Allein die Fischer zerstörten auch hier in ihrem Unverstand immer wieder die so sorgföltig und mit großen Kosten und Opfern angelegten Kulturen durch zu frühe Eingriffe. Alle diese Umstände lassen es begreiflich erscheinen, daß der Badeschwamm nicht billiger werden kann. Besonders schöne Exemplare, regelmäßig im Wuchs, hellgelb und rein in der Farbe, feinmaschig, fest geschlossen, weich, zart, doch elastisch und zäh im Gewebe, also die schö nen und seltenen Kabinettstücke haben einen fast unverständlich hohen Handelswert. Dagegen sind die sogenannten Pferdeschwämme, die bedeutend dunkler und unrein in der Farbe, auch weitmaschiger und lockerer und damit nicht so strapazierbar sind, wesentlich billiger. Man verkauft die sorgfältig sortierte Ware nach Gewicht; daraus erklärt sich auch der viele Sand. den die Schwämme beim Kauf se häufig enthalten. Das ist nichts als ein HändWelchen Wert große, schön gewachsene Einzelstücke erreichen können, beweist die Tatsache, daß auf der letzten Pariser Weltausstellung die Jury solch Exemplar mit 5000 Franken einschätzte. Gerade weil die Schwammfischerei ein zahlreiches, arbeitsfrohes Völkchen fast ausschließlich ernährt und in der Handelsbilanz der betreffenden Länder, wie Griechenland, Dalmatien bezw. Jugoslawien, eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielt, ist es bedauerlich, auch kaum begreiflich, daß die Schwammgewinnung bis zur letzten Zeit ohne jede behördliche Leitung, ohne alle wirtschaftlichen und naturkunlichen Grundsätze, also vollkommen wild vor sich ging. Dieser Nachteil hat sich selbst heute noch nicht nennenswert gebessert und wird sich rächen. Denn auch die Schwammfelder auf dem Meeresboden sind nicht unerschöpflich. Der König der Tiere als Pantoffelheld aber biß ihn äußerst tatkräftig weg, so er seine Hausherrnwurde hinter dem Pantoffel versteckte. Er verkroch sich eckärts. Dann ging die junge Löwin zu der ehrenwerten Gattin, leckte ihr ein zartes Küßchen um die Mundwinkel und sagte: Dir gehört er, und ich werde nie den Frieden Deines Hauses stören. □— Moderne des Eine Nachricht, die wie ein Auszug aus dem Dem Tierleben abgesehen von Carl Kahle Der Mensch in seinem dunklen Drang soll sich sprichwortgemäß des rechten Weges stets bewußt sein. So ein bißchen überheblich ist er ja immer gewesen, schon damals, als er die Erde als den Mittelpunkt des ganzen Weltenrunds ansah, um den sich alles drehte. Er hat erkennen müssen, daß sein irdischer Wohnraum auch wenn er ihn Erdball nennt, nur ein winziges Körnlein im Weltall ist, ein Körnchen, das ruhig ausgeschaltet werden kann, ohne daß dadurch die Gesamtheit der unendlichen Schöpfung eine merkbare Einbuße erleidet. So muß er— bei gutem Willen— auch erkennen, daß bei den anscheinend so tief unter ihm stehenden Tieren wohl oft etwas mehr mitspricht als das, was wir gemeinhin herabsetzend als Instinkt bezeichnen. Wer aufmerksamer Beobachter ist, kann da mancherlei feststellen, was zumindest zum Nachdenken anregt.— Drei einfache Löwengeschichten aus einem bedeutenden zoologischen Garten: Die harte Sitte des Einsperrens der Tiere st erfreulicher Weise der Erkenntnis gewichen, daß man auch diesen Wesen, selbst wenn man sie aus Studien= und Anschauungszwecken gefangen hält, ihr Dasein in Unfreiheit erleichtern soll. Man hat auf die Weise erreicht, daß wilde Tiere ihrem Begattungstrieb in der Gefangenschaft nachgeben, was sie früher völlig ablehnten. Zu dem Zwecke werden sie nicht mehr einzeln gehalten, sondern durch Gewöhnung zur Paarung veranlaßt. In besagtem Zoo wurde mit einem neueingetroffenen Herrn der Wüste und einer eingesessenen Géfährtin eines Tages ein Versuch unternommen. Die Verbindungspforte zwischen den beiden Käfigen, in denen„er“ und„sie" hausten, wurde gelöffnet. Der„Herr“ wollte die Nachbarbehausung betreten, aber ein grimmiges Fauchen schüchterte ihn so ein, daß er in den letzten Winkel seines Junggesellenzimmers zurück kroch und seine Versuche des Hausfriedensbruches nicht wieder aufnahm.— Ein noch krasserer Fall spielte sich ab: Herr Löwe hatte eine Gattin. Die Leitung des Betriebes wollte ihm eine zweite Frau zugesellen Im gleichen freien Raum hausten die deer. Aber Frau Löwin ließ keine Mitbewerberin um die Gunst des Gemahls aufkommen: Sie fuhr ihr an die Kehle und als der Gevieler begütigend und auch wohl etwas selbstsüchtig eingreifen wollte, bekan er einen derartigen Tatzenhieb über die Stirn, daß der Hausarzt ihm den Lappen mit mindestens dreißig Nadeln annähen mußte. Die ältere Dame wurde aus= und in einen Nebenkäfig gesperrt. Nun konnte man sie tagelang beobachten: Sie lag am Gitter ihrer neuen Behausung, immer den Gemahi undedie Nebenduhlerin im Auge behaltend. Tagelang— dann glaubte man den Zeitpunkt der Versöhnung gekommen. Die erstberechtigte Galtin wurde wieder in den gemein amen Aufenthaltsraum überführ: Der Gatte war schüchtern und zurückhaltend— Angst vor neuer Belehrung durch Tatzenhiev sie aber sprang auf die jugendliche Freundin zu und biß ihr die Gurgel durch, so daß jedenfalls für dieses Ma!— die Konkuir# sevenfaus für bieser Ma)— die Konkurrenz ausgeschaltet war, weil die Löwenjungfrau verbiuten mußte.— Zum Ende ein Idyll tierischen Wohlwollens: Herrn Löwe und seiner rechtmäßigen Begleiterin war wieder einmal eine jüngere Maid zugesellt worden. Herr Löwe in seiner liebenswürdigen Art bemühte sich eifrig um deren Gunst. Er streichelte ihr mit seinen zarten solTatzen die Wangen, er strich ihr sogar mit d='seiner Zunge um das Mundwerk herum.— gen Prohibitionsbehörden feststellen, daß an den Flußufern entlang ein lebhafter Handel mit Whisky betrieben wurde, dessen Herkunft nicht zu ermitteln war. Die Rumjägerflotille auf dem Mississippi wurde verstärkt, doch schien ein wahres Verhängnis über ihr zu lasten, denn die Fälle häuften sich, in denen die behördlichen Motorboote anscheinend infolge von Maschinendefekten explodierten. Merkwürdigerweise ereigneten sich alle derartigen Unfälle in der Nähe der für unbewohnt und unzugäiglich gehaltenen Insel Nr. 34. Ein Zufall half der Polizei, als sie zwei Weiße, die Brüder Froiey, wegen des Besitzes einer Flasche Whisky verhafteten. Die Untersuchung des anfängisch harmlos erscheinenden Falles deckte unglauoliche Zustände auf. Die beiden Verhafteten waren die Führer einer Bande von acht Weißen, die es im Laufe der Zeit verstanden hatten, beinahe vierhundert Neger, Männer und Frauen, nach der Insel 34 zu locken, uno sie dort wie Sklaven zu halten. Die Neger mußten den Weißen als Whiskybrauer= und Schmuggler dienen. Ein Verrat wurde dadurch verhindert, daß ein Teil der Schwarzen als Geiseln gefangen gehalten wurde, unter der Drohung, sie erbarmungslos nieder zu knallen, sobald ein Neger die Polizei benachrichtigen würde. Die Insel selbst war durch Dynamitminen so geschickt gegen die Rumjägerboote gesichert, daß kein Polizist auf den Einfall kam, die häufigen Explosionen auf verbrecheriiche Machenschaften zurückzuführen. Die Polizei überfiel nach der Verhaftung der beiden Führer die Insel und befreite die halb verhungerten Schwarzen. Reliefkarte Württemberg mit Autostraßen und Etsenbahnlinien. Diese soeben erschienene in prächtigem Farbendruck hergestellte Reliefkarte zeigt die große Mannigfaltigkeit des schönen Schwabenlandes und angrenzender Gebiete in plastischer Darstellung. Sie gibt einen eindrucksvollen Ueberblick über die Gebirgszüge im württembergischen Schwarzwald in der schwäbischen Alb, im Schwähi wäbischen Wald, über Täler und im württembergischen Allgöu, Wder Höhen im sonnigen Neckarland, im württembergischen Hohenlohe=Franken, über Oberschwaben und den Bodensee. Den Benützern von Kraftwagen werden die übersichtlich eingezeichneten wichtigsten Autostraßen ebenso willkommen sein, wie den Reisenden auf der Eisenbahn die eingezeichneten Eisenbahnlinien. Bei der neuen Reliefkarte handelt es sich um eine Darstellungsart, wie sie von diesem sehr besuchten Reiseland vorher noch nicht gegeben worden war. Sie ist herausgegeben und zu beziehen vom Verkehrsverband WürttembergHohenzollern in Stuttgart=Hauptbahnhof. Das schöne Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Unter diesem Titel wirbt ein 32seitiges, in prächtigem Kupfertiesdruck hergestelltes Heft für den südlichsten und zugleich gebirgigsten Teil der Provinz Westfalen. Im Auftrage des Hauptvorstandes vom Sauerständischen Gebirgs=Verein schrieben dessen Hauptvorstandsmitglieder H. Kracht und I. Schult die begleitenden Worte zu 38 gut ausjewählten Aufnahmen aus den verschiedensten Teilen jenes wald= und wasserreichen Gebietes. Das grüne Land zwischen Hagen und Hallenberg, zwischen Soest und Siegen wirbt mit immer anderen, lieblicheren Reizen ebenso um die Gunst froher Natursucher wie die abgearbeiteter und der Ausspannung dringend bedürftiger Stadtmenschen. Es beut aber auch soviel des Schönen und Sehenswerten dar, daß sich schon eine Fahrt ins grüne Herz des Sauerlandes verlohnt. Neben dem Sommerfrischenverzeichnis will das kleine Heft bei der Auswahl passender Erholungsorte und eines dankbaren Wandergebietes Berater sein. Es ist bei allen Verkehrsvereinen, Verkehrsämtern, und bei der Hauptgeschäftsstelle des S.=G.=V. in Isersohn zum Preise von 20 Pig, erhältlich. Reiantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck nud Verlaa: Dr C. Santz, Altena. RRRTSIS RTLSRLRTT 86.8 555 P 7 #9 9189187 8 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung 5. Juni 1929 Eineinhalb Tage westlich der Hönne Samstag mittag lassen wir uns durch Bahn nach Menden bringen. Gleich rechts 14 ** vorm Bahnhof stoßen wir auf die Hauptwanderstrecke 26 des Sauerländischen Gebirgsvereins. Bevor wir dieser in der Richtung nach Westen folgen, verlohnt es sich jedoch. der Hönnestadt einen Besuch zu machen, vor allem aber sich das kleine, aber feine Heimatmuseum hinter dem Rathause anzusehen. Man wird erstaunt sein, in welch formvollendeter Weise hier Höhlenfunde aus der Eiszeit des Hönnetales, alte heimische Möbel und andere Dinge aufgebaut sind. Einen plötzlichen Ausruf der Bewunderung entlockt uns die Bauerndeeie unter dem Duch. Da haben wir den sauerländischen Bauern unter seinem Hahnenbalken vor uns, wie er mitten zwischen den Haustieren wirtschaftet. Haben wir uns satt gesehen, begeben wir uns auf die Wanderschaft. Durch die Waldemei, den umfangreichen Mendener Stadtforst, gelangen wir 150 m aufwärts in gut 1 Std. bis zu den Gehöften von Stübeken(279 m). Hier verlassen wir die scharf rechts abbiegende Hwstr. 26, um auf einem bezeichneten Ortswege über Dorf Landhausen den Seilerwald zu gewinnen. Etwa 320 m hoch liegt der weit sichtbare Bismarckturm, an dem vorbei wir weiter abwärts auf herrlichem Waldpfade zum Seilersee kommen(gut 1 Std.). An ihm vorbei führen mehrere Wege ins Herz der Stadt Iserlohn (250m: ½ Std.), wo wir Rast halten wollen. Wer Lust hat, kann auf dem schönen See auch Kahnversuche machen. Auf einem bezeichneten Ortswege beginnen wir am Sonntag früh in der Lager unsere Weiterwanderung. Wir folgen dem Talwege unterhalb Forsthaus Löhen, steigen dann empor zum Hermannsländchen und noch etliches weiter bis Kesbern(1¼ Std.; 445 m). Von dort fällt der Feldweg bis zur Dahlser Schule und klettert dann durch Wald wieder empor zu den Gehöften von Hegenscheidt(40 Min.: 470 m). Hier stoßen wir auf die Hauptwanderstrecke 17 des S. G. V. Wir wandern ihr ostwärts entlang über Gehöft Rüssenberg und weiter steil abwärts nach Evingsen(35 Min.; 260 m). Im malerisch am steilen Hang aufgebauten Dörflein erklimmen wir wieder die Höhe und nun liegt ein Höhenweg, meist durch Feld, bis Dahle vor uns. Genau vor unseren Blicken winkt das nächste Ziel: das Ehrenmal des S. G. V. auf dem Kohlberg. Bis Dahle sind es 35 bis 40 Minuten. In weiteren 20 Minuten haben wir das 485 m hoch gelegene S.G.V.=Ehrenmal erreicht und genießen von dort oben einen wundervollen Ausblick auf die Kuppen des westlichen Sauerlandes.— Je nach Bedarf können wir nun entweder über den Kohlberg mit Aussichtsturm und dankbarem Rundblick nach Neuenrade(50 Minuten) wandern, um auf der Hönnetalbahn zurückzukehren, oder über den Kohlberg auf einem bezeichneten Ortsweg bis Wilhelmshöhe bei Neuenrade, von hier aus auf Hwstr. 7 über den Klosterberg und Remmelshagen mit entzückender Ausschau auf das Lennegebirge bis Werdohl(gut 1¼ Std.) hinab ziehen, oder aber wir folgen vom Kohlberg aus der Hauptwanderstrecke 1 nordwärts ungefähr ¼ Std. bis zum Wegweiser nach Garbeck. Nun folgen wir dem Ortsweg rechts ab an der Hohen Sondern vorbei und abwärts durch ein Bachtal bis Garbeck an der Hönnetalbahn(gut 1¼ Stunde). Dieser Weg führt durch prächtigen Wald und erschließt dennoch im oberen Teil manche schönen Fernbliche übers Hönnetal hinweg. Auf Blatt 2 Iserlohn der Sauerlandkarte 1:50000 des Sauerland=Verlages zu Iserlohn sind alle hier beschriebenen Wege eingezeichnet. —. Klosterbrauwesen Von Studienprofessor P. Ildefons Poll= Metten.“) Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß die Klöster es waren, die uns das reiche Geistesgut der Antike über die Stürme der Völkerwanderung hinweg retieten und erhielten. Insbe,ondere uns Te###schen haben sie aber nicht nur die geistige Kuitur, sondern größtenteils auch die rein materielle vermittelt. St. Benedikt, der Gründer des Benediktinersordens, dessen Regel durch viele Jahrhunderte im Abendlanoe die allerrherrschende war, hat aio Parschrift#####bon daß die Mänche alles. Auswertung der täglichen Erfahrungen bedacht waren. Sie wurden aber auch zu Lehrbetrieben. Neben den brauenden Klosterbrüdern mußten schon früh Hörige und Knechte in der Brauerei Dienste tun und lernten so den verbesserten Braubetrieb der Klöster kennen. Die zahlreichen großen Pachthöfe der Klöster wurden von Leibeigenen verwaltet und sotten nicht bloß Bier für den eigenen Bedarf, sondern mußten oft auch noch an das Kloster Bier abliefern. In früheren Zeiten herrschte noch nicht die Freizügigkeit von heute. Die meist leibeigenen Laientraumeister des Adels und der Klöster blieben ebenso wie die städtischen Bräuer zeitlebens auf ihrem ersten und einzigen Posten und vererbten ihr Wissen und Können auf ihre Söhne, die auch ihre Nachfolger wurden. Eine merkliche Erweiterung des Gesichtskreises und ein Austausch von Erfahrungen waren so nur in bescheidenem Ausmaß möglich. Anders in den Klöstern. Aebte, Prioren und Mönche machten bald im Interesse des Klosters, bald als Abgesandte von Bischöfen und Fürsten weite Reisen und kamen in viele Klöster. Zahlreiche Visitationen untersuchten dabei die geistlichen und wirtschaftlichen Vorhältnisse der Klöster. Im Reisegefolge befanden sich gewöhnBrüder und Diener in größerer Zahl. Viele venutzten, wie wir aus manchen Aufdie Borschrift gegeven, lep die Mönche alles, was sie zum Leher brauchten, nach Möglichkeit selbst erorbeiteten und zwar soweit immer möglich innerhaib der Klostermauern. In dieser Vorichrift und in der Erlaubnis des Biergenusses haben wir die Erundlage und Ursache des Klosterbrauwesens und der Klosterbrauereien zu sehen. Bei der Schwierigkeit, eing T u n b wandfreies Tinawasser zu beschaffen, blieb ja auch den Mönchen nichts anderes übrig, als die lands#üblichen Geträrke zu genießen— in Mitteleuropa also das Bier. Man hat in jenen alten Zeiten auch außerhalb der Klöster Bier cebraut, besaß doch damals jedermann das Recht, für seinen Hausbedarf das nötige Bier zu sieden. Ich glaube nun die Hauptt sdeutung des Klosterbrauwesens in jener Zeit und noch lange hernach darin sehen zu dürfen, daß in den Klöstern, die oft 200 bis 300 Insassen zählten und als einzige Herbergen viele Gäste bewirten mußten, entspreche:s dem größeren Bedarf auch größere und in Anbetracht des Risikos bei der Menge von Bier bessere Braueinrichtungen vorhanden waren und mit mehr Sorgfalt ein Fehlschlag vermieden werden mußte. Das führte von selbst dazu. daß die Klosterbrauereien schon in einer Zeit, die sonst nur Kleinbetrieb kannte, zu großen und wichtigen Gewerben wurden, in denen eifrige und wohlgeschulte Brüder auf ständige Vervollkommnung und auf esserungen anderer Klosterbetriebe zu studieren. Dürfen wir daran zweifeln, daß auf solche Weise auch das Brauwesen befruchtet wurde? Mönche und Kanoniker waren es beispielsweise, die auf solchen Reisen Spalt, die Hallertau und das württembergische Hopfenbaugebiet mit edleren Hopfensetztingen versorgten und eine für damalige Zeit vorbildliche Hopfenkultur einführten. Weise ist es erklärlich, daß das Klosterbrauwesen einen mächtigen Aufschwung Dazu kam noch, daß die Klöster angesichts des Ruckganges der Einkünfte aus den Pachtgütern und der allmählich eintretenden Geldentwertung daran denken mußten, sich andere Geldquellen zu öffnen. Eine solche Gelegenheit bot der zu allen Zeiten vorhandene Durst der Menschheit, der auch damals schon gute Biere zu schätzen und zu finden wußte. Es gab aber auch Zeiten, in denen der Bierkonsum zugunsten des Weingenusses stark zurückging, auch beim einfachen Landvolk. Ja, in Süddeutschland drosselten gerade die Klöster vom 14. bis 16. Jahrhundert vielfach ihr eigeBrauwesen, aber nicht, weil man nur schlechtes Bier sott, sondern weil man den Wein aus den eigenen großen Weinbergen an den Mann bringen wollte. als die Frachten und Zölle für den Tiroler= und Frankenwein höher, der Getreidebau ergiebiger und rationeller, der einheimische„Landwein“ sogar dem gewöhnlichen Volke zu sauer wurde, kehrte man allgemein auch in Süddeutschland wieder zum Biergenuß zurück, und die Brauereien der Städte und Klöster erlebten einen neuen, bedeutenden Aufschwung(von etwa 1650 an). Die Klöster schlossen sich zu größeren Verbänden zusammen, deren Vorsitzende regelmövonßig die einzelnen Klöster visitierten und sich dabei auch um die wirtschaftlichen Belange kümmerten. Man ließ, wie in Herrenchiemsee, besonders tüchtige und erfahrene fremde Ordensbrüder kommen und durch sie das eigne Brauwesen reorganisieren, baute die Brauv A— i häuser neu, schut geignete Keller und forote *) Nach einer umfangreicheren Veroffent=ffür gute und genügende Rohstoffe. Die Wirtlichung der Gesellschaft fur Geschichte und Bi=lschaftsleiter der Klöster gingen jetzt auf Stubliographie des Brauwesens. dienreisen und setzten ihren Stolz darein## den Münchener Paulanermönchen mik ihrem Salvator gleich zu tun; ein Waldsassener Klosterbräumeister braute sogar ein Bier, von dem noch nach 50 Jahren ein Fäßchen im Klosterkeller bewahrt werden konnte. Wir haben eine Reihe unverdächtiger Zeugen und Urteile über die Güte dieser Klosterbiere; der eine(Jäck in Bamberg) nennt sie einfach klassisch, ein anderer schmackhaft, klar, stark und nahrhaft, und viele berichten, daß die Klosterbiere häufig gesucht und gern getruken wurden. Im rechtsrheinischen Bayern gab es allein 300 Klöster mit Brauereien. Manche Klöster brauten nur für den eigenen Bedarf oder für einen sehr kleinen Kundenkreis; dafür hatten andere(Kempten, Irrsee, Waldsassen, Niederaltaich, Metten, Osterhofen) drei, vier und noch mehr Brauereien. Die Fürstabtei Kempten besaß so bedeutende Braubetriebe, daß in Kempten selbst die bürgerlichen Brauberechtigten ihr Bier aus den Stiftsbrauereien bezogen. Der Reingewinn aus den Brauereien von Osterhofen und Steingarden wird in niedriger Einschätzung mit 6000 Gulden, jener von Niederaltaich, Chiemsee und Metten mit 4000 Gulden angegeben, für damalige Zeiten ganz gewaltige Summen. Alles in allem genommen darf man wohl sagen, daß das Klosterbrauwesen in früheren Zeiten für die Entwicklung des gesamten deutschen Brauwesens von großer Bedeutung besen ist. Ich glaube nicht zu viel zu been, wenn ich sage, daß an dem starken sergang des bayerischen Brauwesens zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Vernichtung des Klosterbrauwesens von 1803 eine wesentliche Schuld hat. Um so höher ist freilich auch das Verdienst jener Männer wie Gabriel Sedlmayr, Gg. Kaiser, Matthias und Georg Pschorr und anderer, daß durch ihre Einsicht und Tatkraft das Brauen auf bayerische Art, wie es schon in den Klöstern so vorbildlich betrieben worden war, nicht nur wieder auf die frühere Höhe, sondern auch zum Weltruf geführt wurde. Es gibt auch heute wieder Klosterbrauereien, und sie stellen nach allgemeinem Zeugnis gutes Bier her, das des alten Rufes würdig ist. Aber sie sind an Zahl so gering, daß ihnen nicht mehr die Bedeutung von früher zukommt Am Ausbau der wissenschaftlichen und technischen Grundlagen führend zu sein wie früher, haben sie nicht mehr nötig und wären heute bozu auch haun mehr imstande. wiedererstandene Jungfrau von Orleaus Ein geheimnisvolles Blatt der französischen Geschichte.— War die zu Rouen Verbrannte wirklich Johanna von Ares Von Georges Nouyfard=Paris. Orléans und mit ihm ganz Frankreich hat vor burzem mit ungewöhnlichem Festprunk die fünshundertste Wiederkehr jenes Tages begangen, an dem die Stadt durch Johanna von Arc den Engländern entrissen wurde. In zwei Ichren werden alle französischen Glocken zum Andennen an die Nationalheilige klingen, die fünf Jahrhunderte vorher auf dem Scheiterhaüsen zu Rouen verbrannt wurde. Ist die Jungfrau wirklich dort als Opfer des Schuftes Cauchon und des englischen Hasses gestorben? Die Frage mag eigenartig blingen und Kopfschütteln hervorrufen. Und doch ist es geschichtlich erwiesen, daß Orléans am 18. Juli 1439, also acht Jahre nach der Urteilsvollstreckung zu Rouen, ein Weib als seine Befreierin, als die Jungfrau, anerkannte und mit Jubel in seinen Mauern aufnahm. Verfolgen wir die geschichtlichen Tatsachen weiter zurück. Im Frühjahr 1436 erschien ein junges Mädchen in Saint Privat bei Metz, wo sich lothringische Edelleute versammelt hatten::„Ich bin Johanna von Arc!“ Die Worte schlugen wie ein Blitz in die Versammlung. Legenden über das Heldenchen schwirrten durch alle Provinzen skreichs. Gar mancher glaubte, die jungu, die Märtyrerin, werde einst wieder erstehen. Und nun trat ein Weid vor die lothringischen Ritter, dessen Alter, Gesichtszüge, bärden denen der betrauerten Retterin Frankreichs völlig entsprachen. Die Mehrzahl der Ritter war geneigt, dem Mädchen Glauben zu schenheg. Die Zweisel der anderen wurden" fast zerstört, als die„Wiedererstandene" den Versammelten eine ganz natürliche Erklärung für ihr unter den Lebenden geben konnte: „Ich bin aus dem Gesängnis zu Rouen gestohen. Die Engländer scheuten sich, meine Flucht einzugestehen, weil dadurch erwiesen worden wäre, daß der Himmel gegen sie war. Da verbrannten sie eine andere Frau an meiner Stelle, und das Volk glaubte, ich sei tot.“ Als nun noch die beiden Brüder der Johanna von Arc, Peter und Johann, in aller Eile aus ihrem Heimatdorf geholt wurden und das Mädchen als ihre Schwester anerkannten, konnte es für die Lothringer keinen. Zweifel mehr geben, daß die Retterin Frankreichs vor ihnen stand. Aues versuchte, ihre Gunst zu erwerben und ihr zu Diensten zu sein. Die Lothringer überhäuften das Mädchen mit Geschenken, stellten ihm Pferde und rüsteten es aus. Die Herzogin von Luxemburg, deren Vetter einst die Jungfrau vor Compiégne den Engländern gegen Geld verkauft hatte, wollte den Makel, der auf ihrem Hause ruhte, abwaschen, lud die„Wiedererstandene" zu sich und empfing siek fürstlichen Ehren. Der lothringische Ritter Robert von Armoises legte der Jungfrau Herz und Vermögen zu Füßen und erhielt ihr Jowort.— Von hier ab werden die Berichte der Chronisten etwas weniger bestimmt. Angeblich soll Johanna von Armoises nicht lange untätig an der Seite des Gatten gelebt haben, sondern auf kurtrierischer Seite gegen Köln geritten sein. Viel Lorbeeren sind dort für sie nicht zu ernten gewesen, denn im übrigen wird nur berichtet, der Kölner Erzbischof habe Johanna mit dem Kirchenbann bedroht. Merkwürdigerweise wandte sich die„Wiedererstandene" nun erst Frankreich zu. Sie entsandte einen ihrer, oder besser gesagt, einen von Johannes von Arc Brüdern an den König, um diesem ihren Besuch anzumelden. Inzwischen aber besann sich Johanna von Armoises eines anderen und ritt zum Besuch Eugens IV. nach Rom. Ob der Papst sie als diejenige anerkannte, die sieben Jahre vorher als Ketzerin verurteilt worden war, ist nicht bekannt. Die Aufnahme muß aber gut gewesen sein, denn kurz danach finden wir Johanna von Armoises als Befehlshaberin einer päpstlichen Abteilung im Kampfe gegen Mailand wieder. Der Chronist berichtet, sie habe sich tapfer geschlagen und zwei Feinde mit eigener Hand getötet. Von ihren Führereigenschaften weiß er dagegen nichts zu erzählen. Bald darauf ging die Lothringerin nach Südfrankreich und schlug sich dort an der Spitze einer Reiterabteilung mit den Engländern herum. Auch dort scheinen ihr große Taten versagt geblieben zu sein. Immerhin wird aber berichtet, Gilles de Rais, der einst Unterbefehlshaber der Johanna von Arc war, habe ihr den Befehl über seine Truppen übertragen. Nun scheint es die Lothringerin für an der Zeit gehalten zu haben, auch ihre Stadt Orléans zu besuchen. Sie wurde dort, wie schon erwähnt, mit Jubel empfangen. Diese Tatsache wird von den Chronisten einstimmig berichtet. Im Verlaufe der vier Wochen, die sich Johanna von Armoises in Orléans aufhielt, wurde nicht eine Stimme laut, welche die Lothringerin eine Betrügerin genannt hätte. Selbst Isabella Romea, die Mutter Johannas von Arc, die damals als städtische Pfründnerin in Orléans lebte, soll keinen Einspruch gegen die Behauptungen der Lothringerin erhoben haben. Ob die beiden Frauen mit einander in Berührung gekommen sind, wird zwar nicht berichtet, doch kann die Anwesenheit der Gefeierten Isabella Romea nicht verborgen geblieben sein. Die merkwürdigste Tatsache aber ist, daß Orléans, das bisher jährlich eine feierliche Totenmesse für seine Befreierin hatte lesen lassen, diesen Brauch von 1439 ab einstellte, während die gleichzeitig eingeführte jährliche Befreiungsseier auch weiterhin begangen wurde. Von hier ab verliert sich die Spur der„Wiedererstandenen". Einigen Chronischen zufolge soll sie bald danach vom König in Sonderaudienz empfangen worden sein. Dabei konnte sie angeblich nicht alle an sie gestellten Fragen einwandfrei beantworten, verwirrte sich und mußte schließlich gestehen, ihre auffallende Aehnlichkeit mit der Jungfrau von Orléans zum Betrug ausgenutzt zu haben. Aus diesem Grunde soll sie in Paris mit einer entsprechenden Schrift am Halse an den Pranger gestellt worden sein. Andere Berichte wollen wissen, Johanna von Armoises sei nach Lothringen zurückgekehrt und habe ihr Leben in Frieden als gute Hausfrau und Mutter beschlossen. Für letztere Version würde die Tatsache sprechen, daß die Familie Armoises später das Wappen der Jungfrau in ihrem Schilde führte. Wer ist nun diese Johanna von Armoises gewesen, die ohne jeden Zweisel von den Bürgern der Stadt Orkéans aks ihre Befreierin, als Johanna von Arc anerkannt wurde? Für einen Teil der Chronisten war sie, wie schon erwähnt, nur eine Abenteurerin. Einige halten sie für eine Schwester der Jungfrau namens Claudia, von der freilich sonst in der Geschichte nichts bekannt ist. Dagegen fehlt es nicht an Stimmen, die der Erzählung von Johannas Flucht aus dem Gefängnis zu Rouen und der Verbrennung einer anderen Frau an ihrer Stelle unbedingt glauben und Johanna von Armoises als die wahre Jungfrau von Orléans anerkennen. Ob eine endgültige Lösung des Rätsels jemals möglich sein wird, dürfte zweifelhaft sein. im Vogelparadies der Grenzmark Von Wilhelm Hochgreve. Selten erblickte ich eine so reizvoll= gelegene Oberförsterei wie jene über hundert Jahre alte da oben im Osten, deren liebenswürdige Bewohner mich zum Belauschen der Vogelwelt und zum Weidwerken auf den Bock aus meiner Harzheimat riefen. Dazu ihre Wälder und diesen mit einer bunten und für die Begriffe eines Westdeutschen zum Teil so überaus seltenen Vogelwelt!... Ich stecke meine Nase aus dem Fenster in den erwachenden Morgen. In den breiten und langen Fliederhecken, deren wohlig schwüler Duft mir beim Oefsnen des Fensters entgegen schlägt, jubelt links der Sprosser, jauchzt rechts die Nachtigall. Schon am Vorabend waren sie früh im Gange, und ich mußte die Fenster schließen, um schlafen zu können. Mein Ohr hört nichts als ihre verzückten Lieder. Nur in den kurzen Pausen dringt das Geknarr des Wachtelkönigs aus den weißen Seidenschleiern über den Wiesen zu mir herauf. Ich muß mich sputen. Die Starenmutter in der Nisthöhle am Stamme der Gurkenmagnolie vor meinem Fenster fliegt schon zur Wurmsuche aus, und ein Feldsperling schilpft in den Gesang der Nachtkönigin. Die letzten Buchen des Parkes wölben über mir ein Tor, durch das ich ins freie Feld hinaus schreite. In der Hecke am Wiesenbache überplappert das Müllerchen das Geschwätz der Dorngrasmücke und das Geplätscher des Mönchs. Aus hoher Eberesche, deren feinen Blütenatem ein weicher Wind mir zufächelt, schmeichelt sich das einfache, Liedchen des Ortolans an mein Ohr. Ich trete in den Wald ein, ein Erlental, das den ausgedehnten Kiefernforst durchzieht. Ich muß langsam gehen und immer wieder stehen bleiben, will ich die Vogelstimmen unterscheiden und genießen, die hier durcheinander schmettern, trältern, pfeifen. Nur mit Mühe gelingt es mir, das seidenseine Gespinst singender Goldhähnchen, welche die hohen Fichten am Talhange bewohnen, aus den Stimmen der Schwarzplättchen, Pieper, Rotkehlchen, Zaunkönige. Laubsänger, Meisen und Drosseln heraus zu hören. Jetzt haben die Kuckucke das Wort, und hundert Schritt weiter bannt mich der Pfeiferchor von vier oder fünf Pirolen an den Platz. Das suchende Jagdglas findet in den lichteren Wipfeln der Kiefern drei dieser scheuen Drosseln, die wohl wissen, wie leicht das Gold ihres Prachtgefieders sie verrät. Ich habe ganz vergessen, weshalb ich so früh hier bin, und ahme das Pfeifen der Golddrosseln nach. Und sie tun ganz so, als gefärtes ich zu ihnen, pfeifen und flöten darauf s, laß es eine Freude ist. Erlenbruche knackt's, schmatzt der Modder. Der Jäger wacht auf aus seliger Träumerei, in die ihn die seinen Geschöpfe im Grün der Büsche und Bäume verstrickten Die Büchse ist von der Schulter herunter. Schwarzwild? Lautlos bin ich an der nächsten starken Erle. Aus sattem Erlengrün leuchtet Rot auf. Ein Schmalreh und ein Bock werden frei ein Sechser, den ich leben lassen muß. Die Stangen sind hoch, die Enden fingerlang, aber zwilschen den Lauschern ist zuviel Platz. Ich lasse die Rehe durch und komme jetzt flotter vorwärts. Das Jägerblut drängt mich an die lange Wiese, auf die das Erlental ausläuft. Von den schilfverwucherten Torflöchern, die in langer Ketter die Wiesen teilen, lärmt der Drosselrohrsänger, den der Volksmund nach seiner Stimme auch den Karrekiet nennt. Ich bin noch im Walde und höre ihn schon auf anderthalbtausend Meter. Das halbe Dutzend dieser„großen Rohrsperlinge“, das da in den kleinen Schilfwäldern haust, hat hier das große Wort. Der Pfiff des Bläßhuhns wird überschrien, und das anmutige„Turr— turr— turr" des Turteltäubers sowie das wohltönenddumpfe„Mu=huh“ des Hohltäubers, die von den Randkiefern des Waldes in das flammende Morgenrot ruisen, Eringen Mmner makter, je näher ich den Rohrspatzen komme. Wie verzehnfachtes Froschgequak und Rohrgerascher blingt dieses„karve, karre, barre“, das mit einem verzückten„Ki=iet" abschließt. Schreit nur, Ihr kleinen Kerle, lärmt, was die Lung hergibt, ihr meint ja dasselbe wie der holprige Liebesbrief des Bauernknechts und das Götterlied der Nachtigall. Euer Lärm, den die Menschen törichterweise Schimpfen nennen, paßt so prächtig in diese Landschaft. Die Tauber gurren weiter, die Pirole pfeisen euch etwas, und ein Wendehals versucht immer wieder, mit hellem„Jük, jük, jük“ euren Liebes= und Eifersuchtsspektakel zu durchdringen. Das halbe Dutzend Rehe in den Wiesen kümmert sich nicht um den Lärm.— Ich trete auf die Wiese hinaus. Ein Schatten läßt mich aufschauen, und entzückt folgen meine Blicke dem großen Vogel, der über mir dahin rudert. Der Riesenvogel wird zum Punkt und entschwindet meinem Blick. Ich sah den schwarzen Waldstorch, ein Wunder in unserer Zeit. Vermutlich gehört ihm der Horst, den der Nachbaroberförster uns vor kurzem während einer Pürschfahrt zeigte. Ich lenke meine Schritte in den gegenüber liegenden Wald und pürsche mich an einen Kahlschlag heran. Während ich ihn mit dem Glase absuche, tobt jählings über mir ein wütend zeterndes„Kjak, kjak, kjak, kjak“ los, so schnell aufeinander folgend wie die reißenden Schwingenschläge, mit denen der königliche Flieger über den Kronen der Kiefern seine wilden Kreise zieht. Ganz in der Nähe muß der Wanderfalke seinen Horst haben. Ich suche mit dem Jagdglase die Kronen ab und entdecke endlich den wie von Schneeflocken mit Taubendunenfedern überpuderten Horst in hoher Altkiefer. Stolz die schon leicht schwarzbäckigen Köpfe drehend, hocken wie Ritter hinter trutziger Turmzinne zwei Falkenkinder. Nahebei blockt, die Fänge zitronengelb wie die Ständer, das Weibchen und steigert giftig den Alarm des kreisenden Männchens. Mit eiligen Schritten tauche ich auf einem Pürschpfade im Kiefernstangenholz unter, damit die freien Herren der Lüfte ihre Ruhe haben und nicht der ganze Wald in Erregung gerät. Noch höre ich ihr schwächer werdendes„Kjak, kiak“. das sie ihrem gefährlichsten Feinde, dem Menschen, haßerfüllt nachgellen, da dringt ein anderes, meinem Ohr bisher unbekanntes dumpfschönes Getön zu mir: das„Upuppup, upuppup“ von Wiedehopfen, diesen westlich der Elbe fast restlos verschwundenen, bildhübsch gezeichneten Schopfträgern. Ich habe wieder ganz vergessen, daß ich die Büchse auf der Schulter trage, um einen Bock zu erlegen, und lasse mir viel Zeit, um sder seltsamen Stimme zu lauschen und die beiden Paare in ihrem köstlichen Farbgesorenkel, das der weiche Flug zu voller Wirkung kommen läßt, zu bewundern. Viele Minuten ergötzen die seltenen und seltsamen Vögel Auge und Ohr, da schreckt nicht weit ein Reh und gemahnt mich an den Hauptzweck meines Hierseins. Ich erhebe mich von meinem von Nruenauflug und Faulbaum umwucherten Stubbensitz und will nach der kleinen, versteckten Waldwiese bummeln, auf die ein guter Bock austreten soll, da—„Terak, terak, rak, rak, rak“— zum ersten Male in meinem Leven beschert mir der Pürschmorgen, im Netzekreise den Anblick dieses Waldwunders. Ich schaue die Farbenpracht aus Blaugrün und Rostrot der Blaurake oder Mandelkrähe und schweige im Anblick der entzückenden Flugspiele vieler herrlichen Vögel, mit deren Farbenglanz unter unseren Waldvögeln nur der Eisvogel zu wetteifern vermag. Jetzt lasse ich Rehbock Rehbock sein und harre, bis das farbenfrohe Bauklerpaar mit munterem„Rak, rak“ davon eilen wird. Tausend Dank dem Hüter dieses Waldes, daß er unverdrossen Hunderte von Nisthöhlen in seinen Wäldern sachgemäß aufhängen ließ, von denen auch ein großer Teil für Hohltaube und Blaurake bestimmt ist. Unmengen von Staren und anderen kleineren Höhlenbrütern beleben den Wald und brauchen nicht lange nach passenden Wohnstätten zu suchen. Sie alle aber würden zur Not noch Unterkunft finden, denn die Zimmerer des Waides, die Spechte, vom kleinen bunten bis hinauf zum schwarzen, sind hier zahlreich vertreten und haben wohl immer Wohnungen abzugeben. Aber ob den Hohltauben und Blauraken die von Menschenhand verschandelte Natur des Waldes immer das Rechte gibt? Suche im westlichen Deutschland nach der Blaurake, und du hast die Antwort.— Da ertönt das Gezänk eines Stares. Er hat sich in der Rakenhöhle eingenistet und verteidigt sie mutig gegen die Bewohner vom Vorjahre. Doch die Raken geben nach und funkeln in der Morgenionne davon. Ich gehe heimwärts und bin hochbefriedigt von diesem Pürschgange. Dazu kommt die Vorfreude auf den Nachmittag, wo wir denshieben großen Waldsee besuchen wollen, an dessen Ufern der schwarze Milan haust und in dessen Nähe auf hoher Wetterföhre der Fischadler horstet. Und dann wollen wir die weiten Moorwiesen aufsuchen, wo die Kraniche brüten, und am Abend soll ich den guten Bock, der auf einem Wiesenwinkel austritt, aufs Korn sgehgnen. Bilder aus Südslawien Von Hermann Waiter. Man kommt noch leidlich durch mit der deutschen Sprache, wenigstens dort, wo dies Erbe von Altösterreich noch nicht vergessen ward. Am besten sprechen sie— von Gebildeten und Hotelpersonal abgesehen— Polizisten,„Posterer" usw.— halt vom k. k. Militär her. Schon der Kellner versagt manchmal:„Suppe, schönes Schnitzel, Möllspeis". Erfreut fragt man— außer Programm—: „Kann man das Fenster dort öffnen?“— „Rahmsteck mit Kohlkraut, bitte schönn!“— „Ich meine, ob man das Fenster öffnen kann?“ —„Huhn mit g’röst'te“(d. h. gerösteten Kartoffeln).— Ein Grammophon, mehr nicht. Außerhalb der Fremdenindustrie aber haperts noch öfter, und mit ein paar Brocken Italienisch kommt man— an der Küste vor allem— meist weiter. Aber kaum wird einer nicht Deutsch verstehen wollen, wie mans östlich von unseren Grenzen zuweilen erlebt. Sie sind sehr höflich, ja freundlich zu uns, die Kroaten. Sinds alte Reminiszenzen? Oder rechnet man für die nähere oder fernere Zukunft auf uns? — Der Respekt ist jedenfalls nach wie vor noch groß vor Deutschland und besonders von unseren technischen Leistungen, den dortigen und den heimischen. Einen großen Eindruck macht z. B. der neue Zeppelin, von dem man sonderbarerweise vor allem kriegerische Betätigung erwartet. Ueber das heikle Thema„Kroaten und Serben“ gab, zweierlei Auffassungen. Die eine, die amtliche, sah alles im hellsten Lichte.„Wir Jugoslawen,“ hieß es da. Und aus reiner Menschenliebe habe man alle hohen Posten in Heer und Marine nur mit Serben besetzt: Sie waren doch alle zu alt, die kroatischen Offiziere, nicht wahr? Und leicht hätte sonst ein Serbe Klage gegen sie führen können, für irgendwelche umnviu, die sie ihm einst als österreichische Soldaten angetan!— Das klingt so überzeugend, wie Herrn Poincares Friedensschalmei, Wenn aber andere erbittert über Raditschs Ermordung sprachen und davon, daß der Mörder heute noch nicht bestraft sei. und es vielleicht nie ernsthaft werden würde,— dann sah ich eine tiefe Kluft. Einfachere Leute sprachen offener:„Daitschlond bleibt groß“, sagte mir ein alter Kroate auf dem Schiff nach Dburonik,„aber wir? Wovon leben wir? Von die Daitschen und die Engländer. Aber die jungen Laitee und die mit die großen Hiete(d. h. die mit Zylinderhüten, also Abgeordnete, Minister) woll'n nix mehr lernen. Nix als serbisch— wos ist serbisch? Und immer Steiern und kein Geld im Land! Und auf Puff man gibt uns nix. Schad um Austria!" Früher kamen mehr Schiffe in die Häfen, mehr Fremde ins Land, sagt man in Hoar, in der Bocca. Und öfter auch ein Erzherzag— es gab ja genug— und mit ihm ein Troß von Genießern. Heute kommen dafür italienische Fischer in die dalmatinischen Gewässer und fangen die Fische weg— Vertrag von Netturno! Offiziell freilich bläst man Fanfaren. Denkmäler und Gedenktafeln feiern die Vernichtung Oesterreichs, und neue wurden zur Jahrzehntfeier mit viel Klimbim enthült. In Sexajewo stürzte man eilig nach dem Zusammenbruch das Denkmal, das dort stand, wo Erzherzog Ferdinand mit seiner=Frau ermordet wurde. Und brachte gegenüber, wo der Mörder stand, eine Gedenktafel an. Aber man ließ sie verhüllt— moralische Hemmungen? Vielleicht entführt ein günstiger Ostwind eines Tages die dünne Leinwand. Die Feindschaft gegen die Italiener ist groß, in Kortschula sah ich einen betrüblichen Beweis dafür: Gegen Kriegsende hatten Italiener„die Insel besetzt", beschränkten sich aber in edler Mäßigung auf den Platz und das Hotel am Hafen. Nach ein paar Wochen solch heldischer Demonstration verschwanden sie plötzlich. Da kamen die Fahnen aus den Fenstern, Freudenschüsse knalltten, und jubelnd stürzte alles auf die Straße. Der Ueberschwang der Gefühle suchte nach einer Tat.— Da war ja noch ein Symbol italienischer Herrschaft! Zwar ein halbes Jahrtausend hatte er schon auf dem Buckel, der Markuslöwe an der alten Stadtmauer. Aber: Nieder mit Italienk Und schon sie ihm einen Flügel ab, dann das Gesicht. Zum Glück sitzt er zu hoch, daß Sache von da ab schwieriger wurde. So kamen sie wieder zur Vernunft, die Bilderstürmer; sie hätten schrecklich werden können für das an feinen Stücken venezianischer Kunst reiche Kortschula! Klima, Landschaft und Bauten dieses Landes führen immer wieder zu Vergleichen mit Italien. Für unser deutsches Empfinden schneiden die Dalmatiner da besser ab: Ein friedlicheres Temperament, größere Sauberkeit in Städten und Straßen und besonders auf den Schiffen. Einen guten Eindruck machen die Marine, deren Schiffe uns alte Bekannte sind, und das Heer, bei dem man manche ehemals russischen Offiziere sieht. Und nirgends bemerkte ich, wie so oft in Italien, daß man Tiere quälte. Im Gegenteil, sie haben sie lieb, ihre kleinen, struppigen Pferde und Esel und besonders auch die Katzen. Was diese mit viel Zutraulichkeit, Fruchtbarkeit und musikalischen Darbietungen lehnen. Es ist ein schöner Menschenschlag. Welch interessantes Bild auf dem Corso am bunten Handelshafen in Split. Auffällig viel hohe, schlanke Gestalten. Aber nicht im Promenadenschritt, wie am Donaukai in Budapest, sondern in einem Geschwindschritt, dessen Zweck dem Fremdling dunkel bleibt. Feine Gesichter, Eleganz, lebhafte Unterhaltung. Dunkles Haar und ebensolche Augen überwiegn, aber man sieht auch viel Braune und Blonde— echte und wasserstoffsuperoxydliche. Auch auf dem Lande sieht man schöne Frauen, aber doch stehen die Männer dort noch höher im Kurs. Darum geht die Braut vor der Hochzeit beim Morgengrauen zum Hause des Bräutigams, an der Hand führt sie einen Knaben, kniet nieder und küßt des Hauses Schwelle. Und betet zum heiligen Antonius, daß er ihr nun bald ein Kind beschere. Ein Kind aber, das ist: Ein Knabe! Ein Mädchen zählt überhaupt nicht. Eine lustige Sache sah ich in Split. Der ausgezeichnete Maler und Bildhauer Mirkovitsch hatte in einer Sonderschau bildliche und plastische Karikaturen mit mehr oder minder anzüglichen Unterschriften ausgestellt. Politische Persönlichkeiten, hauptsächlich aber bekannte Einwohner Splits: Stadtväter, Aerzte, Musiker, Künstler, allzu Korpulente, allzu Lianenhafte— manche mit mildem Humor, manche etwas boshafter behandelt. Auch Damen: Unterschriften, z. V.:„Sirene" oder „Die Intellektuelle". Diese Ausstellung war immer gut besucht— auch von den Karikierten— der Künstler anwesend, die Gegenstände verkäuflich. Und alles lachte, und fand die Karikaturen offenbar äußerst treffend. Splitterrichter waren es sichtlich nicht, diese Spliter! Man stelle sich diese Ausstellung bei und vor! Welche Fülle von Protesten, Beschwerden, Klagen und gerechtem Zorn. Und erst der frevlerische Künstler— unmöglich, ganz un—mög—lich wäre der Mensch doch geworden, nicht wahr? 122— Von der Schwammsischerei Von Dora Zautner=Busch=München. Der weiche, elastische Badeschwamm gehört zu den Tieren niedriger Gattung. Solange er noch auf dem Grunde des Meeres sitzt, ist in seinem maschigen, lockeren Gewebe, seinem Gerüste, das meist sehr schöne, oft in eigenartiger Zierlichkeit gestaltete Skelett eingewachsen. Längst bildet der Schwamm einen hervorragenden Handelsartikel jener Küsten, an denen er gewonnen wird. Die Meeresufer und Klippen des griechischen Archipels, der Zykladen, auch jener der Inseln Spezia, Hydra, Aegina, Salamis sind es hauptsächlich, die in Europa die wertvollsten Stücke liefern. Nauplia, die alte argolische Stadt am Meerbusen gleichen Namens, schon im Altertum ein bedeutender Mittelpunkt des griechischen Handels, ist heute der Hauptstapelplatz dieses Meerproduktes. Die Ausfuhr wechselt nach Ernteertrag und Anforderungen, die zumeist die westlichen Länder, besonders Frankreich, stellen. Zu den tüchtigsten Schwammfischern— eigentlich müßten sie Schwammtaucher genannt werden— gehören die Bewohner der durch die herrlichen antiken Statuenfunde weltberühmt gewordenen Insel Aegina. Diese Aegineten sind unerschrockene Fischer und Schiffer, daneben ausdauernde Taucher und betrachten einzig nur das blaue Meer, die Aegäis, als ihr Arbeitsfeld, den Meeresgrund als ihren „Nährboden“ im wahrsten Sinne. Ihre„Wasserjagd“ gilt der eßbaren Tritonsmuschel und dem Badeschwamm, zumal der griechische z# den besten der ganzen Welt gehört.