Fahrer zum ersten Mal und hupte, weil einbernde Rudel, anfeuernd und aufreizend zu=sweitere Bilder sich nun im rasenden Tempo; Ausweichen an den Kurven hier unmöglichlgleich, der helle Blaffton der Führer, die pfeil=(abrollen. war. Um so rascher rasten wir die übersicht=geschwind, ein Bild äußerster Beweglichkeit.] umt##t om dut. um so tischer kasten wir die übetsichtlichen Strecken der Straße entlang. Unter uns tobte der Lancone. das Knattern des Motors schallte von den Schluchtwänden wider, und ich konnte nicht sehen, wohin wir fuhren. Doch endlich wich die gegenüber liegende Wand zurück, die Straße senkte sich rascher, und unter uns tauchte die Ebene auf. Wir brausten im Eilzugstempo die ausgefahrenen Wagengleise entlang. bremsten einmal, um einer Frau, die am Wege stand, ein Postpaket vor die Füße zu werfen, und rasten weiter. Dann hielt der Wagen mit plötzlichem Ruck, und die Postsäcke flogen mir gegen den Kopf. Der Fahrer stieg aus, las einen wohlverschnürten und mit der Adresse versehenen Weidenkorb von der Straße auf, warf ihn auf meinen Postsackberg und fuhr weiter. Korsische Paketannahme. Die letzten zwanzig Kilometer nach Bastia hinein waren eine Höllenfahrt. Chausseebäume, Kakteen= und Agavenhecken, Kraftwagen, Eselreiter und Maultierfuhrwerke flogen an uns vorüber, die Federn schlugen in den Schlaglöchern gegen die Karosserie, und der Berg auf meinen Knien tanzte. Ich atmete auf, als wir mit knirschenden Bremsen in Bastia hielten. Beim Abschied gab ich meinem Apachenfahrer ein reichliches Trinkgeld:„Zum Dank dafür, daß Sie mich doch noch mit heilen Knochen nach Bastia gebracht haben.“ Da zog er die Mundwinkel beängstigend nahe an die Ohren zurück und grinste auf allen Zahnstummeln. Ich hatte mir geschworen, nie wieder einen korsischen Postkraftwagen zu benutzen. Doch weiter im Süden der Insel brach ich bald meinen Schwur. Ich saß in einem Vehikel, das einst in besseren Tagen zu Fremdenrundfahrten in Paris oder Nizza gedient haben mochte. Die Schutzbleche hingen in Fetzen, der Kühler leckte aus unzähligen Rostwunden, von neun Blättern der einen Hinterfeder waren vier gebrochen, aus allen Reifen sah das Leinengewebe, der linke Chassisflügel war über der Vorderjeder gesprungen, und von den acht Stützen des Gepäckverdecks standen nur noch vier unversehrt. Der Wagen war ein Wrack. längst reif für den Autofriedhof. Und doch neunzehn Mann in seinen Bauch unzählige Gepäckstücke wurden auf das Mahd bereite Sense, Längst liegt diese im seladen und zuguterletzt noch zeninerschwere Eisennerren, die lieblich gerade über isenketten, Kopfe Khirrten. Dann brauste der meinem Fahrer tief a dem Kühler um Brennstoff für den Unternehmer zu sparen, mit abgestelltem Motor im Leerlauf um Haarnadelkurven herum sechshundert Meter tief ins Tal hinunter. Trotzdem kamen wir heil an unserem Bestimmungsorte an. * I c h b e w u n d e r e d i e k o r s i s c h e n C h a u f f e u r e wegen ihrer Fahrkunst, und doch würde ich sie alle ins Loch stechen, wäre ich Präfekt in Bigario Slieggenteggädte Von Max Zeumer. Die sodernde Fachel des Steppenbrandes, dessen heißer, jede Lebensspur vernichtender Odem wie eine glühende Welle über die weiten Ebenen am Kawu gebraust war, hatte am Userrand des Flusses die Waffen gestreckt. Dichte, drohende Wolkenschwaden, die Vorboten des Grasfeuers, überwanden schwarz und heiß die breite Strombarriere, während das gierige Element, dessen fressende Zungen keine Nahrung mehr fanden, seinem alten Erbfeinde, dem Wasser, erlag. Schwere Regengüsse, die einige Wochen später das schwarzgesengte und mit Flugasche bedeckte Steppengelände tränkten, erweckten in dem von der Natur gedüngten Boden das neue Leben seiner Pflanzenwelt. Mit dem sprossenden Grün zugleich stellten sich auch nach und nach die verschiedenen Vertreter der Tierwelt ein, um sich an dem frisch gedeckten Tisch der Steppe gütlich zu tun. Tauschwer hängt das frische Gras im Grau der Morgendämmerung. Ein Schatten, lautlos und drohend, huscht durch die breite Senkung, deren Ränder sich schon im Licht des erwachenden Tagesgestirns baden. Zwei andere Schatten folgen, dann taucht hinter den Führern der Haupttrupp der Artgenossen auf, deren Linie, wie ein Schemen über den Boden gleitet. Ein kurzes„Wa wau“ gellt hell wie ein Trompetenton durch die traumhafte Stille des werdenden Tages, und wie auf Kommando fällt die Meute windschneller Jagdhyänen in den ihnen eigentümlichen, raumgewinnenden Galopp. In Zwischenräumen klingt immer wieder über das von Hunger und Mordlust siegeschoin, ein Bild außerster Beweglichneit, über den Boden fliegen. Langsam aber stetig dehnt sich die Linie der gefürchteten Räuber aus und fliegt, leicht gekrümmt wie eine zur über die Steppe dahin. warmen Glanz der Morgensonne, deren Pfeile das jagende Rudel in flimmerndes Gold tauchen. Die Fellbuntheit der einzelnen Tiere, sonst lebhaft und augenfällig, schwindet wie aufgesogen vom rasenden Tempo der Hetze. Langsam fällt der Führer, dessen funkelnde Seyer rastlos das weite Jagdfeld abtasten, zurück. Sofort nimmt, getrieben von der Geißel fiebernder Jagdlust, ein Artgenosse die Stelle des Erschöpften ein. Mit gespitzten Lauschern und wehenden Ruten rast die Meute, aus deren Mitte sich hin und wieder kurz, scharf und hell der Hetzlaut schwingt, von einer leichten Staubwolke begleitet dahin. Ein dichter, wallartiger Busch der Flötenakazie, den das rasende Tempo der vierbeinigen Jäger rasch näher kommen läßt, erregt die Aufmerksamkeit der Führer, unter deren Hetzlauten die Linie der Jagdhyänen wie eine Schwadron Berittener herum schwenkt. Fast zusammenfallend mit dieser Bewegung, gibt der Busch ein Rudel Gnus frei, das sich in seinem Schatten niedergetan hatte. Ihre Feinde erkennend, stieben die Enus, ohne die sonst augenfälligen Hochsprünge dieser eigenartigen Antilopenart, wie ein Wirbelwind von dannen, was der Meute ihrer Verfolger ein wildes, jaulendes Aufkläffen entlockt. Der Führer des Rudels, ein alter Bulle, der wild und ungestüm die Flucht seiner Artgenossen deckt, ist das einzige Gnu, das nach kurzer Zeit die eigenartigen Luftsprünge dieser Tierklasse auszuführen beginnt. Sein wildes zottiges Aussehen und die von ungewöhnlicher Kraft zeugenden Bewegungen, die denen seiner Verfolger in nichts nachstehen, stempeln den Bullen zu einem gefährlichen Gegner, dessen narbenreiche Decke wie ein geöffnetes Buch von den zahlreichen Kämpfen seines Daseins berichtet. Wie von Mutwillen getrieben, saust der Führer der Gnus mit fliegendem Schweif und zurückgelegtem Gehörn, dessen scharfe, durch viele Kämpfe abgeschliffene Dolchspitzen drohend in der Sonne funkeln, vor der Front der Jagdhyänen dahin, deren rasende Gier den Sieg über die ihnen sonst eigene Verschlagenheit davonträgt. Näher und näher kommt die Meute der erbarmungslosen Jäger, die keuchend vor Jagdeifer und Mordlust mit weit heraushängender Zunge und wild arbeitenden Flanken auf der Fährte des Bullen bleiben. des Flüchtigen, der — ein Bild urwüchsiger Kraft und Gewandtheit— von Zeit zu Zeit wie spielend die alte Entfernung zwischen sich und seinen Verfolgern wieder herstellt. Minute reiht sich an Minute, bis sich dann die Zeit, zu Stunden angewachsen, in einem unmerklichen Nachlassen der Schnelligkeit des Bullen bemerkbar macht. Längst ist die Herde, deren Führer er war, vom blauen Dunst der Ferne aufgesogen, und noch immer währt rastlos und aufreibend die wilde Hetze der Jagdhyänen, die aufgepeitscht von Gier und Mordlust ihre sonst so feine Witterung völlig eingebüßt haben. Zäh und unbeirrbar durch das Erscheinen anderer jagdbarer Tiere schiebt sich die Linie der Jäger langsam und stetig dem Gehetzten näher. Wieder ist eine halbe Stunde verstrichen, als der Bulle, seinem noch ungebrochenen Kampfwillen nachgebend, sich seinen Bedrängern, deren Führer schon dreimal gewechselt hat, zur Gegenwehr stellt. So schnell und unerwartet kommt dieser Entschluß seinen Verfolgern, daß der erste seiner Gegner, dessen Gier die notwendige Vorsicht vermissen läßt, und der, ohne das Herankommen seiner Kameraden abzuwarten, den Gestellten annimmt, vom scharfen Gehörn des Bullen getroffen, mit heraushängendem Gescheide zur Seite fliegt. Ein paar weite Seitenfluchten des Gnus, und eine zweite Jagdhyäne saust laut klagend. vom eisenfesten Huf des Gegners getroffen, in das zum Angriff übergehende Rudel seiner Genossen hinein. Unbekümmert um das Aufjaulen der geschlagenen Gefährten greift die Masse der Jagdhyänen den rings umstellten Bullen an, der— mit Huf und Gehörn seinen Gegnern an Beweglichkeit sicher ebenbürtig— den Kampf des einzelnen gegen alle aufnimmt. Wohl gelingt es der robusten Kraft des Gestellten, dem ersten Anprall seiner Feinde stand zu halten. Drei weitere seiner Gegner, die sich, von Huf und Horn getroffen, aus dem Knäuel der Kämpfenden schleppen, sind das erste Ergebnis des Zusammenstoßes, dessen Umtobt vom Lärm seiner Bedränger, leistet der Gestellte erbitterten Widerstand, dem sicher bei weniger gewandten Gegnern als diesem Schrecken der Steppe der Erfolg gelächelt hätte. So aber, von allen Seiten angefallen und von der Menge seiner Bedränger bedeckt, deren scharfe Fänge seine Flanken zerfleischen, bricht der Bulle in die Knie. Noch einmal wird er hoch, aber der größte Rüde, dessen buschige Rute vom Lebenssaft seines Gegners überströmt ist, springt ihm an die Drossel und reißt ihn nieder. Ein kurzes. wildes, nach Sekunden zählendes Ringen, das die Brandasche des Bodens aufwirbeln läßt, beendet den ungleichen Kampf. Als sich die Sonne nach Stunden am Rande der Steppe zur Rüste neigt, zeugt nur noch eine Anzahl zerstreuter Knochen von einer Tiertragödie, wie sie sich so häufig in der schweigenden Steppe abspielt. Ein Autobesitzer erlebt eine Freude mit der Vollgei. Besonderes Glück entwickelten in London ein Autobesitzer und die aufmerksame Straßenpolizei. Der Autobesitzer war in der Mansellstraße auf einen kurzen Sprung in einen Zigarrenladen gegangen und sah in dem Augenblick, in dem er sich die Zigarre im Laden anzündete, wie ein Mann in den offenen Wagen sprang und davon brauste. Er fegte um die Ecke und war weg. Dem Besitzer blieb nichts weiter übrig, als sich an die nächste Polizeistation zu wenden. Wie groß war aber sein Erstaunen, als man ihm dort mit vergnügtem Lächeln sein Auto wieder bereit stellte. Es waren keine fünf Minuten vergangen, und die Polizei hatte es schon wieder. Ein tüchtiger Polizeioffizier konnte die Aufklärung geben, daß es ihm verdächtig vorgekommen sei, wie der Dieb die Kurve um die Ecke nahm. Obendrein habe das Gesicht des Mannes seinen schlechten Eindruck von ihm bestärkt. Der Offizier schwang sich nun flink in den Wagen und sah diese beachtliche artistische Leistung auch belohnt. Der Dieb brachte den Wagen gar nicht einmal mehr zum Stillstand, sondern fuhr auf Befehl des Polizeioffiziers gleich nach der nächsten Polizeiwache und lieferte sich so dem Arm der Gerechtigkeit auf dem schnellsten Wege aus. Das war einmal eine Polizeihandlung, die dem betreffenden Autobesitzer und seinen Kollegen in der ganzen Welt ein reines Vergnügen war. 3000 Dollar für eine Nacht Gesangenschaft. Wenn die Flurglocke schrillt und ein Mann mit irgend einer unbezahlten Rechnung vor der Tür steht, so pflegen die wenigsten Menschen rosiger Laune zu sein. Noch schlechter aufgelegt ist aber jeder, von dem ein Betrag zu Unrecht gefordert wird. Kein Wunder also, daß Robert M. Woolley aus Oakland(Kalifornien) einen Riesenkrach schlug, als ein Geschäftshaus ihm wiederholt durch den Kassierer eine Rechnung vorlegen ließ, mit der er gar nichts zu tun hatte:„Kommen Sie noch einmal, dann werfe ich Sie die Treppe hinunter.“ Der Firma war das Genick ihres Angestellten zu wertvoll, um es dieser freundlichen Behandlung auszusetzen. Deshalb erwirkte sie vom Polizeirichter einen Haftbefehl, der mit Fluchtverdacht und anderen Dingen begründet wurde. Woolley ließ sich brummend in das Gefängnis bringen. Seine Schuldhaft dauerte nur eine Nacht, dann mußte das Geschäftshaus selbst gestehen, daß ihm ein Fehler unterlaufen war, und es entschuldigte sich. Damit war Woolley nicht zufrieden, sondern er verlangte von der Firma die bescheidene Entschädigung von— 50000 Dollar. Die Gegnerin lachte, weil sie mit der Abweisung so übertriebener Forderungen rechnete. Woolley lachte aber nicht, sondern verklagte seine Widersacherin. Das Gericht muß eine sehr hohe Meinung vom Kläger und von seiner kostbaren Zeit und Würde gehabt haben. Es billigte ihm zwar nicht die geforderten 50 000 Dollar zu, verurteilte die Beklagte aber doch zur Zahlung von 3000 Dollar. Eine recht annehmbare Entschädigung für eine Nacht Gefangenschaft! Dafür würde wohl mancher gern einmal eine Nacht durch die schwedischen Gardinen schaue Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck nud Verlag: Dr. C. Santz, Altena. Nr. 22 Mittwoch, 29. Mai 1929 25. Gebirgsfest und 38. Hauptversammlung des Sauerländischen Gebirgsvereins Diesmal hatte das schöne Wittgensteiner Land den S. G. V. zu der herrlich gelegenen Sommerfrische Laasphe eingeladen. Viele 100 waren der herzlichen Einladung gefolgt, so daß sich letzten Samstag und Sonntag in den mit Fichten und Guirlanden geschmückten Straßen der Stadt Laasphe ein fröhliches und buntes Leben entwickelte. In dem großen Festzelt begann am Samstag nachmittag die Veranstaltung mit der Jahreshauptversammlung. Der Hauptvorsitzende des S. G. V., Bürgermeister Dr. Schneider=Arnsberg, rief allen Vertretern ein herzliches„Frisch auf“ entgegen und begrüßte namentlich den Regierungsvizepräsidenten Dr. Hüsker=Arnsberg, die Vertreter der verschiedenen Sauerländischen Kreise, das Stadtoberhaupt von Laasphe und die Vertreter des Hessischen Gebirgsvereins. Mit besonderer Freude sei im S. G. V. begrüßt worden, auch einmal eine Tagung im südlichsten Vereinsgebiete, dem Wittgensteiner Lande abzuhalten. Regierungsvizepräsident Dr. Hüsker überbrachte die herzlichsten Grüße des leider durch den gleichzeitig in Arnsberg tagenden Westfälischen Heimatbund verhinderten Regierungspräsidenten. Namens der Stadt Laasphe entbot Bürgermeister Pränger den aus allen Gegenden des Vereinsgebietes herbeigeströmten Gästen ein herzliches Willkommen. Den Bericht des Hauptvorstandes über das Geschäftsjahr 1928 erstattete der Geschäftsführer Schult=Iserlohn. Hervorgehoben zu werden verdient, daß der S. G. V. heute wie ein kräftiger Turm sich inmitten des Sauerlandes, Siegerlandes und Wittgensteiner Landes erhebt, von dem aus Jahr für Jahr reichlicher Segen ausgeht. In 207 Abteilungen, die wieder in 22 Bezirken zusammengefaßt sind, vereinigte der S. G. V. rund 25000 Mitglieder. Je zur Hälfte wohnen diese im Gebirge und im Rheinisch=Westfälischen Industriegebiete. Die Hauptarbeit erstreckte sich neben der laufenden Unterhaltung von 26 Hauptwanderstrecken mit einer Gesamtlänge von 2500 km und Hunderten von Ortswegen auf die bessere Verkehrsverbindung zum und im Sauerlande wie umfangreiche Werbung für das Sauerländische Gebirge als eins der schönsten deutschen Wanderund Erholungsgebiete. Hand in Hand mit dem Westfälischen Verkehrsverband arbeitend, konnte der S. G. V. auch diesmal wieder auf reiche Erfolge seiner Sommerreklame und anderer Werbemaßnahmen zurückblicken. Leider steht ein großer Teil der Bevölkerung den Bestrebungen des Heimatschutzes zur Erhaltung eines reinen Landschaftsgebietes, der heimischen Bauweise und der Verwendung heimischer Baustoffe wie der Erhaltung guter alter heimischer Sitte und Gebräuche noch recht gleichgültig gegenüber. Hier in Verbindung mit den übrigen Heimatbünden aufklärend zu wirken, ist für alle S. G. V.=Abteilungen eine dankbare Zukunftsaufgabe. Die Bildung von Jugendgruppen hat leider noch nicht den erhofften Erfolg gehabt; erst wenige Abteilungen suchten durch Heranziehung eines kräftigen jungen Nachwuchses bei der Jugend das Wandern zu fördern und dort schon die Keime zu einer dauernden Heimatliebe zu legen. Neben dem Sauerländischen Gebirgsboten, dem Vereinsblatt, dient der Sauerlandverlag durch Herausgabe preiswerter Heimatbücher, Karten und Führer der Aufklärung über die noch lange nicht genug gewürdigten mannigfachen Schönheiten unserer engeren Heimat. Der S. fest, es würdig zu begehen, werden bereits alle möglichen Vorbereitungen getroffen. In einem von Millionen bewohnten Gebiete müßte ein Heimat= und Wanderverein wie der S. G. V. nicht 25.000, sondern mindestens 250000 Mitglieder zählen, wenn er überall ein Volksverein sein sollte und wenn die große Masse der Stadtbewohner, jung wie alt, zum die Gesundheit fördernden Wandern und zum besseren Kennenlernen der engeren Heimat erzogen werden möchte. Große Aufgaben harren noch des S. G. V. Die Laxheit vieler, all zu vieler in Dingen der Heimat zu bekämpfen und diese für die gemeinnützigen Ziele des S. G. V. zu gewinnen, fällt hierunter. Lehrer Kunick=Hagen berichtete eingehend über die Arbeiten des Hauptwegeausschusses, wodurch es jedermann ermöglicht wird, alle Teile des weiten Sauerlandes mühelos zu durchwandern. Es ist leicht, den weißen liegenden Kreuzen nachzugehen, aber wenige bedenken dabei, was für eine Mühe, die jährliche Nachbezeichnung der Hauptwanderwege verursacht. Ueber den im letzten Winter vorgenommenen An= und Ausbau des S.=G. V.=Ehrenmals auf dem Kohlberg, gab Oberbaurat HammerKasse! Bericht. Die vorbildliche Leistung hat bereits überall Anklang gefunden. Durch die neue Halle ist das Ehrenmal in der Lage, allen Anforderungen zu genügen. Die Jahresrech= nung 1928 wurde abgenommen, die Geschäftsführung entlastet und Kaufmann Basse wie Bankdirektor Brinkert zu Rechnungsprüfern wieder gewählt. Vorbehaltlos angenommen wurde der mit 96100 Rm. abschließende Voranschlag für 1929 und derselbe Beitrag von nur 2 A für 1930. Ohne jegliche Erörterung fanden die nach mehrjährigen Beratungen vom Hauptvorstand vorgeschlagenen Satzungsände meisten Aoteilungen des S. G. rungen einstimmige Annahme. Kunitig setzt daß rechte Naturfreunde auch Feste zu feiern sich der Hauptvorstand aus dem Hauptvorsit=wissen. zenden, seinem Stellvertreter, dem Geschäftsführer, 6—10 Beisitzern und allen Bezirksvorsitzenden zusammen. Wiedergewählt wurden die Hauptvorstandsmitglieder, Hauptlehrer Kracht=Katernberg, Hüttendirektor a. D. Cupey=Westhofen und Landrat a. D. Geheimrat Dr. Thomee=Altena. Als Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Plettenberg gewählt. Meschede hat den S. G. V. für ein späteres Gebirgsfest eingeladen. Dem zu gleicher Zeit in Wittlich tagenden Eifelverein wurde aus Anlaß des 25jährigen Vorsitzes durch Geheimrat Dr. Kaufmann eine Glückwunschdrahtung gesandt. Dem neuen Motorschiff der Hamburg=Amerika=Linie, das den Namen„Sauerland" stolz über alle Meere trägt, sollen einige Bilder aus dem Sauerlande zur Verfügung gestellt werden. Fabrikant Münker=Hilchenbach rief zum Schluß der Versammlung zu einer kräftigeren Betonung des Wanderns auf. Es gehe um die Hebung der Volkskraft, und da müßten wir alles daran setzen, um das Volk auf die Beine zu bringen. Der anschließende Begrüßungs= und Unterhaltungsabend mit wohlgelungenen Darbietungen der Kapelle aus Weifenbach, des Männergesangvereins„Eintracht", des Arbeitergesangvereins, des Pensionats Groos und Frl. Käte Gerlach mit Liedern zur Laute fand ein übervoll besetztes Festzelt vor. Die Stimmung schien den Höhepunkt erreicht zu haben, als das schlichte, sich gut der Berglandschaft anpassende Kriegergedächtnismal der Stadt Laasphe farbig beleuchtet von der Höhe des Steinchens herabgrüßte. Der Sonntag früh sah zunächst Gottesdienste für beide Konfessionen und anschließend eine Wanderung über das Schloß Wittgenstein bis in das Herz der fürstlichen schmückten Kneebusch=Denkmal eine Weihestunde statt. Der Vorsitzende der Abt. Laasphe, Konrektor Czimatis hob die Verdienste der vor 25 Jahren verstorbenen Professors Kneebusch um die Erschließung des Wittgensteiner Landes und namentlich Laasphes als Sommerfrischengebiet hervor. Der S. G. V. würde nie seinen Wegbereiter vergessen! Namens des Hauptvorstandes widmete Bürgermeister Dr. Schneider dem Herausgeber des 1. Sauerlandführers warme Worte des Gedenkens. Zum Zeichen dessen legte Redner einen grünen Kranz aus den Wittgensteiner Bergen am Denkmal nieder. Die sich malerisch um dieses im Schatten eines Wäldchens gelagerten Teilnehmer worunter sich ein Sohn Kneebusch's befand, schauten ergriffen über das frühlingsselig zu Füßen gebreitete Wittgensteiner Land hinweg. Wegen der riesigen Zahl von Gästen wurden diese zum Festessen auf die verschiedenen Gasthöfe in der Stadt verteilt. In ihnen wurde noch manches schöne Wort zum Lobe der engeren Heimat wie des Vaterlandes gesprochen. Ein Unterhaltungskonzert, bei dem die auswärtigen Teilnehmer noch einmal Gelegenheit hatten, das Tanzbein zu schwingen und sich so praktisch in Leibesübungen zu betätigen, beschloß die Sonntagsveranstaltung. Viele packten bereits ihre Rucksäcke, um noch einige frohe Wanderstunden in den blütenübersäten rauschenden Tälern und auf den im frischen Buchengrün prangenden aussichtsreichen Höhen zu wandern. Bei der ganz verzüglichen Witterung fiel es wohl allen recht schwer, von der gastfreien Stätte Abschied zu nehmen. Wer das 25. Gebirgsfest miterlebt hat, wird der opferbereiten Bürgerschaft und der Stadt Laasphe allezeit ein dankbares Gedenken bewahren. Das Jubelfest des S. G. B. hat wieder einmal. gezeigt, welch frischer Geist in den meisten Abteilungen des S. G. V. herrscht und in die Unterwelt, dann empor zur Sonne Selbst wenn wir Tropfsteinhöhlen schon kennen, sind wir doch immer wieder entzückt über deren unterirdische Gebilde. Wenn wir eine Weihestunde erleben wollen, sollten wir öfter in diese Jahrtausende alten Hallen treten und uns von der Urgewalt der Schöpferkraft der Natur überwältigen und packen lassen. So übt auch die Dechenhöhle immer noch ihre geheimnisvollen Reize aus. Wir fahren bis zu der besonders dafür eingerichteten Haltestelle und bewundern wieder und wieder die mannigfachen und bizarren Formen, denen menschliche Phantasie die seltsamsten Namen beizulegen gewußt hat. Dann wandern wir durch das Tal der Grüne aufwärts bis zum Postamt. Hier beginnt ein bezeichneter Ortsweg südlich ansteigend am Fuße der Stünenburg vorbei, über die Gehöfte Selberg, Mooskamp und Hilkenhohl bis zum gleich danach folgenden Zusammentreffen mit der Hauptwanderstrecke 5 des Sauerländischen Gebirgsvereins. Bis hierher sind es von der Dechenhöhle aus ungefähr 1¾ Std. Weges. In weiteren 40 Minuten haben wir den Gipfel des Wixberges 445 m) erklommen und halten vom hölzernen Turmgerüst Ausschau nach allen vier Windrichtungen. Vor uns tief unten ruht Altena mit der darüber emporsteigenden Burg, ein ceizendes Bildchen; die nicht immer hübschen Häuser der Stadt umgibt eine Fülle von Grün. so als ob dies alle menschlichen Mängel verdecken möchte. Im Osten sehen wir das Ehrenmal des S. G. V. G. V. steht nahe vor seinem 40jährigen Jubel=Forsten. Zwischendurch fand am prächtig ge= und den Aussichtsturm auf dem Kohlberg, im — E 8S. KRZIAS * Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenradel Zeitung egmerde, andere schöne Fleckchen und noch entdecken mac: wir näherem. Zuschauen. Steil fällt der Wixberg nuch altena(160 m) ab; wir schießen nur so den Hang hinunter. Schon nach ¾ Std. sind wir im Städtlein. Dort haben wir Gelegenheit, die sehenswerte Burg mit dem schönen geschlossenen Burghofe und dem seinsinnig zusammengetragenen Burgmuseum zu besuchen und hinterher noch eine kleine Rundwanderung auf der westlichen Lenneseite unternehmen. Auf Blatt 2 der SauerlandUnter Grüne Karke 1:50000 des Sauerland=Verlags zu Iserlohn und im Kneebusch Sauerlandführer finden wir eine ganze Anzahl von Vorschlägen zu lohnenden kleinen und größeren Wanderungen cund um Altena. Darunter ist besonders empfehlenswert der Weg aufwärts über das Blockhaus zum Forsthaus Dickenhagen(430 m), zu dem man außer auf einem Ortswege auch auf Hwstr. 17 und herrlichem Waldweg in fast 1 Std. gelangen kann. Der etwas steile Aufstieg wird durch prächtige Ausblicke belohnt. Nun führt ein bezeichneter Ortsweg auf der in spitzem Winkel nordwärts weiter degs zum Tiergarten; wir gehen jedoch nach 10 Min. nicht geradeaus, sondern links hinab ins liebliche Brachtenbecktal, verfolgen den Bach abwärts bis zur Lenne und kehren auf der Landstraße zum Bahnhof Altena zurück. Dieser Rundweg benötigt etwa 2 Std. Zeit.— Sehr schön ist auch der Hangweg auf der alten Landstraße nach Einsal (1 Std.), wobei man einen hübschen Rückblick auf Burg Altena genießen kann. Weinbrunnen Kulturgeschichtlicches von Dr. Siegfried Sieber. Gern setzt der Mensch Märchenhaftes, Phantastisches in die Wirklichkeit um. Ist nicht unser Theater, vollends der Film dazu da. uns Wunder und Märchen erleben zu lassen? Sucht nicht die moderne Technik, wenn sie dem Erdgeborenen Flügel verleiht, ihn in die Ferne sehen und hören läßt, diesen Wunderdrang zu befriedigen? Aehnlich ist wohl der Weinbrunnen in der europäischen Kulturgeschichte als ein Versuch zu beurteilen, das Märchen vom Schlaraffenland wenigstens stückweis zu verwirksichen In Hans Sachsens Gedicht„Das Schlauraffenland“ heißt es von diesem Wunder= und Faulgelzstaat: „Von Malvasier so sind die Brunnen, Kommen eim selbs ins Maul gerunnen.“ Der Gedanke an Brünnlein, die herrlichen Wein statt des Wassers geben, ist aber viel äiter als Sachsens Schwank. Nach Sagen der Griechen floß im„Goldenen Zeitalter“ Wein in Gießbächen durch das Land. Auch ließ der griechische Dramatiker Pherekrates in seinen „Persern“. Wein regnen. Romanische Völker berichten von einem Wunderstrom. der halb roten, halb weißen Wein enthielt, während in der nordischen Fassung dieses Märchens ein Weinund Vierfluß im Reiche des Königs Frute geschildert wird. Nock, heute erzählt das Volk in manchen Gegenden Deutschlands, z. B. im Erzgebirge, daß in der Christnacht um Mitternacht alles Wasser im Brunnen in Wein verwandelt würde. Die Volksphantasie benutzend, ließ wohl irgend ein reicher Fürst, der seine märchenhafte Macht und seinen unerhörten Reichtum zeigen wollte, den Weinbrunnen als Volksbelustigung erfinden. Eine Art Weinbrunnen scheint es schon auf dem berühmten Mainzer Fest gegeben zu haben, das Kaiser Barbarossa 1184 zur Schwertleite seiner beiden Söhne veranstaltete. Sagt doch der Chronist über dieses auch von Minnesängern verherrlichte Fest, der Wein sei geschöpft worden ohne Maß, wieviel jeder trinken wollte. Genauer wird ein richtiger Weinbrunnen bei dem Ritterschlag zu Rostock erwähnt, ais im Jahre 1311 König Erich von Dänemark 1700 Knappen zu Rittern schlug. Auch Bier und Met durften die Teilnehmer aus Brunnen schöpen. Zwei Jahre später ließ Philipp IV. von rankreich zu Pfingsten in Paris ebenfalls Weinbrunnen aufstellen, und bei Rienzis großem Augustfest zu Rom 1347 ergossen sich aus den Nasenlöchern des bronzenen Pferdes vom Marc Aurel=Standbild Wein und Wasser. Im 15. Jahrhundert war der Weinbrunnen schon recht häufig. So ließ Karl VII. bei seinem Einzug in Paris einen Springbrunnen mit vier Röhren einrichten, der Wasser, Milch, roten und weißen Wein darbot. Philipp der Gute im üppigen Burgund hatte zu Lille 1453 sogar eine nackte Frauenstatue aufrichten lassen, aus deren Brüften Wein quoll. Die im Geist der Frührenaissance veranstaltete Fronleichnamsprozession des Papstes Pius II. in, Viterbo entbehrte nicht des springenden Weines. Vor allem aber bürgerte sich der Weinbrunnen bei der deutschen Kaiserkrönung ein, und wer seinen Goethe kennt, wird sich aus„Dichtung und Wahrheit" noch der lustigen Schilderung des Weinbrunnens vom Jahre 1764 erinnern. Bei solchen Frankfurter Krönungsfeiern hatte man ofter den Justitiabrunnen gegenüber dem Römer mit einem Adler ausgestattet, zu dem in Bleiröhren von einem nahen Gerüst Wein herunter lief. damit er als Springbrunnen aus den Schnäbeln des Wappentieres empor steigen könnte. Später stellte man den Weinbrunnen bei Kaiserkrönungen gesondert auf. weil die Rauferei des Volkes um das kostbare Naß die Brunnenstatue in Gefahr brachte. Bis zur letzten Krönung in Frankfurt 1792 behielt man den Märchengedanken vom Weinbrunnen bei. wiewohl die dadurch angedeutete Herrlichkeit des deutschen Kaisers beträchtlich im Werte gesunken war und der Kaiser, weil er keire Einkünfte vom Reiche mehr bezog. den Krönungsprunk aus seiner Tasche bezahlen mußte. Inzwischen war der Weinbrunnen längst Ausstattungsstück bei allerlei Festen und Lustbarkeiten geworden. So übertrugen die Habsburger den Weinbrunnen von der Kaiserkrönung auf ihre Königskrönungen in Prag oder Budapest. Die sächsischen Kurfürsten, die sich in Krakau die polnische Königskrone holten, und Friedrich I. bei der preußischen Königskrönung am 18. Januar 1701 in Königsberg oedienten sich seiner. Sehr bald stellten Gesandte, Grundherren, selbst Stadträte bei festlichen Gelegenheiten Weinbrunnen auf. Regensburg, die Stadt des alten deutschen Reichstages, der rund 150 Jahre dort seinen Sitz in der Donaustadt hatte, erlebte oft das alte Märchenwunder. Ein Augenzeuge vom Fest des englischen Gesandten im Jahre 1688 erzählt, wie das Volk sich um den roten und weißen Tiroler gerauft habe:„Viele steckten Semmeln auf Stangen, solche mit Wein zu netzen oder zu füllen; diese wurden ihnen aber herunter geschlagen wie anderen die Hüte oder Kannen, in denen sie etwas Wein auffangen wollten.“ Nürnberg feierte zweimal den Abschluß des westfälischen Friedens, zuerst 1649 mit einem Fest, wobei der schwedische Löwe am Rathaus Wein sprudelte, und nochmals 1650 mit Volksbeluftigungen, z. B. einem Löwenbrunnen, der sechs Stunden lang Wein gab, Verteilung von Brot und Preisgabe von zwei gebratenen Ochsen. München hatte 1727 im Hofgarten vier Fontänen Wein, als die bayerischen Stände dem neuen Kurfürsten huldigten, und nochmals 1789 nach dem Einzuge Karl Theodors, der das Volk reichlich bewirten ließ. Sogar wenn fürstliche Bräute durch Residenzen befreundeter Fürsten zogen, empfing man sie mit Volksbelustigungen. Während eine Pfälzer Prinzeß auf der Durchreise zur Hochzeit in Düsseldorf glänzend bewirtet wurde, fanden auf dem Markt Theaterspiele statt, und an den vier Ecken der Bühne waren Weinbrunnen angebracht. Sachsens Hauptstadt sah und schmeckte zu August des Starken Zeit gar oft Weinbrunnen. Als 1727 der Preußenkönig Friedrich Wilheim 1. August den Starken besuchte, stand auf dem Dresdener Aitmarkt eine Poramide mit allerlei beweglichen Figuren und Lanpen. Unken aber lief Wein stundenlang für das Volk. Von weinspendenden Stadträten sei nur der zu Zabern im Elsaß erwähnt, der anläßlich eines Besuches der Kaiserin Josefine neun Hektoliter Wein laufen und für 58 Franken Brot, für 70 Franken Würste unters Volk werfen ließ. Prächtig waren die Einzugsfeste der Grafen Czernin in ihre Herrschaft Schmiedeberg im Riesengebirge. Alle ihre Untertanen bekamen Ochsen= oder Hirschbraten vorgesetzt, der Hofzwerg warf 100 Gulden unter die sich balgende Menge, und Wein lief aus vier Pfeilern vom Nachmittag bis in die Nacht. Als letzte Ueberbleibsel solcher Weinbrunnen erscheinen der zu Wangen im Elsaß, wo die Stadtverwaltung zur Erinnerung an einen 1830 gewonnenen Prozeß die Wasserleitung des Sandsteinbrunnens alljährlich am 3. Juli abstellen und dafür ein Fäßchen mit Wein einschalten läßt, und der zu Morino in Italien, einem Städtchen in der Campagna, das jedes Jahr zu einem Volksfest den Marktbrunnen als Weinbrunnen benutzt. Unsere Zeit hat weder für solche Scherze Verständnis, noch gibt es Spender, die dafür ihr Geld„springen" lassen. im Juni 1929 Von Max Valier. Im Gegensatz zum Monat Mai hat der Juni am Planetenhimmel seine lichtmächtigsten Gestirne den Frühaufstehern aufgespart, denn Venus und Jupiter bilden dort ein Paar Morgensterne, wie man sie selten in solcher Pracht zu sehen bekommt. Auch Merkur möchte gern der Dritte im Bunde sein, denn er tritt nach seiner Sonnenkonjunktion am 9. Juni auf den Morgenhimmel über, erhebt sich aber bis Monatsende doch nicht genügend aus den Strahlengarben der Morgendämmerung, um gesichtet werden zu können. Am Abendbimmel steht nur noch Mars bis zum Eintritt der Nachtdunkelheit, während Saturn die Mitternacht beherrscht, da er am 18./19 Juni in Gegenschein zur Sonne kommt. Er steht daher in der für die Beobachtung allergünstigsten Stellung, ist die ganze Nacht sichtbar und erreicht seinen größten Glanz, der in geradezu auffälliger Weise in den beiden Wochen um die Oppositionsnacht her an= und wieder abschwillt. Saturn ist nächst Jupiter der mächtigste Planet des Sonnenstaates. An Rauminhalt übertrifft er die Erde etwa 763mal, an Masseninhalt aber nur etwa 95mal, woraus folgt, daß er eine überaus geringe Dichte besitzt, namlich: 0,12 von der des Erdballs oder 0,69 von der des Wassers. Der ungeheure mittlere Sonnenabstand von 1428 Millionen Kilometern bewirkt, daß Saturn vom Tagesgestirn nur wenig Licht und Wärmezustrahlung emnfängt, weshalb er in den Fernrohren blaß erscheint; und auch die Temperaturmessungen zeigen, daß er eine eisig kalte Welt darstellt, deren mittlere Jahrestemperatur—150 Grad Celsius nicht übersteigt. Eigentümlich ist, daß die Achsenumdrehung des mächtigen Balls in der auffallend kurzen Zeit von 10 Stunden 14,6 Minuten vor sich geht. Das wunderbarste an Saturn aber ist das System seiner Ringe, die schon in mäßig starken Fernrohren einen bezaubernden Anblick bieten. Nach den neuesten Anschauungen stellen diese Ringe das Auflösungsprodukt eines ehemals den Saturn umkreisenden Körpers vor. Nach Hörbiger war es der Intra=Uranus, ein gewaitiger Planet, der von der Saturnkugel einstmals eingefangen und aufgelöst wurde, und der Ring soll ein festes, starres Gebilde sein. Nach der Ansicht der Fachastronomen aber hat nur ein kleinerer Saturntrabant den Stoff zu dem Ringe geliefert, der danach nicht aus einem festen Stück, sondern aus einer Art Staubteilchenwolke besteht, derart, daß jedes Teilchen nach Keplers Gesetzen seine eigene Bahn um die Saturnkugel zieht. Daß der Saturnring nach Laplaces Hypothese ein stehen geblievenes Abschnürungsergebnis aus dem Urgasball ist, der sich heute zur Saturnkugel verdichtet hat, an diese Lehre, die vor hundert Jahren fast wie ein Dogma verehrt wurde, glaubt wohl fast kein Gelehrter mehr. Für die Beobachtung am reizvollsten ist die Teilung des Ringsystems durch die sogenannte Cassinische Linie und die und die Abstufung in fünf verschieden helle konzentrische Ringreifen, deren innerster, der zarte Florring, allerdings nur in kräftigen Fernrohren gesehen werden kann. Schwächere Gläser zeigen nur deutlich zwei Reifen, die durch die Cassinilinie getrennt sind. Auf Saturns Kugel zeichnen sich, dem Aequator gleichlaufend, verschiedene hellere und bunklereszur Verfügung gestellten Segler, der„Sarbam“ Bänder mit verwaschenen Zeichnungen ab, aber niemals ist es gelungen, feste Umrisse, die dem wahren Boden des Planeten angehören grußten, festzustellen. Der Firsternhimmel hat im Berichtsmonat sein sommerliches Kleid angezogen. Endgültig sind die winterlichen Bilder versunken und selbst die herrschenden Zeichen des Frühjahrs im Westen schon zum Untergang geneigt. So versinkt(zur Monatsmitte um 11 Uhr nachts) über Westen Regulus im Löwen, über Südwesten Spica in der Jungfrau, während in mäßiger Höhe über Südwest der feurige Arkturus strahlt. Das Feld über Süden wird tief am Himmel von Waage und Skorpion eingenommen, darüber breitet sich der Schlangenträger mit der Schlange aus, und noch steiler gesellen sich Krone und Herkules zu Bootes. Ueber Südsüdosten glänzen zutiefst am Himmel mehrere helle Sterne, wie man sie in so tiefer Zone sonst selten findet. Es sind die Sonnen des Schützen. Er verbirgt auf seinem Raume so manchen geheimnisvollen Sternhaufen und Nebel, der erst in mächtigen Fernrohren sichtbar gemacht wer den kann. Ueber Südosten genau taucht das kühne Haupt des Steinbocks auf. In höherer Lage bilden Adler, Leyer und Schwan mit ihren Hauptsternen das schon im Vormonat erwähnte sommerliche Sternendreieck Atair, Wega, Deneb. Ueber Osten haben sich die Bilder Delphin und Pegasus bereits ganz erhoben, während die obersten Sterne des Wassermannes gerade aufgehen. Im Nordosten liegt hingeschmiegt Andromeda, deren glänzende Sonnen jedem Sternenfreund vertraut sind. Ganz tief im Norden über dem Horizont zieht die winterliche Capella im Fuhrmann glitzernd vorbei. Von den Zirkumpolarsternbildern steigt ebendort im Norden Perseus herauf, Cassiopeja mit ihrer Gestalt des „W“ ist über Nordosten steil erhoben. Cerheus vom Pol gegen Osten gedrängt, der Drache dringt mit seinem Haupt in den Himmelsscheitel vor, während sich sein Schweif gegen Westen über den großen Bären hin ringelt. Der Mond kommt am 14. Juni in sein erstes Viertel, das ja bekanntermaßen für die Beobachtung im Fernrohr immer am reizvollsten ist, und erglänzt am 22. im Vollicht. Eine ganz besonders seltene Himmelserscheinung, die Bedeckung des Planeten Venus durch den Mond, ereignet sich leider am 4. Juni nach Mittag, so daß nur Personen mit besonders guten Augen unter günstigsten Beobachtungsverhältnissen sie zu verfolgen vermögen. Indessen wird es im Feldstecher und Fernrohr nicht allzu schwierig werden, das kosmische Ereignis festzustellen. Nach der Berechnung tritt die etwa 40 Bogengrade rechts der Sonne stehende schmale Mondsichel für Königsberg um 13 Uhr 54, für Berlin 13 Uhr 53, für Munchen um 13 Uhr 47, mit ihrem beleuchteten Rande an den Venusstern heran und verdeckt diesen, bis er am dunklen Rande der nicht erleuchteten Mondscheibe für Königsberg um 14 Uhr 33, für Berlin um 14 Uhr 37 und für München um 14 Uhr 46 mitteleuropäischer Zeit wieder empor taucht. Dabei erscheint der Planet Venus ebenfalls als eine Sichel, nur daß sie etwa 60mal kleiner ist als die des Mondes. „Vatavias“ Kirchhof Ein Drama in der Südsee vor drei Jahrhunderten. Von Günther Erlenbeck. In diesem Sommer sind gerade drei Jahrhunderte verflossen, seit sich fern an der australischen Küste eines der entsetzlichsten Dramen abspielte, von denen die Geschichte der Seefahrt weiß. Im Oktober 1628 hatte der holländische Segler„Batavia“, Kapitän Pelsert, den Hafen von Texel mit Kurs auf den Golf von Carpentaria verlassen. Am 4. Juni 1629 lief das Schiff, vielleicht infolge falscher Navigierung, an der Abrolhos=Gruppe auf eine Sandbank auf. Da die Versuche, es wieder flott zu bekommen, scheiterten, wurden alle Reisenden nach einer kleinen Insel gebracht, wohin sich auch die Besatzung begab, als ein aufkommender Sturm die„Batavia“ vollends zum Wrack gemacht hatte. Wasser war auf der Insel nicht zu finden; die von Bord geretteten Vorräte drohten auf die Neige zu gehen, so daß der Kapitän beschloß in einem Boot nach dem australischen Festland zu fahren, um von dort Wasser zu holen. Nach zehntägigem vergeblichen Suchen sah Pelsert keinen anderen Ausweg, als in der kleinen offenen Schaluppe nach Batavia zu segeln, um von dort Hilfe zu holen. Nach gefahrvoller, beschwerlicher Fahrt kam er am 7. Juli dort an schon acht Tage später ging er mit einem ihm wieder in See, um seine Leidensgefährten zu erlösen. In seiner Abwesenheit trugen sich auf„Batavias Kirchhof“— so taufte man die Insel— furchtbare Dinge zu. An Bord hatte sich als Superkargo ein gewisser Cornelius Jerome befunden, ein Erzschurke, der schon während der Reise die Mannschaft zur Meuterei verleiten wollte, um nach Beseitigung der Schiffsoffiziere und der Passagiere ein lustiges Piratenleben zu führen. Der Schiffbruch vereitelte diese Absicht zunächst. Da man nun annehmen konnte, daß Kapitan Pelsert mit einem anderen Schiffe bald zu Hilfe kommen würde, griff Jerome seinen ursprünglichen Gedanken wieder auf und beschloß, dies Hilfsschiff seinen finsteren Plänen dienstbar zu machen. Dabei störten ihn jedoch die mehr als 150 Passagiere beiderlei Geschlechts, die sich auf der Insel befanden. Jerome faßte daher mit einigen Gleichgesinnten den teuflischen Entschluß, alle bis auf etwa 30 Mann, die ungefährlich schienen und vielleicht gewonnen werden konnten, kurzerhand abzuschlachten. Die Schurken gingen zu diesem Zwecke einen regelrechten Vertrag ein, indem sie unter Anrufung des Höchsten und bei ihrer ewigen Seligkeit einander Beistand und Hilfe gelobten! Unter Führung eines gewissen Hayes hatten sich 45 Schiffbrüchige inzwischen nach einer anderen Insel begeben, um dort Wasser zu suchen. In der Tat war ihnen das Glück hold, und sie gaben den Zurückgebliebenen durch Feuerzeichen davon Kunde. Zu ihrem Erstaunen blieben sie ohne Antwort. Es war gerade die Nacht die Jerome für das allgemeine Morden bestimmt hatte. Auf„Batavias Kirchhof“— der Name war wirklich treffend gewählt— spielten sich entsetzliche Szenen ab. Die Meuterer fielen plötzlich mit Messern und Beilen über die nichts ahnenden Reisenden her und metzelten die Wehrlosen ohne Erbarmen nieder. Mehr als hundert Männer, Frauen und Kinder fielen der Mordlust zum Opfer. Nur wenige gute Schwimmer vermochten sich nach der anderen Insel zu retten, wo sie Hayes und den Seinen die Schreckenskunde überbrachten. Obgleich man über keine anderen Waffen als Knüttel und die Riemen aus den Booten verfügte, wurde beschlossen, dem in kurzem zu erwartenden Angriff der Meuterer hartnäckigsten Widerstand entgegen zu setzen. Jerome ließ sich indessen Zeit. Auf einer dritten Insel befand sich noch eine kleine Gruppe, die zunächst kaltblütig„erledigt" wurde. Dann— es war inzwischen August geworden— erfolgte der Angriff auf die Hayes'sche Abteilung. Etwa zwanzig der Verbrecher fuhren in einem Boote hinüber, wurden aber von den sich verzweifelt Wehrenden zurück geschlagen. Jetzt nahm Jerome selbst die Sache in die Hand, aber mit keinem besseren Erfolge. Da mit Gewalt offenbar nichts auszurichten war, versuchte er es mit List, indem er einige französische Söldner, die sich bei Hayes befanden, zu kaufen suchte. In einem Briefe versprach er sie zu schonen und in seine Horde aufzunehmen, wenn sie ihre Kameraden verrieten. Die Franzosen gingen scheinbar darauf ein, zeigten den Brief aber Hayes, und als eine Abteilung der Mörder am nächsten Tage auf der Insel landete, wurden sie aus dem Hinterhalt überfallen und bis auf einen niedergemacht. Jerome selbst geriet in Gefangenschaft. Inzwischen war die„Sardam“ auf dem Wege nach den Albrolhos. Widrige Winde und Strömungen hemmten die Fahrt, so daß man erst am 19. September beim Wrack der Batavia ankam. Durch Hayes mit den entsetzlichen Vorgängen bekannt gemacht, ging Kapitän Pelsert zunächst daran, sich des Restes der Meuterer zu bemächtigen, die sich der Uebermacht ohne weiteres ergaben. Dann folgte das Gericht. Jerome suchte alle Schuld von sich abzuwälzen, gab aber nach vierzehntägiger„peinlicher Befragung“ auf der Folterbank seine Verbrechen zu. Das Urteil lautete für ihn und seine Spießgesellen auf Tod durch den Strang. Auf einer kleinen Insel wurden Galgen errichtet und die Schuldigen gehenkt, nachdem jedem zuvor die rechte Hand, Jerome beide Hände, abgeschlagen worden waren. Das Drama von„Batavias Kirchhof“ hatte seinen Abschluß gefunden. Korsische Postfahrt Akrobatenstückchen und Autorninen. Von Georg Wagner. In Nonza, an der Westküste von Cap Corse, lernte ich den ersten korsischen Postkraftfahrer kennen, bewundern und fürchten. Ich kam lendenlahm von den Bergen herunter in das Adlernest zweihundert Meter senhrecht über dem Meer und hörte mit Erleichterung, daß zwischen drei und vier Uhr Nachmittags der Kraftwagen zu erwarten war, des die Postsäcke zwischen Rogliano und Olette sammelt und nach Bastia bringt. Um vier Uhr fauchte ein offener kleiner Viersitzer die steile Straße hinauf. Ich nicht auf den klapperigen Wagen. Doch des ehrsame Bürger von Nonza, dessen einzige Beschäftigung seit einer Stunde darin bestand, mit unglaublicher Kunstfertigkeit um meine Beine herum auf die Erde zu spucken und mit bewegter Stimme über die Faulheit seiner korsischen Landsleute im allgemeinen und der Nonzaer im besonderen zu klagen, stieß mich an:„Das ist die Post. Vielleicht dürfen Sie mitfahren". Der Kraftfwagenführer war trotz seines Apachenäußeren ein guter Junge:„Weno Sie hinten zwischen den Postsäcken Platz nehmen wollen.“ Ich wollte, klemmte mich zwischen den Säcken auf den Sitz und bekam noch einen Stapel auf die Knie geladen. Dann fuhren wir los. Der Wagen lief am Berghang entlang hoch über dem kobaltblauen Meer, und nur eine schmale, niedere Mauer trennte uns vom Stein absturz. Kurz vor der ersten Kurve, an der die Straße ins Leere hinaus zu enden schien, wei die kleine Mauer dort schlauerweise fehlte, wurde mir angst und bange. Ich hatte gehofft, der Fahrer würde ein Warnungssignal geben und bremsen. Meinem Apachen fiel das garnicht ein. Er fuhr mit unverminderter Kraft auf das Stück blauen Himmels vor uns zu, wandte sein gutmütiges Gesicht, grinste, als er meine kreide. weiße Angst sah, riß im letzten Augenblick das Steuer herum und brachte das Vorderrad einen halben Meter vom senkrechten Absturz entfernt kunstgerecht um die Kurve. Ich dankte meinem Schöpfer. Doch mein Martyerium begann jetzt erst. Ich hatte mich meinem Apachenfahrer verraten. Nun wollte er sicher dem Fremden erst recht seine Kunst zeigen. Neunzehn Kilometer lang raste er mit mir an der Steilküste entlang, mindestens hundertmal riß er den Wagen um die Kurven. Vier= oder funfmal tauchte plötzlich drei Meter vor uns hinter der Felswand ein entgegenkommender Kraftwagen auf. Jedes Ausweichen schien unmöglich; doch mein Postfahrer brachte sein Behikel, ohne mit der Wimper zu zucken, stets zwischen dem anderen Wagen und dem Abgrund hindurch. In St. Florent gönnte er meinen angegriffenen Nerven zehn Minuten Erholung. Dann lud er mir einen neuen Postsack auf den Schoß und brauste ins Land hinein. Mit Genugtuung sah ich das Meer hinter uns zurück breiben. Die Fische würden mich nicht mehr fressen. Meine Freude war verfrüht, denn die Straße führte bald steil in die Berge hinein. Sie schien eigens für Fußwanderer geschaffen zu sein, denen die Aussicht besonders am Herzen liegt, denn die unzähligen scharfen Kurven, die hundert oder zweihundert Meter hoch über dem Tal um die steilen Querrippen der Berge führten, gewährten immer neue, überraschende Ausblicke auf das Meer, auf die duftende Macchia und auf den ewigen Schnee des Hochgebirges. Mir blieb der Genuß dieser Schönheiten leider versagt, denn mein Apachenfahrer schien wahnsinnig geworden zu sein. Er jagte um die Kurven, raste die geraden, steilen Strecken hinan, und das teuflische Grinsen wich nicht von seinem Gaunergesicht. Hoch über uns am Berghang lag ein Dorf. Oletta.„Dort oben bekommen wir den letzten Sack“, glaubte der Postfahrer meine müden Knie trösten zu müssen. Ich fragte mich vergebens, wie der Wagen dort hinauf kommen sollte. Zehn Minuten später sausten wir an einer spitzwinkligen Straßengabelung, deren Kurve zu schmal war, um sie ohne Vor= und Zurückfahren zu nehmen, die Böschung hoch, tanzten sekundenlang auf den beiden Außenrädern und hielten gleich darauf mit dampfendem Kühler vor der Post von Oletta. Ich hatte genug und wünschte meinen Fahrer zu allen Teufeln. Er grinste. Ich schamte mich und blieb sitzen. Als wir aus Oletta abfuhren, verbauten mir die letzten Postsäcke auf meinem Knie jede Aussicht nach vorn. Ich wußte, daß uns jetzt noch die Schlucht des Lancone von der Ebene trennte. An einer Kurve sah ich die Klamm. Ein schmaler Keil blauen Himmels klemmte sich zwischen die beiden Wände. In die eine hineingesprengt lief die Straße, und zweihunderr merer tiefer schäumte der Lancone. Ich schloß mit allen Freuden des Lebens ab und umklammerte krampshaft den Postsackberg auf meinen Knien. Dann sausten wir die drei Meter breite, abschüslige Straße hinunter. Da bremste mein