Bürgermeister erbauliche Dinge weiß(die gart nicht mit den Deutschen zusammenhängen) Gehe nicht in die halbdunklen Höhlen am Fuße der Akropolis— is ist gefährlich: weniger der nicht vorhandenen Räuber wegen, sondern jenes Schmutzes wegen, den man überall in dieser von den verdammten Bayern schandelten Stadt findet. Die Tüchtigkeit nieler Erkennenden stemmt sich, gegen Lärm und Schmutz dieser Stadt. Sie wissen, oaß Athen,, die schöne, interessante durch tausend Dinge fesselnde Stadt, in Gefahr ist, in den Ruf einer Höllenstadt zu kommen. Und sie versuchen, zu ändern, solange es nock Zeit ist. Aber meist werden sie ausgelacht. Die anderen wissen es viel, viel besser. Wissen„die anderen“ es nicht eigentlich überall und immer viel besser? 12— Im Ostensvorkommen, daß man einen Unschuldigen geAbenafauh 9latt uSemiseegriae a instötet hat, so hann der wirkliche Röcher sich nach nand: WPrgnszam## erseits die Strafensseiner Tat im ganzen Lande laut rühmen, ohne sprechung und Religion sind eng im mohamme. denn danischen Osten miteinander verquickt. Als ich zum ersten Male China besuchte, war ss leicht, einen Ersatzmann für einen zumrithig Stallknecht der britischen Gesanztschaft Tode Verurteilten zu finden. Jeder arme Kusil## einst durch die Straßen der Hauptstidt, hätte für hundert Pfund Sterling die Stelle als sein Pferd ausschlug. einen Mann traf und eines anderen, der sterben sollte, eingenom= ihn tötete. Man verhaftete den Knecht und men, denn von dem Gelde konnte seine Fami= verurteilte ihn wegen Mordes, und Engiands lie besser als von seiner Arbeit leben. Bei uns ganze Macht konnte ihn nicht retten.„Pär bedeutet der Tod dos Schließen eines#es ihm nur gelungen, auf das Gehiet der Ge griff des Totschlags oder der fahrlässigen Tötung ist in Abessinien unbekannt. Ein Stallknecht der britischen Gesandtschaft „Wäre Gransame Richter Instizmethoden im geheimnisvollen Osten. Von Rosita Forbes. lie besser als von seiner Arbeit leben. Bei uns ganze Nacht konnte ihn nicht retten.„Käre . Es Teb dus Echiegen eines Tores es ihm nur gelungen, auf das Gebiet der Geim Osten tut es sich erst auf. Ein Amerikaner sandtschaft zurückzukehren, dann hätten wir erzählte mir einst, wie er von einem Man= ihm Herdschutz geben können, aber für den darin eingeladen gewesen sei, der ihn prächtig Rest seines Lebens hätte er innerhalb der Umunterhalten habe. Witzig und geistreich sprack zäunung bleiben müssen.“ er über Europa, das er kannte, und doch fand] Der große Unterschied zwischen westlicher und am nächsten Tag seine Hinrichtung statt. löstlicher Rechtsprechung liegt darin, daß die Ein arabischer Richter würde einen Men=serstere unpersönlich ist, oder es wenigstens zu schen zum Tode verurteilen für Dinge, die wir sein behauptet. die zweite dagegen rein verals Kleinigkeiten ansehen. Aber er würde oftssönlich. Und iroendwo habe ich gelesen:„Es nicht daran denken, Beweise anzuerkennen, die ist das Persönliche, das am meisten zählt.“ wir für hinreichend halten. In jedem ernsteren Fall sind zwei Augenzeugen nötig; ein glühendes Stück Metall wird auf die Zunge des Zeugen gelegt. Verbrennt er sich, ist er ein Lügner Der wahrhafte Zeuge wird nicht ängstlich sein und so wird der Speichel die Zunge schützen —.2— Der vergeßliche Bandit Das Verbrechertum Chicagos scheint nicht während der Lügner vor Angst einen trocke mehr ganz auf der Höhe der Zeit zu sein. Wenn nen Mund bekommt und sich verbrennt. suns auch kürzlich erst die Meldung erreichte, Der Tod, der den Körper unversehrt läßzt, if daß die Banditen vom User des Micki Die Justiz ist ähnlich wie die Moral von der Eigenart der Länder abhängig. Der größte moderne Gesetzgeber in Afrika war Raisuli Räuber, Krieger, Staatsmann, Philosoph und Sultan der Berge in Marokko. Während seiner Tätigkeit als Gouverneur in Tanger konnten zum ersten Mal seit MenschengedenAder hallen zu werden aber Paisull haste eine den das Entsetzen aller, denn in der Nachwellschossen, so kann diese Heldentat die Reihe unSchmert Der eilseste ater eusg. Leit„ssesehmesten begrädt man den Stradzenräüber zulbeit helt, einen friedlchen Bürger mut der ner uich ece Oeors Mitg####urzen mit dem Oofer, das er umgebracht ha-(Pitole in der„Hand auszuplündern, weshalb en Diebsben soll, in einer Hihle. Der Platz ist geräu=ser sein Schießeisen in die Tasche steckte und sich lmig und lustig. Wasser und Lebenemittel wer= in einenBoxkampf einließ der ihm keiren shgehauen, dann das verstümmelte Gliedsden hinabgereicht. Kommt der Mann nack Raub, sondern Dei geraugs, nichr als Tortur, sonderrsschurs, Poche lebendig heraus, so war er un=Dann lachte sal ost Pörte, aber nie Ungerechtigkeit vorge Ermordeten getstet. eist de, macken wollte, was vorsen. Er, elerseige Arsicht wie deg“ Porsen.], Gewöhnlich sterben die so verurteilten Räu= und so viel Zeit zu seiner Erkl... Ki. Abwesenheit eines Menschen vergißt mani der aus Angst, vor Schreckgespenstern. Dielklärung brauchte, daß ihn die Polizei am Kraell. Sein Ogpf aber, auf dem Gesängnis:]Schrecken des Terrorrisierens eines Angeklagessen packte. Gleich danach hatte ein Straßenund begrundere sei „Die Abwesenheit schneu. Sein Rup gitter aufgespießt, ist eine sstr 3, Jeezserechung nicht, und man enthoblinal eine Audienz geb, so wurde sie in zies= sicht voerstand, Der arme Bandit mutzte i0 list . stem Dunkel abgehalten. So empfing er mich sschreien, um sich dem Ueberfallenen verständlich Staunenerregende Geschichten werden von Nach einer einstündigen Unterhaltung war ich zu machen, daß er die gummiahlatzbewehrte inen Strafen erzählt. Verrätern ließ er mits3l, Ende meiner Nerven. Ueberall sah ich Ge Polizei nicht nahen hörte und ebenfalle erwischt aden Münzen die Augen ausbrennen santten um mich und andere lächerliche Dinge, spürd'g##kun tritt zu diesen Unglüchsbageiten berichtet, wie einst, Musa den Hamed i; Paseueg sich nun einmal einen Angeklagtenszezn, ganiel Faleo, der Streßenräuter, der gern gebenden Man einer inden Münzen die Augen ausbrennen gan“###n mich und andere lächerliche Dinge.wurde. Run tritt zu diesen Unglü berichtet, wie einst Musa den Hamed;n seue, sich nun einmal einen ungenupirz#seinz Her#e! Faleo, der Sir,ben! seiner erbittertsten Gegner, von seinenn dieser Lage vor: stockdunkel ist alles. und eine Pistole vergaß. Eines sckön in gesangen, dann aber entflohen, in sei= eine mächtige Stimme tönt aus der Nacht spazierte Freund Falco die Madisor Else eaet Sescisce aegenli cheschiese Sensehantetgaie aie tin Laestrleichdse nsenescen eialten tenicheicheter den Hamed die Freiheit, und Raisuli sagte:par d###., Antwort. Er war unschuldig. Aber Leere. und in der linken Jachentasche fano sich „Wie hann ich einen Menschen umbringen, der eine unschuld nutzte ihm wenig, denn nur um nur die Shagpfeise, mit der aber nur die Demein Gast war?“ ster Marter zu entgehen, gab er ein Verbre=ltektive in den Filmen ein Schießeisen vorzuDie Lechtimachung der Sdtene Sumctt 4( gen zu.„Wunde er verurtellti“ fragte ichtstäuschen versteben. Dus Opfer sah dem Geeme####es Osiens beruht aus.Rein, er war dumm im Lügen und ein Fegssbaren Falcos höckst interessiert zu.„Sie haben Vg,###ge um Auge, Zohn umsling obendrein, aber nichts weiter.“ swohl Ihr Schießeisen vergessens: La käuber schlägt man die Hand ab man Wegelagerer im Lehm ein„5ggen: doch aus politischen Gründen konnte essmanditen hohne legte den vergeßlichen Zahn“. dem# den gesteinigt oder lebendi Turkestan und in einigen Teilen Persien=s##ß etwas geschehen müsse, den Märder zuar dacht man Wegelagere. im Lehm ein uncsnizer; doch aus politischen Gründen konnte essmanditen 8.u“ weit, Pehe„4 tellt sie zur Warnung an den Straßen aussizgt, der wirkliche Mörder sein. Der SultansPosz weitger I.pondlung dure Ste verräter werden durch Ausstechen der Augersgeß einen zu lebenslänglicher Haft verurteilten vvtidel auf das Straßenpsichter. oder durch Abschneiden der Zunge bestraft, ge kommen.„Mein Sohn“, sagte er,— au nach dem Satze:„Das Auge des Treulo= du hast viel Unrecht getan, und nur meine —1—.— weit: so hann man dei den Senus in Nord=lEurovder eingesehen, so soll dir die Strate afrika, die ich einst besuchte und die zu der dem Tode erlassen sein. Ich, der Herr aller größten Asketen unter den Muselmanen ge= Gläubigen, verspreche dir das Paradies.“ Der hören, seine Hand verlieren, wenn man Rauck Verbrecher ging freudig darauf einatmet, weil dieser Genuß verboten ist.### feenigz varaus ein. Geißelung erfolgt für einen Schluck des Leghb' genannten Getränks, das aus dem Saft eineAbgeführt dem„Im Siebenjährigen Kriege hatte der preukische Adel stark gehlutet. Die Otfizierstellen Geißelung erfolgt für ein- Schluch des Leghb'] Die Rechtsprechung in Abessinien ist sehr genannten Getränks, das aus dem Saft einer sonderbar. Dort gibt es keine Richter und GePalme hergestellt wird. Schwere Strafen lie=richtshöfe. Ein angesehener Bürger kann den gen auf dem Tragen von Schmuck oder Richter spielen. Klagt dort einer den anderen Spitzen. oder wenn man eines der fünf täg=an, so werden sie erst einmal zusammengebunsichen Gebete versäumt. Ehebruch. Widersetz= den, bis der Fall geklärt ist. Für Mord wird sichkeit der Frau gegen den Gatten, Aufleh=soft Sühnegeld gezahlt und angenommen. Wird nung des Sohnes gegen den Vater wird mitses aber abgelehnt, so wird der Schuldige der Langsamem Erwürgen bestraft.(Familie seines Opfers ausgehändigt und von ihr umgebracht, in der gleichen Art, wie der Die Bestrafung der Frau wird meistens dem Mord begangen wurde. Ein Schutzmann hält Shemanr, überlassen, und ich glaube nicht daß Wache, damit keine Marterungen vorgenommen G.s Sot Seagt.„Behandelt die werden. Nach der Hinrlchtung, wenn man es meo har gesugt.##hn, die Frauen, gutsso nennen will, wird gefragt, ob die Sühne wenn Ihr in den Himmel kommen wollt.“ nehmende Partei„befriedigt“ ist. Nach Ertei=maitor Ich habe in der ganzen Welt, von der Mon= lung der Antwort ist der Fall erledigt. golei bis nach Abeifinien, von Marokko bis! In Abessinien können nie zwei Menschen für zerantmart auch Siam, Gerichtssitzungen der Eingebore= ein Verbrechen hingerichtet werden. Sollte es Lruch und „Im Siebenjährigen Kriege hatte der preußische Aber stark gebiutel. Die Ossizierstellen bei den Regimentern konnten nicht mehr durchmit Edelleuten besetzt werden. Bürgerliche Offiziere zu adeln, trug Friedrich der Große oft Bedenken, weil er fürchtete, sie könnten sich hinterher nicht immer adelig beAuch war es eine Schwäche von ihm, bei Musterungen an dem Adel des oder jenen Offiziers zu zweifeln. So fragte er einst einen Junker. dessen Schneid ihm aufgefallen wor. nach seinem Namen und setzte, als er ihn hörte, hinzu:„Er ist kein Edelmann.“ Aber der Junker ließ sich nicht verblüffen. sondern bediente ihn mit der Antwort:„Majestät. schon Kaiser Rudolf der Zweite hat zehn Mark lötigen Goldes Strafe dem angedroht, der meinen Ade! bezweifeln sollte!"—„Ei. ei, gehorsamer Diener!" erwiderte lachend der König. aich habe nicht so viel Geld bei mir," und ritt eilends weiter. wortich H Semmelmann Anten. #d Verlag: V. A. Sanz, Altena Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung im Stil einer nordischen Stabkirche erbaut. Sie gleicht äußerlich der Kirche Wang, die Friedrich Wilhelm der Vierte aus Norwegen ins Riesengebirge verpflanzte. Der Eindruck des Innern ist rein und schön. Die schlanken, hoch strebenden Kiefernstämme schließen eine echte und Jagdhaus Rominten Von Franz Adam Beyerlein. Jagdhaus Rominten wurde in der Vorkriegszeit oft genannt. Regelmäßig kehrte der Kaiser nach den Manövern dort zur Hirschjagd ein e#######sfPhtämme,„schzießen eine ech und suchte in der Stille der Heide vor demsre“:e Wawkirce ein. aue vierzehn Tage sindet noch jetzt auf Kosten des Kaisers Gottesdienst durch den Pfarrer von Dubeningken statt. Potedam die Umgebung durch Geschichte Jagdhaus Rominten war von Anbegiin Priund Tradition geformt waren, schuf er sich dort vateigentum Kaiser Wilhelms und gehört ihm noch heutigen Tages, Fin eiggrater vensianer. der Stille oben an der Nordostgrenze des Reiches selbst die Räume, in denen er— als Jäger natürlich — leben und es sich behagen lassen wollte. 10305g Jnsohaus liegt fast genau inmitten der 100 000 Morgen großen Heide und außerordentlich schön. Von der breiten Kuppe eines Hügels schaut es auf das Wiesental der Rominte noch heutigen Tages. Ein eisgrauer pensionierter Förster hat es unter seiner Obhut und verkauft die Einlaßkarten zur Besichtigung. Seine Stube riecht prachtvoll nach Knoster. Er sagt: „Ja, die alten Zeiten waren schöner“, aber er lehnt es fest und ruhig ab, aus den Kaisertugen zu erzählen. Dann erscheint eine derbe. echt und darüber hinweg auf die sanst an=lostpreußische Marjell, streift Schuhe über die bloßen Füße schließt das Tandhaus drühen-uf. steigenden bewaldeten Hänge des anderen Ufers. Rings breitet sich ein wohlgehaltener Park aus, der einst fast unmerklich in den Forst überging. Das Haus ist durchweg aus Holz in norwegischem Blockhausstil erbaut. Ursprünglich war es halb so groß wie jetzt; um Raum für die Kaiserin zu schaffen, ist es späterhin numentale Ansprüche entstanden, die sich von weil sie ihm die starken Hirsche nicht gönnten, oloßen Füße. schließt das Jagdhaus drüben auf. zeigt die Zimmer und schnurrt sazu ihr eingelerntes Sprüchlein ab. Nachdenklich hört man zu. Die Rominter Heide hat seltsame Schicksale erlebt. Prinz Friedrich Carl entdeckte sie sozusagen als Jagdgebiet. Nach seinem Tode aber belegten sie einige sagdbegeisterte preußische Keace de lhielseälchlese chelseh eh none und drachengeköpfter Giebel leidet, war sicherlich schöner und echter. Geht es außen vor der Tür noch ein wenig unruhig her, so ist es innen, auf den Fluin den Zimmern, desto einfacher undigen noch von ihm; die einfachen Kreuze sind herrscht alle. Ph,gaafikam wösßel uind gutlbalben für die meie ui d aesen Andreas, alles. Die behaglichen Möbel sind gutsbainen für die meist unbekannten russischen jedoch, dem Graf Dohna die Wahrheit über den herrlichen Wildbestand gezeigt hatte, daute sich das Jagdhaus und genoß von ihm aus ein Vierteljahrhundert lang die Freuden des edlen Waidwerks. Darauf brauste der Krieg über die Heide hin. Die Gräber an den Wegen zeuherrscht alles. Die vehaglichen Möbel sind gut dazu abgestimmt. Vielleicht entbehrte dereinst mancher auf die Dauer die Polsterung der Sitzbalken für die meist unbekannten russischen Soldaten. Nach dem Kriege kam der Zusammenbruch. Jetzt jagen wieder preußische MiIhpreresden sch birckchiaden bort. Auch der herstuchen. roßadmiral von Tirpitz verfügte über nicht viel mehr Platz, und die Hofdame drüben auf dem Flügel der Kaiserin hatte allenfalls nur einen größeren Spiegel. Das Wohnzimmer des Kaisers hat den schönsten Blick. Wer mit der Heide nicht zufrieden ist, mag sich an einen Wiesenhang im Harz oder im Thüringer Wald versetzt fühlen. Für den Hausherrn ist der Raum reichlicher bemessen als für die Gäste, aber es bleibt auch nur bei einer kleinen Stube. In einer gemüt) lichen Plouderecke sind an den Wänden farbig getönte Kreidezeichnungen nordischer Gottheiten aufgereiht. Nach Norden flog ja stets die Schnceröckchen Von Wilhelm Hochgreve. Novemberstürme harfen wilde Lieder im kahlen Geäst. Bunte Blätter wirbeln von Riesenfaust empor geschleudert in der nebelfeuchten Luft., Jeden Tag muß der Winter kommen. Eis starrt fast jeden Morgen auf den Regenpfützen in den Löchern und Wagenspuren. Rotsen. gusgereiht.„Noch Norden flog ja stets dieshittel und seine Sippe sind schon fertig im des Kisers. Gegenüber hängt un=Winterhaar, und Grimbarts haben schon längst vermittelt eine Photoaraphie des Bruders der tüchtig Moos eingekarrt. Gar nicht zu reden Kaiserin. über dem Schreibtisch ein Jagdstück, ein schreiender Hirsch. Ungekünstelt und anspruchslos ist dies alles, ein wenig wahllos nebeneinander vielleicht, dabei aber menschlich warm urd verständlich. Geweihe prangen, wie das in einem Jagdhaus nicht anders zu erwarten ist, überall an Wänden. Leider sind es Nachbildungen. von Aschenputtel, dem Siebenschläfer, der sich schon vor vier Wochen speckfett im warmen Moder der Eichenhöhle zusammen gerollt hat. um seinem Namen Ehre zu machen. Das Großwiesel im Geröll des Steinbruchs hats so eilig zwar nicht, ober Zeit ist es schon, daß es ebenfalls an den Winter denkt und sich zum Hermelin umfärbt. Bald hüpft es im scheckigen UeberNur die Geweihe zweier verkämpfter Hirsche gangskleide aus seinem mit den Flaumfedern uind echt. Die Originale der übrigen jagdlichenseiner gemeuchelten Fasanenhenne ausgevolsterTrovhäen befinden sich in Potsdam. Es heißtilten Bau über den Schotter des verwilderten hätten im Johre 1914 eilends vor dem Jagdneid eines Großfürsten in Sicherheit gebracht werden müssen. In geringer Entfernung vom Jagdhaus istsab. aber am Morgen sind nur die glatten Wege gleichfalls ganz aus Holz die Hubertuskapelle und die Steinplatten im Bruche überpudert. Das Großwiesel wird zum Hermelin, bevor das Land weiß wird. Und Schneeröckchen sehnt sich wieder nach seinem rotbraunen Sommerkleide, in dem es auf grauem Gestein, im zübenden Grase, auf gelber Stoppel und in lehmfardenen Schollen weit weniger allen seinen Beutetieren wie auch seinen Feinden auffiel als setzt. Wie ein Blatt weißes Papier, das der Wind über den Boden treibt, schreckt es im Springen Vögel und Kleinwild, daß es ihm schwerer als vordem wird, seine Mäusespeisekarte so abwechllungsreich zu gestalten. Es muß in seinem Verrätergewande andere Jagdweisen anwenden, um zu seinem Recht zu kommen. So geht es mehr als sonst auch nachts auf Raub. um schlafende Beutestücke zu beschleichen. die ihm die feine Nase verrät. Aber nachts sind wieder seine Feinde im Gange, die trotz seines Moschusgestankes Gefallen an ihm finden, Rotkittel. der Fuchs. Samtfohle, der Marder, und Nadelkralle. der Waldkauz. Ganz übel ist auch Baldrian, ein schwarzer Kater aus dem Dorfe, der Mäuse und Wiesel ohne Unterschied reißt. So hält's Schneeröckchen, häufig von diesen geschmacklosen Nachtbummlern gerade seines weißen Gewandes wegen in Tadesgefahr gebracht, doch bald wieder mehr mit dem Rauben am Tage und unter der Erde. Wie eine Schlange windet es sich durch Furchen, Wagenspuren und Unbrautstreifen an die Mauslöcher, taucht in sie hinein mit seinem aalglatten, jeder Biegung und Enge nachgebenden Leibe und bringt mit seinen nadelspitzen Fangzähnen den Tod. So schlägt es sich durch die grauen und braunen Tage durch, bis eines Morgens der richtige weiße Winter eingezogen ist. Und da ist es mit seinem Schneebalge in seinem Element. Hei, wie es jetzt wieder hüpfen und springen kann! Ist doch alles weiß ringsumher. so weiß wie es selbst. Denn den feinen Dotterhauch im Haar seines Unterleibes kriegt ja kein Wesen zu sehen, und die hübsche schwarze Rutenquaste int zu klein, um es zu verraten. Hoppla, wie es über die Gräben setzt und über die Furchen tägzelt! Weiß auf weiß, das paßt gerade. Doyer wird der Schnee. Jeden Tag wirbeln die Flocken wie Kirschblütenblätter im April. Mit der Mäusejagd, seiner lustigsten Raubweise, ist es für Schneeröckchen ungefähr aus, seit die Sonne einmal für Stunden das Gewölk zerriß. den Schnee erweichte und darauf der Frost eisig über die Felder hauchte. Aber solch Wetter gibt mattes Kleinwild, und so muß manches Rebhuhn in der Ackerhecke unter Schneeröckchens Halsbiß verbluten, und mehrmals reitet des Tolldreiste ein Kaninchen zu Tode, hinter den Löffeln verbissen, und selbst ein Hase von sieben oder acht Pfund Gewicht verendet klagend unter dem mörderischen Saugfang seines verwegenen Reiters. Der iecht nur seinen warmen Schweiß und fängt sichdann noch vom Pferdemist auf der Landstraße eine Haubenlerche, um deren Hirn zu fressen. Immer wilder wird der Räuber in seiner weißen Tarnkappe. Zwei Tage haben ihm nur eine beim Anflug gegen Ueberlanddrägte getötete Grauammer eingebracht, sonst war bei Hem den Neuschneebehang von den Büschen und Bäumen pustenden und Schneewehen aufwerfenden eisharten Noroost keine Beute zu machen. Da zwickt es unbändiger Hunger auf rauchendes Blut. Die Feldbüsche aber sind vogel, und wildleer, der Frostwind aus Nordost hat sie ausgefegt. Heißhunger treibt Schneeröckchen in den Wald. Hin und her geht sein Suchen. aber auch der Wald ist in seinen nach Nordost offenen Teilen wie ausgestorben EndSteinbruchs, um in dem Schutzgehölz und anslich aber auf der windgeschützten Südwestseite den Gräben auf die Tagd zu gehen. Schnee= gelangt es auf Fährten mit frischester wolken hängen geballt tief vom Himmel her-uma. und roter Schweiß färbt jetzt gar den Wechsel. Es weiß, daß es gegen Rehe nicht viel lauszurichten vermag, aber der Heißbunger und „.*.** — S0E• F*" — * S 9— * -AEE%ESSES G P g 588S #H7SS·8N BESSUE SRSELEES ZaScjbcS 326. 5o 59 12 S 9 55 * SGE. E E S6. 9—ES, Sa-S2 „ der Schweißgeruch machen es sinntos verwegen. Entweder— oder. In langen Sätzen ist es an den Betten der Rehe, sichert und fliegt wie ein Schneeball dem einen der Kitze an die Drossel. Das schnellt hoch, taumelt im ersten Schrecken einen Kreis und rast dann klagend davon. Ja, wenn die Mutter noch lebte, die von Aasjägern mit der Schrotflinte auf einer Treibjand gemeuchelt wurde; sie würde dem weißen Räuber mit einem einzigen Hieb der harten Schalen am sehnigen Laufe seinen Uebermut schon austreiben. Durch Mark und Bein dringt das Klagen des Kitzes, das jetzt mit seinem Reiter durch lichten Hochwald flüchtet. Das Falkenauge des jungen Försters erfaßt schon auf weite Entfernung die Lage. Mit langen Schritten ist er heran. und donnernd bringt ein schneller Schrotschuß das Klagen des Kitzes zum Schweigen. Neben dem Reh liegt Schneeröckchen. Ein Schrotkorn nur traf es, aber das ging ins Leben. Eine rote Perke nach der andern rollt; über den schwanenweißen Balg in den Schner. und auch aus seinem Fange quillen Schweißtropfen. Aber rot war der schon vor dem Schuß. Das infolge seiner Mutterlosigkeit kümmernde und dazu schalenwunde Kitz hätte die saugenden Bisse des Hermelins nicht lange ausgehalten. So war ihm der Schuß. der seinem Mörder galt, eine Erlösung. Während das Kitz ausgebrochen am Blichenzachen hängend ausschweißt und auskühlt, loßt der junge Jäger den Schlangenleib seiner weigen Beute durch die Finger gleiten. Seine blauen Augen lachen. Er hat einen Wildmörder erwischt und den letzten Balg erbeutet, der khm noch am Halskragen für die Braut zu Weihnachten fehlt. Wenn das brauntockige Mädchen den aus sechzehn Hermelinbälgen angefertigten Prachtkragen um den schönen Hals wirft, dann wird keiner seiner lebensfrohen Blicke danach fragen, wieviel Blut, Vogethirn und Wiloschweiß es kostete, diese sechzehn Schneebälge voll und glänzend werden zu lassen. Die schöne Syrerin Eine Braut, die nicht geküßt werden will.— Die Heirat als Mittel zur Einwanderungserlenbnte Von John C. Waters=Chieago. Nach zwanzigjährigem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten verspürte Joseph Saschaty, ein Syrer, eine unüberwindliche Sehnsucht nach einer Frau aus seinem Volke, die alle Vorzüge der Syrerin: Schönheit, Temperament, Liebenswürdigkeit und Treue, in sich vereinigen sollte. Doch diese Idealgestalt einer Hausfrau war nur in Syrien selbst zu finden, und dorthin zu reisen, verbot dem vielbeschäftigten Joseph seine beschränkte Zeit. Da half ihm eine Landsmännin gesetzteren Alters aus der Not. Ihr gestand der biedere Joseph seine Verlegenheit. Frau Freg tat sehr uninteressiert, doch einige Wochen später erfreute sie den guten Joseph mit der sie habe die richtige Frau für ihn gesunden. Das liebenswürdige Mädchen heiße Marie Tutundji, und sie könne für dessen Charakter einstehen, denn sie, Frau Freg, sei die eigene Tante dieses Kleinods. Joseph Saschaty war glücklich. Die Bilder, die ihm die Tante zeigte, gesielen ihm außerordentlich. Er bat die würdige Dame, ihre Nichte nach Amerika kommen zu lassen, damit sich die zukünftigen Gatten kennen lernen könnten. Damit war aber die Tante nicht einverstanden:„Marie ist ein unschuldiges Mädchen, das die Tücken der Welt nicht kennt, und eine Schönheit. Denken Sie nur, wenn einer dieser ausgekochten amerikanischen Millionäre Ihre Braut sieht und um siewirbt. Ich glaube nicht, daß der liebe Engel zwischen Ihrem guten Herzen und den Millionen des anderen die richtige Wahl treffen würde. Nein, ich lasse sie nach Kuba kommen, und dort können Sie beide sich hennen lernen.“ Herr Saschaty war mit dem Vorschlag der klugen Tante einverstanden. Natürlich bereitete es ihm eine Freude, die Ueberfahrt seiner unbekannten Braut bezahlen zu dürfen. In Kuba lernten sich beide programmäßig kennen. Der gute Joseph war selig: Er umwarb das syrische Kleinod mit rührender Zartheit. Der Erfolg blieb nicht aus: Nach. drei Tagen konnte die hilfsbereite Tante dem glücklichen Joseph das Jawort ihrer Nichte bringen. Gleichzeitig äußerte sie, es wäre besser, die Zwvilehe in Kuba zu schließen, damit sich nicht letzten Endes doch noch ein Millionär zwischen die Liebenden schöbe. Joseph der Verliebte war natürlich einverstanden. So wurde Marie vor dem Gesetz Frau Saschatz. Joseph glaubte jetzt auch ohne die Unterstützung der lieben Tante glücklich sein zu können und machte deshalb seiner jungen Frau den Vorschlag, die alte Dame mit vielen Segenswünschen nach Hause zu schicken und selbit die Hochzeitsreise anzutreten. Doch Joseph kannte seine Frau noch nicht.„Was", fragte sie entsetzt,„eine Hochzeitsreise, bevor uns der Pope in Newyork getraut hat? Wie kannst du nur an verartiges denken!“ Herr. Saschaly fand seine Eheliebste in ihrer Erregung doppeit schön und wurde zu Wachs in ihren und in der Tante Händen. Er sollte nach Newyork ohrausfahren, die Einreiseerlaubnis für seine Frau besorgen und den beiden Frauen Geld zurücklassen, damit sie vorläufig in Kuba leben könnten. Joseph der Gehorsame fuhr nach Newyock. Der Aufenthalt in Kuba zog sich merkwürdig in die Länge, und die Geldsendungen dorthin häuften sich. Doch endlich durfte Joseph seine Frau am Bahnhof erwarten. Die Begrüßung war von seiner Seite aus sehr herzlich, und Joseph begehrte von seiner Frau einen Kuß auf den Mund. Doch Marie wollte nichts davon wissen und wehrte ihn energisch ad. Daß bei dieser Gelegenheit zufällig ein Handkoffer hinter Joseph stand und ihn schwer zu Fall brachte, war nicht Maries Schuld. Doch dos dröhnende Lachen der Zuschauer ärgerte den abgewiesenen Gatten einigermaßen. Sein Gesicht hellte sich erst auf, als ihm seine Frau einen züchtigen Kuß auf die Stirne gestattete und versprach, nach der Trauung durch den Popen sollte auch einem Kuß auf den Mund nichts mehr im Wege stehen. Der besänftigte Joseph wollte deshalb die nötigen Schritte zur Trauung in der griechischen Kirche unternehmen. Doch zu seinem Leidwesen erfuhr er aus dem Munde der klugen Tante, daß die Zeremonie noch nicht erfolgen könne, weil noch eine Reihe unbedingt notwendiger Einkäufe gemacht werden müßten. Nach Wochen war Josephs Bankkonto besenklich zusammen geschmolzen; doch die Frauen waren der Ansicht, daß immer noch das eine oder andere zur standesgemäßen Aussteuer fehlte. Jetzt wurde selbst Joseph der Langmütige verdrießlich. Da führte ihn der Zufall mit Bekannten von Frau Freg, der hilfsbereiten Tante, zusammen, und über dem, was er jetzt hörte, riß sogar ihm die Lammsgeduld: „Ihre Frau hat Sie nur geheiratet, um nach Amerika kommen zu können. An eine richtige Ehe denkt sie gar nicht. Die hat einen Millionär im Kopf.“ Joseph der Enttäuschte ging zum Kadi. Der Richter trennte die Ehe, weil er sich Havon überzeugen mußte, daß Marie ihren Joseph nur geheiratet hatte, um nach Amerika einwandern zu können. Marie, jetzt wieder Fräulein Tutundsi, lächelte. Sie hatte erreicht, was sie wollte: sie war in Amerika. Daß sie ihren freundlichen Ernährer verlor„war an sich bedauerlich, doch sicher würde nur kurze Zeit vergehen, bis sie die Bekanntschaft eines dieser begehrten amerikanischen Millionäre machen und kraft ihrer Schönheit seine Frau werden würde, Da kam die große Enttäuschung. Die unhöflichen Einwanderungsbehörden interessierten sich für das syrische Fräulein, dem sie unter jal'chen Voraussetzungen die Tore zum Gelobten Land geöffnet hatten, und eines schönen Tages verfrachteten sie die weinende Schöne auf den nächsten nach dem Mittelmeer bestimmten Dampfer. Amerika, der ersehnte Millionär mit dem Landhaus auf Long Island, die Motorjacht, die Luxuslimousine und alle anderen erträumten Selickeiten tauchten mit den letzten Spitzen der Wolkenkratzer im Ozean unter. Die Frau mit den acht Männern Von Hannah Asch. In den„Blauen Bergen“, den Nilgri Hills“ Südindiens, da, wo im Dickicht der Urwälder Tiger und Panther lauern und die wilden Elefanten sich in glücklicher Freiheit tummeln. lebt am Rande des Dschungels ganz für sich noch der Stamm der Todas. Ein kleines Häuflein ist nur geblieben, fünfhundert vielteicht, edle, schöne Gestalten, letzte Angehörige eines Stammes von Urbewohnern, der bald dem Untergang geweiht sein wird. Die Todas sind ein stolzes Geschlecht; kein Volksstamm Indiens ist ihnen gut genug, um sich mit seinem Blute zu vermischen. Todas heiraten stets nur Stammesgenossen. Merkwürdigerweise wurden trotz oder infolge dieser Inzucht stets mehr Kinder männlichen als weiblichen Geschlechts geboren. Der Mange! an Toda=Frauen führte zur Polyandrie, und diese Vielmännerei besteht heutigen Tages noch. Eine Frau hat gewöhnlich drei bis vier, oft acht Männer; vielfach teilen sich auch mehrere Brüder in eine Frau. In den Blauen Bergen haben die Todas ihre „munds“, ihre Siedlungen, die meist sehr klein sind und nur aus vier bis fünf Hütten und der Tempelhütte bestehen. Die Harschen sind oval aus gebogenen Zweigen und mit Palmblättern gedeckt. Sie haben ein weit überitehendes Dach. Der Eingang ist nicht viel größer als das Flugloch zu einem Hühnerstall. Auf allen Vieren muß man hineinkriechen, und es ist erstaunlich, wie die ziemlich großen, stattlichen Gestalten sich da hinein zwängen können. Sauber und nett sieht es in den Hütten aus: es gibt dort eine erhöhte Lagerstatt zum Schlafen und eine Vertiefung im Boden, die den Herd ersetzt. Blanke Messinggefäße und selbitverfertigte Matten geben dem fensterlosen Raum etwas Behagliches, fast Kultiviertes. Die Todas sind von dunkelbrauner Hautfarbe; sie tragen weder Turban noch Mütze, ihre üppigen, welligen Haare hängen lose herab. Um ihren Körper haben sie in malerischem Faltenwurf eine selbstgewebte Decke geschlagen. In ihrer Erscheinung erinnern sie an die nordamerikanischen Indianertypen. Im Todaheim herrscht glücklichstes Familien= leben. Nur einer der Ehemänner bleibt jeweils zu Hause bei der Frau und den Kindern. Alle anderen Ehemänner ziehen mit den halbwilden Büffelberden, die sie halten, weit fort, no sie gute Weide finden. Schwierigkeiten dadurch. daß eine Ehefrau sich durch Vorzüge eines ihrer Männer zu besonderen Gunstbezeigungen hinreißenlassen könnte, entstehen niemals. Es is: ein ungeschriebenes Gesetz, daß die Männer sie: in ganz regelmäßigem Turnus abwechseln, um ihren Anteil an der ehelichen Gemeinschaft z: genießen und den Beschützer der Frau zu spielen. Das Sonderbarste bei den Todas ist ihr religiöser Kult. Der Büffel ist ihnen heilig mie den Hindus die Kuh. Diese Toda=Büffel sind furchtbar anzusehen. Lange, zottige, öraune Haare und gewaltige, zackige Hörner geben ihnen etwas beängstigend Wildes. Sich in ihr Nähe zu wagen, ist für alle, die nicht zu den Toda=Mund gehören, lebensgefährlich. Die Büffel stürzen sich auf jede fremde Erscheinung und spießen sie erbarmungslos auf ihre Hörner. Kein Fremder würde mit ihnen fertig werden, während der kleinste Todaknirps eine ganze Herde dieser wilden Büfsel zusammen treiben: kann. Der Tempel der Todas, der in erster Linie der heiligen Milchwirtschaft geweiht ist, unterscheidet sich lediglich dadurch von den anderen Hütten, daß er abseits liegt. Er darf nur von dem heiligen, unantastbaren Priester des „munds" betreten werden. Der Priester vollzieht auch die religiöse Zeremonie des Melkens der Büffelkühe höchstselbst und bringt die Milch sofort in den Tempel, wo sie nach bestimmten Grundsätzen behandelt und eingesegnet wird. Sie muß einen Tag im Tempel bleiben, ehe sie für die Ernährung freigegeben werden darf. Eigenartig sind auch die Gebräuche beim Tode eines Stammesgenossen. Stirbt ein Toda, dann muß er zwei Tage an der Stelle liegen bleiben, wo er den letzten Atem ausgehaucht hat. Die Frauen wachen bei dem Toten, bestreuen ihn mit Salz und stechen ihn mit Nadeln. Ist er außerhalb gestorben, dann darf die Leiche erst nach drei Tagen ins Dorf gebracht werden. Zu Ehren des Toten wird ein Büffelopser veranstaltet, eine furchtbare, grausame Zeremonie. Das rohe, noch warme Fleisch des getöteten Büffels muß mit der Leiche in Berührung kommen und das Blut über den Toten rinnen. Erst dann darf er verbrannt werden. Nach einem Jahr finden die Beisetzungsfeierlichkeiten der Asche statt, wobei große religiöse Feste gefeiert und weitere Büffel geopfert werden. Die Todas führen noch ein paradiesisches Leben; Verbrechen gibt es kaum unter ihnen. Sie sind ziemlich träge und verrichten keine schwerr Arbeit. Die Frauen weben Kaddhar für die eigene Bekleidung und verstehen es, sehr geschickt eine rote Kante hinein zu sticken, so sein und exakt, als wäre sie mit der Maschine eingewebt. Sie sorgen für die Mahlzeiten, erziehen die Kinder und spielen mit ihnen. Bringt es einmal der Zufall mitsich, daß von den Ehemännern einer Frau zwei zu gleicher Zeit im Dorfe anwesend sind, dann begibt sich stets nur einer von ihnen mit der Frau die Hütte. Er stellt dann einen selbstgeschnitzte: Hirtenstab vor die Tür. Das ist das Zeichen Reien— F Ein Toda war, was selten vorkomm. für längere Zeit in eirer kleinen Stadt entfer##t von den Blauen Bergen“. Eines Tages kam S.Spg 88 er zu einem europäischen Bekannten, um sich zu verabschieden.„Ich muß nach Hause,“ sagte er,„zu Familienfeierlichkeiten, Jenn meine Frau hat einen Sohn bekommen.“ Der Europäer fragte erstaunt:„Deine Frau hat einen Sohn bekommen? Du lebst doch aber schon längere Zeit hier?“—„Ja,“ erwiderte der glückliche„Vater“ lächelnd,„aber mein Bruder ist doch bei ihr.“ Meah sche’arim Von M. Y. Ben=Gavriel=Jerusalem. Die meisten Menschen sind der festen Meitung, daß Jerusalem eine Stadt sei, ja, es gibt sgar in Palästina Menschen, die davon überheugt sind. Wer aber einmal„Die Heilige", „die Mitte der Welt“, betreten hat, weiß sofort, daß Jerusalem nicht eine, sondern eine Ansammlung von Städten ist. Es gibt hier eine arabische Stadt, ein paar westjüdische, eine armenische, eine bucharische, mehrere hemeniiche, eine marokkanische, spaniolische und vielleicht noch zehn oder zwanzig andere Quartiere, die einander so fremd, so vollkommen verschieden von einander sind, daß man glauben könnte, eine Unmenge von Ländern aus aller Welt habe hierher je eine Stadt beordert. Unter allen diesen Jerusalemstädten ist eine der interessantesten das außerhalb der Mauer liegende Viertel Meah sche'arim, das aber urchaus nicht, wie der Name behauptet, hundert. sondern nur fünf Tore besitzt. Dieses Meah sche'arim, das auch sonst mit dem hunderttorigen Theben wenig Gemeinsamkeiten besitzt, ist eine merkwürdige Kreuzung aus arabisch=jüdischer Geste, russischer Pelzmütze und einem englischen Polizeisoldaten, der in dieser ihm stets unverständlichen Umgebung mit derselben Fassungslosigkeit an seiner Zigarette saugt, wie etwa ein tibetanischer Lamapriester es auf der Münchener Oktoberfestwiese tun würde. Umgibt dich mit jäher Plötzlichkeit jener aus dem Norden der Welt eingeführte Duft des Orients. den man gemeinhin als den Duft von Salzheringen, die nicht von gestern sind, schauerlich gemein zwar aber treffend bezeichnet, dann, o Fremdling, bist du in Meah sche'arim. Du weilst in jener orientalischen Kleinstadt, deren Häuser ebenso unromantisch sind wie die aller Teile der Neustadt, deren Mitte aber ein Bazar einnimmt, der es wahrlich lohnt, daß man ein paar Zeilen um ihn verliert. Ein unentwirrbares Gemisch von Menschen in allen Farben der Welt. Als wäre es der Zentraltreffpunkt der Erde. Ein amerikanisch verkleidetes Zahntechniker streitet mit einem schwarzbetubanten Gentleman aus Ninive(ich schwöre, daß es das nicht nur in Geschichtsbüchern, sondern auch— ein wenig reduziert — in Wirklichkeit gibt). Zwei Weiber, auf hundert Schritte an ihren langen weißen Tüchern als christliche Bethlehemitinnen erkennbar, untersuchen nicht viel weniger als eine halbe Stunde ein Stück Leber und ein Kuheuter auf dem Tisch eines chassidischen Fleischers, um schließlich einen halben Gurusch mehr als die drei kurdischen Jüdinnen zu bieten, die durch ihre Turbane nicht weniger auffallen, während nebenan drei arabische Fellachinnen mit Tomaten, einer lebenden Taube, Eierfrüchten und flachen Broten, die kurzer Hand auf dem sogenannten Trottoir ausgelegt sind, sowie mit Pfefferminzkraut und ein paar Rettichen ihr Glück versuchen, indem sie unablässig singen: „O, du mein Liebling, hier bekommst du fast geschenkt, was deine Seele sucht.“ Meine Seele aber sucht augenblicklich keinen Rettich: du wendest dich weiter. Berge von Melonen, Tonuten, übermenschlich großen Datteln türmen ich auf. Mitten drinnen liest ein sesardischer Hacham, an seinem schwarzen Festuch als solcher erkennbar, unbekümmert die Psalmea. Ein rasender Kaffeekoch, der tassenklappernd über Katzen springt und die volle Tasse beinahe hinwirft, ohne einen Tropfen zu verschütten. und das Geld der Einfachheit halber in den Mund eckt, um es gelegentlich in den Gürtel zu nucken. Bettler, wie für photographierende ouristen hier versammelt, und wieder gellende eoräische Rufe eines arabischen Verkäufers. nelstimmiges Geschrei von Hühnern. Hier ist elegenheit, abenteuerliche Dinge zu erieden. hnungslos kaufst du ein Huhn und willst das ewählte von der Waage heben, doch— was die Schnelligkeit des Gedankens?— schon irzen drei, vier, sechs blutgeschmückte Weiber, : Megären von Meah sche'arim, auf das arme er zu. Wer es zuerst erfaßt, schwenkt es riumphierend über den tuchbedeckten und zennoch wildsträhnigen Kopf und heutt dir ein seinem unbekannten Indianerdialekt stammendes„Gam lirdoh?“ entgegen. Deine Ratlosig= keit wird als Bejahung gedeutet; die Siegerin verschwindet mit deinem Huhn im dichtesten Gewühl, um dann schnell wieder aufzutaucher. Leblos, mit geöffnetem Hals liegt das Federvieh in ihrem Schoß; die Federn fliegen nach allen Seiten, schwirren mit dem Wind über Salat, Marmelade, Salzheringe und Halvah durch die Straßen Meah sche'arims. Die Siegerin schwingt ihr Messer; ehe du es noch degreifst, hat sie den einst stolzen Hahn geöffnet— nicht vom Bauch, sondern merkwürdigerweise vom Rücken aus— und zählt dir zwei Hühnerbeine, eine Leber, einen Magen und ein Herz in die Hand. Ehrlich währt am längsten und kostet alles in allem nur einen Gurusch= abzüglich des tragischen Helden, des Huhnes, natürPlötzlich versperrt eine Ziegenherde den Weg; schwarze Ziegen, meckernd und auch auf andere Weise sich bemerkbar machend. Du bist umzingelt und bleibst es, bis fünf Weiber, die hier zelauert haben, ihr Milchgeschäft abgeschlossen haben, das heißt, bis der Hirte die Milch, frisch vom Euter, genau im Maß, in die Töpfe hinein gemolken hat. Schließlich spritzt er sich, einem langgef Beschluß nachgebend, noch heißt Athen, Stadt elnst des Gokratts und der braven Bürgerin Kantippe. Also: du läßt jede Hoffnung fahren und hullerst aus dem Bett, hörst verzweifelnd, wie ein Rudel unerhörter Schreihälse„Milch, Brot, Tomaten und was sonst noch aues nurz nach Morgengrauen in den Straßen anpreist. Jeder zweite Brüller schiebt ein geduldig des Grautier vor sich her, dem der Kort scheußlich kurz an einer Seite des Holzsattele festgebunden ist. Schiefköpfige Esel sind eine der tierquälenden Moden des modernen Athen. Haben die ersten Schreihälse sich endlich verkrochen, folgen ihnen andere mit Fischen und Garnen, Kartoffeln und Tüchern, Knoblauch und Pantoffeln, Geschirr und Zwiebeln. brüllen wie gemarterte Stiere, denn sie müse sen jetzt die ernsthafte Konkurrenz schlagen: die Chauffeure. Nirgends sonst gibt es etwas so Grandiosert der Lärm, den die Chauffeure Athens vollführen, steht einzig da unter allen Lärmen der Welt. In Konstantinopel und Belgrad, in Alexandrien und Sofia ist aller Lärm ein winziges Lärmchen, gemessen am Autolärm Athens. Ganz zu schweigen von London, Paherzhaften Schluck in den eigenen Mund, frisch vom Euter, und das wandernde Milchmagazin zieht weiter... Zwei, drei Schritte machst du durch das dichte Menschengewühl,(das stellenweise wie ein plötzlich lebendig gewordener mittelalterlicher Holzschnitt aussieht), und zu siehst in einer beschatteten Ecke, am Ausgang einer kleinen Gasse, eine Versammlung von romantischen Gestalten, die im Kreis herumhocken. Was geschieht dort? Ehrwürdige Gestalten, hauptsächlich mit einem Bart bekleidet, ziehen aus Güteltüchern und ehemaligen Hemden, auch unter aller Art von Kopfbedeckungen, Zuckerwürfel hervor, zählen sie mit zitternden Fingern, immer wieder, dann aber schiebt sich der Menschenstrom, der nichts übrig hat für neugierige Fremde, vor das spukhafte Zauberspiel. Später erfährst du, daß dort die Bettler von Jerusalem, denen man statt Geld meist ein Stückchen Zucker gibt, zusammenkommen und den englischen und tschechischen Zuckerfaktoreien erfolgreich Konkurrenz machen. Kein Bettier der Welt kann, ohne sich zu überessen, soviel Zucker zu sich nehmen, wie er in einer Woche zusammen zu betteln gezwungen ist. Warum also soll ein spekulativer Menschenfreund diesen Zucker nicht aufkaufen, zum Weiterverkauf an gewöhnliche Sterbliche, die für Zucker den regulären Preis zu zahlen gewillt sind? So, und nun, verehrtester Freund, bist du an der Grenze Meah sche'arims angekommen. Noch liegen dir alle die tausend Rufe in den Ohren, noch flimmern die tausend Bilder in buntem Wirbel vor deinen Augen und noch schnupperst du an den tausend in einem Salzheringgeruch zusammenströmenden Düften— aber dies alles, was du gehört, gesehen und gerochen hast in ein halbwegs akzeptables System zu bringen, wird dir ebenso wenig gelingen wie einem andern im fünftorigen Quartier Hundert Tore. Denn, o mein fremder Freund, dies ist das Geheimnis des Ostens: alles kommt, wie es kommen muß, und alles geschieht, wie es geschehen muß, ohne System, ohne Anfang und ohne Ende, heute wie morgen. Was der englische Tommy, der hier die Mandatsmacht repräsentiert. über diese Frage denkt, weiß niemand. In Khaki, Tropenhelm und Goldflak steht er zwischen den Droschken, Kamelen, Geldwechslern, Juden und Fellachen, beziehungslos, das einzige Ergebnis eines Systems im wahrhaft Systemlosen. Ich glaube, er denkt gar nichts. Denn würde ein englischer Polizeisoldat in Meah sche'arim zu denken beginnen, dann könnte es sich höchstens um die Frage handeln. wann die Ablösung kommt. Gedankenlos zündet er sich eine neue Zigarette an, deren Duft sich mit dem der Salzheringe zu einem merkwürdigen Gemenge mischt, das bestimmt in der Zeit der Tauzead und der einen Nacht unbekannt war. Desorientalisierung des Morgenlandes. Tobende Stadt Von Julius Rud. Kaim=Athen. Mag auch der Tag lang sein, die Nacht ist immer kurz; knarrende Sprechmaschinen hörst du bis lange nach Mitternacht, ohrenbetäubenden Gesang und Ständchen nächtlicher Wanderer, das Jammern ausgesetzter Katzen, hungernder Hunde— das alles hörst du, bis du endlich, endlich einschlafen kannst. Um wenige Stunden später von den ersten brüllenden Ausrufern geweckt zu werden. Die Stadt, die sich ris, Berlin. Ihr Hochverehrten, die ihr euch in Hamburg und Frankfurt über zu vieles Hupen beschwert, denket an Athen. Niemand hat bieher erforschen können, warum die Athener Chauffeure hupen wie die Teufel, und hein Mensch kann sich vorstellen, welche erstaunlichen Tonstzalen sie ihren Bällen entlocken. gibt Bälle mit zwei, drei, vier Tönen, du hörst schreiende, quietschende, heulende Hupen, und in jeder Minute hallt die Stadt wider nonr einem Höllenlärm. Und doch ist der älteste Kraftwagen eine Erlösung. Vor allem für jedes Pferd, das nicht mehr zu ziehen braucht. Gewiß gibt es schöne, gut genährte Pferde: aber zahlreicher sind jene abgemagerten Mähren mit den einst gebrochenen, dann salsch verheilten Beinen, die überladene Wagen mit der letzten Kraft bergan ziehen. Hoch oben hockt ein ewig prügelnder Kutscher, ohne daß Publikum oder Behörde dabei irgend etwas nicht in Ordnung fänden. Zum Höllenlärm gesellt sich der Staub. Die breiten, asphaltierten Straßen(welche Stadt auf dem Balkan hat noch solch breite Asphaltstraßen?) freilich lassen ihn wenig spüren; aber geh' in die ungepflasterten Nevenstraßen, in denen der Schmutz sich sammelt, bis er in widerlichen offenen Wagen abgeholt wird, die mit Getöse und stinkend durch die Straßen holpern,— geh' dorthin, und du wirst vor Staub nicht atmen können, wenn der kleinste Wi sich vom Hymettos in die Stadt schlängelt. Wieviel Schönes hat diese Stadt! Nicht Klassik; auch die moderne Stadt besitzt Schlnes, breite Plätze, herrliche Anlagen, große, moderne Gebäude. Ader betrachtet doch einmer auch die Nachtseiten, ohne zu schwärmen, wie verliebte Hochzeitsreisende; laßt den Lärm, den Staub, den Schmutz zeigen, die Kehrseite von Athen. Am freilich sind nicht etwa die chen schuld! Sondern— nun, wer wohl? trägt überhaupt und immer die Schuld?: die Deutschen! Die vecdammten Deutschen. Diese Menschen haben am Schmutz Schuld und sogar an der großen Fieberepidemie, die Athen heimsuchte. Die bayrischen Architekten nämlich, die mit König Otto ins Land kamen, hatten heine Ahnung, wie man eine Stadt anlegt(daher die schönen Straßen mit der Akropolis als Abschluß! Daher die einzigen Parks und Plätzel). sie sorgten für nichts und sahen nicht einmaß voraus, daß Athen in hundert Jahren größer werden wird. Sie konnten überhaupt. nicht weiter sehen als bis zu ihrer Nasenspitze und kümmerten sich um nichts anderes als um ihren doheim gebliebenen König Ludwig, nach dessen Wünschen sie die unglücklichen Griechen mit einer schauderhaften Stadtanlage versohen. Und darum sind sie am Schmutz Schuld und am Fieber und morgen wahrscheinlich noc an neuen Ereignissen. Wer's nicht glaubt, bann es nachlesen: er findet diese Angaben— nur noch viel freundlicher!— in der Athener Zeitung. die von der griechischen Regierung unterstützt wird, damit sie das Ausland unterrichte. Eins aber kann man den Deutschen schwer in die Schuhe schieben: den Bau der engen. brunnenlosen Straßen in so manchen Flüchtlingsvierteln, in denen Schmutz und Krankheit Orgien feiern.“. Und auch am Lärm werden wohl die Deutschen keine Schuld tragen. Der Lärm gehört zum Leben dieser Stadt wie die vielen Schörheiten. Trotz vieler rapierner Vorschriften lebt er ein herrliches Leben, der Athener Lärm. aus den Grenzgebieten von Hebräisch und diese erfreulichen Nächte der Unruhe leistot, Genau wie der Schmutz.