man sich schon in den brasilianischen Urwald bemühen. Dort gibt es unter den sogenannten Pfilzblumen eine„Dame mit dem weißen Schleier“, die man nicht nur wachsen sehen, sondern auch hören kann. Wenn man diese „Dame“ gründlich beobachtet, kann man sehen, wie aus einem weißlichen, eiförmigen Körper, der mit größter Geschwindigkeit wächst, sich zuspitzt und aufplatzt, ein Stiel förmlich heraus schießt, auf dem ein grünliches Hütchen sitzt. Der Stiel verlängert sich in der Minute um fünf Millimeter, und es ist also gut möglich, ihn wachsen zu sehen. Durch die Gewalt des Emporschießens zerreißen manche der Fäden, die den Stiel bilden, und dadurch entsteht ein hörbares Knistern. Es ist also einer der gewiß seltenen Fälle, in denen man das Wachsen sogar hören kann. Aber das Maß der Wunder ist damit noch nicht erschöpft. Aus dem Hütchen quillt vielmehr plötzlich ein Netz weißer Maschen hervor, das den ganzen Pilz wie ein Rock einhüllt. Das ist der Schleier der„Dame“. So schön dieser Anblick auch ist, so wird er doch wesentlich dadurch beeinträchtigt, daß der Pilz einen durchdringenden Verwesungsgeruch ausströmt, der Menschen zu betäuben vermag. Manche Insekten empfinden ihn freilich als einen Wohlgeruch, durch den sie angelockt werden, sich an dem ausgeschiedenen Safte des Pilzes zu erlaben und bei der Gelegenheit die Pilzsporen weiter zu verbreiten. Die Lebensdauer der„Dame mit dem weißen Schleier“ ist sehr begrenzt. In zwei Stunden eines Spätnachmittags ist sie zu zehn Zentimeter Höhe empor gewachsen, leutet die Nacht über in chrer verführerischen Toilette und ist am Morgen, wenn der Besuch der Insekten vorüber ist, nur noch ein zusammengesallenes Häuschen mißfarbener Ueberreste. Shteandstieh Feuertrunken sind die Wasser, Nun versinkt der Sonnenball. Alle Dünnen werden blasser, Und die Luft ist wie Kristall. Ueber die erregten Flächen Kommt ein weicher Westerwind. O, das wird ein heimlich Sprechen Wo die stillen Gräser sind. Und es flammen alle Lande, Und es sinkt des Tages Braus. Von dem Strande, von dem Strande Gehen wehe Stimmen aus. Hans Bethge. ger. Der Preis der Geographischen Gesellschaft und die Ehrenlegion waren die einzige Belohnung für seine außerordentliche Tat. Wenige Jahre danach starb er an den Folgen der Strapazen. —2.— Der Weg nach Timbuktu einst und jetzt Kürzlich legte ein französisches Flugzeug den rund viertausend Kilometer langen Weg von Paris nach Timbuktu mit einer Zwischenlandung in Algerien in sechsundzwanzig Stunden reiner Flugdauer zurück. Dieses Ereignis trifft beinahe mit dem Tage zusammen, an dem vor hundert Jahren der erste Europäer unter wesentlich ungünstigeren Umständen Timbuktu erreichte. Rene Caillié war der Name dieses heute sast vergessenen Pioniers. Sechzehn Jahre alt fuhr der französische Waisenknabe mit sechzig Franken in der Tasche als Abenteurer nach Senegal. Dort hörte er von der Märchenstadt Timbuktu und schloß sich 1815 einer englischen Expedition an, die zum oberen Niger vordringen wollte. Der Versuch mißlang; Caillié kehrte krank nach Frankreich zurück. Da erfuhr er von einem Preis, den die Geographische Gesellschaft in Paris dem ersten Europäer versprach, der Timbuktu erreichen würde. Caillié nahm sich vor, den Preis zu erringen. Er fuhr nach Senegal zurück und lernte dort vier Jahre lang mit unermüdlicher Ausdauer arabisch, erforschte die Landessitten, und vertiefte sich in die Lehren des Korans, bis er seine Rolle als„ägyptischer Muselman, der von Napoleon nach Paris verschleppt worden und von dort aus nach Senegal entflohen war", spielen konnte. Dann bat er den französischen Gouverneur um 6000 Franken zur Finanzierung seines Unternehmens. Bringen Sie mir den Beweis, daß Sie in Timbuktu waren, dann will ich Ihnen das Geld geben!" beschied ihn spöttisch der Beamte. Da erhielt Caillié vom englischen Statthalter in Sierra Leone, der vermeiden wollte, daß ein Nichtbrite zuerst nach Timbuktu kam, eine Anstellung als Leiter einer Indigomühle. In zwei Jahren sparte Caillié zweitausend Franken von seinem mageren Gehalt, dann kaufre er Pulver, arabische Handelsartikel und— einen Regenschirm. Am 17. April 1827 brach er nach Timbuktu auf. Er war 368 Tage unterwegs, erduldete Hunger, Durst und Strapazen, erkrankte an Skorbut, sah hundertmal dem Tode ins Auge. Immer wieder retteten ihn seine Energie und sein— Regenschirm, der von den Schwarzen als Wunder bestaunt wurde. Dreißig Tagereisen von Timbuktu entfernt war Caillié am Ende seiner Mittel und Kräfte. Da gelang es ihm in der höchsten Not, die Freundschaft eines schwarzen Sultans zu erwerben. Dieser gab ihm Lebensmitte! und ein Boot zur Fahrt auf dem Niger. Als Gegengabe erhielt er den— Regenschirm. Am 20. April 1828 zog Caillié in Timbuktu ein und erlebte die bitterste Enttäuschung seines Lebens: Statt der Märchenstadt fand er nur einen Haufen schmutziger Negerhütten. Vierzehn Tage später wanderte er nach Norden in die von Weißen noch nicht durchquerte Sahara und erreichte im September 1828. endlich Tansdienen vielfach nicht nur als Haustiere, die sich durch die Vertilgung von allerlei Ungeziefer nützlich machen, sondern auch als Festbraten, die nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten, Hochzeiten und dergleichen, auf den Tisch kommen. Die für diesen Zweck bestimmsten Tiere werden in einen mit einem Deckel verschlossenen Korb gesperrt und etwa zwei bis drei Mal in der Woche mit einem lebenden Kücken gefüttert. Man steckt das unglückliche Tier zu der Schlange in den Korb, wo es seinem Schicksal nicht entgehen kann und von dem Reptil alsbald gepackt und mit sichtlichem Behagen verschlungen wird. Die Schlange braucht etwa 15 Minuten, um den immerhin recht umfangreichen Bissen hinunter zu würgen. Wenn sie infolge Mangels an Bewegung und reichlicher Nahrungsaufnahme den Eingeborenen genügend gemästet erscheint, wird sie bei passender=Gelegenheit regelrecht geschlachtet und als Festbraten zubereitet. Solche Schlangen erreichen eine Länge von zwei Metern bei entsprechender Dicke. Die Riesenpastete von Denby Dale. Das englische Städtchen Denby Dale rüstet sich wieder einmal zur Bereitung seiner berühmt gewordenen Riesenpasteten, die etwa einmal in jedem Jahrzehnt die Aufmerksamkeit ganz Englands auf den kleinen Ort lenken. Man ist jetzt dabei, die Schüssel, welche die Pastete aufnehmen soll, aus heimischem Ton zu brennen. Das Riesengefäß erhält eine Länge von 5 Metern, eine Breite von 1½ Metern und 45 Zentimeter Tiefe. Die Pastete selbst wird in einem eigens zu diesem Zweck in einer alten Mühle angelegten Ziegelosen gebacken, am 4. August zerteilt und in Portionen zum Preise von je 2.50 Mark an Liebhaber verkauft werden. Der Erlös fließt in die Kasse des Bezirkskrankenhauses. Man rechnet damit, daß etwa zehntausend Personen sich an dem Verzehren des Riesengerichtes beteiligen werden. Als die letzte Denby Dale=Pastete gebacken wurde, zählte man in dem kleinen Städtchen von kaum mehr als 1500 Einwohnern nicht weniger als sechzigtausend Besucher, die von allen Seiten herbeigeeilt waren, um das berühmte Meisterwerk der Kochkunst wenigstens zu sehen, wenn es ihnen nicht vergönnt sein sollte, einen Teil davon zu erwischen.— Beim vorletzten Male gab es übrigens eine große Enttäuschung. Aus unbekannten Gründen war die Pastete völlig mißraten. Sie wurde zu einem nahen Gehölz gefahren und dort durch ungelöschten Kalk vernichtet. Hausmusik in Bauernstuben. Jedem, der in oberbayrischen und Tiroler Dörfern Einkehr gehalten und dort länger als nur zu flüchtigem Gruß geweilt, kennt den Zauber der stillen Bauernstuben, in denen man vor allem Lärm und Gehaste der Welt geborgen scheint. Wenn der Abend herabsinkt und Eine„„Reldmgschine“. Weit verbreitet ist immer noch die Ansicht, daß die Bewohner der Vereinigten Staaten in geschäftlichen Dingen die Klugheit mit Löffeln gegessen hätten. Diese Auffassung stützt sich auf die großen Erfolge, die zahlreiche Geschäftsleute dort zu erringen verstanden. Gerade das ist aber ein Beweis dafür, daß einer verhältnismäßig dünnen Schicht Gerissener die große Masse der Dummen gegenübersteht, die denn auch von jenen rücksichtslos ausgebeutet wird. Dabei findet auch der größte Schwinde! Glauben, wenn man dem armen Opfer nur mühelosen, reichlichen Verdienst verspricht. So brachte es Assaid Schibley aus Green Bai in Wisconsin fertig, eine„Geldmaschine" zu verkauien. Es war ein Apparat, in dem man 5nspielsweise 2000 Dollar einlegte und nach mehreren Stunden durch Drehen an einer Kurbel Kurbel 3000 herausbekommen sollte. Für kleinere Summen lohnte es sich nicht. Das Einlegen besorgte Schibley selbst, das Drehen war Sache der vertrauensvollen Käufer. Selbstverständlich kamen keine 3000 Dollar hervor, ja nicht einmal das Anlagekapital, sondern nur ein einziger lumpiger Dollar. Herr Schibley aber hatte in densechs Stunden, die der Apparat zur Umwandlung der 2000 in 3000 Dollar brauchte, Zeit genug gehabt, das Weite zu suchen. B— Tabigsen grsum Wräsiden4= Poft, 5.## didaten sich nach getaner Arbeit alle Hausbewohner um Vom Invianer zum Prasiventschaftsnanvivaten den weißgescheuerten Tisch versammeln, vorausgesetzt, daß die Männer nicht im Wirtshaus wichtige Gemeindeangelegenheiten beraten müssen, dann wird die Zither und die Gitarre Eine recht abenteuerliche Laufbahn hat Charlie Curtis, der republikanische Kandidat für die Vizepräsidentschaft der Vereinigten Staaten, hinter sich: Sein Vater, Nachkomme englischer Sektierer, seine Mutter Mestizin, mehr Rothaut als Weiße; seine Großmutter indianische „Prinzessin", sein Großvater französischer Trapper; sie alle haben dem Jungen die Eigenschaften ihrer Rasse vererbt. Die ersten Jahre verlebt er im großmütterlichen Wigwam, lernt reiten und schießen. Mit acht Jahren rettet er den Stamm durch einen Gewaltritt zum nächsten Militärposten vor der Vernichtung durch andere Rothäute. Dann wird er Jockey, wird beinahe von Kameraden gehenkt, bekommt beim Rennen blaue Bohnen nachgeschickt und gewinnt überraschend. Mit 14 Jahren packt ihn die Sehnsucht nach dem Wigwam, er brennt durch, geht zur Großmutter=„Prinzessin" zurück. Seine englische Großmutter holt ihn wieder; steckt ihn zum ersten Mal in seinem Leben in die Schule; tagsüber lernt er, nachts fährt er als Kutscher, um dem knappen Haushalt zu helfen. Die Schulbank gefällt ihm bald nicht mehr; er versucht sich als Reporter, lernt dann bei einem Rechtsanwalt Jurisprudenz, vertritt seinen kranken Lehrmeister unvorbereitet in einem sensationellen Mordprozeß und reißt den Kopf seines Klienten wider Erwarten aus der Schlinge. Alles bewundert ihn; der Staatsgouverneur ernennt ihn zum Untersuchungsrichter, zum Generalanwalt; Charles Curtis ist ein gemachter Mann. Im Jahre 1892 wird er als Abgeordneter, später als Senator von Kansas nach Washington entsandt und immer wieder gewählt. Mastschlange als Festbraten. Viele der uns so widerwärtigen Schlangen werden in gewissen Teilen Indiens. vor allem in Bengaten und Assam, sehr geschätzt. Sie hervorgeholt, und Volksweisen erklingen von alten und jungen Stimmen in ihrer immer zu Herzen gehenden Schlichtheit. Trutz= und Schelmenliedchen, die Melodie vom gebrochenen Herzen und ewiger Liebe werden da mit tiefer Empfindung gesungen, und manch verwöhntem Städter sind diese„Gsangeln“ schon mehr zu Herzen gegangen als die herrlichsten Arien aus der Kehle berühmter Sängerinnen. Die Zither ist übrigens ein uraltes Instrument das ursprünglich im ganzen nördlichen Europa vorkam. In Bayern zeigte es eine andere Form, das Scheitholz genannt, aus der sich im Laufe der Zeiten die heutige Zither mit den bis auf dreißig vermehrten Saiten entwickelte. Hervorgegangen ist die jetzt flachaufliegende Zither aus der kleinen Handharfe, der wir schon auf Bildern der frühgotischen Kunst begegnen und die später aus der Hand der Minnesänger und„Gebildeten“ das Volk überging, dem sie bis heute ein lieber Gefährte geblieben ist. Das Dorf der schönen Männer. In weltabgeschiedener Einsamkeit liegt das kleine Rheindörfchen Heubach, das in weitem Umkreis als das Torf der schönen Männer gilt. Es sind alles prächtige Gestalten, alle stattlich gewachsen, meist 1,80 bis 1,90 m groß. Sie halten sich aufrecht und bleiben wunderbarerweise bis ins hohe Alter jung. Fast sämtliche Männer des Dorfes haben den Krieg mitgemacht und viele sind gefallen. Aber auch der Nachwuchs verrät bereits, daß„die schönen Männer“ in Heubach nicht aussterben werden. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 31 Mittwoch, 1. August 1928 Auf 3 Tage vom östlichen Sauerland ins Wittgensteiner Land Manchem wird für die Sommerferien mal ein Wanderplan für mehrere Tage lieb sein. Daher sei hier ein solcher Plan gleich für 3 Tage geschrieben. Nötig sind dazu nur die beiden Blätter Winterberg und Laasphe der Sauerlandkarte 1:50000 vom Sauerland=Verlag zu Iserlohn. Die Wanderung setzt im Küstelberg, 660 m hoch, an. Wir erreichen diesen winzigen Ort ab Steinhelle mit der Kleinbahn. Während des ganzen Verlaufs der Wanderung halten wir uns auf der Hauptwanderstrecke 15 des Sauerländischen Gebirgsvereins. Sie durchquert eins der reizvollsten und vor allem stillsten Gebiete des ganzen sauerländischen Berglandes. Schon der Anfang ist überwältigend schön. Die erste halbe Stunde führt uns über 100 m bis zum Reetsberg aufwärts durch die prächtigsten Hochwälder. Am„Jungen Grimme“ vorbei wandern wir weiter durch den unermeßlich weiten Glindfelder Forst, vorerst stark abwärts bis zum Deitmecketal, das im Orketal mündet. Das herrliche Stückchen des romantischen Orketales, das wir dann länger entlang wandern, heißt der Vildische Grund. 2 Stunden vom Ausgangspunkt entfernt haben wir das friedlich in der Einsamkeit des Orketales gelegene Forsthaus Kaltenscheid erreicht. Gleich dahinter beginnt ein strammer Aufstieg von 45 Minuten Dauer und Ueberwindung eines Höhenunterschiedes von über 200 m. Es geht stets dem munter plaudernden Dillmeckebächlein entlang. Hinter der Rauhen Wiese umschreiten wir den Hang des 757 m hohen Bollerberges, den zu besteigen sich bei sichtigem Wetter unbedingt empfiehlt. Kahl ist zwar die steile Höhe, doch lohnend die weite Rundschau von oben aus. Am Knappsattel treffen wir auf ten westwärts wandern. Im Liesetal aber gehen wir auf Hauptwanderstrecke 15 wieder unseren eigenen Weg. 40 Minuten halten wir uns im Liesetal abwärts, bis wir hinter dem Dörfchen Liese an dessen Haltestelle auf das Nuhnetal stoßen und von diesem weiter talabwärts bis Hallenberg(385 m) folgen. Diese saubere und hübsch terrassenartig aufgebaute Stadt mit feinen Fachwerkhäuschen bildet den äußersten Vorposten des Sauerlandes gen Südosten. Hier, nachdem wir 4½ bis 5 Stunden unterwegs waren, wollen wir die erste Rast machen. Am zweiten Tage folgen wir eine halbe stunde lang aufwärts der Landstraße bis zum hessischen Dorfe Bromskirchen. Ueber Felder gehts weiter bis zur Ueberquerung des Linspherbaches, dann steil aufwärts zur sterei Neu=Ludwigsdorf mitten durch prächtigsten Hochwald(50 Minuten hinter Bromskirchen). Nach weiteren 20 Minuten berühren wir die Försterei Elbrighausen und wiederum nach 50 Minuten stets durch urwaldliche Stämme das Forsthaus Karlsburg. All diese wie auch die nächsten Höfe liegen in völliger Abgeschlossenheit in diesem landschaftlich wundervollen Gebiete. Es folgt zunächst nach gut einer halben Stunde Hof Fallgrube und nach weiteren 10 Minuten Hof Binsenbach. Die Elsosser Höhe wird nach 35 Minuten gewonnen. An der Ziegenhecke, der Provinzialgrenze, vorbei kommen wir über Försterei Hatfeld nach 1¼ Stunden zum hessischen Städtchen Hatzfeld, das von einer Ruine überragt wird und sehr hübsch im Edertal liegt. Des zweiten Tages Gesamtleistung betrug gut 5 Stunden. In Hatfeld suchen wir Ruhe für den letzten Wandtag. Nach Ueberschreitung der Ederbrücke biegen wir rechts hinter der Bahn ab, wandern eine halbe Stunde am Waldrand entlang, endlich links in das nächste Seitental hinein. In gut einer Stunde klimmen wir auf Waldwegen durch den Talgrund 200 Meter höher. Oben auf der Hochfläch: des Didoll(570 m) angelangt, kreuzen wir Hauptwanderstrecke 23, blei ben aber auf unserer alten Strecke 14. Ein wunderfeiner Waldhöhenweg liegt vor uns, einer der schönsten im Wittgensteiner Land. Zunächst kommen wir nach gut einer halben Stunde zur Schweinskaute(605 m), dann nach weiteren dreiviertel Stunden zur Neuntel (590 m). Hier beginnt der Abstieg durch das Kalteborntal zum Schlußpunkt unserer Sauerlandwanderung der Sommerfrische Laasphe (320 m). 50 Minuten währte der Rest der noch nicht vier Stunden langen Wanderung Haßfeld=Laasphe. So bleibt uns noch Zeit genung übrig, uns die wunderschöne Umgebung Laasphes anzusehen, vielleicht auch zum Schlosse der Fürsten von Wittgenstein droben emporzusteigen und dann am frühen Nachmittag die Heimreise anzutreten. Eine selten schöne stille Berg= und Waldwanderung liegt hinter uns. Wir begannen auf der Hochfläche des oberen Sauerlandes und endeten im Herzen des Wittgensteiner Ländchens. Wer, fern dem Getose von Maschinen und dem Lärm von Menschen einmal so recht ausspannen will, hat auf dieser Wanderung die beste Gelegenheit dazu. Die Schönheiten des Sauerlands Von Studienrat Franz Preedek, Arnsberg. IV. Durch Dorf und Stadt. Wer die Wahl, hat die Qual. Denn so mannigfaltig ist die Schönheit der in die Falten der sauerländischen Berge eingebetteten bodenihrer Lage im anmutigen Tal, am hängenden Hügel oder auf hochgehobener Ebene; so reizvoll verschieden und doch so einheitlich gestaltet aus ein und derselben Sinnes= und Stammesart geboren, von der gleichen Sonne bestrahlt, von denselben Winden umheult. So ist es denn schließlich ganz einerlei, ob der eine hierhin, der andere dorthin seine Spuren zieht; der eine das mittlere, der andere das hohe Sauerland wählt; ob der eine seinen Einzug in dies gesegnete Paradies der Erholung von Ruß und Schlacke, Gedröhn und Gestampf der Maschinen durch die Pforte der schicksalsgeprüften Ruhr oder die der vielgewundenen Lenne hält. Ob er das anmutig stille Tal der Möhne hinaufwandert oder das der krausen Sieg, der Bigge oder der Volme. Ja, die Flußtäler der Ruhr und Lenne, Volme und Möhne, Bigge und Sieg sind die von der Natur vorgezeichneten Wanderstraßen ins bergige Wunderland, ihre plätschernden Wellen wie Boten aus seligen Gefilden. Wer die Wahl, hat die Qual! Diese süße Qual abzukürzen, will ich nun, lieber fremder Wanderer, ein Machtwort sprechen und Dich zunächst ruhraufwärts führen. Ob in Richtung Ruhr, Lenne, Möhne oder Sieg: von Nordwesten ist die geographische Eingangspforte des ganzen kurkölnischen, märkischen und z. T. bergischen Landes unbestritten die Stadt Hagen, die sich vor kurzem durch das Eintreffen des hunderttausendsten Einbürgers in Gestalt eines lieblichen Mägdeleins das Anrecht erwarb, sich Großstadt neunen zu dürfen. Nun, die alte Industrie= und ehemalige Folkwangstadt ist zu sehr Stadt der Kongresse und Tagungen, um mit einer beschaulichen und urwüchsigen Wandererstadt und bukolischen Sommerfrische verwechselt werden zu wollen. Im Stromgebiet der Ruhr wird der Wanderer auch den alten, geschichtlich bedeutenden Orten wie Menden und Iserlohn mit seinem herrlichen Stadtwald einen Besuch abstatten. Friedliches Schlendern lernt der Sommerfrischler noch auf den Straßen der hübsch im Tale der Hönne gelegenen uralten Städtchens Balve, das sich durch die Balver Höh lenspiele und seine vorbildlichen Bestrebungen auf dem Gebiete des Heimatschutzes einen rühmlichen Namen gemacht. Ein Orgelspiel von Theodor Pröpper wird jedem tiefer Veranlagten zum packenden Erlebnis.— Die alte Residenz der ehemaligen Grafen und Kurfürsten von Westfalen, das hochthronende AltArnsberg, von wundervoller Ruhrschleife innig umschlungen, wird dank der Schönheit seiner Lage, der Bedeutung seiner Vergangenheit, des wahrhaft malerischen Reizes seiner altertümlichen Winkel und seiner bemerkenswerten Bau= und Kunstdenkmäler(siehe das weitberühmte Hirschberger Tor und die Stätte des alten Grafenschlosses) sicherlich den Wanderer für einige Tage zu fesseln vermögen.— Weiter östlich will das lustige und urwüchsige, schon von Grimme besungene Städtchen Meschede nicht zurück stehen. Und mit Recht. Das von hübschen Bergszenerien umrahmte, industrielose Städtchen, dessen uralte Stiftskirche mit der wiederhergestellten Krypta zu den sehenswerten Bau= und Kunstdenkmälern Westfalens gehört, wird immer gern vom Wanderer und Sommerfrischler aufgesucht. Die nahe Hennesperre erhöht nicht unwesentlich den Reiz landschaftlicher Umrahmung. Wie das panoramatisch reizend gelegene Dörfchen Hellefeld dem in Arnsberg weilenden Feriengaste Tagesziel sein wird, so wird der in Meschede Weilende nicht unterlassen, den echt sauerländischen Dörfern des Hinterlandes, vor allem dem hübsch gruppierten Remblinghausen, dem hoch gelegenen, ruinengekrönten Städtchen Hauptwanderstrecke 6, mit der wir 10 Minu= ständigen Siedlungen, so eigen geartet je nachE versberg und dem im Meer des Arnober 80 — S 3 5. F a 5 S; K S e. S SS "%86 SEnRSS Poxs F SUE0 .— 90 B S 2 25. 5 E 2 — 9„ *„ — S O 2•—.— •TDGEg EEG 8 5 5 Sc. S#SESSDL OS S.SHE Apg#gF SERSS S* WBLEE B K S# E SE gES OGGNEMOMMEOETCODOPOREUGS BEAMÄRAELSE # 8 5 2 Fr 5 5 *SESL E c5· So S.* S* S•5 ** S55S 02 Sc. SS— •S• * er *— P OESN e 9011— Jug—E.. D:OESLCOEE 5 S 8.886 RORSE ger Waldes vergrabenen Acker= und Köhlerstädichen Hirschberg einen Besuch abzustatten. In den bodenständigen Kirchen der genannten Orte wird er viel Schönes und Interessantes finden. Halt! Da hätte ich beinahe das ganze Wennetal vergessen! Im Geiste hörte ich schon die Esloher rufen. Und das mit Recht! Denn das im Tale des Esselbaches belegene Städtchen Eslohe hat es verstanden, sich in Verzeichnis der guten Sommerfrischen des Sauerlandes einen Namen zu machen. Wer nach Eslohe kommt, wird natürlich das breit gelagerte Großdorf Wenholthausen im Tale der Wenne nicht übergehen wollen. Ruhrtalaufwärts ist bald der an und für sich unschöne Ort Bestwig erreicht. Doch der Name birgt Musik. Für den winterlichen Skiläufer, wie für den Sommerwanderer. Denn Bestwig ist das innere Eingangstor des hohen Sauerlandes. Durch das schöne Tal der Valme gelangt der Wanderer zum Mittelpunkt des sauerländischen Erzbaues, Rams deck. Dieser Ort ist die Stütze des für die Erhaltung der kulturellen Güter der Heimat so tätigen sauerländischen Heimatbundes. Rutlar! Einst wurde zu Lebzeiten der guten„Mutter Pine“ von Amerika eine Postharte abgeschickt mit der Aufschrift:„An Mutter Pine: Die Karte ist angekommen. Das Kernskädiechen ——ichen Bigge, zu dessen Hinterland das maierische Dorschen Heimeringhausien gehört, gelangt der Wanderer nunmehr zu einer weiteren Perle des Sauerlandes, zu dem ob seiner Lage unvergleichlich schönen Olsberg. Olsberg, am Fuße des mehr denn 700 Meter hohen Berges gleichen Namens gelegen, ist dank seiner wundervollen Höhenluft und der wahrhaft großartigen Umrahmung ein Sommersitz ersten Ranges. Die nahe Karlsaue ist ein wahrer Gottesgarten. Olsberg ist die Wiege der gefühlvollen sauerländischen Dichterin Maria Kahle. Bekannt ist die Naturheilanstalt von Dr. Grüne.— Rufe aus dem hohen Norden veranlassen mich, noch nachträglich eine Fahrt durch das liebliche Möhnetal zu machen, ehe wir ins hohe Sauerland einbiegen wollen. Nun gut! Möhnefluß=Möhnesee! Wer kennt nicht diese Begriffsverbindung! Der Möhnesee ist heute unbestreitbar das Ziel Tausender von Bochenendfahrern. Da wir über die Talsperre das Sauerlandes noch im besonderen berichten werden, möge heute dieser Hinweis genügen. Aber das Möhneta!! Um es kurz zu machen: es ist kein großartiges Tal. Dafür aber umso lieblicher. Und sicherlich nicht ohne kulturelle Reize. Die vom Grafen Gottfried 2. zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaute Kapelle in Drüggelte, sowie die ehemalige Kommende des deutschen Ordens in Mülheim an der Möhne sind Kunstdenkmäler ersten Ranges. Das marmorreiche, hochthronende Allagen, die Orte Riederbergheim, Belecke und Rütchen sind friedlich beschauliche Landorte. Verfolgt der Wanderer den Lauf der Möhne weiter aufwärts, öffnet sich ihm auf der Briloner Hochebene das altertümliche Kreisstädtchen Orilon. Till Eulenspiegel und„König Immer Lustik" haben hier residiert. Die Schwertnarben an der uralten Pfarrkirche zeugen von wütenden Fehden. Zur Hansazeit hatte Brilon zeitweilig den Vorsitz. Kunsthistorisch bedeutungsvolle Bauten zieren den Pfeifenmacherort.— Von Brilon aus führt das idyllische Almetal nach Büren und Paderborn. Ueber Paderborn kann in diesem Rahmen nichts gesagt werden. Es ist eine Welt für sich Da sich inzwischen Möhne= und Almetal beruhigt haben, können wir ungestört in das System der oberen Ruhr eindringen. Dieses schöne Vorhaben wird leider durch Beschwerden aus dem Hoppecketal verhindert. Dies sei nicht minder schön und verlange gebieterisch Erwähnung. Was tun? Nun, so steige mit mir die Gierskoppe herauf.(Gemeint ist das Flüßchen). Bald sind die schmucken, noch zum Ruhrflußsystem gehörenden Dörfer Elleringhausen und Bruchhausen (Kreis Brilow) erreicht. Das erstere ist bekannt durch den großen Tunnel gleichen Namens, der die fauchenden Züge der Strecke Köln=Kassel=Leipzig über die charakteristische Wasserscheide Rhein=Weser führt, das zweite durch geologische Ereignisse von den Ausmaßen eines gigantischen Großkampfes. Hoch über dem lieblichen Bruchhausen thronen bekanntlich die weltberühmten Porphyrkegel der Bruchhausersteine. Ein kurzer Sprung, und wir sind im Stromgebiet der Weser. Bei der Station Brilon=Wald(gleichfalls Musik in den Ohren aller Sauerlandreisenden!) Dorado Willingen. Und bei Nennung des doch dies Rüdel war dom Namens Willingen wieder an das wunder=ging daher unt#ntschöne, trauliche aldecker Ländchen. Doch darüber darf ich heute nicht schreiben. Ich darf nur noch kurz verraten, daß der das Hoppecke= und Diemeltal hinabsausende Zug durch eine wundervolle Landschaft gleitet, bis er im historischen Marsberg und im altertümlichen Warburg eine Weile lang verschnauft.— Jetzt geht's aber wirklich ins hohe Sauerland denn Beschwerden anderer gleich schöner Landstriche werden nicht mehr angenommen. Abenteuer in der Wüste Von Hans Felix Rocholl. Im Frühjahr dieses Jahres war das Kommando einer kleinen britischen Truppenstation in Mesopotamien in einiger Verlegenheit. Eine größere Summe, es mochten etwa 50000 Mark sein, sollte eiligst nach Smyrna an das dortige Rote Kreuz gesandt werden. Unter den anwesenden Offizieren stand aber niemand zur Verfügung, dem man ausreichend Gewandtheit und Landeskenntnis hätte zutrauen können. Da erbot sich eine junge Amerikanerin, Miß Carr, die seit mehreren Jahren in Vorderasien als Krankenschwester tätig war, den Auftrag zu übernehmen. Nach einigem Zögern willigte man notgedrungen ein, zumal Miß Carr alle zur glücklichen Durchführung des Unternehmens erforderlichen Eigenschaften besaß. Unverzüglich machte sich die unerschrockene junge Dame an die Vorbereitungen zu ihrer etwa 1600 Kilometer langen Fahrt, die im Kraftwagen gemacht werden sollte, und trat dann die einsame und gefährliche Reise an. Anfangs ging alles gut. Miß Carr kam schnell vorwärts und hatte etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt, als das Glück die mutige Fahrerin verließ. Das Auto besand sich in gebirgiger Gegend auf einem schmalen, mit feinem Sand bedeckten Wege, auf dem das Steuern außerordentlich schwierig war. In dem losen Sande kam der Wagen leicht ins Rutschen, gerade als die Straße dicht an einem tiefen, steilen Abgrunde entlang führte. Trotz aller Vorsicht und Geschicklichkeit gelang es Miß Carr nicht, den Wagen immer gerade zu halten und schließlich trat das Gefürchtete ein. Die Hinterräder rutschten ab, und der Wagen hing, halb in der Luft schwebend, über der Tiefe. Nur der Umstand, daß der vordere Teil an einer etwas vorragende Felsnase einen Halt gefunden hatte, bewahrt: das Auto vor völligem Absturz. Die Amerikanerin sprang aus dem gefährdeten Auto und überdachte ihre Lage. Den Wagen ohne fremde Hilfe wieder aufzurichten, war unmöglich. Da die Hinterräder frei in der Luft schwebten und nirgends einen Halt fanden, nützte auch die Kraft seines Motors nichts Das Auto mußte seinem Schicksal überlassen werden. Aber was wurde aus der kühnen Fahrerin? Die Gegend war wild und menschenleer. Der Zustand des Weges bewies, daß ihn nur selten jemand benutzte. Wochen mochten vergehen, ehe ein Auto oder ein Reiter daher kam. Die einzige Hilfe war von den Wüstenstämmen zu erwarten, die als Räuber die Straßen unsicher machen; aber— so hoffte Miß Carr— einer wehrlosen, sie um Schutz bittenden Frau würden sie ihre Hilfe nicht versagen. Der Versuch erschien nicht ungefährlich; da aber die junge Krankenschwester einen andern Weg zur Rettung nicht sah, entschloß sie sich, diesen einzuschlagen. Zwar das Auto mit allen Ausrüstungsgegenständen war verloren, es bestand aber wenigstens die Möglichkeit, das Leben zu retten. Die 50000 Mark verbarg sie sorgfältig an ihrem Körper, dann machte Miß Carr sich auf die gefährliche Wanderung, wobei sie Vorsorge traf, im Notfalle den Weg zum Auto zurückfinden zu können. Zwei Tage wanderte sie so unter den sengenden Strahlen der Sonne, nachts schlief sie in ihren Mantel gehüllt im Wüstensande. Am Abend des zweiten Tages bemerkte die Einsame, daß sie diesen Marsch durch die menschenleere Wüste nicht durchhalten würde. Auch schien es ihr jetzt geratener, auf der wenn auch wenig begangenen Straße Hilfe abzuwarten, als durch die Einöde zu irren. So kehrte sie wieder um und erreichte nach dreitägiger Abwesenheit den noch immer über dem Abgrunde hängenden Wagen. Als Miß Carr am andern Morgen früh erwachte, sah sie einen grauen Schatten über den Weg huschen, dem bald andere folgten. Ein kalter Schauer rann der mutigen Reisenden über den Rücken. Es gab keinen Zweifel: ein Rude! Wölfe war auf ihre Spur gestoßen und ihr gefolgt. Zwar ist der Wüstenwolf im allgedenbt man unwillkürlich an das Wintersport=meinen feige und greift den Menschen nicht an, u. Blueg Eaher untel Führung eines alten Leittieres alsbald zum Angriff über. So schnell waren die Tiere heran, daß Miß Carr keine Zeit fand, ihre Schußwaffe aus dem Wagen zu nehmen. Doch in Reichweite lag eine Eisenstange, wie sie zum Aufmontieren der Reifen gebraucht werden: mit dieser teilte sie wuchtige Hiebe gegen die herandrängenden Wölfe aus. Zunächst war sie erfolgreich. Mehrere der Tiere sielen mit schweren Wunden am Kopfe, mit gebrochenen Rippen und Gliedern zu Boden. Aber das Rudel war zu groß, und Miß Carr sah den Augenblick immer näher kommen, wo sie ermattet die Waffe sinken lassen und zwischen den Zähnen der hungrigen Wölfe enden würde. Verzweifelt blickte sie sich nach einem Zufluchtsort um, wo sie sich eine Zeitlang ausruhen und frische Kräfte für den ungleichen Kampf sammeln könnte. Sie fand nichts anderes als das am Straßenrande halb in der Luft hängende Auto. Mit einem gewandten Sprunge schwang sie sich auf das Verdeck des Wagens, wo sie zunächst gegen den Ansturm ihrer gierigen Feinde einigermaßen gesichert war, wenngleich einige der kühnsten ihr auch dorthin zu folgen versuchten, so daß Miß Carr ständig auf der Hut sein mußte. Dazu zeigte sich plötzlich eine neue Gefahr. Die Bewegungen, welche die Bedrängte machen mußte, um die angreifenden Bestien mit der Eisenstange zurückzuschlagen; und die Sprünge der Wölfe gegen die Wagenwände erschütterten das Fahrzeug so heftig, daß es von der Felsspitze in die Tiefe zu stürzen drohte. Miß Carr mußte erkennen, daß sie ihre Lage nicht gebessert, bestenfalls ihr unabwendbares Ende nur etwas hinausgeschohen hatte. Der Abend nahte. Die ständige körperliche und seelische Anspannung zehrten die Kräfte des jungen Mädchens rasch auf. Die Wölfe hatten ihre Taktik geändert und die direkten Angriffe aufgegeben. Im weiten Halbrund saßen sie lauernd da, wohl wissend, daß ihnen ihr Opfer nicht mehr entgehen könne.— Doch plötzlich kam Unruhe in das Rudel. In der Ferne tauchte die Silhouette eines sich rasch nähernden Reiters auf, dem andere in kurzem Abstande folgten. Nach wenigen Augenblicken, gerade zur rechten Zeit, erschien die kleine Kavallerieabteilung, eine Streife der britischen Streitkräfte, auf dem Schauplatz. Eine wohlgezielte Salve streckte eine Anzahl der Wölfe zu Boden, die übrigen Raubtiere entkamen in eiliger Flucht. Die infolge der ungeheuren Nervenanspannung fast bewußtlose Miß Carr wurde auf ein Pferd gesetzt und nach Mossul ins Krankenhaus gebracht. Sobald sie einigermaßen wiederhergestellt war, sorgte sie dafür, daß die ihr anvertraute Summe eiligst an ihren Bestimmungsort gesandt wurde, worauf sie, überall als Heldin gefeiert, wieder nach Bagdad zurückkehrte. —.— In seinem im Verlage von F. A. Brockhaus erschienenen Buch„Betrogenes Volk“ erzählt Fridtjof Nansen auch von der Not russischer Flüchtlinge, die vergebens eine neue Heimat suchten: In Bulgarien sind viele russische Flüchtliage. Die meisten stammen aus Wrangels geschlagener Armee, die zunächst hierher nach Konstantinopel gekommen war, von der wir aber einen Teil nach Bulgarien gebracht hatten, weil dort leichter Arbeit zu finden war. Manche kehrten dann von dort aus nach Rußland zurück. Der Versuch, allen diesen Menschen zu helfen, fiel in meinen Aufgabenkreis als Overkommissar des Völnerbun. des für die russische Flüchtlinge. Da die bulgarische Regierung in den flüchtigen Russen zum Teil Kommunisten vermutete und die politische Ansteckungsgefahr fürchtete, wollte sie die Leute am liebsten wieder los sein. Diejenigen, die man für verdächtig hielt, wurden in einem Lager bei Varna eingesperrt, und im letzten Frühjahr, Anfang März, brachte man 250 von ihnen an Bord des„Triton“, eines baufälligen Kahnes, kaum groß genug, um 50 Mann zu fassen. Mit Proviant für einige Tage durftig versehen, wurden sie mit Kurs nach Odessa aufs Schwarze Meer hinausgeschickt. Mit den russischen Behörden war jedoch keinerlei Vereinbarung über die Aufnahme der Leute getroffen; die russische Regierung war nicht einmal von dem Transport in Kenntnis gesetzt. In Odessa wurde daher den Flüchtlingen die Landung verweigert. Der wacklige„Triton“ mußte aufs Meer hinaus, aber wohin? Irgendeinen andern russischen Hafen anzulaufen, hatte keinen Zweck, ebenso aussichtslos war die Rückkehr nach Vulgarien. E5 hab Nür eine Möglichkeit, in der Türkei, einen Versuch zu machen. Das bedeutete eine lange Seereise, und es läßt sich kaum ausdenken, wie die vielen Menschen unter Mangel an Nahrung und Wasser zu leiden hatten, eingesperrt in der kleinen, gebrechlichen Schute, die so leck war, daß sie sich kaum über Wasser halten konnte. Als sie endlich nach sechsundzwanzigtägiger Seefahrt Konstantinopel im April ereichten, war sie reif zum Wegsacken. An Bord herrschte Jubel, nun schlug die Stunde der Erlösung! Aber nein, auch die türkischen Behörden wollten die Unglücklichen nicht landen lassen. Sie mußten an Bord bleiben. Ein Dampfboot bekam den Auftrag, den „Triton" durch den Bosporus zurück ins Schwarze Meer zu schleppen; als das Abschleppen begann, stieg die Verzweiflung an Bord zur Raserei. Der„Triton war dem Sinken nahe, er stand zur Hälfte voll Wasser, die Russen schrien, drohten über Bord zu springen und riefen um Hilfe. Zum Glück lag ein englischer Dampfer in der Nähe, dessen Kapitän die Hilferufe hörte. Als er sah, was vorging, stellte er die türkische Polizei und machte sie verantwortlich für Verlust von Menschenleben, wenn sie diese Unmenschlichkeit fortzusetzen wagte. Das Abschleppen mußte aufgegeben und den Russen erlaubt werden, die sinkende kleine Schute zu verlassen. Man gestattete ihnen den Aufenthalt auf einem kleinen umzäunten Gelände am Strande, angesichts der Stelle, wo der„Triton" versank. Zu essen bekamen sie nichts, und damit war es auch schon seit mehreren Tagen mager bestellt gewesen. Als ich unmittelbar darauf telegraphisch von der Sachlage unterrichtet worden war, drahtete ich an die Regierung von Moskau und bat für die Flüchtlinge um die Erlaubnis zur Heimkehr nach Rußland. Die Regierung antwortete jedoch, sie kenne die Flüchtlinge nicht, wisse nicht, was es für Leute seien, und sehr sich daher genötigt, abzulehnen. In der Angelegenheit sei ihrer Auffassung nach die bulgarische Regierung zuständig, die es versäumt habe, nach Moskau Nachricht zu geben. Inzwischen führten die armen Flüchtlinge auf dem offenen Strande, mit ungenügender Kleidung und ohne Nahrung, ein elendes Dasein. Viele wären zusammengebrochen, wäre nicht Miß Anna Michell gewesen, die im Konstantinopeler Flüchtlingsbüro des Völkerbundes tätig war. Sie sammelte bei hilfsbereiten Mitgliedern der amerikanisch=europäischen Kolonie der Stadt und bei verschiedenen Institutionen und konnte dadurch die Leute von Tag zu Tag am Leben erhalten. Nun aber hatte sie nur noch Mittel für wenige Tage und wußte nicht, wohin sich wenden. Als sie mich nun bat, ich möge sie begleiten und nach den Leuten sehen, folgte ich ihrem Wunsche. Welches Elend! Die Flüchtlinge konnten sich aur auf ganz engem Raum hart am Strande bewegen. Einige hatten eine Art Dach über sich, das wahrscheinlich einmal zum Schutz für ein paar Boote bestimmt gewesen war. Darunter lagen sie nun, Männer und Frauen, dicht gedrängt auf der bloßen Erde. Ein Rechteck, sechs Fuß lang und zwei Fuß breit für jeden, abgegrenzt durch einige Mauersteine, stellte das Beti vor. Ein Häuflein Erde oder Steine diente als Kopfkissen, einige Lumpen lagen auf dem Boden als eine Art Unterlage für den Oberkörper. Das war alles.— Hier waren Kinder zur Welt gekommen, hier waren ein paar Menschen gestorben. Ein Wunder nur, daß nicht noch mehr zusammengebrochen waren.— Unter dem Dach war nicht Platz für alle, einige mußten außerhalb auf dem Boden liegen. Sie hatten es bei Nacht noch kälter und wurden bei Regen natürlich vollkommen niß. Die Tagesration bestand in etwas Brot und einer Tasse dünner Suppe. Aber nun waren, wie gesagt, auch die letzten eingesammelten Geldmittel erschöpft. Die Flüchtlinge hatten bei ihrer Ankunft etwas Geld gehabt, alle zusammen ungefähr 700 türkische Pfund(eiwa 13.000) Mark), aber die hatte die türkische Polizei ihnen abgenommen und verweigerte die Rückgabe. Vermutlich sollten sie zur Deckung der Ausgaben für späteren Abtransport der Flüchtlinge dienen— zumeist wohl auf den Kirchhof. Zur Bezahtung der Miete für diese Unterkunft konnte das Geld wohl nicht bestimmt sein. Uebrigens sahen viele dieser Vertriebenen, trotz der überstandenen Leiden, erstaunlich gut aus. Die Frauen teilweise ganz gesund und kräftig während andere freilich recht abgezehrt und mitgenommen waren. Manche Männer waren groß, kräftig und arbeitsfähig. Durch Vermittlung eines Dolmetschers sprach ich mit einigen. Ihr einziger Wunsch war, irgendwohin zu kommen, wo sie Arbeit erhalten und sich selber durchringen könnten, das Leben hier sei unerträglich. Sie wollten gern nach Räßland oder auch anderswohin, es kam nicht, so genau darauf an, nur nicht zurück nach Bulgarien. Es waren mehrere gebildete Menschen unter ihnen, die etwas französisch sprachen. Aber auch sie waren bereit, jede beliebige Arbeit anzunehmen. Was war da zu tun? Die Schwierigkeit bestand darin, daß sie sich zur Heimkehr nach Rußland bereit erklärten, um vom bulgarischen Isolierungslager fortzukommen. Deshalb wurden sie nämlich für Bolschewisten gehalten, und kein Land wollte sie aufnehmen. Ich sprach mit dem bulgarischen Gesandten in Konstantinopel, aber er versicherte mir, seine Regierung würde die Leute unter keiner Bedingung wieder aufnehmen, und die türkische Regierung war ebenso fest entschlossen, ihnen die Erlaubnis zum Aufenthalt in Konstantinopel zu verweigern. Die Sache sah wahrhaftig recht schwierig aus. Aber ähnliche Geschichten, sogar in noch größerem Maßstab, warin uns ja in der Arbeit für die Flüchtlinge in Europa schon vielfach begegnet. In diesem Fall bestand die Lösung am Ende darin, daß wir mit Hilfe von Geldmitteln, die mir der Kopenhagener Verleger Chr. Erichsen zur Verfügung stellte, vorläufig den Unterhalt der Flüchtlinge bestreiten konnten. Später übernahm die große amerikanische Organisation„Near East Relief“, die Kosten für die Dauer einiger Monate unter der Bedingung, daß eine endgültige Erledigung der Angelegenheit binnen dieser Zeit gewährleistet wurde. Diese Garantie übernahm ich. Endlich ließ Frankreich sich zur Aufnahme einer kleinen Anzahl von Menschen bewegen, die gute Arbeiter waren. Und auf meine Vorstellungen hin ging die Sowjetregierung in Moskau darauf ein, die übrigen aufzunehmen gegen die Zusicherung, die bulgarische Regierung werde künftig ohne vorherige Uebereinkunft mit Moskau keine Flüchtlinge mehr nach Rußland senden. —•— Indiauerfest in Guatemala Von Stefani Gerhardt. Vorbemerkung: Folgende Schilderungen spielen auf einer Kaffeeplantage(Finca) an der Pazifikküste Guatemalas zur Zeit der Kaffee=Ernte. Ein furchtbares Getöse schreckt mich aus tiesem Schlaf. Es schreit, johlt und pfeift, knarrt, trommelt und tost. Um mich schwüle, dunkle Tropennacht. Was ist los? Ist Feuer ausgebrochen? Nein. Dann würde das hohe Glöckchen vom kleinen Dorfkirchturm Sturm bimmeln. Es muß also der Auftakt für das am folgenden Tage beginnende Fincafest sein. Acht Tage knarrt und tost es Tag“und Nacht. Weitere acht Tage sind nötig. um den Rausch auszuschlafen. Auf der plaza vor dem Administrationssebäude herrscht lebhaftes Marktgetümmel. on weither sind die Indianer und Indianerinnen mit ihren schweren Tragkörben gewandert, tagelang mit behendem Laufschritt einer hinter dem anderen. Die Frauen oft mit schweren Körben auf dem Kopf, ein Baby in Umschlagtuch auf dem Rücken gebunden. Schon die kleinsten Kinder tragen eine Last auf dem Kopf. Die Kleinen gleichen aufs Haar den Alten. Dieselbe Tracht, dieselbe stolze Haltung, der gleiche wiegende, trippelnde Gang. Voll Freude und Erwartung eilen alle nur irgendwie abkömmlichen Indianer zum Fincafest nach Chocola, dem Ereignis des Jahres. Die Knarren und Trommeln verstummen. Des Dorfkirchleins Glöckchen läutet zum Gottesdienst. Die kleine Kapelle kann die mehr als tausendköpfige Menge nicht fassen. Nur die Dorfältesten finden darin Platz. Die übrigen stehen dicht gedrängt vor der Kirche. Für den weißen Besitzer der Plantage und seine Gäste ist eine Tribüne errichtet. Viele Indianer, die auf dem Platz keinen Raum mehr finden, klettern in die Bäume und bauen sich dort ihre eigene Tribüne. Um den eigentlichen Gottesdienst kümmert sich die braune Schar herzlich wenig. Wohl sind sie getauft. aber ihr alter heidnischer Kult gefällt ihnen besser. Da können sie ihrer Phantasie freien Raum lassen. Großes Interesse flößen ihnen die Europäer ein, einige von ihnen sahen nur selten Weiße. Die Weißen sind doch zu komisch! Wie spaßig sie gekleidet sind! Die Frauen tragen keine langen Zöpfe, und ihre Röcke reichen nicht bis auf den Boden! Vor unserer Kamera hatten manche große Angst. Der Teufel sitzt darin, kann alle ihre Sünden erkennen und wird sie dafür strafen. Viele laufen davon, wenn wir sie photographieren oollen Nach dem Gottesdienst kritt der Rekteste der Dorjältesten vor die Kirche, ein Baldachin schützt das weiße Haupt des 99jährigen Greises. Doch hat er sich zur Vorsicht noch ein Kopftuch umgebunden. Seiner vollen, Würde bewußt, steht er stramm und sicher da, redet in der Indianersprache zu seinen Brüdern. Dieser Alte mit seiner lederartigen, stark zerfurchten Haut bietet ein prachtvolles Bild. Der Alcalde, Dorfälteste und Bürgermeister in einer Person, eröffnet die Prozession. An der Spitze laufen johlend und schreiend Indianer mit Riesenknarren, die sie schwerfällig über ihren Köpfen drehen. Sie vollführen einen Höllenlärm. Das sind also die Dinzer, die uns nachts aus dem Schlaf schreckten. Acht Tage wollen sie so weiter knarren! Dann folgt der Alcalde. Nun in bunter Reihe, als Meßbuben mit weißem Hemd und weißem Kopftuch gemusterte Indianerknaben, auf langen Stangen bunte, mit Schilf und Gras verzierte große Riesenlaternen tragend. Trompetenbläser, Paukenschläger, dann wieder Knarrenschwinger. Dazwischen das gröhlende, schreiende Indianervolk. Der Zug ist endlos. Die ganze Lebens= und Leidensgeschichte Christi wird dargestellt. Jede Episode einzeln. Darüber schwebt ein von starken Männern getragener Baldachin. Dazwischen tanzen Engel in weißen Gewändern, mit großen goldenen Flügeln, eine schwarze Maske vor dem Gesicht tragend. Rote und schwarze Teufel zanken sich mit ihnen. Auch diese verbergen ihre Gesichter. Der ganze Zug grenzt ans Groteobe: Religiosität und Mummenschanz. Mehr und mehr zweigt der Zug von der kirchlichen Ueberlieferung ab und artet in heidnische Maskendarstellungen aus: Immer mehr Krach und Getöse, ohrenzerreißende Musik. Der Zug geht durch das ganze Dorf, zwischen allen mit Paimenblättern bedeckten Hütten hindurch. Ueber den Straßen sind große Triumphbögen und Guirlanden angebracht, aber nicht aus Tannen- und Maigrün, sondern ledigli chaus Früchten der reich gesegneten Tropenvegetation. Da hängen in den schönsten Verzierungen die Apfelsinen und Bananen zu Tausenden, leuchtende Mangos und Papayas heben sich malerisch vom dunklen Grün der Palmblätter ab. Die Straßen sind mit Palmwedeln übersät. Die Natur liefert in verschwenderischer Fülle, was diese Naturkinder zur Ausschmückung ihres Festes begehren. Ein Karnevalszug in Nizza kann nicht farbenfroher und lebendiger sein als dieser Mummenschanz. Bis in die späte Nacht wandern sie weiter, schreien, knarren, musizieren. Sie müssen durch alle zwölf Indianerdörfer ihrer Finca wandern. Acht Tage reichen beinahe nicht aus. Nachts feiern sie dann untereinander in ihren Hütten ganz im geheimen weiter. Was sie da betreiben, wissen wir nicht. Es muß altheidnischer Kultus sein. Ein Weißer war einmal vorwitzig und schlich nachts in eine Hütte. Er mußte seine Neugier mit dem Leben büßen. Die Indianer nehmen vieles willig von den Weißen an, nur muß man sie in ihrem Heiligtum, in ihren Hütten und bei ihrem Kult in Frieden lassen. Bei diesen nächtlichen Feiern und Trinkgelagen geht es lebhaft her. Nur zu oft gibt es Streit und Messerstechereien. Alle Fehde des Jahres wird an solch einem Fest ausgetragen. Wenn sich die Verwaiter der Plantage einmischen wollen, um Frieden zu stiften, so ergeht es ihnen meistens schlecht. Sie können noch froh sein, wenn sie nur verprügelt werden oder einen gefährlichen Messerstich erhalten. In seinem Alkoholrausch ist der Indianer schlimmer als ein Tier. Acht Tage währt die Freude. Acht Tage Lärmen, Schreien, Maskerade. Mit Sonnenuntergang lodern große Feuer gen Himmel, welche die ganze Nacht nicht erlöschen. Im Schein der Flammen toben die wilden Maskentänze der Indianer. Nach acht Tagen ist das Dorf wie ausgestorben. Von dreitausend Arbeitern treten keine tausend mehr zu Arbeit an. Sie kommen erst wieder, wenn sie es dringend nötig haben. Sie besitzen ein Dach über dem Kopfe. Die üppige Natur gibt ihnen, was ihr bescheidener Lebensunterhalt erfordert. Also wozu arbeiten? Dolce far niente! —8.— Die Dame mit dem weißen Schscher Von Menschen, die Unmögliches gesehen und gehört haben wollen, sagt man, sie hörten das Gras wachsen. In Wahrheit wird es aber niemand gelingen— selbst bei den größten Anstrengungen und Bemühungen— zu beobachten, wie das Gras an Länge zunimmt. Um ein Gewächs beim Wachsen zu belauschen, muß