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Wenn also der Inder sagt:„Ohne Bezahlung zu arbeiten ist besser als Faulenzerei“, der Schotte dagegen:„Besser untätig sitzen als für ein Nichts arbeiten“, so kann man sicher nicht behaupten, diese beiden Sprichwörter selen für die beiden Völker charakteristisch. Die soziale Schichtung eines Volkes kommt in der Gegensätzlichkeit vieler Sprichwörter zum Ausdruck:„Wer unterwürfigen Wesens ist, wird seinen Bauch füllen“ und„Auch ein weiser Mann umfaßt die Füße eines Esels"; dagegen:„Ein Tiger frißt niemals Gras" und„Wenn Du Deine Ehre behalten willst, bitte niemanden um eine Gunst". Lehrreich sind die Sprichwörter, die dem Familienleben der Inder entnommen sind:„Im Dezember ist die Schwiegermutter ärgerlich, die Hausfrau aber wohlgemut". Denn der Ehefrau obliegt alle Arbeit, doch in den kurzen dunklen Tagen des Winters kann sie sich eines geruhigeren Lebens erfreuen. Die Stellung der indischen Schwiegermutter entspricht etwa jener der abendländischen Stiefmutter; jedenfalls ist sie weit unbeliebter als die europäische Schwiegermutter. Der Inder sagt in unzweideutiger Derbheik:„Die beste Schwiegermutter gleicht einer lästigen Beule" Aber die Geschmähte rächt sich. Als ihr Ehemann gestorben ist, klagt sie:„Mein Seliger war mir ein wohlwollender Geb’eter; aber mein Sohn beherrscht mich mit dem Stiefel". Die Ehelosigkeit ist dem Inder ein Greuel: „Nur Menschen, die Kinder haben, sind wirkliche Menschen. Ein Unverheirateter gleicht einem Rindvieh". Ferner:„Ein Haus ohne Kinder ist ein Begräbnisplatz“. Besonders männliche Nachkommen werden mit Freuven begrüßt:„Ein Sohn ist ein Licht in einem dunklen Hause“. Aber die armen Töchter!„Eines Warenlagers und einer heiratsfähigen Tochter soll man sich so schnell wie möglich entledigen und„Niemand rennt so schnell wie derjenige, welcher eine Tochter an den Mann bringen muß“. Ein beliebtes Sprichwort bezieht sich auf den Brauch, dem Bräutigam die Braut nicht vor der Hochzeit zu zeigen. Nur seine Verwandten bekommen sie zu sehen. Ihnen wird oft die hübsche Tochter vorgeführt, dem unglückli en Freier aber die häßliche Schwester aufgehalst. Dann heißt es:„Illai wird gezeigt und Jellai auf den Brautstuhl gesebz: Wie überall in der Welt. so wird auch in Indien der hilfreiche Arzt mit schwärzestem Undank belohnt„Laß den Doktor sterben, wenn nur meine Krankheit kuriert ist" und„Ein Arzt ist ein Feind, wenn er seine Arbeit getan hat“ — Auch Kühe und Schlangen kommen im Sprichwort vor:„Die Kuh ernährt sich von Gras, aber selbst ihr Schwanz wird verehrt“ und„Das sind Narren, welche die Schlange nicht schätzen, wenn sie zu ihnen ins Haus kommt, die aber zu ihrer Höhle pilgern, um sie anzubeten! Die indische Spruchweisheit ist kein Freund von Männerbärten:„Hinter einem Barte versteckt sich ein Betrüger" oder„Der Bart soll die Gefühle des Mannes verbergen; die Frau braucht keinen Bart, denn ihr ist die Verstellung angeboren.“ Die Männerfreundschaft soll unverbrüchlich sein:„Zerreiße nicht rauh das der Freundschaft; selbst wenn es dann wieder geknupft wird, bleibt es immer ein Knoten“. Wenn sich, als Ganzes betrachtet, die indischen Sprichwörter auch nicht immer als geistreich bezeichnen lassen, so offenbaren sie doch viel psychologischen Scharfsinn in ihrer anschaulichen und einfachen Sprache. —02— Von der Lebensweise der Es ist eine weitverbreitete Ansicht, daß eine allzu reichlich tierische Eiweißstoffe enthaltende Kost mehr Anlaß zu Herz= und Nierenkrankheiten bietet als die Pflanzenkost eines Vegetariers. Da erscheint es denn ganz interessant, zu erfahren, welche Beobachtungen ein amerikanischer Arzt namens Dr. William A. Thomas kürzlich auf Grund vorgenommener Untersuchungen bei Eskimos von Labrador und Grönland machen konnte, die fast ausschliehlich starke Fleisch= und Fischesser sind. Die rungen dänischer Aerzte in Grönland im übrigen seine Vermutungen. Die Kost dieser Eskimos besteht hauptsächlich aus dem Fleisch von Walen, Walrossen, Seals, Renntieren, Moschusochsen, Eisbären, Seevögeln und verschiedenen kleineren Fischarten. Der berühmte„Lebertran“ ist nach Ansicht von Dr. Thomas vielen Eskimos völlig unbekannt; auch genießen sie verhältnismäßig wenig Fett, weniger jedenfalls, als gewöhnlich angenom men wird. In der Regel verzehren sie viel schieres Fleisch und Leber, in Notzeiten allerdings auch tierische Eingeweide. Nieren= und Herzkrankheiten kommen nun trotz dieser Ernährungsweise unter den Eskimos nicht sehr häufig vor, wie Dr. Thomas feststellte, ihr Blutdruck ist normal, auch der Eiweißgehalt. Sie führen ein freies, arbeitsames Leben und fühlen sich sehr wohl dabei. Bis zum vierten, nicht selten sogar zum sechsten Lebensjahr erhalten die Eskimokinder ihre Muttermilch und beginnen dann sogleich Fleisch zu essen. Die gefürchtete englische Krankheit kommt unter ihnen überhaupt nicht vor. Dr. Thomas zieht aus allen diesen Ergebnissen den Schluß, daß es auch für weiße Menschen zuträglich sein müßte, sich an die natürliche Ernährungsweise der Eskimos bis zu einem bestimmten Grade zu gewöhnen. Der Spatz als Höhlenfertiger „Übi bene, ibi patria!“ ist der Wahlspruch des munteren Spatzenvölkchens auf dem Fahrdamm Sie passen in alle Sättel, sie besitzen Züge, die belustigen, erzürnen, empören oder auch rühren und versöhnen. Ich könnte sie schildern als Phlegmatiker, während sie andererseits Cholerikern oder Sanguinikern wie aus dem Gesicht geschnitten scheinen. Ich könnte sie als Egoisten, verschmitzte schlaue Diebe, als Leute mit bösem Gewissen und harmloser Miene kennzeichnen. Aber ich habe sie auch als Freunde der Geselligkeit, als Gehilfen ihrer Standesgenossen, als treue Pfleger und Lenker ihrer Kinder, als gemütliche Hausgenossen der Menschen und als liebenswürdige Seelen kennengelernt, die im Elend ausharren und beim ersten Sonnenblick des Lebens in kindlicher Freude das Leid und sich selbst vergessen. Vielleicht werde ich jedem Fachkundigen ein mitleidiges Lächeln und Achselzucken abnötigen, wenn ich den Sperling als„Höhlenfertiger" bezeichne, und doch mag folgendes Erlebnis beweisen, daß der Vielseitige auch in der Reihe dieser Künstler seinem Namen Ehre machen würde. Ein langjähriger Freund liegt eines Morgens wach im Bett. Plötzlich klopft es an, und er fährt empor, wie„Leonore im Morgenrot“ mit einem herrischen„Herein!“. Doch niemand tritt ein. In rascher Folge klopft es zum zweiten und dritten Male und das gespannte Ohr des Lauschenden entdeckt die Stelle, woher das Pochen dringt. An der Tapetenwand, welche den Winkel des Hauses von außen begrenzt. In diesem Augenblick reißt die Tapete und— herein zwängt sich der Kopf eines alten Spatzenmännchens. Sich befremdet umsehend und den erstaunten Herrn im Bett mißtrauisch musternd. Ein wetternder Ausruf und ein rascher Griff von seiten des letzteren überzeugen den ernüchterten Eindringling, daß hier seines Bleibens nicht ist und rasch zieht er seinen Kopf zurück. Zwar sträubten sich die Federn am Hals zur Krause und es kostet einige Nühe zu entfliehen. Doch endlich gibt der Rano der zerrissenen Tapete nach außen nach. Eine genaue Untersuchung der betreffenden Stelle liefert gendes Ergebnis: Der Spatz hat nach und nach die Nebenwand des Hauses an der erwähnten Stelle losgehackt und einen Höhlengang von einem halben Fuß im Durchmesser gemeißelt Die Bewohner des Hauses erklärten, daß sie schon seit mehreren Jahren das Klopfen an verschiedenen Stellen der Wand wahrgenommen hätten, vermutend, es wären Holzwürmer. Ein Goldsarg aus der Mayazeit. Eine vom wissenschaftlichen Standpunkt hochinteressante Entdeckung wurde vor einiger Zeit in einem Bergwerk in der Nähe von Huahuetenango in Guatemala gemacht. Beim Vortreiben eines Stollens stieß man auf einen massivgoldenen Sarg in einer kupfernen Hülle. Die nähere Untersuchung ergab, daß sich in dem Sarge zwei Mumien aus der Mayazeit befanden, und zwar in einem ungewöhnlich gut erhaltenen Zustande. Ihre letzte Hülle ist ein neues Zeugnis für den Hochstand der schönen Künste und Handfertigkeiten bei dem interessanten Volke.— Die Gesellschaft für Geographie und Geschichte in Guatemala bereitet eine Expedition in das Gebiet von Huahuetenango vor, um dort weitere wertvolle Funde zu Tage zu fördern. Der Krakatau regt sich wieder. Der Vulkan Krakatau auf der Java vorgelagerten Insel gleichen Namens, der durch seinen ungeheuren Ausbruch vom Jahre in aller Welt zu trauriger Berühmtheit gelangte, gibt noch immer Lebenszeichen von sich. Die feurige Glut in seinem Innern machte sich in letzter Zeit wieder stärker bemerkbar. Eine wissenschaftliche Forschungsreise unter Leitung des holländischen Gelehrten Dr. Stehn stellte nun kürzlich fest, daß der- Herd des Vulkans sich unter die Oberfläche der See verlagert hat. Abwechselnd alle halbe und ganze Minute erfolgt ein kleiner Ausbruch, bei dem Lavabomben, Asche und heißes Wasser ausgestoßen werden. Gleichzeitig steigt eine riesige Dampfsäule bis zu einer Höhe von zweihundert Metern empor. Diese dauernden kleinen Ausbrüche gelten im allgemeinen als Sicherungsventil gegen größere Katastrophen. Das erste Auto in Japan. Gelegentlich der Hochzeitsfeier des verstorbenen Mikado, des damaligen Kronprinzen, am 11. Februar 1900, beschloß die japanische Kolonie in San Franzisko, dem Prinzen ein besonders neuartiges und wertvolles Geschenk zu machen. Man wählte ein Auto. Dieses heute unentbehrliche Verkehrsmittel war damals in Japan noch nicht bekannt. Der Wagen wurde nach Tokio geschafft und dort dem Ministerium des Kaiserlichen Hauses übergeben. Ehe dieses sich jedoch entschloß, die Gabe anzunehmen und sie an den Kronprinzen weiter zu leiten, verlangte es eine Probefahrt. Dabei gab es leider einen kleinen Zwischenfall. Der Wagen war gecade richtig in Gang gekommen, als eine alte Frau, vor Schrecken über den ungewohnten Anblick, laut ausrief:„Ein Wagen ohte Pferde!“ und wie zur Salzsäule erstarrt mitten auf der Straße stehen blieb. Um die Alte nicht zu überfahren, wollte der Fahrer ausweichen. Die Folge war, daß er mit fürchterlichem Krach in einem Wassergraben langs der Straße landete. Auf den Gedanken, die Bremse zu gebrauchen, kam der Wackere in der Eile nicht. Glücklicherweise ging alles gut ab, der Fahrer blieb unverletzt, und auch das Auto wurde noch einigermaßen heil geborgen. Das für den Kronprinzen bestimmte Geschenk. der„Teufelswagen", verfiel jedoch als zu gefährlich der Ablehnung. — Es dauerte dann noch geraume Zeit, bis das Auto in Japan heimisch wurde. Zuerst führten es die fremden Diplomaten ein. 1903 tauchte dann die erste Kraftdroschke in den Straßen Tokios auf. Die Jagd nach dem weißen Nashorn. Mit Triumph wurde in London kürzlich ein weißer, von Indien entliehener Elefant gezeigt — aber mit wieviel größerem Stolz hätte man ein Tier zur Schau gestellt, das bisher in keinem zoologischen Garten der Welt vorhanden ist: das weiße Rhinozeros! Dabei ist das weiße Nashorn durchaus nicht selten; an Flußläufen im Sudan wird es sehr oft angetroffen. Wohl hat man ganz junge weiße Rhmozerosse gefangen, aber sie gehen in der Gefangenschaft an ihrer übergroßen Empfindlichkeit sehr schnell zugrunde. Das ausgewachsene Nashorn zu fangen, ist aber fast ein Ding der Unmöglichkeit. Denn das weiße Nashorn ist im Angriff eines der furchtbarsten Tiere. Wutschnaubend stürzt es sich auf den nächsten Gegenstand, der ihm gerade vor Augen kommt, und die Wucht seines Anpralls ist oft so ungeheuer, daß es sich mit seinem Horn im Baum verfängt. Gewiß man kann dem wütenden Tier ein Netz überwerfen, aber um es zu bändigen, müßte es schon ein Netz aus starken Stahlbändern sein. Und wehe, wenn es aus diesem Netz befreit wird! Es kämpft bis zum Tode mit der Wut der Verzweiflung. Die ägyptische Regierung hat nunmehr die Jagd auf das weiße Nashorn verboten. Eine lehrreiche Statistik. Die Zahl der Trunkenheitsdelikte ist in Oslo seit dem Jahre 1923, da sie mit 18700 ihren Höhepunkt erreichte, ständig gesunken. Mit Rücksicht auf die im vorigen Jahre erfolgte Aufhebung des Branntweinverbots in Norwegen erregte die kürzlich veröffentlichte Statistik über diese Vergehen im Jahre 1927 besonderes Interesse. Die Zahl weiterhin, und zwar von 12880 Fällen des Jahres 1926 auf 12720. Mithin haben sich die pessimistischen Voraussagen der Prohibitionsanhänger in keiner Weise erfüllt. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 6 8. Februar 1928 Der erste Germanenkaiser Von Hermann Anders Krüger. Um die Wende des zweiten und dritten Jahrhunderts war es, nach den herrlichen Tagen der großen Trajane, Hadriane und Antonine. Seit der unwürdige Sohn des Philosophenkaisers Marc Aurel seiner Gladiatorenspielerei zum Opfer gefallen, knisterte es überall im weiten Gebälk des gewaltigen Römerreiches. Vom Norden über die Donau drängten immer neue schier unermeßliche Scharen germanischer Völker. In Britannien, Gallien und Kleinasien meuterten halbbarbarische Heerführer. Im Osten erhoben Parther und allerlei Beduinenstämme immer wieder ihre so oft geschlagenen Häupter. Kaiser Septimius Severus, ein afrikanischer Römer von punischer Herkunft, durch geheime Verschwörung zur Macht getragen, warf die längst verkommene italische Prätorianer=Garde über den Haufen und bildete sich, dem römischen Senat zum Trotze, aus den kriegstüchtigen Barbaren der Donauländer, den Thrakern, Dakern und Illyriern, eine neue Kaisergarde, mit der er seine Gegenkaiser besiegte, das mächtige Byzanz und Antiocheia überwand und abermals die Parther demütigte. willst du gleich noch mit meinen besten Illyriern ringen?“ Bm „Warum nicht", antworte Maximinus greichgültig.„alles, was du befiehlst. Ich bin noch frisch“,„„„ M Im Lager der iuyrischen Prarorianer hatte man bereits Kunde von der Unbezwinglichkeit des jungen germanischen Riesen, und als der Imperator zum Wettkampf aufrief, meldeten sich sofort die drei stärksten Gardisten. Das Ringen mit dem Ersten fiel auch Maximin nicht ganz leicht, er mußte sich erst an die wohl neue und verschlagene Taktik des ebenfalls gliedergewaltigen Dalmatiners gewöhnen, dann aber warf er auch ihn mit unwiderstehlicher Wucht auf den Rücken. Mit dem zweiten und dritten Gegner ward er leichter fertig, und kein weiterer wagte nunmehr gegen ihn vorzutreten. Darauf ließ der Imperator dem Sieger von seinem Kämmerer eine schwergoldene Halskette überreichen und ernannte ihn Mitglied seiner berittenen Leibwache, tigen und Reichen aller Art berauben, grausam foltern und hinrichten. Den verspottete er und nahm ihm den letzten Rest Nacht. Kein Gebildeter durfte an serVerantwortlich: 5 Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: V. A. Sanz. Altena. Auf der Rückkehr vom Orient feierte der siegreiche Imperator in Thrakien mit militärischem Gepränge und volkstümlichen Spielen das Geburtsfest seines zweiten Sohnes Geta. Unter den Tausenden thrakischer, illyrischer und germanischer Kolonnen, die halb staunend, halb sachverstandig den Leistungen der Legionäre zuschauten, stand auch ein junger barbarischer Schlagetot namens Maximinus. Seine Mutter war Alanin, sein Vater ein Gote von den umliegenden Bergen, wie der Sohn von riesigem Wuchs und gewaltiger Körperkraft. Als die römischen Soldaten erst sich selber im Ringkampf maßen, dann auch allerlei kräftige Landbewohner warfen, meldete sich plötzlich der gotische Enakssohn und bat den leitenden Centurio mit gierigen Blicken, am Preisringen teilnehmen zu dürfen. Der Hauptmann maß den jungen Hünen mit wohlgefälligen Blicken. Im Interesse der Würde und des Ansehens seiner Legionäre stellte er dem neuen Preisringer jedoch nur Leute seiner Qualität entgegen, riesige Illyrier und Germanen aus den Troßknechten seiner Legion. Maximin warf einen nach dem andern wie spielend zu Boden. Als der sechzehnte Gegner geworfen war, wollte niemand mehr gegen den unheimlich starken Goten antreten. Unterdessen war auch der Imperator selbst herangeritten, ließ dem Sieger einen kostbaren Preis zuteilen und bot ihm lächelnd an, römischer Legionär zu werden. Dankbar schlug Maximinus ein und trat sofort unter die Rekruten der Legion. Am folgenden Tage wurden die Wettkämpfe fortgesetzt, Tänze, Weit= und Hochsprünge, vor allem Wettlauf. In fast allen siegte der junge Maximin mühelos und strahlend. Wieder kam Septimius Severus herangeritten, winkte dem gotischen Rekruten, ihm zu folgen, gab seinem Araberhengst die Fersen und sprengte in gestrecktem Galopp davon. Lachend, mit mächtigen Sprüngen holte ihn Maximinus ein und blieb dann unentwegt an der Seite des schließlich mit verhängten Zügeln fortstürmenden Imperators. Nach langem, nur den Reiter und sein Pferd ermüdendem Ritt hielt Septimius schließlich am Lagertor seiner illyrischen Gardelegionen. Lächelnd und gleichmütig hielt ihm beim Absteigen der gotische Rekrut Bügel und Zaum. Verwundert fragte der Kaiser den BurLut gelausen, Thraker. Abe wär'e nun! ohne zu ahnen, daß dieser ungeschlachte Germane dereinst sein Nachfolger und Roms Verhängnis werden sollte. Mer„ Nach Jahr und Tag wird Maximinus Centurio. In allen Schlachten gab er überraschende Beweise seines Wagemuts und seiner schier übermenschlichen Körperkraft. Bald wurde er zum Abgott der Soldaten, die ihn als Herakles und Ajax feierten und ihm blindlings gehorchten. Als Maximin deshalb unter der Herrschaft der weibisch entarteten Söhne des Septimius verleumdet und gekränkt wurde, verließ er verbittert den Kaiserhof und nahm erst unter Alexander Severus wieder ein Heereskommando an. Jetzt ward er Tribun der besten Legion, der vierten, die er mit strengster Mannszucht befehligte und sich doch dabei die Liebe der Soldaten erwarb. Schließlich rückte Maximin zum Oberbefehlshaber auf; ja nun munkelte schon, der junge Imperator wolle seine Schwester dem Sohne des unentbehrlichen Feldherrn zum Weibe geben und ihn damit in die kaiserliche Familie aufnehmen. 4 124# Der Plan zerschlug sich jedoch wieder, sehr zum Schaden des schwachen Alexander; denn nun war der gefährliche Ehrgeiz des germanischen Bauernsohnes vollends geweckt und kaum mehr zu sättigen. Das Heer hing an seium sich. Einer dieser Gesellen ermordete schließlich ihn und seinen Sohn Maximus im Jahre 238 vor Aquileja, wo Kaiser und Heer sich eine unerwartete Schlappe geholt hatten und darüber miteinander uneins geworden Dieser erste Germanenkaiser hat also nur drei Jahre regiert, aber in dieser verhängnisvollen Zeit fast alles in Stücke geschlagen, was die Staats= und Feldherrnkunst der Trajane, Hadriane und Antonine mühsam geschaffen. Mit Maximinus kam der Verfall des romischen Staates, kamen die Heerkönige der Völkerwanderung, die auch der Thraker, Kaiser Diocletion, und sein großer Schüler Constantin nicht aufhatten konnten. Auf Maximinus Thrax folgten in wenigen Monaten sechs römische Kaiser, die hingemordet wurden, dann behauptete sich länger ein Beduine Philippus Arabs. Unter ihm konnte Rom sein tausendjähriges Bestehen feiern. Trotzdem war seine Zeit vorbei— unter dem Ansturm der Germanen brach es zusammen. —2.— heldischen Recken Maximinus Thrax nem heldischen Recken Maxi und nicht an Alexander Severus, dem verzartelten Püppchen der verschlagenen Kaiserin Mammäa. Eines Tages erschlug man im Lager gleichzeitig Mutter und Sohn, nachdem die rheinischen Legionen draußen auf dem Uebungsfelde den Maximinus mit dem Purpur des Imperators— scheinbar gegen seinen Willen— bekleidet und auf die Schilde gehoben hatter. Eäe Lemmanuhe Pau So bestieg der erste germanische Sowar den Thron der römischen Cäsaren. Genau genommen, bestieg er ihn gar nicht, sondern blieb zeitlebens fern von Rom, ein harter, grober Soldatenherzog, der das Heerlager seiner Mannen kaum jemals verließ. Siegreich überschritt er den damals schon schwer umkämpften Rhein, schlug die Alemannen und Schwaben mehrfach in heißen Waldgefechten, zog dann weiter an die Donau in die Jugendheimat und herrschte hier so recht wie ein wilder, barbarischer Heerfürst mit blutigem Despotismus, voller Haß gegen alles, was ihm als römische Kultur oder als orientalische Pracht anstößig oder verdächtig erschien. Nur für seine Lagerkameraden, die er mit höchstem Sold und Schätzen aller Art überhäufte, war ihm nichts zu schade; für sie ließ er schließlich im ganzen Römerreich die Tempel der Götter, ja sogar Städte plündern, Hunderttausende von MächBauerntänze im Mittelalter Das Hauptvergnügen für die bäuerliche Jugend war zu allen Zeiten, in denen wir des Leben der Bauern genauer kennen, der Tanz. Man kann hinzufügen, daß er es noch ist, denn nirgends wird wohl heutigen Tages mehr, eifriger und geschickter getanzt als unrer den Bauern. In welcher Weise in der älteren Zeit in Deutschland etwa bis zum Jahre 1100 grtanzt wurde, ist nicht genauer venannt. Im 12. Jahrhundert war aber der Tanz sowohl in den höheren als auch in den niederen Ständen allgemein verbreitet. Von dieser Zeit an war zugleich für den Jüngling wie für die Jungfrau eine gute Gelegenheit, miteinander bekannt zu werden, um den Bund fürs Leben zu schließen. ten Fämm Die Rittertänze bewahrren wayrend des Mittelalters nach der Schilderung in„Meier Helmbrecht" im ganzen einen vornehmen ruhigen Charakter, waren nicht viel anders als die Tänze in der heutigen besseren Gesellschaft. „Es schritt ein Spielmann schnell heran, und als er hub zu geigen an, erhoben sich die Frauen, gar lieblich anzuschauen. Der Ritter drauf gegangen kam und bei der Hand die Dame nahm. Das war gar süße Augenweide, wenn Junker so und Fräulein beide hintanzten da in voller Freude.“ Die Bauerntänze waren freilich in vielen Fällen anderer Art. Es gab unter diesen auch ruhige Tänze— die gehend oder shleifend ausgeführt wurden, daneben gab es aber auch rohe, wilde Sprungtänze, welche die Bauern seltsamerweise Reigen nannten. Währeno der guten Jahreszeit wurde im Freien auf dem Anger, gewöhnlich unter einer großen Linde, getanzt. Kam der Winter, so war man um Tanzplätze nicht verlegen. In Norddeutschland besaßen die Bauernhäuser in der großen Tenne, der Dreschdiele, einen Tanzplatz, wie man ihn nicht besser wünschen konnte. Auf Herrenhöfen tanzte man auf den Tennen der Scheunen und Wirtschaftsgebäude. In Süddeutschland pflegte man eine Stube aus zuräumen. Die Tanzmusik wurde mittels Geigen. Tromneten und Sachpfeifen gemacht. A 5255552 T.P O• 5SB75 O 16 „ SüSTSEbggSg! ATFUNULT GSLD SUR0 ## T:SSEE * n,"EP eeFßesPg SaSaac-E * 3 E# E* 3— S* *— S 3 2 S #3 86 1 10 * 9 22 □. 85—EE BoltfAEDE SEESESbBo)GES ∆ KSgomeeCSBGESAREBS S—BE 6 WWAUGMRRRCBUSS UEES O —— 6 — 0——*%5 GBUruns 9#.% Eogs Boas weichend von der heutigen Gewohnheit wurde beim Tanze häufig gesungen. Mitunter geschah es wohl bloß zur Verstärkung der meist schwahen Tanzmusik. die gewöhnlich nur von einem oder zwei Musikanten, einem Geiger und einem Sackpfeifer, ausgeführt wurde. In solchen Fällen bestand der Text der Tanzlieder wohl meist nur aus einigen dürftigen Reimereien. Es kamen aber auch schöne Tanzlieder vor, die durch ihren Text den Tanz belebten. Einige von ihnen haben sich in einzelnen Gegenden die auf die Gegenwart erhaiten und sin in jüngster Zeit wieder aufgefrischt worden. In Mecklenburg zum Beispiel sind die alten Bauerntänze mit Gesang in allen Kreisen der Bevölkerung rasch wieder beliebt geworden. Einer dieser Tänze,„Kickebusch“ genannt, ist ein Versteckspiel der beiden Tanzenden, wobei die Worte gesungen werden:„Kickebusch, ick seih di; dat du mi sühst, dat freu“ mi“. Ein anderer Tanz stellt unter entsprechenden Gebärden das gegenseitige Meiden und Suchen der Tanzenden dar; dem abgehenden Tänzer wird zugerufen:„Gah van mi, gah van mi, ick mag di nich seihn", dem entgegenkommenden: „Komm to mi, komm to mi, du bist ja so schön“ Die bäuerlichen Tänze hatten auch ihre bestimmten Namen. Man unterscheidet zum Beispiel den Firlefei, Hoppaldei, Gimpel=Gampel, Troialdai, die Stadelweise u. a. Von den gewöhnlichen, ruhigen Tänzen unterschieden sich die bäuerlichen Reihentanze— die nur im Freien üblich waren— und bei denen gesprungen wurde. Der Tänzer führte seine Tänzerin an der rechten Hand, und dabei wurden nach dem Beispiel eines vorantanzenden Paares bald von dem jungen Burschen, bald von dem Mädchen— bald von beiden gemeinsam mancherlei oft seltsame Sprünge ausgeführt, die indes keineswegs willkürlich waren, sondern als zum Tanze gehörig galten. In ritterlichen Kreisen spottete man über die ungeschickten Sprünge der bäuerlichen Tänzer, man sprach von Ochsenreigen und Kälbersoringen. Da bei den Tänzen gesungen wurde, da man ferner einander zurief und Jubelrufe (Juchzer) erschallen ließ, so gerieten Tänzer und Tänzerinnen oft in große Erregung. So erhielten besonders die Tanze, bei denen das Springen üblich war, einen bacchantischen Anstrich, was bei der sonst ruhigen Sinnesart der bäuerlichen Bevölkerung überraschend ist. Einzelne mittelalterliche Schriftsteller behaupten auch, bei diesen wilden Tänzen sei wohl von den jungen Burschen wie von den Mädchen nicht immer die gute Sitte bewahrt worden. Besorgte Mütter pflegten daher wohl ihre Töchter vor den Gefahren des Tanzes zu warnen... Daher ist es auch begreiflich, daß Ritter, die Liebesabenteuer suchten, gern auf bäuer liche Tanzplätze gingen, wo sie, nach Neidharts Angaben, von den Bauernmädchen gern gesehen wurden. Ausflug handle, wie um den Besuch Potsdams von Berlin aus. In Wirklichkeit ist eine Reise von zwei Tagen nötig, um das idyllische Fleckchen Erde zu erreichen, und infolge der Unbequemlichkeiten dieser Fahrt hat sich der Athos bisher in fast jungfräulicher Unberührtheit ertalten. Wer sich trotz der Schwieligkeiten zur Athosfahrt entschließt, muß sich im Piräus auf einem kleinen, alle Bequemlichkeiten entbehrenden Dampfer einschiffen. Erst nach achtundvierzigstündiger Qual und nach einem kurzen Aufenthalt in Saloniki erreicht er den winzigen Ort Daphni, den Hafen der„Mönchsrepublik des Athos“...„4 Li., tim Geülers. Der Genuß, der sich hier dem Reisenben bietet, ist sicher alle Mühen der Dampferfahrt wert. Unwahrscheinlich hoch, den kleinen Hafen fast erdrückend, steigt die Spitze der Halbinsel, der eigentliche Berg Athos mit seinen 1925 Metern Höhe in den blauen Himmel. Ein schmaler Steig windet sich am abgrundtiefen Felsufer entlang in das Innere des Landes. Dann nehmen hohe Wälder uralter Kastanienbäume den Wanderer auf. Nach vierstündigem. an reizvollen Landschaftsbildern reichem Ritt auf dem landesüblichen Maultier erreicht man Karyai, die„Hauptstadt“ der Mönchsrepublik. Eng aneinander gereiht kauern die schreiend bunt bemalten Häuser des kleinen Ortes am Berghang, überragt vom hohen Glockenturm der Klosterkirche. Die dreihundert Bewohner der Hauptstadt sind Mönche in schwarzen Kutten und mit der den griechischen Geistlichen eigentümlichen hohen, schildlosen Mütze, die einem kurzen Ofenrohr gleicht. Auch die wenigen Kaufläden in den winkeligen Straßen werden von Mönchen geführt; der Apotheker scheint der einzige„Zivilist" zu sein. Nirgends ist eine Frau zu sehen, und der Führer erklärt auf sich zur Ruhe zu begeben, konnte es geschehen,] Für den daß der König mehr Mühe hatte, seine Beine — al Dänische Königsschlösser Die dänischen Königsschlösser liegen meist mitten im Walde, in Nordseelands großen Wäldern, wo die kleinen Seen unter den Kronen der Buchen träumen und das Wild friedlich auf den großen Weiden grast. Kein Laut außer dem Gesang der Vögel, keine Sommersonne drinot hindurch und gleich einem ewigen Spiel verlenden Goldes fallen tausend Strahlen durch die dichten Kronen der Buchen. Hier herrscht Dämmerung und Friede— ein Hain für den heiligen Pan. Nur die Jäger unterbrechen die Stille. Laut dröhnt das Horn und das Bellen der Hunde. Dänemarks Könige haben hier ihre liebsten Jagdreviere. An den Ufern der Seen, im Schutze der Buchen haben sie ihre Schlösser erbaut. Inmitten der Wälder liegen die Ruinen der Schlösser Gurre und Hirschholm, die Eremitage, Fredenborg und Frederiksborg. Hoch ging es her in den großen Sälen, wenn die königlichen Jäger heimkehrten. Die Küchenmeister hatten viel zu tun, Wein floß in Strömen. Es ging viel drauf, wenn des Reiches Räte mit dem König Frederik II. tranken. Feurige Klänge wilder Pußtagesänge peitschten das Blut der fröhlichen Zecher noch schneller durch die Adern, und tief guckten die Herren in die Becher, in die goldenen Becher mit Wein vom Rhein. In fröhlicher Stimmung wurden die Nächte auf Frederiksborg durchtobt. Man focht zum Scherz miteinander, so daß mancher im Ernst Beulen davontrug. Die Becher mit dem edlen Wein rollten beim Kampf auf den Marmorboden. Man mußte die Kräfte üben, daher mußte man um so mehr trinken. Alle waren lustig, der König am lustigsten. Keiner verstand es wie er, einem Faß Burgunder den rechten Geschmack abzugeminnen, KeiBevor auf den Bauernhochzeiten das allgemeine Tanzvergnügen anhob, fand eine Reihe von sogenannten Ehrentänzen statt, die zu dem Schönsten gehören, was Bauernsitte im Volksleben hervorgebracht hat. Die Braut hatte zunächst in bestimmter Reihenfolge mit ihren Angehorigen, zuerst mit ihrem Schwiegervater und dann mit den übrigen Verwandten zu tanzen. Die wichtigsten Ehrentänze wurden von den mit bunten Kronen geschmückten Kranzjungfern ausgeführt. Sie bestanden zum Teil in schwierigen und kunstvollen Reigentänzen, die teils von jungen Mädchen allein, teils mit jungen Männern gemeinsam getanzt wurden. In einigen Gegenden Bayerns wird der sogenannte„Gunkeltanz“, erwähnt. Eine...s jungfer hält auf einem Stock einen geschiun ten Spinnrocken— Gunkel— in die Höhe, von dem lange, bunte Bänder herabhängen. Die übrigen Brautjungfern ergreifen die Bänder und lassen das Brautpaar und die ganze Hochzeitsgesellschaft unter diesem Bandbaldachin hindurchtanzen. Als ein wichtiger Tanz gilt noch derjenige, bei dem gewöhnlich um die Mitternachtsstunde der jungen Frau die Brautkrone oder der Kranz abgenommen und ihr dafür die Frauenhaube aufgesetzt wird. Erst dann sind die eigentlichen Festtänze zu Ende, und es beginnen die freien Tänze, an denen jeder sich nach seinem Belieben ergötzen kann. Die meisten dieser schönen alten Hochzeitstänze sind in Vergessenheit geraten. Erhalten haben sie sich nur noch in einzelnen abgelegenen Ortschaften. Im nördlichen Hannover kann man sie zum Beispiel noch heute in der Gemeinde Scheessel in der Mitte zwischen Hamburg und Bremen finden, wo sich auch noch die Vomnstracht erhalten hat. hlls am Tage sein ganzes Reich zu regieren. Es war eine andere Art, als man Fredensborg baute: Puderperücken und Atlasschuhe auf Ludwigs XV. Absätzen. In zierlichen Phrasen drehte man inhaltlose Worte. Man trug den Salondegen, um zierlich die Hand während der Menuette„placieren" zu können. Im Scheine der„Sonne von Versailles" äffte man dessen Hofleben nach. Wie die Zeiten, so die Sitten. Die Schlösser der großen Wälder können davon erzählen. Man erbaute sie zur Erinnerung an einen Frieden und an eine„glückliche Jagd“. Hier flüstert Blatt für Blatt im ganzen Walde hundert Liebessagen von königlicher Liebe. Diese Schlösser sahen zahllose Jäger mit schlanken Hunden, während man auf die Königin wartete. Alle entblößten das Haupt, wenn sie jung und kühn zu Pferde heransprengte, die Königin Karoline Mathilde. Des Königs ersten Minister, der Königin Freund, den deutschen Arzt Struensee begrüßte sie zuerst mit einem Lächeln, und, wenn die Dämmerung eintrat und die Jagd zu Ende war, ritten sie heim auf einsamen Wegen, Struensee und Karoline Mathilde— heim nach Hirschholm,„Dänemarks Perle“ genannt. Dort tanzte der Hof zum Klange vieler Geigen. Der Duft von Linden und Rosen stieg zum offenen Altan empor. Aber wenn der Morgen graute, starrten die Königin und ihr Freund von der Schloßterrasse hinaus, über die in Nebel gehüllten Wiesen auf den erwachenden Tag, der im Osten feurig aufgehl Wer weiß, was sie am flammenden Rande des Himmels lasen, die beiden, als der Tag graute? Wer kennt ihre Träume? genröte verheißt gar viel, aber sie hat dieselbe Farbe wie der königliche Purpur und das Blut des Schafotts... Arme Karoline Mathilde! Hirschholm versank in Trümmern, Gurre zerfiel in Staub. Aber der Wald mit seinen tausendjährigen Eichen singt von Dänemarks Königsburgen einen ewig düsteren der Pan, der stille Gott. hält auf seinem Wege inne— bleibt stehen und lauscht—— Die Mönchsrepublik auf dem Von Dr. W. Waldersee=Wien. Wer Athen besucht und sich einem der vielen Fremdenführer anvertraut, die sich um ausländischen Besucher drängen, dem wird sicher nach der Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten der Vorschlag gemacht werden, sich den„Heiligen Berg Athos“ anzusehen.„eshinze igergge weiß die Schonheiten dieser redten Worten zu schildern und den Eindruck zu erwechen, als ob es sich um einen kleinen waltung der Republik ein besonderes Haus zur Verfügung gestellt. Die Bequemlichkeiten moderner Luxushotels haben auf dem Athos noch keinen Eingang gefunden, und auch das Essen, das der Wirtschafter— ebenfalls ein Mönch— dem Reisenden vorsetzt, nimmt auf westeuropäische Gaumen nicht die geringste Rücksicht. Als Schlafzimmer stehen nur nüchterne, weiß gekalkte Räume zur Verfügung, in denen ein mehr als einfacher Divan das einzige Möbelstück darstellt. Diebe gibt es auf dem Athos nicht, deshalb haben die Zimmertüren auch keine Schlösser. Die Republik besteht heute noch wie vor sechshundert Jahren zur Zeit der Gründung der jüngsten Mönchssiedlung aus zwanzig Klöstern, von denen Russiko, Lawra und Watopediu mit je sechshundert Bewohnern die größten sind. In zwölf dieser Klöster bilden die Mönche eine Lebensgemeinschaft, in welcher dem einzelnen Insassen nichts gehören darf und eine gemeinsame Bewirtschaftung erfolgt. In den anderen acht Siedlungen hat jeder Mönch für seinen eigenen Unterhalt zu sorgen und bei Eintritt in das Kloster durch eine einmalige Gabe das Benutzungsrecht für seine einfache Zelle zu erwerben. In der Umgebung dieser Klöster leben noch Hunderte von Einsiedlern, die sich in einer versteckten Bucht oder in einem lauschigen Talwinkel unter alten Kastanien oder in natürlichen Grotten eine kleine Klause geschaffen haben. Meistens vererben sich diese Einsiedeleien von einem Anachoreten zum anderen und sind seit einem Jahrtausend bewohnt. Ein kleines Gärtchen und etwas Fischfang sichern den Lebensunterhalt der Mönche. Einzelne, besonders ältere Eremiten, werden auf Kosten der Republik in ihren Klausen mit Lebensmitteln versorgt. Hier und da trifft man auch auf Waldlichtungen kleine Höfe, die ebenfalls Allgemeingut sind und von drei Brüdern bewirtschaftet werden. Die Klöster sind zum großen Teil wahre Felsennester, die hoch über der blauen Aegäis oder über den Waldtälern hängen. Eine Generation ihrer Bewohner nach der anderen hat an den ursprünglichen Bau ein Anhängsel geflickt oder, des beschränkten Raumes wegen, ein neues Stockwerk über die alten gebaut, so daß die Klöster wie mittelalterliche Zwingburgen mit hohen Bergfrieden anmuten. Andere wieder kauern unten am Meeresstrand in der stillen Bucht von Hagion Oros. Diese Siedlungen waren es, die ihre Schiffe nach den Inseln im ägäischen Meer sandten und dort Besitzungen erwarben, die zum Wohlstand der Republik beitragen.„ Das ganze Gebiet der Repuvlin umfaßt 314 Quadratkilometer mit 5140 Einwohnern; der Nationalität nach sind von letzteren je, drei Siebentel Russen und Griechen, der Rest numanen, Bulaaren und Georgier. Staatsrechtlich ist der Athos 1913 Griechenland einverleibt worden, das sich aber kaum un die inneren Angelegenheiten kümmert.— Im allgemeinen stehen die Mönche des Athos auf einer niedrigen Bildungsstufe. Ihre Klosterbibliotheken bergen aber einen wahren Schatz an alten Dokumenten, Wiegendrucken und Büchern, die sich ausschließlich auf die Geschichte der Republik beziehen. So besitzt jedes Kloster seine lückenlose Chronik vom Tage seiner Gründung— vor vielleicht einem Jahrtausend— bis heute. Allein die Schenkungsurkunden und die Akten der später aus ihnen hervorgegangenen Prozesse um den Klosterbesitz könnten eine vollständige Geschichte der letzten Jahrhunderte des byzantinischen Kaisertums liefern. Tausende derartiger Schätze harren noch der Entdeckung durch Wissenschaftler; bisher haben die Mönche hiervon nichts herausgegeben und sie von nur wenigen Sachverständigen in den Klöstern selbst prüfen lassen. Es ist den Klosterinsassen— wenn auch nur durch ein ungeschriebenes Gesetz— verboten, sich mit der Abfassung oder Lektüre irgend welcher Schriften, außer mit dem Studium der sogenannten Chroniken, zu befassen. Wie mancher von ihnen wäre sonst ein begeisterter Sänger der Naturschönheiten des Athos geworden. Es gibt wohl wenige Plätze auf unserer Erde, die an Lieblichkeit und Großartigkeit dem Athos gleichzustellen sind. Wer von Karyai aus zum Hochkamm, der die Halbinsel durchschneidet, und zu den steilen Felswänden des eigentlichen Athos hinaufgestiegen ist, wird den Anblick nie vergessen können. Tief unter dem Berge liegen wie dunkle Flecken im blauen Meer die Inseln Thasos und Lemnos, zu Füßen des Beschauers breitet sich die ganze Halbinsel mit ihren riesigen Kastanienwäldern aus. unterbrochen von den blendend weißen Flecken der Felsklöster und begrenzt von den makedonischen Bergen. Weit hinten im Westen schwebt wie eine weiße Wolke die Schneespitze des Olymps im blauen südlichen Himmel. Ein Ausflug dorthin von Athen oder Konstantinopel aus ist immer mit Mühe verbunden, aber die Romantik der kleinen Republik wird den Reisenden stets reichlich entschädigen. —12— stern, Rachen, Augen, Ohren, und um dieser Qual zu entgehen, war das unglückliche Tier ins Wasser gesprungen.“ Es ist selbstverständlich, daß auch schlafende Menschen von der Siafu nicht verschont bleiben. Und da die Stiche ihrer dolchartigen Oberkiefer nicht nur sehr schmerzhaft sind, sondern auch bei ungeschickter Abwehr eiternde Wunden zurücklassen, so bilden die Wanderameisen eine lästige Plage für die Bewohner der dortigen Gegenden. —□.— Die Siafn kommt! Von A. Höfner=Frankfurt a. M. Eilig werden die Pferde losgebunden, schnell wird das Stallvieh auf die Weide getrieben, hastig verlassen die Bewohner das einsame Gehoft, wenn dieser Ruf in einer südostafrikanischen Ansiedlung erschallt. Hunderttausende von bewaffneten Räubern nähern sich,— die Wanderameisen— kurz Siafu genannt, die auf ihren Streifzügen auch die menschlichen Niederlassungen nicht verschonen, wenn sie an ihrer Wanderstrecke liegen. Aber die Kolonisten überlassen ihnen gerne für einige Stunden Haus und Hof; denn länger dauert dieser unerwartete Besuch nicht. Dafür haben sie die Genugtuung, bei ihrer Rückkehr auch nicht mehr eine Spur von lästigem Ungeziefer vorzufinden. Die Wanderameisen machen reinen Tisch. In handbreiten Kolonnen ziehen ihre Heere dahin. Alles Lebende, was ihnen in den Weg kommt, ist ihre Beute. Hier windet sich ein dicker Wurm in den letzten Zuckungen, dort sucht eine große, stark behaarte Bärenraupe in eiliger Flucht zu entkommen,— umsonst. Die Verfolger haben sie bereits eingeholt und beginnen ihre Schlächterarbeit. Vergevens wirft sie ihren zahlreichen Feinden die Menge ihrer Gifthaare entgegen,— in wenigen Augenblicken sind nur noch kleine blutige Fleischstücke von ihr zu sehen. Mord ist die Devise im Reiche der Siafu. Selbst größere Tiere werden sofort angegriffen, und wehe dem Opfer, das nicht imstande ist, die ersten Hunderte von sich abzuschütteln und zu entfliehen. In den nächsten Minuten haben sich weitere Tausende festgebissen, und unsägliche Qualen stehen dem armen Tiere bevor. Heye berichtet im Kosmos ein interessantes Erlebnis:„Gerade durch diese entsetzlichen Biester wurde mir mein erster und einziger in freier Wildbahn geschossener Löwe vor die Büchse gebracht. Das Tier, es war eine Löwin, kam am hellichten Tage aus der Steppe angerast und sprang zwischen mir und meinem Begleiter hindurch in das Wasser des NaivashaSees. Ich schoß es, wenig heldenhaft allerdings, und als unsere Leute den Kadaver aus dem Wasser holen wollten, machten sie plötzlich die tollsten Sprünge und Gesichter fuhren sich an ihren nackten Leibern herum und brüllten: Siafu! Siafu! Die tote Löwin wimmelte Harakiri— wie es wirklich ist Ueber die japanisech Sitte des Harakiri, des Selbstmordes durch Aufschlitzen des Unterleibes, sind vielfach unrichtige Vorstellungen verbreitet. Der Gebrauch ist uralt, wurde aber erst unter der Tokugawa=Herrschaft zu einer in allen Einzelheiten festgelegten feierlichen Handlung entwickelt. Harakiri zu begehen. war ein Vorrecht der Ritterkaste der Samurais. War jemand beim Schogun in Ungnade gefallen oder wegen eines Verbrechens, das einen gewöhnlichen Sterblichen den Kopf gekostet hätte, verurteilt, so mußte er sich den Leib aufschlitzen. Die Zeremonie fand anfangs nur in Tempeln oder vor einem heiligen Schrein statt. Später auch auf den Landsitzen der Samurais, in Gärten oder auf einem öffentlichen Platze. In diesem Falle wurden ein bis zwei Matten auf den Boden gebreitet, mit einem dicken Teppich und einem weißen Tuch überdeckt und das Ganze durch ausgespannte große Tücher dem Anblick der Oeffentlichkeit entzogen. War ein Samurai zu Harakivi verurteilt, so wurden zunächst ein„Kenschi“, der den Vorgang zu überwachen hatte, und ein„Kaischaku“ mit ihren Gehilfen ernannt. Zum Kaischaku bestimmt zu werden, galt als große Ehre. War alles bereit, so verlas der Kenschi zunächst das Urteil, gleichzeitig trat der Kaischaku mit gezogenem Schwert hinter den dem Tode Verfallenen. Diesem überreichte ein Gehilfe auf einer Platte ein kurzes Schwert. Der Verurteilte kniete nieder, entledigte sich der Oberkleidung und ergriff das Schwert, das er sich in die linke Seite stieß, um es dann quer über den Leib nach rechts und etwas nach oben zu ziehen. Im gleichen Augenblick hieb der Kaischaku mit seinem Schwert dem Opfer mit einem Hiebe den Kopf ab. Warten wir, bis es zu Monatsanfang 11 Uhr. zur. Monatsmitte 10 Uhr, und am Monatsende 9 Uhr geworden ist, dann finden wir die Fixsternbilder in der nachfolgend beschriebenen Stellung: Im Nordwestpantte schicht sich eben der westlichste der drei schönen Hauptsterne der Andromeda an, unter den Horizont hinab zu gleiten, während das Zeichen der Cassiopeja etwas höher darüber wie ein deutlich lesbares, großes lateinisches W aufrecht schwebt und unter Andromeda die kleinen Bildchen Triangel und Widder ihrem Untergange im Westnordwesten zustreben. Im Westen genau folgt der Kopf des Walfisches dem bereits untergesunkenen Körper dieses riesigen Zeichens und im Südwesten verglimmen die matteren Sterne des Eridanus in den Dünsten. Im Lause der Zeit wurde Harakiri immer mehr zu einer reinen Formalität. Der Verurteilte schlitzte sich nicht mehr den Leib auf; er wurde schon geköpft, ehe er nur das ihm dargebote Schwert hatte ergriffen. Darum wurde dieses in vilen Fällen auch noch durch eine hölzerne Attrappe ersetzt. Harakiri war zu einer Art von Hinrichtung unter Beobachtung gewisser Formen geworden.— Wie berichtet wird, soll ein Samurai, als er sich die tödliche Wunde beibrachte, vor Schmerz aufgeschrieen haben. Dies wurde als für die ganze Kaste so schimpflich angesehen, daß man es Verurteilten den Kopf abzuschlagen, um einer Wiederholung solcher Aeußerungen der Schwäche vorzcheugen. von dieser Pest. sie sohen zu Tausenden in Pi Stern Beaulus im Läwen In dem Himmelsfelde zwischen Südwest und Süden aber entfaltet der Winterhimmel sein volles Sternenprangen und seiner Bilder höchste Pracht. Wer beim Anblick dieser gehäuft strahlenden Sternensonnen nicht von Ehrfurcht vor der imendlichen Größe des Weltalls ergriffen wird, dem ist nicht zu helfen. Die oben bei Betrachtung der Abenddämmerung aufgezählten Bilder sind es, die jetzt, auf volldunklem Nachthimmel ausgebreitet, das Auge des Beschauers in ihren Bann ziehen. Links vom Nordsüd=Himmelskreis, dem sogenannten Meridian, ist der Grund des mamentes etwas sternärmer. Besonders tief über dem Horizonte fehlt es an Sternen, während von Südost herauf bis auf die Höhe Procyons im kleinen Hunde die Wasserschlange ihre matt glimmenden Sternlichter glitzern läßt. Darunter heben sich nur der Hauptstern Alphart, genannt der Einsame, und der Kopf der Hydra, unmittelbar unter dem Tierkreisbilde des Krebses, deutlich hervor. In mittlerer Höhe über Südost beherrscht jetzt der große Löwe das Himmelsfeld, hinter ihm die Jungfrau, während die obersten beiden Sterne des Raben eben im Ostsüdosten aufgehen. Ueber Nordosten ist in liegender Stellung das gewaltige Bild Bootes aufgestiegen, mit dem rötlich=gelb flammenden Arkturus, als Verkünder der nahenden wärmeren Jahreszeit, begleitet von der nördlichen Krone. Unter den Zirkumpolarsternbildern, die niemals untergehen, finden wir im Berichtsmonat den Drachen über Nordost, den großen Bären über Südost, die Giraffe über Süden, Cassiopeja westlich vom Polarstern und Cepheus gegen Norden gewendet. Himmelsrundschau für Februar Von Max Valier. Zu Beginn des Berichtsmonats erhebt sich die Sonne 7 Uhr 40 Minuten und sinkt um 16 Uhr 45 Min. unter den Horizont. Am Monatsletzten aber geht sie schon um 6 Uhr 45 Min. auf und erst um 17 Uhr 40 Minuten unter, so daß sich die Tageslänge um zweimal 55 Minuten oder 1 Stunde 50 Min. verlängert. Die Dauer der bürgerlichen Dämmerung beläu sich auf 42 Min., die der astronomischen auf eine Stunde 45 Minuten. Trotzdem tritt die abendliche Dunkelheit noch reichlich früh ein und bietet dem Sternenfreunde bequeme Gelegenheit, die Sternenbilder zu beobachten. Wenden wir gleich in der Dämmerung unseren Blick zum westlichen Firmament, so finden wir dort als hell hervorstrahlenden Abendstern den Himmelsriesen Jupiter, der uns von den früheren Monaten her noch bestens in Erinnerung steht. Ueber Südosten ist Sirius der erste Stern, der im Abenddämmern aufblitzt, während steil im Scheitel Capella hervortritt und wie mit einem Schlage auch die Zwillinge, Aldebaran im Stier, die Hauptsterne des Orion und links von diesem Procyon auftauchen. Genau über Osten aber ist der schöne Von den Planeten befindet sich der sonst so schwer auffindbare Merkur am 9./10. in äußerst günstiger Stellung am Abendhimmel. Er geht dann hart beim Westpunkte anderthalb Stunden nach der Sonne als blitzend heller Stern unter. Venus verschwindet immer in den Sonnenstrahlen des Morgenhimmels. Zu letzt geht sie nur mehr eine Stunde vor der Sonne auf. Der Kriegsplanet Mars befindet sich auch in der Gegend, die Venus zur Monatsmitte durchschreitet und ist darum gleich ihr nur ungünstig in der hellen Dämmerung zu beobachten. Während aber Venus sich von der Erde entfernt, so daß ihr Scheibchen im Fernrohre immer kleiner und runder wird, nähert sich uns Mars, wenn auch nur langsam. Von dem Riesenplaneten Jupiter sagten wir bereits, daß er Abendstern geworden ist und immer früher (am Monatsbeginn 21½ Uhr, gegen Monatsende schon 20 Uhr) untergeht. Dagegen geht Saturn immer früher vor der Sonne auf, so daß er gegen Ende Februar schon um 2½ Uhr gesichtet werden vann. Von den drei Kometen, die das Jahr 1928 berechungsmäßig bringen soll, geht Komet Encke am 20. Februar in Sonnennähe. Seine Beobachtung ist aber ohne starbe Fernrohre gänzlich ausgeschlossen. An Sternschnuppen ist der Februar ebenfalls nicht reich, aber der eifrige Beobachter wird auch von diesen gelegentlich einige zu sichten vermagen. An der Beobachtung der Sonne und des Mondes durch geeignete Fernrohre aber wird man immer neue Freude empfinden, denn obwohl der Mond seit Jahrtausenden uns dasselbe starre Antlitz darbietet, reicht ein Menschenalter doch nicht aus, um all seine verborgenen Wunder zu entdecken, die ein gutes Glas zu zeigen vermag. Bei der Sonne aber ist es gerade im Gegensatz zum Basilishenblick des Mondes das täglich veränderte Aussehen ihrer Scheibe, deren Flecken und Fackelbildungen immer neue Rätsel aufgeben.