5.5 □# 8 E oun 5 8 * S. 9#9Oy S 85 83 SOLDZGU 2.2 Se geg BEßE“. Fohg Sn Ke.“:6eh 5 o S. SSS verendete Tler, das oben bereits mit einer biüken Eiskruste überzogen ist. Allein zwischen ihm und dem König des Waldee braust der Bildbach. Aber nach langer, mühevoller Arbeit gelingt es ihm, das Hindernis zu überwinden und dem Hirsch ein Seil um die Hinterläufe zu schlingen. Nun gilt es, den Hirsch nach oben zu bringen. Ein zeichen hinauf. Das Seil wird straff. Das Tier ist angeseilt und durch alle möglichen Wendungen versucht man, die schwer erkaufte Beute über bedeutende Hindernisse, Felsvorsprünge, Eiszapfen und Eisspalten, glücklich zum Lichte empor zu ziehen. Aber auf halber Höhe verfängt sich der Hirsch im Gestrüpp. Kraftanstrengungen sind in diesem Falle nicht angebracht, da sonst das Seil reißen könnte. Das Werk kann nur durch eine Gewichtsverringerung des Tieres zum Erfolg geführt werden. Kunstgerecht bricht er daher am Seile den Hirsch auf und weidet ihn aus. Erst dann gelingt es ihnen, die Beute aus der Verstrikkung zu befreien. Die Fahrt geht weiter. Vom Jubelrufe der Zurückgebliebenen wird der Kuhne auf der schmalen Felsenplatte empfangen. Glücklich ist das schwierige Werk vollbracht! Ein kleines Feuer wird angezündet und die Leber des Tieres gebraten. Der landesübliche Enzian erwärmt die halberfrorenen Glieder. Die Stunden der Angst und Gefahr sind vergessen. Weidmannsheil! —.— Weihnachten in Hawai Erinnerungen von Hans Soltau=Hannover. Der Deutsche nimmt, wohin ihn auch immer sein Geschick verschlägt, die Sehnsucht nach dem heimatlichen Weihnachtsfest mit sich. Selbst unter schwierigen Verhältnissen sucht er sich eine Weihnachtsfeier zu gestalten, die nach Möglichkeit den heimischen Verhältnissen angepaßt ist. Falls nur irgendwie möglich, wird ein Tannenbaum besorgt, der am Heiligen Abend auch im entlegenen Stillen Ozean weit häufiger anzutreffen ist, als man es sich in der Heimat vorstellt. Nach Hawai z. B. brachten schon Wochen vor dem Fest die Dampfer der„Pacific Mail“ und„Togo Kisen Kaischa“ in ihren Kühlräumen zahlreiche kalifornische Fichten, die von den großen deutschen Handelshäusern für die Familien ihrer Angehörigen in Honolulu und auf den Zuckerpflanzungen der einzelnen Inseln bestellt waren. Richtig behandelt, hielten die Bäume sich tadellos frisch bis zum Fest. Keine deutsche Familie brauchte also den Glanz des Tannenbaums zu entbehren. Die Unverheirateten, die dem Heiligen Abend vielleicht mit einigem Bangen entgegengesehen hatten, gerieten nicht in die unangenehme Lage. das Fest frostig allein zu Hause oder im Klubhause verbringen zu müssen. Drüben hielten die Deutschen in vorbildlicher Weise zusammen, und so konnte jeder bestimmt damit rechnen, von befreundeter Seite für den Abend eingeladen zu werden, und Weihnachten, das doch nun einmal die Krone aller deutschen Familien= feste bedeutet, im Kreise lieber Menschen verbringen zu können. Der Tannenbaum brannte, jeder hatte seinen Gabentisch, auf dem die aus der Heimat eingetroffenen Pakete und kleine Gaben der Freunde aufgebaut waren. Die japanischen Diener, der chinesische Koch und die eingeborene„kanakische“ Kinderfrau rissen jedes Jahr von neuem ihre Augen weit auf beim Anblick des ihnen so fremden Lichterhaums, ließen sich aber die auch ihnen gespendeten Geschenke gern gefallen. Nach der Bescherung folgte in der Regel ein sorgfältig zusammengestelltes Festessen, bei dem mancher liebevoll aufgesparten Flasche deutschen Rheinweins der Hals gebrochen und manches Glas auf das Wohl der Heimat und der Angehörigen zu Hause geleert wurde. Immer wieder mußte der Hausherr, um die durstigen Kehlen zu betriedigen(die trovische Hitze bot ja eine hinreichende Entschuldigung) an den Eisschrank gehen, der allerdings das Eis und den Schnee einer deutschen Winternacht nicht ersetzen konnte. So vergingen im Fluge die Stunden; beim Kerzenschein des Tannenbaums, bei fröhlichen Gesprächen und beim Singen der Weihnachtslieder vergaß wohl mancher, daß er sich auf der anderen Seite des Erdballs befand. Erst auf dem Heimwege in den frühen Morgenstunden erinnerte das Rauschen de. Brandung und die leise sich wiegenden Wipfel der Kokospalmen daran, daß man Weihnachten fern der Heimit im„Pardies des Pazisik“, im schönen Hawai, gefeiert hatte. Leuchtmittel in der Vierwelt Von Wilhelm Hochgreve. Leuchtmittel in der Tierwelt sind zahlreicher vorhanden, als die meisten Menschen ahnen. Freilich treten sie im allgemeinen nicht so auffällig in Erscheinung wie die Leuchtorgane der reizenden Glühwürmchen, welche die Natur zur Auffindung des anderen Geschlechts mit einem Phosphorglühkörper ausgestattet hat. Auch Säugetiere und Vögel besitzen nicht selten Leuchtorgane, die das Finden der Nahrung erleichtern, im Dunkel den Jungen den Weg der Eltern weisen oder auch die raschere Verbindung der Geschlechter vermitteln sollen. Die hellen Gelbschnäbel der Vogeljungen, besonders hell und auffallend bei den Höhlenbrütern, zeigen den Eltern, wohin sie das Futter zu stopfen haben. Die weißen Hinterteile der meisten Hirscharten, in der Weidmannssprache„Spiegel“ genannt, die schon am Tage auffallen, bewirken in der Nacht, zumal bei plötzlichen Fluchten, das Zusammenbleiben des Rudels, vor allem auch der Kälber mit der Mutter. Schon in der Dämmerung sind die Spiegel bei diesen dunkel gefärbten Wildarten die dem Auge allein auffallenden Körperteile. Das weiße Bauchhaar vieler Säugetiere ist ebenfalls als Laterne anzusehen, die den Jungen das Auffinden der Zitzen erleichtert. Das Weiß wirkt in den angeführten Fällen als Leitfarbe. Dagegen dient dem Wasser= und Bläßhuhn die Blasse auf der Stirn als Leuchte bei der Auffindung seiner Nahrung auf düsterem Teichgrunde und im Dunkel des Röhrichts. Die Leuchtkörper an Tiefseetieren haben wieder andere Quellen und erinnern schon mehr an unser Glühwürmchen. Bei den Tintenfischen kennt die Wissenschaft zwei Formen von Leuchtorganen. Während die einen aus Drüsen ein Leuchtsekret ausscheiden, weisen die andern einen als Laterne wirkenden Leuchtkörper auf. Das Leuchtsekret ergießt sich oft sehr stark in leuchtenden Fäden und Kugeln, die dem verfolgenden Feinde die Beute selbst vortäuschen und ihn verleiten, danach zu schnappen, während die eigentliche Beute schon entflohen ist. Aehnlich schützt ja auch der Tintenerguß vor dem Feinde. Auch sexuell sind die Leuchtorgane der Tiefseetiere von Bedeutung. In der Hauptsache aber helfen sie ihnen bei der Nahrungssuche, in dem sie Beutetiere anlocken. Ein wahres Prachtgeschöpf ist die Wunderlampe, ein Tintenfisch, an dem die Forschung nicht weniger als zweiundzwanzig in den verschiedensten Farben erstrahlende Leuchtorgane festgestellt hat. Schwedt zur Weihnachtszelt von Haus Haus: säbelbewaffnete Männer mit geschwärzten Gesichtern und bunten, turbanähnlichen Tüchern. Nicht selten trugen sie einen viereckigen Kasten mit sich und zeigten darin von Kerzen bestrahlte Bilder aus der Weihnachtsgeschichte. Scheinbar handelte es sich hierbei um eine Verschmelzung uralter dramatisch=bewegter kirchlicher Weihnachtsspiele mit rein marionettenhaften Krippenspielen, als deren letzter Ausläufer etwa das magisch beleuchtete papierene Krippenhäuschen, das früher als Tannenbaumschmuck diente, anzusehen ist. Auch in der Danziger Gegend trieb früher das seltsame Gefolge des Nätklas(Nikolaus) allerlei Kapriolen. Ein altes Weib mit einem Korbe, ein Jude mit Bündel, ein Musikant sowie Schimmel, Ziege und Bär zogen tanzend von Hof zu Hof und neckten Knechte und Mägde. In Ermeland stellten Tiermasken, die sogen. Höllkröst, den lustigsten Teil dieser Truppe: Bock, Storch und Bär vereinigten sich mit drei Juden sowie mit dem unerläßlichen Schimmelreiter ohne Kopf. 12.— A Die erste Kunde einer Weihnachtsseier. Der Ursprung des Weihnachtsfestes ist noch immer nicht völlig geklärt. Sichere Spuren von kirchlichen Weihnachtsfeiern liegen erst aus dem vierten Jahrhundert vor. Man entnahm sie einer aus dem Jahre 354 stammenden Aufzählung der damals von der abendländischen Kirche festgesetzten Gedenk= und Feiertage, in der es am 25. Dezember heißt:„Christus in Bethlehem zu Judäa geboren", woraus gleichzeitig auch hervorgeht, daß als Geburtstag des Herrn schon in dieser frühen Zeit der 25. Dezember galt. Es ist aber natürlich anzunehmen, daß das Gedenkfest an die Geburt Christi schon seit längerer Zeit zu den alljährlich regelmäßig gefeierten Festen gehörte. Seine erste Feier in der römischen Kirche könnte also immerhin schon in den vierziger Jahren des vierten Jahrhunderts, wenn auch damals noch am 6. Januar, dem Taustage Christi, begangen worden sein; dieser Tag wurde ja auch in der orientalischen Kirche als der eigentliche Gedenktag an die Geburt des Herrn betrachtet. Die früheste Feier eines Festtages, der dem Erscheinen des Erlösers auf der Erde geweiht war, ging aber nicht von der Kirche, sondern von der frommen Schar einer kleinen Christensekte aus: von den Gnostikern, jenen frühen Christen, die den Christenglauben mit besonderen philosophischmystischen Geheimnissen umrankten. Die Gemeinde der Gnostiker war es nun, die schon im zweiten Jahrhundert ein Weihnachtsfest feierte, doch hatten auch die Gnostiker als Festtag den 6. Januar gewählt, weil ihr Glaube dem Tauftag des Herrn eine größere Bedeutung beimaß als dem Tag seiner Geburt. L. Altdeutsche Weihnachtsumzüge. Seltsam vermummte Gestalten zogen einst in der Umgegend von Angermünde und Beihnachtliiche„hresiagee?. Bis ins vorige Jahrhundert hinein hielten sich in verschiedenen deutschen Gegenden die sogen.„Ehresinger", unter denen man früher solche Chorknaben verstand, die während der kirchlichen Weihnachtsfeier den„Quempas“ sangen. Es muß recht feierlich gewirkt haben, wenn diese Ehresinger— meist waren es drei Chöre, die in der Kirche gleichmäßig verteilt wurden— nacheinander und Solo zu singen anhuben.„Ehre sei Gott in der Höhe!" begann der Erste,„Gottes Sohn ist Mensch gebor'n“ fiel der zweite ein und„Hat versöhnt seines Vaters Zorn“ schloß der dritte, während der vierte Sänger aller drei Chöre als„Beisteher“ keine Soli, sondern nur den Gemeindegesang mitsingen durfte. Gewöhnlich trugen die Ehresinger mit Bildern, Buchsbaumzweigen und Lichtern geschmückte Drehleuchter in der einen Hand und hielten das selbstgeschriebene Quempasheft in der anderen. Der Name„Quempas“ ist den einleitenden Worten dieser Gesänge, dem„Quem pastores laudavere“(„Den die Hirten loben sehre") entlehnt. Wie entsteht das Reispapier? Reispapier wird nicht, wie sein Name zu sagen scheint, aus Reis gewonnen, sondern aus dem weißen Mark eines auf der Insel Formosa(Japan) sehr verbreiteten Baumes. Die Herstellung dieses„Papier" erfordert eine ganz unheimliche Geschicklichkeit. Dabei finden die einfachsten Werkzeuge Anwendung: ein glatter, nicht sehr großer Stein und ein etwa fünf Zentimeter breites Messer mit kurzem Holzgriff und einer dreißig Zentimeter langen Klinge, die am Rücken bis zu einem Zentimeter stark, dabei aber rasiermesserscharf geschliffen ist. Der Arbeiter legt nun ein Stuck des zylinderförmigen Baummarks auf den Stein und rollt es mit der linken Hand so lange hin und her, bis es richtig liegt. Unter unausgesetztem Rollen bringt er jetzt die Schneide des Messers mit der Rechten an die Oberfläche des sich drehenden Zylinders, der dabei zusehends kleiner und kleiner wird. Schließlich ist er ganz verschwunden, und auf dem Steine liegt ein weißes Viereck von ebenmäßiger Dicke: die scharfe Klinge hat das zylinderförmige Stück Mark zu einem dünnen Bogen abgeschält. Nun müssen nur noch die Kanten glatt geschnitten werden, und ein tadelloser Bogen Reispapier ist fertig. Aufforstungen in Sizilien. Ein großzügiges Aufforstungsprojekt wird seit einiger Zeit in Sizilien durchgeführt. Bekanntlich hat auch diese Insel, wie das ganze Italien, unter den sinnlosen Abholzungen, die in früheren Jahrhunderten den einst sehr beträchtlichen Waldbestand des Landes vernichtet haben, schwer zu leiden. Die italienische Staatsbahn in Sizilien hat nun auf staatlichem Gelände 90000 Eukalyptusbäume gepflanzt. Man hat diese Balmart gewählt, weil man sich von ihr besondere wirtschaftliche Vorteile verspricht; ihr Holz eignet sich nämlich ausgezeichnet zu Eisenbahnschwellen. Allerdings wird es noch etwas dauern, bis die erste Bahnlinie solche Schwellen erhält, denn der Eukalyptusbaum braucht mindestens 30 Jahre, bis er nutzbar gemacht werden kann. Ein Baum gibt im Durchschnitt vier Schwellen, abgesehen von dem in den Aesten und in dem Abfall steckenden Holz. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: N. A. Santz, Altena. SE55 5 55 5 # 10 g2 5 S 55 # ## 5E* S. 550 S S 2— E 9.858 T a 2. SS B S. 588 FrSR 55 S2 5 S. * 3 " 2 5 ESES 5 ## 5 5 —. Jak OEEUE =ESEPE -SFEEES S S S 55 * PooSs S 31S.9 59ET 9 S SGESg E OgEG SEOGEEZR JUNCE —UPPTERELE 835355 8 3 SSSEE S SSEE S SSEgSSSS Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 50 Mittwoch, 14. Dezember 1927 Bilder aus der Geschichte von Evingsen 4. Hüsers Wahl zum Pfarrer von Evingsen. 15. März 1849. Nach Stutes Tode wurde der Kandidat Gustav Hüser zum Pfarrer von Evingsen gewählt am 15. März 1849. Er blieb dort im Amte bis zu seinem Tode im Jahre 1866. Hüser stand damals bereits in einem Alter von 44 Jahren, war verheiratet und Vater von vier Kindern; er bewirtschaftete ein ihm gehöriges Bauerngut in Isenburg bei Kierspe; hatte aber immer noch den Wunsch, Pastor zu werden. Die Botschaft, daß er gewählt sei, wurde ihm von mehreren Personen aus Evingsen überbracht, die es auf ein Trinkgeld abgesehen hatten. Seiner Liebhaberei für den Ackerbau konnte Hüser in Evingsen gut nachgehen. Dadurch, daß er das Geld zum Bau eines Pfarrhauses vorstreckte, hat er der Gemeinde einen großen Dienst erwiesen. Die Familie Hüser hat sich in Evingsen recht eingebürgert und der Gemeinde ihr Wohlwollen später wiederholt durch die Tat bezeugt. 1. Szene im Hause Hüsers, in der Wohnstube. Herr Hüser liest, seine Frau ist mit häuslicher Arbeit beschäftigt. Im Hintergrund eine Wiege mit einem Kinde. Drei Kinder spielen in der Stube(4—8 Jahre alt). 1. Bote(tritt herein): So sehr gelaufen bin ich nie, die Wahl, Herr Hüser, fiel auf Sie. 2. Bote(ebenso): Von Isenburg der Kandidat am besten uns gefallen hat. 3. Bote: Es grüßt das Presbyterium von Evingsen, woher ich komm. Es trägt mir auf. Euch anzusagen, daß Gustav Hüser ist bestimmt, das Pfarramt bei uns auszuüben. Wir hoffen, daß er diese Wahl annimmt. 4. Bote: Zwar bin ich schon zu spät gekommen, die Botschaft kann mir nicht mehr frommen. Doch wollt' ich Ihnen gratulieren, daß Sie bei uns das Pfarramt sollen fuhren. (Reicht Herrn Hüser die Hand.) Hüser: Ihr lieben Leute, alle vier sollt heute hochwillkommen sein. Die Botschaft naht mir gänzlich unverhofft, daß heute Wahltag sei, ich wußt' es nicht, auch dacht' ich kaum, daß man mich wählen würde, man wird bescheiden, wenn man älter ward. Doch nun sollt Ihr mir einmal sagen, wie's geht in der Gemeinde Evingsen. Sist lang schon her, daß ich die Predigt hielt. Und Mutterchen soll Euch Erfrischung daß Ihr an Trank und Speise Euch erlabt, derweil ich Euch nach Evingsen befrage. Es ist ja nun der Platz, da ich hinfort mein Amt soll führen meinem Gott zu Ehren, falls der Behörde Eure Wahl genehm. Kein Zweifel ist, Herr Kandidat, daß man gar bald Sie herzlich lieb gewinnen wird in Evingsen. Die edle Einfachheit, die hier sich zeigt, ist heimisch auch bei uns. Das Gleiche mag zum Gleichen wohl sich schikken. 2. Lote: Und die Behörden werden sicherlich die Wahl, die wir getan, bestätigen. Der Superintendent gab gute Aussicht. So wollen wir die Hoffnung fröhlich hegen, daß wir Sie bald bei uns begrüßen dürfen. Hüser: Nun sagt mir Näheres. Ein Pfarrhaus ist, soviel ich weiß, in Evingsen noch nicht? a Bot“: güser doch Nein, leider nicht, Herr Hüser, doch es hat längst die Gemeinde schon den Wunsch gehegt, ein Haus zu bauen; willig ist ihr Sinn, doch... nur die Mittel fehlten, darum gings „ nicht. Der frühere Pfarrer hatte selbst ein Haus, es war ihm wohl darin, wir zahlten Miete hinreichend ihm; die Sache eilte nicht. Hüser: So seid Ihr willig, jetzt ein Haus zu bauen? Es wäre schön, zumal für mich erwünscht, da eine Frau ich hab', dazu vier Kinder. 1. Bote: Ich bin gewiß, man wird das Haus errichten, sobald es möglich ist. Kollektengaben hat man dafür vergebens lang erwartet; das ist sehr ungewiß, und die Gemeinde wird schließlich selbst die Kosten tragen müssen Auch hat man vor, das Holz zum Bau zu ge.. ben,„„ das in den Wäldern reichlich wachst. Vier urbeit. 44ia H wird die Gemeinde unentgeltlich tun, die„Hand= und Spanndienste"— so nennt man's wohl— zu leisten wird kaum einer weigern sich. Auch Steine liefert uns der nahe Bruch. 2. Bote: Doch ohne bares Geld wirds nicht gebaut, und wärs nur wenig, Geld ist doch von Nöten. Hüser; Wenns also steht, Ihr Freunde, weiß ich Rat. Ich leihe Euch das nöt'ge Kapital zu mäß'gem Zinsfuß und Ihr Ich selbst will Euch den Plan gar bald angeben Fest muß es sein, die Fundamente gut, das Holz von bester Qualität genommen, zweistöckig, reichlich Raum sei für uns alle, doch bin ich nicht für Luxus, wie Ihr wißt. Der Ort ist einfach, einfach auch mein Sinn, solid' und praktisch sei's, nicht mehr verlang' 4 3. Bote: Aeffa Gar gerne woll'n wir diese vorschaft melden daheim. Man wird dann Bäume schlagen lassen und Bretter sägen lassen, auch den Steinbruch in Angriff nehmen bald, sowie den Platz bestimmen, da das neue Pastorat demnächst wird stehn, dem ganzen Dorf zur Zier und, gebe Gott, zugleich zu reichem Segen. Frau Hüser: Das Tischlein ist gedeckt, Ihr lieben Freunde, von Eurer Eilfahrt mögt Ihr Euch erholen, jetzt in die Fremdenstube bitt' ich Euch. Nur kurz noch will ich nun mit meinem Manne die große Wendung dieses Tags besprechen. Ihr mögt indes an Speis' und Trank Euch laben, so gut wir's grad' in unserm Hause haben. (Beide gehen ab.) 2. Szene. Hüser mit Frau und Kindern. (Er küßt seine Frau.) Geliebtes, teures Weib, so ist's denn wahr, es ist kein Traum, daß man mich hat gewählt, und Pfarrer bin ich bald, Du eine Pfarrfrau. Was lange währt, wird, sagt man, endlich gut, so wird denn Gott mit uns auch gut es machen Vergeblich hab' ich nicht das Amt erstrebt, vergeblich nicht der heil'gen Theologie auf unsern Hochschulen mich einst beflissen. Sist wahr geworden, was ich oft geträumt, was ich als schönstes Ziel mir stete, gedacht, ich darf dem Herrn die Schaf und Lämner weiden. Ihm sei der Dank, der alles so gefugt, ja, ihm sei ewig Dank, wir wollen nie was Großes er an uns getan, vergessen. (Er faltet die Hände, sie ebenfalls.) ... Das nenn' ich aber doch Veränderung, erst Kandidat, dann Bauer, nun von neuem fühl' ich als Kandidat mich und ein Pfarrher. werd' bald ich sein. Mit vierundvierzeg. Sgarg winkt mir der Hafen eines stillen P#####oorfe. Paul Gerhardt auch war vierundvierzig Jahr, eh' er des Pfarramts schönes Ziel erreicht. Nicht wahr, Lenore, eine frohe Nachricht ist's, die die Männer heute uns gebracht? Frau Hüser: Ja, liebes Männchen, ja, die Gab' ist groß, mit der uns Gottes Güte hat bedacht. Ich wünschte längst Dir fortg, Tützoggt, wie Deinen Gaben sie entspricht und wunschen Zwar anfangs, ehrlich sei es ausgesprochen. konnt' ich das neue Glück noch gar nicht fassen Der Wechsel kommt so ungestüm, so plotz##ch Wir hatten lange uns hier eingelebt, die Leute kamen freundlich uns entgegen, rotwangig sind die Kinder auch bis jetzt; uns fehlte nichts, nun kommt ein neues Glück, ein kaum geahntes plötzlich noch hinzu, fast, mein' ich, ist des Glückes es zu viel. Hüser: O teures Weib, laß uns doch dankbar sein für alles, was uns Gottes Güte spendet. Was morgen sein wird, wir erratens nicht, was heute unser wird, wir greifens dankend. Und Ihr, Ihr lieben Kinder, dürft nun bald mit uns zusammen eine Reise machen. Dann wohnen wir in einem anderen Hause, in einem Dorf, auf eines Hügels Rücken, von Bergen rings umgeben, deren Kronen von üppgem Waldesgrün Wollt Ihr auch gern mit uns dorthin verreisen? Anna, Ida, Peter: Ja, Vater, Mutter, ja, wir reisen mit. Doch mein Tornister ist nicht mehr ganz gut, Ich muß dann einen neuen wohl bekommen. Ida: Und ich ein neues Kleid. Peter: Ich einen Wagen. Frau Huser: Das alles findet sich, Ihr lieben Kinder. Der Vater scherzte nur; es währt noch lang. Anna: Wie lange wirds denn dauern, bis wir reisen Hüser: Wenn wieder aller Schnee geschmolzen ist, wenn wieder grün die Erd' aufs neu' geworden, wenn warme Lüfte freundlich uns umweh'n und wenn die Tage lang, die Nächte kurz, dann, denk' ich, treten wir die Reise an, die uns, Gott geb’ es, wohl gefallen mag. (an seine Frau sich wendend) Du liebes Weib, wie fröhlich bin ich doch gerade dies hatt' ich mir stets gewünscht. Ein kleines Dorf, von Wäldern dicht umrahmt wo treuer Sinn und Einfachheit regieren, wo ich am Sonntag Gottes Wort verkünde und in der Woche bald mich vorbereite auf meine Reden, die das Amt verlangt, bald würd'gen Schritts durch die Gemeinde schreite, den einen tröstend, einen andern warnend, den strafend, jenen wie ein Freund beratend. So werd ichs tun, helf Gott, noch manches Jahr! Und ländlich wollen wir den Haushalt führen, ein Schweinchen ziehen wir im Winter auf, die Mettwurst schmeckt mir gut, von Dir bereitet, ich hole selbst es von dem Markt zu Balve, die Pfeif' im Munde kürzt den Weg mir ab. Und eine Kuh soll mir im Stalle blöken, von eigner Kuh schmeckt ja die Milch am besten Frau Hüser: Doch, lieber Mann, nun auf zu unsern Gästen. (Sie gehen ab). Fortsetzung folgt. Weihnachten auf dem Meere Von Dr. Dr. Gerhard Venzmer=Köln. Ruhig zieht der große Transatlantiker seine Bahn durch den Ozean. Gestern noch wühlte der Sturm die Wogen auf, daß sie sich schäumend am Leibe des Schiffes brachen, und der Orkan heulte sein grimmiges Lied, bald widerwillig zu tiefstem Baß abklingend, dann wieder zu schrillem Diskant anschwellend. Donnernd natschte Brecher nach Brecher an Bord, wenn der Steven des Schiffes sich auf eine heranrollende Woge senkte, und sprühnasse Sturzseen segten übers Deck. Das Schiff hob und neigte sich, legte sich bald auf die eine, bald auf die andere Seite, wie man es nie für moglich gehalten hätte, als man vor der Abfahrt den Koloß gefesselt am Kai liegen sah. Die armen Reisenden! Sie hatten allerlei Vorbereitungen getroffen, um die Weitznacht auf dem Meere festlich zu begehen, für ihre Freunde und Bekannten kleine Ueberraschungen ersonnen, um sich und den Ihren darüber hinweg zu helfen, daß man das Fest der Freude diesmal gar so fern von der Heimat verleben mußte. Nun lagen sie teilnahmslos da, mit wachsbleichen Gesichtern wollten weder von Weihnachten noch von Geschenken, weder von Tannenbäumen noch von Bescherung irgend etwas wissen und waren bereit, auf der Stelle zu sterben, wenn im Augenblick des Todes das „Schaukeln“ dse Schiffes aufhören würde. Mitten in der Nacht vor Heiligabend aber hat Nextun ein Einsehen gehabt und mit dem Dreizack die Wogen geglättet Als heute morgen die Fahrgäste aus ihren Kabinensenstern blickten, lag das Meer ruhig da. Keine Bewegung störte mehr den Lauf des Schiffes und das Befinden seiner Bewohner. Vergessen waren alle Not und Pein, mit doppeltem Eifer gab man sich den Vorbereitungen für das Fest hin, und als sich die Dämmerung über das Meer herabsenkte, strahlte in der behaglichen großen Gesellschaftshalle der Tannenbaum im Lichte ungezählter Kerzen. Leise klingt es durch den Raum:„Stille Nacht, heilige Nacht...“ Das Glochenzeichen ertönt, und die Kinderschar kommt herein getrippelt. Freude und Erwartung auf den strahlenden Gesichtchen. Da wandern die Gedanken zur eigenen Kindheit zurück. Vergessen ist das leise Summen der Schiffsturbinen, vergessen das Rauschen des Meeres da draußen, das der Ozeanriese mit emsigem Kiele durchpflügt. Die Gedanken tauchen unter in Bildern längst vergangener Zeiten. Sie schweisen zurück zu der seltsamen, tempelartigen Säulenkirche in dem kleinen mecklenburgischen Landstädtchen, zu jenem, äußerlich beinahe heidnisch anmutenden Gotteshause, das mit seinem großen, die Verkündung der Engel an die Hirten darstellenden Altargemälde so recht zur Weihnachtskirche wurde. Zu den gewaltigen Tannen und den grünen Lichterkränzen, mit denen die weite Halle geschmückt war, zu dem Geruch von brennendem Wachs und angesengten Tannenzweigen, von Festtagsgewändern, die nur selten aus dem Schrank geholt werden. Zu dem Atem von Kälte in Mänteln und Pelzen. zu den Gesichtern der Kirchenbesucher, von denen jeder den anderen kannte. Zu dem wundersamen Hauch des Wohligen und Altmodischen, der über dem Raum und über die, welche ihn füllten, gebreitet lag. sowie— und nicht in letzter Linie— zu der Bescherung, die sich unmittelbar an den Kirchgang anschloß. Ihr lieben, alten Bilder, wie steht ihr so lebendig vor meiner Seele! Ich saß mit meiner Schwester auf der schmucklosen gestrichenen Holzbank, auf deren Lehne zur Feier des Heiligen Abends in regelmäßigen Abständen Lichter geklebt waren, u. wir gaben uns dem beseligenden Zauber hin, den die Weihnacht in unsere Herzen goß. Wir tranken bis in unser Innerstes hinein das Bild der brennenden Lichterbäume und des weit ichtlichen Altarbildes. Wir vernahmen das ise Spiel der Orgel, und der Chorgesang i uralten Weibnachtslieder erfüllte uns mit ißen, erwartungsvollen Schauern. Bisweil blickten wir verstohlen nach den Spalter Fenstervorhänge: ob es wohl schon mit Löckchen umbel ir..de? Wir wußten: dann wäre un hekleidet. sere Geduld nicht mehr gar zu lange auf die Folter gespannt, wir beide freuten uns doch gar so sehr auf die Bescherung! Dann der Weg von der Kirche durch knirschenden Schnee nach Hause.! Wie klopfte das Herz in freudiger Erwartung!... So viel tausend Meilen man auch der Heimat fern sein mag: am Heiligabend wird jeder mit seinen Gedanken zu Hause sein, wird im Geiste dort weilen, wo ihn als Kind liebende Elternhände an den Gabentisch unter strahlendem Lichterbaum führten! Während ich noch im Geiste das Weihnachtsfest der Kindheit von neuem erleben, geht ein geheimnisvolles Raunen durch die Kinderschar: der Weihnachtsmann kommt. Dem Gesichtchen so manches Knäbleins und Mägdleins sieht man es an, daß sein Gewissen nicht ganz sauber ist, nun der weißbärtige Mann im dicken Pelz mit der Rute droht. Schüchtern und zage klingt die bejahende Antwort manches dünnen Kinderstimmchens auf die Frage. ob man im vergangenen Jahre auch recht brav gewesen sei. Aber dann bekommt doch jedes Kind seine Gaben, und heller Jubel bricht los. Wir Großen aber, wir schauen auf den Kerzenbaum und es gibt wohl keinen einzigen unter uns, dessen Jedanken nicht in diesem Augenblick bei den Lieben daheim weilten. Die Kinder sind mit ihren Gaven strahlend abgezogen. Sie haben sich mit den Geschenken still in eine Ecke zurückgezogen und bewundern nun mit verklärtem Gesicht, was ihnen der Weihnachtsmann gebracht. Nun wendet sich der Gute zu uns. Mit markigen Worten weiß er Freude und Zuversicht in unsere Herzen zu gießen. Wohl hat Deutschland Schwerstes erlebt. Wohl lag es zerschlagen am Boden. Kaum jemand auf der Welt glaubte, daß es wieder die Kraft finden würde sich aufzurichten. Aber der Stern, der einst in heiliger Weihenacht dem Wanderer den Weg durch nächtliches Dunke! zum Licht wies, hat auch uns auf unserem Pfad geleuchtet. Und wie eine echte Weihnachtshotschaft am Fest der Freude klingt es: Blicket voraus, ihr Menschen! Vergeßt Hader und Zwietracht. Seht: das Licht, das über den Völkern leuchtet, beginnt zu strahlen. Ein schwaches Flämmlein ists noch, von manchem Windstoß erschüttert. Pflegt es, auf daß es zu einem strahlenden Lichte werde, das kein Sturm gefährden kann; zu einem hellen Leuchten. in dessen Glanz sich alle Menschen, alle Völker sonnen mögen. Dann erst wird das Wort wahr werden: „Ehre sei Gott in der Höhe, Und Friede auf Erden, Und den Menschen ein Wohlgefallen.“ —.2— Zur Geschichte des Kinderspielzeugs Von Mathilde v. Leinburg. Jean Paul sagte in seiner blumigen Sprache einmal von des Kindes Spieltrieb:„Jedes Stückchen Holz ist dem Kinde ein lackierter Blumenstab, an dem seine Phantasie hundertblättrige Rosen aufstängeln kann.“ Deshalb sind es auch gar nicht die der Wirklichkeit am treuesten nachgebildeten und daher teuersten Spielsachen, die das Kind am meisten beglükken. Im Gegenteil: das Kind möchte immer noch etwas aus seiner eigenen Phantasie hinzutun können. Das prächtig ausgezäumte Schaukelpferd dünkt dem Knaben nicht lebendiger als der einfachste Holzgaul mit gemalter Schabracke. Eine Puppe, die im Rücken eine kalte Maschinerie aufweist, durch die sie„Papa“ und „Mama“ sagen kann, wird niemals so geliebt wie das weiche, warme Wollstoffbündel, dessen eingebildete Tränen das Puppenmütterchen mit aller ihr angeborenen Mütterlichkeit zärtlichst zu beschwichtigen sucht. Seit den urältesten Zeiten sind die Kinderfreunde bemüht(die ersten Spielwarenerfinder waren jedenfalls die Eltern selbst!), ihren Lieblingen Gegenstände zum Spielen anzufertigen. Bei den alten Aegyptern, welche die Kinder als eine Gabe der Götter ansahen, wurde die Verfertigung von Kinderspielzeug mit einer Geschicklichkeit betrieben, die heute noch in den Museen der Großstädte angestaunt wird. Unter diesen über 4000 Jahre alten Kinderfreuden— viele davon waren den Kindermumien mit ins Grab gegeben worden!— gab es schon Tiere, Krokodile mit beweglichem Rachen, Figuren nach Art unserer Hampelmänner, lederne Bälle und Puppen aus Leder, Holz oder einer pappähnlichen Masse, zum Teil vergoldet, aus Erdkügelchen und hübsch Gräberfunde aus Europas Urgeschichte, aus der Stein=, Bronze= und Hallstattzeit, beweisen, daß es auch hier schon damals Spielzeuge gegeben hat: Klappersteine für die Kleinste.s, Hunde aus Wollfäden geflochten, Puppen und Tierchen aus Ton sowir kleine Bronzewagen, in denen Tiergestalten sitzen; dergleichen Funde lassen sich von Etrurien bis nach Norddeutschland nachweisen. Ueber die ganze Welt ist ja der Wunsch gezogen, durch verkleinerte Nachahmungen der Wirklichkeit den Kindern Freude zu machen. Ob es nun die geradezu kleine Kunstwerke der Plastik darstellenden Puppen des antiken Griechenlands waren, welche die Mädchen nachher als Bräute auf dem Altare der Göttin Hestia opfern mußten, oder die bei wilden Völkern von altersher bis heute gleich gebliebenen Puppen aus Blättern und Baumrinde, aus Wolle und Kokosnüssen. Zu den allerältesten Spielsachen gehören natürlich vor allem auch jene für das Spielen im Freien, die Bälle, Reifen und Kreisel. Das Spielzeug für das Zimmer, die eigentlichen Freuden des Weihnachtstisches, hat bis heute auf deutschem Boden die liebevollste Vollendung gefunden. Unsere Nürnberger Spielwaren und Puppen, Glassachen und gläserner Thristbaumschmuck aus Thüringen, Holzschnitzereien aus dem Erzgebirge und aus Oberbayern beherrschen den gesamten Weltmarkt. Die allen Kindern so vertraute Figur des Weihnachtsmannes trägt eigentlich die Gestalt der Berg= und Wichtelmännchen und wurde von den erzgebirgischen Bergleuten erfunden, deren liebste Erholung von ihrem schweren Berufe es war, beim abendlichen Kienspanlicht aus dem Holz= und Wurzelreichtum ihrer Wälder allerhand zu basteln und zu schnitzeln. Diese grobe Holzschnitzarbeit hat mit der Zeit janzen Ortschaften, wie Grünhainichen und Seiffen, eine Hausindustrie verschafft, bei der die ganze Familie, vom Greise bis zum schulpflichtigen Kinde, an der Drehbank, mit dem Schnitzmesser, mit Farbentopf und Pinsel mithilft. Im Heim entstehen sie alle, diese hölzernen Pferdchen, Wagen, Häuser und Burgen, die winzigen Figuren aus Lindenholz und die derben, mit ihrem dräuenden Gebiß so viel versprechenden Nußknacker. Auch in Thüringen bedeutet die Heim=Industrie, namentlich die Herstellung von Puppen, einen armseligen Kampf ums tägliche Brot und ist leider auch zur Kinderarbeit geworden. Da diese Thüringer Puppen früher meistens nur ein kurzes Hemdchen trugen, nannte man sie„Täuflinge"; danach heißen heute noch in Sonneberg und Waltershausen die Puppenmacher„Täuflingsmacher“. Im Laufe der Zeit ist dieser Hausbetrieb nun so groß geworden, daß die einzelnen Bestandteile der Puppen in verschiedenen Orten hergestellt werden: Rumpfbälge, Köpfe ohne Haare, Augen, Hände und Füße, Perükken und Kleidchen, Wäsche und Schuhe, alles muß sich erst wieder zusammenfinden, um schließlich als fertige Ware, in großen Melden liegend, auf mit Kühen bespannten Wagen oder einfachen Hundekarren in der Stadt abgeliefert zu werden. Bei einer im Jahre 1859 vorgenommenen Aufreißung des Straßenpflasters in Nürnberg, das schon seit Beginn des 14. Jahrhunderts der Hauptsitz der Spielwarenfabrikation gewesen ist, fand man die ältesten„Docken": Wickelkinder aus Ton und kleine Mädchen mit Häubchen auf dem Kopfe. Der alte, seit dem 13. Jahrhundert bekannte deutsche Name ist ja „Docke"; das bei uns mehr heimisch gewordene Wort„Puppe“(früher sagte man„puppeln“ statt„mit der Puppe spielen") ist aus dem lateinischen Worte„pupus“ gebildet, mit dem die alten Römer den„Säugling" bezeichneten. Jedoch nicht bloß Puppen, sondern fast alles, was die Herzen der Kinder höher schlagen läßt nahm von Nürnberg aus seinen Weg. Auch Bilderbücher, Bilderbogen und sogenannte „Manndelbögene“ zum Ausschneiden, und vor allem die unzähligen Erzeugnisse der Zinngießerei, mit denen sich die ganze Weltgeschichte in kulturgeschichtlich getreuen Figuren, in unzählbaren Soldatenregimentern aufstellen läßt, traten von Nürnberg aus ihren Siegeszug durch die Welt an. Aus den frühesten Anfängen der Nürnberger Zinnspielwaren=Industrie besitzen wir noch viele niedliche Zinngeschirre, mit denen die weltberühmten Nürnberger Puppenküchen ausgerüstet waren. Eine solche Puppenküche enthält z. B. 71 Schüsseln, 40 Bratenschüsseln, 36 Löffel, 106 Teller und 28 Eierschüsseln, alles zierlich aus Zinn getrieben. Im 15. und 16. Jahrhundert überboten sich die Reichen darin, ganze Puppenhäuser zu bestellen, in denen alles, beispielsweise auch schmiedeeiserne Türschlösser und wirklich spielbare Musikinstrumente, winzig, aber genau wie im sein mußten Weise entstanden manchmitl geradezu kleine Vrachtgebäude mit dazugehörigem Lust= und Tiergarten, mit einem Tanzhaus, in dem eine geputzte Gesellschaft versammelt war, mit üppig und tatsächlich genießbar gefüllten Speisekammern und Weinkellern. Mutet eine solche, wenn auch hie und da in Verschwendung ausgeartete Freude an einer Liliput=Welt nicht immerhin doch verständnisvoller an, als die ungesunde geistige Ueberreife der modernen amerikanischen Kinder? Beim letzten Weihnachtsmarkte wurde in Amerika festgestellt, daß in den dortigen Warenhäusern und Geschäften fast alle früher so begehrten Spielwaren unverkauft blieben, namentlich die Sachen für Mädchen: Puppen, Puppenhausrat und Puppenkochgeschirr. Die kleinen Amerikanerinnen schämen sich heute der Puppe. Auf eine Rundfrage, die eine Newyorker Zeitung an Volksschulen versandte:„Welche Spielsachen wünschen sich die Mädchen?“ kam die einstimmige Antwort:„Die der Knaben!" —1•— Der Wiener Christkindlmarkt bei der Stefanskirche Von Käthe Braun=Prager, Wien. Es gibt Dinge im Leben, die man nie zu sehen müde wird, weil sie so voll Schönheit sind, daß sie niemals geheimnislos werden können, sich immer wieder neu gestalten müssen, der Erwartung stets neue Nahrung zu geben imstande sind. Wenn ich den Graben ausgegangen bin und weiß:„noch ein Schritt und dann siehst du sie wieder, die geliebte Stefanskirche", ist eine immer gleiche, nie getrübte festliche Stimmung in mir. Oft halte ich den einen Schritt zurück, um mich noch einen Augenblick länger freuen zu können, und wenn ich dann um die Ecke biege, und der ungeheure Turm nur für mich allein gewartet zu haben scheint, um mich wieder von neuem zu beglücken, da bin ich meines Wienertums tiefsten, dankbarsten Herzens froh. Schön ist es zu beobachten, wie diese einzigartige Kirche sich jeder Stimmung anzupassen vermag. Bei Sonnenschein, wenn ihr farbiges Dach mit dem schon historischen Adler freundlich, fast lieblich herlacht, daß die schwere Steinmasse einem zarten Gebilde gleicht, bei Sonnenuntergang, wenn über das weithin funkelnde goldene s. euz die flammenden, ziehenden Wolken streichen und im Dunkeln, wenn der Mond ab und zu aus dem graugeballten magischen Wol kendunst tritt, wie drückt das Kunstwerk erst alles aus, was der Meister durch es ausgedrückt wissen wollte! Ob nun lieblich, oder durch ihre Kraft überwältigend, stets verfallen wir dieser Kirche, wie einem nie ausgeliebten Menschen. Unter einem weißen Winterhimmel steht jetzt„der Steffel.“ Flocken fallen langsam herab und verkleiden die zahllosen gotischen Figuren in fremde Gestalten, deren vermummte Gesichter weiße Mützen tragen. Des„Zahnwehherrgotts"“) arme, rippendurchschienene Brust hat einen Mantel aus Schnee, und aus seiner Domenkrone scheinen weiße Rosen zu blühen. Aber wie bescheiden ist die Stefanskirche geworden; sie will vom 1. Dezember bis 6. Jänner nicht anderes sein, als Hintergrund, daß die Kinder sich an den vielen Buden freuen können, die im Kranz um sie aufgestellt sind. Gerne hätte ich dieses Bild von einer Höhe aus gesehen; wenn um die dunkle Kirche herum der schwache Lichterkranz zu ihren Füßen liegt, denn die Lichter machen den Christkindlmarkt so zauberhaft und gemütlich zugleich. Man beginnt nun näher zu gehen, sich die ausgelegten Waren zu besehen, und man staunt, daß die Spielzeuge, der Christbaumschmuck, der türkische Honig, die Nürnberger Küchlein, die Wachskvipperln und die Wunderkerzen noch immer die der eigenen Kindheit geblieben sind. Und wenn ich jetzt diese Puppenlampe und diesen Puppenkoffer für mein Kind, wie mir scheint, bei derselben dicken, gutmütigen Frau erstehe, bei der meine Mutter für mich einst auch diese Dinge gekauft haben mochte, wundere ich mich, wie wenig ich doch Mutter und wie sehr selber Kind ich in diesem Augenblick bin. Es scheint, daß die Kindheit immer in einem ist und es nur eines Rührens daran bedarf, um das unangenehme Erwachsensein mit Vergnügen abzustreifen. Und ich gehe ein paarmal um die Kirche herum, bis ich die Gesichter aller Verkäufer *) eine bei den Wienern beliebte Christusfigur an der Außenseite des Domes, deren abgezehrter Körper und schmerzlich verzogenes Namen rechtfertigen soll. kenne und ihre feilgebotene Ware, und während ich die vielen Silber= und Wachsengel, die einmal auf der Spitze eines Tastnenbaumes leuchten sollen, betrachte und mir ausdenke, welcher meinem Kinde mehr Freude machen würde, braust plötzlich durch die geöffnete Kirchentüre die Orgel wie ein Sturn. heraus. Ich muß sofort mit den Anderen eintreten, und da hat mich schon die Majestät dieses Domes in ihrem Bann. Von hundert Kerzen aller Größen bestrahlt, schauen durch ein starkes Drahtgitter die ernsten dunklen Augen der am meisten besuchten und am meisten mit Bitten bedrängten wundertätigen dunklen Madonna. Sie sieht so ernst und gar nicht lieblich aus, aber ihre Krone und die des Kindes sind von echtem Gold. Darum das Drahtgitter, muß ich denken, und wie es eigentlich traurig ist, daß auch hierin ein zwar taktvolles, aber immerhin doch ein Mißtrauen den Menschen gegenüber ausgedrückt liegt. Um das Bild im Halbkreis knien die Gestalten. Wie viel Leid ist in dieser Gruppe. Was mag sie alle quälen, bedrängen, wohin sich die Bitten versteigen? Und dort, der wie magisch beleuchtete geschnitzte Beichtstuhl! Trotz vieler Menschen herum kniet darin eine Frau. Die wievielte in diesen vielen hundert Jahren. Man erkennt sie nur an dem Faltenwurf des Rockes; der Kopf ist in dem kleinen Fenster verborgen, durch dessen Gitter diese arme Seele Priester ihre Sünden beichtet, so un daß man andächtig wird, wie bei allem, was sich ohne Worte ergreifend ausdrücken läßt. Und die Orgel rauscht mächtig durch den hohen Baum, Gesang mengt sich schüchtern dazwischen, drei Priester zelebrieren eine Messe das Wandlungsglöcklein erklingt, alles kniet auf den kalten Steinen. Leise gehe ich wieder hinaus. Draußen fällt der Schnee weiter in immer dichteren Flocken! die Kinder sind schon fast alle nach Hause gegangen. Erwachsene hasten kaum verweilend an den für sie so überlebten Dingen vorbei. Automobile und Wagen jagen über den Stefansplatz, Leben rast mit vielfältigen Signalen durch die Großstadt. Ich gehe die Körnterstraße aus, die durch ihre Licht=Reklame Berlin immer ähnlicher wird, verliere mich im Strome tausender Menschen, tauche unter im Korso der blendenden Ringstraße, bis mich die Müdigkeit zu der Fahrgelegenheit treibt, die mich wieder in meine häusliche, so ehrwürdige Wirklichkeit einer Gattin und Mutter bringen soll. noch nehr das Fest der Verlobung als io Deutschland. Das ganze Dorf versammelt sich in einem Hause; und die heiratolustigen jungen Mädchen setzen sich verschleiert auf eine Bank längs der Wand. Die Aufgabe jedes verliebten jungen Mannes ist es jetzt, unter den vielen die einzig Richtige heraus zu suchen. Hat sein Herz ihn nicht zu der Gewünschten geführt, so kann er seine Freiheit nur durch ein großes Geschenk wieder erkaufen. Unter solschen Umständen will keiner mit der Wahl den Anfang machen, und es bedarf eines Machtwortes seitens des Hausherrn oder eines leisen Winkes seiner verschleierten Angebeteten, um einen Freier zur Entschleierung zu veranlassen. Hat er die Richtige getroffen, so ist die Verlobung öffentlich anerkannt, und die Eltern können ihr die Genehmigung nicht versagen. Die russischen Bauern halten zöh an diesem Brauch fest und alle„Aufklärungs"=Bestrebungen der roten Machthaber vermögen ihn wie so vieles andere— nicht auszurotten. —2— Weihnachtsbräuche in aller Welt Von Herdert Hüneke=München. Weihnachten, das große Fest der Christenheit, hat im Laufe der Jahrhunderte in allen Ländern die verschiedenartigsten Formen angenommen. Den Tannenbaum, ohne den ein deutsches Weihnachten nicht zu denken kennt man anderwärts kaum, und kein Volk versteht" den Heiligen Abend so als ein stilles Fest der Freude zu feiern wie die Deutschen. In England denkt man kaum noch an den christlichen Ursprung des Feiertages, und überall herrscht tolle, ausgelassene Lust. Das Haus wird mit Epheu und Stechpalme geschmückt, und an der Ecke befestigt der Familienvater den bedeutungsvollen Mistelzweig, eine Erinnerung an die heidnische Zeit; er gibt den Männern das Recht, jedes weibliche Wesen, das sich unter ihm fangen läßt, ungestraft zu küssen, und der Volksglaube sagt, daß ein Mädchen, dem zu Weihnachten unter dem Mistelzweig kein Kuß geraubt worden ist, im folgenden Jahr nicht unter die Haube kommt. In Frankreich ist aus der Weihnachtsfeier jedes Gedenken an die Geburt des Heilands verschwunden. Die Franzosen kennen keinen Tannenbaum— wo er doch angezündet wird, ist er sicher von Elsässern oder Reichsdeutschen eingeführt—, und nur selten hängt eine Frau den Mistelzweig über die Wohnungstür, eingedenk des alten Glaubens, daß er Glück ins Haus bringe. Dafür herrscht abends in den Vergnügungslokalen tollste Ausgelassenheit, und jeder Pariser, der etwas auf sich hält, fühlt sich verpflichtet, die Nacht bei Tanz und Alkohol zu verbringen; der Sinn des Weihnachtsfestes ist den Franzosen vollkommen verloren gegangen. In Spanien steht während der Festtage in jedem Haus eine Krippe, und für ihre Schmükkung wird oft der letzte Centavo ausgegeben. Nachts streicht das Volk durch die Straßen, um den Ständchen vor den Kruzifixen zu lauschen. Aber auch hier fehlt der richtige Weihnachtsgedanbe. Im zuisischen Volbe ist der Christ Die Hirschjagd im Hochgebirg Im Hochland eine wildzerklüftete Felsenschlucht. Düster blickt der Tannenwalo hinab in die schwindelnde Tiefe, wo der reißende Gebirgsbach brüllt und schäumt. Ein schmaler Weg führt über die schaurige Schlucht: Uebereinem wältigend ist der Anblick des Abgrundes. Die Beine zittern. Heiß drängt das Blut ins Gehirn. Genkrecht fallen die Felswände bis zum brodelnden Wasser ab. Kein Strauch, kaum ein Moosflecken bietet dem irrenden Auge einen Halt, wenn es über die feuchten, grauen Steinwände in das gespenstische Dunkel hinabgleitet, aus dem nur der helle Gischt des wütenden Baches heraufleuchtet, wie der zornige Blick eines in dämonischer Umgarnung sich windenden Riesen...“ Das reißende Wasser schleudert eine uralte Tanne in die Schlucht. Es donnert, bricht und knackt. Aeste und Wurzeln splittern. Der dicke Stamm, ein Spielball des rasenden Wassers, gleicht einer dünnen Weidengerte. Böse Dämonen hausen in der Unterwelt. Schaurig raunt das Rauschen des Wassers herauf. In der Tiefe jammern und geistern arme Seeien. Im Waldesdickicht der Berge schreit der Hirsch. Ein junger Förster schleicht und späht. Aufgescheucht bricht die beleidigte Hoheit durch den=Wald. Es schallt und kracht, als ob der Sturm durch die Büsche zöge. Prasselnd zersplittern Zweige an dem starken Geweih des ungestümen Flüchtlings. Ein Schuß! Das Tier bricht zusammen, rafft sich auf, schlägt eine andere Richtung ein, ein paar Sprünge... Totenstille. Der Hirsch ist verschwunden. Es dunkelt. Der Abend bricht herein. Der Jäger geht heim. Sicherlich ist das Tier in die Schlucht gestürzt. Am nächsten Tage liegt frischgefallener Schnee. Eisig weht die Luft von den Bergen. Die ungeheueren Felswände der Schlucht sind mit einer dicken, grünlich schimmernden Eisdecke überzogen. An den hervorragenden Stellen streben ungeheuere Eiszapfen, gleich Kristallsäulen in die Tiefe. Ein nebelgleicher Dunst schwebt über dem Wasser. Ein eigenartiges, geheimnisvolles Gemälde. Bergbewohner suchen die Fährte des tags zuvor geschossenen Hirsches. Abgebröckelter Waldboden verrät die Stelle des Absturzes in die Schlucht. Ein Mann, ein Tollkühner, wagt den Abstieg in die grausige Tiefe. Er gleicht einem ungeheueren Knochengerüst, überzogen von Sehnen und Muskeln von Stahl, bedeckt mit einer aschfahlen Haut. Seine Leistungen legen von seiner Kraft und Ausdauer beredtes Zeugnis ab. Seine scharfgebogene Nase und blitzenden Augen sprechen von Tatkraft. An das eine Ende eines Seiles wird ein breiter Lederriemen, dem Zuggeschirr eines Pferdes entnommen, derart befestigt, daß er eine Schlinge bildet, in die sich der Kühne hineinsetzt. Um die Oberschenkel und den Leib laufen Stricke, mit denen das Seil befestigt ist. Die Männer am Rande der Schlucht ziehen das Seil straff an. Langsam rutscht der Waghalsige an den gähnenden Schlund. Ein Teil der Schneefläche löst sich und fällt zerstäubend in die Tiefe. Der Mann am Seile schwebt zwischen Himmel und Erde. Kleiner und kleiner wird der Körper des Niedergleitenden. Ein schwacher Laut dringt aus der Tiefe herauf. Das Seil lockert sich, der Reisende ist angelangt. Ein zweites Seil geht für den Hirsch in die Tiefe. Der Mann in der Unterwelt hat keine leichte Arbeit Mohl liegt nicht weit ab vor ihm