97.8 — ENT * 3 5 * 90 □ * 00 3 2— „ 9 0 0 0 # E 5 8- Ogs. 125 75— S 92 Witdbestand. Füchse und Kleintiere und in den entlegenen Stellen Renntiere, das ist alles. Dagegen bietet die reich vertretene Vogelwelt einem großen Teil der Bevölkerung Arbeitsund Verdienstmöglichkeiten. Die Vogelleiber werden eingesalzen und als Wintervorrat der Isländer verwendet, die Federn als Exportware zu guten Preisen nach aller Herren Länder versandt. Außerordentlich fischreich ist das Isländische Meer. Zu Hunderten kommen die Fischervoore, um hier den Fischfang zu betreiben. Große Salzereien und Konservenfabriken verarbeiten die gefangenen Fische, sofern sie nicht direkt als frische Ware nach den europäischen Staaren gehen. In ungeheuren Mengen werden nonders der isländische Hering und der Stockfisch ausgeführt. Das starke Gefälle des Ellida Aelo, in unmittelbarer Nähe von Reykjavik, ist zu einer Kraftstation ausgenutzt worden, die die Stadt mit Elektrizität versieht. Er ist der salmreichste Fluß der ganzen Welt. Es kommt nicht selten vor, daß ein einziger Fischer am Tage 75 Salme fängt. Als geräucherten Lachs kann man ihn überall in der Welt essen. Von dem 104000 Quadratkilometer großen Land ist nur ein geringer Teil bewohnbar. Das Hochplateau(1000 Meter) bedeckt fast die ganze Insel. Viele Joche und unabsehbare weite Schneefelder überragen es. Bewohnbar ist nur ein Areal von 14000 Quadratkilometer, und von diesem sind wiederum nur 300 Quadratkilometer urbar gemacht. Island hat 98000 Einwohner, die meist weit versprengt wohnen. Es ist ein ausgeprägt vulkanisches Land. Die seinen Boden bedeckende Basaltschicht beträgt 12—14000 Fuß. Man hat 108 Vulkane gezählt, in denen bisher Eruptionen stattgefunden haben. Die meisten waren allerdings in vorgeschichtlicher Zeit tätig, jedoch sind ihre Wirkungen noch heute deutlich sichtbar. In Bergen und Tälern liegen verstreut unzählige heiße Quetlen. Der Geysir auf Südisland ist von allen der bekannteste. Dieser lieh allen heißen Springquellen, außerhalb Islands, seinen Namen. Der größte bisweilen in Tätigkeit befindliche Bulkan ist der Häkla, der ebenso wie der nächstbekannte Vulkan, der Katla, oft große Verwüstungen anrichteten. Im Jahre 1918 vernichteten die glühenden Lawaströme meilenweite Strekten guten Ackerbodens. Sie führten eine so ungeheure Menge gewaltiger Steinblöcke mit sich, daß sich durch diese eine neue Landzunge von 2,5 Kilometer ins Meer hinaus bildete. ##er#kig##estellt. Reyksavik ist der Sitz der is= Selbstmorbe abschrechend wirkten, und ersann ländischen Regicrun. Die Stadt hat, außer dem Museum und dem modernen Krankenhaus eine Universität, eine Bibliothek die 105 000 Bände umfaßt und ein städtisches Archiv, in dem sich wertvolle Handschriften aus der isländischen Kultur der ältesten Zeit bis auf unsere Tage befinden. Das Museum weist eine Reihe interessanter Funde aus der vorchristlichen Zeit auf. Von der Heimindustrie und Bauernkunst reden die bunten Webereien und Trachten, die Sattelzeuge und Holschnitzereien. In der Domkirche, einem äußerlich sehr nüchternen Steinbauwerk, vor dem ein hölzerner Turm steht, befindet sich ein wundervolles Taufbecken, das Thorwaldsen seinem„Stammland“ geschenkt hat. Thorwaldsens Vater, Gottchalkur Thorwaldsen, war Isländer, die Mutter Dänin. Zur Erinnerung an den isländischen Kirchenlieddichter Halgrimur Pjetursson und den Bischof Jon Vidalin sind zu beiden Seiten des Domes Säulen aufgerichtet worden. Vor der Stadt liegen die Sportplätze, auf denen sich die Jugend fleißig tummelt. Fußballspiel herrscht vor. Im Winter sieht man in den nördlichen Teilen des Landes auch gelegentlich Schneeschuhe als Beförderungsmittel. Das Krankenhaus wurde von dem dänischen Old Fellow=Orden gestiftet. Mit den modernen Heilmethoden gelingt es oftmals, die zahlreichen Aussätzigen des Landes zu heilen. Eine Heilanstalt für Geisteskranke ist ebenfalls vorhanden, versehen mit den modernsten Einrichtungen. In den dicht bei der Stadt liegenden heißen Quellen hält die weibliche Bevölkerung der Insel ihre Waschfeste, bei denen es sehr gesprächig und lustig zugeht. Eine andere Quelle gibt ununterbrochen soviel heißes Wasser her, daß ein großes Bassin dauernd neu versehen wird. In diesem tummelt sich die isländische Jugend nach Herzenslust. Man hat Projekte ausgearbeitet, um die reichen Warmwassermengen wirtschaftlich auszunutzen, indem man eine Rohranlage schaffen will, die die kochenden Wasser in die Stadt und dort in die einzelnen Häuser leiten soll. Sowohl Menge als auch der Wärmegrad des Wassers würden ausreichen, die ganze Stadt mit der erforderlichen Heizung zu versehen. Man hat berechnet, daß dadurch der Stadt Reykjavik alljährlich der Verbrauch von 6—8000 Tonnen Kohlen erspart würde. Kommt das Projekt wirklich zustande, so wird Reykjavik die einzige Stadt der Welt sein, die ihre Wärmeleitung aus natürlichen heißen Quellen bezieht. Man beabsichtigt ferner, in der Nühe der Schneebedeckte Fjälle, warme alkalische Quellen, feuerspeiende Berge, tiefe fruchtbare Täler und unendliche Grasmatten, dunkle Lawamassensden und einige duftende Birken— das ist Island, das Land der starken Gegensätze und der weiten Einsamkeiten. Auf den Fremden, der Reykjavik zum ersten Male sieht, wirkt die Stadt recht eigentümlich. Es liegt auch hier wie in allen skandinavischen Häfen ein starker Geruch von Tran, Fisch und Salz in der Luft, an den man sich jedoch sehr schnell gewöhnt. Die Straßen der Stadt sind ziemlich einförmig; sie besitzt ein schönes Museum, das u. a. die Werke des isländischen Bildhauers Einar Jonsson enthält. Für„zeitgemäße“ Zerstreuung sorgen zwei Kinos, eine Theatergesellschaft, die aus Handwerkern, Gewerbetreibenden, Bauern und Fischern besteht, führt im Winter wöchentlich einmal Schauspiele auf. heißen Quellen große Treibhäuser anzulegen, in denen Gemüse= und Blumenkulturen betriewerden sollen. Alle diese Pläne werden eifrig von der isländischen Regierung unterstützt. Die in den ersten Nachkriegsjahren eingetretene Depression, die sich auch auf Island auffallend stark bemerkbar machte, ist nun glücklich überwunden. Der Handel blüht, unterstützt von den neuen Zolltarifen, die vor einiger Zeit in Kraft getreten sind. —s2.— Monte Carlo einst und jetzt Mittel, sie zu verhindern oder wenigstens möglichst geheim zu halten. Sobald sich jemand im Kasino erschoß, drückte einer der Croupiers auf einen Knopf; aus einer Geheimtür tauchten plötzlich vier bis sechs Männer auf, hällten den Leichnam in ein mitgebrachtes Tuch. ein anderer nahm schnell den leer gewordenen Platz am Spieltisch ein, und schon hieß es wieder: „Faites vorte jeu!“ Die ständig wachsenden Einnahmen ermöglichten Blanc einen besseren Ausbau des Kasinos, das im Volksmunde„die Fabrik“ hieß Ferner schuf er einen vorzüglich arbeitenden Geheimdienst. Kein Spieler blieb unüberwacht. Schon der erste Schritt in Monte Tarto wurde getreulich verzeichnet, das Gepäck unauffällig geprüft. der Briefwechsel geöffnet, jeder Gewinn jeier Verlust— vor allem bei verdächtigen spielern— von Geheimpolizisten der Leitung des Kasinos berichtet. Und es ist kein Zufall. wenn das Hauptpolizeigebäude— neben dem Kasino liegt. Heutzutage ist dieser Geheindienst so gut eingerichtet, daß es wirklich kaum noch möglich ist, in Monte Carlo Selbstmord zu begehen. Man kann weder Gift noch Wase kaufen, und um Spielern, die wirklich ihr Har und Gut verloren haben, die Rückkehr zu ermöglichen, schuf Francois Blanc das„Viatikum": Wenn ein Spieler den Nachweis erbringt, daß er kein Geld mehr besitzt, erhält er sein Reisegeld und einen kleinen Zuschuß zur Heimkehr. Früher wurde das Geld in bar ausgehändigt, aber da leidenschaftliche Spiele: manchmal mit diesem Gelde sofort zur Roulette oder zu Trente=et=quarante zurückkehrten, ging man dazu über, ihnen zunächst die— Fahrnarten zu kaufen, um auch sicher zu sein, daß sie abreisten. Die vielen Gerüchte, wonach dieser oder jener sich durch Betrug in den Besitz des„Viatikums“ gesetzt haben, sind übertrieben. Solche Fälle sind äußerst selten, dank der bis ins kleinste durchgeführten Ueberwachung der einzelne. Spieler. Denn naturgemäß finden sich an einen: Orte, an dem Riesensummen umgesetzt werde:, große und kleine Betrüger ein. Aber nur wenigen ist es gelungen, sich durch ihr„corrige la fortune“ Vorteile zu verschafsen. Denn schon Francois Blanc hatte ein verwickeltes System ausgeklüngelt, um solche Betrügereien zu unterbinden. Die Croupiers werden häufig gewechselt; jeder Croupier wird von einem Obercrouvier beobachtet; bei Trente=et=quarante werden ständig neue Spiele Karten angerissen. Selbst gegen gewaltsame Entwendung von Geld ist die Bank geschützt. Ein Druck auf einen Knopf— unter den Geldeinsätzen öffnet sich ein Schacht, das Geld verschwindet darin. Von Emil Rath. Das Kasino in Monte Carlo hat im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr einen Reingewinn von etwa 20 Millionen Mark erzielt; daraus geh: hervor, daß die neu eingerichteten oder vergrößerten Kasinos in verschiedenen französischen und spanischen Kurorten Monte Carlo keinen wesentlichen Abbruch getan haben. Vielmehr kann eine Dividende von 175 Prozent verteilt werden. Die Mehrheit der Aktien befindet sich im Besitz der Familie Blanc, der NachkomObwohl die Insel unter dänischer Oberhoheit steht, gibt es hier bezeichnenderweise keine Volksschulen. Einmal fehlt dem Staat das Geld solche Schulen zu unterhalten, dann aber ist die antfernung zwischen den einzelnen Gehöften im Besitz der Fe auf dem Lande teilweise so groß, vaß es unmög=men des Gründers der Spielhölle Monte Carlo: lich ist, die Schüler in gewissen Schulen zu ver=Francois Blanc. Blanc, ein früherer Kellner, hatte durch glückliche Spekulationen an der Pariser Börse ein Vermögen erworben und schuf im Jahre 1872 das Kasino von Monte Carlo, das bald einer der übel berüchtigsten Orte der Welt werden sollte. Blanc wußte, daß die Bank immer gewinnt, und er sagte selbstgefallig:„Hin und wieder gewinnt Schwarz, hin und wieder gewinnt Rot, Weiß(Blanc) gewinnt immer!“— Und er einen. Dennoch kann jast jeder Isländer lesen, schreiben und rechnen; und der durch tausend Jahre vererbte Sagenschatz wird ihm durch die alteren Mitglieder der Familie vermittelt. Die Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes bleibt völlig der Familie überlassen. Besonders charakteristisch für den Isländer ist die Tatsache, daß gerade die schwerste Literatur hier die weiteste Verbreitung gefunden hat. Der seit seinem 14. Lebensjahr an Lepra erkrankte Sigurdur Pjetursson, der im Krankenhause zu Reykjavik isoliert von allen Menschen lebte, schrieb ein bedeutendes Werk über den isländischen Prosarhythmus. Er starb vor einem Jahr. Während des Weltkrieges wurde der neue sländische Hafen nach dem Entwurf des norwegischen Hasenbauingenieurs Gabriel Smith gewann. Ohne Gewissensbisse. Bald war Monte Carlo das„Paradies“ der Selbstmörder. Eigene und fremde Gelder wurden verspielt, das Ende waren Gift, Kugel, Strick oder Ertränken. Die Zahl der Selbstmorde war in den ersten Jahren so groß, daß ein=, manchmal zweimal in der Woche ein kleines schwarzes Vool erschien und die Leichen der Selbstmörder abbolte. Blanc sah bald ein, daß die vielen Er Betrug jüngster Zeit wurde ein umsangreicher lit„jetons“, den Spielmarken der Bank von Monte Carlo aufgedeckt: Trei Ungarn, Agner, Rado und Rosenbaum hatten für eine Million Franken solcher Jetons gefälscht und bereits einen Teil umgesetzt. Als der Schwindel aufgedeckt wurde, ließ die Bank sämtliche Jetons einziehen und neue anfertigen. Allerdings ist es jemand auf ehrliche Weise schon gelungen, die Bank zu sprengen: dem Engländer Charles Wells. Er hatte unerhörtes Glück. Binnen zwei Stunden hatte er 100000 Franken gewonnen. Man ließ die gleiche Summe neu auflegen. Wells gewann sie wieder. Als reicher Mann verließ er Monte Carlo. Alle Zeitungen schrieben von ihm, jemand verfaßte einen Schlager auf Wells, den Mann,„der die Bank sprengte“. Ein Jahr ter— 1892— kam Wells wieder, gewann unerhört, gewann—, und dann verließ er Monte Carlo als armer Mann und kam nie wieder! Gerade dieser unerhörte Gewinn eines Wells war die beste Reklame für Monte Carlo. Verkrachte Existenzen, kleine Leute, Abenteurer kamen in Scharen nach Monte Carlo, um in Well's Fußstapfen zu treten— der lachende Erbe war das Kasino. Heute bedarf Monte Carlo keiner Reklame mehr; es ist berühmt— berüchtigt in aller Welt. Als tüchtige Geschäftsleute haben es die Blancs nicht verabsäumt, einen großen Teil des Gewinns zur Verschönerung des Ortes anzuwenden, und von dem diesjährigen Reingewinn sollen wieder große Klubhäuser, etwa 20 Tennisplätze und ein großes Bad erbaut werden, alles in allem für 10 Millionen Mark. Das Bild Monte Carlos ändert sich von Jahr zu Jahr— die Seele bleibt die gleiche: Spiel mit Menschen. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: N. A. Hantz. S S# S 5 18 S 3. ∆ ∆ S2. S##g. ug. K0D5S. T SS gEE Sa SS G S 5 935 2. SeS=3 5.8 9S• 2 9 SaEE TS BASTE5— 5 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 33 ist Heimat? Nur ein Volk, das fest in seiner Heimat verankert, mit seiner Heimat innig verwachsen ist, bird von den Stürmen der Zeit nicht hinweggefegt. Das lehrt uns am besten das Treugelöbnis vom 11. Juli 1920 in unserm Abstimnungsbezirk. Die Heimat kann jedoch nur ann diese starken Bedingungen und Sicherunen jeder einzelnen See##e, besonders der von hr getrennten„fürs ganze Leben geben, wenn der Heimatsinn, das Heimatsgefühl, das HeimatMittwoch, 17. August 1927 fücls= und Wertwelt, in ihrem Glauben und Schoffen in ihren Leiden und Freuden". An das alte Erleben knüpft sich dann ein neues, größeres, reineres, das unser Inneres wieder heimatfroh und heimatstark macht. So haben wir neben der räumlichen Heimat noch einen underen Kreis, die menschliche Heimat. Sie wiro gebildet durch Familie, Eltern, Geschw.ster, Verwandte und Nachbarn. Heimatgefuhl und=liebe sind mit dem Boden, mit den Orten oder Oertlichkeiten verknüpfi, aber der Inhalt des Gefühls ist die Beziehung des Menschen zu Men,chen, Heimatliebe ist Liebe zu Menscher. Aloye Fischer sagt:„Heimat ist die durch [Dauergewöhnung bekannte Welt, auf die wir eben infolge dieser rgewöhnung automatischeingesteilt, an die wir in allen unsern [Reaktionen instinktiv angepaßt sind“. Wäre das Heimatgefühl jedoch nur die Folge blinder Gewohnheit, dann wären sein Wert und eine Berechtigung sehr fragwürdig. Der orgängen oder eine Summe geistiger Erlebisse die über den Raum und seine Grenzen hinausreichen? Dem einen ist der kleine Kreis der nächsten Blutsverwandten, die Familie, seine Helmat. Einem andern ist die Heimat sein Werk, wo er nützen kann. Daß diese Einstellungen falsch sind, bedarf wohl keiner besonderen Leweisführung. Wir haben da eine Umwelt,„ein für ganz in Gewohnheiten steckengeb. iebene Mensch den Menschen und seinen Lebensvollzug be=würde nicht die große Idee erkennen, die im deutsames Milieu“, nicht aber eine Heimat sagtsHeimatsinn liegt. Seine Seele würde nicht der Philosoph Spranger. Anfang und Grund= eich und bereit werden, die größere Gemeinlage alles Heimatsinnes ist das Geburts= undschaft des eigenen Volkes zu umfassen und etKindheitsland, auf dem sich unser persönliches Wesen, Leben und Schicksal entfaltet hat. Ernst Moritz Arndt hat das in die Worte gesaßt: „Wo dir, o Mensch, Gottes Sonne zuerst schien, Da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland! Wo das erste Menschenauge sich liebend über deine Wiege neigte... Da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland!“ Der Kindheitsheimat sind zunächst sehr enge Grenzen gezogen. Das Elternhaus, das Dorf und seine allernächste Umgebung, und in der Stadt einige wenige Gassen und Plätze, auf denen das Kind tagtäglich mit seinen Kameraden spielt, ist zunächst seine Heimat. Ganz allmählich weitet sich der Heimatbegriff durch Wanderung und Belehrung. Diese räumlich begrenzte Heimat wird erlebt. Garten, Feld und Wald, stille Winkel und grünbemoeste Häuser verwachsen mit Erlebnissen. Dann fülen sie diese Oertlichkeiten mit feinem Zauver und goldenem Duft. Und nur mir allein gehört dieses Erlebte, für mich allein hat es Wert ind Klang und Lebensfarbe. Und wenn'ch ange von der Heimat getrennt bin, dann sieht ie mir immer vor der Seele wie ein frischer Morgen. Dann ist das Herz krank und mund, wir spüren den„unaussprechlich tiefen Schmerz, der in das verlassene Menschenherz sich wie ein Stachel bohrt und sticht und frißt". Wir wollen nicht die Oertlichkeiten haben, nach denen wir uns sehnen, sondern jenen Zustand der Gehobenheit, des Glücks, den wir an und in ihnen einst erlebt haben. Sehr stark betont waren diese Erlebnisse, deshalb blieben sie dauernd von unserm Gefühl durchdrungen. Wir wollen also uns selber noch einmal erleoen, so wie wir einstens waren. Aber ergeht es uns nicht ganz sonderbar, wenn wir einmal in die Heimat zurückkehren? Das goldene Feuer, das uns beinahe die Seele verbrannte, erlischt fast. Die Wirklichkeit erscheint viel kleiner, enger, kälter, gröber, nicht so wie wir sie in unserer Träumen erlebt haben. Und bald streben wir wieder hinaus aus dem kleinen Kreise, der unserm größer und wuchtiger gewordenen Wesen kein volles Genügen mehr dietet. Heimat ist uns jetzt nur dann noch wirkliche Heimat, wenn ein paar Menschen darin unsere Sehnsucht stillen,„Menschen, die uns verstehen und die wir verstehen in derwas von der Zugehörigkeit zum weiten Boden des Vaterlandes inniglich zu spüren. Das Heimatgefühl muß deshalb, wenn es auch in der Gewohnheit wurzelt, einen Motor erhalten, der dauernd arbeitet, der Kraft und tärke erzeugt. Wir finden ihn in der enotionalen Stellungnahme und vernehmen ihn im Heimatliede.„Wenn ich den Wandrer frage, wo gehst du hin? Nach Hause“ Und: „Ich kann nicht nach Hause, hab keine Heimat mehr". Oder:„Dich, mein stilles Tal, grüß' ich tausendmal". Oder:„Teure Heimat sei gegrüßt!". Die ganze Leidseligkeit des deutschen Gemütes singt und klingt in ihnen. Sie begleiten den Menschen von der Wiege bis zum Grabe. Und wenn wir alt geworden sind und das Schicksal uns den Heimatboden entrissen hat, dann können wir diese Lieder vielleicht überhaupt nur noch hören, vor innerer Bewegung aber selber nicht mehr singen. Was sichert diesen Heimatliedern ihren ewigen Reiz, ihre unvergängliche Wirkung? Sie wären längst vergessen, wenn nicht aus den Tiefen der Volksseele ihnen etwas entgegenkäme, das in ihnen seinen naturgemäßen Ausdruck findet. In ihnen werden alle Sinnbeziehungen zur Heimat wieder lebendig und diese vereinigen sich in einem letzten Gesamtsinn, der jenseits des Alltäglichen liegt, im Ueberirdischen, Unsagbaren, Unbetretenen, nie zu Betretenden. Bei richtiger seelischer Einstellung sind die Sinnbeziehungen zur Heimat besonderer Art. Von jedem Winkel, von jedem Stück in der Heimat gehen geheime Fäden zu uns herüber, gehen unendlich viele Wirkungen aus uns aus Der sandige Bergabhang, den wir im Kraftüberschuß hinauf und herunter stürmten, die stillen Föhren, die uns als Burgfried und der daneoen liegende riesige Steinhaufen, der uns als Burg diente, der uns Häuser bauen ließ und blutige Köpfe schenkte— sie alle wissen uns viel zu erzählen. Unsere elgene verlebte Vergangenheit liegt in ihnen. Ein Stück unseres Wesens stellen sie dar. Dieser Erdenfleck ist, als meine Heimat gesehen selbst schon ein Stück Geist geworden. Und diesen Geist trage ich in mir. Dieses Stück Heimat ist in mir verkörpert. Und selbst wenn ich Tausende von Meilen entfernt bin, wirkt und schafft dieser Heimatgeist in mir. Das Heimaterleben hat sich bewußt gelöst vom Boden und von der gefühl geworden, das mir dauerndes Erleben, dauernde Kraftquelle ist. Und nicht nur dieses Stück Natur hat sich so vergeistigt und is: von mir ausgenommen worden, sondern auch das menschliche und das kulturelle Element der Heimat. Der Geist jener Menschen, der die Heimat so geschaffen hat, wie sie ist, und der Geist jener Landschaft, der die Menschen so geformt hat, wie sie dort denken und sprechen und handeln, hat in mir seine Spuren hinterlassen und wirkt in mir auch in der Fremde. Diese von mir erlebte„Totalverbundenheit“ ist eine durchgeistigte, mir zugehörige innere Welt, die von mir selbst aufgebaut und deshalb persönlich gefärbt ist, meiner Wertwelt entspricht. So ist Heimat vor allem ein geschichtlich=geistiger, ein seelischer Zusammenhang. Und noch mehr:„Heimat ist", wie Spranger meint:„geistiges Wurzelgefühl“. Lenn wir uns seelisch so zur Heimat einstellen, wenn der Begriff„Heimat“ mit diesem lebendigen Inhalt gefüllt und in die Volksseele gegossen wird, dann kann die Heimat, auch wenn sie durch„Korridore“ getrennt oder durch in wirriges Geschick in fremde Hände gekommen ist, trotz alledem nicht verloren gehen. Sie bleibt Nährboden, Kraftquelle und Ziel unseres Strebens. Dann gibt es keinen Menschen, der wrrzellos, also heimatlos ist. Die Heimat bleibt uns die große Idee, die alle Glieder des deutschen Volkes zur nationalen Gesinnungsgemeinschaft eint. Sie schließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem sinnvollen Ganzen. Sie hilft durch klare Gedanken, gefühlswarmen Herzschlag und festen Willen eine neue Welt erbauen, die wir Deutschen an Stelle der alten zermürbten werden setzen müssen. (Reichszentrale für Heimatdienst.) seihen Sprache in derselben Vorstellumnose Ge=(Oertlichkeit. Er ist zum bewußten HeimatEine Gedenkfeier für F. W. Geimme am 13. und 14. Aug. Dem Sauerländer wird nachgesagt, daß er eine besonders stark ausgeprägte Heimatliebe besitze. Seine Heimatberge, stolz und waldbestanden, sanft und auch schroff ansteigend, die Bergesluft, vielfach rauh und scharf, der harte, schwer zu bearbeitende Ackerboden, sie haben den Mann der Berge zäh und anhänglich gemacht. Wo in aller Welt er sich befindet— die Sehnsucht nach seinem Sauerlande läßt ihn nicht, er wird in seine Heimat zurückgezogen, wenn auch erst nach Jahren. Der Grundgedanke zum Esloher Heimattag war der, die Kinder des oberen Sauerlandes von Nah und Fern einmal zusammen zu ziehen. Sie sollten sich wiedersehen und ihrer Heimat die vielgerühmte Anhänglichkeit und Liebe beweisen. Gleichzeitig wollte man den hundertjährigen Geburtstag des lieben Heimatdichters F. W. Grimme feiern. Grimme wurde am 25. Dezember 1827 in Assinghausen(Hochsauerland) als Sohn des Lehrers und Organisten Josef Grimme geboren. Er war an den Gymnasien zu Brilon und Paderborn tätig, dann Gymnasialdirektor in Heiligenstadt und verbrachte seinen Lebensabend in Münster. Seine Schwänke„De Koppelschmid" und„Gehannes Fiulbaum“ sind echte Volksdichtungen in Stoff und Sprache, sie erfreuen sich, wo immer aufgeführt, uneingeschränkten Erfolges. Köstlicher, gesunder Humor liegt in seinen Gedichten.„Schwere Not“. „Man stirbt nicht daran",„Die Aepfel" usw. Grimme kannte die Seele seiner Sauerländer Landsleute„daher kann er so vom Herzen zum Herzen reden, frisch und schalthaft....— 1 Oe 22 □ 55 S#5% 98%5 ESER SOFESETSSE S GS8O EBID S — E ** * S 4 ## 5 : 2 2 8 E *§ S 2" s9 i am 5 a S S E S. 6 S2. S 55 BEGE S-ESESS 3 r SoSSEE S8nSPAEE OBGHNGPPE S .„ * 0 8 SER 880.8 S.—* * F• 2 16 4— S81 K##s agET 888 .9 580 5# ½ #5 E ##.:. D G•EE *•** 10 99• 6 ∆ 5 „OhOSSES T * □ E * EpG•E S. P R 5 an S S BSSSDSSSE ES•OSSE: BOSSBOLRSUSSSE SBES•• Spr#-EgSE =SgO• S 8 Sgccg S r. 9 S.50 S#SBE.- P: SeS 2 S S SE 55 5 S 2 0 S 5 S 9.5 9 S 8 Hach Serge S EAATERESE „ Baesc C.95 n g-HES SHDEETPOE E E.B S S SOgEM *#nn BSSEESEE SLBGEEEARSSENER GS-JogES. F- 5ch Pn.s Eslohe liegt im Tal der Essel, ein hübsches Dorf, dem die schwarz=weißen Fachwerkbauten mit Schiefer= und Schindeldächern etwas Malerisches geben. Die Lage ist nach allen Richtungen geschützt, man hat daher Eslohe seit Jahren als Luftkurort gerühmt. Mit der Eisenbahn ist es über Finnentrop bald zu erreichen. Heute zeigt sich das Dorf in einem recht gefälligen Festschmuck, den vor allem die heimischen Tannen hergeben mußten, wenn auch viel bunte Wimpel das Bild lebhaft gestalten. Von allen Seiten sind die Sauerländer herbeigeeilt, alle Gaststätten und Privathäuser sind mit Gästen gefüllt, die am Feste teilnehmen wollen. Um das Zustandekommen des Heimattage haben sich die Herren Prov.=Landt.=Abg. Hermann Wienecke, Eslohe, Professor Dünnebacke, Dortmund, sowie Dr. phil. et. theol. Groeteken, Fredeburg, besonders verdient gemacht. Die Begrüßung der Teilnehmer erfolgte in einem gemütlichen Festakt am Samstag abend in der Schützenhalle zu Eslohe, bei dem nach einleitenden Worten von H. Wienecke der Amtmann Groneck, Eslohe, in recht launiger Weise die Erschienenen willkommen hieß. Das Hauptprogramm blieb dem Sonntag vorbehalten. Die Reitkunst ist von der Sauerländer Bauernschaft immer sehr gepflegt worden. Heimatbräuche sollen aber bei Heimatfesten gezeigt werden, was lag da näher, als am Sonntag vormittag ein Reitturnier auf den Esloher Bergwiesen zu veranstalten? Dazu hatte sich der Reit= und Fahrverein Balve, Abteilung Stockum, eingefunden. Auf dem von Zuschauern ringsum dicht besetzten Reitplatz wurden Schulreiten und Reiterspiele, sowie ein leichtes Jagdrennen ausgetragen, Veranstaltungen, die den lauten Beifall der Gäste hervorriefen. Der Nachmittag vereinigte die Festteilnehmer wieder in der Schützenhalle, die kein Prunkbau ist, in deren Einfachheit vielmehr der schlicht bearbeitete Eichen= und Tannenstamm der heimischen Berge bis unter das Dach frei liegt. Säulen und Träger sind üppig mit Tannengrün beladen. Eine passende Stätte für ein Heimatfest. Die nun folgenden Stunden sind dem Gedächtnis an Dr. F. W. Grimme gewidmet, aus dessen Werken sinnige Verse in sauerländischer Mundart überalt angebracht sind. Einen vollen Saal bann Herr Wienecke wieder begrüßen, auch den zahlreichen Pressevertretern ruft er einen Willkommengruß zu. Professor Dünnebacke nimmt alsdann das Wort, um eine Grimme=Gedächtnisrede zu halten. Der Redner, selbst ein Sohn des Hochsauerlandes(geboren in Hanxleden) mit seiner Sprache, seinen Sitten und Gebräuchen aufs engste vertraut, ist der berufene Mann, einen Grimme zu würdigen. Er entwarf von dem Dichter ein Lebensbild, das zeigte, wie sehr dieser sich in jeder Hinsicht mit seinen Landsleuten einig fühlte, wo immer er auch war. In jungen Jahren schon, als Student in Münster, war er überall beliebt und erfreute alle, wo er nur konnte. Ein guter Beobachter, kannte er alle Typen der Heimat ganz genau und verstand sie naturwahr zu zeichnen. Die Briese an seine Braut zeigen seine Liebe zur Heimat und zur platten Sprache. Er wirkte darauf hin, daß das Sauerland in seiner Eigenart erkannt werden möchte. Seine plattdeutschen Gedichte sind eine Herzensfreude für jeden Sauerländer. Die Jugend um Grimme hatte es schon verstanden, einen sauerländischen Witz in seiner Ursprache zu verstehen— als die Sprache von Alten noch verkannt wurde; wurden seine Gedichte doch wegen„Anstößigkeiten“ den Schülern verboten! Er zeichnete eben sein Volk in echter, derber Form, aber in Wahrheit. Seine„Deutsche Weisen“ sind eine wahre Fundgrube wertvoller sauerländischer Gedanken und Sitten nicht allein, sondern auch anderer Gegenden. Aus allen Werken tritt uns etwas Kerniges entgegen, das Erbe von den Vätern, eine tiese Religiösität. Große Anhänglichkeit bewiesen dem Dichter seine Landsleute, die sich besonders bei dem Besuch des Alten auf einem Sängerfest in Olsberg 1886 äußerte und ihn zu Tränen rührte. Auch wir wollen ihn nicht vergessen, wir wollen im Sinne des Sauerländer Heimatbundes arbeiten und uns auch wieder zusammen finden bei der Feier in Grimmes Geburtsort Assinghausen. Mit Grimmes Worten: An uns soll alles Sauerland sein — unser Sauerland soll leben! schloß der Redner, und seine Worte fanden begeisterten Beifall. Daß man„De Koppelschmid“, Grimmes wohl bestes Lustspiel in sauerländischer Mundart, aufführen würde, lag nahe. Man konnte umso besser, als man ausgezeichnete Kräfte aus dem Volk dafür fand, denen neben Vertrautheit mit dem Volksbrauch der Umgang mik der Sprache geläufig ist. Die Aufführung, in allen Teilen ein Hochgenuß, wurde dann auch mit außerordentlichem Beifall ausgenommen. Wenn auch die Esloher Gesamtveranstaltung einen starken lokalen Einschlag hatte, so ist sie doch im Sinne der Heimatbestrebungen, die der Liebe zum Angestammten dienen und alten Brauch und Sprache erhalten sollen, unbedingt zu begrüßen. Niederrhein Von Michel Becker. Das Meer ist nicht mehr weit. Der Tanz der Rebenhügel ist abgelöst von der ruhig gelagerten Wucht breiter Wiesen, auch die Menschen sind stiller und versonnener. Ihre Schritte haben Bedacht und Schwere, ihre Worte hängen sich nicht schnell und leuchtend zusammen, und nicht so leicht wie da oben am Rhein springt ihnen ein Lied auf die Lippen. Der Nebel und manche verhangene Luft ließen sie den würzig duftenden Schnaps mehr lieben als den gelbgoldenen Wein. Sie trinken den Trunk gerne in altersbraunen Kneipen, wo immer eine Duftwelle holländischen Knasters in den Winkeln hängt. Ihre Häuser setzen sie sich nicht dicht beieinander. Da, wo die Landschaft am ausgeprägtesten ist— unweit der Grenze— kauern vereinzelt die kleinen frischweißen Häuser unter den hohen Fingern ewig raunender Pappeln, schwenken träumende Windmühlen ihre singenden Flügel. In den Wiesen und auf den Rheindämmen wölben sich die braunroten Hügel dampfender Kuhleiber. Tags erfüllt der Gesang kleiner Lerchen die Luft voll Fröhlichkeit, abends schreien die Käuze. Zuweilen streicht der ruhige Flug eines Fischreihers vom Reichswald her über das Land. Vor dem Dorf nistet ein Storch und die Mädchen lauern ihm nach, wenn sie mit den blanken Milchkannen vom Melken kommen. Auch dieses Land hat seine Geschichte. Auf der Schwanenburg zu Kleve geschah das deutsche Gheimnis vom Gralsritter Lohengrin, in Tanten war Siegfried daheim und in der immer noch schwebenden Poesie des winkligen Kalkar arbeiteten die großen Meister Holzschnitzer als Könige rheinischer Kunst, nicht geringer als die großen Maler von Köln. Klein sind diese drei Städte, aber der alternde Strom spricht mit ihnen seinem reichen Leben ein würdiges und andächtiges Amen. Noch einmal tönt sein Dreiklang: Dome, Burgen und Hügel. Gleich einem geduckten Rücken kauert am Spoykanal der langgezogene Berg und dahinter blaut fast grundlos der Reichswald. Wie von einer Kanzel schaut man in die Ebene bis shinüber nach Emmerich und Elten fort über dunkle Höfe und helle Birken. Selbst die paar Kamine sind kein falscher Ton in diesem alten Lied. Nur wenn der Rhein ungebärdig wird und auf die Häuser zuschreitet, werfen;: ihre Schreie in die Weite. Sonst ist nur Frieden. Die Bauern hängen tief im Gestern und lassen sich nicht nehmen, daß das eine gute Zeit war. Und die wenigen Städter sind nicht einmal Städter. Im Bruch liegt die Stille. Die Niers geht sehr sacht auf den Rhein zu und rings im Schilf klingt eigenartiges Vogelrufen. Im alten Geldern muß man unwillkürlich den Fuß leise auf das holprige Pflaster setzen. Zuweilen aber schwingt der Rausch bunter Fahnen und das strahlende Weiß wehender Chorhemden durch das Land. Dann singen junge Stimmen heilige Lieder und lispeln die Alten schlichte Gebete über die staubige Straße. Das sind die Monate, da die Prozessionen nach Kevelaer ziehen. Es ist. als wäre die Stille nur dieser großen, einfältigen Andacht wegen da. Selbst bis an die Uferhütten der Fischer und die alten Mauerstufen von Rees hinüber hält das Leben seine verhaltene Sprache bei. Und der Winter tut kaum wo einen so tiefen und grauen Schlaf wie hier, es sei denn, daß ihn der tönende Schall eines ängstlichen Nebelhorns aufscheuche. Im Süden hat der Niederrhein ein anderes Gesicht und eine neue Sprache. Dicht hocken hier die Welten beieinander. Im Pottbäckerland formen und malen die Menschen noch geruhig Töpfe und Krüge; aber wenn sie vor die Türe treten, sehen sie die Rauchfahnen aus den Schloten springen und abends die rote Glut der mächtigen Hesen gegen den Bizmsengtgrgernz Sirenen heulen einen strengen Rhythiuu= und eine einzige Kette der Arbeit schwingt sich von des Dichters Lersch Kesselschmiede und den Webstühlen in Gladbach über die Seidenwerkstätt zu Krefelb, die Oelnküchlen von Neuß um das mächtige Geviert von St. Quirins Dom bis nach Duisburg hinüber. Auch das ist köstlich und vom Rhein geboren und gewollt. Auch lzwischen den vielen Hafenarmen von Ruhrort ingt er sein tönendes Lied. Niederrhein, die abendliche Freude des alten Stromes, der letzte Aufklang seiner Vielfalt und die letzte Vermählung der ihm eignen Traumart mit der härtern Wirklichkeit! Niederrhein, frommes Land von grobem Korn, Menschen mit breiter Brust und einem Stück Kinderseele, gesegnet von hohen Pappeln und höhern Schloten! Ein kerniges Stück Erde deutscher Natur, stumm achtender Grenzwächter! Niederrhein, Erinnerung an das hohe, stolz=steilende Gebirge und Hoffen auf das ruhende Meer. Zwischen solchen Angeln hängt dieses Land, nur so ist es zu begreifen. Sowohl in Tageszeitungen wie in Zeitschriften ist des öfteren über„Naturschutz“ veröffentlicht worden. Die vielfach rücksichtslosen menschlichen Eingriffe in die Ursprünglichkeit der Natur infolge der Industrialisierung und der intensiveren Land= und Forstkultur zeigten schon bald die übelsten Foigen. Dazu kam noch, daß die Begriffe: nützliche und schädliche Tiere, die Gegensätze aus kleinlichen Gesichtspunkten hervortreten ließen, einen starken Rückgang mancher Tierarten durch menschliche Eingriffe verursachten. Welchen Verfolgungen waren, um ein Beispiel anzuführen, viele Jahre hindurch die Raubvögel ausgesetzt, die doch, wenn sie sich kreisend oder rüttelnd über den Bergeshöhen zeigen, die Landschaft so trefflich beleben! Und dabei gab es früher, als die Raubvögel noch zahlreich vorkamen, auch weit mehr Singvögel und Wild, zu deren Schutz man angeblich die Raubvögel immer mehr ausrottete. Als man allerdings damit begann, Hecken, Feldgehölze, Dickichte der Wälder usw. zu roden und damit den Singvögeln und dem Wilde die natürlichen Schlupfwinkel raubte, hatten die Raubvögel leichtes Spiel und dezimierten den Singvögel- und Wildbestand, bis man den großen gefiederten Räubern mit Pulver und Blei zu Leibe rückte. Waren letzten Endes die früheren erfreulichen Verhältnisse im Pflanzen= und Tierreiche das Resultat eines viele tausend Jahre alten Ausgleiches der Kräfte, so hat letzten Endes nur nienschliche Kurzsichtigkeit die heutigen wenig erfreulichen Verhältnisse hervorgerufen. Mehr denn je muß jetzt darauf Bedacht genommen werden, die noch vorhandenen Pflanzen und Tiere zu schützen. Dazu werden mit der Zeit wesentlich die von der Arnsberger Regierung ins Leben gerufenen geologischen, botanischen und zoologischen Kurse zur Förderung des wissenschaftlichen [Wanderns beitragen, denn nur aus einer vertieften Erkenntnis ist ein wahrer Naturschutz möglich. Möchten sich auch die zahlreichen Abteilungen unseres Sauerländischen Gebirgsvereins immer mehr in den Dienst dieser guten Sache stellen, dies um so mehr, weil sogenannte Kleinarbeit an den verschiedensten Orten überaus wertvoll ist. Damit erweisen wir nicht nur uns selbst, die wir in den sauerländischen Bergen wohnen, sondern ganz besonders manchen Großstädtern, die ihre Steinwüsten“ verlassen, um in unserem Berglande zu wandern, einen großen Dienst. Wieder blühendes Deutschtum in Ostafrika Als der Krieg zu Ende ging, standen die Reste der deutschen ostafrikanischen Schutztruppe wohl noch unbesiegt in Rhodesien, doch die ganze Kolonie war vom Feinde besetzt. Mehr als das: das Deutschtum war mit der Wurzel ausgerissen, die letzten Deutschen gefangen und vertrieben, die Frauen und Kinder interniert, der deutsche Besitz restlos enteignet. Durch maßlose Propaganda, Verhetzung, Versprechungen und Gewährung neuer Rechte hatte man versucht, selbst in den Herzen der Eingeborenen die Erinnerung an die deutsche Herrschaft zu tilgen.„Ich habe häufig, besonders in Südwestafrika,“ so schreibt der bekannte Weltreisende Colin Roß in dem dieser Tage bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen Afrika=Buch„Die erwachende Sphinx",„die Ansicht gehört, der erbitterte, zühe Widerstand Lettow=Vorbecks sei unklug gewesen. Durch rechtzeitige Kapitulation hatte man in Ostafrika, ebenso wie in Südwest, dem Deutschtum Besstz, Sprache tur erhalten können. Auch in Ostafrika selbst hatte Lettow=Vorbeck seine Ansicht von der Verleidigung um jeden Preis ja erst gegen erhebliche Widerstände durchsetzen können. Indessen selbst wenn in Ostafrika eine ähnlich günstige Kapitulation zu erzielen gewesen wäre, so glaube ich doch, daß dem deutschen Namen und darüber hinaus auch rein praktisch jeder deutschen Betätigung in Afrika durch den verzweifelten Widerstand Lettows und seiner Getreuen besser gedient war. Ich glaube meine ganzen politischen Vergangenheit und Einstellung nach nicht erst betonen zu brauchen, wie frei ich von jedem nationalen Chauvinismus bin. Allein, es ist einfach eine journalistische Anstandspflicht objektiver Berichterstattung, zu betonen, daß der Name Lettow=Vorbeck durch ganz Afrika zu einem Symbol geworden ist. Die Tapferkeit und Ritterlichkeit, mit der die deutsche Schutztruppe unter Lettow=Vorbeck vier Jahre lang gekämpft, bedeutet für jeden Deutschen, der heute nach Afrika kommt, ein moralisches Plus, das ihm Achtung, Geschäftsmöglichkeiten, leichtere Arbeiteranwerbung und dergleichen sichert. Es ist geradezu verblüffend, wie in Ostafrika, in dem selbst der deutsche Name ausgelöscht schien, heute das Deutschtum wieder blüht. Am Tanganyikasee konnte ich davon freilich noch nichts merken, allein, je näher ich Daressalam kam, desto stärker wurde der deutsche Einschlag, und Tanga, die Hafenstadt des Usambara= und Kilimandscharogebiets, ist fast wieder so deutsch wie etwa Windhuk. Man muß zugestehen, daß diese Entwicklung ohne weitgehendes Entgegenkommen der Engländer nicht möglich gewesen wäre. Freilich handelten sie nicht lediglich aus selbstlosem Anstande so. Sie mochten erkannt haben, was für einen wertvollen Faktor die Deutschen für den Wiederaufbau der durch den Krieg stark mitgenommenen Kolonie darstellen, und wie wünschenswert eine Stärkung des weißen Elements gegenüber den Indern ist, die in Ostafrika eine fast bedrohliche wirtschaftliche Machtstellung gewonnen haben. Aber es sprechen doch noch sehr gewichtige Gründe dafür, die Deutschen weiterhin aus der früheren Kolonie fernzuhalten, wie es Franzosen und Belgier mit ihren Mandatsgebieten tun. Wir wollen auch nicht verkennen, was es für die englische Verwaltung bedeutete, die deutsche Kommission zuzulassen, welche die rückständigen Askari= und Trägerlöhne auszahlte und die während der Kriegszeit ausgestellten Gutscheine einlöste. Ich erlebte es selbst, welche Wirkung das Erscheinen dieser Kommission auf die Eingeborenen ausübte, wie tiefgehend die Erinnerung an die deutsche Herrschaft und den Krieg unter deutscher Flagge aufgewühlt wurde. Es steckt auch Ritterlichkeit darin, das Denkmal für die Schlacht bei Tanga, Englands größte und schimpflichste Niederlage in Ostafrika, zu erhalten und pflegen zu lassen, wie es unter englischer Herrschaft und Stadtverwaltung geschah. Ich fand die Gedenktafel unter dem weitausladenden Affenbrotbaum vor den Toren Tangas, die in ihren letzten Jahren bereits recht gelitten hatte, gesäubert und die verblichene Inschrift erneuert. Wie die weltpolitische Lage heute ist, sind wir nun einmal darauf angewiesen, mit den Engländern auszukommen. Das gilt besonders für unsere Landsleute, die heute versuchen, sich in Ostafrika eine neue Existenz zu gründen. Man erweist ihnen einen schlechten Dienst, wenn man alles, was die Engländer in Ostafrika tun, in Grund und Boden verdammt und sie in jeder Richtung beschimpft, wie es manche deutsche Berichterstatter für zweckmäßig hielten. Im allgemeinen kommen Deutsche und Engländer gut miteinander aus. Freilich gehört von deutscher Seite ein gut Teil Entsagung dazu. In Daressalam war ich bei einer deutschen Familie zu Gast. Trotzdem mehrere Kinder da waren, mußten sie sich mit einer engen Mietswohnung in einer der heißen Geschäftsstraßen der Stadt behelfen. Auf einem gemeinsamen Spaziergang an der herrlichen, palmenbestandenen Strandpromenade kamen wir an einer großen, schönen Villa inmitten eines blühenden Gartens vorbei, deren Fenster und Türen Tag und Nacht den kühlen Seewinden offen stehen. „Das war vor dem Krieg unser Haus,“ sagte der Mann, und die Frau nickte nur. Mit allem, was drin war an Möbeln, Einrichtungsstücken und persönlichen Gebrauchsgegenständen, hat man es ihnen genommen. Sie sehen täglich Fremde in dem kühlen Garten ihres ehemaligen Besitzes, während sie selbst in dumpfen, engen Räumen leben müssen.„Wir müssen eben neu anfangen,“ meinten sie, und es war nicht einmal Bitterkeit in ihrer Stimme. Dem Deutschtum in Ostafrika fehlt einstweilen Schule und Kirche wurben ja zerstört. Heute arbeitet die deutsche Mission wieder, über die Rückgabe der Kirchen schweben Verhandlungen, und die ersten Versuche zur Gründung deutscher Schulen sind im Gange. Sehr störend ist das Fehlen einer amtlichen deutschen Vertretung. Die Anerkennung von Konsuln in dem ehemaligen Schutzgebiet würde eine juristische Anerkennung der fremden Herrschaft bedeuten, die man vermeiden möchte. So ist der deutsche Konsul in Mombasa mit der Vertretung der deutschen Interessen im ehemaligen Deutschlostafrika betraut. Von Mombasa nach Tanga ist eine lange beschwerliche Reise. Daressalam ist überhaupt nur auf dem Seewege erreichbar. Und da der deutsche Konsul außer Tanganyika und Kenya auch noch Uganda als Gebiet hat, so kann er beim besten Willen für unsere ehemalige Kolonie nicht allzuviel Zeit erübrigen. So wurden die deutschen Schiffe der Mittelpunkt des deutschen Lebens in Ostafrika. Wenn ein Dampfer des deutschen Afrikadienstes in dem die Ostafrika= und Woermann=Linien vereinigt sind, in Daressalam und Tanga anlegt, ist das ein Ereignis, das nicht nur in den Häfen selbst freudige Erregung auslöst, sondern bis weit ins Hinterland hinein Wellen schlägt. Wer es irgend kann, macht sich frei und fährt auf den deutschen Dampfern. Dort gibt es deutsche Zeitungen und deutsches Bier. Man sucht den deutschen Friseur auf. Wer es kann, verschiebt den Besuch beim Arzt, bis er den Schiffsarzt konsultieren kann. Man trifft Bekannte, man kommt mit der Heimat wieder in Berührung. Kurz, man hat ein Erlebnis, das einen einige Wochen oder Monate Einsamkeit im Busch wieder leichter ertragen läßt. Es muß in diesem Zusammenhang überhaupt einmal darauf werden, was die deutschen Schiffahrtslinien für das Teutschtum in Afrika bedeuten. Außer Woermann= und der Ostafrikalinie lassen ja auch die Hapag und die Hamburg=Bremer Afrikalinie einige Schiffe im Afrikadienst laufen. Nach dem Krieg waren überall die deutschen Schiffe die ersten Pioniere, und die Agenturen der Linien die Wegbereiter für die nachfolgenden Kaufleute und Farmer. Das gilt für Sud= wie für Ost= und Westafrika. Wenn man heute nach Afrika kommt und als Deutscher überall Achtung und Hilfe findet, so darf man nicht verkennen, daß man das nicht nur dem Schatten Lettows verdankt, sondern auch den deutsch= afrikanischen Schiffahrtslinien, die allenthalben dem Deutschtum den Weg bahnten. Rhön am Alltag Von Walter Julius Bloem. Nach Nord, Ost und West ein märchenhafter Fernblick, der seinesgleichen sucht. Südwärts die harten, steilen Vulkanberge— Täler voller Frieden, Bergwälder— kahle, mit Steinblökken übersäte Kuppen. Alle Landschaften Deutschlands finden sich in der Rhön: die Wärme der Schwäbischen Alb, die tief eingeschnittene Schroffe des Harzes, die kahle Steilheit des Riesengebirges— wenige Minuten Fahrt, eine Talscheide, und alles ist zauberhaft verändert. Hier großartig hart, zerzaust von rauhem Sturm— dort fröhlich lieblich— dann wieder waldumstanden anklimmende Berghänge mit weidendem Vieh. Zahllose Bäche winden sich zu Tal. Droben auf den Bergen Krüppelholz.— Einst war dies ein einsames Paradies der Wanderer und Skifahrer. Erst die Segelflieger haben die Rhön berühmt gemacht; seither werden Gersfeld und die Wasserkuppe im Spätsommer zum Stelldichein der großen Welt. Die Autos der Kissinger Badegäste erscheinen— es wimmelt von Sportleuten, Militärs, Aristokratie— Namen an Namen— Wagen an Wagen. Dann lagert ein seltsam gemischtes Publikum am Nordhang, während die Menschenvögel ihre lautlosen Kreise über der Tiefe, vor der großartigen Kulisse des Nordblicks ziehen. Im Sommer ist„nichts los“ in der Rhön. Der Sommer hat bescheidene Butterblumen in die zerzauste„baumlose Höhe hinaufgelockt, Wandertrupps schwärmen auf dem Gipfel unter den weißen Sonnenwölkchen, schleppen Tornister und rußige Kochgeschirre auf den breiten Schultern. Schöne stolze Gesichter, ganz fern von der Art der rasselosen Puppenschönheit unserer Zeit: blonde Querschädel mit eigentümlich grellen Augen, langen, spitzen Nasen, breit eigenwilligen Lippen, knochigen Wangen und einer struppigen, vom Wind zerwühlten Haarfülle über der Stirn.„. m 7anf#+ Nichts los in der Rhön? auf dem sanst abfallenden Westhang der Wasserkuppe üben die Kerlchen von siebzehn oder achtzehn Jahren, unfertige Gesichter zwischen Knabe und Mann. Auch hier wieder bei aller Unreife eine wahre Auslese von germanischer Rasseschönheit. Offenbar ist es ein besonderes Blut, das da fliegen will. Unter den Jünglingen eine kraftvolle Männergestalt: Mensurnarben, weißes Goufhemd, Doktor. Auch ein Flugschüler. Seit zwei Jahren hat sich eine bestimmte Art von Schulflugzeug herausgebildet— denkbar einfach, billiges Material, leicht zu ersetzen, ein höchst zerbrechliches Kinderspielzeug: Flügel, Schwanz, ein paar Stangen dazwischen, unten eine Schlittenkufe, vorn ein Brett als Sitz, Steuerknüppel, Beinsteuer, Kopfpolster— fertig. Das bauen die Jungens sich selbst, immer wieder dasselbe Modell mit denselben Teilen. Der Fluglehrer, schlank, braun, gepflegt, ein ehemaliger Kampfflieger, leitet die Uebungen. Hier gleiten die Pilötchen ein paar hundert Meter über den sanften Hang, schwanken langsam und unerfahren durch die kaum bewegte Luft und schlürfen zur Ziellandung auf die dürre Wiese herunter. Ziel: der oder jener Steinhaufen. Dann schleppen sie den hilflosen Vogel wieder schwitzend zur Höhe. Unten auf einer Senke übt einer dieser blutjungen Leute seine Zwanzigmetersprünge. Im vorigen Herbst ist er schwer gestürzt und wird jetzt wieder allmählich an das Fliegen gewöhnt. Sie können es alle noch nicht, überziehen beim Start, kommen erst spät in Fahrt und hoppeln unten böse über das Gras: Ein lblasses Jüngelchen saust, von der Gummistrippe hochgeschnellt, in die Luft, steigt, steht im Wind — der weiße Vogel neigt sich schwer und schwankend nach links, beschreibt aus fünfzig Meter Höhe eine riesige, steile Rechtskurve schräg zu Boden und zerschmettert krachend in der Wiese. Es sieht übel aus. Aber gänzlich uverletzt befreit sich der kleine Pilot aus den Trümmern Diese herrlichen Jungens leben viele Monate da oben im Sturm und in der Sonne, nah Himmel— treiben Praxis bei Sonne und Wind Theorie bei Regen, Nebel und Sturm. So ein großer Kinderdrache kostet nicht viel, zumal man ihn selbst tischlert. Hier wird Auslese getrieben: wer drei oder vier dieser einfachsten Segler zertrümmert hat, taugt nicht zum Flieger, sucht sich einen anderen Beruf und hat nicht viel Schaden angerichtet. Und sie lernen das Fliegen! Ueber die Tiefe nordwärts der Wasserkuppe werden nur die wirklich großen Könner hinausgelassen. Auf dem flachen Hang übt ein werdender Meister in einem hochwertigen, wunderbaren Segler. Ein richtiges Flugzeug, nagelneu, sauber mit Holz belegt— nur Motor und Fahrgestell fehlen. Es wirft sich im Windstoß beängstigend steil in die Luft, saust in schräger Kurve nieder, wird abgefangen und gleitet in rascher Fahrt hang ab, wiegt sich weit hinaus immer wieder vom Boden auf und setzt sich endlich weich ine Gras. Der Flieger ein kaum zwanzigjähriger, vebrillter Mensch: blonder Schopf, harter verschlossener Blick. Rasse. Keiner ist„elegant“ (dies Wort wirkt hier blaß und städtisch)— alle schlicht, straff, unermüdlich. Schön ist es in der Rhön, wenn„nichts los“ ist. Die Gasthäuser in Gersfeld und Bischofsheim sind leer und billig. Die Landschaft, einsam und herbe, leuchtet in ihren tausend wechselnden Bildern und wartet auf ein Auge, das sie schaut. den ganzen Tag. Die meisten sind moderne Island Von Ilse Tromm=Göteborg. Die eigenartige Landschaft der Insel, ihre unendliche Stille und Einsamkeit im nördlichen Eismeer, ihre seltsam zerklüfteten Klippenformationen, die sie von drei Seiten umschließen, die zahllosen Fjorde, die weit ins Land hinein ragen, und die flache Südküste, gegen die des Meeres Wogen unablässig anrollen, machen Island zu einem anziehenden Reiseziel, das reichlich die Beschwerden einer langen Seereise belohnt. Der Golfstrom gewährt der Insel ein verhältnismäßig mildes Klima. Reykjavik verzeichnet durchschnittlich 4,2 Grad Wärme. In grauen Vorzeiten war vermutlich der größte Teil Islands wie auch der nahen Färöer, mit reichen Baumbeständen bewachsen. Heute sind nur noch wenige davon erhalten, die gleichfalls abzusterben drohen. Man hat das Land so weit möglich urbar gemacht und dadurch dem Beeh Futterplätze geschaffen. Die Schafzucht biüht im großen Umfange, jedoch ist auch einiges Hornvier vorhanden, neben einer ganz geringen Anzahl von Pferden. Aubodeu#end##