bald ein kühler Wind an den Stoppeln zerren und in den umgeworfenen Ackerfurchen fauchen. werden noch einige Kinderdrachen— von übermütigen Rufen und Händeklatschen ermuntert— wie ein letzter Abschied sich unter dem Himmel hin und her wiegen...“ Und trotzig wird man auch darüber, daß man in der Stadt trotz der Parks und der duftenden Blumenbeete den Sommer eigentlich ganz vergessen hatte. Immer weiter ostwärts jagt der Zug. Es ist, als würfe der Luftdruck durch die geöffneten Fenster den Duft von springend.. Bäche: und satter Erde zwischen die müden Menschen. Dann einen längeren Aufenthalt: eiliges Drängen um die Erfrischungsbude, aufmunterndes Gebärden um die Verkäuferin, dazwischen ein pointeloser sächsischer Witz, der sich hier etwas verloren vorkommt. Maschinenwechsel, Ablösung des Personals. Während sich die Lokomotive schnaufend aus dem Schienengewirr einen Weg ins Freie sucht, tasten sich fremde Uniformen an den Abteilen vorbei, fremde Uniformen, zu denen die Sprache, die sie aus alter Gewohnheit sprechen, im Gegensatz steht. Etwas abseits vom Bahndamm schläft ein Grenzposten im Wald, sein Gewehr spickt wie ein verwitterter Pfahl in die Luft. Die Schranken an den Bahnübergängen haben eine andere Farbe und die Wärter, die den Zug vorüberlassen, haben andere Gesichter. Die Menschen in den Abteilen befällt eine müde Resignation, denn nun wird die Fahrt endlos und die Stunden schleppen sich nur mühsam hinter dem Zuge her. Trotzdem das Reisen Vielen eine Freude bedeutet, oder verspricht, kommt keine Freudigkeit auf, weil das Land draußen leblos und traurig aussieht, fast ausgestorben in sonntäglicher Ruhe. Trotzdem uns auf den kleinen nur dumpf und drohend vor sich hin und— warten. Und weiter wandert der Schritt der Stunden — und nimmt die Sonne mit sich auf seinem Wege, dem Westen zu. Sie eilt sich nicht— sie zögert und zaudert— müde ist sie geworden und nicht mehr so wanderfrisch, wie im Frühling. denn weit ist nun ihr Tagweg und hoch muß sie jetzt kliminen bis zum Zenith. So folgt sie denn nur widerstrebend dem ewig gleichen Taktschritt der Zeit und macht nur ungern dem leisen Lüftchen Platz, das der Abendwind vorausschickt, seinen Weg zu erkurden.. und den der murrenden, ungeduldigen Wolken dort, welche er jetzt bei der Hand nimmt, sie zu leiten über die harrende und— bangende Erde hin. Tief und dröhnend kommen sie dahergewalzt und leuchten in eigen rotem Schein, wie eine Warnung: seht euch vor! Segen bergen wir schwer und voll... aber das jache Feuer steht um ihn her und schon zu lange mußten wir warten und zögern. Bahnhöfen manch helles Mädchenlachen entgegenspringt, will man nicht recht an eine Freude glauben. Denn in vielen Augen, die den wartenden Zug anstarren, regt sich eine Frage, vielleicht auch Heimweh, während säbelrasselnde Wachtmeister und Offiziere in auffallenden Uniformen mit den Sporen auf den Pflastersteinen klirren, während ein Militärzug mit schmutzigen, unlustigen Manöversoldaten auf einem Nebengleise wartet. Ueber den traurigen Menschen aber, die sich an verwitterte Zäune drängen, weht eine fremde Fahne und draußen vor dem Bahnhofe steht eine kunstvolle Ehrenpforte, deren Laub in der Sonne längst vertrocknet ist. Man erwartet Besuch, hohen Besuch aus Warschau, und außerdem ist es der 1. August... aber die Fahnen wollen nicht zu den Augen der Umherstehenden passen. Ueberall ist das gleiche Bild. Die Häuser scheinen gedrückter unter den Bäumen und die Felder eintöniger, verwitterter, als wäre keine Liebe darüber. Nach langen Stunden, langem Warten vor den Einfahrtssignalen saust der Zug wieder an einem deutschen Streckenwärter vorbei. Ein Ruck geht durch die Menschen in dem Abteil. Sie wischen sich die Müdigkeit aus den Augen. Nur ein älterer Herr murmelt etwas Beifälliges vor sich hin, macht es sich in seiner Ecke bequem und versucht, nun seelenruhig einzunichen. Der Zug fährt in den Abend hinein. Die Sonne brennt rot hinter den Wäldern, die die Nacht erwarten. Trotz eines dreisprachigen Verbotes lehne ich mich weit hinaus: Es riecht nach dunkler, nebelfeuchter Erde, und fern am Horizont springen aus den schwarzen Wolken die ersten Blitze eines erlösenden Gewitters. —□— Hochsommer Aus dem Kreislauf der Zeit ist das große Schweigen aufgestanden und geht über Flur und Felder hin. Auf den weißen, menschenleeren Landstraßen steht es still, und in den schweigend zu Mittag aufragenden Wäldern sitzt es und sinnt hinüber zu den Städten und Dörfern rings auf deren rote Dächer scheitelrecht die Sonne niederglutet. Wie ausgestorben ist alles in der Runde: die Läden der Dorshäuser schließen sich sachte, wie müde zufallende Augen; die kurzen Schatten kriechen— wie schutzfuchend— an Baum und Strauch und Häuserwand heran; jeder Vogellaut in Wald und Feld verstummt; selbst das körnerschwer reifende Getreide, das gelb auf den Feldern sich neigt, raschelt nur sacht=sachte halb schlafend, über den welk geschlossenen Blumenkelchen. Stille und reglos stehen auch— dort tief unten am Horizont— die lastenden, fahlrotgrauen Wolkenballen und harren des Windes, welcher sie hintragen soll der durstenden Flur, sie und den kühlen Regen und die fahlroten Wolken können nicht von der Stelle, grollen Das hören die Städte rings und die Dörfer. Und die Laden der verschlossenen Fenster öffnen sich sachte und spähen geduckt aus Langenden Fensteraugen hinauf zum drohenden Grollen. spähen und— warten. Und die verschlossenen Türen öffnen sich den Menschen, daß die hinaustreten möchten in das erwachende Regen und Weben, welches jetzt um den Schritt der Stunden geht: tief neigt sich das schnittreife Korn unter der Last der Saat, die aus ihm erwuchs, und zischelt und flüstert und will nicht stille werden,„der Wind ist aufgestanden vor dem Wetter her!“ und die Büsche umher geben das Wort weiter.. und die Aeste und Zweige der bisher so reglosen Bäume und ihre ragenden Wipfel peitschen jach auf, wie befreit den ersten grellen Blitz zu grüßen, welcher plötzlich— ein weithin flackerndes Feuerzeichen— über sie hinzuckt und im düstern Herandrohen der dunklen Wolkenmassen erlischt. Hört ihr's! Hört ihr's!... wie jetzt die Stimmen der Donner wach werden und rufen: allenthalben... ohne Unterlaß. Die Blitze rufen sie, daß sie hineinreißen, hineinschmettern in des toten Schweigens Last und dessen Druck hinwegsegen mögen... Die befreienden Blitze rufen sie! Hört ihr es....! Hört ihr es wohl! Und hört ihr auch die steten, segnenden Regentropfen? Da bald, bald dort klingen sie auf, werden mehr, werden ein gewaltig Rauschen vom Himmel und füllen das verdurstende Land rings mit Segen, neuem Segen, neuer Kraft! Fürchte sie nicht, die Blitze! Seid nicht bange vor den dröhnenden Lasten der Donner! Hört, hört doch, wie der Regen rauscht und den tötenden, lastenden grauen Staub hinwegwäscht von Blatt und Halm und reifender Saat! Wetter ziehen vorüber; und wenn die Donner vergrollt, steigt ein neuer Tag empor voll frischen, starken Windes und klingender Sensen, die reife Ernte zu bergen. Hochsommer ist es; Erntezeit, Reifezeit; Zeit der bunten Kränze über sorglich geborgenen Garben; Hochsommer, der die schwere, sorgenvolle Arbeit vieler grauer, besorgter Arbeitstage segnet. —72— Sonderbare Bäume Von Albert Schweitzer. Wer jemals erzählen hörte, daß es im tropischen Westafrika den Leberwurstbaum(Kigelia africana) u. den Brotfruchtbaum(Artocarpus incisa) gibt, daß in Australien der Sauregurkenbaum(Adansonia gregorii) u. in Guinea der Butterbaum(Pentadesma butyraceum) wächst, der hält diesen Bericht entweder mit Unrecht für ein Märchen, oder aber er beschäftigt sich insgeheim mit dem Gedanken, nach diesen paradiesischen Gefilden auszuwandern, um zeit seines Lebens von den von der Natur so freigiebig gespendeten Brotfrüchten mit Butter, Leberwurst und sauren Gurken kostenlos zu leben. Die Brotfrüchte sind durchschnittlich kopfgroß und werden noch vor der Reife abgenommen, dann geschält und von den Eingeborenen in Blätter gewickelt und zwischen heißen Steinen gebacken. Diese Früchte, die, unreif mit Kokosmilch versetzt einen nicht üblen Brei abgeben und in Scheiben geschnitten, in Butter geröstet, wohlschmeckend sind, würden sicherlich bescheidenen Ansprüchen auf eine längere Dauer genügen. Der Leberwurstbaum trägt in langen Trauben stehende, hellrötliche Blüten, aus denen sich die säuerlichen, schwach nach gehacktem Fleisch schmeckenden Früchte bilden, die bisweilen an einem mehr als zwei Meter langen Stiel hängen und in der Tat im Aussehen frischen Leberwürsten ähneln. Der Gurkenbaum trägt lange, gurkenähnliche und gleichfalls langgestielte Früchte von stark, aber angenehm säuerlichem Geschmack, der dem Gurkengeschmack ähnlich ist und zu der Bildung des Namen Anlaß gegeben hat. Der Butterbaum, der besonders in der Gegend von Sierra Leone angebaut wird, liefert eine eßbare Butter, die sich im Geruch, Geschmack und allen anderen Eigenschaften von der Naturbutter kaum unterscheidet. Diese Butter wird aus der Frucht des Baumes gewonnen, einer Art Nuß, die ein weiches Fleisch enthält, von einer in der Zeit der Reife leicht zu entfernenden Haut umhüllt. Die daraus gewonnene Butter wird meist von Schokolodenjabriken verwandt und neuerdings in den Vereinigten Staaten anstelle der Margarine in den Handel gebracht, die sie im Geschmack bei weitem übertrifft. Der Butterbaum gelangt im Alter von 25 Jahren zur höchsten Ertragsreife. Ein besonders eigenartiges Gewächs ist der Tränenbaum(Caesalpina pluviosa), der hauptsächlich auf den Kanarischen Inseln vorkommt und zur Familie der Lorbeeren gehört. Aus seinem Laube tropft es unaufhörlich, so daß man in der Lage ist, unter ihm ein Regenbad zu nehmen. Diese Erscheinung erklärt sich de durch, daß die Wurzeln mehr Wasser aufnehmen, als der Vaum verbraucht. Dus flüssige Wasser wird durch die Poren der Blätter ausgeschieden und fällt als Regen nieder. Ein Gegenstück dazu ist die sogenannte Lachpflanze, die in Südarabien als kräftig wachsender Strauch gedeiht. Der Strauch entwickelt leuchtend gelbe Blumen, aus denen später weichbehaarte Beeren entstehen. Diese Beeren enthalten zwei bis drei schwarze, übelriechende Körner von der Größe einer Erbse. Diese Körner schmecken etwas süßlich und dürfen nur mit Vorsicht genossen werden. Sie bringen beim Menschen eine Wirkung hervor, die man als Lachkrampf bezeichnen könnte. Der Betreffende muß nach dem Genuß dieser Körner stets lachen, er springt und tanzt umher, bis er nach einer halben Stunde müde und schlaff wird. Ein weiterer sonderbarer Baum ist der Zwirn= und Nadelbaum(Tentjana mucadia), eine kaktusähnliche Pflanze, die in Mexiko massenhaft vorkommt. An den Rändern der fleischigen Blätter befinden sich lange, spitze Dornen. Zieht man einen davon vorsichtig heraus, so zieht man gleichzeitig einen langen Faden mit hervor, der, wenn er während des Ziehens gedreht wird, eine Festigkeit von fünffachem, gedrehtem Zwirn besitzt. Die Natur, die große Lehrmeisterin des Lebens, hat also hier bereits ein Vorbild unserer Nähnade geschaffen. —sAus dem Sougth=Kensington=Museum. Ganz neuartige Wege hat man im Sougth= Kensington=Museum, dem großen naturgeschichtlichen Museum Londons, beschritten, um die ausgestellten Tiere in einer möglichst naturgetreuen Umgebung zu zeigen. Man hat zunächst einen Versuch mit drei Elefanten gemacht; wenn dieser Versuch glückt, sollen auch andere große Tiere wie Löwen, Tiger usw. auf gleiche Weise gezeigt werden. Der Besucher, der beim Eintritt in die große Halle plötzlich die drei Dickhäuter zu Gesicht bekommt, meint im ersten Augenblick, in einen wirklichen Dschungel geraten zu sein, in dem die Tiere sich in Freiheit bewegen: so naturgetreu ist die Wirkung der neuen Anordnung. Die Elefanten sind in einer Umgebung aufgestellt, die genau einen Teil des Knysna=Waldes in Südafrika widergibt; die Echtheit geht sogar so weit, daß die benutzten Pflanzen von Ort und Stelle bezogen wurden. Man sieht da echte Bambus und Eisenholzbäume, während Baumfarne, gewöhnliche Farne und Lianen getrocknet wurden und dann mit Hilfe von ein wenig Farbe ihr natürliches Aussehen wieder erhielten. Selbst Schmetterlinge kann man unter den gewaltigen Leibern der Dickhäuter im Sonnenschein(der von künstlichem Licht geliefert wird) sich schaukeln sehen.„Schade nur“, meinte Mr. Dollmann, der Leiter der zoologischen Abteilung, dem diese neue Einrichtung zu verdanken ist,„daß die Schmetterlinge sich auch in der Sonne schauteln, wenn.... der Mond schon aufgegangen ist. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. und Verlag: P. S# Fs E. SERuES SOSETASS ESSg. 5##nn S SaßS. SS- AGE STSSSS F SSESESESRRARG:SS SASSESS S 8 8 *„— SS F 89ES. S-JESSSEES“8. ##FT° SSgSgerg Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 32 Mittwoch, 10. August K 1927 1½ Tage im Herzen des Sauerlandes Wir lösen eine Sonntagskarte bis Altenhundem, fahren am Samstag mittag jedoch nur bis Plettenberg. Erscheint auch der Anstieg zur Saley zunächst beschwerlich, so verlohnt er doch die Nühe. Weit, weit ist der Rundblick sowohl von diesem Gipfel als vom 584 m hohen Heiligen Stuhl. Besonders lieblich liegt die gewerbereiche Stadt Plettenberg im Oestertal zwischen grünbewaldeten Höhen eingeschlossen. Vom Bahnhof Plettenberg aus haben wir anfangs 1¼ Stunde die Hauptwanderstrecke 18 des Sauerländischen Gebirgsvereins benutzt, stoßen dann am Gehöft Bracht auf Hauptwanderstrecke 5, der wir gut 1¼ Stunde lang bis kurz hinter dem Gehöft Auf dem Berge folgen, um endlich auf Hauptwanderstrecke 24 nach weiteren 2 Stunden Attendorn als Endziel des 1. Tages zu gewinnen. Der erste Teil der Wanderung gilt als eine der allerschönsten im ganzen Sauerlande. Die Ausblicke ins Lennetal und vielfach auf der anderen Seite ins Oestertal sind unvergleichlich schön. Wer dabei die auf schmalem Bergkegel mitten im dichtbelaubten Walde gelegene Ruine Schwarzen= berg besuchen will, an die sich auch manche geschichtlichen Erinnerungen knüpfen, kann dies mit einem Umweg von ½ Stunde leicht tun. Er hat nur die Wanderstrecke 18 nach ihrer Trennung von Nr. 5 noch 10 Minuten anzuhalten und auf demselben Wege wieder zurückzukehren. Nachdem wir in Attendorn zu Nacht geblieben sind, gilt unser erster Besuch am frühen Morgen der großen und sehenswerten Attahöhle. Auch wer diese größte Tropfsteinhöhle des Sauerlandes schon kennt, wird sie immer wieder gern aufsuchen. Dann aber lockt uns der Sonnenschein aus den Zaubern der Unterwelt wieder hervor. Hauptwanderstrecke 24 führt uns sicher u. auf stillen Waldpfaden über Oberveischede in 3 Stunden zur Försterei Einsiedelei. Das einzelne Gehöft inmitten dichtesten Hochwaldes führt diesen schönen Namen mit Recht. Für den Sonntag ist der Weg hierher die richtige Morgenwanderung im weiten Waldesdom. Von Einsiedelei bringt uns die Hauptwanderstrecke 5 in 1½ stündigem Marsche nach dem freundlichen Dörflein Bilstein im Veischedetal, überragt von der alten Veste. In knapp weiteren 1½ Stunden auf der Hauptwanderstrecke 6 über den Rüberg und den aussichtsreichen Biertappen finden wir einen waldreichen Heimweg nach Altenhundem, dem Ziel des 2. Tages. Von Altenhundem treten wir die Rückfahrt auf der Lennetalbahn durch zahlreiche Tunnels und dem arg gewundenen Lauf der Lenne abwärts folgend an. An Karten kommen in Frage: Blatt Attendorn und Blatt Schmallenberg der Sauerlandkarte 1.250.000 vom Sauerland=Verlag, IserLoh. ereVon Kapitänlentnant a. D. Breithaupt. Wer die westlichen Randgebiete des stillen Ozeaus kennt, mit ihren fast ununterbrochenen vulkanischen Bergketten, von Japan im Norden, über die Philippinen und holländisch Indien bis nach Neuguinea im Süden, dem sind die Nachrichten von den Erdbeben in Japan u. China und den Sturmverheerungen im mittNeuguinea selbst und ein großer Teil des ehemals deutschen Bismarck=Archipels sind vulkanischen Ursprungs. Tektonische Beben gehören dort zu den alltäglichen Erscheinungen; man verlernt es nach kurzem Aufenthalt, darüber erstaunt zu sein, daß beim Nachmittagstee plötzlich aus rätselhaften Gründen die Tassen klirren oder die Bilder an den Wänden zu tanzen beginnen; man verfolgt mit ehrfurchtsvollem Staunen das dumpfe Grollen, eine musikalische, unheimliche Begleiterscheinung unterirdischen Spannungsausgleichs. Im Sommer 1912 war der Zweispitzberg „Pango=Pango“.(der Name verdankt seine Entstehung vielleicht einer sehr merkwürdigen Ursache: Wir versuchten, uns den Eingeborenen verständlich zu machen durch Handbewegungen und Fingerzeige. Als wir auf den Vulkan hinwiesen, in der Hoffnung, den Namen zu erfahren, riefen die Schwarzen„PangoPango“. Später erfuhren wir, daß diese Worte etwa dasselbe bedeuten wie das hilflose, erstaunte„Da=Da“ kleiner Kinder) in ununterbrochener Tätigkeit. Seine Gipfelhöhe über dem Meeresspiegel beträgt etwa 1800 Meter. Rauch und Asche wurden in Zwischenräumen von etwa vier Minuten bis zu 3500 Meter Höhe in Bruchteilen von Sekunden emporgeschleudert, in dichtem Regen fiel die Asche bis zu 20 Kilometer weit herab, alles vegetative Leben mitleidlos vernichtend. Daß der Vulkan Lava nicht auswarf, dari wohl als ein Zeichen dafür gedeutet werden, daß der Eruptionsherd sehr tief im Erdinnern zu suchen ist. Im Umkreis von etwa 50 Kilometern war kein Lebewesen anzutreffen. Die sonst so lebhafte Vogelwelt war völlig ausgestorben, verfallene Dörfer ließen nur zu deutlich darauf schließen, daß die Bewohner fluchtartig abgewandert waren. Etwa hundert Kilometer weiter nördlich dieser Stätte des Todes, auf der WillaumezHalbinsel in Neupommern, fanden wir ein weites Geyserfeld in lebhafter Tätigkeit. Nur mit Mühe gelangt man von der Küste der GaruaBucht dorthin, über ein weites Sinterfeld mit völlig abgestorbener Vegetataion. Zwei Kessel sprudeln in regelmäßigen Intervallen kochendes Wasser bis zu 20 Meter Höhe empor, eine Minute währt das gewaltige Schauspiel, dann sinkt die Wassersäule in sich zusammen, und man blickt mit Schaudern in den Trichter hinein, in dessen Innerem kochende, dampfende Wassermassen in wirbelnder Bewegung sind; vier Minuten währt die Pause, dann wiederholt sich das gleiche Schauspiel. Die Flußläufe sind bei der besonderen geologischen Formation Neupommerns— hohe Bergzüge in der Längsrichtung der langgestreckten Insel in kurzer Entfernung von der Küste— nur von geringer Länge und weisen starkes Gefälle auf. Mehrere hundert Meter breit an der Mündung verengen sie sich stromaufwärts, um dann durch das dichte Mangrowengestrüpp des Ufergeländes vollkommen unpassierbar zu werden. Einer dieser Flußläuse war einige Kilometer weit aufwärts im Boot passierbar; dann standen wir vor einer 200 Meter hohen Felswand und steuerten in eine durch blühendes Gestrüpp fast verdeckte Grotte hinein. Hier war der sichtbare Anfang des Flußlaufs; mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß er weiter im Innern der Insel entspringt, unterirdisch unter einer Bergkette hindurchfließt und seinen oberirdischen Lauf wieder an der Felsgrotte beginnt. Charakteristisch für die Küstenvegetationen ist die Mangrowe und die Palme. Letztere gedeihen nur im Bereich des salzhaltigen Seewindes, unter dessen Einwirkung sich ihre gewaltige Blätterkrone majestätisch wiegt. Ihre Kokosnüsse— Fleisch und Milch— bilden die Hauptnahrung der Eingeborenen. Die gewaltigen vulkanischen Erscheinungen haben die Oberfläche der Inseln von Zeit zu Zeit stark verändert und dadurch im Laufe der Jahrtausende den Bewohnern ihren Stempel aufgedrückt. Nur dadurch werden die verschiedenen, deutlich erkennbaren Trennungslinien unter der Bevölkerung erklärlich hinsichtlich Stammeszugehörigkeit, Sprache und Sitte. Nach Arbeit drängt sich in dem ewig sonnigen Klima und bei der Ueppigkeit der Vegetation niemand, am wenigsten der männliche Melanesier. Seine Haupttätigkeit ist der Fischfang. Bei der Bedienung seiner leicht gebauten Kanoes mit seitlichen Auslegern zeigt er sich in hohem Maß gewandt; auch als Bootsbauer kann man dem Eingeborenen eine gewisse Geschicklichkeit bei aller Unvollkommenheit seiner Heimindustrie nicht absprechen. Aus einem ausgehöhlten Baumstamm fertigt er mit einfachsten Instrumenten, die man vielleicht in das Zeitalter unserer nördlichen Steinzeit verweisen kann sein Kanoe und gibt ihm durch kunstvolle Schnitzereien und grelle Bemalungen ein gefälliges, häufig auch unheimliches Aussehen. Die Furcht vor den Naturgewalten ist ein charakteristisches Merkmal aller Lebensäußerungen des Inselbewohners. Das Tanzfest, eine symbolische Handlung zur Beschwörung der Geister, spielt besonders zur Zeit des Vollmondes eine große Rolle. Kunstvolle, riesige Tanzmasken, aus Holz und Bambusgeflecht gefertigt, trägt der Duck=Duck=Tänzer auf dem Kopf und sucht durch wilde Bewegungen und rhythmische Verrenkungen unter den Klängen ohrenbetäubender, monotoner Geräusche, Musik genannt, die Geister zu versöhnen. Von tiefschwarzer, glänzender Hautfarbe ist der Melanesier, die stattlichsten Erscheinungen von fast edlem Körperwuchs findet man auf den Salomon=Inseln. Ganz anders der Samoaner, hellgelbe Hautfarbe und ein dem Europäer ähnlicher Gesichtsausdruck unterscheiden ihn von den dunkelfarbigen Rassen der Urbevölkerung. Unter den Samoanerinnen findet man auch nach unserem Begriff auffallend schöne, anmutige Gestalten. Auch auf den Europäer wirkt die Südseesonne in besonderer Weise ein; wer es dort zu etwas bringen will, muß in der Lage sein, dem erschlaffenden Klima gegenüber seinen Willen durchzusetzen. Die Beaussichtigung seiner von Natur faulen schwarzen Arbeiter gibt dem Europäer genug Gelegenheit zu produktiver Betätigung. Es kann nicht Wunder nehmen, daß auch Sonderlinge unter der Südseesonne gedeihen; wie liebevoll hat sie doch Stephan von Kotze in seinem ewig schönen Buch„Aus Papuas Kulturmorgen“ gezeichnet. Herr Engelhardt, Chemiker von Beruf, fühlt plötzlich den Drang in sich, der Menschheit neue Heilwege zu zeigen. Er wandert aus und kauft sich im Bismarckarchipel eine Insel. Hier lebt er zunächst einsam; in lang wallendem Haar nur mit einem seidenen Lendentuch bekleidet, gibt er sich ganz den segnenden Wirkungen der Südseesonne hin. Engelhardt ist ein edler Mensch mit feiner Bildung und großem Wissen; das hindert ihn aber nicht, eine Zeitschrift herauszugeben und in Nürnberg drucken zu lassen, in der er seine Mitmenschen auffordert, nach dem Aequatorgürtel auszuwandern und nur von Sonne und Kokosnüssen zu leben. „Denn alle andere Nahrung, besonders die animalische, erzeugt Laster und führt von dem geraden Heilwege ab"; das Leben in den außertropischen Breiten sei naturwidrig und zwinge zu unnötigen, beschwerlichen schön der Vortrag ele=fnuten eilte ich an der Spitze der kleinen Schar Spenen. Rheforisch schön ist der ses, von der Wahrheit in seiner Lehre inairlich fest überzeugten Menschen, logisch in leine:: Teilen, aber sonniger Südseewahn in seiner Konsequenz. Wir Deutschen hätten es eigentlich nicht nötig, in der Südsee nach solchen Typen zu suchen; ist doch unsere gemäßigte Zone zu überreich, daß sie bei uns weniger— uneigennützig sind als dort unter den Strahlen der für alles Schöne empfänglich machenden, veredelnden Südseesonne. Die„Eisenmänn.“ Ein Erlebnis aus Westafrika. Von Dr. Herbert V. Patera= Wien. Eintönig floß die Zeit dahin; seit ich für den an Schwarzwasserfieber erkrankten Mac Gregor den kleinen Innenposten Longoni übernommen hatte, war ich von der Außenwelt abgeschnitten. Zweimal im Monat kam der kleine alte Flußdampfer den großen Strom aufwärts und brachte die Post sowie die Neuigkeiten von der Küste. Die Gegend war ruhig. Jetzt, vor der langen Regenzeit, waren auch all die kleinen Stammesfehden eingeschlafen. Drückend heiß brannte die Sonne auf unsere kleine Boma herab, die Wellblechdächer schienen zu glühen; stumpfsinnig hockten die Askaris vor ihren Hütten, selbst ihr sonst so lebhaftes Schwatzen war verstummt. Die Hitze rieb den Körper auf. Der Geist wurde träge und unfähig, auch nur einen Gedanken zu fassen. Kein Windhauch regte sich. Auch im nahen Wald war jede Lebensregung verstummt. Kein Affenschrei, kein Vogelruf unterbrach die lastende Stille. Bleigrau spannte sich der Himmel über die dampfende Landschaft. Das Blut schien in den Adern zu kochen, und bei der geringsten Bewegung brach der Schweiß aus den Poren. Die Luft flimmerte vor Hitze. Der alte Feldwebe! Ihn Mehmed, ein narbenbedeckter Sudanese, kam langsam über den kleinen Innenhof geschlendert. Das faltige Besicht des Söldlings war verfallen, seine Stimme klang tonlos heiser:„Bwana, heute ist ein Tag, an dem die„Eisenmänner" umgehen. Allah beschütze uns! Heute droht Unheil!“ Schon oft hatte ich von diesen todbringenden Gespenstern gehört. Der Volksmund nannte sie„Eisenmänner“ weil sie angeblich in blankes Eisen gekleidet waren. Natürlich hielt ich diese Erzählungen für eine Erfindung des Negeraberglaubens. Nun kam auch der alte Tschauch mit dieser Legende.„Hör auf, Mehmed, das ist doch alles Unsinn! Wie kann ein so tapferer Krieger wie Du diese Ammenmärchen glauben?" Der Alte schüttelte den Kopf:„Bwana, ich sah zweimal die„Eisenmänner". Beidemal brachten sie Unglück. Beim ersten wurde mein Weib von den Bestien des Flusses gepackt, beim zweiten fiel mein Sohn Ali unter den Kugeln der Sklavenhalter. Hüten wir uns vor dem dritten Mal!“ Schweigend stapfte er weiter durch den hohen Sand. den Mannschaftsbaracken zu. Mit einem Schlage wurde es dunkel. Im Westen schoben sich schwere schwarze Wolken über den Horizont; ab und zu flammte ein Wetterleuchten auf. Die Luft war mit Elektrizität geladen, auf der Fahnenstange tanzten Elmsseuer, von den Soldaten erschreckt beobachtet. Ein dumpfer Donner grollte, aber kein Tropfen fiel. Abgespannt und müde warf ich mich auf meine Lagerstatt. Aber der Schlaf floh die bleischweren Lider, es war zu heiß. Nur bunte Gaukelbilder tanzten vor der erregten Phantasie. Drüben in der deutschen Heimat erschien jetzt der deutsche Frühling mit seinen zarten Blüten und Sprossen, dort färbten sich die Matten hellgrün, und die ersten Schneedlumen hoben ihre weißen Glocken. Hier brach die lange Regenzeit herein. Ein brauner Nädchenkopf zwängte sich in den Gedankenkreis, zwei große, strahlende Augen lachten mich an, Annemarie! Wohin bist du entschwunden, Du Bild aus längst vergangenen Tagen der Jugend? Versunken und vergessen! Mit einem Aufschrei fuhr ich aus dem Halbschlaf empor. Fäuste donnerten an meine Zimmertür. Sofort war ich auf.„Was gibt es?“ Ein Askari stand stramm:„Massa, Boten von Dorf, die Wasangas haben die Bewohner überfallen und morden und plündern!" Eine Wegstunde von der Boma entfernt lag nämlich eine kleine Akasava=Ansiedlung, deren friedliche Bewohner sich von Ackerbau und Viehzucht kümmerlich ernährten. Sofort arbeitete das Gehirn.„Zwanzig Mann mit Mehmed und mir, Alarm! Die anderen besetzen die Wälle, strengste Bereitschaft!“ Gellend tönte Trompete durch die Nachzr. Nach fünt durch die Stacheldrahtumzaunung des Walles. Der angstschlotternde Akasava, der uns die Nachricht überbracht hatte, diente als Führer. Noch immer war die Nacht unheimlich ruhig. Lao Wetterleuchten hatte sich verstärkt. Nur ab und zu huschte der bleiche Mondschein zwischen den schweren Wetterwolken durch. Stumm ging es den Buschpfad entlang. Zuweilen nur klirrte ein Bajonett oder brach ein Ast unter den eiligen Tritten meiner Askaris. Da zuckte ein greller Blitz. Jäh riß mich er alte Mehmed zurück:„Die Eisenmänner!“ m fahlen Mondlicht sah ich deutlich zwei Gestalten quer über den Pfad schreiten. Sie waren in dunkle Mäntel gehüllt, Helme blinkten in der Hand blitzte das breite Kurzschwert, am linken Arm leuchteten die metallischen Schilde. Unter dem Mantel sahen Brustpanzer und Lederzeug hervor. Himmel, welcher Spuk narrte mich? War ich bei Sinnen? Diese schwarzen Rabenfedern am nickenden Helmbusch, diese gebuckelten Schilde! Das waren — Römer! Wieder fuhr ein Blitzstrahl durch den Wald. Geblendet schloß ich die Augen. Als ich aufsah, war der Spuk verschwunden. Mehmed war neben mir, seine Stimme zitterte vor Erregung:„Sahst du die Eisenmänner, Bwana? Allah sei mit uns!“ Mir blieb keine Zeit zum Nachdenken, denn mit gellendem Aufschrei brach ein Askari zusammen, einen Pfeil in der Kehle. Ich hörte Mehmed noch rufen:„Der erste!" Dann raste ich mit meinen Leuten auf das brennende Dorf zu. Schüsse knallten, Schreie tönten„schwarze Leiber huschten um die flammenden Hütten. Der Kampf tobte. Zwanzig Minuten später lag ich mit zerfleischtem Schenkel neben einer verbrannten Akasavahütte. Tschauch Mehmed hatte einen breiten Wasangaspeer in der Brust. Drei meiner Askari waren getötet, mehrere verletzt. Die Feinde flüchteten in die Nacht hinaus. Ich ließ mich zu meinem alten Feldwebel tragen, der todwund unter einer Platane lag. Sofort sah ich, daß hier alle menschliche Hilfe zu spät kam. Geisterfahl war sein Antlitz, blutiger Schaum stand auf den Lippen, schweratmend lag er da. Er erkannte mich. Ich beugte mich über den Sterbenden. „Bwana, der Todesengel steht neben mir! Die Eisenmänner sah ich zum drittenmal. Allah Akbar, Mohammed rasul Allah!“. Er packte krampfhaft meine Hand:„Bwana, die Eisenmänner hassen mich, denn ich habe ihnen vor Jahren ihren Fetisch geraubt, in meiner Hütte findest du den verfluchten Stein, ich.“ Ein Stöhnen unterbrach ihn, seine Augäpfel traten aus den Höhlen, Todeskrampf schüttelte die Glieder. Dann wurden Jugenderinnerungen in dem sterbenden Sudanveteranen wach. der schon gegen den Mahdi gekämpft hatte. Rauh kam es von den bebenden Lippen, das alte Kampflied seines Stammes:„Auf, zu den Wafsen, Brüder, die grüne Fahne des Propheten weht!“ Schauerlich klang die hohle Stimme. hoch richtete sich die hagere Gestalt auf:„Allah Akbar, Gott ist groß!“ Wie ein gefällter Paum fiel er zusammen, Tschauch Mehmed war lot. Ich wurde vom Wundfieber geschüttelt. Die Askaris brachten mich zu unserer Boma. Zwei Tage lang lag ich bewußtlos, dann kam ich wieder zu mir. Und mein erster Gedanke war der „Stein der Eisenmänner!" Ich sandte zwei Askaris in die Hütte des alten Mehmed, um den Stein herbeizuschaffen. Eine viereckige Platte schleppten sie vor mein Schmerzenslager. Moos bedeckte den Stein, der Schmutz von Jahrzehnten bildete eine dicke Schicht. Ich ließ den Klotz reinigen, und nach längeren Bemühungen entdeckte ich Schriftzeichen und Buchstaben darauf Mir schwindelte. Mit bebenden Händen faßte ich nach Papier und Stift und reihte Zeichen an Zeichen. Bald lag das Ergebnis vor mir. Die Gegenwart versank, neunzehnhundert Jahre wurden hinweggeweht vor der Nachricht, die in Vulgärlatein mit entgegenvlinkte:„Im Namen des Mithras. Wir, Marcus Aemilianus Scaurus, Centurio der vierten Cohorte in der 5. Vindelizischen Legion, und Lucius Licinius Caepula, Tribunus Militum von Castra Caesarea ad pontes, kamen, durch widrige Winde verschlagen, an diese ungastlichen Gestade. Ein Schiffbruch raubte uns die Gefährten. Allein blieben wir zurück. Fern von aller Kultur bringen wir unser Leben hin, die Barbaren in der Waffenkunde unterrichtend. Wenn ein Gastfreund diese Schrift findet, möge er dem Imperator Trajanus melden, daß wir Römer geblieben sind!“ Hier brach die Schrift ab. Der Stein war zu sehr verwittert. Am nächsten Tage faßte mich das Fieber mit doppelter Gewalt. In meinen jah ich immer die beiden Römer vor mir. erst im Lazarett der Küstenstadt kam ich wieder zu mir. Sobald ich mich etwas erholt hatte, schrieb ich meinem Nachfolger, Leutnant Macpherson, er möge mir den Stein zusenden lassen. Nach Monatsfrist bekam ich die Antwort, in der mir mein Kamerad mitteilte, daß er vergeblich danach geforscht habe. Die Askaris hätten aus Angst vor den Eisenmännern, denen sie alles Ungluck zuschrieben, den Stein in den Fluß geworfen. Später erzählte ich die Begebenheit meinem väterlichen Freunde, Colonel Sir Arthur Wydenham, der ein Altertumsforscher war. Er hörte mich ruhig an und las auch meine Aufzeichnungen, dann zuckte er die Schultern: „Lieber Freund! Ich hätte den Stein sehen müssen!". Als ich ihm entgegenhielt, daß sowohl Tschauch Mehmed als auch ich die Eisenmänner gesehen, legte er mir seine Hand auf die Schulter:„Old dear boy, ich kenne Sie zu gut, als daß ich Ihnen nicht glauben würde. Sie mögen wirklich die Erscheinung gehabt haben. Es kann aber auch eine Fieberphantasie gewesen sein. Glauben Sie einem alten Tropensoldaten, erklären kann man solche Dinge mit dem Verstande nicht. Die Sphinx Afrika wird uns Westeuropäern immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben.“ —1•— Ritt in Chile Skizze von Maria Meister. In Valparaiso tobte eine kleine Revolution. Eine ganz unbedeutende. In diesen heißen Ländern ist immer irgend etwas Hitziges los. Deshalb hielt es Sennor Manuel Torres für richtig, seine Familie und mich in seine Hacienda hinauf zu bringen. Es war noch vor dem großen Salpeterkriege. Lir saßen noch spät im Patio, unruhig und etwas erregt. Die Nacht war mild, das Plätschern des kleinen Springbrunnens klang erfrischend. Ueber das Haus her hallten die Tritte der vorbeiziehenden Wache. Hie und da fielen riesige Leuchtkäfer nieder, vom Blumenduft angelockt. Wir fingen und setzten sie uns in die Haare, wie es die Indianermädchen tun, gleich einem phantastisch schönen Schmuck aus seltsamen Juwelen. Plötzlich erklang ein seltsamer Laut in der ungeheuren Stille, hohl, hart umrissen: Klapp! Wir horchten und fragten uns. Die Gewehrschüsse waren längst verknattert. Die Stille blieb dieselbe, nur dies merkwürdige: Klapp! „Laßt uns aufs Dach gehen“, sagte Sennor Torres,„wer weiß was los ist!“ Wir stiegen hinauf und blickten in die leeren Straßen. Nicht gar fern waren Soldaten. Aber dies eigentümliche Geräusch kam wieder und wieder und wirkte in seiner Unerklärlichkeit beängstigend. Die Stille schien nach jedem dieser hohlen Laute größer und lastender zu werden. Nichts hemmte ihn, nichts begleitete ihn, nichts war zu sehen— doch immer wieder erklang der schreckhafte Ton. Keiner sprach, jeder dachte an Ungeheures. Wir standen reglos, schweratmend, weit vorgebeugt. Die fromme Donna Maria hielt es für eine Mahnung des Himmels und eine Vorbedeutung, Don Manuel für eine Höllenmaschine, Esmeralda für ein Gespenst. „Es kommt näher“, unterbrach etwas gepreßt Don Manuel die Stille,„seht da!“ Um die Straßenecke bog eine klobige Gestalt— klapp!— ein langer Rüssel schien daran zu hängen— klapp!— ein Klirren klang mit — klapp!— alle Herzen hämmerten, der Atem keuchte. Jetzt trat es in die Mitte des Platzes und... zeigte sich als Soldatenpferd, das sich von der Wache entfernt hatte und auf Entdeckungen ausgegangen war. Die Mähne hing ihm tief über den zur Erde gebeugten Hals, und als es eine Kruste fand, fraß es hungrig. Dann ging es weiter, langsam mit klappernden Eisen. Das Grauen löste sich in Gelächter. Der launige Auftakt ließ uns am anderen Morgen die Reise mit Vergnügen antreten. Ich genoß wieder den Reiz des knirschenden Leders. Ein hartes Stück Weg lag vor uns, das ganz im Sattel zurückgelegt werden mußte. Die gewaltigen Anden lagen schneebedeckt und sieghaft da, der mächtige Aconcagua war damals noch unbezwungen. Die Landschaft wechselte seltsam, noch ehe wir über die weitere Umgebung von Valparaiso hinaus gekommen waren. Wir ritten ohne Eile, so daß ich mich dem Genuß einer Entdeckungsreise hingeben konnte. Gegen Abend machten wir am Feuer Rast. Auch am zweiten Tage ritten wir. Da sah Dann brochte man mich auf den Dampfer, undlich auf einem ausgehauenen Waldpfad einen PS FS FP GGHSS SESSSSSSB„FEEGEEEE 8.: 0 105 aSegE 55 8 BRRSSSSSSB BSOSSS SESSS EFIS SG S SSSEESS S S E B 9 BSE SS g8SESSESE &a UHERGSS En herrlichen Baum, voll Blüten und von scharfem Wohlgeruch. Ich lenkte mein Pferd auf ihn zu. Noch war ich nicht nahe heran gekommen. Da hörte ich einen durchdringenden Schrei. Ich stutzte, hielt an. Wieder erklang der Schrei. Ein brauner weißhaariger Mann rannte he:bei, winkte abwehrend mit den Armen und rief Unverständliches. Schon kam auch der eine Peon mir nachgejagt.„Tod!" rief der braune Mann.„Tod". Der Peon führte mich zurück. „Der Giftbaum“, sagte er,„wer ihm naht, dem verbrennt die Haut zu tausend Blasen. Wer noch näher kommt, wird unaufhaltsam zu ihm gerissen. Sein Atem bringt den Tod“ Erschrocken sah ich hin.„Glauben Sie das?“ fragte ich Donna Maria.— Sie zuckte die Achseln.„Man kann nie wissen,“ meinte sie vorsichtig. Kann schritten die Pferde behutsam über hartes, trockenes Gras, über wildes, rohes, gelbbraunes Gestein,— dann kam ein Fluß, die Furt. Er war vom Regen geschwollen. „Halten Sie sich fest, geben Sie dem Pferd den Kopf frei!“. Mit vorsichtig fühlenden Hufen stieg das Tier am Ufer hinab, legte die Ohren zuruck.. ein Losewerden,— ein Wiegen, das Wasser stieg mir bis zu den Knien, zum Gürtel, schnaubend schwamm das Pferd mit kräftigen Stößen durch den Fluß.„Zügel kurz!“ Es hob den Kopf mit weiten Nüstern und gespannten Augen, seine Mähne schwamm auf dem Wasser. Dann kletterte es am anderen Ufer hinauf. Die übrigen langten gleichzeitig an, und die Tiere schlugen von selbst ein flottes Tempo an. Die Peons schwenkten den Poncho über dem Kopf und stießen anfeuernde Schreie aus. Dort lag ja die Hacienda! Dampfen, noch sprühend jagten die Tiere dahin, die Schleier flatterten, die Haare wehten, in lustigem Sturm hielten wir unseren Einzug, Neugierig sah ich mich um. Da schlug eine Leiter neben mir nieder. Kurz bäumte mein Pferd sich auf. Unbewußt beugte ich mich zum Halse,— und schon raste es durch den Hof fort, fort— in das weite Land hinaus. Als es den scharfen Hauch der weiten Ebene spürte, streckte es mit hellem Gewieher den Kopf vor, in langen ausgreifenden Sätzen flog es dahin. Nach dem ersten Schrecken, dem ersten Zügeln, siegte die Kaltblütigkeit, der erregende Schauer, siegen zu wollen. Es war schwer, im Sattel zu bleiben! Ich bog mich rechts, Linie für Linie begann ich die Züge! fester zu nehmen, um das Tier in die Gewalt zu bekommen, sobald es Schrecken und Erregung überwunden hatte. Es schnob und stieg, um dann wieder in scharfen Galopp zu verfallen, rasend, unaushaltsam. Die Luft peitschte mein Gesicht. Der Hut hing im Rücken. Die Reitgerte entfiel mir. Ich sah kein Land mehr, keinen Himmel,— alles zitterte, alles raste. Das Pferd schoß in schnurgeradem Galopp, eine Beute sinnloser, unwiderstehlicher Gewalt. Plötzlich ergriff mit ein rätselhaftes, erstikkendes, schreckliches Gefühl— die Todesangst! Dort drüben, zur Linken, das Gehöft mit seiner langen, weißen Mauer; wenn der Braune darauf zuhielt— immer in der gleichen Richtung, wie ein tollwüitger Hund. dann mußte ich an dieser Mauer entlang geschleift und zerquetscht werden— ohne Rettung.—— Ich schrie, ich riß an den Zügeln, das Pferd schnob durch die Nüstern, mit großen, hervorquellenden, irren Augen, gehetzt von dem geheimnisvollen Trieb— es raste weiter. Ich rief ihm Schmeichelworte zu— vergeblich. Näher und näher kam die Mauer.. Ein Madonnenbild am Wege,„Erbarm dich, Maria, erbarm dich!" Das Pferd riß mich weiter.— Die Mauer nahte.— Wo kam da plötzlich diese große, kühle Härte her?— Diese Härte, die gebot, die Füße zu lösen, den Riemen, die Zügel freigeben— und einfach sich zur Seite fallen lassen, lieber tot als martervoll geschleift und geschunden an der bleichen Mauer.— Da war die Ecke!... Ich stemmte mit eisiger Entschlußkraft beide Hände gegen den Hals des Tieres, hob mich im Sattel— und warf mich nach links. In diesem Augenblick stand das Pferd wie eingerammt. Ich lag unversehrt in der weichen Wiese. Ein Geheimnis der Tiefe : Von L. Stael v. Holstein=Dorpat. Unsere sichtbare, laute, lärmende Welt ist von einer geheimnisvollen, ewig stillen umgeben, die ihr nicht ganz unähnlich ist, denn auch auf dem Meeresgrunde sind Berge und Täler vorhanden, weite Sandwüsten, Dickichte. Phantastische Korallenbäume erinnern an den winterlichen Wald in seiner Todesstarre. Wie unsere obere, ist auch diese untere Welt von unzähligen Tierarten bevölkert. In tausendfacher Gestalt und in allen nur irgend möglichen Farben und Schattierungen wimmelt es da unten durcheinander: Schwarzbraun bis silberweiß— grün und blaugoldig schillernd— rotfunkelnd und in rosigem Schimmer— permutterglänzend— getupft— gestreift— pantherartig gefleckt kriecht, ringelt sich's und liegt es am Boden— flattert, schwebt und gleitet es in unermeßlicher Menge daher— gespenstisch lautlos. Nur an der Oberfläche plätschert der Delphin spielend im Sonnenlicht und peitschen die Riesenleiber der Wale die See, brausende Wasserstrahlen aus ihren Nüstern schleudernd. Unten in den wunderbaren Hallen von Kristall, im schimmernden Reich des Schweigens, ziehen die gewaltigen Seeungeheuer geräuschlos dahin, wie die Scharen der winzig kleinsten Lebewesen, die harmlos im matten Lichtstrahl tändeln. Aber auch hier, in der Tiefe, herrscht wie oben nur ohne Jammern u. Wehklagen, der grausame, furchtbare Kampf ums Dasein: kalte Mordlust lauert, mit scharfgezahntem, aufgesperrtem Rachen— harten Krebsscheren— langen Fangarmen— mit weitaufgeklappten Muschelschalen und noch in tausendfach anderer Gestalt gierig auf Beute. Eines ist die Nahrung des anderen— alles werdend, lebend, handelnd und vergehend, dem ihm innewohnenden Gesetz gehorchend wie der Sternenreigen über unseren Häuptern und wie die Biene, die das Kunstwerk ihres Zellenwabenbaues fehlerlos vollbringt. Wir aber wissen nicht, warum ein Geschöpf so— und ein ihm nahe verwandtes ganz anders handelt— warum z. B. der Aal sich durchaus nicht wie ein anderer, ihm ähnlicher Fisch benimmt? Wir finden vielleicht sogar, daß er sich viel einfacher und zweckmäßiger einrichten könnte— eine Annahme, mit der wir kurzsichtigen Menschen uns sehr wahrscheinlich im Irrtum befinden— ist sein absonderliches doch erst kürzlich erforscht worden, nachvem es seit Jahrhunderten zu allerlei Fabeln Anlaß gab. Als Brehm sein berühmtes„Tierleben“ schrieb, gehörte der Aal noch bezüglich seiner Herkunft zu den Rätseln der Tiefe. Wir alle kennen den glatten, schlangenartigen braungrünen Fisch, mit dem fetten weißen Fleisch, das gekocht, in Essig und Gewürz eingemacht, ganz besonders aber geräuchert, so vortrefflich mundet. Mancher von uns hat ihn wohl selbst mit dem dicken Tauwurm, einem Stückchen Weißfisch oder einem armen Frosch geangelt— mit Setzkorb oder Netz gefangen. — Einer und der andere behauptet sogar, ihm in Klee= und Erbsenfeldern, in beträchtlicher Entfernung vom Wasser begegnet zu sein— öfter noch auf der feuchten Wiese— nächtlicher Weile auf Schnecken und Regenwürmer Jagd machend. Beglaubigt sind solche Berichte zwar nicht, aber auch durchaus nicht unglaubwürdig, da er eine Einrichtung besitzt, die seine Kiemen feucht erhält und es ihm ermöglicht, sich geraume Zeit auf dem Trockenen zu erhalten. Wir sprechen vom Aal als von einem alten guten Bekannten und kennen doch nur die Hälfte seines Geschlechtes— die weibliche— freilich die bessere Hälfte, die ein Gewicht von 12 Pfund erreicht, während die erst neuerdings entdeckten Männchen in der Größe bedeutend zurückstehen. Wahrscheinlich wissen nur wenige von uns, daß auch der älteste Aalfischer, durch dessen Hände Hunderttausende geglitten sind, niemals ein Aalmännchen gesehen hat. Wo leben die Aalmännchen, und wo kommen die jungen Aale her? das sind uralte Fragen, welche erst durch die neueren Tiefseeforschungen im atlantischen Ozean beantwortet worden sind. Dort lebt der männliche Aal in großen Scharen in Tiefen, die bisher unzugänglich waren. Dort suchen ihn in Riesenschwärmen die Weibchen auf. Wenn es für sie an der Zeit ist, wandern sie aus der Ost= und Nordsee und aus allen Seen und Strömen, die mit diesen Meeren und mit dem mittelländischen Meere in Verbindung stehen, einem unaufhaltsamen Naturtrieb folgend, dem Ozean zu, überkriechen Wälle und Dämme, zwängen sich durch enge Rohre, gleiten über ansehnliche Landstrecken, schlüpfen durch Mühlenwerke und Wehren. Unzählige gehen dabei, von Menschen und Raubzeug abgefangen, zu Grunde, allein ungeheure Mengen erreichen doch ihr Ziel und damit auch ihres Daseins Zweck.— Nun bleibt ihnen nichts mehr zu tun übrig, als ihre reifen Eier in großer Tiefe abzulegen und danach zu verenden, im Gegensatz zu anderen Fischweibchen, die das Geschäft des Eierlegens alljährlich setreiben, ohme dadurch im geringsten Schadenldaß zu leiden. Warum muß nun das Aalweibchen sterben? Hier stehen wir wieder vor einem Rätsel. Die winzigen Aalkinder, die ihren Eltern in nichts gleichen, teilen sich wieder in gesonderte Schwärme: die männlichen verbleiben im Gebiete ihrer Väter, und die weiblichen suchen die mütterlichen Wohnstätten auf. Ungefähr nach Jahresfrist im Frühjahr erscheinen sie in unbeschreiblicher Menge im wärmeren Wasser flacher Küsten, in Lagunen und Mündungen der Ströme, wo sie sich wochenlang in der Mischung von Salz= und Süßwasser offenbar an letzteres gewöhnen sollen. Es sind 1—1½zöllige, breite, wasserhelle Fischchen, die gar nicht an den Aal erinnern, weshalb man sie bis vor kurzem für eine eigene ausgewachsene Art hielt. In Unmassen werden sie als Enten= und Schweinefutter aus dem Meere geschöpft und sogar als Dünger auf den Acker geführt. Uebrig bleiben natürlich noch ungeheuer viele, teils im Meer, teils sich in die Binnengewässer verteilend. Nach einiger Zeit verwandeln sich die Fischchen in jedermann kenntliche Jungaale. Von diesen werden, noch ehe sie gebrauchsfähig sind, viele gefangen, um mit ihnen Teiche, Fischzuchtbassins und Torfgruben zu besetzen. Letzteres geschieht namentlich in Schweden sehr ausgiebig. Kommt der Aal in Behälter, die keinerlei Zugang zum Meer haben, so findet er sich ins Unvermeidliche— wird unter günstigen Lebensbedingungen sehr fett, viel schwerer als der freilebende— und erreicht, wie es scheint, ein Alter von Jahrhunderten. Aus tiefen Bergund Waldseen hat man einzelne solcher ehrwürdigen Exemplare herausgefischt. Spielt sich nun auch der Lebenslauf dieses merkwürdigen Schlangenfisches ganz deutlich vor unseren Augen ab, so bleibt doch noch manche Frage offen, z. B. warum dieses weltweite Getrenntsein der Geschlechter, diese qualvolle Reise des weiblichen Riesenheeres in den sicheren Tod. Die Zahl der Schöpfungsfragen, die nur der Schöpfer selbst beantworten kann, ist Legion. Uns bleibt nichts übrig, als unermüdlich zu forschen, uns jeder neugewonnenen Erkenntnis zu erfreuen und vor den unerforschlichen Wundern der Schöpfung uns in Demut und Ehrfurcht zu beugen. nach dem deutschen Osten Von Hans Georg Brenner. Hinter mir die Millionenstadt mit ihren qualmenden Schloten, dampfenden Asphaltstraßen und schwitzenden Häusern. Da hatte sich Einem die Hitze der Hundstage wie ein glühendes Eisen auf Kopf und Brust gepreßt, daß man nicht mehr zu atmen verstand. Da hatte es nicht mehr genützt, auf schattigen Straßenseiten leicht duftende Frauenkleider an sich vorüberwehen zu lassen, nicht eine Fahrt in die Wälder hinaus: immer wieder prallte die Hitze an den Mauern ab, backte sich an einen Haufen zusammengeworfener Menschen fest, brannte in Vorortzügen, Straßenbahnen und Autos. Nun aber kommt das beinahe Unwahrscheinliche: weites, freies Land, Baumgruppen, verlorene Waldwinkel in einem vollen, saftigen Grün, das kein Straßendunst oder Staub mit einem vorherbstlichen Tod gezeichnet hat. Zug rast an versteckten Gehöften vorbei, aber er stampft nicht unwirsch und polternd. Nein — es ist, als ob er singt, als ob ein Wind auf den Aesten der Bäume wie auf vorsichtig abgestimmten Saiten spielt. Und dabei ist es ein windstiller, blauer Tag. Allmählich erst fängt das Gehirn an, unmittelbare Eindrücke zu erfassen und zu registrieren. Und plötzlich ist es mir, als gäbe es gar keine Häuserfronten, an denen der Blick hoffnungslos abprallt, als gäbe es keine Mietswohnungen, in denen der Rauch stampfender Lokomotiven und der Geruch von Hinterhaus=Fabriken lagert, keine überfüllten Straßen, keine heißen Schienen und überhastete Menschen: denn nun stehen auf den Feldern die gelbweißen Hocken ausgerichtet wie Soldaten, die ein paar vertrocknete Blumen im Knopfloch tragen. Hohe Fuder schleppen sich schwankend auf unebenen Wegen zur Scheune. Hier und da fährt schon die Harke über die kahlen Stoppeln, und einige alte Frauen bükken sich nach den letzten vergessenen Halmen; es dauert lange, bis sie ihre weiten blauen Schürzen gefüllt haben. Was die Stadt nicht aufkommen ließ, weit ihr Tempo schneller ist als der Wechsel von Sonne und Regen, Sommer und Winter, das fäll: hier bei dem einförmigen Hasten der Räder fast wie eine müde Traurigkeit auf Einentes bald wieder Herbst wich. Denn—