Der Kautschal Von F. K. Chilflard=Hamburg, Die tropische Morgensonne kost mit den Blättern der Gummibäume, die sich ihr, von kundiger Hand in Reih und Glied gepflanzt, schlank und rank entgegenstrecken. Sie spielt in zittrigem Licht über die braunen Leiber der Eingeborenen, die geschäftig von Stamm zu Stamm eilen, um das Blut der Bäume, das sich über Nacht in kleinen Gefäßen gesammelt hat, einzusammeln. Um aber an den Saft zu gelangen, werden die Bäume—, allerdings erst mit 7 Jahren, denn erst dann sind sie zapfreif und liefern eine gute, reine Gummimilch,— angeschnitten, und zwar mit zwei mäßig breiten Schnitten, die im spitzen Winker zusammenlaufen, um sich in einem geraden fortzusetzen, den ganzen Stamm herunterreicht. Die gewonnene Gummimilch wird dann gesttz, d. h. die überflüssige Feuchtigkeit wird ihr entzogen; der zurückbleibende Brei wird zu großen Klumpen geformt, die dann über offenem Feuer gehärtet werden. Polternd und krachend stürzen die Gummikisten auf Gleitbahnen vom Lastauto, das den Gummi direkt aus dem Bauche des Ozeanriesen geholt hat, in den tiefen Keller. Geschäftige Hände befreien den Gummiblock von seiner Umhüllung um ihn dem Kochkessel zu übergeben. Mürbe gemacht und von allem Schmutz befreit, wird der Gummi durch Walzen gepreßt und dabei dauernd mit warmem Wasser bestrahlt. Zu dünnen Fellen gewalzt und wie Mürbeteig eingeschlagen, ruht der Gummi nun endlich in warmem Trokdenräumen von seinen Strapazen aus. Viele Walzungen, viele Mischungen, die tiefstes Geheimnis der Chemiker sind, lassen uns endlich den gänzlich veränderten Gummi unter geschickten Arbeiterhänden wiederfinden. Einmal formt man ihn, indem man dünne Platten aneinanderkledt, zu Wärmeflaschen, Eisbeuteln und Sitzkissen, zum Wohle der Kranken. Andermal nimmt man vier gleichmäßig geschnittene Stückchen in Blattform, klebt sie aneinander und legt sie in Formen, die aussehen wie die in denen die Hausfrau Törtchen bäckt ,nur dopgelt genommen, schiebt diese Formen in Heizen und läßt den Gummi gar werden; heraus kommt der Ball, wenn auch noch nicht in der ganz runden Form; geputzt, aufgeblasen und bemalt bildet er das Ergötzen der Kinderwelt. Die Gummipuppen gehen einen ähnlichen Weg. Wieder ein anderes Mal gibt man dem Gummi schon beim Mischen bunten Farbstoff bei, aus in dann sein gewalzten Platten schneidet und demalt man Krokodile, Seehunde, Haifische und ähnliche Vertreter des nassen Elementes, zur gleichmäßigen Freude für jung und alt. Damit der Selfmademan auf Pneus fahren kann, muß der Gummi sich recken und strecken, in großen Formen, die schon ein getreues BBild des Reisens geben, sich härten lassen. Damit das zarte Geschlecht in seinen dünnen Schuhen bei Schlackwetter keine nassen Füße bekommt, wird der Gummi auf Stoff gewalzt und gepreßt um dann auf Aluminiumleisten in fließender Arbeit zu schön geschwungenen Schuhen in moderner Form verarbeitet zu werden. Damit im heißen Sommer das Gras und die Blumen, die Freude unserer freien Stunden, nicht vertrocknen, tritt schnell der Gummischlauch in Tätigkeit; zu diesem Zweck wurde der Gummi auf lange Eisenstangen gewickelt, mit Stoffschichten untermischt, und unter Dampfdruck geheizt. Kaum hörbar gleitet unser Fuß auf den großen Ueberseern durch prunkvolle Räume, Gummiteppiche, in bunten Farben und anmutigen Ornamenten, bedecken den Boden. Damit endlich tief unten, im Bauche des Schiffes, kein Unglück passiert, sind die Kessel mit Gummi, der mit Asbest untermischt ist, abgedichtet. Nun ist nicht alles, was aus den Händen der Arbeiter hervorgeht, Qualitätsware. Es ist heiß in den Arbeitsräumen, der Arbeiter schöpft frische Luft, geht zum Kaffee=Eimer und labt sich, er versieht sich in der Uhr, der Dampf wird zu spät abgestellt, der Gummi kommt hart und brüchtg aus der Form und wandert in den Abfall. Der Chemiker irrt sich in der Mischung, Neues wird ausprobiert, man kennt sich noch nicht aus,„unbrauchbar“ ist das Resultat, also in den Abfall. Aber nichts kommt um, der ganze Abfall wird von den Stoffen und ähnlichen Aggregaten befreit und wandert wieder in große Kessel. Er wird gemischt, mit Chemikalien untermischt, geklärt und getrocknet, um dann als Regenerat den einzelnen Mischungen beigesetzt zu werden. Denn nicht in jedem Fall wird reiner Gummi verarbeitet, das wäre unrationell hinsichtlich der Preise, es ist auch gar zicht immer erjorderlich. Wer würde in den großen Abfallägern, in den abgenutzten Pneus, zerrissenen Kissen, heruntergewirtschafteten Schläuchen die einstmal goldig glänzenden Gummiselle wiedererkennen. Genau wie alles andere kennt der Gummi ein Sterben, hat aber doch schon manchen Dienst geleistet, bevor er vergeht. =.— Die erste Meerschaumpfeise In der ungarischen Hauptstadt Pest lebte 1723 ein Schuhmacher namens Karol Kowates, dessen Geschicklichkeit im Schnitzen von Holz und anderen Stoffen ihn in Verbindung mit dem Grafen Andrassy brachte, dessen Günstling er wurde. Bei seiner Rückkehr von einer Mission in die Türkei drachte der Graf ein Stück weißen Tons mit, das man ihm des leichten spezifischen Gewichts wegen als Kuriosität zum Geschenk gemacht hatte. Da es porös war, kam dem Schuhmacher der Gedanke, ob es sich nicht etwa gut für eine Pseise eignen würde, da es ja das Nikotin aufsaugen würde. Er machte den Versuch und schnitzte eine Pfeife für sich und eine für den Grafen. Bei seiner Berufsarbeit konnte er natürlich die Hände nicht sauber halten, und so kam manches Stückchen Schusterwachs in Berührung mit der Pfeife. Doch anstatt schmutzig zu werden, als Karol die Pfeise abwischte, zeigte der Ton überall einen klaren braunen Glanz, wo Wachs darin eingedrungen war, statt des matten Weiß. Nachdem er die Ursache des Glanzes festgestellt, wachste er die ganze Oberfläche und polierte sie. Als er sie nun rauchte, nahm sie eine wunderbare Farbe an, und es fiel ihm auf, wie mild die Pfeise nach dem Wachsen schmeckte. Als andere Aristokraten von den wunderbaren Eigenschaften dieses sonderbaren Tones hörten, ließen sie solchen in angemessenen Mengen zur Herstellung von Pfeisen kommen. Der natürliche Mangel an diesem geschätzten Material und die hohen Importkosten jener Zeit beschränkten ihren Gebrauch auf die reichsten Aristokraten, bis es um 1830 zu einem allgemeinen Handelsartikel wurde.— Die erste von Karol Kowates hergestellte Meerschaumpfeise befindet sich im Pester Museum. Rotschild und die Frankfurter. In der letzten Märzwoche des Jahres 1848 ging es in Frankfurt am Main sehr aufgeregt zu. Im Volke gärte es und man ging bereits dazu über, die Häuser der Reichen zu plündern. So drang auch eines Morgens ein Haufen Männer in das Haus Rotschilds, um den Millionär zu sprechen. Einer von ihnen trat als Sprecher auf. Der Sinn seiner Rede war: Die Reichen müßten nun ordentlich hergeben, sonst würde das Volk sie zwingen, mit ihnen zu teilen. Rotschild antwortete darauf:„Nun, da wollen wir gleich mit dem Teilen anfangen. Herr Buchhalter,“ rief er,„legen Sie die Quittungsbogen hin.“ Sich an die Leute wieder wendend, rief er:„Wieviel Vermögen glauben Sie wohl, daß ich habe?" Der Sprecher erwiderte:„10 Millionen Gulden," und vermeinte damit etwas Ungeheures zu sagen. Rotschild bemerkte:„Wir wollens verdreifachen. Es ist zwar noch etwas weniger, was ich besitze, aber ich will eine runde Summe nennen. Wie viele Deutsche gibt es?“—„Gegen dreißig Millionen“, sagte der Buchhalter.—„Nun, das macht auf jeden Deutschen also gerade einen Gulden.“ versetzte Rotschild.„Quittieren Sie, meine Herren. hier auf diesem Bogen den Empfang eines Guldens, so wird der Buckhalter einem jeden von Ihnen seinen Gulden geben.“ Die Leute sahen erst ganz verdutzt aus, dann nahm aber jeder von ihnen seinen Gulden und quittierte.„Ihr könnts auch draußen weiter sagen, meinte Rotschild,„daß jeder, der hereinimt und quittiert, seinen Gulden erhalten wird.“ Und so geschah es auch am selben Tage. Es fanden sich viele Guldenabnehmer ein, und am Abend brachten betrunkene Volkshaufen dem pfiffigen Rotschild ein Hoch. Eine gute Idee. Fürst Metternich, dem der Johannisberg mit seinem herrlichen Wein gehörte, war ein leidenschaftlicher Autographensammler. Er besaß Handschriften von fast sämtlichen französischen Dichtern und Berühmtheiten, mit alleiniger Ausnahme des damals bekannten Akademikers Jules Janin. Er wandte sich mit der Bitte um Zusendung einiger eigenhändiger Zeilen an diesen. Der berühmte Feuilletonist zerbrach sich nicht lange den Kopf über die Abjassung eines großen Gedanken, sondern übersandte dem Fürsten ein Blatt mit folgender prosaischer Inschrift(in Uebersetzung):„Habe von Seiner Hoheit, dem Fürsten Metternich, hundert Flaschen Johannisberger erhalten. J. Janin.“ Metternich lachte und bezahlte den glücklichen Einfall Janins mit hundert Flaschen des berühmten Rheinweins. Allerlei Wissenswertes. Napoleon litt an der Zwangsvorstellung, an allen Gebäuden die Fenster zählen zu müssen.— Das scheinbare Geschnatter der Gänse stellt die ausgebildetste Art dar, in der sich Tiere verständigen.— Die deutschen Meere sind mindestens 400 Quadratmeilen groß.— Als Friedrich Wilhelm III. sich seine Zähne in Ordnung bringen lassen wollte, mußte er zu diesem Zweck nach Paris fahren. Kanarienvögel in Kohlengruben. Mit der Beilegung des langwierigen Kohlenstreiks in England ist man sich drüben erst über den gesamten Umfang der hieraus der englischen Wirtschaft entstandenen Schäden und Verluste richtig klar geworden und versucht nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, die verlorenen Absatzgebiete Schritt für Schritt zurückzuerobern und die Grubenbetriebe selbst auf möglichst rationelle Grundlagen zu stellen. So haben beispielsweise einzelne Bergwerke in jüngster Zeit umfassende Maßnahmen getroffen, um künftig die zahlreichen Gasvergiftungs= und sonstigen Unglücksfälle auf ein Mindestmaß zu beschränken. Beachtung verdient darunter eine seltsame Neuerung. Das ist die Einführung von Kanarienvögeln in verschiedenen Schächten. Diese Vögel, die gegen Einfluß von Kohlendioxyd erwiesenermaßen sehr empfindlich sind, werden dort als Gasposten verwandt. In kleinen Bauern werden die Vögel von den Steigern in die Gruben transportiert. Schon bei geringster Gasgefahr gleiten die Vögel sofort zu Boden und ermöglichen es somit den Arbeitern, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Ein Zulu=Diplomat. Makulumana, der in Südafrika als„Erstminister der Zulus" bekannt war, ist vor wenigen Wochen in Johannesburg gestorben. Makulumang war seit Jahrzehnten der erste Ratgeber der Zuludynastie. Es wird sogar behauptet, daß er bereits im großen Zulukriege König Cetewayos' einflußreichster Berater gewesen ist. Auf alle Fälle hat er Freud und Leid Dinizulus, des Sohnes Cetewayos, geteilt. Er befand sich mit Dinizulus' Sohn in Johannesburg, als er einer Krankheit anheimfiel und starb. Stolzes Herrschergefühl. Einen besonders hervorstechenden Charakterzug von Nationalstolz und Herrscherwürde zeigte ein Khan der Tartarenstämme am Jenissei. Wenn er in seinem Fellzelt sein aus Eselmilch, Pferdefleisch und Kumis bestehendes Diner gehalten hatte, schickte er einen Herold hinaus, der mit lauter Stimme allen Fürsten und Herren dieser Erde verkünden mußte, daß es nunmehr auch ihnen gestattet sei, ihr Mahl zu sich zu nehmen. Immer noch das Bagno von Guyana. Aus Suriname, dem holländischen Teil Guyanas, mehren sich wieder die Nachrichten über Belästigung durch geflüchtete Insassen des französischen Bagno. Kürzlich kamen vier zugleich auf der Siedlung Potribo am Oberlauf des Grenzflusses Commewyne an, von denen drei vorzüglich Neger=Englisch sprachen. Wenige Tage später langte ein anderer in einem geborstenen Kahne an. Er war erschöpft und machte einen Versuch, am holländischen User zu landen, was jedoch von den Siedlern verhindert wurde. Die abenteuerliche Flucht führt über große Entfernungen durch Urwald, bis der Fluß erreicht ist. Die erwähnten vier Flüchtlinge hatten einem Siedler ein Boot gestohlen, das ihnen jedoch wieder abgenommen wurde. Um die unerbetenen Gäste los zu werden, gab ihnen der Pflanzer ein altes Boot, mit dem sie weiter den Fluß abwärts trieben.— Die Bevölkerung dieser fast menschenleeren Gebiete empfindet Angst vor diesen Asreißern, unter denen sich die raffiniertesten Verbrecher befinden. Besonders Frauen und Kinder fürchten sie. Man erwartet, daß der Zustrom von Flüchtlingen noch zunehmen wird, da ihnen jetzt an vielen Stellen des Oberlaufes des Grenzflusses die Landung nicht mehr gestattet wird.— Man sieht, trotz aller Reformvorschläge in Paris ist im französischen Bagno alles beim Alten geblieben. Wann wird in diesem„Psefferlande“ einmal gründliche Aenderung geschaffen werden? Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. — Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 4 Donnerstag, 27. Januar 1927 Bauopfer Von Pros. Dr. R. Stüde. In„Wallensteins Lager" erzählt der erste Jäger, wie Wallenstein als Student der Nürnbergischen Universität Altdorf einmal mit dem Kerker Bekanntschaft machte: „'s war just ein neugebautes Nest, Der erste Bewohner sollt es taufen, Aber wie fängt er's an? Er läßt Weislich den Pudel voran erst laufen. Nach dem Hunde nannt sich's— bis diesen Tag.“ Schiller hat diese Anekdote einem Werk vom Jahre 1635 entnommen, wo sich auch die von Schiller gegebene Deutung findet. Indes hat diese Wallenstein=Sage— denn nur solche ist es— einen anderen Sinn gehabt. Sie knüpft an den verbreiteten Glauben an, daß jedes neue Bauwerk ein Menschenleben fordere. Wer ein neues Gebäude, eine neue Brücke als erster betritt, der ist nach deutschem Volksglauben dem Teufel oder einem bösen Dämon verfallen. Deshalb forderte jedes neue Bauwerk ein Opfer, das man in die Fundamente lebend einmauerte. Und zwar waren es ursprünglich Menschenopfer besonders Kinderopfer, die auch in Deutschland noch vor einigen Jahrhunderten gebracht wurden. Der Glaube an die Notwendigkeit solcher Bauopfer, um dies Bauwerk zu vollenden und dauerhaft zu machen, lebte noch im 19. Jahrhundert. Warum aber wurzelt solcher Brauch und Glaube so unausrottbar fest in den Menschen? Die Antwort lautet: es ist ein allgemeiner Besitz der ganzen Menschheit, ein Erbstück aus primitiver Denkweise seit vorgeschichtlicher Zeit. Diese primitiven Grundlagen im Menschen aber werden von der Kultur zwar meist verhüllt, aber ganz schwinden sie niemals. Zumal Zeiten der Not und des Leidens erwecken wieder Anschauungen und Bräuche, die längst in Vergessenheit gesunken schienen. Der Weltkrieg hat es überall bewiesen. Um das Bauopfer zu verstehen, muß man die primitive reliciöse Anschauung beachten, wonach die ganze Natur— der Boden, die Gewässer Felsen, Bäume usw.— von dämonischen Mächten bewohnt sind. Wenn der Mensch in der Natur Aenderungen vornimmt, z. B. ein Haus baut, so greift er störend in den Herrschaftsbereich eines Dämons ein. Es müssen also Maßnahmen getroffen werden, diese Dämonen zu versöhnen oder ihre Zustimmung vorher zu gewinnen. Dem ersten Zweck dienen die Bauopfer, für den zweiten dienen zahlreiche Maßnahmen bei verschiedensten Völkern, die im Chinesischen Fung=schui, der Bestimmung der Grabstätte, am höchsten ausgebildet sind. Noch heute erforschen die arabischen Nomaden, ehe sie ein Zelt aufschlagen, die Sachverständigen, ob der betreffende Platz von einem Dämon bewohnt oder für menschliche Niederlassung frei ist. Das gleiche besagt das lateinische Wort für Priester„pontifex", d. h. eigentlich„Brückenbauer". So heißt der Priester nicht etwa deshalb, weil in älterer Zeit der Priesterstand auch über die nötigen technischen Kennt; nisse verfügte. Der Bau einer Brücke ist ein Eingriff in das Herrschaftsgebiet des Stromgottes, der das Werk hindern oder schädigen wird. Hier ist es die Aufgabe des Priesters, durch magische Mittel den Dämon zu beschwichtigen. Daß der Dämon ein Opfer fordert, beweist die Tatsache, daß bei keinen Bauwerken menschliche Bauopfer so häufig sind wie bei Brücken. Als 1841 in Halle die Elisabeth=Brücke gebaut wurde, war die Furcht, daß man ein Kind in die Fundamente einmauern werde, weit verbreitet. Und daß die moderne Göltzschtal=Brücke in Winterliche Kleinstadt Müde die Post nach Hause knarrt, Reif hängt an Kutscher Christophs Bart; ein paar Gesichter an den Scheiben. und leise, leise Flocken treiben. Ein Kramladen steht tannbekränzt, davor ein junges Auge glänzt, und über alle Herrlichkeiten zage, fernsüße Lieder gleiten. Grau fällt die Dämmerung herein, der Abendhimmel glüht wie Wein, die ersten Lichter leuchten. Dann ist ein Sternlein ausgewacht. Ein Märchen steigt vom Himmel sacht und will die Augen feuchten. Ludwig Bäte. Sachsen ein lebendes Kind eingemauert sei, ist ein im Volke verbreiteter Glaube. Von zahlreichen Burgen, Kirchen, Klöstern und Deichen wird erzählt, daß der Bau erst vollendet werden konnte, nachdem ein Mensch eingemauert war. Gewiß sind das Bausagen; daß in ihnen aber ein wirklich geübter Brauch nachlebt, beweisen die menschlichen und tierischen Skelette, die beim Abbruch alter Bauwerke im Gemäuer gefunden sind. In einem Pfeiler des Schleswiger Doms sind 1888 die Gerippe zweier Menschen gefunden, und 1861 fand sich im Fundament eines alten Rathauses ein Kinderskelett; hier ist kaum andere Deutung als die eines Bauopfers möglich. Auch das Verbot menschlicher Opfer seitens der christlichen Kirche und die kirchliche Forderung:„Nimm als Grundstein einen Schafbock oder einen Stier“ weisen auf die Tatsache menschlicher Bauopfer hin. In der Tat haben denn Tiere das Menschenopfer abgelöst. Wir finden Pferde. Rinder, Scha,e Ziegen, Katzen, Hunde und Kröten als Bausopier. Und wenn in einem sächsischen Ort nock vor wenigen Jahrzehnten Eier in die Fundamente eingemauert wurden, so sind sie als ein Ersatz des Huhnes zu verstehen. Menschliche Bauopfer aber können wir in vorgeschichtlicher Zeit schon und überall auf der Erde feststellen. Ueberraschend waren die Funde bei den Grabungen in Tell el Mutesellin und Gezer in Palästina, wo sich im Mauerwerk eingebaute Tonkrüge mit Kinderskeletten fanden. Danach ist wohl die Stelle 1. Könige 16, 34 von menschlichen Bauopfern zu verstehen. Ok wir in Funden aus der europäischen Steinzeit Zeugnisse für Bauopfer sehen dürfen, mag dahingestellt bleiben. Dem Altertum ist das Baulopfer durchaus bekannt gewesen; noch unter Trajan wird ein solches beim Aufbau von Antichonia in Syrien berichtet. Zahlreiche Zeugnisse für Bauopfer haben wir aus Indien, SiamJapan, Südamerika und Afrika. Die Entwicklung anderer Anschauungen hat dann Ersatzformen für das Bauopfer geschaffen. Von ihm zu trennen ist die Bestattung von Verstorbenen im Boden, auf dem das Haus steht Hier wirkt der Glaube, daß der Verstorbene als Schutzgeist des Hauses ihm verbunden bleibt. Die Bauopfer haben ursprünglich den Sinn eines Opfers, durch das ein Dämon besänftigt werden soll, in dessen Bereich das Werk des Menschen eingreift. Noch in junger geschichtlicher Zeit dienten Kinder als Bauopfer, für die man eine Geldsumme als Ersatz gab. Wie beim Opfer überhaupt trat dann auch hier an die Stelle des Menschenopfers das Tieropfer und das Einmauern von Dingen, die in irgendeiner Beziehung zu lebenden Wesen stehen. Die letzte, noch heute gebräuchliche Form des Bauopfers ist das Einmauern von Geldstücken, wie es etwa im Schlußstein von Denkmalen eingelegt wird. —.2— Westfälische Bauernhochzeit Von Reinhold Berger=Münster. Unter den deutschen Ländern nimmt die Provinz Westfalen eine ganz eigenartige Stellung ein und übt seit alten Zeiten einen seltsamen Reiz auf Gemüt und Phantasie aus. Es liegt auch heute noch etwas Urgermanisches sowohl in der Landschaft als auch im Volke. Ernst und melancholisch ist das Westfalenland, enthält Sumpf und Moor, Heide und Wälder, aber auch weit ausgedehnte, goldene Kornfelder, prächtige Weiden und schöne, reiche Bauerngehöfte. Etwas Knorriges, Festes, Frisches ist in dem echten Westfalen, und dennoch verbindet sich hiermit eine träumerische Gefühlsweichheit, Schwung der Empfindung und Schwärmerei. Wie überall, so hält auch hier der Bauernstand an dem Alten, Ueberlieferten fest. Ernst und tief faßt er auch Sitte und Religion auf. Es ist daher erklärlich, daß bei so ernsten, teffuhlenden Menschen sich auch das Familienleben fest und innig gestaltet. Hochzeit und Kindtaufe begeht der Westfale mit der üblichen Feierlichkeit. Die Hochzeit aber wird nicht nur ihm, sondern auch der ganzen Gemeinde zum schönsten Fest. Da bricht die Fröhlichkeit, die im Grunde jedes Menschengemütes wohnt, wie Frühlingssonne durch Nebelwolken und leuchtet und strahlt heiter und erquickend. Der sonst so sparsame Bauer gibt jetzt mit vollen Händen. An diesem Tage sollen alle fröhlich sein: alt und jung, Hojknecht und Tagelöhnerkind. Er fühlt sich heiter und glücklich, und alles, was er sieht. soll desgleichen sein. Das Paar ist eingesegnet. Die Kirche liegt wieder in der friedlichen Stille hinter den Linden. Der Mesner verschließt die Traugeräte, und der Pfarrer schreitet seiner Wohnung zu. Musik tönt aber jetzt im Dorje. Brummbaß und Geige und die geschwätzige Klarinette wetteisern mit der schmetiernden Trompete. Die Hochzeitsgesellschaft sammelt sich zum Zuge. Voran schreitet das Brautpaar, echte„westsätinger" Leute. Er, groß, stark, knochig, arbe#gewohnt, sich der Würde des Mannes durchaus bewußt, das Herz voll Liebe und das Gesicht vor Freude weich; sie, schlank, mit edlem, altdeutschem Frauenprofil, die Krone von Goldblättern und Moosblumen auf dem Kopfe und Scham und Sinnigkeit im Gesicht. Jetzt ist das Haus erreicht! Die Musikanten machen halt vor der Ture, um dem Brautpaar den Vortritt in die neue Heimat zu lassen. Flinten und Pistolen knallen in betäubender Lustigkeit. Die Kinder rufen und jubein. Tusch auf Tusch bläst die Musik, und mit der Bürgerfestigkeit des zukünftigen Haushälters setzt der Bräutigam den Fuß auf die Schweue. Schelmisch und voll blühender Lebenslust lacht das Gesicht der schönen Brautführerin hinter der Braut, sinnvoll blickt die zweite auf die Freundin, welche jetzt das große Ziel erreicht. Der Forstmann aber mit dem kecken Käuzchenflügel auf dem Hut legt die Hand auf Marikens Schulter und flüstert ihr ins Ohr: „Siehst, Mädel, so könnten wir es auch haben, wenn du nur wolltest." Der glückliche Schwiegervater hat drei, wohl auch vier Jacken übereinander angezogen zum Zeichen, daß er etwas vermag, und die Rose in seinem Knopfloch ist noch röter als sein freudiges Gesicht, und er setzt seinen Stock mit einem Ausdruck auf die Erde, der deutlich sagt: Sgks SESSES S BE 85B 8%S 8 S 2E 52. E S6 * S S; SSSaE-AA#5 9D-TEFOMET * FS6BUTTTEG EGUES S FS-SSOLE Sog-EusuzgEs STSNLUUFOMBUTÖTGETUTNUS BSRSNATSSUMOMPBAEBENSNG. CHOSE - S. 5 =83513 BUzse SeS S#gg. 40 B S•• W..E „Seht. das ist mein Junge, der Große, und menn ist das Land, worauf sein Haus steht, und heute wird er sein e'gener Herr und wird unser Geschlecht erhalten und unserm Namen Chre machen.“ Die Schwiegermutter denkt:„Mein Enkelchen wird einstmals ein gutes, fleißiges Ding werden, denn des Sohnes Angetraute ist ja enn so tüchtiges, arbeitsames Wesen.“ Der eingeladene Förster dampft sein Pfeischen, hält militärisch Schritt, und man sieht es ihm an. daß er es ehrlich meint damit, manch einen Schoppen und manche Hühnerkeule hinter seinem Unteroffiziersschnurrbart verschwinden zu lassen. Weiter hinten aber ists fürchSchieben Jubeln urd Hachsgesetzt haben. —.— Wie entsteht ein Handatlas? Kein Land der Erde besitzt so zahlreiche und so gute Handatlanten wie Deutschland. Mag Kriegs= und Nachkriegszeit die deutsche Industrie stark bedrängt, ja von manchen Schaffensgebieten, wo sie einst herrschte, gar rerdräng: haben, der deutsche Handatlas, und als sein ältester und typischster Vertreter der hundertjährige Stieler, hat seine führende Weltsteliung bewahrt. Ein Deutscher war es, der den ersten Handatlas im modernen Sinne schuf der Duisburger Kartograph Gerhard Kre(1512—1594), unter seinem latinisierten mer(1512—1594), unter seinem latinisierten Namen ziercator jedem deutschen ninde vom auf das zuungg#che steigert. Auch der Fe Schulatlas her bekannt. Nach seinem Todeseinoruc kann nun in der Schneuptesse etson wurde die deutsche Kartographie von den Nieeigen, indem man für jede Farbe eine besondere derländern und Franzosen überflügelt, und erst Druckform herstellt. Der Umstand, daß man nach einem Jahrhundert gelang es der Nürn= durch Uebereinanderdrucken weniger Grundfarberger Offizin von Johann Baptiste Ho=lben eine große Anzahl verschiedener Farbtöne mann(1664—1724), den deutschen Markt zurück zuerobern und bis zum Beginne des 18./daß auch für sehr bunte Kartenbilder eine verJehrhonderts zu behaupten. Das Erbe von hältnismäßig kleine Anzahl von Drucksteinen Nürnbere tret Gotha an ma Adalf Stie###nderts zu behaupten. Das„Erbe von Kurnderg ktal=Gocha un, wo Wdoif Stie ler(1775—1836) in den Jahren 1817—1825 mit dem jungen, von Justus Perthes 178. gegründeten Verlage den Atlas schuf, der noch heute seinen Namen trägt, immer wieder verjüngt durch die Lebensarbeit führender Kartographen, eines August Petermann, Hermann Berghaus, Carl Vogel. So ist der Stieier das Vorbild geworden für die deutschen Stieler 1620 Monate oder 136% Jahre zu zeichHandatlanten, die nach ihm oder neben ihminen haben. Stielers erster und hervorragendster entstanden sind; an seinem Beispiel mag die Mitarbeiter, Christian Gottlieb Reichard, Der Frage beantwortet werden, die sich jedem Be= bereits im 57. Lebensjahre stand, als er 1815 die sitzer und Benutzer eines solchen Kartenwerkes Arbeit am Atlas begann, hätte mithin ein MeWie entsteht der Handatlas!" thusalem von annähernd 200 Jahren werden müssen, hätte er allein das Werk zeichnerisch bewältigen sollen. Und der scharfe Kupferstecher hätte gar 216 Jahre den Stichel führen müssen, um diese Zeichnungen in die Platten aujdrängt“„Ae entslcht ver ganbatlas?“ Jede Karten zeichnung, mag es sich nun um eine Uebersichtskarte kleinsten Maßstabes oder um eine geographische Spezialkarte handeln, wie sie sich in jedem Atlas finden, soll letzten Endes auf eine Aufnahme im Gelände gut eine Vermessung in freien Felde githin einen Blom gediegenen Kupfers von eine Selmessung in freien zelde gegründet sein. Das ist heute der oberste„Jrundsatz auer mithin einen Block gediege Kartographie. über das war keineswegs im 1728 ug oder rund 34½ Zentnern. Die zu ihrem mer so, es hat vielmehr der mühevollen Arbeit Druck nötigen Steine würde auseinander gevon Jahrhunderten bedurft, ehe man ihn an= schichtet einen Turm von 150 Meter Höhe erwenden konnte. Alle geographische Entdeckung geben, der dem Kölner Dom nur wenig nachwar zunächst Erkundung, und wo sichere Kennt= stünde. Darum Achtung vor den Leistungen der nisse sehlten, bevölkerte die Phantasie die leere deutschen Kartographie! Kartenfläche. Erst wenn die Erkundung durch die genaue Messung ersetzt ist, bietet sich dem Sese De eick als bechtcer de deni dont Slete Volterste Curegzas schungereisende und das Vermessungsschiff kus Studie von F. 2. Dunbar v. Kalchreuth Aus Lieseim Plate. lal 5e., 3eig beschassen, Die Albanesen, deren Annäherung an, Zeriger werue Binderbid auf seinen weizen Zeichen= Albageser Arsidher Szige einmssg erhgaltene bogen. Er zeichnet ohne Apparate und Hilfs=Rest jener..— Jochergruppe, der Illyrier, minel: Hand und Auge, m gründicher Lehrelwelche vieneicht im 4. Johrtigen zurgnsischen und langer Uebung geschult, sind seine einzigen Zeitrechnung sich, von den übtigen##päischen aber um so verläßlicheren Helser, und er zeich=sAriern, den Italikern,-Pitzegurang##mohn, net, trotzdem„wie gedruckt", denn der Karten=sdamals noch ungetrennt Millk#lope bewohninhalt läßt sich ja nicht in Typen setzen wie dielten, loslösten und aus Schlesien über Mähren Niederschrift eines Buches. Die Karte ist einauf die Balkanhalbinsel abzogen.— Während Bild: wie der Maler sein Gemälde muß es dersader die ihnen zungge### Eriechen Zeichner in endgültiger Form dem übergeben und Mazedonen zu selhtundigen Rulturbvikern der es durch den Druck vervielfältigen soll, serstarkten, indem sie die vom alten Orien! Wie jedes Bildwerk läßt sich auch die Land= an die Küsten Europas gewehten Keime der karte auf die mannigfachste Weise vervielfäl=Kultur und Zivilisation zu selbständigem Blütigen. In jedem Falle muß zunächst eine Druck=shen brachten, blieb der albanische Teu der Juhform hergestellt werden, was auf photomecha=srier in einem Gebirgswinkel hängen und vernischem Wege durch Kupferstich oder in Stein=blieb bis zur jüngsten Vergangenheit in barbazeichnung geschehen hann. Das vornehmste rischem Zustande. Von den Hellenen wurden zugleich das beste und zweckmäßigste Verfahren sie deshalb verachtet, aber im Kampfe mit s##m 1 der Kupferstich, wie er für Stielersserwiesen sin sich als die hartnäckigsten Gegner, Handatlas angewandt wird. Es ist so alt wi einfach. Mittels Hand oder Photcgraphie wird eine Pause der Originalzeichnung im Spiegelbild auf die glatt polierte Kupferplatte übertragen und dann der Karteninhalt mit einem einachen Werkzeug. dem Stichel, in diese eingegraben. Man kann— und so geschah es auch n früherer Zeit— das gesamte Kartenbild: Fluß= und Wegenetz, Orts= und sonstige Karteneichen, Bergstriche und Namen in die gleiche Platte stechen, das ergibt dann einfarbig chwarze Abzüge. Will man verschiedene Farden verwenden, wie etwa im Stieler blau für die Flüsse, schwarz für die Schrift, braun für den zu lassen. Weiter hinten aber ist's fürch= die Flüsse, schwarz für die terlich mi Schlegen, Jubein un Hochschreien.sdie Berge, so muß man den Karteninhalt au, Drei Tage dauert die Hochseit, und was in die= ebenso viele Kupferplatten verteilen. Das feine ser halben Woche an Reisbrei, Kartoffeln und Korn des Kupfers gestattet die Wiedergabe der Aepfeln, Kraut, Schwein=, Schaf=, Ochsen= und zartesten Striches, de eigenartige Technik verHühnerbraten, an Bier und Branntwein ver=l’eiht, von einem„Meister vom Stiche!“ geübt tilgt wird, legt Zeugnis davon ab, daß dies edem Stich einen besonderen Charakter. Durch „Westfälinger", Mann wie Weib und Kindlein die Möglichkeit, in ausgestochenen Stellen der noch dieselben Nerven und dieselbe Lebenskraft Platte neues Kupfer durch galvan'schen Niederbesitzen, welche einst die Römer in Schreckenschlag einzulagern, erhält die Platte eine unbebahen„ grenzte Korrekturfähigkeit, ein Vorzug. der gerade für Kartenzeichnungen mit ihren ständigen Aenderungen und Verbesserungen von unschätzbarem Werte ist. Der Druck der Karten kann ohne weiteres von der fertig gestochenen Kupferplatte erfolgen ja der Kupferdruck liefert die schönsten und schäristen Abzüge. Aber als Tiefdruck erfordert er angefeuchtetes Druckpapier und Eintragung der Farben von Hand mit dem Pinsel Das ist zeitraubend und teuer, und nicht geeignet für die Herstellung großer Auflagen. Man überträgt deshalb das Kartenbild von der Kuxserpiatte mittels des segenannten Umdruckes auf den Litographiestein, der den Flachdruck In der Schnellpresse ermöglicht und die Tagesleistung der Kupferdruckpresse von 150 Abzügen auf das zwanzigsache steigert. Auch der Farboindruch hann mien in der Schnollnrosse orfal. erzielen kann, vereinfacht den Druckvorgang so (erwa 10—12) ausreicht. Die fertigen Karten werden durch einen künstlerischen Einband zum handlichen Atlas zusammengefügt. Ein paar statistische Angaben mögen zum Schluß die Größe der vollbrachten Leistung beleuchten. Rechnet man für die Zeichnung eines Stielerblatter durchschnittlich 15 Monate, so würde ein Kartograph an den 108 Karten des Stieler 1620 Monate oder 136° Jahre zu zeichzu übertragen. Die Hundertjahrausgabe des Stieler erforderte 432 Kupferplatten zu je 4 hg wenn auch sie schließlich der Uebermacht erlagen und fast systematisch ausgerottet wurden. Im Mittelalter und während der Neuzeit dienten ihre Söhne als Leibwache der türkischen Sultane, auch Mehmed Ali, der kriegeriche Vorkämpfer für Aegyptens Freiheit, stutzte ich auf eine Garde dieser tapferen Bergsöhne. daheim jedoch herrschen noch heute Faustrecht, Blutrache und die Feudalgewalt alter Häuptingsfamilien. Die in vordenklichen Zeiten ganz Westeuropa bewohnenden Iberer(auch ein Teil der Irländer gehört dazu) sind reinrassig als Basken, d. h. Bergbewohner, nur im pyrenäischen Bergwinkel erhalten geblieben(zirka eine halbe Million). Neuere Forscher, wie Prosessor Marr, glauben eine sprachliche Verwandtschaft mit einem der vielen noch heute in Kaukasien lebenden Stämme festgestellt zu haben. Im Altertum bestanden dort die Landschaften Iberien und Albanien, so daß wir dort vielleicht die Vorsuhren jener uralten Volksreste benachbart finden.— So alt die Basken sind, so arm sind sie an historischen Erinnerungen, den sie besitzen keine Literatur, sondern nur ein mündlich überliefertes Exos, das noch aus der Zeit des Einfalles der Römer stammt. Ihre Verrassungen waren von altersher freistaatlicher Natur(z. B. Andorra). Erst seit 1876 unterstehen die Söhne des Landes einer Wehrpflicht. Andererseits sind sie kulturell noch weit zurückgeblieben, gebrauchen sie doch noch heute ihre piumpen. uralten Ochsenkarren. und statt des Pfluges schwerfällige, gabelförmige Werkzeuge. Um so merkwürdiger bleibt jedoch die Vermutung, daß einzelne baskische Fischer schon in ruhester Zeit die Küsten Nordamerikas erreicht haben, wo sie sich aus dem dort'gen indianichen Sprachschatz das Wort Kabeljau(baskisch vacaillabo) geholt haben, während es ein Zufall ein mag, daß ihre Laute und Wortbildungen denen indianischer Sprachen gleichen. Wiederum hat auch ein Baske, Pizarro(daszisch: der Bärtige, darum bizarr), vor vierhundert Jahre(1527) zuerst das südamerikanische kulturreich der Inka in Peru entdeckt, das er später der Krone Spaniens eroberte, und noch ent: wandern sehr viele Nachkommen des ältesten Volkes Europas in die„Neue Welt“. Ein altes Vorbild für den Zug nach dem Westen, den die Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden aufweist. —1.— Die Lieblingsspeisen der Völker Es gibt Länder, deren gute Küche überall gepriesen wird, und es sind Länder, die in dieser Hinsicht einen schlechten Ruf haben. Aber über den Geschmack soll man nicht streiten und deshalv ist es am besten, wenn man, ohne auf die Lebreden oder Scheltworte für ausländische Kost zu achten, feststellt, daß schließlich jedes Land eine oder mehrere bekannte Speisen besitzt die als„Nationalgericht" bezeichnet werden. Ueber diese Nationalgerichte der verschiedenen Völker finden wir nun im„Allgemeen Handelsblad“ eine amüsante Plauderei, der wir folgendes entnehmen: Holland ohne die winterliche Erbensuppe? Kein richtiger Holländer würde damit zufrieden sein, ebenso wenig, wie er seinen Bauernkohl mit Wurst oder seine braunen Bohnen mit ausgebackenem Speck vermissen möchte. Hollands Nachbarn im Osten, die Deutschen, wollen weder im Sommer noch im Winter ihren geliebten Sauerkohl mit Wurst entbehren, die knusperigen Würstchen, die sicherlich am allerbesten zu einem unverfälschten Glas schäumenden deutschen Bieres schmecken! Gibt es in Belgien eine nationale Kost? Ja, gewiß, Muscheln, gekocht oder sonstwie bearbeitet, finden reichen Beifall, aber auch Schnecken. Sie werden auf der Straße verkauft.„ein Cent eine Gabel voll“. Frankreichs Reputation auf dem Gebiet der Kochkunst braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Dieses Land hat einen guten Ruf zu wahren und tut das ohne allzu viel Mühe. Das sprichwörtliche„Huhn im Topf“, das König Heinrich jedem seiner Bauern gönnte, bildet durchaus kein Hauptgericht im französischen Nationalmenü. Eier nehmen einen bevorzugten Platz ein; wie man Eier verwendet und bereitet, dafür haben Frankreichs Köche im Laufe der Jahre einige hundert Rezepte zusammenzutragen verstanden! Im Süden des Landes spezialisiert man sich auf eassulet, ein Gericht, in dem Gans, Wurst, magerer Schinken, weiße Bohnen und verschiedene Kräuter die wichtigsten Bestandteile bilden. Aber um es ungestraft zu verzehren, muß man einen gepanzerten Magen besitzen. Noch südlicher, in Spanien im Land der Zwiedei und des Knoblauchs, versteht man aus1222. das Licht des Sonnenuntergangs auf. er loaite himbeersarben mit tiesen, violetten Schatten. Die Luft war gläsern, sie ließ alles Gegenständliche seltsam hart erscheinen, die Akazien in den Feldern standen übertrieben körperlich in dieser gläsernen Atmosphäre, man traute ihnen nicht, man hatte das Gefühl, daß es nicht Bäume wären, sondern Nachbildungen von Bäumen aus Erz. Deas Die neue belgische 590 Francsnote. Freilegung des Breslauer Pr##ses von den alten 80. gezeichnet die Kunst, Salat zu mengen und anzumachen. Große und kleine Gurken, echte spanische Zwiebel und Tomaten werden Schichte auf Schichte, in einen Salatnapf gelegt und auf dem Eis gekühlt. Bevor das Gericht auf dem Tisch erschelnt, ergänzt man das Gemisch noch mit gehackten Eiern und Pfefserminz und dann kommen Pfeffer, Essig und Oe. dazu. Italien? Da versteht sich von selbst, daf man Vermicelli, Makkaroni und Spaphetti nennen muß. Davon und von Käsegerichten sowie Tomaten leben drei Viertel der Bevölkerung. Wer hat nie vom Pilaff gehört, Griechenlands Lieblingsgercht? In modernen westeuropäischen Restaurants fehlt der Pilaff gewöhnlich nicht auf der Speisekarte, aber meistens werden die Liebhaber dieser wirklich schmackhaften Speise schwer enttauscht, denn man setzt ihnen einen Topf vor, in dem sich ein Gemisch von Kalbs= und Hühnerfleisch mit Reis befindet. Der echte unverfälschte Pilaff besteht jedoch aus Schaffleisch; Reis. Käse, Tenaten, Kräuter und Gewürze spielen dabei keine geringe Rolle! Aber nur ein waschechter griechischer Koch kann den echten Pilaff bereiten. Von Griechenland nach den britischen Inseln ist ein ebenso großer Sprung wie von Pilaff nach pork pie. Die Engländer sind versessen auf ihre soliden Fleischpasteten, den massiven Yorkshire=Pudding zu Ochsenfleisch, ihre Brutsauce zu ganz jungen gebratenen Hühnern und ihre gewürzte Sauce zur Lammeskeule. Amerika legt nicht solchen Wert auf umfangreiche Mahlzeiten. Obst spielt im Leben des Durchschnittsamerikaners eine große Rolle; er steht mit ihm auf und geht mit ihm zu Bett. Zum Frühstück konsumiert er Grave=Obst Pflaumen und Aepfel, zum Nachtmahl Apfelkuchen oder Obstsalat. 1..— Die drei Wunder Von Kory Towska=Wien. In dem Bazar der arabischen Stadt Kairawan saßen drei Kaufleute aus verschiedenen Gegenden des Landes beisammen und unterhielten sich beim Nargileh über die Wunderkräfte ihrer ehrwürdigen heimatlichen Imams.“ „Hakem al Kabez, unser Imam“, so begann der erste,„hat einmal ein großes Wunder getan. Er ging am Ufer des Tigris spazieren, da sah er einen Mann, der ins Wasser gefallen war und in Todesnot um Hilfe schrie. Viele Menschen waren Zeuge, aber da keiner ein Boot hatte und keiner schwimmen konnte, so konnte auch keiner helfen. Auch Hakem al Kabez konnte nicht schwimmen. Da tat er ein inbrünstiges Gebet zu Allah— gepriesen sei sein Name!— und der gab ihm die Kraft, den Unglücklichen zu retten. Hakem al Kabez schrie den Wassern zu:„Wasser hin— Wasser her!“ und die Wasser teilten sich, und der Mann konnte sich retten.“ „Das ist wohl ein großes Wunder“, sagte der zweite Kaufmann.„Aber unser Imam Nasser Bamrillah hat ein mindestens ebenso großes vollbracht. Wie er einmal über Land mußte in der Nacht, sieht er ein helles Licht, und als er näher kommt, ist es ein brennendes Haus. Oben am Fenster steht ein Kind und schreit, und unten stehen die Eltern und schreien, und keiner kann retten! Da erhob Nasser Bamrillah seine Seete im Gebet zu Allah— gelobt sei er!— und der gab ihm die Kraft zum Wunder.„Feuer hin— Feuer her!“ schrie Nasser Bamrillay den Flammen zu, und die Flammen teilten sich, und die Eltern konnten ihr Kind retten!" Der dritte Kaufmann nickte anerkennend. „Das sind zwei schöne Wunder“, sagte er, und die beiden anderen dachten: die wird sein Imam schwerlich überbieten können. „Doch Abu Tabak, unser Imam“, fuhr der dritte fort,„hat ein mindestens so schönes getan. Er ritt eines Tages durch die Wüste, und es ging ihm das Wasser aus. Seine Kehle brannte wie Feuer. Da begegnete ihm ein Ungläubiger und bot ihm Wein an. Natürlich zum Hohn, denn er wußte ja, daß Muhammed— gepriesen sei sein Name!— uns den Wein verboten hat. Da betete Abu Tabak aus ganzer Seele um die Kraft, in dieser Not das Rechte zu tun. Und Allah— gebenedeit alle seinen Namen!— erhörte ihn. Abn Tabak schrie:„Muhammed hin— Muhammed her!“ Und trank den Wein!" tote Helnan Von Hans Bethge. Wir fuhren von Kairo nach dem Schwefelbad Heluan hinaus, eine halbe Stunde mit der Bahn nach Süden, immer auf dem Rande der Wüste. Links schimmert das Mokattam=Gebirge blaß=rosa in der Sonne, man sieht in seinen steilen Gang hineingetrieben die Höhlen, aus denen die alten Aegypter die Steine für die Pyramiden brachen. Auch heute sind hier noch Steinbrüche im Gange, aber die modernen Aegypter machen es sich bequemer und bauen die Steine von außen ab. Die Arbeiter der Pharaonen drangen tief in das Innere des Gebirges ein, um zum besten Material zu gelangen. Heluan ist eine künstliche Oase mit trockenem Wüstenklima, eine laue Schwefelquelle von großer Heilwirkung dringt aus der Erde, wir sehen sie in einem Brunnenhaus. Das Bad ist vortrefflich eingerichtet, aber es liegt heute verödet da. Es wurde vor dem Kriege von Russen und Deutschen besucht, der Krieg hat Heluan zugrunde gerichtet. Früher gab es hier vornehme Geschäfte, mondäne Bars, Flirt und Rennen, das alles ist zu Ende, Heluan ist tot. Wir fuhren zum Nil hinab, hart am Ufer liegt ein hübsches Café San Giovanni, mit einer Terrasse. Wir nahmen den Tee, der Nil lag breit und stark bewegt zu unseren Füßen. Schaumköpfe tanzten über die weite Fläche, es kam ein Wind aus dem Delta. Drüben liegt die edle grüne Landschaft von Memphis, palmenbestanden, Kamele wogen am User entlang der Horizont ist heroisch gegliedert durch die erhabenen Ornamente der Pyramiden von Daschuhr, Sakkara und Gise. Ein paar junge Französinnen mit ihren Freunden fahren vor und kommen auf die Terrasse, um gleichfalls Tee zu trinken. Die hübscheste wirft einen flüchtigen Blick über die Ballustrade „Ah.— voila les pyramides, c’est joli, voyons“ sagt sie, und damit ist das Thema dieses schöne.i Ausblickes beendet. Man setzt sich, man locht, trinkt Tee, man holt die silbernen Puderdöschen hervor und betupft sich die niedlichen Gamingesichter, man tändelt, man scherzt, kurz man genießt das Dasein auf eine völlig unbeschweate, liebenswürdig oberflächliche Art. Ja in der lachend=heiteren Hingabe an den Augenblick sind diese französischen Mädchen unübertrefflich. Die Rückfahrt nach Heluan bezaubernd. Die Sonne ging orangerot hinter Memphis unter, die fünftausendjährigen Pyramiden stachen mit ernstem Schwarz in die Loge, der Miobattamllümsenge Eine neue arktische Forschungsreise Auf Veranlassung des skandinavischen Institutes for zusammenlignende Kultursorsking“ soll eine nordische Expedition nach der ent.sgenen russischen Halbinsel Kola ausgerüstet werden, deren Reiseweg von Prosessor Fridijof Nansen im einzelnen entworsen wird. Kola liegt zwischen dem Weißen Meer und dem Eismeer und besteht aus einer Hochfläche von 99000 Quadratkilometer Umfang. Dort liegt als Stadt gleichen Namens der Hauptort deo russischen Lapplandes mit kleinem Hafen. Seine Bewohner leben fast ausschließlich von Jagd und Fischfang. Die Forschungsreise dient vornehmlich der Aufgabe, die Bevölherung dieses Gebiets einer eingehenden menschen= und sprachkundlichen Untersuchung zu unterziehen und daneben gewisse Erkenntnisse von den früheren Lebensbedingungen und=gewohnheiten dieser Lappen zu gewinnen. Die Fahrt soll von zwei Abteilungen unternommen werden, von denen die erste voraussichtlich im Februar 1928 von Ostfinnmarken ausgehen wird, während die andere erst im Sommer folgen soll, um die Ergebnisse der vorhergegangenen nach Möglichkeit auszubauen und zu vertiefen. Jede dieser Grupxen wird von 10 bis 12 Wissenschaftiern begleitet werden: darunter befinden sich die Prosessoren A. W. Brögger, Konrad Nielsen, und Konrad Schreiner.— Professor Nansen hat bereils Verhandlungen mit der russischen Regierung zwecks Erlangung einer Einreiseerlaubnis für die betrefsenden Fahrtteilnehmer eingeleitet. Außerdem ist von der amerikanischen Stiftung„Laura Spelman Rockefeller Memorial“ ein wesentlicher Betrag für die Durchführung dieses Unternehmens bereitgestellt worden, so daß es so gut wie gesichert ist. —1•— Goldminen Bikanntlich wurden vor einigen Jahren Middalen(Joland) zwischen Reykjavik und Thingvellir nennenswerte Goldfunde gemacht. Anfangs suchten norwegische Unternehmer aus den Middalminen Gold zu gewinnen und hoben zu diesem Zweck ein paar Stollen im Fundgebiet aus, aber bald darauf wurden die gesamten Grabungen unterbrochen. Inzwischen hatte sich ein deutsch=holländisches Konsortium die Eigentumsrechte aller Landstreisen im Minenfeld, die es erlangen konnte, verschafft und versuchte nun im Laufe des letzten Sommers eine systematische Ausbeutung der fraglichen Minenelder vorzunehmen. Unter Leitung von Prosessor Keilback und Ingenieur Wierig wurden 7 Minengänge bis zu einer Tiefe von 100 Meter vorgetrieben, Vorarbeiten, die sich als recht kostspielig erwiesen. Doch ist nach Ansicht von Prosssor Keilback der Goldreichtum der Middaleminen groß genug. um trotz der hohen Unkosten noch erhebliche Reingewinne aus diesem Unternehmen zu erzielen. Nach vorsichtiger Berechnung wird die Menge des goldhaltigen Quarzes in diesem Gebiet auf ungefähr 80.000 Tonnen geschätzt, während andere Angaben sogar die doppelte Summe nennen. Da die Gewinnung des Goldes aus den Quarzadern bisher mit großen Schwierigkeiten verknüpft war, hat es nicht an Stimmen gefehlt. die die Rentabilität dieser Minen überhaupt in Zweifel zogen. Immerhin dürften diese Bedenken angesichts der bisher erzielten Ergednisse kaum aufrecht erhalten werden können. Dagegen wird deutscherseits betont, daß eine weitere Ausbeute der Minenfelder nicht bei den jetzigen hohen Arbeikslöhnen, die in Island bestehen, gewährleistet werden kann, da sie teilweise 50 Prozent über den deutschen Löhnen liegen. Entscheidend für den Fortgang des gesamten Unternehmens im Frühjahr wird es lein o5 entweder die Löhne dementsprechend verrinzert werden können, oder die Gesellschaft die Konzession erhält, deutsche Arbeitskräfte hinüber zu schaffen. Bisher hat sich die ioländische Regierung dagegen gesträubt, ausländischen Arbeitern die Einwanderungserlaubnis in größerem zu erteilen. W4 Be I S Bosts As eisn ue