Bogen bewaffnet schleichen in zerlumpten Gewändern sonnverbrannte Gestalten durch Dickichte von Bambusrohr und Kokospalmen, den Heimstätten von Tiger und Panther, die heute von dem schrillen Pfiff einer Lokomotive oder dem Donnern eines den Urwald durchquerenden Zuges aufgeschreckt werden. Gegensatz prallt auf Gegensatz. Sogar das Klima bewegt sich in Extremen. Tropische Hitze und polarähnliche Kälte wechseln in den einzelnen Landschaften miteinander ab. Hier erstarrt man vor Kälte dort kommt man vor Hitze um. Indien ist das Land der Romantik. Ueber unermeßsiche Reichtümer verfügen die indischer Nabobs. In ihren Schatzhäusern liegen Gold und Silber in Säcken aufgestapelt. Kostbare Steine liegen in Hausen geschichtet wie Kiesel am Rande der Chausseen. Zahllos sind die mit Diamanten. Rubinen, Smaragden und Safiren besäten Geschmeide. Funkelnde Spangen, flimmernde Broschen, blinkende Harnische blitzende Schilde liegen umher. Klingt das nicht wie ein Märchen aus„Tausend und einer Nacht?“ Und doch ist es Wirklichkeit. —(2— Der ehrliche Prohibitionsagent In den Vereinigten Staaten wird bekanntlich kein Gesetz schtimmer mißachtet als das Alkoholverbot. Die Regierung hat daher ein ganzes Heer von Prohibitionsagenten aufgeboten, die sogar Haussuchungen vornehmen dürsen. Einer der eifrigsten dieser Agenten im Staate Wisconsin erfreute sich in seinem Kontrollbezirk infolge seines rigorosen Vorgehens derartiger„Beliebtheit“, daß einige benachbarte Farmer beschlossen, ihn hereinzulegen. Der Plan gelang. Als nämlich on einem Abend der übereifrige Beamte auf einer von jenen Farmen unverhofft erschien, fand er die ganze Gesellschaft in feucht=fröhlicher Stimmung bei einem Faß selbstgebrauten Bieres vor. Sein Versuch, den verbotenen Trunk zu beschlagnahmen, wurde mit der übereinstimmenden Behauptung abgelehnt, das betr. Getränk sei völlig alkoholfrei. Der Agent ließ sich zu einigen Kostvroben verleiten und fand den schäumenden Gerstensaft schließlich derart schmackhaft, daß er Amt und Heimkehr vergaß und feuchter als die bekämpften„Nassen" wurde. In dieser übermütigen Laune entpuppte er sich als glücklicher Besitzer von über tausend Flaschen Whisky und anderen begehrten Getrännen. Mit der größten Zuvorkommenheit wurde er nach Mitternacht in einem Auto nach Hause gebracht; zwei weitere Wagen schlossen sich als Begleitung an. Tamit die Rückfahrt nicht vergeblich war wurde der Keller des angeheiterten einer gründlichen Räumung unterzogen; man fand nicht nur tausend, sondern sogar über dreitausend Flaschen Spirituosen, die der gestrenge Beamte nie so mancher andere Kontrolleur, zwar beschlagnahmt, aber nicht abgeliefert oder vernichteir hatte. Seitdem seine Heuchelei und Unehrlichkeit entlarvt wurden, haben die betreffenden Farmer Ruhe vor seinen Nachforschungen und obendrein einen stattlichen kostenfreien Vorrat verbotener Getränke. Es geht eben nichts über das„vorbildliche“ Amercha! Nach Norwegen Ontario. Nachdem kürzlich in Norwegen die Volksabstimmung eine Entscheidung gegen das Alkoholverbot erbrachte, hat nunmehr auch in Ontario, der volkreichsten Provinz Kanadas, die Prohibition Schiffbruch erlitten. In Ontario ging die Initiative von der Regierung aus, die eine Vorlage gegen das Alkoholverbot einreichte, weil sie die nachteiligen Folgen der Trockenlegung nicht mehr verantworten konnte. Damit das Volk Gelegenheit erhielt, zu diesem Regierungsplan unmittelbar Stellung zu nehmen janden Neuwahlen statt, die mit einem überlegenen Sieg der Verbotsgegner endeten. Die Regierung wird daher, dem Beispiel anderer kanadischer Provinzen folgend, das Prohibitionsgesetz abschaffen. In den Vereinigten Staaten von Amerika kann das Verbotsgesetz nicht so leicht wie in Kanada aufgehoben werden, weil es einen Betandteil der Versassung bildet, weshalb im Parent eine außergewöhnliche Mehrheit gegen die Prohibition entstehen müßte. Kanada aber nahm, als es jenes Sondergesetz während der Kriegozeit einführte, von vornherein auf eine spätere Aenderung Rücksicht, die inzwischen auch eingesetzt hat, weil die jahrelangen Erfahrungen den einwandfreien Beweis erbrachten daß man mit Verboten solcher Art nur das Gegentell erreichen baun. Ein später Friedensschluß Ein fast ein Jahrhundert bestehender Kriegszustand zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und dem kleinen Stammesrest der Seminolindianer in Florida ist endlich aufgehoben worden. Der Beginn dieser kriegerischen Verwicklung datiert aus dem Jahre 1830. Damals ereignete es sich, daß der erste Häuptling der Seminolen, Osceola, sich unter dem Schutz einer Parlamentärflagge ins Lager einer amerikanischen Heeresabteilung begeben hatte und dort widerrechtlich gefangen gesetzt u. abtransportiert worden war. Daraufhin wurden die Feindseligkeiten jahrzehntelang fortgesetzt, die den Vereinigten Staaten bedeutsame Einbußen an Menschenleben und Geld(ungefähr 40 Millionen Dollar) verursachten. Als wenigstens ein Waffenstillstand vereinbart und Osceoia inzwischen ausgeliefert worden war, weigerten sich die Indianer unter Hinweis auf die Verletzung einer völkerrechtlichen Gepflogenheit, einen formellen Friedensschluß einzugehen, ohne Genugtuung erlangt zu haben. So galt bis vor kurzem der im Jahre 1837 zwischen den Indianern und dem Präsidenten Andrew Jackson abgeschlossene Waffenstillstandsvertrag. Der jetzige Häuptling der 300 noch lebenden Seminolindianer beseitigte endlich diesen merkwürdigen Zustand durch ein an Coolidge gerichtetes Schreiben, in dem er erklärte, sein Stamm sei bereit, die solange geschwungene Kriegsaxt zu begraben unter der Voraussetzung, daß man jedem Seminolen erbliche amerikanische Bürgerrechte gewähre und dem Stamme selbst in Florida künftige Existenzmöglichkeiten. —.— □ 76 1 Belohnte Treue. Am 21. Oktober 1806 kam Napoleon in recht schlechter Stimmung in Dessau an. Dem Fürsten Franz. der ihn mit dem Hut in der Hand vor dem Schloßhofe empfing, begegnete er anfangs sehr hochfahrend, wurde jedoch im Laufe des Tages durch die freimütige Art des Dessauer Herrschers gemütlicher gestimmt und schließlich so zutraulich, daß er den Fürsten sogar zu einem Besuch in Paris einlud, was dieser freilich dankend ablehnen mußte. Daher fragte ihn der Kaiser, ob er ihm vielleicht einen Wunsch erfüllen könnte, er möge ihn nur aussprechen. worauf„Vater Franz“ die schönen Worte sprach: „Ich für meine Person bedarf nichts, aber um Schonung bitte ich für meine armen Untertanen, sie sind alle meine Kinder.“— Auf einen Wink Napoleons an den General Bertier wurden alle Requisitionen im Dessauer Land für ungültig erklärt, jede Mißhandlung und gewalttätige Ungehörigkeit streng verboten und das Land für durchaus neutral erklärt. Napoleon ließ sogar einen Soldaten, der einer armen Witwe eine Kuh fortgenommen hatte augenblicklich erschießen. Sein Benehmen dem Fürsten gegenüber war von seiner gewohnten Art derartig abweichend, daß seine Umgebung maßlos erstaunt war. O. K. Ein verhängnienoller Idamant. Im Jahre 1913 wurde in Südafrika die „Goldene Morgenröte“ gefunden, ein außerordentlich schöner Diamant, der jedoch seinen Besitzern Unglück zu bringen scheint. Kapitän Lucas, der den Stein lange Zeit in Besitz hatte, schreibt manches Unglück in seinem Leben diesem Stein zu und hat deshalb die Goldene Morgenröte, deren Wert auf anderthalb Millionen Mark geschätzt wird, für etwa 90000+ verüußert. Der Käufer war der Aga Chan. iener Hindufürst, dessen Gemahlin rinzessin Theresia wenige Tage nach dem Absschluß des Kaufvertrages starb. Jetzt will aus der Aga den Stein wieder verkaufen, der seinen Besitzern mehr Unglück als Befriedigung zu bringen scheint. Die Straußvogelzucht wird unlohnend. Dic Zeiten, als man in Südafrika noch von „Straußvogelkönigen“ sprach(wie in Amerika von Stahl= und Petroleumkönigen) liegen erst ein oder zwei Jahrzehnte hinter uns und sind doch schon halb vergessen. Damals dachte man nicht daran, daß der Handel in Straußenfedern gunzuch von den Launen der Mode abhängig ist. Damals wurden sogar zur Aufbesserung der Rasse Strauße aus der nördlichen Sahara nach Südafrika eingeführt. Seit dem Kriege in Europa ist der Handel in Straußenfedern stark zurückgegangen. Nach einer Aufstellung der Amsterdamer Zeitschrift„Zuid=Afrika“ waren im Jahre 1924 auf sudafrikanischen Farmen noch 206000 Strauße vorhanden, welche Zahl geger über 1913 schon eine Abnahme um 73 Prozent bedeutet. Seit 1924 sind die Preise für Straußenfedern noch schneller zurücksööcüder daß viele Farmer ihre Vögel geschiet und sich auf andere Zweige der Landwirtschaft beschränkt haben. Die Strauße lieferten Biltong(gedörrtes Fleisch), Federn für Damenschuhe und Federdeckbetten. Nur die besten Tiere entgingen der großen Schlachtung. —gh. Der mutige Lincoln. Es war bekannt, daß der nachmalige Präsident Lincoln den Befehlen seiner Frau stets eifrig nachzukommen versuchte. Selbst vor der hieraus häufig erwachsenden Lächerlichkeit scheute dieser bedeutende Mensch nicht zurück. Ehe er zu seiner großen staatsmännischen Aufgabe berufen wurde, nahm er an einem Stammtisch teil, der in einer kleinen Mittelstadt der Vereinigten Staaten wöchentlich drei= oder viermal zusammentraf. Pünktlich um zehn Uhr pflegte Lincoln aufzubrechen, was ihm natürlich den Spott seiner Stammtischgenossen in reicher Weise eintrug. Eines Tages schien Lincoln einen heroischen Entschluß gefaßt zu haben; als nämlich die Uhr 10 geschlagen hatte, blieb seelenruhig am Tisch sitzen. Darob große Verwunderung bei der Tafelrunde. Die Zeit schritt: vor, Lincoln blieb beim Spiel sitzen.— Am nächsten Tage wiederholte sich dieser Umstand, ebenso am nächstfolgenden. Da riß endlich den Stammtischgenossen die Geduld, und man fragte in den Tönen höchster Verwunderung den stolz dasitzenden Lincoln, was denn seine Frau zu dem langen Ausbleiben in den letzten Nächten gesagt habe. Lincoln blickte stolz in die Runde und antwortete:„Ja, das weiß ich selbst nicht, ich war seit vorgestern nicht mehr daheim!“ Newyorks ewige Lampe. Einem alten Brauch zufolge werden vor der Wohnung des Oberbürgermeisters von Newyork sofort nach erfolgter Wahl zwei Straßenlaternen aufgestellt und feierlich angezündet; sie müssen während seiner ganzen Amtsdauer Tag und Nacht brennen. Diese Sitte stammt noch. aus alter Zeit, als die Stadt noch ein kleines Oertchen war und der Bürgermeister der einzige Vertreter der Obrigkeit. O. K. Normannenfunde auf Grönland. Kürzlich ist die dänische archäologische und geologische Expedition von Süd-Grönland nach Kopenhagen zurückgekehrt. Bei Igaliks, wo eine alte Niederlassung von Normannen unter Erik dem Roten bestanden hat, sind die Fundamente einer Kathedrale und eines Bischofspalastes ausgegraben worden. Das Hauptgebärde hatte eine Frontlänge von fünfzig Metern; die Flächenausdehnung war ebenfalls beträchtlich. Ein Skelett wurde gefunden, an dessen einem Finger noch ein Bischofsring steckte. Neben dem Gebein lag ein aus Walroß=Elfenbein geschnittener Bischofsstab. Vermutlich handelt es sich um die Ueberreste Jan Sverrejostres, des Adoptivsohns von König Sverre. Die weiter ausgefundenen Reste eines anderen Gebäudes in der Nähe von Lovmansgarden rühren wahrscheinlich von einer Kirche her, die hier durch die Gemahlin Eriks des Roten gestiftet wurde. Die größte Hängebrücke der Welt. Die Hudsonbrücke, deren beginnender Bau angekündigt ist, wird Fort Lee(New Yeresey) mit dem Newyorker Terrain verbinden. Die Kosten werden weit über 50 Millionen Dollar betragen. Jeder der beiden in das Wasser gesetzten Granitpfeiler wird eine Höhe von 280 Meter aufweisen und damit die Höhe des größten Wolkenkratzers von Newyork Woolworth Building, um 17 Meter übertreffen. Zwischen diesen beiden Pfeilern spannt sich der leichtgekrümmte große Hauptbogen der Hängebrücke mit einer Spannweite von 1080 Meter. Die Gesamtlänge der Hudsonbrücke wird ohne Zufahrtrampen über 3 km lang sein. An jedem Ende der Brücke wird ein Turmhaus errichtet werden, von dem jedes 27 Stockwerke zählt. Die Breite der Brücke ist so bemessen, daß ihr Unterdeck zehn Eisenbahngeleise, das Oberdeck eine Autofahrbahn von 25 Meter Breite, 2 Fußsteige und 2 Straßenbahngeleise zu trages vermag. Verantwortsich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Sanz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr.1 Mittwoch, 5. Januar Der Sternenhimmel im Janna Von Max Valier. Kurz nach 4 Uhr zu Monatsbeginn, kurz vor 5 Uhr gegen Monatsende, senkt sich die Sonne unter den Horizont, und schon dreiviertel Stunden später endet die bürgerliche, d. h. die allgemein wahrnehmbare Dämmerung, eine Stunde darauf die astronomische, mit deren Verschwinden die volle Nachidunkelheit eintritt. Indessen brauchen wir nicht auf sie zu warten, sondern können die Himmelsbeobachtung schon verhältnismäßig fruh zur Zeit der noch golden menden Dämmerung beginnen, weil die beiden hellsten aller Planeten, Venus und Jupiter, uns als milde Abendsterne leuchten. Venus insbesondere erscheint schon sehr bald nach Sonnenuntergang in geringer Höhe über Südwest, um zu Monatsanfang schon vor 5 Uhr, gegen Monatsende etwa gegen 6 Uhr 15 Minuten dort unterzugehen. Wesentlich höher und mehr über Westsudwest glänzt dagegen der Himmelsriese Jupiter; der sich zu Monatsanfang noch bis gegen 8 Uhr, gegen Monatsende bis etwa 7 Uhr über dem Gesichtskreise hält. Richtet man ein gutes Handfernrohr auf die beiden Planeten so wird man Venus als ein nahezu kreisförmiges Scheibchen erkennen, dessen Durchmesser im Winkelmaße gerade 200 mal kleiner ist als der der Vollmondscheibe. Dagegen ist Jupiter eine so mächtige, deutlich an den Polen abgeplattete Scheibe, daß schon eine 60 malige Vergioßerung hinreicht, ihm den Vollmondsdurchmesser zu verleihen. Unschwer erkennt man auf Jupiter auch schon mit mäßigen Fernrohren seinem Aequator gleichlaufenden beiden dunkiin Hauptstreifen. Dazu ist es besonders reizvoll. das abwechslungsreiche Spiel seiner vier großen, von Galilei entdeckten Trabanten zu verfolgen, die bald zwischen Erde und Jupiter vor seiner Scheibe hindurchziehen, bald von unserer Erde aus gesehen hinter Jupiters Riesenball herumgehen und in seinem Schattenkegel verschwinden. Auch Sonnenfinsternisse in der Juniterwelt lassen sich am 8., dann am 15 und am 23. Januar beobachten. Nähert sich Jupiter mit dem Ende der Dämmerung zu sehr den Dünsten des Horizontes, so daß seine Beobechtung infolge der dann sehr störenden Luftschlieren nicht mehr lohnend ist, dann bietet sich uns abermals Gelegenheit, unsere Aufmerksamkeit auf einen Planeten zu lenken denn Mars unser Nachbar im Sonnenreiche, hat bis dahin gerade den höchsten Punkt seiner Himmelsbahn erstiegen und strahlt machtvoll in rötlichem Scheine fast genau aus Süden zu uns hernieder. Im Fernrohre ungefähr eben so groß wie Venus erscheinend, glänzt Mars dem freien Auge immer noch heller als ein normaler Firstern erster Lichtklasse, doch nimmt sein Glanz im Januar wegen der rasch wachsenden Entfernung des Planeten von unserer Erde auf die Hälfte des ursprünglichen Wertes ab. Beobachtungen von Einzelheiten auf der Marsscheibe werden einesteils wegen des ven 11 auf nur 9 Bogensekunden zusammenschrumpfenden Planetendurchmessers schon immer schwieriger und nur noch mit den Fernrohren der Sternwarten einigermaßen erfolgreich sein, andernteils aber auch dadurch erschwert, daß die Marsjahreszeit immer ungünstiger wird und sich der rote Stern des Kriegsgottes mehr und mehr in seine winterlichen Nebel hüllt. Noch ein Planet befindet sich am abendlichen Himmel: es ist der sonnenferne Uranus, der im Sternbilde der Fische, nicht allzuweit rechts unterhalb von Mars, aber nur mit Hilfe eines guten Feldstechers und einer genauen Sternharte aufgefunden werden kann. Der Stand der Fixsterne, wie sie sich zu Monatsbeginn um 10 Uhr, zur Monatsmitte um 9 Uhr und gegen Monatsende um 8 Uhr darbieten: ist folgender: Wenden wir unseren Blick wieder gegen den nordwestlichen Bogen des Gesichtskreises, so sehen wir dort ganz im Nordnordwest einen hellen Stern hart am Horizonte schweben: es ist die sommerliche Wega, der Hauptstern im Bilde der Leyer, das im Juli=August abends steil im Zenit zu unsern Häupten thront. Genau im Nordwestpunkte steht fast senkrecht aufgerichtet das schöne Kreuz des Schwans, mit Deneb, als oberstem Hauptstern, wogegen die untere Hälfte des Längsbalkens bereits untergegangen ist. Ueber West versinkt zurzeit gerade das große Sternbild des Pegasus oder des Musenpferdes, dessen drei öftliche Hauptsterne zusammen mit dem westlichsten Stern der Andromeda ein einprägsames gewaltiges Viereck am Himmel bilden. Dem Milchstraßenzuge an seinem unteren Rande folgend, steigen dann die übrigen Sterne der Andromeda hinan, oberhalb von deren mittelsten sich der berühmte, in allen Sternkarten angezeigte Nebelfleck befindet, der jetzt von den meisten Astronomen für eine Sterneninsel gleich unserem eigenen Milchstraßensystem gehalten wird. Unterhalb der Andromeda kreisen [Triangel und Widder, und ganz tief am südwestlichen Horizonte glimmen die Sterne des [Walfischs, davon besonders Omikron unter dem Namen„Mira“, d. h. der„Wunderstern", durch seinen rätselhaften Lichtwechse! Berühmtheit erlangt hat. Das tiefe Himmelsfeld bis gegen die Nordsüdlinie oder den Meridian heran ist dann verhältnismäßig schwach mit Sternen besetzt. Nur steiler oben fällt die sartige Gruppe der Plejaden oder der Gluck henne in die Augen, und ganz im Scheitel krei die reiche Sterngirlande des Perseus. Ein wahrhaft überwältigendes Bild voll himmlischer Pracht und Schönheit aber bietet sich dem Blick, wenn wir das Auge nunmehr auf das östliche Himmelsgeviert lenken, wo all die mit reichem Sternenprangen gesegneten Wintersternbilder kreisen. Fast genau im Süd der Himmelsjäger Orion mit zwei Sternen erster Größe: Rigel und Betelgeuse, links unterhalb von ihm der Große Hund, mit dem blitzenden Sirius, dem hellsten aller Fixsteine als Hauptstern. Mit Sirius und Beteigeuse bildet dann Prokyon, der Hauptstern im kleinen Hunde, ein fast gleichseitiges Dreieck. Gehen wir aber in die höheren Regionen des Himmelszeltes hinauf, so sehen wir links oberhalb Orions die beiden Zwillinge Castor und Pollux, rechts oberhalb den Stier mit Aldebaran, dem gleblichen Stern erster: Lichtklasse, um welchen sich die Hyaden scharen. Und steil fast im Scheitel gleißt endlich Capella im Fuhrmann. Ueber Südost ist dann wieder ein etwas leeres Feld, doch findet der Kundige auch dort die zarten Fixsterne der Wasserschlange und des Krebses und innerhalb der letzteren den Sternhaufen der Krippe. Ueber Osten aber steigt der gewaltige große Löwe mit Regulus herauf jenes Tierkreisbild, in welchem sich auch zurzeit der sonnenfernste aller Planeten Neptun verbirgt. Von den sogenannten Circumpolar= sternbildern steigt der Große Bär eben über Nordosten auf, Drache und Kleiner Bär kreisen unterhalb des Polarsterns über Norden Cepheus hängt gegen Nordwesten hinab, und Cassiopeja, deren fünf Hauptsterne das bekannte große lateinische W am Himmel bilden schwebt steil zu unsern Häupten, zu Perseus gewendet, fast im Zenit. Die weiße Not Von Wilhelm Hochgreve. Fast in jedem Winter das gleiche Erlebnio: Nach stürmischen Tagen plötzlich einsetzender Schneefall, der so stark ist, daß die sen selbst in den Tälern einen halben Meter hoch liegen. Die Sonne heuchelt allen, denen an soviel Schnee nichts lag, vor allem Vögeln im Walde, im Felde und in den Gärten und dem Wilde da draußen vor, daß bald bessere Tage kommen würden. Wo ihre Strahlen hintrafen, wurde der Schnee weich. Der Förster, der den wenig steilen Berg zur Wildfütterung hinanstieg, wurde naß unter der Joppe und hängte sie über den Rucksack, so brannte die seit#.en nicht geschaute Wintersonne aus blauem Himmel herab. Als sie aber hinter den Waldbergen untergetaucht war, dunkelrot wie ei blutiger Teller, da schlug der Wind nach Osten um und holte den Frost. Der Schneebrei wurde mit einer Eisschicht überhaucht. und sie bannte den Winter für längere Zcit. Die weiße Not war da und stierte mit kalter unbarmherziger Fratze die Tiere des Waldes und Feldes an. Meisen, Kleiber, Kreuzschnädel und Spechte schlugen sich ja notdürftig in ihrem weißen Walde durch, aber die Finken, Dompfaffen und Kernbeißer und die Schwarzdrossemn flogen zu den Menschen, um vereint mit dem kleinen Volke von der Landstraße, den Haubenlerchen, Sperlingen und Goldammern vom Geflügelfutter auf den Höfen oder auch von den Schutt= und Misthaufen sich dürftig zu ernähren oder an Fütterungen zu naschen, wo's solche gab. Grimbart. der Dachs, bei geringem Schnee und leichtem Frost durchaus kein Winterschläser wie etwa die Haselmaus im Moose der L'uumhöhlen oder im Heu des Wildschuppens,— bei diesem Wetter zog er doch vor, ganz im Bau zu bleiben und im warmen Mooshaufen, den er rechtzeitig im Nebelmond eingekarrt hatte, vernünftigeres Wetter abzuwarten, als wie der rote Vetter stundenlang auf dem alle Mäuse und sonstige Kleinbeute hoch zudeckenden Schnee herumzuschnüren und sich immer mehr Löcher in den schon mageren Leib zu holen. Aber was soll ein Fuchs anders gegen den Hunger tun als suchen, bis er was findet? Der Fette kann wohl klug reden! Böse hatten es auch die Füchse, genau wie das Nutzwild. in den ersten acht oder zehn Tagen der Zeit des hohen und harschigen Schnees, der ihre Hauptnahrung, die Mäuse, vor dem Jange schützte. Dann aber wurde es für die Roten besser, von Tag zu Tag, und manchmal gab's Festschmaus wie selten. Das Nutzwild nämlich, die Hühner und Fasanen im Felde und in den kleinen Gehölzen, ebenda auch und im Walde die Hasen, Kaninchen und Rehe, sie wurden immer matter vor Nahrungsmangel und Kälte. Für die Rehe ist besonders der hohe Schnee mit eisharter Decke, die Sonne und Frost schufen, gefährlich und oft verhängnisvoll, weil er ihre Bewegungsfreiheit hindert, ihren Blutumlauf dadurch unterbindet, sie faul und steif macht, schließlich— und das ist das Furchtbarste— die Decke an ihren Läufen aufreißt, wenn sie ziehen oder gar flüchten. Die wunden Stellen brennen und schmerzen; hindern immer mehr die Bewegung, reißen immer wieder und weiter auf, und der Wundschweiß den schalen= und laufwundes Wild in den Fährten zurückläßt, verrät den Feinden, wo es was zu holen gibt, Marder und Iltis, Elster, Häher und die zwei im Frühjahr für das Jungwild und in solchen Wintern auch für die größeren gefährlichen Schwarzen, zu denen sich meist die noch räuberische Graukrähe gesellt, sie durchlungern Feld und Wald, folgen den Rotfährten und umgeisern und umhassen das gefundene Stück, bis sie zuzufassen wagen, immer wieder, bis das kranke Stück nicht mehr hoch kann, an der Kehle gewürgt oder ihm die Lichter ausgehackt werden und die Hirnschale eingesteßen wird. Schneller noch wird ein Fuchs mit solchem winterkranken Stück, und seis ein starkes Altreh, fertig. und zwei oder drei tun noch raschere Arbeit, um zu dem langentbehrten Festschmaus zu gelangen, um den hohlen Leib endlich einmal wieder vollzuschlingen, voll bis zum Platzen, deß es zur Not drei Tage hinreicht, bis wieder eine Fährte frischen Schweiß zeigt. Die weiße Not! Noch andere und noch tückischere Feinde bringt sie auf die Beine, Aasjäger und Wilddiebe. Wenn der Mond hoch und hell wandelt, hocken die Schinder in ihren Löchern und verknallen ihre Schrotpatronen auf das arme Wild, das hungernd die Rübenblätterhaufen, eigens zu solcher Schlächterei auf's Feld gefahren, annimmt u. oft mit dem Tod im Leib zu Holze flüchtet u. dortunter furchtbaren Quaen verendet, wenn nicht ein Fuchs, in solchem Falle nur Erlöser, vorher ein rasches Ende macht. Auf zwei Zeinen geht auch vas Rulorier, das die tückischen Drahtschlingen in die Wechsel hängt oder mit einem Köter den Wundfährten folgt, um das Wild zu hetzen und zu fangen dem der Hoch= und Hartschnee das Flüchten erschwert ud schließlich unmöolich macht. Die weiße Not! Ein Winter mit hohem Schnee ist schlimm für unser Wild vom Kaninchen hinauf bis zum Rothirsch, vom Feldhuhn bis zum Auerhahn. Ein langer Winter mit Schnee, Tauwetter, Frost, wieder Schnee und wieder Tauwetter, dem dann abermals der Frost folgt, dazu noch mondhelle Nächte, solch ein Winter kann Wälder veröden, und viele Hegejahre gehören dazu um die Lücken wieder auszufüllen, die die weiße Not in die Bestände riß, die weiße Not, die mit eisiger Riesenfaust die Natur in ihren Bann schlägt und unter unseren Wildbeständen furchtbare Auslese hält. Allen aber, denen mit dem Jagdschein die heilige Verpflichtung des Hegens ubertragen wurde, ruft solche Notzeit immer wieder mahnend zu, daß sie mit allen Mitteln helfen und lindern sollen, mit Fütterungen und mit Schneepflügen, die Laufbahnen schaffen und die natürliche Aesung freilegen, mit der Ueberwachung der Fütterungen und des Reviers überhaupt und mit rücksichtsloser Bloßstellung aller Auchjäger, von denen man hört, daß sie der weißen Not in die Hände arbeiten. Denn was verliert der Wald, wenn er sein Wild, seine Vierwelt verliert? Seelenloo starrt er uns an! In dreißig Minuten von Pol Vor zirka zweltausend Jahren glich unser deutsches Vaterland in vielen Gauen einem undurchdringlichen Urwald, in welchem Bären, Auerochsen und anderes wildes Getier hausten. Unsere Vorfahren, die alten Germanen, hatten mit diesen Bestien schwere Kämpfe zu bestehen. Doch die Jagd bereitete ihnen viele Freude, genau wie das Kriegführen. Wenn sie in den Kampf zogen, so führten sie nicht selten ihre Weiber und Kinder mit, die auf primitiven Zahrzeugen Platz genommen hatten. Die Räder der Wagen waren kreisrunde Scheiben aus dicken Bäumen geschnitten. Berücksichtigt man das unkultivierte Gelände jener Zeit, so wird man wohl verstehen können, daß es mit der Schnelligkeit dieser Fahrzeuge gar übel bestellt war. Um nach heutigen Maßen fünf Kilometer zurückzulegen, brauchte man zu jener Zeit eine Stunde und mehr. Heute scheinen uns derartige Fortbewegungsmöglichkeiten in bezug auf Schnelligkeit einfach lächerlich. Im Zeitalter des Verkehrs legen die D=Züge in der Stunde über hundert Kilometer zurück, unsere Flugzeuge mehrere hundert Kilometer. Kürzlich stellte ein italienischer Flieger einen Geschwindigkeitsrekord von vierhundert Kilometer in der Stunde auf. Was sind vierhundert Stundenkilometer? Nichts! Dem Menschen kann es nicht mehr schnell genug gehen. Sein Geist ersinnt Fahrzeuge, die in der Sekunde mehrere Kilometer durchrasen sollen. Gedanken, die vor wenigen Jahren Dichter Narren und Irre in santastischer Kühnheit aussprachen, scheinen nunmehr Wirklichkeit zu werden. Das Verkehrsmittel der Zukunft die Rakete. Mit einer Sekundengeschrindig. keit von zwölf Kilometern soll dieses Fahrgeu### dahinrasen. Man spricht in der Gegenwart viel von einem Flug zum Monde, der mit der Rakel#e ausgefuhrt nur eine halbe Woche dauern würde. Bleiben wir auf der Erde! Fahren wir mit einer Sekundengeschwindigkeit von zwölf nilometern vom Süd= zum Nordpol, das heißt die Strecke eines halben Meridians bewältigen. Ein Meridian hat einen Umfang von cund vierzigtausend Kilometer; der halbe also nur zwanzigtausend Kilometer. Zwanzigtausend Kilometer werden von der Rakete demnach in rund dreißig Minuten zurüchgelegt und der den die Menschen weiter sinnen, um ein Fahrzeug zu erfinden, das mit dem Lichtstrahl um die Wette fliegt. Nehmen wir an, es gäbe ein Flugzeug, das in der Sekunde dreihunderttausendundeinen Kilometer zurücklegt, so würde unser Auge während dieser Fahrt gar seltsame Bilder zu schauen bekommen. Alles Leben auf den Sternen, vorausgesetzt daß dieselben bewohnt sind, würde sich relativ vor unserem Auge abspielen, das heißt, ein Greis, den wir oben auf dem Polarstern erblichen würden, Ein Luftschiff zur Bezwingung des Weltenraumes will der Münchener Astronom und Flieger M. Flug rund um die Erde würde nur eine Stunde dauern. Eine Utopie ist der Verwirklichung nuhe. ein Wunder ist im Begriffe, greifbare Formen anzunehmen, um mit einem Mal diese große ungeschlachte Erde zu einem Spielballschatten der einstigen Giganten zusammenzudrücken. Wir leben in der Geburtsstunde des Rakrtenmotors! Wenn wir zu den Optimisten gehören, so können wir uns der Hoffnung hingeben, daß dieses gewaltige Verkehrsmittel vielleicht von unseren Kindeskindern zu einer Fahrt nach dem Mars benutzt wird. Zwölf Kilometer in der Sekunde! Ob damit der höchste Schnelligkeitswunsch der Menschheit erfüllt sein wird? Ich glaube kaum. Es geht uns wie dem kleinen Nimmersatt in einem bekannten Hauff'schen Märchen, der mit seinem Bettchen in der Nacht in die Welt hinausfuhr, und dem die Fahrt nicht schnell genug ging.„Schneller, immer schneller!" Das ist das Losungswort des gegenwärtigen Geschlechts. Der Lichtstrahl legt in der Senunde breiyunderttausend Kilometer zurück. Wenn das Problem der Mondrakete gelöst sein wird, wer= rasen können. Valier bauen und in einem halben Jahre ausprobieren. Das Schiff wird mit naketen getrieben. würde nicht älter, sondern jünger werden und zuletzt als winziges Baby in der Wiege liegen. Warum: Jeder Lichtstrahl zeigt uns ein anderes Bild. Fliegt unser Flugzeug schneller als der Lichtstrayl, so überholen wir das letzte Bild und gelangen in das vorletzte und so fort. Wir schauen nicht in die Zukunft alles Geschehens, sondern in die Vergangenheit. Was sich vielleicht vor vielen tausend Jahren auf jedem entfernten Stern zugetragen hat, erleben, oder sehen wir erst heute...6, Seistar„## Phantastische Flüge des Geistes! Es sino Utopien die nie verwirklicht werden können. Der Mensch ist und bleibt, trotz seiner anerkennenswerten technischen Errungenschaften ein elender Wurm, dem es nie vergönnt sein wird, den geheimnisvollen Schleier, der das Rätsel der Sterne verhüllt, zu lüsten. Auch der Raketenmotor wird eine Utopie bleiben, auch wenn die Gelehrten unserer Zeit noch so sehr rechnen und tüfteln. Wir wollen zufrieden sein, wenn wir bereits mit einer Stundengeschwindigkeit von vierhundert Kilometern. wie jüngst der italienische Flieger, durch die welt * A l a n e t V e n u s e i e s p e i t e W o l k e n h ü l l e u m g i b t d i e V e n u s, d i e u n s k e i n e n — Eine Zee###- Einblick auf die Oberfläche der Venus gestattet. Die heißen Sonnenstrahlen prallen von den Erde Von Dr. Wegner=Berkin, Leiter des Planetariums. Am Abendhimmel strahlt jetzt ein herrlicher Stern, der im Apvil und Mai ungefähr drei Stunden lang nach Sonnenuntergang gesehen werden kann. Es ist unser Nachbargestirn Venus, das der Erde zuweilen bis auf etwa 40 Millionen Kilometer nahe kommt und die Sonne in 7½ Monaten umkreist. Sein Licht ist manchmal so stark, daß es sogar Schatten wirft. Kein Himmelskörper ruft soviel Interesse hervor wie dieser Abend= oder Morgenstern. Dieses Gestirn hat mit vollem Rechte den Namen Venus erhalten. Wie mag es wohl dort aussehen? Bisher war zwar niemand da, und es wird noch recht lange dauern, ehe wir mit einer Weltrakete diesem fernen Planeten einen Besuch abstatten können, lassen sich aus den gen ziehen. Die Sonne erscheint noch einmal so groß wie bei uns, und unsere Erde stellt mit dem Monde ein helles Doppelsternsostem dor. Eine dichte Wolken zurück, rufen ein grelles Licht hervor und verhindern eine allzu kräftige Erwärmung des Planeten. Auf diese Weise kann sich trotz der Sonnennähe eine hohe Wärme nicht entwickeln. Man glaubt, daß dort eine Temperatur herrsche wie in unserer Steinkohlenzeit. Die Luft hat eine der unsrigen ähnliche Zusamensetzung, wir finden Wolken, Wasser und Wind. Durch die storkere Bestrahlung entstehen schnell aufsteigende Luftströme, die gewiß viel Regen bringen. Das Klima ist tropisch=feuchtwarm, und ein reichlicher Pflanzenwuchs wird vorhanden sein. Sicher gibt es dort Lebewesen, die wohl anders als die irdischen gestaltet sind. Ob die Venus ihre Drehung um die Achie wie die Erde in 24 Stunden ausführt oder viel länger dazu braucht, wissen wir noch nicht genau. Unser Nachbarstern ähnelt der Erde sehr an Größe und Beschaffenheit, weit mehr als der en, aber gewisse Rückschlüsse, vielgerühmte Maro, und steht und so am nächvielen Fernrohrbeobachtun, sten. Von allen Planeten unseres Sonnensystems hat die Venus die größte Möglichkeit, eine ledende Welt zu beherbergen; andere Wandelsterne kommen kaum in Frage. Spätere Zeiten werden es beweisen. Das Kaffee=Edikt Von T. Voigt. 10 Die Kulturgeschichte weiß allerlei ergötzliche, bisweilen auch haarstraubende Dinge zu erzählen, von ärigkeitlichen Verordnungen, dem Luxus im Privatieben heilsame Schranken zu setzen, von Hochzeitsmanoaten, die die Zahl der Gäste genau bestimmten und diesen auch fürsorglich eine zweckmäßige Speisekarte vorlegten, von Verboten gegen den ungebührlichen Aufwand bei Kindtaufen und Begräbnissen, von Kleiderordnungen und anderen derartigen Edikten gegen alte Sitten, Volksgebräuche und„üppige Gewohnheiten". Als ein originelles Beispiel jener meist wohlgemeinten, doch unpraktischen Regierungsweise und oörigkeitlichen Fürsorge darf auch das Kaffee=Edikt gelten, weiches im Jahre 1777 und nochmals verschärft im Jahre 1781 der Fürstbischof Wilhelm Anton in Paderborn erließ, um seinen geliebten bürgerlichen Untertanen das„heillose und durchaus schädliche“ Kaffeetrinken abzugewöhnen. Dieser Versuch schlug naturlich fehl und ganz in sein Gegenteil um. Fürstbischof Wilhelm Anton, aus der Familie des Freiherrn von Asseburg, regierte 1763— 1782. Er war eine schlichte, gerade, zuweilen derbe Persönlichkeit, freimütig und ungezwungen in Worten und Werken, fremd jedem verschmitzten, erkünstelten Wesen, ein wohlwollender Freund der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Er selbst erfüllte die strengsten Forderungen der Sittenreinheit und seine Denkungsweise war edel und human. Dabei war er ein guter Haushalter und Hausvater, mochte aber die Eigenschaften der Sparsamkeit und Nüchternheit zuweilen in einem höheren Grade darlegen, als seinen Hofleuten und Dienern gerade lieb und erwünscht war. Er schuf allerlei Reformen, teils durch Edikte teils dur chdie in das Privatleben einschneidenden Verordnungen, die in der Hauptsache darauf hinausgingen, Verschwendung, Ueppigkeit und Genußsucht fern zu halten. Die Sorge für das allgemeine Wohl und Beste gab dem Landesvater endlich auch den Gedanken ein, seinen Landeskindern das Kaffeetrinken abzugewöhnen. Die enormen Summen, welche der tägliche Kaffeeverbrauch seinem Lande Jahr aus Jahr ein entzog, waren ihm, als gutem Haushalter und allezeit fertigen Rechner, nicht nur wohlbekannt, sondern auch ein großer Verdruß. Diesen kostbaren Luxus also aus der Lebensweise des„gemeinen Mannes" zu verbannen, gab er am 23. Februar 1777 ein Edikt, welches den Bauern, Bürgern und niederen Beamten den Ankauf und Gebrauch des Kaffees untersagte und für ein Privilegium des Adels, der Geistlichkeit und der höheren Staatsdiener erklärte. Der Handel mit Kaffee wurde vom 1. Mai dieses Jahres ab nur noch den Kaufleuten der Stadt Paderborn gestattet, in allen anderen Orten des Bistums aber gänjlich aufgehoben. Gegen Uebertretungen waren Konfiskationen und Geldstrafen von 5—10 Gulden festgesetzt und denen, welche solche zur Anzeige brachten, Denunziantenanteile zugesichert. Natürlich rief diese Publikation des Kaffeeverbots einen Schmerzensschrei alsbald im ganzen Lande hervor. Wer beschreibt den Aufruhr der empörten Gemüter, den Zorn und Unwillen der Bürger, welcher bei diesem unerhörten Eingriffe in ihre persönlichen Rechte und Freiheiten damals laut wurde— das wohltuendste und gebräuchlichste Getränk so vieler plötzlich zu verbieten. aber und unerwarket, wie ein Blitz aus heiterm Himmel, trat es am 23. Februar 1781 erneuert und verschärft wieder in die Oeffentlichkeit. Zugleich wurden auch Einrichtungen getroffen, welche dessen Ausführung besser als bisher unterstützten, Umgehungen und dergl. verhüten und die Schuldigen zur gerechten Strafe ziehen sollten und schließlich wurden auch bald infolge der größeren Wachsamkeit Schuldige entdeckt und in Strafe genommen, ja, endlich sogar einige Kaufmannsläden geschlossen, deren Besitzer, trotz des Verbotes, an ungeeignete Personen Kaffee verkauft hatten. Das war dem Volke aber denn doch zu viel! Es vermochte sich nicht länger mehr zu halten Verwünschungen, Drohungen, Verhöhnungen und Gassenlieder wurden laut, aufreizende Schmähschriften wurden verbreitet, ja, ein unruhiger Auftritt folgte dem anderen. Hauptsächlich richtete sich der Volksunwille gegen den Präsidenten, dem man in erster Linie die Mitwirkung bei diesem verhaßten Edikt und seiner Erneuerung zuschrieb. So leitete man ihm aus dem Brunnen, der vor seinem Hause stand, in besonders dazu angelegten Röhren alles Wasser des Nachts in den Keller, so daß ein großer Teil seines Weinvorrates verdarb; ein andermal stand vor seiner Haustür früh beim Anbruch des Tages eine Eselsgestalt, auf der eine abenteuerliche menschliche Figur mit einer Tasse in der Hand saß. Dem Kanzleisekretär, der das erneute Verbot abgesaßt, und dem Buchdrucker, der es durch den Druck veröffentlicht hatte, warf man die Fensterscheiben ein. An diesen Vorgängen hatten einzelne durch Stand und Geburt hervorragende Personen obwohl sie von der Bestimmung selbst nicht betroffen, doch aus anderen Gründen ihr stilles und herzliches Wohlgefallen. Sie unterließen nicht, das Volk zu neuen und weiteren Ausschreitungen und Exzessen aufzumuntern und anzufeuern. Auf ihre Veramassung wurde eines abends auf dem Marktplatze an hell erleuchteten Tischen ein öffentliches Kaffeetrinken abgehalten. Aus allen Winkeln der Stadt hatte man das Geschirr dazu zusammengebracht. Jeder konnte frei trinken und Scharen beiderlei Geschlechts kamen, dem verpönten Verbote zuwiderzuhandeln und der Kaffeelust zu fröhnen. Auf einer Tribüne war eine Musikbande aufstellt, mit deren Spiel der Lärm und das Jueln der versammelten Bürger und Bürgerinen das Trommeln und Pfeifen der zügellosen mus hat mit Andruch des zwanzigsten Jahrhat mit Andruch des zwanzigsten Jahr hunderts in den vornehmen Schichten der Inder langsam Fuß gefaßt. Die Errungenschaften der Technik haben Eingang gefunden, die Maharadschas reiten nicht mehr auf Elefanten, sondern benutzen das elegante Auto oder das beschwingte Flugzeug. Mehr denn je werden im sernen Osten die hohen Wissenschaften gepflegt. Der greise Rabindranath Tagore, der Dichter Orients, brachte aufsehenerregende Kunde dem gegenwärtigen Kulturleben seiner indischen Heimatlandes. Fast in jedem Jahre unternimmt er, trotz seines hohen Alters, Weltreisen nach dem europäischen Kontinent und hält in den Hauptstädten der Länder belehrende Vorträge über gegenwärtige indische Kultur. Er führt uns ein in indische Sitten und Gebräuche, erzählt uns von indischer Kunst und indischem Handwerk, und alles wovon er spricht, trägt den Charakter einer jahrtausendalten Kultur. Ob man will oder nicht, man muß den braunen Söhnen Sympathien entgegenbringen. Es ist alles so fremd und doch zauberhaft schön. Ein geheimnisvoller Märchenschleier liegt über dem indischen Lande. Dort ist die Heimat der Fakire, Yogis, Schlangenbeschwörer, Bajaderen und Feueranbeter, dort klingt monotone Musik der Dudelsack= u. Paubeninstrumente, die die Schlangen hypnotisiert und in ihre Bann schlägt. Aber dies Verbot erschien nicht nur als ein Druck und Gewaltstreich, sondern auch als die höchste Ungerechtigkeit, als ein Hohn und Spott, weil dem Standesunterschiede dabei in einer Weise Rechnung getragen wurde, die nur tief verletzen und erbittern konnte, dem Reichen und Vornehmen sollte ein Lebensgenuß vorbehalten bleiben, der den geringen und unbemittelten Leuten infolge einer Laune verweigert wurde. Obschon die Menge varüber höchlichst beleidigt und ergrimmt war, so legte sich dennoch im Laufe der Zeit diese aufgeregte Stimmung. Und gegen diese unvernünftige Publikation war sogar im Geheimen selbst die Polizei; denn die mit der Handhabung des Gesetzes beauftragten Beamten, die Gefühle und Bedürfnisse der Einwohnerschaft teilend, versahen ihren Dienst nicht ohne Mitgefühl, Rucksicht und Nachsicht. So kam der Verkehr mit dem Kaffee bald wieder in die alte Bahn und sein Genuß gewährte nun umso mehr Vergnügen, je stiller und heimlicher, vorsichtiges und bescheidener er angestellt und bereitet wurde. In diese lichen Stille und vorsichtigen Heimlichkeit vergingen vier Jahre und das Verbot schien auf beiden Seiten fast vergessen zu sein.— Plötzlich nen das Trommeln und Pfeifen der Straßenjugend sich zu einem nicht gerade harmonischen Ganzen vereinigte.— Ein entsetzlicher Straßenskandal, der die Ruhe der Nacht völlig aufhob und der bischöflichen Regierung ernste Besorgnisse für die Zukunft einflößte, war das Ende dieser Demonstration gegen das fast allgemein verurteilte Kafsee=Verbot. Der damals in Neuhaus wohnende Fürst erhielt am folgenden Tage genauen Bericht über das Geschehene; ihm wurde die Gefährlich der Volksstimmung mit blutroten Farben geschildert und er im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Wohlfahrt um durchgreisende Maßregeln und Verhaltungsbefehle gebeten. Es erschien durch diese Umstände geboten, die Ruhe der Stadt durch Waffengewalt wieder herzustellen und an die Truppen erging sofort der Befehl, mit geladenem Gewehr einzurücken und die Stadt zu besetzen. Als sich diese vor dem Rathause aufstellten, wurden sie mit den Melodien der Lieder Ave Maria und Stabat mater, welche eine Musikabteilung in dem gegenüberliegenden Gasthose anstimmte, freundlichst begrüßt; übrigens verhielt sich die Menge angesichts der Waffen ruhig und friedlich und es war kein Grund somit vorhanden, mit der Schärfe des Schwertes gegen die Bürger vorzugehen. Ja die ganze Okkupation der Stadt endete Von bezaubernder Schönheit sind die indischen Frauen mit ihrem kostbaren Schmuch. Schwere Ringe aus Silber und Elfenbein zieren die braunen Fußgelenke. Rubine und Smoragde leuchten als funkelnde Ohrgeschmeide und das nachtschwarze Haar glitzert und gleißt von Reifen und Spangen, die mit vielen Edelsteinen besät sind. Wenn auch die Fülle des Geschmeides den Europäer abstoßen mag, der unermeßliche Reichtum setzt ihn aber in Erstaunen.„Edelsteine" und„Indien“ sind zwei Begriffe, die zusammengehören. Trotz des Modernismus kann man sich von diesem Schmuch in Indien noch nicht trennen. Nur die wohlhabendsten aller Frauen glänzen durch europäische Kleidung. Vielleicht ist es gerade das, was gegenwärtig den fernen Osten für uns so interessant macht: Der krasse Gegensatz zwischen dem Althergebrachten und dem Modernen europäischer Kultur. Und wie es mit der Mode st, so ist es auch mit dem Handwerk. Neben den neuzeitlichen Fabriken, die die technischen Errungenschaften des Abendlandes in Massenartikein herstellen, treibt der indische Handwerker in seiner aus Bambusstäben erbauten und mit Palmenblättern bedeckten Hütte seine mühselige Kunst. Kunst! Fürwahr, jeder indische Handwerker ist ein Künstler im höchsten Grade. Echt indische Erzeugnisse haben ihren Weg auch zu uns gefunden und sind beliebte Kaufgegenstände in den Großstädten. Wie leuchtend sind die buntgewebten Matten, Stickereien und Teppiche! Mit den primitivsten Handwerkszeugen stellt der Ebenholzschnitzer seine Elefanten ber, der Messingarbeiter seine mit vielen Schnörkeln verzierte Teller. Wir ahnen nicht. wie viele Mühe, Fleiß und Geduld erforderlich sind, um einen einzigen Gegenstand unter den braunen Händen entstehen zu lassen. Das indische Handwerk besteht und wird noch viele Jahrhunderte überdauern, denn der indische Kastengeist läßt dav Althergebrachte nicht zu. grunde gehen. mit einer bloßen Drohung ohne jede Verhaftun- und Anwendung militärischer Gewalt. Das Kaffee=Verbot aber, vom Volke solchergestalt lächerlich gemacht und verachtet, schlief im Laufe der nächsten Zeit bald genug ein, umsomehr, da im Jahre 1782 ein Regierungswechse! eintrat. —.— Bei Mahatma Gandis braunen Söhnen Von K. Jensen. Im fernen Osten liegt ein wundersames Land über dem ein duftiger Märchenschleier gebreitet Indien! Der Kampf den das britische Weltreich gegen die Selbstündigheitsbestrebungen der Jungindier, den Anhängern Mahatma Gendis zu führen hat, lenkt die Aufmerssamkeit des Abendlandes mit wachsendem Interesse den beiden Halbinseln zu. Der ModernisSo kommt es daß Indien das Land der grorten, erdenklichsten Gegensätze ist. Es ist das Land, wo dicht bei den anmutigen Promenaden Düngerhaufen liegen, wo Luxus und Unrat immer vermischt sind. Ueberall, wohin men biiet, dieses groteske Nebeneinander alle: Herrlichkeit und alles Jammers der Menschheit. Während auf den Marmorterrassen Bettler verhungern, sausen durch die staubigen Straßen die eleganten Autos englischer Ladys, daneben knarren Seite an Seite mit dicht verhängten Traxsesseln indriche Ochien kalten. Es wird wohl noch lange dauern und vieie Mühe kosten, um den indischen Kastenbeseitigen, Gebi — i, der die althergebrachten srauche nicht zugrunde gehen ist der Inder geduldig, sein Tempriegmatisch, seine Religt geist zu Sitten und lassen will. Zum Glück ist der Inder geduldig, sein 7e perament ist phlegt, fist Aliglon lehrt Entsagung. Er hat geiernt, das Joch seiner Kaste ohne Klage zu tragen. Wenn sein Tagewerk darin besteht, Kehricht zu schaufeln, wie sein Vater und Großvater getan, seine Kinder und Enkelkinder tun werden, so vollbringt er diese Tätigkeit ohne Murren sein Leben tang. Gewissenhaft halten sie fest an ihren ererbten Gebräuchen, fahren sie fort, die malerischen gestickten Gewänder der alten Zeit zu tragen. Das alte Indien, wie wir es aus Bilderbüchern kennen, lebt daher auch heute neben den. dernen Bestrebungen noch fort. Mit Pfell und 8