„CLEVELAND“ dte nuren Domzfer der llangg. „KECOLUE“ Stern“, einen geradezu faszinierenden Ausdruck annahm, und, nachdem es eine Weile in Tönen geschwelgt hatte, verschwand es in den trüben Fluten des Bassins. Das Zebra interessiert sich weder für Musik noch scheint es irgendwelche höheren Interessen zu kennen als die des Magens. Unklar über ihr Empfinden bleiben die Flamingos. Aehnlich vielen Menschen bedeutet fur sie die Musik ein Geräusch, von dem sie sich nicht klar sind, ob es angenehm oder unangenehm ist, jedenfalls beunruhigt es sie und sie scharen sich erschreckt zusammen ohne den geringsten Ausdruck seelischer „Emotion“ in ihren rosa Zügen. Die Seelöwen dagegen sind einfach entgeistert. Von den Tönen angelockt, eilen sie der Musik entgegen unter heiseren Schreien, die sie erst unterdrucken, sobald sie sich in der Nähe der Musik befinden und dann lauschen sie aufmerksam mit erhobenem Kopf, auf das angenehmste gefesselt. Es ist wohl überflüsfig, zu erörtern, daß sich die indischen Schweine mit jenem Mangel an Takt und dem Ueberfluß an Verständnislosigkeit benehmen, wie es auch die Gewohnheit der europäischen Schweine ist, sodaß man es sich versagen mußte, einen bildenden und veredelnden Einfluß durch die Musik auf diese kulturlosen Geschöpfe ausüben zu wollen. Auch das Känguruh scheint den ethischen Zweck di: Musik zu verkennen. Sobald es die Töne der Klarinette hörte, wähnte es sich offenbar auf den Brettern eines Varietees, stellte sich in korrekte Boxerpose und erwartete den Augriff des Gegners. Dagegen wird man nach den angestellten Versuchen mit der Klugheit der Schafe rechnen müssen, die mit großem Interesse in den bekanntlich so ausdrucksvollen Zügen herbeieilen, um Musik zu hören, und die gewiß das Tonstück da capo verlangen würden, wenn sie wüßten, auf welche Weise man diesen Wunsch zu dlöken habe. Auch die Girafse beweist durch eine Reigung ihres schlanken Halses ihr„wärmeres Interesse“ und scheint ebenso wie die Schlangen, besonders den hohen Tönen der Klarinette— die hohen Töne wirken im allgemeinen überhaupt am intensivsten auf die Tiere— ein liebevolles Verständnis entgegenzubringen. Die Adler dagegen verharren stolz und unnahbar, und das Lama unterläßt die von ihm erwartete Kundgebung, zu beißen und zu spukken, mit rühmenswertem Anstand. Geradezu heffnungslos aber ist die Wirkung der Musik auf Elefanten und Kamele. Das Dromedar verändert seine Stellung nicht im geringsten. Es blickt unbeweglich auf den modernen Orpheus, der so viel Lärm um nichts macht, und der sich für sein Geistesleben so sehr interessiert. Was den Elefanten anbetrifft, so„winkt“ er, ohne aufzublicken, mehrmals„ab", unterläßt schließlich auch dies, da die Menschen doch so schwer von Begriff sind und überläßt dem Naturforscher, die Richtigkeit des alten bekannten Wortes zu erkennen:„Dem Elefant von Senegai, dem ist die Sache ganz egal!“ erste Ais der Amerikaner Fulton im Jahre 1307 am Hudsonflusse bei Newyork die erste Dampfmaschine für ein Voot mit Rädern konstruieren ließ. lachte alle Welt über den Plan, einen Wagen mit einem Schifje zu verbinden und dieses mit einer Feueresse zu versehen, als wäre es die Werkstätte Bulkans, der sich aufs neue mit der schaumgeborenen Venus vermählen wolle. Fulton wurde mit dem tollkühnen Ikarus mit wächsernen Flügeln verglichen und in Newyork in hoshaften Karihaturen verhöhnt. Man Ländliches Stilleben Von Jutta Wilfing. Recht sauber schließt der grüne Fensterrahmen Das anspruchslose Landschaftsbildchen ein: Goldgelbe Sonnenblumen, schwer von Samen, Ein reises Feld, ein Weg im Sonnenschein. Zuweilen regt der Wind die Mullgardinchen, Die wie von Zucker sind, so weiß und nett, Und leise summt ein honigleckres Bienchen Um die Hortensie auf dem Fensterbrett. Breit fällt ein Streifen Sonne auf die Dielen, Vergoldet dort des Diwans Lehnenrand Und läßt verlorene Reflexe spielen Um einen Kruzifixus an der Wand. Dicht an der Tür hängt eine Doppelflinte, An deren Lauf der Lichtstrahl weilen bleibt, Und feiernd steht am Pult das Fläschchen Tinte, Mit dem der Pfarrer seine Predigt schreibt. Im Wetterhaus die hölzernen Figürchen Lächeln sich recht wie Liebesleute zu, Und eben haucht ein muntres Schwarzwaldührchen Von irgendwo:„Gucku! Gucku! Gucku!“ nannte sein Unternehmen„the Fulton (Fultons Torheit). Als der erste Versuch mit dem neuen Fahrzeuge gemacht wurde, wollte sich niemand mit ihm an Bord begeben; denn sein Untergang im Feuer oder im Wasser schien jedermann zweifellos. Nur mit Widerstreben entschlossen sich schließlich einige nahe Freunde und Verwandte des Erfinders, sein Schicksal zu teilen. Natürlich hatte man für eine entsprechende Anzahl von Reserve= und Rettungsbooten gesorgt. Fulton erzählt in einem Briefe, daß alle an Bord verdrießlich aussahen und daß kein Mensch ein Wort sprach. Da die Maschine noch mangelhaft konstruiert war, so geriet das Fahrzeug unter großem Gelächter der Zuschauer am Ufer sehr bald ins Stocken. Endlich aber entschwand das Boot den Blicken der höhnenden Gaffer. Wie spät und mit welcher bürokratischen Zaghaftigkeit man sich in Deutschland entschloß, die Erfindung Fultons einzuführen, dafür gibt ein Erlaß der sächsischen Landesregierung Zeugnis, das unter dem 17. August 1824 auf eine Bittschrift erging, in welcher ein Privilegium für ein Dampfboot, das von Hamburg nach Dresden fahren sollte, nachgesucht war. Es heißt am Schlusse des Schreibens wörtlich: „Hierzu kommt, daß N. seinen neuerlichen Versicherungen zufolge entschlossen ist, ein Dampfboot zu errichten, welches der fraglichen Yacht als Schleppschiff dienen soll. Eine solche schwimmende Dampfmaschine dürfte aber sowohl für die auf der Yacht selbst und auf den in deren Nähe kommenden Fahrzeugen befindlichen Menschen, als auch für die Bewohner der Elbufer und die an den letzteren liegenden Schiffmühlen mit einer nicht zu übersehenden Gefahr verbunden und daher deren Gebrauch jedenfalls nicht zu gestatten sein, solange nicht das Resultat der von Sachverständigen darüber anzustellenden gründlichen Untersuchung eine genügliche Beruhigung deshalb gewähren will." Die geäußerten Besorgnisse teilte auch die höhere Behörde und wies den Antragsteller ab. Das Tal mit diesem Walde, der unzählige Zeitalter geschaut, ist schwer zugänglich und wurde von nur wenigen Weißen besucht. Cs wird durch einen tiefen Wasserlauf gespalten der in den Rio Grande mündet. Die Oberfläckte ist mit einer dicken Schicht vulkanischer Asche und Bimsstein bedeckt, die wahrscheinlich von einem Vulkan in dem nahen Chisos=Gebirge herrühren. Diese vulkanischen Ausbrüche müssen sich ereignet haben lange nachdem der Wald in diesen versteinerten Zustand übergegangen, da die liegenden Stämme zum Teil mit Asche bedeckt sind. —.— Von Willy Bauer=Geringswalde. Ich will fliehen auf die Berge... Denn im Tale sagen sie:„Es ist kein Gott!.“ Ich will fliehen auf die Berge; denn meine Seele ist düster und ich bin müde von dem Geschrei der Welt, das schmerzlich mir in die Ohren gellt. Im Tale sagen sie:„Es ist kein Gott!“ Und suchen zu beweisen mit tönenden Worten, daß du nicht seiest, Gott. Ich will dich suchen gehen und die Berge ersteigen, wenn es auch Mühsal kostet u. Schweiß. Ich will fragen die Bergesgipfel und den schweigsamen Wald und alles Gewürm, ob du seiest, Gott, Herr der Erde und Welt?.. Und ich stieg auf die Berge im Schweiße meines Angesichts. Und hinter mir ließ ich das gellende Geschrei, das meinen Ohren schmerzte... Um mich her war tiefe, hehre Einsamkeit. Die Sonne stieg sieghaft herauf aus dem unendlichen Raume mit purpurnem Leuchten. Und im Walde erhob sich ein Raunen und Flüstern: Der Wind kam leise sächelnd daher und die Gräser erzitterten von seinem Hauche... Und ich werfe mich zur Erde und muß weinen... Muß weinen über die Menschen im Tale, die da sagen:„Es ist kein Gott!“. Und es zu beweisen trachten mit tönenden Worten... Und der Tau meiner Seele vereinigt sich mit dem Tau an den zitternden Gräsern und badet meine von Düsternis umfangene Seele, bis sie kristallklar und rein. Und meine Seele erkennt: „Es ist ein Gott!“ Worte sind wie Schall und Rauch vor deiner Allmacht, Allweisheit und Güte, o Gott! Du bist im zitternden, vom Morgentau beschwerten Halm und du bist im Geäst und Laub des Waldes. Du bist im strahlenden Glanze der Sonne und in der Morgen= und Abendröte und du bist in jedwedem Gewürm! Du bist um mich und in mir, denn du bist! Versteinerte Baumriesen in Von H. Hesse=Newyork. In einem abgelegenen Tale in Texas, fast hundert Meilen von der nächsten Eisenbahn entfernt, entdeckten die Geologen Dr. Gaither und Professor Cade den wunderbarsten versteinerten Wald, der bisher bekannt wurde. Sie fanden Stämme von hundert bis hundertfünfzig Fuß Höhe, manche sechs Fuß im Durchmesser. Neben den stehenden versteinerten Giganten eines vorhistorischen Waldes liegen viele mächtige Stämme da, und zwar von so gewaltigen Ausmaßen in Länge und Durchmesser, daß sie ihresgleichen in der ganzen Welt nicht finden. Ein Baumriese war 896 Fuß lang. So gewaltig sind die stehenden Stämme, daß sie aus der Entfernung den Eindruck mächtiger symmetrischer Säulen aus natürlichem Fels machen. Ein humoristischer Gemeinderat. In den Wiesen bei Leißling an der Saale findet der Wanderer nachfolgende humoristische Bekanntmachung des Gemeinderates: „Das liebe Vieh braucht Futter. Und Brot das Vaterland, Das ist so klar wie Butter, Wird selbst vom Rind erkannt. Drum lauf nicht auf die Wiese. Du schadest in der Tat; Du mußt sonst dafür büßen Fünf Mark beim Gemeinderat!" Der Reichtum nordamerikanischer Indianer. Unter den Indianern der Vereinigten Staaten, die sich im Laufe der letzten 25 Jahre auf 350 000 Personen vermehrt haben, gibt es eine ganze Anzahl Stämme, die über einen beträchtlichen Reichtum verfügen. Das bekannteste Beispiel bildet der Stamm der Osagen im ehemaligen Indianer= Territorium von Oklahama. Dieser Stamm war bereits sehr reich durch den Verkauf seines ursprünglichen Gebiets in Missouri und Arkansas und durch die Einkünfte aus der Verpachtung von Ländereien an Weiße. Nun wurde auf dem Gebiet dieses Stammes auch Petroleum entdeckt, und die Osagen erhalten heute als Pacht für die petroleumhaltigen Felder jährlich etwa zwei Millionen Dollar. Wenn man bedenkt, daß der ganze Stamm nur zweitausend Angehörige hat, wird es verständlich, daß sich die Osagen zu den reichsten Völkern der Erde zählen können. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena Druck und Verlag: B. A. Santz, Altena. srsg 888 8 as** „S 8—— LLTTTTLTSSER 55 558 8 E * S899 PeOe bo ssge gEERB S 853S1 15 S 5 * * Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 35 1. September 1926 Der Sternenhimmel im September Von Max Valier. Früher und früher senkt sich die Nacht über die Lande; dem Freunde des Sternenzeltes durchaus erwünscht, denn nun kann er zu immer bequemerer, zeitiger Abendstunde mit den Beobachtungen der Himmelswunder beginnen. Dazu kommt noch die verhältnismäßig milde Temperatur der lauen Septemberabende, die geradezu zum Verweilen im Freien einladet. Erheben wir nun zu Monatsbeginn um 9 Uhr oder zur Monatsmitte um 8 Uhr oder am Monatsende um 71 Uhr abends unsern Blick zum bestirnten Himmelszelte, dann finden wir die Sternbilder in der nachfolgend beschriebenen Stellung. Im Nordwestgeviert schickt sich das gewaltig ausgedehnte Sternbild des großen Bären, dessen sieben Hauptsterne den bekannten großen Himmelswagen bilden, soeben an, in seine tiefste Stellung unter dem Pole hinabzugleiten. Während die untersten Sterne in mittleren Breiten wirklich den Gesichtskreis berühren, bleiben die polnäheren auch im Augenblick der unteren Kulmination immer sichtbar und rechtfertigen so den Namen Zirkumpolarsternbild“ für den großen Bären. Hart über Westen aber glänzt tief am Himmel ein heller, feuriger Stern: Arkturus im Bootes. Etwas höher links von ihm findet sich das zwar kleine, aber leicht einzuprägende Bildchen der nördlichen Krone. Wenden wir uns nach Südwesten, dann bemerken wir dort tief in den Dünsten versinkend den Schlangenträger mit der Schlange, über ihm das Bildnis des Herkules, das zwischen seinen schönen Sternen Zeta und Eta einen der bemerkenswertesten Sternhausen verbirgt. Dieser kann schon im Opernglas als mattes, rundliches Wölkchen erkannt, aber erst durch sehr starlle Fernrohre in die Zehntausende von Fixsternsonnen aufgelöst werden, aus denen er besteht. Zu seiner Auffindung ist eine gute Sternkarte vonnöten. Richten wir den Blick nunmehr genau nach Süden, so finden wir dort den markanten Kopf des Steinbocks, während im Südsüdwest die hellen Sterne des Schützen matt in den Dünsten verglimmen. Ueber beiden Tierkreisbildern aber schwingt sich der Adler mit Atair um die Sphäre, und steil im Scheitel geben sich Leyer und Schwan ein kosmisches Stelldichein, indem die drei mächtigen Sterne Wega in der Leyer, Deneb im Schwan und Atair zusammen das mächtige sommerliche Riesendreieck bilden, das auch schon dem Laien in der Himmelskunde bei Einbruch der Nachtdunkelheit ins Auge fällt. Links vom Adler glitzert der Sternschwarm des Delphins. Tief über Südsüdost geht eben ein heller Fixstern auf: es ist Fomalhaut, der südlichste in unseren Breiten sichtbare Stern erster Lichtklasse. Zwischen Südost und Ost steigt das ausgedehnte Bild des Walfischs emvor. Ueber beiden aber kreisen die Tierkreisbilder Wassermann und Fische und abermals darüber, schon steiler am Firmamente, Pegasus und Andromeda. Dieses letztgenannte Bildnis ist deshalb besonders interessant, weil es nahe dem Stern Ny den gewaltigen Spiralnebel verbirgt, der als der größte und schönste unter einer Million seinesgleichen bekannt ist. Schon das freie Auge ahnt ein blasses Wölkchen, der Feldstecher aber zeigt das Wundergebilde immerhin, wenn es auch seine volle Pracht erst den lichtstarken Riesenfernrohren erschließt oder der photographischen Platte anvertraut. Unterhalb der Andromeda, mäßig hoch über Ost. kreisen Dreieck und Widder, und über Nordwest steigen die Plejaden im Stier herauf. den nahenden Winter verkündigend. Der stechend helle, königliche Stern aber, der Alte Kirchen Von F. Schrönghamer=Heimdal. Alte Kirchen stehen versteckt im Land Zwischen blühenden Linden, weißen Holunderbüschen, Mit verblendeten Fenstern, staubigen Heiligennischen, Die zum Nisten ein Schwälblein fand. Das ist der heiligen Stille Gebiet; Ein blauer Himmel vieltausend Meilen, Und weiße Wölklein, die weilen und eilen Und ein selbstvergessenes Amsellied. Gräber mit Kreuzen morsch und krumm Stehn wie verwachsene Maulwurfshügel Im Immengesumm Und verwildertem Blühen herum. Regt wo ein Wind die weichen Flügel, Trägt er von allem den Düftehauch Ueber das sommerverfunkene Tal, Weht dir ins Herz ein Wünschen auch, Hier in Frieden zu schlafen einmal. hoch über Nordost heraufkommt, ist Capella im Fuhrmann.— Von den Zirkumpolarsternbildern erwähnten wir bereits den großen Bären, der vom Pol nordwestwärts sich wendet, ihm folgen Drache und kleiner Bär gen Westen und Südwesten, Cepheus nach Süden, Cassiopeja nach Südosten und die Giraffe nach Nordosten, den Kreis zu vervollständigen. Zwischen Cassiopeja, den Plejaden im Stier und Capella im Fuhrmann endlich zieht die Sternguirlande des Perseus herab. In ganz hervorragend günstigen Beobachtungsverhältnissen befindet sich im September die Milchstraße. Freilich ist zu ihrer Wahrnehmung möglichste Freiheit von künstlichem Lichte erforderlich, wie sie heute nur noch auf dem flachen Lande oder im Gebirge oder an der See angetroffen wird, in Großstädten aber kaum zu erreichen ist. Dann aber, wenn ein absolut dunkler Standpunkt gefunden ist, entfaltet sie auch ihre unerhörte kosmische Pracht und Schöne. Im Berichtsmonat spannt sich die Milchstraße nämlich wie ein gigantischer Bogen von Nordost gerade über den Scheitelpunkt nach Südwest. der Reihe nach die Sternbilder Fuhrmann, Perseus, Cassiopeja, Schwan, Adler und Schutze durchziehend. Von den großen Planeten sind im September gerade die wichtigsten in günstiger Lage am Himmel zu sehen. Saturn als erster läßt sich von Einbruch der Dunkelheit an bis zu seinem immer früher vor Mitternacht erfolgenden Untergang im Westen im Bilde der Wage leicht verfolgen. Jupiter, der Himmelsriese, beherrscht den Süden so sehr durch seinen Glanz als hellster Stern des Firmamentes, daß es eigentlich überflüssig ist, zu sagen, daß er sich an der Grenze der Tierkreisbilder Steinbock und Wassermann befindet. Mars geht zu Monatsanfang um 9. zu Monatsende etwa um 7 Uhr im Ostnordosten als ebenfalls gewaltig heller, dabeif eurig roter Stern auf, so daß auch er kaum je mit einem Fixstern verwechselt werden könnte. Er befindet sich zwischen den Bildern Fische und Stier, in deren ersterem auch der sonnenferne Uranus sich aufhält, freilich nur mit Hilfe einer guten Sternkarte und eines Fernrohrs auffindbar. Neptun steht am Morgenhimmel, mit immer kürzerer Sichtbarkeitsdauer. Bloß Merkur bleibt im September ganz unsichtbar, da er zur Monatsmitte von der Erde aus gesehen hinter der Sonne hergeht. Besondere Beachtung wird im Monat September wieder die Beobachtung der Sonne verdienen, deren Fleckentätigkeit die Gelehrten vor ein großes Rätsel stellt, denn anstatt— wie vielfach vorhergesagt worden ist— rasch zu einem Höchstwert(Maximum) anzusteigen, hat sich die Befleckung des Sonnenballs als sehr wechselnd erwiesen. Die Sternwarte in Zürich, welche sich vornehmlich mit der Sonnenstatistik abgibt, hat feststellen müssen, daß selbst im Juli noch einige ganz fleckenfreie Tage zu verzeichnen waren, während gegen Ende jenes Monats wieder starke Fleckengruppen erschienen. Der Verfasser hat dann zu Augustanfang wieder ein Nachlassen der Fleckenzahlen beobachten können. Von vielen Seiten wird ausgesprochen, daß auch das diesjährige Wetter in seinem außergewöhnlichen Charakter von den Sonnenflecken beemflußt werde, bezw. hervorgerufen worden sei. Aber die verschiedensten Theorien darüber bekämpfen sich gegenseitig, indem eine jede von ihnen eine andere Erklärung für die ohne Zweifel bestehenden Zusammenhänge zu geben weiß. Erst die Zukunft wird die Entscheidung bringen, wie so oft in astronomischen Fragen, deren Lösung hauptsächlich daran scheitert, daß unsere Beobachtungen noch über niel zu wenige Jahrzehnte zurückreichen. —12— Ein Sonnenaufgang im Himalaja Von H. Stubenrauch= Ahrensburg. Wir hielten unsere vom zweistündigen Aufstieg dampfenden kleinen Gebirgspferde an, schwangen uns aus dem Sattel, warfen den inoischen Pferdejungen die Zügel zu und eilten die im Innern des niedrigen Aussichtsturmes befindliche Treppe hinauf auf die Plattform des steinernen Baues, der sich auf dem Gipfel des Tiger Hill, des berühmten 2600 Meter hohen Aussichtsberges bei Darjeeling im Himalaja befindet. Es war eine kalte, klare Dezembernacht. Darjeeling und die Täler lagen noch im Dunkel, auf den Höhen begann die Dämmerung, und die Sterne fingen an zu verblassen. Zum Greifen nah erhob sich im Norden die gewaltige Felspyramide des siebzig Kilometer entfernten 8582 Meter hohen Kinchinjanga. In fahlem Weiß lag sein vereister Gipfel da, während seine ungeheueren Abstürze wegen ihrer Steilheit vielfach eis= und schneefrei waren. Seine gewaltige Höhe und die Leichentuchfarbe seiner Wände bedrückten uns und offenbar auch die außer mir und meinem Freunde auf dem Turme versammelten wenigen Touristen; denn niemand sprach ein Wort. Und wahrlich es schien, als ob alles Leben erstarrt wäre.— Nach Westen schlossen sich in weitem Bogen die Hochgipfel des Kabru und Jannu, ihm an Höhe wenig nachgebend, und in 190 Kilometer Entfernung die Doppelpyramide des 8840 Meter hohen Mount Everest, des höchsten Berges unserer Erde, an, trotz der großen Entfernung infolge der klaren Luft deutlich sichtbar. Ein eisiger von den Höhen plötzlich herabstreichender Lufthauch ließ uns erschauern; denn wir waren seit Monaten die heiße Luft der inoischen Tiefebene gewohnt und erst gestern, von Kalkutta kommend, nach 21stündiger Eisenbahnfahrt in Darjeeling eingetroffen. Mich fester in meinen schweren Mantel hüllend, drehte ich dem Wind und den Schneebergen den Rükken zu, als mein Reisegenosse mit einem hastig ausgestoßenen„Da, sehen Sie!“ mich veranlaßte, mich erneut umzuwenden. Non Linfel n · 52. S OSTSS ** a 381. Sobgees 5 9—212 #. S# 9 8 des Kinchinjanga flammte ein tiefroter Punkt auf, der sich langsam nach unten vergrößerte. Die übrigen Hochgipfel folgten seinem Beispiel. In 8000 Meter Höhe war die Sonne aufgegangen. Und nun folgte ein unvergeßliches Schauspiel. Tiefer und tiefer sank die rote Glut am Berge herab, von dunkelrot langsam in rosa übergeheno, während der Himmel opalfarben schimmerte. Zauberhaft glühte der Kinchinjanga. Das war kein von der Sonne beschieneuer Berg, das war ein von innen nach außen sein Licht ausstrahlender, selbstleuchtender Riesenkrystall. Tief ergriffen schauten wir beide auf dies Wunder Gottes in der Natur. Schweigend und andächtig blickte auch die übrige auf dem Turm versammelte Gesellschaft empor zu dem leuchtenden Berg. So verflossen Minuten. Jetzt fing es auch auf unserer bescheidenen Höhe an zu tagen. Wir wanoten uns um und traten an die Südbrüstung des Turmes. Etwa 2500 Meter unter uns schlängelte sich wie ein silbernes Band der Brahmaputra; weiter nach Südosten bedeckte bräunlicher-Dunst die nordindische Tiefebene, und aus ihm stieg soeben wie ein glutroter Ball die heiße Sonne Indiens empor, ein würdiges Gegenbild zu dem eben genossenen Hochgebirgspanorama. Inzwischen war es völlig Tag geworden. Die zauberhaften Farbentöne gingen allmählich im Lichte des strahlenden Tagesgestirns unter. Die Naturandacht war vorüber. Fünf Minuten später saßen wir im Sattel und ritten sinnend durch den schweigenden Urwald heimwärts, um in Woodlands Hotel bei prasselndem Kaminfeuer Stärkung nach dem kalten Nachtritt zu finden. Die Liparischen Inseln Von Dr. F. A. Fahlen. Wie telegraphische Berichte aus Italien besagen, wurden die Liparischen Inseln von Erderschütterungen heimgesucht, und zwar scheint es ein recht heftiges Beben gewesen zu sein. In Malsa, dem Hauptorte der zweitgrößten Insel Salina, wurden 400 Häuser beschadigt; in Selmo 60; besonders schwer hatte die im Westen der Gruppe gelegene Insel Filieuri zu leiden. die Kirchen sind dort so beschädigt, daß ihre Türme abgetragen werden müssen. Die Bevölberung ist sehr beunruhigt und hält sich auf dem freien Felde auf. Die Liparischen Inseln, nördlich von der Nordostspitze Siziliens gelegen, bilden eine gerade Fortsetzung der Vulkangebiete, die von Toskana an bis zum Vesuv Italien durchziehen; wenn man vom Vesiw aus eine Senkrechte genau nach Süden legt, so trifft sie auf Filicuri. Alle diese Eilande sind auch vulkanischen Ursprungs, alle sind Kegel aus Tuff, Aschen, Lava und ähnlichen Gebilden. Die sieben größeren sind bewohnt und tragen eine Bevölkerung von etwas 20000 Menschen. Drei bestehen aus noch tätigen Vulkanen, die nördlichste ist der berühmte 926 Meter steil aus dem Meere aufragende Stromboli, mehr südlich liegen die Vulhane Lipari und Vulcano. Die heißen Quellen der Hauptinsel Lipari sind bekannt. Wie immer, zeigen die Abhänge, obwohl sie unter Wasserarmut leiden, eine überraschende Fruchtbarbeit. Die Lage der Bulkane bewirkt, daß ihre Tätigkeit besonders eindrucksvoll ist. Wer in der Nacht zu Schiff von Neapel nach Messina fährt, dem scheint die ganze Hölle geöffnet zu sein, so leuchtet, grollt und tärmt der Stromboli. Die Feuersäute dieses Vulkans, der seit grauer Vorzeit Tog und Nacht bei der Arbeit ist, gewährt einen unvergeßlichen Eindruck. Wie er heute noch rumort und Feuer speit, so hat er, im Gegensatz zu vielen anderen Bulkanen der Gegend und auch zum Vesuv, schon den ersten griechischen Seefahrern geleuchtet und wurde ihnen daher zum nächtlichen Merkzeichen. Strebo, der griechische Geograph, der etwa zur Zeit Christi schrieb, verlegte dorthin den Wehnsitz des Aiolos, des wilden Beherrschers der Winde, den wir aus dem Homer kennen. Das frühe Mittelalter soh dort den Eingang der Hölle. Bemerkenswert und den Einwohnern bekannt ist die Tatsache, daß er vor Stürmen stärkere Rauchsäulen ausstößt und bei dem verzehrenden Südwind, dem Sirokko, ein gewaltiges unterirdisches Getöse vernehmen laßt. Das ist so sicher, daß die Schiffer auf dieses Zeichen sich sicher fester verlassen als auf das Barometer. Am Fuß dieses unruhigen Riesen haben sich trotzdem etwa 400 Einwohner angesiedelt, und der Wein von den Hängen des Stron boli wird besonders gerühmt.„Vom Kraterrande aus sieht man zwischen den schwarzen Lavarändern zeitweise die fast weißglühende dünnftüssige Lava der Tiefe, kaum 100 Mtr. unter sich wie einen schimmernden allatitertesstinden eiumal wächtt sie biel Gebt uns ein Stück der Heimaterde, die wir beschützt mit unserm Arm! Gebt uns am freien Heimatherde ein grünes Fleckchen, sonnenwarm. Gebt uns ein Stück der heil'gen Scholle nach der sich unsere Sehnsucht lenkt. wo unsre Hand die segenvolle Saat in die braune Furche senkt. Daß nicht mehr dumpfer Mauern Enge verhüllt des freien Himmels Blick und nicht der Unrast Qual verdränge den Glauben an das Heimatglück. Daß nicht mehr unsre Helden fronen, wenn sich der andern Reichtum türmt.— Auf grüner Heimstatt laßt uns wohnen, am freien Herd, den wir beschirmt! Heinrich Gutberlet. S O zum Rande an und ehtsendet unter mächtigem Knall explosivartig einen Dampfstrahl, der Schlacken und Lavasetzen hoch in die Luft schleudert— meist so senkrecht, daß sie genau wieder in den Schlund zurückfallen und den Beobachter nicht gefährden. Und dies rhyth= mische Aufwellen und Platzen währt nun wohl schon drei Jahrtausende, wenn nicht länger. Der Vulkan Lipari ist zur Zeit still, doch verraten zahlreiche heiße Quellen und auch Mofetten, daß seine Tätigkeit nicht erloschen ist. Der dritte Vulkan, Volcano, an 500 m hoch, der im vergangenen Jahrhundert mehrmals, wie z. B. 1873 und 1888 schwere Ausbrüche hatte, war für die Weltwitrschaft eine Zeitlang außerordentlich wertvoll, indem er, ähnlich wie die toskanischen Gasausströmungen, zu den wichtigsten Vorsäurequellen, die den Borax gewinnen lassen, gehörte. Von 1873 bis 1876 wurden— natürlich hatte die Verwertung eine englische Gesellschaft in Händen— jährlich etwa acht Tonnen des köstlichen Stoffes gewonnen. Da kam der schwere Ausbruch von 1888 u. zerstörte auf lange Zeit die Unternehmungen, um so mehr, als die Ausscheidung von Borax erheblich nachgelassen hatte. Jetzt ist die Ausbeute wieder ausgenommen. Wenn man die Schilderung der Tätigkeit des Stromboli, die übrigens einen Typus darstellt, sodaß man wissenschaftlich von„strombolianischen Eruptionen“ redet, sich vorstellt, so wird man überrascht sein, eine große Aehnlichkeit mit den periodischen Ausbrüchen gewisser heißer Quellen des Geisers, festzustellen. Tatsächlich ist diese Aehnlichkeit nicht nur äußerlich, sondern sie beruht auf dem Umstande, daß im Gegensatze zu den Volcanovulkanen, die einen außerordentlich zähflüssigen Glutbrei enthalten, der an der Oberfläche immer wieder erstarrt, die strombolianischen mit einem sehr dünnflüssigen Magma gefüllt sind, das sich mehr wie Wasser verhält und daher den seltsamen durch Gasspannungen in unterirdischen Klüften bedingten Rhythmus der in ganz regelmäßigen Intervallen wiederkehrenden Ausbrüche zeigt, wie sie auch der Geiser in Island und im Jellowstonegebiet in Nordamerika beobachten lassen, sodaß man mit der Uhr in der Hand auf den Ausbruch warten kann. Wie die Völker Von J. Günther. Von allen körperlichen Genüssen zeichnet sich der Schlaf dadurch aus, daß er schlechterdings nicht erkaufbar ist, sondern dem Reichtum eher widerspricht. Wer kennt nicht den Seufzer jenes Königs, vom Hauch des größten Dramatikers beseelt: „Was liegst du, lieber Schlaf, in rauch'gen Hütten, auf unbequemer Streu dahingestreckt, von schmutzigen Nachtfliegen rings umsummt, als in der Großen duftenden Palästen, beschirmt von überreichem Baldachin und eingelullt von süßen Flötentönen?“ einen Seufzer, der sich dann beim gleichfalls ruhelosen Macbeth zu der Sehnsucht nach dem Heilbringer verdichtet, der den„verworrenen Knäuel der Sorge löst.“ Nur sehr unvollkommen haben die Menschen bisher die Ursachen gesunden Schlafes durchschaut. Daß körperliche Anstrengung an frischer Luft mit der Schlaffähigkeit etwas zu tun hat, kannte man zwar von Matrosen und Soldaten. Auch ein ruhiges Gewissen galt ehedem für ein sanftes Ruhekissen; heute weiß man leider, daß Gewissenlosigkeit ein noch viel sanfteres ist, und Zyniker prägten das Sprichwort, daß zum glücklichen Leben nichts förderlicher sei als„ein guter Magen und ein schlechtes Herz". Die„Bettschwere“, die der Mäher auf dem Lande, der Steinträger in der Stadt, ganz von selbst erzielt, sucht sich der heutige Stubenmensch, der die Wichtigkeit muskulöser Tätigkeit verkennt, zuweilen durch Getränke zu verschaffen; wenn aber Alkohol allmählich versagt, wenn man trinkt und doch nicht schlafen kann, dann werden Schlafmittel gefordert, als ob der Schlaf ein Ding für sich sei, das man unabhängig vom übrigen Körper ins Auge fassen und behandeln könne. Der Schlaf steht im engsten Zusammenhange mit den Vorgängen, die sich ununterbrochen im Zellenstaat abspielen; die Verarbeitung und Erneuerung von Stoff bedürfen seiner. Ja, man darf geradezu sagen: der Schlaf ist in erster Linie bedingt durch die Nahrung; dann erst durch Atmungsluft, Muskeltätigkeit, Kopfarbeit, Ueberfluß oder Mangel an Sorgen, Lärm, Insekten usw. Es mag jemand eine übermäßige Fleisch= oder Fettkost zeitweise durch schärfste Muskeltätigkeit an zehrender, sauerstoffreicher Luft wettmachen. Auf die Dauer wird sich sein Schlaf trotzdem vermindern und das zu frühe Aufwachen gegen Morgen mit dem quälenden Gefühl einer Unzulänglichkeit im Leibe, wird seinen richtigen Zellenersatz hintanhalten, seine Kraft allmählich herabsetzen. Den schlechtesten Schlaf findet man so durchschnittlich bei Gelehrten, Kaufleuten, Beamten und sonstigen an den Schreibtisch Gefesselten, die durch geistige Ueberanstrengung ihren„im Großhirn entspringenden“ Magennerv lähmen, diesen schlecht funktionierenden Magen im Wirtshaus mit sogenannter„kräftiger“, schwer zerlegbarer Eiweißkost füllen. Wer blühende Mädchen mit dem Schulbesuch Schlaf und Appetit verlieren und bleichsüchtig werden sah, weiß, was gemeint ist. Schon hierna chkann man sagen, welche Völker am besten schlafen werden: es sind die Naturvölker. Ihr Gedankenkreis ist beschränkt, die verhängnisreiche Kunst des Lesens und Schreibens ihnen fremd. Sie essen keine Suppen wie Berliner Junggesellen, in der rechten Hand den Löffel, in der linken die Zeitung, und wo die Kultur in ihren Anfängen steckt, pflegt Fleischkost, die den Verdauungsapparat überlasten und den Schlaf behindern konnte, festliche Seltenheit zu sein. Der chinesische Kuli, der sich bei seiner phänomenalen Bedürfnislosigkeit mit einer Handvoll Reis als Tagesration begnügt und arbeitsfähig bleibt, er schläft wie ein Hund, wo er sich hinlegt. Freilich ist auch der Begriff der„Bettschwere", wie ihn die Freunde von echten Bieren bekennen und schätzen, manchen schwarzen Stämmen Mittelafrikas nicht fremd und die Besorgnis, diese unverdorbenen Naturkinder durch Einfuhr von Alkohol zu schädigen, wird einigermaßen wett gemacht durch die Tatsache, daß sie ihn längst haben. Die Bananen, von der Dattel zu schweigen, liefern nicht nur Wein, sondern auch Schnaps, und Karl Peters schildert, wie zur Zeit der Weinkelter ganze Dörfer sich volltrinken, jeder lärmt, solange er irgend kann, und schließlich schnarcht, wo er hinfällt. Das wichtigste leider kann kein Kulturmensch von tropischen Eingeborenen für seinen Schlaf entnehmen und lernen. Reizlose Pflanzenkost verachten wir; die kindlich leichtsinnige Faulheit und Gedankenlosigkeit des Negers, dieser Mangel an strebendem Ehrgeiz sind uns ganz unverständlich; und was der Hygieniker am Naturmenschen als vorzüglich lobt: die unbehindert ausdünstende Haut scheint uns als ein Greuel. Noch im späten Mittelalter entledigten sich die Deutschen sämtlicher Kleidung, bevor sie die Bettlade bestiegen; heute hüllen sich, obgleich doch die einzelnen Bettstücke schon mit engmaschiger Leinwand bezogen wurden, auch die Schläfer noch in ebensolche Nachthemden. Bei den Engländern gehört zum Schlafen das größte, luftigste, gesündeste Zimmer des ganzen Hauses. Mit einem ganz anderen Gefühl des Ausgeschlafenseins erwacht der in gesunden, großen Zimmern Untergebrachte, während alle, die in schlechter Luft vorlieb nehmen müssen, mit wüstem Kopf, mit unerquicktem Körper, oft müde vom Lager steigen. Je reicher die Fleischnahrung tagsüber gewesen ist, desto mehr von allerbester Atemluft muß nachts vorhanden sein. Die Roastbeef essenden Engländer ziehen nur eine Konsequenz aus ihrer Beköstigungsart, wenn sie, wo es angeht, den ganzen Oberstock ihrer Häuser mit geräumigen Zimmern zur Schlafstätte herrichten, vom Lärm wie den Ausdünstungen des Bodens ars entferntesten, den SS#EE5n S## ESon 15.— SELDHEDE BEEUUUEOTP, ug SaFÖRE 5 S•BSSC * 8 5 * S.• 5 2.*= B 2 freien Lüften des Himmels am nächsten, den Mittelstock tagsüber bewohnen und im Unterstock die Mahlzeiten nehmen. Der deutsche Durchschnittsbürger, der gleichfalls viel Fleisch ig. und noch dazu viel blähendes Bier trinkt, sich dann mit seiner Familie im engsten Hinterzimmer nachts zusammenpfercht, während der luftigste Raum der Wohnung als„gute Stube“ vom Betreten gewissermaßen abgesperrt ist und unbenutzt bleibt: er liefert das Beispiel, wie Völker nicht schlafen sollten. Das deutsche Himmelbett war früher berühmt, heute ist es nur noch berüchtigt. Hatte man es bestiegen, so versank man zunächst in einen Abgrund von Federpfühlen, während ein Deckbett von der Schwere eines Dreischeffelsacks auf den Oberleib drückte. Den Kopf in weichen Kissen vergraben, von der Außenluft womöglich unter Zuhilfenahme zugezogener Gardinen so gut wie ganz abgeschlossen, empfand man wohl eine nicht geringe Annehmlichkeit in kalten Wintern auf dem Lande, wo trotz alles Heizens in der Schlafstube morgens das Wasser im Waschbecken zugefroren war. Von den Franzosen haben wir dafür den Gebrauch der viel gesünderen Roßhaarmatratzen gelernt, von den Franzosen auch jene gesündere Art des Deckbettes, das von dem richtigen Gedanken ausgehend: die Wärme der Füße sei für die Wärme des Körpers entscheidend, mit seinem leichten „plumeau" zugleich den künstlerischen Grundsatz der Einfachheit in den Mitteln entspricht. Noch gehören die besten Sitten der Schlafeinrichtung nur gewissen kleinen, hygienisch aufgeklärten Kreisen der europäischen Kulturvölker an; weit gemeinsamer und verbreitet sind die Schlaffirrtumer.— Am trägsten an alten Gewohnheiten hängt das Landvolk, und Spötter haben längst behauptet, daß die gute Luft im Gebirge davon herrühre, daß die Bauern dort nie das Fenster öffneten. Der Landmann bewegt sich eben tagsüber so reichlich unter freiem Himmel, daß vielfach bei ihm, zumal im Winter, zugfreie, behagliche Stubenwärme alle anderen Bedürfnisse übersteigt. Daher schläft der russische Muschik so gern auf dem Ofen, der mitten in der Stube steht. —1— Die Jagd im September Von Wilhelm Hochgreve=Goslar. Für die meisten deutschen Jäger ist der Scheiding oder Herbstmond der Rebhühnermonat. Die Jagd auf dieses überall in Deutschland mit Ausnahme der Berge oder zu feuchter Gebiete vorkommende Federwild ist jetzt allgemein offen und die Halmfrüchte sind bis auf wenige Breiten geborgen. So kann dieses frisch=röhliche Weidwerk in vollen Zügen und unbehindert genossen werden. Freilich gehören gesunde, im allgemeinen auch jüngere Beine dazu, stundenlang in Sonnenglut durch hohes Rüben= und Kartoffelkraut, über verkrautete Brachflächen und Heide dem suchenden Hunde zu folgen. Aber wenn dieser treue Begleiter und Gehilfe des Weidmannes, der auf der Hühnerjagd die Hauptfigur bedeutet, mindestens aber die Hauptrolle hat, seine Sache gut macht, und wenn die Hühner gut halten, dann bleibt auch, eine gute Flinte in sicherer Schützenhand vorausgesetzt, der Erfolg nicht aus. Ein vorzüglicher Hühnerhund von bester Nase mit flotter, aber sicherer und breiter Suche und von der nötigen Ausdauer kann seinem Herrn die Anstrengungen wesentlich erleichtern, wie ein Hund mit geringer Nase und faselnder Suche sie zu verdoppeln vermag. Ein erstklassiger Hühnerhund ist deshalb auch ein Sümmchen wert, verdient aber auch, der Gehilfe nur eines gerechten Weidmannes und treu sorgenden Hundefreundes zu werden.— Auf der Hühnerjagd im September werden auch vielfach schon Fasanen erlegt. deren Jagd nach Mitte des Monats offen ist. Weidmannisch richtiger aber ist es, mit dem Abschuß der Fasanen noch zu warten, bis die Junghähne geschildert haben und auch im übrigen abschußreif sind. Sobald die Körnerfrüchte eingeerntet sind, worauf ja die moderne Landwirtschaft die Stoppeln meist sofort umzubrechen pflegt, empfiehlt es sich, in ausgesprochenen Fasanenrevieren sogar unbedingt, dieses Flugwild durch regelmäßige Körnung an das Revier zu fesseln, da es sonst leicht abwandert.— Nach Mitte des Monats beginnt auch die Jagd auf Birk= und Haselwild. Den Enten kann man auf den Stoppelfeldern aufpassen, ebenso beim Abend= und Morgeneinfall an den Teichen, vornehmlich in der Nähe von Weizenstoppeln, die sie mit Vorliebe aufsuchen. Die Rehböcke sind mit ganz vereinzelten Ausnahmen zu schonen, obgleich die Jagd sa leider noch offen ist. Die Rehbockjagdzeit wor sang genog Das Brandenburger Tor in Verlin, das wegen starker Verwitterung einer gründlichen Reparatur unterzogen wird. und die Böcke sind nach der Brunft schlecht im Wildbret. Auch den Hasen lassen wir noch in Ruhe, wo er zur Jagd schon freigegeben sein sollte. In manchen Gebieten beginnt seine Jagd bereits schon nach Mitte des Monats, wird aber von weidgerechten Jägern dann noch nicht ausgeübt. Bei den Schnepfen setzt der Herbststrich ein. Sie werden beim Abendstrich, beim Treiben und vor allem vor dem suchenden Hunde im Buschwalde erlegt. Auch der Anstand am Abend an Suhlen und ähnlichen Sumpfstellen kann Beute ergeben. Mit dem Abschuß der Kaninchen, denen der anständige Jäger trotz ihrer„Vogelfreiheit" unbedingt eine gewisse Schonzeit gonnt, kann gegen Ende des Monats auf der Suche, auf dem Anstande und vor dem Frettchen begonnen werden. Im September ist auch Grimbart, der Dachs, zu bejagen. Wer zu viele im Revier hat, was heute aber leider eine Seltenheit ist, der geht ihm mit dem Erdhunde im Bau zu Leibe oder paßt ihm in der Mondnacht am Bau auf. Eine gute Portion Sitzfleisch gehört freilich dazu. Der Zug der Raubvögel und Krähen setzt vielfach ein. Auf der Krähenhütte mit dem Uhn oder Uhuersatz(gleich kleinere Eule, auch mechanischer Uhn oder weißbunte Katze) kann der Weidmann die gefiederten Raubritter sowie die Krähen bejagen. Westlich der Elbe taucht freilich die dem Niederwalde gefährlichste Krähe, die Nebelkrähe, erst Anfang Oktober auf, die alten noch später. Auf Haarraubwild richtet man Luderplätze für den kommenden Winter ein. Erbeutete Krähen und vor allem Wildgescheide bieten das beste Kirrmaterial.— Elch= und Damschaufler haben gefegt und sind seist. Die Jagd auf Damschaufler ist allgemein offen. Die Jagd auf unser seltenes, starkstes Wild, auf den Elchschaufler, ist im allgemeinen im September freigegeben. Nähere Bestimmungen sind in der Polizeiverordnung des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen für das jeweilige Jagdjahr zu ersehen. Sie enthält wesentliche örtliche Einschränkungen, für gewisse Gebietsteile setzt sie dauernde Schonung fest, oder sie macht den Abschuß einzelner Elche von besonderer Genehmigung für jeden Einzelfall abhängig. Ostpreußen ist ja seit Jahrzehnten, ja mit geringen Ausnahmen seit über 150 Jahren die einzige deutsche Provinz, die noch Elche birgt. Nach den von mir an erster Stelle eingezogenen Erkundigungen stehen(„standen" vor dem Hochwasser um Neujahr, das manches Opfer forderte) in unserer östlichen Provinz im ganzen noch rund 470 Stück Elchwild, das, wie wir oben sahen, peinlich gehegt wird, damit unser urigstes Wild, das noch seine mächtige Fährte durch deutsche Moore und Bruchwälder zieht, erhalten bleibe. Unser Rotwild tritt im allgemeinen in der letzten Septemberwoche in die Brunft. Die Brunftzeit des Hirsches bietet dem Hochwildjäger die beste Gelegenheit, Hirsche von schlechter Geweihbildung, deren Vererbung verhindert werden soll, abzuschießen. Zu frühzeitiger und zum Wildbestande in keinem Verhältnis stehender stärkerer Abschuß guter Hirsche muß vermieden werden. Die Brunft bringt aber auch manchen Kapitalhirsch auf die Läufe, von dem der Jäger vielleicht nur die Fährte kannte oder dessen Heimlichkeit die Erbeutung immer wieder verhinderte, während er jetzt eifersüchtig und kampffroh, besonders in an Mutterwild ärmeren Revieren, am hellen Tage rege ist und endlich dem Weidmann einmal schußgerecht spamumt. Wildäcker werden bestellt und auch„geöffnet“, dem Wilde freigegeben. Gegen Ende des Monats können bereits Ebereschen, Kastanien und Eicheln gesammelt werden, um, trocken und luftig aufbewahrt, im Winter an der Fütterung gereicht zu werden. Wirkung der Musik auf die Tiere Von W. Berger. J=der aufmerksame Beobachter der Natur weiß, daß das Grollen des Donners auf die Pferde und Hunde die Wirkung auszuüben pflegt, daß sie unruhig werden. Tierforscher haben Mittel und Wege gefunden, um das bekannte Wort„Böse Menschen haben keine Lieder“ mit einer kleinen Variante auf die Tierwelt zu übertragen und die Wirkung der Töne und Musik auch auf die wilden Tiere zu untersuchen. Tabei hat sich ergeben, daß sich der Affe, wenigstens der in französischen Käfigen lebende, einer geradezu souveränen Verachtung der Musik befleißigte. Anders der Londoner OrangUtanz;, der im allgemeinen der Musik eine tiefe Aufmerksamkeit entgegenbringt. Er lauschte andächtig den Tönen, die auf verschiedenen Lauten und scharfen Musikinstrumenten hervorgebracht wurden, verließ seinen Käfig und setzte sich mit der Miene eines Menschen, der sich anschickt, das Joachim=Quartett zu bewundern, auf einen Baumstumpf. Heitere Melodien schienen ihn mit besonderer Befriebigung zu erfüllen, dagegen enthielt er sich aller Mißfallszeichen, sobald auch ernste Weisen erklangen. Als nach beendigtem Konzert die Musiker den Garten verließen, gab er seiner Verzweiflung und seinem Zorn durch wütende Schreie Ausdruck. Dagegen darf nicht verschwiegen werden, daß es verschiedene Affen gab, die sich bei den ersten Klängen mit der nach ihnen bekannten Geschwindigkeit seitwärts in die Büsche schlugen, an den Gitterstäben hinauf= und hinunterkletterten, während andere traurig und sichtlich nervös die Fäuste ballten, als bedürften sie ihrer ganzen Beherrschung, um dem Konzert mit konventionellem Gleichmut beizuwohnen. Nur die schmerzlich hängenden Backen und die Grimassen, die sie den Musikern schnitten, erzählten von dem seelischen Kampf, der sie erfüllte. Die Löwin in einem Londoner Tiergarten erhob sich bei den Tönen von„home sweet home“ in lebhafter und freudiger Erregung. Dagegen scheint Musik das Mißfallen des Löwen zu erregen. Denn der Löwe stürzte wütend und brüllend in den Vordergrund und schien geneigt, von seinem Hausrecht Gebrauch, zu machen, wenn ihn, zum Glück der liederreichen Eindringlinge, die Gitterstäbe nicht daran hinderten. Diese häusliche Szene schien den Königstiger höchlichst zu amüsieren, der lange nicht so gelacht hatte. Hierauf darf man schließen, daß er der Musik nicht abhold ist, sofern sie auf einen lauten Konversationston gestimmt ist, dagegen unverkennbare Zeichen der Langeweile dokumentiert, sobald die schmachtenden Weisen erklingen. Ihm am ähnlichsten empfindet der Pelinan; er gähnt,„sichtlich gelangweilt". Man kann sich schlechterdings keines böseren Leumunds erfreuen, als das Krokodil, nicht wahr? Es weint innerlich, wenn es äußerlich lacht. Sobald die ersten Töne erklangen, erhob es sich aus dem Wasser, begann zu lächeln, ein Lächeln, das bei dem Lied:„Du liebes Aug, du schönen