gen, drachten die Priester kleine Figuren und, andere Gaben aus reinem Gold als Opfer dar. Als später die spanischen Eroberer das Land ausraubten, versenkten die Häuptlinge der einzelnen Stämme ihre Schätze auf den Boden des heiligen Sees. Die Spanier stellten alles mögliche an, um ihrer habhaft zu werden, allein vergeblich. Schließlich ließ der König von Spanien das Wasser des Sees abfließen. Zwar kamen nun nicht alle Schätze zum Vorschein, jedoch war es immerhin eine ansehnliche Beute, mit der die Spanier abziehen konnten. In neuerer Zeit kommt man auf die Versuche zurück. Im Jahre 1904 unternahmen es amerikanische Ingenteure, den See trocken zu legen, und fanden auf dem Grunde zahlreiche Edelsteine, indianische Reliquien, alte Goldstücke u. goldene Ornamente. Sachverständige vermuten auf dem felsigen Grunde in der Tiefe des Schlammes noch weitere Schätze. Eine Gesellschaft stellt es sich zur Aufgabe, auch die letzten Ueberreste einer altehrwürdigen und so ruchlos zerstörten Kultur für die Nachwelt zu bergen. Die Pflanze im Stadium des Tieres Von Kurt Bibl. Eine der kleinsten bekannten Pflanzen ist das Moos. Als Einzelwesen würde es hilflos den starken Gewalten seiner Umgebung preisgegeben sein, durch sein Gemeinschaftsleben im Millionenverband behauptet es sich seit den Anjängen alles Werdens und stellt ein sehr wichtiges Glied im Kreislauf des Wassers dar. Während des Regens saugen sich die schwammigen Polster voll und geben dann die Wassermassen nur allmählich ab, verhindern dadurch die Ueberschwemmungen und begünstigen die Quellenbildung. In den Frühlingsmonaten und auch während des Sommers tragen manche Mogspflanzen rötliche Köpfchen, andere grüne Knötchen. Die roten Knospen— der Volksmund nennt sie Moosblüten— enthalten Schläuche mit Blütenstaub, während die grünen Knoten flaschenähnliche Gebilde tragen, in derem Schoße eine kleine Kugel schlummert, die Eizelle. Könnten wir nach einem warmen Regen das Mikroskop auf einen Wassertropsen richten, der auf dem Moose hängen geblieben ist, dann würde uns auf diesem winzigen Naturtheater ein wunderschönes Stück vorgespielt werden. Der vorhin erwähnte Blütenstaub scheint durch eine Zauberhand lebendig geworden zu sein. Gleich den Urtieren schlagen sich die Stäubchen mit seinen Flimmerhaaren durch das nasse Element. Rastlos streben sie einem umbekannten Ziele nach, bis ein Glücklicher in die Nähe einer Flasche kommt. Ein kurzes Zögern— und dann stößt der Eindringling bis zur Eikugel vor, die das kleine Wesen umstrickt und es nimmer freigibt. Aus der Zweiheit entsteht die Einheit, das neue Leben. Nach einigen Tagen sproßt aus der Flasche ein rötliches Haar hervor, und bald wächst ihm eine Zipfelmütze. Der Wind weht und husch!—— fliegt das Hütchen davon. Ein Gebilde kommt zum Vorscheine, ähnlich der Salzstreubüchse auf dem Speisetische. Wieder weht der Wind und schüttelt das Fäßchen auf dem Stile sanft hin und her, und dabei quillt aus den Löchern am oberen Rande ein seiner schwarzer Staub, der sich überall auf den Waldboden verstreut. Nach einigen Tagen bildet sich dort ein grüner Anstug, die Vorkeime. Diese setzen Knospen an, und aus jeder Knospe wächst eine junge Moospflanze. Ja, die grünen Polster im Walde, auf denen es sich so wunderbar ruht, haben eine seltsame Entwicklung. Es gibt Augenblicke, da sprengen auch manche Pflanzen die Fesseln ihres an die Erde enggebundenen Daseins und zeigen in den Stunden des Losgelöstseins die Einbeit alles Lebendogen. Oeigeit Dem neuen Heft der„Gartenlaube“ entnehmen wir folgende Ausführungen:„Vor etwa Jahrcsfrist stand in einer Reihe großer Blätter ein Aufruf Bernhard Shaws, der in ergreisenden Worten die Not von Hunderttausenden von Seevogeln schilderte, die durch die Oelpest auf der Oberfläche der Meere einen qualvollen langsamen Tod fanden. Der Dichter beobachtete auf einer Ueberseefahrt viele Scharen von Möven, Alken und Seeschwalben, die hilflos auf den Fluten des Atlantik trieben, ja ganze Heere von Vögeln, die sich bei Annäherung des Damphars nicht erhehen konnten und durch die er Morgenfrühe! Sonntagsfrieden! Morgenfrühe! Sonntagsfriede Feierstunden rings im Land! Hoch wir steigen, immer höher, Und der Bl.ck. schweift unverwandt. Heimat! Heimat! Traute Heimat! Liegst du weit im Sonnenglanz, Mit den Tälern, still verborgen, Mit der Wälder grünem Kranz, Fühl' ich Wonne und Entzücken, Kann und kann nicht satt mich schau'n Aehren, wiegend sich und wogend, Berge. Wiesen, Feld und Au'n! Goldner Schein in reicher Fülle! Lichtes Blau am Himmelszelt! Wie zur hohen Festtagsfeier Schmückt sich Gottes weite Welt. An den Hängen Weidenröschen, Blumensterne, süßer Duft! Leise wehen Sommerwinde, Giockenklingen ferne ruft!—— Eh' wir heimwärts wieder wandern, Nehmen wir von all' dem Schein, Den der Schöpfer ausgegossen, Mit ein Stück ins Herz hinein. In des Alltags Hasten, Treiben Lauschen wir des Sommers Lied, Hell das Bild steht vor den Augen, Wie es draußen grünt und blüht! W. titten hindurchfuhr. Die Oelpest! Keine neuenideckte Krankheit, sondern eine Zeiterscheinung. Ein Massensterben der Seevögel. Seitdem die Oelfeuerung auf den Schiffen immer mehr die Kohlenfeuerung verdrängt, tritt auch sie immer stärker auf. Ausscheidungen halbverbrannter Oele treiben auf der Oberfläche der Meere dahin, eine schwärzliche, klebrige Masse bildend, die dem Seevogel, der in sie gerät, den sicheren Tod bringt. Wie Vogelleim saugt sie sich an sein Gefieder, daß es in Büsche! verklebt. So wird die zarte Körperhaut der Möve oder Seeschwalbe bloßgelegt, und Was'er und Kälte können an ihren Körper heran. Vergeblich versuchen die unglücklichen Tiere, sich krampfhaft zu putzen: Die Masse bleibt bei dem Bemühen, sich von ihr zu befreien, am Schnabel haften, der sie nun weiter auf das Gefieder verteilt. Die für den Seevogel nötige Unbenetzbarkeit ist rasch verloren, seine Bewegungen sind gelähmt. Er kann weder mehr tauchen noch fliegen. Langsam und hilflos muß er erfrieren oder im Sommer verhungern. Auch auf unserer Nordsee ist die Oelpest nun aufgetreten. Besonders gefährdet von ihr sind die seitenen Lummen, jene schöngefiederten Seevögel, die zu Tausenden alljährlich zur Brutzeit aus dem hohen skandinavischen Norden hierherkommen, um auf der warmen Südseite von Helgolands steilen Felsen zu brüten.“ Am Ausguck Was ehemals vom Richter verlangt wurde. In der Soester Rechtsordnung(14. Jahrhundert) wurde vom Richter verlangt:„Er soll nicht unter einundzwanzig Jahren sein, und auch nicht über achtzig. Er soll sitzen auf seinem Richterstuhl wie ein grimmiger Löwe, den rechten Fuß über den linken schlagen und wenn er aus der Sache nicht recht klug wird, soll er diesewbe hundertdreiundzwanzigmal überlegen, ehe er urteilt. Ueber eines Menschen Leben soll er Urteil finden, ehe er gegessen und getrunken sei: Der modellierte Bethoven. Der Wiener Maler Joseph Dannhauser hegte für Beethoven eine so große Verehrung, daß er ihn endlich dazu bewegen konnte, sich von ihm modellieren zu lassen. Aber er hatte dem großen Meister nichts von den unangenehmen Seiten des Gipsabgießens seines Gesichtes gesagt, und als er Beethovens Gesicht mit einer öligen Flüssigkeit bedeckt hatte und darauf die Givsschicht legte, begann der Komponist zu toben: „Herr. Sie sind ein Bandit, ein Halunke, ein Kannibale!" Aufspringend riß er die Gipsschicht herunter und verließ flichtähnlich das Atelier des Malers, nachdem er zuvor noch den Stuhl, auf dem er saß, zu Stücken zerschmettert hatte. Beethoven hat dieses Vorkommnis nie verziehen und sprach niemals wieder mit Dannhauser. Des Malers Wunsch, den Komponisten zu modellieren, verwirklichte sich erst im Frühjahr 1827, als er Beethoven die Totenmaske abnehmen durfte. w. gr. Flußräuberei in China. Die gegenwärtigen Unruhen im Reich der Mitte haben auch wieder, wie einst in den Tagen des Opiumkrieges und des Boxeraufstandes zu großer Unsicherheit auf den gewaltigen Strömen des Landes geführt. Viele Flußdampfer, besonders englische, sind organisierten Seeräuberbanden in die Hände gefallen. Besonders in der Provinz Kwantung war die Sicherheit äußerst gering.„Man sah dort,“ schreibt ein Augenzeuge der letzten Kämpfe in der„Nieuwe Rott. Courant“„nur wenige Dschunken, die nicht mit Geschützen bewaffnet waren. Dampfer waren stets so eingerichtet, daß ein Entern möglichst schwierig war. Metallnetze sperrten jeden ab. Die großen englischen Dampfer, zwischen Kanton, Hongkong und Macao verkehrten, hatten nicht nur eine bewaffnete Wache an Bord; sie waren auch so eingerichtet, daß während der Fahrt die wichtigsten Stellen des Schiffes, Maschinenraum, Steuer und Kommandobrücke unerreichbar waren. Nur dank dieser Maßnahmen war es möglich, die Fahrt leidlich aufrecht zu erhalten. Ein Arzneifreund. Ein englischer Viehzüchter, Jessup, der vor etwa hundert Jahren lebte, besaß ein hübsches — Vermögen und eine ganz besondere Vorliebe für Arzneien. In einundzwanzig Jahren nahm er, ohne krank zu sein, 226934 Pillen ein, also jährlich 10 806 oder täglich 29 Stück; da er aber mit einer geringeren Quantität anfing und später mehr nahm, so kamen in den letzten fünf Jahren auf jeden Tag im Durchschnitt 78 Pillen, und im Jahre 1814 verschluckte er 51 590 Stück. 3.. dieser Pillen u. 40000 Flaschen Arzneien, deren Verzeichnis im Buche des Apothekers 55 engbeschriebene Seiten füllte, wurde der Mann doch 65 Jahre alt. Krandek Kunstwerde. Man weiß, daß Kunstwerke wie Menschen mit der Zeit alt und grau werden. Alte, kostbare Bronzen vor allem bekommen mit den Jahren zum Schmerz aller Kunstfreunde häßliche Flecken und Krusten, die ihre Schönheit erheblich beeinträchtigen. Bisher gab es kein zuverlässiges Mittel, die Formenreinheit derartig verdorbener Werke wieder herzustellen, bis jetzt an der Columbia Universität in New=York ein neues Verfahren entdeckt wurde, das überraschende Erfolge ergab. Ein interessanter Artikei von Dr. Alfred Gradenwitz mit Bildern im neuen Heft der„Koralle" macht diese wichtige Erfindung auch dem Laien verständlich. Aus der Fülle anderer Artikel sei noch hervorgehoben: Radioaktive Stoffe im Körper, vom Knüppelsteg zur Riesenbrücke, Gelenklokomotiven sund moderne Nutzkraftwagen. Laus Büchertisch „Gesalzenes und Gepfeffertes“, 1000 Witze und Anekdoten von Ernst Warlitz, 288 Seiten, Titelbild von F. Koch=Gotha, Preis gebunden 3.50 Mark. Max Hesse=Verlag, Berlin W. 15. Die Zeiten sind ernst, die Zeiten sind schlecht. Jeder jammert und stöhnt. Das beste Mittel gegen Sorgen ist nach Busch Likör. Aber auch der hat seine Schattenseiten. Ich halte es in Zukunft mit dem Buch von Warlitz. In griesgrämiger Stimmung habe ich es zur Hand genommen und begann zu lesen. Bald vergaß ich die Umwelt, vergaß, was mich drückte und lächelte und las weiter und lachte aus vollem Halse. Und strich den Witz zum Erzählen an, und nahm mir vor, jene Anekdote nächstens zum Besten zu geben, kurz aus dem grauen Alltag war ein Tag voll Sonnenschein und Fröhlichkeit geworden. Und als ich endlich das Buch zuklappte, da dachte ich mir: Was Meister Koch=Gotha auf dem Titelbild so glänzend dargestellt hat, was der Titel anzeigt und das Buch so treulich hält, es nützt nichts, von Zeit zu Zeit brauchen wir etwas„Gesalzenes und Gepfeffertes“.—1— Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena und Verlag: V. A. Santz. Altena. —— E 5 □ * S 8 93 8380 SSon göisg. SA SSCESP“ a S S 5HG. Br#ser T#gge N". 89 * 8 9. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Donnerstag, 22. 1926 Erntebräuche Von H. Steffenhagen. „Jakobi(25. Juli) ist der Roggen reif,“ und „kommt endlich Jakobstag heran, so muß die blanke Sense dran,“ besagen alte Bauern= und Wetterregeln. In diesen Wochen beginnt in den einzelnen deutschen Gauen die Getreideernte, hier etwas früher, dort etwas später, je nach der Beschaffenheit des Bodens, seiner Lage und den klimatischen Verhältnissen. Die meist kühle Witterung des Juni und eines Teils des Juli bringen es mit sich, daß in diesem Jahre das Getreide ziemlich spät reift, während sonst, besonders auf leichtem Boden, nicht selten die Halmfrüchte frühzeitig notreif werden. Für den Landmann ist der Sommer die Zeit der Arbeit, der Ernte; für Festlichkeiten ist in diesen Monaten kaum Raum. Wer jetzt hinauswandert aus der Enge der Straßen, zu den Stadttoren hinaus bis zu den gelben Getreidefeldern, der sieht die braunen Schnitter an der Arbeit. Das ist kein leichtes Werk, das da getan wird, und der Arbeitstag zählt nicht acht Stunden, sondern fast das doppelte, oft in Gluten der Sommersonne, und für die Landleute gilt in diesen Wochen im wahren Sinne des Wortes:„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Dabei ist selten der Ertrag so, wie er sein sollte und könnte. Das tägliche Brot, es ist auch des Städters tägliches Brot, das in mühevoller Arbeit tagaus, tagein gemäht, auf den Erntewagen geladen und in die Scheuern gebracht wird, um dann in die Mühle und die Bäckerei zu wandern, wo der Städter während des ganzen Jahres seinen Bedarf decken kann. Schwer ist in diesen Wochen die Arbeit, und mancher Schweißtropfen tränkt die durstige Mutter Erde, aber doch ist das junge Volk der Schnitter munter und guter Dinge, fröhlich wie zur Zeit der Ernte, wie es schon in der Schrift heißt. Fehlt es doch gerade in diesen arbeitsreichen Wochen nicht an reichlichem guten Essen und Trinken. Alles, was die ländliche Küche zu bieten vermag und was im dunke len Keller an einem guten Tropfen verborgen gelegen hat, kommt in der Erntezeit zutage. Zwar hat die Zuhilfenahme von Maschinen verschiedenster Art die Erntearbeit vielfach erleichtert, meist aber sind die Arbeitsformen, wie sie seit uralten Zeiten überkommen sind, die gleichen geblieben. Neben der Zeit und Menschenkraft sparenden Mähmaschine hört man noch heute fast überall den seltsamen Klang des Dengelns, der Sensen und der Sichel, die das Getreide in breiten Schwaden niederlegen. Sie führt der kräftige Arm des Schnitters, den Hut mit bunten Bändern und Blumensträußen geschmückt, während Mägde mit bunten Leinenschürzen und weißen Hüten die goldenen Halme zusammenrollen und zu Garben binden. Der Landmann hält zäher an alten schönen Sitten und Gebräuchen fest als der Städter, und so umgibt auch heute noch die Erntezeit ein gut Stück Volkspoesie, auf die der letztere mit Unrecht wohl zuweilen mit einem geringschätzigen Lächeln herabsieht. Er übersieht aber dabei, daß unsere Vorfahren ganz auf den Glauben eingestellt waren, daß das Wachsen und Werden auf der Erde von guten und bösen Geistern beseelt sei. So fest wurzelt diese Auffassung in dem Volke, daß sie sich in den mannigfachsten Sitten und Gebräuchen äußert, die ursprünglich unzweifelhaft altheidnischem Boden entsprossen sind, wenn sie auch unter dem Einfluß des Christentums andere Formen angenommen haben.„ 1.9#5. In den ländlichen Gegenoen steigen vaher noch heute in den Kirchen und im stillen vielelchen, Erinnerung an die Heimat Wilhelm Matthießen. O wiederkehren auf Traumespfaden, Die Mühlenwehre rauschen im Land, Im Bruche stehen die Nebelschwaden, Am Wege rieselt der weiße Sand, Die Schwalben schnellen entlang am Raine, Und die Libellen schwirren im Ried, Und königseinsam im Morgenscheine Der sonnbeglänzte Seeadler zieht. Es weht im Winde wie Ruch der Waben Der Duft der Linde vom Weiler her, Eichhörnchen zierlich im Hohlweg traben, Holunder neigen die Zweige schwer, Das Laub der Espen zuckt hell im Strahle, Die goldnen Wespen stehn still im Flug, Und hinterm Walde, von Mal zu Male, Klingt auf des Wassers strömender Zug. O Mittagsstunde im Wald der Buchen Wie auf dem Grunde der grünen Flut, Die Stämme streben, das Licht zu suchen, Die Wipfel wiegen die junge Brut, Wie Geisterreigen so weht ein Sausen Im Waldesschweigen, so hoch und Dann geht wie Echo ein fernes Brausen, Und aus dem Laube ruft der Pirol. O heimzukehren durch sandige Felder, Die Mühlenwehre rauschen im Land, Die Krähen tauchen schon in die Wälder, Im Bruche winkt es mit Nebelhand, Auf goldnen Stufen versinkt die Helle, Die Frösche rauschen im feuchten Moor, Der Herdrauch wirbelt schon vor der Schwelle, Und eine Schwalbe schlüpft mit ins Tor. Gebete gen Himmel um reichen Erntesegen und gutes Erntewetter. Bevor die erste frucht, der Roggen, angehauen wird, begibt sich der Bauer mit den Schnittern und Schnitterinnen in das Gotteshaus und erfleht den Segen des Himmels zur Arbeit. Auch wird in manchen deutschen Gauen noch heute der Beginn der Ernte durch feierliches Glockengeläut angekündigt. Mit Blumen und Bändern geschmückt, geht es dann im Sonntagsstaat in feierlichem Zuge, nicht selten noch unter Absingen von alten Ernteliedern, auf das Feld hinaus. Besondere Bräuche knüpfen sich an die ersten Aehren, die geschnitten werden, und auch an die ersten Garben, welche gebunden werden, sowie auch an die letzten Garben. Die ersten Aehren oder die erste Garbe werden hier und da wohl noch an die Haustür genagelt oder anderwärts den Bauern von dem Vorknecht oder Vormäher feierlich überreicht. Nach dem alten Volksglauben hielten sie die schädigenden Geister von Feld und Haus fern, und diese Bräuche kennzeichnen sich so als Reste der alten Verehrung der ersten Aehren und Garben. Aehnliche sinnbildliche Handlungen finden sich auch bei der letzten Garbe. Auch aus ihnen spricht ein Stück Poesie unseres Landvolkes, wie auch sonst den Schnitt des Getreides mancherorts noch das Lied oder harmloser Scherz begleitet. Frohsinn und Neckerei geht auch dem Schnittervolk trotz der anstrengenden Arbeit nicht verloren. Wer gar zu langsam mäht, wird von den anderen„ausgemäht", oder wer allzu viel Halme stehen läßt, wird gefoppt und mit allerlei nekkenden Beinamen, wie zum Beispiel in Mecklenburg mit„oller Poggenstäker“(Froschstecher) oder„Steinsöker“(Steinsucher) belegt, mit denen er während der ganzen Erntezeit gehänselt wird. Fast überall in Norddeutschland hat sich der uralte Brauch erhalten, den Gutsherren, den Bauern und ihre Angehörigen, wenn sie während der Erntearbeit das Feld betreten haben und nicht selbst mitarbeiteten, zu„binden". Das geschieht dadurch, daß ihm ein Kornseil von besonders dicken und vollen Aehren um den Arm gelegt wird, wobei die Schnitterinnen alte Erntesprüche aufsagen und den Gebundenen nicht eher freigeben, als bis er sich durch eine Geldspende losgekauft hat. Im Karnfelde, so meinten unsere Altvordern, hausten Wese., die bald segnend, bald schädigend ihren Einfluß auf die Ernte geltend maje nachdem sich die Lan### zu ihnen stellen. Beim Mähen flohen sie von einem Roggenstück zum anderen und in der letzten Korngarbe wurde dann der Korngeist gefangen. Hieran erinnern noch Bräuche, wie sie sich besonders in Norddeutschland finden. Die letzte Garbe nennt man„den Alten“, wohl eine Entstellung des Namens des Göttervaters Wodan. Auch die Gemahlin Wodans,„die Frau Gode“. — ein anderer Name für„Frau Holle“ tritt bei Erntesitten als„Roggenmuhme" oder als „Kornmuhme" in Erscheinung. Häufiger ist ein anderer Dämonenkreis, der im Korn hausen soll, und zwar in Gestalt von allerlei Tieren. Neben dem Hasen und dem Kater ist es vor allem der Roggenwolf, der auch den schlappmachenden Mäher holt, der eine Rolle spielt, auch noch in heute sonst gebräuchlichen Redensarten, wie:„der Wolf ist im Korn". Dem Roggenwolf schreibt das Volk auch die vom Binde hervorgerufene wellenförmige Bewegung des Getreides zu. Dieser Roggenwolf flüchtet schließlich in die letzte Garbe und wird mit ihr eingefangen. Diese wird dann bei dem Einfahren des Getreides besonders aufgeputzt, mit Blumen und bunten Bändern versehen und auf dem letzten Erntewagen heimgebracht. Hier wird sie dann feierlich dem Bauern überreicht, der dafür den Schnittern das Erntebier geben muß, oder sie wird wohl auch dreimal um die Scheune gefahren u. dann in dieser oder auf der Hausdiele aufgestellt. An diesen alten, noch heute weit verbreiteten Brauch, dem sich dann gewöhnlich das Erntebier, die„Ausköst", anschließt, erinnert Schiller in seinem„Lied von der Glocke“ in den bekannten Versen: „Schwer herein schwankt der Wagen, kornbeladen; bunt von Farben, auf den Garben I liegt der Kranz. und das junge Volk der Schnitter fliegt zum Tanz.“ 1•— Die Nützlichkeit der Raubvögel Von Dr. R. Wegner=Berlin. Das ist sicher ein Irrtum, es soll wohl lichkeit heißen! Wie, Raubvögel sind nützlich? Sie, die Vögel und Tiere auffressen und sonst noch allerlei Unheil anrichten Und doch stimmt Se 3 meine Behauptung! Die meisten Menschen betrachten die Tatsachen nur von der einen Seite, ohne de entgegengesetzten Meinungen zu hören. Die Begriffe nützlich und schädlich gibt es in der Natur nicht, wir haben sie erst von Fall zu Fall gebildet. Dem einen erscheint dieses, dem anderen jenes Tier nützlich zu sein. Jede Tierart paßt in die Gegenwart hinein und füllt seine Stelle im Haushaltsplane der Schöpfung aus. Alle Vögel rauben, um ihr Leben zu fristen, die Nachtigall mit ihrem schönen Gesang und die nützliche Meise fressen Insekten, damit sie und die Jungen bestehen können. Ein Raubvogel bietet wegen seiner Größe ein gar zu schönes Ziel, um die Schießfertigkeit an ihm zu erproben. Dann wandert der prächtige Voge! zum Ausstopfer, um später das Heim der Schießers, wo er allmählich von den Motten zerfressen wird, zu schmücken. Immer seltener und spärlicher werden bei uns diese Tiere, bis sie schließlich ganz verschwinden. Das Gesetz hat sich ihrer angenommen und die meisten als Naturdenkmäler erklärt, die unseren Nachkommen zu erhalten sind. Ferner trägt die Kultivierung der Landschaft dazu bei, ihre Bestände zu lichten. Wälder holzt man ab, Seen und Flüsse werden reguliert, Sümpfe ausgetrocknet usw. Damit vertieren viele Raubvögel ihren Lebensunterhalt, sie wandern aus oder gehen ein. Eine bessere Sanitätspolizei in der Fauna als sie gibt es kaum. Kranke und schwerfällige Tiere, die sich nicht schnell genug von ihren Angriffen zu retten vermögen, fallen ihnen häufig zum Opfer. Manche Tierseuchen sind dadurch verhindert worden. Andererseits dienen ihnen Tiere zur Nahrung, die sich stark vermehren, wie die wenig beliebten Krähen, Eichelhäher, Sperlinge, Mäuse, Raubzeug usw. Natürlich fangen sie auch harmlose Kreaturen, aber das tut der Natur keinen Abbruch, sondern fördert sie nur. Es wird so ein gewisser Ausgleich geschaffen; was überhand nimmt und krank ist, muß untergehen. Städter kennen kaum noch Raubvögel und genießen nur bei ihren Ausflügen Freude an den herrlichen Flugbildern der kühnen Flieger. Adler, Falken, Bussarde, Weihen, Habichte, Sperber, Eulen, sie alle verdienen Schonung und dürften nur bei besonderen Vorkommnissen, aber nicht in der Brutzeit, in vereinzelten Fällen abgeschossen werden. Steinadler und Uhn gehören heute in Deutschland zu den größten Seitenheiten. Ein See= oder Fischadler wird in den benachbarten Gewässern die Fische niemals dezimieren können, dazu ist deren Anzahl viel zu groß. Man soll nicht nur die Untaten, sondern auch die guten Eigenschaften der Raubvögel hervorheben, dann wird sich eine ganz andere Auffassung über sie in de: Natur ergeben. Sie erweisen sich im Grunde genommen nur als Förderer der Natur und Gehüsen der Menschen. —(2— Wie die Alpen entstanden sind Von Rudolf Hundt. Schon in früheren Zeiten, in denen Menschen noch nicht über die Erde gingen, gab es alpenhohe Gebirge, die inzwischen wieder abgetragen worden sind. Die deutschen Mittelgebirge sind solche Reste steinkohlenzeitlicher Alpen, und entgegen früheren Meinungen, nach denen die Alpen in der gegen vier Millionen Jahre zurückliegenden Braunkohlenzeit entstanden sein sollten, weiß man jetzt, daß die Alpen in Hunderten von Millionen Jahren zu den verschiedensten Zeiten der Erdgeschichte langsam sich entwickelt haben. Nach Lauchs sind schon in der allerältesten Zeit der Erdgeschichte, in der Urzeit, die Steierischen Zentralalpen und Niedertauern entstanden. Sie sind somit die urältesten Teile der Alpen. Alte Gesteine bauen diesen Teil des Alpengebirgs auf. Diese Gesteine sind durch Zusammenfaltungen, hochgekommene vulkanische Gesteine sehr verändert. Durch diese Vorgänge ist eine älteste Gebirgsbildung vor sich gegangen, so daß diese ältesten Alpenteile Landoberfläche wurden. Man hat in den Karnischen Alpen gefunden, daß über den Gesteinen der Urzeit jüngere, erdaltertümliche Gesteine sich legen, daß also eine Lücke besteht, die nur von der Landwerdung erklärt werden kann; die in Nordeuropa nachgewiesene mittelerdaltertümliche Gebirgsbildung hat nur im Montblancmassiv Spuren hinterlassen. Ein weiteres Stück Alpengebiet wurde gegen Ende des Erdaltertums, in der Steinkohlenzeit, gefaltet und dadurch den Uralpen angegliedert. In dieser Zeit bildeten sich die Alpenzüge von Mercantour, Pelvoux, Velles Donnes, Montblanc, Aarund Gotthardmassiv. die inneren Zentralalven die gesamte Zentralzone der Ostalpen, die Julischen und Karnischen Alpen, der Kern der oberitalienischen Soen. Damals bekamen die Alpenketten schon im großen und geurgen die Richtung, die sie heute noch habe.!. In der Folgezeit wurden diese Gebirgsreste wieder abgetragen. Schon die Meere im Anfange des Erdmittelalters bewegten sich über den Stümpfen des alten Gebirges. Aber nur Senken im Rahmen der alten Gebirgsbildung wurden von diesen Meeren überflutet, während manche Teile, ohne je wieder bedeckt zu werden, bis auf den heutigen Tag trotz der starken Abtragung blieben. Die Gebirgsbildungen, welche das Alpengebiet bisher durchgemacht haben, sind von Ausbrüchen vulkanischer Gesteine begleitet gewesen, die einerseits der weiteren Faltung ein Ziel setzten, dann den Bau versteiften und schließlich die im Meer abgesetzten Gesteine, welche sie durchbrachen, chemisch und physikalisch umwandelten. Durch diese Begleitvorgänge wurde erreicht, daß manche Gebiete weiteren Faltungen Widerstand entgegensetzten. Die Steierischen Zentralalpen, die schon in der Urzeit gefaltet waren, sind seit dieser Zeit verschont geblieben. Für die braunkohlenzeitliche Gebirgsbildung in den Alpen sind die starren Massive außerhalb der Alpen und innerhalb des Gebirges von größter Bedeutung. In der Kreidezeit setzte eine neue Faltung ein. Fast das gesamte Alpengebiet war schon Festland geworden. Vorher breitete sich über weite Teile ein an Inseln und Untiefen reiches Mittelmeer aus. Kalkalgen. Korallen wuchsen in Menge. Flüsse trugen Schotter, Sand und Schlamm in die Untiefen. Am Ende der Kreidezeit nahm das Meer von einem kleinen Teil der Alpen vorübergehend Besitz. Dann setzen die braukohlenzeitlichen Gebirgsbildungen ein, die das Alpengebiet vergrößern, aber auch nicht ohne Einfluß auf das schon früher gefaltete Alpengebiet bleiben. Die nördlichen Kalkalpen werden enger zusammengesaltet, ja stellenweise sogar überfaltet, daß Zerreißungen von Schichtenpaketen eintreten, die dann übereinander geschoben werden. Das Alvengebirge wird zum Deck= und Bruchfaltengebirge. Das ganze Gebiet wird ausgewölbt. Nach allen Richtungen hin gehen auch im Innern des Gebirges Bewegungen vor sich. Die braunkohlenzeitliche Alpengebirgsbildung ist nicht abgeschlossen. Man hat durch Feinnivellements in Südbayern, am Bodensee und in Frankreich festgestellt, daß vollständige Erdruhe nie eintritt, sondern sich Landschaften entlang von Störungslinien verschieben. Afrikanische Getränke Von Dr. Herbert Brauns. Das deutsche Volk, dessen Hauptgetränk das Bier wurde, das schon den alten Griechen und Aegyptern bekannt war, verfügt heute über das vollendetste und hygienisch einwandfreieste Brauverfahren. Aber auch die afrikanischen Völker, die doch sonst in vieler Hinsicht eine recht primitive Lebensweise zeigen, verstehen zu brauen und zu keltern— zwar nach ihrer Art, aber doch erfolgreich und vielseitig. Die verschiedenen Arten von Palmen, Bananen, Hirse und dergl. bilden die Rohstoffe afrikanischer Getränke. Daß der Palmenwein aus dem Safte bereitet wird, der aus den abgeschnittenen Blütenstengeln der Oel= oder Kokospalme hervorquillt, ist bekannt; daß er wie das Lichtenhainer Bier schmeckt, ist gleichfalls schon oft berichtet worden; ist er alt, so soll er auch an den Champagner erinnern. Es sei aber hier vor allem eine andere Sorte von afrikanischen Getränken erwähnt, die man aus den Bananen gewinnt. Die Banane, das Riesenkraut der Erde, das bis zu fünf Meter hoch wird und meterlange Blätter treibt, wurde auch bei uns sehr bekannt; einige ihrer Arten kann man auch als Ziergewächs auf unseren Rasenplätzen beobachten; sie schießt bei uns hoch empor, trägt indessen keine Früchte, da hierzu unser Sommer viel zu gemäßigt ist. Aber die gurkenähnlichen Früchte werden in fast allen deutschen Orten verkauft, und jeder kann sich an ihrem mehlreichen Geschmack erfreuen, ohne durch die Wildnisse Afrikas wandern zu müssen. Aus diesen Früchten wird der heutige Wein und das heutige Bier des inneren Afrikas bereitet, welches als „Pombe“ in ganz Ostafrika und anderen Gegenden bekannt ist. Wie es bei uns viele Bierarten gibt, so kennt man auch in Afrika verschiedene Sorten dieses Hauptgetränkes. Alle aufzuzählen, wäre ein mühselige Arbeit. Wir ziehen es vor, unsere Leser in ein schönes Reich zu führen, dessen Grenzländer sich in dem Viktoriasee spiegeln. nach Uganda, wo die Menschen unseren frohen Musensöhnen gar nicht philisterhaft vorkommen würden, denn die Waganda haben eine ausgesprochene Studentenader. Sie haben eine alte tiefe Abneigung gegen das Wassertrinken, und viele von ihnen rühmen sich, daß seit ihrer frühesten Jugend nicht ein Tropfen Wasser über ihre Lippen gekommen sei. Da sind wir also im richtigen Lande, um Bierstudien anzustellen. Wir übertreiben nicht. Als Emin Pascha nach Rubaga zu„Kaiser" Mtesa zog, schrieb er in sein Tagebuch:„'s ist die reine Bierfahrt, von Dorf zu Dorf oder vielmehr von Biertopf zu Biertopf geht der Marsch.“ In einem solchen Lande ist die Brauerei im größten Schwung. Alles braut hier: Mann, Weib und Kind; u. zwar unterscheidet man zwischen Bananenbier und Bananenwein.„Mubisi“, ein kühler Bananenwein, wird folgendermaßen bereitet: Ein großes Loch wird in den Boden gegraben, mit Banenblättern ausgekleidet, mit unreifen Früchten gefüllt und mit Matten u. Erde bedeckt gehalten, bis die Früchte ganz„reif“ geworden sind. Die Bananen werden dann gespalten und mit feinem Heu vermischt in einen großen bootähnlichen Holztrog, der an einem Ende eine Abflußröhre hat, getan. Nach Beifügung von ein wenig Wasser wird das Ganze mit der Hand oder mit kurzen Holzstäben durcheinander gemengt, dann der Trog mit Bananenblättern bedeckt, worauf die Mischung eine bis zwei Stunden stehen bleibt. Nach Ablauf dieser Frist wird sie herausgenommen und durch Grassiebe in große Flaschenkürbisse gegossen; sie ist dann für den Gebrauch fertig und stellt ein süßes, nicht berauschendes, angenehmes Getränk dar. Läßt man aber diesen„Mubisi“ drei Tage stehen, so macht er eine Gärung durch und bildet dann ein leicht säuerliches, erfrischendes Getränk, das stark berauscht. Dieser Wein wird alsdann„Muénge“ genannt. Zieht man ihn auf Flaschen ab und läßt diese, gut verkorkt, an einem kühlen Orte mehrere Monate stehen. so erhält man einen Schaumwein, der stark an Champagner gemahnt. Aus dem„Mubisi“ der Hauptsorte, läßt sich aber noch mehr machen. Setzt man ihm eine größere oder kleinere Menge gekochter Hirse hinzu, läßt die Mischung in großen irdenen Töpfen zwei bis drei Tage stehen, wobei man sie von Zeit zu Zeit umrührt, so entwickelt sich ein Bier, das, je nach dem Verhältnis des Hirsenzusatzes, mehr oder weniger berauschend wirkt.—„Auf Lager“ werden diese Getränke nicht bereitet; sie werden gleich verbraucht. Den Wein trinkt man entweder aus Bechern von Kürbisschalen oder saugt ihn aus Kürbisflaschen durch lange, sehr hübsch gearbeitete Röhrchen. Das untere Ende dieser Röhrchen bildet sogleich ein Filter für die trübe Flüssigkeit. Für gewöhnlich werden weitere Stoffe, die etwa den Geschmack ändern sollen, zu keinem dieser Getränke hinzugefügt. Ausnahmen gibt es überall, und„Kaiser" Mtesa erlaubte sie seinem Leibarzt, dem einstigen Missionsarzt Dr. Felkin, einem Freunde Emins. Dieser gab dem Mtesas eines Tages zwei Fla##en.#eren eine ein Wasser zum Abwaschen enthielt, und sagte ihm ausdrücklich, daß es nur äußerlich anzuwenden sei. Darauf ging der Arzt nach Hause. Da kam ihm ein Page mit einem Kruge Bananenwein nachgelaufen. Der„Doktori“ solle den Wein versuchen, richtete er aus, und ihm mitteilen, ob der Kaiser den Wein trinken dürfe. Der„Doktori“ kostete, sein Begleiter, ein Missionär, trank den Rest aus, und die Erlaubnis wurde dem Herrscher erteilt, da es eine leichte Weinsorte war. Aber dem Missionär bekam der Trunk schlecht, er hatte einen Anfall von Seekrankheit zu überstehen, denn Mtesa hatte das Waschwasser in den Wein getan, um zu erfahren, ob es auch innerlich wirke. Die Bekenner des Propheten, der den Wein verbietet, die Araber, verstehen auch in Uganda aus Bananen eine Art Schnaps zu erzeugen, jedoch ohne damit bei den Negern einen besonderen Erfolg zu erzielen, weil diese ihr Nationalgetränk der mohammedanischen Erfindung vorziehen. Afrika ist demnach, wie bereits aus diesen wenigen Hinweisen ersichtlich ist, mit„geistigen Getränken“ hinlänglich versorgt. Zur Ausfuhr eignen sich diese allerdings nicht; aber sie haben die Eingeborenen stets befriedigt und auch die eingewanderten Europäer schon oftmals ertrischt. Die Forelle von K. Lierman n. Die Forelle ist ein„poetischer“ Fisch. Der alte Fontane widmet ihr in„Cécile“ ein ganzes Romankapitel, die lyrischen Dichter verwenden sie mit Vorliebe, einmal wahrschemlich, weil sie eine teure Delikatesse ist, zum andern vielleicht auch, weil sie solch ein gutes Reimwort abgibt. Forelle— helle— Quelle— Welle— das ist schon beinah ein Vers, sogar einer, bei dem man sich etwas denken könnte. Die Forelle ist in der Tat ein vornehmer Fisch, sie hält es mit den oberen Kreisen und verschmäht die Häuser und Tafeln der Armut. Sie gehört zum Geschlecht der Lachsfische, der ebenso schmackhaften wie teuren Salmoniden. Schlank, zierlich und graziös tummelt sie sich in den klaren Fluten des Baches. Auf dem silbernen Grund ihres Schuppenkleides glänzen schwarze und rötliche Flecken. Allzugroß wird sie nicht: fünfzehn bis dreißig Zentimeter sind ihre größte Länge. Es werden allerdings auch manchmal weit größere Forellen gefangen, sie gehören jedoch zu den Seltenheiten. Die beliebteste unter den Forellen ist die Bachoder Steinforelle, die über ganz Mittel= und Nordeuropa verbreitet ist. Sie hält sich vorzugsweise in klaren, sehr kühlen Gewässern auf. Im allgemeinen liebt die Forelle die Ruhe. Sie flitzt zwar, dank ihrer Leichtigkeit, rasch wie ein Pfeil auch durch die bewegtesten Wellen und hält selbst starken Strudeln stand; es liegt aber nicht in ihrer Art, sich freiwillig Aufregung zu verschaffen. Sie zieht die Stellen vor, wo das Wasser ruhiger fließt und Schilf und Wasserpflanzen die Macht der Wellen und des Windes brechen. Die Laichzeit der Forelle fällt in die Herbstund Wintermonate. Anfäng Oktober beginnen die Weibchen Löcher in den Kies des Grundes zu graben und ihre Eier da hineinzutun. Nach sechs bis neun Wochen schlüpfen die Jungen aus. Die junge Forelle ist ungeheuer gefräßig. Sie verschlingt, was ihr an Mücken, Insekten, Larven usw. in den Weg kommt, ja sogar ihre eigenen Brüder und Schwestern. Je größer sie wird. desto stärker wird auch ihr Hunger. Wenn im Mai die gelbe Fliege ausschlüpft, kommt für die Forelle eine Prasserzeit. Einen kurzen Lenztag tummeln sie sich in den Lüften, um am Abend tot in die Flut zurückzusinken. Auf diesen Augenblick wartet die Forelle. Sie hält eine wahrhaft lukullische Mahlzeit, sie schwelgt in gelben Fliegen, wie der Feinschmecker in — Forellen schwelgt. Sie wird so gierig, daß sie über aller Gier sogar ihre sonstige Vorsicht fahren läßt nud blindlings an den Fliegenköder des Anglers beißt. Der Mai gilt daher mit Recht als beste Fangzeit für unseren Fisch. Ist die gelbe Fliege fort, so gehen die großen Forellen auf den Grund des Wassers zurück und jagen dort nach Kaulquappen; die kleineren Fische bleiben an der Oberfläche und fangen nür Insekten. Die eine nimmt, was sie bekommen kann, die andere beschränkt sich auf Fliegen. Die eine ist für„junges Geflügel“, d. h. sie nimmt nur die eben ausgeschlüpften Fliegen, deren Flügel noch nicht entwickelt sind; die andere schwärmt für„haut=gout" und hält nur tote und sterbende Fliegen des Verspeisens für würdig. Ebenso jagt die Forelle nicht immer auf demselben Platz. Sie hat einen gewissen Kreis, den sie absucht und über den sie die Insekten verfolgt. Nur die ganz trägen bleiben liegen und warten ab, was das Wasser ihnen in den Magen führen wird. Neben der Bachforelle erfreut sich die Teichforelle der Zuneigung der Feinschmecker. Es gibt sogar solche, die sie der Schwester aus dem fließenden Wasser vorziehen. Die Teichforelle lebt in den Alpenseen und=Teichen und erreicht bei guter Nahrung ein ziemlich hohes Gewicht. Die Neuzeit mit ihrer reichen Einfuhr an Seefischen hat dem Inland die Seesorelle zugänglich gemacht, die billigste der Salmoniden. Mit ihrem festen, weißen Fleisch eignet sie sich vorzüglich für den bürgerlichen Tisch, um so mehr, als man sie auf verschiedenste Art bereiten kann. Sowohl in Salzwasser gekocht mit brauner Butter, wie gebraten schmeckt sie prächtig. Ueber die schmackhafte Bereitung der Süßwasserforellen sind die Feinschmecker im allgemeinen sehr uneinig. Die einen geben dem blaugekochten, die anderen dem gebackenen Fisch den Vorzug. Die Forelle gehört zu den Fischen, die sehr viel Salz brauchen. Will man sie blau kochen, so darf man sie so wenig wie möglich mit der Hand berühren, da sonst der Zwiebeln blaumachende Schleim von den Schuppen abgeht. Sie wird ausgeweidet, mit heißem Essig begossen und muß so etwa eine halbe Stunde stehen, dann ist die blaue Farbe da. Nachdem man das nötige Wasser mit Salz, Lorbeerblättern, Pfefferkörnern und Nelken versetzt und zum Kochen gebracht hat, tut man die Fische hinein und läßt sie im verdeckten Topf etwa zehn Minuten auf dem Feuer stehen; dann kommen sie heraus und werden mit heißer Butter serviert. Auch kalt mit Esfig, Oel und Pfeffer wird der Fisch gern gegessen, ebenso## ser blaugekocht mit frischer Butter ein Hochgenuß für den Feinschmecker. Bei dem großen Bedarf an Forellen wäre der natürliche Vorrat der Gewässer schon längst erschöpft, käme durch die Fischzucht= und Brutanstalten nicht immer wieder neuer Nachwuchs auf den Tisch. Die Versuche, die Forelle künstlich zu züchten, reichen bis weit in das 18. Jahrhundert zurück. Jacobi in Lippe=Detmold war der erste, der solche Versuche anstellte; er kam aber nicht weit damit. Anders wurde das, als Napoleon III. eine Züchterei zu Hüningen anlegte. Die künstliche Forellenzucht nahm dann einen ungeheuren Aufschwung. Sie setzt mit der Befruchtung der Eier ein. Der Rogen des Forellenweibchens, den dies auf jeden leichten Druck von sich gibt, wird mit der Milch des Männchens und etwas Wasser vermischt. Für einen tiefen Teller Rogen genügt ein Teelöffel Milch. Fangen die Eier an zu quellen, so kann man sie ins freie Wasser setzen. In den Züchtereien kommen sie in die Brutapparate. in Südafrika Von H. Hesse, Newyork. Mit zwei Gefährten kehrte Doktor C. L. Cadie kürzlich nach Newyork zurück. Sie hatten eine Expedition zum Studium der Zwergbuschmänner in Südafrika unternommen— eine Rasse, die sich körperlich und geistig als die tiessie der ganzen Menschheit erwies. Wie Doktor Cadle vermutet, bewohnten die Buschmänner zurzeit der Entdeckung Amerikas durch Columbus das ganze Gebiet vom Kap bis zum Zambesi. Sie müssen nach Millionen gezählt haben. Heute sind kaum noch einige tausend Reinblütige vorhanden, und in dreißig bis vierzig Jahren wird die ganze Rasse erloschen sein. Sie sind im Durchschnitt vier bis viereinhalb Fuß groß u. haben zeitweise Menschenfresserei getrieben und Weiße gemordet. Die Expedition brach im Sommer 1925 auf u. begab sich mit einem Lastauto zum Kuminmuß. Von dort zog sie in das geheimnisvolle Land Kaokoveldt und zum nordwestlichen Tei! der Kalahari=Wüste in Südwestafrika. An beiden Stellen studierte man die Buschmänner. „Die Buschmänner sind keine Neger“, erklärt Doktor Cadle,„sondern Negroide von gelblicher Farbe. Sie sind die am tiefsten stehende menschliche Rasse, die wir kennen. Ihre Größen= und Schädelmaße sind die kleinsten, die je verzeichnet wurden. Auch kulturell stehen sie unter allem bisher Beobachteten. Sie haben keine Sprache, sondern verständigen sich durch Laute, die sie mit Mund und Nase hervorbringen. Ihre Behausung besteht aus einem bloßen Windschutz, aus Zweigen verfertigt, ohne Dach und nur mit einer Mauer, wenn man es so nennen will. Werkzeuge kennen sie nicht. Bogen und Pfeil ist alles, was sie besitzen. Ihre Kleidung besteht nur aus zwei Stücken Tierfell. Außer dem afrikanischen wilden Hund haben sie keinerlei Haustiere. Ich begann, womit jeder Forscher den Anfang macht, mit der Religion. Sie sind im Stadium des Wunderglaubens, doch ist dieser Glaube niedriger als bei irgend einem anderen Stamm. Im Verkehr mit ihren Familien sind sie jedoch herzlich und moralischer als viele andere afrikanische Völker. Wünscht sich ein junger Mann ein Weib, so jagt er ein Tier, zum Beispiel eine Gazelle. Die Gazelle ist sehr flink, doch der Verfolger jagt sie sechs und sieben Stunden, bis sie erschöpft ist, fängt sie dann und bringt sie lebend zur Mutter des Mädchens. Darauf nimmt er das Mädchen mit sich. Das ist die Heiratszeremonie. Jedoch muß er die Eltern des Mädchens mit Fleisch versorgen, so lange er mit ihrer Tochter zusammenlebt. Zuweilen machen sich die Buschmänner des Kindesmordes schuldig. Wird ein Kind geboren, während die Mutter das Vorhergeborene noch stillt— die Stillperiode beträgt drei Jahre— so wird das Kleine getötet in der Erwägung, daß die Mutter beide nicht zugleich ernähren kann. Stirbt die Mutter und es findet sich kein anderes Weib als Amme für das Kleine, so wird es ebenfalls getötet.“ Eine der Ursachen, warum die Buschmänner an Zahl abgenommen haben, ist darin zu sehen, daß sie sich nie zu einer höheren Zivilisation aufzuschwingen vermochten, daß sie allen anderen feindlich gegenüber standen und ihre Verbände von anderen Stämmen gelichtet wurden. Die letzte große Indianerschlacht Ueber die furchtbare Schlacht zwischen Amerikanern und Indianern am Little Bighorn (25. Juni 1876), über die erst allmählich Näheres bekannt wurde, da kein Weißer die Schlacht überlebte, berichtet die„Gartenlaube“ in ihrem neuen Heft. Die Ausführungen lehnen sich an die Berichte des Indianerforschers Petty Frank im nächsten Karl May=Jahrbuch an. Im Frühjahr 1876 wurde unter dem Oberbefehl des Generals Terry ein neuer Feldzug gegen die Indianer unternommen; Unterbefehlshaber war General G. A. Custer. Dieser brach vom Fort auf. um sich mit Terry zu vereinigen. Unterwege erfuhr er durch Späher, daß am Little Bighorn 1200 Rothäute ein Lager aufgeschlagen hätten, und schickte Oberst Reno vor, sie vom Rücken aus anzugreifen, während er selber sie von vorn überraschen wollte. Aber die Indianer hatten die feindliche Annäherung längst durch ihre Kundschafter erfahren. Als Reno, voreilig, und des Sieges gewiß, angriff, sah er sich einer erdrückenden Uebermacht gegenüber, mußte über den Fluß fliehen und sich dort verschanzen. Heute steht fest, daß sich fast alle Dakotahstämme und mehrere andere zur Abwehr gegen den weißen Angriff zusammengefunden hatten. Euster ritt mit seinem 7. Reiterregiment, wahrscheinlich ohne genügende Flankensicherung, gegen das Lager an. Plötzlich brachen aus Seitenschluchten die Indianer mit ihrem gellenden Kriegsgeheul gegen die überraschten„Langmesser“ vor. Der ersahrene Custer mußte wohl sofort erkannt haben, daß ein offener Kampf aussichtslos war, denn er zog sich auf den Hügel zurück, um dort, durch die Leiber der Gäule notdürftig gedeckt, sich bis zum Eintreffen irgendeiner Hilfe zu halten. Aber diese Hilfe kam nicht. Immer wieder rannten die Rothäute gegen die Soldaten an, und am Abend lebte nicht einer mehr von den Weißen. General Custer, sein Bruder, sein Neffe, der Berichterstatter des New=Yorker Herald, und alle Mann fanden unter den Händen der Indianer den Tod. Der Hügel war rot vom Blut; jedem der „Langmesser" und auch Custer selber nahmen die Indianer den Skalp. Auch die Indianer hatten große Verluste erlitten, und ihre Oberhäuptlinge Gall(Pizi—„Galle") und Sitting Bull(Tatanka—. Sitzender Stier") wollten keine Leute mehr opfern, um die außerhalb des Gesichtskreises der Custerschen Abteilung liegenden Schanzen des Obersten Reno zu stürmen. Sie meinten, der Durst werde die Kehlen der Bleichgesichter ausdörren. In der Tat litten die Leute Renos entsetzlich unter dem Durst, und allein fünfzig von ihnen wurden niedergemach. bei dem verzweifelten Versuch, aus dem nahen Fluß Wasser zu holen. Am zweiten Tag endlich wurden sie befreit. Die Rothäute zogen vor dem herannahenden Terry ab. Und doch hatte ein Wesen von der Cnsterschen Schar das Gemetzel überstanden: ein Gaul des 7. Reiterregiments, der auf den Namen„Komantsche“ hörte. Er wurde gesund gepflegt und schritt jahrelang an jedem 25. Juni bei der Trauerparade des 7. Reiterregiments, mit schwarzem Tuch behängt, an der Spitze des Zuges. —12.— Die geheimnisvollen der Inka Von H. Hesse=New York. Das Leben ist der größte Romantiker.## verfügt über unerschöpfliche Quellen und stellt auch die blühendste Dichterphantasie immer wieder in Schatten. Ein Beweis sind die kürzlich entdeckten Schätze der Inkas. In den tiefen Gebirgsfalten der kolumbischen Anden in den Vereinigten Staaten liegt 3000 Meter über dem Meeresspiegel ein See, der in seinen Tiefen geheimnisvolle Schätze der Indianer birgt. Im Gebiete des späteren Königreiches Neugranada beteten in vorkolumbischer Zeit die Rothäute die Sonne an und opferten ihr alle fünfzehn Jahre einen geheiligten, zum Abbild des Sonnengottes erzogenen Knaben. Um sich die Freundschaft böser Naturgeister zu sichern und die Habgier der Spanier nicht zu reizen, benutzten diese Indianer den Grund des Sees als Schatzkammer. Vor einiger Zeit barg der englische Bergwerksingenieur Kowles fünfhundert Jahre alte Helme, Brustplatten aus gehämmertem Gold, goldene Reife und kostbare Ohrringe, Götter, Menschen und Tiere aus strahlendem Gold, die von jenen unglücklichen Urbewohnern herrühren sollen, denen die Spanier den Untergang brachten. Der See ist einer von fünf heiligen Gewässern, in denen nach dem Glauben der Indianer die Geister hausten. Um deren Zorn zu besänfti—