22 * 18993 5 * 3* *— S85 a3 * * 7• 83 — StI Me-c Freund war jedoch nicht zu vertreiben, und man mußte schließlich das Mädchen entfernen, um ihren beständigen Liebhaber los zu werden. Ein ähnlicher Fall, in dem ebenfalls Meister Petz die Rolle eines aufdringlichen Anbeters spielte, hat sich vor Zeiten in Schlesien zugetragen. Weniger gefährlich war die Liebe einer Gans zu einem Jüngling, ohne den sie gar nicht sein konnte. Auch ein Philosoph, Lacydes von Cyrene, erfreute sich der zärtlichsten Neigung eines solchen Vogels, der ihn nie verließ, er mochte Vorlesungen halten oder Besuche machen, mochte schlafen oder im Bade weilen,— das treue gefiederte Wesen war immer um ihn. Als das Tier starb, wurde es von dem Philosophen so betrauert, und durch ein stattliches Leichenbegängnis geehrt, als wenn es sich um seinen nächsten Anverwandten gehandelt hätte. Auch die sanfte Glauca besaß die Neigung einer Gans, hatte aber nebenbei noch das Vergnügen, auch von einem zärtlichen Widder geliebt zu werden, der ihr nie von der Seite wich. Selbst Elefanten haben zärtliche Regungen empfunden, wie jener, der die Geliebte des Aristophanes mit seiner Neigung beglückte, ein anderer hatte sich eine Balsamhändierin erwählt, ein dritter den Menander von Syrakus. Ein Jüngling wurde Gegenstand der zärtlichsten Neigung einer Katze die ihn nie verließ, als er erkrankte, wich sie nicht von seinem Bette, und als er starb, war sie nicht von seiner Leiche wegzubringen. Als man ihn aus dem Hause trug, verschwand sie, bald danach wurde sie in einem Winkel tot ausgefunden. So verliebte sich auch ein Pfau so zärtlich in ein Mädchen, das, als es gestorben war, auch er neben der Leiche endete. Der Gelehrte Lausbeck meinte, man habe, so vieles man auch schon vom Verlieben der Tiere in Menschen gelesen, es nicht glauben mögen, und doch hätten ihn eigene Erfahrungen überzeugt, daß nicht alles, was man darüber erzählt, zu verwersen sei. Er selbst hatte aus Assyrien einen Luchs bekommen, der eine so heftige Neigung nach einem seiner Bedienten hatte, daß es klar war, er müsse in ihn verliebt sein. Er wußte gar nicht, wie er dem Menschen genug schmeichein und ihn liebkosen sollte, er umsing ihn, ja küßte ihn, wollte er fortgehen, so suchte der Luchs ihn festzuhalten, indem er sich mit seinen Krallen in seinen Mantel hing. Ging sein Freund dennoch, so blieb der Luchs bis zu seiner Rückkehr traurig zurück, dann aber sprang er ihm entgegen und bewillkommnete ihn mit höchster Freude. Einst mußte der Diener auf längere Zeit verreisen, darauf erkrankte der Luchs, wollte nicht mehr fressen und starb nach wenigen Tagen. Ebenderselbe Gelehrte besaß auch einen balearischen Kranich, dieses Tier hatte seine heftige Zuneigung einem spanischen Soldaten geschenkt, den der Gelehrte in seiner Begleitung hatte. Wohin der Soldat ging, folgte ihm der Kranich, verweilte er irgendwo, so stellte der rühren oder streicheln als sein Gebieter. War Vogel sich neben ihn. Niemand durfte ihn ander Soldat ausgegangen, so klopfte der Vogel mit dem Schnabel an die Tür seiner Kammer, öffnete man sie ihm, so sah er sich eingehend nach dem Abwesenden um und begann dann suchend das ganze Haus zu durchstreifen, endlich aber fing er vor Kummer an, so fürchterlich zu schreien, daß es kaum zu ertragen war. Kam aber der Gesuchte dann zurück, so flog ihm das Tier mit ausgebreiteten Flügeln entgegen, ihm durch die wunderlichsten Bewegungen seine Freude bekundend. Während der Soldat schlief, lag der Kranich unter seinem Bette. In eine Hofdame verliebte sich ein Affe mit solcher Heftigkeit, daß man sich genötigt sah, den unerwünschten Liebhaber von Hose, ja aus der Stadt und endlich gar aus dem Lande zu schaffen. Ein Fräulein von Hill, Cousine der Herzogin von Crag, besaß die heftigste Neigung eines Papageies. Stets folgte er ihr, stets saß er neben ihr, sie zärtlich anblickend. Dabei gestattete er keinem Menschen, auch nur ihre Kleider zu berühren. Endlich vermählte sich das Fräulein, und nun mußte man den zärtlich=bösen Vogel entfernen, da er sich nicht darauf verstehen wollte, einen Nebenbuhler zu dulden. Salve Pater! Wieder einmal taucht in den Münchener Blätkern die alte Legende von dem trinkfrohen Kurfürsten und dem behäbigen Bräuhausfrater Barnabas auf. Dieser vortreffliche Landesherr pflegte alljährlich, wenn um Josephi die ersten Stare im Hofgarten pfiffen, zum Nockherberg über der Au zu fahren und in der dortigen Paulanerbräu die erste Maß Starkbier, das hoch berühmte Salvator, sich kredenzen zu lassen. Bei dieser altehrwürdigen Zeremonie die längst den Duft einer schönen Legende hat, trat Herr Barnabas vor seinen Fürsten, lächelste gutig sein weltlichstes Lächeln und hob auf silbervergoldetem Teller den schäumenden Humpen empor. Salve Pater Patriae! klang es von den Lippen des Bruders Kellermeister zum ersten Willkomm. Und gleich danach fielen fanfarengleich die Worte: Bibas Princeps optime! Heute sind die Fürsten und trinkfesten Landesväter in alle Winde zerstoben. Das Starkbier aber, dieser gesegnete Vorfrühlingstrank, hat die Jahrhunderte überdauert und fließt nun wieder, während die Märzschneeflocken wirbeln, und die Isar ihr gletschergrünes Wasser brausend und zischend am Nockherberg vorbeiführt, durch alle Gassen und Gäßchen der lebenslustigen Stadt. Bei dem Salvator der alten Paulaner Mönche ist es freilich nicht geblieben. Jede der Riesenbrauereten im Osten und Westen Münchens, also im Umkreis des Nockherbergs und bei der Theresienwiese im Schatten der Mutter Bavaria, hat ihr Starkbier heute, und jedes dieser Gebräue, gleichviel ob braun, dunkelbraun oder tiefbraun, hat seine Verehrer und aufrichtigen Freunde. In diesem Jahr begann das fröhliche Zechen mit einer gewaltigen Feier im Löwenbräukeller. Da gab es, von Tausenden bejubelt und andächtig genossen, zu schmetternder Blechmusik und köstlichen Dichterworten das süffige Bennobier mit Brathühnern, Schweinswürsteln und den am Rost gebräunten St.=Benno=Würsten. Gleichzeitig erschien im Pschorrbräuhaus der Animator, ein „Stimmungsanreger“ und„echtes Labsal“ für Herz und Kehle. Und nun steht München bis an den Kopf im quellenden Starkbier. Der St. Franziskus des Franziskanerkellers, der Patentator des Wagner=Bräus— ein Neuling unter den Bieren dieses Jahres,„vollmundig, malzreich und hochbekömmlich" nach dem Urteil der Kenner—, und nicht zuletzt der alte Salvator vom Nockherberg sind neben den anderen Bieren die guten und neckischen Geister dieser durstigen Märztage. Die Presse begleitet den Segen wie immer mit rauschenden Dithyramben. Daß die Preise der Biere etwas gesenkt sind, wird dabei rühmend hervorgehoben. Im vorigen Jahre hatte man 90 Pfennig für die Maß zu zahlen, diesmal„nur“ 82; der Flaschenbierpreis fiel von 1,04 Mark auf 96 Pfennig. Der Nachlaß ist nicht gerade erschütternd, die Seele des Müncheners aber, die ehedem aufschäumte, wenn die Maß Bier um einen Pfennig emporschnellte, freut sich heute über die Senkung und gibt dieser Freude in einer Extramaß Ausdruck. K. Ztg. Am Ausguck Das Kriegsgeschrei verschiedener Völker. Wie das Tier, ehe es sich in einen Kampf mit seinem Gegner einläßt, ein Brüllen, Knurren oder Zischen hören läßt, um sich selbst dadurch Mut einzuflößen, dem anderen aber Schrecken und Furcht einzujagen, so hat auch jedes wilde Volk die Gewohnheit, in der Schlacht ein Geheul auszustoßen; die Indianer, die Südseeinsulaner, die afrikanischen Stämme, alle kennen das Kriegsgeschrei. Und die zivilisierten Nationen? Sie behielten es ausnahmslos bei, nur daß sie das Gebrüll in artikulierte Laute verwandelten. Denn auch sie sahen seine Notwendigkeit ein, und bei ihnen kam noch der Nutzen dazu, der vor der Einführung von Uniformen nicht zu unterschätzen war: Freund und Feind ließen sich dadurch leicht unterscheiden. So riesen die Griechen ihr Alala. Die alten Deutschen hatten, wie uns Tacitus berichtet, ihren Schildgesang„Barditus". Furchtbar muß er in das Ohr des Römers geklungen haben: mit leisem Flüstern beginnend, steigerte sich der Gesang bis zu einem Brausen, das dem der Brandung des Meeres an Strandklippen gleichkam.„Christus hilf!“ war das Kriegsgeschrei der Heere unter den griechischen Kaisern. Fremdartig erschien den Deutschen das Hui, Hui! der Hunnen, das sie bei ihren schnellen Angriffen zu Pferde den Feinden entgegenschrien. Die Kreuzfahrer ermunterten einander mit dem Rufe:„Gott will es!“ Ihnen antwortete das Allah eswid! der Mohammedaner.„Hurte, hurte!“ schrien die deutschen Ritter beim Massenturnier zu Pferde, dem sogenannten„Buhuert". Die Franzosen unter den Königen hatten sich zum Kriegsruf: Montjoye et Saint Denis! erwählt, en avant! und Vive s'empereur! die Franzosen der Kaiserzeit. Das„Hurrah" nahmen die Deutschen erst 1813 von den Russen an, obwohl ein ähnlicher Ruf urdeutsch gewesen sein soll. Der Ainentbehriiche. Bellman, der schwedische Horaz, stand bei seinem König Gustav III. in hoher Gunst, nicht bloß als literarischer Spußmacher, sondern auch als Ratgeber in Staatsgeschäften. Schließlich aber wurde er zu frech und fiel in Ungnade. Der König verbannte ihn vom Ho bereute es aber bald und wünschte einen Anlaß, zur Versöhnung, den ihm der gekränkte Dich= ter jedoch nicht so rasch gab. Eines Tages, als der König bei seinem täglichen Ausritt wie immer an des Dichters Haus vorbeikam, bot sich ihm ein merkwürdiger Anblick. Eine lange Leiter stand an einem Fenster des Oberstockes angelehnt und auf dieser stand ein Barbier und rasierte den Dichter, der hierzu den Kopf aus dem Fenster steckte. Der König hielt an und fragte hinauf:„Bellmann, was treibt er für verrücktes Zeug?“ Worauf der Dichter herunterrief:„Ach, Majestät, es ist nicht anders zu machen! Mein Barbier ist bei mir in Ungnade gefallen. Ich habe ihm verboten, mein Haus zu betreten,— aber ich kann ohne den Kerl nicht auskommen!" Der König begriff und nahm seinen unentbehrlichen Bellmann wieder. in Gnaden auf. M. E. Boshafte Kolonisten. Man sagt, der Engländer sei im allgemeinen unmusikalischer als andere Europäer. Das stimmt zweifellos. Seine Nation hat bisher noch keinen Musiker von Weltruf hervorgebracht. Dennoch ist John Bull sehr sangesfreudig und stimmt bei allen nur denkbaren Gelegenheiten mehr oder weniger melodiös sein „God save the King“(Gott erhalte den König) an. Böse Zungen behaupten allerdings, daß in den Dominions, vornehmlich in Indien und Kanada, diese Nationalhymne textlich ein wenig abgeändert gesummt wird. Bitte, nur ganz wenig! Statt„save“ singen die verflixten Koionisten einfach„shave“, mithin — welche Unverfrorenheit!—„Gott rasier' den König!“ Klingt recht harmlos, nicht wahr? Diese Aenderung soll zuerst in Indien aufgekommen sein zur Erinnerung an die blutige Niedermetzelung indischer Aufständischer um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Dr. F. Er weiß sich zu helfen. Der Wittenberger Professor Friedrich Taubmann war einer der wichtigsten und geistreichsten Köpfe seiner Zeit. Er starb 1613 im 48. Lebensjahre. Man hat seine Einfälle unter dem Titel„Taubmanianer“ gesammelt. Taubmann fiel einst bei dem Kurfursten von Sachsen in Ungnade, und es wurde der Befehl erteilt, sobald er sich wieder an dem kurfürstlichen Hofe sehen ließe, die Hunde auf ihn zu hetzen. Aber Taubmann ersann eine List. Er kaufte drei lebendige Hasen, nahm sie unter seinen langen Mantel und ging damit zu Hofe. Kaum war er eingetreten, so wurden einige Hunde auf ihn gehetzt. Sogleich ließ er einen der Hasen laufen und ging nun ruhig über den Schloßhof. Auf der Treppe kamen ihm andere Windspiele entgegen. Taubmann ließ geschwinde den zweiten Hasen hervorspringen, den die Hunde verfolgten. Vor dem kurfürstlichen Gemach sprang ein anderes Windspiel auf ihn zu, das er aber durch den dritten Hasen beschäftigte. So kam er unbeschädigt in das kurfürstliche Zimmer. Der Kurfürst bewillkommnete ihn wegen der wohl ausgedachten List freundlich und schenkte ihm wieder seine Gunst. Angeborene Lebensart. Erschöpft von langem Ritt erbat sich Friedrich der Große, als er während des Siebenjährigen Krieges in die Nähe von Liegnitz kam, von einer Bauersfrau einige Aepfel. Obgleich sich die Frau sträubte, Geld dafür anzunehmen, bezahlte der König doch die Aepfel mit einigen Goldstücken. Da wünschte ihm die Frau, daß er bald wieder siegen möchte. Sie würde sich dann freuen, ihn wieder zu begrüßen. Und wirklich gewann Friedrich bald darauf die Schlacht bei Liegnitz und kam nach einigen Tagen in dieselbe Gegend zurück. Fast die ganze Einwohnerschaft des Dorfes hatte sich am Wege aufgestellt, voran die Bauersfrau, die ihm den Sieg gewünscht und ihn jetzt lebhaft und mit wirklichem Anstand zu dem erfochtenen Siege beglückwünschte. Friedrich dankte leutselig und sagte dann zu dem an seiner Seite reitenden General Ziethen:„Das muß man sagen, die Schlesier haben doch eine angeborene Lebensart; denk' Er sich daneben doch bloß’mal seine Prignitzer!“—„Oho“, entgegnete Ziethen,„bezahlen Eure Majestät einem Prignitzer nur einmal jeden Apfel mit fünf Talern, da wird er noch andere Kratzfüße machen!" Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druch und Verlag: B. A. Santz, Altena. 1 ** 45 —— E—8 S 88— S#n. 89— 3 RNT S 9 825E D S2 05 * S S Fosg Fsg Fana 525 1— — — G#neBs s 1— Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung. Nr. 11 Mittwoch, 17. 1926 Die offene Wunde Zum oberschlesischen Abstimmungssieg, 20. März 1921. Von Bernhard Rausch. D Jahrestag der Abstimmung Wir schritten glaubensvoll an jenem Tage Zur Schicksalsurne hin, bekenntnisfroh! All unsre Herzen brannten siegesloh; Nicht einer war entmutigt oder zage. Denn trotz des Feindes ränkevollem Trachten War doch der meisten Brüder Stimmen so: Wir werden nur bei Deutschland wahrhaft froh, Wir wollen nicht in fremder Knechtschaft schmachten. Die großen weltpolitischen Fragen, die mit der Sanktionspolitik im Westen, der Räumung der besetzten Gebiete, dem Sicherheitspakt und dem Eintritt Deutschlands in den Lölkerbund zusammenhängen, haben in den letzten Jahren, mehr als es gut war, die Aufmerksamkeit von jener offenen Wunde im Südosten des Reiches abgelenkt, die seit der Teilung Oberschlesiens an unserem Volkskörper brennt. Durch unseren Eintritt in den Völkerbund ist die oberschlesische Frage wieder in den Vordergrund der europäischen Politik gerückt worden, und der fünfte Jahrestag unseres Abstimmungssieges vom 20. März 1921 bietet einen willkommenen Anlaß, mit Nachdruck auf die Notwendigkeit hinzuweisen, daß ein besser zu unterrichtender Rat in Genf das uns zugefügte Unrecht wieder gutzumachen hat. Die ursprüngliche Absicht der Entente war, ganz Oberschlesien den Polen zu geben. Wenn man den Umweg über eine Volksabstimmung zuließ, so nur, um den Schein einer gewaltsamen Abtrennung zu vermeiden. Lloyd George führte am 2. Juli 1919 im Obersten Rat aus: „Meine Sachverständigen sehen eine für Polen günstige Volksabstimmung vorau. Sie denen, daß ein solches Plebiszit den Deutschen künftige Einwendungen unmöglich machen wird.“ Die Abstimmung erfolgte unter den für Deutschland ungünstigsten Umständen. Ganz Oberschlesien stand unter dem Terror der Korfantybanden, und durch das Abstimmungsreglement wurden wir auf das schwerste benachteiligt. Nach Paragraph 4 des Anhanges zum Artikel 88 des Versailler Diktats sollten die nach Oberschlesien eingewanderten Personen stimmberechtigt sein, wenn ihr Zuzug in einer Zeit erfolgt war, die nicht nach dem 1. Januar 1919 lag. Im Reglement wurde die Stimmberechtigung jedoch davon abhängig gemacht, daß der Zuzug vor dem 1. Januar 1904 erfolgt war. Dadurch hat Deutschland mindestens 150000 Stimmen gerade der Beamten. Ingenieure, Facharbeiter usw. verloren, die die Blüte Oberschlesiens geschaffen hatten und der wertvollste Teil der völkerung waren. Trotzdem war die Abstimmung ein eindrucksvoller Erfolg. 707393 Stimmen wurden für Deutschland und nur 479 365 für Polen abgegeben. In dem Dunkel der Tage vor 5 Jahren leuchtete nach diesem Sieg die helle Klarheit unseres guten Rechts auf Oberschlesien. Von der Möglichkeit einer Teilung war in keinem Dokument die Rede. Plötzlich traten die Polen mit dem Anspruch einer Trennung Oberschlesiens durch die sogenannte Korfantylinie hervor. Im Obersten Rat konnte man sich nicht einigen. Lloyd George, der uns höchsttönend fair play versprochen hatte, verfiel als schlauer Fuchs auf den Ausweg, die Entscheidung von dem Spruch des Völkerbundsrates abhängig zu machen. Er erfolgte erst nach 7 Monaten, am 20. Oktober 1921. So lange brauchte man, um jene künstliche Konstruktion einer gemeindeweisen Abstimmung herzustellen, die den Vorwand lieferte, den wertvollsten Teil Oberschlesiens den Polen zu geben. Von einer gemeindeweisen Abstimmung ist aber im Versailler Diktat weder dem Sinn noch dem Wortlaut nach die Rede. Aus Artikel 88 geht ganz klar hervor, daß der Mehrheitswille für das Schicksal des ganzen Oberschlesien entscheidend sein sollte. Wäre am 20. März 1921 auch nur eine Stimme mehr für Polen als für Deutschland abgegeben worden, hätte der Oberste Rat seine Entscheidung sofort Wohl hörte alle Welt die Jubelkunde. Doch nimmer wurden unsre Fesseln frei; Blindwütiger Haß erstickte unsern Schrei, Schlug roh dem Heimatherz die Todeswunde. Doch Rachegeist und Krämersinn zersplittern Am ehern Felsen deutscher Lieb und Treu; Nie können Menschenmacht und Zeitgedräu Den Zukunfteglauben tief in uns erschüttern. Mag man auch Grenzen ziehen, Pfähle rammen, Dieweil das Land in Ohnmacht wehrlos weint: Die deutsche Sehnsucht lebt, trutzt Not u. Feind Und zündet höchster Heimatliebe Flammen. Alfons Hayduk. getroffen und ganz Oberschlesien den Polen zugesprochen. Aber obwohl wir unter ungünstigsten Umständen fast eine Viertelmillion Stimmen mehr aufgebracht haben, wurde uns unser gutes Recht auf Oberschlesien geraubt, denn die Entscheidung des Völkerbundsrates und der Botschafterkonferenz ist auch unter dem Gesichtspunkt einer gemeindeweisen Abstimmung eine schreiende Ungerechtigkeit. Von den Gemeinden Oberschlesiens waren rein deutsch, ohne auch nur eine polnische Stimme, 89, rein polnisch überhaupt keine. In den 36 Städten Oberschlesiens, die dort mehr als anderswo die Zentren der Kultur sind, waren 80 Prozent der Stimmen deutsch, und selbst die Landgemeinden hatten eine Mehrheit von 51,8 Prozent zugunsten Deutschlands. Dementsprechend hat denn auch der Rechtsbeistand Wilsons auf der Pariser Friedenskonferenz, der amerikanische Jurist Miller, am 5. Oktober 1921 in einem Gutachten ausgeführt:„Ich komme zu dem Schlusse, daß nach Recht, Gerechtigkeit und Gesetz Deutschland unzweifelhaft berechtigt ist, die Gesamtheit der Abstimmungszone in Oberschlesien als integralen Teil des deutschen Territoriums zu behalten.“ Die Fälschung des Abstimmungsergebnisses geschah zu dem von vornherein feststehenden Zweck, Polen in den Besitz der wirtschaftlichen Reichtümer Oberschlesiens zu setzen. Von dem Gesamtkohlenvorrat Oberschlesiens, der mehr als die Hälfte der gesamten Steinkohlenvorräte Deutschlands ausmachte, hat Polen 91,5 Prozent erhalten. Von 67 Steinkohlenzechen kamen 53 an Polen. Der Eisenerzbergbau ist vollkommen an Polen gefallen. Von 16 Zink= und Bleierz= gruben blieben nur 5, von 8 Hochofenwerken nur 3 deutsch. Von 14 Stahl= und Walzwerken kamen 9 zu Polen, der Zink= und Bleihüttenbetrieb wurde ganz polnisch. „Ein seltsam schönes, hervorragendes Ganze“ hat Goethe Oberschlesien genannt, das er durchwanderte. Und was schon von Natur aus eine Einheit bildet, ist erst recht durch die wirtschaftliche Entwicklung zusammengeschmiedet worden. Die gewaltsame Zerreißung der miteinander verflochtenen und aufeinander angewiesenen Berg= und Hüttenwerke mußte von den verhängnisvollsten Folgen sein. Das ging schließlich auch der Botschafterkonferenz auf, zumal sie, was Briand offen aussprach, von den Polen befürchtete, daß sie mit dem hochindustriellen Gebiet nichts anzufangen wissen würden. Deshalb wurde ein Wirtschaftsabkommen zwischen Deutschland und Polen für 15 Jahre erzwungen, dessen Unterzeichnung am 15. Mai 1922 in Genf erfolgte. Eine gemischte Kommission unter dem Vorsitz Dr. Calonders und ein gemischtes Schiedsgericht sollen die Durchführungen dieses Vertrages überwachen. Aber was vorauszusehen war, ist eingetreten. Das Ziel des Genfer Vertrages, die Wirtschaftseinheit Oberschlesiens aufrechtzuerhalten, ist nicht erreicht worden. Die Industrieunternermungen beiderseits der neuen Grenze sind unter dem Zwang verschiedener Rechts= und Wirz= schaftsverhältnisse gründlich umgestaltet worden. Seit dem 1. November 1923 ist die poln sche Mark das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel in polnisch Oberschlesien, und das einstche Juwel deutscher Wirtschaft wurde unter der berühmten„polnischen Wirtschaft" rasch und grundlich ruiniert. In das Chaos, in dem ganz Polen steckt, weil es für seine Staatsbetriebe, Eisenbahnen, Bergwerke, Hütten, Salinen usw. die erforderlichen Zuschüsse nicht mehr aufzubringen vermag, ist auch polnisch Oberschlesien mit hineingezogen worden. Wir sehen, wie Polen, das sich als Staatswesen noch längst nicht konsolidiert hat, und bei seiner traditionellen staatlichen Unfähigkeit nie konsolidieren wird, seinen Raub auch wirtschaftlich nicht zu verdauen vermag. Den Mächten aber, die in ihrer Siegerpsuchose das Unrecht vom 20. Oktober 1921 verschulde: haben, sollte es zum mindesten unter weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht gleichgültig sein, ob eines der wichtigsten Werte schaffenden Zentren Europas in polnischen Händen verkommt, oder durch deutschen Fleiß und deutsche Intelligenz zu seiner alten Blüte gelangt. Iynen sei am 5. Jahrestage der Abstimmung gesagt, daß sich die oberschlesische Wunde nicht eher schließen wird, als bis das uns Entrissene zurückgegeben worden ist, denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Deutschland seinen vollen Rechtsanspruch auf ganz Oberschlesien nie verloren hat. „Wälder rauschen, Ströme brausen, Kraft und Mark, uralter Klang, Oberschlesien, deutscher Boden, bleib uns deutsch trotz Sturm und Drang." Der Ehrenhain für die Gefallenen Von W. Berger. Der zur Vorbereitung des Nationaldenkmals für die Gefallenen im Weltkriege vom Reichsrat gewählte Ausschuß hat unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Dr. Kuelz getagt und sich nunmehr dahin entschieden, die Errichtung eines Ehrenhaines für die Gefallenen, und zwar in Mitteldeutschland, vorzuschlagen. Damit rückt der seit langem gehegte Plan der vereinigten Frontkämpferverbände seiner Verwirklichung näher. Ueber die Einzelheiten der Durchführung des Werkes ist noch nichts Näheres bestimmt. Man will also diesmal von der Gepflogenheit, ein durch seine Größe und seine Maße wirkendes Riesenbauwerk aus Stein und Erz zu errichten absehen, wie die Erinnerung an die großen Zeiten und ihre Helden in dem Hermannsdenkmal auf dem Teutojburgerwald, dem Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig, dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald, dem Kuffhäuserdenkmal, dem Kaiser Wil— 1 S5 5. 5e 55 # SEE" S#gesg 535 585 * 2 3 PStuSg" * Beßneyse ..# S SE F 4 * 8 E E S EFES 5 355 helmdenkmal auf der Hohensyburg und der Siegessäule in Berlin wachgehalten wird. Jedoch ist es wahrscheinlich, daß auch in dem geplanten Ehrenhain, der ein urdeutsches Sinnbild deutscher Kraft, deutschen Heldentums verkörpert, ein würdiges Denkmai aus Stein und Erz errichtet wird. 9 Sieben Städte streiten sich um den Ruhm, die Geburtsstadt Homers zu sein. Nunmehr wird ein edler Wettbewerb unter den deutschen Städten einsetzen, um die Ehre, den Heldenhain auf ihrem Gebiete zu erhalten. Sobald der Gedanke der Errichtung dieses Ehrenhaines auftauchte, begann sofort eine förmliche Jagd nach dem Ziele. Es ist ein Wettbewerb landschaftlich schön gelegener Städte eingetreten, die kleine Wälder oder Parkanlagen anbieten, die für den Ehrenhain besonders geeignet sein sollen, und das Prodlem ist somit zu einem landschaftlichen Schönheitswettbewerb geworden. Es bildet das Tagesgespräch vieler Orte. Es spukt in den Köpfen der Bewohner und Künstler, die mit dem Pinsel und dem Griffel gut umzugehen verstehei, entwerfen Pläne für den Ehrenhain in ihren Gemarken, die mit der Feder Bewanderten beschreiben die Schönheit ihrer Gegend. Jeder einzelne Ort wartet auf den großen Tag der Entscheidung, auf den Tag, wo vielleicht der Name ihrer bisher fast unbekannten Gegend in großen Fettbuchstaben in den Zeitungen prangt, wo das Städtchen zur Berühmtheit, zu einem Wallfahrtsort für Hunderttausende wird. Viele laufen, aber nur einer erringet die Palme. Es ist klar, daß sich die Errichtung des Ehrenhaines für die Stadt, der schließlich die Palme zuerkannt wird, auch wirtschaftlich sehr stark auswirken wird. Der Fremdenverkehr wird sich in ungeheurer Weise steigern, und auch das Geschäftsleben des vom Glück begünstigten Ortes wird sich unzweifelhaft stark heben. Darum sind es vor allem auch die Geschäftsleute, die bei ihren Stammtischgesprächen die Ortsfrage des Ehrenhaines eingehend erörtern. Heute ist es jedoch noch stark verfrüht, über Zeit und Ort des Ehrenhaines etwas Bestimmtes sagen zu wollen. Soweit bekannt geworden ist, sind es nicht bloß sieben Städte, wie bei Homer, die sich um die Ehre des Ehrenhaines bewerben. Zu ihnen gehören vor allem die Städte Meiningen, Großenhainichen, Halle, und der kleine Badeort Pretzsch an der Elbe. Soweit wir unterrichtet sind, entbehrt es jeder Begründung, wenn in der Presse schon mit einiger Bestimmtheit gemeldet wurde, daß wahrscheinlich der Dolmar bei Meiningen die größte Aussicht habe, als Ort für den Ehrenhain gewählt zu werden. Wie auch die Entscheidung fallen wird und welcher Ort auch der erkorene sein wird— der Ehrenhain für die Gefallenen— wird ein würdiges Nationaldenkmal werden, und das deutsche Volk wird damit trotz des verlorenen Krieges und seiner schweren wirtschaftlichen Lage eine Ehrenpflicht erfüllen. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß auch die Errichtung eines Kriegspferdeden kmals geplant ist, und daß der Plan bereits sestere Gestalt angenommen hat. Der Ausschuß unter dem Ehren=Vorsitz des Generalfeldmarschalls von Mackensen hat bereits dem Entwurf eines Kriegspferdebrunnens zugestimmt. Das Denkmal wird durch den Nationalverband deutscher Offiziere nach dem Entwurf des Berliner Bildhauers Professor Dr. Joseph Limburg ausgeführt werden. Das Denkmal wird besonders die Leistungen des Pferdes im Weltkriege darstellen, und in den Reliefs der Seitenwände des Brunnenbeckens wird das unverkennbar zum Ausdruck kommen und auch der Aufstellungsplatz dementsprechend gewählt werden. Das Kriegspferd, das der Künstler im Felde nach dem Leben modelliert hat, war ein deutsches Halbblutpferd, ein Kolonnenpferd, und soll auf einem Sockel stehend, den Mittelpunkt des Brunnens bilden. Auf den Seitenflächen des hohen achteckigen Brunnenbeckens sollen dann die Reliefdarstellungen angebracht werden, welche die Pferde in ihrer Kriegs=Verwendung als Zug= und Reitpferde zeigen. Das Denkmal selbst soll aus Bronze hergestellt werden u. in einem grenzenlos erschöpften Tiere die ganze Tragik des Todes versinnbildlichen. Das Dennmal wird ein äußeres Zeichen der Dankbarkeit für die gewaltigen Kriegsleistungen der stummen Kameraden des Krieges darstellen. Es ist recht und billig, wenn man die treuen Gefährten der gefallenen Helden in dieser Weise ehrt, wie das nach 1870/71 schon der Dichter in dem herrlichen Gedicht„Die Rosse von Gravelotte“ getan hat, das mit den Worten schließt: „Wenn ihr die Tapferen von Gravelotte nennt, so denkt auch der Rosse vom Leibregiment.“ Im übrigen ist auch in London für die im Kriege getöteten und verwundeten Pferde und e ein Denhmal geplänt, das im Heydepark Der Landweg Von Hans Erich Lübke. Nichts geht über die Gemütlichkeit, sagte der alte Landweg, da sprang er sommervergnügt um einen breiten Schlehdornbusch herum, als wenn er mit ihm tanzen wollte, und lief dann, sich schüttelnd vor Lachen, immer in Schlangenlinien einen hohen Hang hinab, bis er sich unten an einem kleinen Feldbach im kühlen Schatten uralter Pappeln niederließ, um sich ein Weilchen zu verschnaufen. 4 uun; in 8c. Dann bummelte er weiter, ganz in Hecken und Buschwerk eingelullt. Die kleinen Vögel grüßten ihn, die bunten Feldblumen nickten ihm zu und die Mäuse guckten mit hellen Augen aus ihren dunklen Löchern und riefen: Guten Morgen. Herr Landweg, schon so früh auf den Beinen!—— Der Feldweg nickt und trällert ein Lied vom Wandern und von der Burschenfreiheit. Eine ganz in Blätterschatten getauchte Wassermühle rauscht ihm freundlich zu.— Eine alte fleißige Seele bist du doch, spricht der Landweg. Er schreitet an einer Kiesgrube vorüber. Hält, sagt er, dort will ich ein bißchen verweilen. Und die alte Kiesgrube freut sich zu seinem Besuch und erzählt ihm von der Urzeit der Welt, als es no chkeine Menschen und keine Landwege gab, als gewaltige Wasser über alles fluteten und ungestaltete Wesen die Welt belebten. Ja, ja, wir sind viel, viel älter als du und alle Menschen auf der Erde, kicherten die kleinen Kieselsteine und kollerten vergnügt die Böschung Ist da plötzlich ein großer Lärm in der Luft! Ein Wanderfalke wird von Krähen hart bedrängt. Vor Angst läßt er seine Beute fallen — einen toten Maulwurf. Bald hebt eine feierliche Beerdigung an. Unzählige Totengräber besorgen das. Sie haben alle schwarze, goldgelb=bestickte Feierkleider angelegt.— Schlaf wohl, alter schnurriger Geselle!— Kommt ein aufgescheuchter Hase aus den Kartoffelfeldern gelaufen, macht ein Männchen, sichert.— Als er die Luft rein glaubt, springt er vor Freude in die Höhe und dreht sich dabei einmal um sich selber.— Jedes Tierchen hat sein Pläsierchen, denkt der alte Landweg und wandert weiter. An einem altertümlichen, ganz verschlafenen Dorf kommt er vorüber. An einem Hause liest er folgende Inschrift:„Gott im Herzen, die Liebe im Arm, das eine macht selig, das andre hält warm!"— Nicht übel, meint der Landweg und grient.—— Es wird heute ein warmer Tag. Ueberall spielen Sonnenstäubchen. Langsam und träge schleppt sich der Feldweg dahin, immer langsamer, bergauf. Die Feldbüsche bleiben zurück, einzelne Birken und Weidenmännchen nur geleiten ihn. Oben, auf der Höhe, ist er ganz allein. Breit und müde liegt er da, mitten in der heißen Sonnenglut. Die Telegraphendrähte nur allein summen noch. Sie erzählen ihm just etwas vom ewigen Völkerfrieden, den Landstraße entlang. was ist los, warum har er es so eilig? Verschwunden!— Nach einer Weile kommen mit langheraushängenver Zunge zwei Hunde über den Weggraben gesprungen, ein brauner Tackel und ein junger Dorsköter(Leipziger Allerlei!). Euch werde ich helfen, dachte der Landweg, ehrbare harmlose Leute zu jagen und zu ängstigen! Da fing er, um sie zu schrecken, ein wildes Gelächter an, das gemischt war aus Meckern, Brüllen, Wiehern und Quäken. Entsetzt fuhren die Köter herum und rannten zurück, immer bergan, mitten durch ein Rübenfeld als wäre der leibhaftige Teufel hinter ihnen her.— Sie werden von nun an den Hohlweg meiden, wo so etwas Schreckliches haust!—— Lautlose Nacht und blausilberner Mondschein lag über Tutenbrink. Still, wie verzaubert, lag der Mühlenteich mitten im Dorfe. Da nickte auch der alte Landweg ein und niemand störte seinen Schlummer. —1.— man ernsthaft und feierlich sucht, trotzdem es an allen Enden der Welt knallt und kostbares Menschenblut fließt. Ja, seufzt er, die Völkerversöhnung!—— Von der kahlen Höhe sieht der Landweg weit in die Welt, blickt auf säen und ernten, auf Dörfer und Wälder. Da sieht er auch seinen hochnäsigen Bruder, die Chaussee, einmal wieder. Der ist nun ganz modern geworden, lacht er. Zu einer— Automobilstraße hat er sich ausbauen lassen. Ich danke Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, denkt Bruder Feldweg bei sich, und daß ich vor allem ich selber geblieben und nicht gestreckt, gebogen und platt gedrückt worden bin, wie mein vornehmer Herr Bruder. Lieber als unmodern gelten, aber seine EigenBei einem alten Wegweiser setzt sich der Feldweg auf die Steinhausen. Es sind alte Bekannte, sind gute Freunde. Hier hört man stets das neueste aus aller Welt. Die Bögel und die Wanderburschen erzählen es. Und die Findlinge plaudern von ihren Weltreisen. Wohin willst du nun, fragt der Wegweiser. Der Landweg war sich unschlüssig, ob rechts oder links. Du hast ja Zeit, du versäumst ja nichts, gehe einmal nach Tutenbrink, da ist es sehr nett. Es ist nur zwölf Kilometer entfernt. Dort wohnt mein Vetter, den kannst du schön grüßen von mir. Es war Abend geworden, als der Feldweg dort ankam. Er hatte sich Zeit gelassen und unterwegs, im Hohlweg, hatte er noch ein vergnügliches Erlebnis gehabt., a ich Mitten aus der weiten Felomarn näherte sich plötzlich ein großes Geschrei und Gekläff. Hopp hopp macht es und Vater Lampe, der Hase, reint was das Zeug halten kann, zick zach die Zahlung von an kanadische Indianer Von Emil Droonberg. In der Vorstellung, die wir uns über den heutigen Kulturstand der Indianer machen; irren wir meistens nach der Richtung hin, daß wir sie uns alle zivilisiert und nur noch durch die Farbe der Haut von den Weißen verschieden, vorstellen. Während das auf einzelne Stämme in den nördlichen Staaten der Union und in Kanada. aus denen Sänger, Rechtsanwälte, Aerzte uno Professoren hervorgegangen sind, zutrifft, wenn freilich auch dort nur mit Ausnahmen, so ist es doch weit entfernt, allgemeine Geltung zu haben. Der Deutsche, der nach Kanada und besonders nach den südlichen Staaten der Union kommt. ist daher auch meist erstaunt, wenn er in den Straßen der Städte neben Indianern in der üblichen Kleidung der Weißen und mit kurzgeschnittenem Haar, auch solchen in der Tracht ihres Volkes und mit in Zöpfe geflochtenem Haar begegnet, die ihm auf eine Anrede in englischer Sprache mit einem Kannitverstan in ihrer eigenen Sprache antworten. Und noch erstaunter würde er sein, wenn er in ihre Niederlassungen käme und dort fände, daß sie nicht nur, wie es sehr oft der Fall ist, ihre früheren Sitten und Gebräuche, sondern auch ihre Religion ziemlich unversehrt erhalten haben. Man wird jedenfalls weniger leicht irre gehen, wenn man sich den heutigen Kulturzustand der Indianer— in ihrer Gesamtheit natürlich und von einigen Ausnahmen abgesehen — ihrer ursprünglichen Lebensweise beträchtlich näher als der Zivilisation der Weißen vorstellt. Ganz besonders gilt das in bezug auf die Stämme mit nomadischen Gewohnheiten, und man kann das sehr gut beobachten, wenn sie jährlich zur Empfangnahme der ihnen zustehenden Vertragsgelder sich zusammenfinden. „Und dieser Vertrag soll dauernd und für immer in Kraft bleiben." So lautet eine Stelle des Vertrages, den die kanadische Regierung mit einer Anzahl seßhafter, wie auch nomadischer Indianerstämme abgeschlossen hat, von denen namentlich die letzteren von der Zivilisation der Weißen fast nau so weit entsernt sind, als sie es jemals waren. Wozu man ihnen übrigens nur Glück wünschen kann..69 8 228. Wenn die Unavyängignen dieser Indianer von den Weißen im ganzen nur wenig beschnitten worden ist u. ihnen besonders auch ihre frühe ren ureingesessenen Rechte auf Jagd und Fischsang für den eigenen Bedarf fast uneingeschränkt belassen worden sino, so hat ihnen die Regierung doch für die nominelle Uebernahme ihres Landes die Zahlung einer kleinen Geldsumme, sowie die Lieferung gewisser für das Leben in der Wildnis unentbehrlicher Dinge zugesichert. Die Verpflichtung lautet: „Ihre Majestät(Viktoria) verspricht, daß jeder Häuptling nach Unterzeichnung dieses Vertrages eine silberne Medaille und eine passende Flagge, sowie in jedem dritten Jahre danach er und jeder Unterhäuptling einen Anzug erhalten soll. Jedes gewöhnliche Mitglied des Stammes soll jährlich fünf Dollars, jeder Häuptling fünfundzwanzig und jeder Unterhäuptling Hufogig Dollars erhalten. Außerdem soll jedes Ritglied des Stammes noch Munition und Garn zur Herstellung von Netzen im Werte von einem Dollar für jede Person erhalten. Und dieser Vertrag soll dauernd und für immer(sorever and aye) in Kraft bleiben. Gewisse Orte, meistenz Handelsposten an einem größeren Flusse, der das betreffende Gebiet durchströmt, werden als Verteilungsplätze jur diese Vertragsleistungen bestimmt. Zur angegebenen Zeit erscheint der Regierungsagent dort mit Tausenden von Dollars in Ein= und Zweidollarnoten. Größere Beträge werden nicht verwendet und von den Indianern nicht gewünscht. Sie sind, und leider nicht ohne Grund, sehr mißtrauisch gegen die Weißen, und wenn sie im Store mehrere Einkäufe vorzunehmen haben, so bezahlen sie jeden einzeln und lassen sich den jeweiligen Ueberbetrag herausgeben, denn das können sie mit ihren rechnerischen Fähigkeiten gerade noch übersehen, während sie ein Zusammenaddieren der einzelnen Posten auf Treu und Glauben hinnehmen müßten, wozu sie nur geringe Neigung verspüren. Der Agent wählt sich dann einen Platz im Freien, und die Indianer— Häuptlinge, Unterhäuptlinge(Polizisten), alte Jäger und Trapper, junge Burschen und Mädchen, Squaws und Kinder gruppieren sich um ihn herum. Einer nach * dem anderen tritt dann vor und nimmt in Empfang, was ihm zukommt, während der Agent in seinem Buche die erfüllte Vertragsleistung anmerkt. Er ist immer ein Mann, der durch langjährige Berührung mit den Indianern diese und ihre Gewohnheiten genau kennt. Oft beherrscht er auch eine oder mehrere Indianersprachen, in einem Maße wenigstens, das zu einer Verständigung ausreicht. Da es ausgeschlossen erscheint, daß diese nördlichen Teile von Kanada jemals dicht besiedelt sein werden, so dürfte der Teil des Vertrages der eine jährliche Geld= und Sachleistung an jede „indianische Person“ dauernd und für immer vorsieht, wahrscheinlich buchstäblich zur Ausführung gelangen, denn nur in ihrer Eigenschaft als„Wilde“ können die Indianer als aussterbende Rasse angesehen werden, während sie sich in bezug auf ihre Zahl langsam aber stetig vermehren. Zigenner in Amerika Von H. Hesse, Newyork. Die moderne Zeit hat der Romantik vergangener Tage unerbittliche Fehde angesagt und rottet sie selbst in den letzten Ausläufern aus. Eine der letzten Inseln der Romantik in der Flut des neuzeitlichen Lebens und seiner Umwälzungen bilden die Zigeuner. In Amerika aber ist auch das schon vorbei. Hier brechen sie ihre Zelte nicht mehr ab und verschwinden ebenso geheimnisvoll und plötzlich wie sie gekommen, denn in Amerika sind auch die Zigeuner ebenso auf der Höhe der Zeit wie die Modedame und der Don Juan. Zieht der Zigeuner heute um, so verschnürt er das Gepäck, sperrt das Geflügel ein, bündelt die Betten, rollt die Zeltbahn ein, treibt die Schar der Kinder zusammen und— töfft in einem starken Automobil von dannen. * Er besitzt nicht etwa einen billigen Ford, sondern einen teuren Wagen. Oft haben sie drei und vier, je nach der Zahl des Stammes. So verschmutzt und verwayrlost das Aeußere auch sein mag, den Motor halten sie sauber und sein Schnurren verrät gute Pflege. Mit Scheinwerfern und Beleuchtung versehen, wie überhaupt mit den neuesten Errungenschaften der Technik, rollt die Karawane durch Städte und Dörser, bis sir eine geeignete Lagerstätte findet. Allein wenn auch die Art des Wanderns sich geändert hat, so ist der Zigeuner selbst doch der alte geblieben. Die Männer tragen immer noch altmodische Kleidung, grellgestreifte Hemden und ein hellfarbiges Taschentuch um den Hals geknotet. Die Frauen behalten ihre malerische Aufmachung bei, und Glasperlen und Ohrringe harmonieren mit den seltsamen Gewändern, wenn sie in den Dörfern von Haus zu Haus gehen und Leichtgläubigen, die auch in Amerika nicht alle werden. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enthüllen. Auch die Kinder haben sich nicht verändert. Schmutzig wie seit Adams Zeiten, nimmt ihre Zahl nicht ab, sondern zu, und sie füllen auch den kleinsten Winkel des Automobils aus, das ihre Väter wie Grafen durch die Lande steuern. Wie sie selbst behaupten, herrscht eine hohe Moral unter ihnen. Ein Zigeunermädchen darf keinen„Zivilisten“ heiraten, doch ist es den Männern erlaubt, eine Frau außerhalb des Stammes zu wählen. Die amerikanischen Zigeuner gehen einige Monate auf Wanderschaft, doch kehren sie gewöhnlich zu einem Standquartier zurück. Harlem, die„Hauptstadt Afrikas“,— ein Stadtteil von Newyork, der fast ganz von Negern be* wohnt wurde— wird auch mehr und mehr die Hauptstadt der Zigeuner. Dort gibt es dutzendweise Wahrsageinstitute, die von Zigeunerweibern geleitet werden. I. W# 2 Hier fand auch kürzlich eine groge Feier zu Richelas statt. Das Gelage dauerte vierund.] zwanzig Stunden und entspricht den Sitten der Zigeuner, die Toten zu ehren. Der neue Zigeunerkönig Frank Mitchel führte den Vorsitz. Seine eineinhalb Millionen Untertanen sind über das ganze große Gebiet der Vereinigten Staaten verstreut. Der neue König ist vortugiesischer Abstammung und wurde von fünfhundert delegierten gewählt, die von allen Punkten des Erdteils nach Harlem gekommen waren. Alle stimmten für ihn. Seine Untertanen leben in sehr ungleichen sozialen Verhältnissen, so daß er große Macht und Einfluß braucht, denn er hat etwaige Streitigkeiten unter ihnen zu schlichten. Die erste offizielle Amtshandlung des neuen Königs ist nicht gerade, sagen wir— lebensgefährlich, denn sie besteht darin, bei dem Gelage als Festleiter zu fungieren. Er trägt Amtsgewänder, während er bei dem Festessen auf erhöhtem Throne sitzt. Bei ihm waren seine Frau, Königin Alice, die älteste Tochter, Prinzessin Susie, und fünf weitere Kinder. Die Feier fand statt an Harlems Hauptstraße, an Lenox Avenue. Im Parterre speisten die Frauen fur sich in Stammestrachten. Rote Scha's um den Kopf. bunte Röcke und grelle Mieder bildeten einen lebhaften Rahmen zu den dunklen Gesichtern. Im ersten Stock hielten die Manner ihr vierundzwanzigstündiges Mahl. Im Gegensatz zu den Weibern trugen sie alle moderne Kleidung. Etwa fünfzig Mann nahmen an dem Festgelage teil. „Es gibt keine Romantik mehr im Zigeunerleben,“ klagte der König.„Heutzutage reisen die meisten im Auto. Die Tage des Zigeunerwagens sind dahin. In Newyork und Umgegend leben etwa fünfhundert Zigeuner. Einige sind vermögend. Als König habe ich Streitigkeiten meiner Untertanen zu schlichten und muß auch in Fällen eingreifen, wo meine Untertanen mit dem Gesetz in Konflikt komDer König residiert an Lenox Avenue. Hier hält er Gericht, wenn es nötig ist. Er hat vier Assistenten,„Friedensstifter“, die ihm Bericht erstatten. Er ist Gericht in letzter Instanz. Königin Alice wurde in England geboren und wurde erst Zigeunerin, als sie im Alter von 15 Jahren heiratete... 2.6 8i. Banner mil König Mitchel fürchtet, oaß die Zigeuner mit der Zeit als Klasse aussterben werden.„Unsere Kinder besuchen amerikanische Schulen“, klagte er.„Nur zu Hause tragen sie Zigeunerkleider.“ Und so sieht denn dieser königliche Loygerber mit betrübter Miene, wie ihm die monarchischen Felle fortschwimmen— im Strome der neuen delt. —.— Ein Recke aus Urvätertagen Von W. von Bosenstein. Einst als das weite Germanien noch von endlosen, sumpfigen Urwäldern bedeckt war, deren tiefste Gründe wohl nie eines Menschen Fuß, betrat, hauste neben dem noch größeren niesenhirsch, neben Ur, Wisent und— nördlicher— Renntier auch er in ihrer Verborgenheit. Längst sind Deutschlands herrliche Wälder gefallen. Die Kultur schreitet über Forst und Moore hinweg, nur allzuhäufig Romantik und Schönheit der Natur vernichtend. Verschwunden ist für immer der Riesenhirsch der Schelk des Nibelungenliedes. Die letzten seiner Art hausten noch um 1500 in Britannien wann sie endgültig ausgestorben sind, weiß niemand. Verschwunden, als Wild wenigstens, ist auch der mächtige Ur. Im siebzehnten Jahrhundert ist das letzte Stück in Preußisch=Litauen und am Anfang des achtzehnten die letzten Reste in Polen erlegt worden. Doch seine Enkel gehen heute als zahme Sklaven gemächlich vor dem Pflug und spenden uns Milch und Fleisch, denn unser braves Hornvieh ist ein direkter Nachkomme des Ur. Lange bevor jene beiden ausstarben, verschwand das Renntier aus Deutschland, und nur im hohen Norden Skandinaviens, Sibiriens und Nordamerikas kommt es noch in Herden vor. Die beiden letzten Vertreter, das Wisent und der Elch, leben noch, in dürftigen Resten geheat und gepflegt, in bestimmten Reservaten. Weit oben im Nordosten im preußischen Litauen sind die letzten Zufluchtsstätten unseres Hirsches. Was ist doch der stattliche König der Wälder Mitteldeutschlands für ein Zwerg im Vergleich zu ihm, der selbst den Wapiti Nordamerikas noch um ein Beträchtliches überragt. Dort, wo die Wanderdüne in ewiger Bewegung vom Winde getrieben Wälder und Kul Bernsteinmeer an den schmalen Sandstreifen der kurischen Nehrung donnert, wo die menschlichen Behausungen nur spärlich sind— dort lebt unser Recke. Ein stattlicher Bulle erreicht gut und gern am Widerrist eine Höhe von über zwei Metern. Der mächtige Körper ruht auf verhältnismäßig schlanken, hohen Läufen, der kurze Hals zeigt eine struppige Mähne, und an der Wamme einen langen Bart. Die kleinen, spitzigen Lauscher kontrastieren im Verein mit den ebenfalls nicht großen, etwas blöden Sehern gar seltsam mit dem riesigen Schädel. Die Oberlippe, übermäßig verlängert und auf. geblasen, gestattet dem Elch kein normales Aesen nach Art der Rothirsche. Mühsam, mit gespreizten Vorderläufen äst er rückwärtsgehend, wenn iust kein anderes Futter vorhanden ist, was allerdings in jenen Gegenden selten vorkommt. Denn meist entnimmt er seine Nayrung den Sträuchern und Weichhölzern. Eiben. Weiden und Eschen sind ihm am liebsten, doch schält er auch niedere Laubbäume, ja, geht in der Not auch Nadelhölzer an. Sein kräftiges Gebiß zermalmt mit Leichtigkeit Ruten von der Dicke eines Fingers— und darum ist er leider für die deutschen Forstverhältnisse ein unmögliches Wild. Doch in jenen Urwäldern im Schoße der kurischen Nehrung fällt es nicht ine Gewicht. 4. Kann er einmal an die Krone eines jungen Baumes nicht heran, so reitet er einfach den Stamm nieder, bis er die Blätter erreicht. In jenen Gegenden schon sehr vertraut, ist er von Natur doch scheu und vorsichtig. Er vernimmt und wittert sehr gut, doch ist sein Gesicht nicht sonderlich scharf: er unterscheidet unterm Wind den Menschen auf kurze Entfernung nicht von einem Strauch. Und das wird ihm oft zum Verhängnis; während der Revolutionsjahre hatten Wilderer ihn fast ganz ausgerottet. Doch ist er von der Natur auch mit einem ausgezeichneten Schutz versehen, und er scheint dessen bewußt zu sein. Ist die Gegend unsicher, dann stellt er sich, besonders zum Wiederkäuen, mit Vorliebe in Birkenschonungen ein, und hier kann es geschehen, daß man ihn nahe anlaeht, ohne ihn zu sehen, verschwimmen doch die hellen Läufe mit den weißen Birken in eins. Und der Hirsch hütet sich wohl, eine Bewegung zu machen.,. 29 Schant(eir Grums. Gewaltig und drohneno schaut sein Brunstruf über Moor und Heide, wenn im Spätsommer die Minne sein Blut erhitzt. Dann wehe Zweibein! Jetzt kennt er keine Scheu und nimmt alles an, was ihm in den Weg tritt. Wen aber die fürchterlichen, vielgezackten Schaufein fassen, der bezeugt nur noch als formlose Masse den urigen Grimm des Riesen. Er eilt röhrend durch sein Gebiet; kein Sumpf, kein noch so breiter Fluß oder Meeresarm hält ihn auf. Rauschend teilt er die Wogen oder gleitet, auf der Seite liegend, mit den starken Schalen rudernd über das tückische, grundlose Moor, wo selbst ein Hund versänke. Außer dem Menschen hat dieser Reche keinen Gegner, der ihm gewachsen wäre. Den Wolj verachtet er und kehrt sich nicht im mindesten an das gellende Bellen und Heulen des hungerwütigen Grauhundes, der höchstens ein Kalt oder ein ermattetes Tier reißt. Selbst Meister Braun, der ja aus unseren Bauen so gut wie verschwunden ist, wagt nicht immer, und nie offen, einen Angriff. Manchmal da, wo er besonders gehegt wird. tritt er aus dem schützenden Wald und mengt sich unter das Herdenvieh. Doch wehe dem vorBullen, der es wagt, ihm den Eintritt zu wehren. Es sind Fälle aus Finnland und Livland bekannt, daß er selbst starke Herdenbullen zu Tode geforkelt hat.— Leise rauscht der Wind im Wollgras und den Weiden des Moores. Klagend trägt er den Ru der Sumpfohreule dem stillen Lauscher zu. Wie lange noch und er raunt das Lied eines Gewesenen... —— Verliebte Tiere Von Bertha Witt=Altona. Wer unter den Lesern die traurige Geschichte des Freihertn von Trenck kennt, erinnert sich auch jener geselligen Maus, die gegen den im Kerker Schmachtenden Beweise einer außerordentlichen Zuneigung und Anhänglichkeit abgelegt haben soll. Man mag die Geschichte vielleicht unglaubhaft finden, und doch wird sie einem weniger unwahrscheinlich vorkommen, wenn man weiß, daß es noch ganz andere Fälle von der Verliebtheit eines Tieres einem menschlichen Wesen gegenüber gibt. So erzählt man von einer Hirtin, die inmitten ihrer Herde von einem Bären erblickt wurde, der sie nun hinfort so zärtlich verfolgte, daß sie sich nicht vor ihm bergen konnte. Das erne pal geland####