S # S 5 zum Zeichen ihrer Trauer srs. Jur Tahinscheiden des Gemahls einen Monat lang Handschuhe tragen und dürsen während dieser Zeit auch nich den kleinsten Teil ihres Körpers unverhül lassen. Ueberhe### nimmt bei den Drusen die Frau, wie bei, elen morgenländischen Völkern noch eine sehr untergeordnete Stellung ein. Auch außerhalb der Witwenschaft muß sich die Frau ängstlich vor den Blicken von Fremden verbergen. Vor allem darf sie ihr Gesicht nicht frei tragen. Wenn sie einmal auf einsamen Wegen, wo sie sich allein wähnte, und deshalb den Schleier abnahm, einen Mann trifft, rafft sie schnell ihren„Jaschma“ zusammen, ein langes Ueberkleid und zieht ihn sich über den Kopf, unbekümmert darum, daß sie nun an einer ganz anderen Stelle sehr viel von ihrem Körper sehen läßt und sich selbst für europäische Begriffe kniefrei zeigt. Als Grund für dieses seltsame Verhalten gibt die Drusin an, daß ein Fremder sie doch nur am Gesicht erkennen könne. Wenn nun aber ein Fremder einmal eine Frau erkannt hätte, dann würde sie von ihrem Manne wieder zu den Eltern zurückgeschickt werden. Besonders eigentümliche Gebräuche herrschen bei der Hochzeit. Die Frau darf den Schleier auch vor dem zukünftigen Gatten nicht lüften, vielmehr findet die Heirat statt, ohne daß sich die beiden auch nur ein einziges Mal offen Auge in Auge gesehen hätten. Bei der Hochzeit versammeln sich sämtliche Freunde und bringen dem jungen Paar Geschenke allerlei Art dar. Unter Schmaus und Tanz mit möglichst viel Lärm geht diese Zeremonie vor sich. Unter solchen Umständen kann es natürlich vorkom ten, daß die entschleierte Geliebte dem Gatten nicht gefällt. Diese Schwierigkeit wird aber leicht behoben; der Mann erfindet irgend einen Vorwand, um die Frau zu verstoßen, schickt sie einfach zu den Eltern zurück und— — heiratet schleunigst eine andere. —..— Ein merlwürdiges altes in Mexilo Von Dr. Paul Schellhas. Daß alle Völker der Erde, die„Wilden“ sowohl, wie die alten Kulturvolker, Spiele pflegten, die wir heute als Sport bezeichnen, ist eine bekannte Tatsache. Seliener ist es schon, wenn zu einem solchen Spiel bereits eine komplizierte technische Vorrichtung benutzt wird. Ein merkwürdiges Beispiel eines solchen Sportspieles findet sich in Mexiko bei den Totonaken im atlantischen Küstengebiet. Es heißt das Fliegerspiel(Juego del volador) und ist uralt. Die ewige Sehnsucht des Menschen, zu fliegen, kommt darin zum Ausdruck. Ein hoher Mast wird aufgerichtet, auf dessen Spitze eine drehbare Seiltrommel angebracht ist. An dieser sind vier Seile aufgewickelt. Die Seile laufen durch ein viereckiges Drehkreuz, an jeder Ecke eines. Dann hängen sich vier Männer am Gürtel an die Seile oben an, und durch ihr Gewicht rollen sich die Seile langsam ab und schleudern infolge der Zentrifugalkraft die „Flieger,“ wie beim Rundlauf, in weiten Spiralen nach unten herab. Währenddessen steht oben auf der Mastspitze ein Mann, der tanzt und eine Trommel schlägt. Er muß natürlich gut das Gleichgewicht halten! Unten umtanzen eine Anzahl Männer mit Vogelmasken den Mast. Auch die Flieger trugen ursprünglich Vogelkostüme. Das ganze ist ein uralter heidnischer Brauch, der sich als Spiel an vielen Orten noch heute erhalten hat. Dr. Krickeberg bringt in seinem grundlegenden Werk über die Totonaken genaue Schilderungen mit Photographien dieser Zeremonie aus Papantla, wo sie alljährlich im August stattfindet. Daß dieses merkwürdige Spiel mit derselben technischen Vorrichtung schon bei den alten Mexikanern vor der Entdeckung Amerikas geübt wurde, berichten nicht nur spanische Schriftsteller des 16. Jahrhunderts, sondern ergibt sich auch aus alten mexikanischen Bilderhandschriften, worin sich bereits Darstellungen dieses Spieles finden, die auch erkennen lassen, daß es eine religiöse Bedeutung hatte. Am Christnacht und Volksglauben. Das Weihnachtsfest steht im Mittelpunkt der zwölf Nächte, die das alte Jahr in das neue hinüberleiten. Uralter Aberglaube verlegt in diese dunkle Zeit die seltsamsten Vorstellungen, die sich in geheimnisvollen Wirkungen, die dieser Zeit innewohnen sollen, ausdrücken. In der heiligen Nacht redet das Vieh und werssagt dic Zukunft; aber außer einigen Sonntagskinoern ist es keinem vergönnt, diese Sprache zu hören, die die Tiere sprechen, wenn sie auf den Knien liegen und beten. In der Mitternachtsstunde der Christnacht wird alles Wasser in Brunnen und Flüssen in Wein verwandelt; aber nur wenige können es schöpfen und wer davon spricht, erblindet. In Tirol wurden die Elemente gefüttert, indem man Mehl in die Luft streute, eine Speise in der Erde vergrub, oder eine Opfergabe in den Brunnen oder in das Herdfeuer warf. Wir empfinden auch heute noch den tiefen Sinn dieser Gebräuche: um die Elemente, die Natur und die Götter zu versöhnen, die zur Zeit des alten Juljestes durch die Wolken zogen, opfert man, um selbst entfühnt zu werden, um die geheimnisvollen Naturmächte gnädig zu stimmen. All dieser Glaube, der heut Aberglaube geworden ist, wurzelt in der schweren Stimmung dieser Wintertage und der Wintersonnenwende. Diese alten Sitten und Vorstellungen lassen auch hier wieder einiges von dmn tiefen inneren Zusammenhang der Natur und der menschlichen Seele ahnen. Kannst Du sie zählen? Amerikanische Astronomen haben die Zahl der Sterne nachgeprüft und korrigiert. Sie haben eine neue Ziffer festgestellt und jene manchen Irrtum geziehen, die sich diese Arbeit mit den goldenen Scharen in anderer Zeit gemacht hatten. Die Nühe war erheblich. Man denke: es galt, etliche Millionen zu katalogisieren! Dazu ist die Himmelskugel in vierzigtausend Gradquadrate eingeteilt worden. In der Mitte der Milchstraße enthält ein solches Feld durchschnittlich acht Sterne zweiter Größe, 910 Sterne fünfzehnter Größe und 39800 zwanzigster Größe. An entfernteren Stellen der Milchstraße ist der Durchschnitt dazegen nur: 2 Sterne zehnter, 87 fünfzehnter u. 1170 zwanzigster Größe. Kindtause in Persien. Auch bei uns überlassen manche Eltern es dem Zufall, wie ihr Kind heißen soll. In einer Art Lotterlespiel werden Namen wie Eulalia Euphrosine oder Ambrosius gezogen, die den Kindern dann ihr Lebtag anhaften. Wahrscheinlich, ohne es zu wissen, folgt man hierbei einer persischen Sitte. An dem Tage, der für die„Taufe" des jungen Persers bestimmt ist geben die Eltern ihren Freunden und Bekannten ein Fest. Dazu wird auch der Mullah (Priester) eingeladen. Nach Ablauf des Festmehles wird der steif eingewickelte Säugling gebracht und mitten im Flur auf den Teppich gelegt. Auf fünf Papierstreifen sind fünf Namen geschrieben worden; diese Papierstreifen werden zwischen die Blätter des Korans oder unter den Saum des Teppichs geschoben, worauf der Mullah das erste Kapitel aus dem Koran vorliest. Auf gut Glück wird dann einer der Papierstreifen hervorgezogen, und der Mullah flüstert dem Kinde den betreffenden Namen ins Ohr. Da man mit Recht bezweifeln darf, ob der Säugling bereits seinen eigenen Namen versteht und behält, wird der Papier= streifen zur Sicherheit mit einer Nadel festgesteckt und aufbewahrt. ng. Die Amseln als Städter. In unserer Großväter Zeit war die Amsel noch ein sehr scheuer Waldvogel, der sein Nest nur in dichtem Gebüsch zu bauen pflegte. Ich erinnere mich noch, daß vor 50 Jahren dieser schwarzgefiederte Sänger nur seiten in Westfalen belebtere Dörfer aufsuchte und den Genuß von Kirschen oder Beerenobst in der Nähe menschlicher Wohnungen noch nicht zu kennen schien. Das ist nun mit der Zeit anders geworden und heute sieht man, je weiter man sich in Deutschland von Osten nach Westen wendet, wie die Amsel sich mehr und mehr vom Wald= und Landleben emanziviert und dem Stadtleben zugewandt hat, ja, sich sogar in den Parkanlagen der Großstädte wohl fühlt. Auch scheinen diese hübschen Tierchen in ihrer Lebensweise imm: praktischer und so findig im Aufsuchen passender Nahrung in Dörfern und Städten zu werden, daß sie es nicht mehr für notwendig erachten, in herannahender Winterszeit ihre Zuflucht im warmen Süden zu suchen. Sehr interessant ist die Feststellung, daß, nach einer Reihe von mehrjährigen Beobachtungen Amseln ausschließlich als Waldbewohner in Deutschland nur noch östlich einer Linié vorkommen, welche von Zoppot über Lissa nach Ratibor verläuft. So wenigstens war es nach den genauen Feststellungen eines namhaften Ornithologen noch 1917. Auch in Rußland hat die Amsel oder Schwarzdrossel ihr Waldleben noch in keiner Weise aufgegeben, und man sucht sie selbst in den ausgedehnten Parkanlagen von Warschau und Lodz vergebens. Dr C. Vom Rheingold Das Rheingold existiert nicht nur in der Sage, der Sand und das Wasser des Stromes selbst führen wirklich Gold. Das ist erst jetzt wieder durch sehr sorgfältige chemische Untersuchungen des Rheinwassers bei Leverkusen u. bei Karlsruhe sicher festgestellt worden. Freilich handelt es sich um ungemein geringe, merkwurdigerweise sehr ungleich verteilte Goldmengen. Das Karlsruher Rheinwasser enthält bis zu einem Zehnmillionstel Gramm Gold im Liter, das„Leverkusener etwas weniger. Außerdem wurden schwankende, bis doppelt so hohe Silbermengen nachgewiesen. Die außerordentlich großen Schwankungen des Edelmetallgehaltes weisen darauf hin, daß Gold und Silber im Rheinwasser nicht gelöst, auch nicht als feinste, selbständig schwevende Flöckchen(sogenannte„Submikronen"), sondern in Gestalt von gröberen Partikeln verteilt sind, die durch Organismen, vielleicht auch durch andere schwimmenden Fremdstoffe schwebend erhalten werden. Im Durchschnitt ergibt sich aus der chemischen Prüfung des Rheinwassers, daß 1000 Kubikmeter Wasser 3 Milligramm Gold und ungefähr die doppelte Menge Silber enthalten.— Eine Ausbeutung des„Rheingoldes“ kommt also nicht in Frage, obgleich der Strom im Jahre etwa 200 Kilogramm Gold mit seinen Wellen ins Meer trägt. Dr. W. Die Entschuldigung. Der berühmte Kalif Harun al Raschid, der Gerechte, geriet einst mit seinem Narren Abu Nawas in Streit über dessen Behauptung, daß die Entschuldigung oft ärger sei als das Vergehen. Der Narr erbot sich. vor Eintritt der Dunkelheit den Beweis dafür zu liefern, und der schlechtgelaunte Kalif schwur hoch und heilig, daß er den Narren im Falle der Nichteinlösung dieses Versprechens den Kopf abschlagen lassen wolle. Harun begab sich darauf in seinen Harem, wo er als erste Begrüßung einen Kuß von rauhen. stoppligen Lippen bekam. Sofort befahl er Licht zu machen und sah dann, zu seinem höchsten Erstaunen, daß Abn Nawas der Schuldige war.„Elender, was bedeutet das?“ rief Harun zorni gaus.„Ich bitte Euch demütig um Vergebung,“ antwortete der Narr mit einem untertänigen Bückling,„ich dachte, es wäre Eure Sultanin.“„Was?!" donnerte Harun,„die Entschuldigung ist ärger als das Vergehen.“„Das,“ rief der Narr,„wollte ich Euch ja gerade beweisen, ehe es dunkel wurde.“ Damit rannte er, so schnell er konnte, zur Tür hinaus, während einer von des Sultans Pantoffeln hinter ihm her flog. gh. Der Strauß als verleumdeter Ehemann. Mit Recht kann man dem Kuckucksehepaar welches bekanntlich seine Eier in fremde Nester legt und anderen Vogelarten die Bebrütung derselben überläßt, nachsagen, daß es die Worte von Wilhelm Busch„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“, sich viel zu wenig zu Herzen gehen läßt. Wenn man aber dem Strauß denselben Vorwurf macht, indem man allgemein annimmt, und es sogar in guten zoologischen Lesebüchern lesen kann, daß das Männchen des Riesenvogels überhaupt ein sehr lockerer Ehemann sei, und daß es sich ebenso wie die in ihrem kurzen Federkleide heute ganz modern erscheinende Straußenmama höchstens während der Nachtzeit zum Brutgeschäft bequeme, so tut man dem befiederten Schnelläuferpaar bitter Unrecht. Zeigt sich doch der männliche Strauß, wenn er sich einmal eine Ehehälfte erkoren, dieser rühmlich treu. Und wenn er erst einmal glücklicher Vater von 14 bis 15 Eiern geworden ist, dann hält er sich mit seinem Weibchen wacker ans Brüten, überläßt also nicht, wie man meint, Frau Sonne dafür sorgen. Unser Landsmann Schreiner hat nämlich, wie er schon vor Jahren in der englischen Zeitschrift„The Zoologist“ mitteilte, jahrelang beobachtet, daß die Strauzeneheleute geradezu das Brutgeschäft nach der Uhr betreiben. Brütet doch das Männchen von 4 Uhr nachmittags bis 9 Uhr morgens und das Weihchen die kürzere Hälfte des Tages. wobei sich beide pünktlich ablösen. Man scheint bei dem allgemeinen Glauben, daß die Strauße ihre Eier nur des Nachts brüten, ganz außer Acht gelassen zu haben, daß die Tagesbrütung schon deshalb nötig ist. weil zur Mittagszeit im Wüstensande eine Hitze von 66 und mehr Graden herrscht, bei welcher die Eier gekocht und die Embryonen darin getötet, wenn sie nicht gebrütet und also überschattet würden. Druck ur“, Verlag: B. A. Santz, Altena Verantwol! H. Semmelmann. Altena 33 59 7 E Sc S 5•80 S S.— B S 2n =.0 6 S# 2 S S7 B-TBSSEE ** *„#55 SBSETS S 27 SSE n S# SS S S 3 Ss-8.8388 S•2 S Gr.gign 75— 42 9 45 S 6n 9* 3 S— Xo Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung. 87 Nr. 46 Donnerstag, 17. Dezember 1925 Abend Abend in meiner Heimat In meiner kleinen Stadt. Die Menschen gehen müder, Sie sind vom Tage matt. Die Säule auf dem Platze Umspinnt das Dämmergrau. Still vor der Mutter Gottes Kniet eine alte Frau. Aus manchen Fenstern gleitet Schon Lampenlicht hervor— Es stehn mit leisem Lachen Die Mädchen unterm Tor... Leo Heller. Völkerreise (Die Entstehungs= und Verbreitungsgeschichte.) Von Karl Meitner=Heckert. In den meisten volkstümlichen Festgebräuchen wohnt die Grundanschauung: die Natur teilhaben zu lassen an der Freude des Festes. Deshalb kam schon frühzeitig der Gedanke auf, an Festtagen„ein Stück Natur“ in die Wohnräume hineinzutragen, das Haus mit Blumen, Zweigen und Bäumen auszuschmücken. Man kann sich heute ohne den immergrünen Nadelbaum in deutschen Landen keinen rechten Weihnachtszauber denken. Ueberall— der„deutsche“ Weihnachtsbaum ist mit den Deutschen in andere Erdteile gewandert— gilt er als„deutsche Sitte“, auch dort, wo andere Nationen begonnen haben, ihn bei sich einzuführen. Wie alt ist nun der Weihnachtsbaum? Vor dem Jahre 1605 kannte man keinen geschichtlichen Weihnachtsbaum. Die erste Erwähnung dieser lichtgeschmückten Bäume bezieht sich auf einen Straßburger Brauch; Elsaß scheint auch die Heimat der Sitte zu sein, Weihnachtsgeschenke unter den Tannenbaum zu legen. Vor 1605 begnügte man sich bei der deutschen Weihnachtsfeier, die Weihe der winterlichen Festtage durch grüne Büsche und Zweige zu erhöhen, erleuchtete in der Christnacht die Stuben hell und beschenkte sich gegenseitig mit Wachsstöcken. Die zweitälteste Nachricht über den Weihnachtsbaum legt Tille für das Jahr 1642 fest. Damals eiferte ein berühmter Theologe, der Prediger am Münster zu Straßburg Dannhauer, gegen die„neue Sitte der Weihnachtsbäume“:„.. unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch der Weihnachts= oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Zucker und Puppen behängt, und ihn hernach schütteln und abblümen läßt. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht. Viel besser wäre. man weihte die Kinder auf den geistlichen Cedernbaum Jesum Christum.“ Es ist also eine der Wirklichkeit widersprechende Dichtung, wenn Viktor Scheffel in einer Dichtung die Frau Hardwig, die im 10. Jahrhundert auf dem Hohen Twiel Hof hielt, unter einem mit Aepfeln geschmückten Baum bescheren läßt; ebenso handelt es sich um Phantasie, wenn das weit verbreitete Bild „Weihnachten in Luthers Hause“ den Reformator mit seiner Familie um einen mit Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum gruppiert, denn Luther lebte von 1483 bis 1546. der Geburtstag des Weihnachtsbaumes aber steht geschichtlich für das Jahr 1605 fest. Im 17. und anfangs des 18. Jahrhunderts war der Brauch des Weihnachtsbaumes kein allgemeiner. Goethe und Schiller haben ihn als Kinder nicht gesehen. Goethe, der die Sitte in Straßburg oder Leipzig kennen gelernt hat, spricht 1774 beiläufig von einem„aufgeputzten Baum“ und Schiller bestellt sich 1789 bei seiner Braut einen „grünen Baum". Stilling braucht 1793 den Ausdruck„Lebensbaum". Dann erst stellen sich allmählich die Bezeichnungen:„Weihnachtsbaum",„Christbaum",„Lichterbaum“ ein, an die sich Uebersetzungen wie„Christmatree" anschließen. 1803 beschreibt Schleiermacher noch bei der Weihnachtsfeier den Bescherungstisch „mit Myrthen, Amaranthen und Epheu geschmückt", denn in Berlin und vielen deutschen Gegenden galt nach dem Vorbilde der französischen Emigranten der Brauch des Tannenbaums noch als„ordinär“. Hoffmanns Märchen„Nußknacker und Mausekönig“ von 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der Tannenbaum mit seinen goldenen und silbernen Aepfeln in der Mitte der Weihnachtsbescherung steht. Mit dem Ende des 3. Jahrzehntes des 19. Jahrhunderts hat sich der Christbaum die Hauptpunkte von Deutschland erobert. Um dieselbe Zeit überschritt er die deutsche Sprachgrenze nach Südosten und kam in Ungarn auf. In Frankreich führte ihn die Herzogin v. Orleans in die Tuilerien ein: deutsche Soldaten haben im Feldzuge 1870=71 viel dazu beigetragen, daß unsere Weihnachtsbräuche in Frankreich bekannt wurden. Den Weg nach England fand der Weihnachtsbaum durch den englischen Hof. Im Jahre 1840 vermählte sich die Königin Viktoria mit dem Prinzgemahl Albert von Sachsen=Coburg. Durch ihn kam der Christbaum nach St. James und fand von da aus langsam Eingang in die Weihnachtsfeier der englischen Aristokratie und der Bürgerkreise, bei denen die„Weihnachtspyramide" Symbol des Christfestes war. Nach den Niederlanden, nach Rußland und nach Italien ist der Weihnachtsbaum ebenfalls aus Deutschland gekommen. Auch über Europa hinaus ist er gedrungen. In allen Weltteilen flammt er am „Heiligen Abend“ auf. Deutsche Auswanderer und Matrosen haben den Weihnachtsbaum in alle Welt getragen. Daran ändert die Tatsache nichts, daß man seit dem Weltkriege bemüht ist, den deutschen Ursprung vergessen zu machen. Besonders Nordamerika, wo der Weihnachtsbaum zahlreiche Anhänger gefunden hatte, hat sich in den letzten Jahren wieder die altenglische Weihnachtsfeier zum Muster genommen und verwendet bevorzugt das dunkle Grün der Stechpalme und zarte Mistelzweige. die Symbole der altbritischen Christfeier, statt des„deutschen“ Weihnachtsbaumes. Der Sitte den Weihnachtsbaum mit Kerzen zu erleuchten, die aus der Licht= und Feuerform des altheidnischen Jubelfestes hervorgegangen ist, hat die christliche Kirche tiefsymbolischen Charakter und Wert gegeben. Es stellt darum einen Auswuchs deutschen Brauches dar— er stammt aus Amerika!— wenn man dem immergrünen; Nadeibaum statt des Kerzenscheines den Schimmer kleiner elektrischer Glühlampen verleiht. Auch der fremdem Land zufallende Brauch. mittels einer aufgezogenen Feder den Tannenbaum um seine Achse zu drehen und die Umdrehungen durch das Spiel einer aufgezogenen Spieluhr zu begleiten, sind„Geschäft" und haben mit„deutschem Brauch“ nichts zu schaffen. Für den schlichten Tannenbaum mit seinen Lichtern und seinem Festgehänge kennt der Deutsche bei der Weihnachtsfeier nur das Lied. Das Lied aus dankbarem Mund und gläubigem gerer. Alte schwäbische Weihnachtsbräuche Von Dr. Tilly LindnUralte Volksanschauungen schlummern in den Gebräuchen und Sagen, die sich ehedem in deutschen Landen an Kalenderfeste knüpften. Unter letzteren nimmt Weihnachten eine besondere Stellung ein. Derartige Sitten und Sagen, die heute bis auf kaum mehr erkennbare Reste verschwunden sind, gewähren einen interessanten Einblick in die Geistesverfassung und seelischen Tatbestand der Menschen und Zeiten, die sie geübt und erfunden haben. Wohl kein deutscher Stamm ist reicher an solchem Kulturgut, als das alte Schwabenvolk. Sein von biederer und zugleich pfiffiger Wesensart erfüllter Charakter prägt sich köstlich aus in der Stellungnahme seiner Psyche zu den kirchlichen Festen. Hier sei aus der Fülle heute kaum mehr gekannter schwäbischer Weihnachtssitten und Sagen eine kleine Auslese vorgeführt. Uralte Chroniken, die bis ins frühe Mitte! alter reichen, wissen zu melden, daß man in bayerischen und württembergischen Schwaben die Weihnacht„angesungen“ hat. Was anfangalle trieben, wurde später die Erbschaft armer Leute, die ihre Weihnachtslieder um Geld und milde Gaben tauschten. Mißbräuchliche Handhabung des Weihnachtssingens führte dann nicht selten zu Unsitten und Uebertreibungen, gegen die sich geheime und öffentliche Ratsprotokolle wandten, wie uns deren aus dem 16. und 17. Jahrhundert noch manche erhalten sind. Hin und wieder kam es soweit, daß selbst die Pfarrer in den Kirchen vor dem„Herumsingen zu Wynachten bey Tag und Nacht" warnen mußten. Um solchen Warnungen Nachdruck zu verleihen, ordnete man an, milde Gaben von Haus zu Haus zu sammeln und sie unter den Armen zu verteilen. Manch alte Handschrift schwäbischer Archive birgt solche Weihnachtsgesänge, die mitunter eine rührende Poesie enthielten. So ein altes Ottobeurer Weihnachtslied, das folgenden Wortlaut hat: „Heilige Nacht, gute Nacht, Glockenschall um Mitternacht ins dunkle Dorf hinein, die Leute sind schon wach und auch die Kinderlein." Oder ein anderes:„Auf. auf ihr Hirten und schlaft nit so lang, die Nacht ist vergange, a Kindle empfange, as glänzt und schimmert as wie a Krystall, o Josef. o Josef, du schneeweißer Ma. Kniegle fürs Krippela und beata s' Kind a!“ Urkunden über das spätere Verbot des Weihnachtssingens lassen ersehen, daß die Weihnacht vielerorts auch von„Kirchenturmmusikanten.“ angeblasen wurde. Dieser festliche Brauch scheint sich länger als das„Herumsingen“ erhalten zu haben. Altes schwäbisches Herkommen war es auch, an Weihnachten ein„Krippele“ in den Herrgottswinkel oder sonst einen Ort zu bauen. Die zur Darstellung der Geburt Christi, der Flucht nach Aegypten usw. benützten Figuren waren alte Erbstücke, die von einer Generation auf die andere übergingen. Die Weihnachtskrivven sind in neuerer Zeit wieder mehr und mehr in Uebung gekommen 2g2. 55.2.g2 T##lsB#n 68 SAnes! aPEETZR S a FEESGDHDE g./9 S Jny—. am DiN GERgeß# 7 8 Ss-SS •9. S Sgzagn So“sSun 0 S0E * 5 5n G. gaganPgs 058 B Eags- S11 R 5 Ce*—— BELE S%.*PPl.. S. S ### „ G• 70 22— —** g? #S9 8 9 — B. OEDg BBaSTSR S7SSg S3 5SRSSESESBAESEASSES SAAABAEEE: S383 NOGganen ••ES P 8 EE EgGRFTS GETLEZURUTROPDSST yAbnanyaTs##sagega EÄESSPEE SETZEFESSTGSSB# Seg-gan Sann Sue Sn S. S%g123-g GA„SS-ESE FEEs 99.81—2 So *— PAPSS„DGEE Ha be Se. B SSSO-SSSSEESE an FO SHTHZgOSS METTTANOSRG“5 S Ses-ühes 9 S 5-Z-R'gag. 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