* Praden4* Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 37 Altena, den 29. September 1031 Lebenserfahrung Der oft gehörte Stoßseufzer„ich möchte mit meinen heutigen Erfahrungen um zwei oder drei Jahrzehnte jünger sein", zeigt, in wie vielen Fällen die Lebenserfahrung zu spät kommt. Keinem Menschenleben bleiben Fehler und Irrungen erspart; sie scheinen schweres und unabänderliches Menschenlos zu sein. Die richtige Lebenserfahrung kommt keinem angeflogen, sondern muß erst allmählich erworben werden. Viele, allzuviele Menschen bezahlen deren Kenntnisnahme mit Tränen, Leid und Kummer, mit schweren Rückschlägen, ja sogar mit ihrem Lebensglück. Das Lehrgeld für dies Wissen ist niemals niedrig, aber so teuer es auch sein mag, zu guter Letzt erscheint es niemals vergeudet. Nur das, was man aus eigenen Fehlern lernte und ersah. kann lebenslänglich haften bleiben. Die Auswirkungen von Fehlern, die man am eigenen Leibe schmerzhaft und deutlich verspürte, bewahren vor einer Wiederholung, und es liegt in der menschlichen Natur, daß solche Taten in der Erin—ung wertvoll werden. Es gibt keinen Menschen, der nicht irrt, der nie#t durch Fehler und Irren Lebenserfahrungen sammeln mußte. Gäbe es ihn, so wäre er unsehlbar. Aber gerade das ist mit dem Zweck des Lebens, der stete Weiterentwicklung und geistiges Wachstum wünscht, unvereinbar. Schillers Ausspruch„schnell fertig ist die Jugend mit dem Worte" trifft aus dem Grunde so vollkommen zu, weil der Jugend eben noch die Reife und Lebenserfahrung fehlen. Es ist ein Vorrecht lebensunkundiger Jugend, sich über die Wirkungen ihres Tuns und Handelns keine Rechenschaft abzulegen. Der junge unfertige Mensch glaubt alles zu verstehen, alle Probleme des Lebens zu erfassen und behandeln zu können. Darum diskutieren Jugendliche auch so gerne und lächeln überdies über die älteren Leute, die vorsichtig und zurückhaltend, bescheiden it ihrer Meinung zurückhalten. Als Sokrates auf dem Gipfel seines Wissens und seiner Lebenserfahrung stand, sagte er: „Ich weiß, daß ich nichts weiß.“ Seine jungen Schüler aber wunderten sich über diesen ihnen unverständlichen Ausspruch, weil sie, denen Lebenserfohrung fehlte, den Dingen des Daseins noch nicht objektiv, sondern subjektiv # genüber standen. Nur der lebenserfahrenere Mensch, der zu den Lebensgeschehnissen Distanz zu ziehen vermag, kann so abgeklärt denken und sprechen. Das Wesen der Lebenserfahrung liegt in 6 erer Handlungsart, in Duldsamkeit, Verständnis und Nachsicht gegen andere. Ueber dem lebenskundigen, vom Dasein geprüften Menschen liegt jene Patina der Ehrfurcht, die aus Güte und Ueberlegenheit hervorgeht. Nur ein weiser und lebenserfahrener Mensch erreicht die höchsten Höhen des Daseins. Er ist berufen, andere zu lenken und zu führen. Wer diese Gabe hat, ragt weit empor und wer Lebenserfahrung zu lehren vermag, kann seinen Mitmenschen den größten Dienst erweisen. Der Lebenserfahrene selbst aber bleibt vor Enttäuschung bewahrt, weil er den Bogen der Erwartung in keinem Falle zu hoch spannt. St. Rodoff. —1••— Der volkswirtschaftliche Wert der Hausfrauenarbeit Sommers Ende Bunte Astern und reifende Aehren, Ziehende Schwalben und Sensenklang: Sommers Ende! Dein stilles Mahnen Macht meine Seele traurig und bang. Lucd wird die letzte Rose verblühen, Bald stirbt im Busch das letzte Lied Und über welke, tote Blätter, Müde und grau der Nebel zieht. Aber ich weiß, wenn die silbernen Fäden. Fliegen am goldenen Waldessaum, Träumst du mit mir, eh' die Stürme tosen Still einen goldenen Herbstestraum. Hanns Lüddecke. für Lebensmittel verbraucht, ein Viertel für Kleidung, der Rest für Wohnungsverschönerung, Wohnungsinstandhaltung und kulturelle Bedürfnisse. Wenn man sich diese nackten Tatsachen einmal durch den Kopf gehen läßt, wenn man den Wert jeder einzelnen im Haushalte zu verrichtenden Arbeit einzeln errechnet, so wird man gut und gerne verstehen, daß die Hausfrauenarbeit heute so sehr im Kurse stieg. Es ist nur recht und billig, wenn man sie aus ihrer ehemaligen Aschenbrödelrolle in das Gebiet der Volkswirtschaft und Wissenschaft, in dem sie heute eine große Rolle spielt, erhob. Th. —1•— Friedrich der Große als Gegner des Luxus Mahnworte an unsere Zeit! Ein amerikanischer Volkswirtschaftler errechnete soeben, daß der Wert der Arbeit, die in den amerikanischen Haushaltungen geleistet wird, mit einem Jahresbetrag von 17 Milliarden Dollar anzusetzen sei. Die Arbeit der deutschen Hausfrauen, die uns noch weit mehr interessiert, kann ebenjalls, wenn auch nicht genau, so doch wenigstens ungefähr zahlenmäßig berechnet werden. Es gibt im Deutschen Reiche rund 11 Millionen Haushalte. Wir wollen in Nachstehendem einmal untersuchen, wie viel die deutschen Hausfrauen durch ihre tägliche Mahlzeitbereitung. nämlich das Kochen, ersparen. Nimmt man an, daß in diesen 11 Millionen deutscher Haushalte im Durchschnitt nur drei Menschen beköstigt werden(auch hier greifen wir bei unserer schätzungsweisen Untersuchung lieber zu tief als zu hoch, da sicherlich weit mehr als 33 Millionen Deutscher, nämlich die Hälfte der Bevölkerung, im Haushalte zu essen pflegen), so spart jeder dieser Menschen am Tage etwa eine Mark. Diesen Mehrbetrag nämlich müßte er, wenn er seine drei Mahlzeiten im Gasthause einnähme, pro Tag ausgeben. Demnach ersparen die deutschen Hausfrauen nur durch ihr Kochen am Tage 33 Millionen Mark, das ist im Monat rund eine Milliarde, im Jahre aber bereits 12 Milliarden Mark. Bedenkt man, daß das deutsche Gastgewere, das von der Technik und Schwerindustrie abgesehen, das meiste Geld ins Rollen bringt, im Jahre 13 Milliarden Mark umsetzt, so wird man die durch das Kochen deutscher Hausfrauen eingesparten 12 Milliarden dieser Summe mit um so größerer Hochachtung gegenüberstellen. Doch die Hausfrau pflegt ja nicht nur zu kochen, sondern auch zu flicken, zu waschen, zu stopfen usw. Bleiben wir nun beispielsweise beim Strümpfestopfen. Auch hier kann der flüchtige Beschauer gar nicht ermessen, welche ungeheuren Summen auf diese Weise in einem Jahre gespart werden. In diesem Falle soll gleichfalls angenommen werden, daß nur 33 Millionen Menschen von Hausfrauen versorgt werden, und daß die Lebensdauer ihrer Strümpfe von ihnen verlängert wird. Wenn nun jeder Mensch nur ein einziges Loch am Tage stopfen muß, so kann angenommen werden, daß auf diese Weise eine halbe Mark gespart wird. Denn das nicht gestopfte Loch könnte den Strumpf um diese Summe entwerten bezw. die vorzeitige Anschaffung neuer Fußbekleidung notwendig machen. Wenn also für jedes Familienmitglied am Tage nur ein einziges Loch gestopft wird, so gehen alltäglich 33 Millionen Strumpfpaare durch deutsche Hausfrauenhände. Die auf diese Weise geleistete Arbeit hat einen Wert von 16,5 Millionen Mark, was im Monat 495 Millionen Mark gleichkommt. Bekanntlich hinterließ Friedrich der Große zwei politisye Testamente, das eine war im Jahre 1752, das andere im Jahre 1768 abgefaßt worden. Wer gerade in unseren Tagen wirtschaftlicher und politischer Spannung zu diesen friderizianischen Dokumenten greift, kann beim Durchblättern dieser Testamente manches finden, was wie für unsere Zeit geschrieben scheint. So enthält z. B. das Dokument von 1768 ein spezielles Kapitel über den Luxus. Es berührt in der Zeit, da sich jeder einschränken muß, schon um nicht dem anderen. vielleicht etwas schlechter gestellten Mitbürger, r#msichtslos zu erscheinen, besonders beachtenswert, zu hören, was der Große König in seinem Testament zu diesem Thema zu sagen hatte:„Will man die Ursachen feststellen, die zu großen Ausgaben führen, so kommt man auf den Reichtum eines Landes und seine günstige Handelsbilanz: sie können den Luxus fördern. Es bleibt indes zu prüfen, ob der Luxus für die Sitten vorte haft oder verderblich ist.— Die preußischen Provinzen sind nicht reich Unser Land bringt Eisen und Soldaten hervor. Bekanntlich entnerven Wohlleben und Weichlichkeit die Seele und richten die Familien zugrunde. Aus dieser Erwägung habe ich alle erdenkbaren Mittel angewandt, um den Sittenverfall zu verhindern, zumal er außer den obigen Folgen auch noch andere, mindestens gleich schlimme nach sich zieht. Wenn der Luxus in einem Staate Platz greift, will kein Privatmann dem anderen in Ausgaben nachstehen Ein guter Koch bildet oft das einzige Verdienst seines Herrn; es kostet weniger, ein Fest zu geben, als sich dem Staat nützlich zu machen. So bestimmt der Aufwand das Ansehen eines Menschen, und nach und nach bildet sich das Publikum ein, man könne durch großen Aufwand Achtung erwerben. Um die unlauteren Mittel zum Gelderwerb ist niemand in Verlegenheit. Man sorgt nur dafür, möglichst viel zu haben, um sich eine Schar von Schmeichlern und Schmarotzern zu halten. Diese Dinge sieht man in Frankreich, England und Rußland, ja selbst in Oesterreich. Bleiben wir bei der Mäßigkeit, erhalten wir uns unseren Adel und unsere guten Eigenschaften, oder wenn ihr wollt, unsere deutsche Tugenden. Ahmen wir nur das Gute bei unseren Nachbarn nach, und hüten wir uns hre Fehler nachzumachen". Es fiele mir nicht schwer, euch Beispiele zu nennen“. Die deutschen Hausfrauen geben im Jahre rund 25 Milliarden Mark, nämlich nahezu die Hälfte des gesamten Volkseinkommens aus. Die Hälfte dieser ungeheuren, für unsere Gehirne gar nicht vorstellbaren Summe wird Besonders den deutschen Frauen seien diese Worte des Großen Königs ans Herz gelegt. Denn es ist die Aufgabe der Frauen und Mütiter, den Zuschnitt des Hauses den veränderten Verhältnissen anzunassen und mehr denn in anderer Zeit, darauf bedacht zu sein, an geitigen Kräften zu ersetzen, was das Land an physischen verloren hat. Dr. Priska, die Magd CWE Skizze von Wilhelmine Baltinester Schwer steht die Sonne über dem Lande.] Wie ein Tier, das Kräfte aussaugt, ausdörrt. Kein Regen kommt. Alle atmen schwerer. Die Nacht ist ohne Kühlung. Der Morgen kommt, mit ihm die Sonne. Tag für Tag geht es so. Die Dürre frißt sich tief ins Land. Eines Nachts tobt ein Wetter vom Himmel herab. Jäh, scharf, aufpeitschend. Die Bauera taumeln aus den Betten auf, fallen in stammelnden Dankgebeten nieder. Der von Trockenheit aufgerissene Boden saugt und sangt. Bauer Bumpfen steht auf dem dampfenden Felde. Der Morgen ist hell. Bauer Bumpfens rotes Haar trieft von Licht. Auf den Nachbarfeldern gehen die Mädchen und singen, alles lebt wieder auf seit heute nacht. Bauer Bumpfens schwere Brauen sind dicht zusammengezogen, eine scharfe Falte klafft schmal und tief zwischen ihnen. Regin kommt über die Felder. In einem kornblumenfarbenen Kleid.„Nun“, sagt sie mit ihrer singenden Stimme,„es hat geregnet.“ „Es könnte noch mehr geregnet haben!“ „Man muß dankbar sein für das, was kommt“, meint sie. O ja, sie ist viel klüger als er, das steht fest und sie scheut sich nie, es ihm immer wieder zu zeigen. „Regin „Was ist?“ Er sagt zwischen knappen Lippen:„Ich glaub’, wir passen doch nicht recht zusammen.“ Sie lacht ihn aus. Mit großer Selbstsicherheit steht sie vor ihm, lacht und wiegt den feinen Leib.„Du wagst nicht, mich zu nehmen, obwohl wir schon drei Monate verlobt sind. Aber einmal muß doch wohl Hochzeit sein! Du glaubst, Du wärst nicht fein genug für mich; ich weiß.“ Wie sie sicher ist! Er steht und schweigt. „Nun, also? Wann wird Hochzeit sein? Sag! Die Eltern fragen immer. Morgens und abends fragen sie. Der Bruder lacht. Die Schwestern sticheln. Meinst', ich könnte keinen anderen bekommen?“ „Weiß schon, daß Du auch andere haben kannst.“ „Und? Nun—?“ Er schweigt. Zu sicher, zu fremd in ihrer ganzen Wesensart ist sie für ihn. Er hat sich einfangen lassen von ihrem grüngrauen, großen Blick, von ihrem Gehaben, von ihrer scharfen Klugheit. Vor ein paar Monaten hängte sie sich an ihn. Leise aber fest. Er möchte los.! Jeder Bräutigam kann zurücktreten. Aver dann werden sie ihm nachspeien, er nehme sie nicht, weil er sich's wegen ihrer gar kleinen Mitgift anders überlegt habe. „Wahrscheinlich bin ich Dir zu arm. Meine Eltern haben keinen Hof wie Du, mein Vater ist bloß Dorflehrer", sagt sie und hält den Nacken dabei hochmütig steif. „Auf' Geld schau' ich nicht“, murmelt er. Sie schlingt sich einen Halm um den Finger, wo man den Ehering trägt, und wartet, daß er noch etwas sage. Wie ein Klotz steht er und schweigt. Sie sieht ihn zornig an, reißt sich das Hälmchen vom Finger, wirft es ihm vor die Füße. Geht.— 8166 Mittags stapft er müde ins Haus. Priska, die Obermagd, die schon acht Jahre bei ihm dient, trägt das Essen auf. Gleichmäßig klingt der Takt des Löffelns. Priska ist kaum dreißig. Von großer und voller Gestalt. Ihr ruhiges, trauriges Gesicht ist weiß; schwarzes Haar liegt in dichten Zöpfen wie ein enger Helm über ihrer Stirn. Acht Jahre hat er sich on sie gewöhnt. Sie haben nie anders miteinander gesprochen als die Magd zum Herrn, der Herr zur Magd. Sie kam nach einer schlecht ausgegangenen Liebschaft zu ihm ins Haus. Ihre Mutter hat sie zu ihm gebracht. Die Alte ist nun schon ein paar Jahre tot. Priska steht wohl allein in der Welt; er hat sie noch nie danach gefragt. Vor drei Wochen war es, da sind ihm eines Tages die Augen für Priska aufgegangen. Für sie, die seit acht Jahren in seinem Hause um hergeht, ihm das Essen kocht, auf die Leut# acht gibt, die Wäsche in Ordnung hält, die Vorratskammern verwaltet und ihm täglich atemnah ist. Acht Jahre hatte er sie nie richtig als Weib angesehen. Seit drei Wochen brennt sie ihm nun im Blut und in der Seele. Mit ihrer weißen Fülle, ihrer demütigen Sanftheit ihrer Schweigsamkeit. Beim Morgengruß einmal, ohne daß sie anders gekleidet war alo sonst, hat es ihn gepackt: Die wär' für dich Ihr Wesen ist gut, und es muß gut sein, sie im Arm zu haben. Die ist deinesgleichen. Die wird nie kichern, wenn du nicht weißt, was sie meint. Die Regin ist anders, nicht aus Bauernblut, sondern aus fremdem Stamm, aus zugewandertem. Noch klingt das Löffeln. Der Bauer iste längst nicht mehr, er starrt. Die Leute legen die Löffel hin, gehen wieder an die Arbeit. Bauer Bumpfen huckt am Tisch. Sonne fällt durch das Fensterviereckc hinter ihm. Sein roter Haarschopf glüht auf. Drüben im Dämmer des Herdwinkels steht Priska am Spülschaff, ihre Arme glänzen. „Priska!“ Sie hält inne und wartet, was er will. Er sitzt und starrt. Sie schaut ihn an. Er sagt nichts. Sie wäscht weiter. Er steht auf, schwer und ächzend, geht zur Tür hinaus. Eine ganze Stunde vor Feierabend kommt er heim. Priska steht am Herd, heiß überglüht vom Feuer. Er tritt nahe zu ihr. Der warme Dampf schlägt ihm ins Gesicht. Sein Hals rötet sich, die Adernstränge daran schwellen.„Bin mit der Regin nicht mehr verlobt. Sie paßt nicht zu mir. Dich will ich heiraten!“ Priska schaut ihn aus ihren schweren, stillen Augen demütig an. Seit sieben Jahren liebt sie ihn. Keiner weiß es, er am wenigsteg. Er preßt seine Arme um sie, so fest, daß ihr Atem schwer geht.„Willst?“ fragte er. „Ja, Herr“, sagte Priska, die Magd. Die Spitze wieder einwichtiger Modefaktor Die Mode hat nun endgültig jenen Weg eingeschlagen, der zur Verweiblichung der Frau führt. Nach der langen herrenartigen Modenrichtung war dieser neue Weg auch unvermeid115 Es ist daher kein Wunder, daß die Mode auf eines ihrer früheren Lieblingskinder, das während des herr; mäßigen Einschlags zum wahren Stiefkind geworden war, zurückgreift, um es bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund zu schieben. Es ist das die Spitze und der Svitzenstoff, zwei Materialien, die wohl wie keine anderen dazu berufen sind, dem Frauengesichte zu schmeicheln und eine frauliche Note die idung zu tragen. In diesem Herbst und Winter wird ein großer Teil der Abendkleider vollkommen aus Spitzenstoff bestehen, andere, die aus Samt oder Crepe Satin hergestellt sind, erhalten seitlich geschlitzte Röcke, wobei Spitzenteile aus den Schlitzen her##rlugen. Die Spitzenkleider sind in der Hauptsache in Prinzeßform gearbeitet, vielfach mit Pelzstreifen besetzt oder mit farbiger Seide garniert. Chiffon mit Spitze ist eine ebenso vorteilhafte und altbeliebte Zusammenstellung wie Spitze und Samt. Doch nicht nur Spitzenkleider sondern auch Spitzenjacken bilden einen wichtigen Bestandteil der neuen Mode. Ebenso wie man in der vorhergegangenen Saison Abendkleider mit kleinen Jäckchen aus Samt, Seide oder Georgette vervollständigte, tut man das in diesem Jahre mit Spitzenumhängen. Boleros, Capes oder kasakartige Jacken aus Spitze gelten als höchste Eleganz. Letztere werden nicht selten mit schmalen weichen Pelzstreifen verbrämt, wars sehr vornehm und elegant wirkt. Diese Spitzenjacken sind häufig ärmellos, so daß sie wie eine Weste wirken, vielfach ist der Aermel kurz und es lugt nur der enge Seidenärmel hervor, was der augenblicklichen Modenrichtung entspricht. Auch Kleider in Prinzeßform, bei denen die Vorderbahn von oben bis unten aus Spitze besteht, werden für den Nachmittag getragen. Da sie sehr elegant und angezogen wirken, werden sie in diesem Winter häufig das abendliche Gesellschaftskleid ersetzen können. Aber nicht nur der Spitzenstoff. der wohl erst neu angeschafft werden muß, sondern auch ältere in jedem Hause befindliche Spitzenvorräte kommen wieder zu ihrem Recht. Eines der hübschesten Nachmittagskleidermodelle dieser Saison bestand aus grüner Glanzseide und Georginen am Rhein Was rufst du, Georgine, mich in diesen Tagen. wo Trauben reifen und Pokale kreisen und frohe Lieder durch die Gassen schallen, verklärten Blicks mit ernsten Abschiedsweisen? Die Sonne, die dich küßt, weckt keine Rose mehr zum Blühen, es singt kein Vogel mehr sein Liedchen über dir, und um dein Haupt— dem Tode schon geweiht— fliegt silberfein des Sommers letzte Zier. Hanns Lüddecke. hatte als einzige Verzierung eine aus drei Spitzenfalbeln bestehende Halsumrandung, die sich in eine achtförmige ovale Schleife fortsetzte Eingearbeitete Spitzenschleifchen sind überhaupt sehr in Gunst. Schon im Frühling, wo man drei bis vier kleine Stoffschleifchen auf Blusen und Vormittagskleider setzte, war diese Modenrichtung zu sehen, die jetzt zu reizenden Ideen ausgebaut wird.— Daß Taftkleider mit großen Spitzenkragen und Spitzenstulpen große Mode sind, daß man wieder, wie anno dazumal als der„Kleine Lord“ uns alle entzückte, Kindersamtmäntel mit großen Spitzenkragen garniert, und daß die Spitze auch auf Jungmädchenkleidern nicht mehr fehlt, ist bekannt. Die Spitze scheint jetzt einer neuen Aera entgegenzugehen, und je mehr sie aus Gründen der Sparsamkeit von der Wäsche und aus dem Wäscheschranke überhaupt verschwindet, desto größerer Beliebtheit erfreut sie sich auf den Kleidern, A. Feigl. Der Vogel Strauß, das neue Modetier Die Straußenfeder ist wieder„große Mode“. Im Daheim(67. Jahrgang Nr. 52) erzählt Hans Jannasch, der als erster den„blauen Strauß" Abessiniens mit Erfolg züchtete, von seinen Erfahrungen: Als 1869 die erste zuverlässige Brutmaschine für Straußeneier erfunden wurde, war der Erfolg der ersten Straußenjarmer der Kapkolonie gesichert. Man lernte die immer rationellere Zucht des seltsamen Riesenvogels, und das scheue Tier der Wildnis entwickelte sich bald zum zahmen Haustier. Auch in Aegypten, Madagaskar, Kalifornien, Australien entstanden Straußenfarmen. Als Jannasch zu Anfang dieses Jahrhunderts nach Abessinien kam, war dort die Straußenzucht völlig unbekannt. Man züchtete nicht, im Gegenteil man jagte und hatte den abessinischen Strauß, auch Somali= oder „blauer“ Strauß genannt, weil Hals und Schenkel bei ihm graublau gefärbt sind, durch diese Jagd fast ausgerottet. Unter großen Schwierigkeiten gelang es dann im Verlauf von zwei Jahrzehnten, diesen schönen Vogel mit Erfolg zu züchten, und zwar auf einem besonders dazu geeigneten Terrain im Arussiland. Vergebens versuchte Jannasch anfangs mit Trupps berittener Eingeborener, erwachsene wilde Strauße lebend einzufangen. Es galt, wie einst in der Kapkolonie, Gedald zu haben, wilde Küken mühsam aus dem Busch zu holen und zu warten, bis sie ausgewachsen und fortpflanzungsfähig waren. Was seine Federn anbetrifft, ist der Strauß schon im zweiten Jahr ertragfähig. Mit dem Alter nimmt die Güte ab. Der Strauß erreicht ein Alter von etwa zwanzig Jahren. Der Vorgang des Federnabnehmers ist— darauf sei zur Beruhigung aller Tierfreunde ausdrücklich hingewiesen— keineswegs grausam, da die großen Flügel= wie auch die kleineren Schwanzfedern nicht gerupft, sondern wenn sie ausgereift sind, über dem Ansatz abgeschnitten werden. Erst Monate später, wenn die Kiele bis auf die Wurzel ausgetrocknet sind, werden sie herausgezogen, was dem Vogel keinerlei Schmerz verursacht. Um das Ausrupfen einiger Reihen kleiner Schutzfedern am Flügel kümmert sich der Strauß überhaupt nicht. Die jährliche Federausbeute beträgt von einem Strauß ein halbes bis dreiviertel Kilo. Die weißen und schwarzen Federn der Männchen, wie die grauen und braunen der Weihchen werden nach Längen, Breiten und Farben geordnet. Handlich gebündelt, seefest verpackt, gelangen sie auf die Weltbörse der Straußenfedern nach London. Durch vereidigte Makler werden die einzelnen Posten meistbietend versteigert, kommen so in den Besitz der Fabriken, wo die Rohfedern präpariert und frisiert werden, um dann an die Putzmacherin zu gehen, und schließlich ihre Liebhaberinnen zu finden. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Alteng.