Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 8 Altena, den 24. Februar 1 31 Frohes Schaffen in der Senne Eine Schar junger Mädchen kommt leuchtenden Auges und frohen Schrittes in die Haushaltungsschule, singend:„In der Senne ist es wunderschön, in der Seane ist es schön.“ Was veranlaßt sie, so heiter und munter ihre sell stverfaßten Verse zu singen? Sie kommen aus der Schneelandschaft, die in der Senne von besonderem Reiz ist. Gerodelt haben die Schülerinnen und sich dabei wie Kinder gefreut Noch vor einigen Wochen meinten einige von ihnen:„Spielen ist für Kinder, das können wir nicht mehr, wir haben keine Lust mehr daN1! Unsere Schülerinnen, 14=, 18=, 20jährig, aus der Stadt und vom Lande kommend, haben zum Teil schon im Leben gestanden und die Arbeit gekostet, sei es in den Fabriken oder in Haushalten. Sie haben sich als Erwachsene gefühlt und leider in so vielen Fällen die Arbeit als schwere Last einer Volksschicht empfunden, die durch das Gespenst der Arbeitslosigkeit noch mehr bedrückt werden. Andere kennen die Arbeit nur als ein Mittel zum Erringen, erraffen, arbeiten— arbeiten— Geld verdienen ist ihre Lösung. Und nun, da diese Schülerinnen für ein halbes Jahr, wie sie sagen, zur Erholung fortgeschickt sind, glauben sie, Erholung in weitestgehendem Maße genießen zu müssen durch „Nichtstun und gutes Essen.“ Wieder andere Schülerinnen kommen in die Haushaltungsschule, um zu lernen; sie sehen aber noch nicht ein, daß„Lernen— Schaffen" heißt. besondere Gereiztheit infolge des geschwächteren Gesundheitszustandes zeigen, müssen überwunden werden. Da gilt für uns das Wort: Gemeinsame Arbeit bringt Freude, Arbeit macht den Lebenslauf noch einmal so munter. Theoretische und praktische Arbeit greisen ineinander über. Lehrerinnen und Schülerinnen bilden gleichsam eine Arbeitsgemeinschaft. Belehrt uns z. B die Theorie über Wesen und vorteilhaften Einkauf unseres Arbeitsmaterials oder Werkzeuges, so zeigt die Praxis arbeit= und zeit parende Methoden in der Anwendung. Ersparnis in der Aufwendung von Zeit und Kraft bringen im besonderen die modernen Arheitsmaschinen mit elektrischem Antrieb. Reben diesen ist das in kleinen Haushaltungen mit bescheidenem Einkommen übliche Hausgerät in Gebrauch, um die Schülerinnen nicht ihren Lebensbedingungen im Elternhause zu entfremden. Durch die hauswirtschaftliche Ausbildung werden die Schülerinnen auf die wirtschaftliche Verwendung des eigenen Arbeitseinkommens und auf die Achtung des Volksvermögens hingewiesen. So wollen wir zur Hebung der Volkswirtschaft— Volksgesundheit beitragen. Bürgerkundliche Besprechungen zeigen den Schülerinnen ihre Rechte und Pflichten in Familie, Beruf und Staat. Die Pflege des Familiensinnes bedingt: den Seinen ein Heim bereiten zu können, damit jedes Familienmitglied darin lebe und sich wohlfühle. Darum ist in unserem Kreise sorgjältige Pflege jeder Wohnung Bedingung. Wenn wir so über die Einstellung unserer neuen Schülerinnen sprechen, können wir nicht umhin, den Schulträger zu nennen. Es ist die Landesversicherungsanstalt Westfalen. Bei Uebernahme von 3 der Kurkosten sichert sie ein halbes Jahr lang tuberkulös gefährdeten jungen Mädchen im berufsschulpflichtigen Alter in der dem Kindergenesungsheim Senne 1 angegliederten Haushaltungsschule Kräftigung der Gesundheit und eine hauswirtschaftliche Ausbildung. Ueber Art und Weise der Ausbildung, über Leben und Treiben der Schülerinnen, über Grundsätze und Ideen, die dem Leben der Schülerinnen Gestalt geben, will ich im Folgenden berichten: In einem hygienisch einwandfreien und architektonisch schönem Gebäude in herrlicher Kieserwaldung liegend, wohnen etwa 85—100 Schülerinnen. Die Schülerinnen stehen unter ständiger Beobachtung einer hauptamtlich tätigen Aerztin, sie werden zu genauer Befolgung der ärztlichen Verordnungen angehalten und mit den Erfordernissen einer vernunftgemäßen Gesundheitspflege vertraut gemacht. Der Tageslauf der Haushaltungsschule, gesundheitlich durchlebt, zeigt: Frühaufstehen, tägliches Brausen, fleißiges Baden, tägliche Freiluftübungen am Morgen und Nachmittag, Beschäftigung und Ruhe in angemessener Wechselwirkung, theoretische und praktische Unterrichtsarbeit. Durch Weckung von Interessen und Anspannung von Kräften soll Freude am Schaffen und innerliche Zufriedenheit erzielt werden. Als erstes Gesetz verlangt der Tageslauf von unseren Schülerinnen: Einfügen in eine Gemeinschaft, die nicht durch äußere Verhältnisse allein gehalten ist. Jede Schülerin ist ein voll verantwortliches Glied der Gemeinschaft und trägt nach besten Kräften auf Grund der von den Schülerinnen aufgestellten Hausordnung zum guten Gelingen des Gemeinschaftslebens bei. Schwierigkeiten im Zusammenwohnen, die sich durch die verschiedenartige Vorbildung der Schülerinnen, durch die verschiedenen Konfessionen oder Anschauungen, durch unterschiedliche häusliche Verhältnisse, durch Beeinflussung der Umgebung, durch das Pubertätsalter. durch Gut angerichtete Schüsseln und der täglich sorgfältig gedeckte Tisch mit dieser oder jener kleinen Ueberraschung bieten den Schülecinnen Anregung für ihr eigenes Heimgestalten. Bei allem gilt der Grundsatz: Bei Verausgabung geringer Mittel und Aufwendung von wenig Arbeit und Zeit Zweckmäßiges— Schönes zu schaffen. Als Beispiel der Eigenschaffung sei eine Krippe erwähnt, die Lehrerinnen und Schülerinnen in gemeinsamer Arbeit in Ton modellierten. Wer kann die Freude und Spannung der Schülerinnen beschreiben, die eine Figur nach der anderen entstehen sahen und die Krippe zur stimmungsvollen Weihnachtsfeier aufstellen durften. Ihre strahlenden Augen glitten von der Krippe zum Weihnachtsberg, der ein hellerleuch tetes Dorf am Bergeshang aus selbstgebackenen Knusperhäuschen in Honigkuchen darstellte. Unschätzbare Werte birgt ferner der Nadelarbeitsunterricht. Im Rahmen dieser Ausführungen ist es nicht angängig, über die besondere Bedeutung jedes Unterrichtsgebietes zu sprechen. Doch sei erwähnt, daß unsere Schülerinnen die Ueberzeugung gewinnen: Auch heute noch fist bei billiger Konfektionsware das Selbstanfertigen wirtschaftlich, ein selbstgearbeitetes Bedarfsstück bringt überreichen Lohn in der Selbstbefriedigung. Gleichgültige Mädchen lernen die Arbeit ihrer Mutter schätzen, die oft allein die Sorge für die Instandsetzung und Neubeschaffung der Kleidungsstücke ihrer Tochter hatte. „Jede Anspannung der Kräfte, wenn sie den Körper nicht erschöpft, geht leicht in Fröhlichkeit über.“ Jedem Besucher fällt das frische, fröhliche Wesen unserer Schülerinnen angenehm auf. Spiel, Musik, Gesang,— mit einem Wort Erholung bedürfen derselben Achtung ioie die Arbeit. Selbst das Festefeiern will gelernt sein, zumal das„Geld“ dabei nur eine kleine Rolle spielen darf. So lassen wir uns die Pflege der Geselligkeit angelegen sein und versuchen dabei, den Schülerinnen Lehrstoffe aus dem Deutschunterricht zum Erleben zu bringen. Jüngst veranstalteten wir einen Märchenabend und luden dazu die z. Zt. im Waldheim(Krankenabteilung des Kindergenesungsheims Senne zur Kur untergebrachten kinderreichen, erholungsbedürftigen Mütter ein. Gäste und Schülerinnen fühlten sich urvlöyzlich ins Traumland versetzt, in dem Fren, Zwerge und Kobolde heimisch sind. Die Pilze des Waldes gaben sinnbildlich ihrer Stimmung in fröhlichem Tanz Ausdruck. Mit Spannung ind Freude folgten alle dem Programm, die Schülerinnen mit besonderer Anteilnahme. Jede hatte in ihrer Art zum Gelingen des Abends beigetragen, sei es auch nur bei der Vococreilung gewesen, beim Anfertigen der Kostüme, bei der Bühnenaufmachung usw. Uns war es eine besondere Genugtuung, daß wir in der steten Sorge für die Verp,legung der erholungsbedürftigen Mütter einen Erziehungsfaktor aufnehmen konnten, der un ere Schulerinnen begeisterte und sicherlich zur Pfleje ihres Gemütslebens und zur planmäßigen Bildung von Werturteilen beitrug. Jedwede Arbeit in unserem Hause steht natürlich immer in Beziehung zu dem Toppelcharakter unseres Heimes: Genesungsheim=Haushaltungsschule und will der gesundheitlichen Kräftigung der Schülerinnen dienlich sein. Zahlreiche Briefe früherer Schülerinnen sprechen in Dankbarkeit von froher Erinnerung an die schöne Zeit in der Senne. Den Versicherten und allen interessierten Kreisen möge unsere Schule beweisen, daß der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Westfalen durch die Schaffung und die Unterhaltung dieser einzig dastehenden Einrichtung(staatlich anerkannte Schule) der Volksgesundheitsfürsorge Großes getan und beständig unnennbare Dienste erweist. A. Holin. —3— Modische Frühlingsgedanken Nach der uniformierenden schwarzen Mode dieses Winters, schlagen, wie nicht anders zu erwarten stand, Modenschöpfer nunmchr eine ganz andere Richtung ein. Die Schwere der Zeit hindert sie, irgend etwas, was von vorn herein abgelehnt werden könnte, in Vorschlag zu bringen. Man weiß sehr wohl, daß nur eine praktische, jugendliche, in der Anschaffung nicht zu kostspielige Bekleidungsart durchdringen kann. Und dieser Notwendigkeit wird diesmal begrüßenswerterweise Rechnung getragen. Die neuen Stoffe sind hell, zart und frühlingshaft. Es ist so schön, das erstemal im Jahre ohne Wintermantel und Winterhut, in ganz neuer Garderobe bei strahlendem Sonnenschein einherzugehen. Und selbst wenn die Zeiten noch so schlecht sind, läßt es sich bei einiger Geschicklichkeit dennoch einrichten, modisch und nett gekleidet zu sein. Was bringt die Frühlingsmode eigentlich? Man kann das in drei Worten sagen: Jackenkleider und dreifarbige Stoffe. So wie im vergangenen Jahre jedes, auch das schlichteste Kleid, einen dazu gehörigen Mantel aufweisen mußte, ist dies augenblicklich mit den Jäckchen der Fall. Diese kleinen anspruchsslosen und dabei ungemein flotten Kostüme werden das diesjährige Sommermodenbild ergeben. Man wird sie anfangs, für die kühlen Tage, noch aus warmen Wollstoffen(Gabardine, Twecd, Cheviot usw.) anfertigen, um späterhin, wenn die Sonne stärker scheint, zu solchen aus Taft oder Kunstseidenstoff überzugehen. Ein braunes Taftkostüm, das mit einer gelben Georgettebluse verbunden war, und zu dem ein brauner Glockenhut aus grobem „Stroh gehörte, bildete in einer neuen Modenkollektion das beste Stück. Uebrigens werden auch Jacken angefertigt, die nicht nur zu einem einzigen, sondern zu jedem Kleide passen. Sie ähneln den Matrosenjacken unserer Kinder und sind entweder dunhelblau oder 2 8 8 * 8392/8 K 1•P es * — * Klars* Bl 837S TSlsras SS5IE3 Postlagernd Stizze von Altres Semer## Uwe stand vor seinem Hause und sah nach Tina aus. Wo blieb sie denn wieder? Ungeduldig und unruhig sah er auf den Weg, der quer durch die Heide führte und den sie kommen mußte. Sollte es wieder hier wie in der Stadt sein, wo er immer den Aufpasser spielen mußte? Er war doch aus ihr fortgezogen, um endlich Ruhe zu haben, Ruhe vor den hundert Männeraugen, die Tina folgten, wo sie sich nur blicken ließ. Ein Wunder war's ja auch nicht, wie sie immer hinter ihr dreinliefen, wenn sie kokett im kurzen Rock mit dem schwarzen Samtmieder und dim schneeweißen, gesältelten Hemd durch die Straßen der kleinen Stadt ging. Und Tina wußte es wohl und wiegte sich ordentlich in den Hüften wie zu einem he teren Tanz in dem allgemeinen Wohlgefallen, das sie hervorrief, sobald sie sich zeigte. Ja, blank und sauber war das Mädel das er gefreit, und es hatte lange gedauert. ebe es einwilligte, seine Frau zu werden. Uwe erinnerte sich oft der großen Freude, die ihn erfüllte, als sie endlich ihr„Ja“ fest und bestimmt sagte. Das war jetzt über ein Jahr her. aber die Freide über seine Eroberung wurde ihm immer wieder durch seine Eifersucht vergällt. Mußte Tina auch jetzt noch immer so blänkern und glimmern, wenn sie durch die Straßen ging? Aber wenn er ihr Vorhaltungen machte, lachte sie nur und sagte: „Du Narr! Putze ich denn extra meine Augen, und soll ich den Leuten die Augen verschließen? Mögen sie mich doch ansehen, wenn sie was Sauberes schauen wollen! Ich sehe auch gern was Sauberes. Und Du Narr, hättest Du mich geheiratet, wenn ich nicht so gewesen wäre, wie ich bin?“ Darauf blieb ihr Uwe natürlich die Antwor! schuldig, und sie lachte wieder und ging singerd an ihre Arbeit, die ihr so leicht und flink von der Hand ging. Sie hatte recht, das sah Uwe ein. Aber er hatte auch recht, und nach einigen Monaten machte er kurzen Prozeß und zog mit seinen Bienen in die Heide.„Auch gut“. sagte sie, als er ihr von seinem Plan erzählte. „Die Stadt ist ja nicht weit ab.“ Uwe lächelte verstohlen. Er wollte schon dafür sorgen, daß sie nicht oft in die Stadt kam, und wenn's gar nicht anders ging, dann nur mit ihm. Aber Tina trug den Verlust der Stadt nicht schwer. Auch hier behielt sie ihre blanken. frohen Augen, und wenn sie mit der Arbeit fertg war, zog sie ihr kurzes Kleid an mit dem schwarzen Mieder und dem seinen weißen Hemd und paradierte in der Heide vor den Bienen, wie es Uwe spöttisch nannte. Wenn •* sie einen notwendigen Gang zum Nachbar machen mußte, der ein gut Stück fern wohnte. rechnete er ihr die Zeit auf die Minuten nach die sie dafür brauchte. Wo blieb sie nur heute wieder? Da hörte er plötzlich ihre helle Stimme von einem Seitenweg, und als er sich verdutzt umwandte, hörte er sie singen und sah sie ihm zuwinken. Sie kam ohne Eile, als wüßte sie nicht, wie ungeduld'g er sie erwartete.„Schön war’s, der lange Wea. Ich bin kreuz und quer spaziert. Und diesen Buschen habe ich für Dich gepflückt!“ Und dabei stieß sie ihm blühenden Heidekräuter lacherd unter die Nase.„Schon wieder brummia?“ Sie hob die Schulter.„Ach Uwe, mit Dir ist es schon ein Kreuz. Mir scheint. jetzt bist Du gor aref die Heide eisersüchtig. Am besten. Du sperrst mich ein.“ Er nickte:„Das wäre auch das Peste. Wüßte ich nur, wie ich es machen önnte!". Aber ihre Augen hellten sich schon wieder auf. und es blitzte ihm schalbhaft daraus entgegen:„Meinst Du. Du könntest ie ein sicheres Gefängn's für mich finden? De# dummer Uwe! Wenn ich nicht selbst bleiben will, wer wollte mich Du nicht und kein andrer!“. Er nohm ihre Hände und preßte sie. daß die He'dekrantstengel sich in ihr Fleisch drüchten:„Ich wollte es Dir schon zeigen, wie ich Dich halte. Ich lasse nicht mit mir spaßen. Das solltest Du wissen Und wenn Du denhst. Du b'st hier frei, bist Du auf dem kalschen Weg. Das merk Dir nur!“ Es war immer das alte Lied. Tina machte mit einem Ruck ihre Hände frei und ging ins Haus. Ihre Heiterkeit war weggewischt, und das Abendessen verlief ungewöhnlich schweigam. Jetzt tat es ihm wieder leid. und schuld bewußt nahm er ihre Hand:„Ich bin ein ekliger Kerl. ich weiß. Aber es ist nur. wei ich Dich so lieb habe, ja, das ist's.“ Ihre Augen blitzten ihn an:„Wenn's ein bißchen weniger wäre, langt es auch noch hin!“ Wirklich gab es für ein paar Monate leidliche Ruhe. Aber da kam ein junger Kaufmann aus der Stadt gerade als Uwe fort war, und wollte den ganzen Honigvorrat kaufen. Tina erklärte ihm er müsse mit Uwe selbst sprechen. Wenn er swarten wollte, käme vielleicht ihr Mann. Der Kaufmann wartete sehr gern, und er hatte schon einen Haufen Art'gkeiten und Schmeicheleien für die hübsche Frau auf der Zunge als plötzlich Uwe erschien. Mit knappem Gruß für den Kaufmann erklärte er schroff, er habe seine feste Kundschaft, und keiner brauchte ihm Zu weißen oder auch zu den dunklen Kleidern, die von diesem Winter her aufgetragen werden müssen, sehen sie recht gut und frühjahrsmäßig aus. Die dreifarbigen Stoffe sind letzte Neuheit. Die Zusammenstellungen von weiß= schwarz, ##warz=rosa und schwarz=türkisblau, die man im Winter ins Leben rief, werden jetzt umgekehrt, indem man die helle Farbe überwiegen läßt, sie sozusagen als Grundfarbe nimmt. und den schwarzen Farbton als Punkt oder Streisen hineinsetzt. Dazu kommt dann noch ein weißer Punkt bezw. Streisen. Auch zartgrünschwarz=weiß bildet eine beliebte Farbenzusammenstellung, wie denn überhaupt alle grünen Töne sehr in Mede stehen werden. Die Einfachheit der Mode zeigt sich darin, daß man wieder gelegte Röckchen, einfache kasakähnliche Oberteile und Bubikragen sehr bevorzugt. Daß bei dieser Jackenkleidmode die Bluse eine große Rolle spielen muß, ist klar. Gelbe, rosa, lila und beige Blusen aus feinen Seidenstoffen oder Georgette gelten als letzte Eleganz. Aber auch die Bouclepullover, die man durch weiße Krägelchen und Stulpen belebt, sind sehr beliebt. Sie reinigen sich gut und sind niemals des Plätteisens bedürftig. Die Hüte werden groß und größer, denn die mehr und mehr in die Länge(und auch in die Breite) wachsenden Lockenfrisuren erfordern einen größeren Rahmen. Auch die Sonne der warmen Jahreszeit verträgt sich mit den kleinen Helmen und Kappen, die man bisher trug. nicht so recht, sondern erfordert eine große Kopfbedeckung. Weiche Glockenformen, die man nur mit einfachem Bandschmuck garniert und teilweise mit Filz kombiniert, werden um die Osterzeit herum das Modebild beherrschen. Anna Feigl. Schenkt praktisch zur Hochzeit! Heutzutage, wo die Gründung eines eigenen Haushalts so viel schwieriger geworden ist. als früher, spielen die Hochzeitsgeschenke, die das Brautpaar erhält, eine große Rolle. Selbst wohlhabende Brautpaare ziehen bei der Aufstellung der anzuschaffenden Wirtschaftsgegenstände die eventuellen Hochzeitsgaben stark in Rechnung. Denn all das, was man erhält, kann das gerade zu Beginn der Ehe stark in Anspruch genommene Budget entlasten. Bekannte und Freunde der Familie, die etwas schenken wollen, tun gut daran, sich untereinander zu besprechen. Auf diese Weise wird vermieden, daß ein und derselbe Gegenstand drei= und vierfach vorhanden ist, ein anderer aber in dem jungen Haushalt lange Zeit hindurch fehlt. Schenkt d er eine Freund der Familie z. B. ein Tischgedeck, während der zweite ein Kaffeeservice kaufen will, so tut man gut daran, die Farbe der Geschenke beiderseits so zu wählen, daß sie mit einander harmonieren. Denn ein noch so schönes grünes Kaffegedeck erweist sich als unbrauchbar, wenn die Kaffeetassen aus gelbem Porzellan bestehen. Auch Gardinen und Vorhänge müssen einander angepaßt werden, und tausend kleine Dinge der Einrichtung, wie zum Beispiel Bettvorleger, Nachttischlampen, Arbeitslampen, Toilettetischgarnituren usw. entsprechen ihrem Zweck weit besser, wenn man sich vor dem Einkauf darüber klar ist, in welcher Farbe und Stilart das betreffende Zimmer gedacht ist. Wir kennen einen Fall, wo eine reizende Zweizimmerwohnung durch Hochzeitsgeschenke völlig eingerichtet wurde. Die Eltern der Braut stifteten die Schlafzimmer=, die des Bräutigams die Wohnzimmereinrichtung. Die Brautgeschwister kauften gemeinsam die Küchenmöbel, und ein Bruder des Bräutigams übernahm es, Teppiche zu kaufen. Die übrigen Verwandten. Freunde und Bekannte kauften, allerdings nach vorherig eingehendem Befragen, die noch fehlenden Beleuchtungskörper, Gardinen und Vorhänge. Die Zeiten, wo man es sich noch leisten konnte, den als Hochzeitsgeschenk erhaltenen nach seinem Haus zu kommen. Damit öffnete er auch schon die Tür.„Ich weiß, was er hier wollte", sagte er finster, als der Kaufmann kort war.„Um den Honig ist er nicht gekommen. Sicher nicht. Und Du hast Deine Augen auch wieder spielen lassen.“ Tina erwiderte nichts. Sie wollte beinen Streit, und Uwe bereute auch schon wieder seine Worte. Aber er sagte es nicht. Er ärgerte sich darüber und schlief lange nicht ein. Plötzlich hörte er Tina im Schlaf sprechen. Erst konnte er sie nicht verstehen, dann aber verjahm er etwas, was ihn mit einem Ruck aufjahren ließ.„Das verstehe ich nicht... postlagernd?... Ach so... ja, ich gehe an den Schalter und sage O. 56..“ Und dann warf sie sich auf die andere Seite, scufzte noch ein baar Mal und schlief weiter Er hätte sie am jebsten aus dem Schlaf gerissen. Jetzt alse sollte er erdlich den Beweis haben. Na, werte nur! Er drohte zu ihr hin. Er stand sehe früh auf.„Ich habe in der Stadt zu tun. Rittags bin ich wieder da.“ „Kann ich's nicht für Dich in der Stadt abmachen?“ fragte sie zaphaft.—„Nein!“ sogte er kurz und war aus der Tür. Als er vor dem Postschalter einen postlagernden Brief O. 56 verlangte und erhielt, zuckte keine Muszel in seinem Gesicht. Aber als er ihn zortig aufriß, wurden seine Augen immer gröfer, denn er las:„Uwe. Du bist ein großer Narr. Immer wieder quälst Du Dich und mich. Ich bin nun aber mit meiner Geduld am Ende. Wenn Du jetzt nicht anders wirst mache ich Schluß. Dann laufe ich Dir weg, und Du kriegst mich nie wieder. Was ich soge, halte ich. Nun weißt Du's Tina.“ „Uwe lief heim, als rüste Tina sich schon zur Flucht. Sie stand in der Tür, und er schwenkte schon von weitem lachend den Brief. Du nichtsnutziges Ding“ rief er, als er sie umsaßte. „Aber recht hast Du, recht, und ich will jetzt mit der dummen Eifersucht auch Schluß machen. Du wirst es sehen. Nur eins soge mir noch: Wer hat den Brief nach der Stadt gebracht?“ Tina wiegte den Kopf:„Soll ich, muß ich Dir's sagen? Unser Nachbar, der gestern in die Stadt fuhr. Er kam hier vorbei und fragte, ob ich was wollte und brauchte. Und da fiel's mir ein. Ich wollte es Dir schriftlich geben, was ich tue, wenn Du... heb Dir den Brief gut auf!“ „Ich vergesse ihn nicht, und wenn ich wieder mal— nun, Du weißt schon, Tina—, dann sage nur: postlagernd...“ Obstaufsatz von Tante Minchen wegen seiner Wertlosigkeit solange in der Familie weiterzuverschenken, bis er wieder an die Geberin zurückkam, um dann seinen Kreislauf von neuem zu beginnen, sind vorbei. Heute soll man entweder gar nichts oder praktisch und vernünftig schenken. Die Heime junger Paare sind kein Raritätskabinett und keine Ansammlung von Nippes, Ziersächelchen und Ueberlüssigkeiten, sondern sie sind, dem modernen Zeitgeiste entsprechend, zweckmäß g. praktisch und hygienisch eingerichtet. Jeder Gegenstand ist notwendig und schön zugleich, und ein solches Heim bildet, obwohl nüchterner und weitaus sachlicher als früher, dennoch ein trautes Nest der Behaglichkeit und des Ceborgenseins. Die Hochzeitsgeschenke aber sind Visitenkarten vergleichbar, die der Spender für Lebenszeit im neuen Heime aufliegen läßt. Das neue Daheim(67. Jahrgang, Nr. 21) isl erschienen und bringt in Wort und Bild eine Fülle wertvoller Anregungen und bester Unterhaltung. Aus der Zeit: Die Wochenschau:„Ein Vater berichtet über die Kosten der kaufmännischen Berufsausbildung";„Helft dem deutschen Gartenbau!“ von H. C. von Zobeltitz. Sport: „Ich fliege mit lidet“ von W. Ruge;„Drei Autofahrten in vier verschiedenen Jahrzehnten“ von K. A. von Laffert. Roman und Novelle: „Der große und der kleine Klaus“ von Rudolf Hans Bartsch:„Mein braunes Gespenst“ von Sophie Rützow. Geschichte„Kaiser und sein Sohn“(Napoleon und der Herzog von Reichstadt) von Fritz Martin Rintelen. Frauendaheim: Neue Fischgerichte; Häkelei und Schiffchenarbeit. Dazu der reiche, farbige Bildschmuck mit wertvoller ganzseitiger Kur beilage, der Rätselteil, Familientisch und der um fassende Daheimanzeiger mit Stellenmarkt. Verantwortlich H. Semmelmann. Altena. Druck und Verga: C. Sant