Ss1“ S#dd PradenLeitung Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 48 Altena, den 30. Dezember 1130 Zur Jahreswende Boehtergedanben. Das alte Jahr liegt im Sterben, das neue wird geboren. Die letzten Stunden des schwindenden Jahres sind dem besinnlichen enschen eine stille Rückschau auf einen Wechsel von Sorge, Alltag, Freude und Glück, den Inhalt von zwölf Monaten. Jetzt aus der Entfernung hat alles ein anderes Gesicht. Hohe Mauern, die unüberwindlich schienen und doch bezwungen wurden, schwinden zu einem Nichts. Alltagshemmungen, kleine Zwiespältigkeiten, viel zu ernst bewertet, erhalten einen milden Schein. Doch auch manches schwere Schicksal wird zur frisch blutenden Wunde und fordert zu neuem Kampfe heraus. Lassen wir das alte Jahr sterben, übergeben wir der Vergangenheit, was des Vergessens wert ist, und behalten wir, was es an Bereicherung schenkte. Stand nicht Licht neben Schatten, Freude neben Leid? Fand nicht, auch in dem tiefsten Kummer, ein warmer Sonnenstrahl seinen Weg? Hat uns nicht schlichte Liebe oft beglückt, Dankbarkeit gerührt, dort. wo wir sie kaum erwarteten? Und gab es nicht selbst im ärgsten Alltag ein frohes Vorwärts, und sei es nur ein Händedruck der Gemeinsamkeit, ein helles Kinderlachen, das an eine Zukunft gemahnte? Das sei nicht vergessen! Nicht nur voll Undank werde des Jahres 1930 gedacht! Und wie begrüßen wir das neue Jahr? Mit Jubel und Lachen, mit großen Erwartungen? Nur wenige können ihm sorgenfrei entgegensehen, kaum einer tritt ohne eine schwere Last über seine Schwelle. Die wirtschaftliche Not unseres Vaterlandes ist eine allgemeine und greift hart in das Leben des einzelnen. Wer steht noch abseits und spürt nichts u.n den großen Entbehrungen, von Kämpfen, die aft kaum an die Oberfläche gelangen und doch so zermürbend wirken? Verzicht ist ein Wort, das heute zur selbstverständlichen Pflicht geworden ist, ein zweites heißt Arbeit! Doch keine Not ist so groß, daß sie nicht überwunden werden könnte. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Jeder arbeite an seinem Platze und sei dessen eingedenk, daß wir ein gemeinsanes Ziel vor uns haben. Auch in kleinster urveit, in einfachster Pflichterfüllung liegt Wert. Ein Volk, das im Innern gesund ist, kann nicht zugrunde gehen. Schauen wir offenen Blickes dem kommenden Jahre entgegen. Wenn die Glocken vom Turm seine Geburt verkünden, dann soll es gerade uns Frauen gewappnet finden, mit Herzen, frei vom Ballast des alten Jahres, mit Händen, ausgestreckt nach denen, die unter der gemeinsamen Not am ärgsten leiden, ausgerüstet zu einem neuen Kampf! Ilsev. Sat. Silvesterfeier Silvester hat seinen eigenen Charakter; zwichen der Innerlichkeit des Weihnachtsfestes nd der Ausgelassenheit des Karnevals lieend, ist es ein Gemisch von beiden: Ruhiger kückblick und fröhliche Vorschau. Das neue Jahr im eigenen Heim zu erwaren, erscheint uns heute wieder am verlockenden. Zunächst: Ausschmückung des Tisches. kr soll lustig, festlich und originell sein, auch hne großen Geldaufwand. Also wie? Der unde oder rechteckige Eßtisch kann da z. B. ehr hübsch als Schornsteinsegertisch dekoriert verden, und zwar mit einem Tischtuch, das gan aus Kreppapier selbst herstellt, indem man beiße und schwarze Streifen(immer die halbe sreite der gekauften Rolle) schachbrettartig bereinanderklebt. Tarüber werden Strähin dunter japanischer Papierschlangen gelegt sie sind billiger und eignen sich für Dekorationszwecke besser, weil sie weicher sind,— und in die Mitte des Tisches wird auf ein weißes Feld ein großer Schornsteinseger gestellt. Um ihn herum können bergig Bleifiguren gehäuft werden, die später gegossen werden sollen. Vor jeden einzelnen Platz stellt man einen kleinen Schornsteinseger, der, wenn eine feste Tischsordnung in Aussicht genommen ist, ein kleines Kärtchen mit dem Namen des Gastes trägt. Viel Heiterkeit wird ein Glücksschweinchentisch erregen. Das Tischtuch ist hier aus Kreppavier in kräftig bunten Karnevalsfarben zusammengesetzt; vielleicht grün, orange, blau, gelb und darüber ebenfalls Strähnen bunter Pavierschlangen gelegt. In die Mitte stellt man eine Bowle, in die ein Riesenglücksschwein hineinsieht, das die beiden Vorderpfoten auf den Rand gestützt hat. In jedes Punschglas läßt man ebenfalls ein kleines Schweinchen hineinsehen. Um diese drollige Haltung zu erreichen, kann man in die vorderen Pfötchen unsichtbar etwas Blumendraht einschieben und sie um den oberen Rand des Glases biegen. Einfach und lustig wirkend ist folgender Tisch: Man nimmt ein einfarbiges Kreppapiertuch, vielleicht orange oder mittelblau, auf das man vorher etwa tassenkopfgroße verschiedenfarbige Kugeln— eine Art Riesenkonfetti— geklebt hat: je bunter, desto besser. In die Mitte des Tisches kommt ein Korb. der mit allerhand Näschereien gefüllt ist: Keks, Konsekt, Nüssen, Krachmandeln, Traubenrosinen. Als Dekoration steckt man glitzernde Knallbonhons, Ilex, Weidenkätzchen und Tannenzweige dazwischen und läßt bunte Papier= schlangen von dort über den Tisch gehen. Vor jedem einzelnen Platz steht ein kleines Körbchen, das mit den gleichen Papierschnitzeln gefüllt ist, in denen einige Bleifiguren zum Gieken liegen. Das Zimmer selbst kann in der Weise geschmückt werden, daß man den Kronleuchter in eine Lamettafontäne verwandelt; die hervorstrahlenden Kerzen schaffen ein geradezu märchenhaftes Bild. Für die Bewirtung ist ein kaltes Büfett aufgestellt: verschiedene Salate, eine Platte mit aufgeschnittenem Braten, belegte Brote, Pudding. Kompott und Käsestangen. Teller, Bestecke und Gläser sind an beiden Seiten des Tisches aufgebaut, damit die Selbstbedienung recht bequem ist und Hausfrau und Bedienung nach Möglichkeit entlastet. Elisabeth. —2— „Was ist deine Mutter?“ Erinnern wir uns? Klingt nicht uns allen die Frage von Anno dazumal noch im Ohre, die einer dem anderen stellte, direkt oder auf Umwegen, neugierig sondierend, abtaxierend— die Frage, von der der Grad der Hochachtung, des „Fein=Seins“, die Freundschaft mit der Klassengefährtin und der Neid der„Anderen" abhing:„Was ist dein Vater?“ Und dann antporteten wir stolz bewußt, altklug und jugendlich=naiv, was man gesagt, oder was wir aufgeschnappt und mit eigener Phantasie ergänzt hatten:„Mein Vater ist ein sehr reicher Kaufmann...“.„Mein Vater regiert im Rathaus...“.„Mein Vater ist ein großer Gelehrter, der Bücher schreibt...“ Wenn der eine Bericht beendet, folgte der gegenseitige in eingehender Schilderung, begeistert und überzeugend und seinerseits stolz und positionsstärkend. Wie stehts um die heutige Jugend? Haben sich die alten Begriffe gehalten? Oder halt— was sind denn die Väter von heute? Seltsam, schon kommen wir der Wandlung auf realstem Wege nahe. Die Väter von heute sind ja zum großen Teil gar nicht mehr das, was die Väter von gestern waren. Viele der Aelteren sind aus der Bahn geschleudert, ihr ehemaliger Beruf wurde umgestellt und sie mit ihm. Die Jüngeren können nicht so leicht festen Fuß fassen, sie versuchen sich hier, enttäuschen sich dort, satteln um und beginnen abermals von neuem. Was sie sind? Die Frage bleibt. Wenn ein Titelprädikat einen gewissen Hinweis gibt, so läßt das zugefügte„a. D.“ die konkrete Antwort wiederum offen. Also, was ist dein Vater? Pause, Nachdenken, langsames, schwieriges Ausholen. Oder wird überhaupt gar nicht mehr danach gefragt? Schließlich hat ja das ganze Sein ein anderes Gesicht bekommen. Die Kinder sind längst daran gewöhnt, daß nicht nur der Vater arbeitet und verdient, sondern auch die Mutter in irgend welcher Weise sich betätigt. Sie hören sie von ihrem Examen, ihrer Studienzeit oder ihrem Berufsleben sprechen. Sie sehen sie beschäftigt in reger Inanspruchnahme, gleichviel welcher Art. Gelegentlich bleiben zufällig aufgefangene Zwiegespräche der Eltern im Gedächtnis haften. Was ist dein Vater— liegt nicht vielleicht näher, über die Mutter, ihr Tätigkeitsfeld, ihre Persönlichkeit sich untereinander zu befragen?„Meine Mutter ist Vorsitzende. „Meine Mutter ist Doktor...“,„Meine Mutter arbeitet kunstgewerblich...“.„Meine Mutter tippt und stenographiert wie der Blitz...“. Und damit ist die Heimsphäre um estimmt und bestimmt. Auch wenn der Vater an Autorität nichts eingebüßt, er ist nicht mehr die ferne, hoheitsvolle Respektsperson von früher. Die Mutter ist ihm kameradschaftlich zur Seite gerückt, und da sie ihrerseits den Kindern natürlich verbunden, schließt sich der Kreis immer enger zusammen. Das Familienbild und damit die Position nach außen und innen hat sich zwangsläufig mit der Zeitentwicklung verschoben. Die alte Rangordnung„Mein Vater ist...“, und dann in ganz anderer Linie und Tonart von der lieben, guten Mutter sprechend, ist überholt. Die Eltern stehen vielmehr als höhere Einheit, als Kampf= und Lebensgenossen vor dem immer sehender werdenden Auge des Kindes. Trotdem oder wohl gerade darum ist ihr Gegenübertreten ein vertraulicheres und gleichzeitig bewunderndes. Und noch eins— mich dünkt dies das wertvollste Ergebnis der Wandlung: die nur allzu oft äußerlich gemeinte. nach„Standesmäßigkeit“ forschende Frage hat ihren Stützpunkt entzogen bekommen. Die Kinder sehen und lernen im Kampf des täglichen Lebens ums tägliche Brot, daß der Kern und die Wichtigkeit wo anders liegen, daß es um andere Dinge geht. Nicht mehr der alte Maßstab, ob ein Beruf„fein“ ist, entscheidet und gibt denAusschlag, sondern der Geist des Hauses und das Niveau seiner Lebenshaltung. In diesem besten Sinne sind Hauswesen und Kindererziehung demokratisiert und von unserer Zeit befruchtet worden. Die Frau, ihre Eigenentwicklung. ihre gelöste Stellung auch als Mutter, ihr Mitsorgen und Mitarbeiten ist die Brücke, die ins Neuland führt. So reifen aus der Not der Zeit höhere Begriffswerte. So prägensich Frage und Ausruf in stolzem Bewußtsein:„Das ist meine Mutter!“ Louise Diel. Der Wert der Zeit! Welchen Wert die Zeit hat, ist bei uns noch nicht genügend bekannt. Der Amerikaner hat den Tag bis auf die letzte Minute eingeteilt und muß bei allem genau und eingehend vorher unterrichtet werden, wie lange es dauert. So haben sich amerikanische Gewohnheiten herauszebildet, die uns eigentümlich anmuten. An einer Kirche z. B., in der eine Predigt stattfinden soll, steht angeschrieven, wie lange dieselbe dauert, erst in zweiter Linie ist angegeben, wer sie hält. Die Magozine, die monatlich oder wöchentlich erscheinen, und deren spanSilvester stizze von Paulrichard Heusel Gert Hille bemerkte die leichte Unmutsfalte in dem schönen Besicht Sylvias, als sie nach den träumerisch verklingenden Rhythmen des Tangos wieder an den Lisch der beiden Männer zurück kam. „Unzufrieden?“ fragte er leise, verstohlen ihre Hand fassend. Sie lächelte beherrscht.„Nein, nichts— aber jetzt will ich lieber zuhöcen als tanzen. Ich weiß, Sie beide bringen es doch auch hier in dieser ausgelassenen Silvestergesellschaft nicht fertig, in den seichten Ton mit einzustimmen.“ „Das ist keine Schmeichelei für unseren Gastgeder“, sagte Hille,„aber“— er sah sich in dem festlich geschmückten Raume um—„so bunt ging es allerdings hier noch nie zu.“ Der Maler Andreas, der Dritte am Tische, füllte die Gläser nach.„Was wollen Sie? Viele fühlen sich in dieser Mischung von Vergnügen, Flirt und Abfütterung wohl. Es kann sogar sein Gutes haben.“ „Bis zum Morgen— und dann?“ „Das ist eben das, was ich Ihnen vorhin erzählen wollte. Darf ich fortfahren?" wandte er sich höflich an Sylvia. In der Ecke des geheizten Wintergartens in der sie saßen, waren sie ziemlich unbehelligt von dem lauten Treiben, das sich in dem gastfrohen Hause des reichen Fubrikanten entwikkelt hatte. Und Andreas erzählte: „Stellen Sie sich alles Schöne vor, was eine Liebe ausfüllen kann, wenn ich Ihnen sage, daß es einmal ein Mädchen gab, Anita, das mich sehr liebte. Wir gatten nach einem sehr glücklichen Jahr ein an Freuden armes bekommen— nicht durch un ere Schuld; Anitas Mutter war oft krank, und das bedeutete für Anita Stillstand ihres Lebens, Fernbleiben von allem, was der Jugend Freude gibt. Als die Krisis überwunden war, brach sie selbst zusammen. Auch mir ging es schiecht, wirtschaftlich; fehlte mir Anita, fehlte mir auch der Ansporn zur Arbeit. Kein Wunder, daß wir manchmal gereizt waren und vielleicht auch oft heimlich fürchteten, daß uns diese schlimme Zeit entfremden könnte. Aber wir gewannen uns doch ein schönes Weihnachtsfest, primitiv, jedoch innig: ein wenig still vielleicht. Dann kam Silvester... Ich hatte mich darauf gefreut. Aber Anita war von Bekannten eingeladen und mochte nicht absagen. Sollte ich dagegen sprechen? Ich wußte, daß es in jenem Hause sehr ausgekassen zuging, daß der Gastgeber in Anita verliebt war und daß dort jeder, insbesondere jede schöne Frau, nur danach gewertet wurde, zur Freude anderer da zu sein. Sie merkte wohl meine Verstimmung. Laß mich dochl bat sie. Ich habe so wenig von diesem Jahre gehabt. Ich will noch einmal unter vielen lustigen Menschen sein, ehe das Jahr zu Ende geht. Nenne es eine Laune, aber der Gedanke, ein stilles Jahr still abgeschlossen zu haben, würde mich immer quälen. Laß mich doch dadurch die Illusion gewinnen, daß es immer heiter war! Dana geht man mit mehr Mut in das neue Jahr. Sie war jung. Sie empfund in diesem Auzenblick vielleicht nicht, daß man ihre Worte auch dahin deuten konnte, wie wenig sie in diesem Jahre von mir empfangen hatte. Es wurde ein böser Abend für mich, glauben Sie mir das. Zuecst wechselte ich von einem Weinlokal in das andere. Aber je mehr Menschen um mich waren, umso vereinsamter fühlte ich mich. Plötzlich stand ich vor dem Hause, hinter dessen erleuchteten Fenstern ich Anita wußte. Sprechen Sie nicht von überhitzter Phantasie! Man konnte sich doch alles vorstelten. Jetzt tanzt sie. Sie fühlt nicht den begehrenden Druck des Armes, der sie hält. Jetzt mischt sie draußen die Bowle, nirgendwo läßt ie sich das entgehen; aber einer steht hinter ihr der ihre Lippen kennt; sie lacht ihn an, es gibt eine Heimlichkeit. Dann kommen Worte, die schon Besitz ergreifen. Der Wein nimmt die Gedanken. Ausgelassenheit macht verführerisch, und ein Mensch, um den man in heißer Liebe virbt, wird hier nur Spiel und Freude des Augenblicks und vielleicht Verheißung auf ein Abenteuer. Alles das wußte ich doch genau —— „Dann brauche ich Ihnen ja nicht mehr zu erzählen, warum ich vorhin verstimmt schien", warf Sylvia halblaut ein. Andreas schwieg eine Weile nachdenklich, dann fuhr er fort:„Ich will es offen gestehen: Ich war feige. Wenn Anita, was verständlich war, nach einem Jahre armseliger Freuden wieder Sehnsucht nach einer bunteren Welt gewann, wollte ich aus der Stadt verschwinden. Sobald wie möglich. Und am Neujahrsmorgen rief sie mich an. Ob wir hinausfahren wollten? Der Schnee lag fest. Es war— ist das zu kindlich gesagt?— wie ein Märchen. So friedlich, so lieb so— unerwartet. Alo wir uns trennen mußten, gab sie mir fest die Hand und sagte:„War es nicht schin, daß wir so froh das neue Jahr beginnen konnten?“ Ich hielt die schmale Hand fest:„Wird es so bleibenF“.. „Ja. Ich habe das Jahr doch schon mit Sehusucht nach Dir begonnen!“ Da brauchte ich nichts mehr zu fragen Ich fühlte, was sie nicht erzahlen wollte: Alles war geschehen, was ich geahnt hotte. lind es war gut so gewesen. Wäre sie richt gegangen, wäre immer der Gedanke zurück geblieben, etwas versäumt zu haben, etwas zu entbehren, und ich hätte sie vielleicht verloren, ehe die Bäume wieder grünten. Jetzt aber hatte sie vielleicht, wissender und sehender geworden, erkannt, daß Silvester auch einen Abschluß bedeuten kann. Und das ist vielleicht auch der Sinn dieses Abends, daß wir mit dem ein Ende machen kön nen, was nicht mehr in das neue Leben gehört, das vor uns liegt. Und nun möchte auch ich Sie um einen Tanz bitten“, schloß er und verneigte sich vor Syloia.— Er wollte sie an den Tisch zurückführen, aber sie bat:„Bringen Sie mich doch nach Hausel“ Und dann, im Wagen, das Gesicht im Dunkeln, sagte sie:„Ich wußte ja noch gar nicht. daß Sie ein Dichter sind!" „Warum, Sylvia?“ „Weil Sie diese Beschichte so gut erfunden haben. Nein, widerspcechen Sie nicht. Ich habe Sie verstanden. Genügt Ihnen das! Aber die Männer vergessen doch das Nächstliegende.. Andreas hatte ihre Hände gesaßt.„Und das ist—. „Daß es doch viel schöner ist, wenn man einen Menschen nicht erit zu rufen braucht, sondern wenn er schon da ist...“. „Sylvia— Und der andere—!“ Sie sah ihn mit klaren Augen an.„Es frischer Schnee gefallen. Wollen wir nicht heute hinaus fahren?“ Da beugte sich Andreas tief über die Hände der Frau. Der erste Tag des neuen Jahres löschte das Dunkel der Nacht aus. nende Geschichten„verschlungen“ werden, enthalten unter dem Titel sters die Angabe, wie lange die Lekt're der einzelnen Erzählung douert. Der Amerikaner verlangt das, da er solche Unterhaltungslektüre für die Subway kauft, und die Geschichte, die länger gelesen werden muß, als die U=Reise dauert, nicht erst anfangen möchte. Noch sonderbarer ist es, wenn vor den Kinos auf mächtigen Plakaten angegeben ist, wie lange die einzelnen Filme dauern, wie lange man sich an der Wochenschau oder an den Reklametrickfilmen auf den eigentlichen Hauptfilm vorzubereiten hat, usw. — Wir finden das seltsam; der Amerikaner, anders eingestellt und auf das praktische Leben intensiver gerichtet als auf seelische und geistige Güter, nennt dieses Vorgehen„Selbstkultur“ und„Selbsterziehung“. Und über den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. A. F. (2.— Vom Berliner Pfannkuchen dem überall bekanntgewordenen Silvesterund Neujahrsgebäck, erzählt das Daheim(67. Jahrgang, Nr. 13) u. a.:„Wer die Anzeigen der paar Berliner Zeitungen vor hundert Jahren und darüber durchsieht, findet zu bestimmten Zeiten zahlreiche Anpreisungen jener lieblichen Schmalzentspcossenen, die im Süden Kreppel, nach dem franzosischen„erepes" oder Krapfen(altdeutsch Chrapho, also die alten Deutschen kannten das auch schon!), im Norden aber Pfannkuchen genunnt werden, obwohl sie keineswegs aus einer Pfanne stammen, sondern aus einem tiefen Gefäß siedenden Fettes. Und der Berliner nennt sie auch wohl „Schmalzlerchen“. Das Herz des Pfannkuchens ist seine Füllung. Seinen Charakter aber entwickelt die Hefe. Ob sie„richtig gegangen“ ist, ob Unmut sie darniederhielt, entscheider den Auftrieb, die Lockernis und die ästhetische Rundung des Gan zen. Je nach dem Gusto wird nach dem heißen Bad die Toilette mit Puder oder Schminke, Streuzucker oder Guß, vollendet. Auf einem Prunklager von Tortenpapier versammeln sich die geschmalzten Schönheiten, und wenn man sie greift, bekommen sie lächelnde Grübchen. Feine Leute zerteilen die Teigkugeln mit der Babel, das ist das Wahre nicht: man muß hineinbeißen, und zwar soll bereits bei dem ersten Biß das süße Herz getroffen werden, damit man weiß, woran man ist. Für den Logiker ergibt sich also, daß der Gesamtumfang eine normale Mundöffnung nicht überschreiten soll. Die Monstrepfannkuchen mancher Konditoren enthalten viel zu viel Teig. Fräulein Pfannkuchen ist ein kesses kleines Berliner Mädel und keine Heroine vom Stadttheater. Der Pfannkuchen an sich wird immer gleich hergestellt: um etwa 20 Stück zu erzielen, rührt man in ein Pfund angewärmten Mehls in einem viertel Liter lauer Milch aufgelöste Hefe(etwa 20 g) und läßt diesen„Vorteig“ teigen. Nachher gibt man die übrigen Zutaten an Eiern, Salz, Zitronenschale, 50 g Zuk= ker und die Hälfte mehr Butter dazu und schlägt den Teig bis zum Biasenwerfen. Die Zutaten müssen auch angewärmt sein, damit das nochmalige„Gehen“ nicht gehindert werde. Runmehr wird der Teig— Achtung vor Zug! — ausgewellt und die Krapfenform angedeutet. In die Kreismitte kommt das Herz, das gemeinhin aus Pflaumenmus oder Fruchtgelee besteht. Darüber deckt man den zweiten Teigleck und verbindet beide Tage miteinander. Hierbei gehört eine gewisse Genauigkeit dazu, uim das„Herz“ auf dem rechten Fleck zu haben. Nun„gehen“ die Krapfen zum drittenund letztenmal, ehe sie den Topf voll siedenden Fettes erreichen, den sie goldbraun und krisp rlassen.“ 2— Punsch und Schmalzgebackenes zu Silvester Rotweinpunsch. Eine Flasche Rotwein, eine halbe Flasche Wasser, die abgeriebene Schale einer Zitrone und einer Apfelsine. 100 Gramm Zucker, etwas Zimt und Nelkenblüten bringt man bis kurz vor's Kochen, fügt dann einen Eßlöffel Rum oder Arrak und den Saft einer Zitrone hinzu und gießt das Ganze durch ein feines Sieb oder Tuch. Teepunsch. Eine Flasche Weißwein, 175 Gramm Zucker, die Schale einer halben Zitrone bringt man zum Kochen und fügt darauf einen halben Liter heißen Tee, den Saft einer halben Zitrone und nach Geschmack etwas Rum oder Arrak hinzu. Eierpunsch. Eine Flasche Weißwein, 9 ganze Eier, eine Stange Vanille, Zucker nach Belieben werden mit dem Schneeschläger so lange über dem Feuer geschlagen, bis es eine dicke. schaumige Masse gibt, die unter keinen Umständen kochen darf, da sie sonst gerinnt. Der Punzch wird, nachdem ein Eßlössel Rum oder Arrak hinzugefügt ist, sofort serviert. Man reicht hierzu Waffeln oder ein ganz leichtes Teegebäck. Silvesterkrapfen. Ein Pfund Mehl, 3 Eier, 100 Gramm Butter, 50 Gramm Zucker, 25—80 Gramm Hefe, etwas Milch. Zur Füllung: Pflaumenmus oder Marmelade. Man bereitet von 250 Gramm Mehl, der Hefe und etwas Milch ein Hefenstück und läßt es an warmer Stelle aufgehen. Dann fügt man die übrigen angewärmten Zutaten hinzu. wenn nötig, noch soviel Milch, daß sich der Teig ausrollen läßt. Mit einem Weinglas werden runde Blättchen ausgestochen, in deren Mitte man die Füllung legt. Nachdem die Ränder mit Eiweiß bestrichen sind, deckt man ein anDeres Blättchen darüber und drückt die Ränder fest. Die Krapfen müssen noch einmal aufgehen und werden in heißem Fett oder Palmin goldgelb gebacken und mit Zucker bestreut. Kaltteigkrapfen. 6 Eier, ein halb Liter Milch. ein viertel Pfund zerlassene Butter, ein halb Pfund Zucker, zwei knappe Eßlössel Num oder Arrak, etwas Vanille. Diese Zutaten werden gut verrührt, dann fügt man so viel Mehl hinzu, bis der Teig die nötige Festigkeit zum Ausrollen hat. Man sticht mit einem kleinen Glase Krapfen aus oder rädert längliche Vierecke und backt sie in Fett hellbraun. Krausgebackenes. 250 Gramm Mehl. 200 Gramm Butter, 3 Eier, 250 Gramm Zucker, etwas abgeriebene Zitronenschale werden zu einem Teig vermengt, der ganz dünn ausgerollt wird. Man schneidet mit dem Rädchen etwa 3 Finger breite Streisen und schlitzt sie in der Mitte ebenfalls mit dem Rädchen auf Nachdem es in schwimmendem Fett gebocker ist, legt man das kleine Gebäck auf Löschpäpie zum Abtropfen und bestreut es mit Zucker. Verantwortlich H. Semmelmann. Altena Druck und Versag: C. Santz, Altena.