5R SS K Praden4 5 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 42 Altena, den 18. November 1930 Sind wir Frauen von heute glücklich? Es ist eine harte Gewissensfrage, die den Frauen von heute gestellt wird: ob sie glücklich sind. Darin ist schon der Zusatz enthalten, der Vergleich: glücklicher als früher. Die Selbständigkeit, die die Frauen allmählich und unter vielen Mühen ihrer Vorkämpferinnen erworben haben, ist wohl bestimmend für die Beantwortung einer solchen Frage. Die wirklich selbständigen Naturen unter den Frauen, doch nicht unbedingt in der Mehrzahl, sind sicher glücklicher geworden durch das Geschenk der größeren Bewegungsfreiheit, denn nichts ist schlimmer für sie als Abhängigkeit in irgend einem Sinne. Aber die anderen? Für sie ist es ein Vorteil, wenn sie jung, ein Nachteil, wenn sie älter sind. Die Jungen besitzen durch ihre Selbständigkeit eine Attraktion mehr, sie haben Mann und Heirat nicht nötig. das gibt ihnen eine große Ueberlegenheit. Diese Ueberlegenheit ist ein Panzer gegen seelisches Erleben und Kummer, die früher die Frauen oft untauglich zum Leben machten. Heute sind sie nicht mehr so leicht zu verletzen, denn ihre Beschäftigung läßt den Luxus des Leidens. des Versenkens in das Leid gar nicht zu. Und eine beschäftigte Frau wird vom Mann meist begehrter sein, als eine unbeschäftigte, weil sie sich nicht in unangenehmer Weise in sein Leden und seine Ideen einzumischen versucht. Sie hat ihr Leben für sich, und bedeutet daher keine Last für ihn. Für die ältere Frau ist das Alleinstehen nicht so glückbringend, der Beruf verbraucht den weiblichen Organismus schnell und läßt ihm nicht die nötige Ruhe. Sie sehnt sich nach einem Heim, nach einer Versorgung, und das kommt ihr jetzt nicht mehr selbstverständlich zu. Eine ältere Frau im Beruf gehört zu der alltäglichen Tragik unserer Zeit, es ist eine unnatürliche und grausame Zeiterscheinung. Die Konstitution der Frau ist zu hart, um auf die Dauer den Verlust an Nervenkraft ersetzen zu können. Diese Frauen sind sicher nicht glücklich. Aber ein anderer Typ erhält heute seine volle Befriedigung, das ist die spielerische Frau. Wie ein Kind, das lauter erwünschtes Spielzeug zu Weihnachten bekommen hat, lernt sie Autofahren, sie lernt Fliegen und Schneeschuhlaufen und allein ausgehen und Zigaretten rauchen und— eben alles, was ihr früher streng verboten gewesen wäre. Sie nutzt den Reiz der Oeffentlichkeit bis zum letzken aus, denn sie braucht sie nicht zu fürchten, die Oeffentlichkeit steht auf ihrer Seite. Wir können also annehmen, daß sie glücklich ist. Oda Schäfer. Die Frau sieht so verändert aus! Der Photograph findet sie ernster.— Ein junger Zeichner erklärt sie als„ungewöhnlich alt“.— Der ältere Maler meint: Reifer, abwechslungsreicher, fesselnder.— Das Puppengesicht verschwindet.— Unsere Frauen und die der Renaissance. Von Franz Hegeler. Der Sport und die neue Zeit sind nicht spurlos an den Frauen von heute vorbeigegangen. Das Puppengesicht, das einst so typisch für die Frau war—„einst“ heißt in diesem Falle: vor rund zwanzig Jahren!— verschwindet. Es wird nur noch wenig getragen und ist nicht einmal mehr im Film beliebt. Die Frische und Herbheit des Gesichtes einer Henny Porten wurden in Deutschland schon seit langem der Puppigkeit und Süße der Mary Pickford, Lilian Harvey und so weiter vorgezogen. Das Ueberwiegen der Amerikanerinnen— die nebenbei, so weit sie etwas können, sich immer wieder als Europäerinnen erweisen— bei der Darstellung der puppigen Frau zeigt schlaglichtartig, daß die sogenannte alte Welt der sich als„neu" betonenden schon wieder um ein vaar Nasenlängen in der Entwicklung voraufeilt; auch in der Entwicklung eines neuen Gesichtes der Frau. Greta Garbo ist dafür eine der Verkörperungen, des Neuen, die uns besser gefällt als den Amerikanern, weil sie uns mehr sagt, mehr von unserer Zeit zu erzählen weiß. Dazu rechnen wir natürlich nicht oder nicht vorwiegend den Zustand, der mit dem lächerlichen Begriff„Vamp“ verbunden wird. Dieses Wort klingt zwar für viele Ohren betörend, enthält in Wirklichkeit doch aber gar nichts Neues, abgesehen wenigstens von seiner Verwendungsfähigkeit für eine mystische Reklame, die auch als echtes Zeugnis unserer Zeit gewertet werden kann. Das Interessante an dem neuen Gesicht der Frau von heute ist nicht das allbekannte Vamphafte, das wir bei nicht gerade seltenen Erscheinungen der letzten Jahre als das Ewig=Unweibliche in den eindeutigsten Formen zu sehen bekamen, sondern das wirklich Neue. Wenn man sich darüber eine Meinung bilden will, darf man sich nicht nur auf sich selbst verlassen, sondern ist genötigt, sich an berufsmäßige Beurteiler des Frauengesichts zu wenden, also an erfolgreiche Photographen, Zeichner und Maler. Ihre Lebensaufgabe besteht in der wirkungsvollen Festhaltung oder Ausdeutung des Frauengesichts, und eine Umfrage bei ihnen ergibt überzeugend, daß sie sich über das neue Gesicht der Frau auch schon Gedanken gemacht haben. „Es ist nicht mehr so einfach wie noch vor zwanzig Jahren, ein Frauengesicht auf der photographischen Platte festzuhalten,“ erklärte in diesem Zusamenhang ein erfahrener Photograph.„Früher hatten wir nicht einmal nötig, den Frauen, die wir aufnahmen, das schon berüchtigte Wort zuzurufen:„Bitte recht freundlich!“ Sagen Sie heute jedoch einmal zu einer Frau, die wochentags ein großes Büro leitet, sich als verantwortungsbewußte Buchhalterin betätigt, an der Schreibmaschine sitzt oder das laufende Band in einer Maschinenfabrik beaufsichtigt:„Bitte recht freundlich!" Dann werden Sie finden, daß Sie sich unbeliebt machen und daß die Frau nun erst recht ernst ausschaut. Die Aufforderung, freundlich zu sein, wirkt auf sie verletzend, ruft sogar Gegenströme wach, befestigt die Vorstellung: Wer mich nicht so ernst haben will, wie ich bin, braucht mich nicht anzusehen. Tamit soll natürlich nicht gesagt sein, daß die Frauen unfreundlich wären. Aber das richtige, so recht liebenswürdige, leckere Photographengesicht von früher haben sie nicht Ein junger Zeichner, der vielleicht die Frauen von früher doch nicht so genau gekannt hat, fand die Frau von heute„ungewöhnlich alt“. Dabei bestritt er keinen Augenblick, daß die Frau jetzt dank dem Sport und der Gymnastik auch in den Jahrgängen, deren Alter man in Zahlen nicht mehr genau anzugeben pflegt, über eine körperliche Geschmeidigkeit und Frische verfügt, wie keine Frauengeneration vor der gegenwärtigen.„Es ist aber so schwer, in wenigen Strichen das Gesicht dieser Frau von heute zu treffen. Wie rasch sind meine Kollegen vor zwanzig Jahren mit so einem Backfisch fertig geworden! So etwas gibt es doch heute gar nicht mehr!“ rief er beinahe verzweifelt aus. Ein beliebter Porträtmaler, dem dieser Vorgang erzählt wurde, lachte heraus:„Freilich ist es schwerer geworden, das Frauengesicht von heute mit dem Zeichenstift oder dem Pinsel festzuhalten. Es macht uns viel mehr zu schaffen; denn— es ist viel mehr darin als früher. Wir Maler lesen in ihm den Kampf ums Dasein, die Häßlichkeiten, Enttäuschungen, Bitternisse der Zeit, in der wir leben müssen. Die wunderbare Fertigkeit der Frauen in der Handhabung aller kosmetischen Mittel für die Beseitigung dieser Spuren kann uns Maler nicht täuschen. Was die Gesichtsemaille und die mancherlei Farbstifte überdecken, sehen wir ja doch im Mienenspiel der Frau und lesen es in ihren Augen. Wenn mein junger Kollege meinte, daß die Frauen„älter aussehen", dann muß ich das nuancenreicher ausdrücken; denn ich handhabe ja nicht bloß den Stift, sondern die farbenreiche Palette. Also sage ich: Vielleicht älter, weil sie reifer wirken und tatsächlich gereifter sind. Aber dennoch jugendlich. Rascher„alt“ im Sinne vom Abstreifen des Kindhaften! Aber wahrlich eisern jung! Nie war das Gesicht der Frau so abwechslungsreich wie heute. Ein rasches, rauschendes, mächtiges Leben, eben das Leben unserer Zeit liegt darin. Jetzt werde ich etwas besonders Kluges oder besonders Dummes sagen! Mir sagt das Frauengesicht von heute soviel, nein, mehr als das der Frauen der Renaissance. Damit möchte ich sie noch am ehesten vergleichen. Auch damals war eine wilde und doch eine schöne Zeit mit einem stählernen Stirb oder Werde! Pest, Massenpsychosen, grauenhafter Untergang und doch Entdeckungen, Erfindungen, umstürzendes Neues, Kampf und Leben. Das leuchtet aus den Augen, wirbelt aus den Mienen der Frauen der Renaissance hervor. Darf man das nicht auch von der Frau von heute sagen? Ihr Gesicht ist nicht leer, sondern fesselnd. Sie zu malen bedeutet niemals Langeweile, sondern immer wieder neues Erleben.“ So schwärmte der Maler. Und nun fehlte nur noch, daß eine Frau dazu lächelt. Wenn sie es täte, würden sich uns dann nicht die Rätsel des Lächelns der Gioconda Leonardos entschleiern? Männer sind wie Automobile. Mit dem schnell dahinsausenden Zeitalter des Automobils haben viele Ehemänner leider auch einige Eigenschaften der Kraftwagen übernommen: Nach zwei, drei Jahren werden sie unzuverlässig und schwerfällig. In der Lenkung ist viel toter Gang und allzu oft muß die Frau die Bremsen nachziehen. Die Kolbenringe der Seele werden undicht vom Herzen aus springt mancher Funke auf andere Wegebenutzerinnen über, was die Ehefrau nicht ohne Unrecht als Fehlzündung abHaben früher beim Anblick der Geliebten seine Augen als Scheinwerfer vorschriftsmäßig Im neuen Daheim(67. Jahrgang. Nr. 7) schildert Paul Oskar Höcker eine„Sonntagsfahrt mit dem Zeppelin". A. W. Silgradt behandelt die schwierige Lage der Weltwirtschaftskrise. P. E. von Studnitz erzählt von Steuben, dem Exerziermeister Altamerikas, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird Der Tierfreund findet eine sehr interessante Untersuchung der Laut= und Gebärdensprache der Tiere. Wort und Bild schildern alte deutsche Volkstrachten. Das Frauendaheim gibt wertvolle modische und hauswirtschaftliche Winke, beschäftigt sich mit dem Berufsproblem der Bankbeamtin. Einem spannenden Abschnitt des neuen großen Sportromans„Felie geht über die Bahn“ von Lotte Braun folgt die abgeschlossene heitere Novelle„Tobby wird geheiratet“ von Charlotte Ursina. Die Wochenschau zeigt u. a. Bilder aus dem Hochwassergebiet der Oder. Rätsel, eine ganzseitige schöne Kunstbeilage, die selbständige Jugendzeitschrift des Daheim: die vergnügliche„Arche Noah“, Büchertisch und der Anzeiger mit seiner bekannten Stellenvermittlung erweitern den reichlichen Inhalt des — ###BRRRRERRRES E 3 S 85 S 5 ### S51 8866 Arme Evelyn Nach einer wahren Begebenheit erzählt von Frieda Wildt-Goßmann „Bill!“ Frau Brown riß die Tür zum Zimmer ihres Mannes weit auf. Ihre Augen blickten wild umher.„Ich habe Tuberkelbazillen in mir!". Die letzten Worte kamen stoßweise. Evelyn Brown sank in einen Sessel, unfähig weiter zu reden. Billy fuhr erschreckt aus seinem Schaukelstuhl in die Höhe.„Was sagst Du da, Kind? Du redest im Fieder. Tuberkelbazillen? Komm zu mir, Evelyn, erkläre!“ „Ach, Billy, ich machte Besorgungen in der Stadt, dann ging ich zu Lawrence, um das geliehene Buch zurück zu bringen. Seine Haushälterin, die alte Doris, sagte, er wäre verreist. Ich fragte, wann Herr Lawrence wieder käme. Darauf meinte sie, er bliebe wohl länger als ein Jahr weg, eine Reise nach Europa! Ich war natürlich sehr erstaunt, daß er uns nichts davon gesagt hatte. Und denke Dir, Billy, dann erwähnte sie so nebenbei: Kurz vor seiner Abreise wäre sein berühmter Onkel, Professor White aus St. Franzisko dagewesen, der Spezialist für innere Krankheiten. Doris behauptet gehört zu haben, wie der Doktor zu Lawrence sagte:„Na, alter Junge, jetzt habe ich Dich mal genau unterucht. Du bist sehr tuberkulös. Viel Glück auf die Erhdlungsreise: es wird Dir gut tun, mal ius diesem Kanada heraus zu kommen!“ Du kannst Dir denken, Billy, ich warf das Buch hin und lief wie gejagt die Treppe herinter.— Doris starrte mir wortlos nach. Ich weiß nicht, wie ich es fertig brachte, mich sofort in eine Droschke zu setzen. Es ist furchtbar!— Ich werde ein Lysoformbad nehmen. Meine Kleider, die ganze Wohnung werden wir desinfizieren lassen!" Evelyn rief die Desinfektionsanstalt an. Billy ging währenddessen ganz verstört auf uind ab. Das bisher so friedliche Familienleben schien dahin.— Tuberkelbazillen! Seine Evelyn! Durch ein Buch von Lawrence! Der sah doch so gesund aus, als er ihm zuletzt begegnete! Sein Gedankengang wurde unterbrochen, ils seine Tochter Phyllis, ein blonder, strahender Backfisch, den Kopf durch die Tür teckte.„Pa, wo ist denn Mammi? Ah, vereih'!“ Sie sah, daß ihre Mutter aufgeregt ins Telephon sprach.. gistarte Gill.. „Still, mein Kind“, flusterte Billy Brown. „Deine Mutter ist in großer Angst. Sie wird Dir den Grund gleich selbst sagen.“ Evelyn legte mit hartem Ruck den Hörer auf:„Phyllis, geliebtes Kind, komm nicht in neine Nähe! Ich kann Dir keine Hand geben — ich bin infiziert! Denke Dir, Mr. Lawrence dessen Buch ich so lange im Hause hatte, ist tuberkulös! Er fährt jetzt nach Europa, um Heilung zu suchen. Nun muß unsere ganze Wohnung desinfiziert werden!" Phyllis schmiegte sich an ihren Vater.„Pa, ist das wirklich so schlimm?— Wann essen wir denn heute zu Abend?“ „Schäme Dich, wie kannst Du jetzt an Abendessen denken!! Es geht um das Leben Deiner Mutter." Bleich, mit nervös flackernoen Augen stürzte Evelyn Brown aus dem Zimmer. Billy nahm seine Tochter auf den Schoß. „Phyllis, Liebling, ich glaube, Mutter sieht zu schwarz. Ich werde jetzt gleich unseren guten Dr. Tompson anrufen und ihn bitten, herzukommen. Er muß Mutter beruhigen.“ Eine Stunde später kam Dr. Tompson. „Dem Himmel sei Dank, daß Sie da sind, Doktor. Meine Frau ist in einem schrecklichen Zustand. Gehen Sie bitte gleich zu ihr!“ Dr. Tompson ging zu Evelyn. Billy nahm währenddessen einen heimlichen Schluck Whisky in seiner Bibliothek. Er war unglücklich, ratlos. Endlich kam Dr. Tompson wieder zu ihm. „Eine verflixte Sache, Herr Brown! Ihre Frau ist fest überzeugt, sich infiziert zu haben, weil sie das Buch von Herrn Lawrence in der Hand hatte. Uebrigens bin ich sehr überrascht zu hören, daß Lawrence tuberkulös sein soll. Allerdings kannte ich ihn kaum, aber er machte mir einen sehr gesunden Eindruck. Doch wenn Professor White es gesagt hat, ist natürlich nicht daran zu zweifeln. Indes glaube ich persönlich nicht, daß ihre Frau nun gleichfalls krank ist, weil sie einige Wochen in seinem Buche gelesen hat. Mein Rat geht dahin: Ihre Gattin muß noch ein Kind bekommen! Das ist für die Gesundheit sehr förderlich; außerdem wird es ihre Gedanken von der Tuberkulose ablenken.“ „Haben Sie das meiner Frau gesagt?“ fragte Billy gespannt. „Gewiß, ich habe es ihr dringend anempfohlen. Sie ist noch jung genug dazu. Sie sollen sehen, Herr Brown, das wird sie heilen. Sonst liegt die Gefahr nahe, daß diese Tuberkelangst in Psychose ausartet.“ Billy Brown war erschüttert; er wischte seine feucht gewordene Stirn ab, nahm einen Schluck aus der Whiskyflasche und ging zu seiner Frau.—— Ein Jahr verging. Im Hause Brown war ein kräftiger, gesunder Junge angekommen, zur großen Freude von Herrn Brown und seiner Tochter Phyllis, während Frau Evelyn selber ihres Glückes nicht froh wurde, weil die Tuberkelangst trotz alledem nicht von ihr wich. Browns lebten sehr zurückgezogen, denn Evelyn gab niemandem mehr die Hand. Das Familienleben war so ungemütlich wie möglich Billy wurde melancholisch. Es zog ihn mehr und mehr zur Whiskyflasche. Eines Tages hörte er von einem Arzt, der sich erst kürzlich in der Stadt niedergelassen hatte; er wurde sehr gerühmt. Billy ließ ihn sofort kommen... Aues 2 Dr. Barkley erschien. range redete er mit Frau Brown; zdann sagte er zu Billy:„Ihre Gattin, verehrter Herr Baron, kann nicht gesund werden, solange sie noch ihre Zähne im Munde hat. Die Zähne sind die'irsache alles Uebels, sie werden unmerklich schlecht. Meistens fängt es an der Wurzel an, und dann vergiften sie das ganze Blut. Also lassen Sie Ihrer Gattin die Zähne ausziehen! Sie wird dann gesund sein wie ein Fisch im Wasser.“ „So, so“, antwortete Billy.„mir ganz neu, diese Methode. Nun gut, Evelyn soll ihre Zähne opfern, wenn sie nur gesund wird.“ Am nächsten Tage wurden Evelyn Browns alle ihre schönen Zähne ausgestoßen. Billy aber wartete hofnungsvoll und ergeden auf den Erfolg. Und der blieb aus! Evelyn bekam ein schönes, gut sitzendes Gebiß, die Tuberkelangst beherrschte sie jedoch nach wie vor. Sie ging nur allein aus, wechselte die Kleidung, wenn sie ins Haus kam. Das getragene Kleid kam sofort ins Lysoformwasser. Das ganze Haus roch unerträglich nach Desinfektion. Die Türklinken faßte Evelon nur noch mit einer Stahlzange an... Das Familienleben war zerstört, Billy Brown der Verzweiflung nahe. Es wurde Sommer seit dem verhängnisvollen Tag zum zweiten Mal. Da— zur Besuchsstunde— brachte das Mädchen eine Visitenkarte herein:„Allan Lawrence". Billy sprang auf, sprachlos! Lawrence kam ihm braun gebrannt, freudestrahlend entgegen:„Hallo, da bin ich, soeben von Europa zurück!“ Billy schnappte nach Luft:„Aber— wie? — Um Gotteswillen! Sie sind doch tuberkulös! Haben Sie in Europa Heilung gefunden?“ Lawrence fiel in den Schaukelstuhl und lachte. Billy dachte, er höre nie mehr auf.„Ich tuberkulös? Lieber Brohn, wer hat Ihnen das Schauermärchen aufgebunden?"" Ueber Billys Antlitz ging ein Leuchten.„So ist es wirklich nicht wahr? Ihre Haushälterin erzählte es meiner Frau damals gleich nach Ihrer Abreise, als sie Ihnen Ihr Buch zurückbrachte. Seitdem ist Evelyn fest davon überzeugt, Tuberkelbazillen zu haben. Wir haben Furchtbares mit ihr durchgemacht. Ihre alte Doris wollte gehört haben, daß Ihr Onkel, Professor White, zu Ihnen gesagt hätte: Ich habe Dich gründlich untersucht, Du bist sehr tuberkulös, mein Junge!“ Ms Lawrence schlug sich aufs Knie.„Muskulos, mein Bester, hat er gesagt, muskulös. Fühlen Sie mal! Doris, mein Hausgeist, steht mit den Fremdwörtern auf Kriegsfuß und ist außerdem schwerhörig.“ Billy hörte nicht mehr, er stürzte zu Evelyn, — ein jubelnder Schrei... Stille! gestrahlt, so ist jetzt eine überflüssige Abblendung wahrzunehmen. Ja, es kommt vor, daß selbst in der Dunkelheit, die er früher suchte, die glimmende Dauerzigarre die einzige Lichtquelle ist, die er in Deiner Nähe unterhält. Glaube mir, liebe Schwester, auch in Aeußerlichkeiten erkennst Du nicht nur den neuen Wagen, sondern auch den neuen Mann. Wie blank geputzt, fast möchte ich sagen: frisch geölt und fahrbereit trat er Dir einstens immer entgegen. Da genügte der geringste Druck auf den Anlasser, und immer war er bereit. mit Dir auszugehen und Dich, was das Wichtigste ist, überall zu zeigen. Heute hält es schwer, ihn aus der Garage zu bekommen. Du mußt schon viel Mühe anwenden, um ihn anzukurbeln. Und hast Du ihn so weit, daß er mit Dir geht, verliert er nach wenigen Stunden schon die Lust, und Du merkst Schaffende Frauen überall! Wir sind gewöhnt, sie nicht nur im Haushalt, sondern in kraftvollem Wirken auf allen Gebieten zu finden.z. B. in der Seelsorge, Politik, Rechts= und Staatswissenschaft, Chemie, Medizin, Schule, im genau, daß ihm entweder der Brennstoff ausgegangen ist, oder daß er nur so tut. Und schau Dir nur seine Lackierung an. Da zeigen sich schon manche Nachlässigkeiten, Sprünge und Risse. Du bemerkst zu Deinem Schrecken, daß er sich nicht einmal mehr rasiert, wenn er einen Tag mal zu Hause bleibt. Auch seine Hupenzeichen haben sich gewandelt. Hatte er Dich früher durch harmonische Rufe auf sich aufmerksam gemacht oder Dich herbeigelockt, so klingt es heute kurz und manchmal sogar schrill, wenn er sich in irgend einer Form bemerkbar macht. Und kommst Du nicht gleich, so mußt Du erfahren, daß die Hupe mißtönig und in einer sich steigernden Lautstärke erklingt. Weißt Du noch, wie er zart und bedächtig schaltete, wie er leise seinen Arm um Dich legte, wenn er Dich in einen anderen Gang bringen wollte? Heute gibt er sich kaum noch die Mühe, auszukuppeln und Deine Nerven knirschen wie die Zahnräder des Getriebes bei schlechter Schaltung. Eines noch wirst Du seufzend erkennen: Früher war der Wagen immer schon bezahlt. Heute aber laufen Automobile und Liebe auf Wechsel. aber laufen Automobile und Liebe auf Sport u. v. a. Mit 52 Bildnissen und kurzen Und Du weißr selber, wieviele nicht eingelöst verbindenden Texten berichtet der BeyerKalender„Frauen=Schaffen 1931“ über zahlreiche Führerinnen, deren Tätigkeit und Erfolge. In seiner vornehmen Aufmachung ist er die Zierde jedes Damen=Schreibtisches und ein überall willkommenes Geschenk. Für nur Mark durch jede Buchhandlung zu beziehen, wo nicht, wende man sich an den Verlag Otto Beyer, Leipzig, Weststraße 72. London schafft eine Haremsmode. Die englischen Schneider sind wütend, daß sie jetzt wieder der Pariser Mode der langen Röcke folgen sollen.„Sie sind lang, aber viel zu eng, diese Kleider, welche die Frauen zu Gefangenen machen“, äußerte ein Meister der Schere. Dann ließ er sich Unmengen herrlichen Stoffes auf den Tisch legen und entwarf eine Mode sehr weiter, flatternder und fliegender Röcke, die aber so gerafft sind, daß sie nicht schleppen. Sie schmiegen sich vielmehr wie Ueber=Oxfordhosen an den Körper der Trägerin an. Wenn sie sich darin bewegt, pressen sie sich an die Schenkel und lüften sich wieder bauschend wie riesenhafte Beinkleider. Das soll nun besonders schön sein. Auf jeden Fall gehört ungeheuer viel Stoff dazu. Dennoch aber hüte Dich, Dir noch einen zweiten Wagen anzuschaffen. Denn der zweite Wagen in der Ehe bringt Euch auf Wege, die auseinander laufen, und die sich meistens nur noch, auf kurze Zeit, in der Scheidungskammer treffen. 2t.Vor 2000 Jahren Tonfilm in China? Das „Reich der Mitte“, ist nicht nur Geburtsstätte von Kompaß, Papier und Schießpulver. Man hat dort vor etwa zweitausend Jahren auch bereits Bewegungsbilder, und zwar farbige Ton= und Sprechbilder, gekannt, die in der Wirkung den modernen Tonfilmen durchaus ähnlich waren. Das„Wie“ ist im neuen„Sport im Bild“ sehr amüsant in Bild und Wort dargestellt. Auch im übrigen Inhalt hat„Sport im Bild“ wieder vielerlei Besonderes zu bieten. Prinz Liechtenstein schreibt über das fürstliche Majoratspalais in Wien, Hermann Hesse veröffentlicht ein neues Gedicht:„Einsamkeit“, Pul Eipper, Robert Neumann, Maré Stahl u. a. setzen die Liste der hochqualifizierten Mitarbeiter fort. Die Mode nimmt breiten Raum ein. — Ein Heft für Feierstunden.