32 * 25 bein Randern verrohen oder eure Autoriiht mißachten lernen. Glaubt aber auch nicht, daß ihr genug getan gehabt, wenn ihr sie einfach hinausschickt. Mit der Erlaubnis zum Wandern beginnt eure Verantwortung: Prüft den oher etwas taugt, seht euch, wenn irgend moglich, mit euren Kindern auf einer Karte den Weg an, und besprecht mit ihnen, ob er ihren Kräften auch angemessen ist, drückt ihnen nicht einsach Geld in die Hand, sondern sorgt für eine einfache aber praktische Ausrüstung, und gebt vor allem Gelegenheit zum Sparen, zum Selbstbeschaffen aller Gegenstände denn das schafft beseelte Freude und ein wertvolles Verhältnis zu den Dingen und ihrer Pflege. Laßt die ganze Familie an den Vorbereitungen teilnehmen und betrachtet sie nicht nur als lästige Unruhe und Aufregung. Glaubt ihr nicht, daß diese Gemeinsamkeit ein Schlüfsel zum Vertrauen eurer Kinder sein kann, daß ihr ihnen damit endlich Kameraden und Freunde werden und in eure Familien einen neuen, wertvollen Geist tragen könnt?— Sorge und Mühe eurer Erziehung und Pflege wird euch gelohnt durch die Möglichkeit ständiger Verjüngung, Frische und Erlebnisfreude. Denn, was die Jungen und Mädel draußen erleben, was sie sich erwandern und ersingen, das füllt auch euch die Wohnungen und Herzen mit Licht und neuen Kräften! Darum fördert das Wandern der Jugend und das Jugendherbergswerk, das durch sein Netz traulicher Raststätten den Jugendlichen eine Fülle von Freude und innerer Bereicherung bringt! Hilde Conrad. 12.— Für die Küche Kirschenzeit. Kirschsuppe: 1 Pfund Kirschen in 1½ Liter Wasser mit ½ Zitronenschale, etwas Zimt, etwas Salz und Zucker, nach Geschmack, weichgekocht. Man bindet die Suppe mit Kartoffelmehl oder Mondamin. Kirschgericht: Gewaschene Kirschen werden entkernt und mit Zucker und abgeriebener Zitronenschale überstreut. Man bereitet einen Teig aus Mehl— das Quantum richtet sich nach der Größe der Tortenform—, Zucker, reichlich Butter, 1—3 ganzen Eiern und vermengt ihn mit geriebenen füßen Mandeln. Dann rollt man ihn aus, schneidet zwei Platten nach der Form und belegt mit den Resten den Formrand. Die Kirschen legt man nun auf die eine Platte und deckt sie mit der anderen zu. Um eine gleichmäßige Bräune zu erzielen, bestreicht man den Teig mit einem in Wasser verquirlten Ei oder legt Butterstückchen auf. In einem nicht zu heißen Ofen läßt man das Gericht ¼ Stunden backen. Damit der Tortenrand sich zum Anrichten gut ablöst, fettet man ihn gut vorher ein und bestreut ihn mit Grieß oder geriebener Semmel. Man gibt zu der Speise Kirsch=, Vanille= oder Chaudeausoße. Kirschtorten: 350 Gramm Mehl, 125 Gramm Butter, Zucher, etwas Milch, 1 Ei und ½ Backpulver werden durchgeknetet und zu einer Tortenplatte ausgewalkt. Die entkernten Kirschen werden heraufgelegt, nachdem man sie zuvor gesüßt und mit etwas Rum gemengt hat. Statt Backpulver hann auch Hefe genom men werden. Man rechnet auf 500 Gramm Mehl 50 Gramm Hefe. Mehl, Eier abgeriebene Zitronenschale, Salz, etwas Zucker, das Hefestück und nach und nach die angewärmte Milch, zuletzt die Butter. werden gut durchgearbeitet. Auf das vorbereitete Blech streicht man den Teig aus und stellt ihn zum Aufgehen an einen warmen Ort. Dann erst belegt man ihn mit den Kirschen, gießt geschmolzene Butter darüber und backt den Blechkuchen in ca. 30 Minuten. 250 Gramm Grieß, 150 Gramm Mehl, 200 Gramm Zucker, Salz, Zitronensaft und ½ Backpulver werden vermengt, mit 1 ganzen Ei, 125 Gramm Butter und Milch. nach Bedarf, zu einem dicken Teig gerührt. In eine vorbereitete Tortenform schüttet man den Teig und legt die Kirschen auf. Backzeit etwa ¾ Stunden. ose. Der Universalfisch Das Daheim ist seit einiger Zeit bestrebt, den Leserinnen durch besondere Rezepte die alltäg. lichen Nahrungsmittel schmackhafter zu machen. In seiner neuesten Nummer(66. Ihrg. nimmt es sich den Hering vor und gibt so seren Leserinnen weitergeben möchten, ist doch gerade in unserer geldknappen Zeit der Hering besonders„küchenreif", da er nahrhaft und billig ist. Also versuchen wir einmal laut Daheimrezept Kartoffel und Heringe so zu kochen, daß wir geschälte Kartoffel in einen eisernen Topf schütten und gewässerte ausgenommene Salzheringe obendrauf legen. Kaltes Wasser muß alles bedecken. Den Topf schließen wir fest und lassen sanft ziehen, bis die Kartoffeln gar sind. Die Schotten kennen auch unsere Heringsfilets in Essig, sie wässern die Salzheringe, lösen das Fleisch ab, schneiden es in Riemen legen es in einen irdenen Topf mit Zwiebelringen und Pfeffer; aber ehe sie den Essig darauf gießen, zuckern sie die Heringe mit Naturzucker(Farin) ein. Sie erreichen damit sparsamer eine ähnliche Wirkung, als wir mit dem Einlegen in Sahne. Ferner haben sie gebackene Rollmöpse aus ausgegräteten frischen Heringen hergestellt. Die gesäuberten Fische werden vom Schwanz aufwärts mit der Innenseite nach außen gerollt, dann in einer Kasserolle Seite an Seite gelegt und flach mit einer Marinade aus verdünntem Essig, Pfefferkorn, Gewürznelke und Lorbeerblatt und Salz nur gerade bedeckt. Im Küchenwunder läßt man das Gericht schmoren, bis die Fische ganz durch sind. Streut man Käse und Butterflocken rechtzeitig nach, so erzielt man eine Kruste. Von den Holländern stammen die märchenhaft milden, fetten, junafräulichen Matjesheringe; Herr Wilhelm Beukels, der das Kaaken (Ausnehmen und Entkiemen der Heringe) erfunden haben soll, war Holländer, also versuchen wir es einmal mit einem flämischen Hering. Das heißt, es müssen mehrere sein, denn wir brauchen mehrere Heringsmilcher. Der Salzfisch wird mit einer Farce von Kräutern und der Milch gefüllt, in Eigelb getaucht, paniert und kurz gebraten. Zur Garnierung verwenden wir, wenn wir üppig sein wollen, Champignons.— Wir möchten die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne darauf hinzuweisen, daß Hausfrauen in jedem Heft des Daheim praktische Ratschläge allerart finden, in dieser Nr. 38 g B. noch Winke, wie sich mit wenig Mühe Sommerkleidung 1929 in Mode 1930 wandeln läßt. warf ihm einige treffende Beinertungen an den Kopf. John blieb die Antwort nicht schuldig. war aber höchst erstaunt, als die tief beleidigte junge Dame plötzlich ins Wasser sprang. So weit, daß er seine Gegnerin zum Selbstmord veranlaßte, hatte John seine Unhöflichkeit nicht treiben wollen. Von Gewissensbissen geplagt, setzte Decars hinter ihr her und rettete sie. Im Krankenhaus, wo er sich angelegentlich nach dem Befinden seines Opfers erkundigte, entdeckten beide Beteiligten, daß der Gegner doch nicht so übel war, wie es auf den ersten Streit hin hatte scheinen wollen, und das Ende dieses etwas aufregenden Abenteuers war, daß John die Empfindsame nach der Entlassung als Gattin entführte. Das Ehejahr des Essens. Vor etwa Jahresfrist wurde für die Ehe auf Probe als letzte Errungenschaft des modernen Gesellschaftsleben vor allem drüben jenseits des großen Teiches laute Propaganda gemacht. Jetzt stellt sich heraus, daß diese angeblich allerneueste Form des Ehelebens bereits auf das ehrwürdige Alter von vier Jahrtausenden herabblicken kann, denn sie bildete im alten Aegypten, wie unlängst entzifferte Inschriften und Papyri zeigen, eine wohlbekannte Einrichtung. Eine derartige Ehe, bei der eigenartigerweise die Frau stets zuerst genannt wird, wurde auf ein sogenanntes„Jahr des Essens“ geschlossen. Stellte sich alsdann heraus, daß der Bund ohne Nachkommen bleiben würde, so durfte der Mann die Frau gegen Zahlung einer vorher vereinbarten Entschädigung„entlassen“. Durch Scheidung reich geworden. Weil das Küssen ihm amtlich verboten war... Weiß der Kuckuck, was den Kommandeur der amerikanischen Marineakademie Annapolis dazu bestimmte, einen solchen Ukas vom Stapel zu lassen. Seitdem die Akademie bestand, war es üblich, daß der Beste seines Jahrgangs als Siegespreis von einem schönen Mädchen ein Sternenbanner und einen Kuß erhiletu. Letzteren natürlich nur als höchst poetischen Ausdruck der Anerkennung seitens des dankbaren Vaterlandse. Und nun verbietet der Admiral plötzlich diesen Kuß! Mit der Flaggenverleihung allein soll die Zeremonie abgetan sein. Unverständlich. Der Kuß ist doch nach Ansicht aller Beteiligten und Zuschauer das Schönste bei der ganzen Sache. Ein Sternenbanner kann man sich schließlich in jedem Geinengeschäft kaufen, aber nicht den Kuß im Namen des Vaterlandes. Doch Befehl ist Befehl, und ein noch so unverständlicher Ukas von oben herunter muß befolgt werden. So verlief die Zeremonie ein wenig kühl, weil ihr das Herzhafte zu fehlen schien. Aber dann kam der beste Kadettleutnant von Annapolis doch auf seine Kosten. Denn als die ganze Geschichte beendet war und er sein Diplom in der Tasche hatte, sagte er hoflich: „Gestatten Sie, Herr Admiral, daß ich Ihnen meine Braut vorstellen.“ Und dann holte er an den Lippen der Vertreterin des dankbaren Vaterlandes das Versäumte nach. Der Streit, der ihm eine Frau verschaffte. Ein Streit dürfte gewöhnlich nicht das gegebene Mittel zur Anbahnung einer angenehmen Bekanntschaft oder gar einer Ehe sein, womit nicht gesagt werden soll, daß letztere immer ein erfreulicher Zustand ist. John Decars aus Pittsburg hat in beiderlei Beziehungen andere Ansichten. Hätte er sich nicht kürzlich auf öffentlicher Straße mit einer jungen Dame gestritten so liefe er heute noch als Junggeselle herum und müßte auf manche Annehmlichkeiten eines jungen Ehestandes verzichten. Ging da John eines Tages in Pittsburg in der Nähe einer Brücke spazieren. Ganz unabsichtlich stieß er eine junge Dame an. John muß nicht gerade guter Laune gewesen sein, denn anstatt sich höflich zu entschuldigen, brummte er. Die Gehübsche Anweisungen, daß wir einen Teil un= kränkte nahm ihm diese Haltung recht übel und Die Ehe schien die glücklichste zu sein. Deshalb wunderten sich alle Bekannten, als kürzlich Frau O'Connor aus Oakland von ihrem Manne geschieden werden sollte.„Er hat immer etwas an mir auszusetzen oder sonst allerlei zu nörgeln". Natürlich war das ein triftiger Grund, um Frau O'Connors Ehe mit diesem Scheusal zu trennen. Frauen sind doch heute vollkomemn und brauchen sich keine Kritik gefallen zu lassen. O'Connor selbst schien ein wenig schuldbewußt zu sein, denn er erschien nicht einmal zur Verhandlung. Ein paar Wochen später aber hatten die Bekannten allen Grund, sich noch mehr zu wundern. Frau O'Connor und ihr geschiedener Gatte ließen sich in Reno, dem berühmten Heirats= und Scheidungsparadies, wieder trauen.„Warum waren sie dann erst auseinander gelaufen?" fragte man sich. Die Antwort gab Frau O'Connor selbst und lächelte dabei:„Mein Vater hat mir in seinem Testament 160000 Dollars vermacht. Ich sollte aber nur die Zinsen hiervon bekommen. Das Kapital selbst stand mir erst zu, wenn ich geschieden oder verwitwet war. Das fand ich ein wenig hart. Warum erst den Mann verlieren müssen, um das Geld zu gewinnen! Da habe ich eben dem alten Herrn ein Schninnchen geschlagen und nun besitze ich beides, das Geld und einen geliebten Mann.“ Warum Jean Pinard nicht heiraten konnte. Nun saß Jean Pinard über ein halbes Jahr hinter schwedischen Gardinen im Gefängnis von Jeaudon, und noch eine lange Reihe weiterer Monate hatte er vor sich. Und dabei wartete draußen seine getreue Madelon auf den Tag seiner Befreiung. Die beiden hatten sich schon vor langer Zeit miteinander verlobt. Jeans plötzliche Verhaftung, als er den Hochzeitswein auf nicht ganz geradem Wege hatte„besorgen“ wollen, trug die Schuld daran, daß die beiden nicht schon ein glückliches Paar waren. Aber Jean hatte sich während des halben Jahres gut geführt, und als er nun es nicht länger unbeweibt aushalten konnte und um die Erlaubnis bat, sich vom Gefängnis aus trauen lassen zu dürfen, gewährte ihm die Direktion seine Bitte. Der Tag der Hochzeit wurde festgesetzt und Madelon auf das Standesamt bestellt. In der treuen Obhut zweier Wärter begab sich der junge Bräutigam selbst dorthin, um mit der harrenden Verlobten für immer verbunden zu werden. Auf dem Rathaus war alles bereit. Nur die Braut fehlte noch. Man wartete und wartete, aber wer nicht kam, war Schön=Madelon. Immer niedergeschlagener wurde Jean Pinards Gesicht, und als nach einer Stunde die Vermißte immer noch nicht erschien, führte man ihn wieder in seine Zelle zurück. Jean war verzweifelt. Sollte seine Madelon ihm untreu geworden sein? Die auf seine Bitte eingezogenen Erkundigungen konnten ihn beruhigen: Seine Zukünftige, bei einem Warenhausdiebstahl erwischt und verhaftet, saß selbst im Kittchen. Da war sie allerdings hinreichend entschuldigt. Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: Dr. C. Santz, Altena. Pradenl Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 22 Altena, den 24. Juni 1930 Die Frau in der Industrie-Arbeit Durch die zunehmende Industrialisierung ist die Frau immer mehr von der Haus= und Handarbeit in die Fabrik gedrängt worden, teils weil die neue Erwerbsmöglichkeit lockte, oder aber von wirtschaftlicher Not dazu gezwungen. Während sie ehemals nur für sich und ihre Familie sorgte, also in engster Beziehung zu ihrer Arbeit stand, ist sie durch die Industrie mit einer mehr und mehr gesteigerten Spezialisierung, zumeist mechanischer, und ihr im Grunde gleichgültiger Arbeit gezwungen. Diese industrielle Entwicklung hat aber speziell für die Arbeiterin erhebliche Schwierigkeiten mit sich gebracht, und es ist erforderlich, daß die Frau, wenn sie den großen Anforderungen der Industriearbeit speziell in körperlicher Hinsicht gewachsen sein soll, einer besonderen Berufshygiene bedarf. Die Schädigungen, denen die Arbeiterin ausgesetzt ist, teils als Trägerin der Generation oder durch die Besonderheiten ihres Geschlechts und weil sie als Frau und Mutter ihre beste Kraft der Familie entzieht, sind mannigfacher Art. Dazu kommen die Schäden, die durch die Arbeit als solche entstehen können. Da ist zunächst die Arbeitsstätte an sich, die häufig nicht den Anforderungen entspricht, die wir in hygienischer Beziehung an sie stellen müssen.(Durch die schlechte Lage der Industrie war es leider auch solchen Arbeitgebern nicht möglich, ihre Betriebe in dieser Weise einwandfrei auszugestalten, die sonst diesen Dingen wohlwollend gegenüberstehen.) Sei es, daß die Lüftungsmöglichkeit mangelhaft, oder die Raumausnützung zu groß ist. Dann die Staubplage, die sich besonders bemerkbar macht in der Tabakindustrie und in Betrieben, in denen Wolle und Baumwolle verarbeitet werden. Die Arbeiterin sollte, falls sie in solchen Betrieben beschäftigt ist, darauf bedacht sein, ihre Freizeit möglichst im Freien zuzubringen und Spiel und Sport zu treiben. Das ist freilich leichter für die unverheiratete Arbeiterin, als für die Familienmutter, bei der die freien Stunden meist mit Hausarbeit ausgefüllt sind. Es handelt sich bei der modernen Industcie= arbeit und besonders bei den Arbeiten, zu denen die Frauen verwendet werden, vielfach nicht um Arbeiten, die direkte Kraftanstrengung erfordern, sondern um solche, die durch ihre Einseitigkeit, durch langes Verharren in derselben Stellung oder übermäßige Inanspruchnahme einzelner Muskelgruppen die Ermüdung herbeiführen. Auch hier ist für die Arbeiterin Vorsicht geboten: bei andauerndem Stehen kann es leicht zu Fuß= und Beinerkrankungen kommen. Bei Sitzen in gebückter Haltung wird der Körper nicht genügend durchblutet, und bei der jungen, noch nicht ausgewachsenen Arbeiterin liegt die Gefahr einer Wirbelsäulenverkrümmung nahe. Ganz besonders gelten diese Dinge für die schwangere Frau. Wenn es auch noch nicht einwandfrei feststeht, wieweit die Schwangere und das zu erwartende Kind von der Erwerbsarbeit ungünstig beeinflußt werden, so ist es doch als unnatürlich und für die Frau sehr erschwerend anzusehen, wenn sie, wie es oft beobachtet wurde, in den letzten Monaten der Schwangerschaft 8—9 Stunden täglich in eine Arbeit eingespannt ist, die ihr keine Rücksicht auf ihren Körper ermöglicht. Zwar besteht ja die gesetzliche Bestimmung, daß eine Frau vier Wochen vor und sechs Wochen nach der Entbindung keine Erwerbsarbeit verrichten darf. aber man erlebt es immer wieder, daß diese Frist nicht eingehalten wird. Auch die Rückwirkung der außerhäuslichen Erwerbsarbeit der Frau auf Haushalt und Familie ist beträchtlich. Ist es doch fast unmöglich. beides so miteinander zu vereinigen, daß nicht das eine oder andere zu kurz kommt. Die Industrie hat sich aber nun einmal so entwickelt, daß sie auf Frauenarbeit nicht mehr verzichten kann. Es gilt deshalb, die Fabrikarbeit für die Frau immer mehr so zu gestalten, daß sie ohne Schädigungen geleistet werden kann. Die Bestimmungen, die zum Schutz der Frau in der Gewerbeordnung erlassen sind, stellen nur ein Minimum dar gegenüber den Schwierigkeiten, die sich herausgebildet haben. Es ist deshalb Aufgabe jeder Frau, daran mitzuarbeiten, daß die Arbeitsverhältnisse der Arbeiterinnen sich bessern und auch von sich aus durch persönliche Gesundheitspflege alles zu tun, um sich trotz der schweren Arbeit gesund zu erhalten, nicht allein im eigenen Interesse, sondern auch in dem der kommenden Generation. —2— Ferien! Ferien! Veränderung ist die Würze des Lebens. Verländerung— das ist auch der Kernpunkt der Ferien. Mit der Umgebung wechselt der Mensch sein ganzes Gehaben. Nichts kann für den das Jahr hindurch in die Stadt gebannten Menschen verschiedener sein, als das saisonmäßige Leben in einem Seebadeort: Ausruhen und Nichtstun im Sande, baden in dem übergroß=unheimlichen und doch lockenden Element der Wellen, wandern ohne Ziel und Zweck, sich an den gedeckten Tisch setzen und schlafen, ohne die Weckuhr, die zur Bürozeit ruft, neben sich zu wissen. Der Ferienmensch ist so sehr dem Alltagsjoch entronnen, daß er sogar die Verkleidung, die ihm das Stadtleben aufzwingt abstreift, im Bade trikot, im Pyjama wird Rang, Stellung, Titel nivelliert. Die Maske fällt, das Ich kommt zum Vorschein... Wer in den Ferien ungetrübtes Glück, ersehnte Freiheit, nachwirkende Erholung suchen und finden will, der muß sich den Ferienfreuden ohne Hemmnis hingeben können. Es ist das Verkehrteste, sich über das Wetter zu ärgern, wenn es der Wettergott nicht gleich nach Wunsch formt. Auch verregnete Tage lassen sich in den Ferien an der See immer angenehm gestalten. Die Kurkonzerte sind da, der Lesesaal ruft zur Lektüre, man kann in den öffentlichen Vergnügungsstätten Menschenstudien machen.— Schlechtwetterzeit soll man immer als Bereitschaftszeit auffassen für Stunden, die wieder Sonnenschein bescheren. Wer sich für„jedes Wetter“ mit Kleidung eindeckt, wird bei Witterungsumschlag nie in Verlegenheit geraten. Wer wohlgelungene Ferien verleben will, muß die Kunst lernen, ein Auge zuzudrücken. Es klappt in der Ferienwohnung nicht immer„wie zu Hause", wo ja alles aufs Individuelle zugeschnitten ist. Das Bett, der Schrank, die Waschgelegenheit, das Essen—, wer sich erholen will, soll sich nicht zu strenger Kritik hingeben. Es ist eine tief im Menscheninnern verankeire gesunde Triebkraft, die ihn veranlaßt, die häusliche Bequemlichkeit mit Situationswechsel zu vertauschen. Man lernt seine ständige Umgebung nie besser kennen, als in den Ferien, fern vom Heim. Und man lernt sie dann auch erhöht schätzen. Ferien schalten die Schablone der Gewohnheit aus und setzen an ihre Stelle Erlebnisfähigkeit und lebendiges Gefühl. Wer goldene Ferienzeit restlos genießen will, muß es auch verstehen, die Brücken hinter sich abzubrechen. Nur so findet man Muße, sich auf sich selbst zu besinnen und das Heute der Ferien seinen eigenen Zweck erfüllen zu lassen. Ferienruhe verschafft man sich durch einen rechtzeitigen Kassenüberschlag. Nicht die„teuren Badepreise“ sino meist Schuld eines vorzeitigen Ferienschlusses, sondern der unterlassene Voranschlag der aufzubringenden Ferien! Ferien! Je weniger man sich, mit Ausnahme der Ewigkeitswerte der Natur, von äußeren Erlebnissen freimachen und für innere Erlebnisse bereit machen kann, desto mehr Beschaulichkeit und Innenzauber werden die Ferien bringen. Abreagieren muß der Allti mensch, dann wird er reif für den Ferienmenschen, der sich für Wochen und Tage ein neues Dasein baut, und der nichts fürchtet, als— das Ende der Ferien. K. M.=N. —2.— Zehn Gebote für die Hoteltafe Es gibt eine Technik des Reisens, und wir Frauen von heute haben gelernt, sie zu beherrschen. Die Ankunft im Hotel, die kleine Sensation des ersten Essens an der gemeinsamen Tafel, das alles ist kein Grund zur Nervosität. Die zehn Gebote für die Hoteltafel sind zeitlos und von allgemeiner Geltung. Sie sind von Weltkenntnis und gesellschaftlicher Rücksichtnahme diktiert, man befolgt sie zunächst um seiner selbst willen, erwartet aber das gleiche von seinen Tischgenossen. 1. Sei pünktlich. In großen Hotels wird auf niemand gewartet, sondern nach dem zweiten Glockenschlag serviert, und es bedeutet immer eine kleine Stockung für die anderen und eine unschöne Hast für dich, mit dem Essen nachzukommen; außerdem ist es für die Bedienung außerordentlich störend, doppelt servieren zu müssen. 2. Erscheine in korrekter Kleidung. Zum zweiten Frühstück(Mittagessen) im Promenaden= oder Sportkostüm, aber in keiner Weise verstaubt oder zerdrückt. Abends pflegt es in jedem besseren Hotel und jeder größeren Pension üblich zu sein, Toilette zu machen. Ob großes oder kleines Abendkleid, darüber sollte man sich nach der Ankunft bei der Leitung erkundigen, man wird dann keine unangenehmen Ueberraschungen erleben. 3. Bewege dich ruhig und ohne Nervosität. Häst du dich vor dem ersten Essen nicht bereits über deinen Platz unterrichtet, so irre nicht wie ein verflatterter Vogel durch den Saal, sondern wende dich gleich an den Oberkellner, der dich dann an deinen Platz geleiten wird. 4. Sei vorsichtig mit allen Gesprächen über Religion, Politik und Krankheit. Sprich auch möglichst wenig über persönliche Dinge, es gibt so viele gänzlich neutrale Themen, die besser geeignet sind: Sport, Reisen, Literatur, Mode, Wohnungseinrichtung, Tiere—— alles leicht, ohne Tiefgründigkeit. 5. Sei abwartend, bemühe dich um niemand; aber sei auch nicht grundlos abweisend, das ist kleine Welt. Glaube auch nicht, dir etwas zu vergeben, wenn du die Salat= oder Gemüseschüssel, die der Kellner vor dich hinsetzt, mit der stummen Bitte, sie weiterzureichen, weitergibst. Tu's ruhig— aber stets nach links. 6. Zeige immer ein heiteres Gesicht, auch wenn dir nicht so zumute ist. Kannst du deiner schlechten Stimmung nicht Herr werden, laß dir dein Essen auf dem Zimmer servieren, aber verdirb an der gemeinsamen Tafel nicht den andern die Laune. 7. Vermeide es, irgendwie laut zu sein. Hantiere nicht geräuschvoll mit Gläsern. Rüge nicht das bedienende Personal, auch wenn du glaubst Grund dazu zu haben. Wende dich in diesem Falle nach dem Essen an die Leitung des Hauses, und sei überzeugt, daß so deinen Wünschen am besten Rechnung getragen wird. 8. Triff die Auswahl der Speisen nur mit den Augen, nie mit der Gabel auf der hingehaltenen Platte. Schmeckt dir ein Gericht nicht kritisiere nicht, sondern laß es schweigend auf dem Teller liegen. Hast du Grund, häufiger unzufrieden zu sein, ziehe die Konsequenzen und ** * 3 8 Sa-äsgk E#gsOGe 9.. 8 SOEPS SgES S 3.E S 8 * EEGSRAER 8 3 30 22 9 S 8 3 # 9— —* 2 8• 9 1 950 * SSSMMMNSSS bucesesgo. Faulmenen wie ich Ihnen schon sagte: In meinem Herk, für von ich eine Wirtschäfterin uche, ist durch eine tüchtige Kraft jahrelang sehr verwöhnt worden. Er stellt große Anforderungeg. Die schönen, schwermütigen Augen der Frau im blaßblauen Kleide musterten etwas müde die kurze, breite Person, die vor ihr auf der Kante des seidengepolsterten Stuhles balanzierte. Die zehnte Bewerberin auf Frau Gisetas Inserat! „Mein vorigter Herr war auch sehr pinibel, gnä Frau.“ Zeigen Sie Ihre Zeugnisse. Nur zwei?“ sch war zwanzig Jahre bei Herrn Dok tor—“ Das Blatt, mit den energischen Schriftzügen des Doktors bedeckt, fiel auf den Tisch. Frau Gisela legte die Hand über die Augen. Tann plötzlich sah sie das verwunderte alte Mädchen lachend an:„Sie sind also das Paulinchen! Und nun bewerben Sie sich von neuem um Ihre alte Stelle?“ Das silberne Frauenlachen füllte die Leere des Zimmers. Paulinchen starrte sprachlos mit offenem Munde vor sich hin. Was meinte die vornehme Dame da vor ihr eigentlich? Auf einmal begann es in Paulinchens glatt gestriegeltem Kopfe zu tagen: Die dort suchte für ihren Doktor eine Wirtschafterin. Die dort war keine andere als die Tame mit dem Brief. Roch doch die ganze Stube der Dame wie er. Ein Schmunzeln legte sich um Paulinchens hreite, im Kosten wohlerfahrene Lippen. „Aus welchem Grunde haben Sie denn die Stellung verloren?“ fragte Frau Gisela, plötzlich ernst geworden. „Um Ihn'n, gnä Frau“, antwortete das Paulinchen prompt. Frau Gisela tastete zornig nach dem Klin gelknopf. „Ich bitt' schön, gnä Frau“, Paulinchen griff ängstlich nach Frau Giselas Arm,„sagen Sie's Herrn Doktor, daß er mir wieder nimmt. Er kann kein Salz vertragen, und die roten Polster an der Sprechzimmertür und auf den Stühten werden sicher wieder die Motten kriegen, wenn ich nich da bin. Un überhaupt"— sie holte tief Atem—„wenn Sie's ihm sagen, denn tut er's.“ „Warum meinen Sie das, Paulinchen?“ „Na, der Brief, wo ich drum wechjekommen bin, war doch von Sie.“ „Was? Sie haben meinen Brief gelesen?" „I wo. Der Klingelknopf saß wieder mal Humoreske von Lenelotte Winfeld blasse Lichtkreis der Laterne vorm Hause Hause ist der Posten nicht zu besetzen. Der wirkte inmitten der weißen Nebelschleier sehrsHerr, fur den ich eine Wirtschafterin suche trostlos. Das Paulinchen hatte die Nase an die Fensterscheibe gedrückt. Ihre Tränen flossen. Kein anderer als der Klingelknopf war an allem Unglück schuld. Er blieb in jeder Woche einmal stecken. Der Doktor kam in die Küche „Rrrrrrr!“. Das Paulinchen fuhrwerkte so hastig vom Fenster weg durch die dunkle Stube, daß die bronzene Affengruppe auf dem Kamin ins Wackeln geriet. „Wo stecken Sie denn, Paulinchen?“ rief das Mädchen vom ersten Stock hinter der Tür. „Hinten öffnen Sie nicht...“ Paulinchen zog die mitfühlende Seele rasch nach den hinteren Regionen. „Ist's wahr? Sie ziehn?“ Paulinchen suchte in ihrem Tascheniuch nach einem trockenen Eckchen.„Ja, dieser eklije Klingelknopf.“ „Nanu! Der Klingelknopf?“ Paulinchen schlug mit ihrer harten Hand auf den blühweißen Küchentisch.„Hier hat der Brief jelegen, un hier hat er ihm jefunden.“ „Was für ein Brief?“ fragte die andere gespannt. „Nu, er hat ihm offen in die Rocktasche jehabt. Soll ich'n da etwa nich lesen?“ „Selbstverständlich. Was, was stand'n drin?" „Bin nich fertich jeworn. Er roch so fein, un was von Liebe war drin. Aber denn jing das Jeklingel los, un er kam in de Küche. Se wissen doch: Et macht ihm Spaß, immer an den ollen Knopp rumzufummeln. Na, ich ließ vor Schreck den Brief fallen. Nie hätte ich jedacht, daß er so jrob wern könnte. Wo ich doch seit zwanzig Jahren so jut für ihn sorje!“—— „Nrrrr...!" machte die Klingel. Die Besucherin flüchtete. Des Doktors fester, schneller Schritt im Gang!— Er legte Geld und Zeugnis auf den Küchentisch.„Ich habe den Grund der Kündigung nicht ins Zeugnis geschrieben.“ Wie ihn der Blick der verweinten, glotzenden Augen rührte! Sie erinnerten ihn immer an seine Lieblingskuh daheim. Schwer wurde ihm die Trennung von der guten alten Person. Aber was half's! Seine Autorität war unweigerlich dahin, wenn Paulinchen blieb. Nach einer Weile horte er das Rollen eines Wagens, den trübseligen Trab eines Pferdes, das vorm Hause Halt machte. Paulinchen verließ ihn. „Also, feste. Der Herr Doktor wollte ihm machen und kam in die Küche.“ Frau Giesela mußte lachen. „Versprechen Sie mir, Paulinchen, nie wieder Briefe zu durchstöbern, ja? Nun gut. Dann will ich Sie aus eigener Machtvollkommenheit in Ihre alte Stellung einsetzen. Herr Toktor kommt morgen von der Reise zurück. Machen Sie ihm alles in gewohnter Weise behaglich.“ Der Schlüssel drehte sich knarrend im Schloß. Des Doktors Brauen waren unmutig zusammengezogen. So lange Paulinchen ihn betreute, war das Junggesellenleben erträglich gewesen. Aber jetzt... Ihn fror. Gisela— man konnte ihres kranken Vaters wegen nicht an Heirat denken 4- hatte ihm merkwürdig lustig geschrieben: Eine„hervorragende" Kraft wäre engagiert und bereits in ihr Amt eingeführt worden. Im Kamin prasselte ein Feuer. Das wenigstens hatte Gisela der Neuen schon beigebracht. Der Doktor starrte in die freundlichen Flammen. Plötzlich fuhr er herum. Ein bekannter Laut hatte sein Ohr getroffen: ein Räuspern, vielmehr ein Knurren. Entgeistert schaute er nach der Wohnstubentür. Auf der Schwelle stand— die guten Kuhaugen freundlich auf ihn geheftet — das Paulinchen. Der tadellos glatte, k.eine Dutt balanzierte wie sonst auf der Spitze des Kopfwirbels, das blauweiße Kleid legte sich sauber wie immer um die derbe Gestalt. „Es is anjericht't, Herr Doktor“, sagte sie in dem bescheidenen Tonfall, der stets besondere kulinarische Genüsse verhieß. Ihre putzige Nase schaute wie sonst unbekümmert und ein wenig neugierig in die Welt, als gäbe es keine Briefe, um die man aus dem Dienst gejagt werden kann. „Da hört doch alles auf!“ schrie der Doktor. „Wie kommen Sie denn hierher?" „Die gnä Frau hat mir enchagiert“, sagte das Paulinchen mit ruhiger Selbstverständlichkeit. „Wo sie doch nicht will, daß ich wieder Briefe lese, werd' ich's auch nich wieder tun.“ Der Doktor stand fassungslos da. Gisela hatte ihm einen netten Streich gespielt! Paulinchen öffnete feierlich die Flügel der Eßzimmertür.„Bitt' schön, Herr Doktor. Es jibt Ente mit Rosenkohl, wie'n Herr Doktor sern ißt.“ Schweigend setzte er sich an den mit gewohnter Sorgfalt gedeckten Tisch. 9. Parfümiere dich nur mäßig. Es können deinen Tischgenossen starke Gerüche nicht zugemutet werden. 10. Sei während des Essens stets liebenswürdig und zeige deine unausstehlichen Seiten lieber auf dem Balle, im Theater, auf der Kurpromenade— wenn du durchaus mußt. Bei Tisch aber ist eine gleichmäßige, gut temperierte Stimmung für den Kurerfolg und ein heiteres Nebeneinandr von Wochen die notwendige Vorbedingung. Elsbeth Unverricht. —72.— Basteleien an Regentagen Mein Aeltester brachte an der unteren Seite des Oberteils meines Nähtisches einen sehr praktischen Behälter für das Stopfzeug und die Woll= und Baumwollknäuel an, indem er ein einfaches, viereckiges Spankörbchen, wie man es zum Versenden von Obst anwendet, nußbaumartig, zum Nähtisch passend, lackierte und an zwei gegenüberliegenden Seiten des deckellosen Korbunterteils, je eine Messingschiene befestigte, in die zwei an der Unterseite des Tischteils angeschraubte Lutenhölzer eingeschoben wurden, so daß der Stopfkorb bei Bedarf hervorgezogen werden kann, während er sonst in fast ganz unauffälliger Weise unter dem Tischteil verbleibt. Er ist stets zur Hand und entlastet die Nähtischplatte, was jede Hausfrau als sehr angenehm empfindet. Der Kostenpunkt ist sehr gering und die Arbeit erfordert wenig Zeit, allerdings genaues Maßnohmen und Anbringen der Lutenhölzer und Schienen, damit der Korb hemmungslos hin= und hergeschoben werden kann. Für eine Tante wurde auf die gleiche Weise ein Stopfbeutel, der in einen starken Drahtring eingespannt wurde und ebenfalls mit Laufschienen versehen war, angefertigt, der euch sehr nett aussieht und praktisch ist. Der#rtige Behälter sind auch für andere schubkastenlose Tische im Mädchen= oder Badezimmer ingenehm.— Mein jüngster Bub überbrachte einmal ein 15 Zentimater langes, 8 Zentimeter breites, weißes, Kartonpapiertäfelchen, auf das er in sauberer Rundschrift die wichtigsten Gebrauchsanweisungen für die Nähmaschine notiert hatte. Dieses Täfelchen wurde mit einer kleinen, flachköpfigen Schraube vorn unter die Tischplatte der Nähmaschine befestigt und die Schraube nur soweit angezogen, daß es sich bequem nach vorn drehen läßt, wenn man seines Rates bedarf, während es sonst unter der Platte verwahrt wird. Die Gebrauchsanweisungen sind in der Hauptsache für jene kleine Tücken der Maschine berechnet, die das flotte Nähen behindern, wie: öfteres Nadelbrechen, Fadenreißen, Schlingenbildung, Auslassen von Stichen usw., und bei deren Vorkommen ein Nachschlagen in der gedruckten Nähanleitung recht zeitraubend ist, zumal, wenn man diese Anleitung nicht gleich bei der Hand hat. M. G. Zusammensetz-Möbel Aus einem Zeitinteresse heraus entstand das moderne, schlichte Mobilar, das dem veränderten Geschmack und den veränderten Raumverhältnissen entspricht. Die heutigen Kleinwohnungen bietn keinen Platz für raumfordernde Möbel, anspruchsvolle Formen. die den Blick gebieterisch auf sich ziehen und alles andere in den Hintergrund drängen. Den Bedürfnissen unserer Zeit nach preiswertem, gediegenen und doch eleganten Hausrat, der dabei gleichzeitig die individuelle Note des modernen Menschen in großen Umrissen erfaßt, Rechnung tragend, ist man auf die sogenanten Truhen=Möbel gekommen. Es sind dies aneinandergefügte Truhen, die sich auf der massiven Urform aufbauen und in der Schlichtheit der Form und dem künstlerischen Entwurf eine geschmackvolle Einrichtung darstellen und außerdem den Vorzug haben, daß man sie einzeln anschaffen und beliebig vervollständigen kann, ebenso wie sich ein Umzug mit ihnen relativ einfach gestaltet. Man sieht diese Möbel beispielsweise als Schrank, und zwar zeigt die Grundform eine Truhe auf Füßen und Schranktüren und einer Facheinteilung zur Aufnahme von Beschirr, Büchern oder Wäsche. Diese Truhe kann dann noch durch ein untergeschobenes Kastenteil, etwa zwei Kästen hoch, vervollständigt verden. Als letztes erwirbt man ein Oberteil mit Glastüren und hat so einen geschmackvollen Bücherund Zierglasschrank. In ähnlicher Art kann man Büfetts, große Bibliotheken und Wäscheschränke zusammenstellen. Ein sehr gut wirkendes Büfett besteht aus einer größeren Truhe als Urform, vielleicht 1.80 Meter lang, 1 Meter hoch, mit massivwirkenden Füßen versehen, an den Seiten zwei glatte Turen je 80 Zentimeter breit, das Mittelteil aus vier aufeinanderliegenden Schubfächern bestehend. Darauf setzt man zunächst in die Mitte ein kleineres Kastenteil und als Schluß eine diesem Kastenteil entsprechende Truhe mit zwei Glastüren. Als sehr gelungen ist auch ein geschickt zusammengesetzter Näh= und Arbeitstisch für Frauen zu bezeichnen. Der Tisch— eine Truhe auf hohem Fußgestell— ist in der Mitte geteilt, die Teile drehen sich nach außen; durch Klappeneinrichtung ist es möglich, die Fischlänge zu verdoppeln. Im Innern des Tisches befindensich Fächer für Nähmaterial, Arbeitsgerät u. a. m. Ist dieser Tisch zugeklappt, so präsentiert er sich als wirkungsvolles Möbelstück, das als Ergänzung in jede moderne Einrichtung paßt. Man kann für diese Möbel jede Holzart, einfachere für Schleiflack und feurere für Politur oder Beize, nehmen. Sie wirken in jeder Ausführung dekorativ und bei aller Schlichtheit vornehm, so daß zu erwarten steht, daß diese Neuerscheinung auf dem Gebiet der Innenarchitektur bald weiteste Verbreitung gefunden haben wird. d E. Unverricht. S 3 3 3—•*„ E 9 S. 598 Sgaggss Sgaghs EBESpSSSES S-. SE5 Mißgeschick der Liebe Heiteres von Paul Böllert Paula liebte ihren Otto glühend. Seit fünf Jahren tat sie, als brauche sie nur mit dem kleinen Finger zu winken, daß er, der Heißgeliebte, mit ihr zum Standesamt eile. Paula tat nicht nur so, sie glaubte es auch ernsthaft. Sie war fest überzeugt, daß sie in gemeinsamer Ehe mit Otto das Leben beschließen würde. Wenn die Aussteuer da gewesen wäre, mein Gott— dann feierten sie schon in zwanzig Jahren silberne Hochzeit. Eine nette Fünfzimmer=Wohnung, im Eßzimmer eine Vitrine und ein mit erhabenen Rosen geschnitztes Büffet aus Eiche, das war das Ideal. An der Wand müßte ein großes Bild hängen: Der Mont Blanc, von Chamonix aus gesehen. Pensionsberechtigt war Otty auch, das Alter würde ganz sorgenlos sein. Nur die Aussteuer fehlte. Man kann doch nicht mit Nichts in die Ehe treten. Darum sollte jetzt, mit einem Schlage, alle Kalamität behoben werden. Wozu, wozu in aller Welt gibt es denn die achtundvierzig Lotterien mit dem Haupttreffer „Ein vollständig eingerichtetes Landhaus von zwölf Zimmern"? Und warum, warum sollte nicht auch Paula einmal dem Glücke die Hand bieten? Das waren Fragen, die ihre Lösung nur in der Tat fanden. Paula zog los und erhandelte im ersten besten Zigarrenladen das Los mit der berückenden Cewinnchance. Nun ist es eine alte Weisheit: Lose muß man sich schenken lassen. Sie gewinnen dann bestimmt und auf alle Fälle. Paula wußte das und handelte danach. Zärtlich lachennd steckte sie Otto das Unterpfand der Liebe in die mannhafte Rechte. Die Erwartung! Das Glück kam am Ziehungstage. Das große Los, dazu die Prämie fielen auf Ottos Nummer! Auf jenes Los, das Paula ihrem Otto voller Hintergedanken geschenkt hatte. Aber Otto wollte von dem Hintergedanken nichts mehr wissen. Er antwortete mit einem mächtigen Krach, schrie von Gängelband und Männerwürde und schritt stehenden Fußes zum Standesamt. Mit Marthchen Ihde! Paula erholt sich in einem Newensanatoeigener Hauswirt, Vereins für Siedlungs=sten, was sie vor der Ehe von der Ehe wissen Er it ein gemachter Mann Sie wußte vor allem, daß sie Geld brnuchten. „ Durch ihrer Hönde ehrliche Arbeit, konnten Arwed ist aus bester Familie und Börsenvertreter. Er besaß ein Motorrad mit entzückender Sozia. Die war aus guter Familie. Das schmeichelte ihn zwar sehr, brachte ihm nachher aber die größten Ungelegenheiten. Ein Motorrad stellt man nicht in die gute Stube. Man setzt sich darauf, befestigt hinten seine Sozia, und ab nach Kassel! Sonnabend nachmittags fort und am Sonntag spät wieder zurück. Dazwischen liegen viele Stunden, und ehe man es sich versieht, sind hunderte Kilometer gefahren. Man merkt es gar nicht, so schnell geht das. Auch Arwed merkte nicht, daß er scharfen Kurs auf die Ehe nahm. Eine hervorstehende Baumwurzel auf dunkler Waldstraße verschuldete das Unglück. Arwed kam mit dem Schrekken davon, seine Freundin zog sich eine üble Narbe vor dem linken Ohre zu. Arwed ging wohl unverletzt aus dem Sturze hervor, aber von anderer Seite drohte Gefahr. Die Sozia behauptete nun, er müsse sie heiraten; fürs ganze Leben sei sie entstellt. Woher einen anderen Mann bekommen? In schweren Kämpfen ließ Arwed sich breitschlagen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, dem Armen. Er wollte nicht und mußte doch das Aufgebot bestellen. Er beschleunigte es sogar. Innerhalb von vierzehn Tagen war er junger, wenn auch nicht glücklicher Ehemann. Seine Frau triumphierte. Drei Tage lang. Da ließ sich in der Stadt ein Schönheitsarzt nieder, der kosmetische Fehler schmerzlos und rasch beseitigte. Arweds Frau ging hin, ging noch einmal hin, und die Narbe war verschwunder, 4, guuch I— keit. unter#. Nun behauptele Arweo, er hatte unter falschen Voraussetzungen geheiratet. Er hat sich erkundigt, es ist kein Scheidungsgrund. Er ist mit sich zerfallen und der Welt. Er hat resigniert und möchte am liebsten sterben. sie es nicht gewinnen. Wer kann oas noch heutzutage? Aussicht auf Erbschaft hatte keiner von beiden, und sich auf das Große Los zu verlassen, dazu war weder Willy noch Anna romantisch genug. In diesem Weltgetümmel vergeht einem der Wunderglaube, und wo nichts ist, da kommt nichts hin. Zu Anna und Willy kam aber doch etwas: sie hatte die fabelhafte Tdee, und Willy bot begeistert die Hand zur Ausführung Anna besaß das Betriebskapital. Mit dem setzte sie sich ins Café und wartete. Willy, der Telegraphen=Assistent, saß im Haupttelegraphenamt und wartete ebenfalls. Er wartete, daß aus Paris die Rennergebnisse kamen, aus Deauville, Longchamps und sonstigen Orten. Sie kamen an, aber wenn sie weitergegeben werden sollten, war immer gerade die Leitung gestört. Das kann doch passieren, mit Störungen muß der Telephonverkehr leider immer noch rechnen. 1. uch Wiy, Soum 81. Pflichtschuldigst machle say Miuh barun, die Störungen zu beseitigen. Das dauerte manchmal recht lange. Er mußte erst mit Anna teiephonieren, die im Café wartete. Dann mußte er noch fünf Minuten warten, bis Anna zum Buchmacher gesaust war und auf das Pferd mit der höchsten Quote gesetzt hatte.— Dann, aber dann war auch die Leitung im Nu wieder in Ordnung. Und Anna konnte ihren vervier, verfüns=, versechsfachten Einsatz gleich mitnehmen. Willy würde noch immer Störungen suchen, wenn er sein Geschäft nicht unvorsichtigerweise vergrößert hätte. Er hatte Abonnenten geworben. Das wurde zuviel. Er mußte einen Kompagnon nehmen, und der wahrte nicht das Geschäftsgeheimnis. Darum muß Willy nun auf einige Monate ins Gefängnis ziehen: Anno auch Aber leider gestatten unsere Gesetze nicht daß Eheleute und solche, die es werden wollen, einunddieselbe Zelle bewohnen. Sonst würden sie sich nämlich heute noch trauen lassen, die beiden, trotz alledem. Anna und Willy hatten sich so sehr aneinander gewöhnt, daß sie heiraten wollten. Nicht im Ueberschwang jugendlicher Gefühle, beide wußSie war doch schliun genug, Warum bekom=ger, schpfgztischen unde Pögefb gzuasg nach Einne ich nun noch die Tante dazu ale neuen: in gahrigen, Werkstätten, Laden und Takt und Kind In dem Maße, wie die Erinnerung an seine Vergangenheit, seine Kindheit frisch und lebendig in einem Menschen lebt, oder blaß und verschoben dahinsiecht, in dem gleichen Maße wird er Verständnis für das Leben und Wachsen für die Seele seines Kindes haben. Ein Mann, der sich noch in das Gemütsleben seiner Knabenjahre zurückversetzen kann, wird sich eher die Zunge abbeißen, als seinen Jungen im Kreise der Kameraden mit„Bubi“ oder irgend einem samiliären Kosenamen anrufen. Eine Mutter, die noch um die nicht immer leichten S#tunden ihrer Jungmädchenzeit weiß, wird mit keinem Blick zu verstehen geben, daß sie von den Tagebuch der Tochter auch nur eine Abnung habe. Eltern, die an Hand dieser Erinnerungen sich in die frühesten Jahre ihres Kindseins zurückzutasten vermögen, werden auch im Kleinkind bereits die keimende Persönlichkeit erkennen und sich hüten, dieses zarte Pfänzchen zu knicken, das einmal und entscheidend verletzt, das gesamte Charakterbild ires Kindes verbilden, verstümmeln, verderben kann. Das Kleinkind, in dem das Seelchen am zartesten die Flügel regt, hat im gleichen Augenblick noch so unsäglich viel Bodennahes, Tierhaftes, daß es noch nicht in der Lage ist, über sein Empfinden Rechenschaft zu geben. Es kann kaum angeben, wenn ihm ein Teil seines Körpers weh tut, geschweige denn, wenn das kleine Herz unter unbekannten unbegreiflichen und oft so rohen Schlägen zuckt. verstehst du nicht!" Dieses Wort erzeugt einen gewissen Klassenhaß im engsten Kreis der Familie. Das Kind kann nicht begreifen, daß es einmal über den augenblicklich kleinen Horizont wird hinausblicken können.„Es hört von allem nur das Nein“, fühlt sich vernachlässigt, ausgeschlossen und gründet seine eigene kleine Partei gegen den Besitzenden, den Erwachsenen, den Verstehenden. Das Kind hat etwas„verbrochen“. Es kommt Besuch, und der Besuch bekommt die ganze kleine Kerlchen fühlt sich nackt ausgezogen, Ausgleichemöglichkeit gegen Kxummstzen und fühlt sich verraten, hat das Gefühl:„Das war Kurzsichtigkeit, ohne daß dem were,—.. doch eine Sache zwischen Mutter und mir? Betätigung oranat. Gelegenheit zu selbstäng.. ne ich nun n.—., Ig i. Feind, wo ich doch schon weiß, oaß ich Unrecht sabe?!“ Es hat auch keinen allzu großen Wert, dem Kinde fortwährend diesen oder jenen Spielgefährten als Beispiel vorzuhalten. Das Kind sieht allein, vergleicht fast ebenso gut wie der Erwachsene. Bei schwerfälligen unter ihnen ist dann und wann ein vorsichtiger Hinweis nicht unangebracht. Jedes plumpe Unterstreichen ist vom Uebel. Auf dem Spielplatz, in frühester Jugend entstehen durch diese Art von Unzartheit der Eltern Disharmonien, Feindschaften, die vermieden werden können. T'as Leben bietet ihrer noch genug. Es ist auch mißlich, über das Aeußere eines Kindes in seiner Gegenwart Bemerkungen zu machen.„Mein Gott, wie süß!" Das Kind braucht selbst noch lange nicht sprechen zu können. Es verstcht, was gesagt wird, versteht auch den Sinn. Das Kind ist ein wenig eitel geworden, dank der Unbeherrschtheit der lieben Mitwelt. Die Mutter möchte parieren. Du bist ja gar kein hübsches kleines Mädchen!“ Hier werden Zweifel gesät, Minderwertigkeitsgefühle ins Leben gerufen, die, durch irgendwelche Zufälle unterstützt, verhängnisvolle Folgen für die Entwicklung des jungen Menschleins haben können. Solche„Taktlosigkeiten“, die dem Kinde durch Eltern und Mitmenschen beigebracht werden, sind sehr dazu angetan. Gedeihen und Blühen des jungen Menschenkindes in Frage zu stellen. Ruth Köhler=Irrgang. Ihr Eltern hört: Schickt eure Kinder in die Natur! sh. Wißt ihr nicht, daß mehr als die Hälfte jugendlichen Lebens von der Schule für rein geistige und gedächtnismäßige Arbeit verbraucht wird, ohne daß dem Körper genügend daß eure Juligen und Tawbel, hulh 1—, der, in Fabriken, Werkstätten, Laden und Büros den harten und schweren Bedingungen des Daseinskampfes unterworfen sam, die ihnen in der bedeutungsvollsten Entwicklungszeit die Träume und Hoffnungen sorgloser Jugend zerstören, ihre Kindlichkeit und Gesinnungssauberkeit vernichten, sie zu Opfern trüber Großstadtmoral machen?— Ihr habt Recht: Eure Kinder sollen etwas lernen, sollen im tätigen Leben stehen, sollen bei der heutigen wirtschaftlichen Notlage Geld verdienen! Aber damit hat eure Elternpflicht und Elternliebe nicht genug getan. Eure Kinder haben ein Recht auf eine frohe Jugend und ein Recht auf Persönlichkeit. Gebt ihnen beides, indem ihr sie wandern und in die einkehren laßt! Ihr könnt nicht schöner beweisen, daß es euch um die Erziehung eurer Kinder Ernst ist, als wenn ihr ihnen helft. den großen Reichtum zu erschließen, der im Wanderleben und in der Schönheit unseres Landes liegt. Sorgt dafür, daß eure Kinder furchtlose Menschen werden, die das Rechte auch dann zu tun wissen, wenn sie allein stehen. Darum erkennt den großen Wert, der für eure Kinder in einer mehrtägigen Wanderung in Gesellschaft von Gleichaltrigen liegt. Da leben sie in der herben Frische der Kameradschaft, da lernen sie Treue, Geduld, Rücksichtnahme und Freundlichsein, aber auch sich in der Welt zu bewegen und sich einen Platz zu erobern! Sie lernen ihre Heimat dennen und die Art ihrer Volksgenossen verstehen, weil sie jeden Schritt Bodens selbst erwandert haben und mit andern Menschen aus andern Berufen einige Zeit in frohem Herbergsleben zusammen sein Können, verbunden durch das heilige und reine Band der Natur. Sie bilden ihren Körper in Luft und Sonne aus zu einer gesunden Grundlage für ihre weitere Entwicklung, und die im Wandern erworbene hörperliche Spannkraft und geistige Harmonie werden sie im Leben weiterbringen, denn es fließt daraus Berufsfreude, Klarheit und Kraft. Seid nicht zu ängstlich, daß etwas„passieren" könnte, glaußt nicht daran, daß eure Kinder